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Sonntag, 21. Januar 2018

Blick in die Kunst der Waffentechnik

Photo: Pinterest
Die Entwicklung der Rüstungen für Kämpfer (Ritter) im Mittelalter war bemerkenswert. Man entdeckte bald, daß verbundene, mehrschichtige Materialien ein Vielfaches an Widerstandskraft auch gegen moderne Waffen hatten, im Gesamtgewicht aber leichter bleiben konnten. Und doch waren sie effizienter gegen die aufkommenden Waffen wie Armbrüste oder - asiatische Bögen. 

Die wie bei den Mongolen, Hunnen und Magyaren ebenfalls die Eigenschaften mehrschichtiger Aufbauten nutzten und damit ungeheure Durchschlagskraft für Pfeile erlangten. Ein Bogen der Magyaren wies bis zu 10 Schichten Horn auf, die mit Knochenleim zusammengefügt waren. (Mit einem Nachteil, der sich in Europa erst herausstellte: Sie waren anfällig gegen Regen. In Asien war es ja noch trocken gewesen, aber in Europa ... solche Bögen lösten sich dann auf.) 

Noch auf 600 m war ein aus einem solchen Bogen abgeschossener Pfeil absolut tödlich, denn er riß riesige Wunden mit bis zu 5 cm Durchmesser, je nach Pfeilspitze. Wie bei heutigen (starken) Schußwaffen starb der Getroffene oft schon am "Blutschock", oder verblutete rasch, selbst wenn er nur in Extremitäten getroffen worden war.

Diese im obigen Bild dargestellte polnische Rüstung aus dem 16. Jahrhundert zeigt einen Höhepunkt dieser Rüstungstechnik der Mehrschichtigkeit, die erst später, angesichts der dann aufkommenden Feuerwaffen zu versagen begann. Über 1.000 Einzelteile kombinieren Widerstandsfähigkeit und Beweglichkeit - bei gleichzeitiger Leichtigkeit - auf beeindruckende Weise. 

Nur damit wir keiner Täuschung erliegen: So eine Rüstung war auch im Vergleich damals ungeheuer kostenaufwendig. Der Preis einer guten Körperrüstung entspricht nach heutigem Kaufwert dem eines Einfamilienhauses. Das mußte sich ein Ritter erst einmal leisten können! In einer Zeit, in der er sein "Einkommen" aus Naturalien und Arbeitspflichten bestritt, weil Geld erst allmählich aufkam. Die Ritter verloren ihre Bedeutung eigentlich notgedrungen, die Kampfestechnik mußte sich schon deshalb hin zu (immer unritterlicheren, unsittlicheren, kulturloseren, funktionalistischeren) Massenheeren verändern. Denn so nebenbei mußte ein Ritter auch noch durch ständiges Training selbst am Pferd schlachtentauglich bleiben. Das überstieg in der Entwicklung des Kapitalismus hin zur Geldwirtschaft bald deren Möglichkeiten.

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Ein guter Schmied konnte reich werden. Er war gesucht, und hatte an so einem Werk ein halbes bis ganzes Jahr Arbeit. Während ein gutes Schwert immerhin schon innerhalb eines Monats zu fertigen war. Wenn der Meister gut war und die Technik des Mehrfachverbunds beherrschte, was ein gut gehütetes Geheimnis und Resultat von "viel Gefühl" - letztlich damit eine nicht erlernbare, nicht in bloßer Technik aufgehende Kunst also - war. Sodaß Schmiede im Ansehen neben dem Magier, dem Zauberer zu stehen kamen. Mit derselben Furchtbarkeit und Angstbesetztheit in den Augen der Bevölkerung.

Photo: Pinterest
Als die Ritter zu den ersten Kreuzzügen aufbrachen, hielten sich deshalb vorerst ein gutes Jahr in Gebieten wie der "Eisenfurche" auf. Das ist das Ybbs- und Ennstal, von Steyr bis nach Waidhofen und Weyer, die das Erz des steirischen Erzbergs verarbeiteten. Bei einer der mindestens 250 Werkstätten gaben sie ihre Waffen in Auftrag, und eine ganze Region hatte Brot und Arbeit dadurch, ja wurde wohlhabend. Vom Kaiser durch Abgabenfreiheit, Marktrechte, Gerichtsbarkeiten (als Maßgabe der Selbstregulierung) privilegiert, sodaß die Bauern zu günstigen Preisen Lebensmittel liefern konnten und wollten. 

Etwas, das sich für die Region schicksalshaft auswirkte, denn das niederösterreichische Voralpenland-Ybbstal, von der Enns bis nach Ybbs a. d. Donau, ist bis heute eine der Vieh- und Kornkammern Österreichs. Der VdZ stammt väterlicherseits von dort und seine tüchtigen Vorfahren haben über Generationen Vieh gezüchtet, das ganze Rassen hob und bis heute maßstäblich ist.

Aber nur wenige Schmiede beherrschten die Technik, die, wie wir heute wissen, eine Technik hochkomplexer Stahlbearbeitung war. Man machte kein Hammerwerk (eine Schmiede) auf, weil es "ein Geschäft war" oder weil "Nachfrage herrschte". Man mußte es KÖNNEN, die Muse besitzen, begnadet sein, und das Geheimwissen besitzen, das ein Ablaufwissen war, ohne Gründe - eben: Magie. Wer alles das nicht hatte wurde bestenfalls Hufschmied oder Wagner ... 

Aber der Kern der Schmiede beherrschte eine Verarbeitungskunst, die nur an wenigen Orten überlebte. Wie in Steyr, wo noch 1914 ein Gewehrlauf produziert werden konnte, der eine ganze Millionen-Armee mit einem in der Treffsicherheit überlegenen Gewehr ("Wörndl") ausstattete. Wie es nur noch einige wenige Gewehrmanufakturen in Kärnten beherrschten, das im Mittelalter eine sehr ähnliche Entwicklung durchlaufen und auch dort viel Wohlstand geschaffen hatte. Oder wie in Amstetten bei einem Schmied, den der VdZ persönlich kannte, der noch bis vor 20 Jahren, wo er verstarb, die traditionelle Rüstung für die Schweizer Garde des Vatikan herstellte.

Ein letzter Rest dieser Technik ist wenigstens ahnungsweise in der Kärntner "Glock" erfahrbar, der nach Meinung von Fachleuten besten Handfeuerwaffe der Welt. Mit einem wahren Patriarchen an der Spitze. Wie sonst.

Und in dem "lustigerweise" in dieser Eisenfurche liegenden Stahlwerk der VÖEST, wo in den 1960er Jahren als "LD (Linz-Donawitz)-Stahl" wieder "entdeckt" und zu Weltruhm als Massenprodukt entwickelt wurde. Diesmal aber war es keine Magie, sondern echtes Wissen um materiale Vorgänge. Magie ist eben "kenntnislose Ablauftechnik", als Degenerationsform von wahrer, wissender Religion.

Denn Eisen wird durch Kohle zu Stahl, das in aufwendigen Schmelzverfahren wieder und wieder übereinandergeschichtet wird. Das war notwendig, weil die Araber (Sarazenen) mit den Damaszener-Schwertern eben diese Technik (des Orients) zur Perfektion geführt hatten, weshalb sie waffentechnisch den Kreuzrittern überlegen gewesen wären. Diese Kohle stammte aus den Wäldern des Voralpenlandes, wo der Köhler sein Gewerbe betrieb, was ebenfalls viel Geduld und Sachkenntnis benötigte und ebenso legendenumwoben war.







*301117*

Dienstag, 18. Februar 2014

Stimme der Vernunft

Über das wahre Ausmaß dieser (Zitat von Bundespräsident H. Fischer) "budgetpolitischen Katastrophe" HYPO KÄRNTEN wird man bei den derzeit betretenen Wegen erst in Jahren erkennen können. Wenn die Risiken der 2009 notverstaatlichen Bank abgebaut, d. h. in ihrem Umfang erkennbar (und bezahlt) sind. Bis zu 19 Milliarden Euro sind denkbar, sogar mehr, vermutlich etwas weniger, wenn auch der Wert von Konkursaktiven (Aktiven von Gläubigern, die Kredite der Hypo-Adria-Bank nicht zahlen können oder wollen) dramatisch gering wird. Immerhin geht es hier um rund die Hälfte der Steuereinnahmen ganz Österreichs in einem Jahr.

Die ORF-Sendung IM ZENTRUM, die über dieses Link kurzzeitig abrufbar sein wird, vermittelt einen guten Einblick in die Problemlage. Sehenswert ist diese Sendung aber durch die ausgesprochen klugen, besonnenen Argumente der Wiener Wirtschafts-Universitäts-Dozentin Eva Pichler. 

Denn die sagt, daß der Fall typisch für das Mißtrauen gegenüber marktwirtschaftlichen Prinzipien sei, das in Österreich bereits herrsche. Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, warum der Bund (die Staatsregierung) überhaupt die Landeshaftung Kärntens übernommen hat. Es war nämlich eine Kärntner Angelegenheit, und wenn sich das Land überfordert hatte, so hätten nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten eben auch die Gläubigerketten entsprechend den Fall der Bank zur Haftung herangezogen werden müssen. (Mit) Gezahlt hätte damit auf jeden Fall, wer das Risiko eingegangen war, etwa Anleihen der Bank zu zeichnen, wie Hedge-Fonds, Institutionen, Private, aber natürlich auch das Land Kärnten. Alle diese kommen nun ungeschoren davon, ja Kärnten versucht sogar den damaligen "Verkaufspreis", den es als "Zukunftsfonds" ("Känrten ist ab heute reich!") angelegt hat, für sich zu behalten. Weil der Bund - eine sachlich völlig überforderte Regierung (siehe dazu den Artikel in der NZZ, die den Dilettantismus beim Namen nennt, der sich hier offenbart) eines verfilzten Politsystems - prompt und sofort alles zu zahlen sich bereit erklärt hat, und die Bank nach dilettantischen Verhandlungen übernahm, und dabei "großzügig" auch noch die Miteigentümer (vor allem die Bayrische Hypo-Landesbank) aus der Haftung entließ.

"Die verschleppte Abwicklung der Hypo führt automatisch zu den Schwachpunkten des Systems: Politiker, die sich um unangenehme Entscheidungen drücken, parteipolitische Abhängigkeiten in vielen Behörden und Institutionen sowie Kontrollgremien, die ihren Aufgaben nicht gewachsen sind beziehungsweise diese nicht wahrnehmen wollen. Nun hätte selbst ein weniger verfilztes System als das österreichische, das unverschämt Parteien- und Klientelinteressen über das des Gesamtstaates stellt, das Debakel der Hypo nicht verhindern können. Doch die Gesamtbelastung der Steuerzahler wäre wohl um einiges geringer ausgefallen." (Zitat aus der NZZ)

Das Dilemma der Bank ist sogar erst durch die Landeshaftung ausgelöst worden, schreibt die NZZ völlig richtig. Denn erst diese Haftungen Kärntens, die dessen jährliches Landesbudget um das 12fache (!) überstieg,  hätten die Bankeigentümer und -manager zu derart größenwahnsinnigem Wachstumskurs in die Lage versetzt, mit der sie wie es aussieht groteske Kreditrisken v. a. am Balkan (legendär: ihre Yachtenfinanzierungen) eingegangen war, um so "zu wachsen". Das ging so weit, daß sogar die dortigen Landesbanken Beschwerde einlegten, weil die Hypo-Adria-Bank sich durch geschickte Ausnützung der Basel-Abkommen die Expansion durch Unterfinanzierung (weil durch Landeshaftung sowie landesbesicherte Anleihen) einen gewaltigen Marktvorteil erwarb. Die Kärntner Hypo-Adria-Bank war 2008 aber nicht einmal systemrelevant in Österreich! Dennoch erhielt sie noch einmal 900 Mio aus der Krisen-Bankenförderung. Weil man aber - um diese Marktvorteile aus der Landeshaftung zu lukrieren - die Banken in den Balkanstaaten nie dezentralisiert hatte, also alles aus Klagenfurt abwickelte, begann die Lawine zu rollen. Und TROTZDEM hat man noch einmal in 2009 die Kreditvergaben am Balkan um 15 % ausgeweitet, damit den durch Einlagen in Klagenfurt besicherten Aktivwert von 33 % auf 25 % reduziert. Klägliches Versagen auch der Bankenaufsicht, parteipolitisch gesteuerter Filz wie so gut alles in Österreich. - Lesen Sie den Artikel in der NZZ, die den Fall in seinen sachlich relevanten Vorgängen sehr gut aufrollt. Und dabei das Versagen des Mentalität gewordenen "Günstlings-Systems Österreich" so richtig offenbar macht.

Das Dilemma in Österreich ist prinzipiell, es nennt sich "Schmalspurföderalismus", so Pichler. Denn man teilt in Österreich prinzipiell Dinge, die nicht trennbar sein dürfen: Entscheidungen und Verantwortungen werden auseinandergerissen. Das ist bereits zur Grundhaltung auch der Bevölkerung geworden, wie sie auch in hohem Ausmaß bei ihren Studenten feststellt: Man teilt die Verantwortung (den Zahler) vom Geldausgeber. Der eine zahlt, der andere gibt es aus. Das ist der Grundschaden, der in Österreich so zahllose Desaster verursacht hat, bis hin zur Spitälerfinanzierung.

Man müßte sich vielmehr entscheiden, ob man Föderalismus will - oder nicht. Wenn ja, dann muß auch die Haftung durch jene übernommen werden, die den Schaden verursacht haben. Und das heißt in dem Fall: Kärnten. Dann muß eben das Land in Konkurs gehen. Aber es ist nicht einsehbar, und auch rechtlich überhaupt nicht logisch, daß der Staat einfach immer bezahlt, wo die Landespolitik versagt. Diese Auffassung zieht sich sogar bis auf die Gemeindeebene [und bis zum einzelnen Bürger, man denke nur an die zahlreichen Eingriffe in die Familien, in denen man die Väter zu bloßen Zahlern degradiert hat, während man ihnen jede Entscheidungsmacht gezielt - "Emanzipation" aller Familienmitglieder - aus der Hand genommen hat; Anm.]

Auch wenn dieses Desaster natürlich durch den politischen Ehrgeiz des damaligen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider direkt eingeleitet wurde, um seine Sozial- und Scheinprosperitätspolitik zu finanzieren (darin hat sich der "Rechte" von den "Linken" in nichts unterschieden, man vergißt ja meist, daß Haider sich selbst als Ziehsohn des seinerzeitigen sozialistischen Landeshauptmanns Wagner bezeichnete) - er hat bestenfalls ins Extrem ausgereizt, was aber alle Bundesländer auch machen und immer gemacht haben. Die alle davon ausgehen, daß für den Fall, daß ihre Hazardspiel schiefgeht, ohnehin der Bund einspringt. Hier geht es um eine gesamtösterreichische Mentalität: jemand anderer hat zu zahlen, was man selber anrichtet, und im schlimmsten Fall die anonyme Größe "Steuerzahler". Hier geht es um ein System von Inkompetenz, höchstwahrscheinlich auch um ein (gesamtösterreichisches, zur Mentalität gewordenes) System von Kumpanei, in dem es sich so manche einfach richten und die Verantwortung auf die "Anderen", auf die Gesamtheit abschieben. Das scheint auch im Fall der Kärntner Hypo-Adria-Bank grausamst zugeschlagen zu haben.

In der Sendung wird so nebenher eben aufgezeigt, daß die Bundesländer Österreichs Haftungen auch für ihre jeweiligen Landes(Hypo)Banken im Ausmaß von 47 Milliarden übernommen haben. Noch 2001 hatte Wien für die damalige Bank Austria Haftungen von 127 Milliarden Euro, selbst nach Bankverkauf an die Girocredit (Italien) sind es immer noch 7 Milliarden. Das volle Ausmaß von föderalistisch motivierten Haftungen - die aber vom Bund zu zahlen wären, würden sie schlagend -  ist derzeit nicht einmal wirklich bezifferbar, man geht von bis zu 80 Milliarden aus. Wie wenig aber die Politik begriffen hat, worum es überhaupt geht, zeigt, daß in diesem Augenblick weitere Sozialleistungen im Füllhorn übers Land geschüttet werden, wie mit der "Zahnspange für alle" auf Staatskosten - deren Kostenhöhe man "Daumen mal pi" geschätzt (!) hat, weil man gar nicht weiß, was da aufs Budget zukommt. Was man mit dem Hinweis abgetan hat, daß wenn man mit den budgetierten 80 Mio nicht auskäme, die Zahnärzte eben billiger werden müßten ... um die Bevölkerung durch weitere Brot und Spiele-Politik zu besänftigen. Während mit dem politisch verursachten Hypo-Adria-Bank-Desaster selbst bei günstigstem Ausgang für 25-30 Jahre das Zehn- und Mehrfache davon jährlich auf die Österreicher an zusätzlicher Steuerlast zukommt, wird hier also einfach weiter verteilt, was gar nicht da ist.

DAS ist Österreich.

Geneigter Leser, alles das ist also - der Ruf nach Vernunft, einer Politik gegenüber, die dieses Wort aus ihrem Wortschatz gestrichen hat.




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Mittwoch, 4. Dezember 2013

Freiheit bedeutet Adel

Es ist nicht ohne Interessantheit, was Pirenne über die Entstehung des Adels schreibt. Immerhin ist Pirenne ein profunder Kenner der Materie.

Denn er meint, daß die Gleichsetzung der Bedeutung von "Adel" mit "Freier" im 10. Jhd. noch allgemein war. Sodaß JEDER, der FREI war, auch ADELIG war. In dieser Bedeutung ist es in die Zeit fortgewachsen. In den schneller als Deutschland sich entwickelnden Gesellschaften von Frankreich und den Niederlanden lebt das selbst in der Namensgebung - "de", oder "van", die von Deutschen als "Adelsprädikate" verstanden werden, in den betreffenden Ländern aber zum Teil sogar gar nicht - noch fort. Und in der Antike wurde er ohnehin nur so verstanden.

Nicht Adel bedeutet Freiheit - sondern Freiheit bedeutete Adel.

Nur der Umstand, daß viele, manchmal ein gesamte Bevölkerung, diese Freiheit aufgab oder aus wirtschaftlichen Gründen* aufgeben  mußte, und daß sich aus dieser Konzentration der Verantwortlichkeit auf immer weniger eine Art "Schichte" herausbildete, hat zu dem geführt, was in den deutschen Ländern den Begriff "Adel" nach heutigem Verständnis herausgebildet hat. Die Reduzierung der Freien war es also, die den Adel zu einem "Stand" machte.

Selbst, wenn man sagt, daß sich der Adel hier aus der Übernahme von Verwaltungsaufgaben, dort aus der Dienstpflicht zur Waffe - also dem direkten Dienst am König, am Staat - entwickelte, so ist soziologisch klar, daß es nur aus dem Bauernstand heraus, sowie aus der Schichte der römischen Beamten, die auch in unseren Ländern noch verblieben waren, zu solch einer Schichtenbildung kommen konnte. Wer wäre sonst dagewesen?

Aber ADEL und FREIER ist in seiner ursprünglichen Bedeutung synonym. Auf beide wurden die alten Rechtsgefüge des Familien- und Sippenrechts angewandt, sie waren rechtsfähig. Aus der faktischen Entwicklung heraus wurde dieses Recht aber zunehmend auf immer weniger anwendbar, und dieselbe faktische Entwicklung führte zur Erscheinung der "Leibeigenen".

Hier sei mit besonderer Innigkeit auf den Vergleich der Entwicklung in Bayern und Tirol hingewiesen. EIN Volk, eine Bevölkerung - ZWEI völlig unterschiedliche Entwicklungen! Die Tiroler, die bis heute sogar ihr Recht auf Waffentrage ("Schützenvereine") aus der Pflicht zur Landesverteidigung heraus bewahrt haben, waren immer FREI. Sie haben auch topographisch bedingt ihren Kampfgeist nie aufgegeben.** Im nur einen Bergkamm entfernten (und außerdem einfacher zu bewirtschaftenden) Bayern hat sich ein System der Großgrundbesitzer herausgebildet, in dem nur wenige diese ursprüngliche Freiheit behielten.



*Die mikroökonomischen Mechanismen einer Konzentration von Grund und Boden, dem Übergang vom Besitzer zum Pächter, sind vielfältig und komplex, und zu allen Zeiten und aller Orten recht ähnlicher Natur. Vor allem Ackerbauern (Kornfrüchte haben weit geringere absolute Spannen als etwa Viehzucht) waren davon betroffen. Nur einige der so häufigen Mißernten hintereinander, bei dem allgemeinem Geldmangel damals sowieso, und ein kleiner Landherr konnte ruiniert, in die Abhängigkeit genötigt sein, um zu überleben. Längerer Kriegsdienst, der jedem Freien oblag, hieß zudem längere Abwesenheit vom heimatlichen Hof, war damit doppelt belastend.

**Bis in die neueste Zeit hinein: Als im August 1915 Italien Österreich völlig überraschend iin Südtirol angriff, waren es rund 90.000 einfache Tiroler (an sich wehrunfähig erklärte) Bürger, vom Schüler bis zum invaliden Greis, die mit einfachsten Mitteln die vielfach überlegenen Angreifer wenigstens so lange gehemmt, bis nach drei, vier Wochen reguläre österreichische Truppen von der Ostfront herangeführt waren. Von den Kärntnern 1919 - gegen jugoslawische Truppen - ist nicht viel weniger zu sagen. Daß dies alles heute, in Zeiten, wo Freiheit überhaupt kein oder bestenfalls ein "ja, auch irgendwie" Wert mehr zu sein scheint, nicht mehr verstanden wird, wundert nicht. Wie früher, wird Wohlstand gegen Freiheit eingetauscht. Die Menschen waren immer gleich.





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