Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Amoris Laetitia werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Amoris Laetitia werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 14. Januar 2018

Einheit nur in der Wahrheit

Hickson: Sollte diese ganze Debatte [über Amoris Laetitia und die Dubia, die dem Dokument Irrtümer vorwerfen; Anm.] nur unter Fachleuten und nicht öffentlich geführt werden?

Seifert: Da die Frage der würdigen Aufnahme und Austeilung der Sakramente für jeden Priester und Gläubigen von entscheidender Bedeutung ist – davon kann ihre ewige Rettung abhängen –, ist die Behauptung, dass diese Angelegenheit nicht öffentlich diskutiert werden sollte, absurd. Darüber hinaus ist Amoris Laetitia veröffentlicht und seine sehr unterschiedlichen und widersprüchlichen Interpretationen sind veröffentlicht. Daher sollte die Debatte öffentlich geführt werden.


Hickson: Sollten wir alle in dieser Situation schweigen, um Frieden und Einheit in der katholischen Kirche zu bewahren?

Ich denke, ich habe diese Frage bereits beantwortet, aber ich möchte noch einmal betonen, dass die Wahrheit nicht nur Vorrang vor Einheit und Frieden hat, sondern die Voraussetzung für echte Einheit und Frieden ist. Ich könnte hier Blaise Pascal zitieren, den großen französischen Philosophen, den Papst Franziskus anscheinend selig sprechen will und der dies in seiner wunderbaren französischen Sprache ausgedrückt hat, die etwas weniger schön ins Englische übersetzt (werden kann) lautet:

Es ist ebenso ein Verbrechen, den Frieden zu stören, wenn die Wahrheit vorherrscht, wie den Frieden zu bewahren, wenn die Wahrheit verletzt wird. Es gibt also eine Zeit, in der Frieden gerechtfertigt ist und eine andere Zeit, in der er nicht gerechtfertigt werden kann. Denn es steht geschrieben, dass es eine Zeit für Frieden und Zeit für einen Krieg gibt, und es ist das Gesetz der Wahrheit, das die beiden unterscheidet. Aber es gibt zu keiner Zeit eine Zeit für die Wahrheit und eine Zeit für einen Irrtum, denn es steht geschrieben, dass Gottes Wahrheit für immer bleiben wird. Darum hat Christus gesagt, dass Er gekommen ist, um Frieden zu bringen und gleichzeitig, dass Er gekommen ist, um das Schwert zu bringen. Aber Er sagt nicht, dass Er gekommen ist, um sowohl die Wahrheit als auch die Falschheit zu bringen. „- (Blaise Pascal, 19. Juni 1623 – 19. August 1662)

Aus einem Interview mit dem Philosophen und Theologen Josef Seifert



Nun ist aber Wahrheit ohne Lehramt - also ohne die tatsächlich bestehende Kirche - nicht denkbar und nicht möglich. Wir können sie nur empfangen, auch, ja gerade im Konkreten, dort ist der Ort wo wir sie empfangen. Wie ist also das wirkliche Problem zu formulieren?

Es entsteht, wenn das faktische, momentane Lehramt mit der bislang erkannten Wahrheit nicht übereinstimmt. Denn zwei Wahrheiten kann es nicht geben. Wenn also die Wahrheit, wie sie dem Getauften, durch die Kirche Erhellten ("lumen Christi") - also "Kulturalisierten" - bislang mehr und mehr aufging und nun plötzlich in Widersprüche gelangen sollte, wenn er dieser selben Kirche gehorcht. 

DAS ist das wahre Problem dieses Pontifikats. Denn es ist auch nicht legitim, es widerspricht der Wahrheit über den Menschen, es widerspricht auch der Wahrheit der Kirche ("Fideismus"), seine Vernunft aufzugeben und "blind" zu glauben, nur weil es das Lehramt verkündet. Das wird aber nun gefordert. Dabei ist es das Lehramt selbst, das die Wahrheit garantiert, weil verkündet! Wahrheit ja, aber Wahrheit gibt es erst durch das Lehramt, denn sie muß verkündet, offenbart werden.

Zwar übersteigt der Glaube die Vernunft, gewiß, aber er kann nie widervernünftig sein. Erst in diesem Bezug kann der Verweis auf die Tradition Relevanz haben. Zumal es widervernünftig wäre, Kirche und Hl. Geist, Lehramt und Indefektibilität auseinanderzureißen.

Für viele ist das eher kein oder ein geringeres Problem, weil ihre Durchdringung des katholischen Glaubens nicht sehr weit gediehen, ihr Glaubenswissen oder gar ihr Glaube gering ist. Wo dies aber der Fall ist wird es angesichts einer oft so offensichtlichen häretischen Lehrverkündigung zu einem sehr sehr schweren Problem. Ganz so, als hätte jemand erst einmal nur gelernt, daß 2 + 2 immer 4 ist, bis es sich tatsächlich in seinem Leben, wo er davon ausgegangen war, auch als wahr bestätigt hätte, ja er hatte erkannt, daß aus demselben Grund auch 16 + 16 immer 32, 130 + 220 immer 350 ist (das Gelernte hat ihn also erhellt, er war lebenstauglicher, die Welt hat sich ihm geöffnet) - und plötzlich soll 2 + 2 auch 5 sein.

Deshalb ist der VdZ oft so heftig (gewesen). Denn dieses Pontifikat reißt einerseits die Kirche in Klump und Asche. Aber es zerstört anderseits auch die individuelle Vernunft, ja es fordert dies sogar namens des Gehorsams, der Grundbedingung des Glaubens und damit der Seligkeit überhaupt.





*161117*

Freitag, 20. Oktober 2017

Es ist in Wahrheit eine Atombombe (2)

Teil 2)





Damit entzieht sich die Religion (so wie jede Religion) der humanen Vernunftfähigkeit. Sie baut eine letztlich unüberbrückbare Kluft zwischen dem Wesen des Menschen und dem Wesen Gottes. Gnade und Erlösung, Heil wird zur rein willkürlichen Handlung Gottes, der sich der Mensch aber aus eigener Vernunft - und damit aus Sachgerechtheit des Handelns und Denkens - niemals nähern kann. Aus der Vernunftbegründetheit des Katholischen Glaubens (der die Philosophie immer als "ancilla", als Magd bezeichnete, WEIL sie jenes Instrument ist, aus dem der Mensch die Vernunft Gottes zumindest annähernd erkennen kann) fällt, und durch ein fideistisches, also nur im Willen zu glaubendes Gebäude ersetzt wird. Das letztlich nur durch Priester, vor allem aber durch eine die wörtlich zu nehmende (damit niemals im Ganzen zu lesende wie zu verstehende) Heilige Schrift (dort der Koran, hier die Bibel) verstanden und erkannt werden kann.

Wer bisher den Willen Gottes kennenlernen wollte, der mußte sich primär um die Sachverhalte kümmern. Daraufhin mußte er sich transzendieren, denn in ihnen lag der Wille Gottes verborgen und darin war er erkennbar. Wer fortan aber den Willen Gottes kennenlernen möchte, der kann sich nur noch an Gebote und vor allem an Moralgebote halten, die aber keine logische Fundierung in der Sache mehr haben. Die Folge ist natürlich ein immer vielfältigeres Interpretieren, wie wir es ja im Islam genauso haben, wie es im Protestantismus (mit seinen unzähligen Kirchen, ja letztlich: so vielen Kirchen, wie es Protestanten gibt) bereits der Fall ist. Es ist ein völlig anderer Glaube, als ihn die Kirche über zweitausend Jahre pflegte, weil hatte. 

Dagegen wird kaum zu argumentieren sein, und auch das zeigt sich ja längst und allerorten: Denn wer einmal den logos, die Vernunfthaftigkeit außer Kraft setzt, ist durch Logik nicht mehr zu überwinden. Sondern nur noch durch Konzepte der moralischen Gutheit. 

Wenn also in Amoris Laetitia die Ehe aus ihrem anthropologisch-metaphysischen Konzept der Widerspruchsfreiheit herausgerissen wird, weil sie Ehebruch "unter bestimmten Voraussetzungen" sogar für ein Gut heißt, dann bedeutet das nicht einfach einen Einzelfall, sondern die offizielle Beseitigung eines Prinzips, das das tragende Prinzip des Katholischen war. Das nunmehr nicht weiter erläutert, verständlicher, zugänglicher wird, sondern überhaupt nicht mehr anders verstehbar als sich eben diese neuen Religionsdefinitionen verstehen: Als Willkürakt Gottes, und damit als Willkürakt des Menschen.

Wer das möchte, wer das tut, beweist aber vor allem eines: Daß er das Wesen des Katholischen überhaupt nicht verstanden hat. Damit aber liegt die Erkenntnis nahe, daß er auch nicht glaubt. Weil aber Glaube eine Gnade ist, vom Menschen also nicht "gemacht" (oder vorgestellt), höchstens gewünscht werden kann, weil aber Glaube ein Licht ist, das erst ein Erkennen des logos möglich macht (weil nur im logos auch die Logik atmet), kann eine Diskussion mit Nicht-Glaubenden nur bis zu einer gewissen Grenze geführt werden. 

Dort kann sie nur - im guten Willen - eine Türschwelle bedeuten, deren Tür sich nur dem Getauften und nur in der Gnade (also ohne schwere Sünde, die ja ein Naturverstoß, die immer eine Irrationalität ist) öffnet. Denn dann kann logischer Disput nur vorbereiten, er kann aber nicht endgültig "klären". Das zu glauben bliebe ja dem Rationalismus vorbehalten. Denn der Glaube, die Gnade des Glaubens ist zuallererst ein Licht, und es ist ein Licht des logos, der Vernunft also, die Widersprüchlichkeit ausschließt, die letztlich also immer auch logisch bleibt.

Aber damit wird noch eine Wahrheit deutlich, und sie ist eine unangenehme Wahrheit, zumindest für manche: Daß nämlich die Sünde es ist, die dieses "Katholische", diesen logos nicht begreifen läßt. Und daß nur die Sünde es ist, die sein Aufbrechen, das Zulassen des Widerspruchs - die Erlösung trotz des objektiven Widerspruchs zur Heiligkeit - verlangt. Und deshalb eine Täuschung inszenieren möchte.

Wenn sich aber vielerorts auch in der Katholischen Kirche (eine Tautologie) das zeigt, was man Ökumenismus nennt, wenn sich ein Verstehen des Islam zeigt, ja der Wille, ihn quasi gleichzusetzen, so zeigt sich darin aber auch, daß bereits von einem Verstehen ausgegangen wird, dem die Gleichförmigkeit mit dem logos fehlt. Denn nur wenn man aus denselben anti-logos-Haltungen des Islam (und aller übrigen Religionen) heraus denkt, fühlt, "glaubt", kann einem dieser prinzipielle Unterschied nicht mehr in seiner enormen Bedeutung aufscheinen. Weil er dem katholischen Glauben fundamental widerspricht.  

Eine angebliche Unbedeutendheit auf ein paar mengenmäßig geringe Zeilen zu berufen wiederum wäre eine wirkliche Katastrophe, die die Kirche in eine Verwirrung stürzen muß, die sich durch fallweise schon widersprüchliche Moralurteile von Bischöfen nur leise andeutet. Auch im Koran (und wer weiß noch wo) steht vieles, das "nicht falsch" ist, nimmt man es nur für sich. Aber so kann man dem Katholischen Glauben niemals gerecht werden. So wird man nicht einmal dem Islam gerecht.





Donnerstag, 19. Oktober 2017

Es ist in Wahrheit eine Atombombe (1)

In dem, was in Amoris Laetitia vorbereitet ist, steckt eine wahre Atombombe. Die in den Prinzipien steckt, die sich darin zeigen. Genau übrigens jene Atombombe, die den Islam vor tausend Jahren zerriß. Damals passierte dasselbe, was heute in der Kirche wie eine "Mode" herumgeistert, und nichts anderes bedeutet als das Aufgreifen einer allgegenwärtigen Tendenz der Gegenwart. 

Die aus dem Rationalismus der Aufklärung heraus (vorbereitet aus dem Mathematizismus des Descartes etc.) zu dem Punkt kam, daß sich die Welt letztlich nicht erklärt, also der zur Ratio erniedrigten Vernunft nicht entspricht. Grund? Weil die Vorstellung von Moral und moralischem Verhalten ein Verhalten fordert, das der Vernunft auch "einmal" widersprechen kann.

Damit wurde schon im Islam eine Überbetonung des Willens, ja Gott wurde auf diesen expliziten Punkt reduziert: Als Willkürgott, als Despot, der von den Menschen fordert, ohne es ihnen begreiflich zu machen, der ein Begreifen verlangt, ohne daß es ein solches gäbe, sondern nur ein Annehmen gibt. 

Daß sich also aus dem Denken Gottes und des Menschen ein Widerspruch ergibt. Der Mensch kann deshalb in seiner Annäherung an Gott nicht weiterkommen, indem er versucht, sein Denken, seine Vernunft zu übernehmen, sondern seine Vernunft ist so verschieden, entfernt von der Gottes, daß er ohnehin niemals Gottes Willen aus Vernunftgründen erschließen kann, sondern lediglich aus Verhaltensgeboten heraus leben kann. 

Diesen Standpunkt hat die Kirche 2013 Jahre lang abgelehnt. Ihn einzunehmen bedeutet eine völlige Uminterpretation des Katholischen, einen Versuch der Neugründung der Kirche. Die in Amoris Laetitia geöffnete Tür betrifft also keineswegs die Ehe und den Ehebruch alleine, sie würde als Prinzip übernommen einen völlig neuen Glauben ergeben. 

Die Wahrheit ist darin nicht mehr das allein aus und in der Vernunft prinzipiell (aber von der Haltung abhängig gewählte, formulierbare) Zugängliche, sodaß sie sich aus der Sachlichkeit ergibt, sodaß Moralität eine Entsprechung mit der Natur ergibt, sondern es ergibt sich aus (subjektiven, zeitbedingten) Moralvorstellungen. Diese setzen dann die Inhalte. Weil diese Inhalte natürlich im historischen Wandel wechseln, müssen sie immer wieder neu definiert werden, wobei ihnen keine strukturelle Wahrheit bleibt, sondern eben nur jeweils eine inhaltliche Richtigkeit. Die mit der Zeit wieder starr wird, also in die jeweilige Zeit hinein wieder neu gefunden werden müssen.

Dem widerspricht die Wahrheit des Katholischen. Das davon ausgeht, daß Gott sich in der Schöpfung selbst erzählt. Weil, so Aristoteles (der bis Averroes/Ibn Rushid ja auch im arabischen Raum eine beträchtliche Rolle spielte), das Gute auch dem Sachgemäßen entspricht. Dieses Sachgemäße ist aber nur in der Geschichte je neu verkleidet, sein Wesen hingegen ist immer gleich. Und es ist der menschlichen Vernunft nicht nur offen, sondern diese formt sich der Sache gemäß. Damit ist das Gute, das zu Tuende, auch in der Sache der Schöpfung eingeschrieben, weil es sie trägt. Dies Wahrheit ist nunmehr Person, ist personal, das heißt daß sie sich nur im (richtigen) Verhältnis zu dieser Person erschließt.

Und - sie braucht dazu die Offenbarung. Sie braucht dazu die reale, historische Gestalt von Jesus Christus, der IN DER KIRCHE (und in bereits eingeschränkterem Maß: als jeweils immer historische, immer dabei reale Kirche, zusammengehalten durch das Blutsband des Gehorsam als Offenheit zur Geformtwerdung) präsent ist. Das die Lage "in a nutshell", in einer Nußschale.

Was im Islam (und in jeder anderen "Religion") aber noch deshalb scheitern muß, weil seine Religion eben NICHT (personal bzw. personell) wahr ist, weil Jesus eben mehr war als "ein Prophet", was also im Islam eine nicht erfüllte Verheißung bleiben MUSZ, wäre und war (und ist) im Christentum (=Katholizismus) erfüllt, durch die Sakramente, im besonderen, am umfassendsten, am kernhaftesten durch das Altarsakrament. Es ist klar, daß ein Abweichen von der Tatsache des Sakraments (wie es dann im Protestantismus passiert, der die Realhaftigkeit rein ins subjektive "Glaubenwollen", eigentlich "Vorstellen" verlegt) auch ein Abweichen von der Wahrheitsoffenheit der Welt nach sich zieht.

Damit MUSZ auch die Vernunft NACH (bzw. in) der Renaissance scheitern. Und zwar auch die ganz reale, alltägliche Vernunft. Ihr fehlt die Fundierung, sie hat als Krücke nur noch die geoffenbarten "Gebote" (so wie die Juden des Alten Testaments). Und daran würde auch die Kirche heute scheitern, wenn sie den sich bereits so massiv - über den Papst - aufbauenden Umdeutung festhielte. Sie würde sich zu einem protestantischen, mit dem Islam im Grunde weitgehend gleichen subjektiven Moralsystem umbauen.

Und das hat sie ja bereits sehr weitgehend gemacht. Nicht in dem, was man als "depositum fidei" bezeichnet, also in dem einen und immer gleichen Glauben, sondern in vielen faktischen Tatsachen und Realitäten, allen voran: der Liturgiereform seit 1970. Während aber diese Reformen (die sich im Zweiten Vatikanum bereits sehr weitgehend zumindest als Untergrund, als Gestimmtheit vorbereitet finden*) bislang noch zumindest explizit nicht angetastet wurden, scheint sich nun vorzubereiten, dies auch explizit zu machen.

Damit käme die Kirche jenem Schritt des Islam gleich. Der im 11. Jahrhundert beschloß, die Frustration durch die Vernunft zu beenden, und ein reines Willenssystem vorzuschreiben und zu etablieren. In dem eine Sache sowohl wahr als auch falsch sein könne, sowohl vernünftig als auch widervernünftig, WEIL und WENN es GOTTES WILLEN entspricht.



Morgen Teil 2)



*In Wahrheit muß man ja sagen, daß die Veränderungen, die das Zweite Vatikanum (und die ihr im Beiboot folgende Liturgiereform einige Jahre später) im Gesamtverlauf der Kirchengeschichte eine seit fünfhundert Jahren und mehr angelaufene Entwicklung zu ihrer weiteren Konklusion brachten. Wer insbesonders den Kirchenbau ansieht (dieser Spur wird der VdZ noch eingehender folgen, denn er belegt die permanente geistige Entwicklung zur Devastierung heute) - diese steingewordene theologisch-philosophische Entwicklung des Abendlandes - kann nach Meinung des VdZ am besten erkennen,  daß in diesem Sinn das Zweite Vatikanum tatsächlich in einer Kontinuitätslinie stand. Und daß der Widerstand dagegen etwas von Themenverfehlung hat, was nichts daran ändert, daß diese Entwicklung einen Niedergang darstellt. Der sich ja im Niedergang der europäischen Kultur deutlich zeigt. 

Der VdZ wird sich mit diesem Thema an dieser Stelle noch eingehender befassen. Weil er meint, daß der Grund dafür, daß die Kultur- und Kirchenkritik der Gegenwart (auch und vor allem von konservativer Seite) deshalb keine Resonanz findet und seit Jahrzehnten auf der Stelle tritt, weil die das Problem nicht an der Wurzel erkennt. Es geht um Liturgie, ja, aber die Kritik des NOM (Novus Ordo Missae, also der "neuen Messe") hat etwas Heuchlerisches deshalb, weil sie vielfach nur einem Zurückschrecken vor der letzten Konsequenz gleichkommt, die aber bereits in der sogenannten "tridentinischen Messe" angelegt ist. Daß dies eine ziemlich neue Herangehensweise bedeutet, ist dem VdZ bewußt. Aber er "kann nicht anders", überblickt er diese letzten fünf Jahrzehnte, die er selbst erlebt und erfahren hat, vom Ministranten im Alten Ritus (bzw. 1965, als man ihn bereits behutsam reformierte) angefangen. Überblickt er vor allem aber die letzten drei Jahrzehnte intensiver Kirchen- und Liturgiekritik, aus der heraus ihm als Indiz dafür, daß man eine neue Sichtweise suchen muß, auffiel, daß sich alles im Kreis dreht, am Stand steht, sich nichts bewegt.




Dienstag, 10. Oktober 2017

Beobachtungen über Handeln und Moral

Was nicht übersehen werden darf ist der Charakter des Klimaalarmismus als revolutionäre Erscheinung. Was kennzeichnet eine solche? Sie wendet sich gegen das Sein, das immer vorgefunden wird. Und setzt die Wahrheit des Seins außer Kraft, indem sie ihr eine neue Moral überstülpt und vorzieht. Sämtliche revolutionäre Bewegungen haben deshalb auch eine neue Moral auf ihre Fahnen geheftet, die der alten, vorherrschenden Moral "überlegen" sein will.

Wer genau hinsieht wird dabei immer etwas entdecken: Daß die vorgeblichen neuen Thesen immer und seltsamerweise eine Handlung oder Haltung (als Handlungsdisposition) dessen rechtfertigen, der sie vertritt. Das kann durchaus banal sein! 

Rousseau etwa "mußte" eine Pädagogik verkünden, in der sich jeder Mensch "aus sich selbst" - kraft einer immer indefekten, perfekten Natur, in der jeder Mensch geboren wird, der Mensch ist also immer beginnhaft "gut", "perfekt" - zu einem glücklichen Menschen entwickeln kann. Wenn man ihn nur läßt. Diese These verkündete ein Mann, der sämtliche seiner Kinder in Erziehungsanstalten abgab, weil er sich nicht um sie sorgen wollte (natürlich, in seiner Diktion: "konnte"), und er mußte dies zum völlig richtigen, ja guten Handeln erklären. 

Dies soll nur als Beispiel für das Gesagte dienen, daß Revolutionäre IMMER ihre neue Moral in einem persönlichen Schuldproblem gegründet haben. Denn diese Zusammenhänge sind nicht immer leicht zu entdecken. Sie können sich in ganz anderen Feldern offenbaren, gewissermaßen kompensieren. So vertritt also etwa jemand Thesen, die die ganze Welt per Diktat umkrempeln sollen, um ein Defizit in den hierarchischen Strukturen in einer Ehe zu kompensieren. 

Dieses Beispiel ist nicht zufällig gewählt, weil es heute extrem häufig ist. Totalitäre, gewaltsame Ansichten (so verschleiert sie auch sein mögen) sind äußerst häufig, wenn nicht immer, im Erleben von Machtlosigkeit fundiert. Im speziellen übrigens bei hoher Mutteridentifikation durch Männer, die so den  mangelnden Mut zum Mannsein kompensieren und deren Erlebensbasis (aus der kindlichen Identifikation heraus) von der erlebten, fehlenden Macht der Mutter (sie "fühlen" also die Gefühle der Mutter, und diese lähmen ihr eigentliches Fühlen) genährt wird, der sich zu stellen - was ein Kampf gegen den Vater, also andere Männer wäre - sie aber nicht wagen. Deshalb die Tendenz haben, die Welt "zu vermütterlichen", zu verweiblichen, um dann besser bestehen zu können.*

Immer wieder überrascht denn aber doch die Offensichtlichkeit, mit der moralische Dispositionen - und es sind immer Handlungen, Charakterhaltungen, die ihre Thesen hervortreiben - ihre Zusammenhänge mit revolutionären Bestrebungen offenbaren. So hat der VdZ erst jüngst eine Stellungnahme der Ehefrau eines als "shooting star der Klimawissenschaft" (der nun sogar für Geo-Engineering eintritt, um "die Erdtemperatur zu stabilisieren") gehypten Mitarbeiters einer NGO (mit abgeschlossenem Wirtschaftsstudium) gelesen, in der diese offen darstellt, daß sie Abtreibungen vornehme, und warum. Denn natürlich tut sie es nur im Namen einer übergeordneten Moral, nämlich um Frauen "zu helfen". Selbstverständlich sei dies nur eine Notmaßnahme, so die Ärztin, der sie dadurch beizukommen suche, daß sie Verhütungsmethoden (darunter nennt sie sogar die Spirale, die eine direkte Form der Abtreibung und keine Verhütungsmethode ist) propagiere. 

Hier zeigt sich sogar ein Teilschema, auch dieses häufig und typisch: Personen, die solche gravierenden, schwerwiegenden Verstöße gegen das Naturrecht begehen (was ihrem tiefsten Gewissen natürlich nie verborgen bleiben kann, und das ist ja der eigentliche Treibsatz ihrer öffentlichen Behauptung, übermoralisch zu sein) tun dies praktisch immer mit einem Grundton des Bedauerns, in dem sie sich (sic!) zum Opfer der eigentlichen Moral erklären, die aber im Einzelfall nicht ausreiche, sondern korrigiert werden "muß". 

Sie erklären nämlich jene, die dieser Moral treu sind, zu eigentlichen Tätern, erklären also, daß es Geglücktheit (manchmal) nur geben könne, wenn man gegen die Natur handele.** Natürlich vergessen sie nicht zu erklären, daß sie diese Verstöße nur notgedrungen begehen, setzen sich also in die Position eines eigentlichen Märtyrers. Ja, eigentlich sind sie die Leidenden, die in menschlicher Größe auch etwas Unmoralisches tun, weil aus moralischen Erwägungen heraus "müssen"!






*Der geneigte Leser möge einfach einmal beobachten, wie sich bestimmte Haltungen, ja Weltanschauungen mit bestimmten Lebenserscheinungen decken. Ein weites Feld, in dem es viel zu entdecken gibt. So verwundert es nicht, wenn auffallend viele (männliche) "Klima-Apokalyptiker" nicht verheiratet sind, oder eine Partnerin mit Doppelnamen (sie hatten also nicht die Kraft, an sich zu binden, zu bestimmen) oder auffallend wenige oder gar keine Kinder haben (die sie dafür vergötzen), weil ihnen die Frau mehr Kinder verweigert. Eine Konstellation, die heute enorm häufig ist! Die Zunahme von fanatischen Weltsichten heute (vom Klimaapokalyptiker bis zum Veganer, hinter deren Veganismus oft sogar ein Verschwindenswunsch, ein "Verdünnisierungswunsch" steht, weil sie nicht die Stärke haben, einer Situation handelnd zu entkommen) steht - der VdZ ist sicher - in direktem Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der natürlichen Zueinanderordnung der Geschlechter.

**Um auch diesen Kreis zu schließen: Das ist genau der Knackpunkt, der Amoris Laetitia zu einem häretischen und darüber hinaus gefährlichen Dokument macht. Wer das, was aus diesem Dokument herausgelesen werden kann und wird (und daß das der Fall ist, beweisen weltweite Stellungnahmen von Bischöfen, was soll also die Behauptung, daß das NICHT herausgelesen werden könne? WENN ES DOCH SO IST! - es bedeutet genau diese These: es gibt ein Gut, das durch eine schlechte Handlung zu erreichen ist) übernimmt, revolutioniert ein gesamtes Feld der Moraltheologie. Ja, er zerstört die Grundmauern der gesamten Ethik. Nicht nur der Katholischen Kirche. Denn hier geht es um Überlegungen zum Naturrecht, das alle Menschen betrifft. 

Das Argument gegen diese Situationsethik ist philosophischer, nicht einfach theologischer Natur. Die praktische Wirkung aber ist katastrophal, und zwar insgesamt, nicht nur auf die in AL spezifisch behandelte Ehe- und Sexualmoral: Denn diese Form der subjektivistischen Situationsethik zerstört die Basis JEDER Handlung, weil er sie aus dem eigentlichen Gewissen reißt. Das Beispiel der oben genannten Ärztin belegt es.




*041017*