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Sonntag, 18. September 2022

Gedankensplitter (1437)

Es gibt einen bemerkenswert hohen Anteil von Menschen, die sogar also "besodners religiös" dargestellt werden (und sich selber so darstellen), deren Religiosität nichts anders als das Auspressen des RELIGIONSLOSEN Zustands und der Ferne zu Gott ist. Die durch diese sentimentalische (also selbst-generierte) Gefühligkeit die Trauer über diese Ferne zum Dauerzsutand ausrufen - und von außen auch noch darin bestärkt werden. 

Die sich also jener (in allen Bereichen mittlerweile) so enorm beliebten Methode bedienen, aus der Ferne zum Sein - also aus dem Leiden - auch noch jenes Gefühl konsumabel zu machen, das jede Umwendung vermeidetn will, weil das dann Mühe nach sich zieht, die eine Umkehrung der Richtung des Herzens bedeuten würde. 

Montag, 12. September 2022

Viel zu spät, und dann auch noch falsch (1)

   Synode 2022 - Katerjammern
Was das Erschütterndste an dieser ganzen "Synode" der deutschen "katholischen Kirche" ist? Daß man das Geheule der Vorsitzenden, als die nach langen Monaten und Jahren errungene Schlußdokumente ... NICHT ANGENOMMEN wurden. Daß jahrelang herumgequatscht und geschuster wutde, und nun stellt sich heraus, daß nicht einmal die Delegierten im formal nötigen Ausmaß dahinterstehen.

So verblendet sind diese Herrschaften (darunter viele  Damen), daß sie nicht einmal bemerken, wie vollkommen irrelevant und uninteressant das ist, was sie für die brennenden Punkte und Probleme der Welt und des Glaubena halten. Daß sie nichteinmal merken, wie weltweit - aber AUSZERHALB Europas, dessen Niederbrechen, das sich in uneren diesen Jahren in voller Gestalt zeigt - ein regelrechtes Aufbrechen der religiösen Sehnsüchte stattdinet. Selbst von China* hört man, wie dort im Volk das Religiöse erstarkt. 

Sonntag, 31. Oktober 2021

Gedankensplitter (1355b)

Flugsand und Perspektiven. Die Volksstimme. - Diese seinerzeitige Wochenzeitung der Kommunisten Österreichs (ich hatte sie jahrelang abonniert, ah, jetzt weiß ich es wieder, eine Bestellkarte, die mit besonders günstigen Studenten-Abos warb, war den Unterlagen beigelegen, die ich bei der Immatrikulation in Graz erhalten hatte) war ja billig gewesen. So wie alles billig war, was in deren Verlag entstanden ist nur das Parteiorgan der Kommunisten. (Siehe Anmerkung**)

Woher auch immer, ob aus Wien, Moskau, Berlin, Bucuresti oder Budapest, Druckwerke dieser Provenienz waren untereinander absolut ähnlich. Sie rochen sogar gleich. Wie meine Marx-Lenin-Übersichtswerke, die stehen noch heute in meiner Bibliothek (und riechen noch immer stark, wenn man sie aufschlägt). Sie sind aber wenig wert, wie ich oft genug gesehen habe, daß allen diesen Ausgaben oft die interessantesten Stellen und Schriften ... fehlen.

Jedenfalls leistete sich dieses Druckwerk einer Wochenzeitung mit dem Selbstverständnis eines Parteiorgans mit einer "verkauften" Auflage von 4.000 oder 5.000 Exemplaren (Mitgliedschaft in der KPÖ schloß ein Abonnement im Jahresbeitrag mit ein) den unfaßbaren Luxus, über dessen Sinn scheinbar niemand auf konservativer Seite nachdachte, dutzende Ausbildungsstätten für Journalisten zu bieten. Vor zwanzig, dreißig Jahren gab eine Untersuchung. 
 

Samstag, 30. Oktober 2021

Gedankensplitter (1355a)

[Man erzählt sich von] allen wahrhaft großen Menschen, daß sie mehr Typen als Individuen gewesen seien. 
(Richard von Schaukal, Erkenntnisse und Betrachtungen)

Persönlichkeit entfaltet sich in dem Maß, als der Mensch sich auf einen Ort hin überschreitet. Nicht im "Selbst sein wollen" liegt also die Größe, sondern in der Bereitschaft zu empfangen, dessen, was immer da kommt, indem man sich an eine Aufgabe, an eine Identität, an eine (immer erhaltene, einem übergebene) Position in der Welt hingibt.  

***

Im Magna-Autozulieferteilebau-Werk in Graz, der Hauptstadt der Steiermark (eine Fabrik, die übrigens auch und im Auftrag von Mercedes, BMW etc. jährlich zehntausende Autos baut, das aber nicht an die große Glocke hängt, um die Automobilfirmen/-marken, ihre Kunden am Teilemarkt, nicht zu vergraulen), in diesem Werk also wurden ab Ende September die Werkskantinen für alle Ungeimpften gesperrt. Während die Firma nichts dagegen hat, daß am Fließband Geimpfte und Ungeimpfte nebeneinander stehen, miteinander arbeiten, wird beim Essen diskriminiert. Eine eigene Kantine für Ungeimpfte gibt es natürlich nicht. 

Wohlgemerkt: Wir reden hier von GESUNDEN. Die behandelt werden, als hätten sie eine Seuche. Während die Geimpften doch aus einem Grund geimpft worden sind, den man "Immunität" nennt. Wie sie bei Genesenen besteht.

Nachdem es also nicht um Gesundheitsaspekte gehen kann, denn dann dürfte man die Gesunden überhaupt nicht mehr beschäftigen, stellt sich die Frage, was damit bewirkt werden soll. Und wer soll nun wen noch anstecken? Oder handelt Magna einfach bewundernswert klug, weil die Gesunden vor der Infektion durch die Geimpften geschützt werden? 

Auch möglich. Aber einen merkwürdigen Umstand sollte man denn doch beseitigen. Den, daß so getan wird, als hätten Gesunde einen Mangel! Indem man sie zu UN-....(irgendwas) macht. Dabei sind SIE DIEJENIGEN DIE KEINEN MANGEL HABEN, und darin jedem Geimpften völlig überlegen. 
Wir leben aber überhaupt in einer Zeit, in der das Normale zum Mangel wird. Und sich alle möglichen Parteiungen und Bewegungen die größte Mühe geben, Rezepte zu verbreiten, mit denen das Normale, das Gesunde zu einem Ungesunden und Unnormalen wird. 
KEINES DIESER REZEPTE ABER, DAS NICHT SELBST ES IST, DAS KRANK UND ABNORMAL MACHT.

***

Noch ein Wort zu Graz:

Freitag, 5. Juli 2019

Welt und Liturgie: Raum durch Schall

Wer über Liturgie und deren Entwicklung spricht, denkt meist in großen Gestaltwürfen, zergliedert die körperlichen Bewegungen, die Riten, die gesetzten Gesten. Und er diskutiert über theologische Inhalte in Texten oder über geistige Konsequenzen architektonischer Räume. Eine Frage bleibt aber immer unerwähnt. Dabei ist sie so entscheidend, daß man es als verräterisch sehen muß, daß sie in der Regel wegbleibt. Und das ist die Frage der Raumbeschallung.

Selbst Verteidiger Alter Riten ignorieren das Thema. Und selbst wer den sogenannten "vorkonziliaren Ritus" (vulgo "Alte Messe") pflegt oder besucht, bedient sich scham- und gedankenlos einer Tontechnik, in der der liturgische Raum bis in die letzten Winkel in Dolby-Surround-Qualität beschallt wird. Damit löst man den Raum auf.

Man kann ja die Kritik der Veränderungen im Kult der römischen Katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanum auf einen Punkt reduzieren. Als fehlende, verlorene Ausrichtung auf Gott. Es ist ein völlig verändertes Rezeptionsverhalten dem Geschehen gegenüber, das in Selbstoffenbarung des Transzendentalen und Vergegenwärtigung des eigentlichen Erlösungsgeschehens die Gemeinschaft der Getauften - die Kirche - in das Opfer Jesu Christi hineinnimmt, und somit stellvertretend für die Menschen diese in das innertrinitarische Leben eingliedert, sofern die Menschen in Christus sein und bleiben wollen. Der heutige am katholischen Kult teilnehmende Mensch - und das ist die wesentlichste Veränderung, die durchgesetzt wurde - nimmt an diesem Geschehen nicht mehr in erwartender, distanzierter Haltung teil, sondern er wird animiert, diese Erlösung quasi "selbst" durchzuführen. Diese mißverstandene "participatio actuosa" kann deshalb als subjektivistische Wende bezeichnet werden, und sie ist Dreh- und Angelpunkt auch der sogenannten Pastoral. Der Mensch muß sich als Empfangenden begreifen, weil er nur in dieser Haltung an Jesus Christus teilhat. Und dazu muß er sich an Christus orientieren, auf ihn hin ausrichten.

Wenn wir es bei diesen kurzen Hinweisen belassen, dann aus dem Grund, daß der Schall in der Frage der Orientierung und damit jedes Ortswissen nicht nur eine herausragende, sondern die entscheidende Rolle spielt. Und Schall ist die erste Manifestation von Wort, und damit von Sinn. Es ist Grundlage des Denkens (weit über die bloße Rationalität hinaus, die selbst wieder auf einer vorausliegenden Erfahrungsqualität beruht), und es ist die Grundlage des Geistes, ja ist das Material des Geistes. Gerade der katholische Kult ist sogar in seinem innersten Kern eine Realwerdung als Erlösungsgeschehen über das Wort.

Aber anders als die Optik, anders als der Sehsinn, der auf ein vorausgehendes geistiges Interpretat angewiesen ist - ohne Wort, ohne Geist sieht der Mensch buchstäblich nichts - dem oft eine fast ausschließliche Bedeutung beigemessen wird, anders auch als der Geruchssinn, der im Weihrauch oder dem Geruch des Bienenwachses, auch anders als der reine Tastsinn, ist, bei aller Verbundenheit der Sinne, in der alle miteinander verschränkt sind, ist somit das Gehör der entscheidende Schlüssel auf das, was geschehen macht, einerseits, und die Orientierung darauf zu zur Gestalt macht. Und es ist somit entscheidend für das Erfahren der grundsätzlichen Qualität eines Geschehens, und damit für das Urteil, die Haltung diesem Geschehen gegenüber - die Rede ist also vom Raum als erste und umfassendste Orientierung und Realisierung. 

Jenen Raum, der das Wesen der Gestalten erkennen läßt, weil Raum durch Beziehung entsteht und sich erst über Beziehung als geistige Qualität erschließt. Jeder kann es selbst erfahren, daß das Hin-Hören auf etwas mit einer inneren Haltung der Aufnahmebereitschaft einhergeht. Der Mensch beugt sich sogar vor, wenn er etwas genau hören will, und damit versetzt er sich in eine hohe Aufnahmebereitschaft. Es hat somit größte Bedeutung, daß ein Wort nicht nur erklingt, sondern daß der Hörende mit diesem Wort, mit diesem Ton, mit diesem Schall auch den Ort rezipiert, von dem dieser Ton und dieses Wort ausgeht.

Mit einer Beschallung der Kulträume aber nimmt man dem anwesenden Teilnehmer genau das. Der Ton, der Schall, die Musik, das Wort, das er hört, wird ortlos. Es umgibt ihn zur Gänze, und versetzt ihn damit in einen Zustand der Raum- und damit Beziehungslosigkeit zum Geschehen, nach dem er sich nicht einmal mehr ausstrecken muß, weil es im Übermaß zu ihm herkommt und jedes Raumgefühl auflöst. Damit löst es aber auch die körperlich erfahrbare Beziehung zum Gehörten auf. Genau das, was also prinzipiell notwendig ist, um am Erlösungsgeschehen, das im Heiligen Raum durch den Priester in persona Christi vollzogen wird, teilzunehmen - die Orientierung! - wird damit ausgelöscht.

Jede Veränderung von Architekturen, jede Veränderung im Ritus ist unter diesem Blickwinkel gesehen ... deshalb zweitrangig. Weil die erste Orientierung der Gläubigen, die an dem Erlösungsgeschehen teilhaben wollen, über den durch Raumerfahrung verorteten Schall geschieht. Er bestimmt das erste Verhältnis zum Quell des Tones, der Liturgie. Schlimm genug sind die Volksaltäre, ist die durch sie bewirkte veränderte Grundaussage. Schlimm genug sind die veränderten (im Wesentlichen aufgelösten, verdunsteten) Riten selbst. Aber all das bleibt noch weitgehend potentiell und nicht aktualisiert, wenn das Gehör die Grundorientierung vorgibt - als Ausrichten auf das Geschehen selbst. Das sogar durch die Dichotomie Kult/Worte und Volksgesang eine architektonisch bedingte Grundbestimmung ergibt, in der sich der Teilnehmende (das Volk) vorfindet. 

Wenn man all die sonstigen architektonischen Veränderungen zu Recht kritisieren kann, die noch bedeutender einzuschätzen sind als die Veränderung in den Riten selbst (die so gesehen sogar relativ gering ausgefallen sind), die Raum brauchen und damit der Erkenntnis Beziehungen darreichen, so ist insgesamt die unselige Entwicklung in der Tatsache festzumachen, daß sie immer raumloser wurde. Real aber wird etwas immer erst IM Raum und DURCH den Raum. Sämtliche Veränderungen der Liturgiereform sind als Auflösung von Raum charakterisierbar. Sämtliche Entwicklungen, die man als Auflösung unserer Kultur bezeichnet, sind ... Probleme des Schalls. 

Das Übel setzte an, als Schall zum akustisch-technischen Problem, und Hören zur ins Subjektive eingeschlossenen Ästhetik wurde.

ABER diese Entwicklung hat bereits Jahrzehnte zuvor begonnen, und zwar ganz real. Sie hat in dem Moment begonnen, wo man begann, in den Kulträumen Tonanlagen einzubauen, Verstärkeranlagen zu installieren, Mikrophone zu verwenden, und damit den Raum als erlebbare, formende Größe aufzulösen. Damit haben wir durch eine technische Entwicklung unsere Religion protestantisiert, das heißt: spiritualisiert und entkernt. Und die Erlebensqualität zur psycho-genetischen (also aus der Psyche entstehenden weil hervorzubringenden) Frage gemacht, und damit das Wort ins Rationalistische ausgetrocknet.

Am Beginn stand nicht einfach nur der logos. Am Beginn, werte Herrschaften, stand ... der Ton. Denn er ist die Gestalt des Wortes, und erst DAMIT Welt und Schöpfung. In ihm liegt alles, liegt das Wesen der Welt, das eine Entelechie des Wortes, des logos ist. Im Wort, im Ton wurde somit auch die erste Grundkonstellation ("Himmel und Erde") zur Weltqualität. Als Gott sprach - sprach! - es werde Licht, war dieses Licht deshalb zugleich der Schall, der Ton, den er ausbrachte, weil er damit die Scheidung von Himmel und Erde zur Welt machte. Daraus ist dann alles weitere hervorgegangen, auf ihm hat alles weitere aufgebaut, und was immer später kam - es zielte auf diese erste Konstellation ab. 

Was die Antike noch sehr gut wußte, wofür die Tempel bis hin zu den Pharaonen und ihren Pyramiden Zeugnis ablegen, ist bei uns offenbar in Vergessenheit geraten. Daß nämlich die Architektur die erste und alles weitere umfassende Kunst ist. Und damit hängt in seinem tiefsten Wesen zusammen, daß die Rhetorik der Antike die erste, einzige, umfassendste Bildungs- weil Formungsquelle war. Denn der Ton als innerste Qualität des Wortes - die Musik erzählt es doch ganz deutlich! - ist die erste Ikone des logos. Denn der Ton ist das (fast bzw. zum Teil sogar) sakramentale Symbol jener Urbilder, denen gemäß die gesamte Welt als Beziehungsraum erst zur Welt wurde.

Und auf dem Schall baut deshalb auch die Liturgie, der Kult auf. Er erfüllt weil erschafft im Hörbaren alle weiteren Riten, er tut es durch die Offenbarung von Raum, und damit auch von jenem Ort, an dem Gott uns hingestellt hat, und der unser Ort ist, an dem und durch den wir uns heiligen sollen. Wenn wir aber die Kulträume durch den künstlich verbreiteten Schall ent-räumen, entziehen wir allem weiteren Erkennen den Boden, und nehmen dem Menschen die Grunderfahrung der Welt, die Ort ist. 

Wenn wir die Kirchen also wieder "ent-schallen", das heißt alle diese das Erkennen so überschüttenden, stumm und stumpf machenden Verstärkeranlagen wieder entfernen, werden wir ein wahres Wunder an Wieder-Aufkeimen des Glaubenssinnes erleben, dessen kann man sicher sein. Es ist kein Sekundärproblem - es ist das erste Grundproblem der Ent-Religiosierung der Menschen, die wir erleben. Und auf ihm bauen sämtliche weiteren, sogar die kulturellen/zivilisatorischen Probleme auf, die sämtlich im Umgang mit dem Ton als raumschaffende Wirklichkeit begonnen haben - in einem veränderten Umgang mit dem Medium Wort, dem im Still-Lesen erstmals der Schall und damit die Wirklichkeit des Wortes genommen wurde.





Montag, 24. September 2018

Was ist ein normaler, geistig gesunder Mensch?

Dieser Mann ist im Übrigen selig gesprochen - Fulton Sheen, US-Erzbischof, der in den 1950er und 1960er Jahren mit seinen Fernsehauftritten von 1951 bis 1968 ungemeine Popularität genoß. Eine Episode bringen wir hier. Sheen löste Orkane der Resonanz aus, und war ungemein beliebt. Das Verblüffendste ist aber vielleicht, daß jedes, wirklich jedes einzelne Wort von ihm auch für heute gilt und genauso wieder gesagt werden könnte und sollte - ja: sollte!

Sheen zeigt damit, daß er einerseits am tiefen Strom der Wirklichkeit verankert war, der seine Ewigkeitsdimension als historische Zeitlosigkeit erweist. Aber er zeigt andererseits, daß die entgeistete, entgöttlichte Welt und Materie auf eine berechenbare Weise mechanisch abläuft, die von Leben, Geist, Freiheit nicht einmal mehr Ahnung hat. Weil sie tatsächlich wie eine Maschine - weil die entgöttlichte Welt zur toten Materie entartet! - abläuft.

Es war jene Zeit, in der sich die antikatholischen Kräfte sammelten, weil sie die sichtbar zunehmende Macht der Katholiken in den USA (1962 kam mit John F. Kennedy sogar noch der erste katholische Präsident an die Macht) aus naheliegenden Gründen fürchteten. Eines der populärsten Bücher in genannten Kreisen war Paul Blanshards "Freedom and Catholic Power", das die zunehmende Macht des Katholizismus als Apokalypse der amerikanischen Freiheit in apokalyptischer Dimension zeichnete und eine Panik auslöste.

Er zeigte, daß der Katholizismus dabei war, die USA "zu übernehmen". Zumal sich schon alleine aufgrund der Geburtenrate in kurzer Frist eine katholische Mehrheit in den USA abzeichnete. Rockefeller fuhr persönlich zu Papst Paul VI., um ihn zu bewegen, die Verhütung zu akzeptieren! Was der natürlich zurückwies.

Also taten sich die Protestanten der Ostkirche (Puritaner) und die Juden zusammen, deren Geburtenraten lange schon in heutigen suizidalen Dimensionen lagen, und berieten, was sie gegen diese "Bedrohung Katholizismus" machen sollten. Der Kampf gegen die Katholiken - dem sich bald der CIA anschloß, weil der Katholizismus auch als Gefahr gegen die Bildung eines kriegsfähigen "geeinten" Amerikabewußtseins galt - begann dezidiert in den 1950er Jahren, und er setzte effektiv vorerst über den im Kalten Krieg entscheidend gesehen "Anti-Kommunismus-Amerikanismus" im social engineering an. Der sich als "Stadterneuerung" ausgab. Wie bei uns!

In dem die ethisch-religiösen Einheiten und Viertel in den Großstädten der USA systematisch durch gezielte, organisierte Zuwanderung (und damit Umwandlung in "kulturell-ethnische Vielfalt") aufgebrochen wurden. Martin Luther King erhielt persönlich (und nachweislich) von Rockefeller 25.000 Dollar, um von New Orleans nach Chicago umzusiedeln und dort ein "Rassenproblem" aufzubringen, das es dort vorher einfach nicht gab. Aber nun war der Maßstab der Schwarzen eben, alles dürfen zu sollen, was jede ethnisch-religiösen Gruppierungen durften. Weil diese nicht mehr das Recht haben sollten, ihr bisheriges Eigensein von Lebensräumen zu behaupten.

Hunderttausende, Millionen Neger wurden schon in den Kriegsjahren als billige Arbeitskräfte (denn die Männer im Norden waren vielfach als Soldaten ausgezogen) aus dem Süden in die Städte des Nordens transferiert. Sie hatten dort wie jede andere ethnische Gruppierung erst ihre eigenen Viertel gehabt. Aber nun brachen sie binnen kurzer Zeit alle zuvor prosperierenden, lebendigen, solidarischen ethnisch-religiösen Einheiten auf.

Der Begriff des "Weißen" ("Schwarzen") entstand, ja wurde als rassischer Gegensatz buchstäblich geschaffen, obwohl es dieses Unterscheidungskriterium zuvor (und nicht nur im Norden) nie gegeben hatte. Aus Litauisch-, Polnisch-, Irisch-, Französisch-, Italienisch-, Deutschstämmigen wurden plötzlich "Weiße". Die in die modernen Einfamilienhaus-Vorstädte verdrängt wurden, wo sich alles isolierte, das zuvor blühende soziale Leben aufhörte, der Einzelne auf Fernseher und Wochenendbarbecue reduziert wurde. Und damit in Anonymität und Vereinzelung - zum "patriotischen Konsumenten" gewandelt - verschwand.

Aber vorerst hatten sie noch mit Phänomenen wie Fulton Sheen zu tun. Der fulminante Erfolge mit Shows einfuhr, die sich heute kein - kein! - Medienmacher mehr vorstellen kann: Denn Sheen holte diese Erfolge mit grandioser, grundlegender Philosophie! Mit Philosophie! Mit Klärung des Denkens! Mit Entwirrung der Verwirrung!

Hier geht der selige Bischof (unter anderem) auf die Frage ein, was denn ein normaler, ein psychischer normaler Mensch sei. Und er macht es klar, an einem Merkmal fest: Der seelisch normale Mensch ist daran zu erkennen, daß alles, was er tut, einem Sinn unter- und beigeordnet ist. Denn immerhin gilt ja der alte Satz, daß das "eigentliche" Ziel immer als letztes erreichbar ist. (Beispiel: Wer von Orchenbruck an der Wünschel in der tiefsten Südsteiermark nach Hamburg gelangen will, muß über Graz, Wien, Salzburg, Kassel und Hannover fahren, ehe er in Hamburg ankommt. Alle diese Teilziele sind aber für sich anzustreben, ja vorrangig, sonst erreicht derjenige nie das Endziel.) 

Der abnormale Mensch macht es ja anders. Er schiebt alles dem Irrationalen des "Unterbewußtseins" zu. Er geht davon aus, daß sich - ihm unbekannte, unerkennbare, nur vermutete, "geglaubte" - Kräfte "irgendwie" summieren, die ihn einem Ziel näherbringen oder es erreichen lassen. Befragt, wie er ein Ziel, einen Sinn erreichen will, kann derjenige nicht anders antworten als unter Bezug auf ein Irrationales "Etwas".

Und das, was man heute als "Normalzustand" der Geistesverfaßtheit des Menschen ansehen muß, ist das sicherste Zeichen für die geistige Abnormalität eines Menschen!  

Denn dieser ist nicht mehr der Vernunft zugängig bzw. ruft diese nicht als entscheidende Instanz an, die ihn aber überhaupt erst verantwortlich entscheiden ließe! Der abnormale Mensch, der psychisch kranke Mensch ist also ein Mensch ohne Verantwortung WEIL ohne Vernunftbezogenheit, und damit ohne Glaubwürdigkeit. Der heutige Mensch ist ... nicht normal. Der Gegenwartsmensch ist in seinem Normalzustand ... krank.









*230818*

Freitag, 17. August 2018

Warum dennoch römisch-katholisch

In einem sehr berührenden Artikel auf OnePeterFive erklärt Stefanie Nicholas, warum sie von der orthodoxen zur römisch-Katholischen Kirche konvertiert ist. Dabei ist sie in der Griechischen Orthodoxie aufgewachsen, in dieser Atmosphäre von Heiligen Gesängen, ehrfürchtigen, beeindruckenden Handlungen der Liturgie. Sie ist von der Weihrauch geschwängerten Luft in den Kirchen durch und durch getränkt.

Wir bringen ihre Gedanken in der üblichen Freimütigkeit, in der wir an dieser Stelle stets unmittelbare Bezugstexte ergänzen, wo es zum weiteren Verständnis für die Leser dieser Seiten nützlich scheint. Wer am reinen Originaltext interessiert ist, möge ihn auf den Seiten von OnePeterFive nachlesen. 

Nicholas aber hat etwas erkannt. Sie hat zum einen erkannt, daß es keinen Grund gibt davon auszugehen, daß in der römischen Kirche die Sukzession von Petrus ausgehend nicht mehr bestehen sollte. Trotz aller Wirren, trotz des Morasts, in den alles versunken scheint, ist aber genau das der springende Punkt. 

Ein Punkt, der die Orthodoxie immerhin dazu gebracht hat, die ungebrochen wahre Lehre in zwei bzw. drei Punkten zu ändern. Der erste ist die Haltung zur Ehe, die für Nicholas nur begreifbar wird, wenn man sie als unauflöslich begreift. Die Orthodoxie hat aber aus "pastoralen Erwägungen" diese Lehre geändert und gestattet eine Wiederverheiratung. Gerade dieser Punkt heißt für sie viel, denn sie ist 26 und lebt als Geschiedene alleine mit einem Kind. Für sie heißt das, das sie schon in so jungen Jahren weiß, daß sie nie wieder in ehelicher Gemeinschaft leben wird können.

Der zweite Punkt ist die Haltung zur Empfängnisverhütung, die in der Orthodoxie aus ebensolchen pastoralen Gründen "flexibler" ist. Aber der Umstand, daß Empfängnisverhütung in der römischen Kirche untersagt ist, hat nichts mit kirchlicher Willkür oder Macht zu tun, sondern geht aus der Anthropologie, aus dem Wesen des Menschen hervor. Er liegt deshalb in der Schöpfung selbst begründet, also im Willen Gottes, und kann nicht verändert werden, wenn es "pastoral barmherziger" wäre. Das sind menschliche Maßstäbe! Genau das wirft man der römischen Kirche zum Gegenteil zuletzt vor: Aus pastoralen Gründen ihre Lehre ändern zu wollen, wie es die Orthodoxie gemacht hat.

Und dann ist da das "flexiblere" Kirchenverständnis der Orthodoxie, das sich um die grundlegende Tatsache aber herumschlängelt wie ein Wurm:  Daß die Kirche als Organismus - ob man ihn nun rein pneumatisch denkt oder nicht, wobei auch die Orthodoxie auf eine feste, konkrete, in Ämtern und Personen verankerte, feste Hierarchie nicht auskommt - ohne festes Haupt nicht denkbar, ja eine Denkunmöglichkeit ist. Nicholas kommt zu dem Punkt, daß die Gründe für die Abspaltung der Orthodoxie  letztlich irrational, weil sehr menschlich sind, und so sehr man sich nur wünschen kann, daß diese Klüfte überwunden werden können, so können sie zum einen nur über menschliche Akte überwunden werden, die auf Seiten der Orthodoxie liegen. Zum anderen hat sich die Orthodoxie von der einen, von Jesus gestifteten Kirche dadurch entfernt. Den Papst nur als "Ehrenvorsitzenden" zu sehen wie in der Orthodoxie, ist eine Ausrede, die keine wirkliche gedankliche Substanz hat. Wie sollte Kirche dann überhaupt aber gedacht werden? Daß die Orthodoxie spürt, daß das nicht zusammengeht, läßt sich schon daraus erkennen, daß sie den protestantischen Kirchenbegriff, der genau das in Reinform darstellt, immer abgelehnt hat. Aber er wäre das Ergebnis, sieht man die Kirche wider alle Realität wirklich rein pneumatisch. Auch im Protestantismus gibt es, übrigens, genau dieser Realität wegen disziplinäre Strukturen, ohne sie anders begründen zu können, denn mit sonst leerem, geistig sinnentleertem Pragmatismus.

Das ist ihr umso klarer geworden, als sie begriff, daß die momentane römische Kirche mit all ihren schrecklichen Entwicklungen in der Liturgie, in der Moral, in den furchtbaren Zuständen in der Nachahmung des Sterbens Christi ist. Daß ein Abweichen davon ein Akt des Mißtrauens in die Aussage Christi ist, daß diese eine Heilige Kirche von den Mächten der Unterwelt nicht überwunden werden wird. Daß auf Petrus selbst diese Kirche gegründet ist.

Die ganze Fülle der Wahrheit, das ist Nicholas klar geworden, lebt nur in der römisch-katholischen Kirche. Nur dort findet sie in Theologie und Philosophie eine Ausfaltung, eine Weiterentwicklung im besten Sinn, die der orthodoxen Kirche gewissermaßen fehlt. Nichts in der Orthodoxie, das nicht im römischen Katholizismus ebenfalls enthalten wäre - aber dort ist noch mehr. Gleichwohl von der Orthodoxie zu lernen wäre - wie in der Liturgie, oder in den Formen der Frömmigkeit. 

Es muß dem römischen Katholiken klar sein, daß sich gerade im Aushalten dieser furchtbaren Spannungen und Entstellungen, die man heute erleben muß, das eigentliche Heilsmysterium vollzieht. Das da von uns verlangt, daß wir uns in vollem Vertrauen auf Gott werfen. Der das Heil an diese Kirche gebunden hat. So daß das, was die Kirche vom Innersten her durchformt und trägt Jesus Christus selbst ist, der kraft seiner Verheißung sich nie von ihr trennen wird. Die deshalb nach seinem Ratschluß zu sehen und zu suchen ist, auch wenn wir ihn gerade heute oft nicht verstehen. Die Kirche "funktioniert" aber nicht nach unserer Vorstellung, sondern nach der Gottes.

Wenn man davon läßt, wenn man diese Hoffnung, dieses Vertrauen aufgibt, gibt man letztlich überhaupt die Kirche auf, auch wenn man sich orthodox nennt bzw. der Orthodoxie zugehört. (Die im übrigen ihre Geschichte beileibe auch nicht als Aneinanderreihung von puren Großtaten sehen kann.) Wir müssen das ausleiden, aushalten, was sich heute abspielt. Und fest gerade in diesem Moment bleiben, in dem sich alles scheinbar so zur Nacht verdunkelt hat. 

Aber es ist nicht unser menschliches Überlegen, das die Kirche letztlich ausmacht, und von dem sie abhängt. Es ist die Kraft und die Gnade Gottes selbst, der in ihr unsichtbar-sichtbar anwesend ist. Immer, und auf alle Zeit. Und diese unsichtbare, aber reale Kraft wird durch das Kreuztragen der Getauften wirklich und leibhaftig in die Welt geholt, zu deren Heil, als Zeichen des Heils.







*080818*

Freitag, 4. August 2017

Drei Tugenden der Kirche: Trägheit, Feigheit und Hochmut (2)

Was also macht die Kirche? Siehe Amoris laetitia: Sie läßt die Gläubigen unwissend, läßt alles in einer einzigen Grauzone, in der niemand mehr so recht weiß, nach welchen Grundsätzen zu handeln und damit der Einzelfall zu prüfen wäre. Sie läßt aber nicht nur die Eheleute alleine, indem sie ihrem "subjektiven Gewissen" alles überläßt (ohne auf die Wahrheit über Gewissensbildung Bezug zu nehmen, denn wo sollen bei dieser seit Jahrzehnten katastrophalen Katechese und DIESER Pastoral noch katholische Prinzipien vorhanden und damit gewichtbar sein?) Sie läßt auch jeden Anwalt alleine, der um seines Seelenheiles willen bemüht ist, keine Sünde zu fördern und zu begehen. Die Kirche weigert sich sogar regelrecht, die Wahrheit über die Ehe bekanntzugeben! 

Man stelle sich doch nur vor was passieren würde, wenn die Kirche die anthropologische Wahrheit aussprechen würde, daß Mann und Frau zueinander in hierarchischer Position zu sehen sind, und NUR SO eine Ehe überhaupt zustande kommen kann - mit dem Mann als Haupt der Familie. So entspricht es nämlich der Lehre und Weisheit der Kirche, so entspricht es der Anthropologie! Stattdessen wirft sie die Leute auf eine völlig diffuse innere Gewissenslage zurück, in der sie - mangels Wissen - im Grunde wie Blinde herumtappen und keine Ahnung haben, was da mit ihnen geschieht oder geschehen ist. Deshalb auch keine Ahnung haben, wie sie Schuld prüfen und erkennen sollten. Keine Ahnung haben, WARUM eventuell eine Ehe nicht gelebt werden konnte und deshalb unmöglich aufrechtzuhalten ist. 

Was glaubt der Leser was passiert, wenn jemand nach diesem ersten Grundsatz der Gemeinschaft von Mann und Frau in der Ehe mangels Fähigkeit, diese zu erfüllen (heute eine Sache, die vor allem die Frauen betrifft, die durch den feministischen Schwachsinn heute sogar mehrheitlich gar nicht mehr ehefähig sind, und zwar genau deshalb!) eine Annullierung  beantragen würde - er würde von Kirchengerichten ausgelacht werden, weil die diese ersten Grundsätze der Ehe selber nicht mehr kennen und damit in ihrer Relevanz bewerten können.

Damit hängt auch alles Reden vom Sakrament völlig in der Luft. Es ist, als wüßte die Kirche selber nicht mehr, warum das so sein müßte - außer über puren Fideismus (also "blindem, nur in einem Willensgestus inhaltlich festgehaltenem Glauben"), der ganz leicht (und dann nicht einmal ganz zu Unrecht) in den Geruch sturen Fanatismus gerät, welche Zuweisung ja tatsächlich und mittlerweile schon laufend selbst vom Papst geschieht, und deshalb, warum nicht, auch da und dort namens der Großherzigkeit auch mal augenzwinkernd übergangen werden kann.  

Wie aber soll die in Amoris laetitia eingeforderte kluge pastorale Abwägung der Güter stattfinden, wenn der Wert dieser Güter gar nicht klar weil unerkannt ist? Aber nicht nur unerkannt. Die Kirche hat es sich scheinbar sogar schon zur Richtlinie gemacht, PASTORAL mit DUMMHALTEN und VERSCHWEIGEN gleichzusetzen.

Dazu kommt die absurde Praxis, die Richtlinien und Glaubensgrundsätze nur noch aus den Randgruppen und Sonderfällen zu schöpfen. Niemanden scheint noch zu interessieren, daß die überwiegende Mehrheit der Menschen von dem, was da schon ständig an pastoralen Hinweisen und Geboten durch die Lüfte und Medien schwirrt, gar nicht betroffen ist. Stattdessen wird die schon im Staatsrecht so unselige Praxis übernommen, Gesetze nach Minderheiten, nicht mehr nach der Mehrheit zu machen! Das widerspricht aber dem elementaren Grundsatz des Gemeinwohls als oberster Staats- und natürlich Kirchenpflicht! 

Das da bedeutet, daß Gesetze darauf abzielen müssen, möglichst "alle" zu erfassen, möglichst allen gerecht zu werden.  Und das geht nach wie vor, und ist immer gegangen, denn die Lebensprobleme der Menschen sind zu einem ganz überwältigenden Prozentsatz deckungsgleich. Deshalb ist es ein Aberwitz, gerade bei der Ehe, die noch dazu ein öffentliches Gut ist, kein reines Privatgut, nur noch mit Sonderfällen zu operieren, von weiteren hier angerissenen Problemen dieser Sonderfälle noch gar nicht zu reden.

Besonders davon betroffen sind aber auch katholische Rechtsanwälte (und nicht nur katholische). Denn die Rechtspraxis ist ein täglicher Hazardlauf in moralischen Problemen. Rechtsanwälte haben aber auch keine bessere Katechese durchlaufen und damit dieselben Glaubenskenntnisse wie die Mehrheit der Gläubigen - so gut wie keine nämlich. Nun verweigert aber die Kirche die Nennung von Richtlinien, die doch für das Seelenheil auch der Rechtsanwälte von so großer Bedeutung wären. Die täglich mit solchen moralischen Problemen oft spitzfindigster Art zu tun haben. Woran sollen die sich nun orientieren? Haben nicht gerade Rechtsanwälte sogar ein Recht darauf von der Kirche zu erfahren, wie die Lage des Kirchenrechts ist, was dieses dazu sagt? 

Denn immerhin ist das Kirchenrecht ja keine einfach positivistische Spitzfindigkeit, die man aus Jux und Tollerei in die Welt gesetzt hat. Sondern das Kirchenrecht ist im Grunde eine Beschreibung der Praxis des Heils, beschreibt sogar die physische Verfaßtheit die der Fluß der Gnade braucht!

Wonach aber sollen sich Gläubige, wonach aber sollen sich Rechtsanwälte orientieren, wenn die Kirche zu allem nur noch schweigt, ja mehr noch, dieses Schweigen, die daraus folgende völlig unklärbare weil richtlinienlose Gewissenslage sogar noch als Pastoral und Heilsmittel anpreist?






*Es gibt nur ganz seltene Sonderfälle, als eine Art "Notwehrlösung", die anzuführen aber die Hauptsache um die es hier geht nur verwirren würde, weil sie im Grunde die Hauptsache auch wieder gar nicht berühren. Lassen wir das deshalb.

Donnerstag, 3. August 2017

Drei Tugenden der Kirche: Trägheit, Feigheit und Hochmut (1)

Seit einiger Zeit gibt es in der Kirche der USA einen interessanten Konflikt. Er entzündete sich an einer von dem Rechtsanwalt Bai Macfarlane (der einer Gruppe angehört, die sich für die Eindämmung von einseitig betriebenen Ehe-Scheidungen ohne Schuldjudizierung einsetzt) verfaßten Broschüre, die als Handreichung für Rechtsanwälte gedacht war, wie sie aus katholischer Sicht mit solchen Fällen umgehen sollten. 

Denn die Sache ist ja alles andere als so einfach, wie sie in der Öffentlichkeit dargestellt und geglaubt wird. Aus katholischer Sicht stellt die Scheidung selbst nämlich bereits eine schwere Sünde dar. Zumindest, wenn es nicht schwerwiegende Gründe gibt, die eine Trennung samt aus verschiedenen (Rechts-)Gründen dann anzuempfehlenden entsprechendem Scheidungsverfahren geboten scheinen lassen. (Die zivilrechtliche Scheidung ist somit einfach eine säkulare Form der kirchlichen "Trennung von Tisch und Bett", die es ja immer schon gibt, auch wenn sie kaum mehr in Anspruch genommen wird; Anm.) Die freilich niemals eine sakramentale Trennung sein kann. (Ein vollgültiges, das heißt auch vollzogenes, also in volle Wirklichkeit gesetztes Ehe-Sakrament kann überhaupt nicht getrennt werden. Das kirchliche Ehe-Annullierungsverfahren prüft deshalb auch nur, ob die Ehe gültig geschlossen ist, nicht, ob man sie halt auch trennen könnte, wie ebenfalls viele glauben.)

Noch schwieriger wird es, wenn einer der fortan Getrennten wieder heiraten möchte. Der Rechtsanwalt im speziellen steht dann in der Situation, daß er sich an dieser Sünde u. U. beträchtlich mitschuldig macht. Denn immerhin ist es Aufgabe und Pflicht des Rechtsanwalts, ganz bewußt und sogar "einseitig" die Position seines Klienten zu vertreten, in den USA noch expliziter als bei uns. Wenn er das nicht kann, darf (oder zumindest: sollte) er einen Fall gar nicht erst annehmen. Dies betrifft bei der Ehe ja nicht einmal nur die sakramentalen Ehen katholischer Partner, sondern auch die Ehen Ungetaufter, denn naturrechtlich gesehen sind auch die prinzipiell gültig und unzertrennlich. 

Macfarlane formulierte in dieser Broschüre deshalb einen Grundsatz, der sich seines Erachtens nach aus dem US-Recht (das solche einseitigen Scheidungen gestattet, bei uns erfüllt die "einvernehmliche Scheidung" bzw. die "Scheidung nach bestimmter Trennungsfrist" eine ähnliche Funktion) ergab und aus dem Kirchenrecht hervorgehen müßte:  

Ein Scheidungswilliger muß, ehe er seine Scheidung betreibt, beim zuständigen Ortsbischof um Erlaubnis ansuchen. 

Warum muß er das? Weil die Ehe KEIN rein privates Gut ist, wie es heute irrtümlicherweise meist angenommen wird, sondern ein Gut, das so in der Öffentlichkeit verwoben ist, daß man von einem Gemeingut sprechen muß. Ein Ehe ohne Öffentlichkeit ist deshalb ja auch nach geltendem Kirchenrecht nicht gültig.* Erst mit dieser Bewilligung durch den Ortsbischof weiß der (katholische) Anwalt, daß er einen Fall übernehmen kann, OHNE sich selbst bzw. seiner Seele schweren Schaden zuzufügen. Denn auch wenn manche es nicht glauben möchten - auch Rechtsanwälte haben eine Seele, die sie zum Ewigen Heil führen sollten.

Als nun dieser Macfarlane beim zuständigen Ortsbischof (Bischof Daniel Thomas) um kirchliche Druckerlaubnis ("Imprimatur" oder "Nihil obstat", das heißt, daß die Kirche bestätigt, daß ein Schriftwerk der kirchlichen Lehre entspricht, sei also nichts dagegen einzuwenden hat) einkam, erlebte er aber eine Überraschung. Denn diese Zuerkennung wurde ihm verweigert. Im Mai 2017 legte deshalb Macfarlane Rekurs bei der zuständigen römischen Kongregation ein. 

Nun zog der Fall die Aufmerksamkeit eines weiteren US-Kanonisten auf sich. Dr. Edward Peters führte nämlich eine Arbeit eines Kanonisten der römischen Kurie an, in der dieser darauf hinwies, daß nach derzeitiger Auffassung zu unterlassen sei, Gläubige, die nicht bereits Bescheid über das geltende Kirchenrecht besitzen, auch zukünftig und auf keinen Fall (vorauseilend) darüber zu informieren. Eine höchst seltsame Auslegung, denn sie läuft auf nichts anderes hinaus als auf den in der Praxis leider so aktuellen Grundsatz "Nicht fragen - nichts sagen." Wer viel fragt, geht viel irr, wie der Wiener sagt. Mit dem nur eines ausgedrückt wird: Nur ja keine Brösel, wie der Wiener dazu sagt, nur ja keine Schwierigkeiten in die Welt tragen, das kann nur Probleme bedeuten. Ein einziger Schwierigkeiten-Vermeidungsmechanismus also.

Der aber mittlerweile gerade in Ehefragen zur Standardposition der Kirche geworden zu sein scheint. Denn die Kirche hat es längst aufgegeben, den Gläubigen Richtlinien zu sagen, die sie bei der Ehe zu berücksichtigen hätten. Dabei - nicht allen verweigert sie das, sondern NUR DER MEHRHEIT. 

Denn die sogenannte Ehepastoral ist - wir fast die ganze pastoral - nur noch eine Randgruppenpastoral geworden. Und nach solchen Randgruppen und Einzelfällen werden locker eins ums andere Mal die eigentlichen Hauptrichtlinien ausgehebelt. Eins ums andere Mal. Amoris laetitia ist ein beredtes Beispiel dafür. Das entspricht der Tatsache, daß die Kirche seit langem nur noch drei höchst fragliche Tugenden pflegt: Trägheit, Feigheit und Hochmut.


Auf jeden Fall will die Kirche nämlich nur vermeiden, weiter anzuecken. Und das nennt sie dann sogar noch "pastorale Klugheit". Man stelle sich nämlich vor was passieren würde, wenn die die Kirche öffentlich die wirklichen Grundgesetze der Ehe verkünden und gar noch stärken würde! Sie stünde damit nicht nur im Widerspruch zum Zeitgeist, sondern sie würde auch auf das Unverständnis des Großteils der Gläubigen treffen, die ebenfalls von den Grundzügen des Katholischen gar keine Ahnung mehr haben. Und auch von der Ehe keine Ahnung mehr haben. 

Denn mit keinem Wort hat die Kirche in den letzten Jahrzehnten erwähnt, daß die Ehe ein Gut ist, das dem Gemeinwohl zuzurechnen ist, also ohne Öffentlichkeit gar nicht denkbar ist. Vielmehr vertritt sie selber scheinbar schon - bis hinein in die Ehevorbereitung, wo nur noch von "Liebe" gefaselt wird, die so konkrete Aufgabe der Ehe als Ganzes etwa gar nicht mehr dargestellt wird - die Auffassung, daß die Ehe ein rein persönliche Angelegenheit ist, und die Art wie sie gelebt wird, ja sämtliche Familienangelegenheiten, eine Sache des "forum internum" sind, als niemanden sonst noch etwas angehen als die Betroffenen selber. 

DAS IST FALSCH, und namhafte Kirchenrechtler bestärken Macfarlane in dieser Position. Weil die Ehe eben eine Angelegenheit des Gemeinwohls eines Staates, einer Gemeinde etc. ist, ist sie auch eine Sache des öffentlichen Forums, und eben keine reine Privatsache zweiter Menschen. Genau so wenig, wie zwei Menschen einfach für sich entscheiden und dann durchführen können, zu heiraten, sondern dafür die Öffentlichkeit brauchen, genau so wenig ist eine Scheidung eine reine Privatangelegenheit!



Morgen Teil 2)





*080717*

Sonntag, 30. April 2017

Erleben durch Ferne vom Geschehen

Man darf nicht in den Fehler verfallen zu meinen, die Liturgie der "Alten Messe" (also der Messe, wie sie vor den dramatischen Veränderungen Ende v. a. der späten 1960er Jahre gefeiert wurde) müsse mit dem Novo Ordo Missae, also der "Neuen Messe", auf der Ebene des "Eventhaften", der vordergründig "Erlebnishaften" konkurrieren. Denn in der normalen Form "passiert", verglichen mit dem Neuen Ritus, im Alten Ritus gewissermaßen "nichts", oder nur sehr wenig. Aber genau das ist das Entscheidende.

Denn im Alten Ritus ist das Geschehen, um das es in der Messe geht, eben das, was es ja sein muß: Ein Geschehen für sich. In dem der Himmel sich öffnet, und gewissermaßen die konsekrierte Hostie "zurückläßt". Durch sie ist die direkte Teilhabe am Heilsgeschehen möglich. Und das ist ein Geschehen, das der Priester vollzieht, und nur er. Es ist ein Geheimnis der Tiefe, die für irdische Verhältnisse, für menschengemachte Gefäße einfach zu groß ist und deshalb diesen abgeschützten, fernen Rahmen braucht..

Sie entfaltet ihre Wirkung aber eben erst im Begreifen dieser Größe, dieser den Menschen weit übersteigenden Tiefe, dieses Geheimnisses, das das Herabneigen aus der Ferne Gottes bedeutet. Erst wenn die Gläubigen das begreifen, das nämlich erleben, öffnet sich auch der Erlebensspielraum für die Größe der Heiligen Kommunion, in der sie an Gott teilhaben und in ihn hineingehoben werden. Diese Disposition (die zuerst eine objektive Disposition ist, der sich das Subjektive nur weil es objektive Wurzeln hat nachformen kann, im Willensakt nur entgegenhebt, ohne das Ergebnis "machen" zu können) ist im Alten Ritus, wenn er ordentlich zelebriert wird (was einmal gegen Degenerationsformen wie die "missa dialogata", aber sehr wohl auch gegen gedankenlose Zelebration durch die Priester gerichtet ist), am vollkommensten zu erfahren. 

Das macht die Heilswirksamkeit des Alten Ritus aus, der dann auch zur konkreten Erfahrung wird. nicht als Event während der Messe. Was dort geschieht ist ein uns entzogenes Geschehen. Sondern im nachträglichen Feststellen von Veränderungen in der geistigen Landschaft der Teilnehmenden.

Daß im Neuen Ritus (NOM) genau diese Wirksamkeit nicht mehr erfahren wird zeigt sich am deutlichsten darin, daß die Gläubigen sich ständig bemüßigt fühlen, die angeblich objektive Realität des Heilsgeschehens, an dem sie da teilhaben, durch subjektive Simulation zu ersetzen bzw. zu ergänzen. Zum einen in der Messe, wo sie Passagieren in einem Bus vergleichbar sind, dessen Chauffeur vorgibt, über eine Bodenwelle zu fahren, woraufhin alle Mitreisenden in die Luft springen, während aber gar keine Bodenwelle den Bus hebt. Die Teilnahme an einer solchen (neuen) Messe wird damit zum gruppendynamischen Ereignis, und dieses rein psychogene Erleben wird mit der Zeit zur Gewohnheit und zur Erwartung. So ist der NOM fast durchgängig Tautologie, Erklärung seiner selbst, ohne selbst noch eigentliche Liturgie zu sein.

Wobei vielen unbewußt auffällt, daß sich ein solches Erleben von einem Stadionbesuch bei Bayern gegen Dortmund nicht mehr zu unterscheiden ist. Weshalb der Meßbesuch von immer weniger Getauften überhaupt noch als Wesentlichkeit des Christentums begriffen wird. Zum anderen zeigt sich die inhaltliche Verflachung, ja Auslöschung des sinnlich Wahrnehmbaren - dem eigentlichen realen Heilsgeschehen - durch alle möglichen sozialen, vorgeblich Liebe, also "Frucht" beweisen sollenden Tätigkeiten, worein sich ganze Ersatzkulte bilden. Auch die "Ersatzreligion Flüchtlinge" fällt darunter. Und es ist kein Wunder. 

Denn es fehlt durch die mangelnde Disposition, die nur und genau dieses Erfahren des Heilsmysteriums als fernes, großes, viel zu großes Geschehen auch tatsächlich die Erfahrung des Wirkens Gottes. Diese kann im Novo Ordo in den allermeisten Fällen gar nicht mehr entstehen., und wenn doch, so ist sie meist nur Ergebnis der steinernen Kirchenbauten selbst, die diese Ordnung noch auf die Gläubigen aufprägen, egal was da vorne noch geschieht.

Wenn man also den Novo Ordo krisiert so sollte man achtgeben, daß man sich nicht einfach auf angeblich nicht mehr stattfindendes liturgisches Spektakel bezieht (weil im NOM der Priester nur noch unbeweglich vorne steht und quatscht). Das würde beim Besuch der "Alten Messe" zu einer Enttäuschung führen. Vielmehr geht es im Alten Ritus in "pastoraler Hinsicht" um eine Disposition, die erst dadurch entsteht, als im Erleben der Ferne und Ungreifbarkeit der Gegenwärtigkeit Gottes, der Öffnung des Himmels, die hier passiert, die Disposition entsteht, in der das Herabsteigen Gottes zu einem wirklichen Aufheben der Welt und des Menschen wird. Ohne daß der Einzelne sich selbst manipulieren muß. Er kann hier wirklich sitzen, stehen, anwesend sein, ohne etwas machen zu müssen, und wie Thomas zweifelnd beobachten, was an ihm geschieht. Gott selbst wird ihn im Geist und in der Wahrheit über das reale Geschehen überzeugen. Darauf darf er prinzipiell vertrauen.

Wenn man von Teilhabe spricht, ist also die Ferne zum Heiligen Geschehen jener "zweite Teil", der das Gesamtereignis "Heilige Messe" neben der priesterlichen Ligurgie ausmacht, ist also genau diese Unnahbarkeit nicht nur Ausdruck sondern konstitutive Bedingung des Ortes (des "einfachen Gläubigen"), AN DEM STEHEND er am realen Wunder Gottes, das im Gegenwärtigsetzen und damit geschichtlich Aktuellen, die Gegenwart Verwandelnden des Heilsgeschehens in der Heiligen Messe, Anteil haben kann, wenn er das möchte.






*240417*

Sonntag, 13. Dezember 2015

Dipolomatie ist nicht Dogmatik (3)

Teil 3) Fehler sind Pferde zur Heiligkeit, auch für Päpste. Wenn sie sie erkennen. - 
Die einzigen, die die kirchliche Diplomatie dem Islam gegenüber dogmatisch nehmen, 
sind leider die Katholiken. - 
Dafür hofft die Kirche, daß die Laien ihre Arbeit übernehmen





Auf das bezügliche Dokument angewendet heißt das, daß in dem Augenblick, wo mediale Verbreitung über den spezifischen Raum "junge Muslime in Marokko (oder überall, etc.)" hinausgeht oder absehbar hinausgehen wird, es plötzlich auch in seinem Charakter umschlägt bzw. in der Formulierung umschlagen müßte. Als Ansprache an Christen, wie mit dem Islam umzugehen sei, wäre ein und dieselbe Aussage nämlich völlig unzulänglich, ja wird gefährlich falsch. Da genügt es bei weitem nicht "draufzuschreiben, an wen es gerichtet ist". Klugheit ist nicht zufällig eine der Haupttugenden. Daß sie von der "Naivität einer allumfassenden Plauderstunde" ersetzt werden könnte ist Unsinn. Das Besondere an den Worten Jesu, wie sie uns überliefert sind, ist ja, daß sie so klug sind, daß sie sowohl in die damalige historische Situation hinein, wie diese Situation als zeitlos Allgemeines zu treffen vermögen. Gerade Päpste sollten sich dies also zum Vorbild nehmen. Und haben das auch meist. In der Vergangenheit leider aber nur.

Und nur in diesem Verständnishorizont darf man auch dieses Dokument des + Johannes Paul II. lesen. In dem der damalige Papst fast bis zur Verhüllung der Wahrheit geht, um einen Anknüpfungspunkt für junge Muslime zu bieten, und keine sonst zu erwartende Abwehr.* Er hielt es für klug. Gut, das muß er ver- und beantworten. Auch Heilige machen durchaus praktische Fehler, das ist nicht das Kriterium, im Gegenteil sogar oft: Fehler sind (wie Neurosen) Pferde zur Heiligkeit, blutende Stachel der notwendigen Haltung der Gnadenbedürftigkeit. Gerade dieser Papst hat gegen Ende seines Lebens - glaubhaft überliefert - bedauert, daß er so viele Fehler gemacht habe.

Eine absolute Aussage zum Islam und dem Verhältnis der Kirche zu ihm ist dieses Dokument einer Ansprache also sicher nicht. Und man tut dem Verstorbenen keinen Gefallen, eine solche hineinzuinterpretieren. Dann hätte er gewiß noch mehr zu bedauern.




*Als illustrierendes Beispiel mag die legendäre Rede des em. P. Benedikt XVI. in Regensburg (?) gelten, in denen er sich zum Islam äußerte. Gedacht für den Rahmen, in dem diese Ansprache stattfand, erwies sie sich als völlig kontraproduktiv ab dem Moment, wo diese durchaus situationsgemäße und deshalb wahre Aussage in die Öffentlichkeit gezerrt wurde. Plötzlich wurde sie - aber erst auf dieser Ebene - zum Skandal der Diplomatie, und der em. Papst mußte geboten relativieren. 

Was die Frage aufwirft, ob es tatsächlich klug ist, daß die Kirche dem Islam gegenüber ihre "wahre Haltung" mittlerweile derartig verbirgt, daß sie die Grenzen zur Irritation schon längst überschritten hat. Ob also nicht offenere Kritik, klarere Darstellung der katholischen Position, weit zielführender wäre. Denn die Muslime glauben der Kirche dieses Kreidefressen sowieso nicht! Der einzige, der dieses Süßraspeln aber mangels Gegengewicht in der internen Verkündigung, die diese Diplomatie einzuordnen, als solche zu erkennen möglich machte, als dogmatische Position zu glauben begonnen hat, sind die Katholiken selbst! 

Die Muslime treiben vielmehr mit großem Geschick ihre Spielchen mit dieser vermeintlichen diplomatisch-pastoralen Vorsicht, um die Kirche darauf - weil auf andere Ebene gehoben - festzunageln und damit zu kastrieren. 

Diese hinwiederum verläßt sich - zitternd wie Espenlaub - auf die Zivilgesellschaft, die dann hoffentlich (weil im Stich gelassen ziemlich unbeholfen und unausgegoren) mit "Wertetreue" und "Toleranzgebot" das fehlende Handwerk der Kirche ersetzen, ja sogar ihr Versagen nicht nur ertragen, sondern ausbügeln. Weil begreifen, daß die Feigheit, die Selbstuntreue der Kirche (von der bald niemand mehr weiß, was sie überhaupt noch soll und will) dem alltäglich-menschlichen Lebensvollzug gefährlich wird.

Mit weitreichenden Konsequenzen: Denn während die Kirche auf "Islamfreundlichkeit" mimt und sich zur Interpretin eines Islam aufwirft, den dieser selbst gar nicht so sieht, schlägt in der Bevölkerung längst die Stimmung um. Denn man ahnt, man begreift, daß es hier um mehr geht. Also wird sich an diesem mächtigen weil im Alltag erfahren existentiell bedrohlichen Aufhänger eine massive weitere Entkirchlichung vollziehen. Mit einem Überschwenken auf laizistische und vor allem neuheidnische Bewegungen, die im Grunde dem Islam eine regelrechte innere Einfahrtsrampe bauen. Der eine Wertewelt anbietet, die so vieles, was subkutan dem Europäer schon lange nicht mehr geheuer ist, von Feminsimus und Genderwahn über Lebensschutz bis zur Familienauflösung, um nur einige der Widersprüche zu nennen, in denen Europa derzeit schon um Luft ringt, offensiv vertreten. 

Bewegungen, deren Angebote also die reale Lebenssituation vordergründig weit besser abzudecken scheinen. In sämtlichen neu aufkommenden politischen Bewegungen spielt heute schon die Kirche keine Rolle mehr, ja steht auch noch gegen das, was als "Notwehr" empfunden wird, ob es nun immer klug und vernünftig ist oder nicht. Dieser Zug ist also bereits abgefahren!

Die Menschen erleben nicht mehr, daß sie von ihrem eigenen Glaubenssystem gehalten und gestützt, sondern sogar noch weiter geschwächt werden. Das geht zwar schon lange so, aber nun hat es eine kritische Größe erreicht, die mit der Dimension des Problems zusammenhängt. Während ihnen die islamistischen Bomben und die Leichen um die Ohren fliegen - so erleben sie es -, während Millionen Muslime zuwandern, die die faktische europäische Ordnung schwer in Frage stellen, erzählt ihnen die Kirche grinsend oder anlaßgemäß mit betroffenen Gesichtern vom "guten Islam". Als ginge es darum, daß der Katholik im Islam etwas sieht, was Muslime selber nicht darin sehen.

Ein Aufruf zum Populismus? Mitnichten. Aber ein Aufzeigen der schweren Versäumnisse, ein Aufzeigen des Ungleichgewichts, in dem das "peace-"Getue dauerpubertierender Neo-68er dem Islam gegenüber die genuin christ-katholische, abendländische Sicht - die dem Islam prinzipiell äußerst kritisch gegenübersteht, aber wer sagt das denn noch? - zum Verschwinden bringt weil lieber einmal hinterm Rücken hält. Oder selber nicht mehr kennt. Dabei aber so tut, als sei das Heidentum der Muslime, ein wenig mit (noch dazu: fragwürdigen!) "Wertwolken" weichgespült, im Grunde genau so gut wie das frühere Christentum, als das ein dekadenter Westen aufgekocht wird. 

Wieder: Niemand glaubt das so wenig, wie Muslime. Denen es aber enorm nützt.





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Samstag, 12. Dezember 2015

Dipolomatie ist nicht Dogmatik (2)

 Teil 2) Warum Richtiges zur Unwahrheit werden kann - 
Wie Gutes zum Bösen umschlägt -
Was man Muslimen sagt kann für Katholiken irreführend sein




Alles das wird hier, in dieser Ansprache des +Papstes Johannes Paul II., natürlich vermieden. Weil der Zweck dieses Dokuments ein anderer ist als eine Verkündigung innerhalb der katholischen Kirche zum Wesen des Islam, und dazu, in welcher haltung wie den Muslimen begegnen sollten. Solches öffentlich zu tun, den Islam im Absoluten Maßstab darzustellen, wäre vermutlich sowieso nicht ratsam. Es würde sehr wahrscheinlich jede Gesprächsbasis zerstören, und Fronten aufrichten, die zwar ontologisch bestehen - daran darf die Kirche nie (!) einen Zweifel lassen, und wenn sie es dennoch tut so bewirkt sie Verwirrung bei den Katholiken (nicht bei Muslimen) in ihrem Selbstbegreifen - aber die in die Ebene der Politik explizit zu heben bereits wieder eine Frage der Diplomatie ist. 

Aber hier zeigt sich zugleich eine der großen Problematiken der heutigen Medienlandschaft, mit dem Anspruch, alles und jedes "zu veröffentlichen". Denn damit wird der Sinn des Sprechens überhaupt unterlaufen und in Frage gestellt, vielmehr Inhalte in neue "Sprechsituation" gerückt - und DAMIT verfälscht.Das sich immer nur aus einer Situation in eine Situation hinein verstehen läßt. (Benedikt XVI. hat deshalb nicht zufällig darauf hingewiesen, daß es "zwei" Vatikan II-Konzile gibt: das dogmatisch-kirchliche, und das mediale, welch letzteres sich aber im Widerspruch zu den eigentlichen Aussagen des Konzils durchgesetzt hat.) Erst dann, erst in diesem Kairos (der richtigen Zeit, dem richtigen Ort, der richtigen Dialogsituation, etc.) erschließen sich überhaupt (!) Inhalte.Selbst die Neuropsychologie bietet dafür den Beleg. Wenn sie etwa nachweist, daß sich im Gehirn "Verstehensströme" bereits VOR der akustisch vernehmbaren Aussage bilden, man also VOR dem eigentlichen Sprechen bereits versteht (oder nicht.)

Das ist auch deshalb von so großer Bedeutung, weil gerade in dieser Zeit - auch kirchlicherseits - diese Ebenen nicht immer noch auseinandergehalten werden. Hier ist der sprichwörtliche Konflitk zwischen Pastoral und Dogmatik angesprochen, der bei der diesjährigen Familiensynode im Vatikan tobte, ohne daß ihn jemand vorerst noch als solchen zu differenzieren vermochte. Was im pastoralen Sinn (der mit Diplomatie durchaus vergleichbar ist) gesagt wird, wäre nämlich dogmatisch oft höchst bedenklich, würde es als absolute Aussage genommen. 

Pastoral kann es deshalb nur IN einer sehr spezifischen Situation geben, und die bedarf auch immer eines gewissen schützenden Rahmens. Des Rahmens genau jener Situation, in die hinein sie gesprochen wurde. Sie hat deshalb direkt mit der pastoralen Funktion eines Kirchenvertreters zu tun, und gehört eigentlich überhaupt nicht in den Rahmen der Öffentlichkeit, etwa eines Richtliniendokuments. Wo es gefährliche Verwüstungen anrichten kann.

Daß man sich dessen kaum noch bewußt ist, ist - neben den konventionelleren Medien - in vielem auch eine der Verwüstungen des Internet, das über alles wie eine große Walze hinwegfährt und die Täuschung geweckt und verfestigt hat, es gäbe Inhalte, die von ihrer kommunikativen Situation abzulösen wären. Es ist deshalb keine Spinnerei gewesen, wenn der VdZ in einer gewiß sehr langen (anläßlich des Internat. Bloggertreffens im Vatikan in 2011, zu dem er eingeladen war, verfaßte) und umständlich weil umfassend begründen sollend geschriebenen Aufsatz darauf hinwies, daß die Art des verwendeten Mediums so sehr Teil einer Aussage ist, daß ein in einer bestimmten Situation die Wahrheit wie Donnerhall verkündender Satz über Twitter versandt zur Häresie werden kann. Hatte er damals den Eindruck, daß es im Vatikan durchaus Männer gibt, die sich dieser Problematik bewußt sind, zeigt die Entwicklung leider, daß sie nicht bis in die Entscheidungsspitze durchgedrungen sind.

Mit einem diplomatisch-vorsichtigen, versöhnen sollenden Dokument hausieren zu gehen, um es als Richtlinie für die innere Stellung zum Islam heranzuziehen ist deshalb nicht nur falsch. Es ist eine Irreführung. Gerade unter der heutigen Mediensituation sollte die Kirche endlich zu begreifen beginnen, daß Medien (und im speziellen Internet und social media) eine höchst höchst stachelige Frucht sind, die man mit der allergrößten Vorsicht und Zurückhaltung (!) verwenden sollte. Leider scheint sich die gegenteilige Sicht mittlerweile vollständig durchgesetzt zu haben. Das Ergebnis ist eben heillose Verwirrung. Der VdZ ist eben nicht bereit in den Irrtum einzusteigen, daß sich Inhalte unabhängig von ihrer Form als wahr oder unwahr klassifizieren lassen. Er ist deshalb auch nicht bereit, aus einem Wust unformierter Aussagen jene Kernchen herauszusuchen, die man als "wahr" deuten könnte. Aussagen sind nur als Ganzes wahr oder unwahr. Und das ist sogar ein Kernpunkt des Katholizismus!

Deshalb sagt Jesus nicht "Hier habt ihr die Wahrheit, den Weg, das Leben, setzt sie richtig ein" (was häretisch und gnostisch wäre) - er sagt "ICH BIN der Weg, die Wahrheit und das Leben." Ein fundamentaler Mangel des Islam, übrigens, den der (im an sich religiös betrachtet richtigen Instinkt, denn schon natürliche Spiritualität drängt zu einer in einem Menschen bzw. im Kairos notwendig verwurzelten Wahrheit; ein Umstand, der sogar in der Geschichte vieler islamischen Völker enorm präsent ist und sich dort bis in die oft gottähnliche Position der Herrscher, ja in der Königslehre aller Völker mehr oder weniger wiederfindet) durch knallhart literale Dogmatisierung des Koran und der Person eines Propheten (im Zusammenspiel mit der Rolle der Herrscher) zu überbrücken sucht. Dort, in dieser sozusagen dogmatisch-inhaltlichen Konstellation, liegt auch die Wurzel des sogenannten "politischen Islam." Es ist höchst bedauerlich, daß gerade die Kirche heute nicht mehr die Kompetenz zu haben scheint, sich diesen auch im Verhältnis zum Islam entscheidenden Fragen zu stellen.

Denn während die Kirche also regelrecht "dogmatisch fundamentiert" auf der lebendig-aktualen Wahrheit aufbaut, die persönlich und damit situativ ist, als Einbruch des in Jesus historisch präsenten Ewigen in die Zeit, als nicht "rationalistisch" also, handelt sie mittlerweile anders. So, als gäbe es Inhalte, die aus ihrem Situationshintergrund abzulösen wären. Das gilt auch dort, wo in Realisierungen, Verfleischlichungen diese Wahrheit im Symbol immer (und nicht veränderlich) präsent ist. (Gewisse Formen sind also nicht verzichtbar, ja nicht einmal veränderbar!) Formal "richtige" Aussagen - die auf die Form vorgeblich verzichten (was natürlich gar nicht möglich ist, alles was ist hat immer eine Form) - ergeben aber eines nicht: sie ergeben noch keine Wahrheit. Die Kirche ist aber reales, geschichtlich präsentes und wirksames Sakrament der Wahrheit, nicht irgendeiner Richtigkeit.



Morgen Teil 3) Fehler sind die Pferde zur Heiligkeit, auch für Päpste. Wenn sie sie erkennen. - 
Die einzigen, die die kirchliche Diplomatie dem Islam gegenüber dogmatisch nehmen, 
sind leider die Katholiken - 
Dafür hofft die Kirche, daß die Laien ihre Arbeit übernehmen






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Freitag, 11. Dezember 2015

Dipolomatie ist nicht Dogmatik (1)

Das gesprochene Wort ist nie von seiner Gesamtsituation zu lösen, in der es fällt und gesetzt wird. Wenn deshalb der + Johannes Paul II. eine Ansprache an junge marokkanische Muslime (mit Anwesenheit bzw. Adresse des Königs) hält, so ist das auch der Rahmen, in dem das, was er sagt zu verstehen ist. Denn zweifellos sind seine Aussagen geprägt von einem äußerst behutsamen Versuch, auf Gemeinsamkeiten hinzuweisen, die die Ablehnung des Christentums durch Muslime möglichst entschärfen soll. So muß man wohl auch generell dem Islam begegnen, in der Hoffnung, daß die Muslime eines Tages dieses mögliche Ineinandergreifen des spirituellen Kerns ihrer Religion mit dem Christentum sehen mögen. 

Denn natürlich ist der Islam, so wie jede andere Religion des Erdkreises, gewissermaßen eine Auffahrtsrampe zum Christentum. Aber als solche bleibt er weltimmanent, "natürlich", und ist noch längst nicht der Weg zum Heil, wie es mit der Inkarnation Christi direkt - und nur damit - zu tun hat. Etwas anderes kann die Kirche nicht sagen, und hat sie auch nie gesagt. NOSTRA AETATE (zu dem der VdZ erst in diesem Jahr eine Hochschultagung besuchte) läßt hier ebenfalls keinen Spielraum, das Dokument ist aus ähnlichem Geist der wohlwollenden Zuwendung verfaßt. Im übrigen in erster Linie als Adresse ans Judentum, als dogmatisch-absolutes Dokument wäre es völlig ungenügend. Die anderen Religionen werden darin sowieso nur mit wenigen Worten eingeschlossen, man hat (glaubt man Kirchenhistorikern) diese Aussagen auch erst sehr spät noch "dazugeflickt", um das Dokument dann doch allgemeiner zu gestalten. 

Mehr als eine höfliche Adresse ist es deshalb auch nicht, und darf auch nicht anders verstanden werden. (Der VdZ ist sich zudem sicher, daß das die Vertreter anderer Religion ganz genau so sehen; jedem Muslim ist mit Sicherheit der fundamentale Unterschied dieser beiden Religion weit mehr bewußt, als den Christen. Lustigerweise. Lustigerweise deshalb, weil es in diesen Tagen von christen nur so wimmelt, die den Islam ins Christliche hinein interpretieren, was den Intentionen der Muslime niemals entsprechen kann. Die auf ihre Einheit in Form des wiederrichteten Kalifats hoffen, das nötigenfalls durch Gewalt Interpretation und Selbstverständnis endlich wieder vereinheitlicht.) 

Und als solche Adresse ist NOSTRA AETATE leider so "offen" und bewußt undogmatisch"pastoral" gehalten, daß man später alles mögliche hinein- und herauslas, WEIL und wo man es ins Dogmatische, Absolute umlenkte. Als solches steht es jedoch genau so unter der Präambel, wie jedes andere Dokument des II. Vatikanums, unter dem höchst bedeutenden Hinweis, daß nichts darin Gesagtes außerhalb der katholischen Tradition zu verstehen sei. Keine frühere Aussage der Kirche, die als absolute Aussage andere Religion (und den Islam) betrifft, ist damit ungültig geworden. Das ginge auch gar nicht, denn die Sichtweise anderer Religion geht aus dem Insgesamt des dogmatischen Gebäudes des Katholizismus unzweifelhaft hervor. 

Wer absolute Aussagen über den Islam möchte, der sollte deshalb besser etwa mit den äußerst zutreffenden Schriften des Nikolaus von Kues beginnen, auf den übrigens em. P. Benedikt XVI. mit empfehlendem Nachdruck hinwies, der schon vor 700 Jahren eine bis heute gültige Kritik des Koran verfaßte, und damals schon darauf aufmerksam machte (ohne die heutigen linguistischen und historischen Erkenntnisse zu besitzen), daß das Wertvolle darin eindeutig christlicher Herkunft ist.

Würde man dieses Dokument Johannes Pauls II. (das also mehr ein Dokument ÜBER ihn ist also VON ihm) als dogmatische Aussage sehen wollen, käme man sogar in ziemliche Bedrängnis. Dem seinerzeitigen Papst sind solche Dinge auch nicht selten vorgeworfen worden, und nicht ohne Recht. Denn er hat nicht immer diese Ebenen unterschieden, nicht immer bedacht, an wen er in welcher Situation was nun sagt. So war manches geneigt, Verwirrung zu stiften, denkt man etwa an das legendäre Gebetstreffen in Assisi. Dieses Problem fliegt beim jetzigen Papst der Kirche schließlich regelrecht um die Ohren.

Und in diese Nähe würde damit die Ansprache des heiliggesprochenen Papstes geraten, würde  man sie als absolute Aussage der Kirche zum Islam sehen: dann wäre sie nämlich ganz nahe einer Häresie, ganz gefährlich, ja sogar direkt synkretistisch. Die Tatsache der unterschiedlichen Bewertung Jesu etwa, die im Dokument Erwähnung findet, als wäre sie eine rhetorische Marginalie, über die man durchaus auch hinwegsehen könnte, das würde sich schon noch einrenken, kann als diplomatisches Wort gerade noch mal durchgehen. Als Versuch, in Milde einmal mit dem Gemeinsamen zu beginnen, die Hürden nicht gleich zu groß werden zu lassen. 

Aber sie ist in Wahrheit natürlich ein ganz fundamentaler Unterschied, ein unübersteigbares Prinzip. Nicht aus fanatischem Festhalten, welcher Glaubenslehrer denn nun größer ist - klar der, der auch noch Sohn Gottes ist - sondern in der Inkarnation selbst liegt der wesentliche Unterschied dieser Religionen (sofern der Katholizismus überhaupt als eine solche bezeichnet werden kann; eigentlich kann er das nämlich gar nicht.) Der für den Islam deshalb auch so große Bedeutung hat, weil er - was eigentlich niemand bezweifelt, der sich damit seriös auseinandersetzt - wesentlich auf das arianische Christentum des syrisch-aramäischen Raumes zurückgeht. Der VdZ hat das an dieser Stelle uner Rückgriff auf zahlreiche linguistische und historische Arbeiten bereits eingehend aufzuzeigen versucht. Der Koran baut zu seinen wesentlichsten Teilen auf den "Querein", den arianischen Verkündigungsschriften in aramäischer Sprache auf, wie sie damals in diesem geographischen Raum verbreitet waren. Aber dazu ist hier bereits genug geschrieben worden. 

Desgleichen vermeidet diese diplomatische Ansprache, die versöhnlich wirken soll, jeden Hinweis auf den Umstand, daß es für die Existenz eines Propheten "Mohammed" keinen historischen Beleg gibt. Vielmehr war dies ein Ehrentitel, der sich in der Tradition dieser Völker lückenlos auf die Bezeichnung für Jesus "den Christus" beziehen läßt. Was den Koran als poetische Großtat noch deutlicher herausstreicht, ihn aber als dogmatisch-rationales, wörtlich bedeutendes Instrument unbrauchbar weil nur als Poesie aufgenommen wertvoll macht. (In diesem Punkt stimmt der VdZ sogar mit Navid Kermani überein, der im übrigen Islamwissenschaftler UND - oder sogar: weil - Poet ist. Kermanis politische Aussagen, eine völlig andere Ebene, sind entsprechend auch mit Zurückhaltung zu genießen. Leider vermeidet es der Poet nicht immer, sich in diese ihm nicht mehr heimischen Wässer zu begeben.)



Morgen Teil 2) Warum Richtiges zur Unwahrheit werden kann - 
Wie Gutes zum Bösen umschlägt -
Was man Muslimen sagt kann für Katholiken irreführend sein





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