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Samstag, 2. April 2022

Die nicht wissen, daß sie verloren haben (2)

Von Menschenopfern und den Nichtsenden. Vom schlimmsten Zustand, in den ein Mensch fallen kann. Und von der einzigen Hoffnung, die wir haben dürfen - Aber nein. Sie hören nicht auf. Und wenn sich auch tausendmal gezeigt hat - gezeigt! nicht geschwurbelt, herbeiphantasiert, was auch immer - daß es ein Wahnfieber war, und wenn ich auch tausendmal aufhöre, darauf zu bestehen, daß das zugegeben wird, wenn man einfach nur damit aufhört, so hören sie nicht auf. Und nützen das vermeintliche Kampfende, um kampflos die Felder zu besetzen. Sodaß wir, wenn wir vom Leben "woanders" zurückkommen, in eine Wohnlandschaft kommen, die vollkommen umgebaut sein wird. Wir haben ihnen die Haustürschlüssel überlassen, weil wir meinten, es sei doch alles klar, udn sie haben auch genickt.

Oder? Haben sie genickt? Haben sie je genickt? Oder haben wir das einfach nur antizipiert? Und müssen uns jetzt mit einer Sache auseinandersetzen und uns gegen Kräfte wehren, mit denen wir wirlich nicht gerechnet haben - mit Kräften, die vernichten, nicht siegen wollen.

Freitag, 1. April 2022

Die nicht wissen, daß sie verloren haben (1)

Eigentlich hat man es satt. Man hat das Thema satt, man hat den Streit satt. Und es ist ein Sattsein der Rechtschaffenheit, weil alles getan, alles gesagt, alles gemacht ist. Der Sieg ist errungen, und das Ganze gerettet, denn der Gegner hatte nicht nur ein Einsehen in die wahren Kräfteverhältnisse, sondern er hat anerkannt, daß er im Spielfeld bleibt. Der wahre Sieg der Demokratie ist ja genau erst dann errungen, wenn letztlich alle EINE EINHEIT sind, die sie nie verlassen, das ist ja das Tragfähige daran. (Siehe Anmerkung*)

NICHT um die Vereinung von Unvereinbarem also geht es, NICHT um die sogenannten TOLERANZ, sondern um die Einung auf EINEM Wort. Diese Hoffnung auf das Wesen der Vernunft - Einigkeitsschaffung - hatte ja dereinst die Aufklärung beflügelt, darum ging es allen in Wahrheit, die sie da aus dem Mittelalter herauskamen, und niemals damit gerechnet hatten, daß es Zeiten geben könnte, in denen NICHT mehr von alle dem ausgegangen wurde, von dem sie noch ausgegangen SIND. Weil es selbstverständlich war. Daß Zeiten kommen würden, iin denen der Gegner vernichtet werden mußte, weil er sonst niemals einsehen würde, daß er besiegt war. 

Dienstag, 22. März 2022

Der Schrecken der Äquivokation

Es hat mich zunehmend erschreckt festzustellen, daß so vieles, was aus Mündern kommt, die ich doch glatt als mir völlig entgegengesetzer Absichten und Hoffnungen stammender Geistesherkunft beurteile, mit eigenen Analysen übereinstimmt. Bis ich mir darüber klar wurde. Sie erlauben sich nämlich etwas, das durch die Gehirnwäsche und Des-Information, der unsere (ja, alle westlichen oder westizistischen, also "nach Westen" strebenden) Länder unterworfen waren und sind, Bereichen zufällt, die immanent als Tabu und Verbotszone eingerichtet sind. Und das ist eine weitgehende Zulassung (Zulassung!) von Realitäten. 

Ohne diese aber keine Venrunft, ohne die unbedingte Bereitschaft zuzulassen, was immer da "außen" als und in der Welt sein möge isset gibt es keinen Zugang zum Wirklichen, und nichts von dem, was man als Nachdenken bezeichnet. Das die Oberflächenwirren zur Ruhe kommen läßt, um die unsichtbaren, die hitner allen Dingen stehende Wirklichkeit erkennen könnte. Ohne diese Reinigung, ohne diese Selbstlosigkeit somit, ist keine Wahrheit und kein wirkliches "Denken" möglich.

Samstag, 5. Februar 2022

Der Kampf mit unserer Natur (2)

Jede Gestalt ist Gewohnheit. Jede Gewohnheit ist Liturgie des Lebens. - Alles das ist die konkrete Gestalt unseres Lebens, und alles das ist somit die von uns mit geschaffene Natur, in der wir einst vor Gott treten werden, und nach der wir in seinen Plan eingefügt werden. Und sei es ... in der Hölle. Diese Fragen aber entschiedne sich in den inneren Qualitäten dieser Dinge, nicht an den reinen Vollzügen bzw. daran, DASZ wir alles in Gewohnheit (also zu Haltugnen gereift) vollziehen. Die Gewißheit, daß diese Qualitäten in diesen Vollzügen enthalten sind, die verdanken wir der Überlieferung, der Tradition, die verdanken wir dem Vertrauen, das wir in unsere eigenne Eltern hatten und haben.

Aber mehr noch. Dieses Vertrauen kann auch noch wachsen. Es kann sich zu einem Staunen und Bewundern heranbilden, in dem wir das Leben unserer Vorfahren - ganz so, wie jeden Text in der Heiligen Liturgie, wie alle diese Gesten und Riten, in alles was uns hier zu treuen Händen übergeben wird, damit wir es bewahren, weil wior nie (!) fähig sind, es definitiv und in allen Aspekten zu beurteilen - betrachten und indem wir der Vergangenheit und allen uns vorausgegangenen Riten und Liturgien mit Ehrfurcht begegnen. Und einem nie ermüden sollenden Bemühen, es mehr und mehr zu erfassen. 

Freitag, 4. Februar 2022

Der Kampf mit unserer Natur (1)

Consuetudine statuit altera natura - Die Gewohnheit formt sich eine zweite Natur. Die wahre Bedeutung dieses alten römischen Sprichworts ist kaum hoch genug zu veranschlagen. Letztlich geht es hier sogar um das Geheimnis und Wesen unseres irdischen Daseins, das ein Dasein in carne, im Fleisch ist. Es kann nicht von Geist, es kann nicht von der Seele getrennt werden, ohne daß es zerfällt, aber es hat auch die Realität und Kraft, das Schicksal der Seele zu bestimmen.

Wir werden von der Liturgie des Alltäglichen geprägt, darum geht es auch jetzt in diesem Coronawahnsinn. Nur höchst unweise, ja tölpelhaft-dumme Führer konnten auf die Idee kommen, eine Krankheit durch völlige Isolation der Menschen bekämpfen zu wollen. Es ist,als würde man mit einer zweijährigen Folter (und ich gehe daovn aus, daß dieser Kampf letztlich von dreijähriger Dauer gewesen sein wird) das Wohlergehen des Gefolterten bewirken wollen. Und Isolation gehört zu den schärfsten Formen der Folter, und ist deshalb aus dem Strafvollzug wieder verschwunden, WEIL es Folter war. 

Mittwoch, 12. Januar 2022

... und krallt sich an einen Ort, um nicht zu sterben (3)

Daß das keine Verschwörungstheorien sondern seriöse Analysen eines Ist-Zustandes sind zeigt sich alleine an der Tatsache, daß der Aufwand, gewisse Sichtweisen durchgesetzt werden sollen, immer größer wird. Und sich allmählich den Grenzen nähert, die den Aufwand gen Unendlich treiben, geht es zur Vollendungsgrenze. So wachsen die Falschmeldungen, sind zum Teil schon ganz offensichtlich, ja fast demonstrativ falsch und nur noch behauptet. Obwohl das Unbehaben beim Konsumenten bereits zum Greifen dicht ist. 

Man denke etwa an die "Zahlen", die "Daten", die "Fakten", mit denen täglich neu, ja tatsächlich täglich neu und durch eine stillschweigend oder wortreich, je nach Lage, inszenierte Umdeutungen und Neudeutungen (oft durch angeblichen Erkenntniszuwachs,) zu lügen versucht wird. Anhaltepunkt sind dabei Daten, Erfassungen, Erhebungen über Stimmungsbilder und emotionale Zustände der Konsumenten, an denen Angriffspunkte zu finden versucht werden. Stellt sich heraus, daß Menschen es hier und da und doch bemerken und gegen Lügen opponieren, werden sie schon am nächsten Tag mit einer adaptierten Taktik belogen.

Dienstag, 11. Januar 2022

... stößt Schreie aus, um Hindernisse zu verscheuchen ... (2)

Wie wuchs sich dieser rein soziale Eingriff zu einer Auffassung, zu einer allgemeinen Weltsicht aus? Dieses Handwerk haben die Publikations- bzw. Meinungs-Medien erledigt, und sie tun es nach wie vor und mittlerweile fast ausschließlich. Die noch vor 150 Jahren immerhin wenigstens noch in Vielfältigkeit und Wettstreit standen, der sich aber mit der Zeit gleichschaltete.

Ein Kampf, der umso leichter zu entscheiden war, als diese Medien in die Hände der Ideologen gefallen sind. Beziehungsweise deren Ausgestaltung von Interessen getrieben war und ist (man denke ans Internet, dessen Genese und Ausformungen kann jeder von uns, der das 40. Lebensjahr so halbwegs schon erreicht hat, noch so halbwegs erinnert) die in sich, also ihrem Wesen gemäß die Zerstörung des wahrlich Menschlichen zu ihrem natürlichen Ausgang haben. Was an dem ersichtlich wird, von dem ihr "Gelingen" abhängt. 

Ohne solch beschriebene, durch das Sozialsystem (das die Karawanentiere stellte, auf deren Rücken sämtliche politischen Systeme und Diktaturen des letzten Jahrhunderts eingeritten sind) systematisch produzierte, soziale Wüste wären die social media generell, Dinge wie Facebook oder Twitter speziell, gar nie groß geworden. Ohne soziale Destruktion wäre amazon, das von den social media abhängt und wie ein Müllschlucker alles aufgesaugt hat, was die Entsozialisierungsmaschinerie durch die Mangel gedreht hat, chancenlos geblieben.

Montag, 10. Januar 2022

Wer, ins Dunkel geworfen, herumtappt ... (1)

Inmitten der völligen Erodierung und Auslöschung der sozialen Strukturen durch Gleichheitsideologie, Technizismus und damit Nichtung der Gestalten, ist der Bedarf nach sozialer Distinktheit das größte Bedürfnis der menschlichen Gesellschaften. Weil es sich um das Theter der Notwendigkeit handelt, überhaupt zu sein.

Und das vollzieht sich nur durch Gestalthaftigkeit. Gestalt ist das Individuierungsprinzip als Existenzprinzip. Und in dieser hat jede gesuchte Gestalt natürlich eine unbedingte Anforderung, und das ist die nach Geltung, Ansehen und möglichst höchster Stellung.

Weil alle nach oben wollen? Nein. Sondern weil das ontologische Gefüge der Schöpfung ein unbedingtes Netz von Orten ist, an die jedes und alles ab dem Moment gehört, ab dem es zur Exitenz kommt. Existieren - das actu des Seins als Schöpfung, als Welt - bedeutet aber immer das Selbsttranszendieren in den Augenblick hinein. Bietet das Begegnende keine Beschränkung mehr, keine Aufgabe weil die soziale Struktur fehlt, die vorgibt, findet das Transzendieren keine Grenze mehr. 
Narziß, der sich im Außen nicht fand, sucht fortan im Spiegelbild, diesem scheinbaren Außen, seine Gestalt. 
Ein Spiegelbild, das uns so viel über das Wesen des Internet - ein Bild an der Oberfläche, wie der Teich des Narziß - als angebliches social media verrät. Einer Konstruktion, die Soziales Gefüge vortäuscht weil zu errichten vorgibt, und wo wir es ebenfalls mit einem Schein-Außen zu tun haben. 
Fortan wird Narziß vom Echo verfolgt, das sich in ihn unsterblich verliebt hat, und ihm nicht mehr von der Ferse weicht.

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Technik stößt ins Nichts

Die Technik versetzt uns in die Lage, von Welt und ihren Eigenarten unabhängig zu werden. Sie begrenzt das Begegnende (mehr und mehr) auf das Gewünschte, warum auch immer wie das Wünschen. Wir vergessen dabei aber nicht nur gerne, daß das Gewollte, das Gewünschte nur Sinn hat, wenn es im Absoluten, dem logos gründet, also wirklich aus einer allseitigen Vernunft heraus entschieden ist, sondern auch, daß es uns vereinsamt, auf uns (und die eingesetzte Maschine samt ihren Effekten) zurückwirft. Deshalb darf Technik nur höchst bedacht einerseits entwickelt, anderseits eingesetzt werden. 

Wer die heutige Computer-Technik betrachtet, samt den Techniken, die Programme darstellen,  sollte deshalb nie vergessen, daß sie letztlich vereinsamt und uns somit und sehr wahrscheinlich auf einem höchst beschränkten Stand des Selbst zurückläßt, uns darauf wie mit Mauern umgibt.

Die Verführung der Technik arbeitet ja genau damit: Sie gaukelt uns Einzelvorteile vor, die aber im Ganzen gesehen einer Verarmung gleichkommen. Nur, weil wir einen Moment des "Unangenehmen", des Schmerzes vermeiden wollen, schließen wir die Weite der Welt aus. Die Verführung gewichtet ein kleines Teilerleben, ein winziges Vielfältiges so stark, daß es uns leicht aus der Verankerung des Ganzen reißt. Und wir um eines kleinen Vorteiles willen tausendfältigen anderen Gewinn ausklammern. 

Sie müssen sich diesen Carl nicht mehr antun. Sie brauchen ihn nicht mehr. Sie können ihn mit der Technik umgehen. Eine Welt voller Technik ist eine Welt der Nicht-Gebrauchtheit von Menschen. Was aber ist die schlimmste Häresie, die schlimmste Foltermethode, die schlimmste Unmenschlichkeit? Daß der Mensch nicht gebraucht wird. Das reißt ihn aus dem, was ihn überhaupt erst zum Menschen macht: Er steht praktisch auf keinem Beziehungsfeld mehr. Nur so aber, nur in der Selbstüberschreitung auf Beziehung hin, könnte er Mensch sein. Er gehört keinem Sachverhalt mehr an. Er ist damit aus dem Wissen Gottes, aus der Vorsehung, ausgeschlossen und ins Nichts gestoßen.








*081017*

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Weil Gott aus dem Nichts schafft

Die meisten der heutigen Versuche, Geschichte "zu verstehen", können gar nicht gelingen, weil sie das Schlüsselmoment des Menschen gar nicht mehr verstehen. Entsprechend werden heutige Geschichtserzählungen oft zu Um- und damit zu Fehldeutungen. Wie soll eine Zeit Geschichte verstehe, die das Wesen der Persönlichkeit, das Wesen menschlicher Handlung gar nicht mehr versteht? Die glaubt, alles Handeln sei subjektives Willküren, bestenfalls gestützt von sachlichen Überlegungen? Ja, vielmehr wird es heute sogar als pathologisch bezeichnet, wenn ein Mensch zwischen mehreren "personas" (Masken) hin- und herspringen kann, und beide scharf unterscheidet. 

Es ist aber ein Unterschied, ob jemand Vater den Kindern gegenüber, Mann der Ehefrau, und Unternehmer im Alltag ist, so sehr sich manche Dinge überlappen können. Aber diese "Dinge" sind von den Orten her bestimmt und zu bestimmen, die ein Mensch auszufüllen hat, und von dort her haben sie auch eine klare Hierarchie, die selbst wiederum eine Hierarchie der Selbsttranszendierung ist. So ist es dann die höchste, allgemeinste persona (Maske), die im letzten alles andere bestimmt, und die damit auch das bestimmt, was "Identität" genannt wird. Es ist also tatsächlich ... der Staat, und von dort absteigend bis hinein in die Familie als Vater, Ehemann, bis zu den letzten Stufen, dem Freund und dem Pönitenten in der Beichte, wo es keine Masken mehr gibt, wo es nur noch um das Grundverhältnis zu Gott selbst geht.

Das Wesen der Persönlichkeit ist also das genaue Gegenteil von dem, als was sie heute versucht wird darzustellen. Was im Grunde sogar ein bösartiger, schwächlicher Versuch ist, Persönlichkeit zu vermeiden, denn sie bedeutet Mühe und Sterben und Schmerz, und den anderen zu schwächen, um ihm dennoch nicht unterlegen zu sein.

Persönlichkeit ist die Fähigkeit eine sachliche Spannung aufzunehmen, in der sich alles auf die Notwendigkeiten jener Stelle (als Ort im Mosaik dessen, was als Geflecht von Orten zur räumlichen Welt wird, weil Raum Beziehung ist) bezieht, die man einnimmt. In diesem Wechselspiel von Idealbild, ja Utopie, und faktischen Vorhandenheiten, auch in einem selbst.

Deshalb ist es kein Zeichen von Größe, wenn Personen in hohen oder staatstragenden Ämtern ihr Handeln in lauter subjektiven Akten aufgehen lassen. Sondern im Gegenteil. Es ist Zeichen von Größe, wenn sie in dem Moment, wo sie ihrer Stellung gemäß zu handeln haben.

Das kulminiert in der Figur eines persönlichen Herrschers, letztlich: des Königs. Denn er steht für tatsächlich alle Bereiche der ihm Zugeordneten, ein Spielraum für andere, privatere "Rollen" ist kaum noch gegeben. Er hat so gut wie zur Gänze unter dem Mantel des Königs zu verschwinden, in dessen Gewebe und Mustern jeder ihm Unterstellte sein Leben in einem Grundschema wiederfindet. Das alles von einem einzigen Schema durchwoben wird: Dem des Kreuzes der Selbsthingabe.

Umso mehr versuchen immer mehr auch an Führungskräften der Welt, sachliche Notwendigkeiten und Pflichten durch subjektives, gefühlsbesoffenes Theater zu ersetzen, das einem ob der Verlogenheit die Zornesröte ins Gesicht treibt. Denn diesen Menschen geht es um Selbstrettung durch zur Schau gestellte, pharisäisch im phänomenologisierten Guten verweigerte wirkliche "Gutheit", die oft so gar keinen irdischen Lohn einbringt. Hier führen auch Fäden zusammen wie jene aus dem Versagen von Politik und Kirche, wo die Kritik nur darauf abzielen kann zu fordern, vehement zu fordern, daß diese lächerlichen Weichklumpen endlich endlich das sind, was sich aus ihren Positionen ergibt, OHNE ständig darauf zu schielen, was an persönlichem Profit daraus hervorgehen könnte. So wird alles zur Lüge, zur einzigen Lüge, und jedes Amt zum Instrument gräßlichsten Mißbrauchs. Im Falle des Papstes, im Falle des Klerus sogar zur Blasphemie. Ihrer alle Aufgabe ist nicht, der Welt ihr subjektives Grinsen ins Gesicht zu drücken, sondern das zu tun, was sie zu tun haben - sachliche, sachgerechte Politik, ungeachtet der Folgen hier, und Liturgie als jener Ort, an dem die Menschen Gottes ansichtig werden können dort. Und wenn sie dazu nicht bereit sind, sollen sie sich ihr Grinsen irgendwohin schieben, niemand interessiert sich dafür, weil das nicht das ist, worum es den Menschen geht, die hier regiert werden.


Morgen Teil 2) Alles vor Gott getan heißt: Transzendieren auf die objektive Ordnung hin





Alle Rechte: Gloria.TV





*171016*

Sonntag, 29. Mai 2016

Alles steht im Streit

Erst im Gegeneinander des "anderen", dem jedes Ding (Geschaffene) permanent begegnet wie den Fisch das Wasser umgibt, wird auch der eigene Wille, das eigene Streben zu sich (aus dem Seinsfunken heraus, der Beziehentlichkeit enthält, ja in gewisser Weise und analog "ist") angeregt und darin "aktiv" manifestiert, "zur Welt" substantiiert. Denn die Welt besteht als unendliches Mosaik eines "In-einander" der Dinge, wo eines sich im anderen abbildet ("Erkenntnis"), und alles sich im Ganzen erhält bzw. erhalten soll. 

In dieser Welthaftigkeit der Substantiierung steht alles (primär) im Streit miteinander,* der über die gehorsame Unterordnung in den Kampf ("Zorn") und zum Sieg ("Freude") führt - der Ordnung der Dinge als Welt in der Welt zur Welt, in der jedes Etwas sein Nicht-es-selbst in sich trägt. Dem muß aber zuvor sein eigener Seinsfunke vorausgehen - die Schöpfung aus dem Nichts ins Sein, aus Gott, dem alles entstammt, und nur in dem (im Sein eben) alles (seiend) sein kann.**

In diesem Streit erst scheidet sich das Einzelne aus dem Allgemeinen, dem Einen, auch in Gott, dem sehr wohl eben auch Zürnenden, Gewaltigen wie Gewaltsamen. Um sich so (im Gehorsam einerseits, in Begierde und Lust anderseits, als Reaktion auf die Bilder aus "dem anderen") zur Komposition der Ideen der Gesamtordnung des Seins zu fügen.


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"In obiger Hinsicht könnte man sagen, daß das Weib über dem Manne ist, insofern selbes die Trägerin der Lust (des Bildes) ist, welche seine Begierde erregt, daß sie aber eben darum, weil sie nur vorerst bewußtlose Trägerin dieses Bildes, unterm Manne ist, indem sie selbst zum Bewußtsein dieses Bildes erst durch Hilfe der erweckenden Kraft des Mannes gelangt. - Dieses gilt von der guten wie von der bösen Lust, vom Weibes- wie vom Schlangensamen. Denn jedes Weib ist eine Eva und eine Ave (Maria) zugleich, und es ist größtentheils das Werk des Manne, ob die eine, oder ob die andere dieser zwei Gestalten in ihr sich herauskehrt."   (J. Böhme)

Man müßte den Feminismus deshalb nicht als Bewegung der Frauen sehen, sondern es ist das sieghafte Ergebnis eines Machtkampfes der Männer. Deshalb ist seine vornehmste Wirkung nicht, die Frauen vom Manne freigeeist zu haben - im Gegenteile, bzw. nichts weniger - sondern eine Depotenzierung, eine Kastration eines großen Teiles der Männer.

Der Ideenstreit um oder innerhalb der Rolle der Frau wird deshalb niemals durch Diskurs innerhalb der Frauen entschieden, ja nicht einmal beeinflußt. Dort wird er sogar in erster Linie verhärtet. Denn dort ist er ein Streit des Epigonalen, der jeweils Gehorsamen bzw. Geprägten, die mit einem Ideenumschwung ihr Weltsein verlieren würden, gewissermaßén ins Nichts fielen weil ihre erhaltende geistige Kraft verlören. Er muß (prinzipiell) unter Männern ausgefochten werden.


***


*So beschreibt es Jakob Böhme, der so oft Zitierte, aber kaum je Verstandene, dessen Werke deshalb fast nie anders als an ihren Haaren zu einem unseligen Nutzen und in Mißbrauch und ungemäßer Verdinglichung in Simplifizierung heruntergezogen werden.

**Der große Irrtum ist, das Nichts "als Etwas" zu sehen (wie Hegel es tat, und wie es die gnostischen Strömungen in Unverständnis tun), und es damit in Gott gleichermaßen hineinzuverlegen. In den zugleich damit das Böse verlegt wird. Aber das Böse ist nicht ein Wille zum Sein, sondern eben genau ein Wille zum Nicht-Sein, zum Nichts. Das Nichts ist nicht nur tatsächlich "nichts", sondern es ist damit auch nicht in Gott, dem Sein, weil es eben das Nicht-Sein - aber damit ein tatsächliches Nichts als Abwesenheit allen Seins - ist. Es ist damit ein reines Gedankending, aber kein Ding das existiert, und steht damit auch nicht "Gott gegenüber" als ein "Etwas". Geist west nur in und innerhalb wie aus Geist, nicht "außerhalb". Hier versagt gegenständliches Denken notwendig, weil es eben - siehe oben - als Geschaffenes, (irgendwie, der Anschaulichkeit halber so genanntes) Dinghaftes nur im anderen Seinshabenden wesen kann. Der Mensch kann sich nur ein Etwas vorstellen, und somit gerinnt ihm auch rasch ein Gedanke wie "das Nichts" zu einem Etwas sinnlicher Welt, so wie "der Geist".




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Mittwoch, 30. September 2015

Alle wollen fliehen. Nicht nur Syrer.

Dieses Video findet sich hier, weil es recht kompakt zeigt, was denn da so häufig gedacht wird. Und darin ist es höchst aufschlußreich. Nicht nur, weil es den großen Teil dessen, was die Menschen heute denken, meinen, glauben, als Nachläufer zur 68er-Bewegung erzeigt.

Da ist das eine oder andere durchaus "richtig" dargelegt. Doch wird es von den nächsten Forderungen bereits wieder konterkarriert: Die 68er lehnen nämlich auch die Lösungen für die Probleme ab. Das macht sie tragisch, das macht sie aber auch gefährlich weil hirnlos. Aber modern. Denn es ist Flucht, nicht mehr und nicht weniger, als Kollektivsymptom. Als Ablehnung des Seins (und damit von allem, was den Menschen und die Welt überhaupt ausmacht) wird das "alles zerstören" dem Problemlösen vorgezogen, das Sein selbst zum Feind. Feind einer diffusen, emotionalen, widersprüchlichen Abwehrhaltung. Denn der Friede der solcherart entstehenden "Einung" ist der Scheinfriede des Nichts.

Aber es ist bei weitem nicht genug, Dinge als "an sich" oder "in sich" richtig oder falsch zu erkennen. Das ist ein ganz gefährlicher Irrtum. Denn Wahrheit, um die es geht, ist weit mehr als richtiges oder falsches rationales Summenziehen. Wahrheit und richtiges Handeln ist kein richtiges Vollziehen von Funktionen. Es ist eine lebendige Macht, die sich auf die Wirklichkeit von Welt und Mensch bezieht, weil diese konstituiert. Darin ist sie niemals ortlos, darin ist sie niemals zeitlos, weil reines Rechenbeispiel. Es ist persönliche, nur in eines jeweiligen Identität mit dem damit verknüpften Horizont gestellte Aufgabe. 

Deshalb bewirkt ein Überfluten der Menschen mit Sachfragen, mit dinghaften Problemen, niemals Besserung oder Lösung. Es bewirkt Verzweiflung, weil sich dem Menschen nur scheinbare Fragen stellen, die er selbst gar nie zu lösen imstande ist. Die Abwehr gegen das Sein ist deshalb ein gar nicht so falscher, zumindest sehr verständlicher Reflex auf die Spätfolgen der Aufklärung. Denn wenn das Sein nicht hierarchisch weil geordnet sondern alles nur rational vollziehbare Funktion ist, muß es jeden erdrücken.

Videos und die diesem zugrundeliegenden Haltungen sind deshalb eindeutig religiöser Natur, und Ergebnis kollektiver Denkverweigerung. Denn Denken hat NICHTS mit allen diesen Teilproblemen zu tun - wenn der Gesamthorizont ins Chthonische, Okkulte absinkt. Nur aus diesem könnte sich erweisen, ob und wie ein Problem einen Menschen überhaupt etwas angeht, überhaupt eine an ihn gestellte Anfrage ist. Solche Zusammenstellungen wie diese, die gar nicht so schlecht zu verschmelzen versuchen (man beachte die Musik!), sind wie der aus einem Opfer aufsteigende Rauch, in dem alles durch die Flamme verschmolzen wird, und als flehentliches Gebet an einen unbekannten Gott in den Himmel steigt. 

Heute wird nicht zu wenig gedacht, auch nicht das Falsche. Heute wird überhaupt nicht mehr gedacht, sondern nur so getan als dächte man, durch Verwendung vormaliger Denkmittel (wie Sprache, dieselben Worte etc.) Was der VdZ an dieser Stelle und an anderen schon vor langen  Jahren vorhergesagt hat, ist nämlich bereits eingetroffen. Die Menschen, und vor allem die jungen oder jüngeren Menschen, sind nicht mehr in der Lage zu denken. Denn ihre Begrifflichkeit, ihre Sprache, ihre Haltungen decken sich nicht nur nicht mehr mit der wirklichen Welt, sondern verfehlen sie nachgerade zwangsläufig, sind Gefangenheiten in Wertigkeiten, die das Wesen der Welt verfehlen. Das wird erlebt, denn das ist erfahrbar. Damit wird aber nicht mehr möglich, daß sich die Menschen auf der Vernunft selbst gründen wie erhalten. So wird aber das einzige, was die Not wenden könnte, zum Feind. Panik bricht aus. Denn das muß sie dann sein, die Apokalypse, die Ausgeliefertheit an Machtbewegungen, die niemand mehr beherrscht. Weil kein Gott.*

Wir leben deshalb in einer Welt der Flüchtlinge. Und diese Flucht ist es, das Europa zu einem Hafen der Einheit macht, zu einem Ort des Nichts, zu dem es alle hinzieht. Wir leben in einer Welt der kollektiven Flucht.








*Und so wird Nietzsches "Gott ist tot" erst verstehbar. Denn als Aussage über das Maß realer Präsenz der Wahrheit - nicht einer "Richtigkeit" - in unserer Kultur hat er es gemeint.






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Montag, 27. Juli 2015

Von der Krankheit des Horrors

Kein gesunder Mensch kann Horror lieben. Das macht die kaum faßbare Verbreitung der Vorliebe für Horrorfilme bei jungen Menschen so erschreckend. Darin drückt sich vielmehr eine mangelnde Durchdringung des leiblichen Selbst durch das höhere, geistige Ich aus - die hier viel zitierte Zweitwirklichkeit also, in der sich der Mensch befindet. Der Mensch ist nicht in sich geeint, er ist gespalten.²

Deshalb braucht er das Erleben, und das ist ihm nur in der Überraschung möglich, ind er er seine rationalen Kerker durchbricht - wie im Horror, eine Form der Sucht nach Neugierde und Sensation. In dem ihm das Rationalistische (und das hießt: NICHT rationale, vernünftige; der Rationalismus ist vielmehr eine Art, sich via Sprache, via "Selbst-Benedictio" im Sein, via stets nachzufüllendem, neu zu entfachenden Willensimpuls über dem Nichts zu halten) zur Bewegung tief ontologischer Angst wird, in der er sich in der "Welt" hält. Die ihm natürlich nur Gedanke bleibt. 

Kein Liebhaber des Horrors also, der nicht diese unüberwundene Kluft zwischen Leiblichkeit und psychischem Selbst hätte.* Der Horror als Genre ist nunmehr der Versuch, über (stets neu zu erfindendem, denn er braucht das Nicht-Gekannte, Überraschende; Horror, Horroreffekt ist nach dem erstmaligen Sehen kein zweites mal wirksam) Erlebenseffekt diese Kluft zu schließen. Eigentlich also ein Hilferuf, die innere Kluft zum sinnlichen Wirklichkeitserleben zu überbrücken. Und sei es für die Dauer eines Films. Der Leib, der ihnen nicht gehört, der nicht in die Vernunft integriert ist, wird so angeschlossen. Der Horrorliebhaber erfährt wenigstens für einige Momente sich selbst als Ganzes.

Der sich selbst besitzende Mensch hingegen kann nur das Sein lieben - und deshalb die Schönheit. Wenn er sich auch nicht vor dem Schrecken fürchten "muß", etwa weil er so stark in das Schöne eingebunden ist, daß er ihm völlig vertraut, so wird er ihn niemals suchen, und in jedem Fall trachten, sich vom Schrecklichen nicht überwältigen zu lassen. Denn das Schreckliche ist das Antlitz des Nichts. 

Wer das Nichts sucht, ist zuwenig, und zwar ist er zu wenig in den eigentlichen Merkmalen des Menschseins, der Vernunft. Denn das Sein ist das Welthafte, das Etwas, über dem Nichts.**





²Das eigentliche humane Problem ist damit das Fehlen einer einenden, lebendigen Weltidee, der lebendigen Wahrheit, die ja weit mehr, ja etwas anders, höheres ist als ein "gedachtes, erklärendes Weltbild", wenngleich in sich immer rational. Kant spricht hierbei sogar vom Apriori einer "transzendentalen Synthesis", die jeden Menschen im Geistigen grundlegt. Alles sonst dazu zu Sagende wäre damit bereits gesagt. Gerade der Rationalismus, der in Wahrheit eine verweigerte
Vexierbild - Man sieht immer aus einem Ganzen
Sittlichkeit ist, ist deshalb immer von unwiderstehlicher Neigung zu irrationalen, hermetischen, esoterischen Rändern gekennzeichnet, in denen dieses kategoriale, im realen Leben sich als transzendenzbedürftig äußernde (aber nur persönlich-ganzhaft erfüllbare) Wesen des Rationalen erkennbar wird (s. u. a. Gödel, der übrigens Spiritist war). Ohne diese Einheitlichkeit, diese synthetisch-transzendentale Apriorität, wäre gar kein Weltauffassen weil gar keine Gegenständlichkeit von Dingen möglich, das ist zumindest eine überprüfbare empirische Tatsache. (Man nehme nur ein Vexierbild, an dem man das jederzeit erfahren kann.) Weil also der Mensch (schon rein psychologisch feststellbar) IMMER in ein Ganzes hinein ergänzt, zeigt sich in der Struktur seines Tuns auch die Zugehörigkeit dieses ihm zugrundeliegenden Ganzen - beim Horror: zum Nichts, das ein Ich konstruiert, was ihm natürlich nur aus Weltdynamik möglich ist: der Horror "schleudert" ein Ich heraus, das aber rasch oder sofort - die Rolle der Spannung als Erfahrung eines Werdens! - wieder zu Boden fällt. (Beim Gesunden ist es umgekehrt.) 


*Deshalb spielt auch die Pornographie, die "sexuelle Phantasie", eine so große Rolle. Sie ist genau so zu begreifen, ist deshalb sogar das Gegenteil von "Sinnlichkeit", mit der sie oft gerechtfertigt werden soll. In dieser Form der (pseudologischen, rationalistischen) Sexualität spielen aber lediglich - archetypische, aber nie ins Vernunftganze des Selbstseins als Selbstbesitz integrierte - situativ "gespielte" (=eine Funktion der Erinnerung) Vorstellungsbilder die Funktion des "Rammbocks", der diese innere Spaltung überwinden soll. Deshalb ist sie auch nie in sich "fertig", nicht wirklich befriedigbar, sondern strebt immer nach mehr, nach Erweiterung der Grenzen, um zu einem wenigstens kurzfristigen Leib-Seelisch-Ganzen durchzudringen, denn das pseudologische Ich "bleibt" nicht, es wird nur durch den Atem getragen, der es ausspricht. Diese Form der Sexualität tendiert deshalb aus sich selbst zum Horror, mit dem sie sich in ihren extremsten Formen dann offen vereint (bis zum Tod, bis zu offen satanischen Ritualen, in denen die personale Natur der bzw. dieser Nichtungsbewegung offenbar, ja für sich real wird), denn sie stammen aus derselben Wurzel.

**Die in früheren Zeiten instinktiv gefühlte Nähe von Nichts, Hölle, Bösem, und der sogenannten "fallsucht", der Epilepsie, ist deshalb keinswegs Narrheit unwissender Vorfahren. Sondern eine sehr richtige Ahnung realer Zusammenhänge von Chaos, Vernunftverlust in Unordnung und kollabierendem System, und dem Nichts, der Hölle, dem Schrecken. Ordnungsverlust, der Seinsverlust ist und geistige Krankheit sind Synonyme. Denn Sein ist nur ALS bzw. IN Ordnung, also: Vernunft, denn sie hat personale Qualität, ist keineswegs ein schlichtes rationales Gerüst, vielmehr stammt ihre Kraft zum Sein aus einem anderen, weltlegenden Impuls der Liebe, der Gutheit, der Schönheit.




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Donnerstag, 30. April 2015

Selbstbesudelung?

Aber die Art und (oft heftig strittige) Weise, wie Frankreich seine Schuld aufarbeitet, ist immerhin bemerkenswert. Wie in Algerien. Der Film thematisiert die Brutalität und die Verbrechen, die systematisierte Folter, die Frankreich im Rückzugskampf in Algerien auf sich geladen hat. Im Grunde muß man den Eindruck gewinnen, daß die Schilderungen des Grimmelshausen aus dem 30jährigen Krieg ein immer gleiches Gesicht des Schreckens offenlegen, das mit den Volkskriegen - die die Kabinettskriege abgelöst haben - sowieso zur Regel wurde. Ob bei den Amerkanern, oder den Franzosen in Algerien: Verbrechen im Rahmen eines Krieges sind keineswegs (mehr) Einzelerscheinungen.

Ist solche Art der Aufarbgeitung der Geschicht esinnlos? Ist es bloße Selbstbeschmutzung, ein Brechen des Stolzes eines Volkes? Nein, gewiß nicht. Denn wer nicht Schuld begreift, der weiß gar nicht, was ihn treibt. Der versteht nicht die Gegenwart. Das Problem ist nicht die Selbstbezichtigung, die Versuche der Aufarbeitung von Schuld. Das Problem ist, sie zu tragen, und ihre Folgen - Strafe - zu begreifen.

Lieben kann man nur das Gute. Geschichte aber ist das Ringen des Guten - und nur das hat Anteil am Sein - mit dem Bösen, dem, das ins Nichts stößt, in dem man das Nichts wählt.









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Donnerstag, 24. Oktober 2013

Ich bin nicht der andere

Eine der allergrößten Verwirrungen herrscht bei jenen, die da gerne vom Ineinsfall von Sein und Nichts sprechen. Und dabei sich oft nur an den nackten Worten festmachen. Aber das Nichts kann kein Reales sein, sonst wäre es nämlich kein Nichts, sondern hätte am Sein teil. Wäre es also doch etwas, so wäre es nicht das Nichts. Also kann es auch nicht im Sein selbst sein.

Gustav Siewerth führt die Gedanken in "Der Thomismus als Identätätssystem" großartig aus, wenn er aufzeigt, daß dieses "Nichts" (auch bei Hegel) ein Begriff der Idealität ist, der (wenn man so will) Gedankenwelt, der Vernunft. Es hat aber keine Realität. Dort, freilich, hat es seine große Bedeutung, weil sich das Wesen der Dinge nur dann ideell als Sein erkennen läßt, wenn es zugleich mit dem identifiziert wird, was es NICHT ist. Insofern fällt also im Denken Sein und Nichts tatsächlich zusammen - aber nicht in der Realität, wie an dieser Stelle vor kurzem ausgeführt wurde. 

Denn wir erkennen die Dinge nur durch ihre Begrenzung, und diese Begrenzung ist das, was etwas nicht ist, das Nichts. Vor diesem Hintergrund erst wird ein Ding ideell erkennbar, weil begrenzbar.* Unsere Vernunft muß also in einem schöpferischen Akt die Identität der Dinge vor dem Hintergrund der Nichtidentität bilden, sie muß dieses "Nichts" bilden - ein menschlicher Akt. Das Nichts gehört in die modale Verfassung der Idealität selbst.

Das Nichtsein kann nur dem vereinzelt Seienden (ideell) zugesprochen werden, nicht dem Sein selbst. Dadurch wird das Sein erkennbar. Und es hat keine Möglichkeit zu positiver Erkenntnisbildung, weil ihm positive Bestimmung fehlt. Das Sein selbst bleibt positiv. Das bedeutet, daß die "positive Identität" eines Dings nicht ideell bestimmbar ist, dieses nur ausschließungsweise, sondern als personaler Akt der Zuwendung zur Realität und als Akt der Vernunft. (Der Verstand, die Idee kann "sich selbst" nicht sehen - so wie kein Mensch sein "ich" ideell sehen oder begreifen kann.)**

Denn ein Erkenntnisobjekt kann nicht von sich aus das vermitteln, was es nicht ist (also "ich"), sondern nur, was es ist. Reale (realistische) Identitätsbildung ist also ein zu leistender Akt des Ich, dem ein "wirkliches Ich" akthaft und real zugrundeliegt, dem das gebildete Selbst entsprechen muß, soll es zu keiner Spaltung des Selbst kommen.***

Vernunft und Vernünftigkeit definiert sich also auch (in ihrem akthaften zweiten Schritt) daraus, definieren zu können, was etwas - ein "Ich" - NICHT ist.****



*Darin liegt begründet, warum das Kind erst allmählich, ja relativ spät beginnt, einen Begriff von "ich" zu bilden. Denn es erfährt sich erst aus der realen Erfahrung, daß es das Andere NICHT ist, und muß dazu seine Vernunft (vorausgehend) ausbilden. Ein Vollbegriff von "Ich" bildet sich überhaupt erst mit der Vollgestalt der Vernunft - an der Schwelle zwischen Pubertät und Adoleszenz. Gleichzeitig weist diese reale Beobachtung darauf hin, daß die heute so häufig zu machende Beobachtung, daß auf die "Abgrenzung" zum anderen hin ("Diskriminierung" = Unterscheidung, Abgrenzung) als der, der ich NICHT bin, VERZICHTET wird, als pädagogischer Schritt, ein katastrophaler Fehlschluß ist, mit dem die gleichfalls heute zu beobachtenden Identitätsprobleme direkt zu tun haben. Es ist geradezu lächerlich und auf jeden Fall dumm zu meinen, es würde sich eine "positive Identität" bilden, OHNE den Heranwachsenden ZUERST als das definieren zu lassen bzw. zu definieren ("übernommene Familienidentität" als erste Grundlage), was er NICHT ist - der andere, der Fremde. Die Zunahme von Auto-Immunkrankheiten hat, übrigens, direkt damit zu tun. 

Das sogenannte positive "ich", also das, "was ich bin" (und nicht das was ich nicht bin), bleibt damit aus seinem Wesen heraus ein Geheimnis (und damit nicht ein "nur noch nicht Gedachtes.") Es ist überhaupt nie ideell/ideal ausdefinierbar, weil jede Idealität von der Negativität (dem Nicht-sein) ausgeht. Ihm kann sich der Mensch nur in der Haltung ... der Liebe zuwenden. Denn es geht allem als nicht-ideelle Realität voraus, die alles zusammehält. Aus der heraus erst das "was ich nicht bin" - als "das was ich bin ist nicht das, was ich nicht bin" - ideell zu diesem wird.

**Natürlich - das Problem des Narzißmus, in dem sich ein "Selbst" in Wirklichkeit auflöst, je mehr sich der Narziß selbst betrachtet, und sich (bzw. das, was er sieht) dabei nur selbst verobjektivieren, sich selbst entfremden kann.

Übrigens - das Problem der "Rückführung" (Rebirthing etc.) in vermeint "frühere Inkarnationen" ("Ich habe schon einmal gelebt" etc.) ist sehr sicher aus dieser Unmöglichkeit der Selbstergreifung heraus verstehbar: Denn die tieferen Seins-Strukturen des Selbst können sich auf Verstandes-/Sprachebene nur in Bildern (des Nicht-Ich) äußern, die aus einem wahren Gemengelage an Faktischem und Motiviken (und Anlagen, Geneigtheiten, die ja von jemandem geerbt sind - Vergangenheitsaspekt!) heraus gebildet werden. Unter der natürlich gegebenen Prämisse, sonst würde es ja niemand machen, und da gehört schon dazu, es für möglich zu halten, daß nur jemand "Rückführungen" vornimmt, der davon ausgeht, DASZ es solche weitere Selbste/Identitäten gibt. 

***Selbstverständlich berührt auch das die wahre Katastrophe des Gendering, der Verwischung weil Nicht-Konkretisierung von Geschlechtsidentitäten. Das soll aber hier nur angedeutet werden.

****Es ist eine ganz konkrete Beobachtung, daß Menschen, die sich nicht zum Nicht-Sein abgrenzen können - man denke an ein häufig zu beobachtendes Selbsteinschätzen, wonach Menschen sich "für alles fähig" halten, sich von allem angesprochen fühlen, nichts in seiner Relevanz scheiden und differenzieren und "diskriminieren" können -, zur Vernunft nicht fähig sind. Was mit einer bloßen Verstandestätigkeit nur am Rande zu tun hat.




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Samstag, 19. Oktober 2013

Folgenreicher logischer Fehlschluß

Das Sein und das Nichtsein sind identisch, schreibt Hegel, den wir hier natürlich nur gewaltig gerafft wiedergeben. Denn in dem Moment, wo etwas "ist", ist es "etwas" (als eigentlicher Seinsakt), und damit "alles andere nicht". Damit fallen Sein und Nichtsein zusammen, sie sind nicht trennbar. Der Stuhl ist auch Stuhl, WEIL er zugleich NICHT-Stuhl ist, nicht Tisch oder Bett oder Kasten - unendlich.² Also Ist Identität zugleich Nicht-Identität, und als solche tritt sie ins Sein bzw. kennzeichnet das Sein, das damit immer dynamisch ist.*

Denn soweit wäre das zwar richtig, schreibt Heinrich Beck in "Der Akt-Charakter des Seins", aber Hegel übersieht einen wesentlichen Punkt, verkürzt seine Logik in einen radikalen Idealismus**. Das Sein wird ihm zur reinen Idee. Es geht gewissermaßen aus der Dingwelt hervor.***

Aber WENN sich ein Etwas auch als Nicht-dieses-Etwas identifizieren will, so muß ihm logisch das Etwas-Sein VORAUSGEHEN. Nicht zeitlich, sondern in seiner Wesensstruktur. Das heißt, der Akt des "Etwas-sein" ist das erste, Hegel's Identitätssatz betrifft erst die "zweite" Ebene, die der Reflexion, des auf-sich-selbst-Beziehens der Dinge.

Idealität setzt Realität voraus. Idee läßt sich nicht aus sich selbst heraus begründen. Das sieht auch Kant, der in seiner "Kritik der reinen Vernunft" schreibt, daß wenn dem begrifflichen Denken nicht eine Realität (des Seins) des mit dem Begriff bezeichneten Gegenstandes vorausgeht, und diese das Denken bestimmt, das Denken beliebig und realitätslos wird.

Hierbei handelt es sich keineswegs um eine "akademischen Streit um des Kaisers Bart," vergleichbar dem Fahrrad, das in China umfällt. Schon daß wir meinen, daß diese geistigen Klarheiten ohne Belang wären, bestätigt in seinem Materialismus (als Urheber der Wirklichkeit gesehen) die Tragweite. Daß dieser Akthaftigkeit der Realität eine andere Realität vorausgehen muß, ist eine Feststellung von größter praktischer Relevanz. Die sich im historischen Materialismus des Marxismus (als Wirkarm auch Hegels) direkt ausgewirkt hat, und heute implizit praktisch das gesamte Alltagsdenken (und die Wissenschaft) bestimmt. Das Sein selbst wird nämlich damit relativ, historisch relativ, es hat keinen absoluten Anker mehr, sondern das Faktische wird sein Absolutes.

Wenn etwa durch die Pädagogik (und die Politik, teilweise auch die Theologie, die über das historische der Gegenwart nicht mehr hinausblickt, die faktische Gegenwart für "Wirklichkeit" hält und entsprechend die Pastoral danach ausrichtet, sodaß Gott oft sogar schon zu einem bloßen "surplus" wird, und die Entwicklung der Liturgie ab 1970 ist genau so verstehbar, genau das zeigt sich als Folge: die Verabsolutierung des faktischen Menschseins) von einem Menschen ausgegangen wird, der sich durch Veränderung der historischen Umstände beliebig verändern läßt, er also kein Wesen (das aus dem Sein kommt) hat, das seinem Dasein vorausgeht, es begründet wie bestimmt (charakterisiert), und damit seine wirkliche Wirklichkeit ist, so führt sich das auf diese Sicht der Welt und Wirklichkeit zurück. Oder wenn ein Daniel Kehlmann sagt, es gebe kein "ich", dann spricht er exakt dieselbe Überzeugung - die aus einem logischen Fehlschluß erfolgt - aus. Und damit aber erwischt er den neuralgischen Punkt der Gegenwart.

Denn ohne absolutes Sein, das erstlich alle Realität gründet, das einzig wirklich ist, sodaß alle faktische Geschichtlichkeit der Gegenwart (wie Zukunft und Vergangenheit) aus dem hervorgeht, was einfach "da-seiend ist", kann man diesem Sein, dieser Wirklichkeit nicht mehr vertrauen.

Damit sieht sich der Mensch ständig in Gefahr, sich zu verlieren, sobald er sich der begegnenden Wirklichkeit "fügt" - er steht unter dem Dauerdruck, in die Welt eingreifen zu müssen, sonst kommt kein "Gutes Ich" heraus. Denn nichts gewährleistet dann noch die Gutheit des Begegnenden, das Begegnende läßt alles "im Fluß".

Und damit schließt sich auch aus dieser Richtung der Kreis zu Internet, facebook und Dauer-ipod-Anschluß, zu einer Gegenwart, in der alles nur noch prekär ist, und niemand niemandem mehr vertrauen kann. Denn nur "im Fluß" kann ja niemand leben, mit Grund, wie wir gesehen haben, es fehlt eben der Halt in einem Sein, das dem Seienden vorangeht, es begründet - das Seiende begründet sich heute aus sich selbst heraus sein Sein. Wenn das Faktische, das Netz der Oberflächlichkeiten und Weltgespinste damit aber ausläßt - bleibt nur noch absolutes Nichts. Weil die Welt keinen Halt mehr hat, Identität (weil unzuverlässig) verweigert, sodaß man sie sich selbst schaffen zu müssen meint.





²Ein Stuhl der "nicht Tisch" ist, ist deshalb kein "Nicht-Tisch". Diese Urteilsebene der Reflexion (die zeite, idelle also) findet keinen Kontakt zur Realität. Sie stellt nicht Realität dar, sondern Idealität. Hegel kenn kein eigentliches Urteil über die Realität, er bleibt auf der Ebene des Reflexionsurteils, versucht von dorther Realität zu verstehen. Erste Realität also (das reale Ding "der Stuhl") ist für Hegel nur eine unreflektierte Form des zweiten Urteils. "Da jedoch das zweite Urteil erst durch nachfolgende Reflexion vom ersten her gewonnen ist, wurzelt es ganz im ersten und setzt das erste voraus. Das bedeutet wiederum: die Idealität als die Ebene der 'Identität des Positiven und des Negativen' wurzelt ganz in der Realität als der Ebene der einfachen positiven Identität." (Beck) Es gibt gar keine Idee von einem Ding, wenn dieser nicht eine Realität, also eine "einfache positive Identität" (ALS dieses (Stuhl-)Ding, das zuerst einmal nur es selbst ist) VORAUSGEHT. Über diese erst werden Ideen erkennbar bzw. gewonnen. Das ist nicht zeitlich vorstellbar (das würde eine nicht-abstrakte Ebene bedeuten), sondern als Wesenseigenschaft der Dinge/Objekte. Hegels Idealität beschreibt eigentlich nur den abstrahierten Akt der Erkenntnis selbst. Aber dieser ist nicht das Reale selbst. Weil Hegel also den Dingen kein allem Erkennen (aller Idealität) vorgängiges´in sich selbst sein' zuerkennt, kennt Hegel auch keine "Person", das In-sich-Stehen des Menschen, das ihn erst zum Menschen macht. Auch das findet sich direkt im Marxismus, im historischen Materialismus wieder, wo der Mensch aktualistisches Konstrukt historischer Gegenwartsbedingungen wird. Das hat zwar für die Gestalt des Ich ALS Selbst seine Bedeutung, ist aber nur auf einem vorgängigen "ich" denkbar, einer dem Faktischen vorgängigen "natura" (Wesen als Form des - ersten - Seinsaktes). Der Hegelianismus/Marxismus kennt kein (absolutes) "Wesen" des Menschen, von dem aus Historie als Interagieren und aus diesem heraus erst verstanden werden könnte.

*Womit absolut nachvollziehbar wird, warum Marx diesen Idealismus später als unnotwendigen Schritt an Hegel ablehnt, die materialistische Konsequenz aus Hegel zieht, das Sein (und den Menschen) konsequent historisiert - er hängt nämlich tatsächlich in der Luft.

**In weiterer Folge wird daraus verständlich, warum Hegel im Pantheismus landen muß: Das Daseiende, die Existenz wird erschöpfend zum Sein selbst, damit die Welt zur aus sich selbst bzw. dem in ihr "eingesperrten" oder "daseienden", identischen Geist (Sein) heraustreibenden Ursache. Das heißt aber auch, daß eine Zeit selbst, die "so" denkt, im Pantheismus landen muß. Von den Banalisierungen dieser Sichtweisen (etwa in diversen esoterischen Schulen) gar nicht zu sprechen, die sehr häufig schon den schlichten Mangel haben, Abstraktion und bildhaftes Vorstellen nicht trennen zu können, Abstraktes (Geistiges) bildhaft-konkret nehmen. Etwa wenn Menschen darauf hoffen, durch Techniken "Geister/Geistwesen" zu "sehen".

***Woraus sich sogar der "Evolutionsgedanke" ziehen läßt, in dem die Welt sich aus sich selbst heraus automatisch zum Fortschritt bringt. Selbst im Technizismus, in dem alles zur "Ablaufoptimierung" für selbst gesetzte Parameter (warum sollten die noch falsch sein?) wird, finden sich da Analogien.





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Montag, 30. September 2013

Unbestimmbarkeit des Wesens

Wir können das Wesen Gottes jenseits des Seins nicht bestimmen, so wenig, wie wir das Wesen des Vaters der Lüge bestimmen können.

Wie sich Gott, Sein Wesen als absolute Fülle seiner selbst bewußten Seins objektiviert, so objektiviert sich das Unwesen des Vaters der Lüge als absolute Nicht-existenz in absoluter Unbewußtheit. Doch stehen sich beide nicht als polare Entsprechungen gegenüber, sonst würden wir wieder im dualistischen Manichäismus landen. 

Gottes Wesen objektiviert sich als bewußtes Sein. Aber der Vater der Lüge ist niemand, der sich objektivieren könnte. Nur er, Gott, objektiviert auch ihn. Und er objektiviert den scheinbaren Gegenspieler eben nicht als Sein und Bewußtsein, sondern als Seinslosigkeit und Unbewußtheit. Wir können exakt nicht einmal sagen, das Nicht-seiende sei "zugelassen" als die Grenze des Seins. Denn diese Grenze hätte doch immerhin, wenn auch nur als die ausdehnungslose, in sich selber substanzlose Grenze, an der Wirklichkeit des Seins teil. 

Diese substanzlose Grenze ist die Außenansicht der empirischen Wirklichkeit, die Ebene der reinen Quantität, des Grenzaspektes der all-einen Wirklichkeit als reines Teilsein. Und hier ist das Negative nur wirklich als Verneinung der Verneinung. Es ist nicht wirklich als gegenwärtiges "seiendes" Nicht-sein, sondern immer nur als gewesenes. Gott objektiviert den Vater der Lüge also nicht als den, der nicht-seiend ist - als die Grenze der Wirklichkeit - , sondern als den, der nicht-seiend war; also als den, über den die absolute Unendlichkeit des Wirklichseins immer schon hinausgegangen ist. So bleibt der also Gebannte in die extremste uns nur denk- und vorstellbare Wesenlosigkeit gebannt.

Die Wirklichkeit der Weltvernichtung ist nicht in einem irgendwie "moralisch Bösen" begründet, dem ein Sein zukäme, in quasi über den Dingen schwebenden moralischen Qualitäten, sondern in einem Aufheben des Wesens, der Distinktheit der Dinge selbst - in ihrer Entstaltung und Entwesentlichung. Mit dem direkten Verweis auf die Häßlichkeit und Funktionalisierung als Äußerung der Weltvernichtung. Der Kern der Welt, ihr Sein, ist Gestalt. Gestalt, die sich aus jener "energeia" Gottes heraus erfüllt, deren Eintrittstor das Mysterium des Opfers als Höhepunkt und Erfüllung der Freiheit und Selbstmächtigkeit des Geschöpflichen selbst ist. Während ihre Vernichtung als Rückzug der wahren Wirklichkeit - in sich unbestimmbar, nur am Objekt bestimmbar - erkennbar wird.*



Matthias Vereno, in "Vom Mythos zum Christos"



*Wir erkennen nicht "das Böse", sondern wir erkennen sein Wirken im drohenden Seinsverlust eines Dings der Erkenntnis. Wir erkennen die böse Tat durch die Zerstörung (Entstaltung) eines Dings, an der aber sogar Wirkliches, Sein beteiligt sein muß, weil nur Wirkliches zu wirken vermag. Die Lüge lügt nicht durch Nichts, sondern durch (ungeordnete, etwa dimensionsverschobene) Wahrheiten.

Das zeigt sich prinzipiell im Alltäglichsten des Erlebens. Etwa in einem Gespräch, das der Verfasser dieser Zeilen jüngst führte. Da meinte sein Gesprächspartner, daß das Rauchverbot in jeder Öffentlichkeit doch nur gut sei, WEIL DAS RAUCH SCHLECHT SEI. Woraufhin der Verfasser dieser Zeilen ihm auseinandersetzte, daß es zwei verschiedene Dinge, und zwei verschiedene ethische Bereiche und Dimensionen betrifft, das Schlechtsein des Rauchens (etwa bei quantitativer Übertreibung) zu bestimmen, und die Art, damit umzugehen. Ein öffentliches Verbot des Rauchens nimmt hingegen dem Nichtrauchen sogar seine ethische Qualität bzw. verändert sie. Sodaß ein generelles Rauchverbot ethisch SCHLECHT werden kann. Und tatsächlich auch vielfach und beobachtbar ganz anders motiviert ist als in der Liebe zum Guten.




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Sonntag, 21. April 2013

Wirkungen der Kunst

Die Poesie läßt, in der Muße, den teilnehmenden Zuschauer aus seiner Welt heraustreten, über sie hinausschauen. Und führt das, was ihn im Alltag verstrickt, in seinen übergeordneten, umfassenden Sinn. 

Dieser Sinn läßt sich aber nicht ERfinden. Ein Mißverständnis einer sich selbst mißverstehenden Menschheit, die da meint, sie könne der Welt eine neue Ordnung aufsetzen.

Genauso wenig kann Sinn vordefinierten Sollensansprüchen (Ideologien, Philosophien) folgen. So würde der Zuschauer in die Irre geführt, manipuliert, und damit brauchbar gemacht, einem Zweck (und das will Ideologie) unterworfen.

Dieser Sinn kann nur gefunden werden. Er muß da sein. Er ist nämlich ein Wiedererleben, ein Erkennen daß im Anderen dasselbe wirkt, als ich aus mir kenne, daß wir deshalb eins sind. Nur dann ist er auch dem Zuschauer aus eigenem Erfahren zugängig - er hat ihn nur nicht gesehen, hielt sich für solitär, allein, und war es nicht.

Nun, in der Muße, der Darbietung, wird er dessen gewahr, darin, in seinem besseren Ich, bestärkt. Er tritt damit in einen weiteren Kreis, als er im Alltag in seinen Zweck- und Kampfbeziehungen, die ihn im Krieg halten, mit allen Notwendigkeiten, die der Krieg erfordert, gewahr wird

Und so kann die Kunst ins Leben hineinwirken. Als Bereicherung des Zuschauers, des Hörenden. Indem sie seine Grundstimmung freilegt, die eine Stimmung zum Leben ist, damit eine Stimmung zur Schönheit, eine Stimmung den eigentlichen Lebensformen zu folgen, aus der und aus denen heraus sich dann auch seine ganze Lebenswelt, damit seine Sprache, seine Gedankenwelt erneuert.

Aber es ist noch mehr: es ist eine wirkliche Verfleischlichung dieses Universalen, und damit Göttlichen, es ist eine Anähnlichung an dieses All-Sein, an Gott, das die einzige Grundlage des Erkennens bietet, weil aus ihm heraus alle irdische Form dem Menschen, dem Ebenbild Gottes, inwendig ist.

Das ist auch das befriedende der Heiligen Feier, des Kultes, der Liturgie als des Allesumfassenden, des weitesten Kreises, in dem sich die gesamte Schöpfung wiederfindet, aus dem sie entstammt. Und zu dem sie als sie selbst, gewiß, und nur so, sich doch geeint findet. Befreit aber von der Notwendigkeit, sich selbst einen Rahmen des Seins zu geben, der sein taggebundenes Tun hält.

Nicht durch Auflösung in ein Nichts, wie es im Osten vorherrscht, durch Auslöschung des Alltäglichen, Kurzgebundenen, Engeren, das einen Scheinfrieden bringt, aber zugleich die Schöpfung auslöscht. Sondern durch Heimbringen, als einem Zusichselbstbringen, ein Zumursprungbringen, im Sein. Damit befriedet es die Welt, die sie in ihrem Wert, in ihrer Schönheit und Fülle in alles ihr Mögliche erhöht - statt sie zu entwerten.

Weil dieses Ziel da ist, kann auch der Weg dazu nicht abgekürzt werden. In einer disparaten Welt, die in sich widersprüchlich und zerrissen ist, in die wir ohne es gewollt zu haben aber hineingezogen sind, können wir nicht einfach "heraussteigen". Wir müssen die Wege freischlagen, die Schlingen entwirren, in denen wir stecken. Dazu braucht es die Philosophie, den Verstand, die strenbe Logik, als Verpflichtung des Gewissens. Erst dann werden wir frei, und zwar als Ganze, in denen wir nicht einen Teil - und sei er in noch so frommen Stimmungen und Gefühlen - bergen, den Rest aber abwerfen, ausschließen können. Man kann Mäntel, die man angezogen, nicht anders verlassen, als aus den Ärmeln wieder herauszuschlüpfen, auf demselben Weg, auf dem wir sie angelegt haben.
 




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Freitag, 29. März 2013

Widerspruch und Gegensatz

Viele Irrtümer und Mißverständnisse, schreibt Pálagyi, beruhen auf der Tatsache, daß "Widerspruch" und "Gegensatz" nicht sauber unterschieden werden.

Die Bejahung und Verneinung eines Satzinhaltes können nicht gleichzeitig wahr sein. Das wäre ein Widerspruch, und auf dieser Grundlage wäre jedes Denken unmöglich.

Jeder Druck erzeugt gleichzeitig einen Gegendruck. Hier fällt ein Sachverhalt mit seinen Gegensatz zusammen, und das ist eine Tatsache der Welt und Wirklichkeit.* Die bei jeder Berührung eines Gegenstandes zu beobachten ist, und erst sie macht eine Bewegung vollständig.





*Aus gegebenem Anlaß sei etwas Wichtiges hinzugefügt: Es taucht nämlich gar nicht selten die Behauptung auf, daß Gott und Satan in eines zu denken seien. Aus genau dem obgenannten Grund. Wer so denkt, übersieht, daß er dabei Gott als Geschöpf, als weltliches und damit gedankliches Ding denkt, und zudem die Freiheit der lebendigen Geschöpfe völlig außer acht läßt. Die Mutualität vieler Dinge bezieht sich aber nur auf die Geschöpflichkeiten. Nicht auf das Sein an sich also. Die geschöpflichen Dinge sind nur vor dem Hintergrund eines Nichts denkbar, das sie von Gott abtrennt, der Möglichkeit des Nichtseins also, die das Sein an sich ja nicht haben kann. Wobei das Nichts gar kein Ding der Vorstellung ist, sondern eben die Abwesenheit von Dingen, damit gar nicht vorstellbar IST. Das hat seine Bedeutung im Sprechen darüber, in der Metaphysik. Aber das Wesen Gottes ist eine andere Kategorie, die des Absoluten

Während Satan in die Kategorie des Geschöpflichen fällt, seine Nichtungsabsicht sich also auf die Schöpfung und damit auf die Bedingtheit bezieht. Weshalb für Gott auch die Begrifflichkeit, die ja auf eine Metapher und damit auf Geschöpfliches zurückgeht, weshalb im Judentum überhaupt teilweise ein Name für Gott vermieden wurde, weil er nie Gott gemäß wäre, versagen muß. Gott ist dem Menschen niemals faßbar, im strengen Sinn kann man von ihm nur ableitungsweise, bildhaft, und vor allem ausschließungsweise sprechen, als das, was er nicht sein kann. Gott ist uns unzugänglich. Nicht aber Satan, der (als gefallener Engel) immer noch an Gott in der Weise des Geschöpflichen teilhaben muß, sonst gäbe es ihn gar nicht. Satan, das Böse, bezieht sich also in seinem Haß zwar auf das Sein, dem er sich immer verdankt, in seiner Möglichkeit aber auf das Geschöpfliche. Die Hypostase Jesu bezieht sich deshalb nicht auf dessen Geschöpflichkeit, er ist kein Geschöpf, sondern als Gott SELBST Wahrheit, in der Gestalt Mensch. Deshalb den Menschen nicht in der Sündhaftigkeit, der Möglichkeit des Nichts gleich. Jesus ist deshalb nur als persönliche Begegnung (soweit überhaupt) begreifbar, nicht als "Lehrer" oder "Religionsstifter" etc., von denen er sich s.o. grundlegend unterscheidet. Von ihm geht die Geschöpflichkeit aus, er ist selber aber nicht Geschöpf, wie jeder andere Religionsstifter oder Lehrer. Synkretisten gehen also von einer völlig inadäquaten, weltimmanenten Kategorie aus, sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Die Schlüsselfrage nach Jesus ist: "Wofür halten mich die Menschen?". Es ist die Frage, ob man glaubt, daß er Gott selbst ist.

In einer Diskussion ist einmal der Einwand aufgetaucht, daß doch Jesus selbst der Versuchung unterlegen wäre. Er müsse also offenbar doch versuchbar gewesen sein. Nun, der Gang Jesu in die Wüste vor dem Beginn seines öffentlichen Wirkens zeigt nur eines: Daß Gott als Mensch auch die Historizität des Menschseins auf sich nahm, weil es Menschsein als Geschöpf ohne Geschichte nicht gibt. Er mußte auch selbst - als Mensch - begreifen lernen, daß er Gott ist, dieses Gottsein in sein Menschsein auf allen Ebenen, also auch als reifer, herangewachsener Erwachsener mit realer irdischer Geschichte, hineintragen. Nur auf diese Ebene bezieht sich die Versuchung Satans, der die wirkliche Kategorie Gottes ja selbst gar nicht erkennt - das zeigt sich ja in der Versuchung im Paradies: "Sein wie Gott" ist sein Losungswort. Der Mensch soll über dieselbe Schwelle stolpern, über die er gestolpert ist, die er nicht erkannt hat. Hätte Satan Gott erkannt, so hätte er, an dem - Lucifer, Lichtbringer - die gesamte Schöpfung (aber auch er selbst: als Geschöpf, als Engel) hing, gegen ihn entschieden. In der Versuchung in der Wüste hätte er, wenn man so will, das öffentliche Wirken, das Erlösungswerk selbst gefährden können bzw. war das seine Absicht: als Eingriff in die Selbstbewußtwerdung Jesu als Mensch. Niemals aber hätte er Gott stürzen können, der als Sein das Gute ist

Aber er hat Gott eben verkannt. Jesu klare Zurückweisungen zeigen damit die Vollannahme seiner Sendung als Mensch, aber in unserem Sinn als Gefallene versuchbar war er nicht. Gott KANN gar nicht das Böse wollen, es wäre ein Widerspruch in sich. Genau das hat seine Reaktion ja gezeigt. Ein Moment, das später sogar noch in der Ölbergnacht und am Kreuz kurz aufblitzt, und für die Erlösungstat selbst wesentlich ist, weil sie erst das Menschsein ganz, bis ín den letzten Winkel hinein, in diese Wirklichkeit Gottes - in der möglichen Teilhabe als Geschöpf, die aber menschliche Antwort braucht - hineinnimmt. Weil Jesus so die (bildlich gesprochen) letzte Reserve des Menschseins (als Sein zu sich, ein Akt, kein passives Faktum) noch aktiviert.

Mit einem wesentlichen Detail: Auch Jesus hat den messianischen Auftrag erhalten - sich ihn nicht einfach aus dem Finger gesogen, weil er sich selbst für gut hielt. Das tat er nämlich gar nicht: Der Anfang der Erkenntnis Gottes liegt in einem zerknirschten Herzen, der entscheidend Grund, warum Satan Gott NICHT erkennt. Abgesehen von den Einflüssen, die man sich in seinen ersten 30 Jahren nur vorstellen kann, steht am Anfang seines Auftretens als Messias - und von da an auch erklärt er den Tempel der Juden, den bisherigen Gottesdienst, für ungenügend, er wird ihn übersteigen - die demütige Taufe durch Johannes, und von ihm bereits, aber dann von der Stimme, der herabkommenden Taube, erhält er die definitive Sendung: Als Sohn Gottes. 

Nur der Frevler ernennt sich selbst. Jesus erhielt seine Ernennung von außen, und als Sohn Gottes kann nur Gott Vater für ihn zeugen, kein Mensch, beginnend bei der Verkündigung an seine Mutter.





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Donnerstag, 20. September 2012

Lebensamplituden

Aber klar muß man die Grenze ziehen, denn der Puls des Lebens ist NICHT der zwischen Nichts und Sein, das wäre ein Widerspruch in sich! Er ist immer einer zwischen Gestalt und ihren Grundkräften. Das Nichts, der Tod ist der Hintergrund, VOR diesem sich diese Seinsrhythmik - immer, unausgesetzt - abspielt. Vom "reinen Leben an sich" also, zum Wirklichen in der Gestalt. Vom Formlosen (Dämonischen) zur Form im Geist, im Halten über dem Nichts. Es ist also schlicht Unsinn das Leben vom Nichts "bedingt" zu sehen. Das Nichts kann nichts hervorbringen. 

Nur in der Geborgenheit des Seins - in seiner Amplitudenhaftigkeit, seinem Pulsieren - kann es Rhythmen geben, im Geist des Lebens.

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