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Samstag, 5. Februar 2022

Der Kampf mit unserer Natur (2)

Jede Gestalt ist Gewohnheit. Jede Gewohnheit ist Liturgie des Lebens. - Alles das ist die konkrete Gestalt unseres Lebens, und alles das ist somit die von uns mit geschaffene Natur, in der wir einst vor Gott treten werden, und nach der wir in seinen Plan eingefügt werden. Und sei es ... in der Hölle. Diese Fragen aber entschiedne sich in den inneren Qualitäten dieser Dinge, nicht an den reinen Vollzügen bzw. daran, DASZ wir alles in Gewohnheit (also zu Haltugnen gereift) vollziehen. Die Gewißheit, daß diese Qualitäten in diesen Vollzügen enthalten sind, die verdanken wir der Überlieferung, der Tradition, die verdanken wir dem Vertrauen, das wir in unsere eigenne Eltern hatten und haben.

Aber mehr noch. Dieses Vertrauen kann auch noch wachsen. Es kann sich zu einem Staunen und Bewundern heranbilden, in dem wir das Leben unserer Vorfahren - ganz so, wie jeden Text in der Heiligen Liturgie, wie alle diese Gesten und Riten, in alles was uns hier zu treuen Händen übergeben wird, damit wir es bewahren, weil wior nie (!) fähig sind, es definitiv und in allen Aspekten zu beurteilen - betrachten und indem wir der Vergangenheit und allen uns vorausgegangenen Riten und Liturgien mit Ehrfurcht begegnen. Und einem nie ermüden sollenden Bemühen, es mehr und mehr zu erfassen. 

Dann, wenn wir diese Inhalte wie große Pillen geschluckt haben, und allmählich den Kräften des Körpers überlassen so aufnehmen, daß sie zu einem Teil von uns werden, in Dialog mit allen unseren leiblichen Ebenen stehend, wo sich also auch entscheidet, ob wir uns von einer Substanz formen lassen, oder ob wir sie abstoßen oder selber umformen, dann also werden wir erkannt haben. Auch wenn wir es nicht ausdrücken können. 

Was wir vom Leben erhalten, sind immer Pakete. Und sie enthalten immer mehr als von außen erkennbar ist. Was wir erhalten sind aber immer auch Traditionen, sind Formen und Gestalten, denen wir uns vertrauensvoll öffnen. In diesem zweifachen Kampf. 

Dem Kampf mit unseren Schichten, in denen wir mit der Umwelt verbunden sind, die somit Teil der Umwelt sind, diesem großen Ganzen angehören, und uns von dort her mit ihren Inhalten formen wollen, 

Dem Kampf mit den Schichten, in denen wir Erbanlagen haben, die uns von unserem Ur- und Idealbild wegziehen wollen, das wir (wenngleich es nicht statisch vorzustellen ist, wie eine alte Photographie, der wir jedes Detail "nachmachen" sollen, wie es der Kleinbürger tut) als jenes Ziel vor uns tragen, auf das in wir uns jeden Moment neu ausstrecken, in diesem ständigen Pulsieren zwischen Tod und Schlaf, zwischen Ruhe und höchster Aktivität, zwichen Sein und (gerade noch nicht) Nichts, in das hinein wir steigen, weil wir uns in Wahrheit ins Sein selbst begeben.

Und dem Kampf mit der reinen Natur, die uns als Aufruf immer wieder neu vor Augen kommt, die wir bejahen müssen, wollen wir leben und sein, also existieren, und in der wir in der Gestalt Jesu Christi auch uns (weil alle Menschen) empfangen und verleiblichen. 

Leib werdend, Heiliges Gebäude, Tempel in Vollkommenheit, in dem wir als weltgewordene Schöpfung den Lobpreis singen, aus stetem innern Jubel einer Dimension, die wir uns nicht vorstellen können, die uns aber - das kann man sicher sagen - um so viel übersteigt, daß wir einmal darin nirgendwo sonst mehr hinwollen. 

Vielleicht war das der Sinn jenes Gründonnerstagserlebnisses 1984, von dem ich schon mehrmals berichtet habe, und das mir Leser F unlängst wieder in Erinnerung gebracht hat, weil ich eigentlich längst und immer wieder darauf vergesse. (Und das soll auch so sein.) 

Nicht einfach nur das Erleben einer unaussprechlichen Freude, sondern vor lalem die Feststellung, daß diese Freude von einer Qualität ist, die alles was wir Menchen kennen dadurch übersteigt, weil es eine völlig andere Dimension des Erfahrens ist. In dem Erleben und Erkennen und Wort in einen nicht mehr teilbaren Moment der Zeitlosigkeit fällt. 

Aber das Entscheidende war, daß ich erfahren habe, wie sehr diese Freude uns leiblich betrifft. Der Leib ist nicht zweitrangig odernebensächlich, sondern er IST der Ort unseres ICH, untrennbar mit unserer Seele und unserem Geist verbunden dn Schnittstelle der Beziehungen zu allen Ebenen, die uns als die, die wir jeweils sind, zugemessen ist.

Sodaß wir uns dessen gewahr sein sollen, daß unser Dasein auch und zuallererst ein Kampf mit unserer faktischen Natur ist. Die es ist, was "von uns bleibt", und die wir deshalb ALS diese Natur zu einem zustand des Faktischen führen müssen, in einem unentwegten Kampf, den wir am besten über anzunehmende wie abzulegende Gewohnheiten führen, und in dem wir unser faktisches Sein als zweite Natur mit unserer ersten Natur in Übereinstimmung bringen sollen. 

Nein, es ist dringender. 

Müssen.

Es geht um zu viel. Es geht um die Ewigkeit. Der gegenüber diese paar Jahrzehnte unseres jetzigen Lebens lächerlich unbedeutend wirken. Die es aber doch sind, auf die es ankommt. Weil wir uns in diesen wenigen Jahren formen, was wir dereinst sein werden.


*Man stelle sich dazu einen Arm, die Schultern, den Brustkorb, stelle sich das gesamte Komposit das zum Greifen nötig ist vor. Das denn aber doch vom inneren Bewegungsbild, vom Gestaltbild ausgeht, um zielgerecht bewegt zu werden. Sodaß der also alt und dement Gewordene auch die Sicherheit im Greifen verliert, auch das also eine der Erscheinungen des dementen Alters, sobald etwas außerhalb unveränderter Routinen zu greifen wäre. Weitere Schäden wie Erblinden stehen sehr oft in demselben Zusammenhang von Folgen der Ablehnung der Außenwelt aus dem Entschluß der In-sich-Gekehrtheit des Alten, der meist garnicht frei getroffen wurde, sondern dem endgültigen Nachgeben gegenüber jahrzehntelanger Gewöhnung entspringt. 


*030222*