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Dienstag, 2. April 2019

Nur ein Faktor spart Verwaltungskosten - Identität

Der VdZ hat es vorhergesagt, und so ist es auch gekommen. Es sollte also einmal mehr als Prinzip anerkannt werden, auf das ja schon lange viele bedenkenswertere Stimmen als der VdZ es ist, hingewiesen haben. Es geht um den Irrglauben, daß Zentralisierungen eine "Reform" in der Verwaltung bedeuten. Wie die Rechercheplattform Addendum in seinem neuesten Projekt nachweist, hat auch die vielgelobte "Gemeindereform" des österreichischen Bundeslandes Steiermark die versprochenen Effekte nicht gebracht. Aus Einsparungszielen wurden erhöhte Kosten. Nicht nur hat die Einführung der Reformen viel Geld verschlungen, auch jetzt, im "Normalbetrieb", stellen sich die Kosten als höher heraus als zuvor. Und das ist nicht der einzige negative Effekt.

Als man 2010 beschloß, die angeblich viel zu vielen kleinen steirischen Gemeinden zu einigen wenigen Gemeinden zusammenschließen, sollte das viel Geld sparen und alles einfacher machen. Es hat aber viel böses Blut gemacht, und manche Gemeinde hat sich auch so stark gewehrt, daß sie ihre Eigenständigkeit bewahren konnte. Wie oft wurde dann über diese Sturschädel gewettert, wo doch die pekuniären Vorteile so auf der Hand lägen. So viele Gemeinderäte könne man einsparen, so viel dies, so viel das!

2014 war es soweit. 250 Gemeinden, alle mit ihren Eigenheiten, wurden aufgelöst, aus 542 Gemeinden wurden 287. 79 Gemeinden wurden sogar per Landesverordnung zwangsfusioniert. Sagenhafte 2.500 Gemeinderäte wurden eingespart, heute gibt es nur noch 5.000. Trotzdem zeigt sich, daß die Kosten stiegen. Wie gibt es das? Ganz einfach: Gemeinderäte, die vorher für, sagen wir, 1.800 Einwohner zuständig waren und nun für 3.500 brauchen mehr Zeit, also auch mehr Gehalt. Dafür ist der Einfluß der Wähler auf die einzelnen Gemeinderäte gesunken. Und der Superschmäh: Weil man die Bezüge neu regeln mußte, stiegen sogar die Kosten in den Gemeinden, die von der "Reform" gar nicht betroffen waren.



Denn die neuen Gemeinderäte, die sind ja nun so super überregional. Nur der Kontakt, die Verbundenheit der Wähler mit ihrem Mandatar ist verschwunden: Manche Gemeinderäte berichten, daß sie früher ständig mit den Bürgern in Kontakt waren. Heute kämen aber kaum noch welche in ihre Sprechstunden. Na sowas, also das ist ja echt überraschend. Oder hat da jemand von den Pruntzköpfen in Graz einfach nicht mitgedacht, weil keine Ahnung, wie die Welt ist? Könnte das sogar damit etwas zu tun haben, daß eine Stimme bei den Gemeinderatswahlen (also den ur-eigensten Wahlen aller Bürger) heute um durchschnittlich und natürlich rein statistisch 43 Prozent weniger wert ist als früher? Daß also der Einfluß der Bürger auf "ihre" Gemeinde drastisch gefallen ist? Könnte es sein, daß die Bürger das merken? Blöd gelaufen, würde man sagen.

Mit einem Oberwitz dazu: Wenn man den Statistiken, die Addendum da dankenswerterweise angefertigt hat, glauben darf, sind gerade sogar in den Gemeinden, die recht brav und folgsam es tatsächlich geschafft haben, die Kosten zu senken, die Wirkungen ihres Wählerverhaltens überproportional gefallen sind. Gefallen! (Wie kann man sich das vorstellen? Wenn vorher sagen wir 800 Stimmen für einen Gemeinderat Ihrer persönlichen Wahl notwendig waren, sind es jetzt sagen wir 1.400.) Wer hat da was für welchen Preis also aufgegeben?

Herrschaften, es gibt kaum ein demokratieschädlicheres Verhalten, so ist es. Und der VdZ ist zwar Monarchist, aber Monarchie funktioniert nur, wenn auf der unteren Ebene die Demokratie funktioniert. Die gab es auch früher, und zwar weit besser als heute. Genau die ist jetzt weiter abmontiert, in der Steiermark. Bravo! Bravo! Denn was braucht es mehr als Bestätigung des Satzes, daß die sogenannte Demokratie als Staatsform zur Oligarchie und zum Despotismus führt? Die Parteien berichten sogar, daß es immer schwieriger werde, Kandidaten für die Gemeindewahlen aufzustellen. Na was für ein Zufall. Da hat der Gemeinderat mit mir nichts mehr zu tun, und die Leute wählen deshalb gar keinen mehr, und keiner will sich das noch antun. Na gut, das konnte ja wirklich keiner vorhersehen.

Nicht einmal den Einsparungseffekt, den man den Leuten als Supertroopervertrag ihres Verzichts auf Identität erkauft hat, gibt es also irgendwo. Die Kosten sind gestiegen. Bis auf wenige Ausnahmen stiegen überall in der Steiermark die Verwaltungskosten, in manchen Gemeinden sogar um 50 Prozent. Pro Kopf im Schnitt um rund 100 Euro pro Jahr. Auf Gemeindeebene ist das nicht gerade wenig.

Aber die Auswirkungen auf die Identität der betroffenen Menschen sind weit gravierender und werden von den Menschen auch als viel gravierender angesehen, die sich vergewaltigt und ihr Selbstsein, ihr Gemeinschaftserleben mangels Abgrenzung beschädigt fühlen, die die Eigenheiten institutionalisiert und in die Kollektividentität übergeführt hat.



Viel Identität wurde zerstört. Und wer mit offenen Augen in seinem Dorf, Markt, Kleinstädtchen lebt wird wissen, wie schon wenige hundert Meter alles anders ist. Wo eine andere Siedlung, ein anderes Feld, ein anderes Tal eine feste, geschlossene, psycho-soziale Sicherheit gebende Identität bedeutet. Und das braucht auch die klare Abgrenzung. Braucht die einander Fremden, die einander Eigenschaften zu- oder absprechen. Da sind die Großkopferten, da die Gemütlichen. Da sind die Verrückten, da sind die Klugen. Und überall gibt es kleine Unterschiede, in der Tracht, im Tanz, in der Art zu reden, dieses oder jenes Wort, das es nur dort gibt, und sogar einen Lokaldichter, der alle kennt und das Eigene liebt und hebt. Wie haben die Bad Ausseer gekämpft, daß ihr Autokennzeichen weiterhin BA bleiben konnte und nicht durch das nunmehrige LI für den Großbezirk Liezen ersetzt wurde. Ohne Erfolg, zusammenzuziehen war ja so modern und clever und sparte so viele Verwaltungskosten. Und so weiter, und so fort.

Das alles - es ist so viel, daß es unmöglich ist, es hier auch nur ansatzweise anzuführen - sind keine unwichtigen Kleinigkeiten, über die ein aufgeklärter Mensch lächelt. Es sind immer die zahllosen Details und Insonderheiten, die solide Identität und damit Verwurzelung schaffen wie auch halten, und damit dem Einzelnen viel Stress und Aufwand ersparen. Das ist Ersparnis, die sogar Lohn bringt: Eine bunte Landschaft im eigentlichen Sinn. So sind nämlich unsere Landschaften und unsere Orte und unsere Menschen. Sie sind keine Funktionen in einem Apparat, dem sich alle zu unterwerfen haben. Für Identität gibt es ja dann noch das Wohnzimmer, die Autoverzierung oder den Gartenzaun.

Vorerst aber noch ein Wort. Ein Wort an die Politiker. Ein Wort an die Bevölkerung an den Radios und UKW-Empfängern, an den Fernsehern und Internet-Kanälen, an den Kurzwellenempfängern und Funkstationen.

Ihr wollt, daß man alles nach Funktion beurteilt? Gut. Genau das macht dann auch. Und schickt alle Wichtigen und Superguten, also die Politiker und Dekretierungs-Wissenschaftler, die ständig Lustigkeiten verbreiten, die nicht eintreffen, an die Plumpsklos und Heustecken von St. Oswald an der Niederwulst, samt Schaufel in den Rucksäcken mit Veganwürsteln. Dort könnt Ihr dann versuchen, ob Ihr gerade noch die Obmannschaft im Honigverein "Schwirrende Zukunft" erringen könnt. Durch Funktion.

Wobei man den Imkern von St. Oswald raten muß: Schaut Euch gut an, wen Ihr da zur Wahl habt. Es sind allesamt taube Nieten. Ihr werdet sie außerdem nie mehr los. Denn das sind die Typen, die Euch bei Drehtüren mit Grinsegesicht den Vortritt lassen - aber vor Euch draußen sind.

Nimmt man die Institutionalisierung des Eigenen, löst sich alles in Funktion auf. Aber das Handeln folgt dem Sein! Es ist die Gestalt, und die hat eine Grenze, eine Besonderheit, eine Abgrenzung als "anders als das andere". Eben eigen. Verflüchtigt man das "in den Kopf", braucht es zum einen viel Anstrengung, und zwar laufend, und zum anderen verdunstet es irgendwann. Vor allem aber wird es nicht weitergegeben.

Technizistischer, funktionalistischer Sinn aber hat mit dem Kampfwort "Reform" lauter Unsinn in die Welt gesetzt. Und nach wie vor ist man eifrig dabei (jüngst mit der angeblich so vorteilhaften Zusammenlegung der Sozialversicherungen in Österreich, wo aus 19 oft sehr spezifischen, meist ständischen Versicherungen, die alle mit bestimmten Eigenheiten auf die Bedürfnisse und Gegebenheiten ihrer Klienten abgestimmt waren, fünf große Verbände geschaffen wurden. Plötzlich sind Bauern und Gewerbetreibende in einer Versicherung mit denselben Leistungen. Und so manche winzig kleine Versicherung, die aus dem Geist wahren Unternehmertums oder bloßer Solidarität von Arbeitenden entstanden waren, gibt es nicht mehr. Das Ergebnis wird dasselbe wie bei der Gemeindereform sein; weitere Identitätsmerkmale werden unwiederbringlich ausgelöscht und werden viele viele Menschen in ihrem Selbstsein geschwächt haben.

Es wäre angebracht, auch bisher bereits erfolge "Zusammenlegungen" auf ihre Effekte zu untersuchen. Die alle hoch gefeiert und als Topleistung dargestellt wurden, an deren Sinn- und Wirksamkeit der VdZ aber immer seine Zweifel hatte. So sollte auch einmal die vor 15 Jahren hochgepriesene Zusammenlegung von Exekutiveinrichtungen - Stadtpolizeien, Polizei, Gendarmerie - untersucht werden. Auch die hat nicht nur Identität zerstört, sondern den Föderalismus, die Regionalität weiter ausgetrocknet.

Und längst liegen auch österreichweite Reformvorschläge auf dem Reißbrett, in denen weiter am Prinzip der Regionalität zum einen, am Prinzip des Zentralismus zum anderen herumgepfuscht werden wird. Alles, weil es angeblich Geld spart und Vereinfachungen "für den Bürger" bringt. Aber das gibt es nur in den Köpfen wirklichkeitsferner Sesselfurzer und universitätsverblödeter "Ökonomen", die Mathematik mit Realität verwechseln. Die Wahrheit ist genau umgekehrt.

Oh ja, Reform, alle nicken begeistert, Reform, wunderbar, das braucht es. Aber bei Reformen wird auffallend immer an eine Art Reform gedacht, die keine Reform ist, sondern eine Revolution. Die auf Zentralismus, Auslöschung von Regionalprinzip und Individualität hinausläuft. Während es ganz etwas anders bräuchte, nämlich genau das Umgekehrte: Stärkung des Kleinen, Spezifischen, und Schwächung des Großen, zentralen. Zurücklegen zahlloser Aufgaben und Befugnisse an Gemeinden und lokale Einheiten, auf daß diese ihre Agenden und Lebensweisen selbst regulieren können - und müssen. Strenge Subsidiarität von Zentralstellen, die wirklich nur dort eingreifen, wo die untere Einheit ihre Aufgaben nicht mehr bewältigt, weil sie deren Aufgabenkreis sprengen. Das braucht es. Stärkung, Re-Autorisierung der unmittelbaren, engsten Kreise, in denen jeder Mensch lebt und denen er zugehört. Zurückführen auf Regulierung des Lebens in den unmittelbaren Raum, den es betrifft. Das sind dann Re-formen. Sie stärken die Menschen, schwächen sie nicht.

Revolutionen braucht niemand. Sie sind nicht nur teuer und teurer als die vorigen Strukturen, sie haben auch desaströse Auswirkungen auf das Selbstsein der Menschen. All den Zentralismusjüngern möchte man deshalb nur eines zurufen: Laßt endlich die Menschen in Ruhe! Laßt sie endlich einfach ihr Leben leben - so wie bisher.





*270119*




Sonntag, 21. Januar 2018

Blick in die Kunst der Waffentechnik

Photo: Pinterest
Die Entwicklung der Rüstungen für Kämpfer (Ritter) im Mittelalter war bemerkenswert. Man entdeckte bald, daß verbundene, mehrschichtige Materialien ein Vielfaches an Widerstandskraft auch gegen moderne Waffen hatten, im Gesamtgewicht aber leichter bleiben konnten. Und doch waren sie effizienter gegen die aufkommenden Waffen wie Armbrüste oder - asiatische Bögen. 

Die wie bei den Mongolen, Hunnen und Magyaren ebenfalls die Eigenschaften mehrschichtiger Aufbauten nutzten und damit ungeheure Durchschlagskraft für Pfeile erlangten. Ein Bogen der Magyaren wies bis zu 10 Schichten Horn auf, die mit Knochenleim zusammengefügt waren. (Mit einem Nachteil, der sich in Europa erst herausstellte: Sie waren anfällig gegen Regen. In Asien war es ja noch trocken gewesen, aber in Europa ... solche Bögen lösten sich dann auf.) 

Noch auf 600 m war ein aus einem solchen Bogen abgeschossener Pfeil absolut tödlich, denn er riß riesige Wunden mit bis zu 5 cm Durchmesser, je nach Pfeilspitze. Wie bei heutigen (starken) Schußwaffen starb der Getroffene oft schon am "Blutschock", oder verblutete rasch, selbst wenn er nur in Extremitäten getroffen worden war.

Diese im obigen Bild dargestellte polnische Rüstung aus dem 16. Jahrhundert zeigt einen Höhepunkt dieser Rüstungstechnik der Mehrschichtigkeit, die erst später, angesichts der dann aufkommenden Feuerwaffen zu versagen begann. Über 1.000 Einzelteile kombinieren Widerstandsfähigkeit und Beweglichkeit - bei gleichzeitiger Leichtigkeit - auf beeindruckende Weise. 

Nur damit wir keiner Täuschung erliegen: So eine Rüstung war auch im Vergleich damals ungeheuer kostenaufwendig. Der Preis einer guten Körperrüstung entspricht nach heutigem Kaufwert dem eines Einfamilienhauses. Das mußte sich ein Ritter erst einmal leisten können! In einer Zeit, in der er sein "Einkommen" aus Naturalien und Arbeitspflichten bestritt, weil Geld erst allmählich aufkam. Die Ritter verloren ihre Bedeutung eigentlich notgedrungen, die Kampfestechnik mußte sich schon deshalb hin zu (immer unritterlicheren, unsittlicheren, kulturloseren, funktionalistischeren) Massenheeren verändern. Denn so nebenbei mußte ein Ritter auch noch durch ständiges Training selbst am Pferd schlachtentauglich bleiben. Das überstieg in der Entwicklung des Kapitalismus hin zur Geldwirtschaft bald deren Möglichkeiten.

***

Ein guter Schmied konnte reich werden. Er war gesucht, und hatte an so einem Werk ein halbes bis ganzes Jahr Arbeit. Während ein gutes Schwert immerhin schon innerhalb eines Monats zu fertigen war. Wenn der Meister gut war und die Technik des Mehrfachverbunds beherrschte, was ein gut gehütetes Geheimnis und Resultat von "viel Gefühl" - letztlich damit eine nicht erlernbare, nicht in bloßer Technik aufgehende Kunst also - war. Sodaß Schmiede im Ansehen neben dem Magier, dem Zauberer zu stehen kamen. Mit derselben Furchtbarkeit und Angstbesetztheit in den Augen der Bevölkerung.

Photo: Pinterest
Als die Ritter zu den ersten Kreuzzügen aufbrachen, hielten sich deshalb vorerst ein gutes Jahr in Gebieten wie der "Eisenfurche" auf. Das ist das Ybbs- und Ennstal, von Steyr bis nach Waidhofen und Weyer, die das Erz des steirischen Erzbergs verarbeiteten. Bei einer der mindestens 250 Werkstätten gaben sie ihre Waffen in Auftrag, und eine ganze Region hatte Brot und Arbeit dadurch, ja wurde wohlhabend. Vom Kaiser durch Abgabenfreiheit, Marktrechte, Gerichtsbarkeiten (als Maßgabe der Selbstregulierung) privilegiert, sodaß die Bauern zu günstigen Preisen Lebensmittel liefern konnten und wollten. 

Etwas, das sich für die Region schicksalshaft auswirkte, denn das niederösterreichische Voralpenland-Ybbstal, von der Enns bis nach Ybbs a. d. Donau, ist bis heute eine der Vieh- und Kornkammern Österreichs. Der VdZ stammt väterlicherseits von dort und seine tüchtigen Vorfahren haben über Generationen Vieh gezüchtet, das ganze Rassen hob und bis heute maßstäblich ist.

Aber nur wenige Schmiede beherrschten die Technik, die, wie wir heute wissen, eine Technik hochkomplexer Stahlbearbeitung war. Man machte kein Hammerwerk (eine Schmiede) auf, weil es "ein Geschäft war" oder weil "Nachfrage herrschte". Man mußte es KÖNNEN, die Muse besitzen, begnadet sein, und das Geheimwissen besitzen, das ein Ablaufwissen war, ohne Gründe - eben: Magie. Wer alles das nicht hatte wurde bestenfalls Hufschmied oder Wagner ... 

Aber der Kern der Schmiede beherrschte eine Verarbeitungskunst, die nur an wenigen Orten überlebte. Wie in Steyr, wo noch 1914 ein Gewehrlauf produziert werden konnte, der eine ganze Millionen-Armee mit einem in der Treffsicherheit überlegenen Gewehr ("Wörndl") ausstattete. Wie es nur noch einige wenige Gewehrmanufakturen in Kärnten beherrschten, das im Mittelalter eine sehr ähnliche Entwicklung durchlaufen und auch dort viel Wohlstand geschaffen hatte. Oder wie in Amstetten bei einem Schmied, den der VdZ persönlich kannte, der noch bis vor 20 Jahren, wo er verstarb, die traditionelle Rüstung für die Schweizer Garde des Vatikan herstellte.

Ein letzter Rest dieser Technik ist wenigstens ahnungsweise in der Kärntner "Glock" erfahrbar, der nach Meinung von Fachleuten besten Handfeuerwaffe der Welt. Mit einem wahren Patriarchen an der Spitze. Wie sonst.

Und in dem "lustigerweise" in dieser Eisenfurche liegenden Stahlwerk der VÖEST, wo in den 1960er Jahren als "LD (Linz-Donawitz)-Stahl" wieder "entdeckt" und zu Weltruhm als Massenprodukt entwickelt wurde. Diesmal aber war es keine Magie, sondern echtes Wissen um materiale Vorgänge. Magie ist eben "kenntnislose Ablauftechnik", als Degenerationsform von wahrer, wissender Religion.

Denn Eisen wird durch Kohle zu Stahl, das in aufwendigen Schmelzverfahren wieder und wieder übereinandergeschichtet wird. Das war notwendig, weil die Araber (Sarazenen) mit den Damaszener-Schwertern eben diese Technik (des Orients) zur Perfektion geführt hatten, weshalb sie waffentechnisch den Kreuzrittern überlegen gewesen wären. Diese Kohle stammte aus den Wäldern des Voralpenlandes, wo der Köhler sein Gewerbe betrieb, was ebenfalls viel Geduld und Sachkenntnis benötigte und ebenso legendenumwoben war.







*301117*

Freitag, 7. Juni 2013

Folgentrage

Auf www.naturgefahren.at kann jeder Österreicher überprüfen, ob eines Adresse von einer Naturkatastrophe - Lawine, Muren, Hochwasser - betroffen sein könnte, oder nicht. 400.000 Gebäude, so die Kleine Zeitung, fast alles Individualbauten, stehen in Österreich in gefährdeten Gebieten. Fast alle wurden in den letzten Jahrzehnten errichtet. 

Man wußte von der Gefahr. Aber man hat sie schlicht und ergreifend ignoriert. Denn in solchen Gebieten waren die Baugründe billig, und mit Hilfe der öffentlichen Bauförderungen konnte so gut wie jeder bauen. Halbe Ortschaften sind so entstanden, oder haben sich erweitert. Erst seit etwa 8 Jahren gibt es in der Steiermark strengere Behördenauflagen, die das einschränken sollen, und die meisten Gemeinden, so die Kleine, halten sich sogar daran.

Freilich hat man das auch schon früher getan. St. Lorenzen in der Steiermark stammt aus dem 18. Jhd. und liegt zur Gänze in Hochwassergebiet. Nur mußten die St. Lorenzener jahrhundertelang die Zeche dafür selbst bezahlen. Und das macht einen entscheidenden Unterschied, ob man hohes Risiko bewußt selbst trägt, oder wählt und andere tragen läßt. Man rüstete sich selbst dafür, baute vom Keller aufwärts auch anders, und baute dennoch Zerstörtes selbst wieder auf.

Denn die Differenz auf einen teureren, hochwassersicheren Baugrund, samt der Schäden an den Gebäuden, bezahlt heute die anonyme Allgemeinheit. Durch Versicherungen, oder "spontane Hilfsfonds", die Regierungen einrichten."Egal, wie viel Geld notwendig sein wird, um die Schäden zu beheben, wir werden es zur Verfügung stellen," verkündet dann der Bundeskanzler seine publikumswirksame Vorstellung von Gerechtigkeit.

Immerhin gab es durch die Bautätigkeit Wohlstand und Prosperität und Steigerung des BIP und damit Sozialstaat. Der die Mühe aller aufsaugt und zu tragen vorgibt, als Schlaraffia, in dem nie mehr noch jemand Mühe zu tragen habe. Irgendwann zahlt man aber immer den vollen Preis der Dinge - die Mühe, die sie wirklich kosten. Wer sich darum herumlügt, zahlt später, samt Wucherzinsen.

Denn man zahlt nie mit "Geld", und es gibt keine "Steine" oder "Quadratmeter". Man gibt immer Mühe für Bedeutung, und rechnet über den Sinn ab.




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Mittwoch, 29. Mai 2013

Eros des Landes

Die 20 Kandidatinnen für die Wahl der Narzissekönigin zum jährlichen Narzissenfest (2013 vom 30. Mai bis zum 3. Juni) in Bad Aussee (Steirisches Salzkammergut).

Bildrechte salzi.at

Dort traf 1819 der Erzherzog Johann 1819 die Postmeisterstochter Anna Plochl, und verliebte sich unsterblich in sie. Dem allseits beliebten und geschätzten, volksnahen Habsburger, in dessen Ahnenreihe sich die Geschichte ganz Europas wiederspiegelt, wurde 1848 von der Volksversammlung in der Paulskirche zum Reichsverweser für das Heilige Römische Reich gewählt, und damit zum ersten gesamtdeutschen Staatsoberhaupt, legte das Amt aber 1849 - und damit die erfolgen sollende Kaiserwürde für die "großdeutsche Lösung" (ein Deutsches Reich einschließlich Österreich), die dann endgültig aber an Preußen scheiterte - ab, wurde im Jahr darauf Bürgermeister der kleinen steirischen Gemeinde Stainz. Seine Frau und der zahlreiche Nachwuchs wurden als "von Meran" gegraft, mußten aber auf alle Thronrechte verzichten. Im Namen wurde an die in den Ahnen gegebenen Verbindung zu denen von Andechs Bezug genommen, die einst Küstenländer an der Adria mit diesem Namen besaßen (er stammt also nicht vom südtirolerischen Meran).

Mehr als drei Dutzend Lieder, darunter der Erzherzog-Johann-Jodler ("Wo i geh und steh ..."), wurden auf ihn gedichtet. Der auch erste Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der die Wissenschaften aus der Metternichschen Zensur herauslöste, liegt in Schenna in Südtirol begraben.







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Mittwoch, 16. Juni 2010

Neulich in Knittelfeld (2)

2. Teil) Das Unglaubliche passiert, und der Unglaublichkeiten mehr


Während die Vereinsfunktionäre im Knittelfelder Gasthof Zur Post schon ausgelassen weil so erleichtert das "Unfaßbare" feierten, drang eine Hiobsbotschaft durch, die die Stimmung schlagartig verwandelte. 

Denn der SV Sankt Lorenzen / Knittelfeld, aus diesem benachbarten Kuhdorf, hatte den TUS Sankt Stefan/L. aus dem Lorenzener Birkenstadion (Bild) vor zweihundertfünfzig fanatisierten (Originalton Vizeobmann Weber, mit einem Beiklang, als wollte er den Österreichsichen Fußballbund mit einer Anfrage kontaktieren, ob sowas von fanatisiert überhaupt zulässig sei. denn da mußte es doch Grenzen geben?) Zuschauern mit noch unglaublicheren 30 : 1 (9 : 0) regelrecht aus dem Stadion geschossen. Dabei waren alleine in den letzten zehn Minuten der Spielzeit noch acht Tore gefallen. 

Bei nunmehr mit vierundsechzig Punkten hergestelltem Tabellengleichstand, aber mit 108 : 103 erzielten und 28 : 26 erhaltenen Toren einer um drei Tore besseren Tordifferenz hieß der Meister also schon wieder nicht Knittelfeld, sondern SV Lorenzen ...

Da blieb allen der Mund offen, und still wurde es in der Post. Der eine oder andere rief verstohlen "Zahlen!" Richtung Schank, andere grinsten selten blöd und zynisch, wieder andere schüttelten ungläubig den Kopf. "Das ist doch g'schobm," sagte schließlich der Leimlehner, der Baumeister von Dreiwiesenhofen, einem Vorort von Knittelfeld, dessen Sohn seit zwei Saisonen bei den Junioren mittrainierte, und dem Insider Talent wie seinerzeit dem Reinmayer nachsagen, der ja auch aus der Gegend stammt, und den man sogar in der Champions-League erleben hatte dürfen.

Minutenlang sagte aber sonst niemand ein Wort. "Na wenn des ned g'schobm woa," meinte schließlich dann der Lechner Kurt, und sah sich unsicher unter seinen Sitznachbarn um. "A so a g'schobene Partie!"
Der Tauber Heinz leerte sein Glas, drehte sich dann zur mittlerweile mit dem Geldtascherl herumlaufenden Veronika und deutete, daß auch er gleich gehen wolle.
"A so a Schaas," wurde von irgendjemandem gezischt.
"Trotzdem sollt'n ma nicht vergessen, daß hier Großartiges für die Jugend geleistet wurde und weiterhin geleistet werden wird," meinte nun der Oberstudienrat Lechner das Ruder der Stimmung herumreißen zu können.
Aber niemand apportierte das Stöckchen.
Wenn nur nicht der Schupfer Edi so blöd gegrinst hätte! Und seine Bemerkung war völlig unpassend, mit der auch er nun die Stimmung aufzulockern gedachte: "Tja, im Fußball muß man eben mit allem rechnen. Der Ball ist rund. Sowas is' Schicksal!" 
Dem Weber stieg die Galle hoch. Er mußte gehen. Außerdem wartete sowieso seine Lebensgefährtin, sie wollten ja noch in diese Pizzeria in der Nähe von Kleinwiesen fahren. In der Stimmung, in der er jetzt war, hätte er aber gleich am liebsten alles hingeschmissen. Was ging ihn denn eigentlich dieser Verein an!? Als ob er nicht so schon genug Ärger hätte.
"Du hast alles getan, wirklich alles, was möglich war" beugte sich nun der Oberstudienrat mit raunender Stimme zu ihm hin. "Du hast Dir nichts vorzuwerfen, glaub mir! Jeder Verein kann sich alle Zehne abschlecken, der so einen Präsidenten hat wie Dich!"
"Jaja," nickte nun auch der Krieger Ernst, während er sich lärmend erhob, und schon im Hinausgehen seufzte er: "Geld spielt halt nicht Fußball - is's net so? Wann die am Platz alles vergeig'n, was kannst da noch mach'n?"

Aber den nahm sowieso keiner ernst, der hatte ja nie von nichts eine Ahnung.

Nachtrag vom 15./16. Juni 2010: Der steirische Fußballverband hat alle vier an obigen Vorgängen beteiligte Vereine bestraft, und die Spiele annulliert. Der Drittplatzierte, der SV Gaal, wurde zum Meister erklärt. So schrieb es der KURIER - wie immer mit Wissen aus geheimster Quelle gespeist, in dem der Welt recht gerne das Gesollte aufgenaselt wird, ich mein, eine Zeitung hat schon Verantwortung, und dieser muß sie sich gerecht machen - noch in der Abendausgabe. Und lieferte damit der Posse zweiten Akt.

DENN - die Kleine Zeitung berichtet in ihrer (späteren) Abendausgabe: Das stimmt nicht! Stattdessen war eine Vernehmung der Parteien durch Funktionäre des Steirischen Fußballbundes gerade im Gange, als die Nachricht hereinplatzte, der KURIER habe bereits den Ausgang des Verfahrens bekanntgegeben ... Daraufhin wurde die Einvernahme unterbrochen.

Noch ein Detail wurde bekannt. Wir bringen es, weil es dieses berühmte Anwehen von Schicksal spüren läßt: Ein Detail vom Spielverlauf in Sankt Lorenzen. Der SV Sankt Lorenzen hatte bis zur 88. Minute 19:1 geführt. Wer hätte da den Meisterpokal nicht schon in der Vitrine des Vereinsheimes gesehen? Da erlitt der Torwart des Gegners, des TUS Sankt Stephan, einen Hitzeschlag. Der Schiedsrichter ließ das Spiel für rund zehn Minuten unterbrechen, um den Bedauernswerten zu laben. 

Exakt in diesen zehn Minuten endete aber das Spiel des FC Knittelfeld, mit bekanntem Ergebnis: 21:0. Die Nachricht schlug bei Spielern und Funktionären von St. Lorenzen aber nicht nur wie eine Bombe ein ("Deis is g'schoum," waren sich alle einig, "na woun deis ned gschoum is?!"), sondern sie weckte offenbar schlummernde Energien. Denn als das Spiel nach erfolgter Labepause wieder aufgenommen wurde, bot der SV Sankt Lorenzen (mit den nun noch mehr fanatisierten Zuschauern im Rücken, Sie erinnern sich) noch einmal alle Kräfte auf. Und im Minutentakt wurden die zur Meisterschaft nun noch benötigten Tore geschossen. Und ein paar mehr. Damit niemand Schiebung vermuten könnte.

Sämtliche Funktionäre übrigens betonen, daß nicht geschoben worden - "Mia houm jou goa kaeinn Göuld, das ma schiam käinadn!" - sondern alles mit rechten Dingen zugegangen war. "Zweistellige Zu null-"Ergebnisse seien außerdem in dieser Liga durchaus üblich.



Die Kleine Zeitung schreibt am 16. Juni:
Die Stimmung in der Region ist unterdessen gekippt. Der Hauptsponsor des Sankt Lorenzen (!) hat dem Verein den Rücken gekehrt. Kinder von Funktionären wurden derart beschimpft, daß die Eltern sie nicht mehr in die Schule gehen ließen. Droh-E-Mails auf tiefstem Niveau langten bei den Klubs ein, ein Spieler wurde im Supermarkt sogar angespuckt.

Übrigens: Eine neue, geheime Hoffnung ist mittlerweile aufgekeimt, aber kaum jemand spricht noch darüber. Weil ja doch alle so vernünftig sind, werden in der Steiermark durch Gemeindezusammenlegungen viele viele Verwaltungskosten gespart, und wenn schon das nicht, wird die Verwaltung effizienter. Also so ungefähr. So ist zumindest das Konzept*. Aber damit Knittelfeld heißer Anwärter, als Zentrum einer neuen "Großstadt" mit seiner Umgebung zu verschmelzen. Aber dann, dann wird man wohl ganz gewiß Meister. 

In Zeitung und Fernsehen war man ja mittlerweile schon mal gekommen. Und in Blogs.



*Wir wissen mittlerweile, daß sich wie bei allen vernünftigen Ideen einer Zentralregierung weder das eine noch das andere erfüllt hat. Aber wo steht geschrieben, daß eine gute Idee keine gute Idee mehr ist, nur weil sie nicht funktioniert? Eben. In keinen Zeitungen. Und in keinem Blog. Fast.


*160610*

Sonntag, 13. Juni 2010

Neulich, in Knittelfeld (1)

Die Meisterschaft in der steirischen Fußball - Gebietsliga Mur (das ist die 7. Ligastufe) war gegen Schluß hin ein Kopf-an-Kopf-Rennen dreier scharfer Konkurrenten geworden, das sich erst in der letzten Runde entscheiden sollte. Der zu diesem Zeitpunkt die Tabelle anführende FC Gaal hatte als erster gespielt. Und erwartungsgemäß vorgelegt, weil mit einem glatten 4:0 seinen Pflichtsieg eingefahren. 

Alles andere als ein Sieg war für den zweiten Gegner Knittelfeld also von vornherein wertlos. Aber mit einem Sieg wäre der FC Gaal überholt. Das war möglich, daran zweifelte niemand.  

Wäre da nicht der Dritte im Bunde der Meisterschaftsanwärter, der Fußballclub von Sankt Lorenzen. Um den in der Schlußtabelle doch noch zu schlagen, das war Knittelfeld klar, war ein Sieg zu wenig, da mußte man sich noch um die Tordifferenz Sorgen machen. Denn würden auch die Lorenzener ihr Heimspiel gewinnen, würde - weil Punktegleichstand - die Tordifferenz entscheiden, und da war Lorenzen leicht im Vorteil.

Dennoch war da ein geheimes Hoffen, das in Knittelfeld die Runde machte. Daß es die heimischen Burschen, gedopt mit dem grünen Kernöl aus den Kürbisrieden des Ursteirischen, doch noch schaffen würden. Es mußte nur ein entsprechend hoher Sieg her. Einer mit deutlicher Tordifferenz. Dann war auch Lorenzen überwunden. Mit einem richtigen Sieg eben. Unvergessen der Sturl Binderreither, mit seinen sieben Toren, damals in den 1950ern, beim legendären 13:0 gegen den (mittlerweile den Geschichtsbüchern, mitsamt dem Sturl, Friede seiner Seele, übergebenen) SG Karnacker-Bärnsee.

Und der FC Promotool Formenbau Knittelfeld machte auch scheinbar wirklich alles klar. Was heißt klar: Überklar! Mit einem sauberen 21:0 (5:0) Sieg gegen TUS (Turn- und Sportverein) Schoder war der Meistertitel endlich wieder in die heimliche Metropole (was war denn schon Judenburg?! man schaue nur die neue ÖBB-Reparaturanlage an! DAS ist Dynamik! Originalton Bürgermeister Kurz, SPÖ) des oberen Murtals gewandert. 

Mit diesem historischen Sieg (Originalton Vizeobmann Weber) hatte man eine durchwachsene Saison schlußendlich doch noch zum Guten gewendet, den einen Konkurrenten Gaal auf Distanz gehalten, und dank der nun weit besseren Tordifferenz den nun noch verbliebenen Titelanwärter, den FC St. Lorenzen, im letzten Moment aus dem Rennen bugsiert, dessen waren sich alle nach dem Spiel sicher. Zu diesem Zeitpunkt hatte der FC Lorenzen zwar noch nicht seine Entscheidungspartie gespielt, aber selbst wenn der ebenfalls siegte, was ja zu erwarten war, denn er hatte ebenfalls ein Heimspiel: Die Tordifferenz machte alles für Knittelfeld klar. Diese Hürde war für den FC Lorenzen zu hoch. Davon waren alle Knittelfelder (und wir, werter Leser, Sie undich, wollen ihnen in dieserr Einschätzung durchaus folgen) nach dem überzeugenden Auftreten der eigenen Burschen  überzeugt.

Der Meistertitel würde also endlich auch die "neue Ära" krönen, die vor Jahren eingeläutet worden war, und der aber die Krone noch fehlte. Eine Notwendigkeit, wie es bei der seinerzeitigen Vorstellung des Generalsponsors, der sich auch im Namen präsentiert, und der über eine enge Kooperation mit der Bundesbahn groß und reich geworden war, geheißen hatte. Seit damals hatte es ein Ende mit dem Amateurtum, nun waren andere, professionelle Zeiten angebrochen, denn es sollte "aus der Tiefe und Breite des Landes" (Originalton Vizeobmann OSR Lechner), mit selbst herangezogenem Nachwuchs, das Feld von hinten aufgerollt, Knittelfeld binnen zehn Jahren zu einem Begriff im steirischen Fußball werden. Hier ist das Herz der wertvollen Steirerjugend, das sein Blut in alle Landesteile pumpen wird! (Originalton OSR Lechner in einer abendlichen Motivationsrunde im "Gasthof zum Schlumpigen Eck")

Aber es war halt bisher nie so gelaufen, wie sich das alle vorgestellt hatten. Schon das vierte Jahr befand man sich vor der Situation, daß die Hand bereits nach der Meisterschale ausgestreckt, diese aber im letzten Moment doch noch von jemandem weggeschnappt worden war. Es schien einfach kein Wegkommen aus der Gebietsliga, kein Aufstieg in die 1. Klasse, und von dort war es ja noch immer ein weiter Weg, bis ganz nach oben. 

Der Sponsor war längst ungeduldig. Auch wenn selbst ein Frank Stronach (der auch aus der Gegend stammt, man vergesse das nicht, und damit das Potential andeutete, das in hiesiger Manneszucht lag, und erst beim globalen Akteur, beim Milliardär und Rennstallbesitzer sein Ende hatte) eine Millionentruppe wie die Wiener Austria nicht zum Europacupsieg tragen hatte können. Aber zum Meistertitel hat es allemal gereicht! (Originalton Vizeobmann Weber) Geld spielt schon Fußball. Zumindest irgendwie (O-Ton wir)

Man mußte aber natürlich verstehen: Der Sponsor war eine Firma, ein Unternehmen, und das Geld das ein solchener in einen Sportverein investiert, das muß sich über Werbewert amortisieren, also: rechenmäßig (Originalton Kassier Zeisellehner), wie es in der letzten Vorstandssitzung geheißen hatte. Genau das tat es einfach nicht so richtig. Ohne Meistertitel. 

Erst Meister waren halt in den Schlagzeilen, Meistermannschaften zeigte man in Bildern. Und auf den dann sichtbaren Trikots waren sie dann eben, die Werbebotschaften. Außerdem prangten auf den Sportseiten ja nicht einfach nur Szenen, in denen etwa der Pepp über sein fünftes Saisontor jubelt, sondern der Geschäftsmann sieht die Dinge anders, sozusagen geschäftsmännischer. 

Denn wo der Leser meint, den Pepp zu sehen, weß der Geschäftsmann, daß er etwas anderes ebenfalls sieht, sozusagen unterbewußt mitschluckt. Wie der Karpfen, der ja auch meint, es ginge ums Maiskorn, das jemand ins Wasser geworfen hätte. Denkste. Das Wesentliche für den Geschäftsmann war der Hintergrund der Szene. Denn dort war die Spielfeldbande zu sehen, auf der die Botschaft stand. So einfach funktioniert das. Aber welche Zeitung druckt ein Bild von einem Verein, der sich kaum noch aus den Niederungen des Biertischkick der "Schwarzen Liga" erhoben hatte? Vom Fernsehen schon gar nicht zu reden.

Alle hatten sie genickt, wie das der der Kassier in der Vorstandssitzung einmal zusammengefaßt hatte, um allen den Ernst der Lage deutlich zu machen. Nicken allenthalten, und sehr besorgte Gesichter zeigten sich. Denn damit war sie im Fenster, die Rute, damit war klar, worum es ging: um den Ausstieg des Sponsors, und damit sicher auch dem Rückzug der Gemeinde. 

Die sich angeblich zwar wegen der Perspektiven (und der Jugendarbeit - "Oder sollen sich die Jungen auf der Straße rumtreiben? Sollen sie rauschgiftsüchtig werden?" - Originalton Vizevereinsobmeister Oberstudienrat Lechner) gar nicht lumpen hatte lassen. Aber irgendwie fühlten alle, daß das nicht so recht der entscheidende Grund war. Nicht für den Bürgermeister.

Damit drohte ein Rückfall in Steinzeit-Zeiten. In Zeugwarte, deren Ehefrauen die Dressen wuschen, die selbst den Kot von den Stollen klopften und den Boiler unterheizten, damit alle Spieler duschen konnten. Die aus eigenem Geld eine Flasche Lederöl spendierten, ehe sie sich in unüberwindlichem Enthusiasmus für die Sache an die Kasse setzten. Ein Fall in die Zeiten, wo Vizeobleute und Platzwarte jeden Zuschauer per Handschlag begrüßt hatten. Das wollte doch niemand?

Umso lauter rumpste der Stein von allen Vereinsherzen, denn nun war es ja auch erreicht. Mit diesem 21:0. Diese Zufriedenheit erfüllte sie alle, die sie da in der Post saßen, und ihr Meisterschafts-Gösser tranken. Burschen, sollt's leben!



2. Teil - am 16. Juni 2010: Das Unglaubliche passiert, und der Unglaublichkeiten mehr



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