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Samstag, 19. März 2022

Gedankensplitter (2005b)

UKRAINE als Schnittlauch auf jeder Suppe. Architektur, der Heilige Raum als Grammatik von Beziehungen. Die geraubte Zeit - Es geht nichts mehr ohne Ukraine. Wie auch, bei solchen Nachrichten? Die darauf abzielen, daß man darüber reden soll, und die klare Absicht haben, den Alltag der Menschen durch Furcht und Angst zu bestimmen. Bis in den nletzten Winkel wollen sie ienen aufscheuchen udn beherrschen.

Diesen Zweck soll die absurde Strafsumme erreichen, die in Österreich das Verbreiten von Feindpropaganda - und nur so kann das verstanden werden: Man sieht einen FEIND, MIT DEM MAN SICH IM KRIEG BEFINDET, denn das SIND Kriegsmaßnahmen - präventiv unterbinden sollen. Hinkünftig soll sich jeder dreimal fragen, ob das, was er macht, irgendwie "von" Rußland sein könnte, und "als" Propaganda verstanden werden könnte. 

Wobei - es geht ausdrücklich nur um die VERBREITUNG russischer Inhalte, also von allem, das AUS RUSZLAND STAMMT. Auf den möglichen Streit, was als Propaganda gesehen werden könnte und was nicht, läßt sich der Staat gar nicht erst ein. VERBREITUNG, heißt es.

Freitag, 18. März 2022

Gedankensplitter (2005a)

Eigentlich genau umgekehrt - Das Seltsame ist, daß das, was man "Traditionalismus" nennt, und das sich ganz besonders darauf beruft, daß es "die Tradition" aufgreife und weiterführe, die Tradition gewissermaßen "überspringt", und auf eine Art Vorgestern zurückgreift. Aber genau das verweigert, was Tradition ist, und was sie angeblich früher auch gewesen war. 
Der sogenannte Traditionalismus verweigert der eiugenen Elterngeneration die Übernahme DERER Tradition, um dabei nicht einmal auf die vorletzte Generation zurückzugreifen, sondern auf einen Fixpunkt irgendwann in der Vergangenheit. Man nennt das eigentlich nicht Traditionalismus, sonder Archäologismus.
Das Allerseltsamste aber ist, daß das gar nicht das Wesen der Tradition ist. Sondern es ist ganz exakt DAS PRINZIP DER REVOLUTION. Jede Revolution, und zwar wirklich jede, beruft sich auf einen Punkt in der Vergangenheit, den es nun angeblich wieder aufzugreifen gebe. WEIL die vorhandene Stufe nicht mehr im Strom der Tradition stehe, sondern diese FALSCH INTERPRETIERT habe.

Sonntag, 6. März 2022

Zwischen hier und anderswo (3)

Der Dompteur, in die Enge getrieben, wird den Bären, den er reitet, um sich schlagen lassen. Und dann nehmen alle Seiten Völker als Geiseln, um mit ihnen aufeinander einzuschlagen. - Aus der historischen Erfahrung heraus sind die Russen selbst äußerst regierungskritisch. Und was Putin - auch hier von so vielen völlig unterschätzt - mit der Corona-Maßnahmenrute über sie losgelassen hat, ist nicht ohne, und scheint denselben totalitären Zielen zu folgen, wie wir es bei uns ableiten müssen. Letzten Entwicklungen nach ist auch Rußland dabei, ein Apartheidssystem einzurichten. Das jeden, der die Impfung ablehnt, vom sozialen Leben ausschließt. Und das chinesische Modell des "social credit", der "sozialen Vertrauenswürdigkeit", hat auch nach Rußland bereits seine Fühler ausgestreckt.

Das heißt, daß Putin schneller unter Druck kommen könnte, als wir einrechnen. Woraufhin er die Zügel, mit denen er das Volk dirigiert, noch rascher noch straffer anziehen zu müssen meinen könnte.
Ich erzähle das, weil es außerdem bestätigt, was wir hier schon mehrmals gesagt haben: Auch Putin und seine Eliten und Oligarchen (im übrigen mit überraschend  starkem Israelbezug) muß man als Teil ein und desselben "New World Order"-Davos-Komplotts ansehen. 
Dem ein Krieg, der grenzenlos wird, durchaus in den Kram paßt.

Während ich an das Bild eines Vladimir Putin glaube, der wie ein Gott ein Land mit 20 Millionen km2, 140 Millionen Menschen unzähligen höheren, mittleren und unteren Verwaltungsebenen beherrscht. Wer je ein Unternehmen geführt hat, das einige Dienstnehmer hatte wird wissen, wie sehr das reale, sich dem anderen bietende Bild von Abwandlungen und Eigenmächtigkeiten geprägt ist. Also unterscheide ich in ein vorwiegend medial abgehandeltes Bild "Putin", und der Realität, in der er steht.

Samstag, 5. März 2022

Zwischen hier und anderswo (2)

 Lada. Kriegsideen für alle: ADAC, Vorfahrt, Legende - WEG
Alles Russische beschmutzt nun und wird entsäubert. Und eine Regierung wird von Fall zu Fall in die Enge getrieben. - 
Selbst die Körperertüchtigung, die Wärme anderer Art bringen könnte, muß offenbar neu bewertet werden. Weil selbst Sportlern und (wie so oft schon; wie leicht sind Künstler aber doch zu mißbrauchen, die immer in der Welt herumtorkeln wie ein Albatros, dem sein Element fehlt, in dem er den Himmel beherrscht, am Boden aber hilflos watschelt) noch mehr den Künstlern ein politisches Kampf-Bekenntnis abverlangt wird, das ihre Zuordnung ermöglicht. Russiqué wird sofort entfernt. 

So wurde nun auch der künstlerische Leiter und Dirigent der Münchner Philharmoniker Valery Gergiev von einen Tag auf den anderen vor die Tür gesetzt. Grund? Er habe eine "Nähe zu Putin". Als man ihn per Brief aufforderte, so der Vorstandsdirektor, eine Erklärung zu verfassen, in der er sich von Rußland distanziere, habe er nicht reagiert. Also wurde auch hier energievoll gehandelt.

Freitag, 4. März 2022

Zwischen hier und anderswo (1)

Es berührt höchst merkwürdig, dem derzeit unsere Länder überschwemmenden Purifikationswahn zuzuschauen, wie er den ganzen Westen erfaßt zu haben scheint. Was immer mit Rußland zu tun hat wird eliminiert, wenn es sich NICHT in einen totalen Rußlandhaß einfindet. Mittlerweile heizt sogar, wer mit russischem Gas heizt, "mit dem Tod", geht man von manchen Zeitugen aus. (Vorschlag, wie wäre es, mit diesen zu heizen? Steht nicht noch ein Kanonenofen im Gartenhaus?) 

Gottseidank haben wir ja amerikanisches Frackinggas. Tiefgefroren und zu Würferl komprimiert, wird es uns aus diesem unlösbaren moralischen Dilemma befreien. Denn auf die warmen Winter der Klimakatastrophe warten wir ja immer noch vergeblich. Dabei könnten wir sie gut gebrauchen.

Die Meldungen, die auf uns einstürmen, kaum öffnen wir morgends die Augen, sind so zahlreich und überschlagen sich in so wechselseitig vorantreibender Dynamik, daß ich nur willkürlich einiges herausgreifen kann. Aber es "lohnt", die Angel auszuwerfen und einzurollen, weil die Fänge viel erzählen. Ein wenig habe ich den Eindruck, daß sich nun ein Wahn entfesselt, der sich von Corona her noch einmal gesteigert hat, und härter, brutaler geworden ist. 

Dienstag, 9. März 2021

Österreich und die Vereinigten Staaten von Nord-America - Zwei Antipoden

"Nach des Verfassers Überzeugung muß man sich gegen das, was man als das Böse erkannt hat, bestimmt erklären, und kann er die Toleranz in diesem Falle nicht nur keineswegs rechtfertigen, sondern muß sie mindestens als Schwäche tadeln. Von dem Europäischen Standpuncte aus aber erscheint das in Nord-America vorherrschende Bestreben als entschieden feindselig, als in einem schneidenden Widersprüch gegen alles Dasjenige, worauf unsere ganze Civilisation beruhet. 
Die in Nord-America herrschende Tendenz ist in einem bestimmten Kampfe mit unserer Religion, mit unsern monarchisch-aristrocratischen Interesse und Gesinnungen, und eben daher kann der Verfasser alles dasjenige, was auf dieser transatlantischen Basis beruhet nicht anders als verderblich nennen. 
Eine sehr falsche Folgerung aus diesem offenen Geständnisse würde es seyn, wenn man darin einen Haß gegen Nord-America als solches suchen wollte. 
Die Vertheidiger der herrschenden Europäischen Politik sind zufrieden, wenn unser Welttheil von dem nicht heimgesucht wird, was America angehört. 
So lange es jenseits des Oceans bleibt, wollen wir es nur als fremd betrachten; aber bekämpfen müssen wir es, wenn es sich in Europa eindrängt, wenn es feindlich und stöhrend gegen unsere ersten und theuersten Interessen auftritt. Niemand würde es, (um den bekanntesten Repräsentanten der in den Nordamericanischen Freistaaten herrschenden Principien statt aller andern anzuführen), dem General Lafayette verargen, wenn er dort ein neues Vaterland gesucht, wenn er Frankreich, wenn er Europa entsagt hätte, um jenseits des Oceans einen politischen Zustand zu finden, den hier zu erschaffen er sich vergebens bemüht hat. 
Aber er, und mit ihm alle diejenigen, welche in Frankreich, in Spanien und überhaupt im westlichen Europa mit dem Namen der Liberalen bezeichnet werden, und die alle mehr oder weniger der herrschenden Europäischen Politik entgegenstehen, werden mit Recht als die Feinde der Religion, des Staates und der gesellschaftlichen Ordnung betrachtet; sie werden mit Recht als solche angeklagt, verfolgt und bestraft, da sie seit dreißig Jahren bemüht sind, alle religiös-politischen Institutionen, auf denen die Europäische Civilisation beruhet, zu vernichten, und uns einer allgemeinen Gesetzlosigkeit, den Folgen der Aufhebung jeder Autorität preis zu geben. 
Mit wie viel Bestimmtheit, mit wie viel Strenge gegen diese verderblichen Bestrebungen verfahren werden solle, muß natürlich der Weisheit der Regierungen überlassen bleiben, und mag die Klugheit es anrathen, in der Praxis hier mit mehrerer, dort mit minderer Mäßigung zu verfahren. 
Aber von Mäßigung kann nur in der Anwendung die Rede seyn. Das Princip kennt diese Schranke nicht, und kann nie mit zu großer Strenge aufrecht erhalten werden."

Aus dem Vorwort des Buches von Johann Georg Hülsemann, "Geschichte der Democratie in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika", Göttingen 1823. 

Hülsemann, in den 1830ern österreichischer Botschaftssekretär und später Botschafter in Washington, geht darin auf die im Rahmen ausgedehnter Reisen und Aufenthalte in Nord-America gewonnenen Eindrücke ein. Und kommt zu dem Schlusse, daß dieses Land mit Europa und im besonderen mit Österreich in einem antipodenhaften Gegensatz stehen. Es heißt zwar nicht, daß in einzelnen Punkten zwischen Liberalen (und Nord-America ist in seiner Grundidee ein liberales Land) und Conservativen - als die, die ein Continuum im Menschen vom Anfange an suchen und bewahren - nicht Übereinstimmung herrschen könne. 

Das heißt aber auf jeden Fall, daß sich beide Civilisationen nur in principieller Feindschaft gegenüberstehend betrachtet werden können. Die sich nur deshalb nicht im Kriege äußern, weil ein Ocean dazwischen liegt, und die politischen Interessen beider Länder sich nicht berühren. Sobald das aber nicht mehr so sein sollte bleibt ein Krieg unausweichlich. So, wie es dann im Ersten Weltkriege erstmals, in einem folgerichtigen Continuum aber endgültig im Zweyten geschehen ist. Dem eine Colonialisierung Europas folgte.

Dies vor Augen darf die Frage erlaubt sein, welcher Haltung sich Hülsemann in diesen Tagen befleißigen würde. Wo sich der thätige, ja aggressive Einfluß Nord-Americas über die ganze Erde erstreckt. 

Um sich die Konsequenzen daraus vorzustellen genügt es, seine obigen Worte genauer zu lesen. Ganz klar nämlich hat Hülsemann erkannt, und er war beyleibe nicht der einzige Denker, der zu diesem Urtheile kam, in welch unvereinbarem, ja feindlichem Gegensatze die americanische Lebensweise und Weltanschauung mit der abendländischen, also europäischen Cultur (Civilisation) steht. 

Europa und Nord-America können deshalb niemals nebeneinander bestehen, es sey denn, sie hätten keinerlei Interessensconflict und civilisatorische Berührung. Österreich und die Vereinigten Staaten von America sind Antipoden in dem Sinn, als sich die Grundlagen von Lebensweyse, Religion und Civilisation unvereinbar und als Gegentheyle gegenüberstehen. 

Wo aber Europa auf einen gewissermaßen mit dem americanischen Liberalismus "vereinbaren" - was in ganz ausgesuchten Theylbereichen (man denke an das gemeynsame Vorgehen gegen China im sogenannten Boxerkriege) aber aus diplomatischen Gründen sogar noch möglich wäre - oder gar "vereinten" Weg einschwenkt, steht es somit im Gegensatz zu sich selbst, und wird der Vernichtung anheimfallen, wird zur Colonie des Landes jenseits des Atlantik werden. 

Damit fiel Europa unter den Herrschaftsstab einer Ideologie eines universalistischen "Americanismus", die Pius XI. 1928 noch als schwer häretisch und anti-civilisatorisch verurteilt hatte, als sie sich in ihren treibenden Kräften aber bereits in Europa auszubreiten begonnen hatte, und 1933 namentlich in Deutschland ebenfalls an die Herrschaft kam. Wo sie sich lediglich anders benannte - als Nationaler Sozialismus.


*070321*

Montag, 4. November 2019

Unsere Feinde sind die Christen und die Muslime

Dieser Mann ist in Israel äußerst populär. Man kann ihn wohl dem ultra-orthodoxen Flügel des Judentums zurechnen, und seine zahlreichen Videovorträge, die man im Netz abrufen kann, werden von Zehntausenden gesehen. Es ist der Rabbi Zamir Cohen. Der mit seinen Auslegungen der Torah, also des Alten Testaments nach christlichem Verständnis, einen Einblick gibt, wie Juden die Welt sehen, oder zu sehen haben. Gewiß, viele Rabbis werden ihm widersprechen, denn eine einheitliche Auslegung der Torah gibt es nicht, weil es kein institutionalisiertes, hierarchisches Lehramt gibt, wie es die katholische Kirche in der episkopalen Struktur, mit dem Papst an der Spitze, hat.

Der VdZ möchte nur auf ein paar Punkte eingehen, der Vortrag ist zu lang und umfassend, als daß man auf alles reagieren könnte. Vielleicht genügt es zu sehen, wie wörtlich die Juden die Heilige Schrift auslegen. Nicht nur wörtlich, sondern sie gehen von der strikten Geschichtlichkeit aus. Die uns Katholiken in gewisser Hinsicht auch guttun würde, das nur nebenbei. Wir haben uns zu sehr die Unart angewöhnt, das Alte Testament nur noch symbolisch oder metaphorisch zu sehen, ein schwerer, ein sehr schwerer Fehler.

Cohen - das bleibt zu Beginn mal das Interessanteste - erklärt, daß keine Prophezeiung der Schrift, keine Vorhersage Gottes unabänderlich so kommen muß, wie sie da steht. Das Beispiel des Propheten Jona zeigt, daß Gott eine angekündigte Drohung auch zurücknimmt. Vorausgesetzt, das Volk (der Nicht-Juden) bekehrt sich. Deshalb hängt das Kommen einer Apokalypse auch (sic!) von den Nicht-Juden ab.

Wenn diese bereit sind, die 256 positiven, und die 365 negativen Ge-/Verbote zu beachten, dann ist es gerettet, dann wird die Apokalypse, die Schlacht bei Armageddon, die Schlacht von Gog und Magog, nicht stattfinden.

Aber wenn man das Beispiel der Ägypter hernimmt muß auch klar sein, daß Gott zwar die Vernichtung der Ägypter nicht direkt wollte - alle Menschen sind nach seinem Abbild geschaffen, er will alle, jeden einzelnen - aber daß er ihren Tod in Kauf nahm, weil es die Selbstverteidigung der Juden als sein auserwähltes, bevorzugtes Volk so verlangte.

Eines muß trotz allem aber klar sein: Die wirklichen Feinde des Judentums sind die Christen und die Muslime. Sie werden kommen, und Jerusalem an sich reißen wollen. Die letzte Schlacht, Armageddon, wird zwischen Juden und diesen beiden Religionen stattfinden. Sie sind Gog und Magog. Nur wenn diese sich zum Judentum, zu den Geboten und Verboten der Torah bekehren, kann diese letzte Schlacht ausbleiben. Die ansonsten auf Punkt und Beistrich - sagt Rabbi Cohen - anzunehmen und zu befolgen sind. Gott wird alle Völker (Gog und Magog; die asiatischen Völker sind damit nicht gemeint) um Jerusalem sammeln, aber er wird den Becher Jerusalem für seine Feinde mit Gift füllen. Das sagt Rabbi Cohen.

Aber der Abfall der Juden in Israel selbst, der Abfall von den Gesetzen der Torah, ist eines der sichersten Zeichen, daß die Endzeit nahe ist. Und zwar nur, weil die Herrschaft der Juden über Jerusalem, über das versprochene Land, die dazu nötige Bedingung ist. Israel wendet sich heute gegen die Torah. Auch das ist ein Vorzeichen. Aber dann, nach Armageddon, wird die Zeit des Messias anbrechen. Das ist der Sinn der gesamten Geschichte. Sie soll nur an diesen Punkt kommen. (Man stelle sich nun also vor, was wäre, wenn der Messias in Jesus Christus tatsächlich schon vor 2000 Jahren gekommen wäre ... .) 

Die Kulmination der Geschichte in Armageddon ist aber der eigentliche Sinn der Geschichte. Weil danach das messianische Zeitalter ausbrechen wird. Und Armageddon ist notwendig, weil man sonst, ohne Zeichen, die Herabkunft des Messias nicht bemerken würde. Dazu braucht es deutliche Zeichen. Und es war immer Aufgabe Israels (also der Juden), die Zeichen der Geschichte in dieser Hinsicht zu deuten.

Nach dem Hören dieses Vortrags ist der VdZ nicht mehr sicher, ob nicht das, als das sich das Judentum heute präsentiert, eine Psychopathologie ist. Denn was ist es für eine Haltung, die davon ausgeht, daß es überhaupt möglich sei, auf "die Zeichen der Geschichte" zu achten, um zu erkennen, wie weit es noch zu Armageddon und dem Messias ist, ohne zu meinen, daß man selbst an dieser Geschichte seinen Anteil hat, sodaß sie sich grundsätzlich in ihrem Gewand ändern könnte? Steht man damit nicht auf seltsame Weise "außerhalb der Zeit", ja außerhalb der Geschichte? Der man sich nur als Richter und Beurteiler gegenübersieht, als wäre sie nur von den anderen bewegt?

Das ist aus katholischer Sicht heidnisch, ganz einfach. Heidnisch. So betrachtet kein Katholik die Geschichte. Denn er glaubt nicht, daß der Mensch die Geschichte irgendwie aus der Hand Gottes, der mit der Welt eine Maschine geschaffen hat, die wie ein Uhrwerk abläuft (freilich, da und dort kann man noch was ändern), und man muß nur zuschauen. Der Katholik glaubt vielmehr, daß die Ereignisse der Geschichte direkt mit seinem Verhalten zu tun haben. Daß also die Geschichte die Kontur eines Dialogs mit Gott ist, der auf menschliches Verhalten reagiert. Nur weil der Mensch in sich eine tödliche Neigung zur Sünde hat, ist ein Ende der Geschichte, eine Apokalypse, wie in der Offenbarung des Johannes angekündigt, tatsächlich absehbar. Und sie war es schon für die alttestamentarischen Propheten, ob Zacharias oder Daniel oder Jesaja. Aber wann das passiert ist niemandem bekannt, nicht einmal Jesus war sie bekannt.

Noch etwas wird bei diesem Video klar. Die Juden machen alles vom Verhalten abhängig. Auch das ist ein fundamentaler Unterschied zum Katholischen. Denn das Katholische ist eine Seins-Religion. Das heißt, daß alles vom Sein abhängt, nicht vom (äußeren) Verhalten. Wenn es heißt, daß man den Menschen an "seinen Früchten" erkennen wird, so heißt das nicht, daß damit "gutes Verhalten" (also eine Form von Gutmenschentum) ist! Agere sequitur esse, gewiß. Das Handeln folgt dem Sein. Aber die Realität menschlicher Existenz ist viel komplexer. Und Gott will nicht Menschen, die sich wohlverhalten. Er sieht die Menschen nicht einmal! Er sieht nur den Erlöser, Jesus Christus, und in ihm die, die ihm zugehören. Das ist das Wesen der Eucharistie, des vielleicht apokalyptischen Moments, den jeder Katholik erfahren kann.

Dem Katholiken ist klar, daß der sündige Mensch immer ein Problem für Gottes Geduld ist. Ihm ist klar, da der Moment des Endes, der Wiederkunft Christi als Weltenrichter, jeden Augenblick stattfinden kann, wie das Beispiel der fünf und fünf Jungfrauen zeigt. Der Bräutigam kann jederzeit kommen. Aber die fünf säumigen Jungfrauen haben eben ... auf Zeichen gesetzt. Die anderen auf geistige Wirklichkeiten. Die Juden wirken wie die fünf Jungfrauen, die erst Öl kaufen, wenn ihnen jemand sagt, daß es heute Nacht sein könnte, daß sie das Öl brauchen. Der Katholik ist der, der jederzeit mit dem Ende rechnet. Deshalb hält er jederzeit seine Lampe gefüllt. Was den Heiden fehlt, was den Juden damit fehlt, ist, daß sie die nie sichtbare Wirklichkeit sehen. Das kann eben nur der Christ, als der Mensch "bonae voluntatis", als der Mensch guten Willens. "Meister, was braucht es?" "Ein gutes Herz. Liebe Gott liebe Deinen Nächsten. Darin sind alle Gebote enthalten."

Sowohl die Kaballah wie der Talmud, das Auslegungskompendium der Juden, alle sonstigen Schriften eingeschlossen, wirken wie die Versuche, etwas extrem wortreich zurechtzubiegen, das durch eine Grundentscheidung nicht zurechtzubiegen IST. Also muß man viel Denken umgehen, es wäre zu verräterisch. Die Ablehnung von Jesus Christus, den fleischgewordenen Sohn Gottes, hat auch das jüdische Denken kastriert und zu einer in sich drehenden Maschinerie gemacht. Die von einer Grundmotivation begleitet ist, die leider viel zu oft erkennbar ist: Haß. Und Angst.

Oh ja, es wird einem viel klar, wenn man diesen Vortrag (oder andere von Rabbi Zamir Cohen) hört (bzw. in den Untertiteln mitliest.)








Freitag, 18. Oktober 2019

Beim Töten einer Fliege

Der Giftspray, der immer unter dem Schreibtisch wartet, denn die Fenster, vor denen er steht, sind den meisten Teil des Jahres über offen, alles mögliche Getier kommt dann herein, nicht alles ist willkommen, tut seine Wirkung. Die Fliege verliert sichtlich an Vitalität, wird langsamer, behäbiger, längst wäre es leicht möglich, sie zu erschlagen, ihre Reaktionsfähigkeit ist deutlich verlangsamt, die Hand schnell genug. 

Sie setzt sich auf die Lampe und putzt ihre Beine. Sie putzt ihre Beine! Sie will offensichtlich etwas los werden, das ihr anhaftet. Soweit spürt sie es noch.

Wo die Gefahr nicht konkret erkannt wird, wird die Reaktion zum bloßen, ungerichteten Archetyp. Beine putzen. Die Gefahr sitzt am Rumpf, wo über die Trichinen das Gift eindringt und auf ihre Nerven wirkt, bis sie tot ist. Sie weiß aber nur (weil spürt), daß etwas da außen ist, das ihr Leben bedroht. Aber sie weiß nicht was.

***

Wo der Mensch die Wahrheit nicht erkennt, wo er an ihr nicht teilhat, bleibt er verhaftet an die ziel- und richtungslosen, amorphen Archetypen der Welt. Damit wird sein Denken, Reden, Handeln aber irrelevant, weil es keinen Weg zur Welthaftigkeit findet. Also muß er Welthaftigkeit erfinden weil behaupten, sonst fiele er in Verzweiflung.




Freitag, 29. März 2019

Die kanalisierte Unzufriedenheit (2)

Teil 2)



Ein gelungenes Leben wird sich erst wieder möglich machen, wenn die realen Fundamente, die Selbstverständlichkeiten, auf denen der allgemeine Geist auch heute ruht, ausgegraben, hinterfragt und allenfalls neu gesetzt und ersetzt werden. Und dazu muß man viel ändern, was aufs erste auch Mühe und Schmerz verlangt. Denn ein gutes Leben muß errungen werden, einmal und immer wieder, das gibt es nicht einfach frei Haus geliefert. Die Lebensweise, in die jeder automatisch gerät und die als richtig und zeitgemäß angesehen wird, sie ist es nämlich, die zu lauter chaotischen Zuständen führt, in denen dann jeder aufwacht. Und aus denen er kaum noch herauskommt, weil so viele falsche Entscheidungen seiner Vergangenheit ihn mit Bürgen belasten, die kaum zu tragen sind. Und die Mühe und den Schmerz vervielfachen, die ein besseres, richtigeres Leben nun kostet. 

Wobei wir an einem ganz gefährlichen Punkt angelangt sind. Denn das allgemein festzustellende, auch mit Autorität verankerte Denken vermag mit den Kategorien, die es formen, mit seiner inneren Grammatik (die zu guten Teilen aus der Lebensweise erfließen), die wirklichen Probleme nicht zu durchdringen. Das macht die Menschen regelrecht wehrlos und ausgeliefert. Sodaß das heutige Leben immer mehr einem nicht enden wollenden Trauma gleicht. 

Dem versucht eine ganze Industrie zu begegnen. indem sie angebliche Lösungen vorstellt. Das ist derzeit sehr stark bei Hollywood-Produktionen, aber generell in Produkten der Unterhaltungsindustrie und sogar des Kunstbetriebes festzustellen. In einer Mischung aus Umkehrung der natürlichen Haltung zu Schmutz und Niedrigkeit - als "aber dafür herzlich" - oder in vorgegaukelten, also gelogenen Scheinlösungen wie "gelingende, glücklich machende Patchwork-Familien". Dabei sind es vergiftete Köder, die hier ausgelegt werden. 

Denn in diesen Scheinlösungen, die jeden träumen lassen, daß er so falsch wie bisher weiterleben, aber die Ruinen, die sein Leben darstellen, dennoch zu einem geglückten Leben zusammenfügen kann. Das führt zu einer neuen Belastung, denn fortan liegt das Gelingen zum einen am eigenen falschen, ungenügenden Bemühen (so, wie die Unzahl von "Erfolgs-" oder "Selbstoptimierungsmethoden" nur die Erhöhung des inneren Erfolgsdrucks bewirken), zum anderen an einer noch weitergehenden Zerstörung der wahren Fundamente. Damit senken wir nur die Schwelle zur Verletzlichkeit der eigenen Lebensentwürfe.








*230119*

Donnerstag, 28. März 2019

Die kanalisierte Unzufriedenheit (1)

Sehr zutreffend spricht in diesem Interview-Gespräch E. Michael Jones den Punkt an, daß es heute perfekt gelingt, die allgemeine Unzufriedenheit mit dem (jeweils eigenen) Leben in ein scheinbares, vorgegaukeltes, sogenanntes gesellschaftliches Anliegen zu kanalisieren. Denn der heutige Mensch weiß nicht, warum sein Leben nicht gelingt. Er macht doch alles so, wie es ihm gesagt worden ist? Aber sieh da - die allgemeinen Rezepte greifen nicht. Er wird nicht frei, wie ihm versprochen wird, seine innersten Bedürfnisse nach zwischenmenschlicher Erfüllung, Gemeinschaft, stabilem Leben, gelungener beruflicher Tätigkeit, gelungener Familie, nichts davon gelingt. Dabei ist doch eine ganze Industrie damit beschäftigt zu erklären, daß alle die Wege, die vorgestellt werden, gelingen und richtig sind. 

Also muß es andere Schuldige geben.

Das ist das ganze Geheimnis, das hinter Erscheinungen wie "Antifa", "Gendergerechtigkeit" etc. etc., das aber auch hinter der Gewalt gegen die AfD steht. Die gar nicht in ihren Aussagen interessiert, sondern deren (nie ausreichend definierbarer) "Geist dahinter" man jederzeit und überall als Zielscheibe anwenden kann. Man springt auf einen Zug auf, der die Unlust am eigenen Leben formiert und mit einem Feind versorgt. Was immer in Verdacht gerät, die eigene Lebensweise, die eigene mentale Landschaft, die Meinungen, die Weltsichten zu hinterfragen, wird zum fanatisch verfolgten Feind. Jede fundamentale Opposition, die die Gewißheiten hinterfrägt, die heute von den Kindergärten aufwärts den Menschen eingehämmert werden, ist nun der Schuldige, der verhindert, daß das eigene Leben gelingen kann. 

Das muß man - leider - auch auf die Frage der Massenmigration anwenden, so sehr dahinter ein berechtigtes Anliegen und schweres Politversagen steht. Was die Befassung mit dieser Frage noch subtiler macht. Aber auch "Rechte" sind sehr oft nicht bereit, die fundamentale Arbeit zu leisten, die erst ein Leben gelingen läßt. Der VdZ kennt so gut wie keinen "Rechten", der nicht zumindest die eine oder andere falsche Grundlage retten und fortführen will. Zu sehr würde schmerzen, auch diese Positionen in den Wind zu hängen. Wobei sich dieses Gelingen nicht an äußerem Erfolg o.ä. ablesen läßt, sondern das betrifft, was wirklich Leben ausmacht. Und das ist die alltägliche Hinspannung auf die Selbstüberschreitung.

Viel zu sehr bleibt alles aber heute auf der Ebene von Pseudologie, von "Meinungsstreit", und greift nicht in die wirklichen, physischen Ebenen, die Ebenen des Fleisches. Erst daraus würden dann auch politisch formulierbare, effiziente Ziele entstehen, die auf das zweite Bein jedes Menschen - seine reale Kultur, die Kreise seines gesellschaftlichen Lebens - abzielen und es wieder stärken. Und das setzt in unmittelbarer Nähe an, im vermeintlich "Kleinen", und dabei in erster Linie an der Ordnung des Zueinanders der Geschlechter in der Ehe. Erst wenn man begreift, daß die Ehelichkeit die Grundarchetype des Verhältnisses aller Dinge zueinander, und insbesonders des Menschen zur Welt ist, kann überhaupt etwas gesunden. Davor weicht man aber zurück.

Wieviel könnten wir richten, auch an unserem Leben, wenn wir es im täglichen Umgang richten. Auch wenn es nicht immer leicht sein wird. Aber so erhält die Politik nie eine Rückmeldung, die ihr zeigt, daß es so nicht weitergeht. Sie erhält nicht einmal Rückmeldung, was an ihren "großen Ideen" schiefläuft. Stattdessen spielt sich immer mehr nur noch im Meinungsstreit ab, der für die allermeisten Fälle einem heiteren Rätselraten gleicht. Denn wie wenig wissen wir wirklich von dem, worüber wir aber angeblich eine Meinung haben. Dabei müßten wir dort ansetzen, wo sich das formt, das uns wissen läßt, daß wir etwas wissen - in einer ständigen Prüfung auf Sittlichkeit, die in jedem realen Kontakt mit der Welt enthalten ist (als das, was uns wie den Fisch das Wasser umgibt), nicht auf "richtige Meinung".

Zwischen dem Aufkommen der vielen "großen Meinungen" und dem Zerfall der simpelsten zwischenmenschlichen Selbstverständlichkeiten, der Freundlichkeit, des wohlwollenden Umgangs, der Offenheit im Hören, der Bereitschaft richtig und sogar eigenverantwortlich am anderen zu handeln, und zwar jetzt und hier, auch manches am anderen zu ertragen, bestehen direkte, aber umgekehrt proportionale Beziehungen. Ist es nicht auch das, worunter wir am meisten, wenn nicht das, worunter wir überhaupt erst leiden? Holen wir uns doch dieses unmittelbare Leben wieder zurück, anders wird nichts besser.


Morgen Teil 2)




*230119*

Montag, 19. März 2018

Bis der Dampfkessel platzt

Was es an diesem Video auszusetzen gibt? Das werden wir gleich hören. Denn es handelt sich um das offizielle Bewerbungsfilmchen der ungarischen Stadt Székesfehérvár als eine der EU-Kulturhauptstädte im Jahre 2023. Aber es war der Grund, warum Székesfehérvár NICHT berücksichtigt werden wird. Denn in dem Film zeige sich, schreibt Russia Today, zu viel "weiße Fröhlichkeit", zeigen sich zu viele Kirchen und Kreuze, und zu wenig Migranten und Notleidende. So sei es dem Bürgermeister mitgeteilt worden.











*260218*

Mittwoch, 18. Februar 2015

Die Geister die ich rief

Es ist zwar noch kein Argument, aber es illustriert die Dimension: Um die gigantischen Summen, die die USA in den Anti-Terror-Kampf fließen läßt, rein finanziell zu rechtfertigen, müßten die Geheim- und Abwehrdienste jährlich 1667 (täglich vier) Terroranschläge vereiteln. Schier unbegrenzte Mittel stehen zur Verfügung, werden laufend weiter ausgebaut, und haben einen militärischen Untergrundkomplex entstehen lassen, dessen größtes Problem ist, daß er weitgehend an private Unternehmen ausgelagert ist, schreibt James Risen in Pay Any Price. Damit wird jeder Standard der Kriegsführung unkontrollierbar, und gar nicht unerwünscht. Denn selbst die Folter konnte auf diese Weise ausgelagert werden.

Als Privatgeschäft ist aber nunmehr eine Eigendynamik am Werk, die dafür sorgt, daß dieser Krieg gegen den Terror gar nicht mehr enden wird, weil mächtige Interessen dagegen sprechen. Ja die Frage, ob dieser Krieg irgendwann auch zu Ende sein könnte oder sollte, stellt sich nicht. Dieser Krieg hat nämlich kein Ende "aus sich heraus", so wie man eine feindliche Armee in der Schlacht schlägt und damit ein Kriegsziel, die Wehrlosigkeit des Feindes, für alle erkennbar erreicht. Zu viele haben zu viel zu verlieren, sollte ein Friedenszustand erreicht sein. Zu eng ist bereits die Verknüpfung von Politikern und Kriegskonzernen, die Abermilliardengeschäfte mit der Terrorangst machen.

Ein perpetuiertes, ständig weiter ausgebautes Bedrohungsbild, das der Politik zugleich die Rechtfertigung gibt, die Rechte der Bürger - weltweit - in einem nie gesehenen Ausmaß einzuschränken. Jeder steht unter Generalverdacht, und niemand kann sich schützen. James Risen spricht von einem regelrechten Krieg gegen die Normalität.

Wo man aber vorsichtig sein muß ist, die Diskussion auf eine "Demokratie-Diskussion" verkürzen zu wollen. Mit Demokratie, mit einer Staatsform hat die Würde des Menschen einmal noch gar nichts zu tun. Denn diese Würde als Mensch ist nicht das Ergebnis einer Mehrheitsabstimmung, sie ist überhaupt nicht disponibel, sondern absolut. Genaus so wenig, wie Demokratie an sich (schon gar bei dieser Begriffsverschwommenheit, die heute herrscht) ein Qualitätsausweis für menschliche Würde ist. Das, was man als "Menschenrecht" bezeichnet, hat nur Sinn, wenn es in der Abbildhaftigkeit zu Gott gründet. Nur dort ist ein Menschenrecht verankerbar, will man diesen Begriff mit Sinn erfüllen, und ihn nicht der Stimmungsrelativität einer Gesellschaft unterworfen sehen.

Diese Situation ist durch Rückblicke weiter zu erhellen. Weil historisch fast durchweg bei allen Völkern vorfindbar, dem Nichtmitglied der eigenen Gemeinschaft das Menschsein* abgesprochen wurde, und damit jedes Mittel erlaubt ist**. Nur daß es hier eigentlich schon jeden, auch die Amerikaner, betrifft. Der Staat anerkennt also nicht einmal mehr sein eigenes Staatsvolk, sondern hat es präventiv zum Feind erklärt. Das kratzt sogar an den Fundamenten eines Staates, der nur aus einer Gemeinschaft eines sich zum Staat findenden, also eines Sinnes seienden Volkes (sonst kann es etwa keine Gerechtigkeit geben, die alle so empfinden) leben kann, sonst verfällt er, egal in welcher Staatsform. Was umgekehrt nicht immer heißen muß, daß in einer Abstimmung alle, oder eine Mehrheit, für das sie Tragende Gemeinsame stimmen muß. Das Ausmaß jener, die sich etwa mit einer solchen Verletzung der Menschenwürde, wie sie die USA laufend betreibt, abfinden, ja sie sogar fordern, selbst wenn es sie einbegreift, ist ja erschreckend.

Krieg korrumpert - grenzenloser, nicht endender Krieg korrumpiert grenzenlos und ohne Ende, zieht der Autor das Fazit in seiner Untersuchung. Er lädt die Politik dazu ein, sämtliche Grenzen zu überschreiten, und die tut das auch.




*In sehr vielen Sprachen heißt das Wort für die eigene Nationalität (z. B. "magyar") schlicht "Mensch", oder ist so zu verstehen. Recht, voller Rechtsschutz beginnt selbst heute erst dort, wo jemand dieser Nation (mit Bürgerrecht) zugehört.

**So war in Europa bis zum Ausgang des Mittelalters bestimmte Waffenentechnik (v. a. wo sie anonym, rein zweckorientiert auf das Ausschalten des Gegners mir allen Mitteln ausgerichtet war, wie bei der Armbrust) nur zum Einsatz gegen (asiatische) Heideninvasionen erlaubt, die außerhalb des christlichen Wertecodex des Abendlandes standen. Die Situation der Sklaven seit je, aber auch die ursprüngliche Stellung der Indianer nach der Entdeckung Amerikas, als Beispiel, ist in dieser Sichtweise begründet, die sich erst auf Betreiben der Kirche wenigstens partiell änderte.



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Donnerstag, 16. Oktober 2014

Als der Krieg noch ehrenhaft geführt wurde

Pizzighettone; Brücke über die Adda
Carlo Goldoni berichtet aus eigenem Erleben von einem Waffenstillstand während der Belagerung von Pizzighettone 1733, wo Franzosen und Sardinier die eingeschlossenen kaiserlichen Truppen bekämpften (und die lombardische Stadt schließlich einnahmen):

"Alsbald wird eine Brücke über die Bresche geworfen, die eine Verbindung zwischen Belagerten und Belagerern herstellte. Überall wurden Tafeln gedeckt und Offiziere bewirteten einander abwechselnd, draußen und drinnen, unter Zelten oder Bäumen, überall gab es Bälle, Unterhaltung und Konzerte. Die Bevölkerung der Umgebung traf ein, zu Fuß, zu Pferde und in Kutschen, aus allen Richtungen trafen Lebensmittel ein, Überfluß wurde sehr bald sichtbar ... Es waren fröhliche Stunden, eine reizende Begegnung."




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Montag, 28. Juli 2014

Jeder Krieg ist gerecht

Wie gefährlich und wie unzureichend es sein kann, vergangene Ereignisse unter gegenwärtigem Meinungs- und Stimmungshorizont zu beurteilen, zeigt sich nicht zuletzt in den Debatten über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Gerade die Fragen nach Schuldigen geht von Parametern aus, die keineswegs absolut (und in den meisten Fällen auch nicht gut, bestenfalls utopisch) sind - und Europa und das Rechtsgefühl der Menschen damals überhaupt nicht bestimmt haben.

Denn man ging selbstverständlich davon aus, daß es keinen "ungerechten Krieg" gäbe. Im Gegenteil, war jeder Krieg gerecht, und zwar a priori. Eine Unterscheidung in "Angriffskrieg" oder die Verurteilung eines Aggressors ist gleichfalls eine Folge des Ersten, noch mehr des Zweiten Weltkrieges. Diesen Begriff kannte man in dieser Form gar nicht.

Das Völkerrecht hatte nämlich nicht die Aufgabe, Kriege zu vermeiden! Sondern - Kriege zu hegen. Nachdem Krieg immer eine Bestie war, wollte man diese Bestie wenigstens zähmen. Verhindern konnte man sie nie. Der Fortschritt eines etwa im 16. Jahrhundert sich explizit herausbildenden Völkerrechts bestand also darin zu verhindern, Kriege nicht generell zu Vernichtungsfeldzügen und Bürgerkriegen werden zu lassen. Jeder Kombattant, jeder beteiligte konnte sich deshalb sicher sein, daß er als Rechtsperson auch im Krieg erhalten und respektiert blieb, und auch nachher, bei einer Niederlage, nicht der Vernichtung preisgegeben war, sondern seine Gestalt als Staat blieb. Bestenfalls wechselten die bestimmenden Herrscherhäuser, aber nicht einmal die Regierung selbst oder die Regierungsform. Deshalb waren die Kriege bis ins 19. Jahrhundert fast ausschließlich Kriege um die Thronfolge, schreibt Carl Schmitt in "Der Nomos der Erde". Ordnung war mit einem festen Raumgefühl verbunden, das prinzipiell niemand antastete und jeden in seinem Rechtsdenken gleich bestimmte. Wer einen Krieg begann, kämpfte um sein Recht, und er kämpfte um sein Recht in der Zeit (worin sich manche konkreten Formen und Bedürfnisse eben ändern). Davon ging man immer aus.

Kriege, durch Völkerrecht gehegte Kriege, waren also in jedem Fall legitime Mittel der Staaten, die an sich das Volk und seine Lebensweise gar nicht betrafen. Sie waren auch nicht "Mittel der Politik", sondern genau das nicht: Sie waren Rechtsmittel. Mittel und sogar Waffen waren aber geregelt. (Z. B. waren aus Gründen des Respekts vor dem Feind lange Zeit Waffen mit Fernwirkung innerhalb des europäischen Rechtsraumes - und nur den gab es ja! - verboten.) Nur gegen außerhalb dieser Ordnung stehende Völker und Gegner - denen damit auch der Status des "gerechten Feindes" abgesprochen wurde - waren diese Regeln nicht verbindlich. (Man denke an die Einfälle der Hunnen oder Mongolen oder Türken.)

Und deshalb hatte prinzipiell jeder Staat das Recht, Kriege zu führen. Sie waren im Rahmen der Gesamtordnung prinzipiell gerecht. Eine Unterscheidung in Verteidigung oder Angriff gab es nicht. (Wie schwierig, ja unmöglich nämlich die Klärung von Recht oder Unrecht zwischen zwei Staaten ist - davon wußte man sehr gut. Nur heute glaubt man, das untrüglich und sofort bestimmen zu können.) Und die Beteiligten hatten auch nicht das Recht, den - erklärten! - Feind zum Unrechtsträger zu verurteilen. (Gleiche können nicht über einander urteilen - jeder Staat aber war prinzipiell dem anderen gleichrangig gestellt.*) 

Die Frage, wer da nun zuerst schoß oder angriff, ist eine Frage, die man erst nach 1919 als Hilfsbegriff zu stellen begann, dessen Absichten aber evident sind: sie sollten unter anderem die Grundlage der Legitimität für Rache - und aus Angst - liefern. Also wurde auch der Feind zum "ungerechten Feind", zum Unmenschen erklärt, der sich, kriminalisiert, außerhalb des Rechtsrahmens darstellte. Während der gesamten Zwischenkriegszeit wurde in Europa über diesen Begriff diskutiert, und er stellte sich eigentlich als unklärbar (und unregelbar) heraus. Und er blieb es bis heute. Denn diese Frage liefert keinerlei Aufschluß über "Recht und Unrecht", und ein bloßes Festlegen auf einen status quo eignet sich um nichts mehr.**

In den Friedensverträgen von Versailles (Deutschland), St. Germain (Österreich) und Trianon (Ungarn) zeigten sich sehr klare Tendenzen, die traditionellen europäischen Raumbegriffe und Völkerrechtsnormen willkürlich zu verändern. Plötzlich sollte es den "verbrecherischen Krieg" eines Staates innerhalb der Rechtsordnung geben. Was so weit ging, daß die USA sie gar nicht unterschrieben, sondern Jahre später mit Deutschland einen separaten Vertrag abschlossen - denn diese Diktate enthielten Passagen, deren Völkerrechtswidrigkeit den Amerikanern bewußt war: Der Krieg als solcher war in den Augen der amerikanischen Vertreter keineswegs ein illegitimer verbrecherischer Akt.

Sie weigerten sich damit vor allem, den deutschen Kaiser zum Verbrecher zu erklären, eine neue Kategorie, die die europäischen Siegermächte einführen wollten. Und Holland verweigerte genau aus demselben Grund der Völkerrechtswidrigkeit (nach traditionellem Verständnis) die Auslieferung des nach 1918 dorthin geflohenen Wilhelm II an die Entente. Für die Amerikaner war - offiziell, weniger der Stimmung im Lande nach - nicht "ein Land" (oder Herrscher) Schuld am Krieg, sondern dieses verworrene, den Raum aushebelnde Bündnissystem Europas. Im Rechtsraum aber war jeder Fein ein "justus hostes", ein gerechter Feind. Selbst Kriegsverbrechen rechtfertigten das nicht, sie waren immer ein Problem des Krieges, und wurden separat behandelt, denn sie erst bezogen sich auf Personen, im Normalfall aber mit jedem Friedensvertrag per Generalamnestie erledigt. Zu sehr lagen sie der Natur des Krieges nahe.

Denn es war vor allem, und als Kriegsursache gewiß am substantiellsten, die stillschweigende Erodierung der jahrhundertelang manifestierten und gewachsene, damit tief begründete Raumordnung Europas, die im späten 19. Jahrhundert einsetzte, ohne daß jemand die Gefahr abschätzte, die daraus erst erwuchs, die die Grundlage für den Ersten Weltkrieg gab.  Man hielt einfach alles für disponibel - eine Eigenschaft, die mit dem Technikrausch des 19. Jahrhunderts in langer Entwicklung aus der Renaissance heraus zu einem nun fertig ausgebildeten Zeitbewußtsein wurde.

Die Menschen des industrialisierten 19. Jahrhundert hatten endgültig die Wurzeln verloren. Die dynamische und entfesselte Aufweichung der sozialen Strukturen gab den Menschen keinen Ort mehr in der Welt, und mit dieser Ortung verlor sich auch ihr Rechtsgefühl für ihren Staat. Dafür wurden ersatzweise nach und nach eine fast unübersehbare Fülle von Bündnis-, Garantie- und Beistandsverträgen abgeschlossen, die allesamt bereits außerhalb des großen Rahmens und diesem entgegenliefen, der Europa so lange stabil gehalten hatte.

Und das hat sich in den Überlegungen der Politiker der meisten Staaten direkt zum Ausdruck gebracht. Die damit auch Staatsgrenzen - zumindest unbewußt - für beliebig zu halten begannen. Und im eigenen Interesse gar die Vernichtung von Staaten zu erwägen begannen (wie im Fall von Österreich-Ungarn). Verliert sich also der große Rahmen, in dem jeder seinen Platz hat und gesichert weiß, beginnt auch der kleine Ort, der unter eines Füßen ist, zu verschwimmen.

All dies eingebettet in ein Weltgefühl, das die Dinge berauscht von Nutzen in Funktionen auflöst, und damit vergißt, daß es die Gestalten sind, die die Welt sind und halten. Gestalt aber wird im Transzendenten gestiftet und empfangen, und das - und nur das - begründet die nötige Ehrfurcht vor ihr und vor allem, vor der Welt. 

Wer einmal aber zu glauben beginnt, daß er Gestalten "erfinden" könne, hat die Welt bereits verspielt, selbst wenn sie überlieferten Gestalten "ähneln", nachgebildet sind (man denke nur an die unselige "Neu-"Gotik des 19. Jahrhunderts) oder sie willentlich zu formen anschickt. Was dann nur noch Korsette hervorbringt, etwas was dann ja die Faschismen versucht haben. Denn sie setzen eine Ehrfurcht voraus, die erst ein immer transzendent wurzelndes Ganzes, das immer in einer Ordnung steht, erkennbar und damit wirklich macht.




*Was so nebenher erklärt, warum deutsche Fürsten mit quasi allen Dynastien Europas verwandt wurden. Denn dort gab es viele Staaten, und damit viele ebenbürtige Heiratskandidaten für die übrigen europäischen Herrscherhäuser.

**Das zeigen ja auch sämtliche bewaffneten Auseinandersetzungen - deren völkerrechtliche und moralische Fragwürdigkeit sich ja gerade in der Vermeidung eines geregelten Kriegsprocedere ausweist: dem Feind wird sogar sein Status als Feind abgesprochen, er wird zum Unmenschen, zum Verbrecher - des 20./21. Jahrhunderts, gerade in Europa, wo mit dem "status quo" fast willkürlich umgesprungen wird, weil er eben in keiner Ordnung verankerbar ist.





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