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Sonntag, 21. November 2021

Was unsere Gehirne kaum noch fassen können (3)

Die Auswirkungen. Warum wir uns auf dem (abschüssigen) Weg zum Sklavenstaat befinden. Den wir schon viel zu weit gegangen sind. - Dieses "Investitionsvolumen" von jährlich 13 BILLIONEN DOLLAR wird also für diese Länder, die schon derzeit über verschiedenste Plattformen der globalen Finanz beherrscht werden (siehe dazu Perkins und sein Buch "Economic Hitman"), wird zur Vorschrift werden.

Wie bei Corona wird jedes Land, das ausschert, so sanktioniert und isoliert, daß es zusammenbrechen MUSZ. Denn im Einzelnen sind sie bedeutungslos, sie haben keine Druckmittel. Und wenn doch (etwa durch Rohstoffe), dann gibt es immer noch das Militär. Die USA betreiben weltweit rund 5.400 Militärstützpunkte (Siehe Anmerkung**), und haben im Wesentlichen zwei Allianzen, die sie den Erdball endgültig beherrschen lassen: die NATO im Atlantik, und die (erst jüngst noch fester geschmiedete) Pazifik-Allianz. 

Aber das alles reicht noch nicht.  Wir sprechen zum einen also von verpflichtenden, vorgeschriebenen "Klimaschutzmaßnahmen", dem Umbau von Volkswirtschaften auf "Klimarettung", eben klimaneutral, eben NET ZERO. Darüber sind wir uns doch alle einig, nicht wahr? 

Samstag, 20. November 2021

Was unsere Gehirne kaum noch fassen können (2)

Faustrechnung zu den Voraussetzungen. Womit wir es also zu tun haben, und wo es hinführen wird. - 130 (bis 150) Billionen Dollar - wir schreiben diese Zahl einmal aus, damit sich der Leser leichter etwas darunter vorstellen kann: 150.000.000.000.000; zum Vergleich: Deutschlands gesamte Barvermögen belaufen sich derzeit auf nominell 5.000.000.000.000 (5 Billionen) Euro; Das BIP der USA beträgt rund 20.000.000.000.000 jährlich; das Österreichs 375.000.000.000, also 375 Milliarden Euro, das sind 5 Prozent der notwendigen Investitionssumme, von der wir hier sprechen. Das gesamte Abgabenaufkommen betrug 2020 rund 161 Milliarden Euro, also rund 1,5 Prozent des o. a. Betrages. Wohlgemerkt - eines ganzen (Corona-geschwächten) Jahres.

Also: Österreich (die Zahlen für Deutschland kann man in der Regel ZEHNMAL so hoch ansetzen, die beiden Volkswirtschaften ähneln sich sehr und stehen grosso modo im Einwohneräquivalent) mit einer der höchst entwickelten Volkswirtschaften der Welt, nimmt jährlich 160 Milliarden ein, die gesamte Bevölkerung (das ist das BIP) rund 375 Milliarden. Davon werden alle Ausgaben bestritten. Ein gesundes Unternehmen rechnet nun mit jährlichen Finanzierungskosten von 1 bis 2 Prozent (das wird im Geschäftsverkehr mit dem sogenannten "Skonto", vielleicht sagt Ihnen das etwas, praktisch ausgeglichen) und hat eine Investitionsquote von 3 bis 5 Prozent, je nachdem. Das sollte mit den sogenannten "Abschreibungen" hereingebracht werden. 

Freitag, 19. November 2021

Was unsere Gehirne kaum noch fassen können (1)

Die Finger weigern sich fast, die Tasten zu bewegen, um Ihnen, werter Leser, vorzustellen, was seit geraumer Zeit im Laufen ist, und was Stück für Stück zu einem Gefängnis für die Menschen der Welt festgefügt wird, in dem wir alle in Sklaverei fallen, wenn nicht schon gefallen sind. Um das Ausmaß der Vorgänge zu begreifen, wäre Poesie angebracht, denn rein rational ist es so mindbuggeling, wie es im Englischen so treffend heißt, daß man es kaum denken kann.

Und doch wird es gedacht, und doch ist es Teil eines realen Planes, der ein neues Stadium der Weltöffentlichkeit deutlich macht: In dem Verschwörungen zur neuen Öffentlichkeit geworden sind, weil niemand mehr zu scheuen hat, was vor sich geht. Dazu ist schlicht die Dimension zu groß, die alles umfaßt. 

QR James Corbett
Sogar James Corbett kapituliert, der über Jahre nun schon - ähnlich mir, wenn er auch leider den üblichen Denkfehlern aufsitzt - Faktum um Faktum zusammenzutragen versucht hat, und zu einem Bild zusammengefügt hat, wie es sich nun in Glasgow, im Rahmen der Klima-Weltversammlung COOP 26, ganz offen etabliert und vorgestellt hat. Es sei "Mindbuggeling", es haut einem (gesagt, wie es der Aschenbrenner Erwin an der Theke nach dem dritten Bier sagen würde) den Krapfen aus dem Hirn.

Donnerstag, 18. Januar 2018

Vom Nutzen der Sinnlosigkeit

Es mag erstaunen, aber wenn es Afrika in den letzten Jahrzehnten an einem nicht gefehlt hat, dann war das ... Geld. 2,3 Billionen Dollar sind in den vergangenen Jahrzehnten nach Afrika geflossen, doch der Effekt war gleich null. Nein, das wäre falsch formuliert. Er war negativ. Denn die Entwicklungshilfe, wie sie der Westen seit langem leistet,  zerstört heimische afrikanische Strukturen und festigt oder schafft gar erst Strukturen, die sich nur damit befassen, wie sie dieses zuströmende Geld in ihre eigenen Taschen fließen lassen oder irgendwie verteilen. Geholfen hat man niemandem, auch wenn manche Statistiken belegen wollen, daß es zu Wachstumseffekten kam. Das darf angezweifelt werden, wie Augenzeugen, die lange Jahre vor Ort tätig waren um "zu helfen", übereinstimmend berichten.

Stattdessen hat man überall einheimische produktive weil den Bedingungen im Land angepaßte, stimmige Lösungen verhindert, in den allermeisten Fällen sogar örtliche Probleme verschärft. Etwa indem man auf Anraten des IWF in Guinea-Bissau vorgeblich exportorientierte Nußplantagen anlegte (um die Schulden an den IWF zurückzahlen zu können, Anm.), die dafür sorgten, daß die ansässige Landwirtschaft ausradiert wurde und nun alles, buchstäblich alles importiert werden muß, bei gleichzeitiger Arbeitslosigkeit (und Wanderung in die Städte) der früheren Landbewohner. Dafür gibt es in dem Land, das enorm fischreiche Gewässer hat, nicht einmal mehr ein einziges größeres Fischerboot. Importware ist billiger.

Das Fazit, das langjährig engagierte Entwicklungshelfer und Manager von Entwicklungshilfefonds und -projekten ziehen, ist ernüchternd bis erschütternd. Und die Probleme sind seit langem bekannt. Dennoch ändert sich nichts, dennoch fließen jährlich riesige Summen nach Afrika und treiben dort ihr Unwesen. Nur die Etiketten haben sich geändert, die Geld loseisen - heute heißt es "Kampf gegen den Klimawandel" oder "Behebung der Ursachen für Migration". Selbst wenn manche Projekte letztlich verwirklicht werden, so setzten sie oft auf einer Ebene an, die sich an westlichen Maßstäben ausrichtet, statt an der Bevölkerung Maß zu nehmen. Einen Staudamm oder ein Atomkraftwerk zu errichten hilft unter Umständen nur ausländischen Konzernen, nicht der Lokalwirtschaft auf der Stufe und Produktivität, auf der sie eben steht und von wo aus sie erst weiterschreiten könnte. Soferne das von den Menschen gewollt ist.

Alleine die Entwicklungsbank hat 2016 über sieben Milliarden Euro für Afrika bereitgestellt. Nur - für welche Projekte? Es gibt nicht einmal solche ausreichend. Das führt sogar zu einem absurden Konkurrenzdruck der geldgebenden Einrichtungen hier und vor Ort zum Druck, das Geld möglichst rasch auszugeben. Das begünstigt die Korruption zusätzlich. Die Länder können sich die Geldgeber sogar aussuchen.

Solche Berichte sind zahlreich und haben alle denselben Tenor. Etwa die von Tim Kanning und Johannes Pennekamp, die in einem Aufruf längst von der Sinnlosigkeit ihrer langjährigen (und ursprünglich - wie praktisch immer - hoch motiviert begonnenen) Arbeit am schwarzen Kontinent sprechen. Eine andere Autorin, Angela Könnitz, weist neben Beispielen, die das Scheitern der Entwicklungshilfe heutigen Zuschnitts belegen, zudem darauf hin, daß es höchst fraglich ist, ob der Wirtschaftsliberalismus, der als Patentrezept allen Staaten auferlegt wird, tatsächlich das geeignete Mittel ist. Vielmehr sollte man den Afrikanern ihre eigene Art zu sehen, zu denken und zu arbeiten belassen und - wenn schon - nur ganz gezielt fördern. Mit dem Weltmarkt zu konkurrieren ist heute in der Regel für afrikanische Produkte und Unternehmen ja gar nicht möglich.

Die Folgen eines grenzenlos offenen Marktes sind nämlich, daß Afrika von billigen Produkten etwa aus China überschwemmt wird, die gnadenlos jede heimische Produktion ersticken. Aber selbst afrikanische Großbetriebe, die riesige Gewinne machen, investieren auf den liberalisierten Weltmärkten, nicht im eigenen Land. Während ausländische Konzerne damit angeworben werden sollen, daß man die möglichen niedrigen Löhne anpreist, die sich an Weltmarktkonkurrenz bemessen - und das ist genau jenes Hindernis, das der Entwicklung von allgemeinem Wohlstand hartnäckig im Wege steht weil nur auf Ausbeutung des Menschen setzt.

Nein, Afrika fehlt nicht Geld. Dieses Argument dient nur westlichen Politikern, die sich damit eine Schleife an den Anzug heften wollen. Und afrikanischen Regierungen, die davon in mehrerer Hinsicht profitieren und keinen Druck haben, wirklich dem Gemeinwohl ihrer Länder zu dienen. Und nicht zuletzt Entwicklungshilfeorganisationen, die sich im Licht der "guten Tat" sonnen und nicht viel von einer Wirkungskontrolle halten, weil die zeigen könnte, daß sie entbehrlich sind. Gerade diejenigen Länder, die sich am besten entwickelt haben (wie Ruanda, Ghana, Mauritius oder Botswana), haben das ganz oder zumindest weitgehend aus eigener Kraft geschafft. Weil Dauerhilfe Abhängigkeiten schafft, die die eigene Entwicklung hemmen. Warum, fragt deshalb Volker Seitz (auch er ein Entwicklungshilfe-Aussteiger), reden wir den Afrikanern ständig ein, daß sie es nicht aus eigener Kraft schaffen können?

Afrika fehlt es auch nicht an zu wenig Liberalismus in der Wirtschaft, die es an die Weltmärkte anschließen, in denen sie sich in der Regel gar nicht behaupten können, sondern die sie dominieren - wirtschaftlich, vor allem aber kulturell. Vieles, was die Statistik als "Wohlstandsmarker" ausweist, ist nämlich in Wahrheit ein Unterspülen der kulturellen und vor allem sittlichen Substanz der Afrikaner selbst, die sie ganz rasch erblinden lassen. Ganz so, als wäre Entwurzelung mehr als ein Rezept des Herumtappens im Dunkeln, das "viel - aber wovon?" bewirkt und in Wahrheit anderen Herren nutzbar macht. Denn ohne die Basis der eigenen Kultur gibt es auch keine Wirtschaft, die dem Leben dient, und es nicht auffrißt. Ohne Sittlichkeit gibt es aber keine Kultur, sondern nur eine Technik des Konsumierens. Denn es gibt eine direkte Korrespondenz zwischen Sittlichkeit, Tugend und Wohlstand als Parameter des Gemeinwohls.

Afrika fehlt es deshalb an Mission, die sich an den einzelnen Menschen richtet und ihm so hilft, dem Sinn seines Lebens durch gehobene Sittlichkeit zu folgen. Weil sich jedes Volk dauerhaft nur aus sich selbst heraus helfen und aufrichten kann, und Wohlstand immer die Höhe der sittlichen Lage eines Volkes widerspiegelt. Wohlstand ist eine Frage der Kultur, damit der Religion, und nicht eine Frage des Geldes. Und nur das Christentum hat eine Haltung zur Arbeit quasi "programmatisch", die sie mit Sinn erfüllen und über bloße Lust-Unlust-Zufälligkeit hinausheben kann. Nur aus Sinn (logos) heraus kann also etwas aufgebaut werden. Mit der heutigen Auffassung von Entwicklungshilfe, die durch den Klimaschwachsinn noch zusätzliche Dynamik bekommt, wird Afrika jedoch systematisch armregiert.


*141217*

Freitag, 15. Dezember 2017

Das ist auch so gewollt (2)

Die Geber brauchen destruierte Nehmer ...



Diese Schlüsse möge der geneigte Leser selbst ziehen. Wir weisen nur auf Indizien hin, an die jeder selbst seine Tangenten anlegen soll. Aber dabei vielleicht eine Geschichte vor Augen haben, wie sie John Perkins in seinem aufsehenerregenden Buch "Bekenntnisse eines Economic Hit Man" darlegt. Auf ein kurzes Fazit gebracht, zeigt der Amerikaner, der in diesem Buch quasi seine Lebensgeschichte erzählt, denn er war ein solcher Economic Hit Man, daß die Gelder, die von entwickelten, reichen Ländern in unter- oder unentwickelte arme Länder fließen, als Entwicklungshilfe oder Kredite, die hohe Korruption in den Empfängerländern (wie sie mangels der Stärke und Gemeinwohl-Gerechtigkeit des dortigen Systems zwangsläufig auftritt), nicht nur wollen, sondern brauchen.  Und wo die Machtinhaber in diesen Ländern nicht ausreichend korrupt sind, werden sie über das internationale Kreditwesen (seien es Banken, seien es Gelder des IWF) durch Auflagen in die gewünschte Richtung gezwungen.

Gleichzeitig fällt auf, daß die Auflagen, die diesen Ländern gemacht werden, praktisch sämtlich Maßnahmen betreffen, die die ansässigen sozialen Ordnungen auflösen und über den Haufen werfen. Hier ist in einer kleinen Auswahl die Rede von Auflagen wie Abtreibungslegalisierung, Verbreitung von Verhütung, Implementierung von Kommunikationssystemen die den Gesamt- bzw. Gruppenzusammenhalt durch Autonomisierung der Individuen auflösen, Wehrlosmachung natürlicher hierarchischer Systeme durch Massen-"Demokratie" (die den Einzelnen bzw. alle Vereinzelte ohnmächtig macht), gleichzeitiges Verbot angestammter Ordnungen (hier wirkt der Feminismus besonders effektiv, weil er die Herauslösung der Frau aus der Ehe bewirkt, die als anthropologisches Naturelement überall gleiche ontologische Bedingungen hat), und ein Pressewesen (als "Meinungsfreiheit" kaschiert), das der Manipulation der Bevölkerungen dienen kann, zumindest weil es der Propaganda von außen offen steht. (Man denke nur an die Rolle des Fernsehens als Umbildner und Schöpfer neuer Idealvorstellungen.) 

Insbesonders die Begriffswelt wird aufgeweicht, denn in dieser lebt das traditionelle, stabile frühere psycho-soziale System ihr eigentliches Leben. Als gelernter Europäer haben wir gerade das ja schon erfahren, weil wir in einer Begriffswelt leben, in der kein Begriff überhaupt noch "etwas" ist. Man denke an die "Ehe für alle", man denke an "alle sind Künstler, alles ist Kunst", man denke an "alle Religionen sind gleich", "alle Menschen sind gleich", "die Geschlechter sind gleich" ... die Beispiele sind endlos. So werden aber die Begriffe als Denkgrundlage wie -ziel sinnlos, und damit wird das Denken unmöglich, nur noch zu einem unzusammenhängenden Flickenteppich von Schlagworten.

In diesem Konzert spielen aber Subversionsmethoden, die über Sexualität wirken - Pornographie, Auflösung traditioneller geschlechtlich-spezifischer Sitten, offizielle Aufwertung und Propaganda der Homosexualität - eine ganz besondere und entscheidende Rolle. Denn in der Umkehrung der menschlichen Aufmerksamkeit, in der Hinwendung zu eigenen "Bedürfnissen" (Lüste), zieht man den Menschen von der Außensachlichkeit ab, und macht ihn insofern leicht lenkbar, als man ihn "per Zuruf" (Anregung) steuern kann, ist diese Invertierung einmal habituell. 

Zugleich hört der mit solchen Dingen befaßte, davon gefesselte Mensch (wir haben schon oft mit der Eidechse mit ihrem abgeworfenen Schwanzende illustriert, die den Feind das Hauptziel vergessen läßt) auf, sich effektiv um das öffentliche Leben, die Politik zu kümmern, soweit sie mehr zu tun hätte als dafür zu sorgen, daß er seinen Gelüsten nachgehen kann.

... um das Gegebene selbst zu nehmen

Aber das System funktioniert so, daß die Regierungen der reicheren Länder Geld auf den Weg machen, daß dort von ... Interessensgruppen (meist über Unternehmen) aus eben diesen reichen Ländern in Empfang genommen wird. Stellt man sich also die "cui bono" Frage, also die Frage, wer von dieser "Umverteilung" profitiert, kommt man zu dem erschütternden Verdacht, der zugleich auch ein Verweis auf diejenigen sind, die an solchen Umverteilungsabsichten am meisten interessiert sind: Das sind einerseits mächtige Personen oder Personengruppen in den Empfängerländern, und das sind vor allem Interessensgruppen oder Personen in den Geberländern. 

Hier wird also in jedem Fall in der Praxis nicht von reich nach arm umverteilt, sondern von arm an reich! Denn die Regierungen der reichen Länder verteilen ja das Steuergeld, das im Wesentlichen die "armen" Bürger ihrer Länder aufzubringen haben. Die Entwicklung in unseren (reichen) Ländern hat eindeutig gezeigt, daß ihre Systeme nicht nur zu Macht- und Kapitalkonzentration führen, sondern daß diese konzentrierten Kapitalien "too big to fail" sind, also so stark und systemnotwendig sind, daß sie vom System eine Bestandsgarantie haben, also von diesem auch erhalten werden. Wie es dem Wesen des Kapitalismus eben entspricht: Als staatsfinanzierter Wucher.

Was sich aus der Zusammenschau dieser beiden Bilder also ergibt (wobei sich vor Augen zu stellen hilfreich ist, daß der klimatechnische Effekt der in Paris vorgestellten Maßnahmen, auf den es ja angeblich ankommt um "das Klima zu retten", gerade nach den Maßstäben der Klimapaniker gleich NULL ist) sind deutliche Indizien dafür, WER hinter der Klimapanik in Wahrheit steht. Denn die vorgeschützten "guten Absichten" sind allerbestenfalls zufälliges, in der Gesamtrechnung aber vernachlässigbares Nebenprodukt. Die Geschichte von der gefährlichen menschengemachten Klimaerwärmung ist lediglich der PR-Rahmen für den gewaltigsten Raubzug für das gewaltigste und umfassendst geplante Vorhaben zur Erringung einer totalen Macht über die Welt (worin Reichtum nur eine Nebenrolle spielt, seine Zwingwirkungen sind viel wertvoller: Schulden sind ein Unterwerfungssystem), das die Welt je gesehen hat.*

Denn den Mächtigen geht es gar nicht primär ums Geld. Das ist nur für Staaten und Politiker wichtig, die glauben, daß es der Schlüssel zu allem sei. Nein. Geld ist nur ein Mittel, nicht das Ziel. Für ein solches halten es nur Emporkömmlinge, Anfänger, sittlich unausgereifte Menschen, wie sie heute das Antlitz der Politik und der Länder verzerren. Aber um die zu zwingen ist es eben ein sehr effektives Mittel. Niemand wird reich, erfolgreich, der nicht von einer absoluten Idee befeuert ist. Das gilt ohnehin für jedes Menschenleben. Und den Mächtigen der Welt geht es tatsächlich um eine Idee. Es geht um einen geistigen Kult, dem Ziel von allem Leben. 

Es geht um die Liturgie absoluter Weltmonarchie. Es geht ums SEIN WIE GOTT.






*Daß hier sogar China - nach langem Zögern - mitspielt (dem man neben Indien als Sonderkondition eingeräumt hat, daß es sich Jahrzehnte um keine der Pariser Auflagen zu scheren braucht) hat exakt denselben Grund: Die Klimapanik ist der Machtentfaltung des Landes und vermutlich auch spezifischen Interessen einiger nützlich. China hat begriffen, ja vielleicht schon lange begriffen, daß es um die totale Weltherrschaft geht. Und da will es ein Wörtchen mitreden.





*121117*

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Das ist auch so gewollt (1)

Hier stellen wir zwei Bilder vor. Das erste ist die Aussage von Otmar Edenhofer, des Vizepräsidenten des IPCC (International Political Panel on Climate Change), wie sie die Neue Züricher Zeitung im Jahre 2010 veröffentlichte. Der Ausspruch dürfte den meisten Lesern dieses Blog bekannt sein:

Bild: EIKE


Und nun ein Schaubild, das die Geber- und die Nehmerländer gegenüberstellt, wie sie die Paris-Übereinkunft ergibt. Versuchen wir dazu aber einmal eine Definition, was denn Korruption sei. Sie tritt dort und dann auf, wenn Bürger eines Landes (oder Systems) mit den offiziellen Institutionen und Institutionalisierungen (wozu auch implizite, nicht ausdrücklich zu machende weil selbstverständliche, meist religiös fundierte moralische Grundsätze gehören, die alle teilen) nicht mehr das Auslangen finden, um ihre subjektiven Angelegenheiten und Anliegen ausführen zu können. 

Die Höhe des Korruptionsanteils in einer Gesellschaft ist also ein Indiz dafür, daß das System dieser Gesellschaft nicht oder nicht eine Mehrheit oder gar alle Handlungsvorstellungen seiner Teilnehmer deckt. Sie ist ein Indiz dafür, daß es in einem System Machtgruppen oder mächtige Einzelpersonen gibt, von denen einerseits die Erfüllung eines berechtigten oder berechtigt geglaubten Anliegens abhängt, das System ersetzen oder seine Lücken auffüllen. Gleichzeitig fördert es eine Hierarchie der faktischen (aber unmoralischen, also von niemandem für gut geglaubten) Macht auch in der Bevölkerung, weil nur der seine Anliegen noch durchsetzen kann, der über ausreichende Mittel (die Mittel aller Art sein können) verfügt. In jedem Fall ist also Korruption mit Kriminalität verbunden bzw. mit dieser gleichzusetzen. Auch in den Augen der Bewohner des betroffenen Landes, ob sie nun Profiteure sind oder nicht.

Kurz: Korruption zeigt, daß das Gemeinwohl in einem Staat nicht sein oberstes Prinzip ist, sondern daß sich mehr oder weniger viele oder alle Bürger eines Landes außerordentlicher Mittel bedienen müssen, um das, was Ihnen zusteht oder von dem sie meinen daß es ihnen zusteht, zu holen. Die individuellen Vorstellungen von Lebensnotwendigkeiten decken sich ganz oder teilweise nicht mit dem System.

In den in Paris verkündeten Absichten ergibt sich nun eine Aufteilung, die die oben erwähnte Umverteilung von Vermögen von den korruptionsarmen zu den korrupteren Staaten und Gesellschaften als Prinzip zeigt.


Bild: EIKE


Warum macht man das? Kann hier überhaupt gewährleistet werden, daß die Gelder - egal wie man nun darüber denkt - die in diese Länder fließen, die sämtlich einen hohen oder sehr hohen Korruptionsanteil haben "richtig" verwendet werden?  




Morgen Teil 2) Die Geber brauchen destruierte Nehmer ...
... um das Gegebene selbst zu nehmen






*121117*

Donnerstag, 14. September 2017

Wie das Rationale zum Unverünftigen wird

Das Kennzeichen der Vernunftlosigkeit ist nicht unbedingt der Mangel an Rationalität, an Logik im Detail. Im Gegenteil, Vernunftlosigkeit zeigt sich ganz besonders in der Richtigkeit von Teillogik. Die Abwesenheit von logos heißt etwas anders: Sie heißt, daß einem Handeln und Denken der innere Kompaß fehlt, der alles wie von heimlicher Hand gezogen auf ein Zentrum, ein Ziel ausrichten macht. Deshalb kann Rationalität auch eine Gefahr bedeuten, wenn sie das Fenster nicht ins Transzendente öffnet. Dann verliert sich keineswegs die Logik, im Gegenteil richtet sich die Teillogik aber auf weiterreichende Sinnhorizonte aus, die die notwendige Begrenztheit einer Teilproblematik aufmacht. Falsch verstanden kann dies natürlich Irrationalität bedeuten, ja sie wird dazu, wenn die Gesamtorientierung, der innere Kompass nicht auf den bekannten Gott ausgerichtet ist. Der das Sein ist, das in seiner von der Liebe genährten Dynamik ins Seiende - zur Welt - drängt.

Wenn sich über die heutige Politik in Europa etwas sagen läßt dann das, daß ihr diese Vernünftigkeit fehlt.* Das äußert sich darin, daß sie ein Problem löst - also einer Teillogik folgt - und daneben aber unzählbare, unbekannte nächste Probleme aufreißt. Ein Beispiel dafür scheint sich in Afrika anzubahnen, und man nennt es "Lösung der Migrationsfrage", im noch konkreten Fall als "Schließung der Mittelmeerroute" bezeichnet.

Weil man also davon ausgegangen ist, daß die Zuwanderung von Millionen Afrikanern ein Problem der Lage ihrer Heimatländer ist, hat man tatsächlich eingegriffen. Und wie hat man es vorerst einmal gemacht (ohne viel darüber zu berichten)? Man hat es gemacht, indem man begonnen hat, die Exekutivkräfte jener Länder (Mali, Niger, Tschad, Mauretanien und Burkina Faso) aufzurüsten. 

Diese Länder haben sich zusammengetan und wollen eine von Frankreich und Deutschland bestens ausgerüstete und ausgebildete Truppe von 5.000 Mann schaffen, die die Millionen Migrationswilligen südlicherer Länder stoppen. Die auf ihrem Weg nach Libyens Mittelmeerküste - zur kürzesten Route nach Europa, sieht man von Spanien ab - ihre Länder durchqueren müssen, um angekommen auf NGO-Schiffe oder päpstliche Flugzeuge zu warten, die sie bequem weiter (und im Grunde illegal) nach Europa transferieren. Diese Länder waren dazu bisher schon aufgrund ihrer schwachen Polizeikräfte gar nicht in der Lage. Und noch weniger willens.**

Frankreich schon aufgrund seiner Tradition, Deutschland aufgrund der Tatsache, daß es davon am meisten betroffen ist, haben also Waffen, Fahrzeuge und Ausbildner ins diese Sahra-Länder gesandt. Damit aber haben sie in ein fragiles System der staatlichen lokalen Mächte eingegriffen, das bisher mehr schlecht als recht eine Art "Friede" aufrechthielt. Denn kein Land war ausgerüstet und organisiert genug, um Kriegsgelüste wirklich auszutoben. Das könnte sich nun ändern! Und das erste Land, das das fürchtet, ist - Libyen! Ein Land, das vor wenigen Jahren von den USA UND EUROPA in die Ohnmacht heilloser Verwirrung gebombt wurde. Libyen hat vor allem keine staatliche Ordnung. Nach der Vernichtung des Systems Gaddafi fiel es auf die nächste Stufe eines Staates zurück, auf die der Stammesordnungen. Und das heißt, daß es seine staatliche Handlungsfähigkeit weitgehend verlor. 

Diese Situation gleicht der einer Wehrlosigkeit. Nicht nur, weil die Potenz nicht da ist, sämtliche Kräfte eines Staates zu bündeln (was im Fall einer Bestandsbedrohung vorübergehend zumindest notwendig ist; auch eine Reichsorganisation, ja gerade eine solche, die unterschiedliche autonome Staaten und Völker für bestimmte Fälle wie Krieg einen könnte, beschränkt sich u. a. auf Situationen, in denen sie alle Macht verlangt und bekommt. Wie Krieg), sondern weil auch die Mittel fehlen. Also kann man davon ausgehen, daß so provisorisch die Zentralkräfte Libyens (die dem Gebilde noch so etwas wie den Anschein eines Staates geben, obwohl derzeit niemand sagen kann, mit WEM man denn da überhaupt verhandeln, reden sollte) auch gebildet wurden, sie im Bedrohungsfall doch eine gewisse Rolle spielen müssen und vermutlich werden.
Aber eben weil niemand weiß, WER es denn sein könnte, welche Seite, welcher Stammeshäuptling, welcher Politiker, der diese Rolle übernehmen könnte, ist es unverantwortlich, auch Libyen einfach aufzurüsten. Ohne die Gefahr zu riskieren, das Land erst recht in Bürgerkrieg zu vertiefen. Da grenzt es schon fast an ein Wunder, daß sich Libyens eifersüchtig gehütetes Chaos soweit organisieren konnte, als es plötzlich DOCH gegen die Schlepper an seinen Küsten einschritt. Erfolg der Teillogik. Daß nun Spanien überrannt zu werden droht, ist eine andere Sache. Darum kümmern wir uns später.

Aber alle erwähnten Staaten stehen seit Jahr und Tag in innenpolitischen wie außenpolitischen Konflikten. Ist nicht Frankreich vor wenigen Jahren sogar in Mali einmarschiert, hat seine Militärpräsenz in Tschad und Burkina Faso verstärkt, um die aktuellen Regierungen zu stabilisieren? (Und so nebenbei seine wirtschaftlichen Interessen - die Interessen seiner Unternehmen also - zu sichern.) Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß die qualitativ bedeutsame militärische Aufrüstung der momentanen Führungen dieser Länder in einem Dominoeffekt den halben Kontinent aufrühren könnte. Die Nachbarländer (oder andere Interessengruppen, darunter nicht zuletzt islamistische Bewegungen) werden nicht einfach zuschauen, und können das gar nicht.

In jedem Fall also sieht es so aus, als würde Europa in ein nächstes Chaos investieren, das irgendwann zu einem platzenden Luftballon wird. Ein Chaos das damit beginnt, indem man Mächte mit Mitteln und Machterhaltungspotenz ausstattet, die wie das Raten im Dunkeln zufällig ausgewählt werden, weil es gerade kurzfristigen Zwecken dient. Wer aber glaubt, ein Chaos würde sich dadurch beheben, indem man einen der Chaoten mit noch mehr Muskeln ausstattet, wird seine blauen Wunder erleben. Gerade das Verhältnis westlicher Mächte zu Afrika ist eine beredte Geschichte solchen Unverstands, mit dem hier fast programmatisch agiert wird.

Recht und Gerechtigkeit sind nie eine Frage aktualistischer Kräfte und faktischer Zustände, sie sind ontologisch gegründet. Und von dort her bauen sich die Kräfte auf, wieder und wieder, und unbegrenzt. Lösungen für Afrika zu finden ist eine Frage der Ontologie! Europa hat sich leider längst zu viel auf die eines Hegel eingeschossen, eine Spätfolge des für heutige Schwammköpfe gelösten Universalienstreits, in dem aber die Wahrheit und damit die Wirklichkeit unter die Räder kam.

Und es gibt in ganz Afrika nur sehr wenige Staaten, die es geschafft haben, einen inneren Kulturstand zu erlangen, der eine Staatsformierung sinnvoll macht oder entstehen ließ, der also der wahren Ontologie entspricht, die der Exekutive eine Rolle zuweist, die einem Kulturland angemessen ist, weil nur dem Gemeinwohl dient. Offenbar hat man nicht einmal aus der Entwicklungshilfepolitik der letzten Jahrzehnte gelernt. Die die Missionstätigkeit der Kirche, der einzigen Entwicklungshilfe, die sinnvoll (weil eben der wahren Ontologie gefolgt) ist, somit ein Volk von innen her stärkt sodaß es auch das Außen sinnvoll gestalten kann, so verhängnisvoll und rational-unvernünftig (!) ablöste.

Afrika ist heute ein Musterbeispiel faktisch-begrenzter, naturrechtlich aber defiziöser, damit nicht dauerhafter Lösungen. Und wenn man europäische Intervention wie hier durch die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen als "Stabilisierung und Unterstützung im Kampf gegen Terror und Extremismus" nennt ist weiterhin alles möglich und gerecht. Schon gar weil von der Leyen (geübte Merkel-CDU-Repräsentantin) Wert auf die Feststellung legt, daß Deutschland nur "nichtletale" Mittel zur Verfügung stellt. Töten sollen die anderen. Die indirekten Mittel dazu, die Kommunikationsmittel mit denen sie gerufen werden, die Wagen auf denen die "Pöhsen" mit ihren Gewehren stehen, die Zelte in denen sie schlafen, die Motorräder mit denen sie an die Front düsen - meinetwegen, die können aus Deutschland kommen. Das Problem ist sowieso nur weiter verschoben. Nach Süden, nach Nigeria. Wegschieben. Noch weiter weg. Das nennt man neuerdings "in Afrika stabilisieren", oder "das Problem bei den Wurzeln sanieren".***

Das trifft nicht nur für Libyen, sondern auch für sämtliche Staaten des Sahara-Gürtels zu. Das ist aber kein Boden für sinnvolle Diplomatie, damit entsteht weiter und weiter nur Flickwerk nach wirrem Muster, daß irgendwann reißt weil keiner weiß, wo die Nähte verlaufen. Eventuell züchtet man etwa hier eine islamisch bewegte, politische Potenz, die Europa erst recht erpreßbar und bedroht macht. Oder sei es, daß Libyens Stämmeorchester von Europa ebenfalls Waffen verlangt (Wüstenstämme lieben Waffen), unter der Drohung, sonst die Schleusen (wieder) zu öffnen. Die sich derzeit allmählich schließen, wie es aussieht. Dabei aber den Flüchtlingsstrom nach dem Westen (Marokko/Spanien) umlenken, wie es aussieht. Es könnte also sein, daß sich das Problem sowieso nur verlagert.

Zumal der europäischen Politik ein Plan, ein Konzept, das auf der exakten Kenntnis dieser Länder und ihrer inneren Bewegungen beruht, zu fehlen scheint. Alles deutet darauf hin. Man beschränkt sich auf ein Teilproblem: Ein Stoppen der Migrationsmassen auf ihrem Weg in den Norden. Wobei es sogar darin zu verdeckten Konflikten kommt.

Denn Deutschlands Merkel ist das so gar nicht recht. Sie müßte sich hier tatsächlich einmal langfristig an eine Politik binden, sich identifizierbar machen. Und das macht sie deutlich unflexibel, weil greifbar, widerspricht also dem, wovon Merkel bisher gelebt hat. Denn sie will ja gar nicht, daß die Migrationsströme gestoppt werden, warum auch immer. Aber das ist in dem Fall sowieso irrelevant, weil es genug europäische Politiker gibt, die nicht auf das warten können was nie eintritt: Daß Deutschlands Politik endlich doch vernünftig und konsistent wird. Merkel tut ja mittlerweile ohnehin so, als wäre es ihr völlig gleichgültig, was in ihrem Land WIRKLICH passiert, solange sie ihre mediale Sondershow als Parallelwelt hat. Sodaß es niemandem auffällt, daß das, was sie sagt und tut, regelrecht irrelevant geworden ist. Oder wie brachte ihr politisches Prinzip Volker Pispers einmal auf den Punkt? "Mir nach, ich folge Euch."

Wohin das was da in Afrika abläuft insgesamt führt weiß aber niemand. Weil niemand mehr weiß, so muß man es zusammenfassen, was überhaupt die bewegenden Kräfte eines Volkes und eines Staates sind. Daß das so ist, ist eine der sichersten Erkenntnis aus der Beobachtung der Politik im Europa der vergangenen Jahrzehnte selbst.






*Dafür gibt es einen ganz klaren Grund: Der europäischen Politik fehlt generell ihre Rückbindung an die Kirche. Die vielgepriesene "Trennung von Staat und Kirche" ist keineswegs eine Errungenschaft, sondern der sicherste Weg zur Vernunftlosigkeit. Sie entbindet die Politik ins Haltlose, und raubt ihr damit jede sinnvolle, damit langfristige Orientierung. Noch nie in der Geschichte hatte ein Staat Bestand, der seine Orientierung aber nicht aus der Ausrichtung auf Gott bezog. Andernfalls löst er sich von innen heraus auf, und sein Rechtssystem zerfällt.

**Sodaß man sich doch fragen müßte, was - welche Konzessionen, welche Versprechen, welche Geldmittel, welche politischen und wirtschaftlichen Interessen - sie zu diesen Maßnahmen nun bewegt haben. Wollen wir wetten? Wir werden es nie, oder frühestens in etlichen Jahren, wenn irgendwelche seltsam "unlösbaren" Probleme oder rätselhafte Solidaritätspflichten auftauchen, erfahren. Man nennt das "Diplomatie", auch die muß ja schon länger niemand mehr vernünftig (nur "zweckvoll") gestalten.

***Jede Untersuchung zu dem Thema kommt zum selben Ergebnis: Nahezu ein Drittel der afrikanischen jungen Menschen wollen nach Europa auswandern. Auch ein Sohn des VdZ, der sich einige Zeit in Ghana aufhielt, bestätigte das: Nahezu jeder der Jungen will nach Europa. Das Problem dürfte also mit "Rückhaltemaßnahmen" nicht lösbar, nicht einmal aufhaltbar sein. Mit Handy- und CocaCola-Importen aber auch nicht. Denn Afrika hat mittlerweile eine ähnliche Handy-Durchdringung wie Europa. Und jeder trinkt CocaCola. Es muß also an tieferen, kulturellen Motiven liegen. Afrika wurde zu keiner Kultur, auch wenn es in die Globalisierung mittlerweile eingebunden ist. Es fehlt im Gegenteil mehr denn je an kultureller Substanz, die der Westizismus nicht zu liefern vermag. Die einzigen, die das derzeit zu sehen scheinen, sind übrigens die afrikanischen katholischen Bischöfe. 






*190817*

Dienstag, 10. Januar 2017

Das Ergebnis ist nur Zerstörung

Es gibt noch eine ganz andere Überlegung, die kaum einmal in der Öffentlichkeit reflektiert wird. Sie erwächst aus der Befassung mit volkswirtschaftlichen Grundsätzen, und Ludwig von Mises (und natürlich beileibe nicht nur er, sie ist sogar bei Keynes enthalten) hat sie ganz klar und logisch nachvollziehbar herausgearbeitet. Eine Überlegung, die das Paris-Abkommen zur Weltrettung als fatalen Fehler erkennen läßt. Dessen Auswirkungen, wie schon so oft gezeigt werden konnte, ja nicht den kleinsten Funken an den von den Erwärmungsaposteln geforderten Klimarettungsmomenten verändert, sondern nur eines beabsichtigt: In ökonomische Prozesse (unter dem Titel "Verteilung des Wohlstands") einzugreifen. 

Die Art dieses Eingreifens ist aber nur mit einem Wort zu begreifen, und dieses Wort ist "Zerstörung". Und zwar NICHT, wie eine ganze Riege der Ahnungslosen durch die Welt drischt, weil der "entwickelte Westen und Norden" gierig an seinen Besitztümern hängt. Sondern weil es schwere volkswirtschaftliche Schäden nach sich zieht, wenn man Geld aus einer Volkswirtschaft abzieht und in eine andere verschiebt. Damit kommen beide Volkswirtschaften aus dem Gleichgewicht, und das Ergebnis ist Zerstörung auf beiden Seiten. Denn Geld und Kaufkraft muß immer in einem Streben nach Gleichgewicht stehen, muß sich also entsprechen. Ist das nicht der Fall - durch zu viel oder zu wenig Geld als Mittel der Kaufkraft -  werden einer Volkswirtschaft die Lichter des Eigenlebens ausgeblasen. 

Ja, eine (nennen wir so) unter- oder weniger entwickelte Volkswirtschaft verträgt nicht einmal andauernde, große Geldgeschenke, die in Infrastruktur investiert werden. Denn (wir haben schon mehrmals darüber berichtet) es besteht ja ein meist völlig naives Mißverständnis dahingehend, daß Investitionsgüter (meinetwegen Windräder, Kraftwerke, Straßen etc.) "Dauer" hätten. Weder haben sie Dauer, noch haben sie die Dauer, die sie haben können (ehe sie zerfallen, unbrauchbar werden, wie jedes Ding) OHNE daß ihnen eine volkswirtschaftliche Entwicklung und Produktivität gegenübersteht, die im Grunde ihre Errichtung aus eigener Kraft auch ermöglichen würde. Denn Investitionsgüter brauchen für ihren laufenden Erhalt eben einen Anteil dessen, was ihre Errichtung gekostet hat, der als Daumenrechnung jenem Aufwand entspricht, den man zu ihrer Errichtung abführen müßte. Wer ein Ding hat, wer eine Investition getätigt hat, muß also laufend weiter investieren. 

Umgekehrt liefert eine Investition nur jenen Nutzen, der jenem Grad der Entwicklung entspricht, der ihre Errichtung nicht nur zur weiteren organischen Entwicklung einer Volkswirtschaft notwendig gemacht hat, sondern der ihrem Entwicklungsgrad entspricht. Bemißt man diesen in Arbeit - und gerade die katholische Naturrechts- und Soziallehre bezieht sich genau auf diesen Zusammenhang von Geld, Kaufkraft, Wohlstand und Arbeit - ergibt sich ein (natürlich nicht konkret benennbares) Investitionsvorhaben, das der relativen Produktivität der Arbeit entspricht. Denn Arbeit (und gerechter Lohn) stehen in Bezug zu einer lokalen Volkswirtschaft. Sie sind nicht absolut zu sehen. 

Damit hat eine Volkswirtschaft auch immer nur jenes Geld (als Frucht der Arbeit) zur Verfügung, das der Produktivität der Menschen in ihrem Lebens- und Weltvollzug entspricht. Passiert das nicht, werden soziale Gefüge entweder behindert (weil zu wenig Geld, also Einkommen, zur Verfügung stehen), oder sie werden aufgelöst. Und das werden sie, sobald Einkommen und vorhandenes Geld nicht mehr in direkter und unauflöslicher Korrespondenz mit Arbeit und geschaffenen Werten sowie mit sozialen Hierarchien stehen, an deren Ende entsolidarisierte, vereinsamte Konsumenten ohne Gemeinschaftsbezogenheiten stehen. 

Weil sich das als anthropologische Konstante darstellt, werden sich deshalb sogar bei "Entwicklungshilfen" (also Geld, das nicht dem Reifestand der Volkswirtschaft und Gesellschaft entspricht) Hierarchien herausbilden, die diesmal aber von der Macht des Geldes geprägt sein werden, nicht mehr von sozialen Gefügen. Die Entwicklungshilfe, die etwa Afrika seit 1960 zugeschoben wurde, hat zu guten Teilen dort nicht Prosperität und kulturelle Höherentwicklung gebracht, sondern korrupte Gesellschaften geschaffen, und das ging auch gar nicht anders. Weil zugeschobene Geldmengen in einer Gesellschaft bewirken, daß sich dieses Geld im Zentrum und in Zentrumsnähe konzentriert, und bis es "unten" angekommen ist kraft unüberwindlicher weil natürlicher Mechanismen nichts mehr wert ist, also auch noch die Kaufkraft des Geldes der "Unteren" schwächt, sie also noch ärmer macht. Dasselbe wird nun in Paris gefordert - das katastrophale Ergebnis ist direkt absehbar.

Denn für Volkswirtschaften gilt nicht weniger, was für alle Seins-heiten (Physik/Metaphysik) der Welt als Welt (und damit auch für das sogenannte Klima) gilt: Man kann ihnen kurzfristig Energie zuführen, aber sie werden es sofort wieder vernichten WEIL SIE IHREM SEIN NICHT ZUGEHÖRT, bzw. in Korrespondenz mit dem Anderen, dem Fremden, dem Außen abstoßen, weil sie in permanentem Rapport damit stehen, und sich immer auf das ihrem Sein entsprechende Tun und damit dessen Energieaufbringung (als Selbsttätigkeit, als Selbstsein = Aktivität) einpendeln. Energie (und Geld ist ebenfalls eine Form von Energie) aber kann von einer Seinsheit nur transformiert, damit weder erhöht noch vermindert werden. Erst diese Transformation kann man "Entwicklung" nennen, die in der Wirkweise des Menschen (als Analogon Gottes) von material zu geistig gerichtet ist - logosbezogen.

Gerechter Lohn muß sich also auf die lokalen Bedingungen beziehen, und vor allem auf das je einzelne Leben der Menschen. Erst wenn dieses in den anthropologischen Grundsatzgrößen Ehe und Familie gesehen wird, auf denen eine Kultur und ein Staat dann aufbauen, kann man von gerechtem Lohn sprechen. Der heißen muß, daß ein Mann eine Familie ernähren kann, und zwar nicht nur mit dem Allernotwendigsten wie Brot und Zucker, sondern auch mit jenen Gütern versorgen kann, die einer kulturell gedeihlichen Entwicklung in seinem Lebensstand notwendig sind. Die Entsprechung dieser Größen - Einkommen und Familienbedarf - ist der Moment, der mit "Würde" erfaßbar ist. Sie schließt damit sowohl Sozialschmarotzertum aus, als sie auch eine Kapitalakkumulation ausschließen muß, die nicht auf Stand und Würde beruht, sondern auf dem, was mit "Wucher" beschrieben wird. Der meint, daß jemand aus der Notlage und Angewiesenheit des anderen Profit schöpft, der diesen aber in seiner Würde beschneidet. (Sie bedeute damit auch keineswegs, daß alle gleichermaßen wenig haben sollen, oder gleich viel haben sollen, im Gegenteil! Sie schließt damit auch nicht Unterschiede eim Reichtum* und Einkommensunterschiede aus, im Gegenteil BEGRÜNDET es sie sogar!)

Das sogenannte "Paris-Abkommen" bezieht sich konkret nur auf Geldverschiebung, deren jährliches Ausmaß 1-2 Billionen Dollar beträgt. So ist es derzeit als Vorhaben angesetzt. Der Effekt auf das Klima, auf den es angeblich allen Unterzeichnern ankam, ist gleich Null, und zwar gerade auf die Standards und Forderungen der Klimopheten in ihrem Wahn bezogen, durch Absenkung des CO2-Ausstoßes die Welttemperatur regulieren zu können. Dafür offenbart sich aber etwas anderes, das nicht einmal geheim ist, und deshalb nicht als "Verschwörungstheorie" gelten kann, die UNO nennt es ausdrücklich: Es geht um eine neue Verteilung des Geldes, des Wohlstands, die man noch dazu "gerecht" nennt, was den mytischen Ursprung dieser Forderung offenbart, weil er die Wahrheit verläßt. Hier erfolgt also der nächste schwerwiegende Irrtum. Denn zu meinen, dies würde mit einem Verschieben von Geld geschehen können, wird nur Zerstörung bringen. Es wird die Starken schwächen, und die Schwachen ins Niemandsland kultureller, gesellschaftlicher Auflösung schießen.




*Weil aber damit Reichtum mit sozialer Stellung in einer sozialen Hierarchie, also immer auf eine Gesellschaft bezogen ist, IN der sich eine Stellung "als Reicher" nur bilden kann, denn ein Reicher wäre ohne umgebende Gesellschaft keineswegs mehr reich, er könnte sein Geld nur noch zum Heizen verwenden, ergibt sich auch eine soziale Pflicht aus kumuliertem bzw. größerem Kapital. Genau so und im Gleichschritt damit, wie sie ja die höhere Stellung beschreibt: Der Adelige, der fünfzehn Pächter beschäftigt, ist damit für das Insgesamt dieser fünfzehn Gemeinden auf einer höheren Ebene und nur auf diese Ebene bezogen verantwortlich. Er muß also zwischen Streitpartien (als Beispiel) schlichten und diese Autorität als Richter in diversen Angelegenheiten schützen und wahren, aber er hat nicht das Recht, deren Kindererziehung zu bestimmen; er leiste geistige, organisatorisch oder durch Kapitalbereitstellung etc. Hilfe beim Bau einer alle Höfe verbindenden Straße, die jedem Einzelnen dann zur besseren Entfaltung dient, oder Hilfe zu leisten, wenn eine Mißernte alle Ernte vernichtet hat, aber er hat nicht das Recht, die Art des Zusammenlebens zweier Eheleute zu bestimmen. Er hat aber sehr wohl das Recht, ja er hat die Pflicht, seine Pächter danach auszusuchen, ob sie in die Traditionen und Lebensweisen einer Gemeinschaft passen, oder diese Ordnungen sprengen und zerstören.





*101216*

Montag, 12. September 2016

Um das Nächste kümmern

Es sei eine der Tragödien der Umweltbewegung, daß sie von den CO2-Verhinderern gewissermaßen übernommen wurde. Damit wurde der Umweltschutz zu einem abstrakten Problem, der Energiegewinnung - die in den größten Teilen der Welt nur durch Verbrennung (v. a. von Kohle und Öl) möglich ist - zu einer Umweltsünde deklariert. Aber übersieht, daß es ein "Luxusproblem" eines kleinen Teiles der Welt ist. Denn damit geht unweigerlich die Erhöhung der Energiepreise einher. Das ist für den entwickelten Westen weitgehend kein Problem. Ganz anders aber sieht es für den größten Teil der übrigen Welt aus. Die vom Westen v. a. über den IWF durchgedrückte Energiewende verteuert für 4/5 der Welt die Energie. Es ist ein Verbrechen, Indien die Finanzierung von Kohlekraftwerken zu verweigern, denn diese wären die einzige Möglichkeit, billige Energie für große Teile der Bevölkerung zu liefern, als Voraussetzung, deren Lebensstandard aus unglaublicher Primitivität heraus zu heben. Und der Effekt? Für ein paar Zehntelgrad Temperaturdifferenz. Nicht mehr, als zwischen seinem Kopf und seinen Füßen bestehen, sagt dieser Redner.

Alles, meint er, wovor wir uns bei einem - angeblichen oder wirklichen - Klimawandel "fürchten" sollen sind doch Dinge und Erscheinungen,  die die Menschheit seit Millionen von Jahren hat und kennt, und die wir alle kennen und haben. Wovor also sollen wir uns fürchten? Anstatt uns deshalb mit möglichen Auswirkungen in 50 oder 100 Jahren zu befassen, die wir möglicherweise um ein paar Zehntel Grad beeinflussen können, wäre es doch viel sinnvoller, uns mit Dingen zu befassen, die das Wetter eben hier oder dort oder in der Welt der Armen bewirkt, und uns direkt damit auseinanderzusetzen. 

Denn dafür haben wir so gut wie immer Lösungen. Und oft sind sie so einfach! Wir wissen, wie man Dürre bekämpfen kann, auch nachhaltig, wir wissen, wie man sauberes Trinkwasser herstellen kann, wir wissen, wie man landwirtschaftliche Methoden einführt, die den Boden in seiner Fruchtbarkeit erhalten. Und wenn es wirklich wärmer wird, muß man darauf eben reagieren. Lokal, konkret, mit handfesten Maßnahmen.

Ganz konkret, vor Ort Dinge zu lösen - das sollte unsere Aufgabe sein, vor allem dann, wenn wir helfen wollen. Anstatt uns mit Dingen zu befassen, die vielleicht in 50 oder 100 oder mehr Jahren passieren, in der Gegenwart aber ganz sicher die Lebensbedingungen eine größten Teiles der Menschheit erschweren, zumindest nicht erleichtern. Und eine Erhöhung der Energiepreise, die mit den sogenannten nachhaltigen Energielösungen unzweifelhaft einhergehen, ist ganz sicher nicht der Weg dazu. Ja, es ist eigentlich ein Ausfluß eines ungeheuren Hochmuts, mit dem wir reichen 10 % der Weltbevölkerung meinen, dem Rest der Welt unsere Verstiegenheiten aufdrücken zu müssen. Für einen Obama ist es egal, ob der Strom das Doppelte kostet.

Aber sogar für die vielen vielen Armen in den USA ist es ein großes Problem, ob sie monatlich plötzlich 100 statt zuvor 50 Dollar für ihre Energie im Haushalt bezahlen müssen. Das verschnupft ein Obama schon nur, wenn er eine neue Krawatte kauft. Dinge wie Steuer auf Kohlendioxyd sind deshalb schwere Belastungen für die unteren Einkommensschichten, denn den oberen kann sie egal sein. Denn dann ist es egal, ob jemand einen Anzug für 1000 Dollar kauft oder um 50. Beide tragen dieselbe CO2-Last.

Es ist deshalb eine Ungeheuerlichkeit, wenn wir 4/5 der Menschheit daran hindern wollen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Das geht aber nur über billige Energie, das geht nur über fossile Verbrennung. Vor allem aber hat es über den Weg zu gehen, den die betroffenen Menschen selbst wählen. Er wird der richtige sein.

Ein interessanter Schlußsatz des Vortrags: "Wir kämpfen nicht gegen böse Menschen. Die meisten sind sehr rasch bereit, umzudenken, wenn man sie einmal ausreichend informiert, ihnen die richtigen Fragen stellt. Die meisten wollen wirklich Gutes. Wir kämpfen deshalb gegen Menschen, die fehlgeleitet und falsch informiert sind!" Nachsatz: Die Bösen sind immer in der Minderheit, das ist keine Frage. Aber ihr Antrieb sich wirksam zu machen übertrifft den der übrigen Menschen um ein Vielfaches. Diese rechnen aber nicht damit, weil sie es sich nicht vorstellen können.

Merke: Kaum jemand ist so leicht in die Irre zu führen und auszutrotteln wie jemand, der - weil er von sich auf andere schließt - ein gutwilliger Mensch ist. Man sollte deshalb sogar oft vor jenen Menschen warnen, die gegen alle Belogenheiten und Finten scheinbar immun sind. Das geht nur, weil sie diese Möglichkeit zur Lüge in sich selbst tragen, sonst würden sie sie nicht kennen. Jeder Rückschluß auch auf den VdZ sei dabei erlaubt. Oder wie sagte dereinst Woody Allen so treffend? Ich möchte mit niemandem befreundet sein, der mich zum Freund hat.










*080816*

Montag, 21. September 2015

Mit Fleisch lebt es sich länger. Weil besser.

Es bleibt zwar zu hoffen, daß es den regelmäßigen Leser dieses Blog nicht nervt, aber manche Themen bleiben auf der Speisekarte, weil sie nicht und nicht von der Speisekarte des Alltags verschwinden und sich so dem zur Wahrheit offenen Geist immer wieder als Ärgernis präsentieren, auf das es zu reagieren gilt. Wobei die Hoffnung hier an dem Punkt seine Sättigung findet, an dem ein Gedankenkreis der Widersprüchlichkeiten, auf den man zuhauf trifft, ausgetrocknet, ins Eine geführt ist. 

So der des "gesunden Lebenssstils" als Motor der verlängerten Lebenserwartung, mit der die Menschheit seit Jahrzehnten gesegnet zu sein scheint. Die Gründe dafür sind aber umstritten, und wie immer hat der Sieg viele Väter. Aber viele schmücken sich mit fremden Federn. Vor allem eben- die Apostel eines "gesunden Lebensstils". 

Denn wie Udo Pollmer berichtet, hat eine umgemein umfängliche Studie der Melinda und Bill Gates-Stiftung ergeben, die auch arme und ärmste Länder einbezog, daß es eigentlich nur einen Faktor gibt, der lebensverlängernd wirkt: und das ist die ungestörte, durch keine Kriege oder Katastrophen beeinträchtigte Entwicklung der genetischen Anlagen. (Denn auch Kriege wirken tiefgreifend auf statistische Lebensalter-Ermittlungen.)

Dabei wirkt sich statistisch vor allem eines aus: Die etwa durch verbesserte Trinkwassersituation oder verbesserte (nicht zuletzt: energieabhängige) Krankenversorgung in unterentwickelten Staaten (im Weltmittel) stark nach unten gegangene Säuglingssterblichkeit. Das alleine läßt jede Altersstatistik nach oben schnellen.

Aber wie die umfangreichen, wirklich umfangreichen Studien ergeben, haben der Lebensstil und die Ernährungsgewohnheiten selbst so gut wie keine Auswirkungen. Vorausgesetzt, die Menschen haben genug zu essen, und sauberes Grundwasser. Und Abwasserlösungen, die sie nicht in Brutstätten für Krankheitserreger versinken lassen. Aber vor allem der immer breitere weil leichtere Zugang zu hochwertiger Nahrung - FLEISCH - hat ungemein segensreiche Auswirkungen.* 


Denn fleischlose Kost ist eine Mangelernährung, eine Ernährung mangels besserer Nahrung, und sonst nichts. Das gilt nicht weniger für die asiatischen Staaten oder Regionen, in denen vegetarische Kost häufig ist. Von den bewußten Asketen abgesehen, die sich eben bewußt - egal aus welchen Gründen - dieser Mangelernährung, dieser Armut aussetzen. Die Bevölkerung aber hat (oder: hatte) nichts Besseres, das ist alles, was sich dazu sagen läßt. Dies zum "Lebensstils des Heiles" hochzustilisieren, kann nur überfütterten, gelangeweilten Wohlstandsprodukten des Westens einfallen. 

Es ist im übrigen blanker Zynismus. Milliarden von Menschen wären heilfroh, endlich Zugang zu leistbarem Fleisch am Mittagstisch zu haben.

Ansonsten läßt sich so gut wie nichts aussagen. Selbst Lebensbedingungen sind nämlich nicht verallgemeinerbar. Was hier lebensverlängernd wirkt, wirkt dort und zu anderen Zeiten lebensverkürzend. Mit viel Mühe läßt sich ein Anteil von 5 % an der weltweit verlängerten Lebenszeit schätzen.

Denn auch der Mythos, "Bildung" würde in diesem Sinne wirken, ist schlichtweg Unsinn, und ("wissenschaftlich") nicht haltbar. Sondern nur Ausdruck des perfiden Wunsches der Verbildeten, die Menschheit in denselben Taumel zu versetzen, indem ihnen selbst die Welt ins Unerkennbare verrutscht ist. Vehikel also für ganz andere, ideologische Zielsetzungen. Denn Ideologie greift nur, wenn die Menschen entsprechend an deren Grundlagen glauben können, und das ist nur möglich, wenn man ihren Glauben weil ihr Weltbild umgelenkt hat. Vom Natürlichen, vom eigenen Wahrnehmen weg - zum Pseudologischen und Rationalistischen, zum Zweifel an sich selbst, zur Hörigkeit also den Welterklärungen der Ideologen hin.

Um gutes Trinkwasser von schlechtem zu unterscheiden, braucht es keine Bildung. Das weiß jeder Mensch, denn er erkennt es schon am Geschmack. Verdorbenes Wasser trinkt man nur trotz des Geschmacks, als geringeres Übel, und dem Verdursten vorzuziehen. Es braucht also alleine Zugang dazu. Und Energie, um es zu fördern oder zu reinigen oder zu verteilen.

Eines, so Pollmer, läßt sich also mit Sicherheit sagen: Daß die tausenden Ratschläge und Aufforderungen, mit denen wir täglich konfrontiert sind, "gesund" und damit lebensverlängernd zu leben, völlig nutzlos sind. Im Gegenteil. Sie versetzen uns in psychischen Dauerstress, neurotisieren einfachste Lebensvollzüge, verbauen damit wirklichen Lebensgenuß (den sie durch pseudowirkliche, simulative "Befriedigungskonstrukte" ersetzen), und bewirken vor allem eines: die Vergeudung wertvoller Lebenszeit für völlig Nutzloses.



*Der VdZ kann hier auch nicht dem sonst so respektierten Robert Spaemann folgen, der da einmal meinte, vegetarische Kost wäre das Richtigere - bemerkenswerterweise: ohne es zu begründen. Jede relevante ethnologisch-historische Forschung ergibt nämlich das Naheliegende der Deutung, daß ZUERST das Tier dem Menschen als Nahrung diente, und erst später - als Folge und Bedingung dessen Domistikation - der Ackerbau entstand. Wofür übrigens auch metaphysische Gründe (die Welt als Stufenordnung) sprechen.




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Sonntag, 2. September 2012

Begegnung im Stiegenhaus - IV

4. Teil - Schluß - Perspektiven

In den grundlegendsten Fällen ist das mit einem der Grundprinzipien der Christlichen Soziallehre identisch: der Rückkehr zur Subsidiarität, zum Aufbau von unten, von den kleinsten Einheiten ausgehend, denen ihre Integrität wiedergegeben werden, in die man große Einheiten oft auch wieder aufsplitten muß - nicht von oben. Mit einer Stärkung des Staats in seinen eigentlichen  (Außenpolitik, Verteidigung, Repräsentation der Gesamtidee, Gesamtbelange des Rechtswesens mit Appellationsgewalt) - aber einem Rückzug aus den unteren Bereichen. Heute passiert aberwitzigerweise immer noch genau das Gegenteil, und wenn man von Verwaltungsreform spricht, meint man meist  die endgültige Auslöschung der unteren Einheiten. Als spräche das ungebremste Wachstum der Zentralverwaltungen nicht eine klare Sprache. Selbst der "Umweltschutz" als holprige, meist technizistische Umdeutung der Liebe zur Schöpfung, kann sich nur so regeln.

Nostalgie? Nein, aber wir könnten ruhig werden angesichts dessen, was uns "blüht", in diesem Zurückschreiten, das wie ein  Neueinfädeln in unser wirkliches Leben wäre. Denn da gab es doch noch jede Menge Greißler, noch jede Menge kleiner Unternehmen, und es gab ... Zeit. Und Lebensblut. Und Sonntagnachmittage wo sich die ganze Familie bei der Mutter traf und erzählte. Und Abende, an denen man vor dem Haus saß, nachdachte, und mit den Nachbarn plauderte. Und einander half, wenn einem der Reis ausgegangen war, anstatt zu plärren, daß doch gefälligst die Märkte auch am Sonntag geöffnet zu sein hätten, zu denen wir dann mit unseren geleasten Renaults und Toyotas rauschen.

25 % der gekauften Lebensmittel werden weggeworfen. 15 % der überhaupt gekauften Dinge braucht - ergab eine seit Jahrzehnten etablierte Erhebung in den USA, der Anteil dieser Ausgaben stieg seit Beginn der Studie ständig - niemand, auch nicht der Käufer. Worein sich fügen ließe, daß es gar nicht anders sein kann: denn jedes Ding schreit nach seiner Wirkung, nach seinem Einsatz in seiner Natur - also auch Geld, sodaß das Kaufen selbst, als Akt, bei Überfluß daran in den Mittelpunkt gerät. Wird das Ende des Geldes nicht direkt ans Ende der uns möglichen, natürlichen Leistung gekoppelt, wird es zum Selbstzweck, beginnt es ein Eigenleben.

So schauen die Realitäten aus. Wir haben verlernt, überhaupt zu haushalten. Die Ursache-Wirkungszusammenhänge sind zerrissen, großen Teils sogar als bewußt initiierte politische Tat, in der man das gesellschaftliche Gefüge nach wie vor neu zu erfinden versucht. Das Leben des Einzelnen ist ihm selbst aber längst nicht mehr transparent. Und der Computer, den in Österreich 75 % aller Haushalte besitzen, voller Symbole und Vorgänge, die niemand mehr durchschaut (!) und damit besitzt, der zum Mythos, aber auch zum Dogma geworden ist, zeigt das nur an.

Zu diesem Lebensbesitz aber, der ja die Fähigkeit zur Lebensrepräsentation ist, zurückzukehren, und zwar durch ein Weniger das mehr ist, ist kein Rückschritt, sondern wäre wirklicher Fortschritt, wäre der einzige Fortschritt, der auch lohnt. Vielleicht, nein, allem Anschein nach leben wir mitten in solch einem Umbruch. Unsere Leiber ziehen ja längst dorthin, auch wenn sich der Verstand noch wehrt. Sie suche nur Ersatzdarstellungen.

Wir leben derzeit nicht in Armut, das stimmt, und es stimmt auch, daß wir uns darauf zubewegen, das ist unausbleiblich, und es stimmt, daß das mit der Hybris des Systems zu tun hat. Aber das wäre für uns ein Aufstieg. Denn ... wir leben im Elend. Unsere Slums sind lediglich mit Müll derartig vollgeräumt, daß wir über ihre Ränder gar nicht mehr hinausblicken.

Noch könnten wir unsere Zukunft gestalten. Bald wird das nicht mehr gehen. Vielleicht in fünf, vielleicht in zehn, vielleicht in zwanzig Jahren. Vielleicht aber auch durch einen scheinbar winzigen Anlaß bereits morgen. Weil alle diese kritischen Systeme kollabieren, sodaß selbst schärfster Totalitarismus - und bis an diese Grenze wird es gehen, das scheint derzeit tatsächlich alternativlos, alles läuft darauf hin, zu fest sitzen die Eliten im Sattel - nichts mehr nützt, das Chaos des Slums ausbricht. Manche Konzerne, manche Entwicklungen in der Wirtschaft zeigen es im Grunde bereits vor.


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Samstag, 1. September 2012

Begegnung im Stiegenhaus - III

Forts. Teil 3) Es wäre interessant - wenn es auch kaum durchführbar ist - herauszurechnen, wie es um unseren Reichtum bestellt ist, wenn man die ständig und stark steigende Staatsquote an der Wirtschaftsleistung, sowie den Anteil der auf Kredit (in Unternehmen wie privaten Haushalten) finanziert ist, vor allem aber auch an Verpflichtungen die wir in die Zukunft verschoben haben (staatlich garantierte Rentenansprüche als Beispiel) herausrechnet.

Der Verfasser dieser Zeilen hat den Verdacht, daß sich ein Schock einstellen würde, der umso mehr verdrängt wird, je mehr uns die Erkenntnis dämmert. Was nicht zuletzt in simplen psychologischen Mechanismen ankern könnte. 

Weil mit einem Schlag das jahrzehntelang wie ein Mantra wiederholte Selbstlob unserer "Tüchtigkeit", der alleine wir alles zu verdanken hätten, mit dem sich Generationen in Selbstzufriedenheit suhlten, die nun noch mit ihrem Pensionen abkassieren (man verzeihe die rüde, aber ... wohl angebrachte Redeweise), zum Gegenteil werden würde: zur Anklage, zur Schuld. An den nächsten Generationen, an der Vergangenheit, an uns selbst.

Selbst wenn man die derzeitige Wirtschaftskrise mit der Flucht in das nächst größere ("kritische") System "bewältigt", indem man weiter Schuldenberge in die Zukunft verschiebt, in der jahrzehntelang eingeübten Denkungsart, daß uns schon noch irgendetwas einfallen würde, sodaß über Effizienzsteigerung (und Steigerung der Wirtschaftsleistung, die immer ausschließlicher von Zuwanderung erwartet wird auch wenn das noch kaum jemand ausspricht), gerät unser System in die Bredouille: Um Kreditwürdigkeit zu erhalten, ist zumindest eine gewisse Rückkehr zu budgetärer Solidität notwendig. Will man aber durch strikte Sparkurse der von den Staaten längst abhängigen Volkswirtschaften nicht ihren Treibstoff entziehen, und damit unabwendbar Armut produzieren, bleibt nur die Steigerung der Einnahmen, durch Steuern und Abgaben. So versucht man ein immer komplexeres, immer fragileres System der Balance zu erhalten, wo jede Detailfrage schon zur Existenzfrage des Ganzen wurde, und der Wert der Trugbilder, der Scheinziele, immer mehr steigt. (Die Frage der "nachhaltigen Energie" ist ein Beispiel dafür.)

So zeigt sich in Europa generell eine gewisse Enge der Liquidität, und sie zeigt sich vor allem bei den unteren Einkommensschichten. Deren Haushaltungsprinzip nicht einfach Effizienz ist, sondern absolute Machbarkeit. Wer nur 150 Euro monatlich zur Verfügung hat KANN keinen Doppelpack an Waschmitteln kaufen, auch wenn der Literpreis unvergleich günstiger wäre. Der hat nur 3 oder 5 oder 10 Euro zur Verfügung, wenn überhaupt, nachdem er seinen täglichen Lebensmittelbedarf gedeckt hat. Hier gelten ganz andere Grundsätze des Verhaltens, wir haben schon mehrfach darüber berichtet, die auch das Verhalten im Einzelnen unter vielfach überraschende Logik stellt.

Aber selbst darin hat sich unser Verhalten - dem der Staaten, der Politik, und der Unternehmen - längst angeglichen, und zwar: weltweit. Handlungsprinzip wurde nach und nach ausschließlicher nicht mehr die schöpferische Gestaltung,  mit der Ziele erreicht werden sollen, sondern die Vermeidung des größeren Übels. Darin mündet die Zuspitzung von Wirtschaftsfragen auf Fragen der Liquidität.

Das produziert erstaunliche "Richtigkeiten". Da werden Staaten HUNDERTE Milliarden an Krediten erlassen, um ihre Gesamtverbindlichkeiten, ihre Wirtschaftspotenz noch halbwegs glaubwürdig zu bewahren, weil ein Ausfall ganzer Märkte vermeintlich noch schlimmere Auswirkungen zur Folge hätte.

Und da verändert sich das Käuferverhalten: es werden kleinere Mengen gekauft, zu höherem Liter- oder Kilopreis, weil man nicht mehr Geld disponibel hat. Das - so der angstvolle Tenor der Medien - sei das sicherste Zeichen für um sich greifende Armut. 

Aber ist das so? Tatsache ist, daß wir "herabsteigen", und auf dieser Treppe kommen uns die "Aufsteigenden", die noch vor kurzer Zeit verachteten wirklich Armen der Welt, entgegen. Plötzlich stehen wir auf demselben Treppenabsatz! Plötzlich wendet Unilever (und nicht nur, beileibe nicht  nur) in Europa dieselbe Strategie an, weil sei auf dieselben Voraussetzungen bei den Konsumenten stößt, wie in Entwicklungsländern.

Aber waren wir jemals "reicher" (oder in diesem Ausmaß reicher) als sie? Haben wir nicht vielmehr an Stellschrauben gedreht, die Parameter für Reichtum an Mengen und Massen orientiert, ohne deren Wesen zu berücksichtigen? Ist das, was uns nun bevorsteht, oder worin inmitten wir uns jetzt befinden, nicht einfach der logische und unausweichliche Rückbildungsprozeß nach Jahrzehnten wirklichen ... Wahns? Nach Jahrzehnten in denen wir uns verhalten haben, als gäbe es kein Morgen? Als wären alle Gesetze der Schwerkraft aufgehoben, gälten nicht für uns? Wieviel an unserer Denkweise war und ist derartig realitätsfremd, unerfahren, töricht! 

Wir haben - als illustratives Beispiel - Infrastruktur geschaffen? Jeder Hausbauer und jeder Unternehmer weiß, daß Investitionen nicht  nur einmal zu tätigen sind, sondern daß die Erhaltung das eigentliche Problem ist! Daß jedes "Ding", das zusätzlich vorhanden ist, immer und ausschließlich mehr kostet als es rein pekuniär bringt - sein Nutzeffekt ist lediglich in der Verlagerung zu suchen! Man kauft also mit jedem Investitionsgut auch zusätzliche - zusätzliche! - Verpflichtungen. Es gibt keine positive Investitionsrechnung, hier hätte die Volkswirtschaft, die Betriebswirtschaft, schon längst umdenken, ja überhaupt einmal nachdenken müssen, denn sie irrt auch hier. Investitionen, Maschinen, Apparate bringen lediglich eine Veränderung der Qualität, aber niemals eine Verringerung der Gesamtenergieleistung, die sie zu ihrem Einsatz und zu ihrem Erhalt benötigen. Und das gilt auch für ... Geld, für Kosten.

Deshalb hat unser "Wohlstand" der letzten Jahrzehnte zu einer mittlerweile dramatischen Verschlechterung unserer Lebensqualität geführt. Immer weniger von all den als positiv gerühmten Einrichtungen, die unser Leben ausmachen, sind freiwillig - immer mehr von ihnen sind Zwang zu erhöhter Energieaufwendung. 

Daß allen Energiesparmaßnahmen zum Trotz der Gesamtenergieverbrauch alleine in den letzten 20 Jahren um 100 % zugenommen hat, und daß sich die Gesamtverbrauchskurve im selben Tempo nach oben entwickeln wird, drückt genau diese Tatsache aus. Aber statt auszusteigen, gestalten wir die Systeme immer komplexer, immer noch umfänglicher, ausgebreiteter, ausschließlicher, schaffen ein kritisches System nach dem anderen. Deren Haupteigenschaft ist, daß sie nicht mehr steuerbar und nicht mehr beherrschbar sind, sondern uns beherrschen, unsere Kräfte aber immer umfangreicher dahingehend binden, als wir mit der Beseitigung ihrer (häufigen) Kleinkrisen beschäftigt sind, die nur einem Ziel dienen: den Kollaps des Gesamten zu verhindern. Und genau das können wir umso weniger ... Wir bauen uns eine Welt der statistischen Wahrscheinlichkeiten, und klammern alles aus, wo noch menschliches schöpferisches Verhalten - die einzige Resource, über die wir überhaupt verfügen! - überhaupt nur möglich ist.
Nur einen Ausweg gäbe es, und die Wirtschaftsstrukturen beginnen ihn partiell bereits zu vollziehen, teilweise weil "es einfach so fällt" (denn im Wirtschaften wirken nach wie vor, fast schon als Rückzugsbastion, wenn es denn Wirtschaften ist, und nicht "Geldproduktion", die Kräfte der Wirklichkeit): in einem Rückbau, in einem Rückschritt, und das hat mit Nostalgie rein gar nichts zu tun. Längst werden die Ladenketten mehr, die die Rückkehr der "Tante Emma-"Läden vollziehen: Kleine Verpackungseinheiten, wirkliche Bedarfsgerechtheit und Vielfalt des Angebots, auch wenn es mehr kostet. Der Verfasser dieser Zeilen kennt aus eigener beratender Tätigkeit Unternehmen auch aus anderen Branchen, die genau durch diesen Weg höchst erfolgreich sind. Wobei die größten Chancen vorerst gewiß beratungsintensive Branchen haben, deren Gut nicht so einfach managementtechnisch auf Preis und Masse heruntergebrochen werden kann, und die auf lokale Verankerung gesetzt - und damit gewonnen haben. Weil sie damit zu den eigentlichen Wurzeln des Wirtschaftens zumindest ansatzweise zurückgekehrt sind - Arbeit als Lebensvollzug, Kauf als Identitätskoinzidenz. (Denn Eigentum hat direkt mit Persönlichkeit und damit Lebenskreis zu tun.)

Abbau der Hybris, der großen Systeme und Denkweisen "im Ganzen", die das individuelle Verhalten so unnatürlich deformiert haben, wo die Wirkung zum Telos wurde. Beschränkung der technischen Möglichkeiten, und sei es durch verringerte Verfügbarkeit von Krediten. Entschleunigung der Lebensvorgänge. Vertiefung anstatt Vermehrung. Abstoßen so vieler Möglichkeiten, die uns nicht vorwärts gebracht haben, sondern unseren Lebensvollzug bis zur Unerträglichkeit kompliziert haben. Rückgewinnung von Eigenverantwortung, allmähliches Wiedergewinnen der Problemlösungskraft des Einzelnen, und von dort ausgehend seines unmittelbaren Lebensumfelds, vor allem durch Einschränkung des Transports (alleine durch Rückbau der Straßen) - Familie, Stadtviertel, Dorf ...

Das wären die Wege, die hier nur in der Richtung angedeutet sein sollen. Und sie würden selbstverständlich den Mut zu einer neuen Armut bedeuten, bemessen wir sie nach heutigen Kriterien. Das braucht viel Mut, viel Bereitschaft, auch schmerzliche Selbsterkenntnis und Schuldbekenntnisse. Nicht an den "globalen Problemen", in die wir nämlich flüchten (Klimawandel ...), sondern am Alltäglichsten. DORT haben wir uns versündigt. Das haben wir verdrängt. Aber nur dort vollzieht sich unser Leben, und dort liegt die Möglichkeit zu Zufriedenheit und Geglücktheit, bei allen Wechselfällen, die zum Leben gehören.

Der Verfasser dieser Zeilen hat es erlebt, wie sich in den 1970er Jahren das Verhalten der Haushalte veändert hat. Noch war es nämlich ungewöhnlich, plötzlich 1 Liter-Gebinde für Shampoos zu kaufen, noch war es ungewöhnlich ganze Paletten von Eiern zu kaufen, anstatt zwei oder vier oder zehn, je nach Verbrauch. Noch war es eigenartig, plötzlich Doppelpackungen von allem und jedem zu sehen. Da zog eine wirklich andere Lebensweise ein. Die des Plastik, die des schlampigen, ungeordneten Überflusses, der Verschwendung, der Nichtachtung der Dinge. Eine, die des Verfassers Mutter bis zuletzt verachtet hatte. Plötzlich stand mit dem Kauf überhaupt nicht mehr das Produkt im Vordergrund, darum geht es nämlich - niemand lebt noch mit den Produkten, den Dingen! Die werden nur verschlissen, wenn überhaupt.

Es geht um das Erleben des Können-Könnens, auf das sich unser Leben verlagert hat. Weil wir gar nicht mehr leben, weil wir nur noch auf einen Punkt hin leben, wo wir angeblich endlich leben - und uns deshalb immer öfter, immer dichter, immer mehr beweisen müssen, daß wir es doch noch tun können, und sei es, daß wir uns an unsere Zukunfts- und Trugbilder, an das ganze mentale Absicherungssystem das uns nahtlos umgibt klammern, mit Händen und Füßen wehren, weil wir - raumlos, wurzellos geworden - die Bedrohung im Hintergrund immer deutlicher fühlen, sodaß sogar jede abweichende Meinung schon zur existentiellen Bedrohung wird. Natürlich, natürlich würde das auch heißen: Bereitschaft zur Folgetragung, weil dann abzurechnen wäre, nicht mehr aufgeschoben werden könnte. Weil dann manches aufzugeben wäre, von dem wir nicht glauben wollen, daß wir uns damit mehr nehmen als es uns gibt.

Nur so, und in diesem Sinn, ist übrigens zu verstehen, wenn an dieser Stelle von Beschränkungen oder Rückbau die Rede ist: nicht durch ein Mehr an Verordnungen und Gesetzen, sondern durch ein Wiederherstellen der Rückkoppelungsmechanismen, was sich schlicht unter "Kostenwahrheit" zusammenfassen läßt. Was praktisch ausnahmslos ein Wegnehmen von staatlichen Regelungen bedeutet, das aber über simple "Privatisierungsmaßnahmen" weit hinausgeht, weil sich nicht auf bloße ökonomische Funktionen beschränkt. Selbst der Aufbau großer Wirtschaftseinheiten, in denen die pure Gesetzmäßigkeit des Kapitals begann die Wirtschaftskreisläufe zu vergiften, war aber so gut wie immer nur möglich, indem der Staat diese Kostenwahrheit - im vermeintlichen Gesamtinteresse, also in seinem, was praktisch immer zur "Synergie" mit den Prinzipien der Machterhaltung selbst auswuchs (die Verflechtung Bankenwesen/Staat ist ja eines der eigentlichen Probleme, das in seinen Folgen wie in seinen Zielsetzungen die gesamte Wirtschaft Europas ´definitiv seit dem 18./19. Jhd. zu durchwuchern begann) - nicht zuließ. Und damit die Regelungskreise des Lebens, von den großen bis mittlerweile zu den allerkleinsten, unnatürlich und parasitär deformierte, seinen Ausgangspunkt im Finanzierungsbedarf politischer Partialinteressen nahm, die das Gemeinwohl uminterpretierten.


Forts. 4. Teil morgen - Perspektiven


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Freitag, 31. August 2012

Begegnung im Stiegenhaus - II

Forts. von gestern) Mit dieser Ankündigung aber hat der Konzern, der seit Jahren große Renditeprobleme hat, etwas wie einen Schock ausgelöst. Er hat vielen bewußt gemacht, daß es in Europa "nach unten" geht. Und hier, im Stiegenhaus, treffen wir uns plötzlich mit den Ärmsten der Welt, die bisher weit weit weg, nie mehr als eine Nachricht in den Medien waren, Objekt des Beweises sozialen Denkens.

Aber die Folgerichtigkeit dahinter ist in mehrfacher Hinsicht gegeben, und ist nicht einfach mit Wirtschaftskrise und Eurowahnsinn und Regierungsversagen abzutun, und noch weniger mit reflexartigen Antikapitalismusgesten, die häufigste Art der beobachteten Reaktion. Wenn von unverschämten Gewinnspannen die Rede ist, von Ausbeuterei und Nutznießerei an den Ärmsten der Armen, nun also auch bei uns. Oder, wie einer es durchaus mit einem gehörigen Portiönchen Wahrheit darin ausdrückte, als Abschöpfen des Sozialleistungen der Staaten durch Konzerne.

Denn für Unilever (und andere) ist das ein logischer Schritt auf einem Markt, der schon lange maßgeblich ein Verdrängungsmarkt ist, wo die Konkurrenz auf gesättigten Märkten die Verdienstspannen so gedrückt hat, daß die Existenz aller am Spiel steht. Bei dieser Strategie sind zwar die Gesamtmengen geringer, aber die Margen bei den nunmehr kleineren Gebinden prozentuell deutlich höher. Weniger aber mehr, das ist also nun die Devise, und sie bedeutet einen Paradigmenwandel.

Aus Nachfragemärkten nach dem Krieg 1945, wurden in den 1970ern erstmals gesättigte Märkte. Darauf haben die Staaten reagiert, und durch Umschichtungen, Umverteilungen, und direkte Markteingriffe, vor allem aber durch direkte Staatsausgaben, nicht zuletzt über den immer weiter ausgebauten Sozialstaat, die "Kaufkraft" über die Geldmenge erhöht. Plötzlich drehte sich auch in den Haushalten das Klima, auch dort begann man in den 1970er-Jahren, Schulden zu machen. Bis dorthin war es soziales Stigma wenn es hieß, einer "hat Schulden". Das kümmerte bald niemanden mehr, weil jeder Schulden machte.

So wuchs und wuchs unser "Wohlstand", wie man an allen Zahlen ablesen zu können meinte: das BIP pro Kopf stieg, die verfügbaren Haushaltseinkommen, die Nachfrage, das Angebot, die Versorgtheit mit Gütern. Die Euphorie, die um sich griff, und den Schwung noch aus dem Wirtschaftswunder nach 1945 bezog - wo alles kaputt, der Bedarf nach allem gegeben war, und wo (man vergißt das meist völlig) der Zustrom von Bewohnern aus ehemaligen, nun verlorenen Ostgebieten die relativen Bevölkerungszahlen (und das heißt: als Arbeitskräfte, als Menschen, die ihr Leben gestalten, bedürfen wie produzieren) in die Höhe schnellen ließ - verdankte sich vor allem auch der Umschichtung innerhalb der Einkommensverwendung.

Staatliche Subventionen und europaweite Preis- und Mengenregelungen, dazu die Schaffung von Weltmärkten (wie im GATT) vor allem für Lebensmittel, schufen unnatürlich verzerrte lokale Märkte. Klartext: nur so konnte man vermeiden, daß der gestiegene Umlauf von Geld sich - wie es zu erwarten wäre - in Preiserhöhungen abschöpfte. Und nur so schuf man "Nachfrage" nach neuen Produkten. Und die gab es vor allem in den 1980ern, als die Computertechnik - vielfach und fälschlich als "letzte große Marktrevolution" bezeichnet, sie war nämlich nur eine Verlagerung, nicht einmal eine Innovation - Einzug hielt und die gesamte Konsumlandschaft verändert, eben durch Verlagerung. Das alles auf der Grundlage von ... Staatsausgaben, nämlich auch durch Infrastruktur (Autobahnen etc.), wodurch man die Geschwindigkeit der Durchsätze erhöhte. Immer mehr und immer schneller wurde die Devise. Nicht einfach als lockerer Wahlspruch, sondern als das gesamte Wirtschaftsverhalten durchwirkendes Prinzip. Bei Verbrauchern wie bei Unternehmen.


Forts. Teil 3 morgen





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Donnerstag, 30. August 2012

Treffen im Stiegenhaus - I

Es gab großes Rauschen im Blätterwald, als Unilever ankündigte, seine Strategie in Europa zu ändern: war bisher beim Konsumenten vor allem der niedrige Preis über höhere Menge gefragt, so hat sich das Verbraucherverhalten geändert. Es gelte eine zunehmend größer werdende Schichte der unteren Einkommensklassen anzusprechen, deren Problem vor allem die geringere Liquidität ist. Produkte werden dort nicht gekauft, weil der Kilopreis niedrig ist, sondern weil man gerade das Geld aufbringen kann, um sie sich überhaupt zu leisten. Unilever würde also dazu übergehen, kleinere Verpackungseinheiten zu produzieren, die auch einen (absolut gesehen) niedrigeren Verkaufspreis brächten. Shampoo-Päckchen mit gerade einer Portion seien z. B. in Indonesien DER Renner im Verkaufssortiment.

Aus so manchen Reaktionen hierzulande läßt sich vor allem eines ablesen: Angst und Gegenwehr vor dem Geruch von "Armut", der um diese Ankündigung weht.

Die alles andere als "Neues" verkündet. Schon seit Jahren haben weltweit Konzerne nämlich die untersten Einkommensschichten als Käuferschichte entdeckt. Weltweit leben etwa 1 Milliarde Menschen in Slums. Bislang galten sie als völlig uninteressanter Markt. Aber eine Studie hat vor Jahren herausgefunden, daß das nicht stimmt, sondern ein voreiliges Urteil ist.

Denn selbstverständlich brauchen auch diese Menschen Produkte, und selbstverständlich VERbrauchen diese Menschen auch diese Produkte. Durch das Vorurteil, das Slums anhaftet, litten sie aber unter Unterversorgung einerseits, und würden anderseits oft horrende Preise zahlen (müssen), und tun das auch.

Dies ist im Rahmen eines generellen Umdenkens Slums gegenüber zu sehen. Schon seit zehn, fünfzehn Jahren hat sich die Haltung der jeweiligen Behörden Slums gegenüber nämlich geändert. Städtebaulich und soziologisch sind sie nämlich eher wie "Städte im Werden" zu sehen, als "unangenehme Erscheinung" nur vorübergehend. So begann man weltweit, Slums nicht zu "beseitigen", sondern von innen heraus zu sanieren. Indem man die wilden Ansiedlungen - noch ungeformten, chaotischen Gesellschaften vergleichbar - mit Infrastruktur auszustatten begann, und legalisierte. Denn als Erscheinung der Stadtflucht zu unterdrücken waren sie ohnehin nicht. Das Element, das man bisher aber vernachlässigt hatte war vor allem die Eigenkraft dieser Menschen. Weshalb auch das Abreißen von wilden Siedlungen, mit dem Ersatz durch Sozialwohnbauten, kaum wirklich Abhilfe schaffen konnte und kann, so sehr das nach wie vor häufige Praxis ist.

Vielfach aber baut man seither Straßen und Brunnen, richtet Krankenhäuser und Schulen ein, und stellt günstig oder gratis Baumaterial zur Verfügung. So war es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Versorgung mit Gütern nachzog.

Forts. Teil 2 morgen)


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Montag, 9. Mai 2011

Was ein Friedensnobelpreis wert ist

Weltfrieden hat jedes Nummerngirl einer Miss-World-Ausscheidung im Mund, und es sind Zurufe nicht sehr anderer Art, die das Nobelpreiskommitee offenbar bewegen können, Menschen mit der weltweit renommierteste Auszeichnung zu versehen, die zu vergeben ist, dem Friedensnobelpreis.

Und zwei seiner jüngsten Träger hat es jüngst kalt erwischt. Der eine, Barack Obama, erhielt ihn als Vorschußlorbeeren, und gerade die Betulichkeits-Demokraten-Habteuchlieb-Menschlichkeit wurde von ihm erst dieser Tage ziemlich strapaziert. Da sitzt der Kerl da, und beobachtet, wie seine Jungs von der Marine den unbewaffneten Osama bin Laden eiskalt abknallen. Vor den Augen seiner Töchter, wie es in der "Zeit" heißt. Das verschärft die Lage. Aber davon wollen wir hier nicht weiter berichten, da produzieren andere genug Wortsalat.

Muhammad Yunus, 71
Die FAZ berichtet nämlich von einem anderen Friedensnobelpreisträger, dem von 2006, dem Bangladeshi Muhammad Yunus. Und er wurde gekürt, weil er eine scheint's geniale Idee hatte - er setzte Mikrokredite in die Welt. Damit sollten Millionen und Abermillionen Arme in die Lage versetzt werden, sich eine Kuh, eine Nähmaschine, einen Leiterwagen anzuschaffen, um ihr eigenes Kleingeschäft zu gründen. Und sich so, am eigenen Schopf, aus dem Sumpf zu ziehen.

Eine Idee, die so erfolgreich vermarktet wurde - und wir schränken die Replik darauf gleich ein, bringen sie auf Kurs, denn immer häufiger, so der Eindruck, sind es nicht mehr die Idee, sondern deren Vermarktung, die die Wertgefüge bestimmen - daß es mittlerweile 70.000 derartige Institutionen gibt, weltweit. Kaum noch ein Entwicklungshilfeprojekt, das nicht Elemente der Kleinkredite enthält. Und es sind vor allem Frauenprojekte, so schreibt es die FAZ, die gefördert werden. Mit deren Hilfe sich Frauen weltweit aus ihren Abhängigkeiten (von den Männern und "deren" Strukturen) befreien können. Ja, diese Mikrokredite haben die als im Grunde wirkungslos gebliebene reine Entwicklungshilfe - eine aberwitzige Geschichte, übrigens, über die noch zu berichten sein wird - fast abgelöst.

Aber die Sache hat einen gravierenden Haken, und sie entpuppt sich in jeder Hinsicht als eine der Fragwürdigkeiten die regelmäßig entstehen, wenn Menschen das Ganze verlassen, um einen Teil zurechtzubiegen. Etwas aufzubauen ist etwas anderes, als etwas niederzureißen, oder zu kritisieren. Das menschliche Tun und Handeln entpuppt sich deshalb zunehmend und wenig ermutigend in einer Charakteristik, wo ein Ding "repariert" wird, während fünf andere zuschanden werden dabei. Weil die Mitte der Welt, und nur aus ihr läßt sich aufbauen, ein ander Ding ist, als hochgefühlte Humanitätswürste. 

Und Eitelkeiten, gepaart mit Machtgelüsten. Denn wenn Yunus geschickt den mittlerweile laut gewordenen Konflikt mit der Regierung seines Landes nun als Kampagne gegen ihn und als Anschlag auf die Humanität verkauft - so dürfte es sich nicht ganz so verhalten. Yunus scheint sich nämlich nicht nur über die Gesetze zu stellen, die in Angelegenheiten seiner Bank nicht für ihn gelten sollen. Sondern die Idee selbst geriet und gerät ins Zwielicht.

Apropos - "seine " Bank. Der mittlerweile 71jährige Yunus war mitnichten Bankier. Er war staatlicher Angestellter, und "seine" Bank ist eine staatliche Einrichtung von Bangladesh.

Es mehren sich aber die Berichte, daß nur rund 3 Prozent der Mikrokredite ihren ursprünglichen Sinn erfüllen. Der Rest des Geldes wird schlichtweg konsumiert. Und auch die "guten" Erbsen im Töpfchen sind fragwürdig. Denn natürlich hat auch Yunus' Institut Grameen enorme Zinsen verlangt, das Risiko ist ja hoch, und die Inflation (auch durch gestiegene Kaufkraft der Massen, übrigens) gleichfalls. Kleinstunternehmer aber, die ihre Anfangsinvestitionen mit 20 oder 25 Prozent Zinsenbelastung abarbeiten müssen, geraten rasch an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit.

Und so ist aus der "guten" Idee, alle Welt selbständig zu machen, mit Geld, eine fatale Sackgasse geworden, die Millionen (!) Menschen in den Ruin getrieben hat und treibt, mit nichts als Schulden. Was, wie man andernorts bereits gehört hat, besonders in Indien fatale spezielle Folgen nach sich zieht - in einer hohen Sebstmordrate. Aber das ist gewiß nicht das eigentliche Folgeproblem.

„Bisher existiert kein überzeugender empirischer Beleg, dass Mikrofinanz dazu beigetragen hat, die Armut zu vertreiben oder Wachstum zu stimulieren“, sagt der Ökonom Arvind Panagariya von der Columbia University in New York. Während die Websites aller Mikrofinanz-Institute voll sind mit Bildergeschichten von Frauengruppen, die kleine Geschäfte auf die Beine stellen, zeigen Daten des gut erforschten indischen Bezirks Andra Pradesh, dass weniger als drei Prozent der Kredite für den Aufbau eines Geschäftes genutzt werden. Der Ökonom Panagariya findet das naheliegend. Die Geschäftsideen der armen Frauen müssen Renditen von 25 Prozent abwerfen, um die hohen Kreditzinsen zurückzahlen zu können, die selbst anständige Mikrofinanzierungs-Institute wie Grameen fordern (20 Prozent und mehr).

Die Armut also konnte er nicht bekämpfen. Also hat (aus übrigens nachvollziehbaren,aber nichts weniger irrigen Gründen!) Yunus sein Geschäftsfeld erweitert, und betreibst längst Mobiltelephon-Unternehmen, Software und IT-Unternehmen, Unternehmen für erneuerbare Energien (überhaupt DER Ausweis mittlerweile für menschliche Klugheit und hohe Moral), oder Fabriken für Moskitonetze. Und immer wieder treten seine Firmen als "non profit"-Spieler auf, in denen die Nerven der Wirtschaft zusammenlaufen, und die Kleinunternehmens-Gründungen forcieren, mit erwähnten Folgen. Und sei es, daß er ein Joint-Venture mit Danone gegründet hat, und nun Joghurts "um die Ernährungssituation der Armen zu verbessern" verkauft. Die Unternehmensgruppe des Friedensnobelpreisträgers hat in Bangladesh bereits eine enorme Machtposition, aus der heraus sie aufgrund des weltweiten "Humanitätsbonus" völlig unkontrolliert als Staat im Staat agiert - mit ausländischem Geld, völlig unabhängig vom Inland. Mittlerweile haben norwegische Journalisten sogar schon Verdachtsmomente recherchiert, daß der gute Mann auch Entwicklungshilfegelder veruntreut hat.

Er habe es nicht verstanden, so die FAZ, die Idee von sich zu lösen. Und gehe nun, mit Eitelkeit und Machtrausch um den Hals, mitsamt seinem Imperium unter, so die Chiffre der Formulierung.

Und mitsamt dem Friedensnobelpreis. Aber da soll er nicht der einzige sein.


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