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Sonntag, 1. Dezember 2019

Gute und schlechte Bischöfe (1)

In freier Übertragung aus dem Amerikanischen, und mit freundlicher Genehmigung des Autors, findet der Leser hier den Beitrag von Ianto Watt aus dem Blog von William M. Briggs, wie er im Oktober d. J. erstmals erschienen ist. Er wird hier jeweils zu den Adventsonntagen (nicht vergessen, Advent ist eine Zeit der Buße und Einkehr) des neuen Kirchenjahres 2019/20 veröffentlicht.


Gute und schlechte Bischöfe: Eine Lektion von Dagger John - Gastbeitrag von Ianto Watt

Keiner hat egal wovon und egal wo noch von irgendetwas eine Ahnung. Das überrascht an und für sich nicht. Letztlich sind wir doch Schafe. Und Schafe sind leicht zu führen. Auch in den Rachen von Wölfen. Wer führt uns dorthin? Unsere Hirten, natürlich. Nein, nicht die guten Hirten, die sogar ihr Leben für ihre Schafe hingeben. Von der Art also, die lieber in die Schlacht ziehen, als davonzulaufen, wenn die Wölfe die Herde einkreisen. Männer, die lieber sterben würden, denn als Feiglinge in die Geschichte einzugehen. Aber gibt es solche Hirten überhaupt noch? Es sieht so aus, als gäbe es sie nicht mehr. Es sieht so aus, als wäre das, was wir haben, Mietlinge wären, die im Bruchteil einer Sekunde fliehen, sobald die Gefahr auftaucht. Feiglinge, wie sie uns die Heilige Schrift vor Augen stellt.
Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, läßt die Schafe im Stich und flieht, sobald die Wölfe kommen. Und der Wolf fällt die Schafe an und zersprengt sie. Der Mietling flieht, weil er eben ein Mietling ist, und ihm an den Schafen nichts liegt. (Joh. 10, 12-13)
Gibt es etwas Schlimmeres als einen Feigling? Natürlich, einen Verräter. Einer, der mit dem wolfartigen Feind kollaboriert. Einen, der nicht direkt vor ihnen davon läuft, aber der dazu beiträgt, die Schafe ihrem schrecklichen Ende zuzuführen. 

Die Position, die der gute Hirte in der Kirche sein sollte, ist der Bischof. Diese Menschenfischer. Wo aber findet man sie in den wichtigsten Aufgaben des Tages? Wie bei der Abtreibung, der Homosexualität, der Verehrung der Göttin Gaia durch die Umweltbewegungen? Ach so, sie sind fischen gegangen. Anruf ist zwecklos, versuche es gar nicht erst. Das Tonband ihres Anrufbeantworters ist voll. 

Sie sind die wahren Verräter. Wir sind ihnen ausgeliefert worden. Nun ist für mich die Frage, warum die verlassenen Schafe noch immer nicht zerstreut sind. Immerhin sind sie ausgeliefert worden, damit man sie verschlinge. Nicht einer nach dem anderen, in der Raserei des Angriffs, sondern eher als Gruppe, die von ihrem Schicksal noch nichts ahnen?

Der geschätzte Leser könnte nun meinen, daß ich mich auf heute beziehe. Aber das tue ich gar nicht. Und zwar überhaupt nicht. Denn es geht nicht darum, daß die Herde bisher so gut bewacht und behütet worden wäre, und mit einem Mal sind heute plötzlich die Wölfe erschienen, woraufhin die Hirten davongelaufen wären. Das ist nicht die Lektion, die uns die Geschichte erteilen möchte.

Sie erzählt uns stattdessen, daß über die Zeiten und Epochen, seit der glorreichen Erhebung Karls des Großen zum Kaiser am Weihnachtstag des Jahres 800 n. Chr., sich ein allmählicher Schwund an "Hirten" eingestellt hat, die mit den Hunden der Hölle einen Pakt geschlossen haben. Durch Männer, die mehr sich als dem Eigentümer der Herden treu waren. Die vor allem ihre Treue aber gegenüber ihren eigenen Ämtern und Positionen, die von Pomp und Glorie und Wohlstand begleitet waren, bewiesen haben. Die ihrem Status in der Hierarchie treu waren. Männer, die eher nicht bereit waren, für etwas anderes ihr Leben zu geben als für sich selbst. Solche Männer sind es, von denen wir in der englischsprachigen Welt seit 750 Jahren geführt werden. 

Ehe ich nun aber meinen Finger ausstrecke, möchte ich an den Leser die Frage stellen, die er möglichst ohne Google oder ähnliche Dämonen zu befragen, beantworten sollte. Wie viele englische Bischöfe (also: Hirten) sind für ihren Glauben gestorben, als Heinrich VIII. die Kirche an sich gerissen hat? Los, schießen Sie los, gleich, spontan! Nein, der Heilige Thomas Morus zählt nicht. Denn der war gar kein Bischof. Er war nur der "Mann des Königs", "the King's Man", wie man es nannte. Na gut, ich helfe Ihnen, ehe Sie das Handtuch werfen. Die richtige Antwort lautet: EINER. Ein einziger, lausiger Bischof. Einer von tausenden, damals hingemordeten Briten.

Hier ist eine Liste von den darunter befindlichen, fast 400 Märtyrerpriestern und -mönchen. Aber es gab noch weit mehr Laien, die so wie diese für ihren Glauben durch die (nunmehrigen) Anglikaner ums Leben gebracht wurden. Sie alle waren Schafe, weil die Kirche richtigerweise sagt, daß die Bischöfe die Nachfolger der Apostel sind, und als solche sind sie auch die jeweiligen Hirten. Der Bischof muß anführen. Der Rest von uns muß ihnen folgen. Priester eingeschlossen. Vergessen Sie diese Tatsache nicht. Priester sind ihren Bischöfen zu Gehorsam verpflichtet.

Wer war nun der eine und einzige Märtyrerbischof?  Es war der Heilige John Kardinal Fisher. Das ist der einzige Bischof, der sein Leben für seine Schafe gab. Sagt Ihnen das irgend etwas, werter Leser? Man kann über Heinrich VIII. alles mögliche sagen, und ich habe das auch gemacht. Man kann ihn verräterischen walisischen Bastard nennen. Ihn und diesen Junius P. Morgan. Walisische Bastarde, alle beide. Aber der springende Punkt ist folgender: Die Bischöfe jener Zeit haben sich ganz einfach für ein angenehmes Leben entschieden. Und zwar nicht, weil Heinrich VIII. ihnen das aufgezwungen hätte. Nein. Diese Wahl traf die Hierarchie selber, die dafür weiterhin in herrlichstem, angenehmstem Luxus lebte.

Worin unterscheidet sich das von heute? Durch nichts. Durch wirklich gar nichts. Hier, schauen Sie sich einmal das Landhaus an, das Bischof Farrell von Dallas für sich persönlich in Anspruch nimmt. Sieht doch echt toll aus, oder? So asketisch, nicht wahr? Das ist ja mal so eine richtige Einsiedlerklause, mitten im dunkelen Wald. Sein Lohn für solche Entbehrungen? Er wurde nun Kardinal. Ab sofort muß er also auch in Rom darben.



Völlig unabhängig davon, ob es nun um königliche Vorrechte oder um die heutigen Perversen der Political Correctness geht - wo liegt der Unterschied? Egal welchem von den beiden man widersteht, das Ergebnis ist dasselbe. Martyrium, auf die eine oder andere Weise. Keiner in den Amtsstuben wird auch nur einen Finger rühren, um Ihnen zu helfen, wenn die Wölfe des modernen Staates an die Tür klopfen, um sich zum Abendessen einzuladen. Insgesamt gesehen, handelt es sich um dasselbe Pack. Oder um dieselbe Hütte. Was auch immer.


  Nächsten Sonntag Teil 2)




Montag, 9. September 2019

Frankreich und der US-Katholizismus

Nur ein Gedanke sei aus diesem Interview herausgegriffen, das E. Michael Jones diesmal einem französischen Internetsender gab. In dem er auf die Rolle Frankreichs in der religiösen, geistigen Geschichte der Vereinigten Staaten eingeht. Denn Jones weist darauf hin, daß Amerika ZWEIMAL von französischem Katholizismus tief geprägt wurde. Und jedes Mal hat sich ein Kampf gegen den logos entzündet, der diesen Geist mit Gewalt austrieb. Von wem? Von einer Allianz aus jüdischen und protestantischen Kräften.

Die erste historische Stufe war den französischen Jesuiten zuzuschreiben. Die ab der Mitte des 17. Jahrhunderts eine äußerst erfolgreiche Missionierung der Indianer starteten, die binnen Jahrzehnten - mit dutzenden Märtyrern als Opfer am Weg - große Teile der Urbevölkerung zum Katholizismus bekehrten. Vor allem im Gebiet der Großen Seen fanden sich die englisch-protestantischen Einwanderer einer rasant wachsenden katholischen Bevölkerung gegenüber. Das wurde durch massiven Einfluß der Freimaurerlogen Englands durch die militärische Intervention Englands, die Kanada britisch machte, zerstört. Bis es zur in rein protestantischem, säkularem, aufklärerischem Geist gegründeten USA kam. Eine Geschichte, die kaum weniger massiven "wirtschaftlichen" Kräften zuzuschreiben war, die sich unter Zurückdrängung der Religion aus dem öffentlichen Leben (was vor allem ein Kampf gegen die Katholische Kirche war) freie Hand in der Entwicklung des Kapitalismus entfaltete. Und nun, durch die Privatisierung der Religion (die als Fortschritt in der Freiheit verkauft wurde), die Kirche als Korrektiv für jeden Staat entmachtete.

Der zweite Fall war das Ende der Phase des Neo-Thomismus, wie er - wieder - unter dem starken Einfluß französischer Intellektueller wie Jacques Maritain in den 1920er, 1930er Jahren große Resonanz fand. Zu dieser Zeit war die Kirche in Amerika enorm stark, und hatte sogar die reale Macht, das jüdische Hollywood über den Einfluß auf die Gläubigen als Kinobesucher im Griff zu halten. 

Das endete 1942 mit dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour, der allen historischen Belegen nach zwar nicht von den USA durchgeführt, aber zumindest provoziert und dann (unter vollem Wissen, was kommt) zugelassen wurde. Bis zu diesem Moment hatte die konservative, stark katholisch geprägte "America First"-Bewegung die Staaten bei einem strikten Nicht-Einmischungs-Kurs gehalten.

Mit Pearl Harbour endete diese "katholische Phase" abrupt. Das FBI suchte kurz nach dem Angriff am 7. Dezember 1942 die Büros der Bewegung auf, und beschlagnahmte alle Mitgliederlisten. Ab diesem Zeitpunkt wandelte sich Amerika zu einem Imperium, das seither und in zunehmendem Maß die Welt terrorisiert hat. Ab diesem Zeitpunkt war es unamerikanisch, der katholischen Soziallehre und Anthropologie zu folgen, die den Menschen unbedingt in einer Lebensumwelt verwurzelt sieht. Der nach 1945 folgende Kalte Krieg öffnete dem social engineering Tür und Tor. 

Das sich zum Ziel gemacht hatte, eine "amerikanische Identität", eine amerikanische Bevölkerung aufzubauen. Es begann mit dem Massentransport von schwarzen Arbeitern aus dem Süden in die Industriezentren des Nordens, wo man sie mitten in die ethnischen Gruppierungen verpflanzte, die sich binnen weniger Jahre auflösten. Und deren Bewohner zu identitätslosen Konsumenten machte, in der die so spezifischen, festgefügten sozialen Räume verdunsteten, und die nunmehr isolierten, vereinzelten Menschen zu wehrlosen Opfern staatlicher Interessen machte.

Damit war zum zweiten Mal der von Frankreich ausgehende katholische, abendländische Geist besiegt. 

Es gibt freilich noch einen dritten Sündenfall dieser Art, nur hat er nicht diese erkennbaren Zusammenhänge mit Frankreich. Aber die Ereignisse von 9/11 können durchaus als nächster Schritt des social engineering gesehen werden. Auch hier - nicht gemacht, davon dürfen wir wohl ausgehen, aber auf erschreckende Weise zugelassen. Er hat die Amerikaner der staatlichen Beeinflussung und Steuerung, im besonderen aber dem "amerikanischen Imperium", auf eine kaum noch zu begrenzende Art unterworfen. Und sie den verzweifelten Bestrebungen, das weltweite Imperium zu erhalten, ausgeliefert. Diesmal auf der Grundlage der social media, das Internet als Vehikel, das über eine zunehmend restriktive Art die Bevölkerung (weltweit) zu steuern versucht. Vielleicht haben wir es schon vergessen, aber das Motto, unter dem diese Beschränkungen liefen und laufen, ist "Terrorismus".
Aktueller Hinweis: Nachdem immer wieder sämtliche Videos von E. Michael Jones auf Yotube gesperrt wurden, bringen wir den Link zu seiner Webseite CultureWars.com, wo sämtliche Videos abrufbar sind.






Montag, 18. März 2019

Stimmt das wirklich einfach so?

Ein wenig hat der VdZ auch solche Äußerungen über, wie sie hier der deutsche Handballer Stefan Kretzschmar zu Ansehen und Mediengeraune brachten. Das Gerede über mangelnde Meinungsfreiheit und Gesinnungsdruck ist nämlich ein Stück weit auch ein selbstmitleidiges Gejammere. Das eine Utopie will - ein Land, wo alle sagen können, was sie denken, und jeder es akzeptiert, auch wenn er ihm nicht zustimmt, sodaß sich wieder alle lieb haben - die es weder so einmal gab, noch je so geben wird. 

Was oft übersehen wird, daß die Sache eine zweite Seite hat. Und die ist der größere Mangel. Es geht um das, was man Zivilcourage nennt, es geht um das, was man Bereitschaft nennt, auch Gegendruck und Böses auszuhalten. Denn die Stärke der Schwachen lebt erst so richtig, wenn die Starken schwach sind. Deshalb muß man die mangelnde Meinungsfreiheit zuerst einmal in einem Gleichschritt mit dem Verlust jenes Ethos gleichsetzen, der das Abendland überhaupt erst geschaffen hat. Und das ist die Bereitschaft, ein Kreuz zu tragen, es ist die Bereitschaft auch unter dem drohenden Tod zu seiner Überzeugung zu stehen.  Erst so kann ein schöpferisches Kulturklima entstehen.

Ja, es gibt Meinungs- und Gesinnungsdruck, und ja, es gibt ungeheure Gewaltbereitschaft, den der anders denkt und anders handelt niederzuschlagen. Vermutlich wird es nicht viele Leser dieser Zeilen geben, die das hautnah und brutal erlebt haben (und immer noch erleben) wie der VdZ. Aber es führt zu nichts, sich unter diesen Prügeln heulend in eine Ecke zu verkriechen und zu fordern, daß die anderen aufhören sollen, so böse zu sein. Man muß ihnen widerstehen! Und die Schläge wegstecken lernen. Und TROTZDEM das Richtige tun. Denn es geht nicht um Erfolg oder Durchsetzungsgewinne, es geht um die eigene Haltung, es geht um den eigenen Zugewinn an Leben. Und den hat man erst bei und durch Selbstüberschreitung, nicht durch Introversion.

Anders wird die Forderung nach mehr Meinungsfreiheit viel zu schnell zu einer Unterabteilung der political correctness. Die alles weghaben will, das schmerzt, und so zu einer Forderung wird, die alles verdammt und als unmoralisch abstempelt, das Anstrengung bedeutet. Und zwar die Anstrengung des Menschseins. Da können wir durchaus Anleihen bei den alten Griechen nehmen, die ihr Leben nicht deshalb gering schätzten, weil sie es nicht liebten, im Gegenteil, sondern die wußten, daß das wirkliche Leben, die wirkliche Frucht, das wirkliche Glück aus der Selbstüberschreitung erwächst. Aus dem Ewigen, meinetwegen: dem ewigen Ruhm, in dem der Gedanke an ewiges Leben verwoben ist. Keine schlimmere Strafe deshalb als nach dem Tode vergessen zu werden.

Was ebenfalls dabei gerne vergessen wird ist, daß diese Meinungsäußerung, diese Freiheit untrennbar mit jenen Lebenskreisen verbunden ist, die einem zustehen, die eines Aufgabengebiet darstellen. Das gegen jene geredet, die da meinen es käme darauf an, möglichst große Massen dazu zu bringen, den Mund über hohe Politik und einfach alles aufzumachen. Stattdessen hat gerade das angeblich befreiende Internetzeitalter samt social media eine Jahrhundertflut an unwesentlichen, substanzlosen Äußerungen gebracht. Auf das wir gerne verzichten können. 

Es würde also vielen auch guttun, den Mund ein Stück weit weniger aufzureißen, weniger zu posten, weniger sinnlose Twitterspenden weiterzuleiten, den Nächsten ein Stück weit weniger mit eines bescheidenen Gedankenergüssen zu nerven. Sondern sein Reden auf das zu beschränken, das unmittelbar und konkret mit eines Lebenskreis zu tun hat. Wie viele gibt es, die die große Lippe führen, wenn es um Migration und Integration und Steuerpolitik und die USA geht, die aber in den eigenen vier Wänden stillschweigend eine Umkehrung aller Ordnung akzeptieren. Denn dort, dort würde es wehtun, und mehr kosten als ein paar Cent Stromkosten für das Absetzen einer hochwichtigen Internetbotschaft. Es wird heute also viel geredet, aber wenig, sehr sehr wenig gedacht, denn das hat mit Sittlichkeit zu tun. Auf allen Seiten.

Eine Gesellschaft, eine Kultur ist immer in Segmente aufgeteilt, ist ein Organismus, in dem jedes Organ seine eigene Funktion hast. Da gibt es Schneider, Bäcker, Furchenzieher und Dochtschwärzer, aber da gibt es auch Priester, Dichter und Philosophen, deren Aufgabe es ist, die Sprache all der Schneider und Furchenzieher aufzufrischen und die Begriffe, sie sich wie Schlacke wieder und wieder anlegen, aufzuklären und zu säubern. Um sie dann, gereinigt, den Bäckern und Dochtschwärzern zurückzureichen. Deren Aufgabe ist, Furchen zu ziehen und Dochte zu schwärzen und gutes Brot zu backen und ihre Toten zu ehren, nicht über Liturgiereformen und Trumpaussagen zu diskutieren. 

Hier täte mehr Ehrfurcht gegenüber den Dichtern, Priestern und Philosophen mehr als gut. Sie sind die Meister der Sprache, damit des Denkens, damit auch - der Meinung. Stattdessen haben wir es doch mit den faulen Früchten eines falschen Menschenbildes zu tun, wie es die Aufklärung vertritt und nach wie vor verbreitet hat. Auch und gerade unter so vielen "Andersdenkenden". Dieses System jedoch funktioniert nur, wenn auch die Kirche funktioniert, als Gegengewicht und Gegenautorität. Es braucht also Religiosität, und zwar vor allem Religiosität, nicht mehr Meinungsfreiheit. Als das Leben mit einer Verpflichtung, die größer ist als aller Druck, unter dem ich stehe, weil ich anders denke als neun Zehntel der Stammtischbrüder.

Also, Herr Kretzschmar, sie waren doch Sprecher der Handballer (oder so ähnlich), hatten also den Lebenskreis, der Opfer verlangt hätte. Wo war da bisher die mutige Pflichterfüllung? Oder erwarten Sie, daß Ihnen doch die einfachen Leute ihre Mühe abnehmen, die sie nicht zu leisten bereit waren?

Von Mut und Freiheit kann man eben nur reden, die wird sich nur in dem Maß ausbreiten, wenn die Menschen sich der ersten, ursächlichsten Wirklichkeit - Gott - mehr verpflichtet fühlen als den Gesetzen der Welt, die immer restriktiv waren und sein werden, wenn es zu wenig gibt, die den hermetischen Kreis aus Eigensucht und seelischer Niedrigkeit auf das Ewige hin durchbrechen. Und so den stinkenden Haufen, zu dem jede gottlose Gesellschaft verkommt, zwangsläufig verkommt, kräftig auslüften, auf daß wieder Blumen wachsen, nicht Stampffäule aufsteigt.

Ohne die Haltung also, nötigenfalls auch zum Märtyrer zu werden, wenn man sich und dem treu bleibt, an das man glaubt, das man für richtig und wahr hält, geht das also nie ab. An solchen Menschen aber mangelt es. Nicht an Menschen, die zu allem und jedem den Mund aufmachen und in Wirklichkeit nichts zu sagen haben. Davon gibt es auch heute mehr als genug. Sie ist meist Ausfluß von Narzißmus und allzu oft nicht mehr als das Gejammere von Menschen, die Erwartungen hatten, die sich nie erfüllen lassen. Auf allen Seiten.

Oh ja, das ist schwer, oh ja, das ist nicht leicht, und oh ja, dagegen verstößt man täglich siebenmal siebzigmal. Aber genau deshalb muß man tagtäglich neu aufstehen, tagtäglich neu anfangen, um jenen Mut zu kultivieren, den jede Meinung braucht, so sie eine ist. Auf daß sie dann im Wind hängen kann, ohne daß sie zu stinken beginnt. Und von der ewigen Weisheit und Wahrheit berichtet. Aber bei sich, bei sich muß jeder anfangen. Von Utopien, daß erst alle anderen, dann ich so sein muß, haben wir nämlich genug.








*110119*

Sonntag, 29. April 2018

Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Christenheit (3)

Teil 3)


Als die Mohawks als nächstes dem Jesuitenpater Speere ins Fleisch stoßen, betet der laut: Jesus, habe Erbarmen mit uns! Und die Huronen, die mit ihm gemartert werden, wiederholen seine Worte. Um diesen Priestergiganten endlich zum Schweigen zu bringen, schneiden ihm deshalb die Peiniger die Unterlippe weg. Dann nehmen sie einen Speerschaft und stoßen ihm diesen in den Rachen. Aber immer noch gibt Brébeuf keinen Schmerzenslaut von sich. 

Also holen sie nun seinen jungen Mitbruder, Pater Gabriel Lalement. Auch er ist nackt. Sie schnallen rund um seine Hüfte einen Gürtel aus Birkenrinde. Wir werden zu einem Spektakel für die Welt gemacht, für die Engel und die Menschen, ruft Lalement aus. Er wird an einen Marterpfahl direkt neben Brébeuf gebunden, ehe die Mohawks seinen Gürtel anzünden. 

Mittlerweile haben die Indianer rund um Brébeufs Nacken ein Halsband aus rotglühenden Tomahawk-Klingen gelegt, vorne drei, hinten drei. Das hat den Sinn, daß er jedesmal, wenn er seinen Oberkörper um den Schmerz zu lindern nach vorn oder nach hinten beugt, von der anderen Seite umso mehr verbrannt wird. Wieder stößt er aus: Jesus, hab Erbarmen mit uns! 

Die Indianer toben vor Haß und Wut, weil sie den Pater nicht brechen können. Zunächst schnallen sie auch ihm einen Hüftgürtel aus Rinde um und stecken diesen in Flammen. Und nun treten Huronen, die vom Glauben aus Angst vor den Martern abgefallen sind, an ihn heran, und gießen ihm in einer Nachäffung der Taufe kochendes Wasser über den Kopf und verspotten ihn: Wir taufen Dich, damit Du im Himmel glücklich bist! Du weißt ja, ohne gute Taufe kann niemand gerettet werden! Du hast doch immer vom Wert des Leidens erzählt, Du solltest also glücklich sein, daß wir Dich leiden lassen. 

Immer noch gibt Brébeuf keinen Klagelaut von sich. Nun werden ihm aus seinen Beinen Streifen von Fleisch geschnitten. Das die Indianer dann vor seinen Augen essen in der Hoffnung, endlich den außergewöhnlichen Mut des Priesters zu brechen. Der aber betet laut für seine Peiniger. Die Indianer toben immer mehr vor Wut. Sie schneiden ihm die Nase ab, dann seine Oberlippe, und schließlich seine Zunge. Sie stecken ihm eine brennende Fackel in den Mund und reißen ihm die Augen aus den Höhlen. Dann schleifen sie ihn zu einem Podest und schneiden ihm die Füße ab. Daraufhin skalpieren sie ihn. Schließlich öffnen sie seinen Brustkorb, reißen ihm das Herz heraus und essen es. In der Hoffnung, den außergewöhnlichen Mut des Priesters in Besitz zu nehmen, trinken sie sein Blut, bis sie dem Leichnam mit einem Tomahawk das Gesicht spalten. 

Pater Lalement wird noch die ganze Nacht weitergefoltert, langsam und sorgfältig, um ihn nicht vorzeitig zu töten. Also bringen sie ihn stets nur an den Rand des Todes, um ihn dann wieder ins Leben zurückzuholen. Im Morgengrauen schneiden sie ihm die Zunge heraus, reißen ihm die Augen heraus, stecken ihm glühende Kohlen in die leeren Augenhöhlen, und schneiden ihm dann die Hände und die Füße ab. Aber das Herz des jungen Priesters schlägt immer noch. Also schneiden sie auch ihm Fleisch vom Körper und essen es, skalpieren ihn, öffnen seinen Brustkorb und schneiden ihm das Herz heraus, essen es, trinken sein Blut. Auch er hat während der ganzen Tortur nicht einen Moment geklagt.

Dabei wäre Lalement gar nicht zur Mission vorgesehen gewesen. Seine Oberen zweifelten an seiner Konstitution. Er sei zu schwach für die Härte der Mission in Kanada, meinten sie. Vielleicht stimmt es, vielleicht war er physisch wirklich nicht der Stärkste. Trotzdem hielt er sechzehn Stunden der härtesten Martern durch.


***

Am Ende der "Biberkriege" 1640 bis 1701, in denen die Irokesen ihr Stammesgebiet ausweiten und sich das Monopol als einzige Fellhändler (und als Mittler zwischen den Weststämmen und den Handelsniederlassungen an der Ostsee) aneignen wollten, werden die christianisierten Huronen (neben anderen mit den Franzosen verbündeten Stämmen) durch die vereinten Südstämme der Irokesen unter der Führung der Mohawk in einem Genozid vollständig ausgelöscht oder vertrieben sein. Sie konnten den Angriffen von Feinden, die in Gier und Haß keine Grenzen kennen und keine Grenzen kennen wollen, die in Dämonie versunken sind, nicht standhalten. Es war einer der grausamsten, blutigsten Kriege in der Geschichte Nordamerikas, der die gesamte Geographie der Indianer Nordamerikas dauerhaft veränderte. Die Huronen sind letztlich als Märtyrer gestorben. Wenige Jahre später verloren die Irokesen die niederländischen Händler, und die immer zahlreicher einsiedelnden Franzosen und Engländer übernahmen den Handel selbst. Letztlich war also alles umsonst gewesen.

***

Den vollen Sinn und Wert des stellvertretenden, sühnenden Leidens, den Wert des Martyriums, können wir nur begreifen, wenn wir begreifen, daß die Getauften in der Kirche in einem geistigen "mystischen" Leib zusammengeschlossen sind. In diesem Zusammengehören kraft der Taufe als "Kirche" ist das, was dem Teil geschieht, dem Ganzen geschieht, und umgekehrt.

Es ist ein Organismus und insofern eine Antwort auf den Universalienstreit des späten Mittelalters, der die Möglichkeit, die Erlösung Christi zu begreifen, immer mehr ausgetrocknet hat, weil er die Stellvertretung nicht mehr begreifen ließ. In dem es nämlich darum ging, ob universale Begriffe, Abstrakta sozusagen, Gattungsbegriffe, übergreifende, zusammenfassende Begriffe eine objektive Wirklichkeit sind oder nur Gedankendinge. Denn wenn sie geistige, abstrakte, aber reale Wirklichkeiten sind, kann diese Stellvertretung gedacht werden. Letztendlich läßt sich also auch die Erlösung durch Jesus Christus nur dann begreifen, wenn wir begreifen, daß Christus "als Mensch" dieses "volle Menschsein an sich", an dem wir teilhaben, je mehr wir Christus ein- und angehören, ihm ähnlich sind, in das göttliche innertrinitarische Leben hineingeholt hat. Durch seine Fleischwerdung.

Die Märtyrer Kanadas, von deren einigen oben gehandelt wird und von denen es insgesamt hunderte, wenn nicht tausende gibt, haben also mit Gewißheit der Kirche insgesamt, aber auch dort, jenen Boden bereitet, aus dem sie sich in Kraft entfalten hatten können. Immerhin war Kanada zumindest in seinem französischen Westen - also dem Raum der katholischen Kirche - immer ein tief katholisches Land gewesen. Daß es heute mit umso größerer Vehemenz von den Dämonien der Gegenwart gebeutelt wird - Genderismus, political correctness, Verrücktheiten sonder Zahl sind dort auf eine Weise implementiert, die man nur noch als kollektiven Wahnsinn bezeichnen kann - kann man deshalb nur als ebenso wütenden Haß verstehen, wie ihn die Mohawk angesichts des unglaublich mutig ertragenen Martyriums der beiden Jesuitenpater Jean le Brébeuf und Gabriele Lalement erfaßt hat. Denn es ist tatsächlich das Blut der Märtyrer, das den Samen der Christenheit bedeutet.



*190418*

Samstag, 28. April 2018

Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Christenheit (2)

Teil 2) Einfügen in die Lebenswelt


Dabei stellte Jean de Brébeuf fest, daß die Sprache der Huronen viele Begriffe nicht kannte, die aber für ein Verständnis des Glaubens unumgänglich waren. Die Franziskaner zuvor hatten dies dadurch "gelöst", also sie die fehlenden Begriffe durch englische oder lateinische Wörter einführen wollten, was natürlich ohne jeden Erfolg blieb. Brébeuf verfaßte hingegen nicht nur in jahrelanger Arbeit eine Grammatik des Huronischen, sondern versuchte, das in diesen notwendigen Begriffen erfaßte in Huronisch zu umschreiben.

So kannten die Huronen die Begriffe Vater oder Mutter oder Bruder etc. nicht. Obwohl ihre Sprache in vielerlei Hinsicht durchaus komplex und vollständig war (Fälle, Geschlecht etc.) kannten sie diese Beziehungen nur, wenn sie in Verbindung mit einem Possessivpronomen vorkamen, also: Mein, Dein, etc. So konnten sie aber schon mit dem Kreuzzeichen "Im Namen des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes" nichts anfangen! Brébeuf dachte lange nach, und suchte schließlich bei den Ordensoberen in Frankreich um die Genehmigung der Formel "Im Namen unseres Vaters und seines Sohnes und ihres Heiligen Geistes" an. Was theologisch subtil und wahr ist, und ihm auch gewährt wurde.

Die Jesuiten in der Mission waren intellektuelle Giganten, hoch gebildet und kultiviert. Doch sie nahmen auf sich, sich in primitivste Gesellschaften zu integrieren, und die Wahrheit des Glaubens vollgültig und wahr in die einfachen Verhältnisse zu transformieren. Brébeuf erhält bald unter den Huronen den Spitznamen "Der Mann, der alles trägt". Sie akzeptieren und mögen ihn, aber dennoch muß er ständig damit rechnen, daß sie ihn umbringen. 

Das Martyrium

Mitte der 1640er Jahre bricht der "Biberkrieg" aus. Die südlichen Irokesenstämme dringen in die Bibergründe der großen Seen im Norden ein, und machen den Huronen eine ihrer Lebensgrundlagen streitig. Am 16. März 1649 haben Pater Brébeuf und sein junger Mitbruder Lalement gerade die Messe fertig gelesen, als die Irokesen auch das Huronendorf überfallen, in dem die Jesuiten leben. Und deren Bewohner großteils bereits christianisiert sind. Alle werden gefangen genommen. Die meisten Huronenchristen werden auf der Stelle abgeschlachtet, ihre Schädel mit Tomahawks gespalten, ihre Kehlen durchgeschnitten. Alte, Kranke, Kinder, Frauen werden in Langhäuser getrieben und diese angezündet, sie verbrennen bei lebendigem Leib. 

Brébeuf und Lalement werden wie die noch verbliebenen Huronenchristen gefesselt und in das Nachbardorf St. Ignatius (alles in Ontario, an der Ostseite des Lake Huron/Huronsees) getrieben, das die Irokesen bereits zuvor geplündert und niedergemacht hatten.

Es gibt Berichte von den nun folgenden Ereignissen durch später entflohene Huronen, die es bis zur Jesuitenmission schafften. Der Jesuit Christophe Regnault ging daraufhin an den Ort des Todes der beiden Mitbrüder zurück, und fand deren Überreste und die Spuren der Ereignisse so, wie es berichtet worden war. Sein Bericht geht wie so viele andere Berichte sofort nach Frankreich.

Die Jesuitenpater werden zwar als das besondere Objekt der Folter angesehen, gemartert werden aber alle gefangenen Huronenchristen. Die mit dem rituellen "Gassenlauf" beginnt. Einem Spießrutenlauf, wo die Opfer von den eine Gasse bildenden Indianern (in der Mehrheit Mohawks, aber auch andere Stämme aus der "Allianz der sechs") mit allem geschlagen werden, was denen in die Hände kommt. Bleiben sie stehen, werden sie totgeschlagen. Zusammen mit den Huronenchristen, reißt man den Patres die Kleider vom Leibe und schickt sie in die Gasse. Mit Müh und Not überstehen die Jesuiten diesen ersten Durchgang

Währenddessen haben andere Mohawks und Algonkins und Seneca bereits Wälle aus Feuerholz und Ästen rund um die Marterpfähle aufgerichtet und entzündet. Zunächst aber werden die Jesuiten mit den Huronenchristen gemeinsam in eine kleine Hütte gesperrt, die einmal als Kapelle hergerichtet hätte werden sollen. Die Christen trösten einander, die Priester erteilen allen nacheinander die Absolution. Schließlich holt man Brébeuf und die Huronen zur Marter.

Im nun beginnenden nächsten Durchgang (die Irokesen sind berühmt dafür, daß sie Marteropfer nur soweit quälen, als sich diese wieder erholen, so daß die Qualen über Tage gestreckt werden können) werden den Gefangenen die Finger gebrochen. Dann werden alle Fingernägel herausgezogen, und alte Frauen und Kinder kommen und nagen an den Enden der Finger. Dann wird Brébeuf allen voran an den Marterpfahl gestellt und daran gefesselt. Als der Pater an seinem Pfahl herantritt, küßt er ihn.

Zunächst legen die Indianer Glutnester um seine Füße, und fahren ihm mit brennenden Fackeln am Körper langsam hinauf und hinunter.  Besonders langsam sind sie zwischen seinen Beinen, in den Achselhöhlen, und um den Hals. Das Fleisch des Heiligen beginnt bereits Blasen zu bilden. Aber er gibt keinen Laut von sich. Das beeindruckt sichtlich die Peiniger. Deshalb beginnen sie, ihm mit ihren Messern tiefe Fleischwunden zuzufügen. 

Während aller dieser Torturen wendet sich Brébeuf immer wieder an seine Mitbrüder, die mit ihm gemartert werden, und tröstet sie: Meine Söhne, sagt er, meine lieben Brüder, laßt uns in unserer Bedrängnis die Augen zum Himmel heben! Laßt uns nicht vergessen, daß Gott Zeuge unserer Leiden ist, und schon bald wird er unsere alles übertreffende Belohnung sein. Laßt uns im Glauben sterben, laßt uns auf ihn und auf die Erfüllung seiner Verheißungen hoffen. Ich habe um euch mehr Sorge als um mich. Bleibt fest, am Ende unserer Leiden erwartet uns die Fülle der Gnade, und die Glückseligkeit wird ewig währen. 


Morgen Teil 3)



*190418*

Freitag, 27. April 2018

Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Christenheit (1)

1539 wurden die Jesuiten gegründet. 1615 hatten sie bereits dreizehntausend Mitglieder, obwohl der Gründer des Ordens, der Hl. Ignatius von Loyola, die Höchstzahl der Mitglieder auf sechzig begrenzt hatte. Der Zulauf war enorm, dabei waren sie durch ihre ungeheure Strenge bekannt. 1645 betrieben sie am europäischen Kontinent bereits fünfhundertzwanzig Hochschulen und Seminare.

In einem Zeitalter, in dem die Wissenschaft erstmals in Europa zu einer nie gesehen Blüte kam, gehörten die Jesuiten zur absoluten geistigen Elite des Kontinents. Fünf, sechs, sieben Sprachen waren üblich, und unter heutigen Bedingungen würde wohl jeder der damaligen Jesuiten zu den Hochbegabten zu zählen sein, die ein Leben in Forschung und Wissenschaft vor sich hätten.  

Aber sie sahen eine ihrer Hauptaufgaben - neben Bildung und Erziehung - in der Mission. Und trotz ihrer intellektuellen Führerschaft in Europa, war der Drang der Jesuitenbrüder in die Mission, wo sie auf alles das verzichteten, das ihnen in Europa Ansehen und Anerkennung hätte bringen können, so groß, daß die Ordensoberen im 17. Jahrhundert extrem sieben mußten und konnten. Denn gerade die Besten drängte es am stärksten in die Welt, um das Evangelium zu verbreiten und den Menschen die Erlösung zu bringen. Sie sahen mit der allergrößten Klarheit die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen, begriffen am hellsten, was diese Erlösung brachte. 

Und in der Mission kam es ganz besonders auf ein Leben im Streben nach Heiligkeit an. Den Jesuiten war damals völlig klar, daß nur ein Heiliger auch missionieren konnte. Missionare mußten also nicht nur psychisch absolut stabil und intellektuell auf voller Höhe sein, sie mußten vor allem im geistigen und geistlichen Leben auf voller Höhe sein. Und die Glanztaten die die damaligen Jesuiten erbrachten, stehen bis heute an Ehrenplätzen in den Geschichtsbüchern.

Umso mehr ist dieser Drang der damaligen geistigen Elite in die Welt bemerkenswert, als sich bald herausstellte, daß ein Missionar nicht nur oft mit extremen Strapazen und Anforderungen fertig werden, sondern überaus häufig mit dem Martyrium rechnen mußte. Allein zwischen 1645 bis 1660 wurden zweihundert Jesuiten von Indogenen umgebracht. Kaum ein Jesuitenmissionar erlebte sein vierzigstes oder gar ein fünfzigstes Lebensjahr, ein höheres Alter war überhaupt extrem selten. Und dennoch drängten die Jesuiten in Europa darauf, ließen ein Leben an Universitäten und in Lehrstuben zurück, um unter den härtesten Bedingungen den Glauben zu verbreiten. Getrieben von einer Liebe zu den Seelen, wie sie eben Heiligen ansteht.

Dafür hatten sie Erfolge, die zuvor nie gesehen wurden, und die die manchmal doch recht dürftigen Erfolge der Franziskaner weit in den Schatten stellten. Franz Xaver etwa, der später in China starb, hatte alleine in Indien, wo die portugiesischen Franziskaner kaum etwas weitergebracht hatten, schätzungsweise eine Million Menschen getauft und bekehrt. Er war es auch, der hundert Jahre vor den Ereignissen in Kanada, von denen unten die Rede sein wird, die jesuitische Missionsmethode begründete. Die immer erst eine lange Phase des genauen Studiums der Gastkultur vorsah. Ja, erst einmal mußte sich der Missionar quasi assimilieren, erst dann konnte er missionieren. 

Also sollten, auf der Basis einer bestmöglichen Sprachkenntnis, Ähnlichkeiten mit dem katholischen Glauben erkannt und als Anknüpfungspunkt verwendet werden. Das persönliche Vertrauen wurde dadurch gewonnen, als jeder Missionar sich bemühte, die Lebensweise der indigenen Völker so weit wie möglich anzunehmen und als "einer der ihren" unter ihnen zu leben.

Die Mission in Neufrankreich-Kanada

Als einer der härtesten Böden für eine Mission galten die Indianer Nordamerikas. Teilweise lebten die Indianerstämme in Zuständen, die unbeschreiblich waren. Das galt vor allem für die meisten der Stämme in Neufrankreich im Osten des heutigen Kanada, wo im Gebiet der großen Seen im Süden die sogenannten "Sechs Stämme" lebten, die unter dem Sammelnamen "Irokesen" ein so passables "Föderalsystem von Staaten" eingerichtet hatten, daß es sogar für die Gründerväter der Vereinigten Staaten gewisse Vorbildfunktion hatte. Ihnen standen nördlich der großen Seen die Huronen gegenüber, deren kultureller Zustand ganz besonders erbärmlich war.

Wir haben heute ganz umfassende Berichte und Schilderungen aus jener Zeit und von jenen Kulturen. Denn jeder Jesuitenmissionar sandte fortlaufend Bericht an die Zentrale in Paris. Dort sammelte man diese Berichte und legte so im Laufe der Zeit eine schließlich siebzig gewaltige Folianten umfassende Chronik an, das heute ein unschätzbares Archiv genauester Kultur- und Tätigkeitsbeschreibungen darstellt. Und aus dieser Chronik stammt auch der Bericht von einem der unglaublichsten Fälle von Martyrium, dem von Jean de Brébeuf, der am 16. März 1649 als Märtyrer starb. Ihm zur Seite sein weit jüngerer Mitbruder, Gabriel Lalement.

Jean de Brébeuf

Jean de Brébeuf wurde am 25. März 1593 in Frankreich geboren und trat erst im Alter von vierundzwanzig Jahren dem Jesuitenorden bei. Nach Studium, Noviziat und Priesterweihe, sowie drei Jahren als Universitätslehrer in Rouen ging er endlich, seinem brennenden Wunsche nach, 1625 nach Neufrankreich (Kanada). Er blieb bei den Huronen für den Rest seines Lebens, also 24 Jahre, bis zu seinem schrecklichen Tod. 1925 wurde er selig-, zusammen mit sieben weiteren Jesuiten-Missionaren 1930 heiliggesprochen. 1940 erhob ihn Papst Pius X. zum Patron Kanadas.

Als Brébeuf in Quebec in Kanada ankam, das damals ein kleines Fort von der Größe eines halben Fußballfeldes war, war die Mission durch die Franziskaner dort so gut wie gescheitert. Mit unendlicher Geduld näherte sich der Jesuit den ersten Huronen, ging ihnen immer tiefer nach und lebte schließlich drei Jahre mitten unter ihnen, teilte vor allem ihre harte Lebensweise. Dabei sprach er drei Jahre praktisch kein Wort, sondern hörte nur zu, studierte nur ihre Sprache und ihre Lebensweise. Aber noch immer blieb er äußerst vorsichtig, lebte dazu in ständiger Todesgefahr, denn ein ausbleibender Regen, einmal Unglück bei der Jagd, und er hätte jederzeit erschlagen werden können. Aber das unterschied sie auch fundamental von den Missionsbestrebungen der Protestanten, die diese Wege nie gingen und entsprechend erfolglos blieben.

Ganz langsam gewann Brébeuf die Zuneigung und das Vertrauen der Indianer, schließlich adoptierte ihn sogar eine alte Frau, und er war fortan halbwegs geschützt. Aber erst 1635 ließen sich die ersten Indianer taufen. Als 1640 eine Windpockenepidemie fast die Hälfte der Huronen hinwegraffte, begannen ihn die Huronen ob seiner Furchtlosigkeit, mit der er bei ihnen aushielt, endgültig zu bewundern, und erste Massentaufen fanden statt. Bald nahm die Bekehrung der Huronen großen Umfang an, und der ganze Stamm änderte nach und nach seine Lebensweise. Es sollte sich für sie tragisch auswirken, umso mehr verdienen sie unsere Achtung. Denn den Indianern waren die Folgen wohl bewußt: Das Christentum macht auf eine gewisse Weise gegen das Böse wehrlos, denn es ist durchdrungen vom Prinzip, daß kein Gut durch ein schlechtes Mittel angestrebt werden kann. Diese Wahrheit über das Sein ist das vielleicht am meisten am Christentum Unterschätzte.

Die Lebensumstände der Huronen

Bis zum Eintreffen Brébeufs lebten die Huronen in unsäglichen Zuständen. Sie wohnten (wie fast alle der Indianerstämme in Neufrankreich) zu zwanzig bis vierzig Menschen unterschiedlichster Familien in aus Rinde und Ästen erbauten Langhäusern, in deren Mitte offene Feuer als Kochstelle und Wärmequelle in den extrem kalten, langen Wintern und überaus feuchten Übergangszeiten brannten. Nur ein kleines Abzugsloch im Dach ließ den Rauch entweichen. Somit fiel einem im Inneren ob des bissigen Rauchs das Atmen schwer, und die Augen Brébeufs waren ständig rot, tränten und bissen.

Die hygienischen Umstände waren extrem. Jeder urinierte oder defäkierte wo immer es ihm gerade einfiel. Dazu kamen die Hunde, die ein gleiches taten. Dennoch spielten die Kinder am Boden. In den Hütten stank es bestialisch. Man wusch sich kaum. Was für ein gewaltiger Unterschied etwa zu den in Mexiko lebenden Azteken, die hygienischer lebten als die eintreffenden Spanier.

Überall herrschte aggressive Promiskuität. Orgien standen an der Tagesordnung. Was mit sich brachte, daß die Stämme viele Fragen wie das Erbrecht matrilinear (aber patriarchal) geregelt hatten, weil kaum jemand seinen Vater, sondern nur seine Mutter kannte. 

Regelmäßig fand ritualisierte Folter statt, und zwar an Gefangenen und Sklaven ebenso wie willkürlich aneinander. Die mit Methoden ungeheurer Brutalität und Raffinesse ausgeführt wurde. Die Nahrung war übelschmeckend, nährstoffarm, zufällig und primitiv, und nach hygienischen Gesichtspunkten widerlich. Die Grundnahrung bestand aus in bloßem Wasser gekochtem, geschmacklosem Wildgetreide, ab und zu mit Aal oder was eben leicht gefunden wurde. 

Schamanen und Medizinmänner hatten Einfluß auf jede Lebensregung, und hielten die indianische Bevölkerung in einer Atmosphäre pausenloser Furcht und Unberechenbarkeit, also in einer alle beherrschenden Dämonie. Sie vor allem davon zu befreien war Brébeufs innerstes Anliegen, und sein Herz brannte in einer Liebe zu diesen Menschen, wie sie eben Heiligen möglich ist. Er wollte ihre Seelen retten, wollte ihnen die Erlösung von dieser Dämonie bringen.


Morgen Teil 2) Einfügen in die Lebenswelt



*190418*

Montag, 20. Februar 2017

Es zielt nur auf den "starken Mann"

Man hört zuweilen, daß die Wahlentscheidungen und Meinungsbefindlichkeiten der Menschen in den jüngsten Jahren eine "Sehnsucht nach dem Starken Mann" ausdrückten. Andere entgegnen mit ebensolcher wichtiger Mine, daß wir deshalb in einer Krise der Demokratie lebten, weil die Menschen sich und ihre Ansichten  nicht mehr "repräsentiert" fänden. Viel das es dazu zu sagen gäbe. Es lohnt nicht.

Genau so wenig zieht das Argument, daß diese Wende zum Starken Mann, die die einen als Gefahr beklagen, den anderen das genaue Gegenteil ist: Eine Sehnsucht der Menschen nach mehr Demokratie, denn diese Wende sei ja dem Wunsch nach mehr "Beteiligung" geschuldet. Nein, sie ist in dem dieses Argument begründenden Boden - "Verlust der Repräsentation eines selbst" - genau so personal orientiert. Mit kaum etwas wird heute mwehr gelogen, oder sich getäuscht, als mit dem Gerede von "Beteiligung". Simpel formuliert: Wenn sich der Bauer in eine MIG23 setzt, wird er damit trotzdem nur Furchen ziehen, weil er alles nur aus seinem realen Lebenshorizkont heraus, seinem Ort aus, sehen kann und vor allem ... muß! Womit eigentlich schon das Wesentliche zum heutigen "Bildungswahn" gesagt ist.
Ist das Christentum eine pathologische Erscheinung?

Es lohnt nicht, weil der VdZ diesen Massenquark sogar aus kirchlichen, ja sogar aus gewissen (irgendwie; man kämpft da ja mit den Begriffen und deren allgemeines Verständnis) konservativen Kreisen zu hören bekam und bekommt. Wo er sich dann besonders wundert (oder auch nicht mehr.)  Denn damit bezeichnen Katholiken die Erlösungstat selbst - die nur personal, repräsentativ, ja stellvertretend möglich war und ist, weil zeitlos ist - als Pathologie.

Aber gerade die abendländisch-katholische Sicht der Welt ist ein personales Beziehen auf den logos, der selbst Person ist. Aus ihm geht alles hervor, und zwar im Sinn, im Wort sohin, das bewegt. Was wäre also für den Menschen richtiger weil natürlicher, als sich auf diese Person zu beziehen? Anders kann nicht einmal im Alltag "Kommunikation" (communicare - teilhaben an ein und demselben, eben: am Sinn, der erst alles sein und werden und leben läßt)  funktionieren.

Was wäre also natürlicher als die personale Ausrichtung auf eine Person auch in der Politik? Wer da behauptet, es wäre prinzipiell "schlecht", sich auf einen Menschen auszurichten, der hat wohl verschlafen, daß Christentum GENAU DAS heißt: daß sich alle Menschen ("die Menschheit") IN EINEM MENSCHEN  (in EINEM Menschen könnte man genau so schreiben)  repräsentiert finden. Wo einer für alle steht, der die Wahrheit selbst ist. Jede menschlich-gesellschaftliche Organisation kann also gar nicht anders und wird es deshalb auch immer tun, als diese ontologische Tatsache in ihrem realen alltäglichen Leben auf die eine oder andere Form abzubilden. 

Wie dumm muß man aber sein um zu glauben, es gäbe da auch "andere" Formen der Gesellschaft, nur weil es das Gequatsche von der Demokratie (welches Wort heute ja längst zu einem völlig schwammigen, undefinierbaren Irgendwas geworden ist, unter dem meist sogar völlig Unvereinbares, Widersprüchliches subsumiert wird) seit vielen Jahren vorbetet und vorzuschützen versucht? Denn auch die Demokratie ist nichts anders, sie ist nur ein anderer Weg um diesen einen persönlichen Repräsentanten, den "starken Mann" zu finden.

Der in seiner vollkommenen Gestalt Jesus Christus ist.

Was aber noch mehr aus dieser Pseudo-Moral des "starker Mann = böse = psychische Defiziosität der Menschen" spricht ist eine Sichtweise der Welt, die gottloser und irriger kaum bestehen könnte. Die der Auflösung der Gestalten, der Personen in Funktionalitäten. Und davor müßte man noch viel mehr warnen, als es bislang geschah. Denn dann haben wir sie wirklich, die Hölle auf Erden. Dann haben wir ihn endgültig, den Totalitarismus. Und diesen gilt es zu fürchten, weil er das individuelle Heil gefährdet, ja unmöglich zu machen trachtet. Hier ist nur noch der Märtyrer möglich, und Martyrium ohne Kampf und Feindschaft gibt es nicht.

***

Selbstverständlich ist dies das klarste, ja endlich ehrlichste Argument für den König, die Monarchie! Der nämlich auf die Religion, auf die Kirche ausgerichtet ist, und seine Legitimität nur aus ihr beziehen kann, von Gott her also. Es ist damit wie in der Ehe, die ohne Sakrament in dieselbe Situation käme: Daß der Mißbrauch dieser Autorität (mit menschlichen Schwächen einhergehend) erst dort zur Bedrohung für die der Autorität zugeordneten Menschen und stufenartigen Hierarchieebenen wird, wenn dieser Gottesbezug fehlt. Der in der Ehe deshalb sakramentalen Charakter hat weil haben muß, anders wäre er gar nicht vernünftig zu verstehen. (Die Hinordnung der Frau auf den Mann ist nur so Heilsweg und -garantie.) 

So, wie man selbst im Agendland nie ganz sicher war, und bis heute nicht ist (man beachte bitte - das ist eine Empfehlung an die Leser - die englische Fernsehserie "The Queen", die ganz erstaunlich gut, ja großartig ist! man beachte dabei die höchst bewegende Krönungsszene!), ob nicht das Königtum ebenfalls ein Sakrament und der König automatisch auch geweihter Priester ist.  Man kann, behauptet der VdZ, darüber nämlich wirklich diskutieren. Das Volk sah es ohnehin immer mehr oder weniger so. In Frankreich und Rußland sogar noch bis ins 20. Jhd. hinein ganz explizit.

Und im Papst, der ja AUCH Staatsoberhaupt ist, eine Tatsache die scheinbar heute schon völlig untergeht, findet sich diese Union ganz unverändert immer noch, auch und sogar gerade unter Franziskus. (Auch wenn das Papstamt, was immer betont werden muß, selbst kein Sakrament sondern nur eine Sonderstellung weil definitive Vervollkommnung des einen priesterlichen Weihesakramentes ist.)

Im Sakrament werden freilich nicht einfach persönliche Schwächen des Königs/Manns/Papstes weggedrückt, als seien sie irrelevant.  Sie bleiben vielmehr was sie sind, und sie wirken sich auch genau ihrer funkntionalen Logik gemäß aus, zum Schlechten, wie sie es in simpelsten Alltagsvollzügen auswirken. Denn nur das Gelingen ist ein Geheimins, das Versagen, der Fehler hat immer Gründe. 

Aber im Sakrament, in dieser hohen Weihe wird alles in einen Sinnhorizont gestellt, der niemals aufhört zu wirken, weil er sich in der Vorsehung Gottes letztendlich immer zum Guten erweisen wird. Und sei es über das Kreuz.

***

Wer eine Demokratie will, die auf diese Weihe verzichtet weil a-personal und funktionalistisch ist, wo die Person nur Marionette einer politishen Absicht ist, der stößt die Welt in das Gottlose des Nihil.






*130217*

Donnerstag, 8. September 2016

Persönlich ein Märtyrer, als Zar am falschen Ort

Zar Nikolaus II. mit Frau Alexandra im Krönungsornat
Die Historiker geben zu, schreibt Robert K. Massie in "Nikolaus und Alexandra", daß Nikolaus ein guter Mensch war. Er war milde, hatte persönlichen Charme, war gütig, liebte seine Familie und war tief religiös. Er war ausgeprägt patriotisch, und sah sich als Vater des einfachen Volkes. Insbesonders seine (hessische) Frau hatte größte Probleme mit der feudalen Elite, und auch sie sah sich als Mutter des Volkes. Doch heißt es, schreibt Massie, diese Dinge zählen hier nicht. Es komme allein darauf an, ein guter Zar gewesen zu sein. (Selbst wenn Nikolaus II. im Jahre 2000 von der russisch-orthodoxen Kirche heiliggesprochen wurde. Österrreich hat mit Karl I. ein ähnliches Problem.)

Dabei kann man das nie abstrakt oder technisch alleine sehen. Mit seinen Eigenschaften wäre Zar Nikolaus II. ein sogar hervorragender König Englands gewesen. (Zu dessen Königshaus er ja ohnehin engste verwandtschaftliche Beziehungen hatte, und dem englischen König George, seinem Cousin, sah er derartig ähnlich, daß man die beiden auf Photographien kaum auseinanderhalten kann.)

Private und religiöse Tugenden zählen hier nicht. Man muß auch der richtige Herrscher zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Und das war Nikolaus offenbar nicht für das Rußland der Wende vom 19. zum 20. Jhd. Er war kein großer Zar. Auch wenn das Krönungszeremoniell von den Byzantinern übernommen unverändert geblieben war.

Historisch waren das Peter der Große, Iwan der Schreckliche, Lenin und Stalin. Sie hatten durch bloße Macht und Terror die zivilisatorisch rückständige Nation mit der Peitsche vorwärtsgetrieben. Bis vielleicht in die Gegenwart hinein haben die Russen in ehrfürchtigem Schrecken zu dem skrupellosen Mann aufgesehen, der die Peitsche schwingt und sie vorantrieb. Peter der Große, der seine Feinde auf der Folterbank zerbrechen und am Roten Platz aufhängen ließ, der seinen eigenen Sohn dem Foltertod auslieferte, ist den Russen dennoch "Peter der Große".

Nikolaus, der mit weit milderer Hand regierte als irgendein Zar vor ihm, ist den Russen aber als "der blutige Nikolaus" in Erinnerung. Eine wirkliche Ironie, die dem Westen Europas aber mehr verständlich ist, als er sich eingestehen will. Der russische Zar war eben eine für das Europa des auslaufenden 19. und beginnenden 20. Jhds. typische Gestalt. Es gab eine Menge wie ihn. Ludwig II: von Bayern etwa, oder Franz Joseph I. und Karl I. von Österreich. Ihnen stand ein entfesseltes, losgerissenes, verwirrtes, entortetes und fehlgeleitetes Volk gegenüber, in dem ganz neue Mechanismen wirkten. Diese Könige wurden zu Köpfen ohne Leib.

Herrscher, die von einem großen Pflicht- und Hingabeethos getragen waren. Die ihre Arbeit taten und sich für nichts zu schade waren. Man denke alleine an den österreichischen Kaiser Franz Josef, einem Ausbund an Pflichtbewußtsein und Prinzipientreue. Es berührt, in Schönbrunn den Ohrenstuhl vor seinem Schreibtisch zu sehen, an dem die rechte Stütze dunkel ist, weil er so oft bis zur völligen Erschöpfung arbeitete, bis er einschlief. Oder gar an den sogar bereits seliggesprochenen letzten Habsburger Kaiser und König von Ungarn, Karl, der schon völlig hilflos noch sein Bestes versuchte, aber den Mut nicht mehr aufbrachte, sich auch mit Gewalt gegen den Zerfall zu stemmen. Ihre Mittel reichten aber nicht mehr für diese Zeit, und um sich zu modernen Despoten aufzuschwingen, wie sie als Politiker-Massenerscheinung bis heute kamen, fehlte ihnen die Niedrigkeit.

Der Zar nahm die Krone zwar aus der Hand der Kirche, setzte sie aber selbst auf
Denn die politischen Kräfte hatten sich im 19. Jhd. geändert. Sie waren technisch geworden. Zuvor war das Schicksal eines Landes noch in höchstem Ausmaß von Erfolg oder Versagen seiner Herrscher ganz persönlich und direkt abhängig. Nun traten aber abstrakte Kräfte auf, die das Persönliche unwesentlich machten. Und sie rissen die europäischen Staaten in völlig neue Wirbel, die sich der Kontrolle durch einzelne Personen entzogen. Und die auch über diese persönlich so vorbildlichen, integeren Herrscher brutal hinwegbrausten. Was zum 1. Weltkrieg führte war bereits neuzeitlich bestimmte "Politik".

Die Monarchien, aus denen Europa damals mehrheitlich noch bestand, waren solche fast nur noch einem Anspruch (logos) nach, der kaum noch sichtbar und immer schwächlicher betrieben wurde - überlagert von einem neuen Schein. Nur noch darum ging es nun.

Es ist eine der so häufigen Ironien - dabei: so gerecht! - der Geschichte, daß die Romanows ausgerechnet von jenen Kräften, die sie in ihren größten "Erfolgen" so energisch ins Land holten und weckten, dann zum Opfer fallen sollten.

(Franz Josef hat zeitlebens keinen  Fuß ins Parlament gesetzt.) Das Martyrium der beiden eng-persönlich wohl größten Herrscher des 20. Jhds. - Karl von Habsburg und Nikolaus II. von Rußland - war ein Martyrium am Abendland überhaupt. An seinem logos, seiner konstituierenden wie einzig organischen Form, die durch den Technizismus bereits unwiederbringlich zersetzt waren.

Denn die gesellschaftlich bestimmenden Kräfte waren nicht mehr an die eigentliche, einzig lebendige Achse angebunden: die des Persönlichen. Politik kann nur persönliches Stehen vor Gott, nicht eine Resultante von Ablaufoptimierungen und "Fähigkeiten" sein. Sie ist deshalb eine Frage des Ortes. Und nur mit Abscheu kann man die Politiker der Gegenwart - sämtlich illegitime (wenn auch "legale") Emporkömmlinge und Charakterwüsten - betrachten, die um diese Notsituation, in der sie in den Demokratien stehen, gar nicht mehr erkennen. Volk und Herrschaft stehen in einer organischen, persönlichen Schicksalsgemeinschaft zueinander, wo sich das Persönliche aus dem Ort definiert, dem logos, dem Wesen, nicht aus "Fähigkeiten". Oder sie fallen. Beide.

Deshalb starb Nikolaus II. mit seiner gesamten Familie wirklich als Märtyrer. So wird er auch von der orthodoxen Kirche - deren Priester er war, denn der Zar war auch Priester* - gesehen und verehrt. Denn er WAR ein außergewöhnlicher Mensch, und er bewies spätestens am Ende sein Herkommen aus heiliger Größe.





*Darüber, wieweit die Königswürde auch eine priesterliche, religiöse, also sakramentale Würde zugleich war, gab es im Westen einen jahrhundertelangen Disput. Ursprünglich und aus der im Volk bestehenden selbstverständlichen Auffassung war es so. Definitiv getrennt wurde diese Union aber im Zuge des Investiturstreits, spätestens ab dem 11. Jhd., wo das Königtum offiziell (inoffiziell etwa in Frankreich noch bis ins 19. Jhd., wo der Volksglaube dem König noch wundertätige weil sakramentale Kräfte zuschrieb) nicht mehr im sakramentalen Sinn und auch als Priesterwürde aufgefaßt wurde. Denn hier gab es für die religiöse höchste Weihe - den Papst. Welt und Reich Gottes fiel definitorisch sogar auseinander, und zu weit auseinander: Ins Falsche der "absoluten Trennung von Kirche und Staat". Beides hat in der orthodoxen Kirche - aus dem byzyntinischen Erbe heraus, wo es ja so war - bis heute aber eine äußerste enge, ja gar nicht zu trennende Verbindung. Wer das nicht sieht, begreift nicht nur das Rußland von heute nicht. Er begreift auch nicht, warum sich die Demokratie im Westen überhaupt hält. NICHT wegen der Demokratie! Sondern wegen der alten, tiefen, tiefstens verwurzelten weil ontologisch begründeten Bindungskräfte in den Menschen. Nur so ist die Akzeptanz von so abstoßend widerlichen Figuren wie Angela Merkel (etc. etc.) überhaupt erklärbar. Weil die Demokratíe, wie deMaistre so richtig feststellte, eine einzige Lüge ist, die den Niedrigen von Nutzen ist, die das Wahre und Echte in den Völkern für ihre Zwecke benützen.





*300716*

Mittwoch, 10. August 2016

Es wäre eine ziemliche Ironie

Wie man liest, war der von Muslimen während eines Gottesdienstes bzw. in Unterbrechung dieses geköpfte französische Priester P. Jacques Hamel seit Jahrzehnten ein eifriger Verfechter des Leitsatzes, daß Muslime unsere Brüder seien. Ja mehr noch, er stellte ihnen einen Teil des Grundstückes, auf dem die Kirche, der spätere Ort seines Todes, stand, zur Verfügung, auf daß sie darauf eine Moschee errichten sollten. Katholiken, Meßbesucher berichten, daß fortan der Gang zur Kirche ein Spießrutenlauf für sie wurde. 

Ob da nicht einfach ein Mann eine Dummheit weil furchtbare Fehleinschätzung, ja sogar dem Irrtum des Relativismus anhing, der sich furchtbar rächte?  Relativismus ist nämlich ganz sicher nicht jene Liebe, als die er gerne tituliert wird. Man kann nur ein Etwas lieben. Wo die Grenzen eines Etwas aber verschwimmen, löst sich das Etwas auf - und damit die Liebe.

Nicht alles, wo Blut durch Muslime fließt, muß auch Martyrium sein. Dummheit ist keine Grundlage für Martyrium. Dann hätten wir aus diesem Fall etwas ganz anders zu lernen. Und wir müßten es lernen. Das wäre dann das Zeichen Gottes. Denn da muß man dem Papst schon recht geben: Nicht jeder, der alahu akbar ruft, ist ein Religionstäter. Und nicht jeder, der seinen Messerstreichen erliegt und getauft ist, ein katholischer Märtyrer.

Aber den Fall kennt der VdZ nicht wirklich. Er konnotiert wieder einmal nur.





*070816*

Samstag, 28. Mai 2016

Auf den Punkt

Dort soll es [das Boot, das der Kölner Kardinal Woelki zum Altar bei der Fronleichnamsprozession aufstellen ließ] dann am Donnerstag dem katholischen Geistlichen als Kulisse dienen. Für die Erbsünde! Für das Weltgericht! Für das große Ganze! Das Boot erinnere an unsere Pflicht, den Einwanderern „zu helfen, ihnen ein Leben in Frieden, eine Perspektive zu bieten“, sagte er dem Kölner Express. Warum? „Weil unser Wohlstand für das Elend anderswo in der Welt in höchstem Maße mitverantwortlich ist.“ Ja, tatsächlich: „Wir leben auf Kosten dieser Menschen – und betreiben dadurch moderne Sklavenhaltung.“*

[...] Es ist unschwer zu erkennen, zumindest in Köln sind die Zeiten scholastischer Gelehrsamkeit vorbei. Wo früher ein Albertus Magnus lehrte, setzt nun die Woelki-Show zum großen Rausch an. Gefühlskitsch trifft Prophetenattitüde: „Wir wollen den Menschen auf der Flucht deutlich machen, daß Christus sich so mit ihnen identifiziert, daß er mit ihnen im Boot sitzt. Sie sollen hier bei uns eine neue Lebensperspektive gewinnen“, erläutert der Kardinal in einer Pressemeldung.


In Malta wurde das Boot beschlagnahmt. Malta, der alte Sitz des Johanniterordens. Von hier aus brachen christliche Ordenskrieger mit getarnten Kriegsschiffen auf, islamische Piraten zu stellen, erbeutete Sklaven zu befreien und die Peiniger Europas dorthin zu schicken, wo sie hingehörten. Auf der Kölner Domplatte wird das Boot stehen. Eben auf jenem Platz also, wo deutsche Frauen zum Jahreswechsel auch eine ganz „neue Lebensperspektive“ kennenlernen durften. Sinnbild ist das Boot in der Tat, da hat Woelki durchaus recht.

[...] Gewiß, das Christentum hat im Laufe seiner zweitausendjährigen Geschichte einiges Skurriles hervorgebracht. Heilige, die Gott näher sein wollten und ihr Leben auf einer Säule beschlossen; Mönche, die ihre Demut dadurch zum Ausdruck brachten, sich ausschließlich von Abfall zu ernähren; Flagellanten, die in der eigenen Geißelung sich von der Sünde befreien wollten und noch viel mehr. Doch allen war gemeinsam: Es war ihre eigene, freie Entscheidung, sich diese Marter aufzuerlegen. Und sie legten sie niemand anderem auf als sich selbst.

[...] Aber unsere modernen Heiligen haben die Arbeitsteilung für sich entdeckt. Ihrer ist das Himmelsreich. Die Marter allerdings, die überlassen sie lieber uns. So sonnen sie sich im Glanze ihrer Demut, genießen ihr behagliches, komfortables Dasein und preisen denjenigen, der ihnen das alles ermöglicht hat. Der moderne Heilige hat eine Vollkasko-Versicherung.





 *Anm. d. VdZ: Diesem so weit verbreiteten Unsinn, der wie ein Nebel über unseren Gehirnen liegt, gehört auch endlich der Sumpf trockengelegt, auf dem er steht. Denn es ist einfach (so) nicht wahr! Um nur kurz hineinzuleuchten: Man solle doch einfach einen Blick in den Süden Afrikas werfen, etwa nach Rhodesien/Botswana, wo die "Ausbeutung durch den weißen Mann" beendet wurde. Heute ist das Land völlig ins Chaos versunken. Die Werte, die wir diesen Ländern angeblich rauben, sind für sie nämlich gar keine Werte. Sie haben nur Wert, weil sie dem Westen verkauft werden können. Umgekehrt profitieren diese Länder von damit zulaufenden Geldflüssen, die das Elend dort nicht nur nicht beheben, sondern sogar noch vertiefen.  (Übrigens gilt das auch für umgekehrte Prozesse - Abzug von Geld, etwa durch "Sparpolitik", wie Griechenland zeigt. Dies ist aber noch leichter verdaubar, weil sich Geld in einer Volkswirtschaft mit Leistung eben - und nur so! - schafft. Eine Sanierung Griechenlands ohne zumindest befristeten Austritt aus dem Geldraum EURO ist deshalb unumgänglich, weil sich anders niemals eine Harmonisierung des Geldumlaufs mit nationaler Leistung einstellen kann. Es war immer schon, und seit je in der Geschichte, der große Irrtum von Regierungen zu meinen, man könne mit Geldmenge Wirtschaft "machen". Geld entsteht nur im freien Wirtschafts- weil Lebensvollzug, weil es auf Gütertausch beruht.)

Das prinzipielle Geschehen dabei ist mit "Korruption" überhaupt nicht klassifizierbar, deshalb auch nicht mit deren "Bekämpfung" behebbar, das ist dummes Geschwätz. Es ist das klugem volkswirtschaftlichem Blick völlig logische Desaster, das Zuflüsse von Kapital in Volkswirtschaften generell bewirken, welche nicht der dortigen Wertschöpfungsbalance entstammt und entspricht. (Sieht man von sehr kurzfristigen, höchst begrenzten Anschubhilfen ab.) Die Utopie vom "Geld-Umverteilen", vom Wohlstand DURCH Geld, ist ein folgenschwerer Irrtum absurder volkswirtschaftlicher Theorien, die Korelation von Ursache und Wirkung nicht unterscheiden können. Sie ist eine wahre Welt-Katastrophe, die Leute anrichten, die religiös an "das Geld" glauben und den Blick vor der Wirklichkeit verschließen. Mit nichts läßt sich ein Land schneller zugrunde richten als mit zufließendem Geld. Die Zeitgeschichte belegt das eindrücklich und täglich. Und gerade anhand von Ländern mit "vielen Rohstoffen". 

Die Werte, die wir angeblich den armen Ländern "rauben", gibt es nicht als absolute Werte. Sie sind nur jeweils im Rahmen einer Volkswirtschaft überhaupt "Werte". Das Öl Arabiens war (und ist) innerhalb dieser Länder wertlos. Kein Rohstoff "hat" (absoluten) Wert. Erst der Mensch in seinem kulturspezifischen Lebensvollzug kennt Werte.

Und nur der Mensch hat auch absoluten Wert (eben anders als seine Werke, die ja Tauschwert haben, und anders als alle möglichen Zustände und Eigenschaften) - aber der entzieht sich prinzipiell der Tauschbarkeit und damit dem Geld, ist kategorial anders und nicht statisch konkretisierbar (wenn auch gerade nur im je Konkreten, also "ohne" konkreten Menschen nicht da) weil eben nicht in Geld zu messen.

Während mit Sicherheit gesagt werden kann, daß die Zuwanderung nach Europa, wie sie sich derzeit abspielt, (zusammen mit der Geldvermehrung) Sklaverei HERVORBRINGEN wird. Und schon hervorgebracht hat, denn es ist deren Merkmal, daß in ihr Lebensführung durch eigene Mittel und Wirkung nicht bewältigt werden kann, weil ihre individuelle Wirkkraft im gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang "zu wenig wert" ist.  Sodaß Menschen also direkt von Nicht-Löhnen abhängig werden, und gar nicht anders können. Wie bei Geld, kann man auch Arbeitskraft nicht einfach "zufließen" lassen, wie bei Geld wird ein nur je lokal (weil auf einen immer abgegrenzten Organismus bezogen - kein Organismus kann je grenzenlos sein, dann ist er kein Organismus mehr -, der weit umfangreicher bestimmt ist als durch bloße Mathematik) mögliches Gleichgewicht, das nur langsam größere Aufnahmekraft entwickeln kann, zerstört. Auch das hat zahllose historische Exempel, aber auch das will niemand sehen. Denn es sprengte wohl endgültig den Horizont der modernen Heiligen (s.o.) 

Aber die Zuwanderer, die derzeit unsere Länder fluten (und fluten wollen) KÖNNEN sich (zu überwiegenden Teilen) aber hier gar nicht erhalten. Die Fähigkeit, ein iPhone zu benutzen ist doch kein Erweis kulturell-volkswirtschaftlicher Adäquanz! Auch Sprachkenntnisse sind es noch lange nicht. Ihnen wird also nur bleiben, sich selbst zu verkaufen, oder kriminell zu werden. Wo sie nicht in einfachen Handreichungsberufen Einheimische durch niedrigere Ansprüche verdrängen.

Alle dem liegt der abstruse und völlig irrige Gedanke zugrunde, Volkswirtschaften seien verobjektivierbare Mechanismen, als die sie bei Beobachtung wirken. Sie sind aber komplexe Vitalsysteme! (Und "komplex" heißt etwas völlig anderes als "kompliziert". Es heißt: NIE DIREKT STEUERBAR. Es heißt: Nur aus Eigendynamik aller seiner Komponenten heraus überhaupt lebensfähig.)





*260516*

Donnerstag, 24. März 2016

Unselige Verknüpfungen

Es ist ein Schlüsselgedanke, den E. Michael Jones vertritt und immer wieder ausbaut. Indem er die These vertritt, daß es eine ganz unglückselige Entwicklung war, die die Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg in eine seltsame Allianz mit dem Westen trieb. Sie hat sich dadurch für den Amerikanismus und den Anti-Kommunismus instrumentalisieren lassen. Und wer diese Zeit erlebt hat, weiß, daß da viel Wahres dran ist. Jones wirft dabei vor allem auch Johannes Paul II. vor, daß er - so wie mittlerweile alle Päpste - seinen privaten Hintergrund mit dem Amt nicht auseinanderhielt. 

Auch dieser Papst* hat die Kirche im Kampf gegen den Kommunismus instrumentalisiert, was zu fatalen Fehlentscheidungen führte. Bei denen nicht die Doktrin, kirchliche Notwendigkeiten alleine zählten, sondern diesen wurde zugunsten einer Verwendbarkeit gegen den Kommunismus ausgewichen. Das montenegrinische Medjugorje ist ein Beispiel dafür, in dem der Papst die katholische Kirche am Balkan gegen den Kommunismus instrumentalisierte und eine klare Entscheidung vermied, obwohl die Ortskirche sehr rasch und eindeutig zu Urteilen gekommen war. So hat man dieses mehr als fragwürdige Phänomen als antikommunistische Stoßlanze großgezüchtet und kämpft nun mit der Handhabung eines grotesken Phantoms.

Aber dieser Kerngedanke hat weitreichende weitere Implikationen, denkt man ihn fort. Denn für die Welt (speziell mit nicht-westlichem, nicht-christlichem Hintergrund) entstand nach 1945 eine Identifikationslinie Kirche - Christentum - amerikanischer Protestantismus (mit seinem absurden Sendungsgefühl) - US-Politik - US-Kapitalismus bzw. verwestlichte, konsumistische Lebensformen. Mit einem Wort: Moderne. Das hat große Bedeutung.

Das hat sie zuerst einmal für die Kirche selbst, die seit Jahrzehnten und vor allem seit dem Zweiten Vatikanum sogar selbst schon von "Trennung von Kirche und Staat" spricht, um sich irgendwie aus der Affäre zu ziehen. Aber plötzlich gibt sie die societas perfecta auf, gibt ihren Auftrag auf, die eigentliche vollkommene Civitatis Dei zu sein, die Matrix jeder menschlichen Gesellschaft, was in Wahrheit also gar nicht zu trennen. Das ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch zur obigen Aussage. In Wirklichkeit ergibt sich daraus die Pflicht, zu jedem konkreten politischen System auf Distanz zu gehen, und vor allen nur eines: die Gleichförmigkeit zur Civitas Dei als einzigen Weg zum Gemeinwohl einzuforden.

Wenn man heute von einer Christenverfolgung riesigen Ausmaßes spricht, so mag das manchen schmeicheln. Aber gerade diese Vokabel wird von den USA politisch mißbraucht. Denn es nützt ihren Interessen, und vor allem den Interessen ihrer Kapitalien, weil es wieder die in Wahrheit tief religiös verstandene amerikanische Politik mit dem Christentum selbst gleichsetzt. Ja, damit ist sogar noch der (zutiefst protestantisch-puritanisch-presbyterianische) Amerikanismus gewissermaßen durch "Märtyrertum" repräsentiert und gar als Heilstat abgesichert. Weil natürlich ein von Gott direkt Auserwählter gar nie irren kann. 

Aber ist es wirklich heute so einfach von Christenverfolgung zu sprechen? Ist es tatsächlich so einfach zu erkennen? Werden hier wirklich immer Christen ALS Christen verfolgt? Oder werden nicht Westler verfolgt, die eine fremde technizistische Konsumkultur der Moderne implementieren wollen, und das auch noch mit göttlich unfehlbarem weil religiös interpretiertem Auftrag drapieren?

In Wirklichkeit wehren sich nämlich Länder wie Indien - das derzeit von einer tsunamiartigen Verwestlichungswelle überschwemmt wird - oder weite Teile der muslimischen Welt gegen eine Verwestlichung. Die ja zugleich den Abschied von ihrer traditionellen Lebensweise bedeutet und Strukturen auferlegt, die dem Religionsverständnis sogar der Kirche widerspricht. Und das sehen natürlich vor allem die Verwurzelten - und das sind die religiösen Menschen!

Aus der erwähnten historischen Identifikationslinie aber ergibt sich für sie aber längst eine Gleichstellung von Christentum und Amerikanismus. Der Haß wendet sich also gegen die als Christen identifizierten und selbst so auftretenden Westmenschen.  Heute glaubt doch wirklich schon jeder Westmensch, daß seine Vorstellungen von Demokratie und "Toleranz" mit dem Christentum selbst gleichzusetzen sind. Auch in der Kirche wimmelt es von Narren, die einen oft genug gar völlig verschwommenen Begriff von westlicher Demokratie mit Christlichkeit gleichsetzen.

Es ist also sehr schwer zu unterscheiden, wo es sich wirklich um Martyrium aufgrund des Bekenntnisses zu Jesus Christus handelt, wo also wirkliche Christenverfolgung stattfindet, und wo es zwar auch nominell Christen sind, die man verfolgt, mit denen man aber die aggressiv vordringende westliche Lebensweise (mit den Fahnen Demokratismus - Kapitalismus - Konsumismus) meint. Was noch einmal schwieriger wird, wenn man bedenkt, daß der amerikanische Protestantismus - das Quäkertum, das Presbyterianertum, der Calvinismus, etc. - tatsächlich westlichen Wohlstand gewissermaßen zum religiösen Bekenntnisträger macht. Noch einmal schwieriger, weil das Bekenntnis eines solcherart protestantischen "Christen" in seinem Wert höchst problematisch sein kann. (Kann, und häufig auch ist. Denn der für sie so typische Fideismus ist NICHT einfach GLAUBE.)**

Keineswegs ist es so, daß man ein vollmundig verkündetes "Jesus" einfach so mit einem Bekenntnis zum inkarnierten Gottessohn gleichsetzen kann. Keineswegs ist es so, daß der Haß auf die Christen ein Haß auf Jesus ist. Er ist häufig einfach ein (mehr als verständlicher) Haß auf brutales Proselytentum, das mit zugkräftiger, vor allem für die Jugend verführerischer Münze die gewachsene Kultur ignoriert, überlagert und ausradiert. Und sich dabei auch noch als moralisch überlegen und als göttlicher Auftrag positioniert.

Die Sache ist also höchst kompliziert.




*Jones stellt noch etliche weitere "unangenehme" Fragen, auch zu Josef Ratzinger, dem em. Papst Benedikt XVI. Dem er gleichfalls vorwirft, den deutschen Hintergrund nicht abgelegt, sondern als Privatperson gehandelt zu haben - als Deutscher. Aber ein Papst kann auch kein Deutscher sein. Er ist Papst der Kirche, nicht zwei Personen, mal privat, mal im Amt. Denn es war eindeutig sein deutscher Hintergrund, der da sprach, als er anläßlich des "Falls Bischof Williamson" (ohne an diesem Ort auf diesen Fall sachlich näher eingehen zu wollen) meinte, daß "Holocaustleugner keinen Platz in der Kirche" hätten. Ahso, fragt Jones? Huren, Schwule, Verbrecher, Sünder aller Art haben Platz in der Kirche - aber keine "Holocaustleugner"? Seit wann? Haben wir derzeit nicht unausgesetzt dasselbe laufen, wenn sich Bischöfe und Kleriker in Beteuerungen überschlagen, daß "Rechte" oder "AfD-Wähler" etc. etc. "keinen Platz" in der Kirche hätten, ja daß man mit diesen nicht einmal reden wolle? Wir haben hier bereits darüber geschrieben: 

Was ist da los? Oder gilt Barmherzigkeit doch nur politisch korrekt und selektiv? Welche Instrumentalisierung (um nicht von Verdummung zu sprechen) ist da am Laufen? Ist hinkünftig nur noch der Katholik oder Christ, der Merkel wählt? Der 'political correct' spricht und für unbegrenzte "Flüchtlingsaufnahme" votiert? Abgesehen von der inhaltlichen Fragwürdigkeit: Ist denn nicht jeder, der sündigt, "nicht Christ" - also auch buchstäblich JEDER, auch der Kleriker, ständig auf der Kippe zum Christentum?

**In diesen Tagen erhielt der VdZ eine (vorgeblich gut gemeinte) Nachricht von Katholiken, für verfolgte Christen zu beten. Es seien etwa da und da "christliche Missionsfamilien und -gemeinden" mit dem Leben bedroht. Seine Antwort: Was bitte schön sind "christliche Missionsfamilien und -gemeinden"? Den aufdringlichen Mormonen gegenüber etwa, die auch hier in Ungarn an allen Straßenecken stehen und "Englischkurse" anbieten, begegnete der VdZ auch nicht unbedingt "freundlich" (wenn auch mit gehöriger Portion Humor, denn es sind hübsche Mädels mit erstaunlicher Bereitschaft zum Schäkern darunter; aber sind das wirklich Christen, nur weil sie mit einer Bibel herumwedeln?).



*240316*

Sonntag, 21. Februar 2016

Was für ein Verfall

Die institutionalisierte Kirche erkennt nicht einmal mehr die, von denen sie lebt: Die Märtyrer, die es heute nicht weniger gibt denn früher. Nur nimmt sie niemand mehr wahr. Weil die Kirche die Kriterien nicht mehr als lebendig erfaßbare Elemente in sich trägt. Folge der Entstaltung, der Ablösung von Gestalt auf Funktion, überdekoriert durch Verbildlichte Heiligkeit, der Karrikatur der eigentlichen Heiligkeit.

Nur einer weiß immer darum. Das ist das einfache Volk. Die Kirche selbst schlägt heute sogar ihre eigenen Märtyrer - die Quellen, aus denen sie lebt - ans Kreuz.





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Freitag, 19. Februar 2016

Das eigentliche Drama

Die Kraft wie Macht der Kirche beruht in ihrem historischen Zusammenhang ganz klar auf einer Tatsache: In allen Wirren der Zeit des Zusammenbruchs einer ganzen Kultur, vom 5. bis zum 8. Jhd., hatte sie das Ewige in sittlicher Größe aufrechterhalten. Die Kleriker waren in allen Wirren die, die blieben. Die aufrecht hielten. Die sich opferten für die Menschen, die ihnen zugeteilt waren. Das halbe Martyrologium ist voll von ihren Namen.

Sie kennzeichnen auch den Niedergang Europas. Die unglaublich schmerzhafte (weil ihr wesenswidrige) Wirklichkeitsferne der Kirche spült sie in den Orkus der Geschichte. Der große Verlierer der gegenwärtigen Ereignisse in Europa ist die Kirche. Der niemand mehr glaubt. Deren Wirklichkeitskompetenz niemand mehr sehen kann. Mit Recht. 

Das ist das eigentliche Drama. Das eine Reaktion der Wut - der VdZ hat es schon vor 25 Jahren vorhergesagt - auf die Kirche als bestimmungsgemäß einzig gültige Darstellung der Wahrheit und damit des Lebens unausweichlich macht. In all den derzeitigen Wirren und Abstreifungen herkömmlicher Deutungsirrtümern wird das Schicksal der Menschen damit in den nächsten Irrtum festgenagelt. Sie werden die Kirche umso heftiger hassen, weil sie ihnen die Wahrheit vorenthalten hat. Denn sie ist die Boje der Ewigkeit im Meer des Zufälligen. Aber was, wenn das Salz schal wirde? Was soll dann noch zum Ewigen hin säuern?
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Mittwoch, 17. Juni 2015

Einige Handlungsrichtlinien eines Staates (2)

Teil 2) Die Anmerkungen & Gewohnte Exkurse





²Ludwig Erhard hat deshalb einen Sozialstaat, der sich als Versorgungsstaat als Dauereinrichtung versteht, strikt abgelehnt. Eine soziale Politik, die sich als direktes Beheben eines dem Gemeinwohl abträglichen Übels versteht, und das kann (subsidiär) notwendig sein, kann nur punktuell und temporär stattfinden. Denn ist sie das NICHT, kann man nicht nach geraumer Zeit darauf wieder verzichten, dann zeigt sich genau damit, daß sie verfehlt ist, weil sie die Wirklichungskraft der Bevölkerung und der gesellschaftlichen Strukturen nicht verbessert hat. Immer mit der immensen Gefahr (siehe die Untersuchungen von V. v. Weizsäcker über die entsittlichende Wirkung eines Sozial- und Sozialversicherungssystems als Dauereinrichtung) daß soziale Maßnahmen in der Praxis sehr schnell die Selbstgestaltungsfähigkeit (=Personalitätsprinzip) der Bürger (und nur darauf kann Gemeinwohl und sogar Wohlstand aufbauen) zerstören. Der Sozialstaat heutiger Prägung zerstört also direkt das Gemeinwohl.
³Dieser Unterschied ist sehr wichtig. Denn es ist nicht Angelegenheit der Öffentlichkeit, heimlich und in begrenztem Rahmen praktizierte Unsittlichkeit zu unterbinden, soferne es nicht die Sittlichkeit anderer gefährdet. Homosexualität (oder egal welche Promiskuität) zu verfolgen gehört sicher NICHT zu den Aufgaben eines Staates, solange sie in diesem Rahmen (sittlicher Eigenverantwortung) vorfällt. Es ist aber einem Staat gleichfalls NICHT gestattet, die "Ignoranz" gewisser (entsittlichter) Moralauffassungen zu fordern oder gar zu verordnen, etwa durch "Anti-Diskriminierungsgesetze", oder durch Erziehungsmaßnahmen, die bestimmte Lebensweisen dem persönlichen moralischen Urteil der Menschen entheben sollen. Tut das die Politik, hat sie das Recht auf Gehorsam verwirkt, und schädigt nachhaltig das Gemeinwohl eines Staates.

Man spricht heute wieder viel von Martyrium. Aber man sieht es meist in gewissen Bildern erstarrt, und sieht es deshalb GAR nicht dort, wo es wirklich stattfindet. Denn in einer Gesetzeslandschaft, die die Entsittlichung der Menschen regelrecht verordnet, fände sich Martyrium in zahllosen "alltäglichen" Fällen, und sei es, daß jemand ein Abfassen seiner Doktorarbeit in Gendersprache verweigert, und damit eine Nicht-Annahme riskiert. Es ist der stinknormale Alltag, so wie er mittlerweile geworden ist, der der Ort des wirklichen, bald zahllosen Aufrufs zum Martyrium für Europas Christen ist, nicht die Kommentierung von Medienereignissen über Syrien oder Nigeria. Aber genau diesem Aufruf folgt niemand mehr.

*Das betrifft übrigens auch die Medien, die die wirkliche Kontrollmacht über den Staat - die Kirche, das religiöse System, das in erster Linie die Aufgabe hat zu prüfen, ob die Lebensweise der Menschen zu ihrer Vervollkommnung führt, oder dieser abträglich ist - zu ersetzen sucht. Denn eines ist es, frei zu denken - das darf niemals verboten werden, und sei es noch so im Irrtum! - aber ein anderes, dieses Denken oder Denkwirken zu verbreiten.

**Das ist einer der Gründe, warum Simone Weil für ein Verbot von Parteien als Organisationen eintrat. Neben der Tatsache, daß die dadurch erfolgende Abstrahierung einer Wahlentscheidung, deren Loslösung vom Personalen eines Mandatars, eine Enteigentlichung (Pseudologisierung) der Menschen selbst mit sich bringt, die das Wesen eines Staates von innen her zerstört.

***Dieses Problem wird heute sträflichst unterschätzt, und deshalb wurden hier bereits Fehler begangen, deren Folgen sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten dramatisch zeigen werden. Ein friedliches Nebeneinander wirklich unterschiedlicher Religionen hat es in der Menschheitsgeschichte noch NIE gegeben. Sämtliche Beispiele der Geschichte, die dies angeblich belegen, sind völlig anders zu deuten. Und sei es, daß in sehr viel früheren zeiten die Unterschiede im tragenden Grund des Religiösen entweder marginal waren, oder gar nicht existierten. Was uns im Rückblick als "Toleranz" erscheinen mag, war gar nie eine solche. Es fehlte schlicht an Unterschiedlichkeiten. 

Oder - wie etwa im Persien bis ins 17. Jhd. - an der Relevanz der Religion, durch bewußt säkulare Regierung. Selbst die Türkei unter Atatürk ist nicht anders zu bewerten. Und wo, wie in der Levante, das "Nebeneinander" unterschiedlicher Religionen "funktionierte", wie in Ägypten oder in Syrien, war und ist es gleichfalls der strengen Hand säkularer Regierungen, oder regelrechter Länderteilungen (wie in Nigeria-Biafra) zu verdanken. Der Libanon zeigt, wo es aber langfristig hinführt. Und die Geschichte ließe zahllose weitere Beispiele anführen, die das Gesagte untermauern. Warum das heute anders sein soll, müßte einmal jemand begründen.

Das betrifft auch und ganz besonders die angeglich "toleranten Zeiten" des Islam, der ja aus einer christlichen Häresie hervorgegangen ist, und deshalb zu Anfang gar nicht als "andere Religion" auftrat, und zum zweiten erst nur eine Strömung unter vielen war (wie im maurischen Spanien bis ins 11., 12. Jhd.) Seine sogenannte "Ausbreitung" hatte schlicht weltlich-politischen Charakter. Nur kommt auf Dauer kein politisches System ohne Religion aus, weil ihm sonst Recht und Ordnungszusammenhalt (mangels Legitimität) zerfiele.

Schon aus der Logik einer Religion überhaupt heraus kann aber gesagt werden, daß es einen starken unpolitischen Islam gar nicht geben KANN, weil es im eigentlichen Sinn überhaupt keine unpolitische Religion geben kann. Genau so wenig wie einen auf Dauer a- oder gar anti-religiösen Staat. Sonst könnte es gar kein Recht geben. Es ist das Recht - und damit die Religion - die die causa formalis des Staates ist, nicht umgekehrt.

Man muß allen Ernstes am Geisteszustand jener zweifeln, die von "friedlicher Koexistenz der Religionen (in einem Staat)" schwafeln. Tolerabel, aus realpolitischen Gründen, sind in ein und demselben Staat andere, nicht-mehrheitliche, stark unterschiedliche Religionen nur dann, wenn sie zu klein sind, um Einfluß zu haben, und in gewisser Hinsicht in der Wahrnehmung des überwiegenden Staatsvolkes nicht vorkommen. Gewinnt eine kleine Gruppe aber viel Einfluß, werden Pogrome oder Bürgerkriege unausweichlich, wie die Geschichte zeigt, weil dem Staatsvolk keine einheitliche Rechtsontologie VORAUS geht: es fehlt somit dem Staat an einem einheitsschaffenden Sinngebilde, aus dem ALLEINE er entstehen und bestehen kann, das er nämlich genau repräsentiert. Also muß er in einer Richtung reagieren, die seinem Gründungsimpetus entspricht.

Die praktischen Folgen aus einem Verstoß gegen diese Wirklichkeit hat auch das Christentum nie verhindern können, wie denn auch: denn es bezieht sich ja wesensgemäß auf das Naturrecht. Und ein solcherart falsche Toleranz als Gebot zu als "man müßte aber" einem Land aufzuerlegen ist Verstiegenheit. Nicht selten, ja wenn nicht fast immer aber - eine versteckte Ableitung eines Hasses auf die Mutter als erfahrene Wirklichkeit von Heimat, von der man sich nicht zum Vaterland lösen konnte - zur Persönlichkeit sohin. 

Das betrifft sinngemäß eine Europäische Union gleichermaßen. Die sich auch auf ein ihr vorausgängiges, christlich-abendländisches Sinn- und Wertegefüge bezieht, ohne die sie von sich selbst abfallen würde, weil sie ihre ontologsiche Quelle - die idea - verlieren und zur reinen Willkür werden würde. Diese idea aber geht jedem einzelnen europäischen Staat gleichermaßen VORAUS, der sich selbst aus ihr heraus im Staatengefüge ALS dies oder das definiert. Wer diesem Sinngefüge nicht zubehört, kann auch nicht "Mitglied der EU" werden.





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