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Sonntag, 20. Mai 2018

Warum es im Klerus so viele Homosexuelle gibt (2)

Teil 2) Von denen, die sich laisieren ließen, 
und von denen, die häufiger in die Seminare kommen




Alles das hat aber auch im Klerus Verwirrung gestiftet. Nicht nur unter den Seminaristen, sondern vor allem bei den Pfarrern und Kaplänen. Bei dem Teil des Klerus also, der unmittelbar mit den Menschen zu tun hatte, der in der Pastoral stand. Denn dort waren sie auch mit den ... Frauen konfrontiert, die in den Pfarren traditionell immer sehr engagiert waren. Dazu kam das Zweite Vatikanische Konzil, das förmlich (oder zumindest in der seltsamen "Stimmung der Weltoffenheit") oder medial interpretiert die Offenheit auch für diese Seiten des Menschen propagierte.

Dazu kam der einmalige Fall, daß die Dikasterien in Rom die Laisierungen ungemein liberal zu handhaben begannen. Laisierungen waren vor 1964 so selten gewesen, daß viele Priester gar nicht wußten, daß eine solche kirchenrechtlich überhaupt möglich war. Von 1970 bis 1976 alleine nahm die Zahl der Priester weltweit von 413.000 auf 340.000, die Zahl der Ordensleute von 208.000 auf 165.000 ab. Man verlängere diese Zahlen nach vor (die Laisierungswelle begann etwa 1964) und zurück (Anfang der 1980er beendete Johannes Paul II. die so liberale Handhabung der Laisierungen.) Auch die Zahl der Neugeweihten ging rapide zurück, stabilisierte sich erst Mitte der 1980er Jahre. Und man kann davon ausgehen, daß erneut vor allem der Westen davon betroffen war.

In sich aus mehreren Richtungen verunsichert - die wir hier nicht erschöpfend behandeln, sondern nur anreißen wollten - begannen die Priester die Begegnung mit dem anderen Geschlecht immer "offener" zu gestalten.**

Dieser Vorgang war weltweit zu beobachten, vor allem aber im Westen. Und er hatte EINE direkte Folge, die man meist ganz einfach vergißt: Es gingen in diesen Laisierungswellen praktisch nur Heterosexuelle! Warum hätten Schwule gehen sollen? Sie "hatten ja alles". Auch die Verschwiegenheit. Damit erhöhte sich automatisch der Prozentsatz an Priestern in der Kirche, die homosexuell lebten, und das umso mehr, weil sich das vor allem im Westen abspielte.

Damit veränderte sich schon rein praktisch die Haltung vieler Priester zur Homosexualität. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein Gläubiger mit einem homosexuellen Priester zu tun bekam (und bekommt), ist vor allem im Westen schlicht und ergreifend deutlich gestiegen. Hier noch mehr noch als anderswo, verschob sich der prozentuale Anteil von hetero- verglichen mit dem homosexueller Priester deutlich zugunsten der letzteren.

Und weil Homosexuelle (zumalen Homosexualität notwendig verborgen bleiben mußte und in der Kirche nach wie vor verborgen werden muß) dazu neigen, sich zu "verschwören", sich also gegenseitig zu helfen und zu fördern, kamen diese nicht nur leichter in den Hierarchien nach oben, sondern auch die Lage bei Männern, die den Priesterstand wählen wollten, änderte sich. Wer sich etwa an die Situation des "Sexskandals" im Priesterseminar St. Pölten erinnert weiß, was als Beispiel dafür gemeint ist: Dort herrschte eine regelrechte "schwule Atmosphäre", der sich kaum ein Priesteranwärter dort entziehen konnte***. Oder ... wollte. Immerhin haben wir es zwar nicht theoretisch, aber praktisch in der Kirche mit einer völligen Neudeutung der Natur der Homosexualität zu tun. Ein Schelm, wer da Böses denkt.

Damit sind wir bei den erwähnten ganz handfesteren Gründen. Die zeigen, warum der Prozentsatz an Homosexuellen unter dem Klerus deutlich über dem in der männlichen Durchschnittsbevölkerung liegt. 

Weil das Zölibatsgebot vor allem heterosexuelle Männer betrifft und unter der heutigen Prämisse der Rolle einer angeblich im Sinne der seelischen Gesundheit frei zu lebenden Sexualität fast nur heterosexuelle Männer vom Klerikerstand fernhält. 

Während erst in diesen letzten 50 Jahren der Klerikerstand in gewisser Hinsicht zu einem Eldorado für Homosexuelle wurde, sich deren Anteil im Klerus also aus Eigendynamik heraus erhöhte.




**Die Art der Beziehungen änderte sich deutlich. Auch der VdZ kann sich an ein Verhalten der damals noch fünf Kapläne in seiner Heimatpfarre erinnern, in der an frommen Abenden plötzlich kecke Spielerein zwischen den Klerikern und den anwesenden Fräuleins zu beobachten waren. Es kam, wie es kommen mußte. Von den fünf Kaplänen Ende der 1960er haben sich vier laisieren lassen, und alle haben geheiratet und eine Familie gegründet. Es kam in diesen Zeiten sogar zur Bildung einer "Anti-Zölibat-Bewegung" im Klerus, die weite Kreise zog.

***Daß es ganz eindeutig Zusammenhänge zwischen Mißbrauch und Homosexualität gibt - beides stammt aus derselben Wurzel mangelnder Außenorientierung und damit vermiedener oder verhinderter Identitätsbildung durch Selbstüberschreitung - soll hier zumindest erwähnt werden. Denn es hat insofern Relevanz, als die "Mißbrauchsskandale", die die Kirche so massiv erschüttert haben, und die vor allem homosexueller Mißbrauch sind beziehungsweise waren, genau mit den hier geschilderten Vorgängen zu tun haben.





*070518*

Samstag, 19. Mai 2018

Warum es im Klerus so viele Homosexuelle gibt (1)

Ein ranghoher (klarsichtiger) Kleriker hat den VdZ vor vielen Jahren einmal um seine Meinung gefragt, was für Gründe es geben könnte, daß sich in der katholischen Kirche Homosexualität derartig stark ausbreiten konnte. Auch seiner Einschätzung nach sei im Klerus Homosexualität deutlich mehr als unter den übrigen Männern verbreitet. Der VdZ kam damals und noch lange Zeit danach zu keiner wirklich befriedigenden Antwort. Seit kurzem meint er aber sie gefunden zu haben. Er hat am falschen Ort gesucht. Die Lösung ist ziemlich handfest, dessen ist er heute sicher.

Und sie setzt bei der sogenannten sexuellen Befreiung an. Ausgehend von psychologischen, psychoanalytischen Thesen breitete sich ab den 1950er, 1960er Jahren praktisch im gesamten Westen (und aus bestimmten Gründen, darüber ein andermal mehr) eine neue Sichtweise des Menschen aus. Ausgehend von "Forschern" wie Sigmund Freud oder Wilhelm Reich ("Der faschistische Charakter"), wild befeuert von einer angeblichen Normalität, die nur bisher von der Kirche mit ihrer rigiden Sexualmoral unterdrückt wurde, wie sie Alfred C. Kinsey (mit seinem Schwindelreport) oder Oswalt Kolle (unter Nutzung der neu aufstehenden Möglichkeiten der Medien) populär machten, samt dem enorm einflußreichen Kulturphilosophen Michel Foucault, setzte sich die Sichtweise durch, daß zu einem guten, erfüllten, "entspannten" (also nicht "repressiven", neurotisierenden) Leben eine frei ausgelebte Sexualität gehöre. 

Nur, wer ein "erfülltes" sexuelles Leben habe, so die These, sei auch ein wahrhaftiger Mensch, nur der werde auch eine rundum geglückte Persönlichkeit aufbauen können. Während Kontrolle über seine Triebe zu erlangen, sich nicht von Begierden lenken zu lassen, oder sich zumindest ständig darum zu bemühen, den Menschen sogar krank mache. Reich hat sogar von Krebs als Folge gesprochen. 

Wir werden auch darüber noch mehr handeln. Für diesmal soll es reichen zu sagen: Das ist natürlich alles eine glatte Lüge. Nicht einmal von "Irrtum" kann man da sprechen. Deren Folgen wir heute (2018) mit bloßem Auge sehen (wenn wir es denn sehen wollen und Antworten nicht am falschen Ort suchen). Weil alle diese "neuen Sichtweisen", die wie ein Albdruck auf allen lastete, die diese Zeit erlebt haben, zu einer völligen Zerrüttung der Lebensläufe führten. Weil sie die Menschen massenhaft, ja "allgemein" zu Lebensentwürfen führten und nach wie vor führen, die kaum noch ein Leben gelingen lassen, und den Westen zu einer nebligen Landschaft in Ruinen gemacht haben. Wo alle nur noch damit beschäftigt sind, irgendwie ihre Leben in allen Grundlagen so irgendwie wenigstens noch "zusammenzuhalten".*

Aber diese Lüge war enorm effektiv. Sie hat viele, sehr viele Menschen regelrecht auf den Kopf gestellt. Fortan war nicht mehr die menschliche Geistigkeit sein eigentlichstes Ziel, die Freiheit, die aus der Freiheit von der Begierde stammt, und die es ermöglicht, sein körperliches Verlangen in die Ordnung der Vernunft zu stellen. 

Das gesamte öffentliche Klima sexualisierte sich stattdessen. Zeitungen, Filme, Fernsehen, Werbungen, Mode, ja der gesamte Umgang der Menschen miteinander. Die freudianische Psychologie wurde zur Modelektüre, Reich, Foucault wurden Modeautoren die endlich zeigten, wie der Mensch wirklich war. Neben einer nie gesehenen Rolle des Darwinismus als angeblich sicheres Wissen, als dem sichersten Weg, die bisherige Moral über das Menschenbild auszuhebeln, weil zu relativieren.


Teil 2) Von denen, die sich laisieren ließen, 
und von denen, die häufiger in die Seminare kommen




*Dieser Gedanke kam dem VdZ, als er vor einigen Wochen zufällig einige Folgen der britisch-amerikanischen angeblichen Erfolgs-, ja Kultserie "Shamless" (nomen est omen) sah. Es ist erschütternd zu sehen, wie sehr diese Geschichten einerseits aus dem Leben gegriffen sind, anderseits damit umso deutlicher den Zustand der Gegenwart zeigen. In dem alle Menschen völlig haltlos wie in Panik um sich schlagen, um wenigstens so irgendwie etwas, das sie als ihr Leben begreifen, zusammenzuhalten.  Die Filme sind ein unglaublich zutreffendes, realistisches Bild der Gegenwart, ja ein Kaleidoskop. Und deshalb ein Spiegel der Sonderklasse, der nur schwer erträglich weil so abstoßend ist.


*070518*