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Montag, 14. November 2022

Europa auf Spitz und Knopf geschoben (2)

Keineswegs nur ein Produkt der Willkür, Ideologie hat zwar gestört, aber nicht bestimmt. Die Lage Deutschlands war schon 1936 auf Schienen, die weit mächtiger als Hitler führten. Der war nur einer (immanenten) Logik gefolgt. - Den Mangel an Rohstoffen, die Unterlegrenheit der deutschen Wirtschaft  hat Hitler nie ausgleichen können. So gigantisch sich deren Produktionszahlen auch lesen mögen, so sind sie nur unter Vorzeichen beeindruckend, die zugleich der Tod der deutschen Miltärstrategie waren. Und bis heute wird das kaum öffentlich rezipiert! 

Aber Hitler stand schon deshalb unter so enormem Zeitdruck, weil er den Armeen Frankreichs und Englands um zwei, drei Jahre voraus war. War deren Industrie aber einmal voll auf Kriegsproduktion angelaufen - und das war ab 1938 der Fall - war absolut kalkulierbar, daß sie ab 1941 die Leistungskraft der deutschen Wirtschaft übertreffen würde, den Existenzkampf Deutschlands zu nähren.

Ohne noch die volle Kapazität der US-Wirtschaft einzubeziehen. Die das Spiel sowieso dann völlig auf den Kopf stellte. Die USA stellte ab 1942 das VIELFACHE der deutschen Flugzeige, Panzer und so weiter her° Das MUSZTE für Deutschland schiefgehen. Churchill hatte also völlig richtig spekuliert und kalkuliert - er mußt enur warten. Er mußte den Krieg nur hinauszögern, und "durchhalten". Dann würde Deutschland aufgrund seiner Limitierungen unterliegen. 

Sonntag, 13. November 2022

Europa auf Spitz und Knopf geschoben (1)

Wie extrem "auf Spitz und Knopf" das Unternehmen Barbarossa gestrickt war, wird einem beim Studium der Analyse der Wirtschaftslage im Hitlerschen Deutschland 1933 bis 1945 noch stärker als ehedem bewußt. Dabei bin ich unzufrieden damit, daß Adam Tooze in "Ökonomie der Zerstörung" so gar nicht berücksichtigt, daß die gesamte strategische Lage eines Deutschland als Staat inmitten Europas schon seit den Napoleonischen Kriegen extrem prekär war.
Oder ein Faktor, der fortan alles ändern mußte.
Dem Durchschnittskunden ist gar nicht bewußt, wie sehr die Lage DIESES aus verschiedensten Überlegungen heraus neu geschaffenen Deutschland - mit seinem Schwerpunkt nördlich des Weißwurscht-Äquators, also nördlich des Main - so fragil war, daß Deutschland mit Präventivkriegen regelrecht FIX kalkulieren mußte. Weil es die strtegische Disposition gar nie hatte (und BIS HEUTE nicht hat), Entwicklungen oder gar Kriegseröffnungen durch andere Staaten abwarten zu können. Zeit, Tempo, Geschwindigkeit, "Blitzkrieg" waren seit den neu eingeführten Reformen und Strategiekonzepten von Scharnhorst und Gneisenau die neuen Paradigmen deutscher Außenpolitik.

Samstag, 24. September 2022

Das Übel der Scheidung

Betrachtet man das heute so allgemein akzeptierte Übel der Ehescheidung, so werden dabei gemeiniglich einige Bedingungen übersehen, die die Scheidung nämlich nur zur Spitze eines Eisbergs machen, und oft nur noch einen in sich bereits faulen Baum fällt. 

Das macht sie nicht weniger zu einem Übel, das ja im eigentlichenSinn erst dort beginnt, wo die "Wiederverheiratung" einsetzt - im Meinen, eine Ehe wäre auflösbar. Und das war der politische Trick dabei, diesen Glauben zu bewirken und zur Norm zu implementieren, also die Erkennbarkeit des Wesens der menschlichen Natur zu verwirren. 

Denn die Gesetze zur Scheidung gingnen in ihren Anfängen praktisch immer auf subjektiven Willen Mächtiger zurück, die die Macht hatten, dies als allgemeine Zulassung festzuschreiben. 

Freitag, 12. August 2022

Man hat die Inflation kommen sehen

Dieses Gespräch von Hans-Werner Sinn mit Roland Tichy ist bereits Ende November gehalten, und Anfang Dezember 2021 veröffentlicht worden. Und es ist heute hörenswerter denn je. Denn der erfahrene Ökonom (der von sich freilich sagt "Ich bin kein Prophet!") sagt hier nicht nur voraus - im November 2021 - daß wir kurz vor einer Inflationswelle stehen, er erklärt auch, warum. 

So, wie er überhuapt so viele Details erzählt und Zusammenhänge zeigt, daß die 50 Minuten ein Erkenntnisgewinn sind. Denn die Einzelaussagen stehen ohne lange Vortrragserklärugen umso prägnanter da. Und aus ihnen läßt sich problemlos ein Bild des Zustands der Welt, der Weltwirtschaft, und unserer Länder zusammenstellen. Wo jedes Steinchen an seinem Platz liegt.

Montag, 9. Mai 2022

Nur noch von Giftpfeilen umgeben

In der Betrachtung dieser unserer Zeit, die sich natürlich so wie alle Zeiten in Medien ausdrückt - Medium, das ist Mittler, das ist Träger, Vermittler von Idee als Forma der Materia - wächst mein Entschluß von Tag zu Tag mehr, sämtliche Inhalte, die mir begegnen, sei es in Gesprächen, in Medienberichten, in Druckwerken (speziell in Druckwerken: ich habe sogar aufgehört, "zeitgenössische" Bücher zu lesen, sie lohnen bis auf wenige Ausnahmen oder Teilgebiete mit Teilerntemöglichkeiten überhaupt nicht mehr, sind reine Zeitvergeudung) als Scheinmanöver, als Verschleierung und Täuschungspraktik zu sehen.

Sodaß es mir grotesk erscheint die Forderung zu hören, daß es uns in den letzten Jahren im speziellen an der Bereitschaft gemangelt habe und ermangele, DEN ANDEREN ZUZUHÖREN. Um nichts geht es doch weniger! Und der Kern des Problems fehlender Einheit ist ganz woanders zu lokalisieren, als in inhaltichen Differenzen, die doch um Gottes Willen mit ein bißchen Bemühen auszudiskutieren seien.

Ruine bedeutet einen vorhergehenden Ruin - Nicht einmal darauf möchte ich noch weiter eingehen. Sondern darauf, daß sich die Ruinenhaftigeit dieser Zeit darin erkennen läßt, daß - wie ebenin Ruinen! - der Ausdrucksgehalt (also die Idee) mit der faktischen Materialität zu einhundert Prozent DECKT. 
Man könnte also von Sakramentalität sprechen, die Ruinen kennzeichnen.

Dienstag, 26. April 2022

Wunder sind das Realste (2)

DENN IN DER NACHT VOM 13. AUF 14. MAI 1940 ist in Waldenburg im Landkreis Basel ein wahrlich geschichtsmächtiges Wunder geschehen. Und dann vergleichen wir auch Österreich 1955 einmal mit Deutschland 1990. (Plust: Zwei Videos.) - Ein Wunder, das die Schweiz bis heute als "Das Wunder von Waldenburg" bezeichnet. Nur ein Wunder dieser Art und Dimension ist - auf den Tag genau 23 Jahre nach den Erscheinungen von Fatima - vergleichbar, das Sonnenwunder von Fatima 1917.

Kaum ein Wunder überhaupt ist von so vielen objektiv unwiderlegbaren Stellen, Personen und Menschengruppen bezeugt. Alles wurde streng geprüft, wie es jedes Wunder verdient und verlangt, soll es ein Wunder sein, und keine "eigentlich auch anders erklärbare Tatsache," bei der man es aber halt aus Pietäts- oder sonstigen Gründen mal "nicht so genau nimmt." 

Am selben Abend sind aber noch an zahlreichen weiteren Orten in der Schweiz diese oder ähnliche Erscheinugnen am Himmel gesehen worden. Nicht nur das, war auch von etlichen jener deutschen Soldaten diese Hand am Himmel erlebt und das militärische Geschehen bezeugt worden, die für diesen Angriff versammelt worden waren.
Dieser Film behandelt dieses Wunder von Waldenburg,

Montag, 25. April 2022

Wunder sind das Realste (1)

So viel und so gern wird über alles das gesprochen, was Geschichte gemacht habe, was diese oder jene vergangenen Ereignisse ausgelöst, bewirkt habe, was die Motive zu diesem und jenem gewesen seien, und doch bleibt praktisch immer mehr Offenes übrig, als von Historikern geklärt werden kann. Gerade bei so komplexen Geschehen wie den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts mache ich die Erfahrung, daß ich mich schon so viel mit diesen Kriegen, der Geschichte davor, danach, mitten drin befaßt habe, und in meiner Bibliothek findet sich eine ganze Unterabteilung der Geschichtsschränke, die nur diesem Thema gewidmet ist. 

Aber zu DEM wirklich grünen Faden in allem habe ich bis heute nicht gefunden, bleibt man innerhalb der "weltlichen" Kriterien, die ja angeblich alleine Geschichte regelrecht sein sollen. Ja mir scheint gar, daß mit der Zunahme von Aspekten und Details durch neu Dazugekommenes, Gehörtes, Gelesenes, Durchgedachtes die Sichtweise nur unsicherer wurde.

Die Freizügigkeit der Debatte, wie ich sie zumindest in den letzten zwanzig Jahren (v. a. durch die Archiveröffnungen in Moskau nach 1990) erlebt habe, die Zunahme des Gewichts der sogenannten "Wissenschaften" dazu, hat der Sache einen sogar gefährlichen Dienst erwiesen. Denn die Geschichtsforschung tritt beim Thema "Drittes Reich" in jene Phase ein, in der ganz neu auftauchendes, aber nun reines Akten- und Lektürewissen in die Debatte eintritt. Und so entstehen Thesen, die so gar nicht stimmen, aber aus den Dokumenten scheinbar - scheinbar! - völlig neue Bewertungen ergeben.

Freitag, 8. April 2022

Freizeitvergnügen Rüstung (2)

Und gib uns 2022 wie du uns 1938 gabst? Immerhin, eines scheint nicht gleich zu laufen. Oder sehen wir es nur noch nicht? - DAS ist es dann, das uns heute mit einem Lebensgefühl der Unsicherheit ausgestattet hat, das dem des Jahres 1938 so frappant ähnelt, wo man einen Krieg fürchtete, ja wo der durchschnittliche Deutsche insgeheim fix damit rechnete (ohne es freilich zu sagen.) Was man heute wie damals allen möglichen, ideologisch "erklärten" Ursachen zuschreibt, nur nicht der Realität: Daß wir einen immer gewaltigeren Anteil unserer Wertschöpfung der substantiellen Qualität eines Freizeitparks angeglichen haben. 
Wo es irgendwann nur noch darum geht, möglichst allen Eintrittstickets zur Verfügung zu stellen, koste es was es wolle. 
Es war etwa 1938 die Inflation, die den Menschen ihren Wohlstand madig machen wollte, es ist heute die Inflation, die sobald sie ihr Haupt erhebt, eine draufgeschlagen bekommen soll. Und damals, und heute: Koste es was es wolle.

Donnerstag, 7. April 2022

Freizeitvergnügen Rüstung (1)

Es war, schreibt Adam Tooze in "Ökonomie der Zerstörung" (über die Wirtschaft in Deutschland von 1933 bis 1945) im Herbst 1938 so vielen maßgeblichen Seiten klar, daß mit fiskalischen Maßnahmen eine Inflation nicht mehr länger aufzuhalten sein würde, daß sie den von Hitler nachweislich gewälzten Kriegsplänen für 1. Oktober 1938 nur ein schlimmes und kurzes Ende vorhersagen konnten. Die Rüstung hinkte den militärischen Plänen deutlich hinterher, und ein Kriegserfolg war damit fast sicher auszuschließen. Nur mit gemeinsamer Anstrengung schaffte sie es, Hitler davon zu überzeugen, daß er diesen Plan noch einmal (um ein Jahr) aufschob.

Dabie stellte sich als das größte Prolem dar, daß die reale Situaiton der deutschen Wirtschaft nur so schwer zu erkennen war. Durch die Gleichscahtlugn seit 1933 hatte sich einerseits die Partei bis in die letzten Winkel des Lebens vorgeschoben. Durch zahllose Interventionen und immer wieder kurzfristig notwendige Rettungsmaßnahmen, mit denen irgendetwas verhindert werden sollte, von dem man befürchtete, daß es diese oder jene für das Gesamtbild des "Erfolgsweges" schädlichen Folgen haben würde.

Freitag, 4. März 2022

Zwischen hier und anderswo (1)

Es berührt höchst merkwürdig, dem derzeit unsere Länder überschwemmenden Purifikationswahn zuzuschauen, wie er den ganzen Westen erfaßt zu haben scheint. Was immer mit Rußland zu tun hat wird eliminiert, wenn es sich NICHT in einen totalen Rußlandhaß einfindet. Mittlerweile heizt sogar, wer mit russischem Gas heizt, "mit dem Tod", geht man von manchen Zeitugen aus. (Vorschlag, wie wäre es, mit diesen zu heizen? Steht nicht noch ein Kanonenofen im Gartenhaus?) 

Gottseidank haben wir ja amerikanisches Frackinggas. Tiefgefroren und zu Würferl komprimiert, wird es uns aus diesem unlösbaren moralischen Dilemma befreien. Denn auf die warmen Winter der Klimakatastrophe warten wir ja immer noch vergeblich. Dabei könnten wir sie gut gebrauchen.

Die Meldungen, die auf uns einstürmen, kaum öffnen wir morgends die Augen, sind so zahlreich und überschlagen sich in so wechselseitig vorantreibender Dynamik, daß ich nur willkürlich einiges herausgreifen kann. Aber es "lohnt", die Angel auszuwerfen und einzurollen, weil die Fänge viel erzählen. Ein wenig habe ich den Eindruck, daß sich nun ein Wahn entfesselt, der sich von Corona her noch einmal gesteigert hat, und härter, brutaler geworden ist. 

Gedankensplitter (1219b)

Die, die nicht glauben, sehen Gott nicht, und ziehen sich alle möglichen Lehren und Methoden rein, mit deren Hilfe sie dann Gott sehen. So, wie es komischerweise ja auch alle "Religionen" tun, die ihre "spirituellen Orden" haben.

Die Sufis zum Beispiel, die sich so lange um die eigene Achse drehen, bis das Leibliche völlig aus den Angeln gehoben ist, und der Leib überwunden, der Geist für Gott befreit ist. Denn für dne Geist, da gibt es kein Drehen, kein oben, kein unten, oder?

Oder die Yogi. Die sind so spirituell, die leben nur von der Sonne. Oder von einer Maus pro Monat, Haut und Ohren abgezogen.

Donnerstag, 3. März 2022

Gedankensplitter (1219a)

Wissenschaftlich, oh ja wie wissenschaftlich die Vertreter des Richtigen, Wahren, guten doch sind. Man erblaßt vor Neid und Scham, sie reden zu hören. Und fast nahtlos fällt dannd er Blick auf die großen Wissenschaftlichkeitsbewegungen der letzten 200 Jahre. Sofort fallen einem da die Nazis ein, die ihre Lehre vom auserwählten Menschen, diese wahrer Nahrung des geilen Übermenschen, die Eugenik, zutiefst auf dem feuchten Boden der Wissenschaft errichtet haben. So sehr, daß - wäre nicht 1933 bis 1945 so manches entglitten - das Bekenntnis zu diesem Nährstoff der Götter bis heute ungebrochen wäre. Naja, muß es sich halt ein wenig nobler zurückhalten, und gut gut tarnen. Dann nennt man sich Planned Parenthood.

Oder Klimawandel, dieses Gold des Guten, diesem Goldstandard, in dem um des Wahren Guten willen (mit der Schönheit will es halt noch nicht so klappen, denn weder ist - aber wirklich wurscht, was man da hernimmt - was immer mit Weltrettung motiviert ist auchnur halbwegs ansehnlich, sondern immer potthäßlich (aber nützlich!), aber dafür ist alles sowas von wissenschaftlich.

Sonntag, 6. Februar 2022

Ein vielseitig anwendbares Modell

Alexander Solschenizyn schreibt im (ich glaube) zweiten Band seines "Archipel Gulag", daß das Ende der Arbeitslager der Sowjetunion, das der Ära Chruschtschow folgte, gar nicht so sehr eine Frage neu einkehrender Menschlichkeit war. So wurde es zwar verkauft, gewiß, immerhin ging es um die Rechtfertigung eines Schicksals, das JEDEN ZEHNTEN BÜRGER der Sowjetunion direkt betraf. So viele Millionen waren auf Frist oder bis zum Lebensende in solchen Lagern gewesen, oder dort dann verschwunden. Und ALLE Sowjetbürger lebten mit der ständigen Angst, weil der Machtapparat unberechenbar war. 

Auch geht es in diesem Punkt nicht darum, daß diese Lager eine wahrlich seltsame gesellschaftliche Einrichtung waren, weil hier jeweils subjektive Haßmotive und menschliche Niedrigkeiten eine gewissermaßen legitimierte Ableitungseinrichtung (Siehe Anmerkung*) geschaffen hatten.

Nein. Worum es uns hier geht ist der unterschätzte Punkt, daß diese Lager, in denen die Insaßen zu Sklaven wurden, deren Arbeitskraft man bis zum letzten Funken Leben auspreßte, zu Verlustgeschäften wurden. Wie man es auch aus dem amerikanischen Sklavenbetrieb weiß, bringt der Einsatz von Sklaven nichts, wenn man nicht gleichzeitig dafür sort, daß diese Sklaven ein relativ gutes Leben eführen konnten. Ein Leben, das ihnen auch die Lust, Leistung zu bringen, nicht raubte.

Sonntag, 19. Dezember 2021

Gebet zur frühen Morgenstunde

Nein, wir lassen nicht zu, daß uns der Haß erfüllt, wie er so viele bereits erfüllt hat. Nein, wir lassen uns nicht auf die Seite jener ziehen, die den Nächsten verderben wollen, die die Nicht-Liebe "besser" finden als mit das Höchste Gebot - der Liebe zu Gott fast, ja von Gott selbst sogar gleich gestellt - beiseite zu schieben. Wir lassen uns nicht dazu verführen, Menschen als unwert genug zu sehen, daß man sie in schlimmste Verhältnisse zwingt, um eines angeblichen Gutes willen. Das wie immer man es auch drehen mag, NICHT im selben Rang steht wie die Gebote, die man nun überschreitet und zu überschreiten verlangt.

Es ist das Schlimmste und Schlechteste, was nun an die Oberfläche des klaren Sees treibt, auf dessen dünner Eisdecke JEDE Bevölkerung, jede Gemeinschaft von Menschen lebt und steht und ihre Dinge treibt und ihren Alltag lebt. 

Politik gibt es aus einem Zweck, nämlich den Sinn eines Organismus zu seiner Erfüllung zu behelfen. Dafür ist es gut, daß man sich in organisatorische Ebenen und Einheiten stellt, die einen Staat, ein Reich ergeben, und das ist Kultur: Die Mittel sollen die Menschen, das Volk, zu seinem Besten führen. Nicht zwingen, das geht nicht, nie die Freiheit zerstören, dann gibt es dieses Gut nicht mehr, das es anzustreben gilt, dann steht man in einer contradictio in adjectio. Was die Politik beitragen kann, muß sie beitragen, dort beginnt und dort endet ihre Legitimation. 

Mittwoch, 3. November 2021

Er hatte nichts anderes (2)

Die Parallelen sind verblüffend. - Damit klaffte ein großer Graben zwischen Hitlers eigenen Vorstellungen, wie die Welt ihm gegenüber sich verhalten müßte - anerkennend, lobpreisend etc. - und dem, wie sie auf ihn tatsächlich reagierte. Auch wenn wie nachträglich nur mit Vorbehalt urteilen können.

Was mir spätestens seit der Ausstellung über Albrecht Dürers Lebenswerk bewußt ist, die ich vor Jahren in Wien besucht hatte. Denn die ersten Bilder und Zeichnungen von Dürer sind auch keine Kunstwerke, sondern tot, wie die von Hitler. Auch Dürers erste Zeichnungen sind naiv und ungelenk. Aber man sieht, wie sich mit der Befassung damit der Meister entwickelte. Und ab irgendeinem Punkt wurden alle Bilder, die uns überliefert sind, Kunstwerke. In denen das Dargestellte zu dem wird, was es darstellt. 

Hitler kam nicht so weit. Der Krieg unterbrach sein Malen (von Postkarten), und ein neues Lebensgebiet tat sich auf. Eines, in dem ihm der Zusammenhang von Leben und Politik. Durch die Vorgänge in der neu entstandenen Republik neuer Art. Denn nun mußten alle sich an etwas herantasten, das ihnen neu war, und von dem nicht einmal klar war, was eigentlich das Ziel sein sollte.

Dienstag, 2. November 2021

Er hatte nichts anderes (1)

Adolf Hitler war nicht so, wie man sich gemeiniglich einen guten Redner vorstellt, schreibt Peter Longerich in seinem 2015 erschienen "Hitler". In der er sich, wie er gleich im Vorwort schreibt, darum bemühte, einen Verdacht zu beweisen, der sich im Laufe seiner Forschungen zur Gewißheit erhärtete. Daß nämlich dieser Mann nicht einfach nur durchschnittlich, sondern sogar ein ziemlich unterdurchschnittlicher, platter, banausischer Mensch war. Das zu erkennen läßt aber mehr als bislang berücksichtigt erkennen, daß das Handeln eines Menschen in einem ungeheuren Ausmaß in seine Zeit eingebunden, mit ihr in Dialog ist, und daß sich Phänomene nur in ihrem Insgesamt verstehen lassen, niemals aus dem Einzelding selbst heraus. Die Zeit hat sich also ihren Hitler gebildet, könnte man sagen, und erst in zweiter Linie Hitler die Zeit, in der er gelebt hat. 

Und so muß man auch manche Zuschreibungen neu durchdenken. Etwa die, daß Hitler ein "so hervorragender Redner" gewesen ist. Wäre er das nämlich noch heute? Wie würden wir heute auf ihn reagieren? Es gibt viele Augenzeugen seiner Reden, die übereinstimmend berichten, daß er sich bei diesen Reden, mit denen er seine Karriere und die der NSDAP aufbaute, wie ein Irrer aufführte. Er geriet in diesen Reden, die in der Regel drei, vier Stunden dauerten, völlig außer sich, und monologisierte schier ohne Ende. Seine Mimik, seine Gestik wurde nach jeweils einer kurzen Anlaufzeit dermaßen exzentrisch, daß manche entsetzt waren. Das Haar hing ihm während dieser Stunden wirr ins Gesicht, sodaß er manchen auch dämonisch wirkte. Hatte er geendigt, war seine Kleidung klitschnaß, er selbst völlig aufgelöst und erschöpft. So sank er auf ein Häuflein zusammen, als ein völlig anderer Mensch als noch Minuten zuvor. 

Sonntag, 10. Oktober 2021

Die Wahrheit, die zunehmend aus Lügen besteht (2)

Damit vervollständigen wir die Abgrenzungen, die wir in letzter Zeit hier vollzogen haben. Es war nicht so geplant, es hat sich so entwickelt, denn es ist eine Phase des Notwendigen - Und das, werter Leser, wollen WIR nun als spezifisch, als signifikant, als prototypisch nennen. Denn es fällt mir zuletzt immer öfter auf. Ich weiß nicht, war es auch früher schon so, oder ist es erst in den letzten Monaten oder im letzten Jahr so geworden. Egal, mir fällt jedenfalls in letzter Zeit auf, daß sich die von mir so genannte "Kritische Szene" mit dieser ganzen Reihe von Protagonisten, zu denen zweifellos auch Ken Jebsen zu zählen ist, die samt und sonders - leider! und es ist wirklich und tief zu bedauern! - von sich Folgendes behauptet.
Sie seien der Wahrheit verpflichtet, sie seien im Gegensatz zu den herrschenden Schichten die wirklichen Denker, sie seien Vorkämpfer für die Demokratie und Freiheit 
(beides verbinden sie auf eine Weise, die den Eindruck erwecken läßt, das gehöre zusammen; Herrschaften, wollen wir wenigstens dabei innehalten, um uns vor Augen zu führen, daß man dazu ziemlich konträrer Meinungen sein könnte), 
für die Rechte von Homosexuellen - TOLERANZ, bitte, TOLERANZ!
Der Gute ist TOLERANT.* Und wir sind die Guten. - Und natürlich vor allem für die Gleichstellung der Frau, das unbedingte Ja zu deren (das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen!) BEGABUNGSPOTENTIAL und -RESERVE (als Sittenlosigkeit im Kardinalfehler Funktion statt Gestalt, Handeln als fluides Sein), und was sonst noch alles an sogenanntem "Wertekanon der Freien und Bessermenschen (als die Gutmenschen)", machen wir es deshalb kurz: 
Die also ziemlich ziemlich LIBERAL mit FREI und damit für KRITISCH halten, ja für eine AUSZENSEITERPOSITION.

Samstag, 9. Oktober 2021

Die Wahrheit, die zunehmend aus Lügen besteht (1)

Den Film "Die drei von der Tankstelle" hat Heinz Rühmann 1930 gedreht. Das war nicht nur drei Jahre vor dem Hitlerismus, sondern als dieser 1933 über Deutschland hereinbrach, war Rühmann bereits ein Volksschauspieler der obersten Klasse. So bekannt, so beliebt, daß die Reichskunstkammer nicht wagte, ihn zu bedrängen. Und nachdem Rühmann wenig Neigung zeigte, den Widerstandskämpfer zu spielen, war mit ihm ohnehin gut Kirschen essen. Also wurde er weiterhin gut gebucht, und drehte sogar noch 1944 die "Feuerzangenbowle".

Eine Komödie, die die Stimmung im Dritten Reich heben, den Menschen Mut zum Leben machen sollte. Und wer den Film kennt (er gehört für mich zu den Filmen, die ich immer wieder sehe, genau wegen dieses Archetyps: Das eines glücklichen, unbeschwerten und unendlich guttuenden unschuldigen Lebens), weiß, daß genau das die Wirkung dieses Films ist. Was alleine ihn zu einem Kunstwerk machen würde, wäre er es nicht aus anderen Gründen ohnehin. 
 

Montag, 14. Juni 2021

Geöffnete Schleusen der Rache

Aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet, werden die Analogien zu den Vorgängen in Rußland 1920 und Deutschland 1933 bis 1945 noch schlagender. Denn wer nach Uniformen sucht, sieht sie in jedermanns Gesicht - denn die Masken sind die aktuellen Uniformen.* Sie statten jeden Einzelnen mit der absoluten Systemmacht aus. Er wird sogar zum Entscheidungsträger darüber, ob jemand zur Gemeinschaft gehört, oder nicht.

Und dieses Element des Dazugehörens ist für den Menschen immerhin essentiell. Wer glaubt, er könne sich davon absentieren, geht einer fatalen Täuschung auf den Leim. Denn das Wesen des Menschen ist nicht einfach nur "sozial" im Sinne der Soziologie, sondern auf Gemeinschaft mit dem Sein selbst, also Gott, ausgelegt. Deshalb muß jeder Mensch irgendwo dazugehören, und hat er Gott nicht, sind es auf jeden Fall menschliche Gemeinschaften und Gruppen. Nichts ist so dumm, lächerlich und langweilig wie dieses Gerede vom "emanzipierten Menschen", der "selbständig denkt."
Endlich kann die Kassiererin im Supermarkt, der Lagerarbeiter, der Portier die totale Macht verkörpern, gleichberechtigt mit allen, gleich mit allen gemacht. Endlich können sogar die Kinder, instrumentalisiert von Schulen und Kindergärten, ihre Eltern beherrschen, sich ihnen gleichstellen.
Aber noch ein Moment wird bedeutend,

Freitag, 4. Juni 2021

Ausgespanntheiten und andere Spannungen (2)

Es ging beiden nur ums Auflösen ontischer Strukturen. Um eine neue Welt zu schaffen, die ihrer Grammatik entsprach. - Mit Generaloberst Ludwig Beck haben sich ja auch die meisten deutschen Generale schon aus taktischen Gründen gegen einen Krieg ausgesprochen, weil sie vorhersahen, und darin völlig richtig lagen, daß ein Krieg nur in eine deutsche Katastrophe münden konnte: Das Heer war zu diesem Zeitpunkt noch hoffnungslos unter-rüstet. Sodaß die aus der Geographie folgende, einzig mögliche strategische Ausrichtung, die eine Doppelfront aus Ost und West einkalkulieren mußte. Wenn nicht noch Nord und Süd. Österreich zum Beispiel war als Kaiserreich von Deutschland Gegner und Konkurrent gesehen worden, und war von 1933 bis 1938 erklärter Gegner des Nationalsozialismus. So viel Feind, bei einer relativ gesehen geringen Landtiefe. (Wir haben vor etlichen Jahren bereits einmal ausführlich über die verzwickte strategische Lage eines Gesamt- bzw. Großdeutschland am Kontinent gehandelt, der Leser möge nachschlagen.) 

Über Beck hatte sich die Unzufriedenheit der deutschen Generale schon 1938 ausgedrückt. Und erst recht, als Hitlers "raumgreifende Visionen" einerseits (Pläne waren es ja nicht, vielmehr Phantasien), und seine Bereitschaft zum Hazard anderseits in ihrer gesamten Dimension bekannt wurden.