Vorwurf: Mundus vult decipi. Die Welt will betrogen werden. Quae volumus, et credimus libenter - Was wir glauben wollen, das glauben wir. //Caesar// Weh allen, wenn alle beginnen, ihre Lügen zu glauben. Früher logen Hunderte oder Tausende, heute Milliarden. Welcher Qualität ist der global gewordene Sprachraum? - Sie werden das, was wirklich etwas anders macht, nicht akzeptieren. Scheitern an ihren Einstellungen. Denn sie haben die Ebene der Einstellungen und Weltanschauungen gewählt, und werden auf dieser aber nicht zur Lösung kommen. Sondern im Rationalismus ersticken. Nichts werden sie ändern, und nichts werden sie bewirken. Es fehlt ihnen die wahre Radikalität, die dem Sein gegenüber. Und wenn sie es auch bis aufs Blut bestreiten würden - alles ist eitel, was sie machen. Die Rede ist auch von Roland Düringer und Gunnar Kaiser.
Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Sonntag, 3. Oktober 2021
Donnerstag, 19. Dezember 2019
Hoffentlich hat sie doch bereut
Heute vor 104 Jahren wurde Edith Piaf in Paris geboren. Wir bringen wieder einmal ihr "No, je ne regrette rien", ihr verzweifelst auf der Bühne bis zuletzt durchgehaltenes "Nein, ich bereue nichts", das uns in seiner so glaubwürdigen Verzweiflung immer wieder neu berühren darf. Gebe Gott, daß sie diesen furchtbaren Irrtum noch rechtzeitig erkannte. Der für so viele "vorbildlich" wurde, maßgeblich durch eine verdrehte Vorstellung von Wahrheit und Öffentlichkeit und Ansehen. Lange schon schwer krank, starb sie am 10. Oktober 1963, unter Umständen, die vermuten lassen, daß ihre engste Umgebung in dieser Komödie des Schreckens mitspielte, und ihr alles Wesentliche für einen letzten, guten Sterbemoment vorenthielt.
Man ließ sie nicht zurück. Ließ dem verzweifelten Trotz, den sie an den Tag legte und der durchaus Respekt abverlangt, der sogar eine gewisse Größe darstellt, keine Auflösung. Auch nicht, als ihr der Schöpfer das Szepter der Musikwelt in ihrem Krankheitsleiden langsam aus der Hand nahm.
Man ließ sie nicht zurück. Ließ dem verzweifelten Trotz, den sie an den Tag legte und der durchaus Respekt abverlangt, der sogar eine gewisse Größe darstellt, keine Auflösung. Auch nicht, als ihr der Schöpfer das Szepter der Musikwelt in ihrem Krankheitsleiden langsam aus der Hand nahm.
Gott, der ihr verzeihen möge, daß sie von Bühne, Öffentlichkeit und Medien in eine Haltung der Unversöhnlichkeit getrieben und eingefestigt wurde. Die sie zur Ikone der menschlichen, gottlosen Autonomie machte, die sie - Frau; Frau nimmt immer den zugewiesenen Platz an, ja wartet darauf - annahm und tapfer durchhielt. Und reich mit Scheingaben, mit Geld und Ruhm überhäufte, um in ihr die eigene Verworfenheit und verfehlte Sicht der Welt von sich weg zu zelebrieren und scheinbar wahr zu machen. Die sie somit so schwer mißbraucht hat.
Schauen Sie, werter Leser, ihre Augen an.
Schauen Sie, werter Leser, ihre Augen an.
"Die Piaf", die rasch nach oben stieg und enormen Einfluß auf Frankreichs Musikszene hatte, riß fast die halbe Nation mit sich. Indem sie die richtige, notwendige, berechtige Melancholie als Grundstimmung der Poesie mit sich in die Stimmung der existentiellen Verzweiflung angesichts der faktischen (kapitalistischen) Zustände riß. Das Chanson wurde nicht einfach "gesellschaftskritisch", wie es seiner Art zukam, sondern links. Weil die Piaf ihre Sittlichkeit am Altar der Gefälligkeit opferte, der sie sich anschmiedete, fand sie nie zum Geist, nur zur Intellektualität, die aber aus sich kein Ziel kennt und leer weil ein sophistisches Vernebelungsgefecht der Schuld bleibt.
Sänger wie Charles Trenet (wieder einmal, unten, diesmal mit "Douce France", an dem man sich nicht satthören kann) oder Fernandel (Sie lesen richtig, werter Leser, Fernandel war vor seinem zufälligen Welterfolg mit "Don Camillo" weniger ein Schauspieler, als ein Sänger entzückender Chansons) wurden fast zur Nebenerscheinung. (Manchen sonstigen, oft in unseren Ländern äußerst populären Chansonniers spricht der VdZ glatt jene Existentialität ab, die der Kunst innewohnen muß. Die eine Haltung, nicht einfach inhaltlich ausdefinierbar ist.)
Frankreich war von diesem Existentialismus als Reigen von Sartre, Camus (mit Vorbehalten, er überwand den Existentialismus letztlich, das zeigt sein "Mythos von Sisyphos", der existentiell, aber nicht mehr existentialistisch ist), mit eben Piaf und deren Schützlingen wie Montand oder Aznavour tief geprägt. Und noch heute ist jene nihilistische Seite gerne als die entscheidende Seite von Paris gesucht und besucht. In der Paris in das ultimative Licht eines Sündenpfuhls gehüllt wird (siehe die Paris-Deutung von Henry Miller), und diese Verlorenheit zum scheinbaren Halt in einer Scheinwelt hochzieht. Aber es ist ein Kampf, den das Licht nicht aufgeben darf! Den freilich bourgeoise Konventionalität niemals führen kann, ja gar nicht erkennt.
Der Linken ist es leider weithin gelungen, das Leiden der Künstler an der Welt in ihre ideologischen Bahnen zu drücken. Auch wenn es, wie bei der Piaf, das Leben kostet. Deren Schmerz - sie war katholisch aufgewachsen und als Kind tief gläubig - das Leiden war, von der Kirche getrennt zu sein. Der Gegenentwurf, den sie als Erwachsene trotzig und durch ein chaotisches Leben zu belegen versuchte, ist nicht geglückt.
Frankreich war von diesem Existentialismus als Reigen von Sartre, Camus (mit Vorbehalten, er überwand den Existentialismus letztlich, das zeigt sein "Mythos von Sisyphos", der existentiell, aber nicht mehr existentialistisch ist), mit eben Piaf und deren Schützlingen wie Montand oder Aznavour tief geprägt. Und noch heute ist jene nihilistische Seite gerne als die entscheidende Seite von Paris gesucht und besucht. In der Paris in das ultimative Licht eines Sündenpfuhls gehüllt wird (siehe die Paris-Deutung von Henry Miller), und diese Verlorenheit zum scheinbaren Halt in einer Scheinwelt hochzieht. Aber es ist ein Kampf, den das Licht nicht aufgeben darf! Den freilich bourgeoise Konventionalität niemals führen kann, ja gar nicht erkennt.
Der Linken ist es leider weithin gelungen, das Leiden der Künstler an der Welt in ihre ideologischen Bahnen zu drücken. Auch wenn es, wie bei der Piaf, das Leben kostet. Deren Schmerz - sie war katholisch aufgewachsen und als Kind tief gläubig - das Leiden war, von der Kirche getrennt zu sein. Der Gegenentwurf, den sie als Erwachsene trotzig und durch ein chaotisches Leben zu belegen versuchte, ist nicht geglückt.
Montag, 26. August 2019
Die Wahrheit über Alexander Dugin
Noch einmal Dugin, noch einmal, weil an diesem zehnminütigen Interview mit BBC klarer wird, daß der russische Philosoph zutiefst Nihilist ist, der mit Nietzsche mehr zu tun hat als mit traditioneller abendländischer Metaphysik oder gar der Orthodoxie. Insofern paßt er tatsächlich gut ins Bild der "Neuen Rechten", die einen zutiefst relativistischen und pragmatistischen Ansatz hat, in dessen Rahmen (aber nur in dessen Rahmen) die Religion eine "tragende Rolle" spielt. Als Mittel.
Klarerweise kann man dann formulieren, wie Dugin dies hier tut, daß Rußland "seine eigene Wahrheit" hat und nichts anderes verlangt, als daß diese Sicht von allen anderen akzeptiert wird. In diesem Sinn muß man auch das vom Philosophen gerne verwendete Wort von der "Multipolarität" der modernen Welt sehen. Wo vier, fünf oder wer weiß wie viele völlig verschiedene Kulturen "gleichberechtigt" nebeneinander stehen. Nein, nicht einmal das. Denn dieses Konzept sieht letztendlich auch keine Schranken dahingehend, daß diese Kulturen sich auch mal gegenseitig bekämpfen. Denn wenn es keine absolute Wahrheit, keine absolute Kultur sohin gibt, dann gibt es auch keinen Grund, warum nicht das Gesetz des Moments, die Kraft des Stärkeren den Fortgang der Geschichte bestimmen sollte.
Nur Wille kann eine Kultur beseelen und deshalb muß eine Kultur fest an sich glauben, denn sonst hat sie bereits verloren. Wie dieser Glaube an sich zustande kommt ist nebensächlich, und hierein kann Religion ihre nützliche Rolle spielen. Das sagt Dugin zwar nicht explizit, aber es ist in seinen Sichtweisen enthalten. Das einzige, was damit eine Welt der Multipluralität befrieden kann, ist eine starke globale Organisation der Staaten der Welt. Ob das manchem klar ist, der Dugin als Intellektuellen verehrt? Der Mann ist zwar "sophisticated", aber ihn als "einen der größten Intellektuellen der Welt" zu bezeichnen nicht einfach übertrieben, sondern ... lassen wir das. Diese Form des Relativismus ist nämlich weder neu noch besonders originell. Es ist vielmehr dumm und geistlos. (Siehe dazu auch dieses eineinhalbstündige Interview mit Dugin, in dem es genau um diese Gleichberechtigung unterschiedlicher Ideologien geht.)
Wahrheit ist, so Dugin auch hier, ein Resultat der Glaubensinhalte eines Volkes, einer Kultur. Das ist auf eine Weise faktisch richtig, aber es ist hier und absolut gesehen der relativistische Bezugspunkt, der absolute, eine einzige Wahrheit nicht kennt (so vielseitig die auch sein mag, so daß sie ein Mensch allein kaum je tragen und erfassen kann), und deshalb einen lediglich soziologischeren, aber nichts weniger materialistischen Zugang zum Menschen hat als der liberale Materialismus des Westens. Die also enorme Deckungsbreite mit der "Vierten Politischen Theorie" Dugins haben. Es ist also auch kein Wunder, daß Dugin (an anderer Stelle im Netz nachzuhören) die Kabbalah als größtes Werk der Menschheit preist - als "magischer, mechanistischer Zugang" zur absoluten, aber technisch aufgelösten Weltgrammatik.
Dugin macht den häufig zu beobachtenden Fehler, daß er den Umstand, daß jeder Mensch nur über seine Interpretation Zugang zu den Daten der Welt hat - und somit seinen subjektiven Überzeugungen gemäß "Information" erkennt - als Erweis der reinen Subjektivität der Wahrheit sieht. Aber das stimmt eben nicht! Es gibt eine jeder Subjektivität vorausliegende, objektive Wahrheit, ohne die eine Kommunikation überhaupt nicht möglich wäre, gäbe es nicht für alle Gesprächsteilnehmer einen objektiven, für alle gleichen Bezugspunkt.
Wo immer rein subjektive, also interessengeleitete (eigentlich: Interessendeformierte) Sicht vorherrscht, haben wir es nicht mit der "subjektiven Wahrheit", sondern einer subjektiv verdrehten Wahrheit zu tun. Und darin kann der Mensch sehr wohl unterscheiden, auch Dugin beweist das ja, gerade indem er auf diese Differenz der subjektiven Sichten hinweist.
Dugin sagt es hier expressis verbis: DAS ist die von ihm so verstandene Multipolarität! Daß man jeder Seite diese subjektive Überzeugung läßt, daß sie die absolute Wahrheit gerade in ihren Interessengebundenheiten vertritt, und die andere Seite nicht. Daran hängt dann auch der Friede: In der Akzeptanz, daß der andere eine andere Wahrheit hat.
Das geht nur, wenn man im tiefsten Grund auf Nihilismus aufruht. So, wie es auch weite Teile der "Neuen Rechten" tun. Der Rest - oder: der überwiegende Teil sogar - an Dugins Argumentation ist somit Äquivokation! Aber wer sich der Äquivokation bedient, der will, mit Verlaub, sich verstellen und deshalb lügen.
Dugins "Anerkenntnis" auch widersprüchlicher Theorien ist sogar blanker Post-Modernismus! Einer neo-marxistischen Strömung, die am Boden eines aktiven Nihilismus steht.* Der wie alle Liberalen (sic!) in dem durchaus auch Richtiges sagt, weil er vom liberalen Lust-Schmerz-Prinzip geleitet oft zum richtigen Moment schreit, wo er (und damit der Mensch) verletzt wird.
Dugins "Anerkenntnis" auch widersprüchlicher Theorien ist sogar blanker Post-Modernismus! Einer neo-marxistischen Strömung, die am Boden eines aktiven Nihilismus steht.* Der wie alle Liberalen (sic!) in dem durchaus auch Richtiges sagt, weil er vom liberalen Lust-Schmerz-Prinzip geleitet oft zum richtigen Moment schreit, wo er (und damit der Mensch) verletzt wird.
*Man siehe dazu auch dieses nachträglich im Netz entdeckte Video einer Kritik Dugins aus traditionalistischer Sicht. Um die darin vorgebrachte Kritik auf einen einfachen Punkt zu bringen: Dugin verdreht so gut wie alle Sichtweisen, Religionen und Theorien, die er in Anspruch nimmt in seine Theorie integriert zu haben. Denn seine 4. Politische Theorie versteht sich als Schnittpunkt von Metaphysik und Politik, und "integriert" so gut wie alles, was ihr dabei über den Weg kommt. Dabei erhebt sich der Verdacht, daß Dugin alles schon deshalb "integrieren kann", weil er die einzelnen Lehren, Religionen und Gebiete ... gar nicht wirklich kennt. Das reicht von Mythen bis zu Eschatologie, mit der er seine Politik umgibt, bis zur Physik. Schon alleine dieser Umstand läßt natürlich vieles "vereinen" ... Dugins Metaphysik aber ist verschwommen und widerspruchsvoll. Darf man vermuten, daß seine Popularität (auch, wenn nicht vor allem bei uns; über das Maß seiner Rolle in Rußland selbst gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen) vor allem damit zusammenhängt, daß auch viele (pardon) "Rechte" von heute verdammt wenig Ahnung haben, aber gut in ihrem Status der Intellektualität davon leben, daß das allgemeine Bildungs- und Kenntnisniveau dermaßen niedrig ist, daß auch Vierteläugige wie intellektuelle Helden dastehen können?
Wovon wir überzeugt sind, sagt Dugin, trennt uns, aber wogegen wir sind, das ist es, was uns eint. Widersprüche als gleichberechtigt zu akzeptieren ist freilich der sicherste Weg zur individuellen Unfreiheit der Vernunft, also zur Manipulierbarkeit der Unvernunft. Und das allein weist auf einen wichtigen Punkt: Dugin ist aus mehreren Gründen (er bezieht sich unter anderem immer wieder auf die Kaballah) ganz offensichtlich eng im Okkultismus und Satanismus verwurzelt. Wir wollen es nicht hysterisieren, aber gewisse Erhellungskraft hat ein weiteres Video durchaus: Dugin und das Okkulte.
*030719*
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Montag, 9. Oktober 2017
Brief an Z (2)
Teil 2) Wie das Zeitypische aber noch waltet.
So erklärt sich auch Merkel.
Manchmal habe ich sehr deutlich den
Eindruck, daß [Väter] es in [den Müttern ihrer Kinder] mit
einem Dämon zu tun haben, der sich zum Ziel gesetzt hat, sie (und das
heißt die Angekommenheit in der Welt) vollkommen zu zerstören, soweit
es ihnen halt gelingt. Mir etwa wird in letzter Zeit deutlich und
erstmals
bewußt, wie sehr ich nun im kommenden Alter mein Leben umplanen,
umdenken muß. Der Bruch kommt erst jetzt, seine Folgen werden
gewissermaßen nachgeliefert. Wie es im Leben nämlich oft ist. Da, wo man
durchaus von einer gewissen Ernte zehren können
sollte, weil die Kraft allmählich zu Ende geht, im beginnenden Alter,
ist nun ein großes Loch.
Die meiste Kraft (und ich hatte viel Kraft) war somit vergeudet.
Eine furchtbare Ernte, bliebe alles so, bliebe nicht noch ein winziger Funke Hoffnung auf die persona der Kinder. Und die darf man nie ganz aufgeben, wie das Gleichnis in Lk 15/11ff zeigt, in dem unscheinbaren Satz in Vers 20: "Schon von weitem sah ihn der Vater". Er hatte also immer Ausschau gehalten.
Eine furchtbare Ernte, bliebe alles so, bliebe nicht noch ein winziger Funke Hoffnung auf die persona der Kinder. Und die darf man nie ganz aufgeben, wie das Gleichnis in Lk 15/11ff zeigt, in dem unscheinbaren Satz in Vers 20: "Schon von weitem sah ihn der Vater". Er hatte also immer Ausschau gehalten.
Insofern
sehe ich mich wieder einmal zeittypisch, symptomatisch, gerade in
Vorauswurf dessen, was auf die kommenden Generationen zukommt. Die sich
im jungen Alter, ganz auf sich geworfen, dem Irrtum widmen, um dann im
Alter - nichts in Händen zu haben. Das ist bei so vielen schon zu
beobachten, und es wird noch viel viel schlimmer, wird
Allgemeinerscheinung werden. Schon gar, wenn sich auch die Hoffnung,
über Geld und Gold und allerlei Anlagen etwas abgesichert, Frucht fürs
Alter gesammelt zu haben, in Luft auflöst. Wenn ich wie dieser Tage
lese, daß es in Österreich bereits 139 000 Millionäre gibt, meist
"Millionäre" durch Immobilienbesitz, dann sehe ich das deutlich. Die
Fragilität solchen Reichtums ist den meisten wohl nicht bewußt.
Immobilien sind eben auch nur Wert, soweit man sie nutzen kann. Als
Fremdanlage hingegen leben sie vom und innerhalb des Wertgefüges der
Gesellschaft, denn nur Leben, Arbeit, ja letztlich (und ursprunghaft)
Kult kann Werte schaffen und erhalten. Das ist die große Illusion der
Gegenwart, die dräuende Folge des Lebens, wie es sich heute abspielt: es
ist wertlos im wahrsten Sinn.
Und es ist
Traum. Was immer heute passiert ist auch unter dem Gesichtspunkt zu
sehen, daß das Aufwachen verhindert werden soll. Das ist der Grund,
warum sich die Menschen an das Bestehende so klammern, die
Merkel-Wiederwahl in Deutschland sagt es aus. An sich ohnehin ohne
Belang, ist so eine Wahl immerhin Symptom für einen Seelenzustand.
Damit
sind wir wieder bei Buzzati. Denn was sich heute abspielt, dieses
Scheingebäude, ist tatsächlich ohne existentiellen Belang. Es ist eine
leere Blase, die nur die Aufgabe hat, alle irgendwie in der Illusion
eines Lebens zu halten. Immer monströser kommt mir diese Blase vor,
sodaß ich mich selbst immer mehr einem gigantischen Ballon gegenübersehe, dem jede Wirklichkeitsrelevanz fehlt. Entscheidend ist nur, daß er
nicht platzt. Also müssen alle daran glauben, zumindest vorgeben das zu
tun. Und darauf richtet sich alle Kraft.
Es
ist ein wenig wie in meinem Leben, wo ich auch so viel dafür verwendet
habe, den mangelnden Mut durch den "Mut zum Falschen", aber
"Angesehenen", allgemein "Akzeptierten" zu erzwingen - als Schicksal.
Kaum eine Sehnsucht scheint mir heute ausgeprägter als die Sehnsucht
nach mächtigen Außenumständen, die das Bessere, das zu wählen man nicht
wagt, herbeiwuchten. Also kratzt man daran, wie am Schorf einer Wunde,
daß diese sich entzünde und durch Eiterfluß ersetzen solle, was man
durch die Sanftmut der Geduld zur Wahrheit nicht an Tugend aufbringt, in dem man sich dem Begegnenden, also dem Zeitgebot fügt.
Man treibt so das Schlechte bis zum Äußersten, nährt es sogar, wie in der
paradoxen Intention, bis es zwingend wird, es zu ändern, weil "es sich"
in der unausbleiblichen Katharsis ändert. Weil man auf chthonische, unterirdische, "magische", vielleicht
aber sogar göttliche Kräfte hofft, die verändern und dadurch wieder frei
machen sollen.
Es ist 9 Uhr acht. Die Putzfrau ist immer noch nicht da. Ob sie unsicher ist, ob ich überhaupt da oder
"putzbedürftig" bin? Gar Dich noch hier wähnt, von der sie dann annimmt,
daß Du Dich um mich sorgst? Lieber wär's mir allemal, was heißt ...
Das
Blog hat per jetzt schon wieder 14 Artikel im Rohr, trotz der
Veröffentlichungen dieser Woche. Aber ich muß heute noch fleißig sein,
um jeden Tag der kommenden Woche mit den obligatorischen zwei Artikeln
zu versorgen, meist ist es derzeit nur einer, mehr als ein Notnetz habe ich also
noch nicht gespannt. Am liebsten würde ich ja Auszeit nehmen. So viel
ist neu zu denken, zu ordnen, nachzudenken, zu erinnern. Es ist mir ja,
als müßte ich einen ganz neuen Ansatz finden. Die Welt neu denken, ihre
wahren Beweggründe liegen ja ganz woanders, möglicherweise, aber sehr
wahrscheinlich, als gedacht wird. Das möchte ich gerne zu greifen
kriegen. Das Leben heute ist so voller Angst, und voller
Traumverlorenheit anderseits. Das Wirkliche, der Kult ist allen längst
entglitten.
Hab einen schönen Tag! Hier ist herrlichstes Herbstwetter von der Art, die ich so liebe.
Ambrosius
*Es gibt noch eine Deutungsmöglichkeit, in Richtung der angeblichen "Xenophobie", aber die ist so primitiv, daß ich auf sie gar nicht weiter eingehen und auch R nicht unterstellen will.
*011017*
Sonntag, 8. Oktober 2017
Brief an Z (1)
(Auf Bitten Dritter hin veröffentlicht der VdZ auch diesen Brief an dieser Stelle,
in leicht veränderter, "entprivatisierter" Form.)
Sopron, am 30. September 2017
Meine liebe Z!
Schon den Schlag der
Turmuhren zur fünften Stunde habe ich heute wach erlebt, und bin auch
bald danach aufgestanden, ich konnte nicht mehr einschlafen. Auch
gestern habe ich tagsüber eine gute Stunde im Bett verbracht, das wirkt
sich nun wohl auf den Nachtschlaf aus. Seit zwei Stunden sitze ich nun an
meinem gewohnten Platz und schreibe Briefe, Antworten, die sich zur
Erledigung angesammelt haben.
Darunter ein Brief eines der
Kurgäste, R, vom Nebentisch. Den man glatt unterschätzen könnte, so
neben einer weltweit agierenden Opernsängerin, einem kroatisch stämmigen Bildhauer, und einem "berühmten Schauspieler" (wie man hier spricht) ;-) Ein seltsamer Zufall, der hier waltete, wer würde eine solche Konstellation in einem normalen Kurhaus erwarten? Denn der Mann ist
u. a. Übersetzer von Büchern, spricht eine Menge Sprachen, darunter Russisch, und
hat durchaus geistige Qualitäten. Daß er sehr nihilistisch denken
dürfte (direkt oder persönlich sprachen wir darüber nicht, das tut man auf einer Kur auch nicht, da bleibt die Welt, also auch das Ich in der Welt, weitgehend außen) ist ein eigenes Problem, ich habe es in meinem Brief angedeutet,
mal sehen, ob es zu einer Diskussion kommt. Ich fürchte - nicht.
Zwei Wochen ist die Kur bald vorüber. Und was in der geschützten Traumatmosphäre problemlos nebeneinander leben konnte, wird im Alltag, zurückgestoßen in eine Identität, in der Regel wieder zu Unvereinbarkeiten, denen man sich gar nicht aussetzen möchte.
Zwei Wochen ist die Kur bald vorüber. Und was in der geschützten Traumatmosphäre problemlos nebeneinander leben konnte, wird im Alltag, zurückgestoßen in eine Identität, in der Regel wieder zu Unvereinbarkeiten, denen man sich gar nicht aussetzen möchte.
Jedenfalls hat er mir ein Buch empfohlen, an dem er immer wieder mit einem Italienisch-Wörterbuch arbeitete, denn er las es natürlich in Originalsprache - "Tatarenwüste" von Dino Buzzati. Ein
italienischer Existenzialist der 1920er Jahre, der dort und damals angeblich viel
Einfluß hatte, heute aber völlig vergessen ist. Das Thema von
"Tatarenwüste" aber ist interessant, wenn ich auch vermute, daß ich es
anders deuten werde als R. Oder die Literaturkritik es tut. Oder Buzzati selber.* Ein Mann, Soldat, völlig eingebunden in Pflichten, v. a. die
Pflicht zur Obacht vor den Tataren, die ständig erwartet werden - aber
nie kommen. So versinkt alles, was er tut, sein gesamtes Gebäude an
Abläufen und Notwendigkeiten, in eine fragwürdige Leere.
Natürlich wird dies als Metapher für unsere Existenz verstanden, und ist nihilistisches Bild unseres Lebens auf der Erde, das seine Abläufe nur dann halten kann, wenn es eine Aufgabe hat, die aber immer nur Schein ist. Alles Leben hat damit kein fundamentum in re, sondern ist lediglich menschliches Abkommen, um nicht ins Nichts zu versinken. Glücklich also jene, die ganz in ihren Aufgaben untergehen, ohne je an das große Ganze der Leere zu denken.
Natürlich wird dies als Metapher für unsere Existenz verstanden, und ist nihilistisches Bild unseres Lebens auf der Erde, das seine Abläufe nur dann halten kann, wenn es eine Aufgabe hat, die aber immer nur Schein ist. Alles Leben hat damit kein fundamentum in re, sondern ist lediglich menschliches Abkommen, um nicht ins Nichts zu versinken. Glücklich also jene, die ganz in ihren Aufgaben untergehen, ohne je an das große Ganze der Leere zu denken.
Daß es faktisch oft
so ist, zumalen heute, ist ein eigenes Problem. Das macht das Buch
wahrscheinlich zum Gewinn, wenn ich es denn einmal lese, denn der Stoß
"zu lesendes" ist verdammt hoch. Und manchmal erreiche ich seine Spitze
gar nicht mehr, zumindest befürchte ich das. Denn das kann schon
entmutigen. Längst habe ich ja mit Gedanken zu tun die mir sagen: das
wird sich in deinem Leben nicht mehr ausgehen!
Wäre
ich heute noch jung, würde ich vermutlich ja anders lesen. Weniger
Bücher, aber diese immer wieder und wieder. Oder geht das nur auf, wenn
man bereits so viel gelesen hat wie ich, und so viel Verschiedenes? Wenn
man also die Weite des Terrains kennt, auf dem man sich bewegt? Oder
geht das nur auf, wenn man die Gnade und Chance hat, sein Leben in ganz
engen Grenzen zu leben, etwa in einer kleinen Klosterklause, wo das
Viele zugunsten des Tiefen Einen gar nicht an einen herandringt?
Woher
hätte ich sonst eine gewisse Fundiertheit beziehen sollen? Es gab die
Lehrer nicht, die Väter, die Ahnen, die mir das übergeben hätten, auf
dem ich stehen hätte können. Worauf ich wirklich zu stehen kam, das
Unbewußte, das Reale, das Fleischliche gewissermaßen, das zu entdecken
mußte ich halt so viele und weite Wege gehen.
Zwei
Wochen sind es fast schon seit der Kur. Eine Woche seit Mohács. Gestern
war ich wieder in der Weinhandlung "bor & bar". Zu meiner Enttäuschung
hatte man wieder nur eine Flasche von diesem Sárga Muskotaly (sprich:
Schargo Muschkotoij) aus Pannonhalma. Ich habe sie noch gestern Abend
geleert, konnte ihn aber nicht mehr so genießen, wie am Samstag, wo er
uns ja so herrlich gemundet hat.
Ganz langsam
habe ich in den letzten Tagen wieder in etwas Arbeit gefunden.
Einerseits fehlt es mir immer noch an Kraft, das ist sehr frustrierend. Anderseits
und daran anknüpfend, denke ich, bin ich geistig sehr sehr schwach.
Entweder heißt das, daß ich in nächster Zeit viel viel schreiben muß,
um das viele, daß sich in den letzten Wochen und Monaten angesammelt
hat, wieder aufzulichten, zu ordnen, ja überhaupt erst "zu erleben" (und nicht nur zu sammeln). Denn das ist es vermutlich, das mich so
vernebelt, wie ich es empfinde. Oder es ist eben doch nur eine
Auswirkung der körperlichen Zustände, die nach Deiner Abreise und dem nun folgenden Mangel an Pflege wieder
zurückgefallen sind.
Ob gar diese
gewisse Mutlosigkeit damit zu tun hat kann ich endgültig nur vermuten.
Irgendwie fühle ich mich [...] an einen Punkt zurückgeworfen, wo auch
kleinste Gewißheiten wieder aufgelöst sind. Denn mir fehlt jede Ahnung,
wie was weitergehen soll. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich so
etwas zuletzt erlebt habe. Ich glaube zwar schon zu sehen, daß es an Initiative fehlt - von
mir. Denn man muß schon hinausgreifen, von selber wird nichts. Aber ich
sehe auch keine Möglichkeiten, die ich ergreifen könnte. Und ich
fürchte auch, daß ich in den letzten Jahren zurückgefallen bin, wage
nicht zu sagen, ob die Resignation, die mich in vielen Betrachtungen
umfängt, Ursache oder Folge ist. Diese gewisse Werklosigkeit, die ich empfinde, macht mir
schwer zu schaffen. Ob nämlich nicht das Blog nur den Schein einer Tätigkeit
ist? Ich habe manchmal den Verdacht.
Mit
gewisser Trauer denke ich an das schöne, große Weingut in Mohács, als das sich das kleine Schlößchen herausgestellt hat. Vor 20 Jahren hätte das für mich
vermutlich noch den Aufruf bedeutet, der Welt einen Würfel zu schlagen.
Denn um etwas aufzubauen braucht es Mut und Entschlossenheit, gegen
alle Widerstände. Und Kraft. Damals hatte ich noch diese Kraft. Heute? Nicht mehr. Zumindest momentan. Das bedrückt mich.
Denn ich denke, daß das mehr mit den Lebensaltern zu tun
haben könnte als mit meinem momentanen Gesundheitszustand. Auch der - ein Signum des Lebensalters, Quittung des bisher Gelebten, Erlebten. Denn im Leben hat alles seine Zeit, jedes Lebensalter seine Aufgaben im Rahmen eines Ganzen, Einen, das ein Leben schließlich ist. Und man muß als Alternder, der ich zu sein mich allmählich gewöhnen muß,
auch lernen seine Adäquatheiten zu akzeptieren. Dafür hätte man ja dann die Söhne, sie werden zu eines Hand. Sie wären eine Frucht. Aber die
Zerstörungswut von vielen Frauen [...] greift also hier deutlich erkennbar auch auf
die Zukunft der Väter aus, und das ist ja wohl die Absicht dahinter. In der
Zukunftslosigkeit meiner Söhne bzw. Kinder, in der ich das genau so erfahre.
Morgen Teil 2) Wie das Zeitypische aber noch waltet.
So erklärt sich auch Merkel.
*011017*
Mittwoch, 6. September 2017
Der Versuch, Unverstehbares menschlich zu machen
Es ist der Schmerz angesichts einer Welt, die sich nicht mehr als Gerüst von Bindungen versteht, der das ruft: Verlaß mich nicht! Ne me quittes pas! Der Schmerz einer verlorenen Menschheit, der verboten ist, vom Vorausgang der Bindung zu sprechen, die diese Sprachwendung nicht mehr kennt, weil kennen darf und will, die meint eine neue Welt der Zwischenmenschlichkeit - "Beziehung" - konstruieren zu können. Wenn man bei Jacques Brels so berührender Interpretation weint, so ist es dieses Weinen um ein nicht mehr Verstandenes, weil der Verstand sogar sagt, man habe alles richtig gemacht - aber das Sein spricht anders.
Der Nihilismus, den man dem französischen Chanson des 20. Jahrhunderts (mit Recht) vorwirft, ist ein Ruf der Hilflosigkeit. Ein nicht mehr zu artikulierender Schmerz. Ein Schmerz, der keine Lösung mehr kennt. Nur Schmerz blieb, der nicht beim Namen gerufen werden kann. Und insofern ein "document humaine" ist, das man aber zu lesen verstehen muß. Er ist der Versuch, das Menschliche in die Zerstörung durch die denkerische Ausweglosigkeit durch zu retten und vollendet damit den Bogen, den Descartes erstmals spannte. Er ist ohne Albert Camus gar nicht zu verstehen. Als Versuch, der Lüge doch noch das Menschliche zu entringen. Denn der Schmerz ist echt.
Aber es ist zu spät. Der Wahnsinn hat bereits zwei Generationen geprägt, und feiert heute fröhlichste Urstände. Wo die gesamte Jugend, mit den anstehenden Kindern, versucht, dem Unhaltbaren des immer und je Ungewissen eine Ästhetik (des Tragischen) abzugewinnen, was heißt: aufzudrücken. Das Fatale, ja Dämonische umzutaufen. Denn eines ist unveränderbar: Das Gute muß auch schön sein. Nur Schönes will der Mensch aber.
Gerade die Franzosen sind seit dem Wahnsinn von 1789 - kaum ein Volk Europas war je so mit dem Königtum verquickt wie die Franzosen - gezeichnet vom Versuch, dem Irrationalen, Unverstehbaren weil Falschen einen Sinn aufzudrücken. Das Chanson ist einer der Versuche. Sie haben die Ermordung ihres (gottgesandten, ihr Schicksal bestimmenden) Königs 1792 nie verwunden. Wie die Juden kämpfen sie seither mit dieser Erbschuld. Hier im beweisen, rechtfertigen sollenden Ablehnungsgestus der Übertreibung (wie im existentialistischen Nihilismus Sartres, in der verzweifelten Neudefinition der Natur einer Simone de Beauvoir), dort im extremen Royalismus. EB Lefebvre und seine Pius X - Bruderschaft ist die Entsprechung. Als versuchte Überwindung oder gar Sühnung des Vatermords eines Volkes. Darin dem Grundproblem der Juden so ähnlich.
Aber es ist zu spät. Der Wahnsinn hat bereits zwei Generationen geprägt, und feiert heute fröhlichste Urstände. Wo die gesamte Jugend, mit den anstehenden Kindern, versucht, dem Unhaltbaren des immer und je Ungewissen eine Ästhetik (des Tragischen) abzugewinnen, was heißt: aufzudrücken. Das Fatale, ja Dämonische umzutaufen. Denn eines ist unveränderbar: Das Gute muß auch schön sein. Nur Schönes will der Mensch aber.
Gerade die Franzosen sind seit dem Wahnsinn von 1789 - kaum ein Volk Europas war je so mit dem Königtum verquickt wie die Franzosen - gezeichnet vom Versuch, dem Irrationalen, Unverstehbaren weil Falschen einen Sinn aufzudrücken. Das Chanson ist einer der Versuche. Sie haben die Ermordung ihres (gottgesandten, ihr Schicksal bestimmenden) Königs 1792 nie verwunden. Wie die Juden kämpfen sie seither mit dieser Erbschuld. Hier im beweisen, rechtfertigen sollenden Ablehnungsgestus der Übertreibung (wie im existentialistischen Nihilismus Sartres, in der verzweifelten Neudefinition der Natur einer Simone de Beauvoir), dort im extremen Royalismus. EB Lefebvre und seine Pius X - Bruderschaft ist die Entsprechung. Als versuchte Überwindung oder gar Sühnung des Vatermords eines Volkes. Darin dem Grundproblem der Juden so ähnlich.
*100817*
Donnerstag, 10. August 2017
So begann der Mißbrauch
Und so begann der Austro-Pop, der in einer so fatalen Verirrung endete: Marianne Mendt mit ihrem großartigen "Wie a Glock'n", mit dem sie bei dem damals noch ernstzunehmenden Eurovisions-Songcontest großartige Figur machte.
Aber schon hier galt: Besser nicht auf den Text hinhören. Einfach sich der aus anderen Bereichen bekannten Rhythmik ergeben. So begann der Mißbrauch. Mit einer Österreich eigentlich fremden Rhythmik.
Was "die Mendt" aber ehrt? Trotz allem? Sie hat allen Verlockungen widerstanden, so wie viele andere österreichische Künstler dieser Epoche - Oskar Werner, Udo Jürgens, um nur einige zu nennen -, dem Amerikanismus zu verfallen. Die Angebote waren da, auch für Marianne Mendt. Sie versuchten wenigstens, der Kunst treu zu bleiben, sie nicht völlig zum "Geschäft" zu entwürdigen.
Was "die Mendt" aber ehrt? Trotz allem? Sie hat allen Verlockungen widerstanden, so wie viele andere österreichische Künstler dieser Epoche - Oskar Werner, Udo Jürgens, um nur einige zu nennen -, dem Amerikanismus zu verfallen. Die Angebote waren da, auch für Marianne Mendt. Sie versuchten wenigstens, der Kunst treu zu bleiben, sie nicht völlig zum "Geschäft" zu entwürdigen.
*140717*
Donnerstag, 21. August 2014
Der Traum vom Leben in der Hölle (2)
Teil 2) Der Traum vom zukünftigen Leben als Traum vom Schrecken
Selbstverständlich findet sich eine Eingründung in die kosmischen Prinzipien auch in dieser Utopie, und zwar unfreiwillig und doch unausweichlich. Es läßt sich herauslesen, WAS nach Auffassung der Menschen heute der Weltordnung und damit dem Leben zugrunde liegt, von wem und von was wir meinen abzuhängen und Gelingen des Lebens erwarten, wie der Idealzustand wirklich werden soll. Alles das ist innerweltlich, ist vom Menschen autonom zu erlangen, der Kosmos ist zu einem physikalischen Gestell geworden. Wer so denkt, muß aber vor allem davon ausgehen, daß es einen fehlerlosen Menschen gibt, zumindest theoretisch, und daß es gilt, sich diesem zu unterwerfen. Was schiefgeht, liegt also nur am Versagen als Einzelner, und das muß im Interesse des Ganzen verhindert werden. Gleichzeitig wird ja auch hier das erkennbar, was als diesem Glück entgegenstehend betrachtet wird.
Genau dort setzt menschlicher Schrecken und Terror noch jeder Utopie der Menschheitsgeschichte aber an. Nicht als "uij, das muß man verhindern", sondern als unausweichlich. Wenn also hier auf das jüngst in Übersetzung erschienene Buch "Der Circle" von Dave Eggers hingewiesen wird dann nicht, um zu sehen, was man vermeiden müßte, sondern (und diese Dimension fehlt dem Buch freilich) weil was darin (über Google) beschrieben wird zwangsläufige Konsequenz solcher Lebenshaltung ist, die "doch nur das Gute will." So wie diese utopische Stadt. Wer sein Leben dessen Maximen aber unterwirft, und wenn das gar eine Gesellschaft tut, endet ohne jede Auswegmöglichkeit in einem System der Totalkontrolle und des Zwangs.
Dieses System kann nur bei Geschlossenheit funktionieren. Weil es aber kein perpetuum mobile gibt, braucht solch ein System "Niemandsland". Sie braucht den Orkus, wie er früher hinter den Stadtmauern begann. Hier war Ordnung, Recht und Gesetz, dort Chaos und Gesetzlosigkeit. Nichts in dem Entwurf deutet deshalb auf eine lebendige Beziehung nach außen hin! Die Stadt ist auf sich konzentriert, und in sich und mit sich restlos zufrieden. Hinter den Vorhängen der Grenze liegt dann das Nichts. Kein ökologisches System gegenwärtigen Zuschnitts funktioniert aber "für sich", jedes Reden von "Autarkie" ist eine glatte Lüge die die heutige Art zu leben permanent begleitet. Utopische Systeme der Gegenwart schieben lediglich ihre Grenzen immer weiter hinaus, bis an den Rand der Welt, wo alles erlaubt ist, oder bis auf den Mars.
Das erstaunliche Fazit läßt sich in einem Satz beschreiben: Alles das, worauf menschliches Leben, menschliche Ordnung wirklich beruht, alles worauf Leben buchstäblich gegründet ist, ohne das es nämlich überhaupt nichts gäbe, ontologisch wie im Rahmen menschlicher Kultur, die es ohne Raum nicht gibt, ist im Lebensraum der Zukunft nicht mehr vorhanden und nicht mehr erwünscht.
Ex nihil nihil fit. Der heutige Mensch ist im wahrsten Sinne - Nihilist. Und er würde, in die Lage versetzt, auf direktem Weg eine Welt des Schreckens errichten.
Genau dort setzt menschlicher Schrecken und Terror noch jeder Utopie der Menschheitsgeschichte aber an. Nicht als "uij, das muß man verhindern", sondern als unausweichlich. Wenn also hier auf das jüngst in Übersetzung erschienene Buch "Der Circle" von Dave Eggers hingewiesen wird dann nicht, um zu sehen, was man vermeiden müßte, sondern (und diese Dimension fehlt dem Buch freilich) weil was darin (über Google) beschrieben wird zwangsläufige Konsequenz solcher Lebenshaltung ist, die "doch nur das Gute will." So wie diese utopische Stadt. Wer sein Leben dessen Maximen aber unterwirft, und wenn das gar eine Gesellschaft tut, endet ohne jede Auswegmöglichkeit in einem System der Totalkontrolle und des Zwangs.
Dieses System kann nur bei Geschlossenheit funktionieren. Weil es aber kein perpetuum mobile gibt, braucht solch ein System "Niemandsland". Sie braucht den Orkus, wie er früher hinter den Stadtmauern begann. Hier war Ordnung, Recht und Gesetz, dort Chaos und Gesetzlosigkeit. Nichts in dem Entwurf deutet deshalb auf eine lebendige Beziehung nach außen hin! Die Stadt ist auf sich konzentriert, und in sich und mit sich restlos zufrieden. Hinter den Vorhängen der Grenze liegt dann das Nichts. Kein ökologisches System gegenwärtigen Zuschnitts funktioniert aber "für sich", jedes Reden von "Autarkie" ist eine glatte Lüge die die heutige Art zu leben permanent begleitet. Utopische Systeme der Gegenwart schieben lediglich ihre Grenzen immer weiter hinaus, bis an den Rand der Welt, wo alles erlaubt ist, oder bis auf den Mars.
Das erstaunliche Fazit läßt sich in einem Satz beschreiben: Alles das, worauf menschliches Leben, menschliche Ordnung wirklich beruht, alles worauf Leben buchstäblich gegründet ist, ohne das es nämlich überhaupt nichts gäbe, ontologisch wie im Rahmen menschlicher Kultur, die es ohne Raum nicht gibt, ist im Lebensraum der Zukunft nicht mehr vorhanden und nicht mehr erwünscht.
Ex nihil nihil fit. Der heutige Mensch ist im wahrsten Sinne - Nihilist. Und er würde, in die Lage versetzt, auf direktem Weg eine Welt des Schreckens errichten.
*210814*
Mittwoch, 20. August 2014
Der Traum vom Leben in der Hölle (1)
Die TU-Wien hat in einem "interdisziplinären Projekt" die beim Hypo-Alpe-Adria-Bankenskandal verschusterten 19 Milliarden Euro, die Österreichs Steuerzahler in den nächsten Jahren aufbringen werden müssen, anschaulich gemacht. Und dazu mit 40 Studenten eine Stadt im Modell ausgearbeitet, die mit diesem Betrag zu errichten wäre. Es wäre eine Stadt mit "Lebensqualität", meinte der Projektleiter im Standard. Und sie wird "Hypotopia" genannt. Eine Utopie vom Glück also, ein Wunschbild, wie sich heutige (vor allem junge) Menschen.
Auf welchen Beinen eine solche Utopie steht ist aber das eigentlich Interessante daran. Denn es wirft ein Bild auf die geistige Verfaßtheit der Gegenwart.
Die Highlights der Milliardenstadt, die auch auf Nachhaltigkeit setzt, sind:
- eine Müllverbrennungsanlage
- ein Fußballstadion
- eine Brauerei
- ein Bahnhof
- eine Stadtbahn
- autofreie Straßen
- vertikale Farmen
- ein Wasserkraftwerk
- ein Windpark
- Flussboote
Nun sollte man Utopien nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn in ihnen zeigen sich immer die als "gut" erkannten Maxime einer Generation, einer Kultur. Was also läßt sich herauslesen?
Zunächst fällt auf: Es fehlen Banken, es fehlen aber auch Polizeistationen, denn in dieser Stadt der Zukunft soll es ja keine Verbrechen geben. Es fehlen aber auch - und das ist das Bemerkenswerteste - Sakralgebäude. Es gibt keine Kirchen oder Pfarrzentren oder Tempel. Das sei diskutiert, aber offenbar nicht angenommen worden, werde aber bei einer geplanten weiteren Ausarbeitung der Stadt nun doch folgen, schreibt der Standard. Man sei sich aber noch nicht klar, wie es "zeitgemäß" gelöst werden könne. Religion also als zusätzliche Funktion eines ansonsten bereits "guten Lebens", sofern es eben von jemandem "doch" gebraucht wird. Ihr Maß aber wird von woanders her bestimmt. Nicht ... umgekehrt.
Und wer meint, daß die Vertikalfarmen (in Form riesiger senkrechter Trapezoide am Stadtrand) zufällig sind, irrt. Denn sie sind nur noch explizit, was diese Lebensform - denn hier wird eine Lebensform entworfen, keine "Stadt"; wer Architektur sagt, meint immer Lebensform und -gestaltung - an sich bedeutet: Loslösung vom Raum, der einer Loslösung vom Boden entspricht. Die Welt wird (siehe u. a. Heidegger) zum "Gestell", zur Nutzanwendung und Eigenschaft. Landwirtschaft wird aufgelöst, sie wird zur "Pflanzenzüchtung", nein, zur Lebensmittelproduktion. Die Welt, umgebrochen auf Funktionen, auf Nutzen. Leben, Vitalität wird von einem "perfekten Außen" erwartet, das zu gestalten unserer Ratio unterliegt. Da braucht es keine Prozessionswege und keine Altäre in Tempeln.
In diesem Rahmen sind auch sämtliche "Werte" zu betrachten, die im wesentlichen der neuen Sentimentalreligion entstammen, die sich seit Jahrzehnten definitiv von den USA ausgehend ausgebreitet hat. Die einen fatalen Fehler hat: Sie simuliert Gefühle, sie läßt fundamentales Fühlen und sie läßt Geistigkeit gar nicht mehr zu, schneidet aber der Reflexion den Weg ab, indem sie das Gegenteil behauptet. Die deshalb schizoid ist, und schizoid macht. Den Menschen also von seiner Basis abschneidet.
Bis in die hohe Neuzeit herauf wurden auf der ganzen Welt Städte genau umgekehrt gebaut: Initium war die Verankerung in der kosmischen und transzendenten Ordnung. Deshalb nahm jede Stadt, jede Ansiedlung, ja jedes Haus von einem sakralen Zentrum ihren Ausgang. Der alte "Herrgottswinkel", der das Herz eines Hauses war und ist, zeigt das auch im Christentum nachdrücklich. Und über die Bedeutung des Feuers, der Frau als dessen Hüterin, muß man nicht lange reden. Niemandem wäre es eingefallen, auf ein Leben zu setzen, das nicht in göttlicher Zustimmung durch Einfügung in seinen Plan, der der ganzen Welt zugrundeliegt, gegründet ist.
Morgen Teil 2) Der Traum vom zukünftigen Leben als Traum vom Schrecken
*200814*
Samstag, 16. August 2014
Totalerblindung (2)
Teil 2) Man kann sich seine Religion gar nicht aussuchen
Das hat natürlich weitreichende
Implikationen. Wenn nämlich in einer Kultur die Selbstautonomie als
Grundgefühl vorherrscht, als Ethos gewissermaßen, beginnt diese Kultur
ohne jeden Zweifel an sich selbst auszutrocknen. Ihre Basis wird immer
schmäler, ihre Erkenntnis immer dürftiger, bestenfalls in sich noch
ausgefeilter und rational wortreicher (weil eigentlich: verzweifelter).
Diese Stimmung aber entsteht nicht durch Gedankenarbeit, durch (s.o.)
formalistisches Herumgedrechsele am Wortsalat, sondern sie entsteht
durch die reale Lebensweise. Stimmen die Hierarchien nicht mehr, weil
sie von ihrem herkommen abgeschnitten wurden (das heißt nichts simpler
als: Anti-Traditionslismus), so sind damit die Erkenntnisgrundlagen
einer Gesellschaft ruiniert. (Hierarchien haben und implementieren
selbstverständlich auch die Anti-Hierarchischen, revolutionären
Strömungen, es ist ja lediglich der Wahnsinn ihrer Methode, das zu
verschleiern: Aus dem Bild der Hierarchie, das also eine aufgeklärte
Gesellschaft wie die unsere darstellt, läßt sich das Erkenntnisprinzip
ablesen - simpel: der Gott, in dem alles gründet.)
Hier greifen fatale Mechanismen, die nicht auf den Einzelnen beschränkt bleiben können. Wenn sich im Handeln der Menschen zeigt, daß sie aus sich heraus nicht höherkommen, und das heißt: real, konkret, durch ihre reale sittliche Verfaßtheit, die für jede Moral ja erst die Basis bildet, dann beginnt sie ohne jeden Zweifel das Höhere zu hassen. Die Wahrheit, die real ist, wird zum Feind - zum Feind wird die wirkliche Wirklichkeit der Dinge. Selbsteinschätzung wird damit unmöglich, und damit Einschätzung des Begegnenden.
Denn
dem Begegnenden wird nicht getraut, es enthält keine Botschaft mehr,
oder man wählt es ersatzweise (weil dem menschlichen Wesen ja notwendig,
als Grundstruktur gewissermaßen), mit allen Folgen, bis zur Hörigkeit,
bis zum Fanatismus, der ja ein Fetischismus ist. Eine Kultur, ein Volk
wird damit als Ganzes blind. Über die Lebensweise, die sie über jeden
verhängt, und der sich gar niemand wirklich entziehen kann.
Zugleich müßte nun klar sein, daß auch dasjenige, AN DEM jemand
teilhaben will, nicht aus seinem eigenen Urteil erwachsen KANN. Er ist
gar nicht fähig, es zu beurteilen, weil zu erkennen. Von Religion kann
man deshalb überhaupt nur dann sprechen, wenn es sich um eine
Überlieferung handelt. Sie braucht konkrete Personen, die die
Offenbarung Gottes weitergeben. Man KANN also gar nicht "seine Religion" wählen.
(Jedes Konvertitentum zeigt ja dieselben Krankheiten der Pseudologie, oder ist überhaupt eine solche, wenn es im "Konfessionellen", also bei der "Überzeugung" bleibt. Sodaß die heutige Religionslosigkeit zwangsläufig Religion gar nicht mehr anders fassen kann denn als "Überzeugung", die sie aber gar nie ist.)
Hinter solchen Aussagen, die heute also nicht zufällig so verbreitet sind - Auswuchs bereits der Verzerrtheit, ja der Wahnverfallenheit des heutigen Menschen - verbirgt sich etwas ganz anders. Man kann nur folgerungsweise auf die Plausibilität gewisser Aussagen vertrauen, und sich daraufhin entschließen, AN DIESER (oder jener) Offenbarung teilhaben zu wollen.
(Jedes Konvertitentum zeigt ja dieselben Krankheiten der Pseudologie, oder ist überhaupt eine solche, wenn es im "Konfessionellen", also bei der "Überzeugung" bleibt. Sodaß die heutige Religionslosigkeit zwangsläufig Religion gar nicht mehr anders fassen kann denn als "Überzeugung", die sie aber gar nie ist.)
Hinter solchen Aussagen, die heute also nicht zufällig so verbreitet sind - Auswuchs bereits der Verzerrtheit, ja der Wahnverfallenheit des heutigen Menschen - verbirgt sich etwas ganz anders. Man kann nur folgerungsweise auf die Plausibilität gewisser Aussagen vertrauen, und sich daraufhin entschließen, AN DIESER (oder jener) Offenbarung teilhaben zu wollen.
Und
genauso wenig kann man DIREKT, ohne menschliche Vermittlung also, an
Gott teilhaben, quasi als autonomistische Direktreligion, als
Privatmystik, um die man sich nur zu mühen bräuchte, die quasi
außergeistig in bloßen physischen Methodiken oder Vorgehen äußern
könnte. Ja, selbst wenn dem so wäre, so wäre es wertlos, weil der Mensch
in der Verfaßtheit als geistseelisch-physisches Wesen, er selbst nur
über die Vernunft ist.
Dieser
quasi "höchstpersönliche spezielle Draht" zu Gott würde nämlich
voraussetzen, daß man selbst bereits Gott (zumindest aber heilig) ist,
und das hat einen bereits aufgelösten Gottesbegriff (und eine absurde,
jedes Kabarett unendlich übertreffende Selbsttäuschung und Blindheit den
eignen Zustand betreffend) zur Voraussetzung, und damit Nihilismus.
Nicht mehr und nicht weniger ist aber der Wahn, in dem heute so viele
Menschen befangen sind. Den sie nicht zufällig so wortreich und nicht
selten durch viel Religionsgequatsche, immer aber gestützt durch
formalistischen Mißbrauch formal (teil-)wahrer Aussagen zu verschleiern
suchen. Denn die Wahrheit ist eben kein formales Rechenexempel
"logischer Aussagen". Sie ist lebendig (und erst darin überhaupt möglich
vernünftig) und lebt in personalem Dialog, oder sie ist einfach
Dummheit, die folgenotwendig zur Bosheit wird bzw. sich daraus nährt.
***
Freitag, 15. August 2014
Totalerblindung (1)
Niemand wird ernsthaft bestreiten, daß das Heranwachsen eines Menschen in der Geschichte mit einem Heranwachsen seines Erkennens direkt zusammenhängt. Das heißt, daß dem Menschen notwendig immer Neues begegnet, sonst wächst er nicht in der Erkenntnis. Denn das Durchdringen der Welt zur Gewinnung von Kriterien ihres Handelns hängt mit der Zeit zusammen - nur im Nacheinander läßt sich die Eigenschaft eines Etwas, eines Objekts, ablösen.
Also ist die Grundhaltung des Erkennens die Haltung, die dem Neuen als "Oberen" begegnet. Und das heißt, daß nur die Ehrfurcht dem Oberen gegenüber an diesem Neuen, Übersteigenden teilhaben läßt. Denn nur durch Teilhabe ist es möglich, an dem Oberen insofern teilzunehmen, als es den eigenen Erkenntnisstand erweitert.
Teilhabe aber heißt, daß ich einer Wesenseigenschaft teilhaftig bin, die zu beurteilen ... ich NICHT vermag. Deshalb ist Vertrauen, deshalb ist Glaube (als "GELOBEN", von dort stammt es ja) die Grundvoraussetzung für Wachstum in der Erkenntnis.
Soferne diese Erkenntnis lebendig sein soll. Denn es gibt ein Erkennen, das im bloßen Formalen steckenbleibt und tot ist: In der Übernahme von Formalismen, in der Übernahme von auch logischem Vorgehen, das immer am Stande des Jetzt freilich stehenbleibt. Das nur der Glaube zur Wesentlichkeit im Wortsinn überschreiten könnte.
Aus dieser Verknüpfung wird klar, daß Erkennen zuerst im Glauben ankert, und dort als "jemandem glauben" bestimmt ist, weil es das Vertrauen braucht. Ein rein formales, quasi "intellektives" Erkennen bleibt tot, kann bestenfalls ein Ausscheiden von bereits Vernommenem sein.
Denn damit ist auch klar, daß es ohne eine Offenbarung des Höheren gar kein Wachstum gibt. Weder im Leben, noch im Erkennen der Vernunft. Aus sich selbst heraus vermag der Mensch nicht weiterzugehen. Daß es scheinbar doch jeder Mensch tut, auch in Zeiten des Autonomismus wie heute, hat lediglich mit der für jeden Menschen unvermeidlichen Gegebenheit zu tun, daß jeder einmal Kind war. Und dort, dort nimmt jeder Mensch ständig - im Glauben, im Vertrauen - am Höheren teil.
So begründet sich auch, daß jede Religion, egal welche, an einem "Jemandem glauben" hängt. Nur wenn man glaubt, daß über die Teilhabe an diesem Menschen, der etwas offenbart, das Höhere habbar wird, durch Teilhabe, kann man ja überhaupt von Religion sprechen. Die Frage für den Menschen ist also in jedem Fall nicht, OB jemand glaubt, sondern WEM er glaubt. Denn sie gründet immer in einer Frage nach einem Menschen, einer Person, der man glauben kann.
Damit ist auch klar, daß die Gretchenfrage des Christentums in der Person Jesu Christi liegt. Denn das Glauben an eine Person äfft auch jede Sekte, jedes Sektierertum nach. (Oder man denke an diverseste esoterische Methodiken und Heilslehren, wie etwa Reiki, die diese Personenanbindung sogar zentral stehen haben, und die Zentraltätigkeit der daran teilhabenden Personen dezitiert als "Medialisierung" gesehen wird.)
Aber nicht einfach an einem quasi "spirituellen" Christus, sondern dieser Christus muß real gegenwärtig sein. Nur so ist Heil überhaupt denkbar.
Das des Erfassens der Bedürftigkeit bedarf.
Wenn - wie heute sogar zum Erziehungsziel erklärt wird! - der Mensch nur in sich verankert sein soll, dann freilich setzt das (und auf die Ausrede, daß es gedanklich nicht so formuliert sei, pfeifen wir, denn das Denkgeräusch der heutigen Menschen ist meist die Luft nicht wert, die es trägt) auch voraus, daß er sich selbst zum Gott macht. Denn anders würde sich jeder Begriff von Gott auflösen, sinnlos werden.
Erst wenn der Mensch sich seiner Bedürftigkeit bewußt wird, erst wenn er diese mit seinem Gemüt (!) erfaßt hat (und nicht nur "denkt"), als wirkliche Hinneigung zum Höheren, erst dann vermag er also in seiner Erkenntnis wirklich zu wachsen, weil sich damit auch seine Basis vergrößert, um es mit diesen banalen Begriffen vielleicht begreiflicher zu machen. Aber vor allem: Von Religion läßt sich überhaupt nicht sprechen, wenn der Mensch nicht mit dem realen und freien Eingreifen (eines) Gottes rechnet - wirklich ist nur, was wirkt! Ein Gott der nicht wirkt, ist nicht wirklich, sondern bleibt ein Hirngespinst. Religion ist wesentlich Gnadenvermittlung, Heilsanstalt. Es gibt also keine individuelle Höherentwicklung - ohne Religion, und ohne geschenkhafte Gnade. (Es gibt nur eine höhere Stufe rationalistischer Verworrenheit.)
Der Unterschied zwischen dem Katholizismus und den anderen Religionen ist nicht dieses Prinzip, sondern ... die Realität. Nur der Katholizismus (den es ohne Kirche nicht gibt) muß (ja: darf das gar nicht, genau das ist ja sein Prinzip!) nicht die Wirklichkeit ausblenden, um "wirksam" zu sein, nur er sucht direkt die Wirklichkeit. In ausnahmslos JEDER anderen Religion, so sehr sie hier und dort und oft sogar viele Teilwahrheiten haben mögen, sind aber solche Wirklichkeitsausschließungen, Autonomismen und Selbstevokationen notwendig und tätig.
Und genau diese oft groteske Verfallenheit einzelner Kirchenglieder ist regelrecht wesensnotwendig - denn nur so ist klar, daß es Gott ist, der wirkt, der sich über die Sakramente sogar garantiert. Der fünftägige Achselhöhlenschweiß des Pfäffleins, oder die eitle Vertrotteltheit eines Mönchs ist genau der Verweis darauf. Denn darauf kommt es nicht an, ja im Gegenteil, die oft so verquälte Schiefgestalt der realen Kirche ist der Schlüssel zum Heilsgeheimnis selbst, in dem Gott in jede Zeit real und historisch spricht - und bei Verfallenheit der Kirche umso mehr die einzig mögliche Pforte zum Heil verlangt: Das Kreuz. Das auch und immer real ist, und genau deshalb umso mehr Frucht bringen kann, wenn es die Prüfung in Treue und Glauben - als Verdienstlichkeit! - so anspannt wie heute oft. Daß gerade heute, wo alles von der Welt Perfektion verlangt, sich alles auch politische Streben danach richtet, der Verfaßtheit der Menschen gemäß, die Welt immer perfekter zu machen, sich die Kirche dieser Perfektion so entzieht und den Menschen fordert indem sie ihn in seinem Autonomiestreben beim Wort nimmt, ihn gerade dadurch auf seine weltimmanente Impotenz verweist ... das zu deuten ist nicht mehr schwer.
Wer sich im Dschungel verirrt hat, muß durch den Dschungel wieder hinaus, auch wenn es noch so mühsam ist. Es gibt keinen anderen Weg. Der Charakter der Gegenwart - träge bis ins Mark, ohnmächtig angesichts der eigenen Schwächen, der Kräfte deren man nicht Herr wird - ist freilich, sich aus diesem Dschungel wegzaubern, wegdenken oder durch Selbstmanipulation wegträumen und wegenthusiasmieren zu wollen.
Der Unterschied zwischen dem Katholizismus und den anderen Religionen ist nicht dieses Prinzip, sondern ... die Realität. Nur der Katholizismus (den es ohne Kirche nicht gibt) muß (ja: darf das gar nicht, genau das ist ja sein Prinzip!) nicht die Wirklichkeit ausblenden, um "wirksam" zu sein, nur er sucht direkt die Wirklichkeit. In ausnahmslos JEDER anderen Religion, so sehr sie hier und dort und oft sogar viele Teilwahrheiten haben mögen, sind aber solche Wirklichkeitsausschließungen, Autonomismen und Selbstevokationen notwendig und tätig.
Und genau diese oft groteske Verfallenheit einzelner Kirchenglieder ist regelrecht wesensnotwendig - denn nur so ist klar, daß es Gott ist, der wirkt, der sich über die Sakramente sogar garantiert. Der fünftägige Achselhöhlenschweiß des Pfäffleins, oder die eitle Vertrotteltheit eines Mönchs ist genau der Verweis darauf. Denn darauf kommt es nicht an, ja im Gegenteil, die oft so verquälte Schiefgestalt der realen Kirche ist der Schlüssel zum Heilsgeheimnis selbst, in dem Gott in jede Zeit real und historisch spricht - und bei Verfallenheit der Kirche umso mehr die einzig mögliche Pforte zum Heil verlangt: Das Kreuz. Das auch und immer real ist, und genau deshalb umso mehr Frucht bringen kann, wenn es die Prüfung in Treue und Glauben - als Verdienstlichkeit! - so anspannt wie heute oft. Daß gerade heute, wo alles von der Welt Perfektion verlangt, sich alles auch politische Streben danach richtet, der Verfaßtheit der Menschen gemäß, die Welt immer perfekter zu machen, sich die Kirche dieser Perfektion so entzieht und den Menschen fordert indem sie ihn in seinem Autonomiestreben beim Wort nimmt, ihn gerade dadurch auf seine weltimmanente Impotenz verweist ... das zu deuten ist nicht mehr schwer.
Wer sich im Dschungel verirrt hat, muß durch den Dschungel wieder hinaus, auch wenn es noch so mühsam ist. Es gibt keinen anderen Weg. Der Charakter der Gegenwart - träge bis ins Mark, ohnmächtig angesichts der eigenen Schwächen, der Kräfte deren man nicht Herr wird - ist freilich, sich aus diesem Dschungel wegzaubern, wegdenken oder durch Selbstmanipulation wegträumen und wegenthusiasmieren zu wollen.
Morgen Teil 2) Man kann sich seine Religion gar nicht aussuchen
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Donnerstag, 24. Juli 2014
Was tut, wer an einen Gott glaubt?
Die Frage nach Gott ist, schreibt Ortega Y Gasset einmal sinngemäß, die Frage "Womit rechne ich?" Sie ist deshalb eine Frage nach der Realität jenes Du, das ich als Gott bezeichne. Aber sie ist schon noch mehr.
Denn was Gott überhaupt ist - nicht einfach nur für jemanden einer bestimmten Religion oder Theologie, sondern von der reinen Begrifflichkeit her, soll sprechen nicht überhaupt sinnlos werden - unterliegt nicht irgendwelchen Gedankenkonstrukten - es unterliegt dem Bezug des Begriffes, den er symbolisiert.
Was also ist mit Gott gemeint? Was ist es, was die Menschen zu allen Zeiten als "Gott" bezeichneten? Es ist der reine Gute, es ist der Urheber von allem, es ist der Lenker und Herr über Welt und Schicksal, dem alles zu verdanken ist, der Eine, der Wahre, der die Wahrheit selbst ist, das Sein das das Sein selbst ist. Das von ihm ausgeht, und das deshalb von ihm erbeten werden muß. Nicht nur von mir, sondern von allem. Hierin gründet das, was man Heidentum nennt.
Denn das Heidentum kannte diesen Gott nicht, die Religionsgeschichte (P. Wilhelm Schmidt zeigt das so großartig in seinem gigantischen Werk "Der Ursprung der Gottesidee", in dem er die Religionen des gesamten Erdkreises durch Feld- wie Quellenforschung und Einarbeitung der gesamten ethnologischen Erkenntnisse bis dato kennengelernt und analysiert hat*) ist eine Entwicklung von dieser Unfaßlichkeit des Einen Gottes hin zu "Subgöttern" der Mythen, bis zur Entartung in der Magie, zur Technisierung des Religiösen und damit zur Immanentisierung, zum Nihilismus. Wo immer aber Gott zum Begriff wird, ist er gegeben, so wie Sprache und Begriffe überhaupt gegeben sind. Es ist ein Irrtum zu meinen, der Mensch würde die Welt seines Denkens, seiner Sprache je neu erfinden (können).
Nein. Er empfängt sie. Und er empfängt, WAS er glaubt, ob er das für wahr halten will oder nicht. Deshalb übermittelt sich Religiosität nie direkt, sondern immer indirekt, auf dem Weg über Menschen, und hier zuerst über die Eltern (man beachte die erhellenden Analysen von C. G. Jung), und über sie über den Kult. (Denn es gibt keine Religion, es gibt keine Religiosität ohne Kult.)
Das, und auf eine Weise "nichts anderes", ist die Kirche: der Hort der Präsenz Gottes, des Ungreifbaren, der in Greifbarkeit herabgestiegen ist. Und selbst wenn man diesen Begriff neutralisiert auf "Religionsgemeinschaft" (die alle ja um die Frage der Be-/Greifbarkeit Gottes kreisen), so läßt sich dasselbe anthropologische Prinzip darunter erkennen: Wer diesem Gott also gegenübersteht, kann gar keine andere Wahrheit neben ihm anerkennen. Denn dann wäre es ja gar nicht "Gott".
Was wahr ist, schreibt Y Gasset an anderer Stelle, ist nicht nur "für mich" wahr, sondern in dem Moment wo ich etwas für wahr halte, ist es das absolut. Und - es ist (immer!) das, was ich glaube. Denn an die Wahrheit selbst so scheinbar simpler Sätze wie 2+2=4 läßt sich nur glauben. Und was ich glaube, ist nicht das was ich gleich mal sage, sondern das, was ich als Seiender wirklich, gestalthaft, durch meine gesamten Lebensvollzüge vollziehe.
Wenn jemand also an Gott glaubt, an "einen" Gott (noch einmal: lassen wir die Frage "welchen?" der Gedankenführung halber einfach weg) glaubt, so ist die Frage, wie verhält er sich dann also diesem Absoluten, diesem Einen gegenüber, dem er und die Welt alles verdankt? Es erhebt sich die Frage der Angemessenheit des eigenen Verhaltens. Und darin gründet die Religiosität zu allen Zeiten und bei allen Völkern - im Kult, und in der Durchdringung des Alltags durch die Gestalten und Formen des Kultes.
Deshalb läßt sich aus dem realen Verhalten läßt eines Menschen erkennen, woran man auch selber glaubt. Alles konzentriert sich auf die Gretchenfrage - welchem Kult gehört er an? Wie sieht sein Kult aus, in dem er sich seinem Gott gegenübersieht, und wie drückt er sich im Alltäglichsten aus? NICHT als Moral (als die man Sittlichkeit gerne mißversteht), die ist nur der Wachsabdruck der Sittlichkeit selber. Dort nämlich liegt die Religiosität, so gerne diese Frage viele heute vernebeln wollen. Und darüber zu urteilen ist keine Frage von Überzeugung, sondern sie ist denknotwendig.
Und dort liegt, was der Apostel Paulus einmal auf den Punkt bringt, und was alle Heidenvölker so bewegt hat, und was überhaupt erst den Siegeszug des Christentums ermöglicht hat, und von dem das Alte Testament im übrigen so bildhaft aus der Geschichte erzählt: Wie historisch wirksam ist dieser Gott? Daran nämlich sind alle übrigen "Weltregligionen" gescheitert, oder scheitern. Oder - werden eben zum Nihilismus oder zur bloßen praktischen Gesellschaftslehre (wie etwa der Konfutianismus). Oder zum Kantianismus (den Franz von Baader auf überzeugend klare Weise als Form des Nihilismus entlarvt). Oder zum Synkretismus oder Pantheismus, allesamt Formen des Nihilismus.
Der, wie derselbe Franz von Baader glasklar erkennt, in der menschlichen Trägheit (Acedia) - also in der Lebensführung, die zum Habitus wurde - begründet liegt. Womit wir bei der geistigen Struktur der im Sozialstaat heutiger Prägung (als Frucht jahrzehntelanger Einwirkung realer Lebensstrukturen) aufgewachsenen Generationen sind.
*Es gab in den 1920ern - erwähnt sei etwa noch der brillante Pater Paul Schebesta, oder Rolf Bernatzik - eine weltweit richtunggebende "Schule der Wiener Ethnologie". Nur einer der unüberbietbaren Geistessterne, die Österreich damals der Welt geschenkt hat, aus dessen Grab damals wirklich so etwas wie der geistige Leitstern der Welt stieg. Man denke an die Physik, an die Philosophie, an die Theologie, an die Kunst ... vielfach getragen (oder in Reaktion damit) von der Katholischen Kirche.
*Es gab in den 1920ern - erwähnt sei etwa noch der brillante Pater Paul Schebesta, oder Rolf Bernatzik - eine weltweit richtunggebende "Schule der Wiener Ethnologie". Nur einer der unüberbietbaren Geistessterne, die Österreich damals der Welt geschenkt hat, aus dessen Grab damals wirklich so etwas wie der geistige Leitstern der Welt stieg. Man denke an die Physik, an die Philosophie, an die Theologie, an die Kunst ... vielfach getragen (oder in Reaktion damit) von der Katholischen Kirche.
***
Mittwoch, 9. Juli 2014
Von heutigen Furchtbarkeiten
Es hat etwas Tragisches, aber noch mehr: Furchtbares um das, womit man heute immer häufiger meint - in Wien sind nicht einmal mehr die Hälfte aller Einwohner getauft, und der Prozentsatz bei Neugeborenen geht auf die 10 Prozent zu - die Taufe zu ersetzen. Denn das unbewußte Wollen und Suchen nach Riten, nach Inititationen, ist dem Menschen untrennbar eigen. Denn der Mensch gründet sich selbst im Kult. Sein ganzes Leben ist alleine als Emanation der Grundbewegung des Lebens selbst verstehbar.
Eine dieser Formen nennt sich "Willkommensfeier". Sie ist in Deutschland bereits verbreiteter als in Österreich, aber auch hier im Kommen. Das Tragische daran ist, daß darin das Kind auf die menschliche Umgebung alleine zugewiesen wird. Und das ist auch das Furchtbare daran. Denn was bleibt dann noch am Menschen?
Selbst in tiefsten Heidenzeiten wurde (und wird) aus natürlichem Verständnis heraus jeder Neugeborene Gott oder den Göttern überantwortet. (Der Heldenkult als Kult von Quasi-Göttern hängst ja direkt damit zusammen.) Was sich im Sakrament noch einmal - und zwar: zur Realität, nicht nur zur "Meinung" - vertieft hat.
Und das drückt sich ja nicht zuletzt in der Namensgebung aus, denn im Namen wird der Mensch den geistigen Dynamismen überschrieben, die in diesem Namen zum Ausdruck kamen, die man deshalb kennt. Es ist also der Name, aus dem heraus sich ein Mensch entwickelt, und auf den zu er sich entwickeln soll, um das bereits Bekannte weiter zu bereichern.
Der Name also drückt die geistige und religiöse Haltung der Menschen aus, und darin ihre Haltung zur Welt. Er ist zeitlebens der innerste Anspruch. Leben kann als "sich einen Namen machen" bezeichnet werden, denn durch das Leben wird der Name mit Bezügen, mit Inhalten gefüllt und damit zur Dynamis, die einem Menschen sehr wohl vorausgeht. Die Namensgebung ist also direkt mit dem Religiösen nicht nur verbunden, sondern der erste Akt des Menschen (vgl. die Genesis) der Welt gegenüber. Und weil verstehen, und damit Sprache (Vorsicht - das ist nicht dasselbe wie "Erkennen"), das Beziehen eines Begriffes auf einen anderen ist, führt sich alles Verstehen und alle Sprache auf Namen, und alle Namen auf einen zurück - den des Seins selbst. Die Welt als Zueinander von Dingen ist also auf einen Namen gegründet ...
In einer Willkommensfeier wird aber das Religiöse - als verantwortlicher Bezug auf das Transzendente - bewußt eliminiert. Der solcherart "Empfangene" wird dem rein Innerweltlichen übergeben. Was sich darin also ausdrückt ist nicht Heidentum, denn kein Heide ist und war je a-religiös. Das so zu umschreiben ist schönfärberisch und unwahrhaftig.
Es zeigt die Furchtbarkeit des Nihilismus. Und sein Ritus entstammt dem Akt der Verzweiflung, dem Innerweltlichen doch Seinstiefe, die durch hervorzubringende, voluntaristische emotionale "Tiefe" überdeckt wird, die zum Inhalt erklärt wird, abtrotzen zu wollen.
***
Samstag, 29. März 2014
Zurücksinken ins Vorbewußte
Es wird kaum gesehen, schreibt Konrad Zucker in "Vom Wandel des Erlebens", daß die heutige Zeit sich auffallend an die vorbewußten Zeiten VOR dem Auftreten von Hochkulturen anähnelt. Denn das Entstehen von Kultur hat direkt mit der Verwirklichung, Verleiblichung göttlichen, kosmischen Anspruchs zu tun. Kultur ist Gestaltwerdung des anfänglich nur geahnten Numinosen, das in den Schritten über den Mythos erste Personifizierung des Göttlichen findet. Erst auf dieser Ebene beginnt der eigentliche Kulturprozeß. Eine Geisteshaltung wie der Skeptizismus, der das Dasein des Göttlichen vom subjektiven Bewußtsein abhängig macht, Gott also nur durch den Glauben Existenz hat, läßt das Göttliche ins Vorbewußte absinken. Historisch keineswegs neu, aber immer am Ende einer Kultur zu beobachten, wo das Mögliche nicht mehr wirklich wird, und in die Gestaltlosigkeit zurücksinkt.
Dasselbe gilt für den Synkretismus, der "alles" als gültig zu sein einzuschließen behauptet - und damit nichts weil keine verbindliche Gestalt hat. Auch hier kann man von Religion nicht mehr sprechen, weil das Wesentliche der Religion fehlt: ihre schöpferische, erlösende Qualität. Synkretismus ist in Wahrheit Nihilismus.
Dasselbe gilt für den Synkretismus, der "alles" als gültig zu sein einzuschließen behauptet - und damit nichts weil keine verbindliche Gestalt hat. Auch hier kann man von Religion nicht mehr sprechen, weil das Wesentliche der Religion fehlt: ihre schöpferische, erlösende Qualität. Synkretismus ist in Wahrheit Nihilismus.
Im Mythos aber wird das Seelenbild einer Kultur zum Ausdruck, und damit zum schöpferischen Bewegungsbild, das Denken wie Handeln bestimmt weil trägt. Und es ist das Ahnen der Erlösererwartung, das im Kult seinen Ausdruck findet, und die Welt zu gestalten - was heißt: zu ordnen - aufruft wie ermächtigt. Denn das Schöpferische braucht den Mut der Gewalt, in der alleine die Dinge ins Nichts gestellt werden, und so Welt schaffen. Aber dazu braucht es das Wissen um die Wesensgesetze. Verflachen diese zu bloßen "Funktionen", die isolierte Teilaspekte eines Zueinander von Gestalten sind, geht das Wesentliche an den Dingen verloren, und die Welt wird zum Ort einer Ersatzmagie - der Technik, selbst in "geistigen" Dingen -, die aber das Ganze der Ordnung zwangsläufig verfehlt.
Die Welt wird zu einer Welt ohne Geschichte, die in einem Abebben mehr und mehr erst nur noch erinnert wird, und schließlich entschwindet. Eine Entwicklung, die auch den Verstand umschließt, der seinen Anschluß an die ewigen, Ideen verliert, zum bloß technischen Werkzeug absteigt. Und zwar in dem Maß, in dem sie sich von den ewigen lebenspendenden Ideen losreißt, diese mangels Gestalt im Mythos, im Kult, ins Vorbewußte zurücksinken. (Eine Kultur, um es mit V. v. Weizsäcker zu sagen, verliert ihre gestalthafte Bewegungsdynamik in den Menschen.) Zwangsläufig sinkt der Mensch in die Masse, die sein Bewegen antreibt und trägt, das Numinose verliert seinen Namen.
Götterbildungen, und damit Kult, symbolisieren wo sie sich zu Persönlichkeiten verdichten, Teilbedeutungen des "Ganz Anderen", Teilbedeutungen auch des Kosmos, der selbst als Ganzes Schöpfung, aber doch nicht Schöpfer ist.
***
Sonntag, 13. Oktober 2013
Auslösung durch Verlust des Wesensbezugs (2)
Teil 2) Der Papst als Obergenderist
Der menschliche Wille braucht also ein Nicht-Ich, sonst kann er sich gar nicht verwirklichen. Aber vor allem kann er nur so erfasse, daß seine immer historische Erkenntnis der Welt immer auch relativ ist, einerseits, und anderseits immer unvollkommen, weil er selbst diesem Wesen nicht entspricht. Nur wenn er es GANZ wäre (oder ist), ist er frei, weil sein Wesen und sein Wille eins in der realen Wirklichung sind. Der Antrieb zu dieser Wesenswirklichung liegt also im Antrieb und Willen zur Freiheit als Grundberufung des Menschen. Die Selbstverwirklichung de Menschen vollzieht sich also im wahrsten Sinn INNERHALB eines Mysteriums in der Selbstüberschreitung. Und wird mehr und mehr zur selbstlosen Liebe, die von Freiheit nicht zu trennen ist: Freiheit als Potenz, Liebe als Akt.
Diesen transzendenten Bezug aber lehnt das Gendering, das sich damit als zutiefst marxistisch ausweist, ab. Damit aber bereitet es den Weg zur Auflösung aller Dinge. Aller Dinge, nicht nur der Identitäten. Weil auch in JEDEM Ding dieser transzendente Bezug seine konstituierende Rolle spielt: aus dem heraus, auf den hin es als Ding besteht.
Woher aber werden die Wesensbilder erkannt?** Aus zwei Richtungen: Einerseits aus der Verfaßtheit des Menschen selbst, in dem die elementaren Sinnbezüge (man erkennt nur, was in einem ist, was einem gemäß ist) vorhanden sind. Er erkennt also GEMÄSZ diesen Verfaßtheiten, deren Inhalte er nur indirekt, aus den Wirkungen etc. ablesen kann. Und zum zweiten: wird dieses Wesen in seiner Vollkraft nur dann berührt, wenn sich der Mensch in eine Situation hinein transzendiert, also nicht auf Befindlichkeiten achtet, sondern (in seinem Maß - siehe was zur Reife gesagt wurde) versucht, ihnen gemäß "sachlich" und dynamisch zu agieren.
Das geht natürlich nicht, wenn er das Transzendente prinzipiell ablehnt. Dann agiert er wie jemand, der sich die Schlüssel zur Wirklichkeit mehr und mehr selbst aus der Hand schlägt, sodaß er in der sich selbst nährenden Spirale der Weltauflösung landet. Das immer noch in seinen realen Auswirkungen - bereits ganze Generationen werden sogar in den Schulen, kirchlichen und öffentlichen Einrichtungen dahingehend neurotisiert - unterschätzte Gendering ist deshalb tatsächlich ein Werkzeug des Nichtenden, böse aus seiner Natur heraus.
Das Ich verwirklicht sich in der Sprache (zum Selbst als Gestalt). Gendering vermag nun nicht, ein neues Konzept des Selbst zu verwirklichen. Denn alles Sein hat nur Bestand, wenn und soweit es am Sinn (am logos) teilhat, also am Transzendenten, an der göttlichen Ordnung (in Jesus Fleisch geworden) selbst. Es gibt kein a-metaphysisches Alternativkonzept des Selbst, das nicht automatisch weltimmanent und damit positivistisch, voluntaristisch, ideologisch und damit unfrei würde. (Das marx'sche Konzept des Menschen ist ja genau das: weltimmanent und absolut-relativ.) Wir brechen uns damit also die schöpferische Dimension im Lebensvollzug der Menschen und neurotisieren sie (im eigentlichsten Sinn). Es verwirklicht sich mit der Inclusivsprache kein neues Weltgefüge, sondern es löst das Weltgefüge an sich auf. Und steht gegen die Grundverfaßtheit der Welt.***
Aber es ist das Gendering nur ein genereller Zug der Gegenwart, der auf der längst im Habitus verfleischlichten Weltsicht beruht. Der derzeitige Papst ist damit gleichzustellendes Symptom. Auch er hat diesen Wesensbezug nicht, ja löst ihn auf, und reduziert sein "Papstsein" sowie das kirchliche Amt generell auf seine persönliche, aktualistische, momentane und faktische Erscheinung. Daß er so gut "ankommt", und zwar gerade bei einer ansonsten linken Gesellschaft, ist also überhaupt kein Wunder. Er nimmt diesen Menschen das ab, was überhaupt Lebensmühe des Menschen ist: die Antwort auf die Angesprochenheit durch ein transzendentes Wesensbild. Wo jede Subjektivität schwindet, und das heißt: die Identifikation mit den momentanen Zuständen.
Dieser Papst verdreht deshalb die Tatsachen in seinen billigen, populistischen Aussagen. Denn er ist es, der das Amt als subjektiver Willkür unterworfen betrachtet, und es ist (wir nennen es beim Wort:) Sittenlosigkeit, aus der heraus das (nur zu übernehmende, historische!) Amt als vorausliegendes, imperativisches Wesensbild und Mysterium abgelehnt wird. Er verwechselt genau das, was das Gendering betreibt: Er nimmt konkret, was aber nur transzendent zu verstehen ist. Nicht J. M. Bergoglio IST Papst, sondern er muß zeigen, was DAS PAPSTAMT ist. Denn IN DEM liegt die Unfehlbarkeit, nicht in seinen Meinungen. In dem, was ein Herr Bergoglio jeden Tag aufs Neue NICHT IST.
Der gesellschaftliche Habitus weltweit tendiert zum selben, wir wissen das: zur völligen Identifizierung mit seinen Zuständen. Aber damit überwindet der Mensch die Sünde (als Defekt der Selbstwirklichung und Freiheit´) nicht mehr, sondern bleibt in ihr verhaftet. (Gnade wird damit zum Sopranaturalismus, zur von der Welt getrennten Gnadenwelt, nicht zur einer Vervollkommung der realen Natur.) Er stellt damit nicht mehr die Wahrheit dar, sondern läßt sie zum Abklatsch einer (noch dazu: naiven) Vorstellung degenerieren. Ein Persönlichkeitsmanko, dem im letzten Mangel an Liebe zugrundeliegt. Keine Spielart der Interpretation.
**Dieser allen Dingen zugrundeliegende Bezug zu einem ihnen vorausliegenden "Wesen", auf das ihre gesamte geschichtliche Gestalt Bezug nimmt, ist u. a. darin erkennbar, daß jedes Ding, und schon gar jedes Lebewesen, nach bestimmten Regeln agiert (grosso modo: das was man "Gesetze" nennt). Das ist die analoge (sichtbare) Seite dieser geistigen Realität. Bei lebenden Dingen ist direkt ersichtlich, daß sie nicht gegen ihr Wesen agieren können - dann sterben sie, fallen ins Formlose, entstalten sich.
Der Materialismus versucht ja konkret, diese Gesetzlichkeiten aus der Welt selbst, also immanent zu erklären. (Wobei er bestenfalls die Ursprünge der Dinge weiter zurückschiebt, aber natürlich nie aufhellen kann. Auch der ausgebuffteste Materialismus endet irgendwann - in einer Entscheidung der Transzendenz, und sei es durch Schaffen von nicht weiter Erklärbarem, die zu Mythologemen werden.)
Der Materialismus versucht ja konkret, diese Gesetzlichkeiten aus der Welt selbst, also immanent zu erklären. (Wobei er bestenfalls die Ursprünge der Dinge weiter zurückschiebt, aber natürlich nie aufhellen kann. Auch der ausgebuffteste Materialismus endet irgendwann - in einer Entscheidung der Transzendenz, und sei es durch Schaffen von nicht weiter Erklärbarem, die zu Mythologemen werden.)
***Daß selbst die Kirche längst auf diesen Zug aufgesprungen ist (man beachte vor allem den von Laien bedienten Apparat), ist deshalb nicht nur verabscheuenswürdig und erschütternd bösartig, sondern hochgradig zynisch, weil sie nun versucht, über Verhaltenszwänge und Erlebenssurrogate eine Schweinwelt des Guten aufzurichten.
***
Samstag, 12. Oktober 2013
Auslösung durch Verlust des Wesensbezugs (1)
Nicht der Wille ist frei, der sich als bloße Umsetzung der faktischen Zustände erweist. Dieser Wille ist gebunden. Wille ist nur frei, wenn Wollen und Verwirklichung in eins fallen. Und das kann nur im Maß der Wahrheit sein. Denn nur aus dem Faktischen heraus läßt sich auch wollen.
Ist das Erkennen aber gebunden, vermag der Wille sich nicht nach der Vernunft zu richten. Er bleibt innerweltlich in das Spiel von Notwendigkeit verhaftet.
Also kann ein Wille nur wollen, nur frei sein, wenn er das Zuständliche transzendiert, und damit überwindet. Transzendiert in das Wesensbild hinein, das allem Sein zugrundeliegt, das nur eine mehr oder weniger vollkommene Abbildung (Analogie) des absoluten Wollens als ein der gesamten Schöpfung zugrundeliegender absoluter Plan ist.
Nur in diesem Hinrichten auf ein allem Dinglichen zuvorgehenden geistigen Wesensbild also ist Freiheit (als Ziel) möglich. Dabei kann aber dieses Wesensbild niemals ein historisch-relatives Absolutes sein. Sie kann nur in die faktischen Gegebenheiten, aus ihrem Material heraus, den Sinn des Wesensbildes verwirklichen.*
Der Mensch kann dies nur in der zeitlichen Aufeinanderfolge, weshalb seine Freiheit auch eine Freiheit ist, die mit der Zeit, mit der Auseinandersetzung mit der faktischen Welt wachsen muß, mit der Reifung zum freien Willen wird.
Um sich selbst aber zu erkennen, um einen Willen konkret fassen und verwirklichen zu können, braucht das "Ich" ein "Nicht-Ich". Jeder Mensch braucht also ein ihn übersteigendes Wesensbild, sonst kann er sich - der immer ein "auf dem Weg Seiender" ist - nicht auf ein Ziel orientieren. Und Identität heißt wesentlich: Auf ein Ziel (eines Seins) hingerichtet zu sein. Das "ergibt" sich nicht einfach teleonomisch, von selbst, dann wäre es im übrigen auch gar nicht "gewollt", sondern "passiert". Von schöpferischem Menschsein könnte man also dann überhaupt nicht mehr sprechen. Und auch nicht von Freiheit.
Um sich selbst aber zu erkennen, um einen Willen konkret fassen und verwirklichen zu können, braucht das "Ich" ein "Nicht-Ich". Jeder Mensch braucht also ein ihn übersteigendes Wesensbild, sonst kann er sich - der immer ein "auf dem Weg Seiender" ist - nicht auf ein Ziel orientieren. Und Identität heißt wesentlich: Auf ein Ziel (eines Seins) hingerichtet zu sein. Das "ergibt" sich nicht einfach teleonomisch, von selbst, dann wäre es im übrigen auch gar nicht "gewollt", sondern "passiert". Von schöpferischem Menschsein könnte man also dann überhaupt nicht mehr sprechen. Und auch nicht von Freiheit.
Nur auf der Grundlage eines solchen transzendenten Weltbildes und dynamischen In-der-Welt-Seins vermag sich Freiheit (und damit Geschichtlichkeit) zu entfalten, und das heißt aus dem Vorhandenen heraus Gestalt anzunehmen. Die wesensnotwendig schöpferisch ("neu") ist, weil sich die Freiheit sonst widersprechen würde, sie eben nicht mehr gegeben wäre. Selbstverwirklichung als humaner Akt ist immer die Verwirklichung eines Wesens, das einem voraus (weil zugrunde) liegt, zu dem eine Distanz erfahren wird.
Jemandem also zu sagen, er sei in jedem Fall "ganz" er selbst, würde so genügen, heißt also, ihn zu verführen oder anzuleiten, auf jede Reifung (und damit auf Wachstum der Welterkenntnis) zu verzichten.
Im Allgemeinbegriff hat sich aus der historischen Erfahrung eines Sprachraumes (und Volkes) eine Aussage über dieses Wesen gebildet. Und entsprechend hat sich jeder danach auszustrecken, völlig unabhängig von seinem physischen, faktischen Geschlecht. Es hat seinen tiefen Grund und seine tiefste Berechtigung, wenn die Allgemeinbegriffe in weiblicher oder männlicher Form gebildet wurden. Und nicht zufällig oft zwischen Völkern verschieden. Das relativiert nicht die Wesensbilder, löst sie auf, sondern verwirklicht einen realen Aspekt, der hier und mit Grund hier so verwirklicht wurde und wird, aufbauend auf der Erfahrung Zahlloser von geglücktem Leben. (Noch dazu, wo KEINE Bildung eines Selbst OHNE diese Zugesprochenheit - schon im Namen passiert sie, auch das übrigens als Wesens-Imperativ - überhaupt stattfinden kann. Denn wir empfangen uns! Wir machen uns nicht selbst.)
Jemandem also zu sagen, er sei in jedem Fall "ganz" er selbst, würde so genügen, heißt also, ihn zu verführen oder anzuleiten, auf jede Reifung (und damit auf Wachstum der Welterkenntnis) zu verzichten.
Im Allgemeinbegriff hat sich aus der historischen Erfahrung eines Sprachraumes (und Volkes) eine Aussage über dieses Wesen gebildet. Und entsprechend hat sich jeder danach auszustrecken, völlig unabhängig von seinem physischen, faktischen Geschlecht. Es hat seinen tiefen Grund und seine tiefste Berechtigung, wenn die Allgemeinbegriffe in weiblicher oder männlicher Form gebildet wurden. Und nicht zufällig oft zwischen Völkern verschieden. Das relativiert nicht die Wesensbilder, löst sie auf, sondern verwirklicht einen realen Aspekt, der hier und mit Grund hier so verwirklicht wurde und wird, aufbauend auf der Erfahrung Zahlloser von geglücktem Leben. (Noch dazu, wo KEINE Bildung eines Selbst OHNE diese Zugesprochenheit - schon im Namen passiert sie, auch das übrigens als Wesens-Imperativ - überhaupt stattfinden kann. Denn wir empfangen uns! Wir machen uns nicht selbst.)
Hier kommen wir in einen Bereich, den man vielleicht nicht vermuten würde - in die Hintergründe des Gendering. Warum? Weil die Eliminierung von Allgemeinbezeichnungen genau das verhindern möchte. Sie wirft den Menschen aus dem transzendenten Bezug auf ein Wesen auf den faktischen Bezug des Konkreten, und will ihn darin halten. Sie spricht genau niemanden mehr an. Identität aber entsteht aus der Angesprochenheit.²
Wenn es heißt "der Student" (womit immer Studenten beider Geschlechter gemeint waren) so gibt dieses Wort zugleich eine Wesensform vor, die für jeden männlichen wie weiblichen Studierenden Sinnuntergrund seiner realen Tätigkeit, seiner Identität ist. Mit "Student_innen" wird dieser transzendente Bezug eliminiert, und auf das faktische Konkrete reduziert. Er verliert damit seine identitätsbildende Kraft, und regt in den Studierenden eine Haltung an, die sich ins Faktische hinein zurückkrümmt, weshalb sich jedes (!) konkrete Bild auflöst, Persönlichkeit damit nicht gebildet wird, weil Identität diffundiert, zufällig und voluntaristisch, von jedem neu zu "erfinden" wird, was bei Identität überhaupt nicht möglich ist, weil sich jede konstruierte Identität nicht nur im Vorhandenen einschließt, sondern solche Bilder keine reale Identitätskraft haben. Solcherart "Identifizierte" müssen sich pausenlos "behaupten".
Der Kommunikationswahn über die entsprechenden Instrumente - social media - ist exakt dieses Selbsthalten in dieser Identität, die keinen Grund in der Wirklichkeit findet, weil jede Wirklichkeit nur fundiert ist, wenn sie sich aus dem transzendenten Wesensbild heraus nährt.
Die Benennung dieser Wesensbilder "DER Student" in seiner Geschlechtlichkeit hinwiederum ist zwar historisch relativ, das stimmt, aber es sagt damit nicht weniger über seine Absolutheit aus. Weil es die Stellung einer Sprachgemeinschaft, eines Volkes ZU einem Wesensbild aussagt. Auch der dagegen Opponierende steht genau IN dieser historischen Gemeinschaft, und auch er (obwohl er das Gegenteilige oft glaubt) bezieht seine Identität exakt AUS DIESER Festlegung.
Mit zahlreichen weiteren Implikationen, die Aussagen zur Wesenhaftigkeit und Konstitution der Welt selbst sind. Denn diese Wesensbilder sind aus ihrer Natur heraus männlich. Sodaß sehr wohl auch das Weibliche seine Konstitution ALS WORT (bzw. aus dem Wort heraus) aus dem Männlichen heraus bezieht. Um nichts weniger, als der Mann, der ebenfalls erst zum Mann WERDEN muß. Er hat der Frau damit also nichts voraus.
Morgen Teil 2) Der Papst als Obergenderist
*Das berührt direkt das Problem der Ideologisierung, auch im vermeintlich "Richtigen".
²Nun könnte man sagen: Halt, im Gegenteil, Student_innen zu sagen spricht ja erst beide ("alle") Geschlechter an? NEIN. Denn wer nicht ALS jemand zuerst angesprochen wurde, und zwar als Wesensbild, kann diese Identifizierung mit einer Angesprochenheit gar nicht mehr herstellen. (Wobei in Wahrheit die Gendersprache sich selbst eliminiert, weil sie eine Umdeutung ihrer Begriffe als Symbole erfahren wird, aber das führt hier zu weit.) Und gleichzeitig nimmt er der Geschlechtswerdung das, was sie erst werden läßt: die Selbstüberschreitung in die begegnende Wirklichkeit hinein (die nur "als jemand" möglich ist, also mit angenommener, zugesprochener, also "fester" Identität), die nur passiert, wenn einem außenliegenden Wesen gemäß - dem Allgemeinbegriff - überschritten wird. Nur auf diesen bezogen läßt sich deshalb Individualität und persönliche Spielart überhaupt entwickeln. Was also auf jeden Fall gelingen wird ist die Eliminierung der Geschlechtsidentität überhaupt. Aber damit wird der Weg zur Selbstwerdung versperrt. Und damit zur Freiheit. Und damit - zum Schöpferischen.
²Nun könnte man sagen: Halt, im Gegenteil, Student_innen zu sagen spricht ja erst beide ("alle") Geschlechter an? NEIN. Denn wer nicht ALS jemand zuerst angesprochen wurde, und zwar als Wesensbild, kann diese Identifizierung mit einer Angesprochenheit gar nicht mehr herstellen. (Wobei in Wahrheit die Gendersprache sich selbst eliminiert, weil sie eine Umdeutung ihrer Begriffe als Symbole erfahren wird, aber das führt hier zu weit.) Und gleichzeitig nimmt er der Geschlechtswerdung das, was sie erst werden läßt: die Selbstüberschreitung in die begegnende Wirklichkeit hinein (die nur "als jemand" möglich ist, also mit angenommener, zugesprochener, also "fester" Identität), die nur passiert, wenn einem außenliegenden Wesen gemäß - dem Allgemeinbegriff - überschritten wird. Nur auf diesen bezogen läßt sich deshalb Individualität und persönliche Spielart überhaupt entwickeln. Was also auf jeden Fall gelingen wird ist die Eliminierung der Geschlechtsidentität überhaupt. Aber damit wird der Weg zur Selbstwerdung versperrt. Und damit zur Freiheit. Und damit - zum Schöpferischen.
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Montag, 20. Mai 2013
Goldnihilismus
Der Glaube an die absolute Werthaltigkeit von Gold ist in der Geschichte vielleicht noch nie so ausgeprägt zu finden gewesen, wie er es heute ist. Dabei ist er in der heutigen Form zutiefst irrational, weshalb Goldbefürworter" fast immer ihre Überzeugung fanatisch vertreten, ja zum Eckstein ihrer Weltanschauung machen.
Nur wenn ich den Dingen der Welt transzendente Inhalte zuordne, haben sie aber überhaupt erst eine Bedeutung. Sonst sind sie nicht mehr als eine Ansammlung von Atomen, Nutzding, profan, verschleißbar, relativ.
Deshalb ist Gold nur religiösen Menschen etwas wert. Aber es ist ihnen etwas wert, das nie profan als Zahlungsmittel oder Vermögen gewertet werden kann. Weil es ihnen (ähnlich wie Edelsteine) Botschaft ist, Tor zum Ewigen, Transzendenten, aber niemals dieses selbst. Es ist ein Symbol, nicht selten genau deshalb für "Glück", vor allem aber für Ewigkeit. Und das macht seinen eigentlichen "Handelswert" aus, nur darauf baut es auf. Die indische Schmuckindustrie alleine (Goldschmuck ist in Indien* äußerst beliebt) verbraucht mit 27 % mehr als ein Viertel des weltweit jährlich geförderten physischen Goldes. China, wo Goldschmuck ebenfalls hoch im Kurs steht, liegt mit 22 % des Weltverbrauchs nur knapp dahinter. Die USA, zum Vergleich, verbrauchen mit 5 % nur ein Viertel dieser Menge.
Es ist deshalb auch nicht zufällig, daß gerade A-Religiöse, Nihilisten besonders das Gold schätzen. Denn sie vergötzen das Ding, das als Analogie gefühlt (und in der geschichtlichen Wertschätzung ausgedrückt) aber unbeantwortbar bleibt, sodaß es materialisiert wird. Sie haben kein Ewiges, und deshalb klammern sie sich an den materialen, aber toten Ausdruck des Ewigen. Je drindender jemand Gold als materialen Wert vertritt, desto mehr verrät er sich als Atheisten.
Deshalb eignet es sich so hervorragend für Spekulanten, für gewiefte Abzocker: wo immer ein Ding auf solch (wie auch immer:) Transzendentalem aufruht, läßt sich im Profanen ausgezeichnet damit verdienen.
*Der Vizedirektor der indischen Zentralbank hat erst jüngst eine kluge Stellungnahme abgegeben: Gold ist weder eine Sicherung gegen Inflation, noch eine Vermögensanlage. Es ist reines Spekulationsobjekt gegen Inflation, nur beschränkt und nur zur kurzfristigen Vermögensabsicherung als Gegenposition geeignet.
Deshalb eignet es sich so hervorragend für Spekulanten, für gewiefte Abzocker: wo immer ein Ding auf solch (wie auch immer:) Transzendentalem aufruht, läßt sich im Profanen ausgezeichnet damit verdienen.
*Der Vizedirektor der indischen Zentralbank hat erst jüngst eine kluge Stellungnahme abgegeben: Gold ist weder eine Sicherung gegen Inflation, noch eine Vermögensanlage. Es ist reines Spekulationsobjekt gegen Inflation, nur beschränkt und nur zur kurzfristigen Vermögensabsicherung als Gegenposition geeignet.
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Samstag, 17. November 2012
Vom Ich in der Welt (III)
3. Teil - Als Replik gefaßte Fußnote - * -
(und darum in normaler Schriftgröße)
*Dem Verfasser dieser
Zeilen hat es sich aus der bisherigen Beobachtung Kehlmanns längst
angekündigt, in der der Erfolgsautor sich mit der Welt der "reinen Idee"
- der Mathematik - so explizit befaßt hat. Für sich betrachtet, fehlt
der Welt der reinen Idee nämlich die Wirklichkeit, und damit die
Überleitung zur Welthaftigkeit hin. (Daß Kehlmann v. a. in Asien so "überraschende" Erfolge feiert, ist also keineswegs überraschend, es trifft dort auf vorhandene Konzepte, wie in bestimmten Formen des Buddhismus , oder im Konfuziamismus.) Edith Stein zeigt das in ihrer hervorragenden Untersuchung "Endliches zum Ewiges
Sein". Daß Kehlmann sich nach Gauß nun mit Gödel befaßt zeigt diese
Nähe: Kurt Gödel fand gleichfalls aus der einerseits rationalen
Erkenntnis, daß die Rationalität sich nicht aus sich selbst heraus
begründen und beweisen kann, also eigentlich transzendent, "offen" ist, keinen Ausweg, lehnte aus derselben Rationalität als Menschseins-Postulat
aber "Gott" (als Leben/Sein) ab. Sodaß ihm die "Ursache" fehlte, man
gestatte es hier "einfach" zu machen, es ist nicht komplizierter. Also
fiel er in Spukglaube und Weltverschwörungs-Paranoia. Beides sind
Wirklichkeiten in der Gestalt von "Ursachen-Konzepten", die aus den rein
lebensimmanenten Ich-Vollzügen steigen. Denn die primäre Erfahrung des
Lebens selbst ist ... seine Vorgängigkeit, es weiß sich verdankt, nicht
aus sich selbst heraus bestehend. Ja, seine Struktur selbst IST Leben bzw. besteht nur deshalb. Wahrheitskonzepte außerhalb des Lebendigen - als Vorgang des Lebens selbst - funktionieren also nie, enden immer im Nihilismus. Sie kommen bestenfalls zu "Wahrheiten".
Hölderlin schreibt dazu
also zwar: "Alles kommt also darauf an, daß das Ich nicht bloß mit
seiner subjektiven Natur, von der es nicht abstrahieren kann, ohne sich
aufzuheben, in Wechselwirkung bleibe, sondern daß es sich mit Freiheit
ein Objekt wähle, von dem es will, wenn es will abstrahieren kann, um von diesem also durchaus angemessen bestimmt
zu werden und es zu bestimmen. Hierin liegt die Möglichkeit, daß das
Ich in harmonisch entgegengesetzten Lebn als Einheit, und das Harmonisch-Entgegengesetzte, als Einheit erkennbar werde im Ich in reiner (poetischer) Individualität.
Zurfreien individualität wird, zur Einheit und Idnetität für sich
selbst gelangt das reine subjektive Leben erst durch die Wahl seines
Gegenstandes."
Er schreibt aber genau auch das: daß dieses sich selbst hervorbringende Ich (als Weltgestalt) in einem Gesamtzusammenhang des Lebens "an sich" verbleibt. Sodaß das Leben "im Ich" also nur "erscheint". Das Ich erscheint also "sich" in der Welt, und die Welt erscheint "sich" im Ich. Ihm ist, wie Stefan Nowotny in "Der Fehl der Namen" schreibt, nicht "intellectuale Anschauung" als konstitivem Akt ausreichend, sondern Ich und Welt sind lediglich unlösbar aufeinander bezogen, in wechselweiser Bestimmung und Selbstbestimmung. die Ich-Konstitution kann deshalb weder mit der reinen Selbstanschauung eine Ich noch mit irgendeiner Art von Anschauung der Welt in eins fallen. Vielmehr
ist die Sprache bereits selbst, als "schöpferische Reflexion",
Hervorgang aus der dem Rationalen vorausgehenden Selbsterfahrung des Ich. Alles liegt in diesem Akt des "schöpferischen Ahnens" - die ursprüngliche, vorausgehende Gegebenheit des Ich ist also ein Akt schöpferischen "Er-findens", ein personaler, vorsprachlicher Akt. "Das Leben," schreibt Walter Benjamin dazu, "liegt [dem Gedichteten] als letzte Einheit zugrunde." Nur von dort kann Sprache [der Dichtung] erstehen, subjektiv, und DARIN transzendent. Der Akt des Sprechens und Denkens IST also die Bedeutung, der man nur staunend gegenübertreten kann, er bedeutet nicht noch rationale "Deutung."
Alltag aber wunderbar [zu lieb] den Menschen
Gott an hat ein Gewand.
Und Erkenntnissen verberget sich sein Angesicht
Und Luft und Zeit deckt
Den Schröcklichen ... (Hölderlin; Griechenland, 3. Version)
Das Leben selbst und die Erde berühren sich in liebender Zuneigung. Nicht im Intellekt.
Ein Zeichen sind wir, deutungslos
Schmerzlos sind wir und haben fast
Die Sprache in der Fremde verloren.
"Das
Zeichen," schreibt Nowotny dazu, "das wir SIND, ordnet sich nicht ein
in einen Horizont von Bedeutsamkeit oder in einen Zusammenhang von
Verweisungen. Es ist, wenn man so will, nicht von dieser Welt."
Und darum ist ...
... die Sprache dem Menschen
gegeben ...
... damit er zeuge, was
er sei ...
***
Furcht vor dem Nihilismus
Albert Camus (1913-1960), Literaturnobelpreisträger von 1957, im Französischen Fernsehen (1959) über seine Inszenierung des von ihm dramatisierten Romans "Die Dämonen" (auch: "Die 'Besessenen", oder "'Böse Geister") von Dostojewskij, 1873 veröffentlicht. Den Nihilismus der im Stück behandelt wird, hatte der Russe erstmals in dem historischen Mord von Dimitrij Netschajew an einem Komilitonen am Werk gesehen. Und er machte ihm große Angst: Netschajew hatte den Mord lediglich begangen, um einen Kritiker auszuschalten, vor allem aber um die revolutionäre Gruppe, der beide angehörten enger zusammenzuschweißen. Menschenleben wurden nur noch Mittel zum Zweck.
Camus teilte diese Furcht. Den Nihilismus aufzugreifen sei prophetisch von Dostojewskij gewesen, und gerade heute höchst aktuell. Das ist deshalb interessant, weil Camus selbst Nihilist war, aber die Konsequenzen für die Humanität, die sich daraus ergaben, nicht schönredete, sondern klar vor Augen sah. Einen Christen wie Dostojewkij auf die Bühne zu bringen, der genau diese Folgen ahnte, war ihm nicht nur kein Problem, sondern umso interessanter. Das Klima im europäischen Kulturbetrieb war noch bis in die 1960er Jahre durch die Sicht der Probleme sehr geeint, und man wußte sich der Denktradition Europas verpflichtet. Nur in der Interpretation unterschieden sich die Haltungen.
Die Monsterproduktion, in der Camus auch Regie führte, war sogar eine Produktion des privaten Théâtre Antoine, das das Riesenbudget von 20 Millionen alten Francs (= 200.000 neue, also ca. 15.000 Dollar - 1959!) riskierte, für ein Stück von dreieinhalb Stunden Dauer, die rein aus Zuschauereinnahmen zu decken waren.
*171112*
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