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Montag, 7. November 2022

Warum sich Rußland viel Zeit lassen wird (3)

Unter diesem Deutungshorizont bekommt plötzlich so vieles einen Sinn. Aber das Fazit für den Westen ist furchtbar. Er hat einen für seine Zukunft entscheidenden Krieg verloren - Es schaut also alles danach aus, als würde die hier vertretene These zutreffen. Zu der wir Indiz um Indiz aufgerufen haben, und uns dabei nicht einmal besonders anstrengen mußten - die Fakten fielen uns nur so in den Schoß, und es gäbe noch jede Menge mehr, die wir als Beleg heranziehen könnten. 

Zumindest scheint diese These damit plausibler als alles andere, das bisher herbeibemüht wurde, um sich aus den Ereignissen in der Ukraine einen Reim zu machen. Sodaß wir jetzt schon Wetten abschließen dürfen, welche von den Staaten des Westens, die sich heute noch so aufspielen, es in fünf oder zehn Jahren noch geben wird.
Wie sagte doch Sun Tsu? Was ist das Geheimnis der chinesischen Kampfkunst? Man nützt die Kraft des Gegners, führt diese aber - unendlich sanft und geduldig - an den Punkt, daß sie sich gegen diesen selbst wendet. Der weise Kriegsherr kämpft nicht mit den feindlichen Heeren. 

Sonntag, 6. November 2022

Warum sich Rußland viel Zeit lassen wird (2)

Der US-Westen hat mit den Mitteln des alten Krieges kämpfen zu sollen vermeint. Er hat die Logik dieses neuen Kriegs nicht mehr denken können - Die Infrastruktur der Ukraine ist bereits so am Boden, daß ein Dirttel des Landes über keine Elektrizität mehr verfügt.  Derzeit rätseln Militärexperten, was die nächsten Pläne der Russen sein werden - wird es zu einem Schlag gegen die Autostraßennetze kommen? Werden alle Dnjepr-Brücken zerstört, und so die ukrainische Armee östlich des Dnjepr eingeschlossen und unversorgbar werden? Die Russen (nicht aber die NATO), hätten nämlich die Raketenwaffen dafür!

Stattdessen schienen sich die aber weit mehr zurückzuziehen als vorzugehen! Kaum hat die Ukraine eine "Gegenoffensive" gestartet, leeren sich die russischen Stellungen, und nur der Artilleriebeschuß bleibt, der den Ukrainern gigantische Verluste beschert. Schon vor Monaten hat die ukrainische Militärführung selbst zugegeben, daß TÄGLICH 100 Gefallene und 500 Verletzte zu beklagen seien. TÄGLICH. 

Samstag, 5. November 2022

Warum sich Rußland viel Zeit lassen wird (1)

Der französische Historiker Marc Bloch hat 1940 - die deutsche Wehrmacht hatte in nicht einmal sechs Wochen die französisch-britische Streitmacht regelrecht vom Tisch gewischt - mit Entsetzen festgestellt (und diesem Entsetzen ein eigenes Buch gewidmet), daß die Ursache für die desaströse Niederlage seines Heimatlandes in etwas lag, das völlig anders als noch 1914/18 die Szene bestimmt hatte: Die völlig andere Art der Kriegführung, die Deutschland entwickelt hatte, und die Unfähigkeit der französischen Offiziere, diesen "neuen Krieg" zu denken, waren die Ursachen für diese unfaßbare Niederlage, die rein auf dem Papier unmöglich gewesen hätte sein müssen. 

Denn nominell, nach allen Kriterien der Kriegstechnik gesehen, wäre die Wehrmacht sogar deutlich unterlegen gewesen. Aber die deutschen Generäle hatten den Krieg neu gedacht, und hatten durch ihre Art des Agierens auf dem Feld das Nervenzentrum der feindlichen Armeen lahmgelegt. Damit war unbedeutend, wo wie viele Armeen, Panzer und Geschütze standen - sie waren den Andorderungen nicht gewachsen, nicht im nötigen Tempo koordinierbar (und zwar schon alleine von der Struktur der Befehlsketten her), wobei man den Feind nicht einmal ausreichend schnell lokalisieren konnte (ich mache es kurz.) 

Dienstag, 22. Oktober 2013

Demokratische Nazis

Wenn Marc Bloch schreibt, daß die Niederlage Frankreichs gegen Deutschland 1940 auf das Versagen der französischen Führung zurückzuführen ist, die nicht in der Lage war, "den Krieg zu denken", daß er - als Augenzeuge, Offizier, Mitglied der Resistance, der 1944 nach schwerer Folterung, als Widerstandskämpfer, nicht als Jude, von der SS erschossen wurde - beobachtet hat, daß die deutschen Soldaten "demokratischer" dachten und fühlten als die Franzosen; daß dort jeder Einzelne weit mehr "den Krieg dachte" als es die Franzosen taten, weshalb sie so siegreich waren; dann also zeigt sich ein enormes Gemengelage, dessen Fäden zum guten Teil sehr offen liegen. Wir werden darüber noch berichten.

Übrigens haben auch amerikanische Analysten dasselbe behauptet. Die Befehlsstrukturen der Deutschen waren weit dezentralisierter, jeder einzelne Offizier hatte weit mehr Handlungsspielraum, als die Amerikaner. Das machte einen Gutteil der Überlegenheit am Anfang aus. Dies vorerst nur zur Stützung der Beobachtungen Blochs von der demokratischen Reife der Deutschen.

Was für ein fatales Zauberwort. Vielseitig verwendbar, unabgrenzbar und uferlos, einfach aber "gut", wirkt es wie der Schlüssel zur Behauptung von allem und jedem, und damit zur Verwirrung und Auflösung von allem und jedem, leuchtet das Wort Demokratie aus dem Schrein der Unberührbarkeiten. Man muß es nur zuerst besitzen. Und so zieht es weiter seine Blutspur durch den Kordon der verordneten Blindheiten.

Anrisse, die einen Gedanken nur weiter zuspitzen sollen. Nämlich den, der an dieser Stelle bereits mehrmals dargelegt und angerissen wurde: Daß unsere heutige Verfaßtheit als Gesellschaft im Nationalsozialismus ihren Wegbereiter hatte. Daß dieser erste vollauf moderne Staat nur Vorläufer unserer Gegenwart war, in nahezu allen Bereichen. 

Wenn wir also mit der Abgrenzungs- und Erinnerungskultur scheinbar zu keinem Ende kommen wollen, dann hat das mit genau dieser Unbeholfenheit zu tun, in der dieser Umstand verschwiegen werden soll. Es wird versucht, sich von etwas abzugrenzen - meistenteils passiert dies mit einer Phänomenologisierung des Nationalsozialismus zu einer geschlossenen ideologischen Bewegung - von dem gar keine Abgrenzung möglich ist. Deshalb auch die Konzentration auf einzelne Phänomene aus jener Zeit, wo die Armbinde oder das Hakenkreuz Jugendlicher, schnell wo auf eine Wand geschmiert, zum Ausweis der Wiederbetätigung an sich, der Gesinnung hochgeschaukelt wird.

Die Sache liegt aber ganz anders. Sie liegt in etwa in jener Richtung, in der (ohne noch das Buch gelesen zu haben) Horst Ullrich's Hitlerbiographie liegen dürfte. In der Hitler als jemand gezeigt wird, der "aus der Mitte der Gesellschaft" kam.*

Wo sich die historischen Ereignisse aus einer seltsamen Verquickung unterschiedlichster Faktoren so entwickelten, wie sie es taten - zutiefst folgerichtig, logisch, und in einem weltweiten Strom der Haltungen, in dem der Grund zu suchen ist, warum der Nationalsozialismus bis in die späten 30er-Jahre von niemandem als "Gefahr" betrachtet wurde. Er war dem geistigen Strom der Zeit entnommen, besonders in den USA. Und man hat im Krieg gegen Nazi-Deutschland einen Stellvertreterkrieg geführt, in dem man sich vom eigenen Selbst distanzieren wollte. Kein geistige Strömung in Deutschland (die sich wie zufällig zum "Nationalsozialismus" gebündelt haben, einer in sich widersprüchlichen Anhäufung von Einzelthesen) war den anderen Ländern und Völkern unbekannt, sie waren allesamt höchst präsent, und keineswegs abgelehnt, sondern Teil der Gesellschaften.

Und als solcher hat alles überlebt, was - als Phänomen - nicht explizit und genau eingegrenzt ausgeschieden wurde. Als Sündenbock in die Wüste getrieben. Und als solche moderne Gesellschaften haben sie alle überlebt, und sich weiterentwickelt. Wir wollen es vorerst belassen, nur Blochs Aussage noch einmal bringen: 

Die deutschen Soldaten waren 1940 weit demokratischer in ihrem Denken und Handeln als die französischen.



*Und diese Feststellung hat mit "Kollektivschuldthesen" rein gar nichts zu tun, ist in ganz anderer Weise zu verstehen.





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