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Dienstag, 29. April 2014

Wie wir leben


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Montag, 28. April 2014

Buchempfehlung

Pars pro toto - Christian Kracht, "Faserland"

 Es ist ein schmales Büchlein, und es liest sich wie von selbst. Kracht hat hier keine hochkomplexe Analyse der Gegenwart geliefert, er tut dafür etwas ganz anders: Er STELLT SIE DAR.

Und das gelingt ihm auf frappierende Weise. Wenn man nicht den Fehler macht, an den konkreten Dingen festzukleben, die das Mobiliar der 150 Seiten ausmacht, wird als ihr Schatten die Struktur des gegenwaertigen Lebens ALLER Schichten erkennbar. Das sich in einer Hohlheit und Leere offenbart, die so erschreckend ist, dasz gewisz viele Leser sich animiert fühlen könnten, es auf die gesellschaftliche Schichte begrenzt zu sehen, die Kracht hier vorführt.

Nein, es geht nicht darum zu zeigen, wie die "Elite" heute lebt. Sie lebt bestenfalls exemplarischer als der Rest der Bevölkerung, weil sie es finanziell kann. Weshalb sich kuenstlerische Darstellung gerne und seit je der oberen Schichten bedient. Aber wenn die unteren Schichten "könnten wie sie wollten" - sie würden genauso leben, mit demselben Inventar. Dann würde es noch deutlicher. So aber müssen sie halt andere Wege der Konkretion suchen, weil ihnen lediglich die Mittel fehlen.

Aber pars pro toto! Die Melodie der Geschichte ist für alle gleich. Sodasz man sagen musz: Ja, so leben sie, die Menschen von heute. Alle. Es bleibt nur verwunderlich, dasz es niemandem mehr auffaellt.




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Sonntag, 27. April 2014

Nur ein erkanntes Was kann geglaubt werden

Das erste am Glauben, schreibt J. A. Möhler einmal, ist nicht das "Herz". Es ist - das Erkennen! Denn erst von dort aus geht, als Folge, die Bestimmung des Wollens und die Bewegungen des Gemüts. 

"Das, was den Glauben grundlegt, ist ein VON AUSZEN dargebotener Unterricht, sodann ein durch diesen vermitteltes religiöses Erkennen, von welchem hierauf der Wille oder das Herz in Anspruch genommen wird, sodaß als nicht ZUERST die Einheit von Erkennen und Wollen ("Religion im Herzen") vorhanden ist und hierauf ein jedes von diesen als besondere geistige Bestimmtheit hervortritt: vielmehr ist das Erkennen als eine geistige Bestimmtheit schon da, worauf erst die Bestimmung des Willens und de Herzens folgt."

Auf die Predigt der Wahrheit folgt zuerst die Erkenntnis und die Anerkenntnis der Wahrheit, dann das Vertrauen. Damit ist der Christliche Glaube "das zweifellose Fürwahrhalten des durch Christus Geoffenbarten."

Und damit wird Glaube auch zu einem voll sittlichen Akt, der mit dem idealistischen (eigentlich: gnostizistischen) Glaubensbegriff  der "Intellektuellen Anschauung" (oder gar dem romantischen "Schauen im Gemüt") nichts mehr gemein hat. Denn in diesem Gnostizismus setzt der Mensch seinen Geist mit dem Gottes in Konsubstantialität gleich - eine Unmöglichkeit, soll der Gottesbegriff nicht überhaupt fallen, zum Pantheismus werden. Der Mensch ist Geschöpf, und insofern kann sein rein menschlicher Geist niemals Gottes Geist in einem natürlichen Prozeß annehmen, der gar keinen sittlichen, freien Akt mehr notwendig macht.

Darin hat Glaube also direkt mit freiem Willen zu tun, ist Entscheidung der freien sittlichen Persönlichkeit, und damit aus der Höhe des menschlichen Würde, in der höchsten Möglichkeit des Menschen, zu sehen. Denn der Glaube ruht auf der Auktorität, die Christus ist, und hält die höhere Weltordnung, das Unsichtbare und Zukünftige, obschon er dieses nicht schaut, aus sittlichen Bedürfnissen fest, die durch den Gebrauch der Freiheit befriedigt werden.



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Samstag, 26. April 2014

Illustrierend

Das Prinzip der Selbstähnlichkeit aller Gestaltungen - sie folgen immer einem prinzipiellen Grundschema des Aufbaus, teilen sich damit bis ins Unendliche, bis an den Rand aller Dinge, dem Rand der Welt. Benoit Mandelbrot entdeckte sie vor etwa 50 Jahren, als er in Beobachtetem immer wieder die gleichen bzw. bestimmte Bilder sah. Das Größte ist analog im Kleinen ebenso, wie dort das Größte.

Die Erkenntnis selbst ist keineswegs neu. Mandelbrot hat sie aber isoliert betrachtet, und in ein mathematisches Kleid gepackt. Der Film aber liefert unfreiwillig ein Zeugnis für die Natur heutigen Geistes. In der reflexartigen Überlegung nach Nutzanwendung, die ausschnitthaft das Erkenntnisbild um Dimensionen reduziert, zeigt sich die Identität von Wissenschaft und Magie als gegenwärtige menschliche Grundhaltung.  Ein Stadium einer Geistesentwicklung, das dem Spät- und Zerfallsstadium einer Kultur zugerechnet werden muß. Oder, "fraktal" gesehen, in der Geistesentwicklung eines jeden Einzelnen eine Defizienzerscheinung ist.

Als Erscheinung der Angst, die aus der zunehmenden Weltfremdheit - "Entkosmisierung", Herausfallen aus der Gesamtordnung - stammt. Und diese fremde, damit bedrohliche Welt (haben wir es nicht schon permanent mit Bedrohungsszenarien zu tun? Magie, das läßt sich historisch bis in die ältesten Kulturen zeigen, taucht in dem Moment auf, als Folge, wo die Welt bedrohlich erscheint) gegen wertlose Glasperlen eintauscht, die sie wenigstens in der Hand halten kann, die ihr damit den verlorenen "Halt" wiedergeben sollen.*

Genau da, übrigens, liefert das an sich interessante Filmchen auch direkt falsche Aussagen, weil von einem reduktionistisch-mechanistischen, rationalistischen Bild der Welt ausgegangen wird. Und damit allfällig aufkommende Zweifel an der Erklärungskraft des Erklärten gar nie aufkommen, hängt über allem die alles verschlingende Zauberformel: "Hier hat die Evolution in Millionen von Jahren ..."








*Dem technischen=magischen Denken aber wird Gott zu einer Kraft, einer manipulierbaren Maschine, zum physikalischen Vorgang. Damit geht zwangsläufig auch das Böse aus "Gott" hervor. Der sicherste Weg, wie sich auch die letzte Sittlichkeit aus den Rippen eines Menschen davonstiehlt, was zu retten - weil er seine Faktizität retten muß - er sich durch Selbstvergöttlichung anschickt.



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Freitag, 25. April 2014

Bibliothek


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Parallelwelten

Es gibt Stadtteile in Frankfurt, schreibt die FAZ, in die die Polizei, wird sie gerufen, nur noch mit drei oder vier Streifenwagen gleichzeitig ausrückt - zum Schutz ihrer Beamten. Eine migrantische Parallelgesellschaft ist hier längst entstanden, in der die deutschen Ordnungskräfte nichts mehr zu sagen haben, deutsches Recht nicht respektiert wird. Daß das Problem erst jetzt bekannt wird, ist umso erstaunlicher, als es diese Zustände schon seit Jahren gibt. 

Dabei wirft sich die Frage auf, ob staatliche Stellen in ihrem ständigen Bemühen um "Deeskalierung" nicht das Problem nach wie vor lieber verschleiern, als es in aller Realität zu sehen. So würden nach wie vor auf Erlaß "von oben" die Nationalitäten nicht polizeilich festgestellt, um die "Bildung von Vorurteilen und Pauschalzuschreibungen" zu vermeiden. Deeskalierungsbeauftragte sollen Eskalationen verhindern helfen, wo niemand mehr bereit ist, die deutsche Ordnung anzuerkennen.

Wie hier an dieser Stelle bereits mehrfach ausgeführt: Die hohe Zuwanderung der letzten Jahrzehnte, von Menschen aus anderen kulturellen Geweben und Religionen, die zwangsläufig ein anderes Rechtsempfinden mitbringen, ist nicht anders zu lösen als durch wirkliche Parallelstrukturen, die sich nur über jahrzehnte-, ja jahrhundertelange Anpassungsprozesse zusammenfinden können. Solange kann der Staat nur (mehr) dafür sorgen, daß diese Parallelwelten in einem gewissen Rahmen zusammengehalten werden können, weil sich sonst der Staat überhaupt auflöst. Wird diese Tatsache nicht offensiv angegangen, wird weiter von einer Ein- und Anpassung geträumt, die es so nie geben kann, auch nicht bei sprachlicher Anpassung der Zuwanderer, dann bricht sich die Wirklichkeit mit Gewalt ihre Wege, und erst DAMIT stehen diese Zuwanderergruppen tatsächlich dem Staat - als Feind (siehe: Aussagen der Polizei, s. Artikel) - gegenüber. 

Die Entwicklung ist einerseits bereits viel zu weit fortgeschritten, um hier noch andere Wege zu beschreiten, und anderseits gar nicht so lösbar, wie immer noch vorgegaukelt wird. Das (immer schon unrealistische) Gerede von "Integration" - bei Massenzuwanderung - kommt in jedem Fall aber um Jahrzehnte zu spät, kommt der Realität nicht einmal annähernd hinterher.

Land geht mit den Menschen. Daran hat sich nie etwas geändert, das war immer der Grundsatz, der sich in der Geschichte so leicht aufweisen läßt, und er ist anthropologisch auch der Naturgemäßere, der sich immr wieder deshalb durchsetzen wird. Der in Wahrheit (je auf eine Kultur gerechnet; historisch natürlich gab es ihn schon lange, aber immer unter denselben Bedingungen, und als Spät-, wenn nicht Verfallserscheinung) sehr junge Glaube an "Staat geht mit Territorium" ist eine Erscheinung der Moderne, ja der jüngsten Moderne (in Kerndeutschland hat er sich überhaupt erst 1871 endgültig durchgesetzt - durch ... Preußens, des "menschenlosen" abstrakten Staates gewaltsame Reichseinigung), und selbst bereits eine Entwurzelungserscheinung. Die nicht zufällig von Territorien ausgeht, die nicht oder kaum vom Rechtsherren besiedelt waren, und deshalb ursprünglich keine staatsrelevante Rolle spielten: den Marken, den Ostgebieten, wie Brandenburg, wie Österreich, letztlich: wie im Römischen Reich, das sich ein abstraktes Recht desselben Zuschnitts bastelte. (Wobei das sehr kluge, pragmatische Römische Recht Regionalrechte - mit eben dieser Verwurzelung in den Menschen - sehr weitgehend respektiert hat.) Nur und erst hier war das Staatsrecht für alle jene relevant, die den Boden betraten. Zuvor, wie auch überall sonst, galt nach wie vor der Grundsatz, daß Land und Recht von den Menschen ausgehen wie nicht von ihnen zu trennen sind. 

Wer sich deshalb große Zuwanderergruppen ins Land holt, muß davon ausgehen, daß sich über kurz oder lang auch diese Ursprünglichkeit wieder herstellt. Territoriales Recht verträgt - siehe Rom - sich damit nur, wenn es sehr vorsichtig und zurückhaltend die wirklich übergreifenden Rechtsbelange zu regeln sich bescheidet. Ein definitives "kulturschaffendes Recht" braucht einen gemeinsamen Werteboden der Bevölkerung, die ihm untersteht bzw. die es angenommen und aus diesem Konsens heraus codifiziert. Nicht einmal höchste Assimilationsbereitschaft (wie bei vielen Germanen der spätrömischen Zeit), die von einer Auflösung des kulturellen Herkunftsrahmens ausgeht, kann lösen, weil sich der kulturelle Boden der Gesamtbevölkerung damit (schon aus quantitativen Gesetzmäßigkeiten) auflöst, kulturelle Struktur viel tiefer geht, als willentliche Anpassung beherrschen kann. Beispiel? USA.




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Donnerstag, 24. April 2014

Zugang nur über die Haltung

Wahrheit, schreibt Eric Voegelin in einem Brief, ist nicht einfach eine Ansammlung von Aussagen über einen welt-immanenten Gegenstand. Sie ist das welt-transzendente summum bonum, das als orientierende Kraft in der Seele erfahren wird und von der wir nur in Analogie-Symbolen sprechen können. Sie ist existentiell, wie er an anderer Stelle sagt, hat also einen nicht-kognitiven Aspekt.  

Die Wahrheit der Ontologie (einschließlich im besonderen der philosophischen Anthropologie) ist nicht ein Datum, das von jedermann zu jeder Zeit erkannt werden kann (wenn er nur seinen Kopf benützt, Anm.). Ontologisches Wissen entsteht im Prozeß der Geschichte und biographisch im Prozeß des einzelmenschlichen Lebens, unter gewissen Bedingungen der Erziehung, der gesellschaftlichen Umgebung, der persönlichen Neigung und der seelischen Habituierung. Die Episteme ist nicht nur eine Erkenntnisfunktion, die ist auch, im Aristotelischen Sinne, eine dianoetische Areté (also eine sich aus der Vernunft ergebende, bzw. eigentlich erst Vernunft seiende Vortrefflichkeit einer Person; Anm.)

Jeder Diskurs hat deshalb seine Grenzen dort, wo die Aussagen das Feld des "Richtigen" berühren bzw. an diese Grenzen kommen. Diese sind durch Logik alleine nicht zur Wahrheit hin - die damit ein "Verstehen" ist, kein "Diskurs-Resultat" - zu überschreiten. Wobei die Logik im strengen Sinn bereits diese Haltung (areté) zur Wahrheit hin verlangt. Denn es gibt sehr wohl an die Person gebundene Ebenen, die auch die Möglichkeiten ihrer Logik begrenzen und keineswegs aus dem Diskurs heraus zwangsläufig überschritten werden können, und diese Grenzen liegen nicht zuletzt in der Begrifflichkeit, als in dem, was als Wahrheit über ein "etwas" als Diskursinhalt - ontologisch - erkannt wird.




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Parallelsysteme des Rechtsempfindens

Ein interessanter Artikel in der FAZ, der staunen macht, wie weit es in unseren landen bereits gekommen ist. Wo wir es längst und sehr real nicht einfach mit "anderem Rechtsempfinden" zhu tun haben, sondern mit Parallelsystemen, mit denen Zuwanderer ihr Rechtsempfinden befriedigen: Parallele Justizsysteme, die, so die FAZ, sogar oft effizienter als die Polizeisysteme laufen. Verhängt ein Clan-Oberhaupt die Acht über jemanden, so sind sämtliche Clanmitglieder - und das heißt gleich mal 10.000 und mehr - verpflichtet, denjenigen zu suchen und zu stellen. Die Polizei is tmachlos, und die gesetzlichen Strafsysteme werden von den (muslimischen) Zuwanderern ob ihrer Milde gar nicht ernstgenommen. 

Polizisten, die nicht mehr wagen, Stradftaten muslimischer Täter - auch an ihnen selbst - anzuzeigen, sei es aus Angst vor den Clans, sei es aus Angst medial als "rechtsradikal/nazistisch" dargestellt zu werden, Vorgesetzte, die abraten, solceh Straftaten zur Anzeige zu bringen, aus Angst vor Eskalation ... das ergibt ein Sittenbild,  das die Frage stellt, ob wir die Kontrolle über die Angelegenheit nicht längst verloren haben, ob sich die Situation der Migranten, und hier vor allem: der muslimischen Migranten, nicht längst verselbständigt hat, und wir sie nur nich sehen wollen. Und natürlich: sollen.

Immer mehr Fälle gibt es - wir reden hier von der FAZ, nicht von einem "rechtsradikalen" Blatt -  wo Richter sogar direkt unter Druck gesetzt werden. Nicht mit "wir töten dich," das ist zu offensichtlich, sondern mit "wir wissen wo du wohnst", oder: "wir wissen, wo deine Schwester wohnt". Die Zeugenaussagen in der Hand haben, über ein internes Repressionensystem, und damit die Rechtssprechung manipulieren können. Die Haftbefehle unterlaufen, und dafür eigene, muslimischem Rechtssystem (Sharia) entsprechende Haftbefehle ausstellen. Wenn Strafen in deren Augen zu milde ausfallen, kann es schon passieren, daß sie "nachbessern".

Sodaß die makedonisch-stämmige deutsche Polizistin Tania Kambouri aufgerüttelt hat. In dieser Breite unbeabsichtigt. Denn sie hat nur in einem in einem Polizeimedium veröffentlichten Brief die Zustände geschildert, unter denen sie und ihre Bochumer Kollegen bereits arbeiten müssen. Der spontane Zuspruch, die Zustimmung von Polizisten aus ganz Deutschland war überwältigend, es geht ihnen gleich. Die muslimischen Zuwanderer haben keinerlei Respekt vor dem deutschen Rechtsstaat, sie nehmen ihn nicht mehr ernst. Das deutsche Rechtssystem wird nicht akzeptiert. 

Aber sogar umgekehrt: Deutsche Polizisten, die Muslimen gegenüber deutsches Recht durchsetzen wollen, müssen mittlerweile bereits Sanktionen ihrer Vorgesetzten fürchten, die "Frieden" wollen. Und den würde ein Bericht über die realen Zustände brechen. Weil die Vorgaben der Politik solchen Realismus als "störend" unterdrücken wollen.




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Mittwoch, 23. April 2014

Gültige Diagnose

Die Übersetzungen von Swedenborgs Schriften finden in und außerhalb Deutschlands, wie wir hören, einen sehr starken Absatz, und die Zahl seiner Anhänger vermehrt sich täglich. Dies ist uns völlig begreiflich. Das ungeschmückte Evangelium, die Einfalt der Kirchenlehre ist nicht mehr imstande, die geistig entkräftete Zeit zu erregen; die Wahrheit muß mit schreibenden Farben aufgetragen und in ganz gigantischen Schilderungen versinnlicht werden, wenn sie noch reizen und die Gemüter in Bewegung setzen soll. 

Die unendliche Leerheit und Stumpfheit des religiösen Sinnes ist in die Lage versetzt, falls sie die Geister nicht mit Händen greift und täglich vor sich herwandeln sieht, an keine höhere Geisterwelt mehr glauben zu könne, und die Phantasie bedarf der grellsten Aufschreckung, wenn die Hoffnung, auch jenseits noch fortzuleben, nicht ganz zusammensinken soll.  

Lange genug hat man sich die ebenso geistlose als beweinenswerte Mühe gegeben, die Wunder aus der evangelischen Geschichte zu verbannen, den Glauben an die große Erscheinung des Gottes Sohnes mit frechem Hohne zu untergraben, allen lebendigen Verkehr zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpfe in Abrede zu stellen, und mit den seichtesten Moralien die Völker wie mit einer Sündflut zu überschwemmen; wenigstens folgte diese auf dem Fuße nach.  

Aber die sehnsuchtsvolle Brust des Menschen ist mit solchem Gerede nicht zu befriedigen, und wenn du ihr die wahren Wunder nimmst, so wird sie sich falsche erdichten. 

Unsere Zeit ist dazu verurteilt, das trostlose Schauspiel des mattesten, unmächtigsten und freudelosesten geistigen Lebens nach dem überspanntesten und krankhaftesten Überreiz desselben aufführen zu sehen, und wenn wir nicht mit lebendigen und geisterfülltem Sinne zur Kirchenlehre zurückkehren, werden wir bald die kläglichste Schwärmerei mit demselben Übergewichte um sich greifen sehen, wie wir den flachsten Unglauben auf dem Throne erblicken. 

Zum gottgefälligen Glauben aber wird niemand durch diese Erscheinungen geführt werden, und die Antwort, die im Evangelium (Lk. XVI, 19ff) jener üppige, hartherzige Reiche von Abraham erhielt, als er diesen bat, den Lazarus zu seinen Brüdern zu schicken, auf daß sie sich bekehren möchten, paßt vollständig auch für Swedenborgs Anhänger, wenn sie dafürhalten, daß die Welt eines Geistersehers bedürfe, um zur Wahrheit zurückzukehren, undenthält ein vollgültiges Zeugnis gegen ihren Propheten. Wir haben Moses und die Propheten, und jetzt auch Christus, die Apostel und die Kirche, und wenn wir diese nicht hören, werden wir auch dem kein Gehör geben, der aus der andern Welt Kunde in diese zu bringen vorgibt. Mit diesen Worten allein hat Christus alle Erwartungen abgewiesen, die sich an Swedenborgs Visionen knüpfen.


J. A. Möhler in "Symbolik", ca. 1850, 
in einer Synthese Swedenborgs, 
als nach wie vor gültige Diagnose der Zeit




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Wie wir leben


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Dienstag, 22. April 2014

Die Kirche im Dorf

"Hat Russland die Krim annektiert? Nein. Waren das Referendum auf der Krim und deren Abspaltung von der Ukraine völkerrechtswidrig? Nein. Waren sie also rechtens? Nein; sie verstießen gegen die ukrainische Verfassung (aber das ist keine Frage des Völkerrechts). Hätte aber Russland wegen dieser Verfassungswidrigkeit den Beitritt der Krim nicht ablehnen müssen? Nein; die ukrainische Verfassung bindet Russland nicht. War dessen Handeln also völkerrechtsgemäß? Nein; jedenfalls seine militärische Präsenz auf der Krim außerhalb seiner Pachtgebiete dort war völkerrechtswidrig. Folgt daraus nicht, dass die von dieser Militärpräsenz erst möglich gemachte Abspaltung der Krim null und nichtig war und somit deren nachfolgender Beitritt zu Russland doch nichts anderes als eine maskierte Annexion? Nein."

Zwar hat Rußland durch seine Militärpräsenz auf der Krim dann doch tatsächlich gegen Völkerrecht verstoßen. Einmal als "militärische Nötigung" auf fremdem Staatsgebiet, und dann durch die rasche Anerkennung der Sezession, weil das Völkerrecht solche Annahmen erst dann für zulässig erlärt, wenn sich die innere Lage auf dem abgespaltenen Territorium (ein Vorgang, der an sich nicht völkerrechtswidrig ist) beruhigt hat. Selbst wenn man berücksichtigt, daß das rasche Handeln Rußlands möglicherweise eine Gewalteskalation auf der Krim verhindert hat. Das vorschnelle Handeln Rußlands aber würde theoretisch zu Samktionen berechtigen.

Aber der Westen sollte sich schwerer tun, mit Steinen zu werfen. Denn er hat etwa im Fall des Kosovo das Gleiche und Ärgeres getan: Während das Land (damals ein Teil von Serbien) von der UNO (per Beschluß) unter der Prämisse hoheitsrechtlich verwaltet wurde, Serbien den Bestand seiner Grenzen zu garantieren, haben die USA, Frankreich udn England die erfolgte Unabhängigkeitserklärung des Kosovo schon am nächsten Tag anerkannt, Deutschland folgte drei Tage später. Was damals Rußland ebenfalls zu Recht als völkerrechtswidrig reklamierte.

Rein völkerrechtlich aber hat Rußland die autonome Sezessions- und Beitrittserklärung der Krim zu Rußland lediglich "angenommen".

"Und das wäre vielleicht ein Grund, die völkerrechtliche Kirche im politischen Dorf zu lassen und immerhin rhetorisch ein wenig abzurüsten. Russland hat völkerrechtswidrig gehandelt, in mäßig dramatischem Modus und politisch keineswegs wie ein hasardierender Gangster. Der nun entstandene Zustand war für die Krim langfristig wohl ohnehin unumgänglich. Und die Form, in der er nun herbeigeführt wurde, mag bei all ihrer Unerfreulichkeit gravierendere Konflikte vermieden haben." 

Das Vorgehen des Westens jedenfalls kann kaum anders als ein einer Blamage enden. Er kassiert hier die Umkehrquittung für einen Rechtsbruch, mit dem er selbst vorangegangen war.



Der Autor lehrt Strafrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Hamburg




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Montag, 21. April 2014

Heilige Tradition

Es ist die Erinnerung, der sich das Erkennen - in Liebe - zubeugt, das alle Ideen enthält, alle Bilder, die selbst wiederum als Wille dem Erkennen sich zuneigen, sofern dieses im selbstlosen, opfernden Gehorsam sich diesem allumfassenden Gedächtnis zubeugt. Augustinus verdeutlicht mit dieser Analogie das Wesen der Dreifaltigkeit - Vater, Sohn, Heiliger Geist. Gedächtnis, Erkenntnis, Liebe.

Damit aber ist auch die Tradition in diese Sphäre des Vaters, dem in Gehorsam zu folgen ist, denn nur dann kann die Welt in ihr Sein treten, anders verlöre sie es, verlöre alles seinen Bestand, fiele ins Nichts, hineingehoben. Das erklärt den sakralen Charakter der Tradition, und des Ahnenkultes. Denn die Ahnen sind diesen Bildern gefolgt, und sie sind nunmehr- als Heilige in der Anschauung, bei Gott - Mittler bei Gott. Die Tradition in ihrer Homologie zu Gedächtnis ist damit jene Ordnung, in der alleine die Welt Bestand hat. Wirklichwerdend im Maß des Ergreifens der Sohnschaft, als einziges Verhältnis, in dem die Welt Bestand haben kann.

Weil aber Erkennen nur personhaft möglich ist, nur als Übergang von Eigenschaften - im gehorsamen liebenden Atem, der beide umfängt, Liebenden wie Geliebten - denkbar ist, IN denen das Wissen (aus dem Gedächtnis) lebt und existiert, verlangt die Sohnschaft Anähnlichung, als liebende Zuwendung die dem anderen Verfügungsgewalt über das Herz im freien Entschluß (jederzeit widerrufbar) gibt, an den Sohn an sich.

Etwas Entscheidendes spielt sich deshalb heute ab: Im Abwenden von der Tradition - von den Eltern - wird die Zukunft die Gewähr für jene Wahrheit der Ergriffenheit vom Guten, die wir zuvor bei den Ahnen annahmen. Die Ordnung war also nicht mehr bereits da, sie wird aber hoffentlich kommen. Eine totale Umkehrung, die die Abkehr von allem, was an Welt DA ist, bedeutet. Einer solchen Art von Mensch ist aber damit auch tatsächlich "nichts mehr heilig". Außer - die Verpflichtung zur Erwartung einer aber nie faßbaren Gestalt in der Zukunft. Und der  Notwendigkeit, sich selbst als ... fehlerlos, als möglich fehlerlos zu definieren. Zu glauben, daß man "nun" wisse. Das Tor zum Fanatismus ist damit weit aufgestoßen und generalisiert. Denn nun sind andere Vorstellungen die Feinde.




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Kein Ende der Anpassung abzusehen

Eine interessante Replik auf das bislang längstdauernde evolutionstheoretische Experiment findet sich auf genesisnet.info. Seit 25 Jahren wird anhand einer Einzellerpopulation das Mutationsverhalten von Bakterien untersucht. Mit einem überraschenden Ergebnis: Die "Fitness" der Zellen erreicht kein Ende! Es gibt keinen Optimumzustand, auf den sie zusteuerte, sondern ihre Mutationsraten bleiben gleich, und zwar gleich hoch. Die Details entnehmen Sie bitte dem verlinkten Artikel.

Eine Tatsache freilich bleibt dabei noch unberücktsichtigt, der Verfasser dieser Zeilen bezieht sich dabei auf die Genforschung, die in ihren Grundergebnissen ja seit 100 Jahren kaum Veränderungen vornehmen mußte. Denn wir täuschen uns ja gerade in den Naturwissenschaften oft beträchtlich in der Einschätzung, was denn Fortschritt der Wissenschaft sei. Vielfach, ja meist ist Fortschritt lediglich eine Verbesserung der Methoden, Technik also, und nicht "etwas Neues". Auf die Genforschung trifft das auf jeden Fall zu.

Aber darauf bezogen ist die Tatsache, daß einzellige Organismen (wie hier: Darmbakterien) in hohem Maß auch zeitlich pluripotent sind und bleiben, nichts Neues. Das heißt, daß sie nahezu beliebig "verwendbar" sind, und bleiben. Das Geheimnis der Festlegung von einzelnen Zellen in spezifischere Eigenschaften liegt ja generell in ihrer Einbindung in höhere, komplexere Organismen. Deren Teilung von Anfang an nach einem erst gröberen, und dann immer feineren Plan abzulaufen scheint, in dem sie nach und nach Stellen in einem Organismus einnehmen, an denen sie immer weniger pluripotent werden. Sehr vereinfacht: An der Stelle des späteren ausgebildeten Mundes gewachsen und transplantiert, wird auch bei Verpflanzung in einen anderen Organismus immer nur noch ... ein Mund. (Ein ausgezeichnete Einführung in die Gesamtproblematik bietet dazu Hedwig Conrad-Martius in "Selbstentwicklung der Natur"; die Forschungsergebnisse, auf die sie sich bezieht, sind grosso modo nach wie vor aktuell.) Insofern ist davon auszugehen, daß ein- oder wenigzellige Lebewesen wie Bakterien, die per se in hohem Austausch auf ihre Umgebung stehen, auch quasi beliebige Möglichkeiten haben, sich auf je wechselnde Umgebungen einzustellen. Denn, salopp formuliert: dazu sind sie da. Schon gar als Bakterien, die dem Verdauungstrakt des Menschen entstammen, diesem Mikrouniversum, in dem alle Form der Welt (aktuell wie potentiell) vorhanden ist.

Das weiß die Gentechnik sehr genau, die ja ständig mit solchen Festlegungen durch Entwicklungsfortgang zu tun hat. Geht es um "Stammzellen", geht es genau um solche Pluripotenzen, die aber immer an ihren "Zielorganismus", in den sie eingebunden sind und ohne den sie undenkbar wären, dessen Bestimmungsmacht man entsprechend ausschalten muß (man denke nur an die Immunsuppression, die bei Organtransplantationen notwendige Begleiterscheinung ist, sonst akzeptiert ein Organismus Fremdgewebe, Fremdzellen sowieso nicht) gebunden, von diesem determiniert sind. Sieht man Bakterien als sehr niedrige Lebensform und einfachste organismische Gestalt, so wäre es nicht verwunderlich, daß sie kaum Determination aufweisen - und deshalb auch so hochgradig und scheinbar unbegrenzt anpassungsfähig sind. Mit Evolution oder "Beweis für Evolutionismus" hat deshalb auch dieses Experiment - streng wisenschaftlich, von seiner Evidenzkraft aus gesehen - nichts zu tun.




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Sonntag, 20. April 2014

Osterwünsche

Allen Lesern dieses Blog ein

Frohes, gesegnetes, gnadenreiches

Osterfest!





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Samstag, 19. April 2014

Ein Brainblower

Er ist nicht der große Gesellschaftsanalyst, und er ist nicht der Philosoph, der die Dinge auf ihren wahren Ursprung hin zu durchdringen sucht. Versteht man aber Akif Pirincci's Buch "Deutschland von Sinnen" als Aufruf zum Mut zum gesunden Menschenverstand, so darf man es als wirkungsvolles Aufrütteln zu sich selbst genießen. Nicht, daß man solche Bücher ständig lesen sollte. Denn die Ideologisierung hilft der Gegen-Ideologisierung nicht weiter, sie treibt sie zum Kentern auf der Gegenseite. 

Die frische Art, in der Pirincci aufschreit, weil wir mit einem Unsinn tagtäglich zugeschüttet werden, den als solchen zu bezeichnen niemand mehr wagt, was nämlich tatsächlich bereits existenzbedrohende Ausmaße angenommen hat, tut dann aber sehr gut. Und sie eignet sich, das Gehirn wieder mal durchblasen zu lassen. Deshalb ist seine Lektüre eine Empfehlung. Daß sie von einem quasi Konvertiten stammt, ist typisch, denn Anstöße zu großen Veränderungen - aus geläutertem Blick, dem aber zugleich das Mangel des Positivistischen anhaftet - kommen immer von Außen, von den Randlagen, nie aus der Mitte.

Manches, was der türkischstämmige Deutsche da schreibt, ist sachlich nicht oder nur halb richtig, schon gar wo es auf Ursachenzusammenhänge geht, und bleibt nur auf der Ebene der Phänomene stichhaltig. Wo er in sehr vielen, ja den allermeisten Dingen absolut richtig sieht. (Seine neutrale bis ablehnende Haltung zur Religion wollen wir ihm nachsehen, sie betrifft ja eigentlich deren Ideologisierung, wo er wieder recht hätte, samt einer völligen Unkenntnis des Christentums. Aus dem nämlich jene Werte und Haltungen stammen, die Pirincci Deutschland so positiv zuschreibt. Aber das hat er ja mit dem Großteil der Deutschen - und Österreicher - längst gemein.) 

Aber als längst notwendiger Rülpser - mit viel Humor gewürzt - gesehen, als längst fälliges Erbrechen nach jahrzehntelanger Überfütterung mit Unsinn, der in seinem unbedarften, persönlichen Ton damit keineswegs "unter der Gürtellinie" bleibt, sondern der Sache angemessen (!) ist, und deshalb nur so in dieser Art geschrieben werden kann und soll, sollte man sich beim Kauf beeilen. Es ist Realismus! Und schon deshalb ist es bei anhaltender Lage durchaus wahrscheinlich, daß man in wenigen Jahren solche Bücher gar nicht mehr veröffentlichen oder öffentlich kaufen kann. Seine Sprache, den Freimut, mit dem der Autor dreinschlägt, hat nichts Störendes. Sie verstößt nur gegen jene Betulichkeit, oder jene Pseudo-Wissenschaftlichkeit, vor allem aber gegen Bierernst und völlige Humorlosigkeit, mit der heute wie immer die böse und niedrige Absicht und Charakterlosigkeit sich gerne umhüllt, um eine Geistigkeit vorzutäuschen, die sie gar nicht hat. Denn der heutige Zeitgeist ist vor allem eines: er ist geistlos. Die heutigen Ideologien sind in Wahrheit so gut wie immer banal und primitiv, ihre rationalen Unterbauten bloßer Schein, der die so handfesten, realen Spuren verwischen soll.

Aus solcher Stimmung aber wird der Umschwung kommen, da stimmt der Verfasser dieser Zeilen mit Pirincci völlig überein. (Neben so mancher praktischer Forderung, die sich auch auf diesem Blog in ähnlicher Form längst findet.) Bleibt es freilich bei einer Stimmung, und das ist leider zu erwarten (auch hier ist Realismus angebracht), wird die dann irrational bleibende Gegenbewegung, die weil sie aus der Natur des Menschen (der ja heute so zuwidergehandelt wird) genährt wird, zwar vieles an Falschem über Bord werfen, aber ihr wird die Kraft fehlen, konstruktiv Besseres dagegenzustellen.

Stephan Hassel's "Empört Euch", das vor einigen Jahren so großes Aufsehen erregte, hat kein Empörungspotential (und entsprechend ist es auch verpufft, sieht man von künstlicher Aufregung ab), das über die linke Gesellschaftsphantasie hinausgeht, und damit den Teufel mit Beelzebug auszutreiben versucht. Akif Pirincci's "Deutschland von Sinnen" aber hat dieses Potential, initial zu wirken.





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Lufteigenschaften

Luft und Schichtungen

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Freitag, 18. April 2014

Jump in, get it all

Ein wenig stockt einem der Atem, was dieser Vortrag des (katholischen?) Bischofs Anthony "Tony" Palmer, der Jorge Bergoglio, Papst Franziskus, zu einem seiner spirituellen Väter erklärt - neben Pflingstkirchlern, Freikirchlern - zeigt.

Sind wirklich alle sich auf "Jesus Christ" berufenden "Kirchen" nur Teil desselben? Nur Teilaussage derselben Aussage? Ist es so, wie angeblich Jorge Bergoglio zu Palmer meinte, daß die Katholiken "reformiert" sind? Daß die Unterschiede nur auftauchen "if we are Catholics again"? Ist das nicht dasselbe Vorgehen, unter dem ein neuer Humanismus auftritt, der da verkündet, daß aller Streit, alle Auseinandersetzung dadurch zu beseitigen wäre, indem sich das ... Konkretere einfach AUFLÖST? (Worin die Protestanten natürlich enorme Vorsprünge hätten.) Ob in der Psychologie, in der political correctness ... der Feind ist immer derselbe: Der, das, was konkret ist, das überhaupt ETWAS ist, und bleibt.

Nein, und ohne Zweifel: Nein. Die Grundbewegung der Protestanten, denen alle diese Teilkirchen entsprungen sind, ist nicht, einen katholischen Aspekt zu verstärken. Sie ist eine Grundbewegung gegen die Wahrheit. Sie ist mit der Wahrheit inkomtatibel, wo sie übereinstimmt, ist es Äquivokation, der Hintergrund, der eine Aussage überhaupt erst macht, wahr macht, ist völlig anders. Wahrheit, die konkret ist, die Gestalt hat. Die dogmatischen Unterschiede sind so groß, daß die Teilmenge mit dem Islam noch größer scheint. Sie ist eine Abwendung von der Wahrheit, ja deren Verneinung. Daß das in den unzähligen protestantischen Strömungen nicht immer klar wird, hängt damit zusammen, daß viele doch nach Wegen suchen, irgendwie die offensichtliche Ablehnung des Heils zu vermeiden, zu offensichtliche Widersprüche doch wieder zu vermeiden, zu verschleiern. Wer die Geschichte der protestantischen Bewegungen und Kirchen näher studiert, kommt zu keinem anderen Schluß.

Ein Papst aber, der sich für "just the clergyman of all the 2,2 billion people of ALL Christians" erklärt? "That Pope ist openly charismatic," sagt Tony Palmer.  Ein Papst, der einfach die Ökumene damit klärt, indem er alle Protestanten zu Katholiken erklärt? Oh ja, und so leben wir alle in einer einmaligen historischen Zeit, in der das, was wir tun, nicht einfach wichtig ist, nein, es ist historisch einmalig entscheidend. Jetzt ist die Zeit. Das war sie für die Protestanten interessanterweise immer. Und JEDER Protestant fühlt sich berufen. "Its the glory that glues us together, not the doctrines. (...) Most of your fear is based on propaganda." Aha. Zeit, umzudenken, oder? Wen interessiert noch Wahrheit. Die Verzopften, höchstens. Selbst klare Fehlinformation hilft da weiter. Es sei 1999 endgültig der Zwist zwischen den Kirchen beigelegt worden, man hätte sich in der Definition der Rechtfertigung geeinigt. "It brought an end to the protest of Luther." Eine klare Fehlinformation, und niemand sagt das deutlicher, als die Protestanten. 

Das fragile Wortspiel, auf das sich in dem Dokument einige Protestanten und die Kirche einigten, vermeidet elegant die entscheidenden Passagen, den entscheidenden Punkt: wirkt die Gnade auf das Fleisch? - gibt es die "causa formata", die Verdienstlichkeit der Werke? Niemals haben die Protestanten das zugegeben, selbst die Quäker haben sich deshalb von ihnen abgewandt. Wo sie wie Zwingli (und teilweise auch Luther) das scheinbar doch - irgendwie - taten, die Kirche und ihre Autorität als bedeutend bezeichneten, geschah es aus Pragmatismus unter dem Eindruck der auflösenden Folgen ihrer Behauptungen, die bald allzu sichtbar wurden und überall neue Kirchengründer aus dem Boden schießen ließ. 

Argumentierbar wurde es freilich nie, weil es den eigentlichen Grundsätzen - jeder ist sich selbst einziger Ausleger des Glaubens - völlig widerspricht. In diesem Gebäude voller Widersprüche, das sich Protestantismus nannte, und bald in weit über 500 Richtungen zerfiel. Wozu der Protestantismus bis heute die Grundlage der Philosophie, die Metaphysik ablehnt, weil er das muß. Es würde ihn zu offensichtlich der Widersprüche überführen. Wo Protestanten doch der Katholischen Kirche naherücken, ist es immer der Druck der Wirklichkeit, der sie irgendwann dazu zwingt, und dem sich einzelne denn doch beugen. Was ihnen hoch anzurechnen ist.

Aber spielt das heute überhaupt noch eine Rolle? Wo wir uns doch alle liebhaben? Praise the Lord! Hier baut sich eine Kirche aus, die ENDLICH. ENDLICH mit dem Zeitgeist ins Bett geht. ENDLICH verschwindet jeder Zwist. Wie sagt der Papst in seiner Videobotschaft an die freikirliche Versammlung hier? "I am speaking no Italian, no English ... but heartfully." Ah ja. Heartfully. Without content. Wir sind alle Brüder und Sünder, und nur wegen unserer Sünden getrennt. Aha. Wir haben ja alle denselben Glauben, bitteschön. Nur nicht dieselben Inhalte, an die wir glauben. Aber spielt denn das noch eine Rolle, im Glauben? Ist doch ein Grund, ins Zungengebet einzufallen. Nicht in Italienisch, nicht in Englisch ... language of the heart, oh Lord Jesus. Und dann machen wir iPod-Videos, und zwitschern sie der Welt, damit sie sich - wie wir! - bekehre. Denn uns eint doch ... die "unitiy of faith"! (Da haut es einen doch glatt um.)

Das Himmelreich ist nicht einfach angebrochen, nein: Die Utopie hat sich verwirklicht! Die Liebe ohne das, was es zu lieben gäbe, weil es die Kenntnis nicht mehr braucht. Nicht mehr. Denn früher, ja früher dachte man das ja. Ach was, vergessen wir das Denken ... diesen Saft früherer dunkler Jahrtausende.

Jawohl, das paßt zum Karfreitag. Es erklärt viele Wunden Christi.






Und dazu paßt wie die Faust aufs Auge dieses Video: Kardinal Bergoglio empfängt den Segen einer freikirchlichen Vereinigung. Mit einem pikanten Detail ... lügt der Papst? Der Verfasser dieser Zeilen hat es bereits mehrfach hier dargelegt: Ja. Nicht einfach nur hier und direkt und einmalig, wo es offensichtlich ist. Er lügt aus charakterlicher Struktur heraus. Denselben Strukturen, die exakt dem Wesen des Zeitgeists entsprechen, und sämtlichen (charismatischen, d. h. genuin protestantisch-mystizistischen) Erneuerungsbewegungen der Kirche zugrundeliegen, und die Kirche von innen her zersetzen. Was nicht heißt, daß die eine oder andere Aussage des Papstes nicht richtig wäre, in jedem Fall zu erwägen ist. Aber die Lüge ist nicht primär eine Frage "richtiger Fakten".






In diesem Zusammenhang übrigens eine interessante Seite, mit äußerst bemerkenswerten Analysen, die von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen stammt. Den Protestanten ist ja jede explizite antichristliche Stellung, ja jede Sekte in sich eine Gefahr. Sie haben nur - so seltsam das klingen mag - dogmatisierte Aussagen, an denen sie sich festhalten können. Niemand bekämpft den Häretiker so wie der, er - eine bestimmte - Häresie vertritt. Das aber hat ihnen auf unterschiedliche Weise durchaus anerkennenswerte Meriten eingetragen. So im Kampf gegen den Evolutionismus (dem sie in Wahrheit freilich nur Creationismus entgegenzustellen haben; die größte Gefahr für Protestanten stellt deshalb dar, wenn sich wissenschaftliche Aussagen der Evolutionisten bewahrheiten würden), oder wie auf dieser überaus umfassenden  und oft sehr gescheiten Aufklärungsseite gegen Sekten, Esoterik und weltanschauliche Strömungen der Gegenwart.



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Wer die Schuld trägt

Die Zahlen die das Handelsblatt veröffentlicht, sind wirklich interessant. Denn sie zeigen etwas, das mit so manchen anderen Fakten zusammenstimmt: Seit vielen Jahren ist bekannt, daß die ÖVP in ihrer je aktuelleren Führungsgeneration immer deutlicher linke Positionen vertritt. Die jüngsten Ausflüge der Familienministerin, des Landwirtschaftsministers - ehedem beides inhaltlich Bastionen  christlichsozialer Standpunkte - überholen in ihrer gesellschaftspolitischen Zielrichtung bereits alle Linkspolitiker. Denn die SPÖ weiß sich in ihrer traditonellen Wählerschichte einer Konservativität gegenüber, die sie weit gemäßigter sein läßt. Die ÖVP ignoriert ihre traditionellen Wählerschíchten ja schon seit Jahrzehnten konsequent.

Seit 1986 ist die ÖVP (nominell Pendent der deutschen CDU und CSU, je nach Flügel, dem Herkommen aber sicher der CSU näher) alleine oder als Koalitionspartner an der Regierung in Österreich. Das Handelsblatt zeigt nun, daß obwohl der Wähleranteil der ÖVP im selben Zeitraum sich halbierte, und diese Partei mittlerweile kaum hnoch ein Fünftel der Wähler vertritt, sie immer noch über mehr als die Hälfte der gesamten Budgetmittel - auf Landes- wie Bundesebene - disponiert.

Das mindeste, was sich dazu sagen läßt ist, daß die ÖVP sich im Ringen, ihren Einfluß zu behalten, den inhaltlichen Wünschen der Sozialisten jeweils gefügt hat, ihnen mittlerweile in vorauseilendem Gehorsam zuvorkommt. In anderen Worten: Die SPÖ hielt sich die ÖVP wie einen abgerichteten Hund. Denn in jedem Fall hat die ÖVP seit Jahrzehnten nichts mehr getan als die Finanzmittel für linke Gesellschaftspolitik aufrechtzuhalten. Und sei es - auf Kosten explodierender Schulden. 

Wer aus alter christlichsozialer Schule kommt, wählt die ÖVP überhaupt nur noch aus Beharrungsvermögen und Solidarität mit der erinnerten Weltanschauung selbst. Aber er findet sie nicht mehr.

Wer zahlt, schafft an

In der Frage, wer die momentanen Zustände im Lande zu verantworten hat, ergeben sich auch durch diese Zahlen, die ja nur bestätigen, was alte Christlichsoziale seit Jahrzehnten kritisieren, klare Zuweisungsrichtungen. 

Umgekehrt hat die ÖVP es nämlich verstanden, die übrigen Parteiungen vom Futtertrog und von der Macht fernzuhalten. Die FPÖ, so der erwähnte Bericht, hat etwa nämlich selbst verglichen mit den Grünen oder neuen liberalen Gruppierungen verschwindend wenig Einfluß (und rund 1/70 desjenigen der ÖVP), obwohl sie an Wähleranzahl im selben Zeitraum den beiden großen Parteien, und dabei erst recht der ÖVP, gleichkommen. Mit nicht einmal mehr 20 % der Österreicher als Hinterhalt, rechnet man brutal netto, bestimmt die ÖVP über weit mehr als 50 % der öffentlichen Gelder, auf Staats-, Landes- und Gemeindeebene.

Zum Vergleich: Als der Vater des VdZ noch aktiv in der Politik (und Bürgermeister eines nicht unbedeutenden Marktfleckens in Niederösterreich) war, also 1945 und 1946, war die ÖVP in ihrer Weltanschauung mit rund 70 % der Österreicher als Sympathisanten zu veranschlagen. Die Sozialisten waren regelrecht verzweifelt, und zogen alle Register, um Wähler zu generieren. Etwa durch Rehabilitierung und direkte Aufnahme ehemaliger Nationalsozialisten (vor allem der Führungskader, dem der Elitekader das Partei - wie der Bund Sozialistischer Akademiker - bis heute seine Substanz verdankt), oder dem Andocken an der VdU, der (ideologisch gemilderten) Partei der ehemaligen Nationalsozialisten. Zugleich wurde versucht, die Bedeutung der Gewerkschaften zu erhöhen, durch üppige "soziale Versprechungen", und Beweis der Potenz zu Streiks, die die Macht einer Minderheit zur Blockade des Ganzen zeigten.

Aber es war die ÖVP, die nach dem Kriege das Land neu aufgestellt hat. Doch eine Fehlentscheidung nach der anderen, bis heute, hat die nach wie vor eigentlich stockkonservative "CSU"-Bevölkerung anderen Wählergruppen in die Arme getrieben. Die Österreicher sind nach wie vor so "konservativ", ließe man sie, daß die SPÖ höchst vorsichtig agiert, und sich speziell auf Gemeinde- oder Bezirksebene mittlerweile als die konservativere Partei erweist. Die freilich in amüsantem Widerspruch zu den hochideologischen Bestrebungen der Parteispitze steht.

Aber der Aufstieg der FPÖ - dem Gottseibeiuns aus "rechtem" Geist - ist nach wie vor zuerst den Absprünglern aus den Kreisen SPÖ zu verdanken. Warum, hat in Österreich bis heute niemand kapiert. Denn die ÖVP versucht seit Jahrzehnten, die bessere SPÖ zu sein. Mittlerweile hat die SPÖ sogar geschafft, die obersten richterlichen Gremien, inklusive der Verfassungsrichter, unter Parteieinfluß zu bringen, und sich damit eine Basis gelegt, die die ÖVP nicht mehr einholen KANN ja die die wirkliche Zukunft des Landes in der Hand hält. Und ist doch in Wahrheit nach wie vor ... eine Minderheit.



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Donnerstag, 17. April 2014

Zuerst auswendiglernen

Es kann überhaupt keinen Glauben geben, wenn er sich nicht inhaltlich bezieht, schreibt auch Augustinus in "De Trinitate". Deshalb ist es ZUERST vonnöten, den Glaubensinhalt aufzunehmen, UND im Gedächtnis zu bewahren. Nur so kann der Wille sich AUF die Wahrheit beziehen, und das Wahre auch GLAUBEN. Nur so kann er die Wahrheit lieben, nur so kann er glauben.

Es ist sicheres Zeichen des Wahnsinns der Zeit zu meinen, es gäbe inhaltsloses Glauben, das mit Religion überhaupt etwas zu tun hätte, schon gar aber, das den Menschen erlösen, ihn Gott näherbringen könnte. Franz Xaver wußte was er tat, als der die Heiden, auf die er stieß, ZUERST die Grundgebete und das Glaubensbekenntnis auswendig lernen ließ, jeden Tag ein weiteres. Und als er bei einer Zwischenlandung auf der Arabischen Halbinsel auf Christen stieß, die aber schon Jahrzehnte keinen Priester und keinen Gottesdienst gesehen hatten, so hatte sich dort der Glaube in Spuren wenigstens nur deshalb erhalten, weil die die Gebete der Kirche immer noch wußten. 

Nur aus der Erinnerung - an den Wortlaut! - heraus kann der Mensch sich willentlich der Wahrheit zuwenden, sodaß sie sich ihm im erwägenden Betrachten allmählich erschließt. Und so mit Leben gefüllt wird, und gelebt wird, damit überhaupt erst ein Tugendleben möglich macht, was zuerst nur - als "Wissenschaft", wie Augustinus sich ausdrückt - in die Weisheit hülle, zu ihr werde. Der Glaube ist nur Glaube, wenn er sich auf einen Inhalt richtet, und an diesem dann festhält - in der Tugend die Struktur der Wahrheit fleischlich werden läßt.

Denn bloßes "moralisch gutes" Leben ist auch dem Heiden möglich, und auch ihm erschließt sich eine gewisse "Güte" solchen Lebens. Aber ihm fehlt das, was sein Streben nach Glück (das ein Streben nach Genießung ist) überhaupt erst sinnvoll macht, worauf es eigentlich ausgerichtet ist - das Ewige Leben. Das kann nur der (die Wahrheit!) Glaubende ergreifen.




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Lufteigenschaften


Luft zeigt das Verhalten von Flüssigkeiten

Gesehen auf thisisnthappiness






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Mittwoch, 16. April 2014

Chronik der Ereignisse

Ein Sittenzeugnis der Zeit, mit dem Hauptspieler: Der Politik, die meinte und immer noch meint, sie hätte direkt in das wirtschaftliche und persönliche Tun der Bevölkerung einzugreifen. Die Pleite der Hypo Alpe Adria-Bank, mit einem Belastungspotential für die Steuerzahler in der Höhe der Hälfte der staatlichen Einnahmen aus Einkommenssteuern (17 bis 25 Mrd. Euro) ist ein politisches Desaster allererster Güte. Die Presse bringt nun einen von den Fakten her offenbar gut fundierten Überblick, was hier überhaupt passiert ist, und auch warum, und welche Personen welche Rolle spielten. Hinter vielen Fakten verbergen sich darüber hinaus noch ganze Wagenladungen an weiteren Desastern.

Ein Gesamtdesaster, das aber keineswegs einzigartig dasteht, sondern sich an ähnliche Desaster in den vergangenen Jahrzehnten lückenlos anschließt. Mit einer Kernaussage: All diese Versagensgeschichten sind Zeugnisse einer Elite, die keinerlei Kontakt mehr mit der Wirklichkeit hat, die in zweitwirklichen, auch mit viel Mathematik abgesicherten Scheinweltkreisen lebt. Und so weder Ahnung hat, wie eine Sache gelingt und entsteht, noch was passiert, wenn etwas passiert. Und deshalb eines in jedem Fall hat: Angst vor der Wirlichkeit.




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Wider das Betulichkeitsgewäsch

Ein wunderbarer Satz von Akif Pirincci: "Kinder passieren einem einfach. Sie sind wie das Leben."

Erst wenn man dem Leben seinen Charakter zurückgibt - und das ist die Kraft der Überraschung - gewinnt es seine Vollgestalt des Schöpferischen. Denn niemand kann Leben geben, niemand kann es machen, niemand kann es beherrschen. Versucht man es, flieht es wie ein Vogel, dem man die Flügel bricht, weil man ihn festhält.

Man kann es nur einladen, und man kann es nur zulassen, und mit offenen Armen empfangen. Das Leben selbst ist es, das seine Gesetze auferlegt, und andere Gesetze gibt es nicht, denen der Mensch nachzugehen hat. Der Weg zu ihm kann nie umgekehrt laufen. Wer das versucht, wird es verjagen.

Verjagen aber muß einer das pausenlos andrängende Gewäsch der Betulichkeiten, des Mißtrauens gegen das Leben selbst - dem doch jeder alles verdankt! - des Ganzkörperkondoms zum Schutz vor der Infektion damit, das eine Generation der Muttersöhnchen uns übergestreift hat, mit dem wir uns selbst umgeben. Als Rundum-Airbags, die sofort aufgehen (und das verstehen wir unter Politik), sobald das Leben aufprallt.

Nur eine Schuld gibt es noch - die, das Leben zuzulassen. Da greift auf einmal nichts mehr. Da zählt das Gesetz des Dschungels, gibt es plötzlich wieder Vogelfreie. Wenn wir heute an Schulden ersticken, und das Ausmaß ist uns ja gar nicht bewußt, dann nur aus einem und einzigen Grund, dem Generalnenner der Zeit: Weil wir das Leben schulden. Weil wir versprechen, daß irgendwann einmal jemand diese Schuld aus ausgesperrtem Leben bezahlen weil einlassen wird müssen. Bis dorthin aber hoffen wir, erreicht zu haben, worin wir uns täglich einüben - tot zu sein.







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Dienstag, 15. April 2014

Verlorene Blicke (2)

Teil 2) Solche Meta-Theorien sind die logische Folge von Wirklichkeitsferne - und Wirklichkeitsflucht




Selbst wenn man annimmt, daß sich die Erwärmung in diesem kleinen Tal (soferne sie überhaupt stattfindet) über die je höheren Schichten bis ganz nach oben fortsetzt. Es ist eine physikalische Tatsache, die auf anderer Ebene auch biologischen Systeme zu eigen ist, daß das Streben nach Ausgleich zwischen geschlossenen Systemen mit der Größe ihrer Differenz progressiv steigt. Das heißt, daß eine Erwärmung der obersten Luftschichten die Abstrahlung in den (kalten) Weltraum, und damit die Abkühlung ... progressiv erhöht. Weil aber die äußersten Luftschichten der Erde mit dem (angrenzenden) Weltall - und immer in dessen Rahmen - interagieren, sind es diese Schichten, die den Gesamtrahmen einerseits immer stabilisieren, anderseits in ihrem Verhalten im Rahmen der Weltall-Einflüsse bleiben. Insofern ist es also tatsächlich hauptsächlich die Sonne, die das "Weltklima" reguliert bzw. bestimmt. 

Man vergleiche dazu den menschlichen Organismus, der ebenfalls immer in Reaktion mit dem Begegnenden gesehen werden muß, um verstanden zu werden. Er entwickelt sich nie "aus sich selbst" und "abgeschlossen". Die Einflüsse aus dem Weltall aber sind grosso modo extrem stabil, und außerdem enorm absorptionsfähig, die Reaktion mit irdischen Verhältnissen löst auf der Erde aber schon aus Dimensionsunterschieden größere Anpassungsreaktionen aus - das, was man bestenfalls als Klimawandel bezeichnen könnte. Mit dem größten Einflußfaktor - der Sonne. Immerhin ist das Sonnenlicht die Grundlage, warum es überhaupt auf der Erde etwas gibt. (Materie kann überhaupt als Lichtanalogie bezeichnet werden.)

Man könnte ja zuvor bereits in unteren Schichten Wolken als sichtbare Reaktionsbereiche zwischen Luftschichten betrachten, in denen sie sich je ausgleichen bzw. als sie selbst, Schichte für Schichte, je neu stabilisieren. Mit der besonderen Rolle der Sonne. Es gibt längst seriöse Richtungen (s. u. a. Svensmark), die belegen, daß das eigentliche Wettergeschehen überhaupt und ausschließlich aus dem Einfluß der Sonne auf die Wolkenpartikel abzuleiten ist. Physikalische Systeme streben immer nach Stabilität, ihr Verhalten begegnenden Einflüssen gegenüber erklärt sich nur daraus. Kurzfristig kann man solche (bzw. auch biologische) Systeme, die immer in gewissen Bereichen schwanken, überfordern, "kippen", mittel- oder langfristig aber kehren sie aufgrund höher zu gewichtender Faktoren zu ihren ursprünglichen Zuständen zurück (s. u. a. Dotterweichs oder noch eingehender Wolterecks Studien), die sie in den Gesamtrahmen wieder ihren Platz einnehmen lassen. Wir werden das Thema hier gewiß noch vertiefen und zeigen, daß das Gerede um den Klimawandel als Katastrophe auf grundlegenden Denkfehlern beruht. Der Verfasser dieser Zeilen beabsichtigt die Re-Lektüre einer Reihe von meteorologisch-klimatisch Fachwerke.

Ein Innsbrucker Klimaforscher (älteren Semesters) hat vor einiger Zeit in einem Interview (der Film findet sich irgendwo auf diesen Seiten) gemeint, daß er es vorziehe, mit seinen Studenten in die Natur zu gehen, auf die Berge zu steigen, um dort zu beobachten. KEINER seiner Studenten, so der Professor, sehe einen Klimawandel überhaupt, oder als jenes katastrophische Problem, als das es heute behandelt wird.

Walter Schauberger zeigte übrigens auch in seinen Arbeiten - und die sind in den Augen des Verfassers dieser Zeilen die interessantesten seiner Aussagen, und solange Schauberger "kleinrahmig" blieb, verlor er sich auch noch nicht in Phantastereien, die seinen ursprünglichen ganzheitlichen Intentionen sogar technizistisch umgebrochen zuwiderzulaufen begannen - im vorigen Jahrhundert, wie abgeschlossen, regulativ in sich geschlossen klimatische Klein- und Kleinsträume sich verhalten.

Es ist wie bei allen Metatheorien, die speziell in den letzten zweihundert Jahren die Menschheit überschwemmen: Sie bauen auf auf der Tatsache, daß der Mensch NICHT MEHR GENAU HINSIEHT. Denn wo immer der Mensch genau hinsieht, sich vom Erkenntnisobjekt bewegen läßt, steigen in jener Ahnung ganz andere Gewißheiten auf, die sich in Anschauungs- und Weltbildern, in Weisheit ausdrückt. Und dann gibt es alle diese Metatheorien nicht mehr, ob Evolutionismus oder ... Klimakatastrophe. Kinder, die mit iPods spielen statt Käfer zu sezieren, die political correctness eingebläut bekommen statt sich mit den Nachbarjungen zu balgen, die Weltprobleme wiederkäuen statt Pflaster rasch auf Wunden zu kleben, die beim Sturz mit dem selbstgebastelten Gocart entstehen, die Hochbegabtenkurse belegen statt im Wald herumzustreunen und stundenlang Natur vor Augen zu haben, Erwachsene die große Theorien über die zwanghafte Logik der Welt schwingen um der Wahrheit über ihr Leben aus dem Weg zu geben, Menschen die jede Gestalt für bedeutungslos erklären und die ganzheitliche Wahrheit der Dinge selbst ignorieren - sie alle ergeben zwangsläufig eine Welt, die ihr autistisches After-Gerede für Welt und Wirklichkeit hält weil halten will (ja: muß), und folgerichtig von ihren eigenen Dämonen zu Tode geschreckt wird.


Wie wir leben

Valeria Petrone

Gesehen auf thisisnthappiness






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Montag, 14. April 2014

Verlorene Blicke (1)

Bei Dreharbeiten in den Bergen Gespräche mit den Einheimischen über das Wetter. Sie erzählten, daß dieses kleine Tal, und jedes angrenzende bzw. in der Großlandschaft, ein ganz eigenes Wetter- und Temperatur verhalten habe. Innerhalb weniger hundert Meter oder Kilometer sei oft ganz anderes Wetter und ganz andere Temperatur zu beobachten. Natürlich muß man davon ausgehen, daß diese Kleinzonen wieder mit den größeren, in die sie eingebettet liegen, kommuniziert. Aber auch, daß sie ein Eigenleben haben, das sich gegen die äußeren Einflüsse verhält, keineswegs direkt überträgt.

Als der Verfasser dieser Zeilen vor einigen Monaten von Irland zurückreiste, bei prächtigem Flugwetter (der Hinflug fand in der Nacht statt), sah er die irische Insel, die englische Insel, Frankreich etc. so klein unter sich liegen, daß ihm die gesamte Erde auf einmal klein vorkam. Da konnte er sich vorstellen, daß man vergessen könnte, wie groß sie in Wahrheit ist. Wieviele einzelne Elemente sie enthält, die in einem Zueinander von je einzelnen Wesensformen stehen.

Es ist kein Wunder, daß in einer Zeit, die nicht mehr weiß, wie lange man braucht, um zehn Kilometer zu gehen, und was sich auf diesen zehn Kilometern in Landschaft und Kleinklima ändert, um 2 Kilometer im Gebirge bergauf und bergab zu erfahren, die die unmittelbare Erfahrung des Wetters gar nicht mehr macht, weil sie entweder in einem weltabschließenden Auto sitzt und über die Welt nur abstrakte Daten aus dem Radio oder dem iPod erfährt, die in der Stadt die U-Bahn benützt, und über Land mit Hochgeschwindigkeitszügen braust, die per Flugzeug - eine Massenerfahrung mittlerweile! - Meere und Kontinente überbrückt, die kaum mehr bewußt und notwendig die Straße vor dem haus wahrnimmt, sondern per Internet und social media "kommuniziert", raumlos, die ortlos wird (weil die Orte zu bloßen Durchgangsstationen werden), daß eine solche Menschheit auch plötzlich meint, die Erde sei ein kleines, leicht zu manipulierendes Teilchen, das vor einem liegt wie ein Werkstück auf der Drehbank. Eine solche Menschheit meint plötzlich auch, es mit lauter "alles umfassenden Problemen" zu tun zu haben. 

Der Verfasser dieser Zeilen behauptet, daß es direkte Zusammenhänge mit dem Flugverhalten der Klimaforscher und deren Ansichten über das Weltklima gibt. Daß es alles andere als Zufall ist, daß diese Herrschaften enorme Strecken im Flugzeug zurücklegen, um auf Kongressen etwa über den Zustand der Welt zu reden.

Die großen Weltprobleme der Gegenwart, wie sie uns dargestellt werde, sind ... Erscheinungen der Orts- und Wurzellosigkeit der Menschen, deren Weltwahrnehmung von den Medien geprägt ist, ja diese selbst wurde. Ihre Größe (als persönlich wirkende, ideologische Dringlichkeitsform) nahm und nimmt proportional zur Nihilierung des Raumes und der Durchdringung mit weltumspannenden Medien zu. Ohne Internet hätte es niemals eine "Klimawandel-Theorie" in heutiger Form gegeben. 

Nicht, weil wir "mehr und anders sehen", nicht nur weil sich die Problemgewichtung völlig verändert, sondern weil "große Phänomene" regelrecht geschaffen werden, um der Erfahrung der Beobachtung gerecht zu werden. Während niemand mehr weiß, wie es im Nachbartal zugeht, weiß - Anführungsstriche - nun jeder abgeleitet aus dem Großen, wie sich das Heizverhalten in Hamburg auf die Schmelzgeschwindigkeit der Gletscher in Grönland auswirkt. Nicht, weil die Ursache-Wirkverhältnisse klar liegen. Die sind viel zu komplex, und damit gar nicht vorhersagbar und berechenbar, nur und prinzipiell nachträglich analysierbar. Sondern weil aus Korrelationen Zusammenhänge konstruiert werden. Vor allem aber sind sie ... extrem kleinräumig!

In einer solcherart innerhalb der Medienwelt abgeschlossenen menschlichen Urteilswelt aber nehmen Prognosen den Charakter von selbsterfüllenden Prophezeiungen an. Weil den Menschen genau das fehlt, was sie - angeblich! - zur Grundlage ihrer Entscheidungen machen: Empirie! Sinnliche Wahrnehmung dessen, was sie zur Grundlage ihres Einschätzens machen. Ja, Empirie wird sogar zum Feindbild.

Und so latscht jemand durch dieses kleine Tal, in dem der Verfasser dieser Tage drehte, und sieht wie warm es dort wird, und notiert in seinen Laptop von den Veränderungen des Klimawandels. Und weiß gar nicht, daß ... das dort immer schon so war. Weiß nicht, daß man aber in den letzten zwanzig Jahren die Wälder zu Fichtenplantagen umgewandelt hat, und daß es deshalb - in diesem Tal, und sonst nirgends - trockener und wärmer wurde. Und er liest die Wetterwarte ab, die am Waldrand dieser nunmehrigen Fichtenplantage seit hundert Jahren steht, und belegt an den steigenden Temperaturen die Erwärmung des Weltklimas. Und erklärt daraus die Steigerung der Niederschläge (die wiederum mit dem durch den veränderten Waldbau geringeren Speicherverhalten des Bodens zu tun haben). Und weil es im statistischen Überblick 100 solcher Orte gibt, erklärt der nächste daraus das beobachtbare Zurückgehen von Gletschern, das von Gletscher zu Gletscher eine eigene Ursachenkette hat, zu einem Gesamtsystem. Denn er ist über den Atlantik geflogen. Er sah, daß die Welt ... klein ist und überschaubar, ein manipulierbares Ding. Kleiner als das Nachbartal, in dem die Temperaturen sogar gefallen sind. (10 % der Alpengletscher wachsen. Und das bei einem einheitlich erwärmten Weltklima?)



Morgen Teil 2) Solche Meta-Theorien sind die logische Folge von 
Wirklichkeitsferne - und Wirklichkeitsflucht




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Verlust der Wirklichkeitsoffenheit

Gerade die Wahl des Krakauer Bischofs Karol Woityla zum Papst hat in der Kirche Polens, so schreibt Jozef Tischner, der großartige Kopf der bzw. in der polnischen Kirche in den Zeiten des Umbruchs seit den 1980er Jahren, eine Trägheit ausgelöst, die ihr zum Verhängnis wurde. Die polnische Kirche zeigte zunehmend dieselben Symptome der ehedem kommunistischen Totalitarismen. Die Theologie wurde träge, hielt die intellektuelle Wachsamkeit für nicht mehr notwendig, und verlor so den Anschluß an die eigentliche gesellschaftliche Wirklichkeit bzw. die wirkliche Situation der Menschen. Sie förderte stattdessen den "homo sovieticus", den unreifen posttotalitären Menschen, der jeder Autorität hinterherläuft, solange diese unangenehme Fragen von ihm fernhält.*

Dem Christentum in Polen drohe weder Laizismus noch Atheismus, sondern die Parodie einer Religion, schreibt er in den 1990er Jahren. "In meinem ganzen Leben als Geistlicher und Philosoph habe ich nie jemanden getroffen, der seinen Glauben über der Lektüre von Marx, Lenin und Nietzsche verloren hätte. Aber es gibt unzählige, die ihn bei der Begegnung mit dem eigenen Priester verloren haben."

Diese Offenheit der Wirklichkeit gegenüber, auch und vor allem der eigenen, sieht Tischner essentiell. Der Mensch braucht die Bereitschaft zum selbständigen Denken. "Bevor Deine Seele erlöst wird muß klar sein, wer zu erlösen ist. Du mußt dir selbst treu bleiben. Wenn du vorgibst, ein anderer zu sein, wird der andere an deiner Stelle erlöst.

Das Übel der Gegenwart ist nicht, daß die Menschen nicht mehr glauben oder anderen Weltanschauungen hinterherlaufen. Keine davon übernehmen sie wirklich, der Relativismus der Gegenwart ist im Grunde Gleichgültigkeit, Abwehr von Verbindlichkeit, Ablehnung von Konkretion, denn die würde Antwort, Haltung, Stellungnahme fordern. Das Übel ist, daß sich die Menschen ihrer eigenen Wirklichkeit gar nicht mehr stellen.



*Tischner greift damit auf einen Zentralpunkt der Kritik an der so raschen Selig- und Heiligsprechung des späteren Papstes Johannes Paul II. zurück. Denn sie wurde instrumentalisiert, indem man das Ewige historisiert - wie es hier schon mehrfach ausgeführt wurde - mit dem Zweck der Selbst-Heiligsprechung und damit selbstzufriedenen Abschließung der gegenwärtigen Kirche. Dieser Zug hat sich in den letzten Jahren sogar noch dramatisch verstärkt, und findet im jetzigen Papst einen weiteren Höhepunkt: "für den Papst" zu sein wird zum tödlichen Instrument der eigenen Wirklichkeitsferne und ideologisierten Erstarrung, über die man sich durch viele scheinbar "richtige" Worte, denen man "zustimmt", hinwegtäuscht. Diese Selbsttäuschung, die mittlerweile über die social media stattfindet (mit täglichen päpstlichen Twitterbotschaften) ist um nichts vom Übel des Zeitgeists unterschieden. Sie "tut nur so", weil sie meint, über andere Inhalte sei das Geschehen auch anders gepolt. Ein fataler Irrtum!  

Denn wie Tischner schreibt, ist das erlösende Geschehen ein immer sehr persönliches Geschehen der je aktuellen Wirklichkeitsbegegnung. Indem die Kirche nunmehr ebenfalls so tut, als sei das nicht so, treibt sie die Menschen vom Glauben weg, ja zerstört ihn. Wenn an dieser Stelle einmal (wörtlich: auf die Spitze getrieben) getitelt wurde, daß Twitter das Ende der Kirche bedeute, so liegt hierin die Begründung. Social media bringen die Menschen nicht zur Kirche, sondern IM GEGENTEIL: sie schaffen eine zweitwirkliche Schein- und Ersatzkirche, die der Trägheit der Gegenwart in höchstem Maß entspricht, und "von unangenehmen Fragen fernhält."




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Sonntag, 13. April 2014

Geschichte als Wirklichkeit

Geschichtlichkeit ist nicht schlicht das Geschehen, das an den Dingen beobachtet werden kann, einfach die Dialektik, der Dialog, der aus ihrem zueinander erwächst. Daran täuscht man sich oft in dem, was man als "Geschehen" beobachtet oder erinnert. Geschichtlichkeit ist immer ein Ringen der Wirklichkeit, und damit nie "zeitliches Geschehen", sondern ewiges als zeitloses Geschehen im Zeitlichen.

Deshalb ist die faktische Geschichte in zwei Weisen geteilt: einerseits die wirkliche Geschichtlichkeit, und anderseits die Flucht davor, meist mit dem Versuch, eine zeitliche Geschichtlichkeit zu konstruieren, Geschichte gewissermaßen zu simulieren. Solch letztere Geschichtssimulation ist nur insofern Geschichte, als auch dieses Geschehen in das eigentliche Geschichtsgeschehen - als zeitloses - eingebettet bleibt.

Nur vor diesem zeitlosen Hintergrund ist deshalb Geschichte überhaupt verständlich. Und sie ist insofern tatsächlich zeitlos: sie ist die Geschichte der immer gleichen Grundbilder, die allem Geschehen, allen Dingen zugrundeliegen, und zu denen sie sich (beim Menschen: in eigener Sittlichkeit) verhalten.

Eric Voegelin sieht deshalb in aller Geschichte nur die immer selben Muster der Grundsymbole als sichtbare Ideamorphen (Gestalten der Grundideen als Grundwillen). Nur wenn man dieses geistige Geschehen versteht bzw. sieht, kann man Geschichte überhaupt verstehen. Geht man nicht den Irrweg zu meinen, das weltliche, zeitliche Geschehen sei (irgendwie) das bloße Zueinander von weltlichen Faktoren und Wirkkräften. Aber das wirkliche Geschehen, die Wirklichkeit im alten Ägypten ist um nichts anders - und dann sieht man auch die Parallelen - als Vorgänge in Rumpelstädt an der Kleinen Aller im 19. Jhd., oder in der Weltgeschichte Gegenwart. Erst in der Ausrichtung auf die und diese Wirklichkeit, wird Handeln deshalb überhaupt erst zu geschichtlichem, zu verantwortbarem Handeln. Der Rest ist Illusion und Irrtum als Unfreiheit.

wobei man nur nicht glaube, das betreffe nur die "hohe Geschichte", die sich in gelahrten historischen Wälzern wiederfindet. Es betrifft jede einfachste, alltägliche Handlung, die von denselben (!) Grundstrukturen getragen ist. Die Entscheidung, dem Nachbarn den Kaktus auf den Kopf zu werfen, ist (prinzipiell) dieselbe Grunddimension wie die, eine Atombombe auf Nagasaki zu werfen, und sie unterliegt denselben Verantwortungselementen, nur auf anderer Ebene. Einer Ebene mit größeren Wirkungskreisen, die im äußersten Fall bis zur Wirkung auf die ganze Welt gehen.

deshalb ist die sittliche Reife des - rein irdisch gesehen - höchsten Entscheidungsträgers weit mehr gefordert. Der König (Sinnbild des höchsten Herrschers) ist deshalb gerufen, die höchste Sittlichkeit und Heiligkeit zu wirklichen. In ihm abstrahiert sich die (geschichtliche) Wirklichkeit am reinsten, und doch sollte er darin Urbild des Wirkens aller seiner ihm zugeordneten Menschen sein.

Es ist noch heute bekannt, und wird leider oft völlig unterschätzt, in welchem Ausmaß die Realität in den Herrscherhäusern die Sittlichkeit und Haltung in den alltäglichsten Dingen und Haushalten beeinflußt. Aber das Leben des Königs ist nach wie vor urbildlich für das Leben seiner Bevölkerung. Wie er lebt, handelt, denkt, lebt handelt und denkt das Volk, ob es das weiß oder nicht.*

Und deshalb ist das historische Geschehen um Jesus Christus keine abgehobene "Erlösungssalbe", sondern die reinste (in seiner Dimension freilich den Menschen als Nur-Menschen prinzipiell, nicht graduelle übersteigende) Form des Grundgeschehens in JEDEM Menschen. Und deshalb ist jeder Christ, jeder Getaufte, jedes Mitglieder der Kirche auch - Königssohn wie König, als Kern seiner Berufung. Die Kirche ist eine Versammlung eines auserwählten Königsgeschlechts, seine Würde ist die des Königs (s. u. a. Johannes Paul II. in "Die Königswürde des Menschen")

Die Passion Christi aber ist ein Königsdrama.
"Bist Du ein König?"
"Ja, ich bin es."


*Das ist der wahre Grund, warum sich in der Kunst der Vor-Moderne alles in hohen und höchsten Kreisen abspielt. Es gibt etwa in der Antike nur Königsdramen, der König war zum Idealbild "Kreon" gezeichnet. Seine Konflikte waren urbildlich für die des Volkes, sie enthielten sie. Die sogenannte bürgerliche Kunst hat nur dort und insofern Wert, als sich in ihr der Königskonflikt findet oder sie die Suche nach diesem König IM Bürger ist.





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Nur beständige Mühe bringt Sittlichkeit

Jedes Handeln geht aus einem Bewegungsbild hervor, das dieses Handeln vorwegnimmt. Die Zusammenhänge wurden schon (und werden weiter) an dieser Stelle dargestellt. Das heißt, daß vor allem im Alltäglichsten wie auf Knopfdruck automatisierte, verfestigte, über die Gewohnheit zur (fleischlichen) Natur gewordene Verhaltensweisen die drängendste Reaktion auf Begegnendes sind. Bild und Reaktionsbild werden gewissermaßen zusammengeschlossen. (Anders könnte kein Mensch im heutigen Verkehr Autofahren.)

Was wir sind, was wir tun, ist also keineswegs eine Frage des ständig daran Denkens. Damit wäre das Leben nicht bewältigbar. Es hat viel mehr mit Verhaltenskomplexen zu tun.

Das jenen gesagt, die da meinen, Sittlichkeit, und damit Freiheit, wäre eine Frage von Tagen, von Wochen, ja überhaupt von einmaligen Entschlüssen, von blitzartigen Erkenntnissen. Nein. Sie ist die Frage einer über nur mühsam zu gewinnende Gewöhnung AN DAS GUTE. Sie ist die Frage einer - durch einen selbst, oder durch das Elternhaus, durch andere gewonnenen - Gewöhnung. Als fleischlicher Gewöhnung weil fleischlicher Gerichtetheit.

Das in der Fastenzeit gesagt. Ein mittlerweile verstorbener Pater, zu früheren Zeiten langjähriger Beichtvater des Verfassers dieser Zeilen, hat zur Frage, was es denn brauche, um heilig zu werden, immer eines gesagt: GEDULD. 

Denn nur über beständige Gegenwehr gegen das Falsche, durch ständige Klugheit, läßt sich Sittlichkeit aufbauen und gewinnen. Der Jahreskreis, in seiner ständigen Wiederkehr derselben Motive und Grundsymbolik als Möglichkeit, am Absoluten anzudocken (salopp formuliert), der kirchliche Jahreskreis im besonderen, ist deshalb eine große Chance und Gnade: Er soll das von Jahr zu Jahr weitergehende Voranschreiten stützen wie ausdrücken. Geduld zuflüstern. Die Notwendigkeit der ständigen Aufmerksamkeit - täglich sieben mal siebzig mal - vor Augen stellen. 

Und immer wieder auffordern: Wieder ein kleines Stück zur Sittlichkeit weiter aufzusteigen. Durch Anstrengung. Wachsamkeit. Mühe. Verzicht. Anders geht es nicht. Aber die heurige Anstrengung wird nächstes Jahr bereits ein Gewinn neuer Höhe sein, um das nächste Schrittchen nach oben zu gehen.




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Samstag, 12. April 2014

Zum Aufruf der Bischöfe, zur EU-Wahl zu gehen

Das sicherste Zeichen für einen bevorstehenden revolutionären Umsturz ist die Unsicherheit der Eliten. Was ... in seiner Untersuchung der Revolutionen der Neuzeit feststellt, faßte 1995 der (nach Eigendefinition) österreichische Regimekritiker Dietmar Elsässer in "Kurz vor'm Würstelprater" so zusammen:

"Im EU-Beitritt hat sich eine visions- und damit inhaltslose österreichische Außenpolitik - Ankerpunkt jeder Innenpolitik - hinter die Scheinperspektiven eines populistischen Apparats verkrochen. Es war wie die letzte Ausflucht vor dem Zugeständnis eines Bankrotts, in der sich eine nicht mehr überlebensfähige weil unschöpferische Elite selbst zu retten versuchte. Die blamablen Verhandlungsergebnisse mit Brüssel waren die logische Frucht - nicht Österreich, sondern seine Elite BRAUCHTE die EU. Und das schwächte seine Verhandlungsposition dermaßen, daß von einem Verrat an Österreich die Rede sein muß. Daß die Kirchen, die an einer deckungsgleichen Krankheit leiden, der Schwäche der Überzeugung der eigenen Daseinsberechtigung, die man direkt beim Namen nennen muß: Glaubensschwäche, den Österreichern empfahlen, dem Beitritt zuzustimmen, macht sie auf eine Weise schuldig, die von der Zustimmung zu Hitler nur (vermutlich, denn das Urteil der Geschichte ist immer nachträglich) graduell verschieden ist. Bereits die direkten Folgen besudeln nämlich bereits die Hände der Kirche mit Blut. Sie tat dasselbe wie die Politik: Sie labte sich aus dem anerkennenden Schulterklopfen, das sie in ihrer Existenz und Wichtigkeit bestärkte, wofür der Sinn ihr bereits abhanden gekommen war. Die EU gab der Kirche wie der Politik scheinbar wieder Sinn. Durch jene Phrasen, deren Hohlheit jedem gesunden Menschenverstand aufleuchtet.

Durch diese Empfehlung machte die Kirche Grundsatzpositionen zu Positionen in Verhandlungsrunden, durch die Empfehlung zu Beitritt und EU-Zustimmung wurden unveräußerbare kirchliche Positionen zu disponiblen Variablen. Der Ruf, "christliche Werte" nach Brüssel zu tragen, war eine abstoßend schwächliche Selbstaufgabe, die lediglich die Ahnungslosigkeit offenbarte, mit der die Kirche der politischen Realität Europas gegenübersteht. In der sie sogar mit wehenden Fahnen bereit war, Grundverstöße des Systems EU - wie Subsidiarität - als vernachlässigenswerte Größen zu behandeln. Die Kirche hat damit die Menschen, noch mehr aber: ihren Gründer verraten. Die EU in der derzeitigen Form selbst ist das antichristliche Problem, nicht einzelne Punkte - und dann wäre alles in Ordnung. Christliche Ethik erschöpft sich nie in Kasuistik. Sie ist eine Haltung zur Welt als Ordnung von Gestalten. Die Kirche hat seither kein Existenzrecht mehr in Europa. Sie hat sich zum Appendix der Seinswidrigkeit deklariert. 

Die Kirche hat sich in verabscheuenswürdiger Weise von der Gesellschaft abhängig gemacht. Sie hat sich verkauft um leerer anerkennender Worte willen, weil sie nicht einmal mehr glaubte, daß sie noch existierte. Sie hat sich damit zum Mittäter der Selbstzerstörung Europas gemacht. Es wird sie mit Recht an den Galgen der Geschichte bringen. Sie wird in der Zeit nach der EU - die unweigerlich kommen wird - keine Rolle mehr spielen."

Folgt man Elsässers Argumenten, so ist der Aufruf von Kardinal Schönborn namens der Bischofskonferenz (!), die Österreicher sollten zur anstehenden EU-Wahl gehen, um so ihre Christlichkeit einzubringen,  nichts als ein verzweifelter Versuch, gesehen werden, die eigene Existenz zu retten, die bereits von der Existenz der EU abhängt. EU und Kirche haben in Europa dasselbe Schicksal: Sie werden in absehbarer Zeit nicht mehr (bzw. nur mehr rudimentär, solitär) existieren. Die Erneuerung Europas von der Wurzel her, die ohne jeden Zweifel kommen wird, mit schlimmsten Befürchtungen die kulturelle Stufe betreffend, auf der sie passiert, wird in jedem Fall heidnisch sein. Die Bevölkerung erwartet sich von der Kirche schon jetzt nichts mehr, deshalb meidet es sie. Man wird über die Politik und Elite der Gegenwart, aber auch über die Kirche, nicht anders sprechen, als man es heute über die Nationalsozialisten tut: Als mythologemisierten Gottseibeiuns. Man wird ihre Grabmonumente einebnen, und ihnen in die Gruben nachspucken. Aber es wird kein Martyrium sein, denn sie sind nicht für die Kirche gestorben.

Es wäre nicht das erste mal in der Kirchengeschichte.




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Wie wir leben

Valeria Petrone

Gesehen auf thisisnthappiness





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Freitag, 11. April 2014

Teilhabe an der Passion

Nur das, was als Form geistig enthalten ist, kann in seiner Unvollkommenheit, seiner Verletzung, seiner Zerstörung überhaupt als solches empfunden weil gesehen werden. Deshalb empfindet der Geistige - die Perösnlichkeit - mehr Schmerz als der Ungeistige. Deshalb, schreibt Otto Weininger in "Geschlecht und Charakter", empfindet der Mann (bzw. der Mensch im Männlichen, man könnte es so umbrechen*) mehr Schmerz, als die Frau.

Damit ist auch das Leiden Christi das in seiner Größe und Vollkommenheit am höchsten Ausdenkbare. Denn in ihm ist tatsächlich die (historisch gewordene wie zukünftig werdende) Sünde und Bosheit ALLER ZEITEN enthalten. Sein außerhalb der Zeit stehender, und doch in diese hineinragende Geist hat alles Wirkliche der Geschichte gegenwärtig.

Deshalb ist es keineswegs leeres frommes Gerede, wenn die Kirche sagt, daß dem Gläubigen möglich ist, die HISTORISCHEN Leiden Christi seien in ihrer Schwere und Art von meiner momentanen, historischen gelebten Sündhaftigkeit abhängig. Und deshalb ist es kein leeres Gerede, wenn es heißt, daß der historische Mensch die historischen, konkreten, fleischlichen Leiden des Erlösers mildern, diesen trösten, an seinem Leiden sogar teilhaben, ihn entlasten kann, in der Sühne.**

In Christus ist uns das göttliche ewige Grundgeschehen der Erlösung sinnlich (historisch) gegenwärtig geworden, und in den Sakramenten, in der Liturgie, im Kult nach wie vor historisch gegenwärtig.

Die Nachfolge Christi - die der einzige (!) Weg zur Selbstverwirklichung ist - kann deshalb gar nicht anders aussehen als die (grundsätzliche) Bereitschaft, Christ Kreuz auf sich zu nehmen, wie immer es aussieht, weil es immer nur historische Konkretion, relative Gestalt hat. Nicht zufällig steht aber der Tod, das Leiden, am ANFANG des Jahreskreise, an der Pforte zur Fruchtbarkeit und des Lebens. Am Eingang zur Freude an den Dingen der Erde, die diese aus dem Geheimnis des Lebens heraus (aus dem Tod) hervorbringt, und in der sie uns überschwemmt.

Fast alles aber, was wir heute beobachten, ist ein einziger Versucht, dieser Bereitschaft (!) zum Tod  (die das Sterben selbst bereits ist) auszuweichen. Die sittliche, schöpferische, kulturelle Höhe einer Zeit bemißt sich ausschließlich an dieser Bereitschaft der Zeitgenossen, zu sterben. Ein Versuch, das Leben selbst doch zu gewinnen, nur auf anderen Wegen, die dieses Sterben ersparen. Und in der Suche nach ERsatzzielen ist der Mensch ungemein erfindungsreich (die Klimawandel-Apokalypse ist dafür prototypisch.) Wer den Moralismus, das "Gutmenschentum" erfassen will, hat es darin erfaßt. Nur dieses Sterben macht offen für die Wirklichkeit - als Moment der je neuen Überraschung.



*Was also nicht heißt, wie heute meist mißverstanden, daß die Frau vermännlichen soll, sondern daß das Frausein Frausein wird und werden muß durch die Männlichkeitshaltung in der es ergriffen wird, weil das Wesen des Logos initial und als "idea" männlich-zeugend ist.

**Die Selbstweihe Tirols an das Herz Jesu, die zum Ende des 19. Jhds. vollzogen und vom Vatikan offiziell approbiert wurde, hat deshalb historische Dimension und Auswirkung. Denn in ihr hat sich freiwillig ein ganzes Land, ein Volk dieser Sühne zugesprochen. Was auch immer an Geschichtlichem mit Tirol passiert ist, kann nur - konkret historisch - unter diesem Aspekt überhaupt verstanden werden.




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Zeugende Gestalt

Insofern also jeder Erkenntnisgegenstand - und das heißt: immer ein sinnlich erfaßbares Ding, körperhaft - über die Sinne in das Innere des Menschen eindringt, ist auch jedem Gegenstand das ihn Konstituierende männlich. Es ist zeugend.

Diesem Zeugenden im Gegenstand (das als Wille erkennbar ist, als Sinn, als ein "auf - zu") entspricht das Empfangende im Inneren des Menschen. Das sich mit dem Erkenntnisbild, als welches der Erkenntnisgegenstand in der Erinnerung in der Seele verbleibt, über den Willen eint. Weshalb Liebe Voraussetzung für Wahres Erkennen ist, denn nur die Liebe bejaht das Wesensbild des Geliebten, und erst dann kann der Verstand - im Geist - den Logos, das Wort als Wesensauftrag des Gegenständlichen, in seiner zeugenden Potenz als Erkenntnis selbst wirklich werden, und als dieses Wesensbild, als dieser Wille auch erfaßt werden.

Denn, so schreibt Augustinus in De Trinitate, erst wenn die Dinge an sich, ohne Zwischendinge, gesehen werden können, sich also nichts mehr hinzufügt, was der menschliche Wille (aus Selbstbezogenheit, Unfreiheit) hinzufügt (oder nicht wegtut), kann in ihnen auch das Botschaftliche ihrer Herkunft aus Gott (dem Sein) erkannt werden.

So eint sich auch im Menschen Männliches und Weibliches, das in der Geschlechterpolarität seinen gestalthaften, herausgestellten Ausdruck - mit je einer betonten, das Gestaltwesen prägenden, durchwirkenden Seite - findet. Aber allem Gestalthaften selbst, somit auch dem Menschen, liegt ALS Gestalt das - männliche - Wort zugrunde, ALS DAS es erst überhaupt erkannt werden kann.

DARIN liegt, geht man diesen Gedanken weiter nach, auch der Grund für die oft maskulinen Genera* in der Sprache. Wo es um Wesensgehalte geht. Weil alles Dinghafte AN SICH und zuerst männlich ist, und es ist mehr als das: es ist als Begriff, als Name Idea Gottes, und damit jener Bezugspol, auf den hin sich jedes Ding (als Gestalt) vollzieht. Verliert es diesen Bezug, fällt es auch ins Nichts. 

(Woraus sich die Hierarchie der Dinge ableiten läßt. Denn Totes liegt in seinem Selbstsein in den Händen von anderem, es wird nicht aus sich es selbst, aus eigener das Sein ergreifender Kraft. Die Pflanze, aber noch mehr das lebende Tier, haben bereits gewisse Selbst-Werdekraft. Sie wollen je nach Stufe leben, weil damit sein. Was dann im Menschen kraft seiner Geistigkeit am vollkommensten wird, ja im Geistigen - in der substantiellen Dreiheit Erinnerung, Erkennen, Wollen, die aber wieder aus dem Außen kommt, in diesem vor-, vom Geist nachgebildet wird, wobei die Tatsache, daß jede Gestalt auch Objekt für andere ist, also Außen für andere, sich zeigt, daß diese Dreiheit (in je nach Wesensform anderer Weise) wenn auch nicht objekthaft erkennbar IN allem sein muß - sogar aus dem Zeitlichen heraustritt.)



*UND der Grund für die Unmöglichkeit weil Wesenswidrigkeit des Frauenpriestertums. Zu den Genera ist noch zu sagen, daß sie sprachpsychologisch oft sehr komplex ihre Form erhalten haben, deshalb auch von Sprache zu Sprache oft erheblich differieren. Ihr allein einer tiefer Grund aber liegt im Gesagten. Mit anderen Worten: Das Wort "Die Frau" oder "die Kerze" ist nicht weniger maskulin in seinem zeugenden Grund, seine feminine Form entstammt bereits weiteren Bezügen und Wesensentfaltungen, damit -aussagen. Von hier aus, einmal so verstanden, wird auch das Tieffalsche der Gendersprache erst begreifbar, das über alles pragmatisch-politische weit hinausreicht.




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