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Sonntag, 18. Januar 2015

Durchklingen des Übergeordneten

Es ist ein schöner Vergleich, in dem Franz von Baader die Differenz zwischen menschlichem Denken (und Geist) und Gottes Denken (und Geist) darstellt. Er zieht das Verhältnis des Menschen zu einem Tier heran.

Denn das Tier - nehmen wir noch konkreter illustriert: einen Hund - wird vom  Menschen gedacht. Nur insofern kann es auch dieses menschliche Denken "denken". Und insofern kann es, im Gehorsam, das Denken seines Herrn "nachdenken", nach-darstellen. Das Untergeordnete ist also je im Übergeordneten gedacht bzw. erkannt.

Es kann sich aber nicht aus eigenem Ich heraus dazu verhalten, so wie es der Mensch kann.

Im Tier aber steht etwas anderes in einem Verhältnis zum rein menschlichen Denken: Das Von-Gott-Gedachtsein des Tieres* nämlich, das bei ihm bzw. seinem Verhalten ursprünglich differenzlos mit seiner Natur (im Instinkt) zusammenfällt. Fällt das menschliche Denken also nicht - im "Nach-"Denken - mit dem Gottes zusammen, gerät das Tier im Gehorsam in Widerspruch mit sich selbst, und fällt ins Nichts, in den Tod.

Das trifft natürlich auch auf den Menschen zu, wenn er nämlich nicht in der Wahrheit denkt. Welcher Wahrheitsbegriff sich auf dieses Gedacht-sein der Welt selbst bezieht, und es im Geist (spritus kommt von atmen) zur Gestalt macht und darin hält. 

Aber so wie ein Tier nunmehr seines Herren Geist präsentiert und daraus atmet und lebt, so lebt der Mensch, in der Wahrheit, aus dem Geist Gottes. Das liegt aber beim Menschen in seiner Leistung. Nicht, sich zu erhalten "aus sich selbst", sondern seine Erhaltung liegt an seiner eigenen (sittlichen) Leistung.

Doch das untergeordnete Geschöpft - das Tier - ist eben vom Herrn durchdrungen. NICHT der Herr vom Tier. Und so ist das Verhältnis des Menschen zu Gott. (Baader sagt das gegen Hegel und Spinoza.)

Man muß nun diesen Gedanken nur weiterführen, um auf das Wesen der Hierarchie, den Sinn von Autorität etc. zu stoßen, welch alles sich dadurch auf noch klarere Weise erschließt.

Zugleich kann das Tier den Menschen erst suchen, wenn es auch von seinem Geist durchdrungen ist, bzw. diesem folgt. Das läßt sich in jedem Umgang mit dem - bleiben wir beim Beispiel: - Hund erkennen. Der ausreißt, wenn er nicht dem Geist des Menschen, lediglich seinem In-sich-selbst-sein (Instinkt) folgt.

Denn der Geist kann nur suchen, was er bereits hat. Und in diesem Sinn kann der Mensch Gott erst suchen und finden, wenn er sich bereits aus dem Geist Gottes heraus, diesem nachfolgend, sich diesem fügend, sucht.

Weil aber nun alles Geschöpfliche nur erkennbar ist, weil es von Gott (dem Sein) zuvor gedacht wurde, kann der Mensch auch sich selbst nur erkennen, wenn er sich ... in Gott sucht. Bliebe er nämlich nur in sich, in abgeschlossener Welt sozusagen, so würde er sich nicht finden, sondern sein Erkennen fiele ins Nichts, sein (rein menschlicher Geist) würde nichts erkennen (bzw. könnte Erkenntnis bestenfalls - aus der Erinnerung an Erkenntnis - simulieren).

Weil sohin Gott nur in einem Aus-sich-Heraussteigen des Menschen (Ekstasis) direkt erkennbar wäre,  der Mensch aber nicht aus sich heraussteigen KANN (er bleibt zwangsläufig immer in sich), ist auch klar, daß diese Ekstasis nicht vom Menschen MACHBAR sein kann.

Alles andere Erkennen Gottes aber bleibt das indirekte Erkennen durch Rückfolgerung, weil alles Geschöpfliche die Signatur seines Hervorbringers trägt, von ihm erzählt. Und das ist (der Kreis schließt sich also) der, der alles gedacht hat, in dessen Denken alles ist - Gott.

Die Sprache ist keine Erfindung des Menschen! Nur ihre aktuelle Gestalt hat mit ihm (und seinem Geist bzw. Ungeist) zu tun.**




*Ohne ein Von-Gott-Gedachtsein gibt es überhaupt kein Erkennen. Das ist keine religiöse Aussage, sondern eine Folgerung der Philosophie.

**Weshalb auch jede Diskussion über Genderismus nicht in irgendwelchen Pragmatismen etc. ergehen kann, sondern nur über eine metaphysische Klärung überhaupt sinnvoll, weil von dort her vernünftig ist."Die Sprache", schreibt Wilhelm von Humboldt einmal, "entspringt aus einer Tiefe der Menschheit, welche überall verbietet, sie als ein eigentliches Werk und als eine Schöpfung der Völker zu betrachten." Denn in der Sprache kommt, folgt man dem oben Gesagten, gar nicht des Menschen Geist "zur Sprache" - der menschliche Einfluß ist lediglich im Bereich der Sittlichkeit von Bedeutung, die seine Sprache berührt.




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Mittwoch, 17. Juli 2013

Wannen das Höhere sich auflöst (2)

Teil 2) Entweder nationalstaatlich - oder gar nicht





Menschliche Gesellschaften haben der menschlichen Art gemäß, die sich in seiner natürlichen Entwicklung erkennen läßt, gleichfalls je aufsteigende Kreise der Selbstausdehnung, der Weltintegration - Persönlichkeitsentfaltung, mit anderem Wort. Es beginnt bei der Grenze der Mutter-Kind-Beziehung, und weitet sich allmählich in immer weitere zwischenmenschlich-gesellschaftliche Kreise. Die sich je weiter umso geistiger in ihre Ursprung darstellen. Wobei schon die Mutter-Kindbeziehung ihrem Wesen nach geistig (auf die Persönlichkeit orientiert) ist, man beachte nur das Inzestgebot, der Austausch untereinander ritualisiert ist und darin das Wesen der Begegnung als Darstellung (und nur darin) verwirklicht.

Deshalb ist auch das menschliche Wirken in bestimmten Umfangsdimensionen, die durchaus in Zahlen zu fassen sind, eingebettet, sich lediglich aber sehr bestimmt in der Art unterschieden wie im Schneeballsystem ausfalten. Zwei, fünf (Familie), zwanzig (Großfamilie), hundert (Sippe, Nachbarschaft, Gemeinde), tausend (Landkreis), zehntausend (Staat). Größer ist das menschliche Wesen nicht ausgelegt, historisch wurde die menschliche Ansprechgröße, sein maximal möglicher persönlicher Wirkkreis auf diese Größe - etwa (5-10.000) - beschränkt gesehen. 

In der Antike begann an diesem Punkt die Kolonialtätigkeit. Weil die nun überzählige Bevölkerung den Staat verlassen mußte. Ab hier kann nur noch ein Repräsentationssystem einsetzen: Wo einer für 10.000 steht, was übrigens dem alten Adelsbegriff entspricht. Es macht keinen Sinn für einen dieser 10.000, in (sagen wir) zwischenstaatliche Angelegenheiten einzugreifen, diese Ebene hat völlig neue und andere Gesetze und Inhalte in ihrem Zueinander. Die sich zwar in allem Unteren wiederfinden, aber in völlig anderer Art. Während "der, der für 10.000 steht", sich von dieser unteren Art abstrahiert haben muß, um dieser Ebene der Beziehung zu entsprechen. Auch das ist ja das traditionelle Selbstverständnis des Adels gewesen, das Aufgehen in einer abstrakten Repräsentation. 

Nur in diesem Größenverhältnis aber kann noch verantwortete persönliche Wahlentscheidung für das Ganze - die es in Fällen wie Krieg oder Ausstoßung gab -  überhaupt getroffen werden, weil zwischenmenschlicher Austausch egal welche Mehrheit noch auch den etwa anders Meinenden mit einschließt. Darüber hinaus besteht die Gefahr wirklicher Gewaltherrschaft der Mehrheit über die Minderheit, droht also das Auseinanderbrechen in Gruppierungen.*

Darüber hinaus müssen deshalb die Repräsentanten diese Entscheidung treffen, und zwar IM ABSTRAHIERTEN SINNE DER 10.000. Die sich in immer größeren Verbänden erneut in hierarchischen Stufen, aber mit strukturell gleichen Aufträgen (der "Querbalken") zusammenfinden, bis zum Allerhöchsten, dem König oder gar Kaiser, welch letzterer aber von andere Kategorie ist.

Das ist das stärkste Argument in der Kritik des Zentralismus, das stärkste in jeder Föderalismusdebatte. Weil Zentralismus alle Zwischenebenen auflöst, um nur als Einzelner allen Einzelnen direkt gegenüber zu stehen. Weil in ihm das Unterste eine ihm nicht adäquate Ebene antrifft, deshalb in seiner Art gar nicht Zupassendes erhalten wird können. Umgekehrt steht das Zentrum als viel zu mächtiges (weil übersteigendes, andere Wirkprinzipien bewegendes) Gegenüber dem Einzelnen gegenüber.

Wenn vor einiger Zeit der Journalist Christian Ortner ein Buch herausgab, in dem er den Sinn der Demokratie hinterfragt, weil die Bevölkerung gar nicht wissen kann, WAS sie in den Wahlen überhaupt entscheidet, so meint er genau da (ohne es zu wissen: er meint, etwa durch ein "Mehr" an Information wäre das behebbar.) Die Abstrakivebenen der Repräsentation des Ganzen sind niemals stufenüberspringend transformierbar. Unterwirft man dieses Ganzheitsprinzip aber der "untersten" Stufe, in Abstimmungen, Wahlen, verliert die oberste Stufe ihre Abstraktion - sie wird "banal", vermag nicht mehr zusammenzufassen.

Umgekehrt darf ein höchstes Prinzip (grundsätzlich) niemals direkt stufenüberspringend eingreifen. Es wird die Ordnung sämtlicher unteren Stufen auflösen, und das gesamte Volk in ein Chaos stürzen - es fehlt die Transformationsmöglichkeit. Es darf nur abstraktiv entscheiden, was "für alle" - ohne jede Konkretion - gilt. (Ohne noch diskutiert zu haben, obwohl es sich aus dem Gesagten ergibt, nach welchen Kriterien und Orientierungen es dieses überhaupt darf oder muß.) Das Kleine, Alltägliche des Lebens im Detail zu regeln, kann niemals Aufgabe eines höchsten Prinzips sein. Es überschreitet unzulässig seine Zuständigkeit.

Im Versuch, das zu illustrieren: Die hohe Mathematik beschäftigt sich mit dem Zueinander von Größen, die aus dem Integral einer Datenkette hervorgehen. Die Erkenntnisse, die sie daraus gewinnt, zeigen zwar die Prinzipien des Vorgehens "auf der Straße", aber der Kaufmann um die Ecke kann damit nichts anfangen. Es wird auch sinnlos sein, ihn in die Geheimnisse der Integralrechnung einzuweihen, und er wird es auch nicht wollen. Seine Anspruchsebene liegt ganz woanders - sagen wir der Anschaulichkeit wegen: in Erlässen über Märkte oder Waren. Je konkreter, vereinzelter die Dinge werden, desto mehr müssen sie auf der ihnen zugeordneten Ebene geregelt werden.

Zugleich wird damit verstehbar, daß eine zentrale Einheit niemals ein Prinzip "schaffen" kann. Es kann nur ausdrücken - darstellen - und als solches verwirklichen, das allen Teilen gleichermaßen zu Grunde liegt! Nur im Maß dieser Übereinstimmung mit der Natur des Vereinzelten kann eine Zentrale überhaupt "stark" sein. Sonst wird sie zur Diktatur, zur Zwangsanstalt. Es wird sträflich unterschätzt, daß die Kritik an der EU in Wirklichkeit keine praktische, sondern eine weltanschauliche Auseinandersetzung über das, was "Natur" bedeutet, anzeigt! Der Kontinent ist geistig viel tiefer aufgespalten und zersplittert, als man zur Kenntnis nehmen will.

Deshalb benötigen auch zwischenstaatliche Verbände eine (in diesem Sinne) föderalistisch-hierarchische Gliederung, mit jeweiligen Ebenen und Strukturen, die zueinander in einem ritualisierten Verhältnis stehen und sich in der Art begegnen, auf der dieser Verband gründet - als Staatenbund etwa. Ein Gegenüber EU : Bürger wäre in jedem Fall eine Katastrophe des Zentralismus. Die im Extremfall einer gesamteuropäischen "demokratischen" Direktwahl nur noch verschlimmert würde, weil es (wie im Mißbrauch!) eine Zustimmungssituation bewirkt, in der der Einzelne sich gebunden fühlt, ohne aber das verantworten zu können (und zu sollen), was er tatsächlich entschieden hat.

Löst man umgekehrt das Nationalprinzip auf, wo eine Nation der anderen gleichwertig gegenübersteht, wird eine EU automatisch zum Spielball der quantitativ mächtigeren Nationen oder Weltanschauungen. Etwas anders anzunehmen wäre schlichtweg naiv - oder bösartig und mit Hintergedanken. Aus dieser Argumentationskette ist zu verstehen, wenn Vaclav Klaus immer wieder davon sprach, daß es "gar keinen Europäer" gäbe. Er hat darin völlig recht. Eine auf weltanschauliche Fronten abstrahierte Politik, die von oben nach unten dekretieren kann, würde eine Katastrophe der Unmenschlichkeit und Utopie auslösen, und Europa in ein Chaos der Selbstentfremdung und Entzweiung stürzen.

Will man Europa einen, so wird es nur über eine Reform - als Wiedererstarkung - der eigentlichen Aufgaben der von unten nach oben gehenden Strukturen und der hierarchischen Repräsentation möglich sein. Alles andere wird zum Totalitarismus, der damit die eigentliche Lebenskraft, die schöpferische Kraft der Menschen, auslöscht. Denn es gibt dieses einende Prinzip der Geisteshaltung nicht mehr, auf das sich eine EU berufen könnte, bzw. ist es äußerst schmal  - und nur in dieser Breite kann Einigung überhaupt stattfinden. Also müssen sich untergeordnete Stufen schützen und bewahren können, um nicht ihrer selbst entfremdet zu werden. Und nur aus dieser Unangegriffenheit heraus kann - wenn - Einheit erwachsen.





*Das kann durch ein Parteiensystem im heutigen Sinn, wo sich also Weltanschuungen gegenüberstehen, NICHT aufgefangen werden, wie auch etwa Simone Weil darlegt. Denn hier wird bereits eine andere Art der Meinungsbildung verlangt, die den Entscheidungshorizont der Einzelnen übersteigt. Auch die Praxis zeigt, daß weltanschauliche Unterschiede auf der Ebene persönlicher Begegnung niemals so dezidiert sind, weil das Gemeinsame im zwischenmenschlichen Lebensvollzug und Entscheidungshorizont immer überwiegt, wie sie es in ihrer theoretischen Gestalt werden. Das ist das Wunderbare in den DonCamillo-Peppone-Geschichten, die genau das zeigen. Mit Parteiprogrammen höherer Rangordnung aber treten unweigerlich zerspaltende weil artfremde, artübersteigende Elemente ins Leben.

Darüber hinaus stehen sich auf der Ebene der Weltanschauungen Unvereinbarkeiten gegenüber, die jeden demokratischen Konsens scheitern lassen müssen, weil bestimmte Dinge vom individuellen Gewissen aus jeweils gar nicht toleriert werden DÜRFEN. Das trifft Christen in der Auseinandersetzung mit der faktischen Welt heute sogar noch weit mehr, weil absoluter und unbedingter, als Nicht-Christen. 





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Dienstag, 16. Juli 2013

Wannen das Höhere sich auflöst (1)

Hegel schreibt einmal in seiner Replik auf den Pantheisten Spinoza, der überhaupt keine andere Substanz als Gott sieht, daß das Endliche nur durch ein anderes Endliches begrenzt wird (und damit es selbst wird). Insofern muß es an dieser Berührungslinie dieser beiden ein Gemeinsames geben, eines das beide in einer Art anspricht bzw. von beiden angesprochen wird.

Beziehung auf anderes ist somit Grenze, erst sie hält etwas über dem Nichts (das aber eben nichts ist, auch kein "nichts", kein Sein hat) Deshalb halten alle Dinge einander im Dasein, indem sie einander "das andere" sind. Zu sagen, dieses oder jenes IST, heißt zuvor zu sagen: es ist jenes NICHT.

Ein anderer "Ketzer", Giordano Bruno, für den überhaupt alles Seiende als Sein mit dem einen Sein Gottes direkt zusammenfällt, als Teil des Ganzen, beschreibt einen anderen wichtigen Gedanken: Wenn man sich den Kreis in seinem Radius immer größer und größer vorstellt, so wird die Runde des Kreises eines Moments in eine Gerade überspringen. Das eine stirbt, das andere entsteht. Worin Bruno irrt ist freilich, daß es keinen Übergang vom Kreis zur Geraden gibt. Die Wesensübergänge springen eben, sie gehen nicht ineinander über. Für Bruno's Gedanken ist das gar nicht unwichtig.

Doch ist ein weiterer Gedanke dazu wichtig. Der, daß sich dieser Übergang von einem ins andere in hierarchischen Stufen vollzieht. Nach "oben", und nach "unten", und auf je andere Weise.

Leo Gabriel nennt diese Stufen "Translationsstufen". Sie sind jeweils Vielfalt zu mehr Einheit zusammenfassende Abstraktionen. Von Stufe zu Stufe muß also das Abstraktive, das diese Stufe darstellt, als Allgemeines, das in den unteren Stufen zwar enthalten aber ins je Konkretere, Gestaltnehmendere ausgefaltet ist, enthalten sein. Bis in der höchsten Stufe alles enthalten ist, aber nur noch als geistiges Prinzip. Wie es die Religion dann tut, die das Wesen aller Dinge angeht, aber nur noch dieses Wesensprinzip darstellt und weitergibt. Ebenso ist es mit allen menschlichen Gesellschaften, bis zum König, Kaiser, der das Prinzip eines Reichs, eines Staates verkörpert und am Leben hält.

Als Arbeitsteiligkeit ist dieses Prinzip einfach verständlich: Je differenzierter, spezialisierter die (unteren) Teile sind, desto wesentlicher wird das je höhere, bis zum Zentralprinzip, das alles zu einem Ganzen fügt. Aus diesem Zentrum erhält alles seine Bedeutung. Kultur bedeutet also nichts anderes als das je weitere Ausfalten einerseits, das wiederum nur möglich ist, weil es in ein immer größeres, umfassenderes, "gerechteres" Ganzes eingefügt ist.

Der Weltaufbau versteht sich also hier als komplexere, höhere, einfachere Gestalten, Dinge, dort niedrigere, in ihre Vielfalt sich aufspaltende. Das Verhältnis der Einzelteile zueinander, ihre Bedeutung, bestimmt sich also vertikal aus der Hierarchie. Zerfällt das Zentralprinzip, löst sich alles in Bestandteile anderer Art und Bedeutung auf. Der Mensch als Beispiel zerfällt nach dem Tod, der nur "ein" Tod ist, also nicht der einzelner Teile, in alle möglichen Elemente, die zuvor in einem Fleisch/Leib zu Einem geeint waren. Hierarchie und Teile bedingen einander, bringen aber auch einander hervor. Wobei das je höhere Prinzip das je erstere, wichtigere ist, und je mehr Abstrahiertes als seine Wesensart in sich enthält. Es ist mit den je unteren niemals gleich, es transformiert diese in eine andere Art.

Der Schlüssel der Kommunikation der Ebenen untereinander liegt jeweils in der Grenze, die zwischen ihnen liegt. Denn in dieser - oder: als diese - werden die Dinge transformiert. In den Formenübergängen ist jeweils die niedrigere Gestalt in der höheren (abstrahierter) enthalten, oder umgekehrt, geht die niedrigere aus der höheren (bzw. deren Tod) hervor, aber gleichfalls anders, in anderer Bedeutung.

So ist die Vielfalt der Dinge aufeinander zugeordnet, einerseits, und ist innerhalb dieser Vielfalt hierarchisch gegliedert. All das läßt sich in der gesamten Natur ausgezeichnet beobachten.

Damit ist aber auch klar, daß ein "Überspringen" von Stufen dem Wesen der Dinge zuwider ist. Denn ein (sagen wir) zwei Stufen über einem Ding A befindliches anderes Ding D hat die um zwei Stufen abstrahiertere, transformierte Art von A, aber eine transformierende Grenze zu Ding A selbst nicht. Es braucht die dazwischenliegenden Stufen, um mit Ding A in Kontakt, in derselben Welt und jeweiliger Bedeutungsebene - mit jeweils konkretem Sinn - zu sein. Auch die anorganische Natur, ja das ganze Weltall ist in einer solchen Stufenordnung zueinandergerichtet, baut sich auf - und keine Stufe kann übersprungen werden.

Die Art der Hierarchie, die Weise ihres Wirkens, definiert sich wiederum aus der Wesensart und Bedeutung des Geordneten. Insofern kulminiert es in Papst  und Kaiser (König, Präsident, etc.), als Zueinanderordnung, einem Kreuz vergleichbar. Denn die gesamte irdische Vielfalt, vom Kieselstein über die Steinrose und den Flottelhabicht bis zum Bauern und Bürgermeister und Landeshauptmann, kulminiert im irdischen Prinzip, dem Kaiser. Das jedes dieser Einzelteile und -stufen aber wieder durchpulsende Prinzip, das diese überhaupt erst zu Einzelteilenmacht, ist durch den Papst (in den den Ebenen je zugeordneten Bischöfen, Dechanten, Pfarrer, etc.) verkörpert. Eines kann also das andere nicht ersetzen, keines dieser Geist-Welt-Abstrakta ist weniger wichtig, aber je anders.

Je höher die Stufe, desto mehr wird also das Prinzip eines Organismus als "an sich" bedeutender, und kulminiert in den Vertretern dieser Stufe.

Das, was diesen Wandel, diese Transformation bewirkt, ist nicht in dem einen, und nicht in dem anderen enthalten - es ist also transzendent, es ist ein Drittes, ein Transzendentales. Das, was Heraklith dem Feuer, dem Kampf als Ergebnis zuschrieb. Es ist kein simples "Funktionsprinzip", es ist ein Art-Prinzip: In der Selbsttranszendenz einer Stufe nimmt diese am höheren teil.

Prinzipiell haben je hierarchisch aneinandergrenzende Stufen ein und dieselben Grundstrebungen - in ihrer Aktivität den Austausch mit der oberen Grenze (auch hier aber: in einem Sterben), um am je Höheren teilzuhaben, in seinem Sterben als Verlust der Kraft zum Selbstsein das Absinken zur unteren, auch hier bis zum Tod, der immer ein Tod eben jener Stufe des momentanen Selbstseins ist.

Übertragen wir das ganz naiv (aber als Analogie richtig, weil es ein ähnliches, strukturell gesehen beide erfassendes Geschehen ist) auf die menschliche Gesellschaften, so zeigt sich, daß zwischen dem König und dem Bauern kein Berührungspunkt, keine Artgleichheit (wie oben zu verstehen) besteht. Denn das Menschsein läßt sich ja ohne Begrenztheit genauso wenig denken, es hat immer Gestalt, und es hat immer einen Platz in einer Gesamtordnung, eine Stufe, die es einnimmt - einen Sinn, eine Bedeutung.

Auch umgekehrt wird der Bauer nicht gehoben, indem er Stufen überspringt - und zum Kaiser geht. Er wird an diesem nicht mehr, sondern gar nicht mehr teilhaben können, weil er "entartet", seiner Art nicht gemäß handelt. 

Es braucht somit für den König den Kanzler, der den Minister, der den Beamten, und erst zwischen dem Beamten und dem Bauern besteht wieder jene Übergangsnaht, von der hier die Rede ist. Hier besteht natürlicher Wirkzusammenhang.

Nichts anders ist in der societas perfecta nachgebildet, der vollkommenen menschlichen Gesellschaft. Und zwar vom Papst über die Bischöfe, diese über die Priester, zum Gläubigen, haben erst so alle die Teilhabe an dem einen Ganzen, das in sich jede Stufe zu einem ganzen macht genauso, wie es der weltlichen Stufe einerseits quer steht, anderseits ihr diese Ausprägung ALS Art als Prinzip vermittelt.

Das, was ein Papst, der twittert (oder ständig in der Menge badet) macht, ist also keineswegs päpstliches Wirken. Es ist ein artfremdes seltsames "Etwas", das unruhig bleibt, weil es alle Stufen überspringt. Es fehlt der "Transformationsort", die Grenze - die im "Ritual", im "Zeremoniell" zum liturgischen, tänzerischen Berührungsort wird. Die rituelle, zeremonielle Formel enthält jeweils diesen Transformationsknoten, und entspricht dem Inhalt des Transformierten ("verdaulich gemachten"). In jenem Spiel, wo eins dem anderen begegnet, um sich mitzuteilen, und sich wieder zu entfernen. Ein Spiel hört wieder auf.

Deshalb hat jede Stufe ihre Rituale, in denen sie sich selbst repräsentiert, abstrahiert, zusammenfaßt, und in diesen Ritualen begegnet sie den jeweiligen angrenzenden Stufen, um sich mitzuteilen - in eins zu fügen, eins zu werden.

Inadäquate Stufenbegegnungen stehen damit auch nicht in einer Zueinanderordnung des Höheren zum Niederen - sie stehen in GAR KEINER Zueinanderordnung, das Zentralprinzip wird zu "nichts", löst sich ins Einzelne auf.

Genau so wie ein Präsident, der am Würstelstand sein Abendessen einzunehmen pflegt (will man es nicht als liebenswürdige ansehen, als vereinzelte Sonderheit, die das ja genau deshalb ist, weil es nicht artgemäß ist, was jeder nur solange und deshalb weiß, als das Prinzip sonst stark dargestellt wird.) Er schwächt das Staatsprinzip, reduziert damit den Staatsorganismus auf seine ent-ordneten Restfunktionen, enthebt die Menschen und ihr Tun ihrer Bedeutung, worauf ein Kampf dieser Menschen untereinander einsetzt, weil niemand ohne Stufe, ohne Bedeutung, ohne Sinn ÜBERHAUPT leben kann - die Einheit geht verloren.

Je höher die Stufe, desto reiner stellt sie das grundlegendste, abstrakteste Wesen von allem dar. Ihre Art der Bewegung - das Ritual, das Zeremoniell - stellt alles in seinen Prinzipien dar, was in seinem Organismus lebt, hält es in allen durch deren Teilhabe lebendig, erweckt es gar. Die Auflösung, die Nichtung des Höheren, Ganzen schwächt oder nichtet also das Prinzip der Teile.

Im Versuch, es etwas zu illustrieren: Ein Wasserrohr in einem Atomkraftwerk hat eine andere Bedeutung - obwohl es in beiden Fällen "nur" Rohr ist - als in einem Gartenbrunnen. Das Brunnenrohr kann zwar entfernt, der Brunnen inaktiviert und das Rohr in einem (aktiven) Atomkraftwerk verwendet werden, nicht aber umgekehrt. Seine Bedeutung, das Ritual, in dem damit umgegangen wird, ist in beiden Fällen unterschiedlich. Sie definiert sich aus dem Wirkkreis des Ganzen, in dem es Teil ist.



Teil 2 morgen) Entweder nationalstaatlich - oder gar nicht





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Sonntag, 23. Juni 2013

Auswirkungen zur Religion (2)

Teil 2) Taoismus - Die Religion unserer Zeit




Daran zeigt sich, wie scheinbar klein oft die Weichenstellungen in den Philosophien und metaphysischen Konzepten auch der Weltreligionen sind, die in ihren Konseqenzen aber zu völligen Unvereinbarkeiten führen. Und sie sind logische Fehler, keine willkürlichen Auswahlen, die sich aus persönlichen Neigungen und Unfreiheiten (oder: Freiheit) ergeben und in eine völlig andere Praxis münden. Die Haltung zur Welt im Taoismus ist grundverschieden von jener des Christentums, es ist sinnlos, christliche Anschauungen zu unterlegen. Denn da "vereint" sie nichts. Da trennt es sich, und zwar schon in den allerersten Anfängen, den allerersten Grundgedanken.

DIESE, die allerersten metaphysischen Konzeptionen, auch im indischen Denken genauso wie im chinesischen, sind in vielem tatsächlich nahezu deckungsgleich mit der jüdisch-christlichen Sichtweise. Aber sie scheiden sich historisch nachvollziehbar, und werden (je nach Strömung) mehr oder weniger unvereinbar. Jene Haltungen, die im Europa so Mode geworden sind, die da meinen, es wäre in einem noch übergreifenderen Sinn alles vereinbar, irren auf groteske Weise, denn sie setzen diesen Konzeptionen eine vermeintlich überlegene Konzeption entgegen, die aber meist sogar schon bei oberflächlichstem Blick lediglich verabsolutierte Teilkonzepte aus solchen (auch logisch nachvollziehbaren) Fehlwegen sind. Hinter denen menschliche Haltungen, Lebenshaltungen stehen, so wie hinter allen Konzepten menschliche Haltungen und persönliche Entscheidungen stehen, aus denen auch die Religionen erfließen.

Und wieder wäre es ein Irrtum zu meinen, daraus würde sich die Relativität aller Religionen und Haltungen als mangelnder Wahrheitsanspruch ergeben.

Das Christentum verneint dies nämlich nicht nur nicht, sondern es beruft sich ausdrücklich auf diese Personalität, im inkarnierten persönlichen Gott, ja es sieht im Weltgrund selbst, dem Sein, einen personalen Gott. Und das weiß es nur aus Offenbarung, in deren Licht sich sämtliches weitere Denken aufhellt. Das Tao des Taoismus ist "Wirkung". Der Logos im Christentum ist "Gott". Daraus ergibt sich eine völlig andere Stellung des Menschen als Handelndem.

Komplexer wird die Angelegenheit, wenn man nun sieht, daß der Taoismus eine quasi idealisierte Welt sieht, dergemäß die Welt umgestaltet werden könnte, worauf sie in Harmonie stünde. In der es nichts herumzuwerken gäbe, die nur Schmiegsamkeit verlangte, um der wirkenden Kraft des Tao, dem Te, seinen Raum zu geben. Denn darin trifft sich scheinbar diese kosmische Ordnung mit ... dem Kirchenbegriff des Christentums. Die KIRCHE als ecclesia der Getauften ist exakt diese ideale Gesellschaft, die societas perfecta! Woran der Leser die Unterschiede in den tieferen Gedankenschichten erahnen kann, so er das möchte. Denn am Unterschied im menschlichen Handeln, an der Ethik läßt es sich deutlich erkennen: der Christ hat Gestaltungsaufrag weil Freiheit, ja die Verwirklichung der societas perfecta als Gestalt hängt davon ab, wo der Taoist nur Fügsamkeit kennt und damit Fatalist wird. Die schon erwähnte ganz andere Stellung zur Welt selbst läßt sich darin erkennen: dem Taoisten ist die Welt ein kosmisches Getriebe, das von den Reinheit des Alls ausgeht, dem Christen eine vitale Geschichte mit Gott.

Die Sache wird allerdings noch komplexer. Wenn man nämlich an den Punkt gelangt, an dem die abendländisch-christkatholische Metaphysik letztlich steht, und zwar nicht einfach nur in Thomas von Aquin bzw. der Scholastik, sondern in ihrer sehr aktuellen rationalistischen Philosophie, wie in A. N. Whitehead (bei allen Unterschieden, er landet scheinbar im Pantheismus, am Warum arbeitet der Verfasser dieser Zeilen noch) oder in der Phänomenologie ("Sein als Entwerden") und der Lebensphilosophie: Im Denken von Gott ALS AKT, als actus purus. Darüber wird an dieser Stelle wohl noch einiges zu lesen sein. Denn dabei geht es um subtile, immer streng logische, aber fundamentale Unterscheidungen. Keine nebensächliche Haarspaltereien.

Je tiefer, je früher die Unterscheidungen und Trennungen ansetzen, umso dramatischer wirken sie sich am Ende, im konkreten alltäglichen Leben genauso, aus. Das Problem der heutigen Moderne ist im übrigen gar nicht so sehr, daß sie philosophisch irrt. Das Problem ist, daß sie aufgehört hat, ihre Philosophie zu hinterfragen, sich überhaupt um ihre (bzw. die) Philosophie zu kümmern. Daß sie sich im Grunde von der Philosophie also verabschiedet hat, und nur noch im Bereich der "Meinungen" in blindem, auf praktischen Erfolg abzielendem Sophismus und damit längst irrational agiert. Und dabei meint, rational zu sein. Das macht die Gegenwart zu einer wirklichen Groteske. Aber noch mehr: Hierin kündigt sich das eigentliche kulturelle Problem Europas, ja der Welt ab. Das nämlich die Bedeutung des Konkreten, des Geschöpflichen zutiefst erschüttert hat. Wie sehr zeigt sich auch und nicht zuletzt in der Ähnlichkeit der taoistischen Haltungen zu den Haltungen des Gegenwartsmenschen. Gnade folgt der Natur, sagt die christkatholische Gnadenlehre, ja sie setzt sie voraus. Religion und reale Lebenshaltung sind Zueinandergefüge!





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Samstag, 22. Juni 2013

Auswirkungen zur Religion (1)

Der Taoismus, schreibt Georg Misch in seiner Untersuchung über die historischen Anfänge der Philosophie, sucht, von der geschlossenen Person loszukommen, sie ins All hinein aufzulösen. Als mystische Bewegung sucht er das Band, das die Menschen verbindet, nicht bloß außerhalb der politischen Machtverhältnisse, sondern in einer geistigen Region jenseits der Lebensbeziehungen, die durch die Familie oder durch gemeinsame Interessen und Einzelzwecke gegeben sind. 

Er verneint den Wert der Kultur, an den die Konfuzianer glauben, und schließt in diese Verneinung die Moralität ein, die er als bloßes Kulturphänomen faßt, in einen Gegensatz zu dem absoluten Wert stellt. Während ihn die Konfuzianer der persönlichen und sozialen Moral beimaßen. 

Durch diese negative Stellung zu den gesellschaftlichen Konventionen wurde der Taoismus zum Herd revolutionären Denkens, und zwar förderte er sowohl den Anarchismus wie sein Gegenteil, den totalitären Staatsgedanken.

Er zeigt sich nicht zufällig zu einem Zeitpunkt zum ersten  mal, zu dem sich nicht nur die chinesische feudale Ordnung auflöste, sondern auch die bürgerliche Gesellschaft. Hier errichtet er sein Ideal des Heiligen, der jenseits von Gut und Böse steht, und damit die wahre Herrschernatur darstellt. Liebe ist kein Affekt mehr, der im Konkreten wurzelt und sich darauf bezieht, auch in der Scheidung von gut und böse, sondern ein geistiges Ideal, ein geistiger, vom Konkreten losgelöster, vorgeblich aber alles (abstrakt) einschließender Akt - amor Dei intellectualis, wie Spinoza sagt. 

Damit wird das konkrete Menschsein "schmiegsam", nachgebend, "schwach", "sanft". Was immer einem zustößt, bleibt als Ideal im Heiligen des Taoismus diese abstrahierte "Liebe". Einer Art universaler Sympathie, dem Stoizismus verwandt, die aus philosophischem Gleichmut entspringt, die in der Unpersönlichkeit des Gefühls der christlichen Liebe scheinbar verwandt, aber in Wahrheit entgegengesetzt ist.

Das Tao, der Weg, ist hier die Wahrheit "des Himmels" - ganz anders im Christentum, wo es heißt: "ICH BIN der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich." Der Weg des Christentums ist der durch das Konkrete hindurch, im Konkreten, auch deshalb im Fleisch real, ja die Erlösung zielt auf diese Fleischlichkeit (als Geschöpflichkeit) ab - während der Taoismus das Konkrete aufhebt, für unwesentlich, für bedeutungslos erklärt. Woraus sich natürlich eine völlig andere Stellung des Todes ergibt. Das Tao des Taoismus ist nicht seiend, sondern es ist lediglich wirkend, es ist das Wirkende, das was "am Werk" ist, das All-Waltende, als dynamische Konzeption - nicht personal.

Heißt es im Christentum bzw. in der Analyse der abendländischen Philosophie operare sequitur esse - das Handeln folgt dem Sein -, so wird im Taoismus "das Handelnde" pan(en)theistisch (in der Welt real vorhanden) absolut gesetzt. Das ist ein nur vermeintlich kleiner, aber entscheidender Unterschied zum philosophischen Gleichsetzen von Sein und Gott, aus dem analytisch nachvollziehbar (also nicht als mytische oder bloß bildliche Vorstellung oder als metaphysische These) die Welt zum Gleichnis und in der Teilhabe (und nur soweit) Träger wird, nicht zum Sein selbst. Das Tao ist "etwas für den Gebrauch" (Misch). Vereinfacht gesagt, ergibt sich aus dem rechten Raum für das Tao die Harmonie aller Dinge und Weltenläufte, als Wirkungsweise der Kraft des Tao (dem: Te).

Es braucht nicht viel Schlußkraft, um daraus die utopistische Konzeption des Taoismus zu ersehen, in allen Querverbindungen zu Stoizismus und Gleichgültigkeit hier, zum Totalitarismus und Fanatismus dort. Denn es bleibt nur der historische Mensch in seiner Situation, der dieser Harmonie im Wege stehen kann, die sich in der einen Richtung ins Absolute hinein auflöst, in der anderen Richtung im Konkreten verliert, das er ideal machen zu müssen meint.



 Teil 2 morgen) Taoismus - Die Religion unserer Zeit





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Sonntag, 12. Dezember 2010

Das höchste Gut, das uns gegeben ist

Daß sich bei Herder die folgende Stelle findet, zeugt von der beeindruckenden Einheit des Denkens, das im 17. und 18. Jhd. in Europa noch geherrscht hat. Denn Herder diskutiert es mit Shaftesbury, in Bezug auf Fénelon, dem er nachweise möchte, daß seine Religion sich mit der Spinoza's deckt. Und es geht um die LIebe. Und: wer denn dann liebt, in der reinen Liebe, in der Selbstvergessenheit und Interesselosigkeit.

Ist es denn dann ein Aufgehen in Gott? Ist es ein Hineingehen in den Allgeist, in dem man verschwindet?

Ganz klar nicht, sagt Herder. Und er begründet es recht einfach nachvollziehbar:

"Selbst wenn ich mich, wie der Mystizismus will, in Gott verlöre, und ich verlöre mich in ihm, ohne weiteres Gefühl und Bewußseyn meiner: so genöße ich nicht mehr; die Gotheit hätte mich verschlungen, und genäße statt meiner."

"Die Natur fängt immer vom Einzelnen an ... wer nicht zurückstoßen kann, kann auch nicht anziehn; beide Kräfte sind nur ein Pulsschlag der Seele"

"Zu unserer Seligkeit können wir nie den Begriff unseres Dasyns verlieren, und den menschlichen Begriff, daß wir Gott sind, erlangen .... Das höchste Gut, das Gott allen Geschöpfen geben konnte, war und bleibt eigenes Daseyn, in welchem eben Er ihnen ist und von Stuffe zu Stuffe mehr seyn wird. Alles in Allem."

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Samstag, 2. Oktober 2010

Was begründet

Es ist unsinnig und unwissenschaftlich, schreibt Feuling einmal, die Metaphysik von Fachwissenschaften abzuleiten oder sich darauf zu stützen. Denn sämtliche Fachwissenschaften bauen auf einer Metaphysik auf, aus der sie ihre Fragestellungen formen. Auch ist es ein verkehrter Ansatz, die Metaphysik nach einer Einzelwissenschaft aufzubauen, wie es Descartes und Spinoza nach der Mathematik anstellten.

Die Wissenschaftlichkeit der metaphysischen Erkenntnis besteht in nichts anderem als in ihrer schlichten Sach-Vernünftigkeit.

Fachwissenschaften aber sind unentbehrlich für die Lösung und Stellung von Einzelfragen durchaus metaphysischen Gepräges.

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Auf vier Säulen beruht eine wissenschaftliche Metaphysik:
  1. in der unerbittlichen Gewissenhaftigkeit der Wahrheitsintention
  2. in der Strenge der Begriffsbildung auf Grund sämtlicher Gegebenheiten der Erfahrung in der Außen- und der Innenwelt
  3. in der universalen, radikalen Fragestellung bis zur letzten Fragemöglichkeit des Gegenstandes und aller Gegenstände überhaupt
  4. in der unbedingten Sachlichkeit der Lösungen und daher in der Vorsicht und Geduld im Suchen nach der Beantwortung der gestellten Fragen
***

Fünf Punkte sind es, die den wissenschaftlichen Charakter des Ergebnisses metaphysischer Bemühung bestimmen:
  1. die durchgängige Bestimmtheit aller Begriffe, Fragen, Lösungen rein von der Sache her
  2. das Begründetsein der sämtlichen Ergebnisse in letzten evidenten Sätzen
  3. die Geöffnetheit der gesamten Lehre für die Gesamtheit aller möglichen Probleme, Tatsachen, Begriffe und Methoden
  4. die Ablehnung jeder metaphysischen Behauptung, die nicht mit Evidenz erwiesen ist, sei es als sicher, sei es als wahrscheinlich oder möglich
  5. die durchgreifende Systematik, die alle Erkenntnis unter den schlechthin letzten Gesichtspunkten ordnet und logisch verbindet
 
*021010*

Freitag, 20. November 2009

Dort herrscht die Wut des Volkes

"Dort liegt eine Gewaltherrschaft vor, wo Meinungen, die zum unveräußerlichen Recht eines jeden gehören, als Verbrechen gelten. Wo dies der Fall ist, da herrscht geradezu die Wut des Volkes [...] Läßt sich ein größeres Unglück für einen Staat denken, als daß achtbare Männer, bloß weil sie eine abweichende Meinung haben und nicht zu heucheln verstehen, wie Verbrecher des Landes verwiesen werden?

(Baruch Spinoza, "Theologisch-Politischer Traktat")




*201109*

Mittwoch, 24. Juni 2009

Standortlosigkeit heißt: Erkenntnislosigkeit

Der große Irrtum ist nicht, subjektive Erkenntnis für Unwahrheit zu halten, sondern nicht zu sehen, daß weil der Bezugspunkt (das Objekt) gleichbleibt, die Vielzahl der Sichten ein mosaikartiges Ganzes ergibt. Der große Irrtum besteht darin, eine standortlose (perspektivlose) Wahrheit zu fordern! So schreibt sinngemäß Ortega Y Gasset. "Die species aeternitatis des Spinoza existiert nicht," meint er weiter. [Es kann also nicht um die Ausschaltung der Individualität des Subjekts gehen, sondern um dessen Läuterung: als Öffnung zu seiner Perspektive gegebenen Lichtspiegelung aus dem Erkenntnisobjekt; Anm.] "Jede Kollektiv- und Einzelseele erfaßt die Wirklichkeit von einem Blickpunkt aus, der nur ihr gegeben ist. Wenn verschiedene Menschen dieselbe Landschaft von verschiedenen Punkten aus betrachten, so bedeutet das nicht, daß alle diese Blicke illusionär sind, sondern daß jeder legitim ist." Die Wirklichkeit ist eben immer eine "Wirklichkeit für".

Selbst die Quantenphysik läßt sich so weiter erhellen - die keine objektiven Erkenntnisgegenstände mehr kennt, ja genau das zur Aussage hat. Und Y Gasset zieht sogar tatsächlich auch eine Linie zur Physik, zu Einstein's Relativitätstheorie. Die formal zwar mit der Quantentheorie nicht vereinbar ist, aber wohl genau dort ihre Gemeinsamkeit finden wird.

Die Summierung aller dieser Perspektiven in erstgenanntem Sinn freilich - dort findet sich Gott, meint Y Gasset.

So sei dem VdZ noch gestattet, den Querverweis zum Künstler zu vollziehen - in dem die Figuren (Perspektiven) der Welt lebendig sind.




*240609*