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Sonntag, 12. Dezember 2010

Das höchste Gut, das uns gegeben ist

Daß sich bei Herder die folgende Stelle findet, zeugt von der beeindruckenden Einheit des Denkens, das im 17. und 18. Jhd. in Europa noch geherrscht hat. Denn Herder diskutiert es mit Shaftesbury, in Bezug auf Fénelon, dem er nachweise möchte, daß seine Religion sich mit der Spinoza's deckt. Und es geht um die LIebe. Und: wer denn dann liebt, in der reinen Liebe, in der Selbstvergessenheit und Interesselosigkeit.

Ist es denn dann ein Aufgehen in Gott? Ist es ein Hineingehen in den Allgeist, in dem man verschwindet?

Ganz klar nicht, sagt Herder. Und er begründet es recht einfach nachvollziehbar:

"Selbst wenn ich mich, wie der Mystizismus will, in Gott verlöre, und ich verlöre mich in ihm, ohne weiteres Gefühl und Bewußseyn meiner: so genöße ich nicht mehr; die Gotheit hätte mich verschlungen, und genäße statt meiner."

"Die Natur fängt immer vom Einzelnen an ... wer nicht zurückstoßen kann, kann auch nicht anziehn; beide Kräfte sind nur ein Pulsschlag der Seele"

"Zu unserer Seligkeit können wir nie den Begriff unseres Dasyns verlieren, und den menschlichen Begriff, daß wir Gott sind, erlangen .... Das höchste Gut, das Gott allen Geschöpfen geben konnte, war und bleibt eigenes Daseyn, in welchem eben Er ihnen ist und von Stuffe zu Stuffe mehr seyn wird. Alles in Allem."

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