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Sonntag, 7. August 2022

Des Propheten Pflicht

Es ist für den Propheten selbst schwer zu verarbeiten, und och mehr für sein gesamtes Umfeld, seine Mutter, seine Verwandten, in einer Aufgabe geboren zu werden, die ihn aus dem übliche Spiel der Menschen - grosso modo: Haus bauen, Kidner zeugen, Bäume pflanzen, einen prosperierenden Lebensbetrieb aufzustellen und zu unterhalten, um ihn dann weitergeben zu können -  herausnimmt, und zu einer Rolle der scheinbaren "Sinnlosigkeit" verdammt. Er kann seine Tüchtigkei nicht nachweisen, wie jeder Bäcker oder Versicherungsvertreter im Nachbarort, sondern nahehzu im Gegenteil: 

Er wird auch noch geplagt und geschlagen, weil Gott an ihm ein besonderes Werk der Zurüstung vollzieht. Denn erst dann kann er den Propheten  "brauchen", und dafür braucht er ihn dann auch, wenn dieser der Weltaufgabe seiner eigenen Herkunftsfamilie gestorben ist. Was Gott sogar durch "Versagen", durch "Scheitern" zeigt. Sodaß der Prophet sogar jede weltliche Glaubwürdigkeit verliert, weil sein "Leben" keinerlei Autorität zuerkannt hält. Autorität wie der Lehrer, der Bürgermeister, der Architekt, der Vorarbeiter in der Strrangießerei, der Ingenieur im Grubenbau, die Ärztin im Geriatriezentrum. Wo immer er sich doch ein "gutes Leben" zusammenschummeln will - Gott hebt es mit einer unbarmherzigen Zielsicherheit aus. Also klagt auch der Prophet Jeremia, nicht anders als seine "Zunftkollegen"

Weh mir, Mutter, dass du mich geboren hast, einen Mann, der mit aller Welt in Zank und Streit liegt. Ich bin niemands Gläubiger und niemands Schuldner, und doch fluchen mir alle. Kamen Worte von dir, so verschlang ich sie; dein Wort war mir Glück und Herzensfreude; denn dein Name ist über mir ausgerufen, Herr, Gott der Heere. 

Mittwoch, 27. Juli 2022

Gottes sanfter Atem ist der Orkan der Geschichte

Diesmal greife ich die Lesung zum 21. Juli auf, die dem Buch Jeremia entnommen ist. Denn es beschreibt eine der häufigsten Fehlhaltungen des Menschen: Sich sein Leben sicher, berechenbar, beherrschbar zu machen. Und damit der einzigen wahren Lebenshaltung, der Ausgeliefertheit an Gott, in dem man sich in die Hand Gottes gelegt hat, zu widerstehen. Sodaß das je gegenwärtig Entgegentgretende das Schöpferische sein könnte, das jeden Augenblick in das Zelt des Heiligen stellt. 

Aber was habt ihr, was ihr nicht empfangen habt? Was gibt es, das sein Dasein weil sein Wesen nicht Gott verdankt, und ohne ihn nicht zugrunde geht? So muß unser Denken sich von einer falschen Planungsmentalität losreißen, in der wir nicht vom tragenden Grund ausgehen - dem Einbergen in Gottes Hand - sondern mit aller Kraft an technischer Ablaufplanung festhalten, die uns dann immer mehr zum eigentlichen Lebensfundament wird und doch ein Akt der Vergötzung der eigenen Bilder und damit Erinnerung ist..