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Dienstag, 14. Juni 2022

Nicht WENIGER, sondern-MEHR Autos brauchen wir

    Video auf Tichys Einblick
Das ist wenigstens wieder einmal was Handfestes, was in Tichys Einblick zu sehen ist. Nicht dieses seit Jahr und Tag und in mittlerweile unerträglicher Dichte seriverte, längst abgestandene "Gesellschaftskritik"-Wässerchen, das sich schon ein ganz breites Flußbett gegraben hat, in dem die "Kritik" als schlickiger, lehmverdreckter, ungenießbarer und langweiliger Strom dahinzieht, und mittlerweile so gut wie alles zusammenfaßt, was da angeblich die Zeit analysiert, heißt: "durchschaut".

Neues, Konkretes aber hört man nicht mehr, und in den realen politischen Geschehnissen spiegelt sich ohnehin nichts davo wieder, die ziehen irgendwohin davon, leben wie in einer der mittlerweile zahlreichen Parallelwelten.

Dankbar nehme ihc deshalb zur Kenntnis, was hier gesagt wird. Es geht um eines der vielen Ärgernisse der Gegenwart, den Fahrradverkehr als Hauptdarsteller der so zeitgemäßen Kritik am Automobil, und zwar am benzingetriebenen Automobil. Denn während man den Eindruck hat, daß die Meinungs- und Medienlandschaften, die vollgestellt sind mit Hinweisschildern und Mahnbotschaften, eine Realität wiederspiegeln, tun sie nichts dergleichen, sondern erhöhen nur den Erziehungsdruck. Denn was Elite sein will, das erzieht den schmutzigen, miesen Rest der Menschheit.

Mittwoch, 29. September 2021

Warum der starke Kain den schwachen Abel schlug (2)

Technik, Geld und Liebe. Kain der Eisenschmied, Kain der Hephaistos, Kain der Prometheus. - Damit sind wir bereits bei der Bedeutung von Technik. Denn Geld ist eine Technik, kein "Ding", wie es schließlich auch heute bereits (in dem Gequatsche um dessen "Erhaltung", "Mehrung oder Minderung in der Krise", "Absicherung" etc.) weil im Zeitalter der pathologisch gewordenen Verdinglichung geistiger, rationaler Gedankendinge, Begriffe, Ideen, im Allgemeingebrauch verstanden wird. 

Dabei ist Geld der Begriff für eine Dynamik der menschlichen Beziehung, die sich aus der Weltdarstellung (Darstellung, noch vor Nutzung oder Bewältigung) dem Wesen sozialer Beziehungen gemäß - die Verbindlichkeiten sind: "Schulden", "Ansprüche" - konstituiert. (Also nicht "erfunden wurde, um ...". Darin bestand höchstens in der einen oder anderen konkreten Ausgestaltung Spielraum.)

Wer solcherart aus jeder Ordnung herausgefallen ist, wer wurzellos wurde, der hat nur noch einen Ort, den er betreten kann, und das ist - die Stadt. In ihr ist es möglich, die menschlichen Beziehungen aus der Ordnung des göttlichen Ideenmosaiks, ja des ganzen in der Welt-seins in bloße Nützlichkeiten, Willkürlichkeiten, Wünsche und Funktionen aufzulösen. In der Stadt "funktioniert" alles, der Raum weicht dem Symbol. 

Dienstag, 28. September 2021

Warum der starke Kain den schwachen Abel schlug (1)

Die Problematik des Kain gehört trotz (oder wegen?) kaum verstanden. Dabei ist sie so populär! Wie gut kennen wir die Konstellation, den Neid, der das Böse evoziert, die Flucht, sogar der Kommissar paßt zu einer schönen, dicken Kriminalgeschichte, in der der Täter dann gebrandmarkt und in die böse, chaotische Welt verbannt wird. Raus aus dem väterlichen Landgut, raus aus der familiären Tradition, und gezwungen, ein neues Leben "im Hafen" - wurzellos, und unter ebensolchen Gesellen - zu führen.
Hat das nicht alles seine hinlängliche Logik? Was soll es dabei also noch weiter zu verstehen geben? Naja ... da ist zuerst einmal von Interesse, was weiter mit Kain geschieht. Er wird davongejagt und gründet eine Stadt. Warum eine Stadt? Oder ist sie nicht der Ausdruck der Unruhe des Kain?
Heinz Flügel schreibt, daß "die von Abels Blut getränkte Erde" die Erinnyen, die mit Schlangenhaar bekrönten Rachegöttinnen, die nun beginnen, den Täter in unlösbare Unruhe zu versetzen. Das ganze Leben eines Mörders wird zu einem Zustand der Gehetztheit und Flucht.

Freitag, 3. Juli 2020

Weil es hier keine Indianer gibt

Als er die Bilder zu den Black Lives Matter-Demonstrationen in Wien sah, fiel dem VdZ eine Anekdote ein, die sich vor über zwanzig Jahren ereignete. Damals lebte und schrieb er in einer großartigen Terrassenwohnung über den Dächern Wiens, und genoß, wiewohl eigentlich in einer Millionenstadt, ein fast dörfliches, provinzielles tägliches Schauspiel auf den Straßen. Das hat wohl immer den Charme Wiens (und gewiß nicht nur Wiens) ausgemacht, daß man zwar einerseits Sitz und Herz eines großen Reiches und großer Ideen war, daß aber andererseits das Lebensumfeld eines Dorfes der Wiener hatte. 

Wien hat seine Lebensqualität, deretwegen die Stadt so gerühmt wurde, den zahllosen kleinen Räumen zu verdanken, die es dort gab. Den Grätzln, den Kleinbezirken, wo sich jeweils einige Straßenzüge, die sich irgendwie um ein Zentrum gruppiert hatten, in zahllosen Kleinigkeiten, Gebräuchen, Sitten, Sprachwendungen und Sprecheigenheiten voneinander so markant unterschieden, daß der eingefleischte Wiener schon am Aussehen, an der Gestalt und am Zungenschlag auf der Straße genau wußte, woher der Gegenüberstehende stammte. 

Die Wiener waren nicht "in Wien" verwurzelt, sondern in ihren Grätzln und Straßenzügen, in ihren wirklichen Lebensräumen. Noch einmal, das ist freilich nicht nur in Wien so (gewesen), das ist in allen Städten der Welt (gewesen), sonst wäre es nirgendwo lebenswert (gewesen). Das Universalistische, Abstrakte vermag nie zu verwurzeln, sondern es läßt des Menschen Seele leer und bodenlos, und deshalb auch so gefährlich, als Fremdes, das das je Eigene verdunkelt und zerstört, wo es noch wäre. 

All diese unzähligen Kleinräume waren auch voll mit Sonderlingen und Eigentümlichkeiten, die oft genug zum Schmunzeln anregen konnten. Sie machten auf jeden Fall ein Klima der Liebenswürdigkeit sichtbar, um das man weinen muß, denn es ist mehr und mehr verschwunden. Ja, es wird seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und im 20. Jahrhundert in größenwahnsinnigem Lebensbemächtigungswahn sogar gezielt zerstört - "umgestaltet" - worden.

Aber noch vor zwanzig Jahren fand man solche Eigentümlichkeiten. Auch auf den Straßen in jenem Wiener Grätzl in einem Bezirke "über der Donau". Nicht weit von jenem Kirchenbau entfernt, der als Kathedrale und Bischofssitz für eine vor hundertfünfzig Jahren unausbleiblich scheinende Teilung der Stadt und des Erzbistums angedacht und zu bauen begonnen worden war. Den man dann aber in einem Ernüchterungsschub zur Pfarrkirche reduziert hatte, die noch heute ihre ursprüngliche Sendung erahnen läßt. Und sei es durch den Platz, auf dem sie steht, und der eine geistige Größe vermittelt, der es heutigen Stadtplanungskonzepten so bedauerlich fehlt. 

Zum Alltagsbild dort, jedenfalls, gehörte auch ein damals schon älterer Mann, der mit seinem Schäferhund, der neben ihm hertrottete, seine täglichen Spaziergänge (oder soll man sie Inspiziergänge nennen?) unternahm. Sein braunes, schulterlanges, glattes Haar begrenzte er mit einem Stirnband, dessen Muster schon erklärte, warum man ihn "den Indianer" nannte. Diese Identität war kein Spott, sondern offensichtlich von ihm selbst so gewählt und gewollt, und seine Kleidung, sein Habitus ordnete sich entsprechend. Genauso, wie sein Alleinsein. Wie gesagt, es war nichts von Spott dabei, ursprünglich, wäre nicht seine Bemühtheit, sich als "Indianer" in jeder Hinsicht zu präsentieren, diese typische Tautologie des Narziß, der sich selbst spielt, aber nie ist, was zu sein er vorgibt. Und es versuche mal jemand, der in Wien - und das heißt immer: in einem Grätzl - geboren ist, "zum Indianer zu werden". Der wird bald sehen, wie (naiv gesagt) schwierig das sein kann. 

Dem VdZ ist es nie passiert, aber es wurde ihm zugetragen, daß es auch wenig Erfreuung enthielt, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Denn dieser Urwiener hatte eine Agenda, und das war die Sorge um die Indianer. Nun, es ist gewiß nicht so leicht, im alltäglichen Brotkaufen, an den Arbeitsstätten, in der Obsorge um Kinder, Weib und Hund auch noch Herzensraum für die Problematik eines Oglalla zu schaffen, dem man ein Stück Prärie heimtückisch abgeluchst hat, so tragisch oder furchtbar da vieles auch gewesen sein mag. Aber kein Wiener muß Sorge haben, daß er sein Seelenheil verfehlt, wenn er sich nicht dafür interessiert. Oder nicht über eine Petition an den US-Kongreß in Washington die Herausgabe eines Stückes Wald in Minnesota verlangt, das in der üblichen Art und Weise - dem Vertragsbruch, der meist einfach ein heimtückisches Unterlaufen von Vereinbarungen war, die in perfider schizoider Taktik der Sprache und damit der Vernunft entzogen wurden - im Jahre 1878 "unrechtmäßig" dem dortigen Cheyennevolk gestohlen wurde. Nein, zum Wiener-Sein gehört nicht unbedingt, sich dafür interessieren zu sollen, ganz gewiß nicht.

Anders für jenen einsamen Wolf. Der zwar jede menschliche Gesellschaft zu meiden vorgab (dabei sich, eiderdautz, umso eifriger als lebendige Botschaft genau an jene gemiedene Gesellschaft verstand), aber eines Tages doch zu einem von der Bezirksleitung arrangierten abendlichen Umtrunk einfand. Der Anlaß ist dem VdZ entfallen, oder kannte er ihn schon damals nicht einmal, denn er war offenbar so unwesentlich, daß er keiner Erinnerung wert war. 

Selbstverständlich war der Bezirksvorsteher - dem Range, der Stellung, der Befugnis nach einem Bürgermeister in einem beliebigen sonstigen Ort in Österreich gleichwertig - dabei. Denn wer läßt schon solche Gelegenheiten aus, sich dem zukünftigen Wähler (und Demokratie nach heutiger Praxis heißt praktisch immer im Zustande einer Vorwahl zu sein) als leutselig und sympathisch zu präsentieren. Was meist als "Mann wie Du und ich" interpretiert wird. Übrigens auch das ein schwerer Fehler, ja in Wahrheit eine Lüge, die niemandem verborgen bleibt, niemandem, schon gar nicht dem potentiellen Wähler.

Und vor allem als jemand, den jeder Bürger in seinen Anliegen ansprechen darf und sogar soll (angeblich), um dann zu beweisen, wie tatkräftig der Mann doch sein könne. Wie sehr er sich für die Sorgen und Nöte der von ihm regierten Menschen interessiere, wie sehr sie ihm ein Anliegen seien.

Dieses "ich tue etwas für die Leute" ist ja überhaupt das Mantra, unter dem jeder antritt, der ein Amt per Abstimmung anstrebt, es ist DAS Kriterium. So sehen es offenbar die Kandidaten, so sehen es noch mehr die Wahlstrategen und Werbeagenturen: Gewählt wird, wer am meisten verspricht, daß sich für den einzelnen Wähler die Stimmabgabe zähl- und meßbar rechnet. Weil er etwas für einen tut. Also ist jeder Kontakt auch bereits Gewählter (in der perennierenden Hoffnung, wiedergewählt zu werden) zu ihren Wählern oder Hoffentlich-Wählern ein permanentes Versprechen: Ich tue etwas für Dich, ich tue etwas für jeden.

Unser Indianer mußte genau dieses Versprechen im Kopfe gehabt haben, und er mußte daran glauben, als er sich nicht nur entschlossen hatte, diese abendliche Veranstaltung zu besuchen, sondern sich immer näher an den Vater der Gemeinde durch die dicht stehenden Menschen durch- und an besagten Mann heranarbeitete. Um ihm endlich gegenüberzustehen. 

Er baute sich auf, und blickte dem bald verlegen wirkenden Gemeindevorsteher fest in die Augen. Wohl so, wie es Winnetou selbst gemacht hätte, das wußte ja jeder, der die Karl May-Verfilmungen kennt, und damals kannte die sicher jeder Mann (der einmal Bub gewesen war).

Herr Bichlowetz, hub er mit fester Stimme an zu sprechen, darf ich Sie in einer wichtigen Angelegenheit etwas fragen?
Der Angesprochene faßte sich wieder, räusperte sich, und legte dem Indianer die Hand auf seine Schulter. Na selbstverständlich, stieß er nun aus. Wo drückt der Schuh?
Herr Bichlowetz, der Indianer wiederholte die Anrede, wohl um den Nachdruck zu erhöhen, mit dem er sein Anliegen präsentieren wollte. Ich habe die Frage an Sie ...
Der Angesprochene neigte sein Haupt, als wollte er den Bürger noch väterlicher ermuntern, ihm seine Worte gewissermaßen ins Ohr zu träufeln, auf daß sie dort umso leichteren Zugang weil Abfluß nach unten, ins Herz, finden mochten. 
... habe die Frage an Sie ...
Ja, bitte, wo drückt der Schuh? Bichlowetz lächelte nun, denn auch die übrigen ihn Umstehenden zeigten ein überlegenes Schmunzeln.

... also: Warum tut die Gemeinde nichts für Indianer?!

Einen Augenblick war Stille. Der Gemeindevorsteher wirkte reichlich verblüfft. Seine Verdutztheit zeigte die Unterlippe, die ihm mitsamt dem Kinne so nach unten rutschte, als wollte es jenes noch überholen. Wer ihn kannte, der wußte was das hieß: Der Bürgermeister dachte nach.

Und mit Erfolg. Als hätte ihn die Erleuchtung gestreift, huschte ein Lichtstrahl durch sein Gesicht, und der zog auch Lippe und Kinn wieder nach oben. Mit einem Wort: Bichlowetz straffte sich. Dann hob er zu sprechen an.

Weil es hier keine Indianer gibt. 

Was das mit dem Demonstrieren von sagenhaften fünfzigtausend Wienern zu tun hat, die mitten in Wien ein Beendigen des Rassismus gegenüber Schwarzen verlangten, ist dem VdZ freilich jetzt entfallen. Das Einzelne hat das Allgemeine, Verbindende, die Idee sohin, gewiß erdrückt.
Na, dem Leser fällt es möglicherweise leichter, jenen Zusammenhang herzustellen, der den VdZ wohl bewogen haben mochte, beim Sehen des Einen die Erinnerung an jenes gehabt zu haben.

Übrigens, so nebenbei: In diesem dem VdZ zugetragenen Geschichtlein fehlte bemerkenswert jede Aussage, was mit dem Indianer dann geschehen sei. Vermutlich ist er auf geheimnisvolle Weise verschwunden. Zumindest würde das einem Dschingacscook oder Winnetou entsprechen. 



*270620*

Donnerstag, 26. März 2020

Ein kurzes Aufblitzen von Vernunft

Eine interessante Stimme zum Niedergang der SPD erhielt in Tichys Einblicke Gehör. Der wegen persönlicher Intrigen aus der Partei ausgetretene Essener Stadtrat Karlheinz Endruschat gibt hier seine Meinung kund. Die Sprengkraft nur dadurch erhielt, als sie einem gewissen Einbruch des Wirklichen Raum ließ. So daß etwas wie Vernunft durchs Gewebe blinkt. Und die ist der größte Gegner der Decke der Ideologie, die sich so lückenlos über unser Land gebreitet hat. Auch wenn die Treue zur SPD anzeigt, daß nicht die Vernunft an sich, sondern lediglich das momentan an der Vernunft Nützliche angenommen wird. Der Moment also, wo sich die Böcke von den Schafen trennen. 

Das Endurteil vor Gott wird aber nicht aus Nützlichkeitsmomenten getroffen, sondern aus der Grundentscheidung. Das Gute ist nicht das Nützliche! Sondern "gutes Handeln" ist ein Handeln aus dem Sein heraus, auch wenn das Handeln selbst unvollkommen und mangelhaft ist. Das weniger Mangelhafte eines Handelns ersetzt also nicht das Gute. Sondern solches Handeln bleibt dann leeres Bemühen.
Aber lassen wir das, kehren wir zu einer anderen Disputebene zurück.

Im Grunde ist alles an der Kritik an der SPD (es trifft größtenteils auch für die SPÖ zu) bekannt, aber er faßt es gut zusammen. Erstaunlich klar wird in diesem Interview der genuin christliche  Impuls erkennbar, der einst hinter allen sozialrevolutionären Bewegungen stand. Wie immer bei Häresien, also bei falschen Gewichtungen (die immer aus einem Mangel an Verständnis des Zentralen entsteht) von Teilaussagen eines Anschauungsgebäudes, wird diese Häresie irgendwann zum Todfeind der Herkunftslehre. Wie beim Sozialdemokratischen bzw. beim Sozialismus, der die (richtig verstandene) Freiheit des Menschen eines Effekts willen beschneidet, weil die Verankerung des Seins in der Vorsehung Gottes unbegriffen bleibt. Ihm bleibt fern, daß erst aus dieser Offenheit für das Spiel Gottes das Schöpferische der Welt erwächst. 

Woran man so etwas aber auch in anderen Weltanschauungen erkennt (die sich formell aber noch als unterschieden von der Sozialdemokratie bezeichnen, wie es bei der CDU oder ÖVP der Fall ist, sich aber im Kern nicht mehr unterscheidet) ist der Umstand, daß dort besonders gern von "nötigen Innovationen" (usw.) gefaselt wird.
Zum Abschluß ein Zitat aus dem Gespräch mit Endruschat:

Werden diese Probleme von den Bürgern bei Wahlkämpfen angesprochen?

In den betroffenen Stadtteilen ist das, was ich sage, eine Binsenweisheit. Das Problem ist eben, daß die Politik der SPD aus den wohlhabenden Stadtteilen heraus gemacht wird. Da leben auch diejenigen, die Posten und Funktionen in der Partei haben. Man könnte den Eindruck bekommen, daß die Partei sich für Stadtteile wie Altenessen gar nicht mehr besonders interessiert. Man hat wohl irgendwann entschieden, vielleicht auch nur informell, daß man diese Stadtteile mit den Problemen der Zuwanderung belasten will. Und das schlechte Gewissen entlastet man, indem man Dekorationen schafft, wie mal eine Grünanlage. Aber die eigentlichen Probleme dieser Stadtteile im Niedergang nimmt man nicht auf.




Freitag, 10. Januar 2020

Verführung einer Volkswirtschaft zum Selbstmord (2)

Teil 2) Die Anmerkung



*Die Geschichte beweist, daß eine gut gebaute Monarchie dem Einzelnen, vor allem dem Kleinen bei weitem mehr Einfluß auf die Gestaltung seiner Lebensvollzüge zukommen läßt. Allerdings fehlt uns das Wesentliche einer Monarchie bereits, sie wird das vorhandene System also nicht ablösen können: Die in der Religion geeinte Volkskultur, soziale Organisation in verwurzelten Gefügen. Eine Monarchie kann deshalb auf ein System wie das unsere nicht mehr "aufgesetzt" werden. Sie wird sich aber, das ist absehbar, auf der Grundlage von Clans (Großfamilien) als Vielzahl von Parallelorganismen (ähnlich dem gewesenen Feudalsystem, dem natürlichsten Graswurzel-System einer Gesellschaft und nach wie vor die einzige, wirklich tragende soziale Organisation, die bei uns nur verborgen, aber um nichts weniger präsent ist) neu konstituieren. 

Und sie funktionieren nach realer, faktischer Macht, und bringen deshalb die Geburtswehen einer neuen Gesellschaft eines neuen Volkes zum Vorschein.

Deshalb muß sich in den großen Städten, den größten Schwachpunkten unserer Völker, der Machtwechsel am deutlichsten, sichtbarsten und schnellsten zeigen. Denn sie sind seit je Flucht- und Sammelpunkte Entwurzelter, die allem Heraufkommenden hilflos ausgeliefert sind, können selbst aber diese Verwurzelung nicht - nicht dauerhaft - schaffen. 

Selbst wenn das theoretisch möglich wäre, aber an der Praxis, dem anfälligen Menschen, bei ausreichendem Realismus betrachtet scheitert weil scheitern muß. Weil Städte aus ihrer eigenen Logik heraus, gebrochen über den Menschen wie er ist, dazu tendieren, zur Maschine zu werden.


Nachtrag) Ein Sittenbild der Verflechtung von Wirtschaft und Politik, die zu einer Phantasieblase von "Wirtschaft" führt, die den Steuerzahler Milliarden kostet, direkt, von den indirekten Folgen wollen wir gar nicht reden, liefert ein Artikel auf Achgut. Anlaß sind die Gerüchte um die Errichtung einer Fabrik für Batterien und E-Autos durch Elon Musk bei Berlin. Der wie ein Aasgeier riecht, wo es Abholstationen von Steuergeld gibt, und dessen "Tüchtigkeit" wohl nur darin liegt, genau so dumm und sittenlos zu sein wie viele Politiker.

Nachtrag 2) Wie fern der Realität ist, was sich derzeit zu einem immer gefährlicheren Teil unserer Volkswirtschaften aufbläst, zeigt der Fall eines kürzlich in Tirol verunglückten Tesla-Autos. Offenbar hat sich selbst bei Tesla niemand darüber Gedanken gemacht, was mit einer der dort verarbeiteten Batterie bei Unfall bzw. Zeittod geschehen soll. Aber auch sonst weiß niemand, wie mit dem hochgefährlichen Chemiegemisch einer solchen Batterie (die 600 kg wiegt) verfahren werden soll.




Mittwoch, 20. November 2019

Die Revolution beginnt mit der Lebensführung

Sex aus den Städten. Schon vor dem Ersten Weltkrieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg stärkere Repression, zurück zur Idealfamilie (wie im Viktorianismus), neue Formen in den Vororten (social engineering) - TV, Pornokonsum. Verborgenheit! Die sich dann den Weg auf die Straßen gebrochen hat.

Das Thema wird in unseren Ländern kaum beachtet, und hat doch so große Bedeutung, und wird deshalb nicht ausreichend reflektiert. Das ist in den USA und vielen anderen Kulturkreisen ganz anders. Wo es eine breite Debatte dazu gibt. Wo man sich des Problems viel gewisser ist als bei uns. Wo selbst rechte Kreise erstaunlicherweise die Liberalität akzeptieren, ja sogar als Kulturbestandteil erhalten wollen oder (wie in der Auseinandersetzung mit dem Islam) fordern. Dabei ist es die abendländische als genuin katholische Welt, die um die Bedeutung der Laster und Leidenschaften auf die Vernunft wußte und wissen müßte. (Das im Netz abrufbare Video ist dazu geeignet, die Bodenständigkeit dieses Wissens zu zeigen, es sei empfohlen.)

Der britische Autor Leif Jarram sieht die sexuelle Revolution in der Charakteristik des 20. Jahrhunderts begründet, wo es zu einer Konzentration des gesellschaftlichen Lebens unserer Völker auf die Städte kam. Ausgangspunkt war die Eingliederung der Frauen in das Erwerbsleben, die ihre Stellung nachhaltig veränderte. Jarram spricht sogar von einer stillen Revolution, die in der Veränderung der Lebensführung begründet war. Und sich in entscheidenden Ereignissen und geschichtsverändernden Sprüngen dann erst räumlich und in Personen verankern läßt. Unsere Sichtweise der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ist also mangelhaft.

Man übersieht etwa, daß es die Frauen aus den metallverarbeitenden Industriebetrieben von Sankt Petersburg waren, die 1905 vor den Zarenpalast zogen, um für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu demonstrieren. Die ein neues Selbstbewußtsein aufgebaut hatten. Das Bild von der Familie, wo die Frau als Heimchen am Herd steht, war damit (sic!) schon damals zusammengebrochen. Genau diese Frauen waren es dann auch 1917, die die eigentliche Revolution im März durchführten. Diesmal aber baten sie nicht mehr, sondern sie forderten, daß der Zar diese Schritte durch Eingriffe in die Duma einleitete. Die Kosaken, die diesen Aufstand niederschlagen sollten, weigerten sich, auf Frauen zu schießen. Ihre Befehlsverweigerung war dann der direkte Grund, warum der Zar am nächsten Tag zurücktreten mußte. Denn ihm fehlte nun die militärische Gewalt, um sich an der Macht zu halten.

Es ist sehr verlockend, die Geschichte des 20. Jahrhunderts auf Personen wie Hitler oder Mussolini, Gruppen wie Gewerkschaften, Parteien wie Kommunisten oder Nationalsozialisten, Ideologien und Bewegungen zu reduzieren. Sie alle hatten nur deshalb eine Chance, weil sie ein Volksbewußtsein ansprachen, das über die veränderte Bewußtseinslage der Frauen in den Völkern bereits lebte.

Dabei ging es den Frauen, die in der Masse unter erbärmlichen Umständen lebten, nicht, aus dem Haus zu kommen, sondern im Gegenteil - es ging ihnen darum, eines zu haben! Und darauf konzentrierten sich dann auch die sozialen Bewegungen der Zwischenkriegszeit, in denen riesige Vorstadt- und Siedlungsringe um die großen Städte gebaut wurden. Häuser, in denen sich die Bedingungen vorfanden, erstmals eigene Interessen zu verfolgen. Und vor allem auch, ihr Sexualleben von dem ihrer Kinder abzugrenzen, es selbst zu entwickeln. Die Möglichkeit dazu gab es nur in Städten, wo es genügend geheime, unüberschaubare Plätze gab, um jedem sozialen Druck zu entfliehen.

Die wirkliche Revolution, schreibt Leif Jarram in "Streetlife - The Untold History of Europe's 20th Century", fand deshalb nicht über die Arbeit selbst statt. Zu Ende des 20. Jahrhunderts arbeiteten Frauen genauso wie zu Beginn in schlechter bezahlten, geringwertigeren Arbeiten, in der Krankenpflege, am Fließband, an Ladenkassen und als Hilfskräfte, daran hatte sich nichts geändert. Verändert hat sich aber, wie und unter welchen Umständen sie persönlich lebten. Es war das, was sie beim Aufwachen am Morgen sahen und sehen, das ihr Leben so entscheidend verändert und bewegt hat, es sind ihre persönlichen Lebensumstände. Indem sie in den Städten festgefügten Ordnungen entkommen konnten, wurde auch ihr Sexualleben entordnet und, von der strengen Bezogenheit auf einen Ehemann entlassen, chaotisch. Es waren, so könnte man es bezeichnen, die Lebensumstände, die sie "aus den Ehen entlassen" haben, wie es im Neuen Testament an einer Stelle heißt.

(Wird fortgesetzt)







Mittwoch, 29. Mai 2019

Dieselbe Methode des social engineering (2)

Teil 2)  Die neuen Städte als Totentanz von Museen mit Müllhalden




Die weiteren Zahlen aus erstgenannter Studie sind nur noch illustrativ und gehen mit der Auflösung homogener, verwurzelter Lebensgemeinschaften, die also keine natürlichen, selbstverständlichen Werte- und Moralgesetze aufweisen, einher. Sie sind auch weltweit gleich. Deutlich steigende Kriminalität gehört dazu. Ebenso die gestiegenen Miet- wie Immobilienpreise, weil die Gesamtbevölkerung der Großstädte eben zunimmt. Mit der Singles-Lebensweise geht eben auch etwas anderes einher: Die absolute Größe der notwendigen Wohneinheiten sinkt, also ist auch eine höhere Miete, ein höherer Kaufpreis pro Quadratmeter möglich. 

Aber wie paßt das mit den Migranten zusammen, die doch vor allem den unteren sozialen Schichten angehören? Herrschaften, muß man das wirklich erklären? Sie erhalten so viele staatliche Zuschüsse, daß sie auch diese hohen Immobilien- und Mietpreise bezahlen können. Oft wird ihnen sowieso von den Obrigkeiten und sozialen Institutionen die Wohnung gestellt. Und es gibt keinen schlechteren Nachfrager als die Obrigkeit, als Menschen, die in keiner persönlichen Verantwortung und Rückwirkungsautomatik stehen, die also mit fremdem Geld "wirtschaften". Wobei die Migranten am offensichtlichsten in Gebiete ziehen, wo sie ethnisch-religiös anverwandte Bevölkerungen bereits vorfinden.

Der Wanderungssaldo ist in praktisch allen deutschen Großstädten (in Österreich ist es sicher nicht anders) gleich: Die Zuwanderung durch Singles und Migranten übersteigt die Abwanderung von ehedem Einheimischen, und dabei vor allem von Familien. Die ziehen weg. Was das in einer Zeit, in der "das Leben" immer mehr nur noch nach Standards geführt wird (und werden muß), die der Infrastruktur einer Großstadt entsprechen, mag sich der Leser selbst fortdenken. 

Aber noch etwas passiert und ist an belastbaren Zahlen nachvollziehbar: Der durchschnittliche soziale Standard, das "Anerkennungsmerkmal" sinkt, weil auch die Erwerbsquote in den Großstädten sinkt. Darin sieht nicht nur der VdZ einen in mittlerer Zukunft ganz entscheidenden sozialen Sprengstoff, den niemand offensiv angeht. Denn Ghettos, Segregation also, auch das ist durch Untersuchungen belegt, lindert diese Reibung. Ein im Vergleich mit Einheimischen "armer" Migrant kann innerhalb seiner ethischen Gruppe trotzdem soziale Anerkennung erwerben. Mischt man ihn aber mitten unter Einheimische, entstehen eindeutig revolutionäre Antriebe, die sich gegen die Gesellschaft des Gastlandes richten. Das Aufkommen eines aggressiven Islam hat genau dort seine Wurzeln. Denn unterlegen im sozialen Wettbewerb, bleibt nur noch die Besserstellung über ein anderes Kriterium: Das der Moral, des religiösen Mehrwerts.

Gleichzeitig weiß man aus Wien, daß viele dieser jungen, akademisch weit überdurchschnittlich ausgebildeten Menschen immer niedrigere Löhne verdienen (Stichwort "Prekariat"). Es gibt lange schon ein Überangebot an Bürgern mit Titeln, die sie mit Ansprüchen versehen, die die Realität nicht erfüllen kann. Auch in diesen Gruppen formiert sich ein revolutionär orientiertes "Akademikerproletariat", das von der Politik (in Städten mittlerweile - ganz im Gegensatz zu früher! - links und linksgrün) sogar gewünscht ist. Samt den abhängigen Schichten, den Migranten. Wenngleich sie sich langfristig damit den Wolf ins Heim holen. Diese Politik ist also gewollt!

Wie kann es dann aber sein, daß andere Statistiken davon sprechen, daß die Kaufkraft in den Städten (Wien, Graz) gestiegen ist? Das hat nur Gründe der statistischen Erfassung. Denn natürlich "steigt die Kaufkraft pro Person", wenn jemand für heute dreißig Quadratmeter Wohnfläche 600 Euro bezahlt, während er vor zwanzig Jahren um dieselbe Summe noch fünfzig Quadratmeter bewohnte. Gleichzeitig sanken Angebote im Preis, die auf diese urbane Bevölkerung zugeschnitten ist - Flugreisen, social media, Laptops, etc. Schon deshalb, weil sich die Struktur der Angebots- und Kauflandschaft verändert hat! Singles, die Young Urban People, gehen auch mehr essen, kaufen weniger Lebensmittel in Supermärkten, und diese aber dann teurer, und der Umschlag (Lebensdauer) erhöht sich. Wer kaum noch selber kocht, kauft, wenn er kocht, eben dann "Bio", ums doppelte Geld wie früher. Bei gleichzeitig steigender Gesamtbevölkerung hat das welche statistischen Auswirkungen? Eben.**

Alle diese Bewegungen waren und sind offensichtlich politisch gewollt und Elemente von "social engineering". Sie lassen sich in den Auswirkungen deshalb klar in politischen Maßnahmen als verursacht beurteilen. So hat sich sogar die staatliche Förderung des Eigenheimbaus für Familien ganz exakt in diese Richtung ausgewirkt. Als in Deutschland, so der Bericht, diese Zahlungen von 2003 bis 2013 reduziert oder eingestellt wurden, kam es zu einer umgekehrten Bewegung: Es kam zu einem Konzentrationsprozeß von Deutschen in den Städten, der Zuzug deutscher Familien in die Städte wuchs. Seit 2014 hat sich das aber wieder deutlich umgekehrt. 

Die Überfremdung der Städte einerseits, die Besiedelung mit wurzelloser, universalistischer, völlig austauschbarer und ortloser "Welt-Bevölkerung" anderseits ist heute kaum noch umkehrbar. Damit aber auch die Entwicklung der Städte hin zu konsumistischen Müllhalden, zu innerlich leeren Maschinen, auf denen teilweise nur Disney-Welten aufgerichtet wurden, während die wirkliche Substanz musealisiert.





**Übrigens stellte der VdZ, der vor zig Jahren über Jahre in einem der "türkischsten Viertel" Wiens wohnte, mit Verwunderung fest, daß die Preise in den dort zahlreich bestehenden türkischen Supermärkten sehr hoch waren. Auch das läßt sich mit der Struktur der Nachfrage erklären: Essen spielt bei diesen Menschen eine weit größere Rolle als andere Produkte, die sie gar nicht brauchen. Daß das Geld dafür nicht ausgeht, besorgt dann das Sozialamt, denn die Arbeitslosigkeit war sichtbar hoch.




*160319*

Dienstag, 28. Mai 2019

Dieselbe Methode des social engineering (1)

Was in diesem Artikel auf Tichys Einblick aus der Feder von Alexander Wallasch dargelegt wird, ist aufgrund seiner Fakten bemerkenswert. Denn es ist Zeugnis derselben Vorgangsweise des social engineering, wie es aus den USA bereits bekannt ist. Wo es nach 1945 das gesamte Land umzubrechen begann, um "Amerikaner zu schaffen". Als neue Kategorie eines positivistischen Identitätsideologems, das die verwurzelte, unbewußt sich bildende, selbstverständlich, auf realer Wertegemeinschaft beruhende Volksgemeinsame unterdrückt. 

Die Vorgangsweise schildert E. Michael Jones in seinem Buch "Slaughter of the Cities". Durch gezielte und geförderte Zuwanderung von ethnisch unbestimmter, der lokalen Identität fremder Bevölkerung, sodaß eine nunmehr "gemischte", ethnisch-religiös nicht mehr einheitlicher oder gar nicht mehr zu bestimmender Bevölkerung wurden die dort bestehenden Lebenszellen aufgebrochen. Die zahlreichen ethnisch-religiösen Entitäten haben sich aufgelöst. Konkret geschah das damit, daß eine Abwanderung der ehedem angestammten, verwurzelten, einheitlichen (beziehungsweise eine Gemeinschaft seienden) sozialen Gruppen aus den Stadtzentren einsetzte. Sie, die allesamt der Kategorie Mittelstand mehr oder weniger zuzuordnen waren, zogen in die Peripherien oder aufs Land. Mit allen Folgen, die sich daraus ergaben: Isolierung in Einzelhäusern, Rückzug auf die Kernfamilie, Verlust der Solidarität, Stärkung des Konsumismus, Stärkung der Rolle der Medien, um noch mit der Welt verbunden zu bleiben, Vervielfältigung des (Individual-)Verkehrs und dessen Infrastruktur.

Das alles wurde mit dem Mantel einer gewünschten "neuen" Bevölkerung rechtfertigend, ja diese neudefinierte ideale Gutheit fordernd, umgeben. Die als Ziel der menschlichen Gutheit umdefiniert wurde: Isolierung des Subjekts. Das nun keine geschlossene Gemeinschaft mehr umgibt, denn Gemeinschaft erfordert Einheit der persönlichen wie religiösen Riten und allen gemeinsamen (alltäglichsten) Wertegefüge. Fortan steht dem Einzelnen nur noch das "große Ganze" - der Staat, die Behörden etc. - gegenüber. 

DASSELBE ist auch bei uns passiert, und die Folgen sind auch hier dieselben. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat es nun in Zahlen erstmals greifbar gemacht. Denn es gibt Zahlen, die diese Vorgänge belegen. Und die auch zeigen, wie deckungsgleich die Vorgänge bei uns mit denen sind, die in den USA abliefen. 

Grundfaktum ist, daß sich seit geraumer Zeit eine Wanderbewegung feststellen läßt, in der die angestammte Bevölkerung (vor allem Familien) aus den Stadtzentren, ja Großstädten überhaupt weg- und in die Vorstädte aufs Land ziehen. Daß dieselben Großstädte trotzdem wachsen, ist dem die Abwanderung übersteigenden Zahlen der Zuwanderer zu verdanken. Diese setzen sich hauptsächlich aus zwei Gruppen zusammen: Einheimische, oft gut (oder sagen wir besser: teuer) ausgebildete Singles, und Migranten aus fremden Ländern und Kulturen. In diesen Städten wiederum bilden sich dann automatisch Ghettos. 

Natürlich ist der Versuch "zu mischen" außer dumm höchstens noch niederträchtig. Denn jeder Mensch will unter seinesgleichen leben! Das nimmt immer eine Dynamik an, in der sich die Auswirkungen verstärken. Ausländer unter sich haben bald keine Motivation mehr, die deutsche Sprache zu lernen oder sich den hiesigen Gebräuchen anzugleichen. Das größte Problem, auf lange Sicht auf jeden Fall ist, daß diese Ghettos der sicherste Weg sind, daß deren Bewohner einen weit niedrigeren sozialen Status erlangen als die angrenzenden "Yuppies" (Young Urban Population).

Akademische Bildung macht intolerant. Gestärkt wird nur die Rhetorik der Toleranzforderung.

Und wie eine ebenfalls vor kurzer Zeit erschienene Studie aus den USA, die The Atlantic veröffentlichte, ergab, und zwar überraschend ergab, sind es keinesfalls die "Rechten", die Konservativen, die Traditionellen, die "intolerant" sind. Sondern anhand hieb- und stichfester Fakten läßt sich aussagen, daß die Linken, die Gutmenschen, die sich selbst als "Tolerante" bezeichnenden, durch überdurchschnittliche akademische Ausbildung zu kennzeichnenden Schichten, die zwar viel von Vielfalt und Toleranz reden - aber GANZ ANDERS LEBEN. Wissen Sie, geneigter Leser, wer in einer kulturell vielfältigen Umgebung am besten durchkommt? Es sind ... die Rechten, also die, die als solche denunziert werden. In konservativen Umgebungen herrscht die größte Vielfalt. Ganz real. Linke - UND Migranten, das haben beide sonst so inhomogene Schichten gemeinsam - bevorzugen aber etwas ganz anderes: Sie suchen Stadtbezirke aus, wo sie UNTER IHRESGLEICHEN sind.*

Niemand lehnt so kategorisch Menschen ab, die NICHT seiner Auffassungen und Ansichten sind, wie die ach so toleranten Linken. Auffallend koinzidiert sogar der Umstand, daß gerade die Schichten, die (öffentlich, medial) am meisten nach Durchmischung und Vielfalt und Toleranz rufen, auch die Schichten sind, die den höchsten Ausbildungsgrad haben. Boston ist dieser Untersuchung nach deshalb der intoleranteste Stadtbereich der gesamten USA. Dort gibt es Bezirke, wo über 90 Prozent der Bewohner mit niemandem etwas zu tun haben wollen, der nicht ihrer "toleranten" Ansichten ist.

Mit anderen Worten: Speziell akademische Bildung macht intolerant - ganz im Gegensatz zur meist kolportierten Behauptung. Und das deckt sich haargenau mit der Beobachtung, daß der heutige Absolvent einer höheren Schule oder Universität in der seltsamen Vorstellung festgenagelt scheint, alles oder zumindest alles besser zu wissen, sobald man nicht zu "seinesgleichen" gehört. Aus der letztgenannten Untersuchung geht eindeutig hervor, daß nirgendwo die Ablehnung einer Auseinandersetzung mit Andersdenkenden so hoch ist wie unter (weit mehrheitlich links denkenden) "Bildungsschichten". Während ebenso eindeutig die Bereitschaft, auch Andersdenkende in seiner Umgebung zu akzeptieren nirgendwo so hoch ist wie ... unter "einfachen" Bevölkerungsschichten. Sie sind auch mehrheitlich konservativ ausgerichtet.

So daß die konservativen Bezirke sich dadurch kennzeichnen, daß sogar innerhalb von Familien (Schwiegerkinder etwa) entgegengesetzte Weltanschauungen real vorkommen. Die tatsächliche Vielfalt solcher Bezirke, mit mehrheitlich "rechter", traditioneller, konservativer Bevölkerung ist teils erheblich größer als in Wohnumgebungen Linker (die zum Beispiel "Demokratisch" wählen, die sich zuletzt als "im Lager von Hillary Clinton" sahen). Gerade in solchen Bezirken mit hoher Vielfalt hatte - auch das ist interessant - bei den letzten Wahlen Donald Trump den deutlich höheren Stimmenanteil.


 Morgen Teil 2)  Die neuen Städte als Totentanz von Museen mit Müllhalden



*Der VdZ hat den Verdacht, daß der herausragendste Grund dafür, daß Linke sich nach außen gerne mit "Migranten" (beziehungsweise "Vertretern der Vielfalt") zeigen, vor allem in der psychologischen Tatsache liegt, daß man sich nirgendwo in seiner Überlegenheit so bestätigt fühlt wie im Umgang mit eindeutig Unterlegenen, für die man vielleicht sogar den Schlüssel zur eigenen "höheren",  vor allem aber "normalen" Welt darstellt. Aber die behauptete Gleichheit existiert nicht, ist ein Luftgebilde. Und wie sollte es anders sein. Es wird nur anders BEHAUPTET. Und eiderdautz, ist nicht "Bildung" heute zu größten Teilen bloße antrainierte Fähigkeit Behauptungen aufzustellen, auch wenn diese der Realität, der empirischen Wirklichkeit widersprechen?




*160319*

Freitag, 24. Mai 2019

Raum als göttliche Ordnung (3)

Teil 3) Wie schon häufig: Die zu Exkursen ausgeuferten Anmerkungen





*Letztendlich beruht Kommunikation sogar auf der Nonverbalität des Gestalthaften. Und damit auf den Raum als Wirklichkeit des Beziehungshaften, der Aussage zum eigenen Wesen in der Begegnung, die sich nur in der Begegnung von Gestalten ans Licht hebt. Rituelles als Tanz der Gestalten, der sich selbst wiederum auf ein Dahinterstehendes, Geistiges, wirklich Wirkliches bezieht, in dem beide sich treffen, das beide umfaßt. (s. u. a. dazu Zubiri: Wesen als Ort! Ort als Wesen.)

²In einer historischen Entscheidung im 16. Jahrhundert haben sich England, Frankreich, Portugal und Spanien verbindlich sogar darauf verständigt, daß jenseits eines gewissen Breitengrades im Atlantik keine Rechtsordnung mehr bestand. In einer Zeit, wo in Europa Staaten ihre Beziehungen bereits zu verrechten begonnen hatten - im sogenannten "Völkerrecht", in dem nur noch der Papst zuständige Schiedsinstanz war. Deshalb mußte auch Rom die Streitigkeiten zwischen Portugal und Spanien im Fall des "Jesuiten-Staates" in Paraguay schiedsrichten. 

Aber das hat seine Ursprünge in diesen uralten Rechtsansichten, in denen sich natürlich noch jede Menge Heidentum mitschleppt, das man im Wesentlichen als "Angstverhältnis" unter Menschen begreifen muß. Vermutlich sogar alle Völker bezeichnen sich in ihrem Namen, den sie sich selbst geben, als "Menschen", alle anderen über einzelne Eigenschaften, oder gar als Nicht-Menschen. Eine Vorstellung, die übrigens Spanien am frühesten (christlich) weiterentwickelt hat, denn Menschen sind prinzipiell alle Völker, und müssen auch so behandelt werden (wenn auch nicht unmittelbar als der "Gemeinschaft zugehörig". In der Entscheidung die Indios betreffend zeigt sich das. Als der Franziskanerpater Las Casas vor Karl V. erwirkte, daß dieser den Indios alle Rechte als Menschen zustand, war das keineswegs eine Selbstverständlichkeit, denn es war nicht klar, ob ein Mensch ohne Kultur überhaupt Mensch war. 

Sie mögen lächeln, werter Leser, so einfach ist das gar nicht, und gerade heute gibt es fatale Tendenzen, diese Feststellung wieder gemäß dem Heidentum zu treffen: In der Abtreibung etwa, in der Euthanasie, oder in der Gehirntoddefinition, wo man überall den Status Mensch von gewisser Aktualisierungskraft abhängig macht. Und die anderen Länder ließen sich damit auch noch viel Zeit. Denn erst wollten sie ja einmal ihren Platz neben oder über Spanien im seit 1492 erst zu ordnenden Raumgefüge erobern, da war ihnen offizielle Anarchie lieber.

Gemeinschaft, damit Vertrauenswürdigkeit beruht auf gemeinsamen Riten, auf vor allem nonverbal selbstverständlich etablierter, kraft persönlicher Verhältnisse (zu denen auch Gesetze gehören) verbindlicher Art des Umgangs miteinander. Wer dieser Ritengemeinschaft nicht angehört wird zuerst einmal mit Vorsicht behandelt, nicht ins Innerste einer Gemeinschaft eingelassen, muß sich erst bewähren, und das ist ein Gebot der Klugheit.

**Im großen Rahmen gesehen ist - rudimentär, aber immerhin - noch die gesamte Millionenstadt auf den Stephansdom als Zentrum ausgerichtet, ja um ihn angeordnet.

³Wenn wir heute keine Stadtmauern mehr brauchen, dann deshalb, weil bereits das gesamte Land in unseren Ländern in die Ordnung der Städte hineinbezogen und damit Kulturland ist. Das Bemerkenswerte an Mitteleuropa bzw. unseren Ländern ist ja, daß es keinen Flecken mehr gibt, der NICHT in eine Ordnung gestellt ist. Selbst wenn (sagen wir) ein kleines Waldstückchen im Dorf Unterpfingelstätten als "verwildert" auf einem großen Acker steht, ist seine Wildnis ein Platz in einer Ordnung. 

Und ist streng zu unterscheiden von einer anderen Unordnung, die Zeichen von mangelnder, nicht vorhandener Kultur ist, wie sie im Süden Europas oder von der Türkei bis in den gesamten arabischen Raum und Afrika zu sehen sind. Wo Menschen sogar mitten in Müllhalden leben, die sie offiziell Orte oder Städte nennen. In einem von Menschen bewohnten chaotischen "Raum", die nicht in der Lage sind, Raum zu schaffen, weil begegnende Dinge ihren Beziehungen gemäß in eine Ordnung zu stellen. Menschen, die also bestenfalls Oasen (und sei es in den ummauerten Hinterhöfen) kennen. Denn erst Ordnung schafft überhaupt das, was wir als "Raum" bezeichnen. Das meist ein gründliches Mißverständnis ist: Weil wir seine meßbare Emanation für "Raum" erklären.  Meßbar sein heißt aber nur, ein Verhältnis zu anderen Dingen zu haben. Ein Raum-Maß als absolute Größe gibt es nicht. Es herrscht hier dasselbe Mißverständnis wie beim Begriff der (irdischen) Zeit.






Donnerstag, 23. Mai 2019

Raum als göttliche Ordnung (2)

Teil 2)




Die Mauern der Städte waren deshalb auch mehr als bloße Verteidigungswerke. Sie waren die Grenze zwischen Kultur und Chaos, zwischen Leben und Unordnung, zwischen Gut und Böse, Gott und Satan. Die Welt außerhalb der Mauern war Tohuwabohu, Chaos, Unordnung, Feindesland, nicht in jene Gemeinschaft integriert, die der eine Gemeinschaft kennzeichnende Ritenfundus erst verläßlich macht. Alles innerhalb einer Stadt unterlag bereits der göttlichen Geordnetheit, war über den Altar, den Knoten- und Quellpunkt menschlichen, weltlichen Raumes, in Gott selbst hineingeborgen. Und der Mitbürger, der ebenfalls innerhalb der Mauern lebte, war ohngefragt Bruder und Nächster. Bei allen anderen war es nicht sicher und sogar eher unwahrscheinlich.³

Ganz anders in der Stadt also wie dem gegenüber, der vor den Mauern stand. Der nicht nur bei den Römern nicht einmal den Anspruch auf Menschenwürde hatte, weil er Barbaros, Wilder, Plapperer, Wirrkopf, Wilder, aber kein vollwertiger Mensch (also Kulturwesen) war. Dem deshalb auch keine Rechte zustanden, der in manchen Epochen und an manchen Orten sogar vogelfrei war und jederzeit bereit sein mußte, sich gegen Feinde zu wehren.²

Die Stadt hingegen, eine Erweiterung der Kirchen, die ja die vollkommene Welt und ihre Ordnung darstellten, nicht mehr, deshalb in deren Vorhalle, gewissermaßen, war diese dem göttlichen Plan folgende Unterwerfung der Welt. Sie war mit hineingenommen in das Himmlische Jerusalem, die Kirche, als Schöpfung, die zum Lobpreis Gottes erhoben wurde.  

Bemerkenswert ist, daß jede Kultur ab dem Moment ihren Zerfall anzeigt, in dem NICHT mehr jeder weiß, wo er hingehört, nicht mehr an diesem Platz aufwächst und sich so einzugliedern vermag und als Teil der Welt erfährt, der gebraucht wird. Wenn die sozialen Gebilde immer zufälliger und ungeordneter werden, und sich ihre Institutionalisierungen auflösen. Dieses Zueinander wiederum war durch Riten, Gebräuche, Grenzen und Tabus geregelt, die auf das Zentrum - Gott, Kirche, Ordnungsquelle - ausgerichtet waren. Deren Zueinander streng in Symbolik und Körpersprache formalisiert sein muß. 

Mary Douglas zeigt in "Ritual, Tabu und Körpersymbolik" sogar überzeugend, daß eine Kommunikation OHNE solche Rituale usw. gar nicht möglich ist.* Löst sich deshalb das Rituelle des Zueinander der Menschen auf, löst sich auch eine Gesellschaft auf und eine Kultur hört auf, zu bestehen, weil sich auch die Identitäten ihrer Menschen aufgelöst haben. Ohne Ort, ohne Platz in der Ordnung kann kein Mensch aber leben und bestehen. Nur aus Gott kann Segen erwachsen. Und nur aus einem Kampf um so einen Ort kann man die heutige Zeit verstehen.

Niemand bestreitet deshalb, daß seit dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit, als überall die bisherigen Stadtgrenzen und Mauerringe zu eng wurden - noch im 15. Jahrhundert lebten ja nur etwa drei Prozent der Bevölkerung unserer Länder in Städten, welcher Anteil bis ins 18. Jahrhundert auf zehn und mehr Prozent stieg, ehe er im 19. Jahrhundert endgültig emporschnellte -  die Städte mehr und mehr in gewissen Wildwuchs übergingen, sowohl vor den Mauern (wo es kein Ordnungsgesetz gab), als auch innerhalb (wo Ordnungsgesetzte verboten oder im reinen Nutzendenken übertreten wurden). Was (etwa im Fall Salzburg) in einigen Fällen im 17. und 18. Jahrhundert noch einmal dem aber bereits konstruierten Ordnungsdenken der Renaissance weichen mußte, wo man die alte, antike Ordnung (in neuem Gewand) wiederherzustellen suchte.

In den meisten Fällen wich der nach dem Mittelalter entstandene Wildwuchs noch einmal einer geplanten Ordnung, zumindest teilweise, als man im 18. und 19. Jahrhundert die aus militärischen Gründen überflüssig gewordenen Festungsanlagen schliff und mit dem nunmehr offenen Glacis (dem Freiraum zu den Vorstädten hin) vielen Städten gleich neben ihrem bisherigen Zentrum plötzlich große Flächen zur Disposition standen. Paris verdankt seine heutige Charakteristik ebenso dieser Tatsache wie Wien mit seiner Ringstraße, in der sich die Städte gewissermaßen neu erfanden, indem sie noch einmal die Ausrichtung auf ein Zentrum - diesmal bereits die weltlichen Herrscher - versuchten. Die heutige Wiener Ringstraße ist wie eine große U-förmige Zange angelegt, die an der Donau mit zwei Kasernen (die Stubenringkaserne gibt es nicht mehr, nur noch die Roßauer Kaserne) ansetzt, und in einer Art Schelle vom (letztlich aber, Zeichen der Kraftlosigkeit und des Zerfalls der Monarchie, schon nur noch zur Hälfte gebauten) Kaiserforum (vulgo Äußere Hofburg) gehalten wird.**

Bis dieses Raumbewußtsein, dem wir unsere Städte verdanken, allmählich völlig der Zufälligkeit wich. Heutige Städte, heutige Großstädte, heute gebaute Stadtviertel und Häuserensembles haben keine Ordnung mehr, weil sie kein Zentrum mehr haben, auf das alles ausgerichtet ist. Damit könnten sie überall stehen. Sie geben keine Heimat und damit keine Identität mehr. Sie sind nur noch "da", und man wechselt gefühlslos von einer zur anderen. Wo man dennoch so etwas wie Heimat findet, geschieht das bestenfalls wie zur Zeit der Völkerwanderung, wo sich die neu angekommenen Völker in den vorhandenen Ruinen niederließen und die Menschen es sich so gut wie möglich einrichteten. Bis die Kirche kam, und nach und nach wieder ein Zentrum zur Ausrichtung, und damit Identität und Ordnung bot. Übrigens - nach antikem Vorbild.

Wie wenig technisch, ja wie wenig "ästhetizistisch", wie sehr mythologisch-religiös die Anlage der nun gebauten Städte aber war, wurde spätestens ab dem Moment klar, als es weltweit in den 1920er bis 1950er Jahren Versuche gab, völlig neu nach Nutzen und technischem Ablauf konzipierte Städte auf dem Reißbrett zu entwerfen und umzusetzen. Neben Brasilia (Brasilien) und Chandigarh (Indien), beides Großstädte, die eine von Oscar Niemeyer, die andere von LeCorbusier als Ganzes auf die grüne Wiese geplant und umgesetzt wurden, sind es Stadtviertel wie das Gropius-Viertel in Berlin und jede Menge weiterer Stadtviertel weltweit, die angeblich technisch perfekt dem Bedürfnis der Menschen entsprachen, aber heute nicht mehr weit von der "Slum-Klasse" liegen.

Im Fall Berlin zeigt es sich noch drastischer, weil diese "Stadt" erst recht spät als bloße Zusammenlegung von Fischerdörfern im Geist der Aufklärung "entstand", also nie einen Plan, sondern eben diese Zufälligkeit des Zentrumslosen und damit keine Ordnung hat. Man sieht es heute deutlich. Vom Zustand der Peripherien in den meisten Städten wollen wir da gar nicht anfangen - ein Nebeneinander bezugsloser Autismuszeugen, mit identitätslosen, schutzlosen Konsumenten, und weltblinden Ablaufsklaven (Arbeiter, Angestellte) ...

In einer nicht nach göttlichem Plan angelegten Welt verkommt auch der Mensch. Nicht Nutzen bestimmt den Menschen, sondern Beziehung und Schönheit, Ritus und Gestalt. Denn nicht nur ist er selbst nach einem göttlichen Plan, nach einer Geometrie geordnet, sondern die ganze Welt, ja der gesamte Kosmos, vom Größten bis zum Kleinsten, ist auf denselben (archetypischen) Ordnungsprinzipien und Größenverhältnissen weil Beziehungen (nur auf je anderen Ebenen) aufgebaut. So ist die Schöpfung ein einziger Klangkörper, in dem in jedem Teil derselbe Rhythmus, dasselbe, alles durchdringende, alles beherrschende, alles ordnende Loblied erklingt. Um wie viel mehr muß das dann auch in den Städten sein, die den Lebensraum des Menschen bedeuten?




 
Morgen Teil 3) Wie schon  häufig: Die zu Exkursen ausgeuferten Anmerkungen




Mittwoch, 22. Mai 2019

Raum als göttliche Ordnung (1)

"Macht Euch die Erde untertan!" Diese Aufforderung stünde nicht in der Genesis der Bibel, wenn sie nicht einen Grundantrieb im Menschen aussagen würde: Den, sich die Erde zu unterwerfen, sie zu ordnen, sie zu gestalten, und so zum Teil menschlicher Kultur als Insgesamt seines Lebensvollzugs auf der Erde zu machen. Diese Gedanken werden neu bewußt, wenn man sich die interessanten Forschungen des Stadtplaners und Architekten Klaus Humpert ansieht.

Der beim Studium der Bebauungskarten seiner Heimatstadt Freiburg im Breisgau auf Regelmäßigkeiten stieß, die ihn verblüfft haben. Immer mehr konnte er sich des Eindrucks nicht erwehren, daß sich unter dem heutigen Antlitz der Stadt, viel deutlicher in ihren mittelalterlichen Strukturen, soweit sie erhalten oder nachvollziehbar sind, ein Plan stehe.

Damit widerspricht er den gängigen Ansichten der meisten Historiker, wie sie in dem interessanten Film in der Gestalt des em. Universitätsprofessors und Kunsthistorikers Günther Binding auftreten. Die davon ausgehen, daß unsere Städte im Mittelalter rein zufällig und pragmatisch entstanden sind, ohne daß ihnen ein Gesamtplan zugrunde gelegen wäre. Auch gibt es keine überlieferten Pläne, die belegten, daß jene 300 Städte, die zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert im gesamten mitteleuropäischen Raum gegründet worden waren, geplant und nach einer vorgegebenen Ordnung aufgebaut worden wären.

Das mag sein, entgegnet dem Humpert, aber das kann ganz andere Gründe haben. Tatsache ist, daß er bei seiner insgesamt 15-jährigen Forschungsarbeit meint eindeutige Belege gefunden zu haben, daß nicht nur diese Städte zum allergrößten Teil nach einem Bebauungsplan errichtet wurden, sondern daß diese Pläne auch von Vorbildern ausgingen, die zum Teil in Italien lagen, die aber Freiburg im Breisgau vielleicht sogar als "Mutter aller deutschen Städte" sehen läßt. Denn hier zeigt sich das Grundschema am deutlichsten, und ist anhand heutiger Straßenverläufe und Häuserfronten so deutlich zu erkennen, daß es nicht verstehbar wäre, diese Indizien zu ignorieren.

Nun, ein wenig kann man Humpert da schon helfen. Denn abstrus ist sein Gedanke, daß das Mittelalter die Erde als göttliche Geometrie auffaßte, keineswegs, sondern im Gegenteil: Es ist das Grundverständnis von Welt überhaupt, das uns im speziellen über Griechen, Römer oder Ägypter (etc. etc.) längst bekannt ist. Man lese dazu etwa die maßstäblichen Klassiker von Fustel de Coulanges, oder Mircea Eliades "Das Heilige und das Profane". Niemandem wäre es bis ins späte Mittelalter - und in der Renaissance schon erst recht nicht, dort freilich beginnt sich das Ganze zu pervertieren, um schließlich ganz zusammenzubrechen - eingefallen, ein Haus und schon gar eine Stadt zu bauen, ohne sie auf göttlichen Willen hin auszurichten, ja in diesem zu fundieren.

Deshalb war eine geheiligte Urstätte sowohl bei den Römern das erste, was man tat, ebenso wie das spätere christliche Abendland, das anfänglich zu einem guten Teil ganz real aus den Ruinen römischer Städte entstand, es sich nehmen ließ, seine Städte und Siedlungen als Ensemble rund um eine zuerst bestimmte Kirche (Altar, Allerheiligstes etc.) zu gruppieren. Jeder Stadtteil, jedes Haus, jedes geplante Berufsviertel, jedes Verwaltungsgebäude hatte dabei seine Ordnung und Stellung in dieser Ordnung, die eine Stellung innerhalb des göttlichen Weltplanes war.

Was nicht in dieser Ordnung Platz hatte, hatte auch in der Stadt keinen Platz. Unreine Gewerbe (Färber, Schlachter) waren da ebenso gemeint wie Freuden- oder Krankenhäuser. Jede Himmelsrichtung hatte dabei ihre Bedeutung, und kein Tor war zufällig gesetzt, alle hatten eine mit ihnen metaphysisch verbundene Sinnstellung. Ebenso wie die Märkte und das, was auf ihnen gehandelt wurde. Erst in zweiter Linie war die Topographie von Bedeutung, oder entnahm man ihr Hinweise.

Auch die Distanzen zwischen diesen Bereichen waren nicht zufällig, sondern in Geometrie bzw. Zahlenverhältnisse gefaßte, darin erkennbare Beziehung. Freilich gelingt es Humpert nicht - und daß er diesen Gedanken nicht näher ausführt oder gar kennt verwundert einigermaßen - die Maßzahlen, auf die er immer wieder gestoßen ist, in der Metaphysik zu verankern, denn darin waren sie begründet. Er würde vermutlich noch viel mehr entdecken.

Und (man möge es nicht falsch verstehen, aber doch sollte es gesagt werden) er hat auch nicht überprüft, ob diese Kreise und Positionen, die er fand, nicht mit Planetenkonstellationen (also der damals noch untrennbar verbundenen Astronomie und Astrologie) zu tun haben. Denn nach aristotelischem Weltbild sind die Planeten die urstofflichsten, bis auf Gott schon äußersten, allem quasi zugrundeliegenden, gröbsten, aber alles gleichermaßen und in gleicher Art (fraktal, also ein Schema in allem, vom Kleinsten bis zum Größten) durchwirkend wie davon durchwirkt.²

Und das ist wohl auch die größte Schwäche seiner Argumentation, die sogar das, was er herausgefunden hat - die mittelalterliche Stadt, Fundament so gut wie aller unserer heutigen Städte, war allem Anschein nach streng durchgeplant, und keineswegs eine zufällig entstandenen Aneinanderreihung von zufällig hier anlandenden Menschen - ein bißchen doch wie zufällig aussehen läßt. Sodaß auch verstehbar ist, wenn Binding meint, daß man in jeder Anhäufung von Punkten und Orten, wenn man lange genug sucht, eine Systematik entdecken kann. Dieser Teil seiner Arbeit scheint unvollendet, dabei wäre es der Grundstein.

Aber prinzipiell hat er sicher recht. Nicht nur, daß zumindest bis zum Weißwurschtäquator und nach der Völkerwanderung, also nach dem Abzug der Römer über die Alpen, zumindest nach dem Verlust deren kultureller Vormachtstellung, viele Orte (als "noch nicht Städte") buchstäblich auf römischen Ruinen errichtet wurden. Dabei wurden die Straßenverläufe ebenso oft übernommen, wie Gebäude. Ja, viele heutige Altstadtkerne sind sogar direkt in römische Großbauten (wie Amphitheater) eingebaut worden, um diese zu nützen. So, wie man die Bauten abtrug, um deren Baumaterial zu verwenden.

Sopron (Ödenburg), ehedem Scarbantia, wo der VdZ wohnt, ist ein typisches Beispiel dafür: Das Stadtzentrum folgt noch heute mehr oder weniger präzise der römischen Stadtplanung. Obwohl der Wohlstand der späten Renaissance architektonisch gewaltig umgerührt hat, folgen die meisten Straßen und Ausgänge aus der Altstadt, die von dem ehedem weiten Glacis ("Graben") umgeben ist, ihrer römischen Erstanlage. Mit seinem Tor im Osten, Westen, Norden und Süden, mit denen jeweils auch Funktionen verbunden waren.*

Der aus der Antike herüberkommende Mensch hat sich bis ins späte Mittelalter kein Leben ohne festen, in Gottes Plan gegründeten Ort vorstellen können. (Und er hatte damit ja zutiefst recht! Wie gut wäre es, wenn wir uns dieser Wahrheit heute wieder bewußter würden.) Tief religiös, hat sich niemand, wirklich niemand ein willkürliches, zufälliges Leben vorstellen können, wie es mit dem Subjektivismus der Renaissance schließlich allgemein wurde. Ort, Platz gibt Legitimität. Gott hat in der Schöpfung prinzipiell ja eigentlich den Raum geordnet, und DAMIT (Raum = Welt = Beziehungsordnung) geschaffen. Und deshalb war der konkrete Raum Ausdruck und Schauplatz des göttlichen Weltenplanes, und damit des Menschen. Nur so war Segen zu erwarten: Wenn man an seinem Platz stand. Und das gilt natürlich bis in persönliche Verhältnisse hinein.**


 Morgen Teil 2)



²Diese Janusgesichtigkeit ist für den Verstand das größte Problem mit der Astrologie. Sie ist Spiegel wie selbst Gestalt, Gewirktes wie Wirkursache zugleich. Also kann sie von da her auch kein Orientierungspunkt sein, und sie zu betrachten gerät allzu leicht in die Todesfalle dessen, das in sich hineinsieht, weil das, WAS sieht auch das ist, WAS MAN sieht (=Invertiertheit). Siehe dazu Walter Hoeres "Reflexivität".

*Der überlieferte Streit von Romulus mit Remus, der den soeben von Romulus gezogenen Graben für die Stadtmauer übersprang, wird erst so verständlich. Remus hat die Ordnung aufgelöst. Auf der allein eine Stadt zu gründen war. Denn nur eine Ordnung ist ein "Etwas". Also mußte Remus erschlagen werden, denn er gefährdete die nur vom Menschen zu errichtende Welt. (Gott hat das Material gestellt, sozusagen, und seine Eigenart in Orten festgelegt, in die jeweilige Beziehungs-Typiken - "Dinge", "Etwasse" - treten.) Ohne Ordnung gibt es nur das Nichts amorpher, a-welthafter Potenz.

**Auch Ehe und alles was aus ihr folgt ist ein Ort, und damit erst Form von Beziehung.




Sonntag, 26. Februar 2017

Samstag, 16. Juli 2016

Von Megacities, Wäldern, Temperaturen und Wolken

Am CERN  hat man einen interessanten Effekt entdeckt, der bisherige Gedanken auf den Kopf stellt, dessen Konsequenzen sich aber auch mit Svensmark'schen Forschungen decken. Der ja auch sagt, daß kosmische Strahlung über Ionisationaeffekte der entscheidende Faktor in der Wolkenbildung ist. Aber WAS da ionisiert wird, darüber hat nun CERN Interessantes entdeckt. Es sind nämlich NICHT die Verbrennungsprodukte (Schwefeloxyde etc.), ohne die es nicht zur Bildung jener Molekülklümpchen kommt, wie man bisher (und in allen Klimamodellen) annahm, die dann Basis der Wolken sind, sondern es sind die von Pflanzen und v. a. Bäumen freigesetzten winzigen (Samen)Partikel, Duftstoffe eigentlich, die aufsteigen und sich verklumpen.  Diese bilden helle und sehr stabile Wolkenformationen.

Damit fällt den Klimamodelleuren das Argument weg, daß die kühlende Wirkung der Wolken aus Luftvschmutzung (aus Verbrennung) die Erwärmungseffekte aus dem CO2 milderten. Es gibt diese Effekte einfach nicht, bzw. es gab sie vor der Industrialisierung sogar noch stärker als heute.

Denn nun muß davon ausgegangen werden, daß es in der vorindustriellen Zeit (was immer das heißt) zu deutlich mehr Wolkenbildung gekommen ist, als man bisher annahm. Ja man muß nun davon ausgehen, daß es über dicht bebautem, nicht bewaldetem Gebiet zu deutlich weniger Wolkenbildung kommt, als man meinte. Die Klimabildungsprozesse, so eine der Stimmen am Video, in vorindustrieller Zeit und heute unterscheiden sich nicht. Damit muß auch davon ausgegangen, daß sämtliche Hochrechnungen, wie sehr sich da globale Klima in Zukunft erwärmen würde, deutlich zu hoch angesetzt sind.

Dieser jüngst nicht nur im Labor, sondern auch am Jungfernloch in großer Höhe empirisch bestätigt gefundene Wirkungszusammenhan müßte also seine Auswirkungen auf sämtliche Klimamodelle haben. Denn dort setzt man überall den Wasserdampf als Wolkenbildungsessenz an, den menschliche Luftverschmutzung zu Regen mache. Dem ist nicht so. Eher zum Gegenteil. Es sind die Pflanzen selbst, die - zusammen mit der kosmischen Einstrahlung - dafür sorgen.

Es liegt also nahe, daß es zu lokalen Erwärmungseffekten im exakten Gleichschritt mit der Zunahme nicht  nur dicht verbauter, sondern vor allem GROSZER dicht verbauter Siedlungsräume kommt.

Mit anderen Worten, meint der VdZ: Die Zunahme der Megacities ist in der jüngeren Wettergeschichte von hoher Relevanz. (Auch für die Temperaturmessung selbst, weil sich Stadt- und Landflächen damit schon prinzipiell unterscheiden, weil sie andere klimatische Rückwirkungen haben). Nicht nur deren Größe, sondern auch deren Lage, weil diese für die Windbildung verantwortlich sind, die baumgeschängerte Flächenluft mit der städtischer pflanzenfreier(er) Bezirke vermischt. Weil nur dort entsprechend große "pflanzenfreie" Areale entstehen, die für wolkenfreien Himmel verantwortlich sind. Auch die Rolle von verbetonierten Verkehrsflächen - deren Architektur vor allem sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert hat (die Autobahnen zur Zeit der Jugend des VdZ in Österreich waren wie Straßenbänder durch Parklandschaften, während sie heute wie klinisch saubere Separaträume wirken) müßte man eigentlich neu denken.*

Von ganz großer Bedeutung sieht der VdZ aber auch die Veränderung der verwendeten Baumaterialien im Hochbau. Hier war seit den 1970er Jahren ein Siegeszug des Beton (und Stahl) zu beobachten, der ein völlig anderes Wärmeverhalten hat wie Ziegel oder Holz und schon deshalb das städtische Kleinklima verändert. Vor allem die Charakteristik der Temperaturverläufe verändert sich damit. Das ist für jeden und immer schon zu beobachten.

Wo sich weniger Wolken bilden, kommt es durch erhöhte Sonneinstrahlung (und damit aktivierter Eigenerwärmung der Materie) zu Erwärmungseffekten während des Tages, wie jeder selbst beobachten kann. Aber es kühlt sich auch in der Nacht deutlich mehr ab, die Tag-Nacht-Unterschiede erhöhen sich also, durch die Wolken wie durch die Bauweisen. Das führt zu höherem Energieverbrauch.

Die Abdämmung von Fassaden, um "Energie zu sparen", bewirkt grosso modo das exakte Gegenteil. Das ist das Zeittypischeste daran. Denn Gottferne (eine Haltung, ein Habitus, keine rationale Operation) bewirkt keine gottlosere Welt, die ansonsten die gleiche bliebe, sondern eine Welt, die nicht mehr fähig ist, logos-orientiert - also: sinnbezogen - zu denken und zu handeln.

Das Fazit bleibt unverändert: Es ist völlig unsinnig, von "globalem Klima" zu sprechen. Sondern wir selbst verändern unsere unmittelbare, lokale Welt, und damit (ohne es freilich beherrschen zu können) auch das lokale Wetter. Wenn es uns zu warm wird, sollten wir uns über die Architektur (als Ordnung der Lebenswelt) in unserer unmittelbaren Umgebung den Kopf zerbrechen, nicht über "Weltklima". Lokale Kleinlagen aufzuaddieren und dann zu behaupten, es würde sich das Ganze damit ändern ist und bleibt schlicht und höflich formuliert "nicht sehr intelligent". Man müßte es sonst ja "primitiv" nennen, würde man damit nicht die Ganzheitsfähigkeit "primitiver Weltbilder" diffamieren.








*Hier mischen sich Tatsachen über die Pflanzeneinheit "Wald" mit ein, der ja einem lebendigen Organismus zu vergleichen ist. Denn kein Baum ist als "Baum" zu sehen, sondern als "Teil eines Waldes". Findet ein einzelner Baum ("begrünte Stadtflächen") keinen Wald (oder steht er am Rand eines Waldes, als nur zum Teil in einem Wald), versucht er verzweifelt, Wald zu bilden. Indem er um ein Vielfaches mehr Samen absondert, auch durch Duftstoffe (die ja material sind) "expansiver" ist, als Bäume in dichten Wäldern. In Zusammenführung mit den CERN-Ergebnissen könnte man vielleicht sagen: Es kommt nicht so sehr auf "begrünte" Stadtflächen an, sondern auf Stadtflächen "mit Bäumen". Diese haben erst den erwünschten Abkühleffekt, weil sie sich auf die Wolkenbildung in den unteren Luftschichten auswirken.




*300516*

Freitag, 29. April 2016

Über den Ruin der Städte

Geschichte der USA - Kampf gegen die Kirche - Kampf gegen die Verortung - Dienstbarmachung für die Moderne - Verlust der Identität - ohne Identität keine Lebensentfaltung, sondern nur Technizismus (es bleiben nur technische Lebensaufgaben) - USA ist auf diesen lokalen Identitäten aufgebaut - Durchmischung zerstört Identitätsmerkmale - social engineering! - 68er Protest als Protest gegen social engineering! (interessante Perspektive!) - Auflösung der innerstädtischen Viertel und Gemeinschaften, Verdrängung in die Vorstädte - Infrastrukturprobleme!!! enorme Kosten!!! Straßen, etc. - Beispiel Detroit - nur Volk ist wichtig, und das beruht auf der Religion - Gefahr der Katholiken, die Befehle der Unterdrücker zu befolgen - in den Vorstädten verlieren alle ihre Identität, dort werden sie plötzlich nur noch zu Abstrakte: de-raced (ent-ethnisierte) Weiße - E. Michael Jones.






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Donnerstag, 10. Dezember 2015

Individualismus braucht Überblick

Es war den alten Griechen außerordentlich wichtig, in einer Welt zu leben, in der der Überblick für den Einzelnen nicht verlorenging, schreibt Robert von Pöhlmann in seiner faszinierenden Untersuchung über die Überbevölkerung in antiken Großstädten. Eine Stadt durfte nur so groß sein, daß sie für ihre Bewohner eine gewisse Familiarität nicht verlor. Die Versammlungsplätze  mußte alle umfassen können, Kultplätze allen Einwohnern Platz bieten, die Baulichkeiten für alle überblickbar und damit bewohnbar bleiben, die Märkte, die Theater - alles mußte allen vertraut und als Teil ihres Lebens integrierbar bleiben. Die Stadt konnte nur so ein für alle überblickbares Ganzes bleiben. Und nur so konnte auch ihre Demokratie funktionieren: in der Verwurzelung ihrer Bewohner, aus der alleine auch Verantwortungsgefühl und -interesse sowie Solidarität erwächst, weil alles alle direkt angeht. Bedeutung, Rang, Ansehen, Ehre blieb so im Gesamtmaß der Persönlichkeit verankert, und nur darauf kann sich die Einschätzung etwa bei Wahlen beziehen.*

Überstieg die Bevölkerung eine gewisse Größe, so verlor sich dieser Überblick, und eine anonyme Masse entstand, die den Griechen ein Greuel war - zumindest, so lange ihre Kultur und ihre politische Macht nicht im Niedergang war. Also war es notwendig, daß ab dieser Grenze eine Neugründung initiiert wurde. Ein Teil der Bevölkerung verließ die Stadt, um eine neue zu gründen. Entweder weit weg, um als immer aber eng verbundene Kolonie zu bestehen, oder aber auch in unmittelbarer, manchmal sogar direkt anschließender Nähe - doch als eigene Einheit! Für Athen hieß das, daß es in der Antike nie mit dem Hafen Piräus zusammenwuchs, obwohl es mit einer Mauer verbunden war. Beide "Städte in der Stadt" nahmen einen je ganz eigenen Charakter durch die Bevölkerung an. 

Die Baugeschichte Neapels spiegelt es als ebenso wieder. Eine Stadt folge der anderen, jeweils fast direkt vor den Toren der alten neu gegründet (Neo-polis = Neustadt). Das große Syrakus wurde sogar als "Fünfstädte-Stadt" bezeichnet, denn das Wachstum griechischer Städte fand nicht wie bei einem Baum statt, der Ring um Ring ansetzte. Sondern durch Ausgliederung und Neupflanzung. 

Die Griechen hatten in ihren Blütezeiten jenen vermassenden Zentralismus immer abgelehnt, den sie vor allem bei ihren östlichen, asiatischen Nachbarn sahen und verachteten. Deshalb hatten sie auch nie eine Reichsverfassung ausgearbeitet, sondern immer nur je städtische Verfassungen. Eine Großstadt im heutigen Sinn, aber auch im Sinn der Antike, gab es in Griechenland nie. Großstädte wie Babylon. Das so groß war, daß die Bevölkerung des einen Endes erst Tage später von der erfolgten Einnahme der Stadt durch Feinde hörte. Solche Städte setzten Zentralismus voraus. Und solche Städte produzierten anonymes Proletariat. Und in solchen Städten entstanden soziale Probleme einer neuen und abstrakten Art, wie sie griechischen Städten unbekannt geblieben waren. 

Denn die Bedeutung des Individuums mußte in solchen Städten zwangsläufig verloren gehen. Stattdessen zählten ganz neue und technische Kriterien, die direkt mit der Nähe zur Zentralverwaltung zu tun hatten. Die Größe und Weite der Persönlichkeit, Kriterium für Adel, wurde nicht nur unbedeutend, sondern sogar hinderlich, weil weite Persönlichkeiten unvereinbar damit sind, sich in Spezial- und Partialnützlichkeiten zu neurotisieren. In solchen Städten etnstand also auch eine neue völlig Art von - unadeliger - Elite. Funktionsbedienung braucht keine Tugend, die ist sogar hinderlich. Denn jede Maschine, jeder Mechanismus verlangt das Gegenteil: Die Unterordnung unter ihre Ablaufzwänge.




*Simone Weil, und natürlich nicht nur sie, hält deshalb die in Parteien vorgeblich berechenbarer werdende Massendemokratie Europas für einen schweren Irrtum. Sie in der Antike zu begründen ist und war eine glatte Lüge. In Wahrheit wählen die Menschen heute etwas, das sie gar nie kennen können. Aber vor allem deshalb müssen Parteien verboten werden, schreibt sie, weil sie die Art der Entscheidung von den Personen weg auf eine Scheinlogik verlagern. In Wahrheit ist kein Wähler in der Lage, sachliche Probleme der Politik zu beurteilen, um die es angeblich gehe, vor allem aber wird das Prinzip der persönlichen Verantwortlichkeit von Politikern völlig unterspült. Politik wird "abstrakt-sachlich, richtig", statt verantwortlich und gerecht. Das setzt ein mechanistisch-materialistisches, ja atheistisches und damit wirklichkeitsfernes Menschen- und Weltbild voraus. Die moderne Massendemokratie entwirklicht die Menschen!




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Donnerstag, 21. August 2014

Der Traum vom Leben in der Hölle (2)


Teil 2) Der Traum vom zukünftigen Leben als Traum vom Schrecken





Selbstverständlich findet sich eine Eingründung in die kosmischen Prinzipien auch in dieser Utopie, und zwar unfreiwillig und doch unausweichlich. Es läßt sich herauslesen, WAS nach Auffassung der Menschen heute der Weltordnung und damit dem Leben zugrunde liegt, von wem und von was wir meinen abzuhängen und Gelingen des Lebens erwarten, wie der Idealzustand wirklich werden soll. Alles das ist innerweltlich, ist vom Menschen autonom zu erlangen, der Kosmos ist zu einem physikalischen Gestell geworden. Wer so denkt, muß aber vor allem davon ausgehen, daß es einen fehlerlosen Menschen gibt, zumindest theoretisch, und daß es gilt, sich diesem zu unterwerfen. Was schiefgeht, liegt also nur am Versagen als Einzelner, und das muß im Interesse des Ganzen verhindert werden. Gleichzeitig wird ja auch hier das erkennbar, was als diesem Glück entgegenstehend betrachtet wird.

Genau dort setzt menschlicher Schrecken und Terror noch jeder Utopie der Menschheitsgeschichte aber an. Nicht als "uij, das muß man verhindern", sondern als unausweichlich. Wenn also hier auf das jüngst in Übersetzung erschienene Buch "Der Circle" von Dave Eggers hingewiesen wird dann nicht, um zu sehen, was man vermeiden müßte, sondern (und diese Dimension fehlt dem Buch freilich) weil was darin (über Google) beschrieben wird zwangsläufige Konsequenz solcher Lebenshaltung ist, die "doch nur das Gute will." So wie diese utopische Stadt. Wer sein Leben dessen Maximen aber unterwirft, und wenn das gar eine Gesellschaft tut, endet ohne jede Auswegmöglichkeit in einem System der Totalkontrolle und des Zwangs.

Dieses System kann nur bei Geschlossenheit funktionieren. Weil es aber kein perpetuum mobile gibt, braucht solch ein System "Niemandsland". Sie braucht den Orkus, wie er früher hinter den Stadtmauern begann. Hier war Ordnung, Recht und Gesetz, dort Chaos und Gesetzlosigkeit. Nichts in dem Entwurf deutet deshalb auf eine lebendige Beziehung nach außen hin! Die Stadt ist auf sich konzentriert, und in sich und mit sich restlos zufrieden. Hinter den Vorhängen der Grenze liegt dann das Nichts. Kein ökologisches System gegenwärtigen Zuschnitts funktioniert aber "für sich", jedes Reden von "Autarkie" ist eine glatte Lüge die die heutige Art zu leben permanent begleitet. Utopische Systeme der Gegenwart schieben lediglich ihre Grenzen immer weiter hinaus, bis an den Rand der Welt, wo alles erlaubt ist, oder bis auf den Mars.

Das erstaunliche Fazit läßt sich in einem Satz beschreiben: Alles das, worauf menschliches Leben, menschliche Ordnung wirklich beruht, alles worauf Leben buchstäblich gegründet ist, ohne das es nämlich überhaupt nichts gäbe, ontologisch wie im Rahmen menschlicher Kultur, die es ohne Raum nicht gibt, ist im Lebensraum der Zukunft nicht mehr vorhanden und nicht mehr erwünscht.  

Ex nihil nihil fit. Der heutige Mensch ist im wahrsten Sinne - Nihilist. Und er würde, in die Lage versetzt, auf direktem Weg eine Welt des Schreckens errichten.









*210814*

Mittwoch, 20. August 2014

Der Traum vom Leben in der Hölle (1)

Die TU-Wien hat in einem "interdisziplinären Projekt" die beim Hypo-Alpe-Adria-Bankenskandal verschusterten 19 Milliarden Euro, die Österreichs Steuerzahler in den nächsten Jahren aufbringen werden müssen, anschaulich gemacht. Und dazu mit 40 Studenten eine Stadt im Modell ausgearbeitet, die mit diesem Betrag zu errichten wäre. Es wäre eine Stadt mit "Lebensqualität", meinte der Projektleiter im Standard. Und sie wird "Hypotopia" genannt. Eine Utopie vom Glück also, ein Wunschbild, wie sich heutige (vor allem junge) Menschen.

Auf welchen Beinen eine solche Utopie steht ist aber das eigentlich Interessante daran. Denn es wirft ein Bild auf die geistige Verfaßtheit der Gegenwart.
Die Highlights der Milliardenstadt, die auch auf Nachhaltigkeit setzt, sind:
  • eine Müllverbrennungsanlage
  • ein Fußballstadion
  • eine Brauerei
  • ein Bahnhof
  • eine Stadtbahn
  • autofreie Straßen
  • vertikale Farmen
  • ein Wasserkraftwerk
  • ein Windpark
  • Flussboote
Die Utopie wirkt eigentlich wie eine noch größere Form des "google"-Campus. Schon gar, weil die ethischen Implikationen, die mit dieser Traumstadt der Zukunft verbunden sind, über die nur keiner spricht, die aber wohl auch niemand ausreichend reflektiert hat, dem expliziten Gehalt - "Das Gute" - scheinbar entsprechen, ihm aber zuinnerst völlig widersprechen.
Nun sollte man Utopien nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn in ihnen zeigen sich immer die als "gut" erkannten Maxime einer Generation, einer Kultur. Was also läßt sich herauslesen?

Zunächst fällt auf: Es fehlen Banken, es fehlen aber auch Polizeistationen, denn in dieser Stadt der Zukunft soll es ja keine Verbrechen geben. Es fehlen aber auch - und das ist das Bemerkenswerteste - Sakralgebäude. Es gibt keine Kirchen oder Pfarrzentren oder Tempel. Das sei diskutiert, aber offenbar nicht angenommen worden, werde aber bei einer geplanten weiteren Ausarbeitung der Stadt nun doch folgen, schreibt der Standard. Man sei sich aber noch nicht klar, wie es "zeitgemäß" gelöst werden könne. Religion also als zusätzliche Funktion eines ansonsten bereits "guten Lebens", sofern es eben von jemandem "doch" gebraucht wird. Ihr Maß aber wird von woanders her bestimmt. Nicht ... umgekehrt.

Und wer meint, daß die Vertikalfarmen (in Form riesiger senkrechter Trapezoide am Stadtrand) zufällig sind, irrt. Denn sie sind nur noch explizit, was diese Lebensform - denn hier wird eine Lebensform entworfen, keine "Stadt"; wer Architektur sagt, meint immer Lebensform und -gestaltung - an sich bedeutet: Loslösung vom Raum, der einer Loslösung vom Boden entspricht. Die Welt wird (siehe u. a. Heidegger) zum "Gestell", zur Nutzanwendung und Eigenschaft. Landwirtschaft wird aufgelöst, sie wird zur "Pflanzenzüchtung", nein, zur Lebensmittelproduktion. Die Welt, umgebrochen auf Funktionen, auf Nutzen. Leben, Vitalität wird von einem "perfekten Außen" erwartet, das zu gestalten unserer Ratio unterliegt. Da braucht es keine Prozessionswege und keine Altäre in Tempeln.

In diesem Rahmen sind auch sämtliche "Werte" zu betrachten, die im wesentlichen der neuen Sentimentalreligion entstammen, die sich seit Jahrzehnten definitiv von den USA ausgehend ausgebreitet hat. Die einen fatalen Fehler hat: Sie simuliert Gefühle, sie läßt fundamentales Fühlen und sie läßt Geistigkeit gar nicht mehr zu, schneidet aber der Reflexion den Weg ab, indem sie das Gegenteil behauptet. Die deshalb schizoid ist, und schizoid macht. Den Menschen also von seiner Basis abschneidet.

Bis in die hohe Neuzeit herauf wurden auf der ganzen Welt Städte genau umgekehrt gebaut: Initium war die Verankerung in der kosmischen und transzendenten Ordnung. Deshalb nahm jede Stadt, jede Ansiedlung, ja jedes Haus von einem sakralen Zentrum ihren Ausgang. Der alte "Herrgottswinkel", der das Herz eines Hauses war und ist, zeigt das auch im Christentum nachdrücklich. Und über die Bedeutung des Feuers, der Frau als dessen Hüterin, muß man nicht lange reden. Niemandem wäre es eingefallen, auf ein Leben zu setzen, das nicht in göttlicher Zustimmung durch Einfügung in seinen Plan, der der ganzen Welt zugrundeliegt, gegründet ist.


Morgen Teil 2) Der Traum vom zukünftigen Leben als Traum vom Schrecken




*200814*

Mittwoch, 15. Januar 2014

Leben braucht Gegenstand

Jean-Henri Fabre schreibt in seinen "Erinnerungen eines Insektenforschers", daß in der Insektenwelt auffällt, daß dort, wo die Böden zerklüftet und vielgestaltig sind, ja schwierig, Insekten vereinzelt leben und ihre Brutlöcher bauen, während in flachen ungegliederten Gegenden, mit vielfältigen Transportwegen, Siedlungen und Staaten entstehen. Woraus sich so etwas wie Mentalität als Wesenseigenschaft auch innerhalb von Arten ausprägt. So wie bei der Schlupfwespe, je nach Landschaft, in der sie lebt.

Vereinzelt Lebende integrieren ihre Umwelt in ihre Persönlichkeit, weshalb sich dort auch ein anderer Eigentums- (als Zugehörigkeits)begriff bildet. Dieser erstreckt sich auf die Umwelt.

Eine Beobachtung, die sich durchaus auf den Menschen ausdehnen läßt. Und sich heute vor allem auch an den umgekehrten Erscheinungen erkennbar macht. Der Verlust des Bezugs zur Umwelt, zur Landschaft, ihre Ausschaltung durch Überwindung der Zeit in der Geschwindigkeit, ist begleitet vom Anwachsen der Ballungsräume und Großstädte. Ja die Städte selbst sind Gründungen von Bodenlosen, die die Kaufleute waren. Die die damit fehlenden Bezugslinien durch andersgelagerte Beziehungsbahnen ersetzen, in die sich ihre Handlungsenergie erfließen kann.




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Montag, 9. Dezember 2013

Der Handel als Teufels Werk

Es ist naiv und blauäugig, schreibt Henri Pirenne, sich die Entwicklung des europäischen Handels als organische Evolution von kleinestem Umkreis aus auf immer größeren Warenaustausch "im Guten" vorzustellen. Er war alles andere, als er sich im 11. Jhd. allmählich wieder entwickelte. Er war das Geschäft der Boden- und Besitzlosen, der Ausgestoßenen oder Geächteten, ja vielfach der Morallosen und Verbrecher, er war eine Möglichkeit der Abenteurer und Wurzellosen, zu Macht und Geld zu gelangen. Nur wer nichts zu verlieren hatte, stürzte sich auf den Handel. Kaufleute waren Glückssucher, brauchten oft genug Wagemut, und riskierten ihr Leben. 

Lug und Betrug, List und Täuschung waren seine ersten Elemente, und er stand in so geringem Ansehen, daß ihn die Kirche ächtete, die Händlertum und Christentum für nahezu unvereinbar hielt. Jahrhundertelang war Händler und Betrügern synonym. Erst langsam, im Laufe der Jahrhunderte, entwickelte sich der Kaufmann zu einem Beruf, und sogar zu einem ehrbaren Beruf. Den von Anfang an ein seltsamer Umstand begleitet hatte: Auch wenn sich der Kaufmann faktisch meist gerade aus Unfreien entwickelt hatte, so galt der Kaufmann in seiner Wurzellosigkeit, seiner Nicht-Rückführbarkeit und Unabhängigkeit, als ... frei! Im Bewußtsein der Menschen war ihre (oft so suspekte) Freiheit eine Tatsache, ehe sie auch Recht wurde.

Im Anfang aber profitierte er schlicht von der regionalen Gebundenheit, ja Bescheidenheit des menschlichen Wirtschaftens in Europa. Niemand produzierte über seinen Eigenbedarf hinaus, ja niemandem wäre es eingefallen. Austausch gab es höchstens untereinander, in kleinstem Maßstab, unter Nachbarn vielleicht noch. 

Gab es freilich eine der häufigen und meist regionalen Hungersnöte, mußte Ware von weiter außerhalb zugekauft werden. Ein simpler Schiffer vom Rhein konnte auf diese Weise, mit ausgeprägtem Geschäftssinn, binnen Kurzem reich werden.

Denn hier etwa tauchten sie auf, die Händler, die davon gehört hatten, und woanders billig Getreide aufkauften, um es dann teuer weiterzuverkaufen. Reichte das einzelne Kapital nicht, so schlossen sich mehrere zusammen, gründeten gar Gesellschaften. Und gab es nichts zu kaufen (um es zu verkaufen), so wurden Schiffe gekapert, Beutezüge veranstaltet. Bis ins 12. Jhd. hinein war der gesamte Handel ein Handelsverkehr bewaffneter Karawanen, der "Hansen". So wurde er zugleich immer effizienter. 

Oder im Mittelmeer. Denn seit der islamische Vorstoß im 11. Jhd. seine Kraft verloren hatte, oder gar wie in Spanien und Sizilien auf erste wirkliche Gegenmächte traf, war das Mittelmeer als Transportweg wieder offen, wenn auch nicht mehr der einheitliche Lebensraum wie ehedem. Aber Genuesen, Pisaner, vor allem Venezianer nahmen den Handelsverkehr mit Alexandrien und der Levante wieder auf, wo die Waren aus Indien und China einlangten. Und seit dem ersten Kreuzzug war ohnehin ein reger Warentransport zur Versorgung der neu entstandenen Fürsten- und Königtümer im Vorderen Orient nötig. An dem sich viel Geld verdienen ließ: Versorgungsgüter wurden in den Osten verschifft, Güter aus dem fernen Osten zurückgebracht. 

Der Handel in Europa hat sich aus dem Fernhandel entwickelt. Deshalb ist alles in Europa ohne Kreuzzüge erklärbar - nur die Entwicklung der Wirtschaft nicht, die von den Küsten aus ganz Europa zu durchwirken begann. Von dort aus begannen sich die Städte wiederzubeleben, ein neues Bürgertum entstand, und der Geldverkehr in ganz Europa, den es fast nicht mehr gegeben hatte, nahm wieder zu. Erstmals entstand virtuelles Vermögen, das nicht Boden war.

Vom Süden von Norditalien und der Provence her, und im Norden von den Normannen her, die über ihren Wolga- und Dnjepr-Weg schwunghaften Handel mit Byzanz betrieben*, und als sich diese Wege schlossen über Flandern kamen. In Europa tauchten (zum Teil: wieder) Produkte auf, auf die bald niemand mehr verzichten wollte, man denke nur an Pfeffer, Schmuck, Kosmetik oder Seide.**

Aber es war die Gewinngier, die diese weiten Wege zurücklegen ließ, die Beutesucht, die die Transaktionen immer größer werden ließ. Man traute den abenteuerlustigsten Kaufleuten alles zu, vor allem einen Pakt mit dem Teufel. Sie waren ungebildete Analphabeten, denn für ihre Geschäfte brauchte niemand das Lesen oder das Schreiben. Wo immer sie sich niederließen, waren sie Zugewanderte, die bald die Ansässigen auch zahlenmäßig überflügelten, von denen sie eine tiefe soziale und ethische Kluft trennte***, die sich nur langsam schloß, indem sich eine neue soziale Ordnung bildete. Aber die Anziehungskraft der Kaufleute war enorm. Wo sie sich niederließen, zogen sie bald die Landbevölkerung in ihren Bann. Sie faszinierten durch ihre Freiheit, und boten in oft rasanter Entwicklung Arbeits- und Gewerbemöglichkeiten, sodaß sich Städte wie wir sie heute in Europa kennen heranbildeten.**** Die sich überall bald durch Sonderrechte kennzeichneten, die sie sich erworben hatten, weil ihre neue Funktion für die Macht wertvoll wurde: über das Geld.

Der brutale kapitalistische Geist entstand zugleich mit dem Handel. Er hatte ihn immer beherrscht, und war am Anfang sogar noch weit stärker, als er es heute ist. Und er entstand in einer Bevölkerungsschichte der Wurzellosen, die von Anfang an ein seltsamer Umstand begleitet: eine Stellung des Vorrechts, wie sie sie zuvor noch nie gegeben hatte.²



*Noch im 11. Jhd. war Kiew eine rein skandinavische Handelsniederlassung.

**Werner Sombart kommt ja sogar zu der Auffassung, daß der Kapitalismus sich überhaupt aus dem Luxusbedürfnis vor allem der Frauen entwickelt hat. Und so ganz unrecht dürfte er damit gar nicht haben.

***In der spätgotischen Tiroler Pfarrkirche von Schwaz befindet sich noch im 16. Jhd. eine hölzerne Trennwand zwischen den Einheimischen und den zugewanderten Geschäftemachern, den Knappen - ein illustratives Beispiel.

****Bald wurden diese neuen Siedlungen, die sich um alte Verwaltungszentren - Burgen oder Bischofssitze - herum bildeten, zum Schutz mit neuen Wällen und Steinmauern umgeben, wurden zur "Vorstadt", zur "forisburgus", zur "neuen Burg" ("nouveau bourg"). So wurden ihre Bewohner zu ... Bürgern (bourgeois).

²Selbst bei den Römern war der Bauer mit dem Stadtbewohner rechtlich absolut gleichgestellt. Das war im Europa des Mittelalters und der Neuzeit nicht so: der Stadtbewohner war bevorrechtet, genoß überhaupt bald ein Sonderrecht. Rechte aber hatte neben dem Klerus nur der Adel - als Landbesitzer, dem das uralte Recht des Freien VERBLIEBEN war. Daß bürgerliche Parteiungen dem (alten) Adel später dann vorwarfen, er habe VORRECHTE, ist also eine groteske Verdrehung historischer Tatsachen.






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