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Freitag, 19. August 2022

Soziales gibt es nur als Ritus

Filmchen Veränderungen
Das Filmchen soll hier doch seinen Platz haben, worauf William Briggs in einem Post verweist. Und Briggs kann sich über alle diese Indizien, die die totale Verweichlichung vor allem der jungen Menschen hinweist, so herrlich und mit bissigem Humor aufregen. An dieser Stelle freilich wird wie üblich die Analytikmashcinerie angeworfen.

Was sich hier zeigt ist die in den letzten fünf, sechs Jahrzehnten allgemein gewordene Haltung, sich bei Begegnungen mit dem Außen (wozu auch eine Ignoranzfähigkeit gehört, weil ein Gutteil des menschlichen Handelns auch bei anderen geringe sachliche Bedeutung hat, oder falsch eingeordnet, oder unklar und mißverständlich ist) der eigenen Empfindung zuzuwenden. Das führt aber - und das ist das stets Übersehene dabei - zu einer ständigen Reduktion jener Grenze, in der das Handeln selbst im Fokus steht.

Dienstag, 18. Juni 2013

Alternativlosigkeiten

Es passiert seltener, daß wir Falsches tun, als Richtiges unterlassen. Wobei etwas Falsches zu tun selten schwerer wiegt, als etwas potentiell Richtiges zu unterlassen. Denn in allem ist etwas Gutes. Aber dazu muß es erst ein Etwas sein. 

Aber dazu bedarf es des scharfen Unterscheidens, ob ein Geschehen ein Tun, und ob dieses Tun ein Handeln, oder ein Tragen der Konsequenzen des Nichthandelns ist.

Nichts zu tun heißt, das Nichts als nicht erfüllte Dimension unseres Menschseins zu belassen. Und das Nichts zu belassen heißt, das Vorhandene - andere - Etwas ausfalten zu lassen, sich seinem Zwang zu beugen.

Was aber als falsch erkannt ist, kann nicht richtig werden.

Das meiste Falsche auf der Welt kommt nicht aus dem falschen Tun, sondern aus dem Zulassen des Falschen.

Falsches zu tun wiegt nie so schwer, wie nichts zu tun, obwohl man zu tun hätte.



Aus den Sentenzas des Antionio della Caraffa





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Freitag, 19. August 2011

Wie man handelt

Wissen Sie, was mir an dem Filmchen gefallen hat? Er wirft den Ring weg. Nur so tritt er aus der Niedrigkeit der Funktion heraus - er rechnet nicht. Er handelt gemäß der Dinggrenzen.



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Donnerstag, 17. Dezember 2009

Nolentem trahunt.

Während die alten Epen - und man muß gar nicht so weit, also bis Homer zum Beispiel, zurückgreifen - die Charaktere aus den Handlungen erklärten, ist im heutigen, im zeitgemäßen Roman Handlung und Charakter weitgehend, wenn nicht völlig, auseinandergefallen.

Denn der heutige Mensch handelt gar nicht mehr - die Dinge geschehen vielmehr, anstelle einer Handlung bleibt bestenfalls noch eine irgendwie etwas auslösende Tat, ja oft sucht sich die Wirklichkeit als "Seinsspannung" kräftiger ihren Weg als der Mensch im Entschluß. "Fata volentem ducunt, nolentem trahunt." - Dem der nicht will, den zieht das Schicksal. Den Wollenden führt es.

Deshalb würde ein Geschehen, eine Handlung, den Charakter eines Menschen heute gar nicht mehr ausreichend darstellen können. Deshalb muß mit feinsten Instrumenten jene oft schon fast ganz verborgene Handlung gesucht werden, die die eigentliche Handlung ist ... ein Verhalten zur Handlung oft mehr, als Handlung eines Menschen, soweit er sich überhaupt besitzt.




*171209*

Dienstag, 22. September 2009

Keine Frau erkennt eine Frau

Iris, überzeugte Feministin, meinte einmal, mich damit schon durch die Geste, in ihrer so entzückenden, dabei so konventionellen Art, auf etwas hinweisen wollend, daß sie meinen Roman "Helena oder: Das Gute ist was bleibt" nicht lese. Denn sie interessiere es nicht, wie ein Mann eine Frau sehe. Wie eine Frau sei, wisse eben nur eine Frau, Männer seien eben in ihrer patriarchalen Tradition gefangen.

Genau das stimmt schlicht überhaupt nicht. Hofmannsthal schreibt in einem Essay über D'Annunzio so wunderbar das genaue Gegenteil: Nur ein MANN könne eine FRAU erkennen. Nur wer etwas wolle nämlich, dem sage die Welt etwas, der erkenne das Leben. "Er weiß nie, was an allem dran ist." D'Annunzio, so Hofmannsthal, sei kein großer Dichter, ja, er sei überhaupt kein Dichter, aber ein großartiger Künstler.

Man erkennt sich eben - im Anderen, im Komplementären. Und deshalb braucht die Konkretion in der Darstellung das Wollen der Weltfiguren. Und deshalb muß der Dichter das Leben kennen (aber überwunden haben, Anm.).

D'Annunzio, der hier sei, aber nicht "im Leben", weil er so offensichtlich nichts vom Leben wolle, es auch nicht kenne, so sehr er die Zeichen des Lebens wisse, schreibe Bücher, in denen nichts geschehe, die keine Handlung hätten. Wenn die Dinge für sich bleiben, ohne Interesse am Außen, bleiben sie starr. Der Sinn der Welt aber liege im Handeln, das Lebensziel sei das Tun, das Tätigsein: nur dann ist man "Objekt" des Erkennens, und damit Quell der Freude.

DAS ist eben der Sinn der Welt.





*220909*