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Montag, 29. August 2022

Sein, nicht Funktion

Eine der größten Katastrophen in der Unfähigkeit, die Welt zu denken, ist der aufgeklärte Funktionalismus, dre sich seit zwei-, dreihundert Jahren so weit ausgebreitet hat, daßwir es heute mit dem Phänomen zu tun haben, daß die Menschen den Schritt zurück nicht mehr vollziehen können - und das ist ds Denken vom Sein her. 

Also wird auch im Zischenmenschlichen alles Vorkommende auf eine funktionale Ursache-Wirkungs-Bezhiehung bestimmter vorgestellter Elemente des Menschlichen (PHysischen) reduziert. In der Rede ist dann nicht der der Überhzeugendste, weil sein Wort am meisten Gewicht hat - was wiederum aus seiner Seinsnähe kommt, also aus der aktualen Genährtheit in der Bezhiehung zu einer lebendigen, personalen Wahrheit - sondern weil es ihm aus irgendwelchen niedreen, anderen Motiven heraus geliingt, daß der andere ihn als überleben anerkennt. 

Montag, 3. Januar 2022

Warum Bonelli dramatisch falsch liegt (2)

Klugheit ist nicht Rationalismus, sondern durchherzte Entscheidung. Jedes Urteil ist Frucht einer Hingeneigtheit zur Wahrheit. Unlogik gründet also in einer Haltung der mangelnden Ehe mit der personalen Wahrheit. Die Wahrheit über Corona war deshalb von Anfang an bereits VORrational ENTSCHIEDEN. Die Haltung dazu ist NICHT RELATIV. - Aber inmitten seiner Schwurbelei verweist Grün in seinem Vortrag, in dem er sich mit "Entscheidung" befaßt, auf etwas sehr Richtiges. (Und NUR in diesem Punkt sollte man ihm auch hier zuhören, NUR in diesem Punkt, ich betone es.) Genau daraus aber (anders als durch den Zugriff aufs Irrationale - das sich in mancher Hinsicht zufällig mit dem Vorrationalen deckt; das Vorrationale ist aber immer noch logisch, nur nicht apriori so erkennbar - könnte er das Thema eh nicht mehr bewältigen) erwächst eine richtige Sichtweise (die für Grün Flucht ist, aber genug davon). Der Mensch ist in eine Entscheidung gestellt." Genau. Richtig. Die erste Entscheidung des Menschen ist eine ontologische Tatsache, keine "psychologische Hilfskategorie", damit man sich im Leben leichter tut.

Sonntag, 2. Januar 2022

Warum Bonelli dramatisch falsch liegt (1)

Wenn man von einem falschen Menschenbild (Freud) ausgeht, kann man zu keinem rechten Situationsurteil kommen.

QR Vortrag Bonelli
Das läßt sich kurz zusammengefaßt über das sagen, was Bonellei in einem auf Video abrufbaren Vortrag als "leges artes" der Psychiatrie vorstellt. In dem er erklärt, "wie der Mensch tickt." Ein hoher Anspruch! Dem aber Bonellig aus mehreren Gründen nicht nachkommt weil das nicht kann. Denn diese Frage würde eine philosophische Auseinandersetzung verlangen, die Bonelli nie geleistet hat. 

(Und, das wagen wir hier zu sagen, aus persönlichen Gründen auch nicht leisten kann, sonst wäre er kein Psychiater nach heutigem Zuschnitt geworden. Was eine so allgemeine Zustandsbeschreibung ist, daß man ohne viel Bedenken sagen kann, daß KEIN Absolvent der heutigen Psychologie in Europa zum Menschen überhaupt etwas Relevantes zu sagen hat. Alles, was dabei herauskommt sind Pseudolösungen, Pseudoerklärungen, die aber nie etwas erklären, sondern einen ganzen Rattenschwanz an Folgen hier, an ungeklärten Voraussetzungen dort mit sich führen, sodaß sie im Grunde in Sophistereien und Schlagworten - "Zwangsritual", "Narzißmus", "Paranoia", etc. etc. - ersaufen.) 

Wobei nicht einmal das zu konnotieren ist, weil Bonelli sowieso im Relativismus erstickt,

Freitag, 26. November 2021

Beharren auf dem Geheimnis unserer selbst

Daß das ein Grundsatzfehler ist, ist allgemein gar niemandem mehr bewußt. Aber dahinter steht nicht nur ein materialistisch-technizistisches Menschenbild, dahinter steht nicht nur eine Auflösung von Geist in "Sprechratio" (Verstand nennt man es meist, aber der Begriff ist m. E. nicht angebracht, schon gar nicht, wenn man es "Vernunft" nennt), viel eher ist es "eine Art Sprachgebrauch"), sondern vor allem ein gravierender Mangel an Nächstenliebe, die die Liebe zur Ganzheit einer Person ist, oder sie ist nicht.

Die davon ausgeht, daß jeder Mensch aus seinem direkten Gegenüber - Gott, das Sein, das personale Sein, das Sein das Person bzw. die Beziehungsdynamik von drei Personen mit unterschiedlicher Charakteristik ist - ein Geheimnis ist, und daß deshalb dieses Geheimnis auch eine Ansprache von Gott selbst (in Jesus Christus, den Gott-Menschen, der sich IM MENSCHSEIN als Ähnlichkeit widerspiegelt, was bis zur personalen Dynamik geht) an mich und an die Welt ist. Weshalb jeder dem Gegenüber mit Respekt und Wohlwollen begegnen sollte (wobei es eigentlich ein Müssen wäre, aber es verlangt unbedingt Freiheit), um ihn in Apperzeption aufzunehmen. ("Wer einen von diesen Kleinen in meinem Namen aufnimmt ...") Um ihn dann (nach-leidend, passum, im Erleiden) zu erkennen, das heißt sein Sein zu erfahren (und sich dazu dann zu stellen).

Deshalb reicht es bei weitem nicht, Menschenrechte zu fixieren, die sich aufs nackte Überleben beziehen, sondern es braucht den unbedingten Respekt vor der Ganzheit des Anderen als Begegnenden. Und als Kulturgut schon gar nicht. Denn hier braucht es diese Verankerung des "ertragenden Seinlassens" (soweit es nicht meine sachlichen Verantwortungsbereiche anbelangt, die aber eben einen Sachbezug, ein gemeinsam zu Tuendes brauchen) in dem ich dem anderen sein Geheimnis belasse. 

Ex factis, non ex dictis amici pensandi - Achte auf das, was jemand tut, nicht auf seine Worte. Danach suche dann Deine Freunde, aus Ihrer Gestalt! 
Wer trägt sich schon auf der Zunge? (Antonio della Caraffa, "Sentencas")

Montag, 24. August 2020

Rationalität und Archetyp

Bei der US-Firma Betty Crocker Foods stand man in den frühen 1950er Jahren vor einem Rätsel. Sämtliche Markterhebungen und -umfragen hatten ergeben, daß Instant-Lebensmittel, die viel Arbeit der Zubereitung ersparten, genau im Trend der Zeit lagen. Die amerikanische Hausfrau, an der Schwelle zur Beschafferin des Zusatzeinkommens, das die Konsumbereitschaft durch höheres Familieneinkommen entscheidend erhöhte, wollte solche Produkte, die Zeit sparten. 

Aber die Produkte hatten Absatzschwierigkeiten. Am schlimmsten war es beim Betty Crocker Fertigkuchen. Dabei wurde laut Umfragen die Idee eines Fertigkuchens, den man nur noch ins Rohr zu schieben hatte, am begeistertsten begrüßt. Warum aber kauften die Hausfrauen (die die Einkäufe in den Supermärkten erledigten, also DAS Zielpublikum für Werbung war) ihn dann nicht?

Die Lösung entdeckte ein Marketing-Psychologe. Sie hieß ... Schuldgefühle. Und zwar unbewußte Schuldgefühle. Die Hausfrauen fühlten sich unbewußt schuldig, wenn sie sich durch Produkte von ihren Pflichten entlastet wußten. Niemals aber hätten sie das zugegeben!

Deshalb wiesen das die Umfragen nicht aus. Aber es waren sehr wahrscheinlich die geheimen Schuldgefühle, den Kuchen nicht selbst gemacht zu haben, also die Pflichten als Hausfrau verletzt zu haben. Das war die entscheidende Barriere, das Produkt zu kaufen, wie sich bald herausstellte. 

Denn man schrieb hinkünftig groß auf die Packung, daß man zum Fertigmachen des Kuchens noch ein Ei dazufügen müsse. Das wurde sogar groß beworben. Dabei wurde sogar so getan, als käme es auf dieses eine Ei und die Art, es beizufügen, an.

Mit einem Schlag wurde der Betty Crocker-Kuchen zum Verkaufsrenner. Nun hatte die amerikanische Frau keine Schuldgefühle mehr, weil sie den Kuchen "doch noch selbst gemacht" hatte.  

Das Produkt wurde zum Lehrbeispiel für die Konsumindustrie. Kaum ein Betrieb wollte noch ohne einen Psychologen auskommen, der feststellte, wo bei den Konsumenten allfällige Barrieren bestanden, und was ihre heimlichsten Wünsche waren, die es dann zu erfüllen galt. Plötzlich gab es nicht mehr Produkte, die einen Bedarf durch ihre Funktion erfüllten, sondern nun gab es den Tiger im Tank. Oder die in der Werbung fast unanständig sichtbar befriedigte Frau, nachdem ihr der Mann die Schlüssel zum neuen Wagen übergeben hatte. Rauchen wurde zum Sein eines Cowboys (Marlboro), oder zum Ausdruck der emanzipierten Befreiung. Usw.

Den Schritt zur eigentlichen Erklärung fand die Freudsche Psychologie freilich nie. Daß sich der Mensch nämlich immer an archetypischen Orten und damit Bezügen und damit Kräftediagrammen befindet, deren Ausdruck jenen Komplexitätsgrad annimmt, den die Zivilisation hat, verschließt der relativistische Evolutionismus des freudschen Menschenbildes. Der immer im Faktischen hängenbleibt, ohne eine definitive Begründung zu finden.

Das ist der Grund dafür, daß Freud in der "Sexualität" hängenblieb, als dem scheinbar stärksten Antrieb des Menschen. Nur - das stimmt gar nicht. Nicht in der expliziten Form, in der Freud es ansetzte.

Das wirkliche Geschehen in der Welt ist immer gleich, denn es folgt defacto immer gleichen geistigen Konstellationen, also der Grammatik der Worte "hinter allen Worten". Es ist lediglich historisch relativ, und muß damit immer neu kommunikativ entschlüsselt werden. So werden Produkte zu einem Schlüssel, einem gewollten Beziehungsort - also einem vollkommenen, "runden" Sein, das aber in seinem Wesensgrund immer gleich ist - beizutreten. Dort befindet man sich jeweils so lange, als dieser Besitzzustand (als Teil der Fülle der Existenz) aktualisiert wird.

Für den Freudianismus aber, der die heutigen Köpfe so fatal beherrscht, sind diese tiefsten Antriebe des Wirklichen irrational. Dabei sind sie das genaue Gegenteil: Höchste Form der Rationalität, nämlich ... die Wahrheit. Für die Psychoanalyse sind hingegen Schuld und Leiden Elemente der Psyche, die in jedem Fall falsch und ungerechtfertigt sind, weil es keinen absoluten, objektiven Bezug des Menschen gibt. Damit wird menschliches (seelisches) Leiden auf jeden Fall unberechtigt, und das Leiden selbst ist das Ziel, das es vom Antlitz der Erde auszulöschen gilt. Es geht um die Herstellung von Wohlbefinden, egal wie, egal wodurch.

Das aber ist Ideologie, das ist Weltanschauung, keine Wissenschaft.

Somit sind auch Empfindungen von Schuld keine relativen Empfindungen ohne absoluten Wert, sondern die Spitzen der tiefsten Grundverfassung der Welt, die gewissermaßen "in den Menschen hineinragt" und trägt. Schuldgefühle sind damit Anzeige eines echten Verstoßes gegen die Wahrheit. Die Psychologie arbeitet somit bestenfalls mit Tricks, diese echte Verfaßtheit zu umgehen, und auf Ersatzziele - auf Sündenböcke, also Stellvertreter - zu lenken.

Es muß aber darum gehen, das historische Kleid der Schuld zu dechiffrieren, um so die wirkliche Sünde - als Seins- und damit Selbstverfehlung - zu entdecken. Denn es geht um echte Schuld, immer. Diese ontologische Tatsache zu verneinen und auf lediglich relative, in sich also substanzlose Schuldkonstrukte umzulenken ("zu schieben"), stattdessen das Sein (und seine Vertreter) selbst als "schuldig" zu identifizieren (den Bezug auf das Sein also als "Machtmittel" zu verleumden), ist das Wesen von Manipulation.



*020820*

Freitag, 19. Juni 2020

Not und Elend (1)

Die Kritik, die auf diesen Seiten an Raphael Bonelli schon mehrmals artikuliert wurde, und bislang eher theoretisch war, erhält durch diese "Verteidigung" des Psychiaters und Psychotherapeuten ihr praktisches Fundament. Noch besser hätte man die Evidenzen nicht aufzeigen können, aus welchem liberalen Seichtwasser der Mann gestrickt ist. Den seltsamerweise, aber so typisch, von katholischen Organisationen, Gruppen und vielen einfachen Gläubigen als Fahnenträger der "guten Sache" gefeiert wird.

In dieser Stellungnahme versucht Bonelli, sich eines Artikels im österreichischen Flaggschiff des linksliberalen Lagers 'Der Standard' zu erwehren. Der ihm zu große Nähe zu (ultra- und sonst was-) konservativen katholischen Institutionen vorwirft. Samt den Hebelargumenten, er sei auch homophob, also "gegen" Homosexuelle eingestellt.

Alles das verneint Bonelli vehement und mit weinerlichem Gesicht, das den subjektiven Eindruck einer sonst oft schon so deutlich in der Physiognomie durchscheinenden Tendenz zur Gesichtslähmung (also einer Nervenschädigung in der "Maske", der "Persona") zur Prophetie macht. Er werde zu Unrecht angegriffen, denn er sei in seiner Arbeit weltanschaulich neutral, und selbstverständlich fließe eine religiöse Haltung oder Anschauung nicht in seine psychologische beziehungsweise therapeutische Arbeit ein.

Lassen wir einmal beiseite, wie das gehen soll. Denn wie soll sich eine (wissenschaftliche!) Sichtweise bilden, in der jene Elemente keine Rolle spielen, die als Licht (!) zur Erfassung der Wahrheit, also auch der Wahrheit über die Welt, über die Dinge, über den Menschen sohin, sogar die entscheidende Rolle spielt. Die voraussetzungslose Wissenschaft, von der offenbar auch Bonelli phantasiert, gibt es nämlich nicht. Und was er hier von sich weist, ist andererseits (und wenn es nützt) sein Etikett und damit seine Eintrittskarte als Autorität in Institutionen, die er genau damit schwer schädigt. 
Das Argument einer objektiven Wissenschaft erfüllt seine Wahrheit nicht durch die angebliche "Voraussetzungslosigkeit", sondern über die Natur der Wahrheit als Universalität, die nur durch sittliche Bedingungen zugängig wird. Insofern ist Wahrheit als objektive Grammatik der Welt tatsächlich "subjektiv". 
Aber nicht weil die Wahrheit (die immer eine konkrete Wahrheit "über oder von" etwas ist) selbst relativ, also nicht festmachbar, nicht definierbar ist. Sondern weil die Wahrheit sich erst über eine Beziehung zu ihr erschließt, ihre Reinheit und Darstellbarkeit - und damit ihre Objektivität - durch eine Person von deren sittlicher Reife abhängt.
Das ist der Ort für jene These, nach der sich in Bonelli (und seinem Denken, seiner Psychologie, seiner "Arzt"-Eigenschaft sohin) etwas offenbart, was als Hauptproblem einer Kultur im Zusammenbruch gesehen werden muß. Für die Bonelli symptomatisch ist. Denn wenn sich eine Kultur auflöst, tut sie das durch Auflösung ihrer institutionalisierten Formen. Da wird sogar bedeutend, daß sich Bonelli zum Beispiel in seinen "Corona-Videos" einem großen Auditorium im schlabbrigen T-Shirt präsentiert. Formverzicht ist zwar heute der Schlüssel zu den Menschen, aber nur, weil diesen jede Hürde der Begegnung "erspart" wird. 

Damit aber reduziert sich Wahrheit und damit Sprache auf eine "technische Logik", die es geben soll - aber gar nicht gibt! In jedem Fall aber vermeidet man nun jeden Widerspruch, weil jede Kritik sich schon nur durch die nunmehr manifeste Positions- weil Ortslosigkeit (also Indefiniertheit) beziehen kann, also von Vornherein danebenschießt. Denn ihr Ziel, die Person, die Figur, löst sich wie ein Spuk sofort auf, sobald man danach greift. 

Das entspricht auch der Beobachtung seiner Physiognomie entsprechend. Wenn oben (etwas, aber nur etwas polemisch) von Gesichtslähmung gesprochen wurde, so steckt dahinter der wahre Kern der Persönlichkeitsdiffusion. Diese wird durch Invertiertheit betrieben. Die das Denkprinzip ist. Sagen wir es salopp: Durch "In-sich-Hineingehen", im Wesentlichen also durch die Denkgestalt der Reflexivität (wir verweisen zur tiefergehenden Erklärung auf Texte hier, aber vor allem auf die Arbeiten von Walter Hoeres zu Reflexivität und Persönlichkeitsdiffusion) wird jene Ich-Grundlage aufgelöst, die selbst betrachtet wird, wobei Betrachtetes und Betrachtendes nicht unterscheidbar weil identisch ist. Resultat? Das Nichts. 

Diese Selbstnichtung ist sogar Prinzip der allermeisten Strömungen der Psychologie heute. Die ihre Therapie praktisch ausnahmslos als Auflösung der Persönlichkeit versteht, in der - natürlich! - Probleme "gelöst" werden. Durch von der Anwendung dieses Prinzips als "Heilungsprinzip" wird auch der Therapeut selbst affiziert. Sodaß der seelische Zustand von Therapeuten in sehr vielen Fällen höchst problematisch ist. Das ist auch bei Bonelli zu beobachten, mehr als er wohl glauben würde. 

Das begründet aber auch das, was fälschlicherweise von vielen als "Talent" oder "Fähigkeit" gesehen wird: Wo sich alles aufgelöst hat, wird die Sprache, getrieben von der sogenannten Intelligenz, auch höchst "flexibel". Der Mensch kann also "gut und spontan reden". Weil die Phantasie, das die Weltbruchstücke zu einem Ganzen (Bild) Vorschlagende, das dann das Ich zu einem Bild formen muß (also in Verantwortung, das heißt im Rahmen seiner Beziehung ZU jemandem etc.), keiner Bindung unterliegt. Weil die Phantasie nicht jene Grammatik trägt, die bei einer gesunden Person und Persönlichkeit (als Gestalt, in der sämtliche Beziehungsfäden integriert und beantwortet sind) aktiv und prägend vorhanden ist, die Bilder und die Sprache formt. Solche Personen werden zu "Plapperschnuten", sagen wir so, und "schlagen permanent Lösungen vor", ja scheinen unerschöpfbarer Quell von Möglichkeiten, denen nur eines fehlt: Verbindlichkeit. Wer sollte solche aufgelösten, nie Kraft zur Beziehung, nie Verbindlichkeit fordernden Personen "nicht mögen"? Die noch dazu von Schuld befreien? (Denn das ist der wirkliche Hintergrund für "Patienten".) Das ist doch die 70 Euro (und mehr) für die Sitzung locker wert?

Wessentwegen (also wegen der Auflösung der eigenen Persönlichkeit (die nur noch zu "einer Möglichkeit unter vielen" wird, deren man sich gelegentlich  bedient) die Branche übrigens "Supervision" eingerichtet hat. Denn der Therapeut verliert in seiner "Arbeit" regelmäßig jeden "objektiven Einordnungs-Rahmen", in dem erst er so wie jeder Mensch wenigstens irgendwie fest in der Welt steht. 

Meist über seine Branchenidentität: Kein Psychologe, der nicht bei jeder Gelegenheit erzählt, daß er ein solcher ist; die Bedeutung dieser Identitätsformel, die heute das am meisten Ersehnte, gerade von Psychologen am meisten ersehnte liefert: Autorität!, ist gar nicht zu überschätzen.

Sehen Sie aber auch, werter Leser, wie die Psychologie die Beichte ersetzt und bereits ersetzt hat? Natürlich ohne ihre reale Wirkung, weshalb Psychotherapien eine Eigenschaft haben: Sie werden zur sich selbst perennierenden Einrichtung für jeden, der sich darauf einmal eingelassen hat. 

Mit dem entscheidenden, weiteren Unterschied zur Beichte: Und das ist der wirkliche, also wirkende und wirken sollende Hintergrund, daß das Gegenüber "Sein selbst, Gott, die objektivste und - das ist wichtig! - absolute Ordnung, durch ein anderes Gegenüber ersetzt wird, den Therapeuten, und dessen Wahrheitsgrad (sozusagen), der Absolutheit beanspruchen muß. Weil sonst an Therapie nicht einmal gedacht werden kann. 

Wenn man in einem Streit zwischen zwei Personen, illustrieren wir es mal so, die jeweilige Person (oder auch nur eine; dann setzt sich halt die andere durch) aufgelöst wird, indem ihre Basis relativiert, in Sophistereien so lange zerredet wird, bis nichts mehr bleibt, weil der ordnende Rahmen der Ratio verloren geht, den in der Regel dann der Psychiater "ersetzt", das heißt, die heutige Psychologie zieht den "Patienten" ein neues, künstliches Verstandeskorsett ein, in dem dann die spezifischen Probleme des zu Behandelnden "lösbar" sind, zumindest eine begrenzte Zeit. Denn dauerhaft vermag die heutige Psychologie nichts zu bewirken, das wissen auch die Psychologen selbst, die sich mit Untersuchungen auseinanderzusetzen haben, die belegen, daß sich "Heilerfolge" der heutigen Psychotherapie im extrem niedrigen Bereich bewegen.

Denn Bonelli ist ein Trojanisches Pferd. Eines von so vielen natürlich nur. Aber eben eines von vielen. Das Etikett "katholisch" spricht der Psychiater zwar nicht (oder nur indirekt) aus, aber er kokettiert damit. Es ist nämlich sehr nützlich!

Aber wir stoßen hier an ein großes Problem der Gegenwart, das auf eine Verwirrung zurückzuführen ist, die zu allergrößten Teilen sogar genau dem Handwerk Bonellis zuzuschreiben ist: Der Psychologie des 20. Jahrhunderts, die maßgeblich auf (atheistische, materialistische, evolutionistische) Figuren wie Sigmund Freud aufbaut. 

Die Wahrheit ist deshalb, daß, wenn Bonelli "katholisch" wäre, die Kritik des Standard weitestgehend zuträfe. Und man (endlich!) ohne jede Scheu zugeben müßte, daß zumindest das meiste an den Anwürfen stimmte. Aber dazu bräuchte man jene Eier, die Bonelli zwar in seinen Vorträgen und Schriften einfordert, aber persönlich nicht hat. Dazu braucht es aber keine große Lektüre seiner Äußerungen, die sich wie die gesamte heutige Mainstream-Psychologie und Mainstream-Psychotherapie im Westen auf der Ebene von Küchenpsychologie bewegt. 

In die bemühte Leute wie Bonelli, die da ein eigenes Publikumsfach ausschöpfen, dem Schlagworte und Triggerbegriffe genügen, um einen "Wissenschaftler" samt und sonders zum einen heilig zu sprechen, zum anderen Tür und Tor zur eigenen "Information und Bildung" öffnen. Dabei wird jedes Denken abgeschaltet, denn man sucht ohnehin nur Schlagworte, an die man sich anhängen kann, sucht ohnehin nur Images (Bilder) und Identitätsziegel, die man dann zu einer Art "Identität" zusammenschustert. Aus der dann "Katholisches" generiert wird, das mit Katholizität ungefähr so viel zu tun hat wie Schusterblumen in der Krieau mit dem World Trade Center vor 9/11 - nämlich gar nix. 


Morgen Teil 2) Zumindest tendenziell hätte der Standard Recht.
Wäre Bonelli tatsächlich das, was man ihm hier vorwirft.
Aber damit kokettiert Bonelli ja nur, das ist das Problem.

 
 
*290520*

Sonntag, 11. August 2019

Die subversive Psychologie

An diesen Ausführungen von Raffael Bonelli, einem bekannten und als Referenten vielgefragten Wiener Psychiater, läßt sich etwas erkennen. NICHT, wie sein Thema verkündet, "am Narzißmus", sondern am Wesen der Psychologie heutigen Zuschnitts, wie sie in der Post-Freudianischen Tradition steht und sich nolens volens desselben Menschenbildes bedient. Das aber keinen Anhaltspunkt des Absoluten, des Guten bietet. Diese Kriterien sind nahezu zufällig, entsprechend ist auch die Bedeutung im Rahmen einer Pathologisierung hochgespielt und zufällig.

Wir verweisen an diesem Punkt auf einen aktuelleren Vortrag desselben Mannes (über den Flirt). In dem er im letzten Drittel auf einen springenden Punkt kommt, den man nämlich als den eigentlichen Geburtshelfer der Psychoanalyse bezeichnen muß: Die Machtwünsche des Psychologen selbst. Die darin kulminieren, daß zehn Prozent aller Psychologen das eine oder andere Problem mit (sexuellem) Mißbrauch hatten oder haben, den sie ihren "Patienten" angedeihen lassen.  

Wo liegt das Problem aber der Psychologie dieses Zuschnitts, sohin der Psychoanalyse? Es liegt in einer De-Konstruierung des Menschen, der auf Mechanismen reduziert wird, so wie man die Zwischenmenschlichkeit auf Mechanismen reduziert. Im Aufdecken dieser Mechanismen soll nun die Heilung liegen. Was noch gut klänge, wäre das in der Konstellation "Arzt - Patient" folgenlos zu bewerkstelligen. Denn selbstverständlich richtet sich diese Aufklärung nach dem tiefsten Weltbild des "Arztes", das ohne Autoritätsverhältnis niemals auskommt. Der Patient übernimmt immer, auch im medizinischen Sinn, die "gesunde Gestalt" vom Arzt.

Damit wird aber die Gestalt eines Menschen aufgelöst. Nur an ihr aber ließe sich überhaupt so etwas wie Heilung erzielen: In der Selbsttranszendierung darauf hin. Und damit sind wir beim einzigen objektiven Kriterium, dessen sich die Psychologie als Seelenkenntnis bedienen dürfte und darf: Dem Ort, der Aufgabe, der Stellung eines Menschen. Deren Integrität gilt es zu wahren, zu behüten, herzustellen, und im Alltag durchzusetzen. Denn das Leben ist ein Theater der Gestalten, NICHT eines der inneren Antriebe. Diese mögen die Fähigkeit, eine Gestalt zu repräsentieren, zu "spielen", beschädigen, gewiß, und das tun sie auch, gewiß. Aber Anhaltepunkt in der Stellung der Menschen zueinander muß immer diese objektiv vorhandene, strukturelle Verortung stehen.

Entsprechend reduziert sich jedes "psychologische Problem" auf eine Schuldfrage. Nur danach kann geurteilt werden, und nur danach wird Gott urteilen: Ob jemand seine Aufgaben treu und sachzentriert erfüllt hat. Und zwar TROTZ aller seelischen Landschaften, die er in sich trägt, und die bei jedem, wirklich jedem defiziös sind. Somit bleibt der Anschluß jeder seelischen Problematik ausschließlich in der Wahrheit definierbar und bestimmt.

Jedes, wirklich jedes der von Bonelli hier als Kriterium für "Narzißmus als Persönlichkeitsstörung" (bzw. psychische Erkrankung) läßt sich deshalb auf eine Schuldfrage reduzieren, ja ist nur eine solche. Mehr noch, jedes dieser Kriterien hat in anderer Form als durchaus berechtigte innerseelische Reaktion eine völlig andersartige Begründung und Entstehungsgeschichte, ja kann sogar unter Umständen wirklichen Wert bedeuten.

Das hat gerade in einer Gesellschaft seine enorme Bedeutung, die - wie heute - keine Strukturen mehr bietet, also nicht mehr von Gestalten ausgeht, um die es geht, sondern alles auf "persönliche Fähigkeiten" und Dispositionen zurückführt. Das führt zu einer kollektiven Verunsicherung, in der niemand mehr Ruhe und Sicherheit gewinnen kann, niemand mehr mit deren normaler Form aufwächst, sondern jeder und ständig um eine Position kämpfen muß. Und als Trophäe jeden Tag am Abend bestenfalls eine täglich wieder und wieder zu gewinnende Gestalt in Händen hält. Aber anstatt davon ausgehend weiterzuschreiten, muß er am nächsten Tag erneut dieselbe Sisyphos-Arbeit beginnen. 

Das führt zu einem Kollektivklima nicht nur des Neides, sondern einer autistischen Ignoranz des jeweils anderen ALS GESTALT. Bemerkt, rezipiert wird nur noch nach dem Leid-Lust-Schema. Deshalb hat die Psychologie diese Bedeutung erhalten, die sie heute hat, weil sie das perfekte Instrument ist, Gestalt aufzulösen, so wie sie entstanden ist oder wo sie dabei ist zu entstehen. 

Persönlichkeit kann zum einen nie ohne den Begriff der Heiligkeit gesehen werden. Das trägt sogar die freudianische Psychoanalyse als verborgenen Anspruch in sich. Zum zweiten aber geht sie - wie die Heiligkeit - von einer Bereitschaft zur sachlichen Erfüllung einer Aufgabe einher, die der ORT, also die Gestalt in sich trägt. Seelische Strukturen, egal wie man sie bewertet, müssen also immer "von oben her" gesehen werden, vom Ort, vom Stand, von der Aufgabe her, niemals "von unten her", also von einer egal wie gearteten "seelischen Gesundheit". Die es in dieser Form gar nicht gibt, sondern die eben immer nur in einem Dialog mit der realen Lebensaufgabe, dem Ort gesehen werden kann. 

Deshalb kann sich auch ein psychologisches ("therapeutisches") Gespräch nur an dieser sachlichen Anforderung ausrichten. Dieses geht aber heute von einer Auflösung der seelischen Strukturen aus, die ihren Optimalzustand in einem distanzierten, sogar spielhaften Verhältnis zu diesen Aufgaben zu finden vorgibt, in dem die Gestalt keine Rolle mehr spielt, sondern sich alles in einem lockeren Plauderton erledigt. Ein Plauderton, wie er im letzten aber nur im Verhältnis zu einem möglich und zulässig ist: Zu Gott selbst. Was Freud aber gemacht hat, und worin ihm die Psychologie seither mit wehenden Fahnen gefolgt ist, ist die Besetzung dieser Stelle durch - den Psychiater, Psychoanalytiker, Psychotherapeuten. 

Es gibt deshalb keine Psychologie, die quasi Hilfwissenschaft zur Beichte ist, auf die sogar auch verzichtet werden kann, geht es um "Gesundheit". Gesundheit, als Rückgriff auf Heiligkeit, ist kein Parallelzustand, der ohne Lösung der Schuldfrage möglich ist. (Weshalb auch so viele Heilungen durch Jesus selbst mit den Worten beginnen: "Deine Sünden sind Dir vergeben.") Darin irrt die Psychologie grundsätzlich, darin irrt Bonelli, und darin irrt unsere Zeit. Zugleich liegt darin der Grund für die Popularität dieser Scheinwissenschaft, die schon in ihrer Methodik verrät, daß sie von Seele gar keine Ahnung hat - weil sich letztlich als Naturwissenschaft auffaßt. Man kann Geist nicht mit biologischen Methoden "erforschen". Dazu braucht es vor allem anderen einmal die Dimension der Wahrheit, die auch mehr ist als "Richtigkeiten".

Sonst bleibt nur ihre Entschuldungs-Simulation. Die sich in der Psychologie ein Instrument der Auflösung von Rezeption und Urteil geschaffen hat, wie es sich in der Vita Sigmund Freuds problemlos nachweisen läßt. Die ohne Konfrontation mit der Schuldfrage (aus unsittlichen Haltungen Freuds selbst) zur Auflösung des Gewissens durch Auflösung der Bezugspunkte von Schuld - die sachlich-objektiv im Ort liegen, an dem man steht, also in der Gestalt und deren Erfüllungskriterien - gelangen will.

Und darin liegt auch ihr "Geschäftspotential", ihre Popularität in der Gegenwart. Ob die Psychologie heutigen Zuschnitts deshalb überhaupt sonst einen anderen Wert hat, denn den als Geschäftsmodell, als Instrument einer bestimmten sozialen Schichte, mit dem sie Macht über andere gewinnen können, darf mit Recht stark bezweifelt werden. Denn Schuld ist nicht "ein" psychologisches Problem - schon gar: neben anderen - sondern es ist die Grundproblematik, auf der Gesundheit als Projektion aus Heiligkeitsvorstellungen heraus aufruht. Der Mensch sucht nämlich gar nicht "Gesundheit", sondern "Heiligkeit", auch wenn er das nicht "weiß" oder "wissen will".

Die Psychologie aber muß als das bezeichnet werden, was sie ist: Subversion. Mit einem Erkenntnisgewinn, der sich in der Kategorie befindet, die sich zwischen Lächerlichkeit und banalen "na ned nana"-Gewißheiten bewegt.

Das, wonach sich aber ein Mensch wirklich ausrichtet, was also jede subjektive, im letzten aber Geheimnis bleibende Grammatik mitbestimmt, erschließt sich nur als dieser Sphäre zugehöriges Symbol, damit erst aus der Anthropologie, der Metaphysik, also der Sinndimension des Menschseins überhaupt. Darum herum bewegen sich alle menschlich-psychischen Probleme, wenn man es so bezeichnen will, und daran richten sie sich auch aus.  Aber diese Dimension der Wahrheit kennt die Psychologie gar nicht, ja darf sie gar nicht kennen, so oft sie diesen Begriff auch verwendet: Er ist dort undefiniert, undefinierbar und schwammig, versinkt bestenfalls irgendwo in "Ehrlichkeit". 

Ohne zu sehen, daß es keinem Menschen möglich ist, weder sich selbst gegenüber wie anderen gegenüber, "die Wahrheit" über jemanden zu kennen. Das ist Gott vorbehalten, der Mensch ist zu sehr Geheimnis. Auch ... der Narziß. Der ja genau das nicht glauben will.*

Ohne diese damit auch theologische Dimension der Wahrheit, die personal ist, die also ein aktives, wechselseitiges wie (nicht zuletzt über die Gnade, ohne die kein Seiendes bestehen kann) wechselwirkendes Gespräch jedes Menschen, jeder Seele ist, kann es eine Seelenkenntnis also gar nicht geben, die über das typisch liberalistische, objektiv weitgehend bedeutungslose "Lust-Leid-Schema" evolutionistischer Weltverkennung hinausgeht und damit irgendetwas wenigstens wert sein will. Erst dort liegt dann der Schlüssel zu dem, was ansonsten nur vorgetäuscht wird: Freiheit. Denn Freiheit ist eine Frage des Heiligen, nicht des "Gesunden".







*Nur eine Ausnahme sei mit Vorbehalten angeführt: Die Logotherapie. Die streng genommen aber weder Psychologie noch Therapie ist, sondern lediglich zum Schritt zur Offenheit der Wahrheit gegenüber helfen kann, der aber letztlich inhaltlich undefiniert bleibt. Im letzten bleibt jeder Mensch ein Geheimnis, das nur Gott als das Absolute Wissen kennt.




Dienstag, 30. Oktober 2018

Wenn schon ein Tabu brechen, dann dieses (4)

Teil 4)



Ab Minute 21 geht E. Michael Jones auf die Verwirrungen ein, die Freudianische Psychologie angerichtet hat. Deren Weg von zahllosen jüdischen Proponenten gekennzeichnet ist. Einer davon war Eric Ericson (originaler Name: Salomon), dessen "Stufenlehre" als Merkmal der Persönlichkeitsentwicklung weithin akzeptiert wurde. Wo sich auf "Stufe 6" am Weg zu geistiger Gesundheit auch sexuelle Aktivität gesellt. Es ist einfach eine Behauptung, die sich auf ein evolutionäres Menschenbild stützt, das keinen Geist und keine Freiheit (nur Willkür) kennt. Die natürlich nur im Geist möglich ist. 

Ist die menschliche Psyche (Seele) an den Leib gebunden, weil einfach dessen Auswuchs (epiphänomenal, also nur ein anders erscheinendes, im Grunde aber materielles, mechanistisches Phänomen von Gehirnmasse als Nervenzentrum, samt dessen Synapsen), dann ist das menschliche Denken ebenfalls an einen Verstand gebunden, der rein als Bedürfnisbefriedigung aus dem Überlebenstrieb heraus gesehen wird. Einen tieferen Sinn für Selbstbeherrschung und Selbstbesitz - Freiheit als Freiheit sich zu sich zu verhalten, also nach Vernunft zu entscheiden - gibt es dann nicht. Und Kultur, Familie, Staat, ja Ordnung überhaupt wird zur Zwangsanstalt, die nur den Sinn hat, kein Chaos unter den Menschen in ihrem Kampf um Bedürfnisbefriedigung ausbrechen zu lassen. Jede geordnete soziale Struktur ist dann nur eine pragmatische, an sich aber sinnlose Organisationsform, die die Menschen deshalb wählen, weil sie das Überleben besser sichert als das Alleinsein. Der prinzipielle Antrieb aller menschlichen Aktivitäten aber ist der Trieb, also der "Wille des Fleisches", denn der Mensch "ist ja nicht mehr".

Diese als wissenschaftlich höchst erfolgreich kolportierten Thesen haben sich leider auch in der Kirche und speziell in der Priesterausbildung verbreitet. Gerade dort haben sie den Hauptgegner - im Zölibat (bzw. in der Keuschheit). Das nach dieser Vorstellung der durch Triebentwicklung gesteuerten Stufenentwicklung (mit "Stufe 8" als "Stufe reifer Erwachsenheit") natürlich nicht nur sinnlos wird, sondern den jungen Mann (bzw. den Menschen) sogar auf einer unterentwickelten, unreifen Stufe festhält. Gerade in der derzeitigen Mißbrauchskrise gibt es deshalb nicht wenige die behaupten, daß das Zölibat "Schuld" an der unreifen Sexualität der Priester habe und Mißbrauch geradezu unausweichlich mache. Denn außer Triebunterdrückung gibt es ja kein Mittel, um die sexuelle Betätigung in Zaum zu halten. Aber jede Triebunterdrückung drängt zur Explosion, zumal in einer Autoritätsstellung. 

Nun kann man sagen: Bitte, weil ein Jude diese Thesen (die sich entsprechend publizistisch gefördert rasant ausbreiteten) aufgestellt und verkündet hat, kann man daraus doch nicht schließen, daß "die Juden" letztlich sogar verantwortlich für die Mißbrauchskrise sein sollen? Moment, meint Jones, so einfach ist das nicht. Denn es ist unbestritten, daß die Juden die Psychologie (vor allem in der Psychoanalyse) der letzten hundert Jahre dominieren. Mehr noch: Psychiatrie und Psychoanalyse sind eine Form jüdischen, revolutionären Denkens. Wir haben es hier also von der ganzen Art des Denkens und der Weltsicht mit einer "jüdischen Wissenschaft" zu tun. 

Und hier beginnt die Grundsituation des Judentums zu wirken. Das in der Situation steht, sich gegen das Sein (durch die Ermordung von Jesus Christus) und damit gegen Gott gestellt zu haben und in dieser Haltung verharrt. Damit ist es ein aufzeigbarer (und das haben auch, ja vor allem viele jüdische Schriftsteller und Denker getan) Impuls, eine gewissermaßen ontologische Geneigtheit, faktisch unterstützt durch die historisch bedingte Diaspora, die die Juden überall als Minderheit fand, die sich gegen eine Mehrheitsgesellschaft behaupten mußte. Die noch dazu und immer identisch mit Ordnung ist. Der Feind ist also die bestehende Ordnung, das gibt dem Judentum immer einen revolutionären Charakter. So wurden Juden überall und in jedem Volk als Feinde der Ordnung angesehen, und so wurde ihr Verhalten geprägt. 

Das sich in der Psychoanalyse genau dieser Motivik bedient. Denn die Psychoanalyse Freuds (als erster, der sie "erfand") zielt auf eine Auflösung der Gestalt ab. Und löst die Psyche und deren Bewegungen in neue Grundkonstellationen auf. Eben in Evolution, in einen Kampf aller gegen alle, statt wie die vormalige Psychologie als ontologische Situation des Menschen (mit einer Geist-Seele) vor dem Sein, vor Gott. Wahrheit wird damit relativ und zu einer bloßen "Absicht", zur Triebbefriedigung zu gelangen, die sich in der menschlichen Psyche ihre oft sehr verschlungenen Wege und vor allem Umwege sucht, um - gegen die herrschende Moralordnung als Waffe der Unterdrückung der Mehrheit und Macht - zum Ziel zu gelangen.

Nun ist das zwar in einem Funken wahr, vor allem dort, wo der Mensch mangels Wahrheit und damit Geist unfrei ist, weil dcr Mensch sich selbst sein bester Lügner ist. Aber es läßt die letzthinnigen Seelenkräfte und -bestrebungen nicht mehr begreifen. Stattdessen wird eine neue Weltsicht implementiert, wie der Fisch seinen Köder am Angelhaken schluckt, die den Menschen immer unverständlicher macht, einerseits, und ihm andererseits ein völlig neues Grundschema seines Denkens einpflanzt. Das ihn nicht mehr in die Lage versetzt, Sein und Welt und Ordnung zu begreifen. 

Die solcherart geprägten Sichtweisen sind vielmehr einem Korsett vergleichbar, das dem Menschen angezogen wird, in dem ein durch immer weiter notwendige Sophisterei (also Rhetorik in ihrer schlechtesten weil rein pragmatisch-relativen Variante) gebildete eigene Wirklichkeit "tragend" wird. Und die gesamte Weltsicht nach und nach verdunkelt weil die Wirklichkeit, das Begegnende falsch, in Wahrheit sogar denunziatorisch interpretiert. Denunziatorisch, weil es allem Begegnenden selbst wieder reine Triebbefriedigungsabsicht unterstellt, dem anderen also jede Freiheit und jeden Geist abspricht. Damit muß jede soziale Ordnung, jede Kultur mit der Zeit zerfallen, weil sie nicht mehr in der Lage ist, sich schöpferisch zu gestalten - ohne Wahrheit, ohne Sein, in (solipsistischer) Täuschung zerfällt alles. Wirklichkeitsgerechtes Handeln und Verhalten wird rein zufällig. 

Weshalb die bekanntesten jüdischen Psychoanalytiker - oder solche, die damit umgehen, wie Woody Allen - in Zynismus und andauernde Ironie fallen, weil die Welt definitiv sinnlos wird. Und wenn es einen Grundzug an Amerikanern heute gibt, dann ist es ja auch der: Sie sind in einem Maß selbst-/ironisch bis zynisch, daß es gar nicht mehr möglich ist, mit ihnen ernsthaft zu reden. Denn wird die Ironie/der Zynismus zur Grundhaltung, dann löst sich alles auf, das ist ja das Wesen der Ironie. Und erklärt, warum sie manchmal auch tatsächlich sinnvoll und befreiend ist, also dem Denken "frische Luft zufächelt". Aber eben deshalb, WEIL sie auflösend wirkt. Anders, als der Humor oder gar die Heiterkeit, die das Leben, die Welt als Spiel betrachten, in dem man zwar die Regel strikt befolgen muß, aber sich selbst und seine Absichten nicht so wichtig nimmt.


Morgen Teil 5) 





*101018*

Dienstag, 24. März 2015

Zerreißen der Schleier des Geistes

Es sei ein Protest gegen Rückständigkeit, meint eine der Vertreterinnen der Bewegung "free the nipple". Zumindest behaupten das einige Medien: daß es eine weltweite Bewegung sei. Vermutlich ist es dabei einfach nur die nächste Schnapsidee einiger Selbstdarsteller und in diesem Fall wohl zweifelsfrei: Exhibitionisten.

Aber ist es rückständig, die Brustwarzen zu verhüllen? Es hätte dann seinen Weg in dieses Blog nicht gefunden, wäre es nicht ein weiteres Beispiel, wie unter dem Titel "Fortschritt" genau das Gegenteil angestrebt wird. 

Denn hier wie in so vielem sonst geht es um Formzerstörung, um Kulturauflösung. Um Re-Primitivisierung, um den Wunsch nach Barbarentum. Kultur bedeutet nämlich, die rein physisch-materielle Stufe der Welt (und des Menschen als Leib) allmählich in ihre größte Möglichkeit zu führen - den Geist. Nur so wird einerseits Welt besessen und in Freiheit gestaltet, nur so wird die in ihr enthaltene Freuung und Schönheit entfaltet. Diese Aufgabe hat der Mensch, es ist der Sinn seines Lebens.

Die Brustwarze ist zu einer der Stellvertreter-Darstellungen einer nur mehr dem entwickelten Geist erfahrbaren Zueinandergeordnetheit von Materie und Wort, von Frau und Mann entwickelt worden. Dem anderne, der diese Geistigkeit noch nicht erreicht hat, zumindest als Boje, als Markstein: dort läge er, streck Dich also danach aus!

Das ist genau so eine hohe Kulturleistung, wie es die Differenzierung in Mann und Frau überhaupt ist, auch und sogar in der sogenannten Mode. Noch im Mittelalter waren Mann und Frau in Europa kaum unterschieden, zumindest nicht in den großen Volkssschichten. Auch in der Arbeit waren sie kaum unterschieden. Die Frau war grobknöchig und schwere Arbeit gewöhnt, und vom Mann oft kaum zu unterscheiden. 

Es ist eine hohe Kulturleistung, hier nach und nach Differenzierung nicht nur hereingebracht zu haben, sondern in einer immer weitergehenden Aufteilung der "Spitze" des jeweiligen Daseins im Geschlecht (und anders ist der Mensch nicht real) - als Herausarbeitung des hier Seelenvolleren, Gemüthafteren, Empfangenderen, dort Kräftigeren, dem Kampf Zugewandteren, dem Erwerb Gewidmeteren, sodaß sich die Geschlechter nicht nur noch besser entsprachen, sondern einander noch mehr helfen konnten - ausgeformt zu haben. Je durch Riten und Verhaltensregeln wirklich geworden. 

Deshalb ist der Feminismus eine Re-Primitivisierung, ein Kulturabbau, kein Fortschritt, als der er dargestellt wird. Und damit wie so vieles ein seltsames Zurücksehnen in einen Zustand der Kulturlosigkeit repräsentiert. Ein Wunsch, der überhaupt in dieser Zeit zu liegen scheint.

Wer eine Brustwarze mit anderen Augen als jenen aus primitiver Unfähigkeit zur Form sieht, sieht in einen tiefen Grund tiefmenschlicher Zueinandereignung, und deshalb muß sie auch mit Scham und Tabu (als Schutz vor Barbarisierung) bedeckt werden. Sie zu entblößen, dabei zu verlangen, daß man den geistvollen Schleier, der in Jahrhunderten über sie gebreitet wurde, zerreißt, wieder auflöst, ist ein Aufruf zur Barbarei und bloßen Funktionalität. In jedem Fall: Ausweis geistiger Verarmung. Die nicht einmal mehr sieht, wo der Unterschied liegt, wenn eine Frau oder ein Mann seine Brust entblößt. 

Es sei natürlich?* Dann muß man den Menschen, sein Wesen, seine Natur bereits als geistloses Vieh definieren, dessen Beziehungen zueinander denen eines bloßen Verhältnisse auf bestimmte und sehr reduzierte Nutzanwendungen entspricht. Als wäre das, was Mann und Frau einander sein können (und das muß man sich erarbeiten, als persönliche wie allgemeine Kulturleistung), bald nur noch das, einander Fickmatratze zu bieten, je nach Lust und Willkür. Hier sogar noch von "free", von Freiheit zu sprechen, ist schlcith und ergreifend pervers, weil es genau das Gegenteil meint: Den Rückfall in die pure Getriebenheit durch animalische Forderungen. Jene besitzen und bestimmen dann den Geist (der sich im selben Moment verflüchtigt), nicht der Geist sie. Und erst dann ließe sich von Freiheit sprechen - im Erreichen des Gegenteils.**

Nicht weniger ist es deshalb Ausweis der Primitivität der Natur der heutigen so genannten "Prominenz", die diese "Bewegung" angeblich auslöst, und den Begriff der Elite, auf den sie zurückgeht, ins Gegenteil treibt. Zur Vorreiterschaft des neuen Barbarentums wird, wo der, der (gesellschaftlich-hierarchisch) nach oben sieht, eigentlich das Unten erblickt. Eine Kultur, ein Volk, ein Organismus folgt immer am Kopf, und an ihm wird es zur Höhe geführt, oder geht an ihm zugrunde.



*Es geschah ab dem Anfang der 1970er Jahre, aus der Revolution heraus, die die 1968er waren, als das "sich nichts mehr dabei denken" Kulturzerstörung zum "Gut" erklärte. Der VdZ hat in seiner Jugend diesen Werteumbruch erlebt, und ist ihm ein gutes Stück weit selbst auf den Leim gegangen. Aber man hat dabei nur der Primitivität - als Fall ins Nichts - Tür und Tor geöffnet. Die erlittenen, erfahrenen wie irrtümlich selbst zugefügten geistigen Schäden freilich zu reparieren, zerrissene Integritäten wiederherzustellen, das ist eine Lebensaufgabe, die sehr viel Geduld braucht. Aber es ist die historische Aufgabe der Zeit. Man kann Kultur und Geist nicht künstlich aufrichten, als Zwangssystem, wie es der Faschismus beabsichtigte, als Utopie. 

Aber man kann sich selber - und seine Verantwortungsbereiche mit - geduldig und aufmerksam zumindest in Teilen wieder aufrichten, wenigstens in der Orientierung. Der Geist, der Gewinn liegt dabei im Weg, weniger im Erreichten. Denn man kann sich auch dabei nicht alleine, autonomistisch denken. Man ist immer irgendwie zumindest Kind der dominierenden Kräfte seiner Zeit. Es geht eben nicht ums Hier, das ist immer relativ, nie absolut. 

Da braucht es oft viel Klugheit und auch Kompromißbereitschaft, Abwägen des je höheren Gutes, Vertrauen in die bergende Hand des Seins - Gottes. Anders geht es auch nicht, denn wir haben durch unser Leiden zu ergänzen, was am Leiden Christi noch fehlt. Das historisch konkret ist. So erst, im Kreuz, auch dem Kreuz an uns selbst, wird Welt und Geschichte erfüllt und real erlöst, werden wir zur Pforte der Gnade für uns und die Welt. Es geht im letzten eben ums Jenseits, um die aus dem Glauben geborene Hoffnung auf die Auferstehung am Jüngsten Tag, mit einer neuen Erde, einem neuen Himmel. Diese Erde ist unumkehrbar verspielt. 

Was wir tun können beschränkt sich oft sogar schon auf Treue zur überlieferten, übernommenen Form, die uns anfänglich meist sogar noch inhaltsleer und unverstanden bleibt.

**Selbst der Evolutionist und Materialist Siegmund Freud wies darauf hin, daß Schamlosigkeit ein Merkmal geistiger Beschränktheit sei.




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Montag, 27. Oktober 2014

Fehlerhafte Triebe (3)

Teil 3) Nachgedanken, auch zur Hochbegabtenproblematik. 
Oder zum Irrsinn der "freien Wahl" des Geschlechts



Welche Bedeutung also diese Integration - die sich in der Psychologie als "Sublimierung von Trieben" eingeführt hat - bzw. Unterordnung von jeweils "narzißtischeren" (Freud) Lustgewinnen unter höhere Antriebe hat, die als temporäre Unterstufen der jeweiligen Höherentwicklung eines Organismus (hier: Mensch) zu seiner Vollgestalt zwar nicht verschwinden, aber in ihrer Rolle dem Gesamtziel des Lebendigen eingegliedert werden, kann weiter ausgeführt werden.

Vorneweg ein weiteres und viel erzählendes Beispiel aus der Literatur, Wolfgang Köhlers Studien an Schimpansen entnommen. Ihm ist es nämlich gelungen, eine Schimpansin dazu zu bringen, auf einen Teil ihrer Nahrung zugunsten eines hungrig gehaltenen Männchens zu verzichten. Obwohl sie selbst noch nicht gesättigt war. ABER das ist ist nur dann gelungen, wenn die Schimpansin menstruierte, also das sexuelle Verhältnis zum Männchen ausgeschaltet war.

Nicht der Vernunft untergeordnet, siegt also bei Tieren tatsächlich so etwas wie eine reine Triebordnung, die von sich zuerst ausgeht. Doch ist der Mensch kraft seiner Freiheit als gestaltbares Selbstverhältnis dazu in der Lage, diese "höhere" Handlung TROTZ anderer bestehender und unerfüllter Triebe (und Verlangen) zu gestalten. Es ist allerdings eine Frage der Reife, der Vernunftfähigkeit, die durch egoistischere Triebe und Haltungen (aber auch Gedankengebilden, die Normen und Werte in "Vernunftgebilde" - als Verstandesgliederung - einbetten) empfindlich gestört werden kann.

Umgekehrt zeigt sich die Verrücktheit eines pädagogischen Ansatzes, der wie heute davon spricht, daß jedes Kind "sonderbegabt" wäre, nur weil es in der jeweiligen Altersstufe eine spezifischere Neigung zu bestimmtem Tun zeigt. Reifung, Aufwachsen bedeutet ja genau das: in einer jeweiligen Stufe mit einem dieser Stufe entsprechenden Antrieb konfrontiert zu werden, der sich im weiteren Wachsen und Reifen dann in die nächsthöhere Stufe wieder integriert! 

Deshalb bedeutet in vermutlich den (aus der persönlichen Beobachtung des VdZ zu schließen, aus der heraus er sogar dramatische Fehlurteile kennt, die junge Menschen fundamental in ihrer Vernunftentwicklung geschädigt haben) allermeisten Fällen das Konstatieren von "Sonder- und Hochbegabungen" bei Heranwachsenden schlichtweg eine Neurotisierung desjenigen jungen Menschen, und ganz sicher keine "Förderung einer Hochbegabung". Es bedeutet das Behindern des Weges zur Vollreife des noch Heranwachsenden durch Hypertrophierung, durch Finalisierung eines jeweiligen Vorreifestadiums.

Gleiches, in gewissem Sinn aber Umgekehrtes, läßt sich von bestimmten vor- und unreifen Stadien etwa der sexuellen Orientierung sagen, Christa Meves hat einmal sehr richtig darauf hingewiesen. Denn selbstverständlich muß sich auch der Heranwachsende mit noch ungeformten sexuellen Antrieben auseinandersetzen, und diese in sein Insgesamt integrieren, das heißt: zur Vollform führen. Insofern hat JEDER Heranwachsende sexuell "indifferente" Neigungen. Die es eben in spezifische Form erst zu bringen, zu integrieren gilt. In diesem Fall: im Hineinwachsen in die notwendige Differenzierung der Polarität alles Schöpferischen.

Ebenfalls aus diesem Blickwinkel läßt das ADHS-Syndrom ganz andere Schlüsse zu, als gemeinhin gezogen werden. Denn hier sind ungeformte Antriebe die Ursache für eine für den Betroffenen - den man als "verwahrlost", meist sogar wohlstandsverwahrlost bezeichnen muß - nicht kanalisierbare Antriebskraft.

Oder wie viele Beispiele aus seiner Erfahrung soll der VdZ anführen, wo selbst Endzwanziger einfach keine Lebensform gefunden haben, weil sie einer "Nicht"-Erziehung ausgesetzt waren die ihnen zumutete, sie könnten in jeder Lebensphase nur aus ihren Antrieben heraus erschließen, was sie in ihrem Leben zu tun hätten. Und damit auch selber entscheiden könnten, welche Schulen oder welche Ausbildungen oder welche Gewohnheiten sie wie lange oder wie oft wahrzunehmen bedürften? Denen dann ihre tief existentielle Verwirrtheit - nicht selten von größenwahnsinnigen, eitlen und ehrgeizigen, dabei selbst gescheiterten, und in Wahrheit nur trägen, zutiefst unreifen,l also in juvenilen und infantilen Stadien festsitzenden Eltern - auch noch als "kreative Veranlagung" schöngeredet wurde und wird, worauf sie gerne zugreifen, weil sie ihr Leben einfach nicht (mehr) ordnen und damit vernünftig gestalten können?

Diese Gegebenheit des Verhältnisses Antrieb - Persönlichkeit auch noch unter den Titel "Jugendliche wären zu hohem Prozentsatz homosexuell" oder "in ihrem Geschlecht ambivalent" zu verbuchen, sie quasi ihr Geschlecht "aussuchen zu lassen", ist nicht nur verbrecherisch unverantwortlich - es zeigt, in welcher Bösartigkeit, Dummheit und Verwirrung wir uns kulturell bereits befinden.





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Sonntag, 26. Oktober 2014

Fehlerhafte Triebe (2)

Teil 2) Unkultur als Weg zur Perversion





Kultur wird somit als "Symbol-Archiv" verstehbar, an und in dem sich der Mensch je neu zu sich - in seiner bereits erkannten und möglichen Höhe - finden kann. Sie ist wie eine jeweilige Rückführung zu sich selbst, eine Art Abrufen, Erinnern des Selbst an sich.** Der Mensch muß also in eine Kultur hinein erzogen werden, in der er eine Gestalt anzunehmen lernt, in der das dialogische Wechselspiel des alltäglichen Begegnenden ebenso enthalten ist, wie deren geformte Kommunikation mit seinen jeweiligen Lebenstriebstufen.

Erwachsenwerden heißt also, die jeweils an sich noch ungeistigen (aber auf Geist ausgerichteten, deshalb mit dem Lebensalter ansteigend und fordernder in Vernunftstrukturen einzugliedernden) Lebensstufen zu formen zu lernen, und dem höheren Gesamtziel dienend - der Freiheit des Geistes - als Persönlichkeit einzufügen.

Bleibt der Mensch in seiner konkreten fleischlichen Prägung festgehalten in "unteren" Stufen, bleibt deren Drängen (!) nach Anbindung in den Geist² also unbeantwortet, so wendet sich die Geistigkeit von oben her (der Leser möge die manchmal vielleicht allzu bildhafte Sprache verzeihen, mit der versucht wird, das komplexe Geschehen auf so wenige Sätze einzudampfen) auf diese zurück. Hier beginnt zum einen die Neurose³, die Perversion, der Fanatismus, die Hysterie.  Der Geist findet quasi kein anderes Material, auf das er sich wenden kann, und versucht seine Prinzipien diesem ungewichteten Leib einzuprägen. ***

Und diese Geistigkeit ist jener Grad der menschlichen Reife - zu der prinzipiell jeder Mensch berufen ist, ja zu dem es ihn immer drängen wird, ob er das weiß oder nicht - in der der Mensch sich in Selbstbesitz als Vernünftigen findet, der sich von einem "dynamischen", transzendenten Ich her zu sich verhalten kann. Und aus diesem Ich heraus versucht er sein Sein als Mensch - mit Leib und Seele - zu erlangen, indem er sich die Teilhabe an diesem Sein quasi erarbeitet. Je vollkommener er sich in dieser "pyramidalen", hierarchichen Verfaßtheit entwickelt, desto mehr steht er als Ganzes in diesem Sein, an dem er analog teilhaftig wird. 

Das er sich also nicht geben kann, doch kann bzw. muß er aus sich heraus alles tun, um diese Analogie zu erfüllen, um SO am Sein teilzuhaben. Untere Stufen, um es so zu sagen - ohne daß dies alles eben wie in Scheiben aufzutrennen wäre, es ist immer ein Ganzes, das nur von seiner höchsten Möglichkeit her zu verstehen ist - sind also nicht, wie in einer Summe, eben nur geringere Stufen der Vollkommenheit, sondern sie sind Mängel am Ganzen des Menschseins.

Wo er in unteren Stufen hängt, ist er einem Faß mit Leck vergleichbar, dem für die oberen Etagen quasi die fleischliche Lebenskraft fehlt (und Lebenskrafrt zielt auf Gestalt, auf Gesamtverwirklichung als Mensch, mit Leib und Seele im Geist). Klartext: Bleibt er etwa in sexualistischer Ebene hängen, oral, anal, wie immer man diese immer sehr komplexe Lage eines Menschen sehen kann oder muß, fehlt der Anlage zur Geistigkeit ihre Entfaltungskraft. Ohne diesen Anspruch aber je aufgeben zu können, denn er liegt in der Wesensverfaßtheit jedes Einzelnen - ontologisch - begründet.


Morgen Teil 3) Nachgedanken, auch zur Hochbegabtenproblematik.
Oder zum Irrsinn der "freien Wahl" des Geschlechts



²Es wird gerne übersehen, daß ja die Natur nicht darin ihr Glück findet, in einem rohen Zustand belassen zu werden. Sondern sie "sehnt sich" nach Formung, nach Sinn, nach Einbindung in die Kulturwelt des Menschen, und damit nach höchstem Sinn. Denn so findet sie selber zu ihrer eigenen größeren Entfaltung. Nehmen wir ein simples Beispiel aus dem Alltag: Nehmen wir einen Hund als Haustier. Wer genau schaut sieht, daß dieses Tier regelrecht danach lechzt, vom Menschen mit Aufgaben bedacht zu werden. Sieht, mit welcher Begierde und Freude es sich in menschliche Strukturen einbinden läßt, was beim Hund bis zu gewissen Formen dem Menschen analogen Seelenlebens führen kann. 

Jedes Tier erwartet vom Menschen nämlich, daß er seine Herrschaft über es wahrnimmt und es selbst somit zur höchstmöglichen Erfüllung führt. Denn auch das bloße Tier, der bloße lebende Organismus der Pflanze, ist auf Geist ausgerichtet, insofern ontologisch transzendent, ohne dieses Ziel aber - mangels Vernunft als Selbstverhältnis - selbst erfüllen zu können. Denn alles Leben will zum Einen, zu Gott. Und der ist Geist. Und was die Welt rägt ist LOGOS, ist Sinn. Nur aus Sinn aber nährt sich Leben. Alle unteren, sagen wir: rein vitalen Ebenen sind zu diesem (Welt-)Sinn nur Analogie.

**Deshalb gibt es eben Unkultur, ja Anti-Kultur, denn hier wird die Frage nach der Wahrheit (und der nur in ihr möglichen Klugheit, ja Weisheit) entscheidend. Nicht alles, was also institutionalisiert ist, ist auch zugleich Kultur im Vollsinn, sondern kann auch kulturalisierte Unkultur sein, die den Menschen von sich wegführt. Johannes Paul II. hat also sehr richtig von der "Kultur des Todes" gesprochen, in die sich der Westen entwickelt hat. Die Stellung der Sexualität in der faktischen Öffentlichkeit ist etwa als klare Neurotisierung zu verstehen.

³In welche Richtung dies zu verstehen ist, illustriert ein Beispiel aus der Naturbeobachtung, Rudolf Bruns "Neurosenlehre" entnommen: Ein in der Gefangenschaft überfressenes Eichhörnchen hört trotzdem nicht auf, dem phylogenetisch nicht-egoistischen, also "höher ausgerichteten" Sammeltrieb - Vergraben von Nüssen als Vorsorge - zu folgen. Es scharrt dabei törichterweise sogar auf einem Parkettboden, um es vermeintlich einzugraben. 

***Gerade in den Perversionen findet sich deshalb erstaunlich klar ein höheres, allgemeineres, geistiges Prinzip ausgedrückt, das um Durchsetzung, um Leibprägung - weil auf Gesamtwirklichkeit des Menschen ausgerichtet - kämpft und dabei mit viel Kraft nach Verwirklichung (nach außen, in Gestalt) drängt, und auf einen Leib und ein Selbst (als psychische Struktur im Verhältnis nach außen) mit dieser und jener Prägung, manifestierter Haltung, Neigung, Gewohnheit oder auch Denkmöglichkeit etc. trifft.




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Samstag, 25. Oktober 2014

Fehlerhafte Triebe (1)

Es ist einer der verhängnisvollsten Fehler Sigmund Freuds gewesen, den Menschen als ein Kompositum von Einzeltrieben zu sehen, deren beide mächtigste in seiner Konzeption die Libido sowie der ihr entgegenstehende Todestrieb sind, der die "natürlichen", biologischen Kräfte der Libido durch Lebensverneinung zu formieren sucht. Und dabei auch wieder im Überlebenstreben der Natur verankert ist, denn Freud - das vergißt man gerne - ist materialisitscher Evolutionist, und der menschliche Geist ist für ihm lediglich ein Epiphänomen, also eine andere Sichtweise derselben rein biologischen, chemisch-physikalischen Vorgänge.

Wer sein Triebkonzept in allen Implikationen (die Freud meinte nicht nur ignorieren, sondern umschiffen zu können, denn er wollte mit Philosophie nie etwas zu tun haben) aber ausfaltet sieht, welch enormen Einfluß es auf das allgemeine Denken entwickelte, und heute fast als allgemein Sichtweise betrachtet werden muß.

Aber so kann man den Menschen nicht sehen, so ist er nicht. Freud hat eben immer nur an Kranken, an Neurotikern gearbeitet, und von da her recht offensichtlich auch sein falsches Konzept entwickelt (bei allem, was seinen Gedanken sonst an Inspirativem und auch Richtigem beigemessen werden muß). 

Man muß vielmehr die "Einzeltriebe" als Auswirkungen des einen und einzigen Lebenswillens (und insofern "-trieb") sehen. Wie ein Baum, der im Zuge seines Wachstums zur Gesamtheit nach und nach einzelne Phasen durchmacht, in denen je ein Aspekt des Menschen (wie er im Erwachsenen, im günstigen Fall, ganz ausgefaltet ist) stärker (immer im Dialog mit der Welt zu sehen) wirkt. Weil quasi seine Stufe dran ist. 

Bleibt freilich ein Mensch in einer dieser Stufen hängen, gelingt es nicht, diese Stufe je weiter zu integrieren, in die nächste höhere Stufe - bis zur Geistigkeit des Erwachsenen - einzubetten, die jeweils die vorangegangen Stufenen in sich birgt, so bleibt er natürlich in diesem vorgängigen Stadium gewissermaßen "hängen". Es hypertrophiert unter Umständen sogar, und beginnt ihn zu beherrschen. 

Der Todestrieb, den Freud mit der Moral (bzw. in weiterer Konzeption: mit dem Vater) gleichsetzt, wird also zugunsten des narzißtischen Triebes (Ödipus als mythologisch-symbolischer Archetyp) zu schwach. So Freud, für den das Leben als Mensch, in der Kultur, nur so möglich und damit aus dem Tod geboren wird. Denn nur über Verbot (Tabu) kann sich Kultur somit entfalten. So Freud, für den damit das "Sublimieren" der Primärtriebe (mit dem Sexualtrieb als zentralen, alles beherschenden darunter) in Sekundärtriebe (als "Kulturtriebe", die auf Gattung gehen) zu einer Form des Todestriebes wird, der dem eigentlichen Leben des Individuums entgegensteht und es über kulturelle, gemeinschaftliche Institutionen und Formen "zwingt". Der Primärtrieb läßt sich für diese Triebkonzeption also nur "zwingen".

Aber Geist ist etwas ganz anders als Moral, und schon gar nicht als "Verbotssituation" zu begreifen. Und wer nur einen Vogel beobachtet, der zuerst seine Jungen versorgt, um dann selbst zu essen, sieht die Widerlegung. Reife ist nicht eine Frage der Stärke des Todestriebes - der über Unterdrückung (und Kollektiv) funktioniert. Selbst, wenn Verbote gewiß eine praktische Rolle spielen.* Er ist die Konstitution des Menschen als sich in der Vernunft selbst besitzender, ergreifender, der über die Begegnung mit der Welt, über die Erkenntnis, über die Ausreifung der Beziehungen zu den begegnenden Dingen, der Welt, zu sich selber kommt.

Der "Todestrieb" Freuds findet eine gewisse Analogie jallerdings in der Erscheinung der Reife, die nämlich tatsächlich ein Selbstvergessen - insofern: ein Sterben - bedeutet, in der sich das Ich dann je neu aus den transzendenten Quellen erhält.

In stufenweisem Aufbau, der aber nie eine Summe ist, sondern immer nur eine Etappe mit je stärkerer Betonung des noch nicht Geistigen, wo die nächste Stufe die vorhergehende(n) besitzt oder besitzen sollte, steht am (gar nie abschließbaren) Zielpunkt seine Geistigkeit, seine Freiheit (die sich im Selbstverhältnis im Verzicht auf das Selbstische - im "geistigen Sterben" also - erst vollkommen ausdrückt). Die nur weltimmanent, nur materialistisch-evolutionistisch tatsächlich nicht begreifbar sein KANN. Denn sie ist in ihrem Wesen transzendent, nur vom Transzendenten her überhaupt verstehbar.



Morgen Teil 2) Unkultur als Weg zur Perversion


*Was man sehr gerne übersieht ist, daß der Mensch in seiner Verfaßtheit ja einem rhythmisch oszillierenden Zustand - Schlaf/Wachen, Ruhe/Aktivität, etc. etc. - eher gleicht, als einem starren, "immer gleichen" Dasein, das er ja gar nie erreicht und erreichen KANN. Im Wachen braucht man kein Moskitonetz, weil man sich gegen diese Feinde zu wehren vermag. Der Mensch als Person ist ein immer aktuelles Geschehen, kein statisch fixierbarer Zustand, das in der Kultur je seine Pole soweit institutionalisiert, als sie ihn zu seinem größten Möglichkeiten auszustrecken helfen, ohne jeden Einzelschritt immer wieder neu setzen und durchkämpfen zu müssen.

Aber es ist klar: Wo eine geistige Struktur fehlt, diese nur im Materiellen vorhanden ist, wie im Materialismus des Evolutionismus, kann es Entwicklung nur in starren Stufen geben, weil das jeweilige Menschlein kein "Backup" hat, aus dem er sich je neu vom Moment der passiven Entspannung her zur Vollgestalt hervorbewegt, die nur geistig - im Erkenntnismaß - konzipiert sein kann.



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Dienstag, 1. November 2011

Umwandlungen

Mit der zwangsläufigen Umwandlung des Religiösen, in der Religiosität des Mittelalters zur Vernunft- und Aufklärungsreligion des Protestantismus, zum blanken Deismus, zum blanken Hochmut also, im 19. Jahrhundert, mit dem Primat der ethischen Sphäre. Das bedeutet nichts als den Durchbruch des individuellen Machtwillens (aus dem Ursprungsimpuls der Renaissance, dem Individualismus) in unverblümter Ausdrucksideologie.

Die Idee der Freiheit und Selbstbestimmung des einzelnen Individuums wird nun die eigentliche Ideologie des Bürgertums, also der führenden Klasse des sich entfaltenden Kapitalismus. Dessen psychologische Grundlage, der individuelle Machtwille, dehnt sich damit als demokratisches Prinzip auf alle Einzelnen aus. In den nüchternen Ausdrucksideologien des Darwinismus und Marxismus, wissenschaftlich frisiert als Lehre vom Kampf ums Dasein und vom Klassenkampf, wird der Machtwille seiner ethischen Maskierung entkleidet.  
 
Alfred Seidel in "Bewußtsein als Verhängnis"

Diese Ideologien, die in intellektuellen Kreisen durchaus dem 19. Jahrhundert zugehören, sind (wie jede Leitidee der Eliten) erst viel später zur Massenideologie abgesunken. Und nachdem der Darwinismus seine ganze wissenschaftliche Unzulänglichkeit (in den 1920er Jahren galt er bereits als überwunden und widerlegt) bewiesen hatte, begannen diese Weltanschauungen ihre volle Kraft im Arbeiterstand zu entfalten.


*011111*

Freitag, 28. Oktober 2011

Fatale Rückkoppelungseffekte

Was also schreibt da Alfred Seidel in seinem sagenumwobenen, kaum zu halbwegs erschwinglichen Preisen erhältlichen Buch "Bewußtsein als Verhängnis" - mein Exemplar habe ich in einem Antiquariat in Argentinien aufgetrieben! - in der Fortführung der Gedanken um die Auflösung der Kultur durch die Psychoanalyse (zu hohe Reflexion zernichtet das Tun), zum einen Symptom, zum anderen Triebkraft?

Aus dieser fehlenden Triebsublimierung heraus (Seidel ist Freudianer, und meint, daß Kultur sui generis aus der Verdrängung des reinen Sexualtriebes entsteht: die freigewordene Kraft wendet sich anderen fruchtbringenden Tätigkeiten zu, im Tun, wohlgemerkt) Entsteht im (unbewußten) Tun ein Mangel, wendet sich diese nunmehr ungebundene, frei schweifende Kraft entweder einer Hypertrophierung des Trieblebens zu (Stichwort: Übersexualisierung), oder/und einer Überreflektiertheit, die dem Handeln im Wege steht, es ersetzt, oder die Untätigkeit rechtfertigt.

In einem Zeitalter, in dem die Technik (sagen wir so) die Natur beherrscht, durch Psychotechnik sogar die menschlich-geistige Natur, verändert sich das religiöse Erleben des Menschen fundamental. Er verliert den religiösen Bezug, er wird verblendet, und sieht den Menschen als Ursache von allem, und sei es (Seidel schrieb das Buch bis 1924) daß er glaubt, daß ein paar Menschen einen Weltkrieg auslösen können.

In entzauberter Weltbetrachtung, der Auflösung der Welt in Funktion, wird geistige Kraft aus den inneren (ungebundenen; auch religiösen) Kräften heraus zur Dämonie (entsprechend der Prägung der Geistigkeit in Ablauf, Zweck, Funktion): der Mensch unterwirft sich, ohne es zu wissen, dem technischen Ablauf, wird vom Geist der Maschine, der Technik beherrscht. Er verliert seine Freiheit, die Technik oktroyiert ihm mehr und mehr Bedürfnisse auf, die ihn mehr und mehr von seinem inneren Sein ablenken. Er, der Beherrscher der Naturkräfte, ist der Sklave seiner Produkte, der Maschinen, wie auch der angewachsenen Bedürfnisse geworden.

Der moderne Sport, schreibt Seidel, sei einer der krampfhaften Versuche, diese unheilvolle Wirkung (durch Ersatzbindung) aufzuheben, und die durch A-Kulturalität freien identitären Kräfte wieder soziabel zu machen - indem das Machtstreben (im Rekordstreben etc.) gebändigt wird. Das biologische Leben versucht sich vor der Zerreibung durch Unrast und Mechanisierung (im Sport) zu schützen. Aber die Kultur, der Geist geht zugrunde: das Wirtschaftsleben hat alle sozialen Prozesse in sich aufgesogen und nutzbar gemacht. Es zwingt alle zu ungeistiger Berufsarbeit.

Eine Wirtschaft, die sich auf Wissen und Technik beruft, hat bewirkt, daß der Erbsündenfluch so schwer wiegt wie noch nie: die Plage der Arbeit, das Essen des Brotes im Schweiße des Angesichts. Durch Vernunft und Wissenschaft, so Seidel, und nicht durch deren Verachtung hat der Mensch sich dem Teufel ergeben.

Der Sozialismus unterliegt also einem fatalen Fehlschluß, wenn er versucht, die Arbeitsprozesse rationaler durchzugestalten, den Fortschritt zu forcieren, um den Menschen VON der Arbeit (durch automatisierte Abläufe) zu befreien, anstatt die Freiheit der Arbeit als Ziel zu deklarieren. Um dieses Ziel zu erreichen, unterwirft er sogar die gesellschaftlichen Prozesse der Mechanisierung! Damit werden technische Rationalisierung auf menschliche Totalitäten übertragen, dem Leben somit das Blut vampyrartig ausgesaugt. Als wenn man Lebensimpulse (aus realen historisch gewachsenen Lebensumständen) ausschalten, überwinden könnte.

Zurück zu Freud: es ist ein rationalistischer Trugschluß zu glauben, wesenhaft irrationale Antriebe des Menschen wären rational gestaltbar. Gerade das triebhaft-irrationale Leben besitzt keine "Vernunft", es verlangt Anerkennung als es selbst, in jedem Fall. Werden diese Antriebe rational überstülpt (durch Moralismen, heute: political correctness, Ideologien), und scheinbar überbaut, "beherrscht", suchen sich diese Kräfte andere Formen der Entladung. Solche Ideologien sind somit lediglich Verdeckungsmechanismen zwischenmenschlicher (oder: nationaler!) Machtkämpfe.


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Freitag, 8. Juli 2011

Der Kampf mit dem Drachen

Paolo Uccello (15.Jhd.) - St. Georgs Kampf mit dem Drachen
Die Ansicht Erich Neumanns erscheint auch mir glaubwürdiger als die Freuds, daß die Inzestangst des Sohnes NICHT aus der Angst vor dem Vater stammt, der Kastrationsangst aus Eifersucht also - sie stammt vielmehr aus der direkten Angst vor der Mutter.

Es ist nämlich das Nicht-Mann-Sein mit der Kastration gleichzusetzen: anders als das Mädchen muß der Junge sich vom "Dunkelen" der Mutter wegheben, sonst ist er nicht er selbst - er ist "anders" als die Nährmutter, das Unbewußte des frühen Lebens.

Mit ihr identifiziert (weil: eins) zu bleiben, wie im Kleinkindstadium, bedeutet ja Nicht-Individuum und damit Nicht-Leben (das immer in seiner höchsten Möglichkeit zu sehen ist - im Geist), also Ent-Ichung, Tod. Ja, Neumann zieht sogar die Linie Mutter - Schooß - Loch - Dunkel - Hölle: die Angst des Mannes vor der Frau.

Um zu sich zu kommen, muß der Sohn die Mutter überwinden, sie bekämpfen, sie besiegen. Der Kampf des Helden mit dem Drachen also ist es, an dessen Ende ein Schatz wartet. Daß dieser Schritt vielfach in den Mythen mit Inzest einhergeht hat keinen direkten personalen Sinn, sondern ins Allgemeine, ist der überpersönliche Bestand der Überwindung der Mutter, der mit einer symbolischen Besitznahme (im Geschlechtsakt) einhergeht: Das Böse, Dämonische ist überwunden, die fruchtbare Seite der Frau, das Leben, freigelegt.

Im Sieg über den Drachen aber folgt der Jüngling dem Höheren, dem Geist, Gott (Vater) - er überwindet die Ebene des Phallischen. Der Priester lebt also zölibatär, ab nun kann er nur noch auf höherer Ebene kastriert werden, beispielsweise in der Blendung oder dem Köpfen ("den Kopf verlieren").**

Der Kampf gegen den Drachen wird aber gerne auf ein Ersatzfeld verlegt - einem Bereich, der die Überwindung der Frau als Ersatzhandlung ermöglicht. Dort sind alle Ambivalenzen, die damit einhergehen, auszuleben. Und es ist häufig ein Kampf gegen Gemeinschaften, denen man angehört, je vorbewußter (der Herkunft näher oder ihr ident), desto besser* ...

Nicht Vaterangst nämlich kann es sein, die beim Homosexuellen die Selbstidentifikation nicht gelingen läßt - es ist der vermiedene Kampf mit dem Drachen. Die Mutter ist zu übermächtig, das Mannsein (beim Vater) wirkt zu schwach, ein Kampf aussichtslos - so, wie eben der Homosexuelle seine Eltern in ihrer geschlechtlichen Identität erlebt. Darin liegt auch die besondere, fast fetischhafte (und doch so ambivalente) Beziehung des Homosexuellen zu seiner Mutter gegründet, wie sie zu beobachten ist. Der Sohn kastriert sich vorauseilend selbst, im androgynen, femininen Gehaben. (Ödipus scheitert!) Umgekehrt kastriert die Mutter den Sohn - auch durch Bindung, den Muttersohn.

Denn also erlebt er den Mann als unerreicht, und verändert den Anspruch, das Leitbild, um seine Schwäche zu verbergen. Neumann schreibt völlig richtig, daß das keine Regression ist, sondern ein Verzicht auf ein Entwicklungsstadium, der Verlust eines Entwicklungsansatzes.

Ohngeachtet der Angst jedes Sohnes, dem Vater nicht zu genügen. Diese Angst hat keine anhaltend identitätsstiftende (bzw. fernhaltende) Kraft. Zumal der Vater Initiationsmomente (Kultur!) bietet, denen auch er sich unterwirft, in denen der Sohn sich durch Überwindung seiner selbst auf dessen Stufe, zum Mann, erhebt. (Übrigens häufig war bzw. ist das der Militär- oder gar Kriegsdienst.)



* Natürlich, die Kirche, die große Frau! Ähnliches passiert heute, im Zeitalter des unterlegenen Mannes, vielfach generell als Ersatzhandlung der Menschen, auf je ihre Weise, ich schrieb bereits davon: als unterdrückter Haß auf die Mutter bzw. die Frau, der man unterliegt einerseits, als Versuch der Frauen den Mann zu binden und den Sohn eifersüchtig zu kastrieren anderseits - der sich in der Kirchenfeindschaft ein Ersatzfeld sucht. 

** Neumann weist darauf hin, daß es folgerichtig "obere" Kastraten geben kann, bei Phallusbesessenen, und "untere" Kastraten, bei Kopfbesessenen. Man beachte dazu die Geschichte des Samson aus dem AT. Samson dreht nach der symbolischen Kastration - dem Verlust der Haare, der Blendung - die Mühlsteine im Heiligtum der Dagon, dem Gott des Korns, der unter Herrschaft der Großen Mutter steht. Das Männliche findet sich besiegt bei der Großen Mutter. Ähnlich: Herkules bei Omphale, in Frauenkleidern. Samson kommt wieder zu Kraft, und Gott Jahwe siegt über die Heidengötter: das geistig-männliche Eigenprinzp siegt. Dazu auch: der Sonnenaufgang, der aus dem Dunkelen steigt: der Held überwindet um Mitternacht das Dunkel. siehe dazu: die Metten der katholischen Liturgie.


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Donnerstag, 7. Oktober 2010

Kaum zu glaubendes Unwissen

"Erstaunlich, welchen Geistern damals [in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Anm.] die elementarsten Begriffe der biblischen Theologie fehlten, welche Ignoranz waltete - außer [Stefan] George nenne ich [Rudolf] Borchardt und Georg Simmel, außer Thomas Mann, Sigmund Freud und Rilke. Jedermann redete munter mit, aber keiner gab sich die Mühe, auch nur ein Konfirmanden-Wissen zu erwerben.

George begriff jenen Katholizismus, in dem er ja aufgewachsen war, nur als Brauchtum, als Angeborenheit, als eine Eigenschaft, die in der Sippe weitergegeben wird, und nun das Erstaunen darüber, daß diese Erbschaft ausblieb, Katholizismus nicht als Freiheit des Glaubenswagnisses, nicht als Entscheidung des Selbst, sondern als Äußerlichkeit."

"Gott weiß woher das kommt, daß ich vom Christentum, außer in seiner heidnischen Form, so gar nichts verstehe, ich bin doch, möchte man sagen, aus einer schon lange katholischen Familie ..." schreibt er.
 
Gerhard Nebel, in "Stefan George und die Entgötterung der Welt"
 
 
 *071010*