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Sonntag, 12. Januar 2020

Warum es den einfachen Laien vielleicht etwas angeht (2)

Teil 2)



Der Vatikan muß seit der Inbetriebnahme von social media-Kanälen wie Twitter eben genau damit rechnen (der VdZ hat vor Jahren deshalb schwer kritisiert, als Papst Benedict XVI. damit begann, der VdZ hat es genau damit begründet). Wo selbst dem Papst jeder einzelne Katholik der Welt, sofern er über social media-Zugang verfügt, erstmals in der Geschichte persönlich gegenübersteht.

Den solche Nachrichten bis in sein Schlafzimmerchen hinein verfolgen und in gewisser Weise fast die Welt selbst bedeuten. Zumindest fehlt den Medien jener Platz, der ihnen eigentlich zukäme, und das bringt die latente Gefahr, den wahren Stellenwert einer Thematik in der Welt außerhalb des Medientheaters nicht immer richtig einschätzen zu können. Auch Handlungshorizonte können sich so beträchtlich verschieben.

So lautet die Botschaft des Mediums social media (Internet) selbst, in corpore gewissermaßen, ohne die ein Text nie verstanden werden kann, weil beides untrennbar zusammengehört. Da gibt es dann keine Hierarchie mehr, kein Wesen der Nachricht, weil es keinen Ort mehr gibt. Hier herrscht Anarchie, und hier herrscht "funktionale Inhaltlichkeit". So kann, ja muß sich jeder Otto Normalfummel aufgerufen sehen, aus seinem wie immer weiten oder beschränkten, ver- oder entwurzelten Horizont heraus zu handeln, um das über social media Aufgenommene zu rezipieren. 

So muß im Gegenzug - gegen jede "Gewohnheit" - doch auch dem Wiener Kardinal EB Christoph Schönborn auf eine Weise zugestimmt werden, die für sich genommen hieße, daß Tschugguel (mit so vielen anderen) den wahren Ort der Pachamama-Statue nicht verstanden hat. Indem er sagt, daß es eine ungebrochene und nach wie vor gültige Tradition der Kirche ist, das Symbolhafte von Heiden und Naturreligionen aufzugreifen, um es zu reinigen, und in die christliche Wahrheit hineinzuheben. Weshalb er diese Tat verurteile. 

Die Frage, wie weit man in dieser Indienstnahme des Heidnischen gehen kann, ist zwar sehr alt (und zuletzt unter Jesuitenmissionaren auf Anweisung Roms krachend in China gescheitert war. Wo es zu einer gewissen Kehrtwendung der "Inkulturation" in den Bestrebungen der Kirche kam, was damit möglicherweise die Missionierung Chinas ruiniert hat), aber immer wieder neu zu prüfen. Heute scheint man den exakt gegenteiligen Weg zu gehen, ja möglicherweise sogar den pervertierten, also "auf den Kopf gestellten" Weg.

Bild aus Contra Recentia Sacrilegia
Denn Tschugguel hat schon auch recht, wenn er auf zwei Tatsachen hinweist, die diese Reinigungsabsicht fraglich machen, denn zum Ausdruck kam sie nicht unbedingt: Die eine ist, daß ein "Missionsbischof" Erwin Kräutler mit gewissem Stolz gar davon berichtet, daß er in seiner jahrzehntelangen Tätigkeit in Brasilien, und zwar exakt im Amazonas-Gebiet, nicht einen einzigen Indigenen getauft hätte. In der Heidenreligion aber kann Mission und Heilsvermittlung ganz sicher nicht enden! Denn dieser fehlt eben die ganz reale Dimension der Erlösung, die nur die Taufe bringen kann. 

Und dann ist da das Verhalten so mancher, wie sie in der Götzenanbetung in den Vatikan-Gärten stattfand, die ebenfalls jede Mission in der Heidenreligion selbst enden lassen zu wollen scheinen. Nimmt man dazu noch die aktuellen und schrecklichen Bestrebungen ins Kalkül (wie dieses ominöse "Abu-Dhabi-Dokument"), wo unter einer falsch verstandenen Ökumene gemeint wird, jeder Religion jene und dieselbe Erlösungskraft beizumessen, die aber doch nur dem sakramentalen Hineinheben in die reale, trinitarische, göttliche Wirklichkeit via Taufe (also im Katholischen) möglich ist, müssen solche Behauptungen einer "Reinigung" völlig unglaubwürdig, ja wie eine Lüge klingen. Und man muß fast annehmen, daß nun auch heidnische Rituale und Symbole vollgültig in den Kanon der Kirche hineingestellt werden sollen.

DANN ist die gesamte Nachrichtenlandschaft rund um diese Pachamama-Statue tatsächlich im Rahmen der Charakteristik der social media eingeschlossen, ein Thema für sich, über deren Wirklichkeitsrelevanz man diskutieren könnte. Dann bleibt alles ein turbulentes Theater, mit Helden und Bösewichten. Und todernst. Als Ereignis der Welt der social media. Jenem Paralleluniversum, in dem wir uns zu guten Teilen bereits mit beiden Beinen befinden.

Aber ist das auch die wirkliche Wirklichkeit der Kirche? Oder, anders gefragt, auch der VdZ nimmt sich da nicht aus: Sind wir nicht alle bestenfalls schon Konvertiten, die zwar gerne dabei wären, aber erst (oder noch) mit einem halben Fuß darin stehen? Denn wo ließe sich eine gesunde, verwurzelte, kulturell handfeste, katholische Prägung noch so erwerben, daß sie unsere Natur wäre? Dann könnte es aber auch glatt sein, daß die ganze Aufregung um Pachamama, hin oder her, luftiges, gespenstartiges Symboltheater wäre, das aber an der wirklichen Wirklichkeit vorbeigeht.

Aber dann, werter Leser, dann müßten wir uns alle, Sie, wir, der VdZ, fragen, ob wir nicht wider besseren Wissens und gegen alle Absicht dem Internet (auf dem die social media prinzipiell aufbauen) erst recht auf den Leim gegangen sind. Weil es uns dann davon weggeführt hat, die Welt und Wirklichkeit besser zu begreifen, sondern uns im Gegenteil in eine völlig neue Welt verführt hat. Die wie ein Luftballon über den Wassern schwebt, deren Strom aber in Horizonte führt, die uns immer weniger erkennbar werden.

Dazu paßt als Nachtrag und Ergänzung: Es kommt nicht allzu oft vor, von altehrwürdigen Priestern dermaßen ausgewogene Stellungnahmen wie jene zu lesen, wie sie das Kölner Domradio veröffentlichte. Wo Prälat Norbert Feldhoff anläßlich seines achtzigsten Geburtstages in einem längeren Interview wohltuend realistische Einblicke in seine Zeitzeugenschaft gibt. Und mit seinem Fazit in Erinnerung bleiben sollte:

"Ich habe als Kind viele, viele Priester kennengelernt. Ich würde fast sagen, der größere Teil ist für mich kein Vorbild gewesen. Es gab natürlich einige, die Vorbild waren, aber das war der geringere Teil. Und ich habe mit meinen Eltern immer gelernt, offen auch über Fehler von Priestern zu sprechen. Bei uns war das zu Hause nicht tabu. Insofern würde ich sagen: "Wenn euch ein Papst oder Bischof nicht gefällt, das ist alles kein Problem. Die Kirche wird bleiben bis zum Ende. Auch wenn sie noch so einen Mist macht."



*051119*


Samstag, 11. Januar 2020

Warum es den einfachen Laien vielleicht etwas angeht (1)

Indem die kirchliche Hierarchie, sogar von der obersten Stelle des Papstamtes aus, die Organizität der Hierarchie außer Kraft setzt (weil ihren natürlichen Aufbau überspringt, und damit die gesamte Hierarchie eliminiert), profaniert sie einerseits ihre Stellungnahmen und Taten, und zieht sie anderseits Personen "nach oben", in ein ungewisses, amorphes Etwas einer undefinierten, aber mit der obersten Hierarchie gewissermaßen gleichgeschalteten Stelle.

Diese Frage wird bis heute schwer sträflich unterschätzt. Und der Grund dafür liegt nicht einfach darin, weil man sich mit Medienkritik á la Marshall McLuhan zu wenig auseinandergesetzt hat, sondern weil die Sichtweise der Welt protestantisch-manichäisch auseinandergerissen ist. Damit wird auch "Information" spiritualistisch reduktiv gedeutet, und die Kirche befindet sich auf Schienen des Rationalismus, die nur bedauerlich sind. Vielleicht hat der Anlaß dieses Beitrages, die "Symbolik der Pachamama", auch genau damit zu tun. Man nimmt die leibliche, körperliche Erscheinung nicht mehr in dem Maß ernst, wie es der Wirklichkeit entspricht.

Schon aus diesem Grund kann es sehr wohl eine Angelegenheit eines Wiener Laien gewesen sein, was die Amazonas-Synode in ihren Teilvollzügen realisierte. Hier hieß das für den Lebensrechts-Aktivisten Alexander Tschugguel, kurzentschlossen nach Rom zu fliegen, die die Amazonas-Synode doch recht kennzeichnenden Pachamama-Statuen aus der Kirche zu holen, wo sie aufgestellt waren, und sie in den Tiber zu werfen. Tschugguel hat das gefilmt, und der Film wurde dann ins Netz gestellt. Wo es (vom Ausführenden unerwartet, wie er sagt) binnen weniger Tage weltweit gut 30 bis 40 Millionen Mal abgerufen wurde.

Eine Geste, gewiß, die ihren Anknüpfungspunkt in der Äußerung des Wiener "Täters", Alexander Tschugguel, hat, daß die Anbetungszeremonie in den Gärten des Vatikan, noch mehr aber die Äußerung des Papstes, es handele sich bei der Statue um "die Pachamama", und das ist eine heidnische Fruchtbarkeitsgöttin, also eine Götze, kein "neutrales Symbol", den Deutungsrahmen gaben, aus dem heraus er sich angeregt fühlte, zu reagieren. Wäre das nicht so, würde man das nicht in gewisser wohlwollender Weise so sehen, bliebe nur eine Reaktion: Steht dem jungen Mann das überhaupt zu? Ist es katholisch, sich dafür und auf diese Weise zuständig zu sehen? Denn die Frage "Ist es richtig, WAS geschehen ist?" ist hier irrelevant. Die Frage ist nämmlich nicht, ob wir nach der Maxime, was ist abstrakt gesehen richtig, handeln, sondern ob wir an unserem Ort tun, was zu tun ist. Nur über diese Medienkritik also kann man das mit "ja, vielleicht, oder gar wahrscheinlich" beantworten. Nur über diese funktionalistische Denkschiene, wie sie auch dem Rationalisten und Protestanten eigen ist. Und die social media sind rationalistischer und nominalistischer Natur.
 
Wenn auch der VdZ eine Tatsache nicht ganz ausblenden kann, sie schließt an die oben angedeutete Wirklichkeit der social media und der gesamten Wirklichkeitsrezeption an: Tschugguel ist hoch aktiv, auch in irgendwie als "Renovations-Initiativen" bezeichenbaren "Instituten", und er zeigt damit eine Typik des Eifers, die dem Konvertiten sehr gerne eignet. 

Was mittlerweile mit Tschugguel getrieben wird, und dieser selbst treibt - in jugendlicher Unverfrorenheit, in typischem Konvertitenrausch, die jeden gestandenen Katholiken eigentlich düpiert und beleidigt, aber sein unerwachsenes Publikum leider findet -  ist freilich entsetztlich. Er gliedert sich in seiner Respektlosigkeit in ein Zeitphänomen: Tschugguel wird zur Greta Thunberg des Konservativismus in der Kirche, wo es offenbar keine Erwachsenen mehr gibt, und die mit glänzenden Augen darauf wartet, daß ein jugendlicher Erlöser kommt.

Tschugguel, in seinen Zwanzigern, war bis zu seinem 15. Lebensjahr als Protestant aufgewachsen, und hat dann einen rigorosen Weg des (sagen wir es so:) sehr traditionsbewußten Katholizismus gewählt. Darf man es sagen? Solche Konvertiten, ja Konvertiten allgemein, neigen dazu, ihre von früher eingeprägten Verhaltenscharakteristiken auf die nunmehr neuen Inhalte zu richten. Das ergibt sehr oft eine Gestalt, die dem Wesen der social media - in ihrer letztlich anarchischen Dichotomie - sehr entgegenkommt.

 Morgen Teil 2)



*051119*

Donnerstag, 1. August 2019

Man könnte Vermutungen über andere Hintergründe anstellen

Es stimmt ganz einfach nicht und mutet nur seltsam an, ja läßt weitere Interpretationen zu, wenn Kardinal Schönborn den em. Papst Benedict XVI. kritisiert. Der in einem jüngst erschienenen Dokument auf die Zusammenhänge zwischen der Welle der "sexuellen Befreiung" und den Mißbrauchsfällen in der Katholischen Kirche hinweist, die er unter "68er" zusammenfaßt. Wo diese Welle in einem putschartigen Geschehen der Weltgesellschaft aufgezwungen wurde, die heute als Norm angesehen wird. 

Wer die Zahlen der Klasnic-Kommission (eine Untersuchungskommission, die die Katholische Kirche in Österreich eingerichtet hat, die vom ehemaligen Landeshauptmann der Steiermark Waltraud Klasnic geleitet wurde) hernimmt, sieht sofort, daß diese Zusammenhänge sich gerade aus ihren Zahlen ergeben! Ja, die Kommission weist noch 2012 klar auf die Tatsache hin, daß die Mißbrauchszahlen in den 1960ern und 1970ern stark gestiegen sind. 

Aber natürlich hat das Dilemma nicht 1968 begonnen, sondern hat eine längere Vorgeschichte. Die damit begann, daß maßgeblich unter dem Einfluß des dänisch-amerikanischen Psychologen und Neo-Freudianers Erik Erikson (Geburtsname Abrahamsen) eine neue Sichtweise des Menschen sowie der Rolle der Triebe (und damit der Sexualität) in Gesellschaft wie Kirche Einzug hielt. Plötzlich galt nur der Mensch als reif, der auch seine Triebe auslebte. Dahinter steht eine völlig andere Anthropologie. Die den Menschen nicht als geistbestimmt (alles definiert sich aus seiner höchsten Möglichkeit) ansah, sondern als evolutiv entstandenes Tier. Und jedes Tier lebt eben seine Triebe aus, dazu sind sie ja da. 

So ist der Mensch aber nicht. Er ist zu einer Freiheit berufen, die alles, was er tut, zuerst (!) unter eine Idee, einen geistigen Ort stellt, auf den er sich dann bezieht. Dieser Ort (mit seiner inneren Ordnung wie seinen Platz in der Gesamtheit der Ordnung der Schöpfung) erst macht die diesem Ort entsprechenden Betätigungen zu Taten, die ihn auch frei machen und sein Leben glücken lassen. Man muß sich ja nur die unzähligen gescheiterten Lebensentwürfe ansehen, die als Folge dieses Paradigmenwechsels über den Westen hereinbrachen. Wieviele gescheiterte Lebensentwürfe sind Resultat dieser Haltung, nur "spontan" den Antrieben folgen zu wollen! Sie ermöglichen das nicht, was ein Leben braucht, um zu glücken: Kontingenz. Durchhalten eines Planes. Ja, freies Denken, das NICHT von Antrieben getrieben und bestimmt ist.

Diese Freiheit, die die Hilfe der Gnade braucht, so wie alles, was der Mensch auf dem Weg zur Lebenserfüllung tun muß Gnade braucht, erschließt sich erst, wenn auf diesen Ort Bezug genommen wird, sich der Mensch darauf transzendiert. Also genau das Gegenteil macht, als die neue Anthropologie, die uns seit Jahrzehnten bestimmt, uns als natürlich vorlügt. (Auch Erikson/Abrahamsen war Ergebnis eines Seitensprungs seiner Mutter; das als rechtfertigendes Element seiner "Lehre" erklärt mehr als jedes akademische Geschwätz es vermag.)  

Sexualität ist nicht ein "natürlicher Antrieb" des Menschen, der außerhalb seiner geistigen Integrität zu sehen ist, sondern eine Tätigkeit, ein Antrieb, der ebenfalls in eine Ordnung und Führung durch den Geist des Menschen zu integrieren ist. Und nur innerhalb dieser Ordnung (und die heißt in diesem Fall Ehe, die heißt in diesem Fall auch Empfängnisoffenheit) seine Natur erfüllt. Sie zu einem Antrieb zu machen, der außerhalb dieser Ordnung einen Sinn ergäbe (man beachte, zu welchem unheilvollen Geschwafel das Reden über "Liebe" als Legitimierung geworden ist), ist ein schwerer Irrtum, der enorm viel Unheil anrichtet. 

Diese "Lehren" aber wurden mit den 1940er, 1950er Jahren ungemein populär. Die Statistik zeigt genau das an. Und zwar, weil sie damals massiv popularisiert wurden. Propaganda hat sie verbreitet, nicht ein "natürliches Streben" der Menschen. Man hat eine Kraft bewußt gestärkt, die die Ordnungen der Gesellschaft aufgelöst haben. Und dazu eignet sich Sexualität hervorragend. Ein Mensch, der sich diesen seinen Trieben ausliefert und ihnen blindlings folgt, verliert seine Freiheitsfähigkeit, und damit seine Vernunftfähigkeit. Er ist extrem leicht manipulierbar. Es gibt eigentlich gar kein effizienteres Mittel, eine Kultur aufzulösen, als seine Sexualmoral der Beliebigkeit zu unterstellen.

Die intensive Beschäftigung der Kirche - wie Schönborn es hier tatsächlich tut - als krankhaft zu bezeichnen, was doch nur eine richtige Reaktion auf diese ab den 1950ern/1960ern (wobei: schon vorher) aufplatzende Bombe der zunehmenden Liberalisierung der Sexualität, die noch dazu gezielt implementiert wurde, wir haben hier schon ausführlich darüber gehandelt, geschah, ist deshalb niederträchtig. Und daneben aufschlußreich. Denn ist nicht auch Schönborn ein Alt-68er? Die starke Betonung der Sexualität in der Morallehre der Kirche hat genau diesen Grund: Sie war eine Reaktion auf diese sexuelle "Befreiung" (als die sie verführerisch, aber völlig falsch, dargestellt wurde) als "Freiheit, jederzeit zu tun, was einem einfällt, wozu man sich bewegt fühlt. Es war die Gesellschaft, die krank war und immer kränker wurde! Und deshalb auch diese starke Betonung in den kirchlichen Lehrdokumenten!

Diese katholische Haltung wurde ab den 1950er Jahren zunehmend diffamiert und verleumdet. Und plakativ mit "Unterdrückung von Natur" gleichgesetzt. Obwohl des Menschen Natur eben anders ist! Daraus erwuchs dann so etwas wie eine "Pflicht", alles zu tun, was einem gerade in den Sinn kam. Und Kardinal Schönborn verrichtet genau dieses Geschäft. Seine Aussagen sind nur vor dem Hintergrund verstehbar, wenn man diesen Hintergrund als eben von Leuten wie Erikson und deren Irrtümern begreift. Die offenbar auch der Wiener Erzbischof vertritt. Und damit den Verdacht aushalten muß, daß er weder etwas gelernt hat, noch das wirkliche Elend der Menschen heute begreift. Das - eine Frucht einer irrigen Anthropologie - läßt sich in zahlreichen Äußerungen Schönborns übrigens seit Jahrzehnten spielend leicht nachweisen.

Das Dokument von em. Papst Benedict XVI. zu den Mißbrauchsfällen in der Katholischen Kirche ist mangelhaft, gewiß, aber es hätte um diese Mängel abzustellen eine weit umfangreichere wissenschaftliche Arbeit sein müssen. So hat Josef Ratzinger aber immerhin in einem recht gelungenen Entwurf doch die Richtung angezeigt, in die es geht, wenn man über Mißbräuche innerhalb der katholischen Kirche sprechen will. Die in eine destruktive, schwer irrige, anti-kulturelle Gesamtbewegung eingebettet sind, die nachdrücklicher zu gestalten die Kirche leider (und unter vielerlei Druck und Schwäche) verabsäumt hat. So daß sie selbst von dieser Revolutionswelle erfaßt und vielfach weggespült wurde. Denn diese irrige Auffassung über Sexualität ist heute vielfach sogar ... Lehrstandard an katholischen Universitäten und Einrichtungen, namentlich der Priesterausbildung. Auch in Wien. Um DAS einzuschränken ist erst tatsächlich das notwendig, was Schönborn an der Kirche vor den 1968ern kritisiert: Krankhafter Moralismus.







Dienstag, 21. November 2017

Wie soll man der Kirche noch trauen?

Es gehört zu den enormen Schwierigkeiten der Gegenwart deutscher Katholiken (der VdZ sieht die Österreicher als Teilmenge des Deutschen als Universalie), für eine Diözese wie Wien und er diesem Erzbischof und Kardinal Christoph Schönborn kraft Formalismus, kraft formaler Steuergesetze, Geld bezahlen zu müssen. Der VdZ hält ihn nicht nur für einen Häretiker, sondern er meint, daß bei ihm die Probleme unsittlichen Lebens allzu deutlich werden, und wie sie eine ganze Diözese umformen. Das Problem: Persönlichkeitsschwäche, ja: -nichtigkeit. Vaterproblem, wie immer in diesen Fällen. Schönborn ist kein Mann.

Und er hat dafür - zufällig, wie so vieles im Leben - Indizien. Denn der heutige Wiener Kardinal, der von unzähligen Dumpfbacken als "katholisch" bezeichnet wurde und wird, ist in seiner Jugendumgebung ganz anders rezipiert worden. Nein, nicht nur als 68er-Revolutionär. Sondern als "seltsam" in seiner Partnerwahl. Die aufs gleiche Geschlecht fiel. Damals, so der unverbrüchliche Zeuge (dem der VdZ mehr glaubt, als dem Kardinal, der in vielen Aktionen Beleg für diese Aussage lieferte), Anlaß zu vielem Gerede, unter anderem.

Es paßt einfach. Es paßt alles zusammen. Der Konnex zu Kardinal Groer, der ihn seinerzeit in die Position als Weihbischof mit Nachfolgerecht hob, soll von anderen ausgelegt werden. Der dann von Bischof Krenn (in und nach seinem eigenen Skandal) in Hagentreue verteidigt wurde. 

So ist eben die Kirche. Sie hat ein anderes Prinzip.

Der VdZ zahlt - einen deutlich geringeren, weil mehr symbolischen Betrag, als gefordert - weil er sich des Territorialprinzips nie ganz entschlagen kann, einer Form von Formalismus- und Inkarnationstreue gemäß, der dem Katholischen inhärent ist.  Dieser Widerspruch ist nicht auflösbar. Ein Kirchenaustritt wäre nicht lösbar, wäre ontologisch untragbar.

Aber trauen tut er niemandem, niemandem aus dieser Diözese Wien, nicht einen Meter. Und für katholisch hält er sie schon gar nicht. Aber ihr ontologisches Fundament - das ist das Katholische, das ist das nie zu Vergessende - ist schwerwiegender. 

Aber noch schwerwiegender sind die realen Kirchenbauten. Das EINZIGE, meist zumindest, was in Wien noch pastoral wirkt, was noch katholisch ist. DAS ist die Kirche. Real. Fortlebend. Selbst über solche Kretins hinweg.

DARUM zahlt der VdZ - zähneknirschend - ab nächstem Jahr (und erstmals seit er in Wien gemeldet ist, was eigentlich nur mit seinen Steuerpflichten in der EU zu tun hat) einen (kleinen) Betrag an Kirchensteuer. Aber er versteht jeden, der der Kirche in Deutschland (mit Österreich als Teilmenge, wie gesagt) nicht traut. 

Bischöfe wie Schönborn sind ein reales Ärgernis. Leute, die alle für dumm halten, gehören endlich weg, abgestoßen vom Licht, das kein Dunkel verträgt. Schönborn ist ein unerträglich schwacher Mensch, entsprechend seine Charakterlandschaft, und Schwäche ist die Pforte zum Bösen.

Aber - wer soll bei diesem Papst, der ähnlicher Struktur ist, nachkommen?

Schwäche, die ihr unweigerlich folgende Dummheit, wird immer zur Bösheit.





*271017*

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Stimme der Kirche Ungarns (2)

Teil 2) Es macht den Räuber nicht gut





ABER ... Erdö sagt ganz richtig, und er widerspricht damit Schönborn elementar, der das ethisch-moralische Prinzip offensichtlich nicht erkannt hat, daß sich das "graduelle Gute" niemals innerhalb der bestehenden Lebensform der Homosexualität (oder, auf relativ analoge Weise, in zivilen "'Wiederverheiratungs-Ehen" zuvor zivil von einem Partner Geschiedener) ereignen kann, sondern sich fundamental gegen diese (falsche, naturwidrige) Lebensform richtet. (Und das angeführte Beispiel soll illustrieren: Das tut es tatsächlich, und zwar sehr real.)

In unserem erfundenen Beispiel: Der Räuber hat nicht "gut" gehandelt, weil er der armen Frau ein wenig Leid ersparte. Hätte er gut - als "aus dem Gutsein heraus" - gehandelt, hätte er auch die Situation des Raubes überhaupt bekämpfen müssen.

In den Worten des (wirklich originär christlich-sozialen) Vaters des VdZ formuliert, seinerzeit sogar Berufspolitiker: Sozialisten, die die Abtreibung als Menschenrecht proklamieren, werden durch ein paar gestohlene Steuergelder, die sie Bedürftigen zuschieben, und denen tatsächlich aus tiefer Not helfen, nicht zu guten Menschen. Ihr Gesamt-Gestus ist gegen die naturgesetzliche Schöpfungsordnung gerichtet, ja verursacht sogar jenes Leid, oft gar direkt, das sie dann "liebevoll lindern".

Schönborns Haltung - und man muß es klipp und klar sagen! - ist blanker Nominalismus. Und nicht das erste mal so erkennbar. Nominalismus aber ist die erste Grundlage für Lüge. Wer die Zustände in der Erzdiözese Wien, Domplatz, kennt, erkennt aber sogar, wie intellektuelle Haltungen, wie Sprache und Denken, im Persönlichen wurzelt.

Die unter Umständen komplizierte Lage, in die die Beteiligten (Wiederverheirateten) durch die Faktizität einer zivilrechtlich-öffentlichen zweiten Ehe geraten sind, ist bestenfalls und nur individuell zu bewerten. Erdö nimmt seht gut darauf Bezug. Es mündet aber niemals in eine Anerkennung der nunmehrigen Lebensweise, sondern nur in einem klugen, gebotenen Umgang mit den Fakten VOR dem Entschluß zur Umkehr (der, wie gesagt, die eingegangene Verbindung eigentlich unterläuft, ablehnt) - welche aber im Faktischen nicht mehr in allen Dingen geschehen kann. Etwa weil Kinder da sind, Verpflichtungen, usw. usf. Nur ist dabei ein Knackpunkt, daß diese Umstände für eine Öffentlichkeit so gut wie nie nachvollziehbar sind und sein können, weil sie sehr intime Gewissenspunkte berühren.

Aber bei einer Ehe - auch das führt Erdö aus - ist der Öffentlichkeitscharakter von entscheidender Bedeutung, ja ohne ihn ist eine Ehe nicht zu denken. Ein Aspekt, den die Ostkirche sogar so stark gewichtet, daß dort das Sakrament überhaupt von der Kirche gespendet wird. Das "Ja", das dort auch vorkommt, passiert VOR der Kirche, und ist das, was wir hier Verlobung nennen. Das Sakrament ist nicht, wie im Katholischen, von den Eheleuten selbst gespendet (wobei es in Wahrheit ja auch im Katholischen in Gott gestiftet wird ist.)** Wobei diese Öffentlichkeit auch im Katholischen essentiell ist. (Die vor dem Staat von der Kirche verschwiegene "Gewissensehe" gibt es zwar im Katholischen, aber sie ist absolute Ausnahme, was per Konkordat zugesagt worden ist, und nur in sehr besonderen Fällen möglich.) 

Deshalb ist eine Zulassung von (zivilrechtlich-öffentlich) Wiederverheirateten zur Kommunion als offizielle katholische Haltung unmöglich. Und zwar ohne wenn und aber. Sie geriete in unauflösliche Widersprüche und gründete im Wesen auf Nominalismus. Jede offizielle Öffnung kommt einem Verlagern rein sophistisierter Gewissensgründe in die Öffentlichkeit gleich, und gerät dort in Widerspruch zum Öffentlichkeitscharakter der unauflöslichen Ehe (und damit ihrer Sakramentalität.) Womit, denkt man weiter, sogar die diese Wiederverheiratung "anerkennende" Öffentlichkeit in Mitschuld und Sünde geriete! Damit das Kriterium des "öffentlichen Ärgernisses" (das aus besagter Widersprüchlichkeit entstünde, und zwar auch das: in jedem Fall) noch deutlich überschritte.






*Daß die Geschichte dann eine recht betrübliche Rückwendung erfuhr, ist eine andere Geschichte. Und diesmal wirkliche eine der Gewalt sozialer Pseudologien und Vorurteile, aber ganz anders, als viele meinen - denn es war die Sozietät, die ehedem gewählte Umgebung, das soziale Netz, das diese Rückwendung beim Hinterbliebenen quasi erzwang. Deshalb sind heute die Aufpeitscher zu einer "homosexuellen Normalität" nicht nur ein Übel, sondern sogar die eigentlichen, zumindest aber die bösartigsten Täter. Denn aus der "Normalität Homosexualität" entsteht in Wahrheit ein ungeheurer und gewaltvoller Druck zu dieser Art der Selbstverfehlung.

**Die Ostkirche kennt eine Wiederverheiratung. Kennt diese aber nur, weil sie bei der "ersten Ehe", meist ja in jungen Jahren eingegangen, quasi eine gewisse Unreife für sehr leicht möglich hält. Das also auf andere Weise supponiert, was die katholische Kirche mit der Annullierung deutlich komplizierter formalisiert hat. Man kann über diese Wege durchaus streiten, der VdZ tendiert sogar mehr zur orthodoxen Sichtweise als der realistischeren. Einen Rückzug von dieser "zweiten" Ehe (die in Wahrheit also auch in der Orthodoxie nur die nunmehr endgültige, wirkliche Ehe ist) gibt es dann freilich nicht mehr.





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Mittwoch, 14. Oktober 2015

Stimme der Kirche Ungarns (1)

Der recht gute Eindruck, den der VdZ aus dem Mitleben des Kirchenjahres in seiner ungarischen Wohnpfarre bzw. aus dem Kirchenleben der ganzen Stadt Sopron gewonnen hat, hat gewiß auch mit dem weit mutigeren Klima der gesamten ungarischen Kirche zu tun. Zumindest verglichen mit dem, was man aus der Kirche in unseren Landen gewöhnt ist. Selbst die charismatische Verwirrung hält sich hier in recht engen Grenzen, und aus einem "passierten" Besuch einer solchen Gebetsveranstaltung in der hiesigen St. György-Kirche (sie finden dort einmal wöchentlich statt) hat er den Eindruck, daß man diese Bewegung hier zumindest in liturgisch recht geordneten, ja sogar regenerativen Bahnen zu halten vermag.

Das bewies auch der Primas der ungarischen Kirche, Kardinal Peter Erdö, Erzbischof von Esztergom-Gran, in seiner ersten offiziellen Stellungnahme anläßlich der Eröffnung der Bischofssynode in Rom zum Thema "Familie". Der im Netz zu findende Text ist lesenswert, weil er sehr klar ist und einige Verwirrungen, die von verschiedenen Seiten immer wieder gestiftet werden, gut ausräumt. Zumindest prinzipiell. Ob praktisch bleibt eine andere Frage, denn der VdZ geht davon aus, daß das am Schluß der Synode das übliche verwaschene Ergebnis ("Suche sich jeder aus, was ihm zusagt!"), Kennzeichen dieses Pontifikats, übrigbleiben wird. Anders als 2014, erfahren nämlich diesmal die beteiligten Bischöfe nichts vom offiziellen Schlußtextentwurf - ehe er am letzten Tag dann verlesen wird.

Die Debatten, die durch so manche (tatsächlich: eigentümliche) Änderung des Procedere ausgelöst wurden, sind ein eigenes Thema, und sie sind nicht das erbaulichste. Selbst beteiligte Bischöfe (auch Erdö) beklagen die seltsame Informationspolitik, der sie diesmal unterworfen wurden, wo sie mit zusammenfassenden Papieren konfrontiert werden, die "redaktionell bearbeitet" nicht wiedergeben, was besprochen wurde. Wo Mitglieder von Ausschüssen -  zugleich als Mitglieder der Prüfungsgremien tätig - diese Ausschüsse selbst wiederum auf "Transparenz" untersuchen sollen. Womit man den 2014 bereits ruchbaren Vorwürfen nach Cliquenbildung sowie Einflüssen von außen begegnen will.

Eine (angeblich 2015 erfolgte) Einschränkung der 2014 blamabel-schrankenlosen "Transparenz nach außen" (was zeigt, was für ein bodenloser Unsinn sich mit der "Forderung nach grenzenloser Transparenz" verquickt, deren Hintergrund nur die maßlose Selbstüberschätzung gewisser Personen ist, die glauben, überall mitreden zu müssen, in Wahrheit aber einem fundamentalen, aber ungemein zeitgeistigen Erkenntnisirrtum aufsitzen) kann man freilich nur begrüßen, will man eine wirklich offene Debatte, bei der niemand daran denken muß, wie eine politisch-öffentliche Wirkebene einzuarbeiten sei.

Erdö nimmt sehr klar zu vieldiskutierten Inhalten Stellung. Auch natürlich gegen das vom Wiener Kardinal Schönborn schon im Vorjahr auf dessen übliche schmierig-halbseidene Art vorgebrachte Argument der "graduellen Gutheit" auch "illegitimer" menschlicher (sexueller) Beziehungen. Diese graduelle Gutheit könne sich, so der Ungar, nicht auf die Lebensform beziehen und diese gar gutheißen. Auch wenn es subjektive Grade von gutem Handeln gibt, so kann eine Handlung nur im Ganzen gut sein.

Zur Beleuchtung für den Leser: Was meint graduelle Gutheit? Er stelle sich vor, wie eine Räuberbande ein Haus überfällt und die Mitbewohner zu Tode quält, auf daß diese die Verstecke der Preziosen verrraten mögen. Da überfällt einen der Räuber Mitleid mit der Hausfrau, und er verhindert, daß sie zu Tode vergewaltigt wird, woraufhin ihm einer der Miträuber sogar eine gewaltige Maulschelle verpaßt. Die Frau wird aber doch in eine Ecke gestoßen, und darf dort mit ansehen, wie, nachdem ihre Familie ausgerottet und das Haus geplündert ist, die Räuber das Haus verlassen und sie nicht weiter quälen. Besagter Wohltäter wirft ihr im Hinausgehen sogar noch ein Stück Brot zu, in das, wie sie beim Hineinbeißen unter Tränen entdeckt, eine der zahlreichen gestohlenen Broschen eingedrückt ist. Das ist "graduelle Gutheit".

Der VdZ möchte das ein wenig aber auch am konkreten Thema - Homosexualität - illustrieren. Sowohl was Kardinal Schönborn meint, als auch sein Würdenpendant Kardinal Erdö. Und er nimmt das Beispiel aus seinem eigenen Lebensumfeld. In dem er vor einigen Jahrzehnten in seinem engsten Umfeld einen solchen "Fall" erlebte und vor allem: beobachtete. 

Wo ein Homosexueller seinen langjährigen Lebenspartner hingebungsvoll pflegte, als dieser todkrank (Aids im Endstadium) war. Die Haltungen, die er bei beiden beobachten konnte, waren tatsächlich bemerkenswert. Denn in der Selbstüberschreitung der hingebungsvollen Pflege hier, der Todesbereitschaft dort - und Selbstüberschreitung ist ja das innere Wesen der guten Tat; der Heilige ist Rebell gegen die rein innerweltlich-faktische Ordnung! - veränderte sich bei beiden Beteiligten ganz entschieden ihr Charakter. Deren Selbst sich immer deutlicher von sich weg und auf das Zu-Tuende hin wandte.

Und es ist nicht verwunderlich: Es verlor sich in dieser Hingabe jede homosexuelle Prägung, bei beiden. Bei dem einen sogar explizit (er bezeichnete sich sogar schon als heterosexuell). Beim anderen beobachtbar, bis in die Gesichtszüge hinein. Statt der früheren (und lange Jahre als solche gekannten) Schwuchteln stand (bzw. lag) dem VdZ jeweils ... ein Mann gegenüber. Kein Wort mehr fiel über Homosexualität.

Die "gute Tat" hatte sich also auf sehr fundamental auf die Lebensweise - mit der die nunmehrige Veränderung ihrer Charaktere höchstens indirekt zu tun hatte - ausgewirkt. Und dabei DIESE AUFGELÖST. (Was dann durch den Tod des einen real passierte.) Die gute Tat war die Durchbrechung der Fesseln einer falschen Lebensführung! Der (mögliche) Beginn einer neuen Lebensweise, die die alte hinter sich ließ. Der eine hatte den anderen nicht hingebungsvoll gepflegt, weil er sein Sexualpartner war, sondern weil er sich ihm als Mensch verpflichtet fühlte.+

Morgen Teil 2) Es macht den Räuber nicht gut




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Dienstag, 21. Juli 2015

Der Kampf wird immer im Kleinen geführt

Von einem interessanten Fall berichtet Birgit Kelle in der Jungen Freiheit. An der TU Berlin hat sich nämlich ein Student geweigert, seine Seminararbeit in "gendersensibler Sprache" abzufassen. Was auf Widerspruch durch die Prüfenden stieß.

Angeblich sei dies laut Richtlinie „BMFSFJ 2012“ eine Vorgabe seitens der Universität. Zidek widersprach. Selbst die latente Drohung, er bekomme eine schlechtere Note und „alles Diskutieren“ werde ihm nicht helfen, ließ er nicht auf sich sitzen und wandte sich an die Rechtsabteilung der TU. Und siehe da, die ominöse Richtlinie „BMFSFJ 2012“ mit der angeblichen Verpflichtung zu unsinniger gendersensibler Sprache existiert gar nicht. Wissenschaftliches Arbeiten ist das einzige Kriterium, das für die Benotung zählt.

Als der VdZ vor 20 Jahren bereits in der Diözese St. Pölten als Diözesansekretär (Referent) für die Kath. Männerbewegung* erlebte, daß - was die meisten vergessen haben, oder gerne heute mal vergessen: die Kirche war die ERSTE offizielle Institution, die Gendering einführte! und bis heute zu einer Kollektivneurose ausgebaut hat! auch und gerade in Diözesen, deren Bischöfe gerne mal GEGEN das Gendering auftreten ... - die Kirche überall begann, "gendersensibel" vorzugehen, wehrte er sich ebenfalls. DIE KIRCHE WAR VORREITER DES GENDERING in unseren Gesellschaften!

Es war aber nur ein Nebengeräusch der damaligen Tätigkeit des VdZ, in der schon nur seine (pflichtgemäß je erfüllte) Anwesenheit als "ständiger Anlaß für Querelen" galt, der schließlich zur Kündigung führte. Aber er sandte Konferenzprotokolle, die nun in Inklusivsprache abgefaßt wurden, mit dem Vermerk zurück: "Protokolle in Inklusivsprache werden prinzipiell nicht gelesen". Und bestellte Zeitschriften ab, gleichfalls im kirchlichen Raum, die auf Inklusivsprache umstellten, was zu aufgeregten Hintergrunddiskussionen führte, und zu öffentlichen Verhöhnungen. 

Was für ein Querulant, stimmte Bischof Krenn zu. Der Mann ist ungehorsam, meinte er. Er sei sowieso nicht mehr lange da, raunten andere hinter vorgehaltener Hand, um Redakteure linker Postillen zu beschwichtigen - wie könne man, das sei doch so christlich? Und Schönborn atmete auf, als man ihm dasselbe erzählte. Tatsächlich passiert. Nur ein winziges Detail unter vielen, das der VdZ nie auf die große Glocke gehängt hat, wozu auch. Es war ja selbstverständlich. Erwähnt soll freilich auch sein, daß Bischof Küng dieses unrecht noch elegant weiterführte. Was will man vom Opus Dei eben. Die Moral, Ethik mit Kleinbürgertum verwechseln. Das ist halt so absehbar und sicher, das weiß man immer, was gut ist ... Dieselbe pharisäische Drecksbande.

Was glauben aber auch all die Hosenpruntzer, die heute meinen, den großen Glaubenskampf zu führen ... und jede Generation fühlt sich wieder neu zum Kreuzzug der edelen Pfadfinder berufen, es ist verblüffend. Manchmal sind die großenb Kämpfer gar dieselben, die dann den VdZ damals gar noch verhöhnten - um DAS gehe es doch nicht!? Es gehe doch um die Rettung der Kirche und der Welt?! Mit Posaunenklang der apokalyptischen Orchester, und Engelszügen von morgends bis abends.

Aber die wirklichen Kämpfe, die im Kleinen, in zäher Nervenanspannung in den Winzigkeiten der Vernunft spielen, die sich eben im Alltag zeigt, führen sie eben alle nicht, und haben sie alle nie geführt. Damit warten sie, bis die Generalstimmung ihnen den Rücken stärkt, und der Engel herniedersteigt und die scharlachrote Scherpe des Sieges sich von den Himmeln herabneigt, und eine mächtige Stimme ruft: Jetzt ist sie da, die Zeit!

Die werden aber geführt, so wie ihn der Berliner Student führte. Konsequent im Kleinen. Weil es genau hier, im kleinen subjektiven Handlungshoritzont, um den Kampf ums Prinzip geht. Die großen Kämpfe der Schlachreihen gibt es nicht. Das glauben nur Leute, die noch nie Kontakt mit der Wirklichkeit hatten. Der VdZ weiß, was er da sagt.

Warum nicht auch einmal davon sprechen. Freilich, ein wenig Bitterkeit ist da auch dabei. Aber das ändert nichts daß der Leser dieses Blog damit wissen soll und kann, daß der VdZ weiß, wovon er spricht, er hatte enorm viel Einblick, wenn er die Kirche bzw. deren Funktionsträger oft so angiftet. Unter rein menschlichen, welterfahren-realitätsgeerdeten Gesichtspunkten sind 90 Prozent der Kirchenfunktionäre Dreckspack, das Religiosität nur vorheuchelt.

Umso mehr muß man die Kirche begreifen lernen - als Wirkwille Gottes mit der Welt, dem wir täglich neu dankbar und bedürftig begegnen müssen. Den nur Sühne trägt.




*Die damals (und österreichweit) ganz auf "Neuer Mann" umzuschwenken versuchte, was der VdZ (wiewohl der Irrsinn schon sehr weit fortgeschritten war) mit kleinkleiner, konsequenter Arbeit zu verhindern suchte, soweit es in seiner Kompetenz lag. Auch hier - Subversionsarbeit im Geiste des Gendering, die JEDER Bischof Österreichs, ausnahmslos, guthieß. Und heute treten diese Weichwutzler als große Kämpfer für die Polarität der Geschlechter auf? Jetzt ist's am VdZ, höhnisch zu lachen. Schert Euch doch zum ... Almdudler. Schaufel in die Hand gedrückt, und endlich Sinnvolles gemacht, ein anderes Rezept gibt es nicht. Witz dabei: Die Männerbewegung in Oberösterreich gab das Leitthema und daran anknüpfende Umerziehungsprogramm bald auf, obwohl sie es ursprünglich so forciert hatten. Aber "es interessierte die Männer in den Pfarren nicht genug".




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Mittwoch, 29. Januar 2014

Glaubt ihm dann einfach nicht

Wenn aber nun Kardinal Schönborn so tut, als ob alles nur eine Frage der Organisation sei, wo heute etwa die Menschen vielfach "Wahlpfarren" hätten, und zwar gerade die, die ihren Glauben ernstnähmen, und daß doch vor hundertfünfzig Jahren die Vielzahl von Pfarren einfach organisatorische Gründe hatte, in der Zunahme der Katholiken, wenn er uns noch gar erzählt, daß die Ehe damals und früher keineswegs selbstverständlich war, was doch seine Auswirkungen auf die Betrachtung der vielen haben müßte, die heute unverheiratet zusammenlebten, dann, ja dann - glaubt ihm nicht.

Dann redet er womöglich von ganz anderen Dingen, wie wir. Dann rudert hier nur jemand herum, das rechtfertigt, was nicht zu rechtfertigen ist: eigene Unfähigkeit oder Feigheit. Oder vielleicht ... macht er es sich einfach leicht, und redet einfach etwas schön(bornig)?

Denn zwar stimmt faktisch, daß vor hundertfünftzig Jahren viele der unteren Klassen nicht verheiratet waren, ehe also nicht "selbstverständlich" war. Aber nicht, weil es auch SO ging. Sondern weil so viele ihren Lebenstraum - Ehe, Familie - aus verschiedensten realen Gründen nicht verwirklichen konnten. Heiraten aber WOLLTE jeder. Denn dann fing sein Leben erst so richtig an, "etwas" zu werden, mehr zu werden als das tägliche Geschäft des Überlebens. Ob im hintersten Indianerdorf von Wyoming, oder in Unterpremstetten bei Graz.

Und wer sich nur am Rande mit Legitimitätsfragen der Vergangenheit, auch der weit vorschristlicher Art, befaßt, sieht, welche Bedeutung die Ehe immer hatte. Sodaß immer klar war, wo der wesentliche Unterschied, der Vorrang zum Unverheirateten lag. Um den Unterschied zu erkennen, frage man doch einfach einmal, wie all die Unverheirateten die Ehe - sähen? Als Lebenstraum, als Erfüllung? Dann weiß man, wo der Unterschied liegt.

Und genauso besteht ein Unterschied, ob eine natürliche Wohngegend aus Getauften, die "an sich Pfarre ist", zu wieder überschaubaren räumlichen Gestalten zerkleinert wird, wie im rasch wachsenden Wien des 19. Jhds., weil die Anzahl der Mitglieder eine gewisse Größe überschreitet, oder ob man den Pfarrbegriff überhaupt enträumlicht (!), also vom Raum trennt, und zu einer Kategorie der Pluralität und Beliebigkeit macht. Denn mit einem mal fehlt ihr dann das Wesentliche einer Pfarre, ja überhaupt einer Lebensgemeinschaft (und von "Gemeinschaft" redet Schönborn ja oft in dem Artikel).

Ihr fehlt das Eheliche. Denn Kirche ist ganz sicher nicht der plurale Ensemble aus Wahlgemeinden, wo eine sich mehr als Kirche fühlt (!) als die andere. Dann fehlt vielleicht den Bischöfen nur eines - die Kraft, der Mut, die Leitungsqualität, die Einheit herzustellen. Weil einer mehr zu X, ein anderer mehr zu Y hält, aber keiner zu Christus.

Es ist etwas fundamental anderes, Menschen ihren angestammten Wurzelraum mit Kirchenneubauten fruchtbarer zu machen, als Menschen dazu zwingen zu wollen, ihren Glauben, ihr Kirchesein vom Raum zu trennen, weil die "Funktion" einer Kirche ja irgendwie noch angeboten wird. Oder schafft die faktische Raumlosigkeit der Menschen doch eine ontologische?

So, wie ja das Zusammenleben ohne Trauschein auch scheinbar alle Funktionen einer Ehe erfüllt, nur halt (warum dann?) keine Ehe ist, leben wir halt morgen mit jemandem anderen zusammen?

Insofern hängt das alles vielleicht irgendwie sogar ... zusammen, hat die selben Wurzeln? Geht es dann überhaupt aber um "Barmherzigkeit"? Oder nicht um etwas ganz anderes?

Und das in einer Zeit, wo diese seltsame Konstruktion der "kategorialen Seelsorge", wie sie das 2. Vatikanum eingeführt hat, an allen Fronten ihre Untauglichkeit erweist, wie bei den Militärdiözesen, wie bei den Kalamitäten um die Priesterbruderschaft St. Pius X.?




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Samstag, 22. Dezember 2012

Quod erat demonstrandum

Auch hier muß einer nur sehen, um zu sehen. Da erklärt ein österreichischer Kardinal, den immer noch viele für papabile halten, einer Tageszeitung, daß der Papst durch die Nützung von Twitter eben modern sei. Und meint, daß die Kirche immer die modernsten Kommunikationsmittel genützt hätte, um den Glauben zu verbreiten. Man solle nur auf den Buchdruck schauen: das erste Buch das gedruckt worden wäre, sei die Bibel gewesen.

Richtig. Und mit dem Buchdruck setzte ein völlig anderes Schriftverständnis und Verhältnis zum Wort und zur Wahrheit ein, die genau dem Wesen dieses Mediums entspricht. Der Protestanismus setzte seinen beispiellosen Siegeszug an.

Nicht mehr wurde an dieser Stelle festgestellt. Jetzt müßte einem das nur noch genauso gleichgültig sein wie katholischen Kardinälen. Aber dazu ist man denn doch immer noch zu wenig Protestant.




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Montag, 14. März 2011

Theater der Liturgie

Alle Rechte - Die Presse
Kardinal EB Schönborn im Gespräch mit Joachim Meierhoff über das Theater der Liturgie in der Presse. Mit lesenswerten Aussagen, die auch von dieser Seite die absolut gemeinsame Quelle von darstellender Kunst und Liturgie bestätigt. Und erstaunlich umfassend die ungemein gleiche Erfahrungswelt des Künstlers und des Priesters beschreibt.

Ich wollte nicht viel kürzen, weil auch die da und dort etwas umständlichere Aussagenfindung dazugehört.

Meierhoff: Beschreiben Sie einmal, was ist eine schlechte Vorstellung für Sie? Schönborn: Ich sage, was eine gute Vorstellung ist. Die Liturgie ist ja ein Ganzes. Die Liturgie ist dann eine gute gewesen, wenn die Spannung nicht wegbricht.
Die Liturgie ist als Ritual dadurch, dass es jedes Mal wieder den Gehalt finden muss, tatsächlich gefährdet wegzubrechen?
Ja.
Und dann wird sie ein hohles Ritual?
Sie bleibt immer ein erfülltes Ritual, weil im Unterschied zum Theater in der Liturgie das Sakrament da ist. Das heißt, was gespielt wird, ist auch wirklich da. Aber wenn das Spiel schlecht ist, wenn die Akteure zum Beispiel innerlich einfach nicht dabei sind, wenn sie hohl sind, wenn die Gesten mechanisch sind, dann ist der glühende Kern oft wirklich nur mehr mit dem nackten Glauben zu fassen - gegen alle äußere Trockenheit.
Das ist eine sehr gute Beschreibung einer schlechten Theateraufführung. Wenn es hohle Gesten werden, der glühende Kern nicht da ist, die Beseelung nicht stattfindet, dann gibt es bei uns, da haben Sie wahrscheinlich recht, nicht einmal die Hostie, in der sich noch für sich etwas verbirgt.
Und das Spannende in der Liturgie ist eben, dass der Teilnehmer trotz der schlechten Performance der Akteure und der Hohlheit ihrer Gesten und ihrer Worte zu dem glühenden Kern durchstoßen kann, weil der real da ist.
Aber vielleicht ist das genau das Risiko. Weil das im Zentrum real da ist, gerät man drumherum in die Hohlheit. Weil man weiß, dass das Zentrum, wenn man denn glaubt, intakt ist.
Sie können sich im Theater viel weniger leisten, dass die Akteure nachlässig werden. Natürlich merken auch wir, wenn das Publikum wegbleibt. Das hat etwas mit dem eigenen Versagen zu tun.
Für mich hat es ganz stark mit der Sprache zu tun, der Text ist oft schlecht.
Ja.
Wenn wieder einmal über Licht und Dunkel gesprochen wird, habe ich das Gefühl, dass man in diesen relativ einfachen lyrischen Metaphern doch irgendwie unterbedient wird.
Es gibt eine Erfahrung bei der Predigt, die kennen Sie vom Theater auch, wenn die Stille dicht wird.
Natürlich. Das sind große Momente.
Wenn sozusagen atemlose Stille da ist, dann merkt man, dass das Wort getroffen hat, man merkt aber auch, dass einem eine Verantwortung in die Hand gegeben ist, mit der man nicht leichtfertig umgehen darf.
Wenn ich eine schlechte Vorstellung spiele, dann kommt danach der Regisseur und benennt das. Und dann wird er sich die nächste Vorstellung ansehen und kontrollieren, ob ich das versuche anders zu machen. Wie ist Ihr Zugriff?
Gering.
Sehr gering?
Zu gering. Es fehlen die Kontrolle, das Feedback. Manchmal trauen sich die Gläubigen, das zu benennen. Aber es wird viel zu selten gemacht. Wir arbeiten deshalb jetzt mit allen Akteuren der Liturgie - nicht nur den Priestern, sondern den vielen anderen Akteuren wie etwa Lektoren - an einer Erhöhung der Professionalität. Das braucht es einfach.
Haben Sie das Gefühl, das wird zu laienhaft gemacht?
Zu wenig liebevoll den Empfängern gegenüber. Wenn ich eine Wertschätzung für das Publikum habe - in diesem Fall für die Teilnehmer an der Liturgie -, dann wird es mir ein ganz großes Anliegen sein, dass der Dienst, den ich in dem Schauspiel mache, dass der wirklich beseelt ist, dass der gut wird.
Das Wort „beseelt" hat bei uns im Theater wirklich auch eine große Bedeutung. Es ist entscheidend, dass die Dinge beseelt sind. Das trauen Sie sich zu sagen?
Das traue ich mir sofort zu sagen. Wenn ich will, dass etwas sprachlich und physisch und intellektuell durchdrungen ist, würde ich da den Gesamtbegriff der „Beseeltheit" wählen, ich würde sagen, dass eine Rolle dann beseelt ist.
[...] Das Stück, das wir aufführen, spielen wir seit 2000 Jahren, und im Durchschnitt ist der Publikumserfolg nicht nachlassend. Das kriegt kein Theater zustande.
Oh doch! Wir spielen doch Stücke, die sind auch so alt.
Ja, aber nicht jeden Tag und an so vielen Spielorten.
[...] Ich würde zuerst einmal sagen, ich repräsentiere etwas, was Sie nicht unbedingt als Schauspieler repräsentieren. Sie haben eine Rolle, aber ich habe eine Repräsentation. Ich war in Sri Lanka in einem kleinen Bergdorf bei ganz armen Teeplantagenarbeitern. Die hatten ungeheure Vorbereitungen gemacht, es war das erste Mal, dass ein Kardinal in dieses Dorf gekommen ist. Als wir zur kleinen Dorfkirche kamen, flüsterte der alte Jesuit, der Pfarrer dort, ein großartiger Mann, mir ins Ohr: „Glauben Sie nicht, dass die Leute das für den Christoph Schönborn gemacht haben, das haben sie für Jesus Christus gemacht." Der sagte: Nimm es nicht zu persönlich.
Ja, nimm es nicht persönlich. Du repräsentierst für diese Menschen Jesus Christus. Und darum haben sie diesen unglaublichen Aufwand betrieben.
Ich merke, dass wir am Theater durchaus aus dem christlichen Kontext entliehene Worte verwenden: Das hat mit Demut zu tun, gegenüber einer Rolle, einer großen, fantastischen Rolle.
Ja, diese Rolle, diese Repräsentationsrolle, erfordert Demut. Aber es gibt dann ja auch die Zeit, wenn ich zum Beispiel bei meiner Familie einfach der Christoph bin. Oder auch im Kreis von Freunden.
Und haben Sie dann das Gefühl, es ändert sich für Sie auch etwas?
Ich erlebe mich selber durchaus in meiner Repräsentation als so unzulänglich gegenüber dem, den ich repräsentiere, dass es mir nicht allzu schwerfällt, in die Alltäglichkeit meiner selbst zurückzukehren.
Empfinden Sie das als Belastung? Die dann abfällt - jetzt kann ich wieder nur ich sein. Es muss ja anstrengend sein, 24 Stunden am Tag Jesus Christus zu repräsentieren.
Ja und nein. Es ist natürlich auch etwas Berührendes, wenn man sich bewusst bleibt, dass es wirklich Repräsentation ist. Mir hat Nixons früherer Finanzminister einmal gesagt: „Das große Elend ist, wenn Repräsentanten ihre Repräsentation mit ihrer Person verwechseln."


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Sonntag, 9. Januar 2011

Muttermord

Die Katholische Kirche vermeldet die aktuellen Austrittszahlen - nachdem im Sommer 2010 aufgrund der zu erwartenden Horrorzahlen die übliche Veröffentlichung per öffentlicher Meldung aufgeschoben, nachdem vor einem Monat dasselbe Thema OHNE konkrete Zahlen bereits ausgiebigst von Verantwortlichen und Medien kommentiert, und nun in einem nächsten Häppchen endlich ein paar Zahlen (Wien und Graz; vermutlich stammen die Meldungen also aus politischen, nicht kirchlichen Kreisen, denn in diesen Magistraten geschieht der Kirchenaustritt am Magistrat, nicht in der Pfarre) wirklich bekanntgegeben wurden, man also dafür gesorgt hatte, daß das Thema nicht nur gespielt, sondern ausgiebig dramatisiert wurde.

Demgemäß sind 2010 in Österreich über 80.000 Menschen (die wirklichen, genauen Zahlen hat man ja noch immer nicht bekanntgegeben!) aus der Kirche ausgetreten. Das ist nicht wenig, schon gar, wenn man die Zahlen der letzten Jahre kumuliert:

  2010: 80.000+
2009: 53.216
2008: 40.596
2007: 36.645
2006: 51.216
2005: 43.855
2004: 51.731
2003: 40.654
    
In Summe also 397.913 Austritte seit 2003, das sind rund 8 Prozent (jeder 12.) der Katholiken Österreichs. Ich habe seinerzeit eine Hochrechnung angestellt, nach welcher die Kirche Jahr für Jahr rund 2 % ihrer Finanzkraft (denn die Austretenden sind meist nicht die eifrigsten Beitragszahler) verliert.

Eine Herausforderung, wie Kardinal Schönborn meinte. Und es klang wie eine Botschaft einer seiner Neuevangelisierungsgrüppchen: erleichtert, daß die, die nicht wirklich glaubten (wie eben jene letzten Getreuen), endlich weg sind. Aus deren Kreisen übrigens stammen ja auch jene Bestrebungen, den Kirchenaustritt (v. a. in Deutschland) generell vom Akt des Glaubensabfalls (der ipso facto Exkommunikation, also: Selbstexkommunikation zur Folge hat) zu trennen.

Da hieß es sogar, man müsse "Institution" und "mystischer Leib" trennen. Was blanker und primitivster Protestantismus ist. Aber nicht zuletzt "konservative Kreise" waren es, die speziell in Deutschland forderten, dies offiziell zu verkünden. Und die dabei bemerkenswerte Flexibilität in ihrer lauthals verkündeten dogmatischen Treue bewiesen, denn immerhin gibt es spätestens seit den Auseinandersetzungen mit dem britischen Protestanten Wycliff (der eigentlich den ganzen Reformations- und Schwärmerzirkus in Europa ausgelöst hat) päpstliche Schreiben, die genau solche (der Metaphysik der Kirche widersprechenden) Aussagen - vereinfacht: Institution und innere Gemeinschaft zu trennen - verurteilen, und zwar per "anathema sit" - "der sei ausgeschlossen". Man lese nur im Denzinger nach.

Dabei hat (da muß man den deutschen Bischöfen ausnahmsweise mal zustimmen) man dort richtig differenziert, ich habe es hier schon einmal dargelegt: Ein Kirchenaustritt kann viele Gründe haben, und es ist kaum möglich mit jener Gewißheit, die eine Exkommunikation sicher mache, auch zu behaupten, daß jeder Ausgetretene auch den innere Akt des Abfalls, der Verweigerung des Heils setze. Darauf beziehen sich auch entsprechende vatikanische Schreiben der letzten Jahre.

Es geht also darum, ab wann ein Akt "vollkommen" und damit "erst wirklich wirklich" ist, und wann nicht, sodaß der Ausgetretene also immer noch mit einem oder meheren Fäden an der Kirche hängt, und nur verärgert, verhetzt oder was auch immer ist. Die volle Wahrheit kennt ja nur Gott. Fest steht ja, daß nur formal und von außen exkommuniziert werden soll, wer sich - zuvor und hauptsächlich (so steht es geschrieben*) - sich selbst exkommuniziert hat. Und dazu hat das menschliche Urteil vor allem ... das Äußerliche. Was soll man von jemandem halten, der sagt: ich möchte mit der Kirche nichts mehr zu tun haben!?

Umgekehrt muß man nämlich auch festhalten, daß ein "formaler" Kirchenaustritt immer zumindest ein erster Schritt des Abfalls vom Heil ist, und damit Abfall (Apostasie) ist! Das trennen zu wollen ist nicht möglich, und würde die Sakramentenlehre der Kirche bzw. die Metaphysik die sie zeugt wie die ihr zugrundeliegt, umwerfen. Wer aus der Kirche austritt, setzt auf jeden Fall einen Schnitt, der diese letztlich kraft Taufe unlösbare, auf allen Ebenen wirkliche Verbindung wenn schon nicht aufhebt, das geht nicht (die Taufe setzt ein unauslöschliches, eben wirkliches Merkmal), so doch zum Ersterben bringt. Es bleibt beim Getauften, der sich aber von der Kirche abwendet, also nur noch der deklarierte Anspruch, als Kategorie gewissermaßen nach der im Gewissen zu urteilen ist, den zu erfüllen man sich weigert. Ein Same, der nicht mehr verschwindet, aber nicht mehr aufgeht.

Und weil in dem Fall, rein praktisch gesehen, Marx recht hat - wonach das Sein das Bewußtsein bestimmt - hat ein "figuraler" Abfall immer auch seelische Sofort- und vor allem Folgewirkungen. Nicht zuletzt im Gewissen der Betreffenden, das eigentlich immer deutliche Rechtfertigungs-Schlagseite im Urteil aufweist. Und weil ein Gewissen, das sich auf Maßstäbe beruft, die es selber zu schaffen hat, nicht funktioniert, weil also der Gewissenssatz, man habe es hier mit einer unfreiwilligen und bösartigen Sozialisationsschichte zu tun, die zu eliminieren sei, trifft man hier gleichfalls auf  beträchtliches, meist mit viel Aufwand unterdrücktes Aggressionspotential.

Kirchenaustritte sind also nicht, wie manche meinen, Entspannungsventile, wo manche nur erst mal zur Ruhe kommen müßten, sondern steigern den Kirchenhaß der Öffentlichkeit zum inkulturierten Reflex. Als mehr oder weniger verzweifelte Reaktion der "ausgetretenen" Getauften, die Ursache der Unruhe zu beseitigen, weil das häufigste Argument, diese Gewissenslage sei unzulässiger Sozialisierung zu verdanken, nicht greift. (Jeder verdankt seine Gewissensgrundlage jemandem.) Gerade eben wegen dieser Heilsnotwendigkeit wird so manches kirchliche Vorgehen, so manches persönliche Verhalten des Klerus als Zynismus, ja Verhöhnung empfunden.

Wer aber die Kirche haßt, haßt die "große Urmutter" (worin ja der Haß auf die Kirche so maßgeblich und untergründig motiviert ist), und wer austritt, versucht sie zu töten. Wie Orest muß er mit den Rachegöttinnen, den Erynnien, rechnen. Das sollte man zumindest wissen.

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Freitag, 4. Juni 2010

Wannen ein Bischof heilig wird

Nun könnte man meinen, daß an einem Satz wie "Die Bischöfe müssen danach trachten, heilig zu werden", oder: "Wir brauchen vor allem heiligmäßige Bischöfe!", in letzterer Formulierung hat es in diesen Tagen Klaus Küng öffentlich verkündet, nichts auszusetzen sei. Was könnte man sich mehr wünschen als - endlich!? - heiligmäßige Bischöfe?

Hätte es nicht Bischof Küng gesagt. Denn der ist bekanntlich Opus Dei-Mitglied. Und als solcher, und diese Behauptung läßt sich auch an seiner Diözesanführung belegen, unterliegt er exakt dem Problem, das das Opus Dei in der Praxis (!) so problematisch, ja häretisch macht. Indem deren Mitglieder so systematisch Heiligkeit phänomenologisieren, von der konkreten Lebensaufgabe trennen, als wäre nicht gerade diese ihr Weg, sondern umgekehrt, daß man von einem prinzipiellen Fehler sprechen muß. Denn so sind sie auf dem besten Weg, im Kleid des Protestantismus (bzw. Pelagianismus etc.) herauszukommen. Indem sie genau DAS Kreuz, das sie zu tragen hätten, ablehnen, und sich ein nettes anders suchen, das süßer schmeckt.

Wir müssen dazu nur den oben gemachten Satz um einen Halbsatz erweitern, dann haben wir anschaulicher, was gemeint ist. Wir müssen nur sagen: "Wir brauchen vor allem heiligmäßige Bischöfe! Dann müssen sie nicht mehr regieren und die Geister scheiden! Dann müssen sie nicht mehr die Strenge, Liebe - die ohne Gerechtigkeit undenkbar und lächerlich ist - und Klarheit der Bischöfe haben." Auch diese (auf den ersten Blick: abstruse) Behauptung hat uns Küng selbst unterfüttert, indem er meinte: "Dann müssen wir nicht über Strukturreformen nachdenken."

Es gibt keinen heiligmäßigen Bischof (oder Papst, oder Pfarrer), der schlecht regiert. Es gibt keinen heiligmäßigen Bischof, der zuläßt, daß seine eigenen Organisationen, in bischöflichem Auftrag, Häresien verkünden. Es gibt keinen heiligmäßigen Bischof, der zu Mißständen schweigt und sie nicht effizient zu bekämpfen sucht. Es gibt keinen heiligmäßigen Bischof, der die Gläubigen in den Liturgiemißständen im Stich und wildgewordenen, größenwahnsinnigen Pfarrern überläßt. Es gibt keinen heiligmäßigen Bischof, der Mißbräuche sexueller Art nicht ausreichend bekämpft. Es gibt keinen heiligmäßigen Bischof, der Religionslehrer mit kirchlicher Sendung entläßt, die offensichtlich und nachweislich häretische Lehren verkünden.

Es gibt nur Bischöfe, die scheitern, und deshalb zurücktreten. Die aber auch auf fette Pensionen verzichten, weil sie wissen, daß sie ihnen nicht zusteht, selbst wenn sie ihnen "zusteht", so wie ja allen alles heute zusteht. Dann können sie wieder Heiligmäßigkeit, eventuell, beanspruchen.

Wenn man den hiesigen Bischöfen überhaupt jemals wieder trauen wird, dann nicht mehr diesen, außer wenn sie (am besten geschlossen) zurücktreten. Dann bleibt wenigstens das Amt würdig. Und der Weg wird frei für jene, die das Kreuz des Amtes wirklich auf sich nehmen, und die Kirche so von innen heraus erneuern - indem sie das Herzblut wieder in alle Muskeln pumpen, und sei es noch so schwierig und schmerzhaft. Und die ihren Nachfolgern das Leben gleich mal erleichtern, indem sie all die vielen, von denen sie wissen, daß sie weg gehörten, mitnehmen. Und wenn sie endlich aufhören, das Kreuz, das sie verweigern, den Gläubigen abzuverlangen, oft genug durch den Zynismus, Vertiefung des Glaubens zu fordern, zugleich aber die Heilsmittel genau dazu zu verweigern.

Ein sauberer Schnitt, wie bei Pflanzen eher mit ein bissel zuviel als zuwenig Resektion. Das wäre mal ein Neubeginn! Das wäre mal eine Renaissance, auf derselben Grundlage wie jene, die das Mittelalter ablöste: auf dem Nährboden des Verzichts, der wahren, unmißverstandenen "Armut" des Heiligen Franz von Assisi.



*040610*