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Mittwoch, 16. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (6)

Teil 6)



Wenn Roy freilich versucht, die Umwelt- und Ökologiebewegungen als Versuch zu deuten, aus diesen unentrinnbaren menschlich-kulturellen Matrizen zu entkommen, um so zu einem besseren Selbst zu gelangen, zeigt er, daß er es nicht (wie McLuhan) verstand, die Medienkritik auf einer soliden Metaphysik aufruhen zu lassen. Aus der nämlich klar würde, daß der Mensch selbst die Matrix ist, die den Menschen in einer "Matrix" eingegliedert sein läßt, die ihm gemäß ist - und die in Jesus Christus die einzige vollkommene Matrix gefunden hat. Sodaß daraus sogar die Erlösungsbedürftigkeit klar wird. Roy ist eben Protestant. Genau dort liegt deren Defekt. 

Sie sehen die Welt nicht in den Menschen "hineinlaufen", also alle ihre Formen im Menschen vorhanden, wenn auch notwendig zu reinigen und die Form Christi in Anähnlichung aufzunehmen. Ein Christentum ohne Gestalt Christi ist somit überhaupt nicht vermittelbar! Denn in Christus ist Medium und Information (um in medienkritischen Termini zu sprechen) vollkommen in die Welt gekommen. Genau das hat sie nach dem Sündenfall gebraucht, der dieses Urbild aus der menschlichen Welt gestoßen hat (bzw. dann umgekehrt.) Ausgehend von einer Einheit der Sinne (sic!) ist die Begegnung mit dem Wirklichen immer eine ganzheitliche Angelegenheit, die bei Reduktion auf einen oder zwei Sinne zwangsläufig defiziös ist.







*250819*

Dienstag, 15. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (5)

Teil 5)



Die amerikanische Popkultur muß man als solche Universalsprache sehen, die einen globalen Totalitarismus vorbereitet und trägt. Sie hat sogar die Rebellion integriert, aus der sie ursprünglich stammte, und über die elektronischen Medien zu einer vordergründigen Grundhaltung gemacht, die bestens geeignet ist, den Schein von Individualität zu schaffen. Es waren aber die Medien selbst, die alle uniformiert haben! Die einen waren uniformierte Rebellen, die anderen uniformierte Mainstreammusikhörer, alle Teil desselben globalistischen Systems, das über die Medien selbst wirkte. 

Das Medium, das Format ist viel bedeutender als der Inhalt! Die verschiedenen Inhalte sind lediglich Zuschneidemaßnahmen ein und derselben Vermassung, um allfällige mentale Widerstände zu überwinden. Was genau den Kern der Kritik trifft, die der VdZ an "rechts und links" anzubringen hat, und hier immer wieder anbringt. Die immanent demselben System angehören, das viel wirkmächtiger ist als vermeintliche andere Inhalte.

Das ist auch der große Irrtum das Internet und die social media betreffend. Die den Eindruck vermitteln, daß man eine unübersehbare Fülle von "verschiedenen" Richtungen an Information etc. abrufen kann, und deshalb völlig frei ist. Aber in Wahrheit geschieht etwas ganz anderes! Man wird durch die Art des Mediums gebunden und geformt, NICHT durch die sogenannten Inhalte! Alle haben dieselbe Wirklichkeit akzeptiert, und darauf kommt es an.

Die wahre Unterwerfung geschieht durch das Medium und durch die Technik, nicht durch angeblich diversifizierte Inhalte. Sie formt die Art, wie wir leben, sie formt die Art, wie wir die Wirklichkeit rezipieren. Unsere tiefsten seelischen Haltungen werden verändert, und die sind das Entscheidende! Die Menschen werden an den Bildschirm gebunden, während sich die Aufmerksamkeit gegenüber der unmittelbaren Lebenswelt verringert. (Wir haben darauf 2011 in einem langen Artikel zu handeln versucht, der darauf hingewiesen hat, daß Twitter als Instrument des Papstes in sich ein völliges Verfehlen des Katholischen bedeutet.) Und genau darum geht es auch! Der social media-Konsument wird immer mehr verfügbarer Teil des unsichtbaren, drahtlosen Organismus.  

Der damit immer mehr zum eigentlichen Subjekt der menschlichen Geschichte wird. McLuhan drückte das einmal drastisch aus: Menschen sind dann nur noch die Sexualorgane von Maschinen. Selbst die Mythologie, die darum gebildet wurde - die Matrix, und der Kämpfer gegen sie - sind eine Täuschung, weil sie sich innerhalb derselben Medienmechanik abspielt, gar keine relevante Wirklichkeit hat. Selbst die Gegnerschaften in social media sind reines Entertainment. Die Leute gehen nach dem Sehen so eines Kampfes nicht in die Welt hinaus und befreien sich von der Matrix, sondern wollen nur noch mehr von diesem Drama sehen - und in der Matrix bleiben. Die davon erzählt, wie man sich davon befreit ... Auch die "seriöseren" Konsumenten der social media unterscheiden sich in nichts von Pornokonsumenten. Allen geht es um den Kick der Lebensintensität, die sie nicht mehr selbst produzieren wollen und können. Die social media (Internet) sind immer Entertainment! Die Inhalte sind rationalisierte Täuschung. Und darum geht es.

McLuhan hat begriffen, daß alle diese Dinge hinausverlagerte Haut des Menschen ist. Unter diesem Aspekt hat er auch die Stadt kritisiert, die Symptom für eine in sich immer abgeschlossenere menschliche Welt war, die Gott ausschloß. Wie er sie in der Erzählung des Turms von Babylon archetypisch sah. So sind auch die Medien der Gegenwart (im besonderen, denn da wird es sehr deutlich) eine Gegenwehr gegen Gott, der draußen bleiben soll. Während wir die Einbindung in die Schöpfung immer vollständiger verlieren, und uns nur noch mit unseren Matrizen umgeben, in denen wir uns eine inhaltlich-moralische Entscheidung imaginieren, die es gar nicht gibt. Die social media sind eine extreme Form des Ungehorsams Gott gegenüber! 

Die in der Stadt versucht ist, das Himmlische Jerusalem - eine Stadt als Erlösungsvollkommenheit der Welt - nachzuahmen bzw. vorzutäuschen. Man baut einen Bildschirm zwischen sich und Gott, darum geht es. Während der Tempel und die Himmlische Stadt Jerusalem Ausdruck jenes vermittelnden Mediums ist, in dem Gott die Menschen an sich teilhaben lassen will. Sowohl Jacques Ellul wie auch Marshall McLuhan sind nur unter diesem theologischen Aspekt begreifbar. 


Morgen Teil 6)


*300819*

Montag, 14. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (4)

Teil 4)


Aber die Medien verändern auch die innere Struktur der Probleme, ja sie schaffen sie regelrecht, und prägen der Bewältigung des Lebens eine technisch-organisatorische Struktur auf. Die immer auf Kosten der persönlichen Freiheit geht. Gerade an ökologischen Fragen sieht man deutlich, wie Probleme von der persönlichen Ebene weg hin zu statistisch-organisatorischen Fragen verlagert wird. Das hat mit der Natur der Medien zu tun, die die Botschaften verändern, und damit auch die Art, wie Probleme gesehen und behandelt werden, weil unsere gesamte Rezeption der Welt verändert wird. Auch in der Rangordnung sieht man genau das: Ökologische Fragen werden höher bewertet als Fragen der individuellen Freiheit, weil sie durch die Medien und der Art, wie sie Botschaften transformieren, zu einem technisch-statistischen Problem werden. 

Die Technisierung und Entwurzelung der Individuen (social engineering) hat über das Zerreißen ethnisch-religiöser, geschlossener Räume in den Innenstädten zur Entwicklung des Vororteproblems geführt, das bewirkt, daß die Menschen immer weiter von der Natur und ihren Vorgängen als Lebensraum entfernt werden, während sich ihre Weltrezeption schon rein quantitativ auf Technik verlegt. Man kann nicht einmal mehr ohne Auto irgendwohin kommen. Damit zerreißt der unmittelbare existentielle Zusammenhang mit der Natur, die ständig wechselt und wechseln kann, aber keine direkte Verbindlichkeit mehr hat. Diese kann nur noch konstruiert werden. 

Ja, das gesamte Leben wird immer mehr zu einer Unterwerfung unter technische, organisierte Prozeduren. Diese verändern uns, und sie verändern die Natur der Lebensfragen, die wir damit zu lösen versuchen. Wir müssen immer mehr die Art der Technik annehmen, integrieren, die Art wie sie denkt. Was als "Verbesserung" beginnt, breitet sich damit zwangsläufig über unser gesamtes Leben aus, das adaptiert werden muß, und weil alles zusammenhängt, alles zu verändern beginnt. Das ist ein Prozeß, der sich spiralenartig mehr und mehr beschleunigt.

Haben wir deshalb unsere gesamten Lebensräume (Städte) nach dem Auto ausgerichtet, so bringt die Handy-Kultur eine noch totalere Anpassung an die Technik mit sich. Wir werden durch das Handy (iPhone) zu einem Teil eines Netzes, in das wir uns integrieren, und dem wir alles anpassen. Unser gesamtes Wahrnehmen von Raum und Zeit verändert sich dramatisch, weil wir wie mit einem Netz verdrahtet sind. Man sieht es etwa daran, daß niemand mehr auskommt, ohne alle zwei Minuten sein Handy zu konsultieren, ob das Netz Aufträge oder Stimuli für ihn hat. Das ist eine Sucht! Mehr noch aber: Während wir selbst (durch Verlust des Selbstbesitzes) ins Chaos versinken, wird das System mehr und mehr notwendig, um uns wieder Ordnung zu geben. Unsere heutige Gesellschaft ist deshalb von diesen beiden Extremen gekennzeichnet: Extremes Chaos - und extreme Systemunterordnung. Jacques Ellul hat genau darauf hingewiesen: Das eine füttert jeweils das andere. Wer sich nicht selbst ordnen kann, schreit nach Ordnung von außen.

Wo immer Medien und Technik auftauchen, beginnen sie, das soziale Leben um sich herum zu gruppieren. Wird eine Straße gebaut, ordnet sich das gesamte soziale Leben darum herum. Als der Fernseher auftauchte hat sich das Leben der Menschen gesamter sozialer Umgebungen, mit allen Bräuchen und jahrhundertelangen Traditionen, über Nacht ausgelöscht. Wenn man heute am Abend durch ein altes Dorf geht sieht man die Straßen, die früher voller Menschen waren, menschenleer, aber überall hinter den Fenstern das Flackern von Bildschirmen. 

Auch die Sprache hat sich völlig verändert. Früher hat jeder Ort, jeder Landstrich quasi seine eigene Sprache gesprochen. Heute ist die Sprache überall gleich weil angepaßt. Kein Wunder, daß sich niemand mehr ausdrücken kann! Bei der Gelegenheit muß man auf den verheerenden Effekt einer Standard-Sprache in Deutschland hinweisen, die von der Zentralmacht eingeführt wurde, und nun alle Menschen gleich machte und gleich (oder gar nicht mehr) denken ließ. Da konnte es gar nicht ausbleiben, daß sich faschistische, nationalistische Strömungen in allen Weltanschauungen bildeten.

Die Gesamtkultur wurde eliminiert (und zur Ideologie), weil sämtliche Partikularkulturen (durch die technischen Netze, durch verordnete Einheitssprachen) verschwanden. Es mag manchem seltsam klingen, aber es war der Nationalstaat, der den Boden für einen globalen Staat vorbereitete, wie er sich heute anschickt zu bilden! Nur macht es die Globalisierung mehr mit Verführung, nicht so deutlich mit Gewalt, wie es im 19. und 20. Jahrhundert praktisch überall in Europa geschehen ist. Aber auch diese neue Zentralsprache, die überall und als angebliches Staatsmerkmal eingeführt wurde, ist ein Medium, das eine Art von Wahrnehmung und Denken aufprägt. 


Morgen Teil 5)


 *250819*

Sonntag, 13. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (3)

Teil 3)



Das hat sich darin gezeigt, daß sich unser System in den 1960ern von einem System individueller Schuld dem Sein gegenüber (Beichte, Katholizismus) zu einem System der (durch Verhaltensänderung aber tilgbaren) Schuld an technischen Prozessen war. Mülltrennung. Vegetarismus. Umweltschutz. Klimarettung. Ölkatastrophe. Ständig neue Formen von Ungerechtigkeiten. Alle Sünden waren plötzlich mathematisch auflösbar. "Wenn man so und so viele Bäume täglich schlägert, wie lange würde es dauern, bis alle Bäume des Amazonas geschlägert sind?" "Wenn man täglich so und so viel CO2 ausstößt, wie lange wird es dauern, bis die Welt verdampft?" Die Welt wurde generell zu einem mathematisch ausrechenbaren Problem, und Ethik wurde zu einer mathematischen Operation. Mathematik wurde zum ökologischen Problem.

Gibt es mehr Technizismus?  Mit der Zeit hat sich seit den 1950er, 1960er Jahren ein aberwitziger, technizistischer Kontrollapparat aufgebaut, der sich darauf zurückführt zu meinen, die Probleme der Welt durch mathematisch-strukturierte Technizismen lösen zu können. Moderne pur. Und konnte man dieses eine Problem nicht lösen, suchte man ein anderes, das mit mathematisch-technizistischem Gehabe zu lösen schien. Damit ist eine Form von Öko-Faschismus entstanden, der uns völlig beherrscht.

Eine Graswurzelbewegung ist der Ökologismus nie gewesen. Er hat immer auf Propaganda und Gesamtmechanismen abgezielt, denn "von unten", aus der Wahrnehmung der Menschen heraus, geschah .. gar nichts. Also versuchte (und versucht, heute mehr denn je) man, ständig in das Unten (also in die Bereiche des Einzelnen) direkt einzugreifen, durch ständig mehr Verhaltensvorschriften und -zwänge. ABER wenn man ständig "bewußt" in eine Organisation (Gesellschaft) eingreift, die aus einem inneren, natürlichen Ordnungsdrängen zusammenhält, passiert nur eines: Sie verliert ihre innere Ordnung. Sie wird zum Chaos.

Und zwar nicht, weil hier oder da etwas an den Eingriffen "falsch" läuft. Wie der Technizismus denkt. Sondern weil der Mensch seinem Wesen nach frei IST. Und an diesem Punkt seine Existenz überhaupt erst zu existieren beginnt! (Und wer möchte nicht existieren? Ist das nicht der erste Drang jedes Menschen?) Nicht im Ergebnis, nicht im Großen, nicht im Gesamtbild des Faktischen. Jede Änderung im Großen kann deshalb nur aus dem Zwiespiel von Offenheit gegen ein Gesamtbild der Vorsehung hier, und dem, was der Mensch machen kann, seiner sittlichen Entscheidung dort (also der Ethik, der Moral in deren kultureller Form) sein. Dem Menschen im Einzelnen diese Freiheit(smöglichkeit) zu nehmen heißt deshalb immer, das Ganze ins Chaos zu stürzen. Ein Paradox! Aber die Welt als Geschichte mit Gott, dem Sein selbst, ist eben ein Paradox. Nicht irrational, sondern über-rational.

Jeder Eingriff in einen Organismus durch eine Organisation muß durch noch mehr Organisation kontrolliert und korrigiert werden, um die Natur des Einen, Untersten zu befrieden. Sie muß damit zwangsläufig wachsen. Die Gesellschaft des industriell notwendigen Wachstums wird wie von selbst zu einem System der Kontrolle der Aufrechthaltung eines endlosen Konsums. Und die Notwendigkeit des endlosen Konsums bewirkt die Manipulation der Menschen zu dafür geeigneten Konsumenten. Homosexuelle, sterile, vorübergehende menschliche Bindungen. Sexuelle Befreiung als sexuelle Sklavenschaft. Entwurzelung als Konzept einer technokratischen Gesellschaft, als Konzept der Moderne. Im Endeffekt endet dieses Konzept bei der Beschuldigung des Menschen, überhaupt zu existieren, weil alle Probleme zu verursachen, wenn er Mensch ist. Er kann nur genügen, wenn er aufhört, Mensch - und damit frei - zu sein.

Die Freiheit, die uns noch bleibt - im Wesentlichen ist sie nur noch Mobilität, aber in allen Gebieten, weil Wurzellosigkeit - verlangt schließlich, daß wir uns deren Eigenschaften anpassen. Wir beginnen also, die Sprache der Bewegung zu sprechen, deren Gedanken als Weltgedanken zu akzeptieren. Denn Medien (und Transportmittel sind eben solche Medien) sind nicht neutral. Sie zwingen uns ihre inneren ontologischen, wirklichkeitsrelevanten Gesetze auf. Und die sind nicht ident mit dem logos, mit der Sinnstruktur des Menschen selbst.

Unser Denken wird zu einem Denken, wie das System funktioniert. Denn weil alles mit allem zusammenhängt, durchwirkt dieses nur noch technische Funktions-Denken sämtliche Bereiche unseres Lebens. Das führt zu einem Gleichschaltungsprozeß sämtlicher unserer Lebensbereiche, und muß sich ständig diesen Anforderungen von Neuem anpassen. 

Dieser von der Technik ausgehende Effizienzsteigerungsprozeß beschleunigt nicht nur alle Vorgänge, sondern er beginnt, uns mehr und mehr zu versklaven. Weil wir uns immer mehr von Maschinen abhängig machen. Ideellen Maschinen, oder solchen aus Eisen und Computerprogrammen. Mit den social media sind endlich dann alle Menschen jederzeit koordinierbar, und zwar gemäß technischer Prozesse, die im Grunde beim Stromnetz begonnen haben, und bei den Mobilitätskonzepten eine nächste wirkmächtige Quelle haben, die alles durchstrukturiert. Ellul schreibt deshalb einmal, daß der Fahrplan der Eisenbahn so großen Einfluß auf unser Leben hatte, da sich unser Leben mehr und mehr nur noch daran ausrichtete. 

Die alten Taktschläge übrigens wurden mehr und mehr obsolet, wie Kirchenglocken, die Sonne, der Ablauf der Jahreszeiten, das Wetter, die Feiertage, das Gedächtnis an vergangene Ereignisse, die die Charakteristik von Tagen anzeigen, und so weiter. Eine Ordnung der Welt wurde mittlerweile durch eine Ordnung der technischen Ablaufoptimierung einzelner Lebenselemente (Strom, Internet, etc. etc.) ersetzt. Die aber nicht mehr der Natur der Welt und unserer eigenen Natur entspricht.

Das alles verändert zwar nicht unser innerstes Wesen, das in seinen Grundforderungen immer mehr unerfüllt bleibt, es verändert aber unser Verhalten, unsere Haltungen. Wir haben unsere Aufmerksamkeiten und nervlichen Fähigkeiten (Konzentration) diesen neuen Anforderungen anzupassen, weil sich die Wichtigkeiten in unserem gefühlten Werte- und Hierarchiesystem neu arrangiert haben. Denn wir sehen nicht, daß uns die Medien ihre Sprache aufdrängen, die sie benötigen, und dadurch die Inhalte wesentlich (sic!) bestimmen.

Heute kann deshalb kaum noch jemand zwei Absätze hintereinander lesen, ohne sofort irgendwelche Informationen zu suchen, um sich des Gelesenen gewisser zu werden. Die gesamte Haltung zu unserem überlieferten Kulturgut hat sich dramatisch geändert. Wir "trauen" ihm nicht mehr. Weil sich unsere Position verändert hat. Wir sehen nicht mehr die relevanten Orte. Wir befinden uns nur noch an zufälligen, zugewiesenen Orten.

Die Dominanz des öffentlichen Systems und der Verlust der sozialen, verwurzelten Ordnungen, der Ausbruch des sozialen Chaos, hängen direkt und ursächlich mit der extremen Bedeutung der Medien heute zusammen. Die uns nicht zuletzt über Bequemlichkeiten dazu verführt haben, diese neue prägende Kraft technischer Abläufe zu akzeptieren. Die uns das Leben regelrecht aus der Hand schlagen. 

Morgen Teil 4)





*250819*

Samstag, 12. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (2)

Teil 2)




Ellul kam zu seinen (ausgezeichneten) Analysen, weil ihm etwas auffiel, das niemandem wesentlich schien, ihm aber war: Ende der 1930er Jahre verwandelte sich die Stadt schlagartig, ja über Nacht. War sie zuvor noch reiner Begegnungsraum von Menschen gewesen, mit spielenden Kindern auf den Straßen und Menschen, die tief in Lebenswelten verwurzelt waren, war sie plötzlich Verkehrsfläche für eine neue, motorisierte, mobilisierte Welt. Die dann im Zweiten Weltkrieg endgültig Wirklichkeit wurde. Plötzlich ging es überall nur noch um losgelöste, universalistische Ideen, die einen verwurzelten Menschen nicht mehr brauchen konnte, der sogar zum störenden Element wurde. 

Autos und moderner Krieg sind deshalb Elemente derselben Spielkiste, der Verwurzeltheit nur im Wege steht. Wie sich im Konzept des totalen Krieges sehr deutlich zeigt: Verbrannte Erde war nicht nur ein Konzept des Bombenkrieges, es war Kriegskonzept aller Mächte. Die Vergangenheit, die Tradition zu schützen war nur "museales", vor allem aber medientechnisches, "zweitwirkliches" Element, das aber keine reale Bedeutung mehr hatte. Und diese Zweitwirklichkeit (Pseudologie) ist das vordringlichste Merkmal der Moderne. Totalitarismus ist deshalb nur der Ausfluß eines alltäglichen Lebens der Entwurzeltheit, die ständige Mobilisierung verlangt. (Womit wir bei der fundamentalsten Kritik am Islam angelangt wären.) 

Damit hatte sich der "natürlich gebliebene" Mensch im 20. Jahrhundert immer mehr gegen die moderne Gesellschaft zu wehren. Die Freiheit und Natur gefährdete. Ellul legte somit die geistigen Fundamente für die eigentlichen Ursprünge der ... 68er Bewegungen! Die anfänglich ein Kampf gegen die Moderne waren, ehe sie in eben dieser Moderne untergingen. Mit einem Funkenblatt an Feinden, das manchen überraschen mag: Medien, Tempo, Technizismus, Motoren, Mobilitätskonzepte und ... die moderne Demokratie, die auf Propaganda als technizistischer Enteigentlichung des Menschen beruht. 

Alle Dinge, über die heute medial diskutiert wird - und das betrifft INSBESONDERS die social media, das Internet - sind somit lediglich Täuschungsmomente, die vorgeben, über Inhalte zu laufen. Die aber in ihrer wahren Botschaft, in ihrer wahren Wirkung die Moderne als Abkehr von der ontologischen Wahrheit (=Natur) perennieren, vertiefen, transportieren. Man sieht nicht mehr auf die wirkliche Gestalt der Dinge, sieht die Welt nicht mehr als Begegnung von Gestalten, sondern als Begegnung von rationalen, verbalisierten Inhalten. Welch' Täuschung! 

Deshalb ist auch die gesamte ökologische Diskussion ein pures Täuschungsmanöver, und sie war es von Anfang an. Sie war sogar regelrecht "verordnet", ging von den bürokratischen, technizistischen Zentren (Europäischer Rat, etc.) aus!  Sie ist in sich aber zutiefst ein Projekt der Moderne! Und muß deshalb auch im Totalitarismus enden, denn darauf zielt sie ab. All die Diskurse diesbezüglich sind seit ihrem Auftreten 1970, als die 68er "ökologisch" (also "grün") wurden, reine Scheinveranstaltungen, wo es nur darum geht, wie die Moderne (des Technizismus) mit anderen Scheininhalten gefüllt werden kann. 

Die wahren Lebensabläufe (und damit die Politik) waren, blieben und sind aber zutiefst MODERN. Es ging nicht nur immer um dieselbe Art von Gesellschaft, sondern alle angebliche Fundamentalkritik an der Gesellschaft war in sich eine Bestätigung, eine weitere Befestigung genau dieser Gesellschaft der Moderne, weil sie sich deren tiefer propagandistisch-zweitwirklicher Abläufe bediente, ja ohne diese gar nicht denkbar war und ist.

Die Grünbewegung ist somit nur eine "grüne Version" derselben Art von technologischer, aber in Wahrheit zutiefst widernatürlicher Gesellschaft, die die grünen Bewegungen angeblich ablehnen. Ohne diese könnte es eine Grünbewegung gar nicht geben. Und die "Rechten" muß man dieselbe Kategorie einordnen: Sie sind nun lediglich eine Jahrzehnte später eingetretene Reaktion, die eine "rechte Version" IMMER DERSELBEN MODERNE fordern. Ihnen allen ist Gesellschaft (ob sie es erkennen oder nicht) eine Form des Technokratischen.


Morgen Teil 3)




 

Freitag, 11. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (1)

Gerade rechte, anti-revolutionäre (d. h. anti-linke) Bewegungen bedienen sich in ihrer Vorgangsweise gerne traditioneller Bilder. Dabei übersehen sie, daß die Zielrichtung - Mobilisierung der Menschen - in sich ein Teil der Moderne ist. Das heißt, daß sie (wie die meisten revolutionären Bewegungen) im Endeffekt in einem Konzept der Moderne verfangen sind, und nur ein Perpetuieren der Moderne bewirken. Jener Moderne, die zu bekämpfen sie vorgeben.

Man kann es also als abgehandelt sehen, wenn hier zuletzt in der Form "gewettert" wurde, daß auch die sogenannte rechte Kritik wie ein trojanisches Pferd nichts anders tut als die Agenden der Linken, nämlich der Liberalen, zu betreiben. Denn was man tut ist nicht das, was man redet. Es hat eine ontologische Struktur, und um die geht es in jedem Sehen des Wirklichen. Von Nicht-Wirklichem zu reden ist aber doch pure Zeitverschwendung, Ablenkung vom Wesentlichen?

Große Teile der heutigen Kritik tun dasselbe wie jene, die sie kritisiert. Sie haben nur andere Etiketten auf ihrem Tun. Aber Information ist eben nicht ein oberflächliches Ding von Datentransfer. Information ist eine TransFORMATION von Daten, die sie erst zur Information macht. Und insofern auch völlig anders wirkt als ihr "rationaler Nettoinhalt" vorgibt. Alles kommunizieren hat also mehr als bloßen Datenaustausch zum Inhalt, sondern ist eine Wirkung der Informationsträger selbst. 

Die wirklich weitergegebene Information liegt an diesen, nicht an den "rational reduzierten, mathematischen Daten". Insofern ist sie immer das Beitreten von Informationsgeber wie -nehmer an ein- und demselben Ort. Oder die Verweigerung dieses Beitretens. Information ist also ein "Ding dazwischen", beiden gemeinsam. Oder sie ist nicht.

Wir sehen hier Jonathan Pageau in einem interessanten Gespräch mit dem französischen Medienkritiker Christian Roy. In dem letztlich die Gedanken von Jacques Ellul diskutiert werden, von dem an dieser Stelle vor (tatsächlich muß man das so sagen) vielen Jahren bereits eingehend die Rede war, der Leser kann es nachlesen. Ebenso wie die kanadische medienkritische Schule (so muß man das fast nennen) mit der Gallionsfigur Marshall McLuhan, von dem ebenfalls hier bereits viel die Rede war. Wie gesagt: Schon vor vielen Jahren. 

Wobei McLuhan im Grunde seine Ideen seinem Vorläufer, Harold Innis, zu verdanken hat. Der die grundlegenden Überlegungen der Medientheorie beziehungsweise deren Phänomenologie lange vor McLuhan bereits publiziert hatte. McLuhan war freilich mehr Popularität beschieden. Beide aber (wobei McLuhan konvertierte) sind dennoch als tiefe Denker eines damals noch katholischen (französischen) Kanada zu sehen. Nur aus diesem Fundament läßt sich ihre Arbeit überhaupt erst verstehen. McLuhan wird deshalb heute zwar oft zitiert, aber so gut wie nie verstanden, weil der moderne Mensch Herkunft wie Hintergrund prinzipiell nicht mehr versteht und blöd ist.

Von jemandem, der sich Gewinn von diesem Blog erhofft, muß aber ein für alle Mal und wieder verlangt werden, daß er die gegenwärtigen Ausführungen vor dem Hintergrund des umfassenden Gedankenweges sieht, der bereits zurückgelegt wurde und von dem dieses Blog nur Zeugnis ablegt. Stattdessen hat man es heute aber oft genug mit der Unverfrorenheit zu tun, in der stets neue Generationen an Fragestellungen herantreten, ohne die Vergangenheit zu besitzen, auf der diese Fragen und Antworten aufbauen und überhaupt erst Sinn ergeben. Gerade "kritische", systemkritische Internetmeldungen stehen somit oft auf einem Grund, den man nur als - real, sehr real - völlig geschichtsvergessen bezeichnen muß. Denn Ideologie liefert keine Geschichte, sie liefert nur ein vorinterpretiertes Bild.

Darum herrscht auch in "kritischen" (alternativen") Medien eine oft genug erschreckende Blindheit für Wirkliches in ihrem Tun. Sie tun, um es salopp zu formulieren, Falsches, um nun aber doch Richtiges zu erreichen. Und nur darin unterscheiden sie sich von dem, was sie kritisieren. So wie es G. B. Shaw einmal formulierte: Ja, ich sage dasselbe wie meine Kritiker. Aber nur ich habe Recht.


 Morgen Teil 2)





*250819*