Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Montag, 5. Dezember 2022
Die ergebnislose Suche nach der Heimat
Dienstag, 10. Mai 2022
Woher die Indianer kommen (2)
Montag, 27. September 2021
Nie mehr gewesen als eine Strafkolonie
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Samstag, 18. September 2021
Man wird weiß, gelb, schwarz oder rot (2)
Mittwoch, 14. April 2021
Filmempfehlung (4) - Exkurs zu den Quellen des Rechts
Teil 4) Exkurs zu den Quellen des Rechts
Am Sheriff des Ortes, in dem sich der "Let him go!" letztlich vollzieht, wird jedenfalls deutlich: Das offizielle Rechtssystem vollzieht das Recht einer regionalen, in Lebensweise und Wertewelt abgrenzbaren Bevölkerung. Dieses Recht (letztlich das Recht der USA, dessen Rechtssystem durch seine Rückkoppelung an den Volkswillen diese Mutung, der hier gewissermaßen ins Kochrezept geguckt wird, auch tatsächlich hat) wird also gar nicht von abstrakten Prinzipien getragen, sondern von einem viel stärkeren Lokalspirit. Das ist der vielleicht interessanteste Aspekt, sodaß sich einfach stärkeres "subjektives" Recht durchgesetzt hat.
(Hintergrund-Parallelstrang, gewissermaßen der Kontrabass) Wenn aber, wie wir festgestellt haben, das irdische Recht (Recht in Welthaftigkeit, konstitutiv wie apperzeptiv, aus dem Numinosen, Transzendenten inspiriert) immer in einem realen Individuum wurzelt, ja wurzeln muß, das aber seine Subjektivität (als Willkür aus Eigenwillen) überwunden hat (also dem Transzendenten gehorsam ist), dann wird die Qualität dieses Menschen (was grosso modo als "Grad der Heiligkeit" zu verstehen ist) das Kriterium.
Historisch hat in diesem Neusiedlungsland des Western Frontier lange Zeit furchtbares Chaos geherrscht. Der amerikanische Westen war - spätestens nach dem Rückzug der großen Mächte Spanien, Frankreich und England - vom Faustrecht bestimmt. Erst im 19. Jahrhundert hat sich ein Rechtssystem durchzusetzen begonnen. Das zuerst aber von Einzelkämpfern getragen war, die unter Einsatz ihres Lebens das schufen, auf dem sich dann überhaupt erst eine amerikanische Kultur und Zivilisation bilden konnte.
Und es scheint auch wirklich so, als wüßte der Mensch davon, und seine instinktive Suche" nach einem menschlichen Verursacher ist keine Fehlleitung, sondern wahrhaftiger Instinkt.
Weil nun der "normale Mensch" leben konnte, weil sich erst im Recht die wesentlichsten Eigenschaften der Menschen entfalten können. Im Faustrecht läßt sich keine Familie großziehen, kann sich keine Kultur entwickeln, die aus mehr besteht als aus Waffenpflege und Kampftechnik, vor allem aber: Kann sich keine Wirtschaft entfalten. Die immer als System sozialer Obligation (Verpflichtung) von auf Wechselseitigkeit und damit Vertrauen aufbauenden Leistung beginnt. Die aber Schutz vor Gewalt und Störung durch "das Fremde" braucht.
Dem aber nun dieser "absolute, vollkommene Mensch" fehlt. Den es in zweifacher Hinsicht aber nun gibt: In der letzthinnigen Unfehlbarkeit der Kirche, die im Stellvertreter des Gottmenschen gipfelt.
Dieses Rechtssystem, das sich von diesen Einzelkämpfern ausgehend allmählich und unter Zustimmung der Mehrheit der Bevölkerung durchgesetzt hat, ist somit ursprünglich subjektiv bestimmt gewesen. Dem nur der Konsens der Mehrheit den Rücken stärkte. Worauf erst es sich durchsetzen konnte, weil Recht von allgemeiner Zustimmung abhängt. Erst danach hat ein Staat Platz, der dieses Recht an sich zieht. Was bis heute nicht ganz gelungen ist. Gott sei Dank. Weil es insoweit gar nie gelingen darf, als es soziale Organismen nicht mehr als subsidiäre Rechtsräume behandelt.
Der aber ein Pendant hat, vom eben Genannten in seiner metaphysischen Quelle nicht zu trennen - und das ist der König. Als Haupt eines Volkes, in dem auch das Pristertum enthalten ist bzw. ursprünglich war.
Aber Recht stammt aus der Moral. Und diese ist wiederum von der Religion bestimmt. Sodaß es eine unumstößliche Wahrheit ist, daß das heute (scheinbar) säkulare Recht ein bloß umgelegtes religiöses, theologisches Recht ist. Immer. In jedem Fall. Auf der ganzen Welt.
Historisch ist das auch nachweisbar: Der König (dieses Wort hier als Synonym für die höchste Leitung eines Volkes, das immer ins Transzendente reicht, also immer eine Doppelnatur hat: Prophet, Gottmensch und physisch präsenter Herrscher)
Wie sehr das Thema, das sich sogar schon in einem der frühesten Kostner-Filme findet, in "The Untouchables - Die Unbestechlichen", ihm also scheinbar an den Füßen klebt, auch in "Let him go" aus dem Jahre 2020 Allgemeinwert hat wird noch deutlicher, wenn wir eine Analogie zur europäischen Geschichte ziehen. Denn die Legende vom Sheriff des Wilden Westens" ist das, was wir hier mit den Erzählungen aus der Ritterzeit im Erinnern präsent halten. Auch bei uns waren es Einzelne, auch bei uns waren es religiös bestimmte, todesmutige Männer, und auch bei uns setzten sie es als Minne, als Liebesdienst an der Frau um und damit als Recht durch.
Die obere Schichte des (in generellem, weitestem Sinn) dreischichtigen Aufbaus eines Volkes (wie hier bereits spezifizierten, der Leser möge nachlesen, wenn er es nicht mehr präsent hat) ist dieser Sphäre der Verbindung mit dem Transzendenten generell zuzuordnen.
Erst im 18. Jahrhundert, im Zuge der Aufklärung, setzte sich (von säkularer Macht verordnet; als hätte es vorher nie ein allgemein gültiges Recht gegeben! ist nicht das genaue Gegenteil der Fall?) in allen Ländern Europas so etwas wie ein abstraktes, aufs Land bezogenes Rechtssystem durch. Vorher gab es unzählige einzelne Rechtsräume, die stets ihren Ursprung in einem Kopf hatten, der sich auf den "Ritter" zurückführt: Auf den Pater familiae, selbst ans Transzendente als Quelle absoluter Legitimität - in der Kirche - gebunden, als Geber und Maßstab des Rechts als den Schöpfer des (weltlichen) Rechts, das nach und nach aufhörte, sich an einen Gott, das begann sich an das bloß Rationale zu binden.
Dieser Ausgang des irdischen Rechts ist also auch in Berufungen zu erkennen, für die das "Königtum" im weitesten Sinne gilt: Propheten, Dichter weil Poeten, und Priester generell.
Erst hier setzte dann das ein, was wir heute "Nationalstaat" nennen. Als Staatsmaschine - siehe den Leviathan von Hobbes! - die über allem Persönlichen und schließlich über allem transzendenten Absoluten steht. Die Entwurzelung der europäischen Menschen im 21. Jahrhundert ist also kein Zufall. Sie ist systemisch im Löschen der persönlichen, dialogischen Beziehung zur Rechtsquelle.
Man kann darüber nachdenken, ob diese Zurechnung (die sich hier auf Einzelne und durch göttliche Vorsehung Herausgehobene - alle diese Genannten müssen eine "Berufungsgeschichte", also einen Ruf von außen, von "oben" haben - bezieht) auch durch Akklamation ("vox populi = vox Dei", also "Legitimität durch spontane Volkswahl durch Ausrufung im Konsens") real werden kann.
So glauben wir jedenfalls. Aber die Frage, ob das nicht dennoch auch heute so ist, daß sich also Recht im Subjektiven konstituiert, kann angesichts der Erfahrungstatsache, daß auch bei uns ein gar nicht unbedeutender, ja vielleicht sogar entscheidender Rest des scheinbar so objektiven, sachlich bestimmten Rechtssystems persönlich geblieben ist, auch heute nur bejaht werden. Wer einige Erfahrung damit hat (wie der VdZ) wird das bestätigen. Dieser Rest je Fall neu aktueller Rechtsschöpfung findet sogar in jedem Urteil statt, und zeigt sich nicht zuletzt in der Person der Rechtspfleger und Richter, die bei weitem nicht so "objektiv gerecht" sind, wie getan wird, und keineswegs frei von Einflüssen von außen sind. Ein Außen, das früher (stärker) aus der Religion stammte, das heute (als Beispiel) aus Ideologie und Politik kommt.
In so gut wie allen nicht-westlichen Völkern ist dieser Sinn für Menschen, die "heilig" (also von Gott auserwählt, in einer besonderen Nähe zu diesem) sind, oft sogar noch sehr lebendig. So, wie er das bei uns bis ins Hohe Mittelalter getan, hat, wo historisch das "santo subito" oder das "im Ruf der Heiligkeit stehen" noch erinnert wird.
Spätestens aber seit der "santo subito"-Akklamation von Hl. Johanes Paul II. meint der VdZ, daß diesen "spontanen Volksakklamationen" (zumindest im Westen) nicht mehr zu trauen ist. Zu sehr haben bereits massenpsychologische Phänomene um sich gegriffen.
Selbst in der Bildung des "Rufs" eines Menschen sind die Elemente der gezielten, vernutzenden Manipulation (insbesonders durch die technische Entwicklung bei den Kommunikations-Medien) bereits enorm verbreitet.
Montag, 12. April 2021
Filmempfehlung (2)
Einem pensionierten Sheriff (gespielt von Kevin Kostner), George Blackledge, und dessen Frau Margaret, die zurückgezogen auf einer Farm im südlichen Minnesota leben, stirbt bei einem Sturz vom Pferd ihr einziger Sohn. Er läßt eine junge Frau sowie einen kleinen Sohn zurück. Der in seinen ersten Lebensjahren als "Großelternkind" aufwächst. Margaret läßt auch der leiblichen Mutter wenig Spielraum, und reißt die Herrschaft über das Kind an sich. Das zu "ihrem" wird, weil in ihm der tote Sohn weiterlebt.
Die junge Mutter ist damit alles anderes als glücklich, und heiratet wieder. Vielleicht auch, um die Gewalt über ihr Leben zurückzuholen, denn die Wahl ihres neuen Ehemannes ist offenbar überstürzt und nicht sehr glücklich. Da ist der Bub etwa fünf Jahre alt. Und vielleicht hat bei der Wahl des neuen Mannes auch die Stärke der Herkunftsfamilie eine Rolle gespielt. Denn natürlich macht der neue Mann von seinem Recht Gebrauch, ein eigenbestimmtes Leben aufzubauen. Damit gerät er erst recht in Konflikt mit Margaret. Und eines Tages ist er sogar samt Frau und Kind verschwunden, ohne zu hinterlassen, wohin die junge Familie gegangen ist.
Die Großeltern - vor allem Margaret will es, einmal mehr fügt sich ihr Mann George - machen sich auf, und suchen nach ihrem Enkelkind. Sie finden die Familie auf der Ranch der Eltern des Mannes in Nord Dakota. Aber dort wird er von einem starken Familienganzen bestimmt, das wiederum fest in die sozialen Gefüge der Region eingebunden ist.
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| QR Trailer "Let him go" |
Auch der Sheriff des Ortes steht somit hinter der Familie, deren Integrität offenbar hoch geschätzt wird. Womit der Stiefvater, der solche Eingriffe in sein Leben nicht zulassen will - ob aus Gehorsam zur Mutter oder aus eigener Lebensvernunft kann aber offen bleiben - selbstverständlich auch das staatliche Rechtssystem auf seiner Seite hat.
Dieses autoritär strukturierte, soziale Gefüge gibt das Kind ganz sicher nicht mehr frei. Die Familie wünscht nicht einmal engeren Kontakt mit den Großeltern. Denen (unausgesprochen, doch schwingt es mit: Margaret ist eine "Pferdeflüsterin", was sie am deutlichsten zur Indianerin macht) ein Geruch von Indianischem anhaftet. Das dort nicht unbedingt erwünscht ist. Nicht als Kulturerscheinung. Dabei sieht sich Margaret sogar als Atheistin. Aber auch das ist ein Widerspruch zu ihrer Herkunft und ihren tiefsten persönlichen Wurzeln.
Aber wie in einer Handlungsnebenlinie ausgesagt wird, werden in Nord Dakota Indianerkinder mit dem Schulalter ihren Herkunftsfamilien entrissen, und der Zivilisation zu- und ein-erzogen. Was jedoch bei den Kindern, sobald sie in der Adoleszenz wieder "in die Welt entlassen" werden, zur Identitäts- weil Ortslosigkeit führt. Sie gehören als Erwachsene keiner Welt mehr an. Nicht der der leiblichen Indianerkultur, schon gar nicht aber der westlichen Zivilisation, der sie angeblich durch ihre staatliche Erziehung assimiliert sind.
Dieser Konflikt wird im Film zwar nicht direkt angesprochen, kommt aber als Motivgrund der Figuren klar zum Ausdruck. Zudem meint Margaret, daß die Schwiegertochter (und ihr Enkel) nicht ganz freiwillig auf dem Hof des Mannes lebt.
Als Kostner und seine Frau keine Anstalten machen, wieder einfach zu verschwinden, wird ihnen das überdeutlich zu erkennen gegeben. George wird, als er Margaret schützen will, sogar brutal verletzt. Eigentlich will er nun endlich aufgeben. Aber das würde ihn von Margaret trennen. Die nun erst recht ihr Enkelking "befreien" will. Und George tut ihr auch diesmal den Gefallen, ihren Willen umsetzen zu wollen.
Margaret, gespielt von Diane Lane, wird dabei so entzückend ins Bild gesetzt, daß man als Mann freilich schon versteht, warum man ihr als Ehemann und freiwillig letztlich jeden Wunsch erfüllen möchte. Auch wenn die - männliche, sachliche - Vernunft so gar nicht dafür spricht und man weiß, daß man es bereuen wird, weil das Wertesystem der Frau mit dem des offiziellen Rechts in Konflikt steht. Ihre Gewalt über den Mann, der ihr, nicht dem Gesetz folgt, ist aber vielleicht nicht weniger skrupellos wie die der "Gegner". Sie ist zwar nicht explizit, aber sie liegt im Infragestellen der Gemeinschaft, in der Wahl, die sie ihm läßt, ob er sie weiterhin besitzen, weiterhin mit ihr leben möchte - oder nicht. Denn sie, sie wird diesen neuen und eigenbestimmten, eigensinnigen Weg beschreiten.
Das gesamte Geschehen wird somit dominiert von Frauen, von zwei starken Frauen. Die beide im Grunde ihr System betreiben, und sich hier unversöhnlich gegenüberstehen. Als Welt des Gefühlten, A-Rationalen, wie es auch das Indianische repräsentiert, und Welt der vernunftgeprägten, oder sagen wir besser: rationalen Zivilisation, repräsentiert von der Herkunftsfamilie des Stiefvaters. Die von der Mutter (ausgezeichnet gespielt von Lesley Manville) bestimmt wird, die bereits Witwe ist. Formal.
Aber beide Frauen sitzen nun nicht im Stuhl der Herrschaft im Hause, die eine explizit, die andere mit psychologischer Gewalt, um das System für den Mann (ob Vater oder in dessen Nachfolger, dem Sohn) bereitzuhalten, um dessen Willen aufrechtzuhalten, sondern um nach ihrem eigenen Willen zu herrschen. Was der Handlung eine bemerkenswerte psychologische Tiefe und Erhellungskraft gibt.
Ohne Vater, sind die vier Söhne somit nur die verlängerten Arme der Mutter. Sie erfüllen nun deren Willen und werden von ihr beherrscht. In so einer Situation verknüpft sich das bei Söhnen - weil Männern das Streben nach Ort, der immer mit Hierarchie einhergeht, quasi initial eingeschrieben ist - mit der Nähe zur Mutter.
Sie in concretum, sie als Faktum, und nicht ein transzendentales Gesetz der Ordnung ist die Quelle der Autorität. Wer ihrem Willen gefügiger ist, steigt nach oben. Wer ausbricht, ja wer nur hinterfragt, wird verstoßen. Na? Fällt der Groschen, werter Leser, betrachtet man die seelische Situation heutiger Generationen?
Morgen Teil 3) Der Traum von einem Leben im Traum
Sonntag, 11. April 2021
Filmempfehlung (1)
Denn zu Anfang der 1990er feierte er unter anderem mit "Dancing with Wolves - Der mit dem Wolf tanzt" und "Waterworld" große Erfolge. Aber bald mischte sich viel Mist in sein Wirken. Dennoch hat der VdZ seine Entwicklung als Künstler immer ein wenig verfolgt, und so auch seinen aktuellsten der Filme mit ihm, "Let him go - Laß ihn gehen" (2020), riskiert.
Und es nicht bereut. Ab und zu finden sich eben Perlen in all dem Mist, den Kostner sonst noch gedreht hat. Ob es letztendlich in inhaltlicher Höherführung auch einmal kulminieren wird, sodaß der weltliche Ruhm posthoc eine ihm entsprechende Innendimension erhält, bleibt abzuwarten.
Kostners schauspielerische Leistung ist dabei das Überschaubarste an ihm. Seine Stärken (und die hat er) liegen woanders. Daß Kostner (halb-)indianischstämmig spielt dabei vielleicht eine Rolle. Es soll hier deshalb erwähnt werden, weil es nicht so überdeutlich wie in "Dancing with Wolves", sondern auch in "Let him go!" seine Bedeutung hat, aber viel komplexer.
Nicht nur kommt dieses Erbe im mittlerweile gereiften Gesicht des Schauspielers durch, sondern es hat auch in diesem Filmgeschehen entscheidende Bedeutung. Aber auf subtile Art und Weise, und das macht schon Kostners frühere Filme interessanter als die Oscarflut, die sie manchmal auf sich zogen, verwischen könnte.
Einmal mehr ist ein Culture Clash thematisiert, als Aufeinandertreffen von Indianerkultur und westlicher Zivilisation. Welch letztere lückenlos und despotisch herrscht, unhinterfragbar ist, und deshalb nötigenfalls ohne Scheu mit Gewalt durchgesetzt wird.
Es ist auffällig, wie eng Kostners Schaffen als Künstler wieder und wieder um eine Frage kreist: Der nach der Entstehung und Legitimität des Rechtsystems, in dem wir leben.
Der Culture Clash könnte aber die Frage sein, ob es ein Recht gibt, das NICHT im Subjektiven wurzelt. Sodaß sich Gerechtigkeit als Motiv allen Rechts als Frage nach Zugang zu den immer transzendenten Quellen des Rechts sowie nach der Legitimität dieser Quellen herausstellt.
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| QR Trailer "Let him go" |
(Siehe Teil 4) Exkurs zu den Quellen des Rechts)
Dieses Chaos ist aber - und das macht diese Filme von Kostner so interessant - von Frauen getrieben. Frauen, deren Willen die Männer aus Liebe durchsetzen.
Dieser Wille ist aber nicht in Übereinstimmung mit einem objektiven Recht zu bringen, er nimmt darauf keine Rücksicht. Das Chaos ist also frauenbedingt, und wir werden davon bestimmt.
Genau darum geht es auch in "Let him go - Laß ihn gehen", das im südlichen Minnesota und nördlichen Nord Dakota spielt. Ein Streifen Nordamerikas, der übrigens einen im Rahmen der USA weit überdurchschnittlich hohen Anteil deutschsprachiger Einwanderer hat, und deren Landnahme auf Kosten von Sioux-/Lakota-Indianerstämmen ging.
Zwar kämpfen auch in "Let him go!" nur Männer. Aber sie kämpfen alle im Auftrag der Frauen.
Morgen Teil 2) Der Kampf des Matriarchats um das Recht endet in Gewalt.
Samstag, 23. Januar 2021
Die ganz und gar legitime Vormundschaft
"Auf dem Festland essen sie Menschenfleisch. Sie sind mehr als irgendein anderes Volk unzüchtig. Gerechtigkeit gibt es bei ihnen nicht. Sie gehen ganz nackt, haben keine Achtung vor wahrer Liebe und Jungfräulichkeit und sind dumm und leichtfertig. Wahrheitsliebe kennen sie nicht, außer wenn sie ihnen selbst nützt. Sie sind unbeständig, glauben nicht an die Vorsehung, sind undankbar und umstürzlerisch. [...]
Sie sind gewalttätig und verschlimmern dadurch noch die ihnen angeborenen Fehler. Bei ihnen gibt es keinen Gehorsam, keine Zuvorkommenheit der Jungen gegenüber den Alten, der Söhne gegenüber den Vätern. Lehren wollen sie nicht annehmen. Bestrafungen nutzen bei ihnen nichts. [...]
Zu ihren Speisen gehören Läuse, Spinnen und Würmer, die sie ungekocht essen, wo sie sie nur finden. Wenn man sie die Geheimnisse der wahren Religion lehrt, erklären sie, diese Dinge paßten für die Spanier, aber für sie bedeuteten sie nichts, und sie seien nicht bereit, ihre Gewohnheiten zu ändern. [...]
Ein je höheres Alter diese Menschen erreichen, desto böser werden sie. Wenn sie zehn oder zwölf Jahre alt sind, glaubt man noch, sie besäßen einige Höflichkeit und etwas Tugend, aber später entarten sie wahrhaft zu rohen Tieren. Ich kann versichern, daß Gott kein Volk je erschaffen hat, das mehr mit scheußlichen Lastern behaftet ist als dieses, ohne irgendeine Beigabe von Güte und Gesittung. [...]
Nein, das ist keine zeitgenössische Kritik und Anklage, und es stammt auch nicht aus den späten Tagen der Antike. Es ist einem Schreiben des Dominikanerpaters Tomas Ortiz entnommen, in dem er Mitte des 16. Jahrhunderts von dem Indianerrat in Madrid berichtet.
Die Diskussion im 16. Jahrhundert hat zwei elementare Seiten. Die eine ist, daß den Indianern auf Drängen der Kirche (Spanien hat in Philipp II. und seinem Vater Karl V. sehr fromme Könige) jedes Menschenrecht zugestanden wird. Eine Sichtweise, die vor allem gegenüber den stets sehr individuellen Charakterdefiziten der Soldaten mit unerhörter Strenge angediehen wird, so wenig sie denen auch gilt. Sie verfahren furchtbar mit den Menschen, denen sie überlegen sind. Meist unter enormem Schuldendruck, aber das rechtfertigt nicht den oft genug unfaßbaren Wahnsinn, der angerichtet wird. Die meisten sind aber, sobald sie in der Neuen Welt angekommen, bis über beide Ohren verschuldet, und wollen weil müssen aus den neuen sozialen Umfeldern herauspressen, was sie herauspressen können. Der Traum vom Reichtum ist für die allermeisten schon ausgeträumt, da haben sie noch kaum den Fuß auf den Strand der Neuen Welt gesetzt.
Aber da ist auch eine Sichtweise, die sich durchsetzt, und die tiefere Verankerung und Legitimation hat: Die Betrachtung der Indianer als Kinder, denen gegenüber man als Vormund handeln muß. Der Dominikaner Vitorio, der an sich nicht nur als Vater des Völkerrechts angesehen wird, sondern der auch als "Retter der Indianer" eingestuft werden kann, schreibt dazu:
"Obwohl diese Barbaren nicht gänzlich ohne Urteilskraft sind, unterscheiden sie sich doch sehr wenig von den Schwachsinnigen. [...] Es scheint, daß für diese Barbaren dasselbe gilt wie für die Schwachsinnigen, denn sie können sich selbst nicht oder kaum besser regieren als einfältige Idioten. Sie sind nicht einmal besser als Vieh und wilde Tiere, denn sie nehmen weder feinere noch kaum bessere Nahrung als diese zu sich." [Ihre Dummheit] "ist viel größer als die der Kinder und Schwachsinnigen anderer Völker."
Somit, schließt Francisco de Vitoria, ist es rechtens, in diesen (neuen) Ländern zu intervenieren. Denn damit kann eine Vormundschaft ausgeübt werden, die im Sinne des Gemeinwohls dieser Menschen, dieser Völker und dieser Welt notwendig ist.
Der VdZ schreibt dies alles und an dieser Stelle nicht ohne Grund. Denn er sieht dies als nüchterne Bestandsaufnahme der Gegenwart, und damit auch als Menetekel dessen, was uns Abendländern dräut. Wir werden von stärkeren Mächten übermannt werden, so einfach muß man das sehen. Und das läßt unsere Zeit mit der des Spanien des 16. Jahrhunderts so ähnlich sein.
Zumalen auch die Mächte, die uns überwinden (und darin ist alles nur noch eine Frage der Sichtbarkeit, nicht der Wirklichkeit) mit demselben Argument ihre Legitimation holen wie haben: Sie stehen Kindern gegenüber, die keine Tugend mehr haben, und sich zum Bösen entwickeln.
Wir leben (dazu könnte man es komprimieren) inmitten einer sozialen Umgebung, in der der Nächste, ja wo jeder jeden der ein "anderer" ist, der also noch das hat, was man "Geheimnis" nennen könnte, der in jedem Fall aber "nicht ist wie wir", so betrachten, wie die Spanier des 16. Jahrhunderts die Indianer der Neuen Welt.
Der springende Punkt ist aber der: Nicht, daß das etwas Neues wäre. Das gehört vielmehr zum Menschsein dazu, daß der Mensch das Menschsein von sich ausgehend ableitet. So wie Erkenntnis immer von sich ausgehen muß, sonst kann sie gar nichts erkennen.
Der springende Punkt ist, daß es keine Gemeinsamkeiten als Gemeinschaft mangels einheitsbildender Macht der Wahrheit mehr gibt. Damit ... keine Freiheit mehr gibt. Daß somit alles, was sich heute als Gemeinschaft ausgibt, als Einheit, nur noch positivistisches, selbst- bzw. psyche-generierte Willenshaltung, Vorstellung, verpflichtende und verpflichtete Selbsttäuschung ist.
Diese Sichtweise, daß der andere "Wilder", "Indianer" ist, die - man schaue doch einfach genau hin! - so allgemein ist, daß man nicht weit suchen muß, weil sie hinter jeder Straßenecke hervorlugt - ist der wahre Grund für die Bevormundung, die wir in Medien, Politik, ja von so vielen und noch vieleren Stellen an uns getan wird.
In einer Zeit gesagt, in der bald jeder jeden zu erziehen sich ankleidet, worin die Aussage doch mehr als deutlich wird, daß der GENERELLE Zustand der Menschen als so roh und barbarisch gesehen wird, wie die Spanier den Zustand der Indianer in der Neuen Welt beurteilt haben. Was bis zur Beurteilung der Nahrung geht, die wir zu uns nehmen.
Donnerstag, 10. September 2020
Dinge, die zusammengehören
Etwas, das bei uns tatsächlich weil massiv in den späten 1960er, frühen 1970er Jahren durch politisch initiierte "Gesellschaftsreformen" einsetzte.
Freitag, 3. Juli 2020
Weil es hier keine Indianer gibt
Und vor allem als jemand, den jeder Bürger in seinen Anliegen ansprechen darf und sogar soll (angeblich), um dann zu beweisen, wie tatkräftig der Mann doch sein könne. Wie sehr er sich für die Sorgen und Nöte der von ihm regierten Menschen interessiere, wie sehr sie ihm ein Anliegen seien.
Dieses "ich tue etwas für die Leute" ist ja überhaupt das Mantra, unter dem jeder antritt, der ein Amt per Abstimmung anstrebt, es ist DAS Kriterium. So sehen es offenbar die Kandidaten, so sehen es noch mehr die Wahlstrategen und Werbeagenturen: Gewählt wird, wer am meisten verspricht, daß sich für den einzelnen Wähler die Stimmabgabe zähl- und meßbar rechnet. Weil er etwas für einen tut. Also ist jeder Kontakt auch bereits Gewählter (in der perennierenden Hoffnung, wiedergewählt zu werden) zu ihren Wählern oder Hoffentlich-Wählern ein permanentes Versprechen: Ich tue etwas für Dich, ich tue etwas für jeden.
Übrigens, so nebenbei: In diesem dem VdZ zugetragenen Geschichtlein fehlte bemerkenswert jede Aussage, was mit dem Indianer dann geschehen sei. Vermutlich ist er auf geheimnisvolle Weise verschwunden. Zumindest würde das einem Dschingacscook oder Winnetou entsprechen.
Montag, 9. September 2019
Frankreich und der US-Katholizismus
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Sonntag, 29. April 2018
Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Christenheit (3)
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Samstag, 28. April 2018
Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Christenheit (2)
Freitag, 27. April 2018
Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Christenheit (1)
Mittwoch, 1. November 2017
Nie von seinem Volk trennbar
Sonntag, 22. Oktober 2017
Unterwerfung der Indianer Europas
[...] Die Auflösung der Stammesidentitäten zu einem einzigen Brei von "Indianertum", wie es in den Städten zu geschehen scheint, ist eine Falle. So können die Eindringlinge sogar unsere Kultur zerstören, während wir an unserer indianischen Identität festhalten. Wir wissen, daß wir nicht wegen der Einheit des Stammes auf unsere Individualität verzichten müssen - genau so wenig müssen wir das Stammestum der Solidarität zwischen den Stämmen opfern. Ein Vogel kann nicht einfach nur ein Vogel sein, ohne einer bestimmten Art anzugehören - darum besteht "Indianertum" darin, einer bestimmten Kultur anzugehören.

