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Sonntag, 13. November 2022

Europa auf Spitz und Knopf geschoben (1)

Wie extrem "auf Spitz und Knopf" das Unternehmen Barbarossa gestrickt war, wird einem beim Studium der Analyse der Wirtschaftslage im Hitlerschen Deutschland 1933 bis 1945 noch stärker als ehedem bewußt. Dabei bin ich unzufrieden damit, daß Adam Tooze in "Ökonomie der Zerstörung" so gar nicht berücksichtigt, daß die gesamte strategische Lage eines Deutschland als Staat inmitten Europas schon seit den Napoleonischen Kriegen extrem prekär war.
Oder ein Faktor, der fortan alles ändern mußte.
Dem Durchschnittskunden ist gar nicht bewußt, wie sehr die Lage DIESES aus verschiedensten Überlegungen heraus neu geschaffenen Deutschland - mit seinem Schwerpunkt nördlich des Weißwurscht-Äquators, also nördlich des Main - so fragil war, daß Deutschland mit Präventivkriegen regelrecht FIX kalkulieren mußte. Weil es die strtegische Disposition gar nie hatte (und BIS HEUTE nicht hat), Entwicklungen oder gar Kriegseröffnungen durch andere Staaten abwarten zu können. Zeit, Tempo, Geschwindigkeit, "Blitzkrieg" waren seit den neu eingeführten Reformen und Strategiekonzepten von Scharnhorst und Gneisenau die neuen Paradigmen deutscher Außenpolitik.

Mittwoch, 23. März 2022

Die Geschichte ist voll davon (3)

Da zeigte sich die Vollgestalt eines Schemas des Schreckens. Oh mein Gott - so also nehmen die Dinge ihren Lauf!? Dinge, die uns so wohl bekannt sind, und vor 150, 120 Jahren einen Sub-Kontinent in Chaos und Verwirrung stürzten. Hat das aber gar etwas mit uns zu tun? Jetzt meine ich, jetzt gerade? Trösten wir uns mit Schönem aus der Schatzkiste eines meiner größten Vorbilder - Also: Das kolumbianische Parlament hatte den dummen Einfall, diesen Vertrag mit den USA, den man nun doch als die staatliche Souveränität regelrecht zertrümmernd einschätzte, sodaß man nicht mehr Herr im eigenen Haus sein durfte, doch nicht zu ratifizieren. 

Man wollte diesen Kanal nun doch nicht, besann sich, daß er fürs eigene Land gar nicht viel bringen würde, ja es könnten sich in der Zukunft sogar Nachteile zeigen, die man jetzt noch gar nicht sehen konnte. Um dabei aber Risiken einzugehen, dazu traute man den Amis viel zu wenig über den Weg. Die sich mit so einem einbindenden Vertrag doch recht kräftig in heimische Angelegenheiten einmischen könnten. Sodaß es im schlhimmsten Fall  überhaupt keine innerstaatlichen Angelegenheiten mehr geben könnte, die die USA nicht zu ihren machten, WEIL diese nun praktisch immer US-INTERESSEN berühren könnten. NO, sagte also das kolumbianische Parlament, NADA.

Dienstag, 22. März 2022

Die Geschichte ist voll davon (2)

Wie sie die Beschränkung auf ihr Haus verstanden. Was sie wollten, was sie bewirkten, was dann wirklich passierte, und wie sich das mit heute gleicht. Bis auf den Verlierer. Was? Na mit der U.....e?! Zum Trost gibt es dafür das Finale mit dem Grußwort eines Vorbilds - Naja, und bald zeigte sich ja überall, wie die Amerikaner ihre "Monroe-Doktrin" wirklich verstanden wissen wollten. Überall verfielen die (neuen) Staaten in Beziehungen zu den USA, die einer völligen Entmündigung gleichkamen. Überall hatten die Amerikaner - und ihre "Vertreter", die Unternehmen, die großen Konzernvertreter, denn alles wurde ja nun dem strengen Gesetz der "offenen Grenzen", der "liberalen Gesellschaften" unterworfen, in dem angeblich alleine alle von ganz alleine glücklich werden mußten. Siehe - die USA!

Plötzlich war auch überall Korruption, plötzlich kamen überall Politiker ans Steuerruder, die so offensichtlich amerikanisches Geld und amerikanische Politik vertraten und hinter sich stehen hatten. Na und eines was sowieso überall selbstverständlich, eines stand überall ganz oben auf der Liste der Umbauten, die die Staaten nun vorzunehmen hatten, und zu welchen ihnen die supertollen Kerle aus dem Norden die Gebrauchsanweisung in Stapeln mitbrachten: Die Trennung von Kirche und Staat. Na klar, die Kirche war schon wichtig, keine Frage. Aber was der Staat für Gesetze beschloß, das hatte bitte die Kirche nicht sanzugehen, damit wir uns gleich verstehen, gelle!? Das ist doch selbstverständlich! Bitte schön, bitte gleich, gern geschehen.

Montag, 21. März 2022

Die Geschichte ist voll davon (1)

So vielfältig auch aussehen mag, was täglich auf uns einströmt, so unendlich die Möglichkeiten wirken, die unser Handeln zu haben scheint - reduziert auf ihre wirklichen Motive und Bewegungen sind es kaum mehr als eine Handvoll. 

Deshalb ist es wichtig jemanden zu haben, der aus all dem Tageslärm auszusteigen vermag. Der Muße und Ruhe hat zu unterscheiden, ob sich etwas als "Anliegen" tarnt, aber sich nur in den Vordergrund drängen will ), und ob nicht das, was als soeimalig zu geschehen scheint, daß wir eien völig neue Lösung erfinden müssen, um es in friedvolle Bahnen zu lenken, in Wahrheit nur der 86. Aufgjiß eines wieder und wieder vorkommenden Ereignisses ist.

Manche Geschehnisse freilich sind dermaßen gleich, obwohl Jahre, Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte dazwischen liegen, daß wir uns nicht nur wundern könnten, sondern die Frage erlaubt sein muß, ob sich in der Geschichte der Menschheit überhaupt je etwas geändert hat - oder ob nicht alles das ständige Drehen eines an einer Achse befestigten Rades, auf dem wir Platz nehmen, sodaß dann an uns die angebliche Geschichte als ein sich ständig wiederholendes Panoptikum vorbeizieht. Und irgendjemand sagte, was dann alle nachsagten: Das ist sie, die Zeit, schon gesehen? Da war das gestern! Da ist das heute!

Sonntag, 30. Mai 2021

Erst im Darstellen isset Welt

Das 19. Jahrhundert hat vom Museum gelebt; auch wir tun dies noch, ohne dabei zu bedenken, daß es dem Besucher eine vollkommen neue Beziehung zum Kunstwerk aufgezwungen hat. Ihm ist es zum guten Teil zuzuschreiben, wenn die Kunstwerke [...] ihrer eigentlichen Funktion enthoben und dafür in Bilder verwandelt sind: selbst die Bildnisse sind diesem Verwandlungsprozeß nicht entgangen. 

Sind Cäsars Büste oder Karl V. zu Pferde immer noch Cäsar und Karl V., so ist der Herzog von Olivarez nur noch Velazquez. Was kümmert es uns noch, er der Mann mit dem Goldhelm, wer der Mann mit dem Handschuh gewesen ist? Sie heißen für uns Rembrandt und Tizian. Ein Portrait ist nicht mehr in erster Linie Abbild eines bestimmten Menschen. 

Donnerstag, 14. Januar 2021

Die Reduktion der Frage nach dem Warum

Es ist das Thema des Films "Der eiserne Weg", und es ist das Thema des Jahrhunderts, ja der Knackpunkt unserer Kultur. Jene Weggabelung, an der sie falsch abbog. Und sich nunmehr auf den Bau von Hochhäusern und Wolkenkratzern, deren Spitzen allesamt in den Nebeln und Wolken verschwinden, verlegte. Es war nicht die Technik, die einbrach, das wird falsch gesehen, denn Technik würde nicht einbrechen, wenn sie nicht für jenen oder diesen Nutzen hätte. Dabei muß zwischen jenen unterschieden werden, die sie einsetzen, und jenen, die davon profitieren. Die das zumindest meinen. 

Wobei sie nicht bemerken, daß sie immer zwischen zwei Fällen unterscheiden: Im einen geht es um den Zuerwerb einer Erleichterung, in der ihr Leben fortan verlaufen könne. Im anderen um den Verzicht auf jene Lebensmomente, die mit dem längeren Weg der weniger perfektionierten Technik verbunden waren.

Aber es gibt noch einen Punkt, und der erscheint überhaupt als der Wichtigste. Mit der Technik ist ein Welterleben verbunden, das die Welt selbst beherrschbar macht. Was keineswegs heißt "begreifbarer", nein, nur: Beherrschbarer. Man schneidet aus der Welt ein Bündel Zusammenhänge von Ursache und Wirkung heraus, und erzeugt das, was mit dieser kleinen oder großen Maschine (je nach Ausschnitt) eben beherrscht und hergestellt werden kann. 

Im erwähnten Film geht es um diese Fragen. Die im 19. Jahrhundert sämtliche Menschen der abendländischen Kultur erfaßten. Daß sie mit den Antworten auf diese Fragen auch so grundsätzliche Weichen stellten ist den allerwenigsten klar gewesen. AM meisten noch den Besitzern und Betreibern der Maschinen, die sich in progressivem Tempo ausbreiteten, und einen Lebensbereich nach dem anderen herausrissen, umfaßten, beherrschten, und so die Lebensweise selbst umgestalteten.

Aber eben nicht nur in technischen Abläufen. Sondern in der Wahl von Wirklichkeiten. Denn nach und nach entstand so allgemein die Vorstellung einer Welt, die bis ins letzte zu erfassen, und bis ins letzte zu beherrschen ist. Aus einer Welt, die uns gegeben und zur Verwendung wie Verwaltung überantwortet ist, deren wahres Wesen aber so umfassend ist, daß es dem Menschen niemals gehören kann, stattdessen nur einem gehört, dem Urheber aller Dinge, dem Urheber und Betreiber der Welt selbst - Gott, wurde eine Welt, der das alltägliche Erfahren eine ganz andere Wirklichkeit zusprach: Die der menschlichen Herkunft und Herrschaft, damit Machbarkeit. 

Der Mensch des 20. Jahrhunderts war somit ein Mensch, der meinte, alles sei machbar und ihm zu eigen. Damit wuchs seine Verantwortung, und damit die Notwendigkeit, seine Herrschaft auszuüben. Das vergangene Jahrhundert war somit folgerichtig gekennzeichnet von Ideen, die die Beherrschung der Erde (mit der Tendenz, darüber hinaus und in den Kosmos auszugreifen) zum Programm machten. Das nennt man nun Ideologien. Also die von einer Idee ausgehende, von dieser Idee und Logik beherrschte Grammatik der Welt. Der naheliegendste Zielpunkt dabei war der Mensch, die Kultur, die Gesellschaft. 

Alles das hatte man - selbst aufs Spiel gesetzt, selbst in die Gottesprobe geworfen (und kein Gott griff scheinbar ein, um das Riskierte zu retten) - zerfallen erlebt. In vielen Kriegen, mit einem durch die Technik der Waffen eskalierenden Maß an Leid und Blut. 

Die destillatorische Reduktion der Frage nach dem Warum

Das ist der innerste Kern von Faschismus und Kommunismus und wie die -ismen alle heißen, es ist der innerste Kern aber auch der Vorstellung von Problemen der Welt und deren physischer Verfaßtheit. Und auf letztere wollen wir den Blick lenken.  

Denn mit der Technik entstand eine Vorstellung einer Welt, die so ganz anders war - und man konnte das ja scheinbar beobachten: Funktionierte Technik nicht? Konnte man mit ihr nicht die Lebenswirklichkeit in einer Totalitarität umgreifen, die nicht mehr zu überbieten scheint? Sagte uns die Psychologie nicht, daß es auch im Innenleben des Menschen, im "Geistigen", gar keine Transzendenz gab, sondern daß alles "weltintern erklärbar" war?

Was keinem auffiel war, daß die Frage nach dem Warum auf eine Weise reduziert wurde, die das Warum überhaupt aufgab. Sondern sich mit einer Erklärung über die technischen Abläufe zufrieden gab. Die aber gar kein Warum erklären weil enthalten! Warum ein Schotterberg verschwindet ist nicht damit erklärt, daß ihn ein Bagger verschaufelt und auf Lastwagen verladen hat. Sondern weil ein menschlicher Wille, also ein "rein geistig Ding", es so angeordnet und bewirkt hat.

In "Der eiserne Weg" wird deshalb Einiges recht gut sichtbar. Auch wenn die Position der Filmmacher recht klar ist. Mit diesem Film ist sogar eine Ära gekennzeichnet, die in jenen Jahren begann, und uns heute voll umfangen hält: Eine andere Behandlung der Frage nach dem Warum. Deren Beantwortung gar keine Antwort mehr isset, sondern die Antwort einfach weiterschiebt, und immer weiter, bis sie im Nebel des Hochhauses verschwindet und der Frager hoffentlich sein Interesse verliert.  

Der VdZ hat eine diesbezügliche Stelle daraus markiert, auch wenn es deren einige gäbe. Es ist eine fünf Minuten dauernde Sequenz, die ab der 47ten Minute des Videos beginnt. Da wird ein Baum gefällt, und stützt auf einen Arbeiter, einen Bauern.*

Was wird dort sichtbar?

Da sagt der eine, der schon zuvor durch frommes Verhalten aufgefallen, daß dieser Unfall ein Zeichen Gottes sei. Das wischt der andere, der moderneren Sinnes ist (was er im Film auch beweist, ja, womit er die erzählte Geschichte überhaupt an sich reißt) glatt vom Tisch. Es sei kein Zeichen Gottes gewesen. "Es war ein Baum."

Und er hält sich dabei natürlich für überlegen weil gescheiter als dieses dumme Bauernpack, das sowieso nicht begreife, was da rundherum vor sich gehe. Und daß die Macher des Filmes auch dieser Auffassung sind ist kaum zu übersehen. Es ist der Grundtenor des Filmes, der da auch zeigen möchte, daß man sich nicht angemessen behaupten könne, wenn man nicht diese technische Ursache-Wirkungs-Ebene sehe und heranziehe. Denn nur dort sei auch um eine gerechtere, also schönere Welt zu kämpfen. 

Ist das so? Was ist da passiert? Es wird einfach eine reduzierte Welt herangezogen. Die Vorgänge werden aus einem breiten, ja so umfassenden Wirklichkeitsfeld, daß es für den Menschen in der Unzugänglichkeit des Wissens und Vorsehens und Willens Gottes ausläuft, herausgefischt und für sich gestellt. Wie Figuren in einem Tischtheater steht nun eine völlig andere Welt vor einem. Eine, die an der Haut der Menschen, an den Mauern des Hauses, an den Zäunen der Welt, der auf technische Vorgänge und Verhältnisse reduzierte, endet. 

Die selbst natürlich nur Interpretation sind, was im 20. Jahrhundert schließlich denn doch aufgefallen ist, sodaß sich - unter der Prämisse strikten Transzendenzverbotes - die Welt überhaupt aufzulösen begann, das Denken als Unzulänglich für die Welt und die Welt somit unerkennbar und unverstehbar ist. Alles Denken, alles Sprechen (aber natürlich auch alles Religiosieren) ist somit ein mit mildem, nachsichtigem Lächeln zu versehendes Spielfeld der Dummen, Minderbemittelten. 

Über die die Schichte der Klugen, der Wissenden steht, die ihr Geheimnis, daß es gar keine Welt gibt, schließlich sogar für sich behält. Höchstens in den Zirkeln und Salons der Eingeweihten diskutiert, und mit einigen Flaschen Toskaner Rotweines, über dessen Finessen zu unterhalten weit ertragreicher ist als die Diskussion über Sein und Welt, hinunterspült.

Das alles, weil die Frage nach dem Warum nur bis zu einer Grenze zulässig ist, die sich dort befindet, wo das Warum begänne: Bei der Frage nach jenem Weltgesamten, wo es erst wirklich Antworten gäbe.

Sodaß der einfache Bauer, der im Film recht simpel und beschränkt rüberkommt, weit mehr Recht hat als der kluge Nachbar. Weil der nach einem Warum sucht, und ein DARUM kennt. Über das nachzudenken sich erst lohnen würde, weil es wirklich die Welt erklärt. Als so umfängliches Wirkliches, daß es in Gebet und demütig-dankbarer Beziehungsgestaltung viel treffsicherer zu adressieren ist als jede Wissenschaft es vermöchte. Denn die Welt ist im Sinn geborgen. Und sie ist aus Sinn entstanden.

Aber was für einen Sinn hätte ein technischer Ablauf - als sich selbst? Wäre das nicht nur eines: Eine sinnlose Welt? Aber warum lebt der Mensch dann noch? Und warum gibt es ihn überhaupt? Aus technischen Ablaufgründen? Das, bitte schön, ist aber keine Antwort auf die alles entscheidende Frage, die nach dem WARUM. Und in dieser Welt und Wirklichkeit wird plötzlich alles neu begreifbar. Weil in einer Welt des Sinnes tatsächlich alles ein Zeichen ist. Alles.

Auch ein Baum, der auf einen Bauern stürzt. Er wird nun wirklich zu einem Zeichen, zu einer Antwort der Wirklichkeit, ohne daß behauptet wird, daß diese Antwort immer leicht zu entziffern ist. Aber unter der Prämisse einer sinnvollen Welt erst wird diese Welt sichtbar, und erst dann begreifbar. 

In einer Fülle und in einem Reichtum, der dem plumpen Sack, der sich aufs Fressen, Saufen und Huren beschränkt, weil ihm nichts sonst als seichte, auf die körperlich-sinnliche Ebene beschränkte Freuden an dieser Welt bleiben, die in Wahrheit das Auspressen einer trockenen Zitrone sind. Denn nur im Sinn, nur im Logos - der objektiv der Welt untergelegt ist, der sie formt, der sie trägt - wird auch Freude zuteil. Eine Freude, die jedes Huren um Dimensionen übersteigt. 

Wer aber so denkt, reißt der Welt einen Teil heraus, und wundert sich dann nicht nur, daß das Teilegescheppere in der Hand so leblos ist, sondern wirft mit diesem auch die Welt selbst fort. Und genau das ist im 19. Jahrhundert nicht nur passiert, sondern genau das ist es, was hinter dem aufkommenden Ideenstreit steht. 

In dem immer nur persönliche, beschränkte Interessen streiten, und zwar auf BEIDEN Seiten: Der der rücksichtslosen Gier (=Kapitalismus), und der des neiderfüllten Lasters (=Sozialismus), also der selben (!) sittenlosen Gier des Mächtigeren, der mächtig wurde, weil er besser wußte, wie er seine Selbstsucht durchsetzen konnte. Sodaß alles Fragen nach dem Warum nur noch in der Frage endete - und das ist tatsächlich passiert, in so einer Welt leben wir heute tatsächlich - warum man diese Mechanismen, diese Technik der Weltausquetschung, nicht selber besser in die Hände bekam, und wie man das erreichen könnte. 

Sie beide benützen dieselbe Technik: Die der Leidvermeidung, aus Angst vor dem Schmerz und dem Tod, inmitten einer zum Guckkasten reduzierten, aber sinnlosen Welt. Hinter beiden Seiten also steht eine Entscheidung zur Sinnlosigkeit, die die Frage nach dem Warum gar nicht beantworten will, sondern sie nur benützt, um das Erkennen des Logos der Welt zu verhindern.

Sodaß die Frage noch einmal zu stellen wäre: Warum, bitte schön, soll man durch das Herausgreifen beschränkter Abläufe (in einer ebenso begrenzten, ja willkürlich begrenzten Welt, sodaß die Naturwissenschaften nur noch ein Streit um die willkürliche Antwort auf die Frage ist, wo man diese Grenzen denn setzen solle) die Frage nach dem Warum nicht mehr stellen? Denn es fällt nicht ein Baum. Es geschieht ein Vorgang in der unendlichen und unendlich reichen Wirklichkeit, der - ob so oder so - ein Zeichen ist, das sichtbar wurde.



*Bauern sind das erste, kaum wirklich distinkte, definierte Reservoir der arbeitenden Schichten eines Volkes, in denen aber alles Ausdifferenzierte enthalten ist. Die Bauernschaft ist somit die Grundmenge eines Volkes, dessen dritte Schichte, aus der sich im 19. Jahrhundert als erste das Proletariat herausdestilliert hat. Denn die Reduzierung der (freien) Bauern war der Zerstörung deren Lebensgrundlagen geschuldet, und brachte die Notwendigkeit mit sich, an Orte zu gehen, an denen sie überleben konnten. Das waren meist die Städte, als die Orte, an denen es Arbeitgeber - die Industrie - gab. 

Bauern bilden somit (sogar als Allgemeinbegriff zulässig) die breite Basis der Pyramide eines gesellschaftlichen Organismus, deren nach oben folgende Schichten als nächste die des Kriegers und Soldaten kennt, und oben von der Kaste der Adeligen, Geistlichen, Künstler, Philosophen und Lehrer kennt, die im Gipfel in das Transzendente eintaucht: In die Nebel, die das verbindende Moment von menschlicher Gesellschaft und Gott im König umfängt.


*110121*

Dienstag, 30. Juli 2019

Nur Schönheit kann Kultur, nur Schönheit besiegt Dummheit

Nein, Herr Dushan Wegner, da muß der VdZ widersprechen. Wenn Sie schreiben, daß Deutschland die Ingenieurskunst durch den Dummkult ersetze, und DESHALB "nach unten durchgereicht" wird. Also in allen Bereichen (bis zum Fußball) abrutscht. Und Sie müßten es wissen, denn Sie zitieren Goethe als Ausweis für einen Geist, der einmal herrschte, aber heute durch Infantilität und Dummheit ersetzt worden wäre.

Denn auch (und selbst Goethe, wenn er auch bereits ein erster Vertreter, ja Propagandist des Kommenden war) dieser Gigant hat seine Größe nur entwickelt, indem er auf einer Kultur AUFGEBAUT hat, von der er dann zehren konnte. Groß ist er erst geworden, nachdem er die erste Rebellion der Pfarrerssöhne im "Sturm und Drang" überwunden hatte. Und dazu hatte er noch ein Umfeld, das ihm dabei behilflich war. Aber dieses Umfeld ist im 19. Jahrhundert Stück für Stück zusammengebrochen. 

Aus einem Kulturland wurde ein Technikland, das ist die brutale Wahrheit. Schönheit wurde durch Nutzdenken ersetzt. Das hatte im Vergleich mit vielen Völkern der Welt enorme Vorteile, ähnlich wie Napoleon sie gegenüber den alten europäischen Völkern und Regierungen hatte. Die nicht damit gerechnet haben, daß es jemanden gibt, der Nutzen und technische Effizienz um jeden Preis verfolgte, auch um den Preis das aufzugeben, was jedes Volk eigentlich hält: Schönheit. Wahrheit. Kultur.

Deutschland, dieses Deutschland, das in gewisser Weise direkte Aftergeburt des Napoleonismus (weil Reaktion darauf) war, HATTE eine Kultur, ja. Die sich in vielen regionalen Staaten und Völkergemeinschaften zeigte und entfaltete. Was dann folgte war der Sieg des Nutzdenkens, des Technizismus. Bereits Bismarck und Wilhelm II. waren eine Frucht davon. Was dann folgte war die Dominanz deutscher Wissenschaftler (was deutsch zur ersten Wissenschaftssprache zu Beginn des 20. Jahrhunderts machte), einerseits bereits eine Folge des technischen Denkens und anderseits - die Schatten einer Kultur sind lang, wenn die Sonne sinkt - die Reaktion DES GEISTES auf den Zerfall der innersten Grammatik des Volkes.

Der Nationalsozialismus war bereits die technische Imitation, die Simulation solcher Kultur. Die zeitliche wie ästhetische Nähe zur Bauhaus-Architektur, die das Leben völlig in technische Funktionen auflöste, ist nicht zufällig. Aber es waren Versuche, den Niedergang aufzuhalten. 

Denn Technizismus führt immer und ausnahmslos zur Verdummung. Und diese Früchte ernten wir heute. Die Größe Deutschlands nach dem Kriege, das Wirtschaftswunder, war keine Größe mehr. Es war das letzte Auspressen der nur kurzen Zeit saftigen Zitrone des Technizismus. Alles was dann folgte war die Reaktion darauf. In der sich nämlich vieles Richtige mit einigem Falschem vermengte. Wo sich das Falsche deshalb durchsetzt, weil es eben das Wesen der Kultur nicht einmal mehr in Spurenelementen in sich trägt und anti-kulturell ist. 

Was sich nach dem Kriege dann als Wirtschaftswunder aufspielte, war bereits der Sieg des Technizismus. Und daß darauf die sexuelle Revolution, die Postmoderne mit ihrem Marxismusaufguß die gesamte sittliche Grundlage der deutschen Völker auflöste, war logische, fast möchte man sagen überfällige, reife Frucht aus einem Boden des Technizistischen, der bei der Suche nach Geist nichts mehr hergab, weil er seit zweihundert Jahren erschöpft worden war. Denn auch der Technizismus der "deutschen Tüchtigkeit" hat nur deshalb so viele Scheinfrüchte getragen, weil er die kulturelle Substanz der Vorväter ausgeschwemmt hat. Bis nichts mehr da war. Die Väter der 1968er-Generation hatten noch richtige Fragen, ähnlich wie die in den 1920ern, aber sie fanden endgültig keinen mehr, der sie noch beantworten konnte. Es gab keine Gegenwehr mehr, weil es keine Substanz mehr gab.

Damit war das Tor weit weit für die Sozialisten in den 1970ern offen. Die nun systematisch ein Staatssystem aufbauten, das jeder kulturellen Substanz endgültig den Garaus machte, zugleich den Aufbau von Substanz verhinderte, und damit jene sittenlose Generationen hervorbrachte, die wir heute haben: Völlig vertrottelte Menschen, die Bauklötze staunen, weil sie nur Scherben statt einem Leben in Händen haben. 

Ja, Herr Dushan, Sie haben deshalb durchaus recht: Deutschland ist am Ende. Was sich sonst noch abspielt, etwa die Massenmigration oder die Genderpruntzerei, ist nur noch Antwort auf die eigene Substanzlosigkeit. Das Verschwinden der Identität, das im Verdunsten des Geistes begründet ist, auf den die Massenmigration primitiver Kulturen nur Antwort gibt, ist einfach nur noch logisch. Wo aber keine Identität, da Dummheit. Es gibt nur sittlichen Raum. Das Strunzdumme schafft nur Raumentleerung, bis zum Vakuum.

Wir ernten heute jedoch nur, was wir seit zweihundert Jahren gesät haben. Womit? Jawohl, Herr Dushan, beginnend mit der Aufklärung als äußerem Ereignis, auf die die Liberalen ja so stolz sind. Das ist eine traurige, tragische, aber befreiende Wahrheit. Eine Rückkehr zur Vernunft ist nicht einfach über ein paar Medienspektakel erreichbar. Es käme dem gleich, was manche Bewegungen (wie der Faschismus, ja selbst wie die Bauhaus-Bewegung) mit Gewalt bereits versucht haben: Die Re-Etablierung von Kultur. Wo aber keine Kultur ist, wo also die Triade Schönheit - Wahrheit - Gutheit nicht mehr lebt, herrscht die Ödnis der Dummheit. Die der Endpunkt der Aufklärung ist, so schaut's aus.

Deshalb ist Ihr Lamento, Herr Dushan, nur das übliche Jammern der Liberalen. Die nun unter dem Desaster leiden, das sie selbst angerichtet und verschuldet, gegen das sie aber nicht das geringste Rezept haben, ja das sie nach wie vor vertreten, wenn man sie nur läßt. Das sie also im nächsten Moment - nur auf die nächste, andere Weise - wieder anrichten würden.


Sonntag, 12. Mai 2019

Ein Akt der Konterrevolution (2)

Teil 2)


Moderne Kunst zeigt damit eine Welt der Sinnlosigkeit, in der der Betrachter zunehmend alleine gelassen. auf sich zurückgeworfen wird. Am deutlichsten sieht man das in den Strömungen des "De-Konstruktivismus", in dem aus dem fehlenden Objekt heraus der Betrachter angeregt werden soll, sich der Bilder und Ideen in sich zu bedienen bzw. sich ihrer aus den nunmehr offenen Beziehungssträngen der "Objekte" bewußt zu werden. Was er sieht ist nur Konstruktion in ihm selbst. Beispiel (eine Installation von Valie Export, die der VdZ gesehen hat): Aus einer Aufnahme einer Nische im Park, in der man ahnt, daß hier eine Bank zu stehen kommt, fehlt genau die Bank. Die Bank wird dargestellt, indem sie fehlt.

In der Architektur ist es ähnlich gelaufen. Wenn die bewußte Umgehung oder Zerstörung jeder Form, deren Kompletion man sich somit (als eigentlichen Akt der Rezeption) "denken" muß, oder Fassaden zu Glasfronten werden und jede Gestalt verweigern. Oder nur noch die Umgebung spiegeln, sodaß der Mensch, der dieses Haus betritt, als jemand gesehen wird, der nur die Außenbilder mit sich bringt, und das Innere des Hauses in diesem Licht sieht, auch wenn es nicht da ist. (Siehe das "Haas-Haus" am Wiener Stephansplatz.)

Das ist freilich eine Stufe in einer Entwicklung, die in den 1920er Jahren begann, als die Macht einer ordnenden Stilquelle durch die Auflösung der Monarchien verdunstete und damit alle Schranken fielen. Da nahm endgültig eine Entwicklung, die sich im Jugendstil freilich bereits vorgebildet hatte (das erste Wiener Jugendstilhaus, das "Loos-Haus", steht nicht zufällig am Michaelerplatz, direkt gegenüber des Eingangs zur Hofburg) ihren ungebremsten Lauf: Im Bauhaus wurde auf Form gezielt verzichtet. Alles unterzog man der brutalen Funktion. In Wien entstand das erste Hochhaus nach New Yorker Vorbild.

Diese koinzidierte mit einer nach dem Zerfall der Monarchien sich ausbreitenden Idee eines totalitären Staates. Hier drückt sich endgültig diese totale Macht des Staates aus, die einen zerbrechen und dominieren und zur Funktion reduzieren will. Der Mensch in seiner Ganzheit (und ohne die ist er nicht Mensch) ist in ihr verloren, er geht ja selber in Funktionen auf, wie die Naturwissenschaften sagen. Der logos des Bauhaus ist damit der logos der Aufklärung: Technik, Funktion, Nutzen. Ein Kampf gegen den logos, der jedem Juden als Grundhaltung innewohnt. Wir haben es heute mit einer Übernahme unserer Kultur durch Mächte zu tun, die Anti-logos-Kräfte sind.

Im Nußknacker aber wird wieder als Ahnung deutlich, was Kunst überhaupt ist. Diese Ballettmusik von Peter I. Tschaikowsky ist nicht ohne Grund in USA populärer als in Rußland. Dort starb die Kunst in der Revolution - und wurde in den USA wiedergeboren. Ballett wurde somit zu einem Akt der Gegenrevolution, ähnlich wie das Homeschooling, der Unterricht der Kinder im Elternhaus. Eine wirkliche Graswurzelbewegung, wenn auch unbewußt. Jones erwähnt dabei auch eine Reaktion von Eltern, die ihre Töchter ins Ballett gaben. Und nach dem Grund befragt geantwortet haben: Sie wollten, daß ihre Töchter wieder feminin werden.

Kurz geht Jones auch auf eine wesentliche Unterscheidung hinsichtlich der Homosexualität ein. Denn wie läßt sich das Theorem des Konterrevolutionären angesichts einiger Proponenten, die bekanntermaßen homosexuell waren (wie Tschaikowsky) aufrechterhalten? Jones erklärt, daß auch von Tschaikowsky selbst sein (geheim gehaltener) Lebensstil als Sünde gesehen wurde, und von der Umgebung, der Gesellschaft als Haltung, als Schwäche aufgefaßt wurde, die man bekämpfen muß (denn der Mensch ist eine Amplitude, er ist nie in einem Zustand, in dem er "er selbst ist", sondern "sein" ist immer im Streit, ein Aktivum also, oder es ist nicht).

Das unterscheidet sich ganz klar von der Sichtweise, die man über Homosexualität heute propagiert. Wo es als Haltung zu einem definierten Lebensstil und sogar zur Norm gemacht wird. Ist sie dort noch eine Sünde, und wir sind alle Sünder, wird sie nun - als zu erstrebender, zumindest aber gleichberechtigt zu wählender Lebensstil, dem "Normalität" zugeschrieben wird - plötzlich definitiv böse.







*240219*

Samstag, 11. Mai 2019

Ein Akt der Konterrevolution (1)

Wir bringen hier ein Radio-Gespräch mit E. Michael Jones vom Oktober 2009, in dem er die enorme Umfassendheit der Reflexion zeigt. Er behandelt darin die Tatsache, daß der "Nußknacker" in weiten Teilen der USA seit gut hundert Jahren zu einer der Weihnachtstraditionen gehört. Wie läßt sich das erklären? Wie läßt sich erklären, daß so viele Amerikaner in diesem so traditionellen Ballett eine künstlerische Darbietung suchen, verbunden mit dem Fest der "Irdischwerdung des Himmels"?

Die Antwort ist leichter, als es scheint: Es geht in beidem um die verlorene Welt. Es geht um die verlorene Kindheit, und um die Sehnsucht nach dem goldenen Kulturzeitalter, das unsere Kultur bis zur Reformation (und definitiv in der französischen Revolution) einmal war. Somit wird diese sehr läßliche Sünde der Nostalgie zur Flucht in die Sehnsucht nach einer verlorenen Welt, die besagt, daß die heutige Welt nicht die beste aller möglichen Welten ist. Daß wir die vielmehr schon (fast) einmal hatten, als die alte katholische Welt. Die gezielt durch einen Materialismus zerstört wurde, der aus der Schwäche stammt, die man nicht überwindet. Sodaß man den Spatz in der Hand der Taube auf dem Dach vorzieht, weil er die Mühe erspart, die Menschsein immer auch bedeutet. Sünde ist ja letztlich immer ein Versuch, sich anzueignen, was einem nicht (oder noch nicht) zusteht, egal aus welchen Gründen. Was als Lebensstil freilich dazu führt, daß auch der Glaube an die Taube auf dem Dach (die anzustreben alleine schon weit mehr Gewinn bedeuten würde) verschwindet.

Erst so läßt sich verstehen, was sich in Europa als Kultur seit dem 15. Jahrhundert abspielte, und sich im 19. Jahrhundert perfektionierte. Wo es aus den politischen und philosophischen Umbrüchen heraus zu konkreten kulturellen Revolutionen kam, die sich natürlich auch im Ballett (sinnbildlich für alles) zeigten. Der Tanz (generell) begann sich zu verändern. Er zeigte immer mehr kein Wesensbild mehr, das in der Bewegung, in der Choreographie (das gilt sogar für den einfachen Gesellschaftstanz) aus dem Ewigen durch ein Fenster hereinblitzte. Ballett als "Kunst der Hofschranzen und Eliten" wurde verpönt. Also kamen die französischen Ballettmeister nach der Französischen Revolution nach Rußland. Denn der russische Hof hatte noch die Kraft, stilbildend zu wirken, was eine der Hauptaufgaben eines Hofes ist. Umgekehrt, verließen die russischen "modernen" Ballettmeister Rußland und revolutionierten die Ballettbühnen des Westens (vor allem in Paris). Ihnen folgten nach dem kommunistischen Umsturz, der wie in Frankreich die Hochkultur ablehnte und verfolgte, die traditionellen Ballettmeister, ja ganze Ensembles, und flohen in den Westen, vor allem in die USA.

Ohne transzendenten Sinn bleibt nur Langeweile

Mit dem Vordringen der marxistischen, materialistischen Ideen aber gab es auch im Westen permanent Versuche, das Ballett im "Modern Dance" zu revolutionieren, und zwar durch die Einführung des Zufälligen, nicht Sinnorientierten. Nicht mehr Geist war der Ausgangspunkt, sondern wie in der Evolutionslehre vorgezeichnet war Geist nur eine Folge der Materie. Einen Schub erhielt diese Richtung nach dem Zweiten Weltkrieg. Dieser nun folgende Subjektivismus war das Merkmal, das den Tanz in den 1950ern, 1960ern kennzeichnete. 

Aber was anfänglich noch interessant" war, weil es das eigene Verhältnis zur Tradition umspielte, wurde in sich bald langweilig. Und überall wurde man dieser ekstatischen, subjektivistischen Tanzformen überdrüssig. Der Enthusiasmus der Kunst ist eben nicht ekstatisch. Er ist eine Erfülltheit mit dem Heiligen, mit und in Gott (en-theo/thu-siastisch), der in gewissem Sinn in der Kunst "inkarniert".

Aber immerhin hat es etwas bewirkt: Als Gegenreaktion stand bald die Sehnsucht nach der alten Welt auf - symbolisch wie im Nußknacker. Im Transzendenten, dem Guten, Schönen, Sinnorientierten (Wahren), wenigstens für einige Stunden als wärmender Traum und Angeschmack auf den Himmel. Das steht hinter der Beliebtheit von "Nußknacker"-Aufführungen in den USA. Daß diese nostalgische Haltung im Grunde das ist, was man als Kleinbürgerlichkeit bezeichnet, steht auf einem anderen Blatt Papier. Verständlich ist es allemal.

Dahinter steht nämlich das Generalproblem der Korrumpierung der Kunst, mit der wir es seit 150 Jahren zu tun haben, und die ihre entscheidende Wende mit der Wende zum Subjektivismus fand (Impressionismus!). Nun zählte nicht mehr die objektive Welt der Gestalten, nun zählte das Empfundene, und zwar das im Künstler Empfundene.

In dem die Schönheit - in der Existenz und Wesen objektiv zusammenfallen - zu einem bloß subjektiv empfundenen Geschmacksurteil erniedrigt wird. Damit zog in einer der vielen Reaktionen darauf, in denen sich das verlorene Ganze in seine Teile auflöste, der Hyperrealismus ein. Oder die Abstrakte, wo das allseits empfundene Fehlende durch eine in einfachsten Grundformen zu findende absolute Wesen (auch das also eine Suche nach dem Ewigen, wenn auch erfolglos) ersetzt werden sollte. Aber in allen diesen Extremen ist jeweils eines der beiden - Existenz und Wesen - überbetont. 

Daraus ergibt sich keine gestalthafte, ganzheitliche Ordnung, die auch den ganzen Menschen in allen Dimensionen umfaßt hätte. Der mehr ist als die Summe der Teile. Die Welt zerfiel im 19. Jahrhundert immer mehr in diese Teile, in Funktionen (als die man die Welt immer mehr zu sehen begann), das Ganze (das die Teile aus sich heraustreibt) begann zu entschwinden. Damit verlor alles und in allen Lebensbereichen (auch in der Religion, im Kult) seine nährende Lebensklammer. Die Ekstase des immer mehr seine Isoliertheit begreifenden Individuums wurde zum letzten konsumablen Rest immer kleiner gewordener "Ganzheiten". 

Die heute im Gegenüber irgendeines Bildschirms fast restlos verschwunden sind, und in den Cyber-Welten ihre vielleicht finale Form - als vollständig lebensleere Nicht-Gestalt - annehmen.

Dieses Revolutionäre war in der Politik motiviert, die (im Grunde bereits ab der Renaissance, die erstmals als Strömung den logos zugunsten eines rationalen Konstrukts ablehnte, endgültig in der Aufklärung und im totalitären Absolutismus des 19. Jahrhunderts) die Gesellschaft und die Lebensweise gezielt zu verändern begann. Denn mit deren Veränderung hin zum Revolutionären war jede Wesensordnung ein schweres Ärgernis. 

Also mußte auch die Künderin dieser göttlichen, geistigen, der Welt vorausgehenden Ordnung revolutioniert werden, die Kunst. 

Denn natürlich ist eine desorientierte Gesellschaft auch an desorientierter Kunst (die dann gar keine mehr ist) interessiert, es spiegelt sie und nichts fordert heraus und würde so ins Gewissen rufen, worin man dem Sein gegenüber versagt. Denn die "Empörungskunst" ist ja eine lächerliche Schimäre. Sie funktioniert nur, soweit und solange sie noch kulturelle, soziale Substanz vorfindet. Dann fällt sie dorthin, wo sie herkommt: Ins Nichts, in die Langeweile. Denn was ist an einem irdischen Menschen interessant, der nicht zum Fenster einer transzendenten Idee wird, sondern mir nur meine eigene Lächerlichkeit vorspiegelt? Mit Verlaub ... nichts.

Nun, wo Kunst also nichts Sichtbares, im Gestalthaften erkennbar über sich Hinausweisendes mehr war, mußte Sinn, logos, Geist künstlich und ersatzweise aufgepfropft werden. Denn daß etwas fehlte, fühlte man, und fühlten vor allem die Künstler. Also suchte man es, und damit - sowie mit den Irrtümern der Philosophie, die immer mehr Ideologien wurden - kam die Konzeptkunst. In ihr hat das Artefakt gar keine Bedeutung mehr. Es gibt keinen Geist, sagt der heutige Mensch, es gibt nur noch Ideologie.

Dahinter stehen freilich zwei bemerkenswerte Tatsachen: Die eine ist, daß es stimmt, daß der Mensch nur sieht, was in seinem Geist vorgebildet ist. Man sieht nicht "mit den Augen", sondern nur "durch" sie. Wenn es aber keinen absoluten Geist (Gott, das Sein an sich) mehr gibt, von dem alles ausgeht und auf den alles hinläuft, Geist (lebendige Idee) zur rationalen Willkürkomposition wird, Leben nur noch an subjektiv empfundenem "Glück" (als "Erfüllungsreiz" und "Trieberfüllung") gebunden gesehen wird, hängt alles davon ab, daß der Betrachter dieses Konzept kennt, und ihm gemäß schaut.

Das zeigt aber zum anderen einen umfassenden Haß auf das Sein, das zum "Gestell" erniedrigt wird, das über Nutzen hinaus keinen Sinn hat. Und damit wächst der Haß auf eine objektive Seinsordnung, die es zu erfüllen gäbe, weil darin Glück als Geglücktheit läge. Sodaß das Bildhafte, das Seiende, seiner Grundlagen (Teilhabe am Sein) entblößt wird - und zur weltimmanenten technischen Nutzanwendung führt, wie in der Pornographie.


 Morgen Teil 2)





*230319*

Dienstag, 23. Juni 2015

Nicht Goethe, sondern Herder

"Ein Mann wie Goethe vermag kein Volk zu verwandlen, das vermag nur der Typus Herder. [...] Nicht Goethe, sondern Herder war es, der im späten 18. Jhd. das deutsche Antlitz zu verwandeln begann. Goethe hat in erstaunlich geringem Maße den geistigen Wandel der Deutschen um 1800 bewirken können. Er verstand die klügste aller Künste, zu dem neuen Leben, das rings um ihn aufschoß, in immer neuen glücklichen Redewendungen Ja zu sagen. Und dieses Jasagen erweckte den Anschein, als sei das alles von ihm bewirkt, 'sein Werk'. [...]

Zu einem Kinde Ja sagen heißt nicht, daß man es auch erzeugt hat. Herder dagegen hat zu vielem und mit Ingrimm Nein gesagt, was dennoch von ihm bewirkt war. Es ist Herder gewesen, der die deutsche Seele verwandeln half. Sein schöpferisches Werkzeug war die Romantik. Das meiste, was romantisch heißt, stammt von Herder. [...] Der Sammelname Romantik hat den Namen Herder verschluckt. [...]

Zurück zu Herder. Denn was könnte uns Goethe helfen, der Bildungsaristokrat und Individualist, wo es um die entscheidenden Fragen unsere Gesellschaftslebens geht. Die entwurzelte Masse, die sich heute als Volk gebärdet, der gerade fehlt, was Herder suchte, das Unentwickelte, das Ursprüngliche, das Erneuernde, die muß in Herders Sinn wieder mit der Erde verflochten werden. [...] Der Kulturtypus unseres werdenden Zeitalters ist nicht Goethe, sondern Herder." 


Josef Nadler in "Deutscher Geist - Deutscher Osten", ca. 1937






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Dienstag, 21. Januar 2014

Weitsicht

Was wir heute haben, ist das letzthinnige Ergebnis des Kluturkampfes, der sich im 19. Jhd. abspielte, und der zugunsten der Moderne ausging. Zahlreiche Schriftsteller, die zu lesen heute mehr denn je lohnt, sind für uns heute noch greifbar. Wenn man sie sucht, und lesen will. 

Es ging um die entscheidende, endgültige Wende in der Sicht der Welt, der Natur und des Menschen, wo sich der materalistische Mechanismus und Funktionalismus durchzusetzen begann. Die Scharfsicht so vieler Künstler und Denker, nicht zuletzt Goethe ist da zu nennen, ist beeindruckend. Wir stehen heute in jenen Sackgassen, die damals bereits in ihren Schreckenskonturen,m die sie in den Jahrhunderten zuvor vorbereitet und angenommen hatten, erkennbar waren. 

Und einer war auch Karl Christian Planck (1819-1880), der die Kulturzerstörung, die sich Bahn brach, erkannte und zur Rückkehr zur gestalthaften Sicht der Dinge als Notwendigkeit aufrief, soll sich nicht das geistige Fundament in die ertraglose, flache Vielheit und Leere des gegenwärtigen Rationalismus auflösen, der auch die Wissenschaft (und dabei v. a. die Naturwissenschaft) zersetzt und zum bloßen Werkzeug der zeitgeistigen Ideologien macht.

Plancks Hellsicht zeigt sich aber auch im Kampf gegen den bürokratischen Staat. Eine Erkenntnis, die aus derselben Quelle - der ganzheitlichen, ontologischen Sicht der Schöpfung - stammt. Zeitlebens kämpfte er deshalb gegen die "kleindeutsche Lösung", gegen den preußischen Nationalstaat, den er so charakterisierte:  

Er ist eine „zentralisierte vielregierende und vielschreibende Staatsmaschine, die fremd gegen den Geist und die innere lebendige Bestimmtheit der einzelnen Gebiete und Verhältnisse von oben herab gleichmäßig über alle Gemeinde- und Provinzialverwaltung, über Kirche und Unterricht, über gewerbliches und bäuerliches Leben übergreift“

Im besonderen kritisierte Planck die Entfremdung der Menschen von ihrer eigenen Daseinswurzel durch die Mutation der Arbeit zur reinen, nur noch monetären Zwecken dienenden "Erwerbsarbeit". Damit hängt seine Forderung nach dem Recht jedes Menschen auf ein Stück Boden direkt zusammen. Wenn Planck schließlich doch den Bogen überspannt, und ein Konzept eines irdischen Paradieses entwirft, das über reines Urbilddenken hinausgeht, die Welt letztlich immanentisiert. Nicht zufällig steht er später Hegel nahe. Und nicht zufällig feiert er in gewissen zivilisationskritischen Kreisen der Gegenwart eine Art Renaissance. Die allesamt, wenn auch aus verständlichem, zum Teil auch richtigen Impuls heraus, das Kind mit dem Bade ausschütten.

Woran es heute regelrecht fehlt ist jene Geisteshaltung, die aus der historischen Dialektik heraussteigen kann, und die Mitte (der Ontologie) noch wahrt. Das macht auch die heutige Zivilisationskritik oft regelrecht zur Gefahr - eines aus dem Überdruß heraus entstandenen, geistig aber nicht richtig gefaßten Archaismus und Anarchismus, der sich selbst (in zahllosen Irrtümern befangen) zu Diktatur, Moralismus (als technisierte Spiegelung des idealen Seins) und Formzerstörung auswächst. Das könnte nur die Kirche leisten, und das wäre ihr historischer Auftrag, den zu verraten sie so tief mittendrin steckt, daß auch ihr das Blutgericht droht, das unsere Kultur sich längst errichtet hat.





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Montag, 19. August 2013

Eine neue Art der Kriegsführung

Die Gründe, warum Österreich (was ihm teils als Verrat ausgelegt wurde, und man könnte über die Berechtigung dieses Vorwurfs durchaus diskutieren) auf so seltsame Weise Frankreich unter Napoleon selbst noch nach Leipzig (man bot Napoleon die Rheingrenze an, was hieß: Verzicht auf den Elsaß!) leben lassen wollten, waren sein Versuch, sich gegen Preußen und Rußland abzusichern.

So ist auch die eigentümlich gleichberechtigte Lage Frankreichs beim Wiener Kongreß in seiner ersten Phase zu verstehen, das territorial ungeschoren davonkam, ja nicht einmal seine zahlreichen zusammengestohlenen Kunstschätze zurückgeben mußte. Man akzeptierte Frankreich als nicht eigentlich beteiligt. Beteiligt waren nur die Rebellen, die Revolutionäre, das System Napoleon. Der in seine Verblendung jede Chance auf friedliche Koexistenz, und damit Machterhaltung, verspielte.

Und in alledem ging der Stern Englands - das noch zu Ende des 18. Jds. völlig am Boden war - auf nahezu geheimnisvolle Weise auf. Denn es waren keine großen Helden oder Persönlichkeiten, die seinen glanzvollen Aufstieg bewirkten. Es war eine Zeit der politischen Mittelmäßigkeit, der Zögerlichkeit, ja der Führungslosigkeit (etwa gerade in der Zeit der letzten napoleonischen Jahre). Es war eine seltsame Gunst der Umstände, Zufälle, unvorhergesehene Entwicklungen, und die Zerstrittenheiten der anderen, die selbst aus falscher Politik immer wieder Konstellationen zu seinen Gunsten entstehen ließ.

Bis hin zu seiner Einschätzung als moralische Macht - als die England einfach "übrigblieb". Man denke an das Verbot des Sklavenhandels (ohnehin nicht: des -besitzes): Keineswegs war es Humanität, die dazu bewog. Der Sklavenhandel - man holte jährlich aus Afrika 40.000, von denen 30.000 lebend in Amerika ankamen, bei einem Einkaufspreis von im Schnitt 15 Pfund und einem Verkaufspreis von 35 Pfund dennoch ein lohnendes Geschäft - war in englischer Hand, weltweit. 

Es war der schlichte Umstand, daß die englischen Kolonien in Westindien (ohnehin fast die letzten verbliebenen) einfach keinen Bedarf mehr hatten. Das Überangebot an Sklaven wurde also an die Franzosen und Spanier dort verkauft. Die damit ihren Anbau von Zuckerrohr etc. ausbauten - und damit die englischen Anbieter konkurrenzierten. DAS sollte unterbunden werden.

Am Wiener Kongreß schließlich war es erstaunlicherweise dieses England, dessen Verhandlungsführer (wiewohl gegen die Stimmung im Land) ein schwaches Frankreich, sein Erzfeind, nicht wollte, um Gegengewicht gegen Preußen-Österreich-Rußland zu wahren, und damit die Interessen Österreichs traf.  Und so schonte auch Castlereagh, der englische Verhandlungsführer, die Franzosen, wiewohl England über beide Ohren verschuldet, Frankreich nahezu schuldenfrei dastand, und sogar größer war als vor Beginn der Napoleonischen Eroberungen war.

Dieser Schonung war es zu verdanken, daß Napoleon sich ermuntert fühlen konnte, 1815 für seine 100 Tage-Herrschaft zurückzukehren, die bekanntermaßen in Waterloo endete. Wobei Österreich und Preußen erst zögerten, gegen ihn überhaupt vorzugehen - wären nicht die Engländer gewesen, die (irrtümlicherweise) nicht glauben wollten, daß die Franzosen hinter ihrem Kaiser standen.

Und erst nach Waterloo wurden Frankreich 700 Mio. Francs Reparationen auferlegt, unter immer noch mäßigendem Einfluß von England, das kein Rachepotential im Erzfeind wollte. Ein Dreißigstel etwa jener Summe, die Napoleon während seiner Feldzüge an Kontributionen eingenommen hatte. Und erst jetzt mußte es seine geraubten Kunstschätze zurückgeben.

Es war überhaupt eine seltsame Art der Engländer, zu verhandeln. Castlereagh, der als dumm und unwissend galt und als einziger Staatsmann in Wien keine Orden trug, bestand etwa darauf, daß Leipzig nicht an Preußen fiel - wußte aber gar nicht, daß es in Sachsen liegt. Aber so blieb Sachsen durch Zufall wenigstens zum Teil selbständig. England widersprach nur Preußen (in seiner Nähe zu Rußland), um es nicht stärker zu machen.

Trotzdem konnte England im Endeffekt nahezu alle seine Ziele durchsetzen, und ein komplexes Balancesystem am Kontinent schaffen, das seiner Entwicklung höchst förderlich war.

Der Kongreß 1814/15 selber kostete an die 8,5 Mio. Gulden. Ein Vermögen, das die verschuldete Staatskasse schwerstens belastete. "Der Kongress geht nicht voran, er tanzt," hieß es. 

"Der Kaiser von Rußland (ein legendärer Frauenschwarm und Schürzenjäger, Anm.) liebt für alle, der König von Preußen denkt für alle, der König von Dänemark spricht für alle, der König von Bayern trinkt für alle, der König von Württemberg frißt für alle, und der Kaiser von Österreich zahlt für alle," hieß es über die Rollenaufteilung. 

Die Wiener behaupteten, der Kongreß sei eine neue Art der Kriegsführung gegen Österreich: den Feind nicht im Feld zu schlagen, sondern ihn aufzufressen.

Aber immerhin: die Ordnung, die dort verhandelt wurde, hielt im großen Ganzen. Es gab 40 Jahre keinen Krieg mehr in Europa, und Europa stieg im 19. Jhd. zu seinem Wohlstand auf, von dem es heute noch zehrt.

Vor allem aber stieg England zur ersten Weltmacht auf. Castlereagh - alles andere als gierig, sondern mäßig und mäßigend - verzichtete auf Kolonien, blieb in seiner Zurückhaltung dabei ohne erkennbaren Plan, ja er hielt sich nicht einmal an Weisungen aus London. Java, Sumatra ließ der eigentlich als beschränkt geltende Mann an Holland zurückgeben, auch Frankreich erhielt alle Kolonien wieder. Denn Kolonien waren teuer (was man heute gerne vergißt), sie kosteten fast immer weit mehr als sie brachten. Der überaus nüchterne Castlereagh wollte nur einige Seestützpunkte. Das Kap der Guten Hoffnung. Ein belangloses Fischerdorf namens Singapur. Ceylon. Mauritius. Malta. Korfu. Helgoland. Holländisch Guayana  ... es wurden die Eckpfeiler des kommenden Weltreichs.




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Samstag, 10. August 2013

Sohn der Zeit

"Den Grundstock aller marxschen Gedanken bildet mithin eine medizinale Philosophie, d. h. eine solche, die eine Selbstentfremdung des Menschen feststellt und den Weg zu seiner Selbstversöhnung sucht und weist. Marx ist, indem er so die Philosophie grundsätzlich als Befreiung des Menschen begreift, nur ein Sohn seiner Zeit. Im 19. Jhd. bietet sich die dialektische Methode dem Menschen als Ausweg aus einer umfassenden Krise seiner Kultur an. Der Mensch findet sich mit der gegenständlichen Welt heillos auseinandergeraten, die Welt der Sachen erstickt ihn, und die Gesellschaft droht unter den Folgen des Liberalismus und Individualismus auseinanderzubrechen. 

In der damit verursachten Einzelheit, auf die sich der Mensch so mutig gestellt hatte, bekommt er es nun mit der Angst zu tun, aber anstatt zu seiner von Natur wachsenden Verbindung mit den anderen Wesen zurückzukehren - jener natürlichen Gemeinschaft der Einzelwesen, die vom Schöpfer aller Dinge und des Menschen gestiftet ist - schreitet der Mensch gegenüber der ihm entglittenen und nun fremd gegenüberstehenden Welt zu einer gewaltsamen Wiederaneignung dieser Sachwelt. 

Eben diese gewaltsame Wiederaneignung der Welt, bei der sich der Mensch zum uneingeschränkten Herren aller Dinge macht, bildet das Wesen der dialektischen Methode in der Hand von Hegel und Marx."


Jakob Hommes, in "Der technische Eros"







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Dienstag, 19. Februar 2013

Geld kommt vom Bankkonto (2)

2. Teil) Es geht um das Phänomen Elektrizität selbst




Dieselbe Entwicklung also wie in den USA. Dort stehen sie ja bereits, die Todeslandschaften durch Subventionsstop unrentabel gewordener und damit stillgelegter Windräder, weil die Kosten für Wartung und Betrieb nicht  mehr gedeckt werden konnten. 8000 waren es bereits 2011. Aber gut, die USA haben ja ausreichend Raum für Nicht-Orte. Sie haben nur keine Konsumenten, die jeden Abnahmepreis zahlen weil zahlen müssen. Schon jetzt liegt der Preis für Strom in den USA bei der Hälfte dessen, was die Deutschen zahlen. Der Einfluß derer, deren Geld einfach vom Bankkonto kommt, hat dort noch engere Grenzen.

Copyright FAZ
Der Preis an den Strombörsen aber fällt weiter. Der Markt braucht diese Produkte nicht, und das drückt sich aus. Eon macht derzeit pro produzierter Kilowattstunde 9 Euro Verlust, schreibt die FAZ. 2012 wurde der Strom aus Erneuerbaren Energien in Deutschland alleine mit 20 Milliarden Euro gefördert, erzielte aber auf der Strombörse einen Verkaufserlös von 3 Milliarden. 17 Milliarden, die die Verbraucher ausgleichen müssen. Und das soll an dieser Stelle gar nicht skandalisiert werden. Es könnten hier ganz andere Grundmechanismen - indirekt - ihren Weg finden. Darüber an anderer Stelle.

Dies alles geschrieben aus Sorge um die Energieversorgung, oder gar um Atomstrom zu fordern? Nein. Das Grundproblem ist viel komplexer, und anders zu befragen. Hier geht es nur darum, den Irrsinn anschaulich zu machen, in den der Klimawahn (und auch der ist nur exemplarisch) die halbe Welt bereits sehr real gestürzt hat und noch weiter stürzen wird. Getragen vom Motto: "Man müßte nur ... dann würde ..." So, wie Ingenieure um einen Technikblock herum stehen und rätseln, wie er doch noch laufen könnte. Die Lösung aber ist nicht A oder B. Sie liegt ganz woanders.

Und DAS drückt sich darin aus, daß die "Lösungen", die man schuf, nur noch mehr Chaos anrichten. Sie versuchen Probleme zu lösen, die (in dieser Form) nie welche waren. Die aber einen interessanten Grundimpuls aufleuchten lassen. Es geht tatsächlich um Naturgemäßheit***. Aber auf ganz andere Weise, und viel tiefgreifender. Andere Formen der Stromerzeugung zu finden ist der Versuch, sich um die wirklichen Lösungen zu drücken, indem man Scheinlösungen implementiert. Aber die wirklichen Lösungen sind keine Momente eines Mechanismus Erde und Leben, den ein Staat reparieren könnte, indem er grüne statt rote Knöpfe drückt. Aber darüber breitet sich eine immer dichtere Decke der Angst.

Denn die Elektrizität ist die Lebensenergie unserer gesamten technisierten Lebensvollzüge geworden, und umfaßt in krebsartiger Auswucherung schon selbst persönlichste Bereiche. Wir kämpfen heute mit schon im 19. Jhd. falsch gestellten zivilisatorischen Weichen. Als wir den Golem erschufen, den Homunkulus, und uns als Magier des Lebens selbst zu bemächtigen suchten. Genau dort stehen wir heute, vor dem nackten Leben, dem wir seit 200 Jahren alle Kleider entrissen haben, das Ausgangspunkt wie damit Ziel der Entwicklungen war. Von uns selbst hineingestoßen in die pure Weltimmanenz, werden wir darin umkommen. Die rationalistischen Mechanismen, die wir seither (und in einer einzigen Bewegung seit der Renaissance) aufgebaut haben, beginnen nun ihr wahres Gesicht zu zeigen. Sie werden unsteuerbar. Weil menschliche Vernunft nicht ausreicht, um die Welt zu verstehen.

Die einzige Kennziffer, die in diesem Zusammenhang deshalb überhaupt von Belang ist, ist die des jährlichen Wachstums des Gesamtenergieverbrauchs. Für Deutschland prognostiziert: 0,6 % (statt 1,2 % wie bisher), bei schärfsten Energiesparmaßnahmen ...

Was sich vor unseren Augen vollzieht - wir sehen es nur deshalb nicht deutlich genug, weil wir mitten drin stecken, verstrickt, involviert sind - ist das Scheitern eines gesamten Kulturentwurfs, als Afterkultur der abendländisch-christlichen, zu der er sich im 19. Jhd. formiert hat, als das Abendland in Wahrheit nach langer Krankheit endgültig zerfallen war. Wir betreiben seither nur noch Resteverwertung.

Es ist das Scheitern des Traumes, die Welt aus eigener Kraft, aus eigenem, rein weltimmanentem, endlichem Verstand eine Welt nach unserem Maß zu bauen. Das Ergebnis ist ... eine Hölle. Und keine Ökologiebewegung der Welt wird daran etwas ändern können, im Gegenteil. Sie ist selbst rationalistisch, ja noch weltimmanenter als "Marktmechanismen", und wer genau hinsieht bemerkt, daß sie gar nicht ändern WILL. Sie möchte nur den Fortbestand des gegenwärtigen Zustands sichern, indem sie ihn weiter perfektioniert****. Was auch immer noch wirkliche Lebensfreude bewirkt, sind jene Reste, nach denen wir nach und nach aber gleichfalls greifen und zur Technik profanieren - es sind die Reste der sakralen Welt.

Doch es bleibt eine andere Hoffnung. Der Mensch aß zwar vom Baume der Erkenntnis*****. Aber Gott ließ nicht mehr zu, daß er auch vom Baume des Lebens nahm. Nur der Rationalist glaubt, daß das Leben der Menschheit in unserer Hand liegt oder als "Überleben" unsere Aufgabe sein könnte, die wir nun zu lösen hätten. Und in deren Namen wir einstweilen auch  manches Ungemach auf uns zu nehmen hätten - als Bedrängung des Lebens selbst.


Ein abschließender Literaturhinweis: Eine kompendiumartige, sehr sachliche Zusammenfassung der konkreten Argumente und Fakten aus der Feder von Günter Keil bietet die Seite "Die Energiewende ist bereits gescheitert", die das Ausmaß des Desasters, die Verfehlung sämtlicher (!) Ziele dieser "Energiewende" deutlich vor Augen führt. Das Dossier stärkt die bisherigen Darstellungen des Verfassers dieser Zeilen, der als Grundargument ansieht, daß es INNERHALB einer elektrizitätsgetriebenen Zivilisation ÜBERHAUPT keinen Ausweg "zum Besseren", einen Weg zu einer menschengerechten Gesellschaft gibt. Das geht aus dem Wesen der Sache hervor, und ist nicht durch Funktionsveränderungen doch noch zum Guten wendbar. Innerhalb dieses Systems ist nur noch eine Auswucherung zur Unsteuerbarkeit möglich. Es GIBT KEINE "naturgerechte Energie namens Elektrizität" als Treibstoff einer Zivilisation, und jeder Verbrennungsmotor ist noch naturgemäßer. Wir befassen uns deshalb nicht mit "Natur", sondern lediglich mit der Verhinderung, die Folgen der Verwendung der Elektrizität zur Kenntnis nehmen zu müssen. Darum sind wir mit allem einverstanden, wenn sie uns nur aus dem Blickfeld rückt. 

In ihrer zivilisatorischen Nutzung haben wir uns aber die Natur als das, was ALLEN Dingen zugrundeliegt, als Wesen aus Form und Inhalt, zum Objekt der Vergewaltigung gemacht, und damit stehen wir in direkter Wesensfeindschaft. Wir können nur über die Art der Kriegsführung entscheiden. In der der Sieger aber immer schon feststand. Und der ist nicht die Zivilisation

Gleichzeitig geht es hier (einschränkend sei es gesagt) nicht ums "Überleben der Menschheit", das uns als Aufgabe anheimgestellt wäre. Auch dieses Denken stammt aus exakt denselben Gespenstern des Größenwahns des Technizismus und steht jenseits aller unsere Möglichkeiten als Mensch. Aber es geht rein menschlich gesehen um viel Leid, das wir uns und den kommenden Generationen antun.





***Es geht mit Sicherheit um die Technik "Elektrizität" als Ganzes. Kaum je hat eine Technik das gesamte Lebensgefüge der Menschen so tiefgreifend beeinflußt und mechanistisch verändert, wie Elektrizität, keine Technik (sieht man vom Transport ab) die Umwelt so nach ihren Anforderungen geprägt. Das zeigt sich schon alleine aus der Tatsache von "Stromnetzen", in denen jede Abnahmestelle zu einer bloßen Schaltstelle eines Gesamtmechanismus wurde. Elektrizität, die von Anfang an als Lebensenergie angesehen, weil sämtliche Prozesse der organischen wie anorganischen Welt von Erscheinungen der Elektrizität begleitet und getragen sind, sodaß sie mit dem Leben selbst gleichgesetzt wurden. Heute werden vielfach Leben und physikalische Energie überhaupt gleichgesetzt. Viele Menschen sprechen von Gott wie von einem elektromagnetischen Feld, aus dem alles hervorgeht, das allem zugrundeliegt, es ginge nur darum, die Verwendbarkeit zu beherrschen.

Und diese nihilistische Sichtweise, die sich sogar oft als Religion ausgibt (was sie in Wahrheit sogar ist, den sie hat einen Gott ...), Leben als technischer Prozeß, hat einen werkhaften Organismus hervorgetrieben, der in Analogie zu seinem Hervorbringer, dem Menschen, mit allen Wesensmerkmalen des Werkhaften, menschliches Gesamt abbildhaft (analog) zu reproduzieren sucht, einschließlich dem Faktor Geist, der sich in der Informationstechnologie findet. Elektrizität wird zu jener Kraft, die die Welt schafft. Selbst Mythen werden damit umgedeutet. Da wird dann Solarenergie zur Verwirklichung des Zusammenhangs Licht & Schöpfung, 3-D-Drucker zum Schöpfungsprozeß selbst, die die Gottwerdung des Menschen unmittelbar vor der Vollendung stehen läßt.

****Interessant und in Wahrheit wirklich zukunftsorientiert bleiben lediglich jene Strömungen innerhalb dieser Bewegungen, die auch wirklich begonnen haben, ihre Lebensvollzüge selbst fundamental zu ändern, indem sie die Teilhabe am System verweigern. Von unserer zivilisatorisch-technischen Höhe aus gesehen, kann das freilich nur als Rückschritt und Verweigerung gesehen werden. Der freilich oft noch rein in sich bleibt, eine Gesamtlösung als Kulturentwurf meist noch verweigert. Aber sicher ist auch, daß solch ein Entwurf nur aus religiöser Fundierung ernstzunehmen sein kann. Und in der Verwirrung um das, was überhaupt religiös ist, liegt auch seine größte Gefährdung. In einer Zeit, in der der technizistische Rationalismus selbst in Wahrheit nihilistische Scheinformen des Religiösen auszubilden begonnen hat. Verweigerung von Kultur und damit Form selbst ist die Folge. Fahrradfahrende, schlapprige Jeanshosenträger sind da keine Hoffnung. In der Kulturverweigerung, in die sich heute manches flieht, zeigt sich lediglich ein Grundimpuls - als Sehnsucht nach Abschütteln.

*****Über die Natur menschlichen Erkennens, das als immanentistischer Denkprozeß gesehen aus einem fundamentalen Negationsprozeß stammt, demnächst mehr.







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