Es ist uns Heutigen, die wir in ein extremes Geflecht von Thesen und Ideen so dicht eingeflochten sind, daß wir kaum noch Luft zum Atmen finden, WEIL es an systemisch-organisch lebendigen Hierarchien mangelt, die das Entscheidende allen Denkens liefern (!) könnten: ORDNUNG, daß uns Heutigen also auch gar nicht bewußt wird, in welchem organischen Strom sozialistisch-aufklärerischer Ideologie wir eingebettet sind.
Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Donnerstag, 24. September 2026
Ohne den Geist der Wahheit und Schönheit und Güte KANN die Welt nur verderben
So eingebettet, daß wir eigentlich davon ausgehen sollten (wenn es uns schon nicht möglich ist - was letztendlich nur noch individuelle sittliche Leistung sein kann - den wahren lebendigen Strom des Geistes zu befahren) daß wir seit zweihundert Jahren und darin zunehmend wie evolutionär-teleologisch (!) in eine wahre Maschine, den Moloch einer brutal herrschenden Maschinerie eingebunden sind, in der wir nur noch Punkt für Punkt abhaken können. Von Geschichte, von schöpferischem Darstellen wirklicher Ideen und Bilder kann sowieso keine Rede mehr sein.
Donnerstag, 25. August 2022
Im Sohn der Vater, im Werk der Künstler
Die Analogie des Schöpferischen Werkes und des Weges zur Heiligkeit. Wo in der Hingabe ans Schöpferische, das zu einer Lebensweise wird, die eigentliche Substanz ins Werk wandert. So, wie der Sohn gezeugt wird, entsteht also das Werk als verlängertes, ja im Mitleiden eigentlicheres Ich, der zum bloßen Durchgangspunkt wird, während sein eigentliches Leben im Werk stattfindet. Dort ist seione perspnliche Ebene der Reinigung und Läuterung und des Gebets.
[Wer saber ist mein Bruder, mein Sohn, meine Mutter? Der mein Wort hört und es befolgt, der ist mir Bruder, Schwester und Mutter und Sohn.] Nicht das Blut definiert die Zugehörigkeit zum Haus, sondern der Gehorsam, der "Mensch guten Willens".
Die Erfahrung des Schreibens unterscheidet sich nicht mehr von der des geistigen Weges, wie ihn Johannes vom Kreuz beschreibt. Schreiben ist der Akt seiner Heiligung. Nicht anders wie dem Tischler sein Stuhl, gewiß, nur anders weil andere Menschheitsbereiche umfangend. Aber es gibt den Tischler, der ganz im Stuhl aufgeht, und dessen Stuhl dann (indirekt) das Heiligste verkündet.
Es ist dann das Werk, das liebt, es ist das Werk, das handelt, es ist das Werk, das verkülndet. Und der das Werk aufnehmende wird durch das Werk erhoben, in dem sein Schöpfer aufgegangen und damit verborgen ist.
Dienstag, 15. September 2020
Im Schlag des Hohen Herzens
Das Volk in Einheit weil im selben Takt des Herzens - als das jeden Kreislauf der Welt Treibende - mit seinem Herren, das ist die Idee, die hinter der zu allen Zeiten und in allen Kulturen auffindbaren Praxis,
vom Palast, der sein Urbild im Tempel hat, und selbst wiederum Urbild für die Wohnungen des Volkes ist,
also vom Zentrum der höchsten Macht ausgehend, durch laute Töne wie Trommeln oder Glocken den Tagesablauf wie Lebensrhythmus eines Volkes zu bestimmen. Denn eine Kultur kann nur funktionieren, wenn einerseits die Vereinbarung, das Abstimmen, und anderseits das Messen von Zeit und Zeiträumen möglich ist.
Man könnte dies als "Zeitbestimmung" oder "-messung" bezeichnen, aber das ist es nur als ein Aspekt. Denn die Zeit bemessen die Menschen in der Geschichte aus ganz anderen Dingen. Ein Beispiel: Bei den Römern oder Chinesen war es aus religiösen Gründen notwendig und üblich, die Städte, die Straßen und die Häuser nach den Himmelsrichtungen auszurichten. Ein Nebeneffekt davon war aber, daß die Bewohner aus dem Schatten, den die Häuser warfen, allmählich auch die "Uhrzeit" ablesen konnten. Die Jahreszeiten einzuberechnen ist eine Kleinigkeit, die schon das Kind spielend lernt.
Man könnte dies als "Zeitbestimmung" oder "-messung" bezeichnen, aber das ist es nur als ein Aspekt. Denn die Zeit bemessen die Menschen in der Geschichte aus ganz anderen Dingen. Ein Beispiel: Bei den Römern oder Chinesen war es aus religiösen Gründen notwendig und üblich, die Städte, die Straßen und die Häuser nach den Himmelsrichtungen auszurichten. Ein Nebeneffekt davon war aber, daß die Bewohner aus dem Schatten, den die Häuser warfen, allmählich auch die "Uhrzeit" ablesen konnten. Die Jahreszeiten einzuberechnen ist eine Kleinigkeit, die schon das Kind spielend lernt.
Der Rhythmus des Schlages aus dem Zentrum, der alle Dinge und alle Menschen durchdringt, die Glocken, die Trommeln, die Trompeten, die menschliche Stimme, ist vielmehr eine Grundfrage der Einheit.
Und es ist somit eine der Sinndimensionen der Herz Jesu-Verehrung. In der ein Volk sich in den Schlag seines Gottes eintaktet. Und es ist der Sinn der Herz-Mariä-Verehrung, in der ein Volk sich in den Takt jener größten Heiligen eintaktet, der für ihn der sicherste Weg zur Erfüllung seines Daseinssinnes - die Anähnlichung an Gott als Erfüllung des Wesens der Schöpfung des Menschen, die in der Idee der Ähnlichkeit und Abbildhaftigkeit erfolgte, "nach Seinem Bilde schuf er ihn" - bedeutet.
Das ist aber auch der wahre Sinn von Zeitmeßinstrumenten, ob Sonnen- oder Wasser- oder Mechanismusgetriebene Uhren wie in Europa. Die im Wesentlichen das seltsame Glück hatten, daß die Witterungsbedingungen für Sonnen- oder Wasseruhren zu schlecht waren. Denn die Veränderungen der Treibmedien (vor allem Wasser bei niedrigen Temperaturen) durch das Wetter waren das größte Problem dieser Art von Zeitmessern. Im islamischen Raum freilich war das keines, da war es immer warm, also stoppte dort im 13. Jahrhundert auch die Entwicklung von Uhren.
In Europa mußte man sich auf andere Arten der Zeitmessung konzentrieren. Und erfand im 13. Jahrhundert die mechanisch, durch irgendeine Art oszillierenden Apparates - etwa durch eine Feder, oder ein an einem Seilzug befestigter, "fallendes" Gewicht als kontinuierlicher Strom, der wiederum über das fast Wesentlichste an einer Uhr, die Hemmung, einen oszillierenden Mechanismus antreiben kann, usw. usf. - getriebene Uhr. Die zufällig weitere immense Vorteile hatte, an die sicher keiner gedacht hatte, die aber später entscheidend für die gesamte Kultur wurden: Sie war verkleinerbar, bis zur Taschenuhr, und sie war transportabel.
*040920*
Donnerstag, 27. Juni 2019
Es geht um gut und böse
Es ist klar, daß unter der Sichtweise, daß der Mensch ein rein mechanistisch aufgebautes Evolutionsprodukt ist, dessen Seele und Innenleben nur der Schatten chemischer Prozesse sind, Irrtum und Wahrheit nur als Produkt mechanischer Prozesse gesehen werden. Insofern wird Irrtum zwangsläufig zur Krankheit, die durch psycho-soziale Maßnahmen oder allenfalls sogar medikamentöse Behandlung, wenn nicht weit schärfere Maßnahmen behebbar ist. Freiheit, Geist werden zur Illusion.
Irrtum aber ist dann auch nur das, was vom eigenen Willen abweicht, der in einige Verhaltenssätze gegossen wird, in denen sich dann "gutes Handeln" abbilden soll. Nicht die Wahrheit ist erstes Kriterium, sondern der Zwang auf die Welt, die "gerichtet" werden soll. Jede Logik wird dann nur noch zur Rechtfertigung mißbraucht.
Damit fehlt in diesem Menschenbild das eigentliche Kriterium, um das es auch in der Frage um Klimakatastrophe oder "Klimaleugner" geht. Es ist das Kriterium von Gut und Böse. Es geht um Liebe und deren Abwesenheit, oder sogar um den Haß als Wille zur Vernichtung.*
Und darin steckt die Perversion dieses Gedanken: Daß Denken nur die Kristallisation subjektiven Willens ist. Denn er hat insofern seine Berechtigung, als tatsächlich das Sein auch immer will. Ohne eine personale Wahrheit ist Wahrheit selbst aber nicht denkbar. Nur als personaler Zugang zu jener Wahrheit, die die Welt bestehen läßt, weil sie liebt und will. Wer also Wahrheit will, will nicht Wahrheit, sondern will den Raum der Wahrheit. Das ist die einzige mögliche Objektivität. Aber das IST die Objektivität, die es geben kann und muß. Wo der rein menschliche Wille auch aufhört, im Gehorsam, in der liebenden, hörenden Offenheit der Wahrheit gegenüber. Denn die Herkunft der Wahrheit ist entscheidend. Sie kommt aus der personalen Wahrheit. Logik und Widerspruchsfreiheit sind also nur der Ausfluß und Merkmal der Gutheit dieser Person, die der ratio zwar nicht widerspricht, sie aber unendlich übersteigt. Und das ist Gott incarnatus, Jesus Christus. Darum geht es im Herz Jesu-Monat Juni.
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| Die Welt ist von der Wahrheit getragen. |
Die Gedanken eines Menschen, und damit die Frage um Wahrheit und Irrtum, ist eine Frage, die über das Herz in seinem Dialog mit der Wahrheit erschlossen werden muß. Sie sind nicht, wie der Rationalismus vorgibt, das Ergebnis eines für sich zu sehenden logischen Prozesses. Auch wenn die Wahrheit immer logisch, widerspruchsfrei sein muß, so hat sie ihre Grenzen im Herzen des Menschen. Um es salopp zu formulieren: Die Wahrheit, die sich in den Gedanken eines Menschen widerspiegelt, hängt von der Liebe eines Menschen ab, nicht einfach von seiner "Informiertheit". Sie zielt auf das Sein des Menschen ab, und will es zur Vollkommenheit befeuern. Sie will unser Herz aus Stein vertauschen mit dem göttlichen Herzen.
Das mag manchem allzu frömmlich und tumb erscheinen. Aber den Klugen der Welt hat Gott verborgen, was er den Kindern Gottes erschließt.
*Es geht nicht einmal ums Klima oder um CO2. Das sind lediglich psychologisch-politische
Brechstangen, wo der Zweck alle Mittel heiligt. Wo auch die Lüge probates Mittel ist, und Klimaapokalypten lügen, daß sich die Balken biegen. Gerade
ihnen geht es also nicht um das, was sie als Monstranz vor sich her zu tragen behaupten: Wahrheit. Wissen. Tatsachen. Es geht um Propaganda, um direktes Bewirken von Gefolgsamkeit im Hörer, im Anderen. Nur wenige sind darunter, die tatsächlich ihrer eigenen
Propaganda glauben. Sie sind die Allerbedauernswertesten. Die meisten wissen zumindest ohnbewußt um das Scheinmanöver.
*060519*
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Freitag, 11. April 2014
Teilhabe an der Passion
Nur das, was als Form geistig enthalten ist, kann in seiner Unvollkommenheit, seiner Verletzung, seiner Zerstörung überhaupt als solches empfunden weil gesehen werden. Deshalb empfindet der Geistige - die Perösnlichkeit - mehr Schmerz als der Ungeistige. Deshalb, schreibt Otto Weininger in "Geschlecht und Charakter", empfindet der Mann (bzw. der Mensch im Männlichen, man könnte es so umbrechen*) mehr Schmerz, als die Frau.
Damit ist auch das Leiden Christi das in seiner Größe und Vollkommenheit am höchsten Ausdenkbare. Denn in ihm ist tatsächlich die (historisch gewordene wie zukünftig werdende) Sünde und Bosheit ALLER ZEITEN enthalten. Sein außerhalb der Zeit stehender, und doch in diese hineinragende Geist hat alles Wirkliche der Geschichte gegenwärtig.
Deshalb ist es keineswegs leeres frommes Gerede, wenn die Kirche sagt, daß dem Gläubigen möglich ist, die HISTORISCHEN Leiden Christi seien in ihrer Schwere und Art von meiner momentanen, historischen gelebten Sündhaftigkeit abhängig. Und deshalb ist es kein leeres Gerede, wenn es heißt, daß der historische Mensch die historischen, konkreten, fleischlichen Leiden des Erlösers mildern, diesen trösten, an seinem Leiden sogar teilhaben, ihn entlasten kann, in der Sühne.**
In Christus ist uns das göttliche ewige Grundgeschehen der Erlösung sinnlich (historisch) gegenwärtig geworden, und in den Sakramenten, in der Liturgie, im Kult nach wie vor historisch gegenwärtig.
Die Nachfolge Christi - die der einzige (!) Weg zur Selbstverwirklichung ist - kann deshalb gar nicht anders aussehen als die (grundsätzliche) Bereitschaft, Christ Kreuz auf sich zu nehmen, wie immer es aussieht, weil es immer nur historische Konkretion, relative Gestalt hat. Nicht zufällig steht aber der Tod, das Leiden, am ANFANG des Jahreskreise, an der Pforte zur Fruchtbarkeit und des Lebens. Am Eingang zur Freude an den Dingen der Erde, die diese aus dem Geheimnis des Lebens heraus (aus dem Tod) hervorbringt, und in der sie uns überschwemmt.
Fast alles aber, was wir heute beobachten, ist ein einziger Versucht, dieser Bereitschaft (!) zum Tod (die das Sterben selbst bereits ist) auszuweichen. Die sittliche, schöpferische, kulturelle Höhe einer Zeit bemißt sich ausschließlich an dieser Bereitschaft der Zeitgenossen, zu sterben. Ein Versuch, das Leben selbst doch zu gewinnen, nur auf anderen Wegen, die dieses Sterben ersparen. Und in der Suche nach ERsatzzielen ist der Mensch ungemein erfindungsreich (die Klimawandel-Apokalypse ist dafür prototypisch.) Wer den Moralismus, das "Gutmenschentum" erfassen will, hat es darin erfaßt. Nur dieses Sterben macht offen für die Wirklichkeit - als Moment der je neuen Überraschung.
Die Nachfolge Christi - die der einzige (!) Weg zur Selbstverwirklichung ist - kann deshalb gar nicht anders aussehen als die (grundsätzliche) Bereitschaft, Christ Kreuz auf sich zu nehmen, wie immer es aussieht, weil es immer nur historische Konkretion, relative Gestalt hat. Nicht zufällig steht aber der Tod, das Leiden, am ANFANG des Jahreskreise, an der Pforte zur Fruchtbarkeit und des Lebens. Am Eingang zur Freude an den Dingen der Erde, die diese aus dem Geheimnis des Lebens heraus (aus dem Tod) hervorbringt, und in der sie uns überschwemmt.
Fast alles aber, was wir heute beobachten, ist ein einziger Versucht, dieser Bereitschaft (!) zum Tod (die das Sterben selbst bereits ist) auszuweichen. Die sittliche, schöpferische, kulturelle Höhe einer Zeit bemißt sich ausschließlich an dieser Bereitschaft der Zeitgenossen, zu sterben. Ein Versuch, das Leben selbst doch zu gewinnen, nur auf anderen Wegen, die dieses Sterben ersparen. Und in der Suche nach ERsatzzielen ist der Mensch ungemein erfindungsreich (die Klimawandel-Apokalypse ist dafür prototypisch.) Wer den Moralismus, das "Gutmenschentum" erfassen will, hat es darin erfaßt. Nur dieses Sterben macht offen für die Wirklichkeit - als Moment der je neuen Überraschung.
*Was also nicht heißt, wie heute meist mißverstanden, daß die Frau vermännlichen soll, sondern daß das Frausein Frausein wird und werden muß durch die Männlichkeitshaltung in der es ergriffen wird, weil das Wesen des Logos initial und als "idea" männlich-zeugend ist.
**Die Selbstweihe Tirols an das Herz Jesu, die zum Ende des 19. Jhds. vollzogen und vom Vatikan offiziell approbiert wurde, hat deshalb historische Dimension und Auswirkung. Denn in ihr hat sich freiwillig ein ganzes Land, ein Volk dieser Sühne zugesprochen. Was auch immer an Geschichtlichem mit Tirol passiert ist, kann nur - konkret historisch - unter diesem Aspekt überhaupt verstanden werden.
**Die Selbstweihe Tirols an das Herz Jesu, die zum Ende des 19. Jhds. vollzogen und vom Vatikan offiziell approbiert wurde, hat deshalb historische Dimension und Auswirkung. Denn in ihr hat sich freiwillig ein ganzes Land, ein Volk dieser Sühne zugesprochen. Was auch immer an Geschichtlichem mit Tirol passiert ist, kann nur - konkret historisch - unter diesem Aspekt überhaupt verstanden werden.
***
Sonntag, 4. November 2012
Er wußte es zuvor
Keinesfalls war mit Kopernikus und gar Kepler, beide tieffromme Menschen, mit ihren Entdeckungen ein neues Weltbild geschaffen, und noch weniger war da sihre Absicht. Ganz im Gegenteil, schreibt Franz Vonessen in "Signaturen des Kosmos".
Vor allem Kepler ging von einer uralten Überlieferung aus, nicht zuletzt von Aristoteles, daß die Schöpfung eine große Analogie war, wo sich im Kleinsten dieselben Gesetze fanden wie im Größten. (Was sich heute das "Gesetz der Selbstähnlichkeit" nennt, deren Entdeckung die noch junge Wissenschaft der Kybernetik für sich in Anspruch nimmt.) So war das All mit seinen Planeten eine Analogie zum Menschen. War bis dahin die Sonne noch meist als Stern betrachtet worden so deshalb weil sich in der alten Anschauung des Alls als Organismus zu viele Widersprüche fanden.
Diese Anschauung sah die Sonne als Analogie zum Herzen, als Mitte eines Organismus, der wiederum Organe - die Sterne - hatte. Diese Vorstellung eines zusammenhängenden Systems aus sieben Sternen war ja auch das Bild, das der Menschheit seit je in der Einteilung der Zeit in Wochen zugrundelag, wo jeder Tag einem der Planeten zugeteilt war. Und hier war die Sonne noch in der Mitte, nicht am "Anfang". Denn das liegt bereits in der Grundidee der Gleichsetzung von Sonne mit Herz angelegt.
Kepler war überzeugt von diesem Bild, er fühlte und ahnte es aus tiefer Religiosität heraus. Weil alles in EINEM war, im UNUM, dem Sein, Gott, mußte also auch das Weltall in sich zusammenlaufen, kreisförmig.
Und dementsprechend suchte er auch dieses Bild in seinen Forschungen zu finden. Und es gelang ihm. Niemals wäre er auf die Idee gekommen, daß es "objektive" Kräfte seien, die dieses All zusammenhielten. Es war ihm alles das Wirken lebendiger Kraft, im konkreten Fall der Sonne mit ihren Sonnenstrahlen, die er sich (weil sich die Sonne beobachtbar drehte) wie einen Kranz mit gebogenen Strahlen vorstellte - gleich den alten Sonnensymbolen, wie es sich in der Swastika bereits findet.
Und dementsprechend suchte er auch dieses Bild in seinen Forschungen zu finden. Und es gelang ihm. Niemals wäre er auf die Idee gekommen, daß es "objektive" Kräfte seien, die dieses All zusammenhielten. Es war ihm alles das Wirken lebendiger Kraft, im konkreten Fall der Sonne mit ihren Sonnenstrahlen, die er sich (weil sich die Sonne beobachtbar drehte) wie einen Kranz mit gebogenen Strahlen vorstellte - gleich den alten Sonnensymbolen, wie es sich in der Swastika bereits findet.
Von der Sonne hing alles ab. Darin traf er sich auch mit den Einsichten einer Heiligen Hildegard von Bingen. Das Licht, das Feuer der Sonne, belebte alles und hielt alles zusammen - als Analogie für Gott, der im unzugänglichen Licht weste. Wie es sich in der Herz-Jesu-Idee wiederfindet, in der alles von der brennenden Liebe Gottes belebt wird.
In einem Kreislauf kam alles von diesem Herzen, der Sonne, um wieder zu ihr aufzusteigen. So wie die Erde, mit dem Wasser, das verdunstete, und als Regen wieder zur Erde fiel. So wie die Stürme, die Wetter, die von der Sonne abhingen.
Zur gleichen Zeit entdeckte in England Harvey den Blutkreislauf - aus derselben Grundsymbolik heraus. Man hatte diesen Kreislauf nicht beobachtet, man sieht ja nur, was man zuvor "weiß". Harvey wußte, daß die gesamte Schöpfung nach dieser einen Analogie, die alles durchdrang, aufgebaut war. Also suchte er auch im Menschen danach. Und fand den Blutkreislauf. Auch der war in alten Bildern längst "bekannt", man ahnte, daß es so sein müsse: daß das Blut sich vom Herzen ausgehend - als "flüssiger Planet" - in den Körper verteilte, und dann, geschwächt weil es die Organe gestärkt hatte, wieder zum Herzen zurückkehrte, um sich erneut zu stärken. Aber erst mit Harvey im 17. Jhd. konnte sich das bestätigen. Dieses Bild war der Ariadnefaden, der auch die Kapillaren entdecken ließ - denn es MUSZTE so sein.
Endgültig trennte sich Metaphysik und Medizin erst in der Romantik im 19. Jhd., in ihrem letzten Vertreter, Lorenz Oken. Wie die Physik. Um auch in der Physik noch einen großen letzten Vertreter zu besitzen, in Robert Julius Mayer. Dessen Satz von der Energieerhaltung aus demselben Grundauffassen der Schöpfung wurzelte. Mayer vertrat sogar auch die Analogie, daß sich alles leben der Sonne verdankte, weil sie es sei, von der sämtliche Lebenskreisläufe abhingen: Licht sei das primum movens aller irdischen Vorgänge, und die eigentliche Speise aller lebendigen Organismen.
Die Sonne selbst würde vom Planetenstaub ernährt, die Mayer den Blutpartikeln verglich. Denn auch sie würde sich sonst erschöpfen. Und darin zeigt sich bereits der Abstieg der wirklichen Kosmogenie, ihre Dekadenz. Denn Mayer spekulierte bereits. So wie die Russin Blavatsky, die die Sonnenflecken mit dem Pochen des kosmischen Herzschlags gleichsetzte. Diese Ideen stammen nicht mehr - so wie die frühen, großen Menschheitsideen - aus der Beobachtung, und dem daraus genommenen Erfassen weil Nachbilden des Wesens der Dinge in inneren Bildern, die sich nach und nach in Gedanken ausformen. Sie sind nur noch ausgedacht.
Endgültig trennte sich Metaphysik und Medizin erst in der Romantik im 19. Jhd., in ihrem letzten Vertreter, Lorenz Oken. Wie die Physik. Um auch in der Physik noch einen großen letzten Vertreter zu besitzen, in Robert Julius Mayer. Dessen Satz von der Energieerhaltung aus demselben Grundauffassen der Schöpfung wurzelte. Mayer vertrat sogar auch die Analogie, daß sich alles leben der Sonne verdankte, weil sie es sei, von der sämtliche Lebenskreisläufe abhingen: Licht sei das primum movens aller irdischen Vorgänge, und die eigentliche Speise aller lebendigen Organismen.
Die Sonne selbst würde vom Planetenstaub ernährt, die Mayer den Blutpartikeln verglich. Denn auch sie würde sich sonst erschöpfen. Und darin zeigt sich bereits der Abstieg der wirklichen Kosmogenie, ihre Dekadenz. Denn Mayer spekulierte bereits. So wie die Russin Blavatsky, die die Sonnenflecken mit dem Pochen des kosmischen Herzschlags gleichsetzte. Diese Ideen stammen nicht mehr - so wie die frühen, großen Menschheitsideen - aus der Beobachtung, und dem daraus genommenen Erfassen weil Nachbilden des Wesens der Dinge in inneren Bildern, die sich nach und nach in Gedanken ausformen. Sie sind nur noch ausgedacht.
Nun war die Planetenbewegung natürlich auch mathematisch darstellbar, die Welt findet sich in Zahlen und Zahlenverhältnissen, den reinen Ideen, als ihrem Urbild, die Mathematik ist selbst eine große Analogie. Genau DARAUF, auf dieser Geschlossenheit der Bilder, die sich fragmentiert sogar als Gesetze darstellen ließen (ohne der Ausgang der Prozesse zu sein!), baute die spätere Astronomie und Physik auf: sie löste sich von den alten Vorstellungen, denen sie sich verpflichtet fühlte, denen ein Kepler und ein Harvey noch alles verdankten, und stellte die Zahlenlogik für sich. Descartes schrieb dazu, daß ihm diese alten Bilder zu mühsam, zu hinderlich wären. Es ließe sich viel rascher vorankommen, wenn man sich nur mit den Zahlen und ihren Verhältnissen zueinander befaßte. DAS war die Geburtsstunde der neuen Physik, der "objektiven" Wissenschaften - die sich von ihren Grundschemata, den Gesamtplänen entfernte, und in ihren Teilerkenntnissen den Gesamtbau der Welt aus den Augen verlor.
Aber auch sie baut auf Bildern auf. Nur weiß sie es nicht. Aber das, das ist eine andere Geschichte.
***
Freitag, 5. August 2011
Über den Wert von Lektüre
Man kann Einsicht in die Welt und die Dinge nicht kompilieren - indem man z. B. (auch aus diesem Blog heraus) Lektüre sammelt und "erledigt", wie man einen Motor zusammensetzt, ein Kochrezept befolgt, das am Ende wunderbaren Geschmack ergibt.
Deshalb verstehen auch manche nicht, daß man sich auf Bücher und Autoren beziehen kann, ohne ihre Werke in toto gelesen zu haben. Sich mit Autoren zu befassen kann oft ganz andere Gründe haben - und tatsächlich auch manche Erweiterung, weil man deren Häresie (und jeder Mensch hat seine Häresie, auf seine Art) als Erweiterung des spiralförmigen Weges nach ... (soll ich sagen: Oben?) vorne, im Sinne eines: weiter, plötzlich anziehend findet.
So komme auch ich immer wieder auf ältere Bücher und Autoren zurück, selbst wenn ich sie abgelehnt habe, oder mal weglegte, um in deren Welt wieder einzutauchen, sodaß meine Büchersammlung eine ständig neu zu entdeckende Quelle bleibt, die sich auch aus Vorhandenem nährt, das es auf andere Weise zu entdecken gibt.
Was man aus Lektüre gewinnen kann ist Nahrung für eine Leidenschaft der Wahrheitssuche, die aus sich heraus ihre Anregungen und Arten der Formulierung sucht.
Als ich seinerzeit Sedlmayr's "Die Entstehung der Kathedrale", zum Beispiel, entdeckte, war mir ihr liturgischer Aspekt (in Zusammenhang mit der Baugeschichte des Lettner, ein im Grund erkenntnistheoretischer Aspekt, der bei Florenski und der "Ikonostase" wieder aufgetaucht ist) wichtig und interessant. Heute nahm ich sie wieder her, weil ich die Gotik in ihrem Zusammenhang mit der Lichtmystik des Dionysos Areopagita immer schon erfaßt hatte, und über Kaltenbrunner's "Dionysius"-Buch neu darauf stoße. Und plötzlich sogar Henry Boulad wieder ausgrub, diesen Teilhardisten, um den vor bald zwanzig Jahren als dürr befundenen Strauch aufs neue zu untersuchen, ob nicht doch die eine oder andere Feige im Geäst sitzt.
Literatur ist unermeßlich wertvoll, ganz gewiß, und ich könnte nicht abgrenzen, was ich ihr verdankte, und was "eigenes" Denken (das eigentlich nur ein Streben ist) ausmachte. Aber wenn ich z. B. ein Buch von Walter Tritsch über Mystik hernehme, das neben Boulad stand, und das ich vor zwanzig Jahren als uninteressant, ja langweilig abstellte - und das nun genau das enthält, was ich gerade suchte, dann bin ich wieder einmal erschrocken über die einerseits gegebene Notwendigkeit, immer wieder feste Standpunkte zu bilden, anderseits diese aber nach Jahren wieder aufgebrochen werden müssen, weil sie zu eng geworden sind.
Es sind nicht die Bücher, es ist das eigene Herz. ich bin mit Kierkegaard der Meinung - auch das ein Autor, der mich bislang nicht interessiert hat, und erst jetzt sich zu erschließen anfing, worauf ich plötzlich entdeckte, daß er eine Kernfrage, das worum es mir doch immer ging, die unmittelbare Begegnung mit der Wirklichkeit als einzigen Weg zur Gottesbegegnung, zwischen seine Backen nahm und kaute - mit ihm also bin ich der Meinung, daß es das eigene Suchen und Denken ist, auf das es fast alleine ankommt. Und hier ist Wahrheitssuche nicht vom ganz subjektiven Willen zur Heiligkeit zu trennen. Der Intelligenteste wird nicht über sein Herz hinaus denken können.*
In Büchern, schreibt er, findet er immer nur Bestätigungen (und das ist im Grunde langweilig) für Schritte, die er bereits vollzogen hat, auch wenn er manchmal noch nicht davon wußte. Sie können sogar hinderlich sein, weil sie eigenes Denken überlagern, einengen, in Schächte zwängen, in denen sie furchtbar nach Luft ringen.
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| Lebendige Herz Jesu-Verehrung, Tirol |
Keine Lektüre, kein "Lernen" vermag einen über sich wirklich hinauszuheben. Sie vermag nur beizutragen, zu ernten, was bereits blühte, und man vielleicht gar nicht sah. Den wirklichen Weg muß man selber gehen. Und man muß ihn als wirkliche Entwicklung der Persönlichkeit wollen. Es beginnt, wenn man diese persönliche Dimension begreift. Denn dann erst beginnt die Begegnung mit der Wahrheit - als Person. Nicht als "Gewußtes". Als ... Herz. (Ich hätte nicht erwartet, das jemals so zu sehen.)
"Ego sum via vita veritas."
*Deshalb hat der Rationalismus ja so große Anhängerschaft gefunden - er
liefert über die "Logik", die sich beschränken läßt, weil sie beschränkt
IST, die Ausrede für die eigene Bequemlichkeit, in sich verbleiben zu
können.
***
Freitag, 10. Dezember 2010
Ende der Kindlichkeit
Worauf der Rationalismus und die Aufgeklärtheit der Gegenwart, die im Grunde eine Ausgebufftheit ist, abzielt, ist die Zerstörung der Kindlichkeit. Die sie nur als Kindischheit kennt weil durch eine solche ersetzt, als einzigen Ausweg aus der unbefriedigend erlebten Rationalität. In der Irrationalität, dem Verharren auf A-Vernunft, als dennoch nur rationalistisches Gegengewicht gegen die so spürbare Unfruchtbarkeit und Unwirklichkeit des bloß Rationalen.
Kindlichkeit ist nicht Einfalt der Kindheit, Stehenbleiben im Zustand der Geistlosigkeit, Verlorenheit an die äußere Welt, sondern es ist die "gestorbene Existenz", die Existenz der Gnade, in der Überwindung der Natur. Die Haltung des Kindes ist keine kokette Abrufung einer überlegenen Technik des Zugangs zur Gnade, sondern zutiefst realistischer Ernst einer streng transzendent bezogenen Existenz, die zutiefst vertraut und sich - ohne Reflex aufs eigene Leiden - ausliefert, und man kann ja nur ausliefern, was man besitzt. Nicht reflexiv zufrieden und hochmütig rekognosziert, "naiv" zu sein.
Nur in dieser existentiellen Ernsthaftigkeit, die genaue jene überwundene Angst im Spiel hervorbringt, stellt sich jener wirklich "vereinsamenden Individualität" die Einung mit dem Geist selbst, und in diesem indirekt mit allen Menschen, ein. In jener Vernunft, die sich im "Herzen" (deshalb die Bedeutung des "Herz-Jesu-Verehrung", sie entstand zur selbe Zeit, als der Rationalismus aufkam) seine wunderhafte Ganzwirklichkeit bewahrt und schafft.
Kindheitsromantik gehört nicht zur Kindheit. Das Kind will nicht Kind bleiben, sondern so werden wie die Erwachsenen. Fénelon beschreibt deshalb das Kindlichkeitsideal als Leben in ganz normalem, ruhigem Alltagsvollzug: gewissenhaft, regelmäßig, ruhig, frei und bestimmt. Wenn da Kind wüßte, daß der Indianer nur durchs Gebüsch kriecht, weil er keine Straße kennt, würde sich das Indianerspiel sofort aufhören. Das Paradoxon des (realen) Kindseins - zum Unterschied vom Kindlichsein - ist ja daß es über sich hinaus zielt.
Aber das Kind ist auch gelehrig, wißbegierig, vertrauensvoll, Unbedarftheit, fehlende Heimtücke. Und da trifft es sich in Grundhaltungen mit der wirklichen Mystik gar - nicht mit jenen, die glauben, es gäbe eine Mystik der Einfachheit zur quasi interessanteren Lebensgestaltung.
Das Böse ist auf eine Weise ein Rückbezug auf sich selbst, und der fehlt dem Kind. Das die natürliche Güte des Menschen repräsentiert, ungebrochen spontan sein kann. Der Weg des Erwachsenen geht deshalb nur durch die Reflexion durch, ganz. Er kann sie nicht einfach "ablegen". Er muß sich durch sie selbst austrocknen, muß "zu Ende denken". Der Geist, der sich unweigerlich - als Teil der menschlichen Natur - aus dem Leben in Gemeinschaft erhebt, muß in seiner Unruhe, die immer eine Unruhe des Irrtums ist, zur Vernunft, also der Wahrheit, zurückgeführt werden.
Deshalb ist auf eine Weise auch das Kind nicht kindlich, weil ihm noch sein Geist fehlt - es ist nicht moralisch, sondern steht außerhalb der moralischen Kategorien, es ist anfänglich noch unfähig zu sündigen - und entwickelt sich doch zum Zwiespalt aus Selbstverfehlung aus Schuld und Anspruch der Wirklichkeit: im Doppelschritt Umwelt, Versuchung und Neigung zur Selbstverfehlung inmitten einer vielfachst gebrochenen Welt. Vor allem fehlt ihm erst noch die Zukunftsperspektive, die jedoch unweigerlich mit dem Verstand auftritt, zum vielleicht größten Unglück für den Menschen, das ihn von seiner Unmittelbarkeit wegreißt. Er beginnt, Gegenwart zugunsten der Zukunft zu opfern.
Schon gar, wenn er "erzieherisch-rationalistisch" dazu angehalten wird: indem sie ohne Behutsamkeit vorgeht, und nicht darauf wartet, daß sie der Gnade nicht zuvorkommt, wodurch ihr Ziel verfehlt wird: Den gebildeten Geist zu jener wahren Kindlichkeit wieder zurückzuführen.
Kindlichkeit ist nicht Einfalt der Kindheit, Stehenbleiben im Zustand der Geistlosigkeit, Verlorenheit an die äußere Welt, sondern es ist die "gestorbene Existenz", die Existenz der Gnade, in der Überwindung der Natur. Die Haltung des Kindes ist keine kokette Abrufung einer überlegenen Technik des Zugangs zur Gnade, sondern zutiefst realistischer Ernst einer streng transzendent bezogenen Existenz, die zutiefst vertraut und sich - ohne Reflex aufs eigene Leiden - ausliefert, und man kann ja nur ausliefern, was man besitzt. Nicht reflexiv zufrieden und hochmütig rekognosziert, "naiv" zu sein.
Nur in dieser existentiellen Ernsthaftigkeit, die genaue jene überwundene Angst im Spiel hervorbringt, stellt sich jener wirklich "vereinsamenden Individualität" die Einung mit dem Geist selbst, und in diesem indirekt mit allen Menschen, ein. In jener Vernunft, die sich im "Herzen" (deshalb die Bedeutung des "Herz-Jesu-Verehrung", sie entstand zur selbe Zeit, als der Rationalismus aufkam) seine wunderhafte Ganzwirklichkeit bewahrt und schafft.
Kindheitsromantik gehört nicht zur Kindheit. Das Kind will nicht Kind bleiben, sondern so werden wie die Erwachsenen. Fénelon beschreibt deshalb das Kindlichkeitsideal als Leben in ganz normalem, ruhigem Alltagsvollzug: gewissenhaft, regelmäßig, ruhig, frei und bestimmt. Wenn da Kind wüßte, daß der Indianer nur durchs Gebüsch kriecht, weil er keine Straße kennt, würde sich das Indianerspiel sofort aufhören. Das Paradoxon des (realen) Kindseins - zum Unterschied vom Kindlichsein - ist ja daß es über sich hinaus zielt.
Aber das Kind ist auch gelehrig, wißbegierig, vertrauensvoll, Unbedarftheit, fehlende Heimtücke. Und da trifft es sich in Grundhaltungen mit der wirklichen Mystik gar - nicht mit jenen, die glauben, es gäbe eine Mystik der Einfachheit zur quasi interessanteren Lebensgestaltung.
Das Böse ist auf eine Weise ein Rückbezug auf sich selbst, und der fehlt dem Kind. Das die natürliche Güte des Menschen repräsentiert, ungebrochen spontan sein kann. Der Weg des Erwachsenen geht deshalb nur durch die Reflexion durch, ganz. Er kann sie nicht einfach "ablegen". Er muß sich durch sie selbst austrocknen, muß "zu Ende denken". Der Geist, der sich unweigerlich - als Teil der menschlichen Natur - aus dem Leben in Gemeinschaft erhebt, muß in seiner Unruhe, die immer eine Unruhe des Irrtums ist, zur Vernunft, also der Wahrheit, zurückgeführt werden.
Deshalb ist auf eine Weise auch das Kind nicht kindlich, weil ihm noch sein Geist fehlt - es ist nicht moralisch, sondern steht außerhalb der moralischen Kategorien, es ist anfänglich noch unfähig zu sündigen - und entwickelt sich doch zum Zwiespalt aus Selbstverfehlung aus Schuld und Anspruch der Wirklichkeit: im Doppelschritt Umwelt, Versuchung und Neigung zur Selbstverfehlung inmitten einer vielfachst gebrochenen Welt. Vor allem fehlt ihm erst noch die Zukunftsperspektive, die jedoch unweigerlich mit dem Verstand auftritt, zum vielleicht größten Unglück für den Menschen, das ihn von seiner Unmittelbarkeit wegreißt. Er beginnt, Gegenwart zugunsten der Zukunft zu opfern.
Schon gar, wenn er "erzieherisch-rationalistisch" dazu angehalten wird: indem sie ohne Behutsamkeit vorgeht, und nicht darauf wartet, daß sie der Gnade nicht zuvorkommt, wodurch ihr Ziel verfehlt wird: Den gebildeten Geist zu jener wahren Kindlichkeit wieder zurückzuführen.
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