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Dienstag, 30. August 2022

Gedankensplitter (1434c)

Den Klugen der Welt eine Torheit, den Weisen der Welt ein Ärgernis. Vom dienst an Mammon - vom Sinn der Welt - Damit sind wir an einem Punkt angekommen, an dem wir über das vorgelegte Material jene Verbindugslinien legen können, die nun ein neues Gedankenbild zeichnen lassen. Dafür steigen wir noch einmal an den Anfang zurück, auf die Radiosendung mit Briggs. Darin spricht er mit Patrick Coffin auch über die Problematik der "immer niedirgeren Standards", wenn man bei Aufnahmstests für Soldaten der Frauenquote wegen die Kriterien einfacher gestaltet, damit auch Frauen sie in größerer Zahl bewältigen. 

Seltsamerweise (oder auch nicht, ich habe mit Briggs scfon diesbezüglich korrespondiert, und er hat mir zugestimmt) sagt nun Briggs Folgendes: Es sei nicht nur verheerend in der Auswirkung auf die Kampfqualität der Soldaten, sondern sogar rassistisch, "schwarze Frauen" der Quote wegen zu bevorzugen. (Seinen weiteren Ausflug in Richtung "Gleichheit" - selbst gleiche Leistungsfähigkeit bedeutet ja nicht gleiche Person,Mann und Frau bleiben deshalb trotzdem Mann un Frau - ignorieren wir, er hängt nämlich bemerkenswert in der Luft.) 

Das erfaßt das Problem nicht. So veständlich es ist (Briggs war Marinesoldat während des Vietnamkrieges) daß der New Yorker aus seiner Erfahrung an der Front die Leistungsfähigkeit als Kriterium betont, so muß man dieses Argument zurückweisen. Und zwar aus prinzipiellen (und damit für alles geltenden) Gründen. 

Montag, 29. August 2022

Gedankensplitter (1434b)

Es gibt keine Wahrheit, sondern nur Macht? Es gibt nur die Macht der Gestalt, die von Wahrheit durchformt ist. Der Rest ist Technik, die verfällt - Genau das beschreibt das Wesen dessen, wie  Yuram Harari vorgeht. Der Israeli, der seit Jahren als Guru des Transhumanismus in der bedeutenden Welt von Hand zu Hand gereicht wird, bringt diesen marxistischen Standpunkt - notwendig, um die Menschen ihrer Grundgewißheiten zu berauben, um sie so ins geistige Chaos zu stürzen, woraufhin sie "anfällig" werden für Sicherheiten, die ihnen (durch Personen; wo gibt es mehr Personenkult als im Marxismus?) geboten werden - auf den (Foucaultschen) Siedepunkt: Es gibt keine Wahrheit. Es gibt nur Macht.

Das knüäpft an den Hegelianischen Standpunkt an, daß sich die faktiche Welt immer in einem Gesicht offenbart, das WAHRHEIT IST. Egal wie sich eine Kultur entwickelt, so ist ihr aktuelles Bild IMMER ein Ansatzpunkt, der mit dem nächsten Schritt, der Antithese, zu einer neuen Synthese gelangt, der nächsten Stufe also von Wahrheit. Wahrheit, so Hegel, ist deshalb immer in einem bestimmten Fortschrittsstadium in der Welt existent. Mehr ist nie möglich. Auch nicht für Gott, weil die Welt für Gott der Ort ist, an dem er selbst ZU SICH kommt. 

Sonntag, 28. August 2022

Gedankensplitter (1434a)

Eines der Hauptargumente, mit denen DIE WISSENSCHAFT von sich behauptet, vertrauenswürdig zu sein, ist, daß die Wissenschaft Mechanismen DER SELBSTKORREKTUR habe. Deshalb habe ihr auch niemand Schranken aufzuerlegen, vor allem aber habe sie das Recht, auf Autorität zu pochen.

Solche Argumente nenne ich gerne "Sandwürfe in die Augen". In Wahrheit aber ist das ein Irrtum,denn es sind nicht einmal das. Es sind vielmehr SELBSTWIDERLEGUNGEN des Irrtums, eher der "List der Vernunft" einzuordnen, als der Klasse der Logik.

Donnerstag, 2. Dezember 2021

Keine Warnung, sondern Indiz (2)

Die Fäden laufen wieder zusammen. Die aber nicht die Ideen gesponnen haben, sondern der Plan göttlicher Vorsehung an der Hand der Engel auswarf, auf daß sie sich im Streit mit der schon vorhandenen Erde realisierten. Denn wo Gott gelassen bleibt, müssen die Engel immer streiten. -  Genauso wenig kann man "die Geburtenrate erhöhen", "den Wohlstand fördern" oder "das Klima retten." Aber eine konkrete Tat charmanter Umgarnung beim Treffen mit der leuchtend schönen Frau Brzesina am Hofeingang, beim anschließenden Schweigen vor den Nachbarn, beim Ignorieren bestimmter Menschen vollzogen, wirkt sich auf "die Geburtenrate", auf "die Steuerquote", auf "die Bevölkerungsdichte im 10. Bezirk" und auf die Zahl der Dieselfahrzeuge im SUV-Format aus. Und so weiter.

Daran gedacht hat der Herr Kössitz (eigentlich "Herr von Kössitz und zu Schönau") aber nicht, Gottseidank in den Minuten nicht, in denen er Frau Brzesina (nun "Gerti'chen") ans Mieder ging (die er nun heiraten wird, was nächste Auswirkungen hat). Und warum bzw. was hat das "gefördert" oder "bewirkt"? Weil die Stimmung in der Bevölkerung ziemlich lebensfroh und optimistisch war.

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Keine Warnung, sondern Indiz (1)

Das Auftreten des Wolfes, wie wir es in Europa nun erleben - jüngst sind sogar im Raum Paris wieder Wölfe gesichtet worden - ist ein ganz sicheres Datum des Verfalls unserer bzw. jeder Kultur. Denn der Wolf stößt in Kulturlücken vor, und nährt sich aus dem, was in ihnen entstehen kann. Kultur wiederum heißt, ein Land - ein Land! Kultur ist immer auf Land bezogen, das sogar den Kulturstil gewissermaßen vorgibt, eine Kultur bettet wie heraustreibt, wie der Boden eine Pflanze - mit einem immer sichtbarer werdenden Netz zu überziehen. Das alles in den Logos stellt, in die Grammatik des Göttlichen einbindet bzw. DIESER ZUFORMT (ohne sie ganz zu erreichen, was zu wissen nicht unwichtig ist).

QR Wölfe vor Paris
Dieses Netz ist, wenn es eine Kultur ist und kein (ja, so könnte man es sogar sagen: faschistisches) Pseudogetue und starres Imitat von Kulturfrüchten, dieses Netz ist immer gleich ausgebreitet, nur ist es anfänglich noch dünn, kaum sichtbar, und wird mit der Zeit immer stärker und sichtbarer, bis es für alles, was da auch auftritt einbindende, Platz zuweisende, ordnende Kraft hat und alle Belastungen aushält. 

Sonntag, 22. März 2020

Hymne der Gleichschaltung

Die Radiostationen in ganz Europa spielen es angeblich rauf und runter. Schmalzig, dramatisch, sentimental. "You'll never walk alone." Die Zeitungen propagieren es - das "Lied der Coronaseuche", die Hymne des gemeinsamen Lebensgefühls. In dem 500 Millionen und mehr tun, was eine Diktatur nie so hinkriegen würde: Sie verhalten sich alle gleich, fühlen, denken, reden gleich, "wissen" gleich, handeln gleich ... und stehen alle - gleich - dem großen Bruder alleine gegenüber, gleich in der Angst vor dem anderen, der den Tod bedeuten könnte. 

Spielt es, singt es, aus den Fenstern, in die Höfe hinab, auf die Straßen hinunter, in Euren einsamen Zimmern, spielt es! Seid weniger allein in dem Gefühl, daß es Millionen gibt, die mit Euch gleich sind.

Die Hymne an den guten großen Bruder, der sich um uns kümmert, und alles wieder gut macht.




*200320*

Sonntag, 25. August 2019

Man denkt anhand eines Du (4)

Teil 4)



Das Problem ist nicht primär aber Thomas von Aquin. Der immerhin das Abendland wieder auf gesunde metaphysische Beine stellte, so daß klar war, daß man tatsächlich Gewißheiten über die Welt gewinnen kann, und zwar denkerisch. Das Problem ist, sagt Jones (mit dem VdZ unisono), die von ihm immer noch verwendete Metaphysik von Aristoteles, die nämlich statisch ist. Und damit der dynamischen, trinitarischen Struktur der Welt nicht gerecht wird.

Man kann viel von Thomas lernen, gewiß. Wenn man aber den Sinn der Geschichte erkennen will, sollte man sich an Augustinus wenden. Thomas hat sich nie, meint Jones, ausreichend damit befaßt, vielleicht hat er dazu nur zu kurz gelebt. Für Thomisten spielt deshalb die Geschichte auch kaum eine Rolle.

Anders als für Augustinus, der die Gegenwart Gottes in der Geschichte erkannt hat. So daß die Geschichte die Geschichte göttlicher Vorsehung wird, der die Geschichte mit Christi Geburt betreten, und nie mehr verlassen hat. Nur durch Kenntnis der Geschichte kann man also die Göttliche Vorsehung verstehen. Zeit ist nicht, wie Aristoteles (oder später Newton) glaubten, die Summe der Bewegungen. Ja, Zeit ohne Bewegung gibt es nicht, das ist richtig. Aber Zeit ist nicht die Summe aus für sich stehenden Bewegungsabläufen.

Wer aber nun meint, daß dieses Konzept Hegelianischen Ursprungs sei, muß sich von Jones eines Besseren belehren lassen. Denn dieser meint, daß es nicht vorstellbar ist, daß Hegel nicht ... Giambattista Vico kannte. Der mit seiner "Nuova Scientia" enormen Einfluß auf jene geistigen Kreise gewann, die auch Hegel bestimmten: Mit einem Goethe, einem Herder, einem Hamann. Die gesamte Aufklärung in Deutschland leitet sich somit von Vico her.

Warum hat Hegel das nicht zugegeben, nirgendwo erwähnt? Interessant, was Jones hier als Erklärung anführt: Hegel hat 1806 in Jena seine "Phänomenologie des Geistes", sein Hauptwerk also, verfaßt, diese "Trinität aus der Sicht der Aufklärung". Zur selben Zeit, wo Goethe seinen Faust I schrieb. Und wer erschien 1806 in Jena? Napoleon. Von dem Hegel meinte, er sei der Geist der Geschichte. Zur selben Zeit war das Stubenmädchen im Haushalt von Hegel schwanger. Von eben diesem.

Hegel war freilich brilliant genug um zu begreifen, daß er, wenn er den Sinn, den logos der Geschichte durch die Zeit bewegen wollte, er dies nur über die Dynamik der Dreifaltigkeit konnte. Aber wie begriff man die? Durch Sittlichkeit, durch Askese, durch Kontemplation. Denn die Dreifaltigkeit läßt sich mit Aufklärung nicht erklären - sie beruht auf göttlicher Selbstoffenbarung. Sie zu erkennen ist deshalb Gnade. Und Gnade braucht Sittlichkeit.

Aber diese sittliche Kraft fehlte ihm. Es mußte also einen anderen Motivator geben. Und hier griff Hegel nun auf seine lutherische Herkunft zurück. Auch Luther, dieser "Lustmolch", hatte seine Theologie ja zu einer einzigen Rechtfertigung seiner fehlenden Sittlichkeit und Schwäche gemacht, wenn er behauptete, daß der Mensch ohnehin nichts zu seinem Heil "leisten" könne (also könne man auch lasterhaft wie Luther leben). Also mußte es auch für Hegel einen Weg des Sinns durch die Geschichte geben, der vom Menschen und seiner Sittlichkeit unabhängig war.

Also wurde die Geschichte zu einem automatisierten Ablauf, und der menschliche Wille für unfrei erklärt. Hegel wie Luther haben also dasselbe Profil: Sie fanden nicht die Größe, mit ihrer Schuld umzugehen! Stattdessen haben sie sie wegerklärt. Luther mit der Unfreiheit, Hegel mit der Automatik der Geschichte, der von ihm so genannten Dialektik. Die jede Dreifaltigkeit ersetzte. Fortan war Fortschritt - der natürlich in der Erlösung endete, so daß diese Dialektik mit mechanischer Gewißheit in einer Weiterentwicklung besteht, die genauso sicher kommt, wie bei Luther die Erlösung - völlig unabhängig von der menschlichen Sünde, Geschichte hatte mit menschlicher Sünde nichts mehr zu tun, ja war ein Weg "der Vernunft", des logos somit, sie aus sich heraus zu überwinden.

Das Universum ist für Hegel Sünde, aber deren Mechanismus ist die Dialektik, die aus Schlechtem immer Gutes macht. Und damit landen wir in der Geschichte des logos direkt im Marxismus und Kommunismus, der den Sieg des Proletariats als bereits feststehend verkündet, weil die Sünde der Welt sich als Klassenkampf institutionalisiert. Damit hat Hegel buchstäblich Europa ruiniert! Warum? Weil er keinen Zugang zur Beichte fand, und sich der Sünde nicht stellte.

Damit endet dieses Video-Gespräch. Und wir meinen, nicht mehr viel dazu sagen zu müssen. Was wir am Beginn dieser Reihe als problematische Momente im Denken von E. Michael Jones festgestellt hatten - sie scheinen nunmehr von ihm selbst korrigiert. In einem großartigen Bogen liefert Jones einen brillianten Abriß der europäischen Geistesgeschichte und Wirklichkeit, der jede Minute lohnt, und berechtigte Vorbehalte aus früheren Vorträgen, in denen er eine falsche Ineinssetzung von Dialektik und Göttlicher Vorsehung vornahm, korrigiert und damit ausräumt. Deo gratias.

Aktueller Hinweis: Nachdem immer wieder sämtliche Videos von E. Michael Jones auf Yotube gesperrt wurden, bringen wir den Link zu seiner Webseite CultureWars.com, wo sämtliche Videos abrufbar sind.






Samstag, 24. August 2019

Man denkt anhand eines Du (3)

Teil 3)



Damit war auch das Tor zur Wissenschaft als Erkenntnis über die Welt geöffnet, weil die Logik der Welt mit der göttlichen Logik gewissermaßen zusammenstimmte. Das Denken war nun nicht mehr eine in sich sinnlose, bestenfalls praktisch nützliche Bewegung des Menschen, sondern Teilhabe am göttlichen logos, an der Gedankenwelt Gottes. Und es war noch dazu in der "Gutheit" verankert. (Ganz im Gegensatz zur heutigen Auffassung, dieses über den Positivismus des 20. Jahrhunderts speziell ausgearbeitete Konzept einer in sich leeren Wissenschaft, die nie Wahrheit, sondern immer nur Falsifizierung - siehe Karl Popper - möglich macht.)

An der Abwesenheit dieses Wissens um die innere Grammatik Gottes ist dann später auch der aus dem Arianismus (Nestorianismus) heraus entstehende Islam ("Es gibt nur einen Gott, und der inkarnierte Messias ist NUR ein Prophet", nicht Gott, der logos) gescheitert. Der es nie geschafft hat, die Philosophie mit Gott und Gottes Willen und Denken in Übereistimmung zu bringen. Wo Gott ein Gott der Willkür bleibt, dessen Wege nie "einsehbar" werden - "Inschallah", der alles bringen kann, auch Sinnloses.

In der Dreifaltigkeit hat alles Sinn, und Sinn wird zur Gretchenfrage aller Geschichte. Und richtiges Handeln - "Moral" - wird auf diese Weise zur Übereinstimmung mit dem an der Welt als deren innere Wirklichkeit und Grammatik Erkennbaren. Die gesamte katholische (abendländische) Kultur basiert dann auch darauf, daß das richtige Handeln in der Erfüllung der wahren Natur der Schöpfung liegt. Erst in einem inkarnierten Gott gibt es (sinnhafte) sekundäre Kausalität, kann es also auch innerhalb der Welt sinnhafte Ursache-Wirkungs-Beziehungen geben. Auf eine Weise sind hier Natur und Gott nicht mehr strikt getrennt. Ontologisch zwar sehr wohl, also die Welt IST nicht Gott, aber sie ist Analogie, Ähnlichkeit, denn sie wird von göttlicher Grammatik gewissermaßen geformt, WENN sie dem logos folgt. 

Und das baut jene Vernunft als Möglichkeit ja Pflicht auf, in der Vernunft Gott treu zu bleiben, die diese mächtige, diese geschichtsmächtige Kulturentwicklung möglich machte. Vernünftigkeit und logos (Gott) sind nicht mehr zwei zusammenhanglose Konzepte. Wer die Welt erkennen will, muß also "einfach" beziehungsweise zuvor Gott erkennen. Weil es aber einem Geschöpf niemals möglich ist, die Gedanken eines Schöpfers zu erkennen, es sei denn, dieser offenbart sich, braucht es diese Offenbarung, und damit den realen Offenbarungsträger - die Kirche. Aus sich heraus ist kein Mensch in der Lage, Gott zu erkennen, will heißen: Zu schauen. Das ist immer ein ungeschuldeter Akt Gottes selbst.

Deshalb kommt der spanische (jüdische) Arzt und Philosoph Maimonides im 12. Jahrhundert zur Aussage, daß Gott für den Muslim so etwas wie ein absolut herrschender Kalif ist, der nach Willkür seinen Willen formt und durchsetzt. Gott wird für den Islam zum puren Willen, in dem nicht einmal Gott selbst weiß, ob er im nächsten Moment links oder rechts gehen wird. So ist verstehbar, daß sich in der islamischen Welt nach dem Auslaufen der alten, letztlich logos-basierten hellenistischen Philosophie keine neue, eigene Philosophie mehr entwickelte. Speziell in Persien, meint Jones, und erzählt dies bestätigende Begebenheiten, die er dort erlebt hat, steht diese alte Kultur in einem nie gelösten Konflikt mit dieser islamischen Anforderung, ja identifiziert dies als den eigentlichen Grund im Konflikt zwischen der (persischen) Schia und dem Sunnitentum Arabiens. Gegen das zu widersprechen sich der persische Geist immer aufgefordert sah, ohne freilich, gebunden an islamische Prinzipien ("sola scriptura"), zu einer Lösung zu gelangen. 

Ein Kampf, der sich vor rund tausend Jahren im Islam abspielte und sogar zu einem Bürgerkrieg führte. Aus dem jene Strömung als Sieger hervorging, die den Islam bis zum heutigen Tag bestimmt und dessen Bestehen in der Welt oft zu einer verzweifelten Frucht des Fanatismus wird. Weil sich die menschliche Vernunft damit nicht versöhnen läßt, wir haben hier darüber schon ausführlich gehandelt.

Man kann es auf den einfachen Satz eindampfen: Wer die Welt intellektuell verstehen will, muß ZUERST die Dreifaltigkeit verstehen! Jede Wissenschaft ist deshalb auch sinnlos und zum Irrtum verdammt, wenn sie meint, ohne vorausgehende Offenbarung auskommen zu können.

Die Entwicklung im Abendland, mit dem Aufkommen der Philosophie der Scholastik als Fundamentbestimmung des abendländischen Denkens im 13. Jahrhundert sieht Jones als Auseinandersetzung mit den Averroismus, also der Lehre von den geteilten Wahrheiten: Der  Wahrheit der Theologie, der Philosophie, und der Naturwissenschaft. Die unvereinbar sind, miteinander nichts zu tun haben, und jeweils für sich stehen. Deshalb können sie einander auch widersprechen.

Das stürzt das Abendland in eine tiefe Krise. Die Geschichte der Wissenschaft des Abendlandes begann erst, als 1277 per Lehrentscheidung der Kirche die Einheit der Wahrheit bekräftigt wurde. Wer den Glauben ohne Vernunft will, endet im Fideismus, im Fanatismus. Der aber den Verstand ohne Glauben will, endet im Skeptizismus. Und genau das ist dann auch passiert: Mit diesem Nominalismus zerfällt auch das Abendland bereits ab dem 14. Jahrhundert. Der dann zum Fideismus des Protestantismus eines Martin Luther führt. 

Es entstand aber auch durch den in derselben Bewegung überzogenen Scholastizismus, der sich ob der immer intellektualistischeren Glaubensdispute ("Wieviele Engel haben auf einer Nadelspitze Platz?") jeder Anfrage an die Schöpfung enthob, ein ungeheurer Bedarf nach Empirie. Zweihundert, dreihundert Jahre lang wurde nun die Wissenschaft dominiert von der Faszination der Zweitursachen, als einer Welt, die immer mehr wie eine Mechanik, wie eine materialistische, dingliche, von Gott unabhängige Maschine verstanden wurde. Bis im 20. Jahrhundert die Erkenntnis Gestalt annahm, daß es diese materielle Welt, die angeblich für sich stehende Zweitursache ist, gar nicht gibt. Daß Materie ein Modus von Energie ist, wie Heisenberg feststellen mußte.

Morgen Teil 4)



Freitag, 23. August 2019

Man denkt anhand eines Du (2)

Teil 2)




Der logos-Begriff hat sich aber nicht einmal in China entwickelt, wo im "Dao" (dem "Weg") ein dem logos ("Im Anfang war das Dao ..." - und der griechische Begriff des logos muß gleichermaßen dynamisch als "auf - zu", also als Sinnorientierung und -fülle gesehen werden) sehr ähnliches Konzept existiert. 

Bei den Griechen entwickelte sich diese dynamische Auffassung zur Entwicklung einer Physik, als ein Prinzip der Welt der Körper. Was zur Identifizierung der Erstprinzipien mit Wasser (Anaximander) oder Feuer (Heraklits Feuer als logos in Aktion also) beziehungsweise zur Energie als Basis für alles führte. Was alles in gewisser Weise ja nicht ganz falsch ist. Aber an diesem Punkt kam diese denkerische Bewegung zum Erliegen. Denn die Griechen hatten einfach nicht die Instrumente, um über diese Physik hinauszugehen - es fehlte ihnen schlicht die Offenbarung!

Und darin erst liegt die wahre Möglichkeit, das Wesen der Welt in ihrer logos-Begründung zu erkennen. Denn Gott ist in sich DREIFALTIG. Das heißt in Vater-Sohn-Heiliger Geist sind alle drei Prinzipien der Welt und Schöpfung analog erkennbar: Als Idee (Vater), als Physis (Sohn), die zueinander in der Hauchung des Geistes bestehen. Drei Personen, jede für sich eigenständig, und doch in einem Ganzen gesehen Gott.

So blieb das griechische Denken einerseits stehen, und entwickelte sich zum Sophismus. Anderseits war es aber später sogar die Basis für den Materialismus, der dann mit Galilei beziehungsweise mit der Renaissance (die die Antike re-installierte) durch die Entwicklung rein rechnerischer, physischer Weltbetrachtung (Teleskop, später das Mikroskop) die Ursache-Wirkungs-Beziehung der Welt in immer kleinere Teile auflöste. (Aber immer vor einer Letztbegründung haltmachen mußte; hier haben wir es tatsächlich mit dem Schildkröten-Modell zu tun.) Aber niemand, auch nicht Plato oder Aristoteles, konnte Schöpfung als "Seinsmitteilung" begreifen. Letzterer muß sogar deshalb als direkter Vater des Materialismus gesehen werden, der mangels Alternative der Welt ein mechanisches Ursache-Wirkung-Eigensein zusprach. 

Ein Denken, das sich dann über den Hellenismus, wie ihn konkret Alexander des Großen Eroberung großer Teile der Welt verbreitete. Über den Gedanken des "unbewegten Bewegers" konnte Aristoteles, der Lehrer des mazedonischen Feldherren, aber nicht hinauskommen. Es fehlte die Offenbarung über die Natur des Seins - Gottes! - als Dreifaltigkeit und tri-personale Dynamik als analoge Grammatik allen Seienden (als Teilhabe am Sein). Daß es einen Gott als Erstursache von allem aber geben muß, das erkannte er sehr wohl. Aber er überschätzte die Rolle des Menschen, damit der Geschichte, wo der Starke (Alexander) Instrument Gottes zur Verbreitung des logos wurde, selbst wenn das faktisch mangelhaft war. Aber eine andere Bewegung konnte es nicht geben als die, daß sich Gott der Dinge als Zweitursache bediente: Wenn Alexander den Willen zur Macht hatte, und indirekt den Hellenismus verbreitete, handelte er somit im Willen Gottes.

Zu einer Versöhnung mit dem Konzept Platos von Gott als Summe der Ideen, der als Demiurg (eine Art "Handwerkergott") in die Welt zu deren Bestem (denn eine schlechte Idee kann es in Gott, dem Sein, nicht geben) eingriff, kam es aber nicht. (Aus dem Miß- beziehungsweise Unverständnis des Seins als dem Guten heraus, wo es mit dem bloß Faktischen ineinanderfloß, entwickelte sich später die Gnosis, in der Gott auch das Schlechte schafft.) Erst in Thomas von Aquin kam es zur Zusammenschau (und damit Überschreitung der Griechen), der allen Mangel als "fehlende Vollkommenheit des Seienden" identifizierte, und damit mit dem inkarnierten Gott beziehungsweise der Geschichte als "aktives, über Gottes Liebe wirkendes Ideenbild eines Seins hinter allem Seienden in der Welt" zusammenbrachte: "Aut Deus - aut nihil." Entweder also Gott, oder Nichts. Das Schlechte war und ist immer eine Weise des Nichts, und das Nichts hat kein Sein, es ist nur ein Aspekt des Modus des Seienden.

Zuvor aber findet sich diese Wirklichkeitserfassung bereits im Apostel Johannes (dem Evangelisten). Der einer geistigen Welt der Juden gegenüberstand. (Das Johannes-Evangelium arbeitet den Unterschied zu den Juden und ihrer Gebundenheit ans Faktische ALS Historisches sehr distinkt heraus.) Das griff der Apostel Paulus auf, der aber scheiterte. Nach Jones Meinung sah daraus aber Johannes, daß die Erlösungsbotschaft bei den Griechen aufgrund deren logos-Begriffs-Vorarbeit in der Philosophie viel rascher geistige Fruchtbarkeit entwickeln konnte. Hier war Logik und Widerspruchsfreiheit effizientes Werkzeug, sie waren daran gewöhnt. An sie wandte sich dann auch Johannes mit seinem Evangelium und dessen philosophischer Auflösung.

Der Apostel Johannes (wie der Heilige Paulus in Ephesos) nun griff diesen logos auf. Wenn man nun den Beginn seines Evangeliums "Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott" liest, so offenbart sich darin aber nicht einfach ein Anklang an das griechische und sehr umfassende Verstehen vom logos, sondern - in diesen Sätzen verweist Johannes, der damit eine Genesis der Welt schreibt (Altes wie Neues Testament beginnen somit mit der Schaffung der Welt), in der sich DIE DREIFALTIGKEIT AM WERK zeigt. 

Denn Johannes widerholt sich nur scheinbar. Seine Verwendung vom logos ist vielmehr die unterschiedliche Weise des logos in den unterschiedlichen göttlichen Personen! Jesus, der logos, der seine Ideen vom Vater hat, ging als Gezeugter vom Vater aus, und somit war der inkarnierte logos Gott, Gott war logos.

Und erst in diesem Konzept, das der Mensch nur durch Selbstoffenbarung Gottes erkennen kann (er muß um diese Dreifaltigkeit im Glauben WISSEN, um sie dann auch SEHEN zu können), ergibt das Reden vom logos Sinn. An denen Plato wie Aristoteles noch gescheitert waren, weil sie keinen Weg fanden, Gott "in die Welt hinein" zu bringen beziehungsweise diese dann an Gott angebunden zu erkennen. Denn nun waren Transzendenz und Immanenz Gottes auf einen Schlag gelöst: Ein Gott in drei Personen heißt, daß Gott sowohl in der Welt sein kann - als auch im Ewigen Licht, eben transzendent, im Band des beide umfangenden, einenden Geistes, des Heiligen Geistes, der Vater und Sohn gewissermaßen (und sehr simplifiziert ausgedrückt) "in der Qualität eint".

Damit konnte den Griechen beziehungsweise der Welt erstmals ein "Konzept" der Welt und Wirklichkeit gegeben werden, das als innere Grammatik der gesamten Welt und Schöpfung erkennbar wird. Diese Lösung des seit je ungelösten denkerischen Problems war so beeindruckend und mächtig, so fruchtbar, so erhellend, daß es die Philosophie für Jahrhunderte regelrecht paralysierte. Denken wurde für viele Jahrhunderte zur reinen Theologie, meint Jones.  

Es beeindruckte auch Figuren wie den Heiligen Augustinus. Der zuvor spirituelle (platonische) Wege gesucht hatte, zu Gott im Geiste aufzusteigen - bis er nun erkannte, daß das gar nicht notwendig ist, weil Gott zu uns Menschen HERABgestiegen ist. Und SO, über die Menschwerdung, die Menschen Guten Willens, die das also annehmen wollen, in die Göttliche Wirklichkeit hineinnimmt. Und damit bekommt Geschichte (und Zeit) erstmals einen Sinn! Das war zuvor nicht der Fall, weder bei Plato, noch bei Aristoteles. Dort war die Rede vom logos immer eine Form von Geometrie, als fixes, unbewegliches System ewiger Beziehungen. 

Das ist es zwar auch, auf eine Weise, aber es ist ein fixes System dynamischer Beziehung. Damit bekommt auch das menschliche Dasein (als Existenz) eine innere Dynamik, und ist von der antiken Vorstellung fixer, ewig gleicher Wiederholungen frei. Für die Antike mußte das Seiende, also die Welt, der Kosmos, ewig und anfanglos sein, weil es keine Vorstellung davon haben KONNTE, wie das Seiende ins Sein kommt. Wie eine Welt, die sich bewegt, mit einem unbewegten Beweger zusammengeht.

In der Dreifaltigkeit aber hat es die persönliche Dynamik der freien, unnotwendigen, ungeschuldeten Seinsmitteilung aus reiner Liebe. Im logos war mit einem Mal die dynamische "Kraft" - als Person Jesu Christi - erkennbar, die die Welt ins Sein treibt einerseits, im Sein hält anderseits.

Morgen Teil 3)





Donnerstag, 22. August 2019

Man denkt anhand eines Du (1)

Manche meinen, in diesem Interview habe E. Michael Jones seine bisherige Glanzleistung abgeliefert. Kaum wo habe er so umfassend und tief die Zusammenhänge aufgezeigt, mit denen er sich seit vielen Jahren befaßt und denen er mit jedem Gespräch, mit jedem Buch, mit jedem Text mehr immer greifbarer näherkam und -kommt. So sehr der VdZ den Amerikaner immer geschätzt hat, dem er sogar so manches verdankt, hat er freilich bislang einige Denkprobleme bei ihm gefunden, sie ab und an auch formuliert, der Leser wird sie an dieser Stelle finden. Umso gespannter war oder ist er, zu welchen Ergebnissen Jones nun, wo er sich mit diesem Kernthema aller seiner bisherigen Arbeit eingehend befaßt, nun kommt.

Nun, wir wollen aber auch das gleich vorwegnehmen: Es ist ein Einblick in die aktuellen Denkbewegungen von E. Michel Jones, und darin sind Entwicklungen erkennbar, die uns Freude machen. Das Gespräch ist gewissermaßen eine Operation am schlagenden Herzen, und man merkt stark wie selten, daß es Jones nicht anders geht wie dem VdZ bei Texten und in der Sprache: Daß sich im Gespräch der Gedanke jedesmal neu gebiert. Da ist nichts abgestanden oder nur wiederholt, das ist alles lebendig. Drum messen wir nicht mit dem strengen Urteilsstab, sondern kommentieren, wo notwendig, indem wir unser Mitdenken als Beteiligung an einem Werk verstehen, an dessen Ende, nach dem Schluß dieser Artikelserie, die diese Interviewbesprechung einmal mehr und absehbar wird, für den Leser hoffentlich ein klares, in sich stringentes Bild entsteht.

Spannend fand der VdZ das Gespräch deshalb allemal, das vielleicht nicht sein vollkommenstes, aber sein interessantestes ist, darin stimmen wir manchem zu. Wer Jones Weg etwas verfolgt, weiß, daß er derzeit an einem Buch schreibt, das er vorerst mit "Die Geschichte des Logos und der Logos der Geschichte" betitelt. Jeder Denker (und denken ist immer eine Frage der Konkretisierung in Sprache, also der Erinnerung, des geschriebenen, zumindest des ausgesprochenen Wortes) geht ja seinen Weg analog zu seinem Voranschreiten in der Welt der Begriffe, und der Präsenz dieser Stufen, die er da erklimmt. 

Wo er in stetigem Voranschreiten alle Begriffe wieder und wieder vor dem Antlitz des Ewigen - also der Präformation des logos selbst, dabei "im" logos - "foltert", um sie noch exakter zu erfassen. Ein prinzipiell unendliches und immer unerfüllbares Unterfangen, denn es geht um nichts anderes als um ein Hereinspiegeln des Wissens, des Denkens Gottes, der Geist ist. Weshalb die Haltung dabei das Entscheidende ist. 

Hier von einer gewissermaßen "automatisierten" Entwicklung des menschlichen Denkens als sprachlicher Präsenz des logos auszugehen, wie Jones früher anzunehmen neigte, entspricht jedenfalls nicht dem Wesen des logos, das als Immer-Ewiges "quer" zur historischen Zeit steht, und diese historische Zeit zwar immer einen Einblick in den Stand der Auseinandersetzung mit der Vorsehung (dem Wissen) Gottes gibt, aber keineswegs (wie Hegel es annahm) deren qualitatives Voranschreiten garantiert. Hegels Dialektik einfach so mit Göttlicher Vorsehung und "List" gleichzusetzen, wie Jones es zuvor gerne mal tat, ist damit unzulässig und falsch.

Was immer als Sprache zur Welt kommt, ist vor allem aber einmal ein Zeugnis der Entwicklung des Sprechenden. Jones hätte man hier manchmal schon früher im Sinne eine größere Präzisierung gewünscht, er hätte sich um diesen Begriff speziell - logos - bislang etwas mehr gekümmert. Denn eine gewisse Tendenz zur hegelianischen "pragmatischen Oberflächlichkeit", diesen "logos" einseitig mit Ratio, Hegels Dialektik einseitig als "Kampf von These und Antithese" und "rationale Abklärung und Ausfällung einer Synthese in der Zeit" als nächste evolutive Stufe menschlicher Vernunft zu vereinfachen, konnte man ihm nicht absprechen. In diesem Evolutionismus stecken aber nicht nur massive Widersprüche, sondern sie führen zu einer unheilvollen Entwicklung, wie sie im 20. Jahrhundert in des Jesuiten Teilhard de Chardins Thesen gipfelten. Die heute in einem absurden Heilsoptimismus eine beängstigende Renaissance erleben.

Darin eingeschlossen ist auch dieser gewisse "ökumenische, interkulturelle Optimismus", den man nicht ganz teilen kann. Der aber zweifellos aus den vielen weltweiten Kontakten von E. Michael Jones herrührt. Und wer würde im persönlichen Kontakt in den allermeisten Fällen nicht zu einem eigentlich positiven Urteil über alle Menschen der Welt kommen? Sie sind nicht "so böse", selbst wenn sie völlig andere Weltanschauungen und Religionen vertreten. Aber speziell die Verankerung in einer Religion, in der nämlich, in der man aufgewachsen ist, geht viel tiefer als über bloßen Disput zu lösen wäre.

Denn die Bereitschaft zum logos (und nur darum kann es gehen; kein Mensch "besitzt" ihn oder spiegelt ihn aus sich heraus wieder, das ist immer ein Gnadenakt) als dessen Bejahung ist zuallererst eine sittliche, und damit eine religiöse Entscheidung, nicht einfach eine der Ratio, der Logik, die quasi unter Gelehrten zu klären wäre. Wenn dann im Scheiden noch eher, als im Annehmen und "tun", wie es Denken eben ist: Eine ganzheitliche, ganzpersonale Handlung. 

Der VdZ hat übrigens mit Jones diesbezüglich bereits korrespondiert. Manche dieser möglichen Mißverständnisse haben nämlich sogar mit der Begrenztheit der englischen Sprache zu tun. Die für Philosophie nur bedingte Tauglichkeit hat, weil ihr viele Begriffe einfach fehlen, die aber zu einer Unterscheidung gerade in solchen Fragen unbedingt notwendig sind. 

Jones beginnt das Gespräch mit der völlig richtigen Feststellung, daß der in der Ursünde auseinandergefallene Mensch, der sich nach dem Verlust des Paradieses in einer feindlichen Welt wiederfand, dennoch in der Lage war, die Wirklichkeit der Welt als Ordnung zu begreifen, die ihm zumindest annäherungsweise erfaßbar wird. Die Welt ist dem Menschen aus sich heraus zumindest in den Bereichen, die ihn als Lebenswelt betreffen, erkennbar und seinem Verstand zugängig. Darauf weist vor allem die Sprache hin, die Fähigkeit zur Kommunikation, die ohne einen solchen, allen prinzipiell zugängigen Wahrheitshorizont nicht auskäme. Die Sprache geht dabei dieser Kommunikation voraus (sic!), nicht wie die Evolutionisten meinen, sie wäre dieser gefolgt.

Warum diese Erkenntnis eines allem zugrunde liegenden logos nur bei den antiken Griechen zu einer solchen philosophischen Aufarbeitung kam, wissen wir nicht wirklich. Es ist aber ein historisches Faktum. Nicht einmal das in den indischen Veden zu findende Konzept erreicht diese gedankliche Höhe. 

Bereits hier aber möchte der VdZ einwerfen, daß das von Jones auch hier immer wieder bemühte Beispiel der Erstursachen-Erklärung - alle Bewegung braucht einen ersten, unbewegten Beweger, eine Ursachenfortsetzung ad infinitum ist sinnlos - mit gewisser Distanziertheit zu sehen ist. Denn in Wahrheit muß man Akt und Potens, Ursache und Wirkung, Form und Information der Materie, in diesem Zusammenhang in der Weltschöpfung als einen einzigen Akt sehen. Das wird erahnbar, wenn man den Satz sagt: "Lampe im Raum." Es ist nicht erst der Raum, der durch das Licht zum Raum wird, sondern Licht wie Raum sind in einem einzigen Akt geschaffen. 

Als Gott sprach "Fiat lux!" war die gesamte Welt, der gesamte Kosmos darin bereits enthalten und damit geschaffen! Und zwar als Seinsmitteilung Gottes, nicht einfach als "Anstoßer", dessen Zugang zur Welt fortan immer indirekter und verschachtelter wird. In Wahrheit gründet das Sein alles Seienden, also alle Dinge, in einer DIREKTEN Abhängigkeit vom Sein selbst, das sich allem direkt mitteilt. Die Verschränktheit in der Welt bezieht sich nicht auf die Ursächlichkeit, sondern auf den Weg, dieses Sein in die Welt zur Welt in der Haltung des bittenden Empfangens zu ermöglichen.

Insofern befindet sich das indische (vedische) Konzept der Welt, die auf einem Elephanten ruht, der wiederum auf einer Schildkröte steht, die wieder auf einer Schildkröte steht etc. etc., weniger im Irrtum, als es scheinen mag, wenn Jones davon spricht. Beides war gleichzeitig, und befindet sich nicht in einem physisch-physikalischen oder psychologischen Ursache-Wirkungs-Verhältnis. Das Beispiel taugt also nur bedingt. Denn in anderer Hinsicht kann man natürlich von Ursache-Wirkung sprechen, von Form und informierter Materia in ontologischer Hierarchie. Denn selbst wenn man sich eine Billardkugel und einen Queue vorstellt, so ist der stoßende Stock nicht die "Ursache" der Bewegung der Kugel! Bewegung ist keine in der Kugel beziehungsweise dem Kugelmaterial schlummernde und somit qua Stoß aktivierte Potenz. Der Queue ist über seinen Handhaber nur Anlaß zu einem gewissen, von der Kugel nicht verhinderten Zustand, und nur insofern Ursache. Das scheint klein und unbedeutend, ist aber von größter Wichtigkeit!

Sein fundamentum in re soll, so Jones, diese indische Erklärung in der realen Situation der indischen Gesellschaften haben. Wo sich aus der Situation des Wuchers heraus, wo eine Gruppe die andere über Stärke und Macht beherrscht, ein unumstößliches Kastensystem gebildet hat, das jeden Menschen an dem Platz hält, in den er geboren wurde. Weil es somit gewissermaßen der mächtigeren Gruppe nützlich war. Auch dem muß man widersprechen! Denn der Ursprung des Kastensystems ist durchaus naturrechtlich begründet. Er gründet in der Tatsache, daß jeder Mensch in einen Ort hinein geborgen (geworfen) wird, und seine Erfüllung im Leben NUR durch und an beziehungsweise über diesen Ort finden kann. Daß diese Tatsche von manchen ausgenützt wird oder wurde, steht auf einem anderen Blatt Papier. Die Ursache für das Kastensystem ist dieses historische Faktum aber nicht einfach so. Daß es historisch vom logos wegführte ist ein anderes Problem, hierin hat Jones Recht.


Morgen Teil 2)





Sonntag, 18. November 2018

Die Schatten des Wirklichen in der deutschen Gegenwart (3)

Teil 3)



Dem absehbaren und längst schon (durch Umvolkung und Verdunstung der kulturellen Hegemonie weil Identität) eingeleiteten Zerfall des "Staates Deutschland" in mehrere oder viele Kleingebiete, Regionen und Einzelidentitäten haftet, wenn man das einmal begreift, somit etwas "Natürliches" an. Etwas, das gar nicht anders kommen konnte, weil es ein ideologisches Konstrukt (wie es diese Staatsgründung 1871) war, das einem je spezifisch verwurzelten Volksgemenge aufgesetzt wurde. Daraus muß folgen, daß sich die Gesamtidentität, die nur durch "große Ereignisse" gefestigt und erhalten werden kann (man denke an die beiden Weltkriege; an die Kriegsführungsnotwendigkeit der USA, etc. etc.), die diesen "Staat" durch Begrenzung quasi je neu "schaffen" (weil er sonst gar nicht im Geist der Menschen bleibt als durch Bewußtheit, immer wieder neu zu errichtende Bewußtheit, und das ist eben die Eigenschaft von Positivismen),  daß sich diese "Staatsidentität" notwendig über gewisse Zeit hin wieder auflösen muß. *

Und genau da stehen wir ja heute! Was die politischen Lage der Gegenwart erst so richtig begreifen hilft. Wo die einen das Festhalten an dieser künstlichen Identität ("Deutschland!") fordern, und die anderen sich dieser Künstlichkeit entledigen wollen. Wenn sie auch kein brauchbares Gegenkonzept haben, zumindest nicht darum wissen. Aber unter dieser Perspektive, unter diesem Blickwinkel, löst sich doch etwas von der Verbitterung auf, die beide Lager angesichts ihrer Gegnerschaft zuweilen befällt.

Die historisch-strategische Entwicklung läuft wie das Werk einer Uhr aber genau darauf zu. Denn man muß tatsächlich von einem Ende der Westfälischen Ordnung sprechen. Die somit aus der Zeit heraus in die philosophischen Strömungen eingefügt erkennbar wird, die die europäische Kulturentwicklung seit dem 17. und 18. Jahrhundert zu bestimmen begann. Wo als Wirkung des Nominalismus des auslaufenden Mittelalters heraus die Weichen in Richtung Aufklärung gestellt waren. In der der Mensch nur noch als "animal raionale" begriffen wurde, als "Verstandes-Tier". Das sich ausschließlich durch sein bewußtes "Denken" (das nun nur noch als Rationalität, als mathematische Operation verstanden wurde) als Mensch definierte, und sich diesem Denken gemäß auch in seiner Verfaßtheit jederzeit und beliebig ändern könne.**

Das öffnete auch in der Politik dem Rationalismus Tür und Tor. Und es kam überall zu positiv postulierten Staaten. Denen aber die Verwurzelung in ethnisch-religiös verbundenen, erst so (bzw. aus der Familie heraus) entstandenen Völkern fehlte. Läßt die Kraft dieser positivistischen Behauptung nach - und das tut sie heute angesichts vielerlei Entwicklungen - dann steigen die Menschen wieder auf diese natürliche Basis zurück. Denn nur sie vermag wirklich durch die Geschichte zu tragen. 

Eine noch weitere, größere, umfassendere Sicht macht es also möglich, auch Münklers kleinen "Fehler" zu überwinden (der wohl in seiner Weltsicht per se angelegt ist). In dem er vielleicht zu sehr die Endpunkte der einzelnen Linien in pragmatische Auslösungen stellt. So wenn er sagt, daß es die fast einzige, auf jeden Fall klügste Lösung war, die marodierende Soldateska, die nichts sonst gelernt hatte als vom Kämpfen zu leben, der Kämpfen Beruf war, in stehende Heere zu verwandeln. Denn diese Heere selbst wiederum waren eine andere Konsequenz. Sie waren die Konsequenz des aufdämmernden Zentralismus, der Verwandlung des Staatsbegriffs überhaupt, wie er letztlich durch Frankreich (als erstem zentralistischem Staat Europas) eingeleitet wurde. 

Und dort war das seit hunderten von Jahren vorgezeichnet und hat mit der Herauslösung aus dem Reich - weltlich wie religiös - zu tun. Es war also bereits im 10. Jahrhundert grundgelegt, und nicht zuletzt als Reaktion auf das, was viele heute als Geburtsstunde Deutschlands bezeichnen - unter Heinrich dem Sachsen. Damit wurde die Reformierung als Römisches Reich, als "Weltreich" bzw. "Welt als Reich", in dem auch Frankreich seinen festen Platz hatte, verspielt. Wiewohl selbst noch Kardinal Richelieu von Paris aus eine Re-Integration versuchte, wenn auch von französisch-selbstischen Motiven begleitet.

Denkt man also Münklers Vortrag bzw. das Fazit, auf das er hinweist, wirklich weiter, dann kommt einem das heutige Geschehen (das bereits läuft oder sich wie vorgeschrieben vorhersagen läßt) auf den Weltbühnen gar nicht mehr so fremd und feindlich vor. Aus diesem Erkennen könnte sogar ein Neubesinnen einsetzen, in dem heraus tatsächlich eine Zukunft deutlich wird, die wir uns schaffen können weil müssen. Denn nur das Aktive, das Sinnbestimmte, das eine Richtung nimmt, lebt und ist. Alles andere zerfällt. Es geht also darum, ob wir sie aktiv gestalten wollen, und uns nicht von allem was da kommt einfachhin überraschen lassen wollen.

Ob Herfried Münkler diese Konsequenzen selbst vorhersieht, die Linien weiter verfolgt hat, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Eher bezweifelt es der VdZ. Aber er zeigt Zeichen an der Wand, die so deutlich sind und so viele weiterführende Schlüsse zulassen, daß wir sie ernst nehmen sollten. Denn nur darauf werden wir aufbauen können. Und nur darin werden wir manche Konflikte der Gegenwart überwinden können. Aber auch nur darin werden wir sie überhaupt als zu führende Konflikte begreifen.








*Als einer der stichhaltigsten Belege für die hier vorgestellte These kann die Tatsache herangezogen werden, daß sich weltweit die Regierungen, das Establishment, kurz alles, was sich als "Kopf" bezeichnen ließe, und das sie durch Schul- und Erziehungseinrichtungen mit Nachschub füllt, von den, was sich an geistigen Bewegungen im jeweiligen Volk abspielt, vom gesunden Menschenverstand also, fast vollständig getrennt ist. Ja, diesem diametral entgegensteht. So daß Politik immer mehr nur noch "verhängt", anordnet, sogar heimlich anordnet und die wahren Ziele verschleiert, um den Volkszorn nicht zu sehr aufkommen zu lassen.  Oder das Volk mit dem Schein von Anhörung täuscht (wie durch gelegentliche Anlaßgesetzgebung oder Volksabstimmungen). Während es seine Macht, die es immer natürlich hat, skrupellos benutzt, um den Volksgeist "im Namen des Guten", das nur sie erkennt, zu manipulieren. Nicht zuletzt über den Sprachgebrauch. 

Das zeigt am eindringlichsten, daß die institutionalisierten Staaten und ihre Institutionen nur noch der fiktiven Behauptung und dem Erhalt des nominellen Staatsgebildes dienen, nicht mehr seine eigentliche Gesundheit weil selbstverständliche Einheit aus Volk und Staat hat. Diese Eigenart der Politik ist besonders deutlich eben in Staaten zu erkennen, deren Bestand eine rein positivistische Behauptung ist. Deutschland etwa. Oder die USA. Österreich nicht weniger. In diesen Ländern ist auch der öffentliche Disput ganz besonders eingeschränkt, unfrei und Objekt von Steuerungsversuchen. 

Das ist nicht zu verwechseln (wenn auch nicht ganz leicht zu unterscheiden) mit dem legitimen Bedürfnis einer homogenen Volk-Staat-Einheit, in der die Mehrheitsanschauung im Sinne einer Kultureinheit bestimmte öffentliche und destruktive Meinungsdarstellungen (nicht Meinungen selbst! dafür braucht es immer einen Raum, wo alles, wirklich alles möglich ist, und sei es als Karneval) verhindern möchte. Deshalb ist in unseren seiner Grundlagen fremden Staaten die Forderung nach Meinungsfreiheit innerhalb eines gleichbleiben sollenden Gefüges ein zweischneidiges Schwert, das ist vielen gar nicht klar.

**Kurz gesagt: Unsere europäisch-abendländische Kultur fand im Mittelalter seinen Höhepunkt. Um dann, nach Rückzugsgefechten, Erhaltungskämpfen und Selbstbehauptungsversuchen im Spätmittelalter, ab der Renaissance einen sich mehr und mehr beschleunigenden Abwärtskurs einzuschlagen, in dem sie sich immer mehr zu verfehlen begann. Bis wir uns heute völlig verfehlen. Dann aber muß eine Kultur definitiv zerfallen. Der Westphälische Friede hat somit auf einer Lawine, die bereits talwärts rutscht, noch einmal eine Kulisse zu errichten versucht. Aber es war gar kein Gebäude mehr, denn auf rutschendem Fundament läßt sich nichts mehr errichten. Es war nur "Zeitgewinn".






*161018*

Samstag, 17. November 2018

Die Schatten des Wirklichen in der deutschen Gegenwart (2)

Teil 2)



Zurück aber zu Münkler, zurück zu seinem Vortrag und seinem Zeigen von vier Grundlinien, die das Geschehen, das wir 30jährigen Krieg nennen, trugen und vielfach verstehen lassen. Da ist einmal die staatlich-konstitutionelle Ebene, in der das Kaiserreich seine Souveränität nicht angezweifelt lassen konnte, wie es die Böhmen (und die Niederländer) taten. Denn damals wie heute ist die Reputation eines Staates wichtigstes Instrument in der Außenpolitik, und damit im Eigensein eines Landes. Denn jedes Land findet sich ja in einem größeren geographischen Raum wieder, mit Ländern und Völkern und Interessen, mit denen er wechselwirkt. Zeigt ein Land Schwäche, kann es seine Interessen in diesem Raum nicht mehr ausreichend wahrnehmen, so daß die Entwicklung im Volksleben (kulturell, wirtschaftlich) leidet.

Dann ist da die logistisch-wirtschaftliche Ebene, die den Verlauf des Krieges so wesentlich bestimmte. Und in der die Eskalation der Kriegshandlungen davon getragen war, daß von überall her Geld und Soldaten kamen, die die Konflikte erst möglich machten, dann nährten, und immer wieder neu entfachten. Bis sich ausländische Mächte (Schweden, Frankreich) direkt weil militärisch einmischten. Vieles am Verhalten Wallensteins ist daraus erklärbar: Er steckte in einem Dilemma. Wirklich zu gewinnen war dieser Krieg nicht, er war ein Krieg der Erschöpfung, in dem er gar nicht gewinnen konnte. Er selbst wollte ihn zunehmend nicht, aber er mußte ihn (wie eine Pachtpflicht) führen, weil er sonst ins wirtschaftliche Nichts gefallen wäre.

Dann gibt es die konfessionelle Ebene. Aber die spielt in gewisser Weise nur eine untergeordnete Rolle, auch wenn viele den 30jährigen Krieg als "Religionskrieg" darstellen wollen, vornehmlich, um dem Christentum und noch mehr dem Katholizismus am Zeug zu flicken. Diese Frage war rein politisch gesehen aber eher Unterfutter als Motiv, wenn darin auch nicht unbedeutend. (Man sieht es am deutlichsten am Verhalten des Sachsenkönigs.)

Am ehesten trug diese Frage noch zur Schärfe jenes Konflikts bei, den Kaiser Ferdinand durch Verschiebung des Kurfürstentitels der Pfalz zum Bayrischen Herzog hin riskierte. Den er wiederum aus militärischen Gründen brauchte. Damit aber verschob sich das Gewicht unter den Kurfürsten, die ja den Kaiser wählten, zugunsten der Katholiken.

In diesen Fragen zeichnet sich bereits die Frage um die Natur der Herrschaft ab, die dann in den Absolutismus mündete. Wie er in Frankreich vorbildlich (gewissermaßen) für den Rest Europas wurde. (Schon aus diesem Grund ist das Studium von Ludwig XIV. - mit seinem Kanzler Richelieu ("Könige herrschen, Regierungen regieren") so interessant, der in vielem an den Stauferkaiser Friedrich II. anknüpft, ohne es zu wissen. Sie endete auch in Österreich im Absolutismus der Aufklärung, endgültig in Maria Theresia und ihrem Sohnes Josef II. Sie schufen ein künstliches Österreich. Was sonst hätte 1918 zerfallen können?

Es ist alles also viel grundsätzlicher, als es scheinen mag, die Fragen sind (bis heute) dieselben. Und kamen in der Geschichte Bayerns, als Beispiel, unter Ludwig II. zu tragischer neuer Bedeutung. Weil gerade an diesem entscheidenden Punkt eines neu entworfenen Bismarck'schen "Deutschen Reiches" als "Deutschland". Das aber nur nebenbei. Der Leser möge damit angeregt sein nur nicht glauben, daß diese Herren alle "auf der Nudelsuppe daher geschwommen" kamen. Die wußten schon, welche Bedeutung ihre Fragen hatten. Wissen wir das aber heute noch? Der VdZ meint - nein. Wir sind ein völlig ahnungsloses Zeitalter, ja - ein extrem dummes, vertrotteltes Zeitalter.)
Dann gibt es die europäische Ebene, wo es vielen Mitspielern um Position wie Selbstbehauptung in Europa ging. Den Franzosen, den Spaniern, den Habsburger Kaisern, den Schweden, den Engländern, den Niederländern ... Ja sogar die Türken spielten eine bedeutende Rolle, weil deren Kriege im Osten erst ein so intensives Engagement der Habsburger in Böhmen ermöglichten, weil Truppen im Südosten nicht mehr notwendig waren. Als sich das änderte, die Türken sich wieder dem Balkan zuwandten, hatte das die umgekehrte Wirkung - und trug 1648 zur Bereitschaft bei, Frieden zu schließen. Und die Russen, die Balten, die Polen, weil sie die Schweden in eine gefährliche Situation brachten, in diesem Raum ein Machtvakuum entstanden war, in das Kräfte drängten, mit demselben Effekt wie bei den Habsburgern.

Und dann ist da natürlich noch die rein militärisch-strategische und taktische Seite, die die übrigen Geschehen ebenso maßgeblich bestimmte. Die Art zu kämpfen, die Überlegungen der Feldherren und deren Bedeutung im Schlachtengeschehen, die Militärtechnik und ihre Konsequenzen, die Natur von Soldaten als Söldner, die den Großteil aller Heere ausmachten, was viele Konsequenzen nach sich zog, sich nicht zuletzt entscheidend auf die Länge des Krieges auswirkte, weil sie ihren Broterwerb nicht aufgeben wollten. Alles wieder mit seinen logistisch-wirtschaftlichen Seiten.*

Alle diese Ebenen wirken in- und nebeneinander, sind unaufflechtbar verwoben, eines bedingt das andere. Münklers Darstellung ist deshalb auch so erhellend. Weil er bereit ist, alle diese Bereiche zu überschreiten, und auf die Einflüsse der anderen hin aufzubrechen. So werden interessante Details, die er schildert - so wie Taktik konventioneller Heere, auf den Schlachtfeldern zu kämpfen - nicht zu Ablenkungen, sondern zu Illustrationen. Aus seinen Ansätzen heraus wird das Einzelgeschehen jeweils verständlich, oder viel verständlicher, und man hat am Ende des Vortrags das Gefühl, endlich das Gesamtgeschehen in seinen Dimensionen und seiner historischen Bedeutung hinlänglich zu erfassen.

Sogar die Problematik von "Deutschland" wird greifbar, um das heute so viel kreist. Wie es in der Reaktion des späten 18. Jahrhunderts begann (wo erst der 30jährige Krieg zum "deutschen Krieg" erklärt wurde). Als sich nach und nach diese "Nation" als Staat in Vorahnungen und spätromantischen Sehnsüchten abzeichnet. Obwohl es nie eine solche Identität real gab, nie ein solches "deutsches Volk" gab; sondern eben immer nur spezifische, regionale, kleinräumige Identitäten und damit staatsbildenden immanenten (!) Willen weil dessen immanente, natürliche Voraussetzung. (Erst dann wird ja Staat zur Kulturstufe, und nicht zum Diktat, notwendig zum nur noch zweitwirklich, propagandistisch zu stützenden Korpus eines Zentralismus.)

Wir gehen auf diesen Punkt, den wir hier schon öfter behandelt haben, deshalb näher ein, weil man aus dem Begreifen des 30jährigen Krieges sicher auch besser begreift, warum der VdZ immer davon spricht, daß die Ereignisse von 1871 (wo Deutschland als Staat - wenn man es auch Reich nannte, was aber eher nur noch Camouflage war, um Zustimmung bei allen Einzelstaaten formell zu rechtfertigen - entstand) eine Fehlgeburt war, die scheitern mußte. Und heute dabei ist, zu zerfallen.

Das Geschehen auch in der Gegenwart wird somit in vielerlei Hinsicht vielleicht auch dem Leser begreifbarer. Weil wir ständig mit politischem Geschehen konfrontiert sind, das man nur als "Auflösung des Staates und des Rechts" bezeichnen könnte. Eine solche Entwicklung läßt sich (der Leser sei an die vor kurzem hier beschriebenen Thesen des amerikanischen Militärhistorikers William S. Lind erinnert) somit historisch-zeitlich bestimmen: Sie begann 1648, und endet ... im Heute. Da endet ein aus Irrtümern, die in der Zeit lagen und uns bis heute bestimmen, fehlgeschlagenes Experiment. Es endet die Aufklärung als deren letzte weil mortale Phase.**


Morgen Teil 3)



*Ein Detail, an das man sonst kaum denkt: Es gab nämlich auch Profiteure, die in dieser Zeit aufblühten und reich wurden. Hamburg als logistisches Zentrum etwa. Oder Städte wie Nürnberg, Steyr, Waidhofen/Ybbs, die Waffenschmieden waren. Nicht zuletzt wurde Wallensteins Nordböhmen und -mähren reich, weil es Lebensmittel liefern konnte, was den Schweden freilich nicht verborgen blieb.

**Robert Spaemann zeigt in seinem großartigen Buch über Rousseau, wie der heutige Mensch in allen seinen Regungen, Denk- und Lebensweisen sich in diesem Gipfelpunkt der Aufklärung bereits vorfindet, daß man nur verblüfft sein kann. Auch das ist ein Hinweis darauf, daß wir heute nur die Vollendung der Aufklärung sind, diese also heute ihre Verwirklichung erlebt.





*161018*

Freitag, 16. November 2018

Die Schatten des Wirklichen in der deutschen Gegenwart (1)

Die meisten Monographien zum 30jährigen Krieg 1618 bis 1648 machen den Fehler, daß sie der Versuchung unterliegen, sich den zahllosen Details und Einzelgeschehen zu sehr zu widmen. So daß es schwierig ist, sich daraus so etwas wie ein "Verstehen des Ganzen" zu bilden. Man sieht meist den Wald vor lauter Bäumen nicht, und kaum jemand vermag jene tiefsten Kräfte zu orten, die das Ganze dennoch bestimmen. 

Herfried Münkler macht diesen Fehler in diesem Vortrag nicht.* Stattdessen wählt er vier große Hintergrundlinien, aus welcher Beschränkung heraus vieles Einzelne verstehbar wird. Und darin verdient er Anerkennung - denn er schafft es durch seine Auswahl bis zu einer gewissen Tiefe der Gesamtgeschehnisse. Es geht freilich noch tiefer, Münklers Funde lassen sich in einen noch größeren Rahmen stellen, dazu später.

In einem Krieg, den Münkler in zwei Phasen teilt, wo die eine Strategie (die Suche nach Entscheidungsschlachten) versagte, woraufhin der maßlose und erst wirklich verheerende Krieg anschloß, wie er unser Bild davon bestimmt. In dem eine marodierende Soldateska, der Krieg einziger Erwerbszweig war, zu überleben suchte und aus einem politischen Krieg ein Krieg gegen die Bevölkerung wurde. Denn spätestens nach dem Tod von Wallenstein und Gustav Adolf 1634 löste sich die Ordnung der militärischen Operationen weil Heere weitgehend auf, und diese zerfielen. Größere Schlachten gab es dann kaum noch. Aber dazu trugen auch die taktischen Entwicklungen bei. Wie gesagt - die Ebenen hängen alle eng zusammen.

Genau in diesem Punkt zieht Münkler eine wirklich interessante Parallele. Denn darin zeigt er indirekt, daß die Entwicklung seither (um die sich der Wiener Kongress 1814/15 noch einmal so intensiv bemüht hatte, so daß er sie längere Zeit aufhalten konnte) ein grundsätzlicher Irrtum war. Denn genau das hat sich 1943 vollendet, das man deshalb als das Ende dieser Art von Kriegsauffassung bezeichnen kann, die 1648 formiert wurde. Da war Stalingrad einerseits als das Ende des Glaubens an Entscheidungsschlachten (in Kursk 1944 noch einmal versucht, aber das war nur noch ein verzweifelter Versuch), und mit dem Beginn des Bombenterrors der Alliierten anderseits. Seither herrscht so etwas wie Schockstarre.

Diese mittlerweile allen bewußte Tatsache - daß sich jeder Krieg unter Staaten zum Krieg einer marodierenden Soldateska gegen die Bevölkerungen ausweitet - bestimmte allmählich das politische Denken seither. Und in der Gegenwart werden bereits gar keine Kriege mehr gefochten. Stattdessen findet ein Kampf gegen bestimmte Personen und Gruppen statt. Siehe Cyberwar. Siehe Drohnen. Siehe die immer noch nicht ausreichend rezipierte psychologische Kriegsführung, die den "harten Krieg" weitgehend schon völlig ersetzt hat. Denn heute fallen Staaten und entscheiden sich Kriege durch gezielte Zersetzung ihrer inneren Ordnung, und werden durch den Selbstmord der Feinde gewonnen.



 Morgen Teil 2)




*Was umso erstaunlicher ist, als so mancher Herfried Münkler nicht so sehr unter die großen "Deuter", sondern eher unter die "Vielwisser" eingeordnet haben mag. Darin dem österreichischen Historiker Manfred Rauchensteiner recht ähnlich - und das scheint überhaupt eine Tendenz der gegenwärtigen Historischen Wissenschaft zu sein - der in seinem Monumentalwerk zum Ersten Weltkrieg Detail um Detail aneinanderreiht, 1300 Seiten lang, um nur in einem einzigen Kapitel - dem über den Ostkrieg mit Rußland - zu einem Punkt zu kommen, der ordnet. Sonst nur archivarisch tätig ist. 

Diese reine Aneinanderreihung von (immer damit willkürlich sein müssenden) Tatsachen hat zwar auch seinen Wert, aber sie ist in den Augen des VdZ für einen Historiker - und schon gar für einen Leser - nicht ausreichend und eine rationalistische Berufsverfehlung. Der VdZ kannte Münkler bisher nur unter dergestalten Herangehensweisen, und dessen Aussagen zum Ersten Weltkrieg, die der VdZ kennt, sind entsprechend aussagelos. Aussagelos wie die Bücher von Rauchensteiner. Aber gut, das ist ein Merkmal des heutigen Mißverständnisses von Wissenschaften: Viel - von nichts. Münkler hat diese Impotenz aber in diesem Vortrag durchbrochen. Wenn auch nicht zu Ende geführt.

Es zeigt sich hier wohl, was jedem einsichtig ist: WAS man tut, hängt direkt mit den Anforderungen zusammen, also mit dem Beziehungsfeld, dem Rahmen. Er erst gibt das Wesen vor, er erst (im Faktischen) bedingt seine Wirklichung und damit WELT. Eine derart lächerliche, kastrierte Gesellschaft, wie wir es in allen Bereichen sind, wird deshalb nur Kiki und Lulus zur Antwort bekommen. Der Spiegel wirft diesmal wirklich nur das Gespiegelte zurück. Münkler hatte hier offenbar Glück, der Vortrag ist in den Augen des VdZ seine bislang beste Leistung. Die vielen sonstigen seiner Äußerungen, wie sie in Buchform oder im Netz abzurufen sind, sind belanglos und irrelevant, sind nur Datumfülle, ohne je zum Faktum zu werden. Denn das wird ein Datum nur durch Sinn.





*161018*

Donnerstag, 15. November 2018

Die Schatten des Wirklichen in der deutschen Gegenwart (0)

Vorwort




Was wir heute erleben wird nicht ausreichend unterschieden und deshalb nicht richtig eingeordnet, somit nicht richtig beurteilt. Wir erleben nicht einen "Zerfall der Staaten", so daß sich eine supranationale Ebene als Quasi-Staat einrichten ließe. In Wahrheit zerfallen Staaten nicht - denn es zerfallen auch nicht die Völker, die immanent, also in sich den irgendwann irgendwie auch explizit gemachten Staat errichten und bedeuten.

Was wir heute erleben ist somit, daß jene Staaten als Staatsgebilde zerfallen, an Selbstschwäche und mangelndem Behauptungswillen sterben und sich fremden, feindlichen Einflüssen gegenüber nicht zu wehren vermögen, die gar kein Staatsvolk zur Grundlage haben. Die nur "Bevölkerungen", also "anwesende Menschen" haben. Die also gar keine natürlichen Emanationen sind. Sondern die rationalistisch behauptet und als Behauptung gegründet wurden. 

Staaten, die ein authentisches Volk zur Grundlage haben, zerfallen nämlich mitnichten. Und ihnen fehlt es auch nicht am Selbstbehauptungswillen. Man möge nur die Ungarn hernehmen, auch wenn das ein Beispiel mit Schatten ist (denn der Positivismus des Calvinismus hat in Ungarn viel Terrain). Somit werden manche europäische Staaten - und es sind vornehmlich jene, die die geistigen Fehlentwicklungen der Neuzeit am intensivsten mitgemacht haben - tatsächlich zerfallen. Und nur jene werden "bestehen" bleiben, zumindest auf gewisse Zeit und als formale Konstrukte, die sich zu Diktaturen und Totalitarismen entwickeln. 

Ihnen werden die "Natur-Staaten" gegenüberstehen, egal wie groß oder klein sie sein mögen. Nur in ihnen kann es noch Kultur und Freiheit und Menschenwürde und ein Recht geben, das nicht zu "Gesetzen" verdörrt ist. Und nur dort kann es auch Religion weil Kult und Ritus geben.

Wir erleben deshalb heute das Ende eines Positivismus, der da in geistiger Verirrung meinte, der Mensch wäre in der Lage, Substantielles durch bloßen eigenen, rationalistischen Willensentschluß zu schaffen. Der da meint, es gäbe ein Sein außerhalb des Seins, nur aus dem Menschen heraus. Das wird immer Schein bleiben. Und es zu behaupten ist alles, was der Mensch vermag. Aber irgendwann wird es ihm aus den Fingern gleiten. Irgendwann, weil er nie verstand, die Historie richtig zu lesen. Und verabsäumte, all die Kriege, Konflikte, Verwirrungen und Unbill als Krankheitssymptome eines Scheingebildes zu verstehen.

Was wir heute erleben, ist deshalb der Konflikt von Todesangst und Todessehnsucht, ist Sterbeschmerz und Flucht davor. Die Geburtsschmerzen, die sich da hinein mischen, und die wir freudig-bangend begrüßen sollten, die sehen wir aber nicht. Und deshalb sehen wir auch nicht, wo Furcht und Schmerz nur das Zerfallen und Loslassen eines Scheins bedeuten, in den hinein wir uns trotzig-angstvoll gegründet haben.


Morgen Teil 1)




*161018*

Dienstag, 11. September 2018

Eine der vielen unwahren Legenden (2)

Teil 2) Und es führt zum Wesen der Erlösung





Aus diesem Prinzip heraus aber läßt sich sogar eine Verbindung zur stellvertretenden Sühne Jesu Christi herstellen, der als "König der Könige" stellvertretend für die gesamte Menschheit, die ihm als König wesenhaft unter- und damit beigeordnet war und ist, das Sühnopfer für die Verfehlungen seines Volkes übernahm und selbst "für viele" sein Leben hingab. Noch mehr jedoch müssen wir als Getaufte als in gewissem Sinn "von Christus Gezeugte" begreifen, wenn auch nicht in der fleischlichen Form, wie die Zeugung von Kindern erfolgt, aber durchaus mit letzthinniger Weltzeugungs-Kraft.

Dies nur gesagt, um das aus dem Amorphen herauszuheben, was als eine Art "Ahnung" dazu geführt haben könnte, daß dieses sogenannte "Ius primae noctis", dieses in Europa nie vorhandene "Recht auf die Hochzeitsnacht" doch so leichtfertig in den Köpfen der Menschen verankert werden konnte. Und dort in einem Zeitalter, in dem sich die "Freiheit" insgesamt auf dem Boden einer individualistischen, willkürlichen Anthropologie völlig umzudeuten begann. Wie damals, als Renaissance und Reformation, diese beiden Schwestern, die Gefüge der europäischen Völker so schwer zu schädigen begannen, daß sie zur Zerrüttung einer ganzen Kultur führten. 

Denn diese Bewegungen, wie sie die Hochblüte dieser Kultur, das Mittelalter, beendeten und zu Renaissance und Reformation führten, gehen einerseits von einer realen Vergöttlichung des Menschen** aus (Renaissance), anderseits leugnen sie die reale Wirklichkeit geistiger Entitäten, also des logos, des im Geist und Verstand Gottes wesenden, in der Vorsehung immer in auf ihn ausgerichteten Wissen.

Wenn es aber dieses Recht nie gab, wenn es auch nur zu Zwecken der Verleumdung mißbraucht wurde, so greift es also doch etwas Wesentliches auf. Das aber in einer Zeit des so genannten Nominalismus. Wo also Begriffe, Universalbegriffe immer mehr nur noch als leere menschliche, erfundene***, bestenfalls nützliche Konstrukte ("Cogito ergo sum!") angesehen wurden, denen aber keine ontologische Wirklichkeit zugrunde lag (und jede Idee, jeder "logos" trägt ja einen göttlichen Willen in sich, auch Realität zu werden, ja in ihm IST deshalb Realität), insgesamt nicht mehr verstanden wurde. 

Weil aber ontologische Wirklichkeiten sich im Menschen - in JEDEM Menschen - als ungefaßte, nur geahnte Strebungen ausdrücken, weil sie seine tiefste innere Matrix formen, wurde ein an sich richtiges Ahnen durch eine Lüge abgefangen und bösartig umgelenkt. Etwas, das ja zum häufigsten Repertoire des so zur Sünde neigenden Menschen gehört. Umso mehr damit zum Repertoire von Menschen, die sich gegen die Ordnung der Welt wenden.







**Diese Tendenz ist vor einigen Jahrzehnten in der "nouvelle theology" des 20. Jahrhunderts neu aufgewacht, und findet sich in ganz gefährlichen Wirkungen als Grundlage der Veränderungen in der Kirche im Zweiten Vatikanum ebenso, wie es sich in der "Theologie des Leibes" von Johannes Paul II. zumindest als Tendenz (und dieser Papst hatte mehrere "Tendenzen") zum Ausdruck gebracht findet. Wo das Prinzip der Analogie (Ähnlichkeit des Menschen mit Gott, insofern ist er immer wesenhaft von Gott getrennt, ist die Gnade immer Gottes Werk, nie seines) verdunstet und zu einem In-eins-Fallen von Mensch und Gott wird. 

Zur Illustration: Daß der Priester fleischlich heute eine so große Rolle in der Liturgie spielt - als weltlicher Mensch - ist auf diese geistige Verirrung genauso zurückzuführen wie die Sentimentalität, die die Liebe ersetzt (also keine Liebe, sondern deren interne Simulation ist) hat. Und in nächsten Stufen zu falschen Urteilen über Würde und Nächstenliebe führt (wie jüngst bei der unseligen Verkündigung des Papstes zur Todesstrafe.) Letztendlich ist sogar die Abtreibung eine direkte Frucht dieses Nominalismus, weil der Mensch nicht mehr in seinem Beginnen als "Idee mit Realisationskraft und -willen" begriffen wird.

***Fehlt der logos als das eigentliche Sinn- und Wesensmuster der Welt, das alles trägt, wird auch die Sprache eine rein menschliche Erfindung aus Nützlichkeitsgründen. Sie verliert damit ihre Verbindlichkeit aus sich heraus, als Wirklichkeit in der logos präsent wird, und wird zur bloß noch zwischenmenschlichen, vertraglichen Frage von "Eid", "Verbindlichkeit" und "Gesetz". So nebenbei: So kann dann auch rein weltliches Theater und Schauspiel entstehen. Das sich auch zu dieser Zeit von der Liturgie abzulösen beginnt.





*220818*

Montag, 10. September 2018

Eine der vielen unwahren Legenden (1)

Auf katholisches.info fand der VdZ einen Bericht, dem er sich gleich anschließt, weil er ohnehin schon länger vorhatte, darüber zu berichten. Der Artikel behandelt eine der zahlreichen Lügen, die sich vor allem seit den rebellischen und revolutionären Bewegungen in unseren Köpfen festgesetzt haben, so daß wir sie heute so fest glauben, sie sogar in Unterhaltungsfilmen wie "Braveheart" fröhliche Urstände feiern und dort den dramaturgischen Plot auslösen und tragen. Es geht um das angebliche "Ius primae noctis", also das "Recht auf die erste Nacht". 

Dabei haben (angeblich) Feudalherren das Recht in Anspruch nehmen können, mit jeder Braut der ihnen beigegebenen Bevölkerung - Feudalismus heißt und hieß, daß eine Partialgemeinschaft in der Ideennachfolge einer Familie einem Herren (Vater) beigestellt war, so daß sich aus der Ehe, aus der Familie auch Integrität wie Rechtsstruktur des Feudalismus ableiten lassen - deren Hochzeitsnacht zu verbringen. 

Ein solches Recht aber, das als Analogie somit dem Recht auf Inzest vergleichbar wäre, hat es NIE gegeben.  

Nicht in Europa, nicht im christlichen Abendland. Es wurde vielmehr von einem schottischen Schriftsteller im 16. Jahrhundert, erstmals in einem seiner Werke eingeführt, und hat sich in einem Zeitalter, in dem die Druckerzeugnisse die revolutionären Bewegungen massiv stützten, rasch als angebliche Tatsache verbreitet. Viele Lügen wurden auf diese Weise in dieser Zeit in die Welt gesetzt, die nur ein Ziel hatten: Die bestehenden Ordnungen zu stürzen, sie fragwürdig und moralisch verächtlich zu machen. (Die Mär von der "Päpstin Johanna" ist übrigens eine davon.) Und die dazu auch Texte völlig neu zu lesen begann, also von ihrem geistigen Hintergrund (der immer persönlich, ganz-wirklichkeitsbezogen ist) lostrennte.*

Wenn es so ein "Recht" auf der Welt überhaupt jemals gab, dann vereinzelt und in vordenklichen Zeiten. So wird im Gilgamesch-Epos davon berichtet, und auch Herodot erzählt von dieser Praxis bei afrikanischen Völkern. Das hat schon deshalb gewisse Glaubwürdigkeit, weil sich die Akzeptanz eines solchen Rechts beim Volk ganz gewiß an einer religiösen Fundierung ausrichtete. Und diese Bedingungen finden sich nur in zentralistischen Völkern (wie sie für afrikanische Völker, aber auch für Mesopotamien bekannt und üblich waren), in denen also ein Volk zur Gänze von einer Zentralfigur, dem Herrscher, direkt und physisch abzuhängen glaubt. Daraus entstand eine Art "heilige Mission" des Herrschers, auch physisch für Vermehrung im Volk zu sorgen, um es auf diese Weise in die Sphäre der Göttlichkeit, die er persönlich und fleischlich darstellt, hineinzuheben.

Aber diese Lüge hat doch gewisse, wenn auch fehlgedeutete ontologische Wurzeln

Dies ist eine ungeistige, also barbarische Sicht eines metaphysisch sehr wohl richtigen Seinszustandes, in dem der Herrscher als Repräsentant Gottes in einer Logos-Verbindung (also als ein geistiger Organismus, der dann auch die Realität durchwirkt) mit seinem Volk steht. Diese Tatsache ist weltweit und in allen Kulturen präsent und war vor allem immer präsent. Auch bei den Germanenvölkern, also unseren Vorfahren. Daraus ergab sich nämlich die Forderung, daß König und Kaiser (China ist ein bekanntes Beispiel dafür) stellverstretend für ihr Volk lebten und sich deshalb auch gottgefällig verhalten mußten. 

War das nicht der Fall, so sah sich das Volk dem Zorn Gottes ausgeliefert, der es selbst treffen würde. Also hat man darauf gedrungen, daß der Herrscher zurücktritt, oder ihn sogar geopfert (eine Praxis, die aus China bekannt ist, aber auch von vielen anderen Völkern). Das war aber für die Noblen sogar eine Pflicht. Somit hing die Legitimität einer Herrschaft von der vorbildlichen Lebensweise der Herrscherfiguren ab. Und das - ja: nur das! - war für ein Volk eine Art Garant für eine gerechte Regierung und Lebensweise, in der ein Volk vor Gott Wohlgefallen fand und mit seinem Segen rechnen konnte.

Das führte verschiedentlich zu schweren Fragestellungen, wie wir aus Aufzeichnungen und Traditionen wissen. Etwa wenn es Mißernten oder verlorene Kriege gab - war der Herrscher schuld? Oder auch, wenn er nicht schuldig war, weil vorbildlich lebte: War Gott, der das Volk durch Hungersnot oder was auch immer strafte zu besänftigen, wenn man den Herrscher opferte? Und dazu kam es in vielen Kulturen. Ja, wer unsere heutige Zeit der "Demokratie" zu lesen vermag wird nicht umhinkönnen, selbst hier diese Matrizen in der Tiefe der Seelenbewegungen der Völker zu entdecken.


Morgen Teil 2) Und es führt zum Wesen der Erlösung


*Was sich durch die Rolle geschriebener Texte und Urkunden in der Rechtsgeschichte bereits vorbereitet findet, die sich in der "ersten Renaissance" im 12. Jahrhundert einleitete. Und nicht zufällig ... im Dienste von willkürlichen Manipulationen, weil solche Texte dem Mißbrauch Tür und Tor öffneten, weil eine Wirklichkeit vortäuschen konnten. Texte bekamen damals erstmals eine eigene Wirklichkeit zugesprochen. Schlagartig änderte sich deshalb auch die Rezeption ("sola scriptura" folgt daraus) von Texten.






*220818*

Samstag, 21. Juli 2018

Ein Ereignis des Nominalismus (7)

Teil 7)




 








*Seit dem Zweiten Vatikanum kommt es scheinbar nur noch auf "die innere Haltung" an. Heutige Liturgie präsentiert sich folgerichtig als ständiges psycho-methodisches Herumpfuschen an "inneren Haltungen", Frömmigkeit wird zur psychogenen Evokation von "inneren Gestimmtheiten". Während das, was eben diese innere Haltung (oder Gestimmtheit) erst vermitteln würde, das Himmlische, das Heilige, also die Liturgie, völlig relativ geworden ist. Die Ordnung des Heils wird seither von der Ordnung der Dinge und den Gestalten losgerissen, diese sind unbedeutend.





*130618*

Freitag, 20. Juli 2018

Ein Ereignis des Nominalismus (6)

Teil 6)



Es ist eine belegte Tatsache, daß deshalb die Hierarchie der Kirche von Marxisten und Homosexuellen direkt unterwandert werden mußte. Nur wenn man die Kirche zerstörte, ihre Autorität aushöhlte, konnte man sie als Block gegen die Atomisierung der Gesellschaft ausschalten. Dazu waren die Priesterseminare bestens geeignet, wo Lehre (über die Aushebelung der Lehre durch "Wissenschaften" über oligarchischen Einfluß - im Funktionskreis Stiftungen, bezahlte Studien, Medienmacht, Einfluß auf die Politik - haben wir an andere Stelle bereits geschrieben) und Prägung der Lebensführung zusammenfallen. Und mit dieser Unterwanderung gelang es. Es gibt Zahlen die belegen, daß der Großteil der Mißbrauchsfälle (67 Prozent) männliche pubertierende Jugendliche (12-16) Jahre) betrifft, und die Täter sind zu zwei Dritteln Priester, die als aktive Homosexuelle bekannt waren.  Das Problem der Kirche ist also nicht Pädophilie! Es ist Homosexualität. Denn hier geht es eben nicht um Fertilität, sondern in deren Sexualität geht es nur um sexuelle Lust. Und das beste Objekt dafür ist der noch unfertile Jugendliche, von dem keinerlei Konsequenzen zu erwarten sind.

Das führt wiederum zur Zerstörung der Institution. Denn wenn man sie schwul und weich macht, wer sollte sie noch ernstnehmen?  Wer hingegen einen männlichen, klar identifizierbaren, sittlich lebenden Priester erfährt, der treu die Lehre verkündet, ändert sich in den Augen der Menschen auch Bild und Autorität der Kirche. Und wer sonst als die Kirche sollte beim Kampf gegen das Übel, gegen die Sünde am besten Bescheid wissen? Hier zumindest erwarten die Menschen die entscheidende Kompetenz.

Das bringt wieder zurück zum Zweiten Vatikanum. Für Geyer ist der entscheidende Punkt gewesen, daß die Kirche ihre Ekklesiologie geändert hat. Das heißt die Sichtweise, was sie ist, und wie sie aussehen muß. Vor dem Konzil waren die Sichtweisen mit denen der Orthodoxie praktisch deckungsgleich, und führte sich auf das Konzil von Nicäa zurück. Wo es im damals festgelegten Credo heißt "ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche".  Man beachte vor allem das Wort "eine". Wer in Gemeinschaft mit dem Papst von Rom war, oder in der Orthodoxie: in Gemeinschaft mit der apostolischen Sukzession, der gehörte zu dieser einen Kirche.

In Lumen Gentium aber wurde die eigene Identität plötzlich geändert. Noch zwanzig Jahre zuvor hatte Pius XII. in Mystici Corporis klar festgestellt, daß die römisch-katholische Kirche die originäre, auf Jesus und die Apostel zurückzuführende Kirche ist. Lumen Gentium sagt nun, daß diese Kirche in der römisch-katholischen Kirche "subsistiert". Das heißt nichts anderes, als daß sie auch in anderen "Kirchen" sein könnte, zumindest könnte man es so deuten, auch wenn Benedict XVI. noch meinte, daß es heiße "ist". Aber so steht es eben nicht da. Und daß das anders gedeutet werden konnte, hat sich bald gezeigt. Plötzlich kamen dogmatische Interpretationen auf, daß die Kirche auch andernorts zu finden wäre. Zum Beispiel - in den protestantischen Kirchen.

Wieder derselbe (nominalistische) Vorgang wie oben bereits ausgeführt: Plötzlich waren die Dinge eben nicht mehr sie selbst, nicht mehr notwendig sie selbst! Plötzlich hing was sie waren von dem ab, was man in sie "hineinlegte", womit man sie also verband. Form und Inhalt wurden getrennt, würde ein Scholastiker sagen (was Florian Geyer freilich nicht ist.)

Damit hat die Kirche ihre eigene Autorität zerstört und vor allem die Rückbindung der eigenen Gläubigen an diese römisch-katholische Kirche, denn diese hat sich "branched off", also in Seitenzweige aufgeteilt. Ihr Ganzes war plötzlich eine Art Summe aus allen möglichen "Teilkirchen". Damit hat sie sich sogar auf den Boden des aufklärerischen Humanismus gestellt. Mit diesem "Ökumenismus" kam sie exakt ins Fahrwasser der Oligarchie. Es waren nicht zufällig Stellen wie die Rockefeller-Stiftung oder Rothschild, die die Entwicklung einer neuen Liturgie (NOM) finanzierten.

Die Kirche nach dem Zweiten Vatikanum ist deshalb eine ANDERE Kirche als die vor diesem Konzil, sagt Geyer. Mit einer eigenen, neuen Liturgie. Es sind zwei verschiedene Religionen. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Kunst und in der Architektur, wo der Bruch am deutlichsten wird: Plötzlich "passen" die alten Kirchen nicht einmal mehr, und die neu gebauten sehen völlig anders aus.  Eine völlig neue Musik kam auf. Eben: Eine völlig neue Art der Kommunikation, der Sprache der Kirche zeigte sich. Die in sich häretisch ist, wie oben bereits ausgeführt wurde.

Das ist der Hauptpunkt der Kritik von Florian Geyer am Zweiten Vatikanum. Er ist ekklesiologischer Natur. Die Kirche nach dem Konzil ist eine andere Institution, der Katholizismus VOR 1962 und NACH 1965 ist unvereinbar, er wurde eine andere Religion. Herauskam eine alchemistische Religion, die die isolierten Bestandteile der Tradition neu zusammenstellte und so eine Kontinuität vortäuschte, die nicht mehr bestand. 

"Ein Ensemble von richtigen Teilen hat die Wahrheit als unteilbares Ganzes ersetzt."

Als das Ganze einmal zerstört war, blieb im Grunde nur noch die Sprache der Feinde der Kirche übrig, der Nihilismus zugrunde liegt. Es ist auch nicht einfach Pragmatismus, es ist britischer, newtonischer Empirizismus.

Wo der Monarch als oberste Macht im Staat abgesetzt wird, folgt automatisch und unweigerlich die Herrschaft der Oligarchie. In ihren Händen konzentriert sich nun die Macht. Und das Besondere an diesen Leuten ist, daß sie Chamäleons sind. Diese Leute glauben nicht wirklich an etwas, vor dem sie sich rechtfertigen müßten, nach dem sie gemessen werden könnten. Deshalb können sie auch vor keiner weltlichen Institution zur Rechenschaft gezogen werden, sie haben keine über sich! Darum findet man sie auch an allen Stellen der Erde, egal auf welcher Seite. Sie haben die IG-Farben oder Hitler genau so finanziert wie die Anti-Hitler-Front. Das einzige, dem sie folgen ist - Macht. Und das einzige, was sie bewegt ist der Eros der Macht.

Diesem Eros der Macht ("libido dominandi"), der auf keiner Sittlichkeit beruht, entspricht (wir werden über die Zusammenhänge noch handeln) wie entspringt auf gleicher Ebene das Streben, den anderen zu demütigen, indem man ihn nach unten (und unter einen selbst) zieht. Ihn in Versuchung führt, ihn zu korrumpieren versucht. Denn diese Menschen wissen um die Hohlheit ihrer Macht vor dem Hintergrund des Absoluten.

Morgen Teil 7)




*140618*

Sonntag, 15. Juli 2018

Ein Ereignis des Nominalismus (5)

Teil 5)




Es ist nicht unwichtig zu sehen, daß die von den Juden heute ausgeübte Religion nicht identisch ist mit der der Juden im Alten Testament. Dazwischen steht ein Bruch mit der Tradition, man könnte sagen, daß es nach den Jahren 129/130 (Aufstand von Simon bar Kochbar) mit Sohar und Torah zu einer Neugründung kam. Die originalen Deszendenzen wurden zerstört. (Die exakten Abläufe und Zusammenhänge aus der Sicht von Florian Geyer finden sich am Video rund um min. 57, das am Ende dieser Artikelserie gebracht wird.) 

Auch wenn es heute schwierig ist, über diese Themen zu sprechen - wer immer den Judaismus oder Israel kritisiert muß sich sofort dem Vorwurf des Antisemitismus (mit der Beinote des Holocaust) stellen -  muß doch festgehalten werden, daß die Wahrnehmung jüdischen Einflusses historisch immer mit der Wahrnehmung von subversivem Einfluß auf die Mehrheitsgesellschaft einhergeht. Geyer sieht es freilich nicht so einfach, man unterschätzt, meint er, die Multipolarität innerhalb des Judentums selber.  

Und es würde auch an der Wirklichkeit vorbeigehen, die Juden alleine für den Niedergang der westlichen Kultur verantwortlich zu machen. Gerade bei den einflußreichsten Kräften (die Personen sind) verschwinden diese Aspekte und spielen keine Rolle mehr. Einem Rothschild sind die Juden völlig egal! Vielmehr haben wir es mit einem wirklichen geistigen Kampf zu tun, der im Letzten ein Kampf gegen Satan ist. Man darf deshalb nicht übersehen, daß es im Letzten um uns und unsere Sünden geht, in denen wir selbst verharren! Es liegt also an uns, wir sind nicht einfach Manövriermasse in den Händen anderer. Nur weil wir selbst Sünder sind, können etwa Juden oder Freimaurer Erfolg dabei haben, unsere Gesellschaften zu untergraben. Das Problem ist die menschliche Korrumpiertheit, unsere eigene Korrumpiertheit! 

Der geistige Kampf geht gegen unsere Sünden. Pornographie ist die effektivste Waffe gegen uns, weil wir so anfällig sind. Wirkliche Macht zeigt sich in Informationsmacht, in der Macht über die Daten über den Internetverkehr auf Pornoservern, in der Finanzmacht, die der Alchemie gleich kommt. In diesen Dingen wird uns Aufstieg zu Glück und letztlich Gottgleichheit versprochen. Hier sind sehr klare Analogien zwischen der heidnischen Priesterschaft Babylons und den wirklich Mächtigen der Gegenwart zu finden. Man kann deshalb George Soros durchaus mit einem babylonischen Magier vergleichen. 

Wer das Geld kontrolliert, kontrolliert die Unterhaltungsindustrie und die 'social media', und beeinflußt damit unsere Begierden. Insofern kann man von einer geheimen Regierung sprechen, denn diese Kräfte haben Macht, uns vielfach zu täuschen und zu manipulieren. Aber der wichtigste Kampf dagegen muß unser eigener Kampf um Verantwortung sein, muß die Bereitschaft zu bereuen, der Wille uns zu bessern sein. Ohne zu vergessen, daß wir mit bestens organisierten Mächten zu tun haben, die jede Lücke ausnützen, um uns zu Fall zu bringen.  

Das Gespräch schwenkt bei 1:09:00 zum "social engineering". Denn in der Vergangenheit sind wir immer in homogene Gemeinschaften hineingeboren worden, die uns Halt und Stütze waren, die uns geprägt haben und unser Verhalten in die Sicherheit einer Gemeinschaft mit gemeinsamen Wertvorstellungen eingebettet haben. Es ist reine Propaganda zu behaupten, daß der Mensch immer als Individuum handelt. Vielmehr ist alles was wir tun von sozialen Bezügen durchwirkt, und der Mensch braucht auch diese Eingebettetheit in eine weitgehend mit ihm homogene Gemeinschaft. 

Diese Kommunitäten (mit dem Zentrum der Familie) waren durch ihre Stabilität bis ins 20. Jahrhundert ein Machtblock gegen die westlichen Eliten (Oligarchen). Deshalb waren sie bevorzugtes Ziel ihres Kulturkampfes, der ein Kampf um Macht war und ist.  Das führt zu dem Punkt, warum Putin ein so populäres Ziel der Oligarchie des Westens ist. Denn er ist der wohl einzige ernsthafte Christ an der Spitze eines Staates, weltweit. Und in seiner Weltanschauung ist er der einzige, der der Aufklärung entgegensteht.

Die Zerstörung der Autorität der katholischen Kirche hat jeden höheren moralischen Standard ins Mark getroffen und ausgelöscht. Selbst wenn man ihr gewisse Restriktivität oder Formalismus da und dort vorwerfen könnte, so ist das immer noch die bessere Alternative, denn der Mensch muß sich gewahr bleiben was ihm "blüht", wenn er sündigt: Er verfehlt sich selbst weil seinen Sinn, und er wird, wenn er das tut in der Hölle landen. Selbst die schlechteste Form von Katholizismus ist noch besser als dieser völlige Niedergang der Moral, den wir heute erleben. 



Nächsten Freitag Teil 6)




*140618*

Samstag, 14. Juli 2018

Ein Ereignis des Nominalismus (4)

Teil 4)



Und das führt zu den Kulturkampfaspekten des Zweiten Vatikanums. Die in Nostra Aetate seinen unrühmlichen Höhepunkt fanden. Denn mit einem Mal wurden die Juden von ihrer Verantwortung für den Tod Jesu Christi losgesprochen. Der als ontologische Tatsache, die als allem Judentum zugrundeliegende seinshafte Beziehung verstanden werden muß, also mit Rasse etc. nicht das geringste zu tun hat. Aber nur aus dieser seinshaften Beziehung bzw. Beziehung zum Sein (und der in ihm liegende, aus ihm stammenden Ordnung) läßt sich das Wesen des Judentums begreifen. Und seine Grundausrichtung als ... Rebellen gegen jede Form christlicher bzw. (um an oben anzuknüpfen) "aus der Liturgie gespeister" Ordnung. 

Darin zeigt sich aber noch etwas: Es zeigt sich, daß der Individualismus der Aufklärung, der dieser Erklärung zugrunde liegt (es gibt damit keine "Kollektivschuld" oder ähnliches als Form kollektiver Prägung einer Geisteshaltung oder Religion) demselben Nominalismus entstammt, der im Zweiten Vatikanum Einzug in die Kirche hielt. Der Individualismus aber übersieht, daß der Mensch zutiefst in eine Gemeinschaft eingebunden ist, ja ohne Gemeinschaft würde er nicht einen Tag überleben, hätte keine Sprache. Der Einzelne verdankt sich also in höchstem Maß auch der Gemeinschaft, in die hinein er geboren wurde, und ihre Grundprägungen prägen auch ihn. (Um das zu sehen muß man überhaupt nicht in genetische Faktoren absteigen.) Jeder Einzelne wird VOR jeder Individualisierung also von einer "corporate identity", einer gemeinschaftlichen Identität geprägt, der er aufs Erste alles verdankt. 

Das baut sich in Stufen auf, die sich auch historisch ausprägen. Die erste ist die Familie (die als erweiterte Familie zu verstehen ist, also Generationen und Nebenzweige umfaßt), die in den Stamm ausgreift. Deshalb muß auch Jesus Christus als Teil seines Stammes gesehen werden.  Und genau dieser Stamm wandte sich gegen ihn und verurteilte ihn zu Tode. Deshalb muß - und die Kirche hat das immer getan! - der Tod des Gottmenschen Jesus direkt auf die (konkreten) Juden bezogen werden. Die in einem (weiter vererbten) Schuldverhältnis dem göttlichen Erlöser gegenüber standen und bis heute stehen. Das führte zu den Vorbehalten, die die Kirche gegenüber Juden hatte. Die in "Sicut Iudaeus non" allerdings jede direkte Verfolgung von Juden verbot. Dennoch herrschte Mißtrauen, und Juden waren so lange geduldet, auch in ihrer Religionsausübung, solange sie sich nicht gegenüber der christlichen Mehrheitsgesellschaft subversiv verhielten.  Juden durften nicht verfolgt werden, aber umgekehrt durften Juden die moralischen Prinzipien der Gesellschaft nicht antasten. 

Damit brach das Zweite Vatikanum. Was damit aber passierte war, daß der jüdische Einfluß auf die Kirche quasi legitimiert wurde. Damit wurde auch die Kooperation zwischen der katholischen Hierarchie und dem organisierten Judentum legitimiert. Und damit öffnete man sich dem organisierten (und sehr mächtigen) jüdischen Einfluß. Noch dazu, wo sich die Juden weltweit als Teil einer großen Familie sehen. Aber die Haltung von Juden gegenüber dem Christentum hat sich nicht durch diese einseitige Proklamation der Katholiken geändert. Das zeigt sich im Talmud, der die interpretative Schrift zur Torah ist, dem eigentlichen mosaischen Textkorpus und spätestens seit dem frühen 2. Jahrhundert maßgeblich (und identitätsstiftend) für das Judentum war.

Man muß deshalb als eine der Folgen sehen, daß genau damit die Tore dafür geöffnet wurden, daß christliche Gesellschaften atomisiert wurden. Dieser Effekt ist bei protestantisch geprägten Gesellschaften noch stärker, denn einerseits spielt dort das Alte Testament eine größere (und buchstäblichere) Rolle, und anderseits führt sich ihre Bibelübersetzung (Luther!) auf jüdische Rabbis zurück, ist also von deren Glaubensgewebe geprägt.


Morgen Teil 5)




*130618*