Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Erneuerungsbewegungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Erneuerungsbewegungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 18. September 2022

Gedankensplitter (1437)

Es gibt einen bemerkenswert hohen Anteil von Menschen, die sogar also "besodners religiös" dargestellt werden (und sich selber so darstellen), deren Religiosität nichts anders als das Auspressen des RELIGIONSLOSEN Zustands und der Ferne zu Gott ist. Die durch diese sentimentalische (also selbst-generierte) Gefühligkeit die Trauer über diese Ferne zum Dauerzsutand ausrufen - und von außen auch noch darin bestärkt werden. 

Die sich also jener (in allen Bereichen mittlerweile) so enorm beliebten Methode bedienen, aus der Ferne zum Sein - also aus dem Leiden - auch noch jenes Gefühl konsumabel zu machen, das jede Umwendung vermeidetn will, weil das dann Mühe nach sich zieht, die eine Umkehrung der Richtung des Herzens bedeuten würde. 

Montag, 30. Mai 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (6b)

Reinigung. Der Grund, warum es die allermeisten nicht einmal schaffen, anzufangen. Sodaß ihr gesamtes weiteres "spirituelles Leben" zu einem unausgesetzten Maneuvre der Täuschung wird.Unter dem vorhin Gesagten wird das nun vielleicht wieder ein Stück begreifbarer, warum es keinen Mystiker gibt, der vom Weg zu Gott spricht, und dessen Lehre letzten Endes nicht nur einen anderen Zugang zu dieser Grundgrammatik des Menschen darstellt. 

In der es NICHT um irgendeinen okkulten oder gar esoterischen Weg zur "Mystik" geht, als wäre das ein ähnliches Erleuchtungsprogramm, wie es irgendeine Yoga- oder Zen-Methode darstellen will, und der somit jedem offenstünde, der "mehr erleben" will. Sondern die radikale Ernsthaftigkeit meint, die für jeden Christen gleichermaßen gelten muß, nimmt er die Worte Christi ernst. 

Sonntag, 29. Mai 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (6a)

Warum der allererste Schritt meist bereits unüberwindbare Hürde ist - Wenn wir uns nun den eigentlichen Lehren des Hl. Johannes vom Kreuz zuwenden, so steht an deren Kopf un Anfang als das Tor selbst die Einwilligung in die ontologische Disposition des Menschen. Das heißt um die Frage, was ist der Mensch überhaupt, was selbstverstndlich die Aussage enthalten muß: Was ist er vor Gott. Und hier sind seine Schriften, wiewohl fünfhundert Jahre alt, wie frischeste Fruchtcreme, die für den heutigen Morgen geschrieben ist. 

Direkt wird die Art angegriffen und zurückgewiesen, wie der Mensch des Jahres 2022 sich sieht, und wie es insbersonders den Jungen seit Generationen zu deren Verderben (1) eingetrichtert worden ist. Die dazu (so müßte man es korrekter sagen) verführt wurde, indem ihr als Band des Wegs zum Glück (wir haben vor ein paar Tagen aus einer anderen Richtung kommend darüber geschrieben) das eigene Wohlbefinden ans Herz gebunden, eigentlichmüßte man sagen: auf den Rücken, als tonnenschwere Last, geschnallt wurde.

Freitag, 13. Mai 2022

Wie im Himmel so auf Erden (1)

Wir haben nicht die Bosheit entdeckt, die frühere Zeitalter nichts wußten. Wir gehen nur anders damit um. Dabei sind es gar nicht die Menschen, die sich hier verändert haben, die "Massen", sondern nur die Art, wie wir sie sehen. 
 
Die Masse - Auch die "Masse", auf die man so verächtlich herabblickt, ist ja so ein dummstolzer Begriff der Neuzeit. Der eigentlich nur verleumden, nichts erhellen soll, weil er die natürliche hierarchische Verfaßtheit der Menschheit und des Menschseins attackiert, schlecht redet, ohne ein haltbares Konzept dagegensetzen zu können. 

Vielmehr soll die pauschale Verteufelung der Gruppe als Teil jedes individuellen Daseins, als Element der Identität, ausgelöscht werden. Deshalb wird auch klar, worum und um wen es in diesem Spiel der Verteufelung "der Masse" oder des "Massenmensche" überhaupt geht" Es geht um die revolutionäre Ausschaltung der traditionellen Institutionen, die diese "Massen" bergen, ordnen, und im besten Sinn durch eine hierarchische Struktur "lenken". 

Samstag, 28. September 2019

Medjugorje als Mißbrauchsfall

Was ist das Typische an diesem (vom Charakter her so gar nicht vereinzelten) Fall, einer Kombination von Medjugorje und sexuellem Mißbrauch, der in Italien kräftig Wellen schlug? In dem es um Folgendes geht: Ein enger Vertrauter zweier der "Seher von Medjugorje", die angeblich seit 1981 täglich oder zumindest regelmäßig (und an allen Orten) Erscheinungen der "Gottesmutter Maria" (vulgo "Gospa") haben, wurde nun zahlreicher Fälle von schwerem sexuellem Mißbrauch angeklagt. Don Michele Barrone sitzt seither im Gefängnis, und die Indizien sprechen nicht gerade für ihn. Mittlerweile werden ihm sogar Verbindungen zur Mafia vorgeworfen. Denn der Priester hat auch gehörig Geld mit seinem "Service" gemacht. In dem er sich vor allem einen Ruf als Exorzist erworben hat.

Wie eng er mit Vicka und Mirjana aus Medjugorje zusammengearbeitet hat, dokumentieren nicht nur Videoaufnahmen, die zeigen, wie vertraulich die alle miteinander umgegangen sind, sondern auch ein sehr "frommes" Buch, das er zusammen mit Vicka geschrieben hat. Offensichtlich, so eine ironische Stimme, hat die Gottesmutter die Kinder zwar vor Abhörwanzen in ihren Räumen gewarnt, aber nicht vor diesem Wolf im Schafspelz, der bei manchen Erscheinungen (wie der am 2. Oktober 2014, am Video einsehbar) sogar höchst fromm neben Mirjana kniete. Padre Barrone ist der mit der Halbglatze.





Ein einmaliger Ausrutscher? Auch wenn er ziemlich häufig vorgekommen sein mag? Eher nicht. Denn diese Form der Neigung hat direkt mit Medjugorje und der speziellen Form der "Frömmigkeit" zu tun, die dort gepflegt wird. Denn Medjugorje ist von der Charismatischen Erneuerung nicht zu trennen, ja sie hängen geschichtlich eng zusammen, die Erscheinungen gehen auf eine Weise direkt aus der Depersonalisierung hervor, die in der Charismatik System hat. Und im Fall Medjugorje sogar direkt mit "Sensibilisierungsprogrammen" einher ging, wie Nachforschungen ergeben haben. 

Woher kommt aber diese Nähe solcher Subjektivismen zur Sexualität?  Wie kann es sein, daß speziell solche "Geistesbewegungen", von den protestantischen Sekten des 15. und 16. Jahrhunderts angefangen, bis zur heutigen Charismatik und allen Pfingstkirchen, gemeiniglich allesamt unter dem Begriff "Enthusiasmus-" oder "Erweckungsbewegungen" zusammenfaßbar, eine solche Nähe zu sexueller Uferlosigkeit und Mißbrauch aufweisen? Von der schon Gerhard Hauptmann in "Der Narr in Christo Emanuel Quint" ein so gut beobachtetes Romanzeugnis ablegt? 

Es hat zu tun mit der Grundbewegung des Subjektivistischen, die allen diesen Bewegungen zugrunde liegt. Darin zieht sich der Mensch auf ein "inneres Erleben" zurück, dem er höchste Autorität beimißt. Das ihn veranlaßt, selbst Autorität zu wählen, und dabei ein Urteilswerkzeug zur Hand nimmt, bei dem er wie in einer Tautologie von subjektiv generierten Intuitionen ausgehen muß. Er selbst erlebt, fühlt, "weiß intuitiv", was richtig und was falsch ist, ohne sich der Sache, die vor ihm liegt, zu unterwerfen, ja das darf er gar nicht. Denn sonst verliert er die Herrschaft über sein Urteil. 

Diese Loslösung vom Außen, die dadurch stattfindet, löst ihn auch von allem, was als Kultur das Material ist, das einem Menschen zur Persönlichkeit macht. Die knapp als Fähigkeit beschrieben werden kann, äußere Form zu tragen und zu ertragen (in der Begegnung mit anderen Formen), und damit Gestalt zu sein. Was nur innerhalb einer Kultur und deren Formenspiel gemäß möglich ist. 

Der religiöse, aber jede Form von Subjektivismus, führt also in eine Auflösung der Form, was selbst an der Kleidung abzulesen ist. Jedes Formgebot des Moments - nur das aber wäre das Medium einer Begegnung - wird zugunsten eines im Augenblick empfundenen Gefühls abgelegt. Kurz gesagt: Der Subjektivist beginnt, mit seiner Selbstauflösung, die ihn die Spannung von Form nicht mehr ertragen läßt, zugunsten eines Gefühls (von "Liebe", Sympathie etc.) auch von allen Begegnenden eine solche Formenauflösung zu verlangen. Er impliziert dazu eine neue Ethik, eine neue Moral der "Unkompliziertheit" und "Direktheit", bei der jede Form nur hinderlich ist.

Dieses Vorgehen ist vergleichbar mit dem Abräumen aller Gestaltmomente, die - wie in der Kultur, ja das ist das Wesen von Kultur - als tief innerliche, aber noch nie wirklich geformte (also im Rahmen eines Ganzen einer Person als Persönlichkeit auf ein vernünftiges Ziel informierte) Antriebe im Diffusen beläßt. Sie stehen nicht mehr unter der Herrschaft der Vernunft (die bestenfalls durch Moralismus ersetzt wird, wie man beim Puritanismus so gut sieht) und unterliegen damit zufälligen, im Augenblick einlangenden Anregungen. Die sie zum Heraustreten animieren, ohne daß dieses Heraustreten noch durch Formung der Vernunft unterliegt (wie es in der Tugend - und Kultur ist praktisch immer Tugend - ein immanentes, zur Haltung gewordenes Geschehen ist).

Gleichzeitig werden diese aufplatzenden, herausplatzenden Gefühle zum Kriterium des Urteils. Das nunmehr irrt und den offensichtlichen Widerspruch zur bisherigen beziehungsweise überkommenen Moralordnung durch "höheren Auftrag" rationalisiert. Somit ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich der subjektivistischen Frömmigkeit, die immer einen Defekt im Gehorsam zur Grundlage hat (also den Ort nicht achtet, an dem der Mensch steht,) eine sexuelle, ja eine gewaltsame Ausrichtung (beides in einer jeweiligen Mischung) beimischt. 

Da wird dann, wie im Fall Barrone, ein Mädchen, das sich dem Priester, der es von seinen Dämonen durch Exorzismus zu befreien verspricht und durch eine entsprechende Umgebung, die Saga, den Ruf, die Herkunft oder den Konnex (wie in dem Fall: Mit Medjugorje, wo die Gottesmutter selbst zu jeder Mißachtung kirchlicher Autorität angeregt hat) in seiner Autorität überzeugend gestärkt wird, das sich also diesem Priester sehr weitgehend ausliefert. Also auf die eigene Vernunfthoheit verzichtet, denn die eigene Vernunft ist durch die attestierte "Dämonie" zweifelhaft. Und sich dabei in ihrem Persongrund einer fremden Herrschaft erst recht öffnet. In sehr vielen, wenn nicht in allen Fällen (auf die eine oder andere Art) sogar durch den in der Charismatik obligatorischen Schritt der "Lebensübergabe" initiiert, der regelrecht identisch ist mit einer Form der Persönlichkeitsaufgabe, als der Bereitschaft, sie aufzulösen oder auflösen zu lassen.

Der Priester wiederum erlebt sich in einer fast allmächtigen, gottgleichen Position, die - weil er selbst ungeformt ist - sehr rasch und unmittelbar auf seine sexuelle Kraft aufprallt und diese aktiviert. So erfahren beide, Priester wie um Befreiung Bittender, die sexuelle Komponente als die einzige, nun real werdende Form, die wie von selbst aufsteht, weil die geschlechtliche Form (Mann und Frau) auch die Form ist, die selbst bei konkreter Nacktheit noch Form bleibt und deshalb zum Selbstvollzug (aus der Begegnung von Gestalten) anwegt. Kurz: Wo alle Form sich auflöst, bleibt beim Menschen immer noch die Form als geschlechtlicher Körper übrig. Formauflösung* mündet daher immer (sic!) in irgendeiner Form von sexueller Praktik oder Gewalt.

Die noch dazu in einem zweitwirklichen Rahmen (es ist nämlich NICHT die Kirche, der man sich im Gehorsam unterwirft, sondern deren Simulation durch für sich stehenden Gebrauch von deren Mitteln) der "rechten Ordnung" - hier Priester und damit Kirche, dort subjektives Empfinden - auftritt.  

Was wirklich nun geschieht braucht in der Regel viel Zeit, um rekognosziert zu werden. Es braucht Abstand und Konsolidierung der Persönlichkeit, wie sie oft der Alltag, in den man zurückkehrt, wieder zu geben vermag, um vor dem objektiven, also an der Sache ausgerichteten Auge der Vernunft zu sehen, was passiert ist. Das ist einer der Gründe, warum Mißbrauchsopfer oft erst Jahre nach den Vorfällen darüber adäquat sprechen, also denken können. Mit allen Gefahren wie einer falschen Bildhaftigkeit, weil die Erinnerung vielfach nur von Gefühlen gestützt die ihr zupassenden Bilder wieder herstellen muß, und die Nähe zur Phantasie auch eine gefälschte Erinnerung sehr möglich macht. 

Hier schließt sich der Kreis aus den beiden Bereichen, aus Medjugorje als Phänomen der Charismatik und sexuellem Mißbrauch oder zumindest sexueller Entgleisung. Wie sie gerade bei den ersten Proponenten, vor allem den franziskanischen Priestern von Medjugorje, in auffälligem Maß vorgefallen ist. 

Der auch Medjugorje nicht einfach zu einem Betrugsfall macht (und das Urteil der jugoslawischen Bischöfe diesbezüglich war eindeutig und von Anfang an klar: Es ist Betrug!), zum wohl größten Betrugsfall in der Geschichte der Katholischen Kirche, sondern auch zu einem beispiellosen, aber typischen und von der Typologie her keineswegs überraschenden Fall eines gigantischen Mißbrauchs von Millionen von Menschen. Die herkamen und -kommen, um sich mißbrauchen zu lassen. Um zu jenen Gefühlen zu gelangen, die ihnen die "Gewißheit vor ihrem inneren Urteilsforum" vermitteln, daß ihr Leben gottgefällig ist. Und kirchentreu, weil sie deren Praktiken (Beichte, Messe, Gebet, vor allem Rosenkranz) beherzigen. Ohne zu merken, daß sie diese wie magische Mittel einsetzen.




*Übrigens trifft das auch bei Konstellationen zu, in denen totale/totalitäre Gewalt über jemanden ausgeübt wird. Auch das ist oft von einer Weise der Formauflösung begleitet. Wie bestimmte Gefangenen- und Überlegenheitssituationen belegen.






Dienstag, 24. September 2019

Der historische Bogen von Medjugorje als Betrugsfall (1)

Diese Aufzeichnung eines Vortrages von E. Michael Jones ist zwar schon zwanzig Jahre alt, aber sie ist jede Minute wert. Denn kaum wo ist das Phänomen Medjugorje derartig systematisch aufgearbeitet. Nicht nur in seinen nach wie vor aktuellen Linien, sondern in seiner Entstehung und in seinen Zusammenhängen mit Entwicklungen, die ab den mittleren 1960er Jahren ihren definitiven Lauf nahmen. Es lohnt, jeden Satz, den Jones da sehr konzentriert sagt, zu überlegen. Zwar haben wir alle diese Dinge hier längst einmal besprochen und analysiert, aber wir nehmen die Gelegenheit wahr, um noch einmal kompendiumartig den Fall des wohl größten Betrugsfalles in der Kirchengeschichte vor Augen zu führen. 

Denn das ist Medjugorje, und von "geistigen Früchten" zu reden ist nahezu lächerlich. Wir werden darstellen, warum. Zumal es das Thema der Schizoidität betrifft, dem immer noch weit unterschätzten Generalproblem der Gegenwart, gerade in Zeiten der Wortlawinen und des Internet, das aus seinem Wesen heraus schizoide Wege fördert und fast erzwingt, dazu später mehr.

Um zu verstehen, was sich in diesem montenegrinischen Dorf seit dem Jahre 1981 abspielte, muß man weit ausholen. Und Jones ist der Sache mit wissenschaftlicher Akribie nachgegangen, die Fülle seiner Aspekte und Argumente kann hier nur zusammenfassend wiedergegeben werden. Man muß aber zurückgehen bis in die Entwicklung der Charismatischen Erneuerungsbewegungen in den späten 1960er Jahren. Die in direktem Zusammenhang mit der Vorgeschichte zu Humanae Vitae stehen. Schlüsseljahr war 1965. In diesem Jahr verlor die Kirche in den USA definitiv die Kontrolle über sich selbst und katapultierte sich als vormaliger Eckstein aus der gesellschaftlichen Relevanz. 

Und man muß es so sagen: Aus Versagen der konservativen, also der eigentlichen katholischen Kräfte in der Kirche selbst. 1965 begann die heftige Debatte um die Empfängnisverhütung. Nie zuvor war das ein wirkliches Thema gewesen. Aber nun wurde es hochgespielt und erstmals wurde medial konzentriert aufbereitet die Frage virulent, daß es doch auch eine Sexualität gebe, die mit Empfängnis nichts zu tun hätte. Jeder könne doch erleben, wie "bereichernd" es sei, miteinander zu schlafen. Unter dem massiven Einfluß des CIA und privater Stiftungen wie der Rockefellers oder Carnegies wurde die vorrangigste katholische Universität und mit ihr die gesamte Intellektuellenschichte der Kirche von Geldern abhängig, die keineswegs der Entfaltung des katholischen Wirkbereichs dienen sollten, sondern die Veränderung der Inhalte zum Ziel hatte. Gezielt wurde von diesen Stiftungen Einfluß ausgeübt, während im Time Magazin neue geistig-leitende Köpfe aufgebaut wurden. 

Plötzlich traten führende katholische Intellektuelle und Theologen auf, die die immer gültige, immer geltende Lehre der Kirche (weil sie eine fundamentale, anthropologische Wahrheit verkündet) in Frage stellten. Längst gab es Gerüchte, daß der Papst eine Enzyklika vorbereitete, die die Empfängnisverhütung als das feststellte, was sie war - eine "in sich schlechte Tat", weil sie gegen die Natur des Menschen und darin gegen Gottes Gebot verstößt. Um diese Gerüchte einzudämmen erging von Rom eine Order, jede öffentliche Diskussion darüber einzustellen. Freilich hielten sich an diese Order nur die ohnehin orthodoxen, gehorsamen Priester und Theologen. Wer sich nicht daran hielt waren Priester, die im Dissens zur Kirche standen. Ihnen überließ man nun die Bühne und anstatt, daß eine öffentliche Debatte geführt wurde, konnten sie ihre Sichtweisen propagandistisch unterstützt ungehindert unters Volk bringen.

Das sich plötzlich mit einer seltsamen Wahl konfrontiert sah, die man angeblich hatte. Denn diese weitreichende Thematik wurde nun dem Belieben ("dem Gewissen") der Menschen selbst überlassen. Ein Gewissen, das die Notwendigkeit der Rückbindung an seine Bildung durch eine Autorität nicht mehr sehen will, sondern sich einfach der faktischen, subjektiven Augenblickslage ausliefert. Die Folgen dieses Schrittes waren katastrophal. Denn damit wurde die Kirche als Autorität in der Gewissensbildung ausgeschaltet.

Wird fortgesetzt) 


Donnerstag, 7. März 2019

Aber warum gibt es diesen Orden dann noch? (2)

Teil 2) Wahrheit macht immer sehend



Der Orden selbst war als hermetische Gesellschaft aufgebaut, in der sich größte Abhängigkeiten mit gehirnwäscheartigen Methoden verbanden. Jeder der diesem Orden beitrat (auch Steve Skojac gehörte ihm einige Zeit an) wurde nach und nach in ein System aus totaler Isolation, Schweigepflicht und psychischem Druck - also Depersonalisierung - eingebunden. Das dazu führte, daß diejenigen, die nicht absprangen (und das waren wenige, zu groß war die Abhängigkeit und die daraus resultierende Angst, und es kam anschließend zu regelrechten Verfolgungen, wie man es von anderen Sekten kennt) nach und nach ihrer eigenen Urteilskraft verlustig gingen, weil alle Entscheidungen von einem Mann getroffen wurden, der Gottes Pläne und Vorhaben besonders gut kannte, weil er ihm eben so nahe war: Dem "lebenden Heiligen" Marcial Maciel. Dessen Orden sogar den Ruf aufbaute, besonders "katholisch, konservativ, papst- und kirchentreu" zu sein. Wo immer Anschuldigungen auftauchten, und das war immer öfter der Fall, wurden sie zum Beweis des Gegenteils umgedeutet: Daß Satan die Heilige Mission durch Verleumdung bekämpfte. Diese Paranoia, die sich aufbaute, besteht nach Aussagen mancher bis heute im Orden.

Diese Hermetik war eben, schreibt Skojac, von einem größenwahnsinnigen Pathos getragen, der vielfach wie eine "Entlohnung" für die totale Kontrolle, das "gaslighting"* wirkte, dem man ausgesetzt war. Wenn es nicht direkter sexueller Mißbrauch war, den ihnen der Ordensgründer zufügte, der sich sogar die Macht zuschrieb zu entscheiden, was Sünde sei und was nicht. Zu mancher (sonst sündlichen) Handlung hatte ihm nach eigener Aussage sogar der Papst persönlich die Einwilligung gegeben. Ein gottgleicher Guru im eigentlichen Sinn also, um den ein Kranz von Legenden aufgebaut wurde. Sodaß er als Übervater erschien, der alle Eigenschaften aller Heiligen in sich vereinte und "alles sah". Und die Ordensmitglieder glaubten ihm, denn sie hatten ja gar keine sonstige Identität, waren vom Orden existentiell wie psychisch abhängig. Und sie wurden erpreßbar.

Ein Ethos, in dem sich die Ordensmitglieder als besonders erwählte, allen "da draußen", aber auch jedem übrigen Kleriker und Orden überlegene Elite sahen, die einen speziellen Auftrag von Gott hatten. Aber was soll das für eine Heiligkeit sein, die meint, Freiheit nicht zu brauchen, die nur auf der Basis der Vernunft möglich ist? Ist es gar, weil viele der sogenannten "Erneuerungsbewegungen", die im Vatikan so hohen Stellenwert genießen, genau denselben Weg verfolgen, höchstens graduell da und dort etwas anders gelagert?

Skojac wurde wieder und wieder eingeredet, er sei zum Priester berufen, obwohl er innerlich wußte (ohne zu wissen, daß er es wußte), daß das nicht der Fall ist. In einem erschütternden Zeugnis berichtet er, daß er aber das Urteil über sich selbst vom Ordensgründer erhoffte, denn er war bereits zu verwirrt. Erst ein befreiendes Gespräch mit einem Priester in seiner Heimatgemeinde hatte ihm die Augen geöffnet, und er war unverzüglich ausgetreten. Sein dumpfes Gefühl hatte sich zur Gestalt gewandelt, er war wieder in der Lage, zu erkennen. 

Der Motor von OnePeterFive sagt aber dazu, daß er bis heute seelische Schäden aus dieser Zeit hat, auch wenn er körperlich von Maciel nicht molestiert worden war. Und auch mit Maciel nie persönlich gesprochen hatte. Also muß im Orden etwas existieren, das den geistigen und geistlichen Skandal, der vielleicht noch schwerer wiegt als die sexuellen Mißbräuche und Verfehlungen des Ordensgründers, strukturell trägt und perpetuiert. Und wenn es das nicht mehr tut - warum beharrt man auf dem Fortbestand dieses Ordens? Was soll jenes Gründungscharisma sein, an dem man festhält und das man weiter verfolgt, das es doch ganz offensichtlich gar nie gegeben hat? Und dessen Weg mit so vielen Opfern gepflastert ist.






*Als "gaslighting" bezeichnet man eine Methode, mit der man Menschen um ihren Verstand und in direkte Abhängigkeit bringen kann. Indem man ihnen eine Wirklichkeit vorstellt, die im Gegensatz zu ihrer eigenen Wahrnehmung steht. Dadurch verlieren sie das eigene Urteilsvermögen, denn sie sind nun von der äußeren Quelle der Weltinterpretation abhängig. Der Leser sieht schon, daß dies in abgemilderter Form das Wesen der Lüge überhaupt ist. Sie setzt an der anthropologischen Tatsache an, daß jeder Mensch von einer Quelle abhängt - der Quelle der Wahrheit. Die Wahrheit selbst aber macht frei, sie geht also niemals gegen die Wahrheit und die eigene Vernunft. 

Die selbst natürlich nach sittlicher Haltung geformt werden muß, denn jede ungeordnete Begierde, jede ungeordnete Leidenschaft ist selbst wieder eine Quelle der Abhängigkeit und Fremdherrschaft. Vor allem aber kann die göttliche Wahrheit die Wahrheit der Welt nur überhöhen, ihr nicht widersprechen, denn in Gott, der die Welt geschaffen hat und ihr damit einen Sinn (logos) gab, gibt es keinen Widerspruch. Sie kann sich also nie gegen die Wahrnehmung wenden, muß mit den Abläufen der Welt übereinstimmen, auch wenn das nicht immer und auf den ersten Blick leicht zu erkennen ist. Wahrheit macht nicht nur nicht blind, sondern immer sehend, auch in der Welt.





*130119*

Mittwoch, 6. März 2019

Aber warum gibt es diesen Orden dann noch? (1)

Wie kann es sein, schreibt Steve Skojac auf OnePeterFive, daß dreizehn Jahre nach dem Auffliegen des Skandals um den Gründer des Ordens "Legionäre Christi" die verbliebenen Ordensmitglieder das Gründungscharisma feiern, als wäre nichts geschehen? Warum hat der Vatikan diesen Orden nicht sofort aufgelöst, nachdem das ganze Ausmaß der unfaßbaren persönlichen Verfehlungen von Marcial Maciel ans Tageslicht kam, die freilich schon über lange Jahre und in zahlreichen Berichten wieder und wieder nach Rom gemeldet worden waren? Wie kann es aber vor allem sein, fragt der VdZ, daß der strukturell angelegte Wahnsinn, der sich als besondere Frömmigkeit tarnte, nicht abgestellt wurde? Oder geht er nun munter weiter, nur daß man halt die eine faule Wurzel entfernt hat, die davon so massiv profitierte, daß manche meinen, der ganze Orden sei überhaupt nur deshalb gegründet worden, damit Maciel sich einen persönlichen Harem (aus jungen Männern) schaffen konnte.

Einer der Gründe ist seine Nähe zu den Päpsten. Und hier hat sich besonders Johannes Paul II. hervorgetan, der durch sein Verhalten den absurden Mythos aufrecht hielt (und damit die über tausend direkten Ordensmitglieder in 26 Staaten, und viele zehn- oder hunderttausende Laien im engeren Dunstkreis), daß Marcial Maciel ein "lebender Heiliger" sei. Der polnische Papst hat ihn sogar explizit in seiner Bedeutung für die Jugend hervorgehoben. Bei den (in den Augen des VdZ zutiefst unseligen, ja verheerend wirkenden) "Weltjugendtagen" spielte Maciel immer wieder eine herausragende Rolle und konnte der Welt noch mehr zeigen, daß der Papst hinter ihm stand. Was für eine Vorstellung, was für ein sensus fidei war (und ist) aber da am Werk, was Heiligkeit sei? Und hier geht es nicht um das Geheimnis der Sünden und Mißbräuche des drogenabhängigen Maciel, denn auch der größte Heilige ist Sünder.

Diese Nähe hat Maciel aber auch durch ein geschickt aufgebautes System von Freundschaften und Kontakten aufgebaut und gestützt, die von einem mächtigen Treibstoff befeuert wurden: Geld. Denn Maciel, der sogar seine zahlreichen Verfehlungen schon in den ersten Jahren seiner Priesterschaft unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg so geschickt verbrämte, daß sie zu einem Zeugnis der Verfolgung eines Glaubenszeugen wurden, hatte ein gewaltiges finanzielles Imperium aufgebaut. Er war bekannt als der Prälat, der "alles bar bezahlt". Mit gewaltigen Summen hatte er sich Schweigen und Solidarität gekauft. Dabei haben die Ordensgründung in Mexiko 1941, die Maciel "dem Wirken des Heiligen Geistes" zuschrieb, von Anfang an, spätestens ab 1943, Gerüchte über sexuellen Mißbrauch und Päderastie begleitet.

Wie konnte er so viel Geld anhäufen? Es begann in Südamerika, wo er sich besonders Ehefrauen von Reichen oder deren Witwen gewogen machte. Die waren meist unausgelastet und hatten keine Aufgabe. Davon befreite sie Maciel, indem er ihnen weismachte, daß ihre Aufgabe ja Pflicht nun sei, den Kampf gegen das Böse auf Erden mit den vorhandenen Geldmitteln zu unterstützen. Insgesamt betrug das Jahresbudget des Ordens später 650 Millionen Dollar, mit dem er unter anderem mehrere Ordenshochschulen und -institute gründete und finanzierte, und zahlreiche Immobilien kaufte. Das Vermögen der "Legionäre Christi" wird auf zwanzig Milliarden Dollar geschätzt. Das Geschick des Ordens, Spenden aufzutreiben, ist legendär. Damit unterstützte er großzügig auch manche Projekte des Vatikans, und das Ansehen Maciels in Rom wuchs und wuchs.

So großzügig unterstützte er Bischöfe, Kardinäle und Vatikan, daß trotz der lange schon bekannten und gemeldeten Vorwürfe eine Order bestand, diesen Vorwürfen nicht nachzugehen und sie sogar zu unterdrücken, um Maciel zu decken. Vor allem der Kardinalstaatssekretär Sodano stand hinter diesem Schweigegebot. Erst der spätere Papst Benedict XVI., damals noch Präfekt der Glaubenskongregation und Kardinal Ratzinger, setzte sich 2004 über diese Order hinweg und initiierte eine unabhängige Untersuchung, die zu dem bekannten Ergebnis führte: Marcial Maciel wurde zwangsweise in den Ruhestand versetzt (nicht aber exkommuniziert oder wenigstens als Priester suspendiert) und zu lebenslanger Zurückgezogenheit verdammt. Als er 2008 starb, soll er, glaubt man Augenzeugenberichten, verweigert haben zu beichten. Siebzig Jahre war er jeder Verfolgung entkommen. Siebzig Jahre hat der Vatikan jede Untersuchung unterdrückt. Nun rechnet Gott direkt mit ihm ab.


Morgen Teil 2) Wahrheit macht immer sehend





*130119*

Dienstag, 28. August 2018

Ein neues Gesamtbild der Weltpolitik (2)

Teil 2)




Das wird alles noch interessanter, weil wir ja von Edward Snowdon wissen, daß die britischen Geheimdienste in der Datensammelwut die Amerikaner noch bei weitem übertreffen. Und wirklich ALLES sammeln und auswerten, was ihnen in Europa an Daten unter die Finger kommt, vor allem aber arbeiten die Briten schon lange mit immer weiter perfektionierten Techniken der Gedanken- und Seelenkontrolle. Und diese Art der verdeckten Kriegsführung, die hier auf mehr Macht, dort auf Destabilisierung der Psyche abzielt, haben wir ohne jeden Zweifel seit vielen Jahrzehnten zu erleiden. Nicht, daß wir uns davor definitiv fürchten müßten, nicht als Katholiken, die wir die Beichte und die Sakramente als ständige "Erdung" an die Wahrheit haben. 

Aber wir sollten sie doch als Gebot zur größten Vorsicht in unsere Gedanken einbeziehen. Denn wenn man über die heutige Pädagogik (auch und vor allem an den Schulen) eines mit Sicherheit sagen kann, dann erfüllen sie exakt die Anforderungen solcher psychologischen Kriegsmethoden: Die völlige Destruierung der Vernunft! Die zu allererst über "Klassen-Selbstmord" läuft, so den Einzelnen aus allen Rückbindungen, die ihn informieren und sichern könnten, herausbricht und zu jenem Wachs macht, das diesen Psycho-Techniken als "Material" notwendig ist. Diese Methodiken gehen maßgeblich auf Paulo Freire zurück, den "Erfinder" der "kritischen Pädagogik", der "Pädagogik der Unterdrückten". Sein Einfluß auf revolutionäre Bewegungen weltweit ist kaum zu überschätzen, und dauert nach wie vor an. Ebenso wenig der seiner Konzeptualisierung eines radikalen Nominalismus in der Pädagogik. Wissen wird damit nur noch zur Kenntnis und Instrumentalisierung von Worten, Nomina. Eine Welterkenntnis in dem Sinn - die der Sprache vorausgeht - gibt es da nicht mehr.

Wie auch immer, wir sollten in unseren Überlegungen in jedem Fall stärker davon ausgehen, daß es britisches Geld, daß es Geld aus der Weltfinanzzentrale London ist, daß es britische imperiale und oligarchische Interessen sind, die die Welt bewegen. Und das immerhin seit über 300 Jahren! Immerhin stimmen diese Aussagen in ihren Grundzügen mit anderen Aussagen zusammen. Etwa denen eines Carroll Quigley, der als absoluter Insider mit seinen Büchern vor fünfzig Jahren Aufsehen erregte, weil das, was er als "Anglo-Amerikanisches Establishment" bezeichnete, nach wie vor mächtige Fäden auf der Bühne der Weltpolitik in den Händen hält. Als (dabei gar nicht in allem immer so einiges) Machtkartell mit klaren Strukturen und Organisationen.

Und das hat viel mit dem Fernziel zu tun, mit ungeheurem Sendungsbewußtsein das britische Empire eines Tages wieder zu jener Stellung als Weltregierung zu bringen, die es einmal hatte. Diese Gedanken sind nie verstummt, und werden von manchen Kreisen, so Quigley, bis heute verfolgt. Ihnen liegt eine religiös motivierte Sendungslegende zu Grunde, die seltsame Verbindungen zum israelitischen Auserwählungsglauben aufweist und bis zu dem Punkt geht, daß das britische Königtum auf König David zurückgeht, das zur Weltregierung berufen ist.

Und - so gut wie alle maßgeblichen NGOs - Ökologie, Menschenrechte etc. etc. - werden von London aus geführt, die Fäden laufen immer wieder dort zusammen, und sie laufen immer wieder im britischen Königshaus zusammen. Auch als Oberhaupt der anglikanischen Kirchen, welche in revolutionären Bewegungen gewaltig mitmischen. Wobei diese Geisteshaltungen, Teil des geistigen Kampfes, längst bis in die Katholische Kirche vorgedrungen sind, wo sie sich unter anderem in der Förderung der "charismatischen Erneuerungsbewegungen" und der "Pfingstkirchen" ausdrückt. Wir haben es hier mit einer Korrumpierung von Religion überhaupt zu tun, das so nebenbei ein perfektes Instrumentarium ist, eine traditionell gewachsene Gemeinschaft, also sowohl die Kirche als auch den Staat, aufzubrechen.

Die "charismatische Erneuerung" (bzw. aller Pfingstkirchen) ist, glaubt man dem Vortragenden, der das nicht wenig überzeugend belegt, eine britische Operation, Staaten und Gesellschaften bis in ihre (immer religiösen) Fundamente hinein aufzulösen und wurde maßgeblich vom Weltkonzil der Kirchen (der die anglikanischen Kirchen zusammenfaßt) etabliert. Es sind nichts anderes als Methoden der Gehirnwäsche. Nicht zufällig erfuhren sie ihren definitiven Aufstieg in den 1960er Jahren. Sie waren der Auftakt zu dem, was wir heute als bei weitem unterschätzte Bedrohung erleben: Die Verstandeskorruption durch Pathos, als Ausschaltung des Verstandes zugunsten eines angeblichen direkten "spirituellen" Drahtes zu ... ja, zu was eigentlich?

So verwirrend diese Fülle von Informationen, die über diese viereinhalb Stunden über einen hereinbrechen, aufs erste aussehen mag - die geistigen Linien sind sehr stringent. Bleibt also auf jeden Fall, daß man die Rolle Großbritanniens im Ringen um die Weltmacht ganz sicher unterschätzt, ja London oft gar nicht mehr auf der Karte hat, wenn man über globale Zusammenhänge nachdenkt und so versucht, Vorgänge in der Welt - die sich über verdeckte (psychologische) Kriegsführung bis in unseren kleinesten Alltag auswirkten - zu begreifen.










*290718*

Sonntag, 29. Oktober 2017

Was war da jemals katholisch?

Zur Trennung von Maite Kelly - angeblich ein Schlagerstar, der VdZ kann sich dazu nicht äußern, der Hype um die Kellys ist an ihm stets vorübergegangen, Gott sei Dank - kann der VdZ nicht das geringste sagen. Schon gar nicht zu ihrem "moralischen Leben". Er befaßt sich heute überhaupt erstmals mit einem dieser Kellys.

Und kann sich nur noch wundern (oder auch nicht): Denn wie es möglich war, daß Maite als "katholisch" oder ihre Ehe gar als "katholisches Vorzeigemodell" gelten konnte, wie es im Videogespräch erzählt wird, ist ihm völlig unverständlich. Denn wer sich diesen Schwachsinn anhört, den sie anläßlich der nun bekanntgegebenen Trennung (Scheidung) von ihrem Mann im Fernsehen JETZT äußert, dem muß völlig unverständlich bleiben, wie sie jemals als "katholisch" gelten konnte.

Denn in ihrem natürlichen Denken schien sich seit je ein Kompendium von Irrtümern und Dummheit wiederzufinden. Praktisch alles, was sie das sagt, ist zeitgeistiger Schwachsinn pur, auf den inhaltlich einzugehen nicht einmal lohnt. Wo war da jemals "katholischer Glaube"? Worunter hat der sich versteckt? Wenn Katholiken SO denken, dann sind sie ja gar keine Katholiken!

Das zu explizieren lohnt nicht. Denn wie der VdZ immer sagt: da müßte man ja "bei Adam und Eva anfangen". Da mangelt es an den simpelsten Grundlagen des Denkens, da trifft man auf Mangel an Wahrheit pur. Maite Kelly dürfte hingegen genau das gewesen sein, an dem heute alles erstickt: Eine Repräsentantin einer vernunftlosen (und aus Sittenlosigkeit, Acedia, was auch immer, vernunftlosen) Glaubenssimulation, wie sie eine bereits geistlose Generation eben pflegt. Die sich in zwangsläufig daraus entsteigender Überhebung sogar noch als "Erneuerung" klassifiziert und von einem geisteskranken Episkopat als solche klassifiziert wird. Dabei ist sie das letzte Siegel des Niedergangs, in dem diese sogenannte "Erneuerung" bereits die zweite Generation von Kirche und Kultur in den Abgrund reißt. "Katholisch" war da nie etwas. Außer die Behauptung.

Der Rest war subjektivistischer, verstiegener Protestantismus, Simulation, ja sogar Gnosis, wie er eben die sogenannten "Erneuerungsbewegungen" kennzeichnet. Und ein gehöriger Schluck aus der Pulle der daraus erwachsenden Verstiegenheiten, mit denen ein völliges Mißverständnis von Ehe auch von "frömmsten" Bischöfen mittlerweile (sich dabei oft auf die bodenlose Verschwafeltheit der Leiblichkeitstheorien von Johannes Paul II. berufend) sogar als eigentliches Maß der Ehe verkündet wird.










*091017*

Sonntag, 7. August 2016

Angst vor Abgrenzung weil "too big to fail"?

Es ist kein Zufall, daß der VdZ diese beiden Nachrichten direkt hintereinander zu Gesicht bekam. Denn sie sind aufeinander bezogen. Da ist einmal eine Stellungnahme des Erzbischofs von Triest, Giampaolo Crepaldi, worin er darauf hinweist, daß es zwar gut und lobenswert sei, wenn Menschen ihre jeweilige christ-katholische Berufung lebten, aber daß es nicht ausreiche, ja persönliche Zurückgezogenheit auf das eigene Leben gerne in die Versuchung gerät, sich um die weiteren, öffentlicheren Angelegenheiten nicht zu kümmern. 

Es genüge nicht, wenn Eheleute ihre Ehe und ihr Familienleben "gut" lebten, denn die Ehe hat eine soziale Dimension, ja sie kann ohne diese gar nicht gesehen werden - Öffentlichkeit und Privates bedingen sich in der Ehe! Der Vorrang der persönlichen Enscheidung ist ontologisch zu sehen, aber er bedeutet nicht, daß das eine ohne das andere real bestehen könnte. Also müssen Eheleute in "guten" katholischen Ehen auch bereit sein, die öffentliche Stellung der Ehe zu verteidigen, so unangenehme Konsequenzen das auch oft hat. Man kann nicht tatenlos zusehen, wenn die öffentliche Stellung der Ehe durch gesetzlich legitimierte eheähnliche Ersatzgemeinschaften relativiert wird, die sowohl im Bewußtsein der Gesellschaft wie auch per Gesetz einer Ehe quasi gleichgestellt werden. 

Bekenntnis zum Richtigen auf der einen Seite also, demonstratives, engagiertes Auftreten gegen Verfehlungen auf der anderen - das sind also zwei Seiten ein und derselben Medaille.

Dies führt zu dem sehr guten, sehr wichtigen Dokument des Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, das in den ersten Juniwochen mit päpstlicher Approbation veröffentlicht wurde. Darin geht er auf das Verhältnis von charismatischen Gemeinschaften, ja überhaupt der Charismen zur Kirche und den Sakramenten ein. Und er sagt darin sehr viel Richtiges, Gutes, das wirklich aufmerksames Lesen lohnt. Denn eigentlich steht alles drin, und eigentlich reichte es sogar, auf das traditionelle Verständnis von Charismen hinzuweisen.

Aber was der Kardinal in den Augen des VdZ zu wenig macht ist, daß er direkter auf die Realität in den charismatischen Bewegungen eingeht, auch wenn er im Zuge der Veröffentlichung des Dokuments davon sprach, daß diese oft noch einer gewissen "Reinigung" bedürften. Müller macht die wesentliche Abgrenzung im Dokument selbst aber etwas zu wenig deutlich. 

Denn wenn er völlig richtig sagt, daß die individuellen Charismen als Gnadengaben des Heiligen Geistes auf die Sakramente, auf die Kirche selbst hingerichtet sein müssen, ja sich überhaupt erst dadurch ausfalten und erfüllen - nicht zuletzt durch die jeder Gnadengabe unerläßlich notwendige Demut des Gehorsams, der konkret der Kirche gegenüber geschuldet sein muß, weil die Kirche ja inkarniertes Heilsinstrument, das Neue Volk Gottes ist, Gott also keine "Separatkirche" mit seinen "Gnadengaben" gründet, das wäre völlig widersinnig - so sagt er zu wenig darüber, daß sich dieses Verständnis der Charismen, das sich auf die gesamte Kirchentradition berufen kann, mit der Weise schlägt, wie Charismen in der Praxis dieser charismatischen Bewegungen gesehen und "entfaltet" werden.

Denn dort stehen sie allen verbalen Bekenntnissen zum Trotz tatsächlich wie eine "Separatkirche" da. Es wurde nachgerade das Erkennungsmerkmal der charismatischen Bewegungen, Separatformen der Frömmigkeit und des Glaubenslebens zu entwickeln. Ja, gerade diese werden in der Regel sogar als Merkmal von Charisma angesehen! Sie werden für sich gestellt, und nicht wie eine Vertiefung der bestehenden Leiblichkeit der Kirche betrachtet. 

Eine Leiblichkeit, die sich in der Liturgie und im ganzen Zug der Kirche durch den Jahreskreis (als Welt) ausdrückt. Und nirgendwo sonst! Es ist deshalb ein fatales und verräterisches Indiz für geistige Verstiegenheit und Hochmut sogar - und das ist nach den persönlichen (und nicht nebensächlich erfolgten) Erfahrungen mit den charismatischen Bewegungen geradezu ihr Fundament - daß sich diese durch die "Erfingung neuer liturgischer Formen", die die alten, hergebrachten überlagern und sogar verdrängen (bis auf einen gewissermaßen skeletierten Rest, dem einzigen Hinweis auf die Hinordnung auf die Kirche selbst). Denn hier werden Charismen, geistige Gaben, zu "Dingen für sich", werden für sich gesehen und "extra" gestellt. Und werden in den allermeisten Fällen sogar als Berechtigung für Ungehorsam gesehen.

Aber wie Müller eben schreibt: Eine "für sich gestellte" Gnadengabe GIBT ES NICHT. Sie kann nur in ihrem Bezug auf das offizielle und offiziöse Glaubens- und liturgische Leben der konkreten, verorteten Kirche im Umfeld des Gläubigen gesehen werden.  Und diese Vollzüge sind auch die reale Quelle der Charismen. Nicht für sich gestellte dogmatisch-abstrakte Aussagen, die in Äquivokation (also: nomineller Übereinstimmung von Aussage, die aber auf ganz andere Ebene gestellt, in den allermeisten Fällen eben versimpelt und verdinglicht werden) oft völlig mißverstanden werden. 

Wer charismatische Bewegungen im Alltag erlebt, erlebt deshalb so gut wie immer eine ganz gezielte, bewußte Formenveränderung, die einer Neuschaffung entspricht: Neue Lieder, neue Gebräuche in den Liturgien, neue Gebetsformen (gemäß dem Charakter dieser erwähnten Zusammenhänge von ausgesuchter Banalität, Primitivität und sogar Barbarität, die eine ausgesuchte Verachtung der Tradition und Tiefe der oft über viele Jahrhunderte, ja Jahrtausende gewachsenen Formen zeigt) die allesamt aus einem gar nie für sich zu sehenden Gnadengut einen formschöpferischen (und entsprechen formschwachen - Charismatik heißt so gut wie immer, ja ist ihr Merkmal: subjektivistische Formsuche aus "gefühlten Bewegtheiten") 

Ja, man muß gerade nach Müllers wichtiger (und sogar schon viel zu spät von Rom gegebener) Schrift sogar sagen: Was ist denn ein Charisma "für sich betrachtet" überhaupt, wenn nicht ausgehend von einer konkreten Stellung im hierarchischen Gefüge dieser societas perfecta, der Kirche, eine Gnadengabe, die zur Ausfüllung eben dieser Stelle in der Ordnung der Welt befähigen und beflügeln soll? Diese Stelle im gigantischen, unendlichen Netzwerk der Vorsehung ist es, auf die sich Charismen beziehen. Nicht sie sind deshalb "zuerst da", um dann ihnen gemäß zu überlegen, was damit anzufangen wäre, sondern erst ist die Stelle da weil DAMIT die Sendung, und DANN das besondere Wirken des Heiligen Geistes, der an dieser Stelle deren Innehaber begeistert und beflügelt, auf daß die Kirche als Ganze - als die sie ein nie genug zu bewunderndes Mosaik der Welt ist, und das ist sie ja: Kirche ist Neue Welt - immer vollkommener werde. 

Damit fällt die Charismatik direkt mit dem heutigen Gerede von "Talenten" zusammen, die in der Regel genau gleich gesehen werden. Hinter dieser Auffassung aber steht eine neue und materialistische Anthropologie, die gemäß dem Materialismus davon ausgeht, daß sich ein Ganzes aus den Teilen aufrichtet. Und das ist nicht nur theologisch falsch (auch wenn es sich auf eine Weise theologisch so ausdrücken läßt, aber das tut es nur in richter Weise vor einem viel umfassenderen Hintergrund, keine Aussage der Theologie kann einfach "für sich gestellt" werden, sondern alles hängt mit allem zusammen), sondern das ist auch als Aussage über die reale Welt, es ist also auch in einer rein naturwissenschaftlich-empirisch, immanent-mechanistisch verstandenen Welt falsch und ein Irrweg der Wissenschaft. 

Erst ist der logos, erst ist die im ohnendlichen, alles menschliche Wissen kategorial übersteigendes Wissen Gottes verankerte wie von dort (über den Akt der Liebe des Hervorbringes, also: in einem Akt den Sein bedeutet) hervorgehende Ordnung der Welt. Die in der Kirche in diese göttliche Dimension der Vorsehung als Sakrament (an dem die Taufe teilnehmen läßt) hineingehoben wurde. Aus diesem Geflecht der Ordnung ergeben sich die Individualisierungen - als jeweilige Wesensbestimmtheit, als logos also. Der nicht nur das eigentlich zu Erkennende an der Welt ist (denn das Individuelle ist immer Geheimnis), sondern jeder konkreten Gestalt einerseits vorausgeht, anderseits in gewisser Wechselwirkung mit ihrem faktischen Selbstvollzug steht.*

Denn "Gott ist ideal - aber er ist kein Idealist." Deshalb sind alle Dinge ideal, als auf diese Idee ausgerichtet, die eine Beziehungsidee ist, eine Beziehungsdynamik, und daraus ergibt sich das Wesen aller Dinge, also auch eines konkreten Menschen (bei dem der Akt der Freiheit dazukommt, ohne daß dies heißen kann: Willkür), und daraus ergibt ich die Spannung zu diesem logos als eigentlicher Ort der Selbstwerdung - gleichfalls als Akt und als Akt des Freiheitsvollzuges. Aber sie sind es nicht in der Weise, daß sie "über der Welt - und über der Kirche" schweben, wie Müller es so gut darstellt. Charismatik ist keine Parallelkirche. 

Und der Mensch mit Charismen (und Talenten) ist kein für sich stehender Talent- und Charismenverwirklicher, sondern Mensch an konkretem Ort, der es ist, der seine Aufgabe vorgibt und täglich neu definiert. So, wie im Irdischen also die Identität den Talenten vorausgeht, sie erst konkret werden läßt, so geht auch in der Kirche den Gaben des Heiligen Geistes eine konkrete Aufgabe weil ein konkreter Ort voraus. Charismen - wie Talente - so überzubetonen, wie es heute geschieht, ist deshalb auch gegen die spirituelle Tradition der Kirche gerichtet, die aus gutem Grund (der sogar mit dem Wirken des Heiligen Geistes zu tun hat, ja dessen Voraussetzung ist) eher im bescheidenen Dasein seiner Träger verborgen wurden, statt betont.

Die Frage muß also weiter geogen werden. Weil anhand der realen Gestalt, die die charismatishen Bewegungen zeigen, nicht eher davon ausgegangen werden muß, daß sie in Wirklichkeit das echte Wirken des Heiligen Geistes aus ihren prinzipiellen Motiven heraus VERHINDERN - und genau aus dem Grund so in den Vordergrund stellen, um sich den eigentlichen Weg, afu dem der Heilige Geist wirkt, elegant zu ersparen. Weil man in dieser Herausgenommenheit der Gnadengaben - die somit die Grenzen zur narzißtischen, hochmütigen Simulation verschwimmen lassen - den Beweis für ein Glaubensleben zu liefern meint, das in Wahrheit zur ausgedörrten Wüste psychogener Selbstberauschung wird. Worin sich die Herkunft der Charismatik aus dem protestantischen Raum definitiv zeigt - ja man könnte die Charismatik als Katholizismus definieren, der versucht über den Protestantismus zu existieren.

Hier schließt sich also der Kreis zur Aussage des Triester Erzbischofs sogar auf doppelte Weise. Zum einen weil es nottut, über die Stärkung der positiven Gnadenlehre hinaus auch gegen keineswegs nur im Einzelfall auftretende Probleme vorzugehen, sondern ihre Grundsätzlichkeit zu sehen, die einem Wildwuchs entgegenzustellen wäre, der seit Jahrzehnten schwersten Schaden anrichtet und durch so manche Versuche, ihn "katholisch zu taufen", diesen Schaden perenniert und noch tiefer eindringen läßt. 

Und zum anderen weil auch die Stellungnahme Kardinal Müllers die Sorge nicht geringer macht, ob sich die Kirche realpolitisch nicht auf eine Weise aus der Welt in eine Separatkirche katapultiert hat und katapultiert, und sich damit sogar zufrieden gibt, die dem im natürlichen Menschen- und Geschöpfwesen bereits begründeten Katholischsein überhaupt nicht entspricht und nichts ist als Symptomatik eines weltweit verheerenden Zeitgeistes, der sich auch in allen natürlichen Denk- und Handlungsweisen zum Ausdruck bringt. Weil es Kirche und Welt zu Separatsphären auseinanderreißt, als könnte eines ohne das andere gesehen und begriffen werden. Und sich selbst schon mit Äquivokation zufriedenzugeben, wie sie der Titel ausdrückt: "Iuvenescit Ecclesia", aber im Bezug auf die charismatischen Gemeinschaften mit weit mehr kritischer Distanz gesehen werden müßte, als es geschieht. Sodaß man fragen muß ob es reicht zu meinen, man könne sie mit der Zeit wieder substanzschwerer machen, indem man ihnen wie einem Siechen das Medikament der wahren Täufung nach und nach einträuft, während die Praxis eine Faktenwucht schafft, die auch diese behutsame Strategie bereits als Angstsymptom erscheinen lassen könnte, weil man fürchtet, daß die Auswüchse der Charismatik bereits jetzt "too big to fail" wurden.




*Sehr richtig setzt Xavier Zubiri, dessen ganze Philosophie auf dieser Frage aufruht, logos mit "dynamischem Beziehungsfeld" und "Wesen" gleich. Denn wir erkennen eben das Wesen, das ist das "Bild" der Idee Gottes, das sich in der analog trinitarischen Wesensbeschaffenheit als (in Gott ontisch indefinit-unendlich begründete) Beziehugnsdynamik jedes Einzeldings - und Welt ist nur DURCH und IN Individuellem, das ist die Matrix der Realität - und sohin hält die Welt Wesenserkenntnis hier, Geheimnisoffenheit dort in Bestand.



*150616* 

Freitag, 20. Mai 2016

Da haben wir es ja (4)

Teil 4) Einige Klarstellungen, auch zum Verfasser dieser Zeilen -
Form und Inhalt sind niemals zu trennen, auch nicht in verstiegenen Blogozesen





Niemals würde der VdZ sich aber anmaßen, LEHRAMT ZU VERKÜNDEN. Nie. Und selbst wenn ihm mancher schmeichelte, er sei besserer Theolog und Philosoph als so mancher, der sich so nenne. Ohne Amt, ohne Gehorsam GIBT es gar keine wirksam verkündete Theologie. Die Theologie des VdZ ist Selbstschutz aus gewissem Glaubensinstinkt, meinetwegen aus philosophisch-künstlerischer Verbildetheit, was auch immer. Er selbst ist aber stinknormaler, braver und völlig unauffälliger Kirchgänger in einer stinknormalen Pfarre im ungarischen Sopron, und immer hat er sich selbst gegen kleinste Ämterchen verwahrt, die man ihm antrug, weil er sich dafür nicht gerufen sieht.

Die Lehre der Kirche ist eben im landläufigen Sinn gar keine Lehre, das spezifisch Katholische ist mit diesem Begriff gefährlich verunstaltet, versteht man ihn nicht in größerem Rahmen. Auch war Jesus KEIN Lehrer der eine besondere Lehre verkündet, eine besondere Methode implementiert, oder bestimmte Praktiken etabliert hat. Das Besondere am Katholizismus ist eben diese Untrennbarkeit von Botschaft, Wort und Fleisch! Es ist kein Zufall, ganz und gar nicht, daß das Fundament der Medienkritik von katholischen Medienphilosophen gelegt wurde - Marshall McLuhan und Harold Innis.

Es ist NICHT egal, wer etwas verkündet, wer etwas sagt, Hauptsache es stimmt sein logischer Wortsinn. Es ist auch nicht egal, WIE etwas verkündet wird, in welcher Form. Es ist NICHT egal, ob per Twitter oder SMS oder im persönlichen Gespräch etwas daherkommt, im Gegenteil: Fleisch und Inhalt, Form und Inhalt SIND NIEMALS ZU TRENNEN. DAS IST DIE BOTSCHAFT weil Wirklichkeit JESU. Gestalt, nicht rationalistisch-nominelle "Information". Kein Inhalt kann ein Medium, eine aktive Botschaft "taufen" und zur Heilsbotschaft erheben. Das glaubten nur die Pharisäer. Wahrheit hat eine Wortgewalt, die eine menschliche Dimension erreicht, die wahrhaftig macht was da heißt: Kein Wort geht aus, das nicht schafft und wirkt. Wer über Twitter oder weiß der Deibel welche App oder auch über ein Blog (wie dieses!) Wahrheit schreibt sehe zu, daß er sie nicht auf eine Weise erniedrigt, die bereits schwere Verfehlung ist, nicht "Verbreitung der Wahrheit", wie manche verrückterweise meinen. "ICH BIN der Weg, die Wahrheit und das Leben." Nicht eine auf Inhalte reduzierte Message, die "stimmt", eine "Information" gar, die einen Ablauf optimieren hilft.

Hier zeigt sich im Glaubensinhalt aber auch nur - nur in anderer Gestalt, aber in derselben Gestaltfülle, als Aspekt unter diesem oder jenem Licht, nicht als eigene Wahrheit - was die Philosophie, die Vernunft in ihrer höchsten Anstrengung um Lauterkeit (denn das ist eigentlich Philosophie, auch sie aber kein "bloß logisches System", wenngleich nie unlogisch) sehr wohl "wissen", auf das sie verweisen, wenn auch nie selbst füllen kann. Aber sie MUSZ sogar verweisen, denn sie ist in der Wahrheit und Logik und Stringenz die Ausrichtung und damit Eingliederung des Richtigen in das Wahre.

Nicht die nominelle Logik wirkt dabei, die kann bestenfalls zur Plausiblität, zur Bereitschaft sich als Hörender an dem mir gemäßen Ort einer Beziehung unterzuordnen helfend beitragen, und wird das auch müssen, weil letztlich diese persönliche Haltung vor dem eigenen Gewissen (und das hat viel mit Logik zu tun, denn im Logischen kann ein gewisses Fundament des Sicheren als Wahren angezeigt sein) zu verantworten ist. 

Sondern eine Fülle einer ganzheitlichen Personsbegegnung, die im Wort passiert. Worte können nominell scheinbar völlig gleich, ja ident sein. Und doch ist es ein unermeßlicher Unterschied, wer sie sagt, und in welcher Stellung dieser Sprecher zum Hörenden steht. Denn die Verbindlichkeit richtet sich danach, und damit das Entscheidende am Hören: Die REAKTION, die Haltung des Hörenden dazu. Deshalb konnte natürlich Jesus mit einer Autorität sprechen (und es wurde auch so registriert von seinen Zuhörern: sie erkannten genau das, daß es nicht einfach um ein paar logische oder schönklingende Erzählungen ging, sondern da war weit weit mehr! Hier sprach jemand, den niemand noch je gehört hatte, nämlich GOTT.) schon darin überschätzen sich viele Teilnehmer an dieser Blogozese gewaltig, ja versteigen sich in Abstoßendheit, die sie in ihrer Verstiegenheit und Verblendung natürlich nie glauben würden. Demonstrieren damit ein Gesetz des Mediums Internet, in dem sich dort einengt und bestärkt, was da ist, aber nicht erweitert, wie viele dasglauben machen wollten.

Denn sie glauben eben an die bloße inhaltlich-nominelle Richtigkeit als entscheidendes Kriterium, sie glauben an das "von unten nach oben", sie glauben an die substantielle Irrelevanz der Hierarchie der Welt. Sie sind ... Protestanten. Und auch dieser Herr Winnemöller muß sich diesem Vorwurf stellen. Wer so redet, der muß das. Denn so redet nur ein Protestant. Und so redet ein Internet das in sich eine protestantische, zuvor sogar noch jüdische Idee ist, die deren geistigen Strukturen entspricht weil entstammt. Und alles wirkt nach seiner Art.

Ein Organismus konstituiert sich nie und in keinem Fall "von unten nach oben", sondern immer "von oben nach unten". Wenn es der Fall ist (und das ist, behauptet der VdZ praktisch pausenlos der Fall) einer "von Unten" (der VdZ simplifiziert mit dieser Wortwahl, natürlich, um es anschaulich zu halten) mehr Talent, mehr Begabung, ja mehr Weisheit haben sollte oder hat wie einer "da Oben", so ist das nicht ohne Grund. Nicht, um den da oben vom Stuhl zu stoßen, oder ihm leichter den Mund verbieten zu können, oder zu jeder Zeit und Unzeit das Maul aufreißen zu können und gefälligst in den Entscheidungen berücksichtigt zu werden, sondern die Gründe dafür sind vielfacher Natur, nur Gott kennt sie letztlich. Aber ganz gewiß haben sie ihren Sinn in sich selbst - weil sie zu einer Demut rufen, die jemanden gerade an seinem Platz in einer Schönheit und Fülle erstrahlen lassen können, die dem ganzen Leib der Kirche zugute kommt.





***

Donnerstag, 19. Mai 2016

Da haben wir es ja (3)

Teil 3) Klarstellungen zur Hierarchie 
- Botschaften, Medien und Inhalte





Deshalb hat die Kirche in der Betrachtung der Gesellschaft immer die realen Macht- und Wirkverhältnisse streng beachtet. Was oft zu schwierigen Problemen führte, man denke an die Entscheidung zugunsten der Karolinger und zuungunstern der mythisch-legendären Merowinger. Wo der Papst sehr genau beobachtete, wo die wirkliche macht denn lag, und die hatte sich längst zu den Karolingern umgeschichtet, die Merowinger hatten so gut wie keine reale Macht mehr. Ein König aber kann nur regieren, ja das sagt etwas über Gottes Plan aus, wenn er auch stark genug dazu ist, weil sich sonst ein Reich spaltet oder gar auflöst. 

Und das war ja im Merowingerreich tatsächlich der Fall gewesen. Aber man kann dies nur als Adaption begreifen, wie sie dem weltlichen Figurenspiel eben obliegt, und muß sehen, daß genau das aber eben auf die hierarchische Gliederung einer Gesellschaft durchaus mit gewissem Pragmatismus Bezug nimmt - und wie also genau diese päpstliche Entscheidung für einen gewissen "Umsturz" streng auf die prinzipielle Struktur der Gesellschaft - König, Adel, Volk - rekurierte. Denn im Weltlichen gibt es eben diese Sakramentalität nicht. 

Beim Königsamt, so nebenbei, war man darüber lange Zeit nicht ganz sicher, denn in der Tradition war König und Priester ursprünglich gar nicht getrennt. Und das blieb sogar noch bis ins 11., ja 12. Jhd. so, zumindest im Volksglauben in interessanten Resten bis ins 19. Jhd. Da waren Könige auch als sakramental Geweihte verstanden, in dieser Art waren sie eben seit Urzeiten gesehen worden Bis man die Sakramentenlehre, die ja erst mit dem Christentum kam, so wie das Sakrament ja erst mit Christus weil in ihm kam, neu durchdachte, und fortan war der König KEIN Sakramentaler Stand mehr.

Aus dem Umstand, daß auch der Laie gewisse Weisheit und Einsicht generieren kann ist, zusammenfassend, niemals abzuleiten, daß der Klerikerstand als Stand der sakramentalen Priester gewissermaßen obsolet und zum bloßen technischen Sakramentenspender degradiert wird, und daß der Laie deshalb auch "Gleichberechtigung im Ergreifen des Worrtes" hat, weil in ihm eben "Charismen" wirksam seien. Charismen können niemals ein Amt ersetzen oder überbieten. Sie sind vielmehr strikt an den Ort ihres Träger gebunden, ja bedingen diesen. Gott hat in ihnen nicht die Schöpfungsordnung außer Kraft gesetzt, und damit die Ordnung der Kirche. Solches zu behaupten ist nicht besonders gläubig und fromm, sondern häretisch, gotteslästerlich und nicht zuletzt protestantisch revolutionärer Ungeist. 

Dazu gibt es eben das Lehramt, an dem in abgestufter (organisch-zusammenhängender!) Weise vom Papst ausgehend jeder spezifisch dazu "Gesendete" (missio canonicae) teilhat. Ein Amt. Der Laie mag oft großen theologischen Sachverstand haben, und dort sogar seine Aufgabe erfüllen, indem er auf Probleme verweist, was sauch immer, oder seine Umgebung gegen Irrtümer imprägniert, alles klar, alles verdienstlich. Aber niemals ein Ersatz des Lehramtes, dem weit mehr als inhaltliche Prägnanz zuallererst einmal hierarchische Funktion in aurotität und Gehorsam ALS EIGENTLICHE GLAUBENSTORE zukommt. Hier nimmt sich selbstverständlich auch der VdZ nicht aus, der ja bekanntermaßen mit Wildschweinschrot auf den Papst zuweilen schießt. Dennoch - und es sei betont, es könnte ja tatsächlich unter den Tisch fallen, aber das tut es bei ihm nicht - würde er niemals den Papst als Autorität anzweifeln! 

Aber der VdZ ist eben auch kein Kleriker. Vielleicht ein Künstler, mag sein, manches spricht dafür, manches dagegen, vielleicht ist er einfach nur der fragwürdige Charakter, für den er selber sich hält. Aber er ist als Nicht-Kleriker auch nicht in dieser Art Gehorsam an den Papst gebunden wie etwas mit ihm befreundete Kleriker in oft gar nicht geringen Stellungen, die sich in ihrer Kritik - bei ansonste gleichen Sichtweisen auf Inhalte bezogen wie der VdZ - sehr zurückhalten. 






***

Mittwoch, 18. Mai 2016

Da haben wir es ja (2)

 Teil 2) Verwickelte, problematische Beispiele aus der Kirchengeschichte - 
Nein, nie waren es Revolutionen und Gleichmachereien, und waren die Charismen noch so groß. Kirchliche Charismatiker haben sich immer der klerikalen Autorität untergeordnet.





Darin gründet das ungeheure Ringen etwa einer Johanna von Orleans, deren Wirkung auf Frankreich mit völliger Gewißheit mit dieser schwierigen, nach damaliger Zeit (niedrigster Stand, und dazu auch noch eine Frau) völlig undenkbaren Konstellation direkt zu tun hat. Denn gleichzeitig ist damit auch dem Hörenden, dem Gehorchenden sogar die Tür zu einer Selbstaufgabe gewiesen, die Voraussetzung für die Wirkung ist. Ähnliches läßt sich etwa bei einer Katharina von Siena sagen, die bekanntlich den Papst dazu aufforderte, Avignon zu verlassen und nach Rom zurückzugehen. Unabhängig von den realpolitischen Überlegungen, die darin mitwirken, weil ja die Kirche und das Papstamt unter spezifisch nationalen und realpoltischen Einfluß gelangt waren, ob man das wollte oder nicht, dem sich das Papsttum erst im (damaligen!) Rom und Vatikanstaat weit effektiver entziehen konnte. 

Das Ringen auch einer Theresia von Avila, die nie (und der VdZ kennt doch den Großteil ihrer Schriften) gegen die Hierarchie verstieß, sich auch an die Ordnung Mann-Frau hielt, und immer gehorsam war, ist nur in ihrem spezifischen Rahmen (z. B. als Äbtissin in einem Frauenorden) zu sehen, nie hat die große Heilige ihn selber überschritten, im Gegenteil, ihr Gehorsam dieser Ämterstruktur und Hierarchie gegenüber kann sogar als Bedingung aufgefaßt werden, unter der in ihr so viele Tugenden und Kräfte aufblühten. Sie selbst hat übrigens immer bedauert, die typischen Schwächen einer Frau zu haben, eben WEIL sie Frau war, denn für ihr Werk wäre sie lieber Mann gewesen.

Und, im übrigen, GERADE ein Heiliger wie Franziskus, auf den sich ja der Papst gewissermaßen beruft, ist ein MUSTERBEISPIEL dieses Gehorsams, und das obwohl er eigentlich ein Rebell, ja ein Umstürzler und Anarchist hätte sein müssen, nimmt man seine radikale Frömmigkeit, die man durchaus und in gewisser Weise sogar als Häresie bezeichne könnte, WÜRDE man sie der gesamten Kirche verpflichtend vorschreiben. Sie war und ist ein Kontrapunkt, ein meinetwegen sogar wichtiger Kontrapunkt der Relativierung, alles keine Frage. Aber sie ist KEIN allgemeiner Weg der Kirche auf der Welt, das muß man ganz eindeutig feststellen! Der Heilige Franz von Assisi hat sich - und das war der entscheidende Unterschied zu den damals überall aufblühenden, aber in diesem revolutionären Geist verharrenden, damit erst (!) häretisch werdenden Armutsbewegungen dieser Zeit - niemals außerhalb der Hierarchie der Kirche gesehen, und sich ohne jede Frage der Autorität und Hierarchie, die er zutiefst anerkannte, unterstellt bzw. eingegliedert. Und zwar bewußt als "Unterster", sodaß seinen Brüder zeitweise sogar das Priesteramt untersagt war.

Es sind auf eine Weise Ausnahmen, für die man gewiß immer einen offenen Blick braucht, keine Frage, und gerade dann, wenn man als "Oberer" auch damit befaßt ist und sein muß, untere Ämter zu besetzen, Notwendigkeiten des Organismus zu erkennen dem man vorsteht (und wenn es eine noch so kleine Teilorganisation ist), etc. etc. Ganz so wie halt jeder an seinem Platz einen offenen Blick und ein hörendes Ohr braucht, immer und zu jeder Zeit, um den Anruf Gottes zu hören. Denn der Führende muß ja auch hören, was der geführte Organismus äußert, um in er Liebe seinen Zustand, sein Bedürfen, etc. etc. zu hören und gegebenenfalls zu erfüllen. 

Aber selbst, wenn mit dem Unteren spezifische Charismen verbunden sind, die meinetwegen einem Oberen nicht gegeben sind, so war das nie und zu keiner Zeit als Aufforderung zu verstehen, seinen Platz als Unterer zu verlassen und gleiche Rechte wie die Oberen zu verlangen. Im Gegenteil, die Bescheidung auf seinen Ort war immer unbedingte Voraussetzung selbst für die Reinheit der ausgeübten Charismen. Und dieser Ort ist sehr sehr konkret und bestimmt!

Das dürfte auch hinter der ersten Kirchenspaltung gestanden sein, den die Geschichte vermerkt, die im 4. Jhd. auftauchte, als der Heilige (!) Hipolitus (der St. Pöltener Diözesanpatron; noch heute betet die Kirche in den allermeisten Fällen den von ihm zusammengestellten Meßkanon) opponierte, daß ein Sklave zum Papst gewählt werden solle. Das KANN überhaupt nicht sein, was seine Meinung, und er ließ sich zum Gegenpapst wählen. Erst sein Rücktritt und seine freiwillige Verbannung beendeten diesen Streit. Es war aber gar keine wirkliche Ausnahme, hier irrte eben Hipolytus, und er sah das auch ein. Denn er erkannte, daß der Klerus eigentlich nur "ein" Stand ist, der in sich also gar keine Standesunterschiede kennt, ähnlich wie es beim Künstler der Fall ist - beide Stände sind im weltlichen Getriebe sogar eigentlich KEIN Stand, sondern allen Ständen, allem Weltgefüge ZUgeordnet. Diese Standlosigkeit läßt sich aber auf Laien NICHT anwenden, zumindest nicht so einfach. 



Morgen Teil 3) Klarstellungen zur Hierarchie 
- Botschaften, Medien und Inhalte





***

Dienstag, 17. Mai 2016

Da haben wir es ja (1)

Aus demselben protestantisch-willkürlichen Irrtum, der die Institution entwertet, kommt der Irrtum in den sogenannten charismatischen Bewegungen, die meinen, ein Amt würde sich "aus dem Charisma" und eigentlich nur als Aufgabe ergeben. Das ist prinzipiell falsch! Denn Amt und Chariams sind nicht nur korrespondierend, sondern sie stehen zueinander in einer strikten Ordnung - erst das Amt, dann das Charisma. Die Kirche als societas perfecta ist so wie die eigentliche Schöpfungsordnung (die in der neuen Schöpfung nach dem Jüngsten Tag also zu sich selbst, zu ihrer eigentlichen Form gerufen wird, ohne Deformationen, wie sie dem Sündenfall und seinen Folgen entsprungen sind) von einer Struktur getragen - wie das Knochengerüst, der Bauplan gewissermaßen - die in den Knotenpunkten als "Amt" besteht. Ihre Organizität ist also eine Organizitäüt der Ämter, der Beziehungsknoten, in denen diese Ämter (im letzten ist ja jeder Mensch an seinem Ort ein solches Amt) zueinander geordnet sind.

In dieser Ordnung ist nunmehr mehr als bloß spielerische Willkür dargelegt, sondern der Fluß der Gnaden und noch bedeutender: Der Fluß der lebendigen Wahrheit in ihren Kreisen und Wirkungsgefügen. Denn die Gegenwärtigkeit der Wahrheit "unter uns Menschen", die identisch ist mit der Gegenwart Gottes auf oder in der Welt,  ist als von Ebene zu Ebene weitergegebener Fluß vorstellbar, in der das jeweils untere in eingeschränkterem (aber dabei nicht weniger glanzvollerem, aber eben umfänglich spezifischeren, bis zum Allerspezifischesten, nennen wir es: den einfachsten Ämtern und Menschen) an der Wahrheitsfülle des jeweils Oberen teilhat - als TEILHABE eben. So wie im Papst die Schöpfung (Kirche) an Gott selbst in seinem universalste möglichen Sinn teilhat.

Es ist deshalb ein (eigentlich sogar anarchistischer, also ordnungsfremder) Irrtum zu verkünden (wie es jüngst Peter Winnemöller tat), daß sich in der Kirche ANDERS als in der Gesellschaft jeder dazu berufen fühlen dürfe wie müsse, seinen Mund aufzumachen. Das ist schlichtweg FALSCH. Und es wird nicht besser, wenn man die Selbstaufwertung von Blogs mit "Kirchensteuerferne" zu begründen versucht. Denn schließlich, so Winnemöller, wären sie ja nicht weniger Kirche als all die kirchensteuerfinanzhierten Fixangestellten, die den Diözesanraum ausfüllen. 

Sehen wir einmal davon ab, daß man, wenn man diese sich "Blogozese" nennende Ansammlung mittlerweile hunderter Blogs, die sich allesamt "katholisch" nennen (und dieses Prädikat da und dort auch sehr leichtfertig nach außen als Kriterium anwenden, als dieses Prädikat zu- oder absprechend), ein wenig kennt nicht unbedingt darauf schließen muß, daß diese Blogozese wirklich etwas zu sagen hätte. Aber gewiß ist, daß diese bzw. deren Blogger meinen, daß das aus inhaltlichen Gründen der Fall sei. Worin sich wie gesagt ganz gewiß viele kräftigst irren, sodaß man sogar zur Ansicht kommen könnte, daß genau dieser Szene gewisse Bescheidenheit, gewisser Abbau einer manchmal sogar erschreckenden Selbstüberschätzung sehr sehr gut anstehen würde.

Ja, jeder der getauft und gefirmt ist ist Mitglied dieser einen Kirche, meint Winnemöller, und ja, das stimmt natürlich. Aber jeder ist es AN SEINEM PLATZ. Dazu kommt die Dichotomie der Kirche in ihrer Mann-Frau-Struktur, in der es eben hier den wort-/samenspendenden (aber eigentlich in gewisser Weise "welt-entrückten") Mann  und Kleriker (und, in etwas anderer, vor allem nicht-sakramentalen Form, aber doch: kirchenbediensteten Laien) gibt, und dort die empfangenden Herzen als Gebärmütter konkreter Welt, als in der Welt stehend und deshalb von Rolle, Maske, Figur in diesem Schauspiel Gottes nicht zu trennen. 

Gleich sind alle Getauften in ihrem Stehen vor Gott, gewiß. Aber das heißt immer ein Stehen IN EINER BESTIMMTEN ROLLE, an einem bestimmten Weltplatz. Beides ist nicht von einander zu trennen, ja das Stehen vor Gott ist sogar erst erfüllt, wenn der Platz ausgefüllt ist, der einem zugewiesen ist (und eben nicht: den man sich aufgrund irgendwelcher Funktionskompetenz "erwerben" kann.) Diesen Platz zu erwerben, in ihm auch zu wachsen, das ist das Wesen des eigentlichen Christ- und Katholikseins in der Welt.




 Morgen Teil 2) Verwickelte, problematische Beispiele aus der Kirchengeschichte - 
Nein, nie waren es Revolutionen und Gleichmachereien, und waren die Charismen noch so groß. Kirchliche Charismatiker haben sich immer der klerikalen Autorität untergeordnet.






***

Dienstag, 2. Juni 2015

Vom islamistisch-christlichen Klimawandelkommunismus (4)

Teil 2) Islam, Papst und Klimawandel - mißbrauchte, unverstandene Poesie




Und Simulation, Nominalismus ist überhaupt das Wesensmerkmal der Religionen der Gegenwart, auch innerhalb der Kirche. Es gibt nicht unbegründete Theorien, die den Nominalismus Europas, der sich als definierbare Bewegung im 13. Jhd. zeigt, auf den islamischen Einfluß (Averroes!) zurückführen. Die Wahrheit ist in den Augen des VdZ natürlich subtiler, komplexer. Auch der Byzantinismus hat seine nominalistischen Elemente, jeder Irrtum, jede Häresie ist ein mögliches Abweichen vom ganzen Wahren, das immer da war, und sein wird, je nach Kulturstimmung mehr ausbricht, oder weniger.

Auch die Poesie des Klimawandelkampfes ist geliehen, eigentlich: mißbrauchte Poesie. Und ihrer sozialen Herkunfsschichte liegt die "wahrere Religion" zugrunde (worauf sich ja jede Häresie als selektive Höherwertung ausgewählter Aspekte der Herkunftsreligion beruft). Denn dieses Paradigma der Gegenwart fordert immer aggressiver die Höherrangigkeit vor jeder "religiösen Religion". Wenn erst jüngst die amerikanische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton fordert, daß alle gesellschaftlichen Elemente verboten werden müssen, die die Werte der Gegenwart infrage stellen - Feminismus, Anti-Diskrminierung von Homosexualität, Klimawandelskeptiker - dann haben wir schon direkte Hinweise darauf, daß sich dieser Wandel vollzieht. 

Es ist dieselbe Entwicklung aus einer christlichen Häresie heraus, ja wir erleben heute überhaupt die Bildung einer riesigen, mächtigen Religion - wenn der Protestantismus in Deutschland noch stärker als die Katholische Kirche über "Schwunderscheinungen" zu klagen hat, dann deshalb, weil er seine Mitglieder an diese neue Religion verliert! 

Deren geistige Grundlagen mit den geistigen Grundlagen des Protestantismus (und damit den Schichten der seit langem - etwa durch das ganze Spektrum der charismatischen Erneuerungsbewegungen, aber überhaupt durch viele Entwicklungen im Folge- und Dunstkreis der Rezeption des 2. Vatikanum - systematisch protestantisierten Katholiken) deckungsgleich sind, und sich als "Neuheidentum" (in unterschiedlichsten Facetten) manifestiert. Genau von dort gingen auch die gesellschaftlich revolutionären (erneuern sollenden) Bewegungen der 1960er Jahre aus. Gingen aus! 

Denn jede Kultur setzt im Kult an. Die Kirche ist damit nicht OPFER gesellschaftlicher Entwicklungen, sie ist deren Motor, so wie immer die Religion der (einzige!) Motor einer Kultur war. Auch und gerade, wenn dieser Motor selbstvergessen stottert.²

Und hiermit sind wir beim Ausgangspunkt zurückgekehrt, bei der Grundthese angelangt: Aus alledem wird klar, daß eine Zeit des aufbrechenden Islamismus genauso nur eine der Seite eines geschwächten, häretischen Christentums ist, wie es der "Kampf gegen den Klimawandel" bzw. die Umweltbewegungen sind. 

Auf dem Boden einer diffundierenden Kirche hat sich immer eine neue Religion gebildet, die erst noch '"Konfessionsverschiedenheit" zu sein scheint, sich aber mit der Zeit (und aus sehr konkreten psycho-sozialen Gründen) zu einer Religion ausbildet. Die Systematik, mit der sich das vollzieht, hat, wenn sie nicht in eine Bekehrung aufbricht (was sie individuell ja auch ab und zu tut), hat die Ablaufnotwendigkeit eines Gesetzes. Mit der derzeitigen Kirchenpolitik düpiert die Kirche aber sogar noch stärker jene, die sehnsuchtsvoll auf den Erlöser warten, und treibt sie anderen, greifbareren Erlösern in die Hände.






²Wenn man der Kirche gerne Sünden und Verbrechen der Vergangenheit vorwirft, was der VdZ im übrigen (meist zumindest) keineswegs so sieht, weil bereits der Kriterienkatalog, nach dem geurteilt wird, falsch ist, ja manche Vorwürfe gar die Forderung nach einer Häresie sind, so sind wir mitten in einer Zeit, wo die Kirche WIRKLICH schwerstens versagt und Blut an ihre Hände schafft. Denn sie hat schon vor geraumer Zeit begonnen, sich aus der Rolle der Religion zu verabschieden, als Taktgeber der Zieledefinition und Lebensweise. Der Kampf, den sie heute angeblich führt, gegen Abtreibung etc., ist nicht nur halbherzig, er ist überhaupt nur ein Scheinkampf auf der Ebene des von der Eidechse abgeworfenen Schwanzendes, ein Schattenkampf mit Phänomenen und Gespenstern. Die wirklichen - GEISTIGEN - Herausforderungen weist sie immer strikter sogar von sich. In diesem Papst hat dieses Versagen gar eine neue Qualität erreicht, weil es erstmals zum kirchenpolitischen ("pastoralen") Programm gemacht wird.  Pastoral aber ist bereits die Ebene der Macht. Nicht die der Autorität. 




***

Montag, 1. Juni 2015

Vom islamistisch-christlichen Klimawandelkommunismus (3)

Teil 3) Parallelen - Eine neue Religion am Horizont - 
Eine Häresie der nur einen Wahrheit



Hier also schließen sich die Kreise Islam - Kommunismus und - Klimahysterie. Allen reichen die Fakten, die Tatsachen der Welt nicht aus, weshalb sie in eine andere Lesart flüchten. Und diese quasi "höherwertigen" Prämissen und Forderungen unhinterfragbar dogmatisieren.  Weil schon ein Hinterfragen der Zielsetzung selbst, die nur absolut gesetzt werden kann, entgegenläuft. Eben weil sie abstrakt ist, und nicht verdinglicht werden dürfte - abstrakte Ziele sind aber aus ihrer Natur heraus nicht direkt erreichbar! 

Sie sind deshalb nicht zufällig in göttliche, absolute Sphäre gehoben, als einziger Weg, sie zu "verdinglichen". Um sie historisch aber "zu erreichen", verlangen sie den völligen Stillstand, ein Einfrieren des status quo, der immer ein Rückgriff auf vergangene Zustände ist.

Wenn die Stimmen innerhalb der "Klimaerwärmungsfraktion" immer stärker werden (und dem VdZ liegen einige ganz aktuelle Publikationen vor, die genau das sagen), daß es eigentlich unmaßgeblich sei, ob die Wissenschaft den Klimawandel "beweisen könne" (auch Gott läßt sich ja nicht linear-wissenschaftlich oder physikalisch beweisen, weil nominalistische Wissenschaft ja prinzipiell gar nichts beweisen kann), denn seine inneren, moralischen Ziele seien ja das wesentliche, dann haben wir es mit derselben Entwicklung zu tun, die auch der Islam durchgemacht hat. Auch dort hat man bis ins 11. Jhd. keineswegs von einer eigenen "Religion" gesprochen. Nirgendwo. Es war Christentum als Basis, zumindest wie man es verstand, das durch politisch-soziale Motive die Gestalt einer Religion annahm. Und genau das, bis ins Detail, ist beim Klimawahn zu beobachten. Weshalb beide Debatten, die über den Islam wie über den "Klimawandel", an Aktualität kaum zu überbieten sind. Auch die Umweltbewegung ist eine politisch-soziale Bewegung einer bestimmten Gesellschaftsschichte. So war es auch bei der Entstehung des Islam.

Das heißt, daß die Historienerzählung des Islam, sowie über weiteste Strecken - genau dort, wo er "wahr" ist - auch sein dogmatisches Gepräge, abstrakte Bilder des Guten und Schönen und Wahren darstellt. Er liefert damit eine Folie für den "Kampf gegen den Klimawandel": Fakten werden gleichgültig, es geht vielmehr um den moralischen Wert, der sich in seinen abstrakten Zielen ausdrückt. 

Aber niemandem dürfte einfallen, eine poetische Geschichte, in die hinein die Entstehung des Islam, seine spätere Geschichte überhöht wurde, wie es nun beim "Kampf gegen den Klimawandel" passiert, als Sammlung historischer Fakten zu betrachten. Der gesamte christliche Glaube fiele, wenn die Historizität, die faktische Historizität von Jesus Christus fallen würde. Gestern, als reale Geschichte, heute als geschichtlich wirksame Wirklichkeit, deren Relevanz für die tägliche Realität uns erst durch diese Geschichtlichkeit erkennbar wird. 

Einfach auf Geschichtlichkeit aber zu verzichten, wie es die Poesie macht, wäre dem Christentum unmöglich. Es wäre ... Fiktion. Ist also der Islam poetische Fiktion? Wie die sich abzeichnende Klimawandelreligion? Davon ist auszugehen.

Es kann überhaupt kein Zweifel darüber bestehen, daß der Koran (sowie die Hadithen, auf die sich die muslimischen Lebensregeln und Rechtsauffassungen weitgehend beziehen), der auf einer christlichen (historisch-real basierten) Erzählung beruht, durch die spezifische arabische, beduinische Poesie grundlegend geprägt und gestaltet wurde. Das Problem begann, als sich ab dem 9., vor allem aber dann dem 11. Jhd. seine wörtliche Lesart durchsetzte, und genau daraus sich dann das bildete, was man fortan als "Islam" bezeichnete. In der sich dann aus der ursprünglichen Zusammenstellung der Anspruch einer Religion zurückwendet, unantastbar und in sich geschlossen (weil wahr, das heißt: göttlich) zu sein. Womit das Wesen der Vernunft nachgeahmt wird, Vernünftigkeit (weil Wirklichkeitsrelevanz, also: historische Relevanz, denn darauf basiert Vernunft, sie ist kein Nominalismus) also simuliert wird. 



Morgen Teil 4) Islam, Papst und Klimawandel - mißbrauchte, unverstandene Poesie






***

Samstag, 30. Mai 2015

Vom islamistisch-christlichen Klimawandelkommunismus (2)

Teil 2) Wie sich eine Religion bildet




*Dieser Vergleich - Islam/Kommunismus - ist äußerst zutreffend, denn die Methodiken beider sind die einer Ideologie, die in unausweichbarer Paranoia pausenlos um ihren Bestand fürchtet, sobald individuell-menschliche Vernunft sich erhebt, und sei es nur als Möglichkeit. Historisch ist es ein nicht zu bezweifelndes Faktum, daß sowohl der Kommunismus als auch der Islam eine Kultur binnen kurzer Zeit ersticken, indem sie das ersticken, was Kultur überhaupt erst ermöglicht - individuelle schöpferische Kraft und Lebendigkeit. 

Die Erzählungen von früherer kultureller Blüte sind nicht die einzigen historischen Fakten, die sich die interne Islamerzählung zudichtet - historisch sind sie nicht wahr. Es waren stets völkisch-kulturelle Blüten, die gerade nicht aus dem Islam entstanden waren, aber dann in sein Einflußgebiet gelangten. Sobald er stark war, war von "Toleranz" keine Rede mehr. Mit "Toleranz" wurde vielmehr jene Frühzeit umgedichtet, in der sich zum einen ein "Islam" herausbildete, zum anderen es noch eine relativ schwächere religiöse Gruppe (unter vielen!) war. Die Motive für sein Erstarken sind politisch-sozialer Natur, als Instrument der realpolitisch Schwachen, die sich nun eine religiöse Legitimation sahen. 

Die poetische Qualität des Islam, des Koran, ist ohne jeden Zweifel von oft höchster Güte, und da ist kein Funke Ironie dabei, das ist sehr ernst gemeint: Die historische Erzählung des Islam ist ein für sich gesehen wunderbares dichterisches Bild, das nicht zufällig auch den Okzident immer wieder fasziniert hat. Entsprechend subtil ist auch die Verteidigung der Wahrheit des Islam durch die Muslime selbst zu sehen. Denn alles, was sie vorbringen, ist auf eine abstrakt-poetologische Weise tatsächlich richtig, und wäre selbst für den Katholiken essentiell. Aber eben als Poetologie.  Diese in Wörtlichkeit umzulegen - ist eine Lüge der Äquivokation, eine Lüge der Schizoidität. In der man dieselben Wörter verwendet, aber auf ganz andere Deutungsebene hebt. 

Denn an sich ist eines der Hauptargumente des Islam, mit dem jede faktische Historizität als bedeutungslos abgewiesen wird, bemerkenswert WAHR. Und unterscheidet sich auf dieser Ebene  in nichts von der katholischen Sichtweise: Daß nämlich Wirklichkeit an sich zeitlos ist, und daß jede Erzählung eine Erzählung von zeitloser Wirklichkeit ist. Um deren Darstellung geht es. Aber dieses Argument funktioniert eben nur auf der Ebene der Poesie, der Kunst. Im realen Leben - nicht mehr, in dem sich das Zeitlose in einem Nacheinander präsentiert, und darum führt kein Weg vorbei. Es kann also das Tatsächliche, das Faktische, nicht einfach ignoriert werden, sondern das Wirkliche als Zeitloses ist vom Faktischen NICHT ZU TRENNEN. Gibt es kein Faktisches, aus dem sich das Wirkliche derivieren läßt, sinkt das Faktische zur bloßen Fiktion ab. Also kann man dann zwar sagen, daß sich im Koran Wahrheiten präsentieren, aber nicht, daß diese auch "Fleisch geworden" sind. Und wie erinnern uns: genau das ist ja das Problem des Arianismus, auf den der Islam zurückgeht. Die Bestreitung, daß das Ewige sich im Fleisch gezeigt hat. 

Diese Ebenen dürfen aber nicht verwechselt werden.

Etwas, das dem Wesen des Wüstenbewohners - der in gewisser Weise "in einem Traum" lebt, Zeichen einer (man wagt es kaum zu sagen, aber so ist es) niedrigen Kulturstufe -  freilich sehr entspricht. Und wozu der Koran sogar wörtlich auffordert: indem er dieses beliebige Wechseln der Bedeutungsebenen von Sprache (zur Lüge) explizit rechtfertigt. Insofern zeigen sich in gewissen dogmatischen Zügen des Islam deutliche Züge einer psychologisch-pathologischen Hermetik, durch Zirkelschlüsse. Es gibt nicht wenige Muslime selbst, die ein Verständnis der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse im arabischen Raum (samt Nordafrika) einfordern, weil sich die Gesellschaften dort auf der Ebene von Stammesgesellschaften bewegen. Und das heißt einfach: geringe Abstraktionsfähigkeit. Das drückt sich auch in der Sprach aus. Fachleute des Arabischen meinen, daß sich im Arabischen (das in seiner strengen Struktur ein Koranarabisch zu sein verlangt, aber praktisch in zahllose Dialekte zerfällt) viele abstrakte Inhalte einfach nicht anders ausdrücken lassen - wie im Deutschen! - als in Poesie. Das darf man sogar ... lieben.

Was im Fall des Koran die Problematik erhellt, daß man davon ausgehen muß, daß wissenschaftlich-linguistisch eindeutig zumindest (!) ein Viertel des Koran falsch, ja manchmal absurd falsch (ins sogenannte "Koranarabisch", das als "himmlische Sprache" gleichfalls sakrosankt ist) übersetzt ist. Aber auch darüber ist innerislamisch keine Debatte möglich. Auch die historische Forschung hat ihre Probleme, denn es gab im Islam Bücherverbrennungen und Verfolgung Andersdenkender zu einem Zeitpunkt, da war das Wort für Deutschland noch nicht erfunden. Manchmal waren sogar diese Verfolgen jene, auf die sich der heutige Islam unter Verweis auf "Blüte und Toleranz" gerne mal bezieht.

Nach derzeitigem Stand. Die außerislamische Forschung (eine ernstzunehmende innerislamische historisch-kritische Forschung gibt es eigentlich nicht, und wenn, wird sie beschränkt) ist erst dabei, das Gebiet durchzuarbeiten. Das hat nicht zuletzt mit der "revolutionären Kraft" der Erkenntnisse zu tun, die neben der jahrhundertelangen eingewöhnten Sichtweise des Abendlandes auch noch ein ganzes Religionsgebäude zum Einsturz bringen würden. 

Und das ist kein Problem selektiv fehlenden guten Willens, oder gar von "Rassismus" oder "Islamophobie", sondern eines der dem Islam (in seiner ersten Entwicklung aus einer arianisch-christlichen Häresie, die sich in ihrer über die Zeit immer deutlicher werdenden Konsequenz konkretisiert) zugrundliegenden manichäischen Weltauffassung.




ÜBERmorgen Teil 3) Parallelen - Eine neue Religion am Horizont - 
Eine Häresie der nur einen Wahrheit




***

Mittwoch, 25. März 2015

Verkehrter Ansatz

Was den Katholiken vom Protestanten (und dem Evangelikalen, und damit den meisten Erneuerungsbewegungen, auch im katholischen Raum) unterscheidet ist nicht der eine oder andere definierte Glaubens"inhalt", der eine oder andere theologische Satz. Wer glaubt, auf dieser Ebene Ökumene, Einheit sehen zu können, hat ein erschreckend grundlegendes spirituelles Problem. Ja, ein Glaubensproblem.

Denn das Unterscheidende zwischen Luther und der Kirche waren und sind gar nicht einzelne Glaubenssätze. Es war und ist die reale spirituelle Dimension dessen, was als "Glaube" gesehen wurde. Mit Übereinkünften über gemeinsame Formulierungen ist da nicht weiterzukommen. Schon gar nicht aber auch mit subjektiven Erlebnissen von etwas, das man mit "Liebe" oder "Glaube" gleichsetzt.

Luther hat in diese Auffassung, was Glaube, was Erlösung und Heil sei, in den Jahren 1517-19 gravierend geändert. Und die Rechtfertigung, das Heil, in ein Evozieren einer subjektiv erlebbaren "Gewißheit" verlegt. Ja, Glaube wurde zu dieser Pflicht, diese "Heilsgewißheit" subjektiv hervorzurufen. (Hilaire Belloc hat deshalb die im Calvinismus noch stärker ausgeprägte Seite des Protestantismus als DIE Grundsünde definiert, und deshalb den Calvinismus als das entscheidende Kulturproblem gesehen.) 

Luther hat damit einer psychologischen, psychologistischen "Glaubenspraxis" Tür und Tor geöffnet, ja sie selbst so vollzogen. Das sieht nicht nur der von Benedikt XVI. hoch geschätzte Paul Hacker so, das ist der Inhalt der Kritik, die der VdZ an dieser Stelle schon mehrfach geäußert und ausgebreitet hat.




***