Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Ökumene werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ökumene werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 2. September 2020

Man muß Roß und Reiter nennen (3)

Teil 3) Wen kümmern heute noch die Freimaurer?
Die wahren Täter sind nicht die Freimaurer.


Wir haben es heute nicht mehr mit Freimaurerei zu tun, wenn wir die destruktiven Strömungen in unserer Kultur begreifen wollen, auch wenn in verschiedenen Fällen und Punkten noch Einfluß da sein mag. Die historische Situation hat sich völlig verändert. 
Der einzige Grund, warum trotzdem noch immer "Freimaurerei" gerufen wird, ist, daß die Menschen Angst davor haben, das Wort "Juden" in den Mund zu nehmen. Und das zeigt, wer wirklich heute die Macht hat, und wie groß die schon geworden ist.  
Es sind Juden, und zwar bestimmte Juden, die im Namen einer Ideologie (die diffus als Religion bezeichnet wird, was sie aber überhaupt nicht ist), die die Vorherrschaft und Macht einer bestimmten gesellschaftlichen, kulturell etablierten Gruppe anstreben. Das hat auch mit Ethnizität - also dem eigentlichen Inhalt des Wortes "Antisemitismus" - nicht das Geringste zu tun!
Wer also die wirklich mächtige, den Strom der Geschichte bestimmen wollende Einflußnahme erkennen will, und zwar vom Fuß des Kreuzes bis zu den Denkmalzerstörungen der letzten Zeit, muß ihn auch nennen: Es sind (bestimmte) Juden und deren Organisationen! Die nicht davor zurückscheuen, sogar die eigene Herkunftsreligion in Geiselhaft zu nehmen, und jeden, der sie kritisiert und erkennt als "Antisemiten" zu diskreditieren.
Es geht um den Kampf gegen den logos, es geht um den Kampf gegen die innere Struktur der Welt! Und was haben alle diese Anti-Logos-Bewegungen gemeinsam? Es ist der jüdisch-revolutionäre Geist!
Es ist ein Jude namens George Soros, der BLM (Black Lives Matter) finanziert, und das ist die aktuellste revolutionäre Bewegung. George Soros ist aber kein Freimaurer! Und es ist nicht das Zweite Vatikanum, es ist nicht einmal (direkt) Nostra Aetate! Es ist vielmehr die Superstruktur, die sich darum gebildet hat, und die sich "Christlich-Jüdischer Dialog" nennt. Die nichts anderes bewirkt und bewirken soll, als die Kirche in Schach zu halten und mundtot zu machen. Das war ein fataler Fehler, wie sich längst herausgestellt hat, und das müßte deshalb auch so bald wie möglich eingestellt werden.

Warum die Kirche freilich derzeit in Irland nichts dazu sagt, daß sich dort die Abtreibung dermaßen ungebremst etabliert, ist ein Rätsel, das sich der historischen Forschung nicht erschließt. Jones findet deshalb keine andere Erklärung als Erpressung. Anders als mit Erpressung des Klerus ist dieses unglaubliche Schweigen der irischen Kirche zu den Zuständen, die sich in Irland derart rasant ausbreiten, nicht zu begreifen. 

Das hat der Fall von Kardinal MacCarrick in den USA gezeigt. Der zu allem Ja und Amen gesagt hat, was das Regime verkündete, WEIL ER ERPRESSBAR WAR. Es ist zum Beispiel mehr als realistisch anzunehmen, daß man Photos von ihm hatte, die ihn in kompromittierenden Situationen zeigten. 






*170820*

Dienstag, 1. September 2020

Man muß Roß und Reiter nennen (2)

Teil 2) Aber auch die pauschale Kritik am Zweiten Vatikanum 
bewirkt das Falsche


Das betrifft im Speziellen die heute so populäre (Anführungszeichen; aber mit diesem Wort muß man es bezeichnen) Anklage, "die Kirche" sei durch Mißbrauchsfälle gewissermaßen abgesoffen. Auch hier ist es entscheidend, präzise, spezifisch zu bleiben, ja überhaupt erst zu werden. Und bei der Frage anzufangen, ob die Kirche ein Problem der Homosexualität (denn die allermeisten sogenannten Mißbrauchsfälle sind Homosexuellenfälle, keine Fälle von Pädophilie) hat oder nicht! 
Schon die allermeisten Bischöfe fangen aber bei diesem Thema an, zu schwimmen, herumzureden, und ihre Äußerungen gleiten ins völlig Diffuse ab. Damit schafft man mehr Probleme, vor allem gravierende Probleme, als daß man welche löst (weil man jemanden "schützt").
Man muß deshalb endlich Roß und Reiter nennen! Und das Hauptquartier dieser Homosexuellenmafia, die die Kirche in Geiselhaft hält, ist der Jesuitenorden, besonders in den USA mit der Gallionsfigur namens P. James Martin. 
Man tut der Kirche in demselben Sinn auch keinen Gefallen, wenn man "das Zweite Vatikanum" pauschal kritisiert, E. Michael Jones weist immer wieder darauf hin. Es stimmt historisch auch nicht, seinen nicht immer geglückten Ausgang den Freimaurern zuzuschreiben. Es entspricht nicht den historischen Tatsachen, auch wenn es eine honorige Person wie Erzbischof Viganò sagt. 
Das macht auch der Umstand nicht besser, als Viganòs Demontage als Nuntius in den USA dem Treiben des - homosexuellen, mittlerweile nicht nur von allen Ämtern suspendierten, sondern sogar laisierten - Kardinals McCarrick zuzuschreiben ist.
Man sollte doch vielmehr beginnen, das Zweite Vatikanum im Lichte der Tradition zu interpretieren. Sämtliche Probleme würden sich dann in Nichts auflösen, meint E. Michael Jones. 

Die Freimauerei war im 18. Jahrhundert wirkungsvoll und auf ihrem Höhepunkt als Gegenpol zu den Jesuiten, die sie massiv (und erfolgreich) bekämpft haben. Weil sie weit früher als die Kirche die Mittel des geistigen Krieges erkannten und einsetzten. Die aber heute weitgehend wirkungslos sind. Die Freimaurerei hat sich überholt, sie ist in dieser gegenwärtigen Welt bedeutungslos geworden. 
Warum? Weil die Revolutionen, die die Freimaurerei überall anzettelten, um Throne und Altäre zu stürzen, siegreich waren und heute so allgegenwärtig geworden sind, daß es nichts mehr zu tun gibt.

Morgen Teil 3) Wen kümmern heute noch die Freimaurer?
Die wahren Täter sind nicht die Freimaurer.


*170820*

Montag, 31. August 2020

Man muß Roß und Reiter nennen (1)

Da hat E. Michael Jones schon Recht, wenn er sagt, daß man der Sache keinen guten Dienst erweist, wenn man die Geschehnisse rund um das Zweite Vatikanische Konzil nur mit anonymen Zuschreibungen bedenkt, die diffus von "Einfluß" und "Tendenzen" sprechen. Vielmehr lassen sich diesen Einflüssen Namen und konkrete Ereignisse zuschreiben, in denen versucht wurde, auf Dokumente wie Nostra Aetate Einfluß zu nehmen. Um sie zu noch viel klareren Auflösungsdokumenten zu machen, in denen der Katholizismus seinen Anspruch auf "die Wahrheit" aufgibt, und die Kirche neben andere Religionen stellt.

Die historische Gestalt dieses Dokuments war dann zwar viel abgemilderter, und noch mehr in diesem verwaschenen Jargon der gesamten übrigen Texte gehalten. Deren kirchengeschichtliche Einzigartigkeit nicht in expliziten Häresien besteht, sondern in einer Aufgabe einer positiven Formulierung zugunsten einer rhetorischen Haltung, gerade immer nur so viel zu sagen, daß zwar nichts falsch oder häretisch ist (wobei es manche Sätze doch sind), aber anderseits alles und vor allem jenes hineininterpretiert werden kann, das dann eine häretische Grundaussage ergibt.

Und eine davon ist eine Deutung von Nostra Aetate, die den Ökumenismus, also die Gleichstellung aller Religionen oder die Irrelevanz der Zugehörigkeit zu egal welcher in deren Heilsbedeutung, zum katholischen Anliegen macht. Aufgerichtet an einem Gerede von "Gespräch" und Verständigungsgebot, nicht nur gar nicht klar ist, mit WEM denn das vorgegebene Ziel des Friedens überhaupt erreicht werden soll (denn keine Religion außer dem Katholizismus ist eindeutig festlegbar, und schon gar nicht so organisiert, daß es Verhandlungsstellen gäbe, die für sämtliche Mitglieder verbindlich wären, sodaß alles Reden von Ökumene letztlich überhaupt leer und fiktiv bleiben muß).

Vielmehr aber ergibt sich eine fatale Schwächung der eigenen Position schon dadurch, als die christliche Haltung von einer Qualität und moralischen Verbindlichkeit des Disputs, der Worte ausgeht, die bei sämtlichen anderen Religionen nicht nur nicht gegeben ist, sondern brutal mißbraucht und ausgenützt werden kann. Und das auch tatsächlich wurde und wird. 

Wovon da konkret die Rede ist? Herrschaften, man nehme doch das bei Juden wie Muslimen wohl bekannte Gebot (sic!), im Umgang mit Andersgläubigen (die bei allen diesen Religionen vom Heil selbstverständlich ausgeschlossen sind) schamlos zu lügen, wenn es um eigene Vorteile geht.

Dieser seit 1965 bis in den gewöhnlichsten Alltag der katholisch (also auf die Kirche) Getauften wirksam gewordene Ökumenismus, der die Kirche zweifellos massiv geschwächt hat, ist aber keineswegs diffusen Strömungen zu verdanken, die bestenfalls durch Erklärungsmodelle im Rang von Verschwörungstheorien zu erhellen sind. Er ist ganz konkret von Feinden der Kirche betrieben worden, die diese Schwächung ganz konkret beabsichtigt und erreicht haben. 

Weil die Lehre, die Gebote, die Moral der Kirche ihren Interessen, vor allem aber ihren Vorstellungen von einer Zukunft der Welt (sic!), entgegen stand. Wie sollte man einen Interventionsversuch bei Papst Paul VI. durch Nelson Rockefeller persönlich denn anders deuten als das, was er war: Ein Versuch, den Papst umzustimmen, Humanae Vitae NICHT zu veröffentlichen, oder mit anderem Inhalt. 

Weil dieser Inhalt den Vorstellungen sämtlicher Vernetzungen widersprach, deren Vorstellungen von einer bessern, ja utopisch-guten Welt auf Reduktion der Weltbevölkerung ausgingen - und bis heute ausgehen! Bei den Maßnahmen, die Organisationen, die etwa Rockefeller-Stiftungen, oder die ach wie humanen Umtriebe eines Bill Gates meist unter salbungsvollen, heuchlerischen Titeln wie "reproduktive Gesundheit" verbergen, sind in Wahrheit und in ihren ideellen Wurzeln aufzeigbar Programme, die man seit Hitler halt nicht mehr "Eugenik" (also "Rassenverbesserung" nach eigenen Vorstellungen) nennt.

Diese Zusammenhänge belegen eindeutig Nachforschungen in historischen Archiven, wie Jones (aber nicht nur er) sie betrieben hat. Der unter anderem das riesige Diözesanarchiv von Chicago unter Kardinal Krol, einer Schlüsselfigur der damaligen Kirche der USA, und sogar in dessen Auftrag ausgewertet hat. Wonach sich ganz klar zeigt, mit welchen Methoden eine Rockefeller-Stiftung versucht hat, Einfluß auf die Kirche, ihre Universitäten, ihre Proponenten und ihre Medien zu gewinnen. Und die über eigene Medien (wie das in den USA und weltweit extrem einflußreiche LIVE-Magazin) die Rezeption in maßgeblichen US-Medien, in der US-Öffentlichkeit und in der Meinung der Menschen zu beeinflussen und zu lenken versucht haben. 

Und wenn der Eindruck entsteht, es handele sich bei der Nennung der Namen der Leute, die das betrieben haben, um Antisemitismus, nur weil das allesamt Juden und von Juden betriebene oder beeinflußte Institutionen waren, dann stellt sich die Frage, was man überhaupt noch sagen kann, darf oder soll.  

Aber die Folge des Umstands, daß man alles nur diffus hält, keine Namen nennt, keine konkreten, realen, historisch nachweisbaren Verbindungen und Ereignisse und Einflußnahmen und Personen nennen zu sollen oder zu dürfen ist katastrophal. Er wendet sich gegen die Kirche selbst: Diese Vernebelungstaktik bringt die Menschen nämlich dazu, DER KIRCHE generell nicht mehr zu vertrauen.

Morgen Teil 2) Aber auch die pauschale Kritik 
am Zweiten Vatikanum bewirkt das Falsche



 *170820*

Sonntag, 29. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (6)

Teil 6)




Dann folgen noch eine Reihe von "nebensächlicheren" Kritikpunkten. Wie die, an Wochentagen in der Fastenzeit Messen zu zelebrieren.

Bedarf von Zwillingen, sich zu unterscheiden

Bemerkenswert ist, daß man so eine Liste des Ausschließenswerten gegen Muslime oder Juden nicht kennt. Es zeigt, daß der Konflikt Orthodoxie - römischer Katholizismus ein innerfamiliärer, umso vehementer geführter Kampf ist. Es beweist, daß man schwer damit zu tun hat, sich getrennt zu sehen. Umso mehr versucht man, die Eigenberechtigung zu beweisen. Zu schwer wiegen die Gemeinsamkeiten. Wie bei Zwillingen, die alles tun, um sich zu unterscheiden und bald nur noch wirken, als würden sie sich nur mit Unterscheidungen befassen.



Kein Orthodoxer würde noch eine römisch-katholische Liturgie besuchen

Den Abschluß der Ausführungen bildet eine bittere Kritik an den Traditionsbrüchen im Katholizismus. Sowohl in der Musik wie auch in der Architektur. Viel Geld wird heute für Abscheulichkeiten ausgegeben. Damit steht in Zusammenhang, daß seit den 1960er Jahren die Zahl der Mönche in der römischen-katholischen Kirche um 95 Prozent zurückgegangen ist. Weltweit gesehen, folgt vielleicht noch EIN EINZIGES Benediktinerkloster den eigentlichen Regeln des Heiligen Benedikt (auch ein orthodoxer Heiliger).  Das zeigt, wie schwierig es in Wahrheit in der Katholischen Kirche (Roms) ist, katholisch zu bleiben. Und das zeigt vor allem, wie groß wirklich die Gräben sind, die Orthodoxie und römischen Katholizismus trennen. Er ist längst spiritueller Natur.

Aber mit rein dogmatischen Einigungen wäre es nicht mehr getan. Die römische Kirche ist bereits glaubenslos.

Was würde also passieren, wenn die römische Kirche das "filioque" aufgäbe. Was würde passieren, wenn die römische Kirche alle Konzile, die sie seit dem Nizäischen Konzil als "ökumenisch" bezeichnet, obwohl die Orthodoxie nie anwesend war, aufgäbe. Wenn die Römer also alles aufgäben, was sie von der Orthodoxie erst so richtig getrennt hat. Wenn sich also die römische Kirche aufs erste Jahrtausend besinnen würde, um mit der Orthodoxie überein zu kommen. Es wäre ein reines Wunder. Es wäre phantastisch. ABER ... was kommt am nächsten Morgen?

Könnte dennoch auch nur irgendjemand aus der Orthodoxie am nächsten Morgen in eine katholische Kirche gehen? Nein, ganz eindeutig: Nein. Ein Orthodoxer in einer römisch-katholischen Messe würde nicht wissen, wo er sich befindet. Er würde sich nicht in einem gemeinsamen Glauben finden! Kein Orthodoxer würde sich im Römischen wiederfinden. Dazu müßte sich die römische Kirche komplett reformieren, sich auf ihren Glauben und ihre Tradition völlig neu besinnen. 

Eine Einigung von Orthodoxie und römischem Katholizismus kann nur eine totale Überraschung sein. Nur ein Wunder. Denn die römisch-katholische Kirche hat sich so weit von der Tradition und dem depositum fidei des Katholizismus entfernt, daß eine Wiedervereinigung der beiden Kirchen nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen scheint.







* Eine gewisse Annäherung gab es freilich in den letzten Jahrzehnten, Rom und Moskau haben wechselseitig eine Reihe von Heiligen jeweils in ihr Martyrologium aufgenommen, eigentlich ein sehr bedeutender Schritt - denn sie bestätigen damit einander, daß man in der jeweiligen Glaubenszugehörigkeit, eigentlich in der jeweiligen Liturgie heilig werden kann!

**Das hat den VdZ bei Besuchen in Orthodoxen Liturgien mit am meisten überrascht: Jedesmal (!) lange Schlangen von Pönitenten, so gut wie alle gingen jedesmal beichten, wenn sie zum Empfang der Kommunion wollten. Und oft wurden die (meist: Mehrzahl) Priester bis zur Kommunion - trotz der zeitlich so langen Liturgie - gar nicht fertig.





*170618*

Samstag, 28. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (5)

Teil 5)



Unterschiede in den diskriminierenden Listen der Orthodoxie, wo man den Römern vorwarf, "unreines" Fleisch zu essen (also mit Blut, ersticktes also, was sich nur beim "Schächten", beim "Halal-Schlachten" vermeiden ließe), sind hingegen obsolet. Sie liegen bestenfalls im unterschiedlichen Klima zwischen Mittelmeer und Europa begründet. Wo das ganz andere Auswirkungen hat. In heißeren Klimazonen stockt Blut sehr rasch. Auch ißt man in Europa Tiere, die man im Osten nicht ißt, auch aus Klimagründen. Weil sich das Fleisch nicht hält.

Im Fleischverbot ist eine weitere, gewaltvolle Geißelung des Fleisches nicht notwendig

Auch das unbedingte Fleischverbot für Mönche ist nur relativ zu sehen. Dafür gibt es im römisch-katholischen Mönchen andere Praktiken, wobei man drüber diskutieren kann, ob sich der Flagello (Peitsche) zu unterziehen, um das Fleisch zu bändigen, nicht weniger klug ist als durch Mäßigung und Verzicht gleich Nahrung, die das Fleisch stärkt - also: Fleisch - zu vermeiden. Da ist sicher ein Widerspruch.

Dann warf man den römischen Klerikern vor, als Soldaten oder Ritter in Schlachten zu dienen. Eine Militarisierung, die als Reaktion auf die militärischen Bedrohungen aus dem Orient (Muslime) zu werten ist, keine Frage In den Kreuzzügen gab es ja sogar Ordensgemeinschaften, die als Programm das Schwert ergriffen. Das widerspricht völlig der orthodoxen Mentalität und Stellung von Priestern Krieg und Kampf gegenüber. Klar, auch dort hat man Priester im Militär, aber sie sind dort nur Kapläne, Geistliche, die niemals töten würden. 

Dann wurde kritisiert, daß römische Priester mehr als eine Liturgie pro Tag feierten (was im übrigen im römischen Katholizismus nur an wenigen Tagen erlaubt ist, darunter Allerseelen, Ostern (weil es nicht vermeidbar ist), und Weihnachten. Neben pastoralen Notlagen. Aber das hat damit zu tun, daß die Liturgie "pastoral" wurde, und sich vom eigentlichen liturgischen Kairos entfernt hat. In der Orthodoxie gibt es eben Vesper etc. Und daran ist die Liturgie gebunden. Nicht an die Pastoral. 

Übrigens: So spät dieses Argument der Pastoral im Vortrag kommt, es ist in den Augen des VdZ weit weit bedeutender. Ja, es ist einer der Hauptgründe für viele Fehlentwicklungen in der römisch-katholischen Kirche. Es ist in seinen Augen sogar der Hauptgrund, warum sich die Kirche über tausend Jahre fast zwangsläufig auf den Totalkollaps zubewegte, den das 2. Vatikanum in seinen Folgen nur noch zur Darstellung brachte, das aber längst alles - auch die tridentinische Liturgie - als Fäulnis durchsetzt hatte.

Ein Priester darf keinen "sex appeal" haben

Dazu paßt dann die Kritik der "schön rasierten Priester", was als Widerspruch zum Verbot gesehen wurde, daß ein Priester keinen "sex appeal" haben dürfe. Ein uraltes Gebot für Priester, das schon Moses sehr sehr scharf vorgab. 

Man kritisierte außerdem die Begräbnisgewohnheiten, wo plötzlich die Menschen nicht mehr mit überkreuzten Armen begraben wurden. Und kritisierte, daß man in Rom Laien zum Altar hinzutreten ließ. Das widerspricht jeder Tradition und der Wirklichkeit des Heiligen, des Tremendum. Man kritisierte auch das Sitzen im Gottesdienst, das sich im 16. Jahrhundert überall etablierte. Und zwar vor allem, weil die Bedeutung von Sitzen UMGEKEHRT wurde. Tatsache ist dabei, daß Stühle in unseren Volkskulturen immer nur den Oberen vorbehalten blieben. Ja, einen Sitz zu haben war Merkmal der Führung. Noch im Mittelalter saß NIEMAND, einen Stuhl gab es nur für den Herren.  

Sitzen ist ein Merkmal von Autorität!

Wer steht zeigt, daß er sich der Autorität unterwirft. Diese Änderung ist auf die Protestanten zurückzuführen - der VdZ hat schon mehrmals gesagt, daß die liturgischen Neuerungen des Tridentinums eine kaum faßliche Reaktion auf den Protestantismus war, der SEITHER noch deutlicher Einzug in der Katholizität hielt. Er hält schon deshalb die tridentinische Messe als Formalregelung, wie es so viele heute meinen, keineswegs (mehr) für das Heilmittel des Katholizismus! Da ist viel mehr notwendig. Die "alte, tridentinische Messe Paul V." ist vielmehr eine direkte Wegbereitung für die katastrophalen Zerstörungen des 2. Vatikanums und seinen Folgen. Das macht auch "Petrusbruderschaften" oder "Piusbruderschaften" und wie sie auch heißen mögen zu Totgeburten.


Morgen Teil 6)





*170618*

Freitag, 27. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (4)

Teil 4)



Ein nächster Punkt ist die "unbefleckte Empfängnis", wie sie die katholische Kirche 1854 als Dogma verkündet hat. Demgemäß wurde Maria auf eine von uns verschiedene Weise empfangen. Frei von Erbsünde. Das wäre aber kein Grund für "Heiligkeit". Denn damit hätte Maria niemals mit den Versuchungen der Erbsünde zu kämpfen gehabt. Wenn Maria die Taufe, wenn Maria die Versuchungen des "normalen gefallenen Menschen" nicht zu überwinden hatte, wäre ihre Heiligkeit doch nicht so groß wie sie tatsächlich ist!? Dieses Dogma macht sie also kleiner! Erst das machte sie aber zu dem großen Vorbild für alle Menschen!

Änderungen an allen Sakramenten

Weiters führt Fr. Trenham Änderungen in den Sakramenten an, die die römisch-katholische Kirche durchgeführt hat. Die fast alle seit dem großen Schisma eingeführt wurden. Man nehme etwa das Kreuzzeichen. (Das aber kein Sakrament ist, sondern eine "Sakramentalie", Anm.). Es ist so alt wie die Kirche, und eines der ersten überlieferten Zeugnisse, überliefert bereits aus dem 2. Jahrhundert. Schon der Heilige Antonius bezeichnet es im Jahre 250 als mächtigste Waffe gegen das Böse. Nach Papst Innozenz III. aber wurde das Kreuz verändert - von links nach rechts, wie es die römischen Katholiken bis heute tun. Aber es war immer von rechts nach links! Das hat die Orthodoxie nie akzeptiert. Nicht, weil es nicht ein Kreuz wäre. Sondern weil es ein willkürliches Ändern einer Tradition war, dessen Wirkmächtigkeit ja oft und oft überliefert wurde. Warum ändert man das also, ohne sich darum zu kümmern, was der Osten macht?

Nächster Punkt - die Taufe. Sie wurde von Rom sowohl der Form wie in den Formularien (Prozedere) geändert. Die von Anfang an überlieferte Form ist das Eintauchen ins Wasser. Ganz. Dreimal. Im Namen des Vaters. Des Sohnes. Des Heiligen Geistes. Es begann im 10. Jahrhundert, als die römischen Katholiken nur noch einmal eingetaucht wurden. (Wir bemerken: Form und Inhalt wurden allmählich mehr und mehr auseinandergerissen. Die Dinge verloren, was sie sind - und das ist genau der Nominalismus, der später alles zersetzen sollte.)

Im Mittelalter verlor sich sogar diese Praxis, und entwickelte sich zur heutigen, völlig neuen römisch-katholischen Praxis: Man übergießt nur noch den Kopf des Säuglings. Das Sakrament wurde zum "Symbol". Man beachte dabei aber vor allem: Die Bewegung! Von - zu! Was geht von - zu? (Übrigens: Das Konzept des "logos", der ein "auf - hin" ist.) Das kommt einer Perversion, einer Umkehrung dessen gleich, was Taufe überhaupt IST.

Wer aber "tauft" überhaupt?

Dazu kam die Formel, das gesprochene Wort. Von "Der Täufling WIRD getauft" (passivum) zu "ICH TAUFE DICH" (aktivum!) (Erkennt der Leser die Zusammenhänge mit dem "Filioque"?) Damit wird genau das Falsche ausgedrückt. Der Priester IST der Gnadenspender, und nicht der Mittler der Gnade des Heiligen Geistes, der DURCH/ÜBER IHN wirkt. Johannes Chrysostomus hat diese Praxis seit dem 4. Jahrhundert bekämpft.

Gibt es drei Sorten von Christen? Vom Auseinanderreißen der Sakramente.

Das nächste, was schrecklich verändert wurde, war die Salbung mit Chrisamöl. Während die ersten Jahrhunderte die Praxis der Aufeinanderfolge von Taufe - Salbung (Firmung) - Eucharistie gleich war, brach die römische Kirche diese "Trilogie" auf. Seither wird die Firmung von der Taufe getrennt, man wird ohne Chrisamöl getauft. Eine neue Art von Christ wurde damit erfunden. Plötzlich gibt es drei Arten von Christen - die Orthodoxen kennen aber nur einen! Den Getauften, den Gefirmten, den Kommunionempfänger. Die Römer haben damit Kindheit von 6 - 7 Jahre alten Kindern getrennt. Nun gibt es getaufte, aber nicht kommuniable Christen. Und dann gibt es getaufte und kommunizierende, aber nicht gefirmte Christen. Das ist eine völlige Neuheit gewesen! Die es so nie gegeben hat. 

Das ließe eigentlich zu einer seltsamen Idee von "Exkommunikation" verleiten - da sind also Menschen exkommuniziert, nur weil sie ... kleine Kinder sind?

Dann kam die Neuerung, daß die Eucharistie, die nur in einer Form gegeben wurde, auf "ungesäuertes Brot" geändert wurde. Statt daß ein Laib verwendet wurde, der die Gesamtheit der Kirche symbolisiert hatte, wurden einzelne Hostien geprägt. Sie haben damit kein Brot "zu brechen". Das hat nur noch der Priester. Aber die normalen Gläubigen bekommen ungebrochenes Brot. Damit verbindet sich aber das Symbol "vereinzelter weil einzelstehender Teile". Das Symbol, der Gemeinschaft des "einen Laib zugehörend", verliert sich damit, wird im "einen Kelch" nicht mehr erfaßt.

Auflösung der Fastenordnung

Nächster Punkt: Das Fasten am Samstag, aber überhaupt die Fastengebote. Die Tradition kennt ein Fasten von Mittwoch und Freitag, und zwar wirkliches Fasten. Aber nicht am Samstag, nicht am Sonntag. Die heutigen Katholiken müssen schon froh sein, wenn man am Freitag kein Fleisch ißt. Die immer strengen Fastenregeln sind quasi aufgehoben, selbst in der Fastenzeit. Die Bedeutung des Fastens für die Volksfrömmigkeit ist dabei kaum zu überschätzen! (Das Fastengebot der Orthodoxie ist nach wie vor sehr sehr streng, und wird auch befolgt.)

Vom Zölibatären ist mehr verlangt, als von den Aposteln

Ein sehr wichtiger Punkt ist das klerikale Zölibat, eine wichtige Angelegenheit, weil sie das Verhältnis des Priesters zur Sexualität betrifft. Hierin unterscheiden sich Westen und Osten deutlich. Von Anfang an haben die westlichen Vertreter auf Konzilien versucht ein Gesetz durchzubringen, daß jeder, der zum Priester geweiht wurde, sich zukünftig - auch wenn er vor der Weihe verheiratet gewesen war - von sexuellen Beziehungen fernzuhalten habe. Es gab ja am Anfang viele zuvor zumindest verheiratete Priester, denn ein erwachsener Mann heiratet eben. Das Wesen des Menschen ist schlicht ehelich. 

Wer gesund ist, der ist verheiratet, so kann man das zusammenfassen. Die Argumentation der östlichen Tradition sagt nun, daß man zwar den römischen Impuls sehr zu achten habe, aber daß einen Mann zum Zölibat verpflichten zu wollen hieße, von ihm mehr Heiligkeit als von den Aposteln zu verlangen. Die ja zum Teil verheiratet gewesen waren, ehe sie sich zur Nachfolge Jesu entschlossen. Ja, von einem Kleriker ist mehr zu verlangen als von einem einfachen Laien, keine Frage, sagt Fr. Trenham. Auch mehr Heiligkeit, Keuschheit, etc. Aber was nicht der Fall sein kann ist, daß man von einem Priester mehr verlangt als von einem Apostel Paulus oder anderen Aposteln! 

Getreu den ersten Konzilien verlangt man apostolischen Rigorismus, klar, aber nicht einen "super-apostolischen" Rigorismus.  Das Priestertum VERSTÄRKT sogar die Position in einer Ehe, schwächt sie nicht (wie es die römische Kirche heute sieht.) Die Bemühungen der ersten Konzilien gingen dahin, Anstand in die persönlichen Verhältnisse zu bringen, nicht - Zölibat. Sogar zum Gegenteil. Seine Frau wegen der Weihe zu verlassen, sich des ehelichen Verkehrs zu enthalten, war ein Vergehen. Sie brauchten freilich Keuschheit, auch im Umgang mit der Frau, aber mußten sich nur dort enthalten, wo sie die Liturgie zelebrierten. 

Dazu muß man einfach zuerkennen, daß diese Lösung ... der Realität auch der römischen Kirche weit mehr entspricht. Denn die Praxis hat gezeigt, daß die römischen Anforderungen in der Praxis der orthodoxen Regelung entsprechen. Das Zölibat wird und wurde über weite Strecken nie eingehalten. Was also ist realistischer?

Morgen Teil 5)






*170618*

Donnerstag, 26. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (3)

Teil 3)




Eine weitere Folge ist, daß der Papst die dogmatische Gewalt hat, Dogmen zu verändern, selbst wenn vorangegangene Päpste sagten, daß das nicht möglich ist. Und wir erleben es bei P. Franziskus tatsächlich. Eine wirkliche Grundlage, ihm zu widersprechen, wie es traditionelle Katholiken behaupten und oft genug sehr fragwürdig und unbeholfen zu rechtfertigen suchen, gibt es nicht, ohne diesem Primatsprinzip zu widersprechen. Das "depositum fidei" als Gut der gesamten Kirche verliert so sein reales Gewicht, seine Präsenz.


Die päpstliche Unfehlbarkeit hat versagt - sie bewirkt erst die Verwirrung, die zu bekämpfen sie vorgab

Die Folgen beobachten wir in der extremen Verwirrung, die heute herrscht. Die Ergebnisse von allgemeinen Umfragen, was katholisch sei, sind erschütternd. Nicht TROTZ des Primats in der heutigen Form, sondern eben ... WEGEN.)  Wie es eben beim Credo passiert ist. Auch die Einrichtung von "Kardinälen" widerspricht der Kirche. Extremes dogmatisches Chaos ist die Folge! Und nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt. Es gibt heute Kardinäle, die in ihren Diözesen Theologen beschäftigen, die sogar explizit die Auferstehung leugnen. Daran zeigt sich, daß die "Unfehlbarkeit des Papstes" in Verbindung mit zentralistischer Disziplin, die garantieren sollte, daß jeder Bischof und jeder Priester nur die eine Lehre verkündet, ganz real nicht funktioniert hat!

Das hatte weitere Auswirkungen. So hat die Kirche die Lehre der Kirchenväter über Bord geworfen, was das Wirken der Gnade anbelangt. Die Definition, daß sich die Gnade als eigene Substanz von Gott selbst unterscheidet, führt zur Definition, daß der Gläubige im Gebet nicht mehr mit dem ungeschaffenen Licht selbst in Verbindung kommt. Große Kirchenväter haben aber gelehrt, daß der Einzelne zwar nicht mit Gott, aber mit der göttlichen "Energie" in Verbindung kommen kann. Sie haben gelehrt, daß der Einzelne durch Gebet mit Gott in Kommunion kommen kann und so das ungeschaffene Licht erblicken kann. So daß jeder Gläubige das Erlebnis auf dem Berg Tabor in seinem Leben haben kann. (Kann!) Das wird von der römischen Kirche explizit abgelehnt.

Gnade als eigene Wirklichkeit?

Vereinfacht sagt die Orthodoxie mit Kirchenvätern, daß der Mensch zwar nicht mit der Sonne, aber mit deren Hitze und Wärme in Kontakt kommen kann. Die zwar nicht die Sonne selbst sind, aber doch auf eine Weise, und zwar über ihre Wirkungen und Eigenschaften.  Das Tageslicht, die Wärme sind zwar nicht Gott selbst, aber doch reale Anwesenheit Gottes (im Beispiel: der Sonne). (Das führt übrigens auch zum Punkt der Wertschätzung der Weisheit, der Sophia in der Orthodoxie, als Teilhabe am Wissen und an der Vorsehung Gottes. Es wird auf jeden Fall leichter verständlich, warum römisch-katholische Theologen manchmal meinten, die Rolle der Sophia in der Orthodoxie wäre fast einer "vierten göttlichen Person" gleich. Was natürlich so nicht stimmt.) Gnade wird bei der römisch-katholischen Kirche also zur "geschaffenen" Wirklichkeit, einer eigenen Substanz, nicht zur direkten Eigenschaftlichkeit Gottes (und damit seiner Präsenz über die Anwesenheit der Gnade) selbst.

Zusammengefaßt: Das filioque wird deshalb abgelehnt, weil es zwar keine Frage ist, daß Christus der Mittler ist, der diese Möglichkeit eröffnete, über die Anähnlichung an ihn, aber die Wirklichkeit des Heiligen Geistes als Dritte Göttliche Person, der vom Vater ausgeht, ist dann an sich eine weitere, eigene Wirklichkeit.

Wer gestorben ist, ist noch lange nicht gerettet

Die weiteren Unterschiede hängen damit eng zusammen. So die Lehre über das Fegefeuer. Die römisch-katholische Kirche lehrt, daß das Fegefeuer ein Feuer der Reinigung ist, nicht das Feuer der Hölle, wie die Orthodoxie. Sie behauptet, daß die Rettung schon durch den Glauben erreicht werde, OHNE daß die Erfordernisse der Reue erfüllt seien. Diese Lehre gab es zwar schon vor dem Schisma, aber sie explodierte im Mittelalter. Wo sich das Konzept des Ablasses ausufernd steigerte. Luther habe damit Recht gehabt, als er sagte: Wenn der Papst die Vollmacht hat, diese Strafen im Fegefeuer abzukürzen oder überhaupt zu erlassen, warum macht er es nicht einfach so, aus Liebe? Warum also "Ablaßkäufe"? 

Freilich, das protestantische Konzept, daß man mit dem Tod - "ping!" - auf der Wolke des Himmels schwebt, ist genau so Unsinn. Nicht besser als das Konzept des Fegefeuers der römischen-katholischen Kirche.

So lange jemand noch im "Fegefeuer" ist, daß das Feuer der Hölle ist, ist jemand nach orthodoxer Ansicht aber noch nicht gerettet. Worauf bezieht sich so ein "Optimismus"? Die Orthodoxie hat deshalb 40tägige Riten nach dem Ableben einer Person, man muß sich um jeden Verstorbenen ernsthafte Sorgen machen. Denn der Übergang von diesem Leben zum ewigen Leben passiert nicht "plötzlich". Und schon gar nicht ist er leicht (wie er es bei der Jungfrau Maria war.) Er ist sehr sehr herausfordernd, und unsere Gebete für den Verstorbenen sind äußerst wichtig. Was die Protestanten, im speziellen noch die Calvinisten sagen, daß die Seele nach dem Tod SOFORT in den Himmel gelange, entbehrt jeder Grundlage. Wenn man auch gewisse Vorsicht bei solchen Konzepten haben sollte, denn im Neuen Testament steht nichts darüber.


Morgen Teil 4)





*170618*

Mittwoch, 25. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (2)

Teil 2)




Trotz dieser Zahlen haben aber heute die, die den Katholizismus ernst nehmen, größte Probleme einen Ort zu finden, an dem sie diesen Glauben auch leben können. Wo sie nicht mit der Fülle von Widersprüchen konfrontiert sind, die die römische Kirche heute kennzeichnen. Das Verhältnis Priester zu Gläubigen in den USA ist deshalb nicht zufällig 5.000 zu 1. Und davon sind gut 50 Prozent "Importe", aus den Philippinen etwa. Aufgrund der Erosionen in der katholischen Kirche gibt es für konservative, "anständige" Katholiken keinen Ansporn mehr, Priester zu werden. Es wird deshalb auch immer schwieriger eine Kirche zu finden, wo die Liturgie noch anständig gefeiert und keine moraltheologische Verirrung gepredigt wird. Oder wo man wie früher immer beichten gehen kann. Und nicht einmal das spärliche Beichtangebot wird noch wahrgenommen, denn Katholiken gehen heute gar nicht mehr zur Beichte.** Die Katholiken sind nicht nur protestantisiert, sie haben freiwillig angenommen, was die Protestanten angerichtet haben. Daran sind die Bischöfe selbst schuld. 

Fr. Trenham schickt seinem Sermon über die Unterschiede voraus, daß er große Wertschätzung für die römisch-katholischen Gläubigen hegt. Auch schätzt er die Zusammenarbeit mit dem Katholizismus, der der Orthodoxie oft auch hilft. 2016 ist sogar erstmals ein Statement gegen die Abtreibung herausgegeben worden, in dem katholische und orthodoxe Bischöfe gemeinsam Stellung bezogen. 

Dennoch ist seine Liste der Abgrenzungspunkte nicht weniger scharf. Und so beklagt er, daß die römische Kirche oft sehr aggressiv vorgeht. Etwa im Vorderen Orient, in Gebieten wo es gar keine Katholiken gibt, sondern nur Orthodoxe, errichten sie etwa Schulen - sie haben die Mittel dazu - und drängen die Schüler, die orthodox sind, klammheimlich in den Katholizismus, etwa im Meßbesuch (in der Memoration).  Diese "Proselytenmacherei" ist generell zu beobachten, und oft genug (siehe Ukraine) ein schwerer Anstoß zum Konflikt. (Aber hier haben wir eben das Problem der Religionsfreiheit, und warum die Orthodoxen das oft wollen, liegt auf der Hand: sie dient der Minderheit, und nur der Minderheit.)

Eine große und fragwürdige Rolle spielten die Erscheinungen von Fatima. Die Kinder erhielten dabei eine Prophetie, genau übrigens in dem Jahr, in dem Rußland durch den Bolschewismus gekreuzigt wurde. Es heißt dabei, daß sich Rußland "bekehre". Die Katholiken interpretieren das aber so, als hätte das geheißen, sie würden KATHOLISCH! Totaler Unsinn! Der orthodoxe Priester und Theologe erzählt von einem seiner Gespräche mit dem (sehr frommen, katholischen) portugiesischen König (derzeit außer Amt). Der sei mit den Seherkindern in regelmäßigem brieflichem Kontakt gestanden. Auf eine spezifische Anfrage diesbezüglich hätten diese ihm aber geantwortet, daß ihrer Auffassung nach Maria diese Botschaft so gemeint habe, daß die Russen sich ZUR ORTHODOXIE bekehren würden! (Übrigens: Manchen Berichten zufolge scheint sich das heute tatsächlich zu ereignen.)

Die Liste der Unterschiede - Am Anfang stand das Filioque

Was steht nun aber wirklich zwischen der Orthodoxie und der römisch-katholischen Kirche? Die orthodoxe Kirche hat dazu ab dem 7./8. Jahrhundert Listen angefertigt. Und ganz an der Spitze der Unvereinbarkeiten steht das FILIOQUE als Lehre vom Ausgang des Heiligen Geistes. Das widerspricht der Lehre von der Dreifaltigkeit, und die Konsequenzen dieser Häresie sind immens. (Wir haben darüber schon einmal unsere Gedanken dargelegt, es stimmt: die Konsequenzen WAREN immens.) Es geht dabei nicht nur um die Arroganz, in der der römische Papst einseitig und eigenmächtig das in Nizäa gemeinsam erarbeitete Glaubensbekenntnis geändert hatte. Sondern man hatte damals festgelegt, daß am Credo "nicht eine Silbe" geändert werden dürfte - bei sonstigem anathema sit. Seither expliziert sich die römische Kirche auf genau diese beiden Punkte, die aber extrem scheiden: Das Filioque und die Unfehlbarkeit des Papstes (in der er das einseitig verkündete). 

Was ist der Papst?

Im päpstlichen Primat sieht die Orthodoxie die Abweichung, daß es beim Bischof von Rom in der römischen Auffassung nicht einfach um den "Nachfolger von Petrus" geht, sondern um dessen "stellvertretender Präsenz auf Erden". Daraus ist die Vorstellung erwachsen, daß der Bischof von Rom nicht einfach Jurisdiktion über SEINE Diözese (Rom) hat, sondern daß er gleichermaßen das Recht hat, sich disziplinär in die Agenden der östlichen Patriarchen einzumischen. Nicht nur gewissermaßen "im Vorrang der Ehre", sondern in Jurisdiktionsgewalt. 

Das hat sich so ausgewachsen, daß es heute keinen römisch-katholischen Bischof auf der Welt gibt, der nicht vom Papst eingesetzt wird. Die Orthodoxie lehnt diesen Zentralismus völlig ab. Die Idee, daß ein Bischof alle Rechte gegenüber allen anderen Bischöfen hat, verletzt das Territorialprinzip, das Lokalitätsprinzip der Kirche.





Morgen Teil 3)




*170618*

Dienstag, 24. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (1)

Über die Unterschiede zwischen dem römischen Katholizismus und der Orthodoxie handelt dieser Vortrag, den der amerikanische Theologe Josiah Trenham in den USA 2016 hielt. Und wir wollen gleich einmal einhaken: Trenham entstammt methodistisch (protestantischem) Hintergrund. Und konvertierte zur Orthodoxie, ja ließ sich zum Priester weihen. Das ändert nichts an der Bewertungshaltung seiner Argumente, die viel Wahres enthalten.

Aber es sollte auch nie - nie! - vergessen werden, denn es gibt Berührungen zwischen Protestantismus und Orthodoxie, gegen die sich die Orthodoxie zwar immer abzugrenzen bemühte - Bemühungen der Protestanten, eine Allianz mit der Orthodoxie zu finden, wurden aus Moskau brüsk zurückgewiesen - die sie aber dennoch sehr betreffen. Das wird der Leser im Fortlauf des Textes gewiß erkennen. Aber es bleibt ziemlich interessant, was der Theologe zu sagen hat. Und ist eine Art Kompendium, das durchaus zutreffend ist.

Der VdZ wird nie vergessen, wie ihn ein angesehener Fachtheologe und Philosophie-Dozent an einer katholisch-theologischen Hochschule einmal anrief, um ihm mitten aus seiner Arbeit an seiner ersten Dissertation mitzuteilen, daß er nach intensivem Studium des Lutherismus zur Meinung gekommen ist, daß er "auf deren Seite gewesen" wäre. Es gibt wohl kaum einen "konservativeren" Theologen als ihn.


***

Trenham beginnt mit dem Hinweis, daß das große Schisma zwischen Ost und West eine Familienaffäre war. Es geschah in Wirklichkeit nicht 1054, das Datum wird der Einfachheit halber oft genannt. Vielmehr geschah die wirkliche Trennung 1204 bei der Plünderung von Konstantinopel durch römisch-katholische Kreuzritter. Das zeigt ihre historisch-faktische Dimension.

Die Orthodoxie hat durch die Trennung verloren

In Wirklichkeit kann man ja die Kirche nicht teilen. Man kann sie nur verlassen. Und Trenham ist natürlich der Ansicht, daß die Eine Heilige Kirche in der Orthodoxen Kirche weiterbesteht, daß also der Westen die Kirche verlassen hat. Schon deshalb war das Große Schisma ein extremer Verlust für die Kirche selbst. Vor allem auch durch die Lostrennung von sehr vielen Heiligen, die der östlichen Kirche nunmehr verloren gingen.* Nunmehr konnten viele Taufnamen nicht mehr vergeben werden, weil der Osten nicht wußte, daß es Heilige mit diesem Namen gab - ein wichtiger Grund für die Entfremdung, die stattfand. Immerhin hat vor zehn Jahren eine orthodoxe Synode eine Reihe von römisch-westlichen Heiligen in ihr Heiligenverzeichnis aufgenommen.

Aber auch auf anderen Gebieten hat die Orthodoxie manches verloren, was die römische Kirche hatte. Etwa die missionarische Kraft und Fähigkeit, oder einfach Organisationsfähigkeiten. Auch in der Liturgie gab es im Osten eine gewisse Monomanisierung. Die Fülle der oft recht unterschiedlichen Liturgien des Westens ging verloren. Und natürlich verlor man viel militärische Kraft im Hintergrund. Heute hat die römische Kirche das Mehrfache an Mitgliedern, das war vor dem Schisma nicht so, da waren beide gleich groß.

Aber katholisch sind doch beide?

Schockierend war für die Orthodoxie, daß es dem Westen gelang, den Begriff "Katholizismus" für sich zu beanspruchen. Dabei versteht auch die Orthodoxie sich als "katholisch". Auffallend ist dabei, daß es im Westen ab dem 13. Jahrhundert zu einer ungeheuren Dynamik kam, in der sich Häresien entwickelten. Das ist in dieser Form in der Orthodoxie nicht passiert. So kam es über die Jahrhunderte zu einer immer größeren Entfernung beider voneinander, ausgehend von Thomas von Aquin, der einmal sagt, daß jeder, der nicht mit dem Papst in Einheit ist, verdammt sei. Erst im 20. Jahrhundert hat die römische Kirche nach und nach diese Abgrenzungen wieder aufzuweichen begonnen. Speziell Johannes Paul II. (der eine orthodoxe Mutter hatte) hat einige römische Positionen geändert und denen der Orthodoxie damit ähnlicher gemacht. So die Frage nach dem Gehorsam dem Papst gegenüber. Benedict XVI. führte das weiter. Daß er freilich den Titel "Patriarch des Westens" auch aufgab, war der Orthodoxie zu viel, denn gerade diesen Titel liebten sie. 

Was aber, so Fr. Trenham, der jetzige Papst glaubt weiß niemand. Er zumindest hat keine Ahnung.  Die römisch-katholische Kirche durchlebt seiner Einschätzung nach momentan eine unglaublich traurige Zeit.

Nun ist die Orthodoxie überall zu klein

Trenham betont, daß es auch heute noch ein großer Schmerz sei, daß diese Trennung existiert, auch für die Orthodoxie. Die (nicht nur) in den USA in der Situation einer kleinen Minderheit ist. Und als Minderheit ist vieles nicht machbar. So daß man zugeben muß, daß die engagierten Katholiken für ihr Vaterland oft sehr viel tun. Man denke nur an Schulen und Erziehungs- oder gar die Sozial- und Gesundheitseinrichtungen oder Krankenhäuser, denke an die Pro-Life-Bewegungen, ans Engagement in der Verteidigung der traditionellen Ehe, oder an die, die die Freiheit der Religionsausübung verteidigen (was wir natürlich für höchst fragwürdig halten, siehe dazu die Artikelserie von vor einigen Wochen). 71 Millionen Katholiken haben eben ein anderes Gewicht in den USA als eine Million Orthodoxe. Die größte Diözese der USA - Los Angeles - hat alleine über vier Millionen Katholiken. Es fehlt meist einfach die Grundmenge, die für eine Maßnahme oder Einrichtung nötig ist. Er selbst habe auch viele Freunde und Förderer, die römisch-katholisch sind.



Morgen Teil 2)






*170618*

Sonntag, 25. September 2016

Alles einender Weltengrund

Die ursprünglich allen Völkern und Menschen gemeinsame religiöse Selbstverständlichkeit des "einen Gottes"* zerfiel im Laufe der Geschichte. Denn es fehlte nach dem Paradies die reale, personale Präsenz. Gott Vater, der reine Geist, war nicht mehr direkt sichtbar, der Mensch hat sich dieser Sichtbarkeit und Präsenz begeben. 

Also begannen sich mit der Zeit überall, Personalisierungen von Einzeldynamiken (Topoi) als das unsichtbare Wirkliche, also der eigentlichen Wirklichkeit, die hinter allem steht und die allem Sein zugrunde liegt - der einzige unbewegte Beweger, wie es Aristoteles formulierte - herauszubilden. Diese personalisierten Gestalten selbst waren dabei eher nebensächlich, in ihrem Rang mit dem späteren inkarnierten Gott in Jesus Christus nicht vergleichbar. In diesem Sinne begannen sich auch die Religionen je nach dem zu unterscheiden, was den Menschen in der erlebten Welt unmittelbar begegnete, und über die Eltern (v. a. die Mütter) an die Kinder (die "aus der Mutter heraus" zur Welt kommen und diese dann im Vater sind) je weitergegeben wurde.

Das zeigt sich in einer gewissen "Ökumene", die alle Religionen zueinander hatten. Die Religion aller Menschen war im großen Ganzen weltweit gleich, weil auch die Erlebenswirklichkeit überall die gleiche war. Die Lebensweise unterschied sich weltweit kaum, begann sich erst zu unterscheiden. (Wobei ihr eigentlicher Grund überall - und bis heute - gleich ist. Die Menschen unterscheiden sich weltweit nur in Marginalien voneinander.) Also herrschte auch weitgehend Übereinstimmung jenen Dynamiken gegenüber, die als tragender Weltengrund erfahren wurden.

Die angebliche Toleranz der Römer anderen Göttern gegenüber war deshalb auch gar keine Toleranz, sondern in den fremden Göttern fremder Völker traten ihnen ja dieselben Topoi (einzelne konkretisierte, abgegrenzte, isoliert identifizierte Wirklichkeitsdynamiken) gegenüber. Und wenn es Begrifflichkeiten (Gestalten, Göttergestalten) gab, die auch in ihrer Wirklichkeit vorkamen, die sie bisher aber noch nicht zu Gestalten isoliert weil abgegrenzt hatten, so war es völlig normal, diese "neuen Götter" in den eigenen Kanon mit aufzunehmen. Mit Toleranz hatte das überhaupt nichts zu tun. 

Deshalb herrschte auch weitgehende Erlebensgleichheit in den Elementen, die Erlösung und Heiligung brachten. Die alten religiösen Lehren und Schriften enthalten deshalb viele Elemente, die sich später im Christentum definitiv und am umfassendsten fanden. Sie sind Elemente, die man aus dem normalen Lebenshorizont erfassen kann, wenn auch noch nicht konkretisiert. Dazu braucht es dann das Konkrete - die Gestalt. Selbst die "Konzepte" der Teilhabe am Göttlichen waren überall gleich: Das Selbstopfer. Und darin wurde versucht, diese Erlösung des Menschen in den jeweiligen Riten zu historisieren, also real zu machen.**

Diese finale Lösung, die alle übrigen Lösungen natürlich bei weitem übertraf, und zwar nicht nur quantitativ, sondern vor allem in der Dimension weil nun erst: in der finalen Realität, die sich zuvor alle nur erhofft, gewünscht hatten, fand sich dann in Jesus, dem Sohn Gottes. Der Erfüllung eigentlich aller übrigen religiösen Sehnsüchte, die in der Tatsache eines inkarnierten Gottes kulminierte und nur dort kulminieren kann. Was ebenfalls aber kein neuer Gedanke war. Nur hat er sich noch nie realisiert, historisiert, erst eben mit Jesus dem Christus. Der nicht nur die Wahrheit "lehrte", sondern der sie "war". Und damit an das uralte menschliche Wissen (das in den Religionen auf eine mehr oder weniger vollständige Weise als Erinnerung bestand) aus jenen Tagen anschloß, in denen, wie die Bibel darstellt, Gott "im Paradies wandelte", der Mensch als Gottes Ebenbild damit auch der Wahrheit in Personsgestalt ähnelte. WENN er sich ihr offenhielt, für sie bereit war - im Gehorsam. 

Denn die Welt besteht in einem Zueinander von Gestalten, und sie nimmt am Leben teil durch die passive (bloße Materie) und aktive (lebendige Wesen, in einer bis zum Geistigen im Menschen aufsteigenden, also schließlich auch den Geist umfassenden Form) Teilhabe am je Begegnenden - dem als Schlußstein natürlich das Leben, die Wahrheit, der Weg selbst fehlte. Der inkarnierte Gott.

 



*Die bis heute unübertroffene, gewaltige Untersuchung fast sämtlicher Religionen und Völker der Welt durch P. Wilhelm Schmidt ist in ihrer Aufweisqualität wärmstens zu empfehlen. Schmidt zeigt auch, daß der Mehrgottglaube, der überall in Magie (Technik) übergehet, Dekadenz- und Verfallserscheinungen einer zunehmend technisierten Religion sind.

**Das macht den tibetischen Buddhismus in diesem Punkt recht interessant, denn er kennt den Gedanken der historischen Inkarnation Gottes (im Rahmen des Buddhismus natürlich in entsprechend widersprüchlicher Form, die sich nur mit "Fideismen" zusammenklittern läßt - der tibetische Lamaismus ist, was nur wenige zu wissen scheinen, ein verzweigtes System wildesten, ja primitiven und sogar brutalen Aberglaubens) in der Gestalt eines jeweils inkarnierten "Lama" (als über die Zeit je fleischlichen Buddha).





*140816*

Dienstag, 17. November 2015

Das gilt auch für Paris

Natürlich ist es Unsinn zu behjaupten, Islamismus hätte nichts mit Islam zu tun, und die Penetranz, mit der diese Ausage auftauht, macht sie nicht klüger, nur noch verdächtiger. Mit Recht. Umso mehr verwundert sie, wenn sie aus katholischen Kreisen kommt. Denn gerade die Kirche ist das reale Mysterium der Einheit in einer Universalie, und ginge man davon aus, wieviele Christen das "Wahre Christentum" vertreten, käme man auf genau Null Prozent. Weil genau das gilt, was Kardinal Newman einmal so formulierte: Wo immer ich sündige, glaube ich nicht, bin ich häretisch. Und jeder sündigt des Tages sieben mal siebzigmal. 

Diese Einheit unter einer Universalie - Kirche - ist eine die nur schon durch Taufe gestiftet wird. Sie zu erfüllen ist dann Aufgabe jedes Einzelnen. Und sie ist eine Aufgabe, sich von der Wahrheit durchdringen zu lassen. Das nur in der Schrift zu verankern widerspricht dabei nicht nur der Anthropologie, es funktioniert einfach nicht. Denn jede Schrift braucht um überhaupt verstanden zu werden den geistigen Hintergrund, die (wenn man so will) real geformte Archetype der Gestalt, um eine Aussage überhaupt aufnehmen zu können. Nur in der Tradition einer ungebrochenen, weitgehend zumindest homogenen Überlieferung läßt sich ein Text verstehen, so wie sich eine Sprache nur verstehen läßt, wenn in ihr als Muttersprache der gesamte Kontext der Wirklichkeitsbezüge des mit den Worten Gemeinten, Symbolisierten übernommen wurde.

Der Islam zeigt genau diese fundamentale Schwäche, der auf die wesentlichste Quelle seiner Herkunft zugleich verweist - das arianische Christentum des syrisch-arabischen Raumes, das eben nicht an den inkarnierte Gott glaubte, sondern für die das Wort Gottes durch Propheten vermittelt alleiniger Anhaltspunkt bleibt. So sehr, daß sogar eine linguistische Analyse des Koran innerhalb des Islam kaum möglich ist, weil es diesen Anker prinzipiell gefährdet. Zwar hat man ihn immer wieder festzunageln versucht, sei es im Kalifat, sei es in der Stellung einer Schule, wie der Al Acqsa Moschee in Kairo, aber es hat nie gereicht, die Autorität für den gesamten islamischen Raum zu erlangen, und reicht heute schon gar nicht.

Aber damit bleibt der Islam tatsächlich Interpreationssache, und welche Interpretation richtiger ist, kann objektiv gar nicht festgestellt werden, bleibt eine Frage der Vorliebe. Nur aus dem Text alleine läßt sich alles und jedes behaupten wie widerlegen. Ähnlich wie bei der Bibel, wie die tausenden protestantischen Gemeinschaften und Splittergruppen beweisen, die deren "sola scriptura" bewirkt hat. 

Auf einen "friedlichen Islam" zu hoffen bleibt deshalb eine pure Frage des Zufalls. Das gilt auch für so wunderbare Interpreten wie Navid Kermani, in dessen Büchern sich so wunderbare Aussagen finden, daß das Christentum schon zum Greifen nahe liegt (ohne freilich einfach in dieses je übergehen zu können, es wird immer an einer Grenze, die einem Quantensprung und nicht einem Additivum gleichkommt, stehen bleiben wird müssen.

Aber das gilt gar nicht viel weniger und schon gar nicht anders (sieht man vom sakramentalen Charakter der Kirche ab) von jeder Vereinigung, der man zubehört. Ob das der Taubenzüchterverband ist, die EU oder NATO, das TTIP, der Zugehörigkeit zu einer Nation oder einer Volksgruppe oder der Weltvereinigung der Chorsänger - immer steht eines für alles, und alles wirkt in das eine. 

Das sollten Katholiken eigentlich wissen und so sehen. Den Einzelnen also in seinem identitären Rahmen dieser Zubehörigkeit anzusprechen ist keine ungerechte Diskriminierung, sondern schlicht Realismus. Jeder Katholik weiß, daß die Sünde des anderen ihn genauso affiziert, wie seine eigene diesen. Weshalb das eigentliche Wesen des Katholizismus - und das ist ja sein Geheimnis der Erlösung! - die SÜHNE auch, ja vor allem für die Schuld des anderen ist. Wo die Kirche nicht heil ist, heilig ist, nicht glaubwürdig ist, bin ICH es, auch wenn ich die Einzeltat des anderen nicht begangen habe. Das entspricht eben dem organismischen Charakter von (geistigen) Wesenheiten, von Universalien, die im Konkreten sehr real sind.

Auch das bildet im Weltlichen eine Analogie. Etwa in einem Unternehmen, zur Illustration. Wo ein Mitarbeiter Scheiße baut, leidet die gesamte Firma. Und wo einer Erfolg hat, kommt es dem Ganzen zugute. Und deshalb ist es sehr wohl berechtigt sich mitzufreuen, wenn ein Österreicher den Weltcup der Slalomfahrer gewinnt, so wie dort, wo eine Fußballmannschaft ein Spiel verliert - und die ganze Nation betrübt ist. Eines ihrer Organe hat versagt, oder gesiegt, das Ganze aber ist davon affiziert. Auf seiner Ebene, die auf eine Weise die letzte ist, auf andere aber sogar die erste, aus der sich ein Teil real definiert.

Und wenn Paris im Blut ersäuft, weil Islamisten es mit Bomben überziehen, ist es in diesem Rahmen durchaus auch eine Angelegenheit ganz Europas, dem DER ISLAM explizit gegenübersteht. Das nicht sehen zu wollen war immer schon naiv und gar dumm, vor allem aber ist es verantwortungslos.

Und man muß die Frage stellen, ob eine Interpretatoin des Islam als spirituelle, friedliche Kraft nicht bereits eine christlich inspirierte Sichtweise ist, die von den natürlichen Gegebenheiten der Muslime in vielen Fälle gar nicht mitgetragen werden kann. Denn es ist der Habitus, der eine Interpretation ergibt. Und der Habitus der islamischen Welt ist - eine soziale Bewegung der unteren Schichten (s. u. a. H. Belloc), die nach oben drängen, der Emporkömmlinge, der Konvertiten (!), der politischen Absicht. Der deshalb genau von jenen Schichten nicht mitgetragen wird - das entspricht auch der Erfahrung des VdZ mit Muslimen, und daraus hat er sehr intime Einsichten gewinnen können - die produktiv und aktiv ihr Leben gestalten, und nicht glauben, ihr Leben zusammenrauben zu können.³ Der VdZ hatte die Gelegenheit, in sehr engen Kontkat mit einer solchen jungen muslimischen Familie in Wien zu kommen, die ihr Leben im Grunde bereits aus dem - heidnischen, gewiß, aber damit in die Wahrheit verweisenden - Geheimnis des Kreuzes heraus lebten. Wo eine Religion wahr wird, in der Haltung der Offenheit gelebt wird, kommt sie eben unausbleiblich in die Gefielde des Christentums. Im genannten Fall: Weil sich aus dem schweren Los dieser Familie auf natürlichem Wege gewissermaßen das Kreuz als DER Weg. als der einzige Weg der Lebensbewältigung zeigte. (So nebenbei: Es hatte der Mann dieser jungen Familie, aus der Türkei nur der Frau wegen, die bereits in dritter Generation in Wien geboren und aufgewachsen war, zugezogen, keinerlei Probleme, binnen kurzem einen anständig dotierten Arbietsplatz zu finden, weil er ganz offensichtlich sehr wirklichkeitszugewandt und leistungswillig war.)

Sodaß hier aber der Punkt ist klar von Mitschuld bei jenen zu sprechen, die einer Zuwanderung durch Muslime nach Europa das große Wort geredet haben, ohne sich offenbar Gedanken gemacht zu haben, wie diese Konvertibilität überhaupt real erzielbar sei. Sei es bei dem bereits Geschehen, sei es bei dem daraus zukünftig zu Erwartendem weil keineswegs Undenkbarem, sei es durch das Risiko des gar nicht Abschätzbaren. Eine "Integration" ist nicht einfach per "Werte" erreibhar, sondern diese Werte müssen in der Lebenshaltung und damit in der Religon und damit in der Konversion zum Christentum (als eben die Erfüllung dieser eigentlichsten islamischen Wurzeln) als Wurzeln des volle(re)n Menschseins überhaupt verwurzelt sein.

Es ist deshalb auch und gerade nach Paris der GANZE Islam, der hier mit Recht einmal mehr im Feld der Kritik steht.* (Eine Scheu, die dem Christentum gegenüber faktisch ja auch nicht besteht.) Und keiner Splittergruppe, keiner frommen Friedensgemeinde egal wo steht es zu, sich davon pauschal zu distanzieren, mit dem Spruch "Jaaa, aber das ist ja nicht DER Islam."

Ein Islam, den selbst Navid Kermani nicht mehr findet, wie er bei seiner jüngst gehaltenen Ansprache in der Frankfurter Paulskirche traurig vortrug, weil er durch diese Festmachungen s.o. seit über hundert Jahren nahezu totgeprügelt wurde. Und dessen eigentlichen Wert ohnehin nur der begreift, der das heilige Wesen der Poesie begreift.²

Es ist nicht unsere Aufgabe, dem Islam etwas zuzusprechen, das er nicht hat, das wir als Europäer, als Abendländer aber als unumgänglich wissen: ihn zu definieren, oder ihn als Ganzes (mit organismischer Struktur) zu sehen. Solange der Islam selbst es nicht schafft, von DEM Islam unisono zu sprechen, ist deshalb auch jedes Gerede von "Interreligiösem Dialog" nicht mehr als eine Absichtserklärung, deren Praxis (im übrigen schon prinzipiell) sich bestenfalls auf Einzelne (und in der Perspektive der Bekehrung, als reale Einfügung durch die Taufe in die EINE Wahrheit) beziehen kann. Denn niemand kann überhaupt im Namen des Islam sprechen, weil es einen solchen gar nicht ausdefiniert und verbindlich genug gibt. Bestenfalls kann man von einzelnen, sehr konkreten Gruppierungen sprechen. Immer aber behält er - so wie der Koran,. bei dem es 1/4 aller Suren betrifft - irrationale, dunkele, von gar niemandem verstandene Stellen.**

Und es ist eine Bringschuld aller Muslime der Welt eine Glaubwürdigkeit zu beweisen, die rechtfertigen würde, NICHT jedem Muslim mit größter Vorsicht zu begegnen. Aber es fehlt bis heute jedes Indiz für eine reale Selbstreinigung "der islamischen Welt". Denn aus seinem Bezugspunkt, dem Koran (oder schon gar den Hadithen) läßt sich solche Glaubwürdigkeit keinesfalls und schon gar nicht notwendig ableiten. Solange der Islam dieses Problem nicht gelöst hat, muß er als das genommen werden, als das er im einzelnen erscheint: Unberechenbar.




*Selbst wenn der VdZ das neuerliche allgemeine Betroffenheitstheater, das noch dazu von Frankreichs Politik geschickt inszeniert wie genützt wird, ablehnt. Es ist eine Erscheinung der Virtualität, der Pseudologie, dankbar von so vielen erfaßt, die damit die nächste Gelegenheit haben, den Blick von ihrem nächsten Umfeld, ja von ihren eigentlichen und realen Aufgaben abzuwenden. In solchen universalistischen Empörungen aber können alle beweisen, daß sie "auf der richtigen Seite" stehen, also gut sind. Dabei ist es hochrangig verdächtig, wenn jemand meint öffentlich demonstrieren zu müssen, daß er kein Mörder ist. (Diplomatische u. ä. abstrakte Ebenen sind da natürlich anders zu bewerten; solche Dinge sind eben deren Aufgabe; sie sprechen am richtigen Ort und im Namen eines Ganzen, das eben nur ein Ganzes ist, WEIL es sich in einer hierarchisch-organismischen Organisation befindet.)

²Was die Angelegenheit noch grotesker macht, weil sich unter den vielen, die "den Islam" (in dieser schönen Gestalt) angeblich schätzen und bewillkommnen allzu viele befinden, die genau diese Heiligkeit der Poesie als Fenster des Lebens und Quelle der Welt - und das ist Religion - in seiner ersten Rolle im Lebensvollzug gar nie angenommen haben und "Säkularisierung" fordern, und die Absolutheit der Religion (sonst ist sie nämlich gar keine) ablehnen. 

³Denn nicht bös sein, aber der berühmte Spruch "Ich würde ja die Muslime durch einen Warenboykott boykottieren, aber: sie produzieren nichts!" hat ein erschreckendes fundamentum in re.

**Die in den meisten Traditionen des Islam als "Sprache der Engel" in eine blackbox geschickt werden, sodaß sie von Menschen gar nicht verstanden werden KÖNNEN. Wie es sich damit aber am plausibelsten verhält, kann man bei sogar sehr islamaffinen Linguisten wie Ignaz Goldziher oder Christoph Luxenberg nachlesen.




***

Mittwoch, 30. September 2015

Verantwortung konstituiert das Subjekt

Als "Stellvertreterin" will die Kirche "den anderen" nichts Fremdes, sondern die "Wahrheit bringen, die sie alle in ihren Kulturen, Mythen, Philosphien und Religionen immer schon suchen. Eigentliche Stellvertretung [...] bedeutet: dem Anderen seine Identität (sein eigentliches Selbstsein) ermöglichen; und nicht: ihn zu einem anderen machen als er eigentlich immer schon ist oder sein sollte. Die Wahrheit, die die Kirche lehrt und lebt, soll also nirgendwo die Wahrheit der anderen ersetzen, sondern im Gegenteil: die Wahrheit "der anderen" zu ihrer eigentlichen Gänze ("Katholizität") befähigen.

Karl-Heinz Menke, in "Stellvertretung"


Dabei, schreibt Menke weiter, kann man von einer eigentlich christlichen Ethik gar nicht sprechen, die da vielleicht mit eigenen Normen daherkäme. (Das beträfe bestenfalls Einrichtungen, Vorschriften und Gebräuche des religiösen Kultes etwa; Anm.) Viel mehr aber muß man von einem christlichen ETHOS sprechen.* Der den Einzelnen als Teil der Menschheit überhaupt in der Verantwortung vor einer absoluten Instanz sieht - Gott. Verwiesen also auf Christus einerseits, auf die Nichtchristen anderseits, die in diesem Sinn nicht in die Gemeinschaft mit Christus, und damit in die Erklösung (dem eigentlichen Selbstwerden sohin, dem Ende der Selbstentfremdung) hineingenommen wären und es ohne Kirche nicht würden.²

Auch Christ zu sein entbindet nicht von den oft sehr komplexen, viel Wissen und Detailkenntnis erfordernden Situationen, in denen nach einer Lösung der reflektierenden wie argumentierenden Vernunft gesucht werden muß. "Eine Ethik," schreibt dazu A. Plack, "die den Menschen nur predigt, sie sollten um Himmels willen einander lieben, ohne daß dabei gefragt wird, wie die Liebe sich durchsetzen soll, ... macht sich selber zum Komplizen des Bösen."

Christlicher Ethos aber ist mehr als der kleinste gemeinsame Nenner, er verlangt "blind nach allem", indem er alles durchdringen will (und auch inhaltlich verändert). Denn er enthält keine einzige Norm, die nicht der Wahrheit über den Menschen schlechthin entspricht.³

Mit einer wesentlichen Folgerung: Denn es ja gar nicht der Einzelne, der quasi zuerst zu sich kommt, und dann Verantwortung übernimmt. Sondern es ist DIE VERANTWORTUNG, die den Einzelnen überhaupt erst zu sich bringt: Es ist die Verantwortung, die Aufgabe aus allem vorausgehender Situationsdefinition, Stand, aus dem Ort also, die den Einzelnen als Subjekt überhaupt erst (in seinem Weltsein) konstituiert.** Verantwortung muß somit in ihrem Zusammenhang mit Selbstverantwortung gesehen werden. Christusförmigkeit heißt immer auch: das Tragen fremder Lasten. Heißt im Für-sein zu mir selber werden.

Und widerspricht darin völlig dem heute geläufigen rationalen Selbstverständnis der Selbst-Verwirklichung aus "Autonomie" heraus. Sodaß der Mensch heute zwangsläufig in die Spannung eines unauflöslichen Widerspruchs gegen seine Natur gerät, und er gerade im Maß, wo er versucht, "autark selbstbestimmt selbst zu werden", ins Gegenteil der Selbstdiffusion gerät.



*Diese Tatsache begründet eigentlich die ablehnende Haltung gegenüber einem "allgemeinen Ethikunterricht". Denn es gibt überhaupt KEINE ETHIK OHNE ETHOS. Die Unvereinbarkeit weil grundsätzliche, sich inhaltlich dann auswirkende Vor- und Richtungsentscheidung jeder "bloßen Ethik" liegt also in diesem Ethos, der auch einen sogenannten "religionsfreien oder -neutralen" Ethikunterricht sehr wohl und in jedem Fall zu einer religiösen Angelegenheit machen würde. Das auch in jene Richtungen geflüstert, die da meinen, Migrationsprobleme und Probleme der Unterschiedlichkeit der Religionszugehörigkeit von Zuwanderern ließen sich durch "Übernahme der Werte unserer Gesellschaft" einfachhin glattstellen. Das werden sie nicht. Weil der Ethos sich unterscheidet.

²In diesem Sinn muß auch die Wahrheit "Extra ecclesiam nulla salus - Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil" in dem weiteren Licht als "OHNE Kirche gibt es kein Heil" gesehen werden. Denn die Kirche, die Versammlung der Christen, steht auch stellvertretend für den Rest der Menschheit vor Gott. Ja, das ist der Kern ihres missionarischen Auftrags! Sie hält in der Stellvertretung, in der Sühneübernahme durch die Christen den Platz für die gesamte, auch nichtchristliche Menschheit im Ordo und Plan Gottes frei. Denn in diesem "für-sein" vollzieht sich erst ihre eigentliche Selbstwerdung. Ein Heil, das freilich vom Vertretenen auch ergriffen oder zugelassen werden muß. Was Kirche also zur Kirche MACHT - ist ihre Stellvertretung. Sie ist nicht Selbstzweck.

³Wovon hier in scheinbar exclusiver theologischer Terminologie gesprochen wird, ist beispielsweise das jedem Drama auf der Bühne, und damit, ja genau damit jedem zwischenmenschlichen Geschehen immanente - wirkliche - Geschehen. Diese Überlegungen erschließen damit auch das Wesen jedes menschlichen Werkes, wie das Wesen des Kunstwerkes.

**Man beachte dazu das an dieser Stelle bereits vielfach Auseinandergelegte zu Identität, Familie, Haus, Staat, etc.




***

Mittwoch, 8. Juli 2015

Zeichen und Wunder

Einen wahrlich grandiosen Artikel zur Entwicklung unserer europäischen Gesellschaften fand der VdZ dieser Tage in der österreichischen Tageszeitung Die Presse. Verbunden mit der dringenden Aufforderung an die Leser dieses Blog, ihn sich zu Gemüte zu führen. Das Verwunderlichste ist, daß sich solch ein Artikel überhaupt in einem Massenmedium - und dann in diesem findet. Das sich ansonsten wie sämtliche übrigen Medien in diesen Landen durch political correctness auszeichnet und Journalistik mit Meinungsmache gleichsetzt.

Die Folgen davon zeigen sich übrigens auch hier in den Leserreaktionen, die dem Artikel folgen: Ist aufgrund dieser Realitätsverweigerung kein offenes Sprechen mehr möglich, kann sich auch kein kollektives Narrativ bilden, keine Abklärung der Vernunft. Und der Einzelne versinkt in diffusen "Weltbildern". Zeitungen müssen aber so etwas sein wie die antiken Foren, oder die germanischen Hallen, das Wirtshaus, oder der Kirchplatz nach der Messe, in denen Abklärungen stattfinden können, die einheitsbildend wirken weil Vernunft herausfiltern. Die immer eine Mutmaßung über den eigentlichen Weltgrund ist, die der Autorität bedarf, um zur "Sichtweise" zu werden. Denn Vernunft kann jeder nur empfangen, sie liegt dem Einzelnen voraus, und allem zugrunde. Ohne Vernunft kann deshalb kein Mensch leben, und das heißt: ohne absolute, allgemeine, allen gleich zugängige Vernunft. Die ist aber allen übergeordnet, nur dann ist sie absolut, und jedem gleich offen. In einer öffentlichen Atmosphäre der Wirklichkeitsoffenheit und -liebe kommt es so also zu einer "allgemeinen Vernünftigkeit". Und jeder Streit, jede Meinungsdifferenz ist nur der Versuch, Vernunftbeeinträchtigungen aufzuhellen.  Weil niemand Angst haben muß, daß der andere nur "seine"  (verbeulte, in seinen Nutzen oder gar Haß gestellte Version) Vernunft durchsetzen möchte, sondern um die "Vernünftigkeit selbst" ringt.

Das Vertrauen in diese Foren verlor sich aber aus erwähnten Gründen, und so zerfällt das Volk in unzählige Sonderlinge. Mit je dieser oder jener Autoritätsstelle, der er anhängt, die miteinander um Einfluß ringen, weil sie gar nicht anders können - um "alles" (und damit selbst erst "Vernunft") zu werden.

Der VdZ ist für die von Ley vertretenen, aus eigenen Analysen gewonnenen Ansichten noch vor wenigen Jahren gesteinigt worden. Aber gut, auch der Wiener Historiker und Buchautor wurde ja verschiedentlich angegriffen, im mildesten Fall zum Radikalisierer gestempelt. Allmählich aber scheint sich wenigstens in Ausnahmefällen eine vorsichtige Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit einzustellen. Und eine solche Bereitschaft zur Wirklichkeit nicht als Kampagne, die von "Hetzern, die der Dominanzgesellschaft angehören und durch das Herbeireden derartiger Szenarien zu einer mentalen Radikalisierung weiter Teile der sogenannten abendländischen Zivilisation beitragen" betrieben, verleumdet wird.

Die in dem Artikel dargelegte Analyse deckt sich in seinen Einschätzungen oft aufs Wort mit den an dieser Stelle schon seit längerem vorzufindenden Analysen. Nur in den Konsequenzen gehen die Meinungen auseinander, aber darüber kann man eben diskutieren, aber eben nur dann diskutieren, wenn einmal die Bereitschaft da ist, den Wirklichkeiten offen zu begegnen. Solange die Furcht herrscht, die Kenntnisnahme des Wirklichen wäre schon selbst die Gefahr, ist jede Gestaltungsmöglichkeit bereits blockiert.

Auch Ley meint, daß wir auf ein Auseinanderbrechen unserer Staaten zusteuern, und dieser Prozeß ist durch die Masseneinwanderung bereits irreversibel. Denn den Zugewanderten steht eine demographischen Selbstmord bereits begangen habende Gesellschaft gegenüber. Daraus werden zwangsläufige Konflikte, wie sie der deutsche Demograph Herwig Birg (auch von ihm wurde hier bereits mehrfach gehandelt) entlang von vier Bruchstellen identifiziert: als Generationenkonflikt, als Regionalkonflikt, als Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen mit und ohne Migrationshintergrund, und als Konflikte zwischen Menschen mit Kindern und ohne Kinder. Problemzonen, die natürlich teilweise ineinander übergehen.

Im Presse-Artikel weist Ley speziell auf die irreversible Islamisierung Europas hin. Auch er kommt - wie der VdZ längst hier nachzulesen meint - zu dem Schluß, daß der Islam mit den derzeitigen europäischen Gesellschaft inkompatibel ist. Angesichts einer handlungsunfähigen, die Wirklichkeit verweigernden Politik wird es deshalb zu einem territorialen Auseinanderreißen kommen (müssen.) Mit jeweils eigenen Rechts- und Politiksystemen einerseits, aber auch als gewaltige Konfliktherde, weil sich jeweils unterschiedliche Zivilisationsniveaus vorfinden werden. 

Großartig an dem Artikel ist auch, daß Ley - endlich, möchte man sagen! - auch Kenntnisse über den Islam (und seiner Entstehungsgeschichte) zu besitzen scheint, die über das übliche und unterträgliche Geschwätz von Ökomenismus und Friedensreligion weit hinausreichen, und ihn in seiner Wurzel zumindest weitgehend verstehen. Denn extrem selten sind - gerade Ökumeniker oder Multi-Kulti-Vertreter - in der Lage weil in ausreichendem Kenntnisstand, um über das aus dem Islam selbst stammende Narrativ (das eine posthoc-Poetisierung ist, keine historisch-faktische Erzählung, die aber als solche anzuerkennen verlangt wird) hinauszugehen. 

Hier stimmt nämlich ausnahmsweise auch das Wort von der Islamophobie. (Und solche Schlagworte dienen ja meist nur einem Verbot, sich mit der Wirklichkeit zu befassen, sie nicht "schönzudeuten".) Denn der VdZ behauptet, daß der Umgang mit Muslimen in Europa tatsächlich von einer bereits immanentisierten, das Wahrnehmen und Denken lähmenden Angst vor ihnen bestimmt ist. Sodaß man gar nicht mehr wagt, ihnen mit der bloßen Vernunft zu begegnen - sondern in "ihrem Maßstab" zu werten bereit ist, um nicht Anstoß zum Konflikt zu geben.

Völlig richtig weist Ley darauf hin, daß der Islam in seiner Selbstwerdung im 9. und 10. Jhd. - und zwar aus genau dem erwähnten Grund der A-Historizität, der die Poetisierung in den Rang von Realem hob, und damit notwendigerweise eine Reflexion unterband weil unterbinden mußte, sonst würde er sich selbst ständig in Frage stellen müssen! - jede weitere geistige und kulturelle Entwicklung (bzw. seine Entwicklung zur kulturschaffenden Kraft, wie sie das Christentum bewies) unterband. Historisch (wie hier bereits abgehandelt) ist deshalb die sogenannte "goldene Zeit" des Islam keineswegs eine "islamische" Zeit, sondern eine Nachwirkung der Kultur davor, die solange bestehen blieb, wie der Islam noch NICHT die dominierende gesellschaftliche Macht hatte. Wo immer diese erlangt hat, erstarb diese Kultur binnen weniger Jahrzehnte. Spanien (oder auch Afghanistan) ist dafür beredtes Beispiel.

In den (seit jener Zeit erst definitiv) islamischen Gesellschaften stehen uns deshalb seit damals unveränderte, anachronistische Religions-, Moral- und Rechtssysteme gegenüber. In ihnen findet sich keine den späteren Entwicklungen Europas (über Renaissance und Aufklärung) vergleichbare Entwicklung. Auch wenn diese nicht immer begrüßenswert waren. Hierin, im Rationalismus-Optimismus Leys, weicht die Ansicht des VdZ von der des Wiener Historikers deutlich ab, was sich dann natürlich bis in die finalen Schlüsse weiterzieht.

Der Wiener wagt aber sogar die Aussage - in einer Zeitung! denn hier, in diesem Blog, sind wir ja quasi "unter Gleichgesinnten" und nicht von staatlicher Presseförderung abhängig - daß von islamischer Zuwanderung dominierte Gebiete diesen Zivilisationsunterschied nicht ausgleichen werden können. Ley spricht es zwar nicht aus, aber man kann es zwischen den Zeilen lesen: Das hat mit der prinzipiell zu einer schöpferischen Kulturleistung unfähigen Religion zu tun. Lesen Sie aber einfach selbst.

Und das - in einer österreichischen Tageszeitung!





***

Sonntag, 29. März 2015

Religionen sind hinterhältige Täuschung

Es gibt, schreibt Ernst Hello einmal, keine ReligionEN. Es gibt nur eine Religion - den Katholizismus, das Allumfassende, das dem Einen und Allen gegenüber Offene. Deshalb gibt es nur einen Ort der Wahrheit selbst - die Kirche. Denn Religion ist auf Gemeinschaft bezogen.

Jede der sogenannten Religionen ist eine mehr oder weniger ausgefeilte Täuschung. Die Mehrzahlform ist also eine Hinterhältigkeit. Jede Religion, die nicht Christentum ist, ist eine Verfälschung der einzig möglichen, wirklichen Religion.

Es gab deshalb im Altertum auch keineswegs ReligionEN, das ist eine heutige Interpretation von Unterscheidungen oder Differenzierungen lokaler oder temporärer Eigenheiten. Man kann das Altertum nicht verstehen, wenn man nicht sieht, daß die Menschheit im Grunde nur eine Religion, eine Religiosität kannte. Deshalb haben sich je lokale Götter, Kulte, Begriffe recht problemlos ausgetauscht, weil sie sich auf dasselbe bezogen, nur formal anders gewichteten oder entwickelt hatten. Deshalb finden sich in den ältesten Zeugnissen weltweit noch so viele Deckungsgleichheiten. Erst spät (als grober Haltepunkt: etwa ab dem 2. Jtsd. v. Chr.) haben sich aus diesen Eigenheiten - immer als Fehlentwicklungen - einzelne ReligionEN herausentwickelt. In den Grundauffassungen von Welt, Wirklichkeit, Gott waren sich zuvor weltweit alle Völker sehr weitreichend einig.

Wer ReligionEN liebt, liebt deshalb nicht die Religion! Ja, wer von ReligionEN spricht, haßt in Wirklichkeit die Religion. Religionen sind Menschenwerk, und der Stifter einer Religion ist notwendigerweise deren Gott.*

"Jede wahre Religion erkennt an, daß Gott das Sein und das der Mensch durch sich selbst ein nichts ist. Jede falsche Anbetung strebt nach der Behauptung, daß der Mensch das Sein und daß Gott das Nichts ist. Hinter welche Sprache verbirgt sie nun irhe Gedanken? Dies ist verschiedne, je nach der Geschicklichkeit der Schriftsteller."

Spricht man von Religiosität, geht es nicht um ReligionEN. Es geht um die eine, einzige Religion.



*Wir werden gewißlich an dieser Stelle noch über den Begriff der "Stellvertretung" handeln, ein weitgehend verkannter Zentralbegriff im Wesen der Religion.




***