Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Effizienz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Effizienz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 30. Dezember 2021

Viele Wege führen ins Heute (3)

Wenn eine Organisation nur noch sich selbst verwalten kann. Nur das Schöne ist auch effizient. Aber es kann nicht nachgeliefert werden. - Das mag zwar gewollt worden sein, ja man kann davon ausgehen, aber nur von der Staatspolitik. (Während die Regionalpolitik vermutlich mit der Knackwurst der "Vereinfachung" oder sogar "Kostenersparnis" gelockt worden ist.) Der Bürger aber wurde getäuscht. Ihm wurden Kriterien als gewünscht vorgemacht, die verglichen mit den wirklichen Konsequenzen solcher "Verwaltungsreformen" nicht nur gar nicht erfüllt werden, sondern von den negativen Folgen für eine Gesellschaft als Ganzes bei weitem (!) übertroffen werden.
 
Was (um zu verdeutlichen was gemeint ist) so weit gehen könnte, daß ab einer bestimmten Größe ein Organisationsapparat überhaupt NUR NOCH mit sich selbst beschäftigt ist. Also nicht nur immer weniger, sondern gar keine Leistungen für ein Außen mehr erbringen kann. Dem dann der Bürger somit als Feind gegenübersteht, als lästiger, unnötiger Kropf, als Störer der Ordnung schon nur, weil es ihn gibt.

Mittwoch, 29. Dezember 2021

Viele Wege führen ins Heute (2)

Wie wir die Prügelpolizei begrüßt haben. Wie die Exekutive eine fremde Identität annahm, ohne daß wir es merkten. Denn das Wirkliche ist unsichtbar. - Was so kompliziert umschrieben ist, ist einfacher gesagt. Die lokalen Ordnungskräfte waren immer ein bißchen menschlicher, und paßten sture Gesetze der menschlichen Ungefährheit an. Denn es spielt eine Rolle, in welcher -Situation jemand persönlich gerade steht, wie er sich dann öffentlich verhält. Weiß das der Beamte, der "einschreitet", kann er es berücksichtigen. Und als junger Mann habe ich so manches erlebt, wo (etwa bei der Maturafeier) eine jugendliche Ausgelassenheit leichtsinniges Verhalten (das am Rande eines Schadens spazierte, aber eben: noch am Rande blieb) mit sich brachte, das durchaus "nicht gesehen" werden muß, weil es eine Ruptur in ein Leben bringt, die völlig unnötig ist.
 
Speziell daran dachte ich immer wieder, als ich Videos über die seltsamen Eingriffe der Polizei bei den Anti-Corona-Demonstrationen der letzten Monate und Jahre sah. Einen eigentlich völlig friedfertigen jungen Mann, der nicht einmal keine, sondern eine "ungenügende" Mund-Nasen-Maske trägt, wie einen Schwerverbrecher zu Boden zu werfen, seines Besitzes zu berauben, und in Handschellen abzuführen entbehrt nicht einer gewissen Befremdlichkeit. 

Dienstag, 28. Dezember 2021

Viele Wege führen ins Heute (1)

Ich kann mich nicht erinnern, außer auf diesen Seiten je eine wirkliche Kritik an den in der ersten ÖVP-Regierungsära 2000 - 2006 als "Erfolg" an die Fahnen geheftete Zusammenlegung sämtlicher Exekutivkräfte Österreichs gesehen zu haben. Brav trottelte das Land hinter der Karotte einher, auf der geschrieben stand, daß diese Zentralisierung Effizienz und vor allem Kostenersparnis brächte. Sämtliche Begleiterscheinungen (was tun mit nun drei Dutzend Generälen?) wurden als Übergangsprobleme dargestellt. 

Bis heute aber hat sich nie eine sinnvolle Evaluierung der damals durchgeführten Zusammenlegung der Gendarmerie, der Lokalpolizeien (jede Stadt ab einer gewissen Einwohnerzahl mußte eine eigene Ordnungspolizei betreiben) und der damals noch wenigen Bundespolizeistellen gefunden. Ist heute alles Bundespolizei, gab es eine solche Bundesstelle früher lediglich in kleinen Umfang. Etwa als Kriminalpolizeistellen für Verbrechen einer bestimmten Dimension, oder in Form einer paramilitärischen Anti-Terror-Eingreiftruppe, die in ihren Anfängen als WEGA sogar zu beachtlichem internationalem Ansehen kam. Ähnlich der deutschen GSG9, die ihr entschlossenes Eingreifen in Mogadischu weltberühmt machte. 

Sonntag, 4. Juli 2021

Gedankensplitter (1166)

ie Bürokratie wächst in dem Maß, als das Vertrauen verdunstet, daß der andere und ich dieselben Vorstellungen von Sachlichkeit, dieselbe Art von Zugang zu Sachverhalten (Erkenntnis ist eine Frage der Liebe; allgemeine Liebe ist somit allgemein hohe Kenntnis weil Offenheit für die Sachen der Welt) haben. Und deshalb im Rahmen der Bedingungen eines Ortes (an dem wir beide stehen; das heißt einer Aufgabe aus Beziehung, die wir beide annehmen und der wir beide treu bleiben) auch vom anderen gleichermaßen erfüllt werden.

Wenn sich der eine des anderen nicht mehr sicher sein kann, steigt die Notwendigkeit und die Bereitschaft, Abläufe und zu erzielende Eigenschaften zu beschreiben und deren Entstehung zu sichern. 

Nicht nur die Qualitätssicherungssysteme sind deshalb vor 30 Jahren aufgetaucht, sondern auch die "blitzschnellen) Kommunikationssysteme - nicht nur Mobiltelephone, sondern es begann beim Telefax, ging zu den Pagern (auch damals Ausdruck besonderer Wichtigkeit und autoritativer Stellung), ging übers Autotelephon, das Internet und schließlich die Cellphones, die Mobiltelephone, bis zu der nächsten Generation, den automatischen Kommunikatoren (als ins Gehirn eingesetzte Transistoren und Kleinstmaschinen), die zumindest über Teilbereiche "abstimmen"; das "intelligente Haus" ist im übrigen ebenfalls Teil dieses "Vertrauens-Ersatzsystems" - haben damals ihren Ausgang genommen. Der VdZ kann sich noch gut erinnern,

Samstag, 10. August 2019

Nachbemerkung zur Produktivität von Volkswirtschaften (3)

Teil 3)




Mathematik kann da und dort Dienste leisten, ja, aber sie ist als Betrachtungsgrundlage für eine Wirtschaft falsch und völlig ungenügend. Sie führt sogar wie im Falle der MMT zu einer fatalen Fehleinschätzung. Wo sich jemand in die Hand von Krediten begibt, unterwirft er sich deren Bedingungen.***

Wir erleben auch also im Privaten dasselbe, was unsere Volkswirtschaften im Großen erleben: Einen immer weitergehenden Verlust an Effizienz! Denn wenn wir von Effizienz sprechen, müssen wir das auf ein und dasselbe Vorgehen, ein und dasselbe Produkt, ein und dieselbe Lebensqualität (etc.) beziehen.

Das ist mehr als eine nette Metapher. Das ist eine blanke Realität. Zwar können wir durch die Technik ANDERE beziehungsweise gewisse Lebensvorgänge vereinfachen, wir können auch andere Produkte genießen, aber wir können eines nicht: DIE ALTE LEBENSWEISE EFFIZIENTER MACHEN. Der massive Einsatz von Technik hat unser Leben verändert, das ist alles. Effizienter hat diese unser Leben nicht gemacht, im Gegenteil.****

Und wenn wir auch sagen können, daß wir dadurch immerhin viel mehr Produkte zur Verfügung haben, die sogar leistbar sind, so nur, weil erstens diese Produkte in der Qualität reduziert und völlig veränderte, neue Produkte sind, die sich verglichen mit dem Ausgangspunkt (dem, was sie verbessern etc. sollten) weiter reduzierten (was immer heißt, dem Konsumenten Aufgaben zu übertragen, die das Produkt früher noch löste), und zweitens, weil wir in unserer Lebenserfüllung auf immer mehr VERZICHTEN. 

Eine hochtechnische Volkswirtschaft und Gesellschaft ist also ein völlig anderes Ding als jene, die das nicht sind. Aber es ist das durch eine Veränderung, eine Umschichtung, eine Verlagerung. Es ist keinesfalls eine Steigerung der Effizienz des Bisherigen. Und das sollten die sogenannten Ökonomen schön langsam in ihre Überlegungen einbauen, wenn sie noch Wert auf gewissen Ruf legen. Denn dann würden sie, die Wissenschaftlichkeit vortäuschen, indem sie sich schamlos der Erkenntnisse und Methoden anderer Wissenschaften bedienen und zu einem bunten Blumenstrauß arrangieren, vielleicht vom Stand der Kaffeesudleser zu wenigstens halbwegs ernsthaften Philosophen aufsteigen.

Wenn wir heute davon sprechen, daß wir MEHR Produkte, mehr Genußmomente im Vergleich zu früheren, technikärmeren Zeiten haben, dann sollten wir einmal darüber nachdenken, ob der PREIS, den wir dafür zahlen, ob das worauf wir dafür verzichten, nicht viel zu hoch ist. Ob wir nicht statt "besser" einfach "anders" leben. Und ob dieses "anders" tatsächlich "besser" ist. Effizienter ist es jedenfalls nicht.




***Das ist der Grund, warum Kredit und Kreditwirtschaft IMMER zur Konzentration von Geld und Vermögen hier, zur Verarmung und Auslöschung der Mittelschicht dort kommt. Denn der Mensch fällt ihr IMMER zum Opfer. Das macht das Zinsnahmeverbot der Kirche, das bis heute gilt (!), so realitätsfundiert. 

****Ja, auch der VdZ ist für einen Um-/Rückbau der Wirtschaft. Aber "Klima" ist nicht nur der falsche Ansatz, sondern - weil eine einzige Lüge - sogar kontraproduktiv. Und fördert eine der tödlichen Bedingungen: Die Globalisierung, die Ent-Lokalisierung (zum Beispiel durch Energieleitungen) die weitere existentielle Vernetzung der Volkswirtschaften, die ihre Integrität aufgeben müssen oder per Verordnung verlieren. Und ihr Hauptsatz ist in sich eine Drohung und ein Irrtum, daß nämlich nur "global" zu agieren sei, das Lokale unbedeutend, ja, daß der Mensch das Hauptproblem ist. Das genaue Gegenteil ist der Fall! Alles muß zurück zum einzelnen Menschen, zum verbindlichen sozialen Umfeld, zum verbindlichen lokalen Kleinraum, dort fängt alles an. Und die Politik muß diesen Kleinraum schützen, nicht "aufbrechen" wie sie es jetzt tut.





Freitag, 9. August 2019

Nachbemerkung zur Produktivität von Volkswirtschaften (2)

2. Teil)



Aber das entspricht auch der Erfahrung, die wir alle machen: Seit Jahrzehnten wird uns eingeredet, daß wir durch die Zunahme des Technikeinsatzes paradiesischen Zuständen entgegengehen. Immer mehr Freizeit wird steigenden Einkommen gegenüberstehen. Doch was erleben wir? WIR HABEN IMMER WENIGER ZEIT. Die Bewältigung unserer Lebensweisen nimmt uns immer totaler in Anspruch. Dieselben Effekte - Lebenszufriedenheit, Glück, Wohlleben, Bildung, etc. etc. - benötigen immer mehr Einsatz, also Arbeit, also Zeit. Das einzige, was wuchs, waren die Mittel und Methoden, uns auf ein besseres Morgen zu vertrösten, oder uns Ersatzwege zu suchen, in denen wir uns und der Welt "Erfüllung" vormachen können. Drogen, Unterhaltungsindustrie oder Sexuelle Befreiung, vor allem aber auch die Medien und social media gehören in diese Reihe der Betrachtung.

Auf einer anderen Ebene drückt sich das auch im nötigen Einsatz von Energie aus. Auch hier haben wir gute Beispiele, man nehme die Energiewende. Wir wollen zwar mehr oder weniger dieselben Nutzeneffekte (Mobilität, Geräte, Kommunikationsmittel etc.), aber wir wollen sie mit der Verbannung häßlich empfundener Nebeneffekte (Kohle und Öl ist dreckig, Atomkraft bedrohlich) verbinden.

Der Effekt? Um denselben Nutzen (Effekt, wovon sich Effizienz ableitet) zu erzielen, setzen wir das Doppelte an Arbeit und Energie ein. Die Energiewende, die Klimarettung zeigt deshalb folgerichtig, daß der Gesamtenergiebedarf steigt und steigt, und daß die Herstellung dieser Energie gigantische Kollateralschäden und Lebenseinbußen mit sich bringt. In dem Fall, weil wir einen bestimmten Effekt, ein bestimmtes Produkt also unbedingt wollen. Die letztlich sogar auf die Auslöschung der Menschen als "Feinde der Welt" hinausläuft, so schaut es nämlich in Wahrheit aus.

Wovon wird diese Energiewende wirklich angetrieben? Vom alten Menschheitstraum des perpetuum mobile, der Maschine also, die mehr Energie liefert als man hineinsteckt. Und das ist unmöglich, das widerspricht einem der Grundgesetze, die wir in der Natur als unumstößlich und beherrschend sehen. Die Energiewende ist der sagenhafte und einzigartige Versuch, die Lebensqualität in einer Volkswirtschaft dadurch zu steigern, indem man bewußt deren Effizienz verringert. Und wodurch? Durch noch mehr Technikeinsatz, also durch noch mehr Energieverbrauch. Deshalb sind die wenigstens noch ehrlich, die gleich sagen, daß sie ein Leben wie vor zweihundert Jahren bevorzugen. Denn warum nicht? Darüber kann man doch reden? Und der VdZ wäre dem nicht einmal abgeneigt, wäre es ... realistisch.**

Und so typisch für die oben gesprochene Verschiebung von "häßlichen Nebenwirkungen" auf andere Erdteile, daß es schon fast platt wirkt, ist der Hinweis auf den Zusammenhang E-Autos hier - brutalste Menschenausbeutung (und Umweltzerstörung) bei der Rohstoffgewinnung in Afrika dort. So daß die Gesamtbilanz von Elektro-Autos sowohl energietechnisch wie auch moralisch wahrhaft schauderlich und ein Musterbeispiel dafür ist, wie wir uns bei der Effizienz als volkswirtschaftliche Bedingung einer Kreditwirtschaft in die eigene Tasche lügen. 

Das entlarvt das wahre Gesicht des Ökologismus in unseren Ländern: Als Fratze eines eiskalten Zynismus. Er verstärkt genau das, was uns ohnehin bereits zerstört, und gibt irrationale Wunschträume vor, die lokal gar nicht mehr zu lösen wären (Energie, oder Recycling), gehen also vom Regionalen weg (auch wenn das Gegenteil behauptet wird, das ist nur das Umhängen einer Regionalmaske über eine totale Entwurzelung). 

So erklärt sich noch eindringlicher, daß die Global Player weltweit längst auf diesen Zug aufgesprungen sind, ja wenn die Vermutungen mancher stimmen, diesen Ökologismus selbst initiiert haben. Er ist das perfekte Vehikel.

Und so nebenbei wird eine Scheinwirtschaft aufgebaut (E-Autos, volatile Energie usw. usf.), die genau zu jenen Faktoren gehört, die unsere Volkswirtschaft und damit unser Geld völlig entwerten, den Crash also noch gewaltiger ausfallen lassen werden, der unweigerlich bevorsteht und nur eine Frage der Zeit ist. Die Öko-Wirtschaft gehört somit zu jenen MMT (Moderne Geldtheorie)-Faktoren, die in bloßer kreditbasierten Geldvermehrung ohne Wert tatsächlich Wirtschaft zu erblicken behaupten. Aber das ist alles eine Fata Morgana, mit der sich manche frohrechnen.


Morgen Teil 3)


**Daß genau das aus anderen Gründen auf uns zukommen könnte, diesmal aber unbeabsichtigt und mit noch größeren Kollateralschäden - denn es wäre dann nicht eine Wiedergeburt mittelalterlicher(er) Kultur (das geht gar nicht, man kann nicht Geschichte einfach auslöschen) sondern ein Rückfall in Elend und Primitivität - ist ein anderes Kapitel.





Donnerstag, 8. August 2019

Nachbemerkung zur Produktivität von Volkswirtschaften (1)

Wir knüpfen noch einmal an die in den letzten Tagen hier zu findenden Thesen zur Situation des Geldwesens in unseren Volkswirtschaften an. Und zwar an dem Punkt, wo der nach Eigendefinition liberal-konservative* Krall auf eine Kennziffer hinweist, die anzeigt, daß unsere Volkswirtschaften in den letzten Jahrzehnten an Produktivität gegen alle offiziellen Aussagen eingebüßt hat. Krall tut es, indem er auf das Verhältnis von Beschäftigtenzahl und Bruttoinlandsprodukt hinweist. 

Kurz gefaßt sagt Krall (und das hat seine Logik), daß ein Wirtschaftswachstum (als Wachstum des BIP, also der Summe aller in einer Volkwirtschaft erzielten Einkommen) immer im Verhältnis zur Gesamtzahl der Beschäftigten gesehen werden muß. Wenn wir also wie schon lange behaupten, wir hätten ein Wirtschaftswachstum von x Prozent, und gleichzeitig aber die Zahl der Beschäftigten um eben solche x Prozent (oder mehr) wächst, so haben wir in Wahrheit eine Kennzahl vor uns, die zeigt, daß eine Volkswirtschaft an Produktivität eingebüßt hat. 

Simpel gesagt: Wenn es mehr Menschen gibt, die arbeiten, steigt natürlich das BIP. Das hat aber nicht mit dem zu tun, was ein Schuldensystem bräuchte, das darauf spekuliert, daß es durch Produktivitätssteigerungen auch rückzahlungsfähig bleibt. Wenn wir also wie in Österreich behaupten, daß wir ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent erzielten, gleichzeitig stolz vermelden, daß die Zahl der Beschäftigten um zwei Prozent gewachsen ist, heißt das nichts weniger als, daß immer mehr Menschen immer weniger Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften.

Also ist Kralls Aussage nicht falsch. Es beweist aber fast im selben Atemzug noch, daß er manche Parameter dennoch falsch sieht. Denn Krall geht wie fast alle heutigen "Ökonomen" (Krall sagt sehr richtig, daß die Ökonomie deshalb keine Wissenschaft ist, weil sie nicht mehr ist als eine Ansammlung von Thesen und Theorien) von der Annahme aus, daß die Zunahme des Einsatzes von Computern, die Entwicklung der Industrie zur "Industrie 4.0", also zur völlig von Robotern beherrschten Welt, das "Internet der Dinge", also kurz die Zunahme des Einsatzes von Elektronik und Robotern auch die Produktivität der Wirtschaft STEIGERN würde. ABER DAS IST FALSCH.

Und es ist die typische Fehleinschätzung von Technizisten. Die meinen, der Einsatz von Maschinen (und selbst ComputerPROGRAMME sind Maschinen) würde die menschliche Arbeit ersetzen, also die Güterproduktion vereinfachen weil optimieren. Produktivitätszuwachs, also "mehr Ausstoß zu geringerem Einsatz", sei deshalb mit dem Einsatz von Technik verbunden, während der Mensch sich mehr und mehr auf die Überwachung der Prozesse beschränken, und sich ansonsten in die Hängematte legen und die Früchte ernten könne.

Solche Einschätzung beruht auf einem schrecklichen Irrtum. Denn wo immer eine Maschine eingesetzt wird, und das sagt uns die Logik (nicht zuletzt wie im ersten thermodynamischen Hauptsatz in der Physik ausgedrückt) entstehen Reibungsverluste. Das heißt, daß eine Maschine zwar BESTIMMTE Vorgänge erleichtern kann, daß sie aber im Insgesamt betrachtet MEHR Energie, also mehr Aufwand benötigt. Also, wieder einmal simpel ausgedrückt: Wer einen Traktor einsetzt, wird zwar tatsächlich in viel kürzerer Zeit sein Feld ackern und bearbeiten können. Aber was er am Feld an Zeit spart, wird durch den Aufwand, den das Herstellen, Halten und Pflegen des Traktors erzeugt, mehr als kompensiert, es wird überstiegen. Zwar können dort wieder Maschinen eingesetzt sein, aber hier gilt dasselbe. Irgendwann landet das alles also ganz simpel ... beim Menschen. Beim arbeitenden Menschen.

Damit ist auch klar, daß ein zunehmender Einsatz von Technik, daß auch das groß angekündigte Computer- und Roboterzeitalter, im Insgesamt einer Volkswirtschaft betrachtet MEHR Arbeitskräfte benötigt! Das vor Augen gestellt ist das, was wir in unseren Volkswirtschaften beobachten - der Zuwachs an BIP wird von der Zunahme der Beschäftigungszahlen flankiert und sogar übertroffen - also sogar die ANZEIGE einer Zunahme des Technikeinsatzes in unseren Ländern.

Aber noch weiter muß man die Sache in ihrer Realität sehen: Ja, es mag sein, daß man mit besserer Technik in der Zeit x mehr Autos, mehr Bongotrommeln oder mehr Tanzschuhe herstellen kann. Was man aber gerne übersieht ist, daß der (insgesamt erhöhte) Aufwand (ob an Arbeit oder Energie, also wieder Arbeit) ganz einfach umverteilt wird. Und das ist letztlich genau das, was "Globalisierung" meint und macht: Sie verteilt den Aufwand in irgendwelche Weltgegenden. Und dieser Mehraufwand weist sich nur deshalb nicht aus, weil die Kosten (Geld) für diesen Mehraufwand durch lokale Bedingungen (niedriges Lohnniveau, geringere Umweltstandards, entmenschlichtere Arbeitsbedingungen, Steuervorteile etc.) "ausgleichen".

Und noch etwas muß uns klar sein: Daß dieser Zusammenhang Effizienz und Schulden uns von zwei Seiten her in ein unmenschliches System zwingt. Von dem wir nicht zuletzt unseren Sozialstaat zahlen! Es ist nicht nur der Umstand, der Zinsnahme per se zu einer Todsünde macht, weil hier der Mensch einer ihm, ja der Wirklichkeit fremden mathematischen Zwangsmethodik unterwirft, weil Zins die menschlichen Bedingungen nicht berücksichtigt (die immer die Einberechnung von Schicksal, Krankheit, Übel aller Art, und auch von Fehlern und Schwächen sein muß), sondern wir unterwerfen uns noch mehr der Zwangslogik von Maschine und Kapital.

Das heißt, wir gliedern unsere Arbeit nicht in menschliche Rhythmen und Abläufe ein, sondern wir machen es umgekehrt: Maschinen müssen immer laufen! Darauf sind sie angelegt, wenn man sie als Kapital betrachtet, das "arbeiten muß". Wir unterwerfen unser Leben also einer mathematischen Zwangslogik! Und das ist in sich unmenschlich und in kurzen Phasen gerade noch möglich, als Grundkonzept aber schwer sündhaft. Denn niemals darf der Mensch zum Mittel werden, oder sich selbst zum bloßen Mittel machen, um einen Zweck zu erreichen. Er ist in sich Zweck! Und das darf und kann nicht durch "Lustgewinn" abgekauft werden.


Morgen Teil 2)



*Liberal und konservativ sind in Wahrheit Widersprüche. Denn nur wer NICHT liberal ist, kann auch konservieren, also bewahren. Man bewahrt nicht, indem man die Dinge einfach sich selbst überläßt.





Mittwoch, 8. Februar 2017

Unwahres ist auch ineffizient

Es ist längst Generalthema unserer Zeit, und zeigt sich natürlich auch und deutlich in den Herangehensweisen an das, was als "Wirtschaft" bezeichnet wird. Es geht um die Ausblendung der Metaphysik, aus der jene grundlegenden Prinzipien über die Welt erst erkennbar wären, die dann jeden einzelnen Bereich erst verstehen lassen. Was natürlich - und das ist die Misere - sehr wohl selbst eine metaphysische Entscheidung ist. Ohne Grundzüge wird die Welt überhaupt nicht mehr erkennbar und begreifbar, denn das Erkennen schreitet vom Allgemeinen zum Spezifischen fort. Jeder simple Akt des Sehens zeigt das handgreiflich. Wir kommen von einem Allgemeingrund, einem Einen, Umfassenden - der Wahrheit - um ins Spezifische zu tauchen.

Dieser Allgemeingrund wird geleugnet, was selbst ein Definition von Allgemeingrund ist. Wer sagt, es gebe keine absolute Wahrheit in der alles gründet, trifft ers recht und sogar deskriptiv-erstarrt eine Aussage über die Wahrheit selbst.

Die Folgen sind, daß in allen Lebensbereichen der Gegenwart (allen voran den Bereichen des Zwischenmenschlichen, und so auch in der Wirtschaft), mit mehr oder weniger willkürlichen Parametern als "Signifikanten des Gelungenen" herumoperiert wird. Irgendwie soll das Ding doch noch zum Laufen gebracht werden, um es salopp zu formulieren. Auf der reinen Ebene jeweils aktueller Probleme und Notwendigkeiten, eben Störungen an jenem Resultat, das man gern hätte.

Das es dann zu erreichen gilt. Welt (und alles, was Welt ist und in ihr ist) trägt kein inneres Wesen mehr, sondern wird zur tagesaktuellen Oberflächen-Maschine, an der zu manipulieren ist, um das Gewünschte (als Gesolltes) zumindest vorerst zu erreichen. (Mit dem "seltsamen" Ergebnis, daß ein Zustand, in dem etwas prinzipiell funktioniert, nie erreicht wird, man also ständig an der Fassade repariert, ohne das Problem je lösen zu können.*) Unter genau diese Kategorie fallen auch die Ausführungen von Sir Angus Deaton über Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit, der sich darin als "very british" erweist. Er sagt, daß Ungleichheit die Demokratie gefährde. Sie sei gleichzeitig das große Hindernis für den Idealzustand, in dem alle Staaten der Welt wirtschaftlich auf das Niveau von Wohlstand und Prosperität gehoben werden könnten. Also habe sich die Welt zu überlegen, wie diese Ungleichheiten ausgeglichen werden können. Und das ist auch Deatons publizistisches Hauptthema.

Wie auch immer man zur Ungleichheit denkt, ob man sie nun für gut oder schlecht befindet,  der Fehler liegt im Ansatz. Denn eine "nachhaltige" Verbesserung der Lebensbedingungen schlecht entwickelter Länder liegt nicht in einem Herumschrauben an wirtschaftlichen Bedingungen des volkswirtschaftlichen Apparats zu bewerkstelligen. Denn die Wirtschaft ist kein Apparatus, der sich mit ein wenig Öl hier und besser Vergasungsthermie dort wirklich verändern ließe. Wirtschaft war nicht zufällig und traditionell eine Teildisziplin der Morallehre, der Ethik. Denn alles an ihr beginnt und endet beim Menschen selbst. Wirtschaft ist nur die Deskription des Tuns der Menschen. Von seiner sittlichen Höhe alleine hängt es ab, ob und wie gesund sie ist. Und im menschlichen Versagen liegen die Wurzeln wirtschaflicher Notstände. Wirtschaft beginnt deshalb in der Religion. (Weshalb der einzig richtige und nachhaltigste Ansatz zur Verbesserung einer Volkswirtschaft - die Mission war und ist.) 

Im heutigen Verständnis aber, mit einer Wirtschaft als technischem Apparatus, werden wirtschaftliche Ergebnisse (heruntergebrochen auf technische Parameter dieses Apparates, damit Ausdruck der Art, wie man ihn versteht: technizistisch, materialistisch-mechanistisch) von der menschlichen Sittlichkeit getrennt. Was nicht mehr und nicht weniger als die Vorstellung klassifiziert, was denn als gelungenes Leben angesehen wird, worin sich der zeitgenössische Kapitalismus (noch einmal: das ist nicht identisch mit "freier Markt"!) mit dem marxistischen Wirtschaftsverständnis völlig trifft. Nur am gelungenen Leben aber kann sich Wirtschaftsdenken bemessen. 

Und daran bemißt sich auch das Maß des Wohlstands, das einem Land zukommt. Übersteigen die wirtschaftlichen Erfolg den sittlichen Zustand der Menschen, weil es zur Beherrschung eines Apparats ja kaum oder keine Sittlichkeit braucht, so taumelt genau dieser erfolgreiche Mensch in einen Zustand, wo seine Möglichkeiten sein ihm Adquates (Können bzw. Sollen) übersteigen. Darin liegen sogar die Verwüstungen begründet, die der Mensch anzurichten vermag. Weil sich sein Tun nicht auf die Welt als (geheimnisvolles, im Einzelnen gar nie ganz zu erfassendes) Ganzes richtet, sondern auf Teilbereiche, die er für seine Zwecke optimiert. Was unser heutige Zeit lediglich von wildesten Auswüchsen unterscheidet ist eine dazugeflickte Teil-Moral. Die heute sogar großmundig die Gefährdung des Ganzen verkündet, ohne dazu überhaupt noch eine Beziehung zu haben, es also zu erkennen. 

Die politischen Auswege sind deshalb immer dieselben: Sie sind nur in der Betonung unterschiedene Totalitarismen, je nachdem, was an der menschlichen Freiheit gerade als um eines höheren Gutes willen entbehrlich angesehen wird. Womit der Zugang zum Ganzen, wie ihn jeder Mensch aus sich selbst heraus hat (und im Maß seiner Freiheit als sittlichem Zustand hat oder nicht hat), nicht mehr vom Einzelnen als eigentlich tägliche Lebensleistung zu erbringen ist, sondern nur unter Berücksichtigung jeweiliger Paradigmen und Denkvorränge, ist also  immer ideologisch. Und sie sind umso radikaler totaliär und ideologisch, als sie diese Optimierung als moralisches Gebot festlegen und vorschreiben und damit Sittlichkeit vortäuschen.







*Das bewirkt, daß es heute sogar schon als Normalzustand angesehen wird, daß man ständig "am Funktionieren" (man denke nur an den Begriff "Beziehung", der in seiner Unbestimmtheit - als Unwesentlichkeit - alleine schon ausdrückt, was hier gesagt wird) herumschustert. Salopp formuliert: Die Arbeit am Fassadenanstrich bindet immer mehr sämtliche Lebenskraft, weil er immer wieder abblättert und man gar schon meint, das müsse so sein. Die Politik habe aber gefälligst Gesetze zu schaffen, daß dennoch alles irgendwie zusammenhält. Damit sind aber alle Hände gebunden und für wirkliches schöpferisches Wirken nicht mehr frei. In wirtschaftlichen Termini ist das die Veränderung unserer Systeme in Richtung völliger Ineffizienz und Unwirtschaftlichkeit. Und wer die heute so prominenten Lebensfelder ansieht, wird genau das auch feststellen. Man denke nur an die "Energiewende" oder an die pausenlosen und immer mehr ausufernden Reparaturarbeiten an Formen des Zusammenlebens.




*030217*

Mittwoch, 7. September 2016

Sich in den Sack lügen

Lassen wir einmal die Frage beiseite, ob es überhaupt einen Sinn hat von "Effizienzsteigerung" zu sprechen, meint man sie absolut. Denn wie hier schon dargelegt, handelt es sich hier immer nur um ausschnitthafte, reduzierte Betrachtungsweise eines geringeren Energieverbrauchs für (reduziert definierte) "gleiche" Arbeit. Gesamtprozesse werden also lediglich in kleine Abschnitte zerteilt, ohne das Insgesamt zu betrachten  (oder auch oft betrachten zu KÖNNEN.) Ein anderes Thema. 

Aber Peter Heller macht auf Science Sceptical auf einen Zusammenhang aufmerksam, der auch eine solcherart reduzierte Betrachtungsweise in ihrer Sinnhaftigkeit hinterfrägt. Indem Heller auf den "Rebound-"Effekt hinweist. Der besagt, daß eine Steigerung der Effizienz bei einzelnen Vorgängen eine Steigerung der Nachfrage danach (also der Menge) bewirkt, sodaß der Gesamtenergieverbrauch nicht nur nicht fällt, sondern sogar steigt. Dieser Rebound-Effekt ist aber nicht etwas, das man unterdrücken oder verhindern muß oder kann, sondern er ist sogar Bedingung jeder Effizienzsteigerung.

Und für diesen Rebound-Effekt gibt es eine Erklärung, die freilich weit weg von Psychologismen liegt: Der Mensch handelt nach Topoi, nach Grundschemata gewissermaßen. Sie sind Handlungsmotiv, sie sind Handlungsinhalt, sie sind Kriterium, auch für Rechtfertigung. 

Aber langsam und konkret: Während man bei Flugzeugen den Spritverbrauch pro Passagier um jährlich 1,5 % zu senken vermochte, stieg im selben Zeitraum die Anzahl der Flüge um 4 %. Das heißt, daß der Effekt der höheren Effizienz im Ganzen betrachtet durch die höhere Zahl der Flüge nicht nur vernichtet, sondern der Gesamtverbrauch an Sprit deutlich gestiegen ist. Es gibt diesen Rebound ja aus Untersuchungen in entzückenden Fallbeispielen: Der Umstieg von Käufern auf Jutesäcke bewirkt, daß sie in anderen Gebieten deutlich freizügiger mit Energieverbrauch umgehen, weil sie durch den Jutesack (der im übrigen überhaupt nicht weniger Energieverbrauch bedeutet wie ein Plastiksack, das nur nebenbei) "ein gutes Gewissen haben". Oder: Wer seine alten Glühbirnen, die durchaus Heizstrahlerqualität haben, durch moderne LED-Lampen ersetzt, baut nunmehr so viele LED-Funzeln ein oder schaltet öfter das Licht ein, sodaß sein Gesamtstromverbrauch unter Umständen sogar steigt. Oder er verbraucht an anderer Stelle umso gewissenserleichterter mehr Energie.

Dazu muß man aber auch gar keine hohe Psychologie einsetzen. Sondern in vielen Fällen tritt der Fall ein, daß eine neue (effizientere) Einzelsituation eine unabsehbare Kette von Folgeüberlegungen auslöst und Vernunftgänge verändert. Beispiel: Eine neu errichtete Donaubrücke samt neuem Anbindenetz in der Herkunftsregion des VdZ, die für ehedem täglich 20.000 passierende Fahrzeuge Einsparungen bringen sollte, hat binnen eines Jahres bewirkt, daß Verkehrsströme weit größeren Umfangs umgelenkt wurden. Der Gesamtenergieverbrauch stieg, weil die bessere Teil-Anbindung bis in 100 km Umkreis anziehend wirkte und Teilroutenziele, Reisewege, Transportrouten sich veränderten. Salopp: Man fährt lieber 30 km Umweg, denn nun fährt man vermeintlich konfliktfreier. Wirkungen wurden verändert und verlagert, eine neue Situation geschaffen, aber nichts wurde gespart.

Diesen Effekt meint nun die deutsche Regierung durch Steuererhöhungen auf Strom selbst abschöpfen und steuern (also: vermindern) zu können. Sodaß als Nebeneffekt trotz gesteigerter Energieeffizienz der Haushaltsgeräte die GesamtKOSTEN des Stromverbrauchs natürlich kontinuierlich und sogar stark steigen. Darin drückt sich das Gesagte auf jeden Fall schon einmal aus.

Aber es ist sinnlos, schreibt Heller, zu meinen, man könnte diesen Rebound-Effekt bekämpfen! Indem man ihn gezielt zu unterdrücken versucht. Also - weniger Flüge, weniger LED-Lampen, weniger Jutesäcke, etc. etc. Denn der Grund, warum es solche (wie gesagt: nur bei Nutzenreduktion als solche auftretende) Effizienzsteigerungen in den Produkten gibt, ist nicht, daß Hersteller aus Altruismus Produkte zu entwickeln suchen, die "weniger Strom" verbrauchen sollen,  sondern weil sie sich davon insgesamt höhere Absätze versprechen. 

Es ist eine Frage der Unternehmenskalkulation, auf Menge oder auf Qualität zu setzen, so könnte man es ausdrücken. Hier hat sich die Kostenrechnung als großartiges Steuerungsinstrument entwickelt, denn sie hilft Unternehmen mit "Mischkalkulation" zu arbeiten. Der Unternehmer muß eben in jedem Fall seine Kosten hereinspielen. Und er tut es in der Regel durch einen Mix an geringeren Margen bei höheren Stückzahlen, denen höhere Margen bei geringeren Stückzahlen ergänzend gegenüberstehen. 

Wenn die Umsätze eines Flugunternehmens sinken, weil der Spritverbrauch sinkt, sinken aber nicht nur die Kosten, sondern der Unternehmer muß den Verlust an Marge (den geringere Kosten und Verkaufspreise bedeuten) durch höhere Mengen wettmachen. Im Klartext: Er bietet billiger Flüge an, muß davon aber nun mehr Flüge verkaufen. Erst so stimmt seine Kalkulation wieder, denn die Boeing, die er in Dienst hat, kostet ihn an Fixkosten fast immer gleich viel, ob er damit 4.000 oder 400.000 Fluggäste transportiert. Auch den Betrieb gibt es, und er hat unerläßliche Sockelkosten, die sich zudem sprunghaft verhalten. (Beispiel: 400.000 Fluggäste benötigen ganz andere Investitionen und Betriebsbedingungen, also Betriebsgrößen und -umfänge, um bewältigt zu werden, als 4.000. Und selbst wer schnieke Gießkannen mit neuerfundenem Gumpelschnabel herstellen will muß eine Maschine dafür haben, die erst bei sagen wir 40.000 Stück per anno rentabel wird.) Und diese Betriebsbereitstellungskosten müssen einmal mit 4.000, ein andermal mit 400.000 Fluggästen hereingespielt werden. Sie fordern also bestimmte Mengen.

Die Steigerung der Energieeffizienz bei Flugzeugen ist nicht in der "Weltrettung" motiviert, sondern sie ist darin begründet, daß die Flugunternehmen Marktvorteile dadurch erringen konnte, daß sie durch verringerte Einzelstückkosten einen niedrigeren Gesamtpreis anbieten konnten. So hat man bewirkt, daß heute jeder Heinzelbürstler aus dem Dunkelwald regelmäßig mit einem Flugzeug unterwegs sein kann, um seinen Urlaub in Mallorca (und nicht am Kaufsteinersee in Gaukelwiesen an der Luppnach) zu verbringen. Während dieses Vergnügen auch der VdZ noch vor 40 Jahren als Veranstaltung ausnehmenden Luxusgebahrens ansah, weil es so selten und teuer war. Erst diese Mengensteigerung* hat das Fliegen zum Alltäglichsten gemacht, über das kaum noch jemand spricht.

Sinkt der Mengendurchsatz, steigt proportional oder oft sogar sprungprogressiv der Anteil an Betriebs-Bereitsstellungskosten. Beispiel: Ein Buchhalter mit 40.000 Euro Jahreslohn wird bei 5.000 Fluggästen einen winzigen Anteil der Kosten pro Ticket bedeuten. Bei 50 schaut das ganz anders aus. Kosten verhalten sich eben nicht oder nur in mehr oder weniger kleinem Anteil linear, wie das in alltäglichen und zwischenmenschlichen Lebensvorgängen (die sich ja nicht einfach in Kalkulationen abstrahieren müssen oder sogar sollen) oft zur Gänze der Fall ist. Schon gar nicht tun sie das auf Marktpreise bezogen, die meist schon Mengennotwendigkeiten implizieren. (Ein Schnickschnackhandy mit allem was es gibt, zu einem Marktpreis von 79,00 Euro, können Sie nicht mehr in einer zugigen Lagerhalle am Ortsarsch mit fünf Kumpels aus dem Sauflokal herstellen, zumindest nicht auf Dauer.) Ein Unternehmen ist (auch) eine Maschine, und eine Maschine fordert, sonst zerfällt sie. Sie ist entropisch. Ähnliches gilt es von Einkaufspreisen als Kalkulationsfaktoren zu sagen. Auch hier greift das (progressive) Mengengesetz, und das tut es auch bei Rohstofflieferanten. Auch bei Spritproduzenten etwa greifen ähnliche Notwendigkeiten und Wechselwirkungen.**

Es ist also bestenfalls entzückend naiv (um es nicht anders zu bezeichnen), sich darüber zu freuen, daß der Verbrauch von Sprit pro Fluggast und -meile ein Beitrag zur "Klimarettung" wäre. Im Ganzen ist das ganz gewiß nicht der Fall, sondern diese vorgebliche Einzeleffizienz ist nur durch einen insgesamt höheren Spritverbrauch durch höhere Menge an Transportierten überhaupt möglich. Das ist des Pudels Kern.

Deshalb kann das Konzept, Effizienz bei den Produkten hier, zugleich Reduktion der Rebound-Effekte dort zu erzielen, wie das die deutsche Politik (auch hier wie so oft schon: so seltsam widersprüchlich, ja direkt unüberlegt) propagiert, überhaupt nie aufgehen. Denn werden mit den geringeren Einzelstückkosten auch die Mengen reduziert, würde die Kalkulation des Produkts nicht mehr aufgehen - es würde unweigerlich wieder teurer werden müssen, und die Ziele der unternehmerisch-produktiven Entwicklung auch bei Produkten würden sich augenblicklich verlagern.  
Ein Einsparen "durch gesteigerte Energieeffizienz" auf gleichbleibendem oder gar fallendem Konsumniveau ist also gesamtwirtschaftlich gesehen gar nicht möglich. Es würde nur das Niveau des allgemeinen Konsums und Wohlstands fallen, das ist alles. Aber die Kosten für die Produkte würden wieder deutlich steigen, und so mancher "Effizienzgewinn" würde sich plötzlich schon gar nicht mehr lohnen. Wozu also daran weiter entwickeln?



*Zugleich fand innerhalb der Kaufkraftströme der Volkswirtschaften eine Umschichtung statt. Solche Preissenkungen sind also immer und tatsächlich relativ weil reduktiv. Simples Beispiel: Während früher die Milch beim Greißler um die Ecke das Doppelte kostete, als die später einsetzenden Supermärkte sie anbieten konnten, erfordert die Einrichtung eines Supermarkts einen ganzen Rattenschwanz an weiteren Dingen, sonst wäre diese Kauflösung gar nicht möglich: Auto, Kommunikationsmittel, Baugrund und Bauleistung, Infrastruktur, Müllentsorgung, etc. etc. - mit dem lustigen Nebeneffekt, daß DARAN dann der Wohlstand eines Volkes gemessen und als "gestiegen" betrachtet wird. Würde man die Einzelkosten für Milch allumfassend berechnen, würde herauskommen, daß sie TEURER geworden ist. Alles hat also mit der Lebensweise zu tun und vor allem damit, diese Kosten umzuverteilen, umzubenennen, umzudeuten, gewissermaßen "unter den Teppich" zu kehren. Noch Fragen dazu, warum die Staats- und Privatschulden weltweit explodiert sind?

**Es ist kein Wunder, daß in einer Zeit der Entstaltung - die eine Zeit des Dingverlusts, der Impotenz bedeutet - kein Gefühl mehr dafür existiert, daß alle Dinge einem (ja, man kann es so nennen: gewalthaften) Initialakt entspringen, also in "plötzlichen Momenten" eine Weltveränderung bedeuten. Sie lassen sich nicht wie bei einem Schieberegler vor- und zurückfahren. Die ganze Welt, bis ins Atomhafte, ist eine "Welt der plötzlichen Sprünge". Ist einmal etwas aber da, ist es Auftrag und Forderung und "Teil für die Welt als Welt". Das Großartige am Unternehmertum (bzw. jedem schöpferischen Vorgang) ist ja genau das: Jemand entwirft und fundiert einen Organismus, ein Ding, das es zuvor nicht gab, und das er nun oft über lange Zeit mit viel Kraft und persönlichem Risiko nach oben stemmen, "behaupten" muß. Und erst dann (!) beginnt es Teil des Weltmosaiks zu sein und "zu laufen" (oder nicht).




*270716*

Samstag, 6. Februar 2016

Es ist und bleibt eine Selbsttäuschung

Die Rede ist von der "Effizienzsteigerung", der wir ja das Wirtschaftswachstum im Grunde zu verdenken haben. Die kaum mehr ist als das Aufblähen der Menge des im Umlauf befindlichen Geldes. Und ohne Effizienzsteigerung kann nicht ein einziger Staat heute, im übrigen auch kaum noch ein Unternehmen, seine Kreditvolumina rechtfertigen. Als Vorgriff aus weiteren, zukünftigen Steigerungen des Geldumlaufs.

Aber die Wahrheit schaut ganz anders aus. Das, dem wir den - angeblichen - Wohlstand zu verdanken haben, war nie und niemals ein Prozeß, der aus weniger oder gleich viel Aufwand dennoch mehr Ergebnis machte (und das ist Effizienz). Sondern alles, was wir als Effizienzsteigerung zu verbuchen haben (und mehr als Zahlen sind es auch nicht) ist ein Umverlagern.

Es ist ein Sondieren dessen, was an Leistung (also: Ergebnis) verzichtbar ist, um doch noch als Ware durchzugehen. Ein simples Beispiel: Die Umrüstung von Bediengeschäften auf Supermärkte mit Selbstbedienung. Ein Selbstbetrug. Denn der Kunde erhält keineswegs "dieselbe Ware" zu einem womöglich noch niedrigeren Preis. Er erhält WENIGER Ware - zum selben oder niedrigeren Preis.

Dies geschieht meist mit einer völligen Fehleinschätzung der Maschinisierung, der Technisierung von Vorgängen. Unterschätzt werden nämlich deren Kosten. Das ist auch sichtbar, wenn nun z. B. Banken ankündigen, daß für Bankomat-Abhebungen Gebühren verlangt werden. 

Prompt sind die Kommentarspalten der Zeitung voll mit entrüsteten Leserreaktionen: Was, bitte schön, sollte das eine Bank kosten? Es sei doch nur eine automatisierte Computerbewegung! Was daran kostet Geld? Nichts! So die Kundenmeinung.

Die Wahrheit ist natürlich völlig anders. Nichts ist teurer als standardisierte Computerbewegungen, in Hardware, in Software, in Betreuung, in ständiger Wartung, in ständiger Erneuerung der Maschinen selbst. Das wissen (derzeit zumindest) nicht einmal die Banken, um die es da geht. Oder sie wissen es, tun es aber anderer Vorteile willen. 

Denn es wurde hier ja schon hinlänglich zu erklären versucht: Keine Investition "IST" einfach. Sondern sie muß im Grunde ständig erneuert werden, sie kostet und kostet, ohne einen Moment Unterbrechung, im Gegenteil. Denn genau das setzt sie dem Menschen gegenüber in einen im Grunde absurden Nachteil. Jede Maschine, jeder zusätzliche Arbeitsgang, kostet einfach Geld, und er kostet IMMER mehr, als er liefert. Dafür sorgen simple physikalische Weltgesetzlichkeiten - denn alles braucht Energie für sein Eigensein.

Nur sind mit steigendem Maschinenanteil an einem Vorgang die Kosten weniger transparent, in vielem ganz simpel auf die Bevölkerung abgewälzt, und das ist sogar noch politisch gewollt. Die Kosten für die Einführung und Aufrechterhaltung von Computertechnik sind in Wahrheit deshalb IMMENS. Und sie sind vom gesamtvolkswirtschaftlichen Effekt her betrachtet ein Minusspiel. Denn wo nun scheinbar einzelne Vorgänge "leichter, schneller, höher" gestaltet wurden, ist das IMMER auf Kosten der Gesamtbilanz geschehen. Der Aufwand wird nur verlagert.

Man müßte deshalb nur eines machen, und endlich machen, wenn es auch eine andere, realere, realistischer Betrachtungsweise erforderte, als die rationalistische Aufklärung - die das Märchen von immer mehr um immer weniger in die Welt gesetzt hat - uns zu bieten hat: Man müßte einmal Korrelationen suchen zwischen dem Grad der Verschuldung einer Volkswirtschaft und dem Grad an Technisierung der Vorgänge. Was freilich eine völlig andere Betrachtungsweise von Wirklichkeiten bräuchte. Nur der Endeffekt läuft auf dasselbe hinaus: Aus unerfindlichen Gründen (oh ja, gewiß, "Gründe" finden sich immer jede Menge ...) sinkt der Substanzanteil der Völker, und erhöht sich ihre Verschuldung und Anfälligkeit. (Auch Politik ist übrigens eine Maschine.)

Wer dem VdZ erzählen will, daß der Kauf eines Rindsschnitzels aus dem Regal weniger Aufwand bedeutet, als die persönliche Beratung und Zubereitung beim Fleischer, der hat eben das, was er verdient: einen Dachschaden. Er macht sich selbst blöder. Wer glaubt, ein noch besserer Rasenmäher, der noch bequemer zu bedienen sei, noch mehr Vorgänge in einem Aufwasch erledigt, würde ihm sogar noch Geld sparen, sollte sich auf Geisteskrankheit untersuchen lassen. Er unterschreibt den Freibrief für noch mehr Steuern. Denn das Umverteilen von Kosten, das Täuschen über die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, das Vortäuschen von Effizienz als das Vernebeln wirklicher Vorgänge hat ja längst der Staat übernommen. Der darüber hinwegtäuscht, daß er den Verlust an innerer Stärke und Qualität durch die Taschenspielertricks immer umfassenderer Aufgaben zu kaschieren versucht.

Nach umfassender Kostenwahrheit gesehen müßten deshalb Waren oder Leistungen, die etwa übers Internet bezogen oder im Supermarkt erstanden werden, teurer sein, verglichen mit dem Laden um die Ecke. Daß das nicht so ist zeigt, daß etwas nicht stimmen kann. Daß es so ist zeigt sich darin, daß auch Anbieter, die sich übers Internet breitmachen oder besonders billig anbieten ein Wirtschaftlichkeitsproblem bekommen, wenn sie nicht andere Produktgruppen haben, bei denen die Handelsspannen in Richtung Wucher gehen. Supermärkte etwa geraten ausnahmslos in Schwierigkeiten, wenn das Kundenverhalten nur noch "cherry picking" gleicht, die Kunden wirklich nur noch die Billigstangebote kaufen. Das haben die letzten Jahre (voller Konkurse und "Umstrukturierungen" wie "trading up" auch bei größten Ketten) bewiesen - reine Billigkonzepte (lange Zeit als Meister der Effizienz gepriesen) sind langfristig noch nie aufgegangen. Und zwar deshalb, weil sie ohne den Laden um die Ecke gar nicht funktionieren (denn nicht jedes Produkt ist reduzibel; "beratungsintensive" Produkte etwa). Als diese Kleinlädenstruktur sich auflöste, kamen auch sie in Schwierigkeiten (siehe u. a. Baumärkte).

Aber es fällt halt allen mittlerweile so schwer, aus den Wortblasen dieser Zeit auszusteigen. Und zu sehen, was man wirklich sieht. Und das ist ganz einfach: Je mehr - desto mehr. Je höher eine Kultur deshalb steigt, desto höher ist auch die Leistung, die der Verbrauch an Energie verlangt.

Apropos Energie - auch hier haben wir ja das nächste Perpetuum Mobile der "Nachhaltigkeit" längst erfunden. Das nur einen Nachteil hat: Es ist ein nächster Sack mit fünfzigtausend Löchern, die wir nur nicht sehen. Nicht sehen wollen.





*060216*