Dieses Blog durchsuchen

Samstag, 6. Februar 2016

Es ist und bleibt eine Selbsttäuschung

Die Rede ist von der "Effizienzsteigerung", der wir ja das Wirtschaftswachstum im Grunde zu verdenken haben. Die kaum mehr ist als das Aufblähen der Menge des im Umlauf befindlichen Geldes. Und ohne Effizienzsteigerung kann nicht ein einziger Staat heute, im übrigen auch kaum noch ein Unternehmen, seine Kreditvolumina rechtfertigen. Als Vorgriff aus weiteren, zukünftigen Steigerungen des Geldumlaufs.

Aber die Wahrheit schaut ganz anders aus. Das, dem wir den - angeblichen - Wohlstand zu verdanken haben, war nie und niemals ein Prozeß, der aus weniger oder gleich viel Aufwand dennoch mehr Ergebnis machte (und das ist Effizienz). Sondern alles, was wir als Effizienzsteigerung zu verbuchen haben (und mehr als Zahlen sind es auch nicht) ist ein Umverlagern.

Es ist ein Sondieren dessen, was an Leistung (also: Ergebnis) verzichtbar ist, um doch noch als Ware durchzugehen. Ein simples Beispiel: Die Umrüstung von Bediengeschäften auf Supermärkte mit Selbstbedienung. Ein Selbstbetrug. Denn der Kunde erhält keineswegs "dieselbe Ware" zu einem womöglich noch niedrigeren Preis. Er erhält WENIGER Ware - zum selben oder niedrigeren Preis.

Dies geschieht meist mit einer völligen Fehleinschätzung der Maschinisierung, der Technisierung von Vorgängen. Unterschätzt werden nämlich deren Kosten. Das ist auch sichtbar, wenn nun z. B. Banken ankündigen, daß für Bankomat-Abhebungen Gebühren verlangt werden. 

Prompt sind die Kommentarspalten der Zeitung voll mit entrüsteten Leserreaktionen: Was, bitte schön, sollte das eine Bank kosten? Es sei doch nur eine automatisierte Computerbewegung! Was daran kostet Geld? Nichts! So die Kundenmeinung.

Die Wahrheit ist natürlich völlig anders. Nichts ist teurer als standardisierte Computerbewegungen, in Hardware, in Software, in Betreuung, in ständiger Wartung, in ständiger Erneuerung der Maschinen selbst. Das wissen (derzeit zumindest) nicht einmal die Banken, um die es da geht. Oder sie wissen es, tun es aber anderer Vorteile willen. 

Denn es wurde hier ja schon hinlänglich zu erklären versucht: Keine Investition "IST" einfach. Sondern sie muß im Grunde ständig erneuert werden, sie kostet und kostet, ohne einen Moment Unterbrechung, im Gegenteil. Denn genau das setzt sie dem Menschen gegenüber in einen im Grunde absurden Nachteil. Jede Maschine, jeder zusätzliche Arbeitsgang, kostet einfach Geld, und er kostet IMMER mehr, als er liefert. Dafür sorgen simple physikalische Weltgesetzlichkeiten - denn alles braucht Energie für sein Eigensein.

Nur sind mit steigendem Maschinenanteil an einem Vorgang die Kosten weniger transparent, in vielem ganz simpel auf die Bevölkerung abgewälzt, und das ist sogar noch politisch gewollt. Die Kosten für die Einführung und Aufrechterhaltung von Computertechnik sind in Wahrheit deshalb IMMENS. Und sie sind vom gesamtvolkswirtschaftlichen Effekt her betrachtet ein Minusspiel. Denn wo nun scheinbar einzelne Vorgänge "leichter, schneller, höher" gestaltet wurden, ist das IMMER auf Kosten der Gesamtbilanz geschehen. Der Aufwand wird nur verlagert.

Man müßte deshalb nur eines machen, und endlich machen, wenn es auch eine andere, realere, realistischer Betrachtungsweise erforderte, als die rationalistische Aufklärung - die das Märchen von immer mehr um immer weniger in die Welt gesetzt hat - uns zu bieten hat: Man müßte einmal Korrelationen suchen zwischen dem Grad der Verschuldung einer Volkswirtschaft und dem Grad an Technisierung der Vorgänge. Was freilich eine völlig andere Betrachtungsweise von Wirklichkeiten bräuchte. Nur der Endeffekt läuft auf dasselbe hinaus: Aus unerfindlichen Gründen (oh ja, gewiß, "Gründe" finden sich immer jede Menge ...) sinkt der Substanzanteil der Völker, und erhöht sich ihre Verschuldung und Anfälligkeit. (Auch Politik ist übrigens eine Maschine.)

Wer dem VdZ erzählen will, daß der Kauf eines Rindsschnitzels aus dem Regal weniger Aufwand bedeutet, als die persönliche Beratung und Zubereitung beim Fleischer, der hat eben das, was er verdient: einen Dachschaden. Er macht sich selbst blöder. Wer glaubt, ein noch besserer Rasenmäher, der noch bequemer zu bedienen sei, noch mehr Vorgänge in einem Aufwasch erledigt, würde ihm sogar noch Geld sparen, sollte sich auf Geisteskrankheit untersuchen lassen. Er unterschreibt den Freibrief für noch mehr Steuern. Denn das Umverteilen von Kosten, das Täuschen über die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, das Vortäuschen von Effizienz als das Vernebeln wirklicher Vorgänge hat ja längst der Staat übernommen. Der darüber hinwegtäuscht, daß er den Verlust an innerer Stärke und Qualität durch die Taschenspielertricks immer umfassenderer Aufgaben zu kaschieren versucht.

Nach umfassender Kostenwahrheit gesehen müßten deshalb Waren oder Leistungen, die etwa übers Internet bezogen oder im Supermarkt erstanden werden, teurer sein, verglichen mit dem Laden um die Ecke. Daß das nicht so ist zeigt, daß etwas nicht stimmen kann. Daß es so ist zeigt sich darin, daß auch Anbieter, die sich übers Internet breitmachen oder besonders billig anbieten ein Wirtschaftlichkeitsproblem bekommen, wenn sie nicht andere Produktgruppen haben, bei denen die Handelsspannen in Richtung Wucher gehen. Supermärkte etwa geraten ausnahmslos in Schwierigkeiten, wenn das Kundenverhalten nur noch "cherry picking" gleicht, die Kunden wirklich nur noch die Billigstangebote kaufen. Das haben die letzten Jahre (voller Konkurse und "Umstrukturierungen" wie "trading up" auch bei größten Ketten) bewiesen - reine Billigkonzepte (lange Zeit als Meister der Effizienz gepriesen) sind langfristig noch nie aufgegangen. Und zwar deshalb, weil sie ohne den Laden um die Ecke gar nicht funktionieren (denn nicht jedes Produkt ist reduzibel; "beratungsintensive" Produkte etwa). Als diese Kleinlädenstruktur sich auflöste, kamen auch sie in Schwierigkeiten (siehe u. a. Baumärkte).

Aber es fällt halt allen mittlerweile so schwer, aus den Wortblasen dieser Zeit auszusteigen. Und zu sehen, was man wirklich sieht. Und das ist ganz einfach: Je mehr - desto mehr. Je höher eine Kultur deshalb steigt, desto höher ist auch die Leistung, die der Verbrauch an Energie verlangt.

Apropos Energie - auch hier haben wir ja das nächste Perpetuum Mobile der "Nachhaltigkeit" längst erfunden. Das nur einen Nachteil hat: Es ist ein nächster Sack mit fünfzigtausend Löchern, die wir nur nicht sehen. Nicht sehen wollen.





*060216*