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Dienstag, 17. Februar 2015

Tod durch Wirklinge

Die ganze Natur, schreibt Jakob von Uexküll an einer Stelle, zerfällt in "Merklinge" und "Wirklinge". Nehme man eine Henne mit ihrem Küken: Die Henne, die nach Finden von Futter das Küken herbeiruft, übernimmt die Rolle des Merklings, während das Küken ganz Wirkling (kraft des "Vertrauens", eine Selbstverständlichkeit) wird.

In gleicher Weise zerfällt jede menschliche Organisation in solche Teilung. Und es ist angeboren, welcher dieser Gruppen man zugehört. Schon deshalb ist nicht jeder Mensch für jede Position geeignet, denn jedem ist etwas dieser beiden "selbstverständlich", und das ist der Boden, auf dem jeder steht, ja: auf welchem NUR er stehen kann. 

Ja, wenn ein Merkling zum Wirkling werden will, wird er das genauso falsch tun, wie umgekehrt, der Wirkling den Merkling vortäuscht, um das Merklingsein zum Wirklingsein umzufälschen. Und das scheint dem VdZ als eine der realsten, folgeträchtigsten und leicht beobachtbaren Konsequenzen: Daß jeder Mensch eine vorhandene Vernunft und Sprechweise auf seine Weise umformt. Sodaß sie wie das eine klingt, dem Worte nach, aber dem anderen gemäß wirkt.

Um das zu illustrieren, holen wir diese Teilung in die konkrete Welt der Gegenwart. Und greifen so manche Wut des Wirklings heraus, sich in Verbindung mit Ereignissen oder Personen zu setzen. Nehmen wir ... das "Selfie", oder den Wahn sich überall mit Postings und Rückmeldungen vermelden zu müssen, oder zu sollen. Das sind eben alles Merkmale des "Wirklings". Der keine andere Möglichkeit hat, sich in den Besitz der Welt zu setzen, als diese Welt in die seine zu holen, ganz konkret. Sein Wesen ist, konkret zu beweisen, daß er in der Welt Spuren hinterläßt. 

Der geistige Zugang des Merklings ist ihm fremd. Dessen Wesen ist ihm Gegenpol, entgegengesetzt. Anders als der Wirkling, braucht der Merkling nicht den Beweis seiner Wirkung auf die Außenwelt, sondern, umgekehrt, ist ihm das Wichtige die Wirkung der Welt auf ihn. Es liegt in seiner Natur, seine Außenwirkung zu unterschätzen, denn seine Außenwelt besteht aus lauter Problemen. 

Während für den Wirkling seine Wirkung bzw. die Folgen aus seinem Tun "Selbstverständlichkeiten" sind, ja alles unter Selbstverständlichkeiten versinkt. Auch und gerade das, was er von der Mitwelt abverlangt. Er kennt "Respekt" nicht, nicht in dessen Wesen. Wenn, wird er zur pragmatischen Wirkung.

Ein Problem für eine Gesellschaft als Ganzes entsteht, wenn die Mischung aus diesen beiden Typen nicht mehr gesund ist. Eines ist dabei tödlich, schreibt Uexküll: Eine Gesellschaft, die nur aus Wirklingen besteht.




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Dienstag, 16. Juli 2013

Logik der Welt

Der Ursprung allen menschlichen Denkens liegt in der nicht mehr weiter rückführbaren Feststellung des "es ist", des "was ist". Und dieses "es ist" ist in der Anschauung - als subjektive Zusammenfassung aller Erkenntnismöglichkeiten - gegründet. Damit wird begreifbar, daß alles Denken auf der Anschauung fußt, und in sie rückmündet. Und es gründet im Urteil des einem selbst vorausliegenden Selbstsein des Seins, der Begegnung mit einem "anderen", das nur erfaßbar ist "als anderes" - als seiende, wesende Idee innerhalb des Seins.

Und nur, wenn es als solches anderes in der erkennenden Bewegung belassen wird: Erkennen bedeutet das Benennen der Beziehung zu diesem "anderen" bzw. von diesem zu mir (als "was es mir tut", "wie es in mir tut").

Aber mehr: Alles Sprechen, das sich ja nur auf das Sein, das "was ist" beziehen kann, wird zur (erzählenden) Metapher - weil es nur innerhalb einer persönlichen Beziehung zum Sein, analog zu seiner Charakteristik, überhaupt "passiert".

Jedes Denken ist das seinen eigenen Anspruch durchsetzende Denken.

In einer zwiefachen Bewegung, denn im "was ist" ist auch das "was nicht ist" auf eine Weise (die "nicht etwas" ist) enthalten und gesetzt, über diesem gehalten.*

Leo Gabriel zeigt in "Logik der Weltanschauung", daß dieses Grundurteil, das ein "was ist" bedeutet, und das zur Begriffsbildung führt, nur aus seinen Beziehungen her überhaupt bestimmbar wird. In seinen Relationen im Gefüge seiner Beziehungen innerhalb eines Ganzen, also: durch ein System.

Damit ist auch die Logik, die sich auf dieses "was ist" beziehen muß, nichts anderes als das formale Weltbild des Denkens aus der Anschauung heraus. Jedes System ist also eine ideologische - Ideegehalt in logische Form gebrachte - Synthese. 

Axiom und Evidenz fallen im "das ist" zusammen, sind eine Einheit. In jedem Axiom erfolgt aber der Einsatz der Idee in das Denksystem durch den logischen Ansatz des ersten Urteils.

Daraus folgt, daß die Realität der Welt sich nur als Emanation einer Beziehung definieren wie finden läßt. Das "Ding an sich" ist im wahrsten Sinn des Wortes "nicht existent", auch wenn es wirklich ist. Was immer existiert, existiert nur im Rahmen einer Beziehung.

Das Absolute, in dem alles zusammenfällt und aus dem alles entspringt, übersteigt es nur noch einmal, im reinen Geist, in der Wirklichkeit der Wirklichkeit, an der alles was ist teilhat, als Abglanz, als Lichtsein des Lichtes. Es wird, wie Georg Misch es formuliert indem er die indische Philosophie zitiert, "zur Erkenntnis gebracht durch die rein aus dem Denken entspringende Setzung des Seins," in dem wir selbst wiederum auf unsere Setzung auf der Grundlage der Offenbarung reagieren**. 

So wird das Denken, der Logos, als vom Vater im Geist ausgehend begreifbar, der zu ihm im Absoluten, das im Seiendsein aufglänzt (als Selbstsein und damit als Beziehungsein) des Seienden, von Gott durch das Nichtsein*** als potenz des Geschaffenen in die Individuation getrennt****, weil erst so "isset" (als Akt) und damit seine höchste Analogie wird, zurückkehrt. Die Welt als Selbstopfer Gottes, in der absoluten Liebe.





*Weshalb man auf eine Weise sagen kann, daß die Welt in den Begriffen "gehalten" wird, sonst zerfällt. Was die Bedeutung des "guten", wahren (als das Vorgefundene quasi einlassenden) Sprechens vor Augen stellen soll. Den Zustand der Sprache der Gegenwart zu monieren ist also kein "ästhetisches" Unterfangen, oder ließe sich abtun im Rahmen der Veränderung des Sprechens überhaupt. Es ist ein Verlust dieser Distinktheit, zu der nur die Liebe zur Welt anwegen kann, die erst Welt bedeutet, Sprache zur bloßen formlosen Lautäußerung niederkommen zu lassen. Wo diese Schärfe, die durchaus Anstrengung verlangt, fehlt, verfällt Weltgehalt als Welt des und für Menschen. Was heute als Toleranz bezeichnet wird, was sich im so häufigen Synkretismus äußert, ist damit vielfach nur noch Gleichgültigkeit der Welt gegenüber. Nur der Liebende hat Welt, nur der Liebende kann sprechen. Der Rest ist plappern. Nur dem Liebenden ist die Sprache heilig, weil Gefäß des Sinns. Kein Gespräch ist so um Sinn bemüht, wie das Gespräch von Liebenden. Denn nur Sinn (Logos) kann einen.

**Denn wir haben einen Anfang, setzen uns nicht selbst, sondern werden geschaffen. Würden wir identisch mit dem absoluten Sein sein, würden wir uns selbst Anfang sein müssen, ohne aber noch angefangen zu haben. Anders aber würden wir unser Selbst überhaupt verleugnen, und zum bloßen Schein erklären müssen, wie es ja tatsächlich die indische Philosophie macht. Die damit aber die Logik selbst wieder in die A-Logik kippt, und damit der eigenen Sicht der Erkenntnis des Absoluten aus der Logik heraus - widerspricht. Oder: widersprechen würde. Georg Misch meint in seiner Untersuchung des indischen Philosophie, daß das aus den überlieferten Lehren heraus nicht zu entscheiden ist. Also muß man die allgemeine Richtung ihrer Entwicklung heranziehen, und daraus muß man schließen, daß sie den Widerspruch NICHT auflösen kann, wie das in Griechenland gelang.

***Der absolute Geist aber ist reine Affirmation (Selbstzustimmung), schreibt dazu Meister Eckhart. Er schließt jede Negation aus. Diese Möglichkeit tritt erst mit dem Geschöpflichen ein. Nichtsein kann keine Ursache von Sein sein, und Nichtseiendes kann deshalb auch nicht aus Nichtsein hervorgehen. Genausowenig kann Sein die Ursache von Nichtsein sein. Das Nichtsein ist also nicht ein vom Sein Geschaffenes, sondern ein dem Geschaffenen als Mögliches sich in dessen Selbstsein Unterlegende, als aus diesem selbst erst sich ergebende Bedingung des Vielfältigen, das nicht alles ist. 

****Wenn dieses logische, sich aus allem Gesagten ergebende Element fehlt, das in den Vedas durch ein mythologisches Bild überspannt wird, wandert die bzw. diese Metaphysik unweigerlich in den Pantheismus ab, wo sich Seiendes und Sein IDENTITÄR (id es = es ist) vereint, und sich progressiv in Widersprüche verstrickt, und deshalb ins "mythologisch Bildhafte", "mystische" ausweicht, um das ursprüngliche Anschauen doch noch "zu halten". Konsequent durchgehalten und rational entwickelt wurde dieser (ursprünglich quasi selbe) Ansatz erst in der abendländischen Philosophie.

Die späten Upanishaden bringen an einer Stelle - diese "Kapitulation der Philosophie" belegend - einen bemerkenswerten Absatz, in dem schlichtweg die Begriffe zerschlagen werden, weil sie logisch nicht mehr auflösbar ist. Er wirkt sehr zeitgemäß, denn der als ethische Leistung ausgegebene Begriffsverzicht, der Rückzug auf ein persönlich Behauptetes als vorgeblich "Angeschautes", ist in der Gegenwart ausgesprochen verbreitet: "Mit IST, IST NICHT, NICHT-IST IST oder auch NICHT-IST IST NICHT, mit Festem, Beweglichem; Beidem in eins oder (doppelter) Negierung verschleiert nur der Tor! Das sind die vier Alternativen, durch deren Auffassung er nur verhüllt wird: der Erhabene wird durch sie nicht berührt."




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Donnerstag, 20. Juni 2013

Gefühl geht auf Art

Gefühle, schreibt Ludwig Klages, gehen nicht auf das Spezielle, sondern auf die Artung einer Situation. Und zwar sowohl im reaktiven Gefühl - dem Affekt, der Emotion, die aus sich heraus blind sind - als auch in der Stimmung - als Arterlebnis.

Im Affekt, in der Reaktion kann man deshalb auch in der Zielung irren, ja kontraproduktiv sein. Hiezu braucht es des geistigen Aktes, des Urteils, und damit der Wahrheit. Der Stier, den den Samenbock bespringt, reagiert nicht auf den Bock sondern auf das artende Erfassen der Situation in der Bewegtheit, in der er sich durch den (artenden) Reiz befindet. (Und irrt darin in seiner Natürlichkeit, weil es keine Kuh ist.)

Jede Ausdrucksbewegung, jede Handlung letztlich, ist damit auf eine Weise nur das Gleichnis einer Handlung.

In keinem Fall ist aber die Ausdruckshandlung einem Zweck zugeordnet - sie kommt aus sich selbst heraus, und dient sich selbst. Der Zweck ist das, was durch geistige Akten (beim Menschen) bzw. als Faktor der Geordnetheit dazukommt. Ein Kalb saugt auch bis zum Hungertod an einem zitzenähnlichen Plastikstutzen, der gar keine Milch hergibt.

Das Vorstellungsvermögen des Menschen richtet sich in gleicher Weise primär auf Eigenschaften (Gefühltes). "Härte" oder "Weichheit" vorzustellen ist deshalb wesentlich einfacher, als einen konkreten harten Gegenstand vor die inneren Augen zu holen. Aus solchen Arteigenschaften setzt sich die Welt schließlich zu immer komplexeren Bildern zusammen, die mit Symbolen (Sprache) belegt, darunter subsumiert werden. Auch wenn es in Französisch oder Bantu völlig verschieden heißt, meinen beide Völker unter den Eigenschaften dasselbe. Und selbst in den Sprichwörtern treffen sich die Völker weltweit in denselben Inhalten - aber unter meist ganz anderen Gleichnissen.

Die konkrete Sachbezogenheit aber, die muß der Mensch lernen. Und sie wird in den Bewegungen als (gewissermaßen) Bewegtheitscluster in immer komplexeren Abläufen automatisiert. Das mühsame Gehenlernen des Kleinkindes formt sich mit der Erfahrung zum Bergsteiger, der ohne nachzudenken Schritt um Schritt setzt, während er in Gedanken bei den Eisblümchen ist, die er in der Wand sieht.

Das betrifft auch das Sprechen - daß es der Kommunikation dient, ist das Hinzukommende! Es ist zuerst die bloße artliche Umsetzung einer Bewegtheit, die mehr und mehr dem Bewußtsein, den geistigen Akten angegliedert wird: Der Geist verschmilzt in seinen Bewegungen zu unwillkürlichen, bewußtseinslosen Akten durch Übung und Erfahrung, durch "in Fleisch und Blut übergehen". Die Willkürbewegung wird zu einer Lebensbewegung, das heißt, daß etwas wirkt, auch wenn man es gar nicht mehr bewußt bemerkt. Prinzipiell wird jeder lebendige Akt mit der Wiederholung immer weniger eines spezifischen Willensaktes bedürftig.

Mit allen Möglichkeiten der Fehlbildung durch ebensolche Übung - in der Faulheit, dem anerzogenen, gewohnheitsmäßigen Nichtsetzen geistiger Akte, oder in der Überzogenheit, sodaß der Mensch ständig von Gewohnheiten überrannt wird, die seinem geistigen Urteil nicht entsprechen. Wird ein Handeln, ein Reagieren, eine Ausdrucksbewegung des Menschen nur noch automatisch, wird sie gleichzeitig - ausdruckslos.





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Montag, 26. November 2012

Reden vom Sinn

Dieses Filmchen (5 min) von Jane Marshfield - "The Art of Metaphor" - findet sich auf "Ted", wo unter sehr viel Mist da und dort auch ein Körnchen Gold zu finden ist. Auch dieses Körnchen hat gewisse Unreinheit, aber es spricht etwas Wesentliches an: daß unsere Kommunikation in Metaphern abläuft, daß Sprache und Denken Metapher, nicht wörtliches Abrechnen von bloßen Zählbegriffen IST. 

Weil alles Denken von einem SINN ausgeht, und in der Bewältigung des Widerspruchs, der Unruhe zu ihm, zu Ruhe des Einen zurück will, im Logos (wörtlich: Sinn, als "Weg auf - hin"). Dieser Sinn (von dem nicht zufällig das Wort Sinnlichkeit stammt) ist es, auf den wir auch in unserer Wahrnehmung treffen, an den wir sinnlich (!) angebunden sind. Und diese Bilder als Grundschemata des Zueinander der Welt sind wiederum Analogien, Ähnlichkeiten. In denen sich Geistiges in Geschöpfliches umgießt, Wesen in Gestalt, Sein zu Seiendem. Wo Form sich mit Inhalt zur Dinglichkeit vermählt.

Sagen wir: "Die Dunkelheit kommt auf Katzenpfoten", meint niemand die sachlich heruntergebrochene Wörtlichkeit. Aber allen ist klar, was gemeint ist, weil die verwendeten Bilder dieselben Erfahrungsbezüge aufrufen. Die Ausgangslage aber ist nicht, weil wir diese Begrifflichkeiten "von den Katzen" nehmen - auch die würden wir nicht erkennen, auch nicht in dieser Eigenschaft, wenn nicht die Katzen selbst wiederum Ausdruck von Eigenschaftlichkeiten, von Sinn wären, vielleicht in diesem Teilbereich auf besondere Weise - dem sanften, stillen, hauchartigen Herannahen, in dem wir ihre Eigenart deuten, aus dem heraus wir sie erst als solche erkennen. Und wäre dieser Sinn, diese Eigenschaftlichkeit nicht selbst wiederum im Menschen, als Teil von ihm, so könnte er es überhaupt nicht erkennen.

Menschliche Wahrnehmung als das Ordnen des sinnlich Begegnenden - als das Zurückführen auf in einem selbst vorhandene Sinngehalte verstanden - ist also einer viel tieferliegenderen Erkenntnis zugeordnet, die von Sinn ausgeht. Gedankliche Formen folgen weit später, und sie sind in dem Maß wahr, als sie sich auf diese Sinninhalte der Welt beziehen, sie ausdrücken, sie damit darstellend enthalten.

Das Sprechen, schreibt sinngemäß Michel Henry unter Bezug auf Husserl's Analyse, ist anfänglich niemals auf der Seite des Gesagten. Es ist das, was sich im Sprechen zeigt. Es ist das, was es zeigt.* Und es zeigt Intention. Denn entscheidend am Sinn - als Weg "auf - hin", s.o. - ist seine Bewegung aus dem Akt der Hervorbringung. In diesem liegt sein Kriterium. Im Erscheinen (der Sprache) wird seine Intention sichtbar.

Im Fall der "Nacht, die auf Samtpfoten" sich nähert, das was hinter dem sanften Zurückziehen des Lichts sich ausdrückt. Darin liegt die Wirklichkeit dieses Geschehens. Die Deutung geht also dem Tun der Sinne selbst voraus. Der metaphernhafte Kern unseres Sprechens zeigt das. Erkenntnis ist per se ein personaler Akt der Freiheit, auf den die Sinnesobjekte lediglich verweisen - der aber die Dinge notwendig braucht, weil sie diese Sinnesinhalte erst wachrufen, und in der Sprache als Antwort den Menschen selbst in den Geist, ins Leben (das das Wort ist) selbst heben (und zwar: im Selbst, das in dem Maß wahr wird, als es dem Logos gegenüber transparent wird). Der Kreislauf des Logos schließt sich - vom Wort, ins Wort. Hier Gabe, dort Opfergabe. Das menschliche Sein konzentriert sich also auf das Erscheinen des Logos, dem Wort das Fleisch geworden ist, und das das Leben ist.









*In einer Erweiterung der Auslegung wird aus diesem Tatbestand heraus auch noch einmal deutlich, daß die nominellen Inhalte des Internet wie die nominellen Inhalte (bzw. Hervorbringnisse) jeder Technik NICHT SEINE INHALTE SIND. Es ist etwas anderes, das sich darin ausdrückt. Deshalb ist auch die Suche nach dem im Internet Ausdrückbaren, Vermittelbaren, nicht eine Frage der "nominellen Inhalte". Es ist selbst bereits seine Grundbotschaft. So, wie alles nur das spricht, WAS ES IST. Weshalb der defintive, alles umfassende Sinn der gesamten Schöpfung sich im Logos, im Wort, das JESUS CHRISTUS IST, in JESUS CHRISTUS, der DAS WORT IST, aussagt.



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Montag, 30. Mai 2011

Das Geheimnis des Schauspielers, das Geheimnis der Gegenwart

Es gehört zum Schönsten, was ich bislang über Schmuck, Schminke als Selbstinterpretation gesehen habe: Denn Identität heißt vor allem, sich unter ein Wort zu stellen! Es heißt sich zu entscheiden, wer man ist, wo das Ziel ist, auf das man zugeht. ABER: dieses Ziel ist die Entscheidung für die Interpretation einer der vorgegebenen Möglichkeiten, es ist nicht beliebig! UND: ALLE  zu interpretieren ist nicht (bzw. nur Gott selbst) möglich. Nicht auf einmal, sondern nur in der Zeit, und in anderem Raum, mit der Gefahr des Verlusts der Identität, die konkret sein muß. Erst im Alter, erst durch die Überwindung der Zeit (und: Zeit ist relativ zum Seienden, das "Alles" ist "unendlich"!), in der Universalität, wo vieles Einzelne zu einem Allgemeinem wurde, können alle Möglichkeiten in einem Gesicht zusammenfallen.

Der Schauspieler ist im Grunde also der, der die Zeit überwunden hat, indem er sich, sein in der Welt eine Rolle spielen, überwunden hat. An ihm können deshalb "alle" sichtbar werden. Genau das zeigt aber, daß es für den Nicht-Schauspieler schwere pathologische Folgen hat, sich NICHT für eine konkrete Maske zu entscheiden, wenn sein Leben also nicht Arbeit an EINER Maske ist, sondern der - wie der Schauspieler, der eine bestimmte innere Disposition dafür braucht, der sich selbst zum Spiel sein muß -

Die Hollywoodisierung der Menschen heute hat deshalb ganz schwere Folgen für die psychische Gesundheit der Menschen! Sie entreißt ihnen überhaupt das "etwas sein", indem es die Illusion nährt, Schauspieler zu sein (als Identitätsform!) wäre jedem möglich. Die Unfähigkeit zur Identität - auch aus Feigheit, Faulheit, Schwäche, Angst - wird zum Schauspiel verklärt. Es ist keineswegs Zufall, daß die Anzahl der Schauspielschulen fast möchte man sagen: dramatisch, steigt. Sie fassen genau diese Symptomatik.

Das ist aber nicht Schauspiel! Der Schauspieler tut zwar nichts anders, als die Menschen tun, aber die Menschen tun nur bedingt, was der Schauspieler tut. Sie spielen auch, aber nur EINE Rolle, die in Spannung zu den Anforderungen zur Welt steht. Das ist das Wesen von Persönlichkeit. Der Schauspieler hingegen arbeitet mit dem Geheimnis des Menschseins überhaupt! Er verzichtet auf EINE Rolle im realen Leben, um alle Rollen auf der Bühne spielen, leben zu können. Als Projekt, als Vorhaben, an dem er sein Leben lang arbeitet. Ist er alles, ist er am Ende angelangt. Wenn er dort je angelangt.

Umgekehrt führt natürlich genau dieses Mißverständnis dazu, daß viele als Schauspieler gelten, die nur SICH spielen, ja, so wird auch erklärlich, daß um diese Schauspieler meist eine Art "Kult" entsteht, der nichts mehr hinterfragt, sondern aus dem Akteur eine Art "Gott" macht. Soll ich andeuten ... einen "Heilgen"? Noch deutlicher: einen "Seligen"?

Umgekehrt ist also das gesellschaftliche Leben selbst zu einer Art "Theatergardarobe" geworden: wo alles war man tut, nur noch zu einer Art Probe vor dem Spiegel geworden ist. Alle sitzen bereit, und warten darauf, daß jemand REAL klingelt. Nur: wenn alle in der Garderobe sitzen und warten, gibt es niemanden mehr, der klingelt! Und schon haben wir das Geheimnis von Facebook.

Aber wieviel auch sagt das Filmchen über das, was seitens mancher Regisseure und Theatermacher und Filmemacher an haarsträubendem Mißverständnis über das, was ein Schauspieler zu tun hätte, als Anforderung und Bewertungskriterium an den Schauspieler herangetragen wird. Weil nicht gesehen wird, daß es das Licht, die Maske, die Handlung, der Interpretationshorizont sein muß, der dann im Schauspieler aufblitzen läßt, was er IST. Daß es NICHT die Fähigkeit ist, Grimassen zu schneiden, so "zu tun wie". Sondern daß eine Rolle, ein bestimmtes "So-Sein", eine immanente und immer persönliche Qualität des Akteurs ist. Oder nicht.

Ich sage ja: das Filmchen ist eine großartige, begeisternd zentrale Gegenwartsmetapher!



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Mittwoch, 13. April 2011

Abstraktion und Metapher

Die Abstraktion ist die Rückführung der begrifflich zugebauten Welt der Erscheinungen auf ihre Eigentlichkeit. Sie ist im Grunde eine Metapher.

Die Maori nennen einen Freund, der nach langer Zeit wiederkommt, einen "Kutugu". Das ist derselbe Name, den sie für eine Reiherart haben, die nach Monaten wiederkommt, um zu brüten, anschließend nach Norden (in Neuseeland, auf der südlichen Erdhalbkugel, die wärmere Gegend) zieht, um für einige Monate das dortige Land zu bevölkern - mit den Geistern der Toten im Gepäck. Der Kutugu ist den Maori ein Todebote.

Über den Winter fliegen die(se) Reiher wieder in ihr Heimatland Hawaii.

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Samstag, 26. März 2011

Schwächlich

Trotz der Löwen? Gerade deshalb. Denn hat Mercedes es notwendig, etwas das sie als immanent behaupten explizit zu machen? Damit taugt das Filmchen weder als Metapher, noch als Darstellung. Es funktioniert nur über die rationale Ebene. Und dafür genügten ein paar Hörfunksätze: wie Mercedes sich gerne sähe, wie der Kunde sie sehen soll. Weil man es nicht wirklich sieht.

Die Kernfrage ist ja genau das: WORAN erkennt man das, was hier nur behauptet wird?









*260311*

Freitag, 18. März 2011

Art die Welt zu erfassen

"Kein Gebilde ist ja dem Menschen verständlicher als der Mensch selbst in seinem Thun und Leiden, und so deutet besonders der primitive Mensch jeden Vorgang in der Natur nach Analogie seines eigenen Körpers und seiner eigenen Seele. Die Metapher ist deshalb kein poetischer Tropus [gestalterisches Stilmittel; Anm.], sondern eine ursprüngliche, notwendige Anschauungsform menschlichen Denkens."

Alfred Biese, in "Die Philosophie des Metaphorischen"

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