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Sonntag, 28. November 2021

Dennoch auf den Weg gemacht

Es ist schwer zu vergleichen mit heute, und nur schwer vorstellbar im Sinne von begreifen, aber die Menschen des hohen und späten Mittelalters (grob das 11. bis 14. Jahrhundert) waren dermaßen "auf der Straße", daß man immer wieder verblüfft ist. Und das vor allem durch Pilgerfahrten. Gestützt von einem berückenden Mysterienglauben und -leben, kamen ständig neue Pilgerziele auf den Speisezettel der frommen Reisenden, der aber von einigen Fixpunkten dominiert war. Der Schrein mit den sterblichen Überresten der Heiligen Drei Könige in Köln, die Heimstätte des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela, und natürlich das Zentrum der Welt - Rom und das Heilige Land, die zusammengedacht werden müssen.

Vor allem bei letzterem muß man die Unsicherheit der Pilgerwege als einen der Hauptgründe für die Kreuzzüge annehmen, und zwar nicht nur durch die muslimischen Araber, sondern durch Europäer, die frisch und frei neben ihnen ihr fragliches Handwerk entwickelten. Das Ausrauben von Reisenden war also nicht nur das traditionelle Gewerbe vieler Araber, ja das eigentliche Handwerk ganzer Landstriche, sondern auch das zahlreicher Franzosen, Engländer oder Deutscher, die auf diese (in manchen Kulturkreisen durchaus angesehene, "legitime") Weise ihren Lebensunterhalt bestritten. Heil den langen Weg von Konstantinopel durch die Levante nach Jerusalem durchzukommen war eine höchst seltene Ausnahme.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Algerien 1910

Gefunden auf everlasting blort




*141010*

Eine schöne Geschichte

Ein ganzer und entzückender Roman, mit allem, was dazugehört - Gefühlen, Geschehnissen, Spannung - komprimiert auf zweieinhalb Minuten. Und dabei nur eine Werbung! Aber sie läßt das beworbene Produkt nie aus den Augen, und macht es präsent.



*141010*

Donnerstag, 15. Juli 2010

Touristische Häresie

Das Wort Häresie bezeichnet nicht, daß ein Gedanke "falsch" ist, sondern es bezeichnet einen Gedanken, der "ausgewählt" und solcherart übergewichtet oder/und falsch eingeordnet wurde. Ob die Dinge der Welt also - zumindest: auch - überhaupt sie selbst bleiben, ist eine Frage der Ordnung.

Etwas, das sich auch zum Geschäft des Tourismus sagen läßt. Es geht nicht ums Gastsein, um den Besuch, um die Horizonterweiterung. Es geht darum, ob die Besuche, die Touristen, das was sie besichtigen enteigentlichen, und somit die Welt "verbrauchen" - im wahrsten Sinne: verbrauchen.

Im Tourismus heutiger Prägung wird die Herstellung der Dinge stärker als die Dinge, und die Teilnehmer. Und damit macht er aus den Besuchern Verbraucher, und aus dem Besuchten eine Ware: die an der besuchten Welt Teilnehmenden nehmen die Züge des Hergestellten an. Was nicht mehr rückgängig zu machen ist: alle Teilnehmenden sind verändert.

Eine an sich wunderbare Sache - Reisen! - wurde durch ihre Entwicklung zur Industrie erwürgt. Sie wurde häretisch.

***

Der Verbrauch an Welt, schreibt Kästner einmal, ist heute enorm. Herstellung erzwingt Verbrauch, sonst geht sie bankerott. Und Verbrauch treibt die Herstellung. Neuzeit ist Welt-Herstellung. Und es ist nur zu logisch, daß auch der Mensch hergestellt werden muß und wird. Und Weltverbrauch mündet in Welt-Müll. Nichts darf mehr lange halten. Auch Überzeugungen nicht, nicht Hoffnungen, Eindrücke, auch der Ruhm nicht, auch nicht Wahrheiten. Welt-Untreue.


*150710*