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Freitag, 28. Oktober 2022

Filmempfehlung (3)

Der Film - Beginn der Geschichte - Die Geschichte ist einfach, und doch dramaturgisch komplex zum Fünfakter gebaut. Sie wird in den 90 Minuten ohne jedes Zuviel oder Zuwenig erzählt. Ein Mädchen an der Schwelle zur Erwachsenheit - im heiratsfähigen Alter, könnte man sagen - wächst alleine bei ihrem Vater auf. Dieser betreibt eine kleine private Detektei, und seine Klienten sind in erster Linie private Affairen. Darüber hat sich mit den Jahren ein Archiv heikler, pikanter Fälle angesammelt, in dem seine Tochter heimlich gerne  heimlich stöbert und ihre Phantasie nährt.  Bei ihrem heimlichen Studium stößt sie auch auf die umfangreiche Akte des reichen Amerikaners Frank Flannagan, den aktuellen Fall ihres Vaters, und ist fasziniert von ihm.

Dem Vater ist diese Leidenschaft seiner Tochter gar nicht recht, denn er wollte seiner Tochter diese geballte Dosis an menschlichen Fehlern und Schwächen nicht zumuten. 
"Aber du hast doch mit Mutter auch immer darüber gesprochen?" - "Mein Kind, deine Mutter war eine verheiratete Frau!" "Gott sei Dank."  

Donnerstag, 27. Oktober 2022

Filmempfehlung (2)

Hollywood, ja die weltweite Filmbranche heute würde über Billy Wilder für die Botschaft von "Ariane - Liebe am Nachmittag" Berufsverbot verhängen. 

Wilder war ein wahrer Meister in der Taktik der "Selbstverhüllung in der Darstellung." Er konnte damit Themen in seine Filme einbauen (man denke an "Some like it hot", welchen Film man als Vorgriff auf die heutige, 70 Jahre später stattfindende LGBTQ-Diskussion sehen kann) die aus jedem Rahmen der Zeitmoral fielen.  Damit verschuf er sich sehr rasch jegliche Freiheit in seiner Kunst Und daswiederum ging nur, weil er wirklich wußte, wie Film funktioniert. Nur deshalb konnte auf allen seinen Saiten spielen.
Das ist auch bei dem Film der Fall, der uns Anlaß für diese Auseinandersetzung mit dem Thema war: 
"Ariane - Liebe am Nachmittag". 
Die Art, wie dort Ehebruch und Promiskuität - auch bei Frauen! - thematisiert wurde, sprengte auch 1957, als der Film entstand, jeden echten Rahmen herrschender Moralauffassung. Und er tut es auch heute! Wenn auch ganz anders. 
Der Unterschied? Die herrschende Moralauffassung!

Mittwoch, 26. Oktober 2022

Filmempfehlung (1)

Die amerikanische Filmindustrie hat sich von ihrer Gründung an als Geschäft verstanden. Der Film war eine einträgliche Einnahmequelle, und weil er einem fragwürdigen Gewerbe zugerechnet wurde - der Unterhaltungsbranche - war er auch für Juden offen. 

Die Westküste der USA war damals schon jahrzehntelang bevorzugter Anlaufpunkt für die zahlreichen Ashkenadse-Juden, die aus dem "Schdetl", den später von Timothy Snider "Bloodland" benannten Landstrich, stammten, der vom Baltikumbis zum Schwarzen Meer reichte, also Litauen, das heutige Weißrußland, vor allem aber das Gebiet umfaßte, und später zur "Ukraine" zusammengefaßt wurde. 

Diese meist sehr armen Juden sahen sich in ihrer neuen Heimat aber genauso an der untersten Stufe der sozialen Leiter, wie sie es in ihrer Heimat gewesen waren, die größtenteils Staatsgebiet Österreich-Ungarns, aber auch Rußlands war. Nur war das ja immerhin das Konzept der Neuen Welt, so wurde es zumindest verkauft:
Jeder konnte erreichen, was immer er sich vorstellte. 
So hieß es zumindest, und so heißt es wohl heute auch in Afrika, von wo sich ähnliche Mesnchenströme aufmachen, um in Europa ihr Glück zu suchen. In gewisser Weise ist genau das auch ein in den Filmen Billy Wilders, um deren einen es hier gehen soll, immer wiederkiehrender Topos:
Die Vorstellung, daß man alles sein könne, was man wolle. 
Und das macht ihn, der 2002 im Alter von 96 Jahren gestorben ist, moderner, als man glauben möchte. So wie der Film höchst aktuell ist. Aber dieses Warum sollte  man vielleicht nicht zu laut sagen.

Davon später. Denn erst betten wir dieses Meisterwerk Wilder's in einen breiteren Rahmen ein, denn das Einzelne wird erst durch das Allgemeine erkennbar.

Sonntag, 28. November 2021

Dennoch auf den Weg gemacht

Es ist schwer zu vergleichen mit heute, und nur schwer vorstellbar im Sinne von begreifen, aber die Menschen des hohen und späten Mittelalters (grob das 11. bis 14. Jahrhundert) waren dermaßen "auf der Straße", daß man immer wieder verblüfft ist. Und das vor allem durch Pilgerfahrten. Gestützt von einem berückenden Mysterienglauben und -leben, kamen ständig neue Pilgerziele auf den Speisezettel der frommen Reisenden, der aber von einigen Fixpunkten dominiert war. Der Schrein mit den sterblichen Überresten der Heiligen Drei Könige in Köln, die Heimstätte des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela, und natürlich das Zentrum der Welt - Rom und das Heilige Land, die zusammengedacht werden müssen.

Vor allem bei letzterem muß man die Unsicherheit der Pilgerwege als einen der Hauptgründe für die Kreuzzüge annehmen, und zwar nicht nur durch die muslimischen Araber, sondern durch Europäer, die frisch und frei neben ihnen ihr fragliches Handwerk entwickelten. Das Ausrauben von Reisenden war also nicht nur das traditionelle Gewerbe vieler Araber, ja das eigentliche Handwerk ganzer Landstriche, sondern auch das zahlreicher Franzosen, Engländer oder Deutscher, die auf diese (in manchen Kulturkreisen durchaus angesehene, "legitime") Weise ihren Lebensunterhalt bestritten. Heil den langen Weg von Konstantinopel durch die Levante nach Jerusalem durchzukommen war eine höchst seltene Ausnahme.

Donnerstag, 22. April 2021

Gedankensplitter (1154)

Auch das stützt meine These, daß es im strengen Sinn "einen Virus" nicht gibt. Vielmehr halte ich alles für ein gigantisches "Virengeschehen", mit der Aufgabe des Tragens von Information. So wie ich es schon seinerzeit in "Helena" beschrieben habe. Eiweiße sind nämlich Informationsträger. Verfleischlichte Information, die sich hinter ihnen, als Melodie, als Schatten mitführt. Und aus den Schwingungen übertragen weil übernommen wird. Wenn der Empfänger dafür bereit ist, und es will!

Freitag, 8. Januar 2021

Totalitarismus ist immer so natürlich (2)

Teil 2) Ein großer Reset braucht 
die alternativlose Bereinigung als Vorstufe


Dämmert es? Die Corona-Hilfe, 27 oder 30 Milliarden (oder mehr, wen kümmert's?) in der ersten Tranche in Wien beschlossen sind zuerst einmal der Steuerlast der Zukunft vorgeschossene Zentralbankgelder, die per Knopfdruck geschaffen sämtliche Schäden ausbügeln sollen. Sodaß die Politik in jeder Hinsicht saubere Hände hat. Die muß nämlich das Geld nicht mal mehr physisch in die Hand nehmen, ist also auch daran nicht schuld, sondern nur einer Notwendigkeit und "Alternativlosigkeit" - alternativlos welcher Vorstellung von Ordnung des Lebens gemäß? - gefolgt.
Manche nennen das THE GREAT RESET - DEN GROSZEN NEUANFANG BEI NULL. Die Auswahl der neuen Figuren am Schachbrett wird nun Rettung genannt. Man brennt erst alles nieder, sodaß sich niemand mehr selbst helfen kann, und wählt nun diejenigen aus, die man zukünftig noch im Spiel haben will.
Anders aber als früher kann nun nicht mehr JEDER daherkommen und sagen, daß seine Fertigungsbude mit alten Maschinen und gerade mal fünfundzwanzig Leuten, die dort ihre Monatsgroschen erschuften, oder daß sein - kurz gesagt - schon lange "zu wenig produktiver Betrieb" 
Viele erfahren heute ja zu ihrer großen Ermutigung, daß das Unternehmen, das sie mit aller Kraft von Monat zu Monat wuchten, um den "Bereinigungsprozessen des Marktes" zu entgehen, um sich und ihren Mitarbeitern ihre Arbeitsplätze zu erhalten, in den Augen der Experten nur ein verachtenswertes ZOMBIE-UNTERNEHMEN ist 
das Gesamtgeschehen im Land doch nur schädigt weil Kapazitäten bindet, die, frei geworden, die Produktivität in Zukunftsbranchen heben könnten, weil also so viele Betriebe und Unternehmen mit einem Wort gar keine Existenzberechtigung mehr haben, schon lange nicht mehr haben. Sondern daß sie wie Dreck und Kruste am wohlgeschmierten Staatsorganismus hängen und endlich ausgeschieden werden müssen. 


Zum Bild: Auf die Schnelle fand der VdZ kein treffenderes Bild von der Regierung als Experten- und Wissens- und Allmachtsgremium. Werter Leser, trifft es nicht die Realität? 

Auch darin: Wer dazugehören will, wer Teil dieses Arkanums aus Wissensträgern und Entscheidern werden will, der verhülle sich ebenfalls mit Kapuzen (pardon: Masken). So wird er zum Mitglied einer Geheimgesellschaft. 

Denn nicht nur sind die Masken nicht mehr als Symbol, wie die Politiker selbst öffentlich zugegeben haben, sondern sie verhüllen - symbolisch - das Menschsein als Person an einem Ort und machen es zu einer Funktion. 

DAS LEBEN WIRD MIT DER VERHÜLLUNG ZUM RITUS, DER DIE GESELLSCHAFT UND DAS SOZIALE ZUR GEHEIMGESELLSCHAFT MACHT.

Darum geht es. Das Leben mit Maske wird zu einer symbolistischen Bildlandschaft. Sie heben die Mitglieder auf die Ebene der durch das Arkanum - dieser verschworenen Gesellschaft der Wissensträger, die deshalb "geheim" genannt werden kann, weil ihre Absprachen Grundlage sind und außerhalb des "normalen Lebens" ablaufen, darunter liegen - repräsentierten Vorstellung von Rationalität entsprechender Entscheidungen, und machen alle Maskenträger somit zu dem, was die Menschen heute doch sein wollen: Zu Experten.
 
Anders als früher also entscheidet aber nun gar nicht mehr "der Markt", was immer das ist. Im großen Reset entscheiden nun nicht die Menschen und Unternehmer, ob sie sich das alles weiterhin antun, ob sie noch mehr Grundstücke oder Broschen von der Oma verpfänden, um Kredite zu bekommen, die ihren Betrieb am Leben halten sollen, auch in allen Krisen.
Anders als früher, in dieser sogenannten freien Welt, die aber zu so schlechten Ergebnissen geführt hat - Klima, Corona, Ungerechtigkeit, und ach noch so viel, denn es gibt doch so viele Probleme! - entscheidet nun ein Gremium von Wirtschaftsfachleuten, wie es sich die quasi Zunft-Verbindung WIRTSCHAFTSKAMMER aus dem Rockzipfel gesaugt hat, ob ihr Betrieb (den nur die Förderungen am Leben halten KÖNNEN, weil das Leben in Freiheit von der Politik völlig ausgelöscht wurde) noch weiter bestehen soll.

Wobei diese Experten sicher alle mit Wirtschaftsakademikerabschluß, sicher alle mit dem Zertifikat "globalisierungstauglich", und sicher alle mit erwünschtem oder wenigstens akzeptiertem Parteiausweis, pardon: Derselben Vision von Zukunft, ausgestattet sind.
DIESE GREMIEN - AUS POLITIK UND WIRTSCHAFT UND EXPERTEN, die begründen, was die Politik will, sich aber nicht zu sagen oder zu wollen wagt - ENTSCHEIDEN ALSO NUN, welches Unternehmen überleben darf. Durch Corona-Hilfen. Um die es ansuchen, das heißt betteln darf. 
Denn es können ja, wie gesagt, NICHT ALLE GERETTET werden.
Und seien wir doch ehrlich, werter Leser, ist das nicht gut? Ist das nicht natürlich? Denn wer will ein nicht überlebensfähiges Unternehmen schon wirklich retten? Ist die Corona-Krise da nicht ein herzlich willkommener Anlaß, die lange schon benötigte Katharsis, die nach dem Ausbrennprozeß, der alle Schlacken bereinigt, dafür sorgt, endlich all die Betriebe und Unternehmen loszuwerden, die nur im Wege stehen, die den Gesamtwohlstand nur mindern, die eine prosperierende Wirtschaft - die wir ja hoffentlich bald, also nach erfolgter Impfung, oder nach der nächsten Impfung, also irgendwann jedenfalls, dann aber sicher, wieder haben werden - nur hindern?

Und können wir da nicht dankbar sein, daß nun Fachleute, Experten (sic!) entscheiden, welche Unternehmen von den Schäden der staatlich verhängten Totalzerschlagung der Wirtschaft für diese neue Vision tauglich sind? Der gemäß aus den Trümmern die Landschaft eines neuen Frühlings wieder errichtet werden wird, eine Landschaft voller Düfte und Sonnenschein, voller Güter und voller Glück, voller quicklebendiger Menschen und lachender Gesichter? 
Das wird nun von der Politik entschieden. Von einer Zentralregierung, die bis in den letzten Winkel des Landes entscheidet, welche Musik dort zukünftig noch gespielt wird. Die Gott spielt und sagt, was lebenswert und was es nicht ist. Und die ihr Korsett an Ordnungsvorstellungen in ein Korsett des Erwünschten und des Unerwünschten gespannt hat. 
Und zwar so geschickt, daß es die Menschen gar nicht merken. Außer die, die ... der Kategorie "zukünftig unerwünscht" zugehören. Aber die sind ohnehin nun pleite, und können nicht mehr viel Lärm machen, weil sie mit dem Rotz kämpfen, sozusagen, und froh sind, ihre täglichen Kreutzer zusammenzukriegen, die ihre Ruine von Leben noch irgendwie am Leben hält. Zumindest so lange, bis sie endgültig verschwunden sind. 
Diese Minderheit ist aber zu vernachlässigen. Denn im großen Ganzen, seien wir doch ehrlich, werter Leser, geht es uns doch wirklich gut? Und ist es nicht ein völlig natürlicher Vorgang, den wir in der Tier- und Pflanzenwelt UND DESHALB AUCH IN DER MENSCHENWELT Tag für Tag sehen (wo? ach, irgendwo, da aber sicher), daß das Starke über das Schwache siegt. 
Haben wir diesem Prinzip der Welt nicht zu verdanken, daß wir heute an diesem herrlichen Punkt der Geschichte angekommen sind, in der wir unsere Zukunft endlich in die Hand kriegen? Also zumindest, wenn wir dieses und das noch korrigieren. Wozu wir diese Corona-Krise so kräftig wie möglich nützen sollten. Dann, nach ein paar Monaten oder Jahren des Leidens, dann aber werden wir es erreicht haben, das Paradies. So nennt man das ja heute. 
Früher nannte man das, was heute alle so herzlich begrüßen, weil es unser aller Leben rettet (darum ging es ja angeblich von Anfang an), freilich TOTALITARISMUS. 
Aber früher waren ja alle dumm, oder zumindest dümmer als heute, eh schon wissen. Und hätten wir gewußt, daß es so schmerzfrei geht - hätten wir es dann nicht schon immer so gewollt, nur anders genannt?

 

*020121*

Donnerstag, 7. Januar 2021

Totalitarismus ist immer so natürlich (1)

Was meint der Leser? Meint er nicht auch (mit dem VdZ), daß der Totalitarismus ganz klammheimlich und auf der Schiene der "Selbstverständlichkeit", ja der "Natürlichkeit" liegt? Sodaß es einem lange Zeit gar nicht auffällt, daß die Kriterien des Totalitären längst erfüllt sind, und er wie immer erst nur ganz kleine "Randschichten" erfaßt. Randschichten, die sowieso böse, schlecht, schlimm sind, sich den "notwendigen" Kriterien nicht fügt? 

Oder meint er (mit so manchen, mit so vielen sogar), daß der Totalitarismus mit einem großen Schild in Schreckfarben daherkommt, auf dem geschrieben steht "wir sind totalitär"?

Die Lösung des Rätsels ist bereits geliefert, der Leser weiß, was der VdZ meint. Und er wird es gleich mit einem Beispiel belegen, das jüngst in den Zeitungen stand. Natürlich in Nebennotizen. Und unter ganz anderem Titel. Aber da haben die Proponenten des Totalitarismus ein wenig die Maske gelüftet. Und sie heißen nicht "Extremisten-Partei", nein, sie sind Minister und Funktionäre der "Guten", der ÖVP, der Grünen, unterstützt von den ach so vielen Gutmeinenden, vor allem aber von den Widerstandslosen der sogenannten Opposition. 

Die sehr natürliche Landwirtschaftsministerin von Österreich - Photo: Kronen Zeitung

Die ohnehin nie bei der Beurteilung der Politik der Regierungen von deren ontologischer Qualität ausgingen, also von dem, was WIRKLICH passiert, was WIRKLICH eingeleitet, durchgeführt, geplant ist. Denn dazu bräuchte es Geist und Ruhe und Abstand. Den eine Opposition sich angeblich ja nicht leisten kann, weil sie zuerst das Maul aufreißen muß, womit das Denken übertönt wird. Denken kommt dann später, heißt es seit hundert und mehr Jahren Parlamentarismus. Da gab also nun gleich zum 2. Jänner ein Minister der ÖVP-Regierungsriege ein Interview in der Kronen Zeitung. Die so wie alle Zeitungen (Medien) des Landes nicht nur von der Regierung kräftig bezahlt wird. 

Von der Regierung, nicht "vom Volk", denn solche Phrasen werden den Leuten nur erzählt, um sie weichzustopfen, damit sie den Unsinn von der Selbstbeteiligung an den Entscheidungsprozessen der Politik auch weiter schön glaubt. 

Und von den Medien wie der Kronen Zeitung. Die wie alle Zeitungen (Medien) des Landes in internationalen Redaktionsgemeinschaften verhangen sind, die von Bangkok bis San Francisco, von Redlife bis Berlin, von Nouknouk (Grönland) oder

Kinshasa bis Wien die Redaktionen mit Artikeln füttern. Und dafür noch kräftig in die Töpfe der Steuerzahler langen, die sie als Objekte ihrer Erziehung betrachten und gleich der Politik und gleich den Oligarchen als jene Sklaven behandeln, als die sie sie sehen.

Denn wir sind ja, der Leser weiß und schätzt es gewiß, in Zeiten der globalen, universalistischen, also über allem Lokalen und Verwurzelten schwebenden Meinungsbildung angelangt. Weil wir ja alle mit denselben Belangen und Beziehungen, mit denselben Problempunkten und Problemen zu tun haben, weil alles nur noch in globalem Maßstab zu sehen und zu bewältigen ist, und so weiter und so fort mit all dem Unsinn, eh schon wissen.

Also, zurück, da spricht nun denn der Minister für Arbeit, seines Zeichens eine Frau mit dem schönen lokalen Namen Christine Aschbacher, über die Zukunft des Landes. Über die Arbeitslosenzahlen, die nach Corona leider ein wenig höher bleiben werden, denn daß sie von derzeit fast 1,2 Millionen (bei neun Millionen Einwohnern) auf 500.000 zurückgehen werden, ist ja ausgemacht.

Und die Zeitung bringt Schaubilder, Statistiken, Zahlen, also "Fakten", die das belegen. So wird es sich entwickeln, so "ist" es, und so weiter. Aber dieses Wörtlein von den Arbeitslosenzahlen, die "nicht ganz auf Vorkrisenniveau zurückgehen werden" ist nur ein erster dezenter Hinweis, auf die wirkliche Bombe, die das Blondschöpfchen da liefert. Das sicher seinen Magister der Wirtschaftswissenschaften mit so viel Bravour hingelegt hat, daß aus ihrem Hobby - Studentenpolitik - ein Beruf wurde, sie von irgendeinem Funktionär "entdeckt" und in den Hafen der ÖVP-Partei geschleust hat.
Da sagt nämlich Frau Aschbacher, daß "wir nicht alle Betriebe retten können". 
Also, zum Mitschreiben: Da ist das erste, was die ÖVP macht (die Grünen haben sowieso von nix eine Ahnung, die nicken alles durch, wofür sie dann ein paar Leckerbißchen zugeworfen bekommen, auf denen "grün" und "nachhaltig" und "Welt retten" draufsteht, das reicht, auch für ihr Klientel), sobald eine sogenannte "Pandemie" auftritt, ein Gesetz in die Rundablage zu befördern, das seit je und immer verlautete, daß ein Unternehmen einen Rechtsanspruch auf Entschädigung erhalte, sobald die Regierung Maßnahmen beschließe, die landesweite Epidemien und so weiter bekämpfen sollten. 
Aus dem Rechtsanspruch wurde mit Federstrich ein mit lauter und bunter Pressestimme unterstützter "Covid-Rettungsplan". Der angeblich dieselben Wirkungen habe, der also die Unternehmen für erlittene Schäden, die aus "höheren Interessen" von der Politik in Kauf genommen wurden, entschädigen solle.
Ist das nicht dasselbe? Haben wir uns nicht längst daran gewöhnt, daß wir nur noch in "Endeffekten" rechnen und denken, der Weg, die Art der Entstehung des Effekts gleichgültig wurde? Ist nicht "Der Zweck heiligt alle Mittel" zum neuen Paradigma des Lebens geworden. 
Schauen wir mal näher hin, ob es egal ist. Denn diese Änderung in der Entschädigung, die im "Effekt" angeblich gleich ist, hat seinen guten Grund. Wir werden nämlich einmal mehr sehen, daß die Mittel keineswegs gleichgültig sind, sondern einem anderen Gesetz des Zieles folgen, und daß durch die Wege zum angeblich gleichen Ziel in Wahrheit ein völlig anderes, übergelagertes Ziel erfolgt ist. 
Der Zweck heiligt also nicht nur nicht alle Mittel, weil das irgendwie "moralisch" sein könnte, nein. Dieser Grundsatz der katholischen Morallehre gründet wie alle Moral in Sein und Wirklichkeit: Die Mittel entscheiden nämlich über den Zweck. So auch hier: Die veränderten Wege führen zu einem anderen, einem übergeordneten Ziel! Aus einem Rechtsanspruch wurde ein Mittel des Totalitarismus.
Wobei zuerst einmal der Grund dafür erklärt sein soll, aus dem der Staat entschädigen MUSZ. Denn ohne Unternehmen ist das Leben sämtlicher Bürger nicht aufrecht zu halten. Aber auch das Leben des Staates hängt davon ab. Weil dessen Handlungsfähigkeit und damit Bonität und somit natürlich auch dessen Geld (das hier "Währung" ist) immer von der Fähigkeit abhängt, ob er seine Ausgaben (oder Schulden, also die Zukunftsbelastungen) aus den Steuern und Abgaben bezahlen kann, die die Bürger leisten. Keine Abgaben - kein Staat, kein Staat - keine Währung, so einfach ist das. 

Zumindest keine Währung, weil kein Geld mehr da ist, dessen Beschaffenheit und Zahlungskraft weiter reicht als die direkten persönlichen, also die sozialen Vertrauensverhältnisse reichen, und somit nie einen Staat, sondern nur lokale, kleine Organismen durchbluten kann. Damit diese dem Wesen und Auftrag der Welt entsprechen können, wo es da kurz und bündig heißt, daß eines von der Gabe des anderen lebt. Somit alles von- und miteinander ab- und zusammenhängt. 

Daraus jedenfalls ergibt sich eine gewisse Priorität, die dem freien Wirtschaften der Menschen entspricht. Das frei sein muß, weil es nur dann produktiv und schöpferisch ist. Und zwar nicht einfach frei "von", sondern frei "für", wir haben davon schon oft gesprochen. 
Mit der kleinen Änderung in der Gesetzeslage wurde aber nun nicht, wie verkündet und dahergelogen, DASSELBE bewirkt wie mit dem alten Gesetz. Sonst hätte man es ja nicht geändert! Nein, die Herrschaften haben schon gewußt, was sie machen. Dazu muß man nur all die Aussagen und Jahreswendebotschaften und Autobahneröffnungsreden dazuschustern, damit aus alledem ein komplettes Bild wird. 

Wo da überall von "zukunftsfähig" und "modern" gesprochen (und ab und zu auch, aber nur in Ausnahmen - "a jedes Schrifterl ein Gifterl" oder so - geschrieben) wurde. Von zeitgemäß und auf die Erfordernisse der Weltgemeinschaft ausgerichtet, auf internationale Standards und globale Freiheit zum Wirtschaften. Wovon ganz sicher der (leider leider schon längst geschlossene) Bäcker ums Eck am meisten profitiert hat, denn der hätte seine Weckerl auch nach Singapur liefern können, einfach so, wenn er die neuen Anforderungen kapiert hätte. (Vermutlich war er eben auch zu wenig gebildet.)
Kurz und gut, die Wirtschaftsbonzen (oft genug gar keine Unternehmer mehr, sondern Manager), Experten (fast immer nur reine Ablaufoptimierer) und Politiker (oft genug ... ach lassen wir das) wissen, wo es langgeht. Sie wissen, wohin sich die Wirtschaft zu entwickeln HABE. 
Denn um dieses HABE - ein Imperativ, diminuiert zum Konjunktiv - geht es. Nur dann ist der Staat und sind die von ihm abhängigen Unternehmen zahlungsfähig, nur dann potent, nur dann ist ihr Hauptziel, das Geld (und damit die aufdiktierte Macht, denn das ist das Geld, das nun in wechselseitiger Abhängigkeit mit der sogenannten Wirtschaft das Blut ist, von dem alle zu trinken haben, das Blut des Lebens) vital und real.
Nur dann sind auch genug Steuern und genug Gewinne zu lukrieren. Sodaß es auch ein Wirtschaftsleben geben kann, das den von der Politik an die Wand geworfenen Schaubildern einer Menschheitszukunft entspricht. 
Und dazu gehören eben vor allem "Unternehmer", die diese Ziele mittragen und sogar erfüllen. Große Industrieunternehmen, für die Urumji wirklich ein lohnenswerter Markt ist, und die mit geifernden Händen nach dem Soja aus Brasilien greifen. 

Um die Zahlen des Fünf-Jahres-Plans (pardon, das heißt ja heute "Statistik" und "Wahrscheinlichkeit- und darauf folgender Entscheidungsgewißheit" und "Wissenschaft") für landwirtschaftliche und sonstige Güterversorgung zu erfüllen.

Denn darum geht es längst in diesen statistischen Querhirnen, die sich Politiker nennen. Und von der Statistik abhängen, weil die jede Verantwortung übernimmt und abnimmt. Weil jede Entscheidung gewissermaßen "notwendig" war. 

Man muß heute einfach weiter denken, umfassender, globaler, universalistischer, wissenschaftlicher, dann weiß man das. 

Also hat die Politik auch die Kriterien, die entscheidend für das Urteil sind, welche Wirtschaft erwünscht und welche nicht so ganz erwünscht (weil nicht zukunftsfähig) ist.
Morgen Teil 2) Ein großer Reset braucht 
die alternativlose Bereinigung als Vorstufe


Aktualitätsnachtrag vom 9. Januar 2021: Sehe der Leser selbst, was am selben (heutigen) Tag des Erscheinens dieses eine Woche zuvor erstellten Artikels über Frau Minister Christine Aschbacher in den Medien aufgetaucht ist. Die wir hier nun bewußt ohne "akademischen Titel" führen. 

Wie sagt im Video der Investigator so schön und richtig? Wissenschaft sei, wenn jemand eine Frage habe, der er nachgehe, und damit eine Aussage in seiner Arbeit. Leider aber ist es heute üblich, akademische Titel anzustreben, egal wie, weil man sich davon einen Aufstieg auf der sozialen Leiter erwartet.



*020121*

Samstag, 29. September 2018

Sex ist tödlich (2)

Teil 2) Die Folgeschäden sind furchtbar



Über das hinaus, stehen wir heute in einer ganz ähnlichen Situation, nur ist es "verboten", die Dinge beim Namen zu nennen. Also müssen wir auch heute Ersatz-Katharsis, Ersatz-Tötungen finden, in denen wir diese Last wenigstens im psychischen Erleben des Films (Buches) ablegen können. Auch heute erleben wir - und sähen es ganz klar, wären wir ehrlich - in welches zwischenmenschliche Chaos uns die angeblich alles so befreiende willkürliche (und steril, also empfängnisverhütend gemachte) Sexualität geführt hat. Zerbrochene Beziehungen, gebrochene Herzen und seelische Wunden, zerrüttete Familienverhältnisse (in vielen Familien sind die Linien der Verwandtschaften und Zusammenhänge kaum noch nachvollziehbar), finanzielle Desaster noch und nöcher, gesellschaftliche Entsolidarisierung und zahllose psychische Traumata (durch Abtreibung, aber auch durch die Verhütung).

Nicht zuletzt der Genderwahn führt sich direkt darauf zurück, denn in ihm wird nur auszelebriert, was im Verhalten zuvor bereits angelegt war: Die Enteigentlichung des Körpers, die Schizothymie, die in den Menschen hineingetragen wird. Die gesellschaftlichen Kosten, die die Bewältigung dieser Schäden (die der "Sozialstaat" sämtlich seiner Konsequenzen zu entheben verspricht) verursacht, sind von keinem Staat der Welt mehr zu tragen. Die Verschuldung der Staatshaushalte (wie der Privaten) ist ein 1:1-Abbild einer Gesellschaft, die ihre Moralkompasse verloren hat.

Ein Schaden, der sich als wahres Massenphänomen kennzeichnen läßt: Schon mit 35 gescheiterte Leben.

Und er kann damit generalisiert werden, daß ein in allen Erhebungen längst erkanntes (nur nicht in seinen Zusammenhängen identifiziertes) Phänomen auftritt, wo Menschen mit 35, 40 Jahren mit Entsetzen feststellen, daß sie alles falsch gemacht haben. Daß alle Entscheidungen, die sie in jungen Jahren trafen, zu einem Leben führten, das alles das nicht enthält, von dem sie nun draufkommen, daß es ihnen (immer schon) das Allerwichtigste gewesen wäre, das anzustreben aber von den vorgegebenen Wertprioritäten verpönt, ja als falsch klassifiziert worden war. Das sind Dinge wie eine stabile Ehe, Kinder, Familie, also eine weitgehend funktionierende, nicht jeden Tag neu dem Chaos zu entreißende Existenz.

Und dann stellen sie fest, daß auch das nicht stimmt, was heute verkündet wird: Daß sie jederzeit alles noch einmal ändern können. Plötzlich stellen sie nämlich fest, daß so gut wie alle Dinge im Leben auch an ein bestimmtes Alter gebunden sind. Denn man steigt nicht zweimal in den selben Fluß. Alles was man tut hat Konsequenzen.

Und genau das zeigt das Horror-Genre: Es ist Indiz für eine Gesellschaft, die nicht mehr weiß und wissen soll oder will, was richtig und was falsch ist. Die nicht mehr anerkennt, daß in jedem Menschen ein (letztlich auf eine Weise allen gleiches) moralisches Gesetz angelegt ist, das zum Wesen des Menschen untrennbar dazugehört. 

Jeder Verstoß dagegen ist nicht einfach eine Angelegenheit einer netten Plauderei beim Psychiater, der einen davon mit magischen Händen befreit, sondern ein tiefer Konflikt mit dem Sein selbst, mit der Welt also. Deren Wirklichkeit unsichtbar (weil geistig), aber anfänglich und grundsätzlich bestimmend ist. Wer gegen diese Wirklichkeit, gegen das Naturgesetz (natus = dazu geboren) somit verstößt, ruft deshalb auch unsichtbare und todbringende (weil das Sein verletzende oder nichtende) Mächte in die Welt, in der diese dann wirksam und sichtbar werden. 

Diese Realität zeigt sich dann ganz konkret in der die Phantasie treibenden Kräfte, in denen sich der Mensch von diesen Horror-Wesen (durch quasi reale Herausstellung, also Realmachung und Überwindung) befreien möchte. Es treibt die Drehbuchschreiber, die Regisseure, die Filmproduzenten. An alle also, die ihr Ohr am Puls der Zeit haben, in denen somit deren Bewegungen, die in ihnen exemplarisch werden, konkrete, reale Bildgestalt annehmen.








*230818*

Freitag, 28. September 2018

Sex ist tödlich (1)

Wir bringen an dieser Stelle nur ein Exzerpt aus dem einstündigen Interview (das zur Gänze unter diesem Link abrufbar ist), das E. Michael Jones jüngst im Radio gab und das den Zusammenhang zwischen dem Aufstieg des "Horror-Genres im Film und der sexuellen Befreiung" darstellt. Denn beide hängen eng zusammen, ja der Horror in Film und Literatur läßt sich ohne Begreifen der Sexualität gar nicht verstehen. Die Aussagen in dieser kurzen Sequenz reichen, um diese Argumentationslinie nachvollziehen zu können.

Im Ausgangspunkt steht eine Erfahrung mit der niemand gerechnet hat, der eine sexuelle Befreiung als Befreiung des Menschen zu allen seinen Kräften verstehen wollte. Plötzlich stellt man nämlich fest, daß diese scheinbare Freiheit, schrankenlos der Begierde zu folgen, furchtbare Konsequenzen hat. In zahllosen Beispielen und Deutungen des in diesen Erzeugnissen Sichtbaren wird klar, daß sie eine Sublimierung (ein Ersatztheater also) der im tiefsten Inneren gebildeten Erkenntnis sind - daß nämlich die Frucht aus dieser Freiheit schreckliche Konsequenzen hat und nur Leid, Chaos und Tod zur Folge hat. 

DAS zeigt sich im Horror-Genre. Wo Jones sogar direkte Linien zwischen Filmen wie "Deep throat" (ein Film, der den Oralverkehr verherrlichte) und "Alien" findet. Wo das Monster (das im übrigen einem Embryo ähnelt) aus dem Mund des Proponenten kommt. Nachdem dieser ein Raumschiff fand, das in seinem Äußeren einem Frauenleib gleicht, der mit gespreizten Beinen das Eingangstor - die Vagina - freigibt.

Umso besorgniserregender sind letzte Entwicklungen, die man an in letzter Zeit in die Kinos gekommenen Filmen ablesen kann, wo "Sex mit dem Monster" dargestellt wird. Jones deutet dies sogar als Zeichen eines verlorenen Lebenswillens, in dem das Dunkle, das Schreckliche endgültig siegt. Während die übrigen Horrorfilme der Versuch sind, sich kathartisch von den Mächten, die man mit willkürlicher, schrankenloser Sexualität in die Welt hereinholt, wieder lösen, diese also überwinden wollen. Denn im tiefsten Inneren weiß der Mensch, was er da tut.

Seinen Anfang nahm die Entwicklung in der Spätphase der Romantik, unter Aufgreifen von Linien der Aufklärung (Rousseau, der Urzustände, nicht kultivierte Zustände als die eigentliche Menschlichkeit definierte). Leben wurde als Mechanik aufgefaßt. Man beachte die überwältigende Resonanz, die die Entdeckung von elektrischen Strömen in Lebewesen bedeutete - Frankenstein erzählt genau das: mit Strom als eigentlichen Lebenssaft wird ein Homunculus belebt, der sich bald als tödlicher Schrecken entpuppt. 

Mary Shelley, die diese Figur im Roman schuf, zeigt in ihrer Lebensgeschichte, wie das von ihr geführte "willkürliche, befreite Leben und sexuelles Verhalten" in den Horror (ihrer eigenen Erfahrung) führt. In Frankenstein hat sie dieses Monster dargestellt, um es zu töten. Die Geschichte der Dracula-Gestalt hat ähnliche Hintergründe. Hier wird die Gefahr gezeigt die es bedeutet, wenn man sich von bösen Wesen des Chaos und des Todes "beißen" und damit infizieren läßt. Die Folge auch hier - Tod. 


Morgen Teil 2) Die Folgeschäden sind furchtbar





*230818*

Dienstag, 11. April 2017

Erschütterung an der Wahrheit

Wilhelm Furwängler sagte, daß er ein Werk nur im Selbst-Schaffen "interpretieren" könne. Es ist wie beim hkören, das dem Eintreffen des physischen Tones zuvor sein muß. Erst dann kann Musik  entfalten, was sie ist und kann, und als Welt auftreten, der der Hörer begegnet, die ihn and er Hand greift und durch den Katarakt der dramatischen Musik zieht und reinigt. Wer Musik "konsumiert", sich also ziehen läßt, gar ins Sentiment absinkt, sinkt in den Traum ab, und geht am Geist vorbei. Und sinkt immer tiefer.

Man spürt es jeden Augenblick bei Robert Schumanns Frühlingssymphonie (Symphonie Nr. 1) von Furtwängler und den Wiener Philharmonikern: Diese Musik ist "fern" genug, um sie nicht als Traum zu erfahren, sondern als wirkliche Katharsis, die einem gegenübersteht, sodaß es die eigene Seelenbewegung ist, das schöpferische Selbstsein, das die Erschütterung an der Wahrheit, die alles einbirgt, sonst gäbe es gar nichts, erfährt. Deshalb bewegt diese Darbietung so, der Leser/Hörer möge auf sein Innerstes achten. Gegeben von einer Generation von Musikern, die die geschichtlichen Ereignisse regelrecht in den Geist gezwungen haben.






Um besser zu verstehen, was der VdZ meint, höre man die gleiche Symphonie vom (amerikanischen) Meister des Sentiments, Leonard Bernstein, geprägt. Das gleiche Orchester, aber natürlich mit Musikern einer nächsten Musikergeneration, der das Erleben von Geschichte überhaupt fehlt, weil sie schon in eine geschichtslose Zeit hinein gelebt haben. Spürt der Leser, wie diese Interpretation ganz anders wie bei Furtwängler förmlich "in einen hineinkriecht", den Geist unterläuft? Nein, das hat nichts mit einer "besseren" Aufnahmetechnik zu tun. Das ist objektiv und real. Bernstein macht nämlich überhaupt alles zur Radiobeschallung in einem Restaurant.

Was in manchen Stimmungen, meinetwegen, sogar legitim und angenehm ist. Aber nicht mehr. Man hört dann mämlich nicht Schumann, sondern Bernstein, der wie Furtwängler Komponist war, aber die Werke auseinanderriß, die er als Dirigent leitete, und als Steinbruch seines Immanentismus mißbrauchte. Bernstein ist kein Abendländer, sondern Auflehner, Aneigner, Revolutionär ... Dieb. Furtwängler ist ist ist Abendländer. Deshalb ruft seine Interpretation - der Leser achte genau auf sein Inneres! - so viele Bilder hervor, Archetypen des Menschseins, an denen jeder jeder teilhat, der sich in den Geist hebt. Und schließlich die Bilder selbst schafft! Das macht Musik erst beglückend. Als Ordnung  der Welt, immer über sich hinausweisend, auf die Wahrheit, den ordo der Schöpfung, den zu sehen Sittlichkeit und Kraft verlangt. Und DANN wird sie zum Erlebnis der Schönheit. Nicht zu einem des simplen "Gefallens", in das man sich zurücklehnen könnte. Es ist doch auffallend, wie genau im selben Maß, in dem sich diese Weltauffassung gewissermaßen fleischlich-physiognomisch ändert, alles jederzeit "konsumabel", der Zugang grenzenlos und leicht wird, sich die Menschen unschöpferisch und ihrer selbst entfremdet wie noch nie fühlen. (Woran natürlich dann andere schuld sein müssen.)

Nicht das Nachschaffen als Subjekt also ist - als terminus technicus - das Problem! Hie wird oft genug viel Unsinn über "Objektivität" geschwafelt, darüber noch ein anderes mal. Objektivität ist Resultat einer sittlichen Beziehung zur Wahrheit. Und diese geläuterte Subjektivität, die Sittlichkeit ist das Wesensmoment, die Färbung, das Licht der künstlerischen Arbeit. Es ist also der sittliche Stand des Künstlers. Deshalb ist er nicht außerhalb einer Kultur und ihres Standes zu denken. Schlechte, niedrige Zeiten können keine gute Kunst mehr hervorbringen. Ist die Liturgie der Kirche am Arsch, wie heute, muß es auch die Kunst sein. Woher sollte sie kommen? 

Nur die Gnade - und zugleich sein Leid, sein wirkliches Leid - des Künstlers reicht nicht aus. Sie ist nur Kompaß, weil die Wahrheit dem Künstler existentiell unzverzichtbar an die Hingabe an die Gestalt (die Materie seines Schaffens) gebunden ist. Der heutige Künstler kann sich also fast nur noch wegsaufen und mit Drogen  forttragen, weil nichts mehr seine Spannung aufzulösen vermag. Denn er entkommt der Wahrheit nicht, doch nichts mehr hilft ihr zur Gestalt.

Ach, Furtwängler wäre doch so tragisch? Herrschaften, Herrschaften. Eure Nase sei ein wenig heftiger schon vom VdZ gestupst. Dramatisch, symphonische (sonatische) Kunst kann überhaupt nur tragisch sein, wenn sie nicht in der Fuge das Elysische erfaßt. Also muß jede Symphonie (als Sonate per se dramatisch) tragisch sein. Weil das Wesen des Menschen in dieser Welt tragisch ist. Der Rest ist der Schein einer in die Welt hineindrückenden, dort versperrten billigen Ersatzerlösung. Und das wollen Musizisten wie Bernstein, genau das wollen sie, denn sie müssen, von Schuld getrieben, die objektive Erlösung verleugnen.










*020417*

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Der unverzichtbare Moment des Endes

Ein der schönsten, wahrsten Szenen aus "Comedian Harmonists": Freiheit und Schöpfertum aus dem Ende alles gewollten Bemühens, aus der Niederlage. Wo der Künstler, ja wo der Mensch nicht an diesen Punkt gelangt ist, an den der Katharsis, wo erst das Transzendente hereinbrechen kann, hat er nie geschaffen.*









*Deshalb ist das Förderwesen für Künstler heute nicht  nur absurd falsch, es ist gegen das Schöpferische gerichtet und bedeutet damit ein Einfrieren auf Stillstand, ja Rückschritt. Der Sozialstaat erstickt jede Zukunft.






*271216*

Freitag, 25. März 2016

Filmempfehlung (2)


Teil 2) Nur Unsicherheit kann Strukturen vitalisieren.
+ Von Hitmen. + Der Trailer




Des Vaters, der dann in einem Moment, wo er eine Schwächephase erlebt, in der Frau und Mutter, die sich "seinem Kommando" unterstellt hat, sodaß beide schließlich an einem Strang ziehen, auf beeindruckende Weise mit der von ihm selbst implementierten Struktur zurückgeholt wird: Die Frau übernimmt nicht nun das Kommando, sondern sie ruft ihm in Erinnerung, was er selbst ihr zuvor immer wieder gesagt hat, aber zu entkräftet von der endlosen Bedrohung nun vergaß, sodaß er selbst zu zweifeln begann und aus der Situation (filmisch recht gut gemacht) ausstieg. 

Lake Bell
So kann er durch seine Frau wieder die Führung über diese kleine Einheit übernehmen und die Rettung weiter vorantreiben. Die bis zum letzten Moment ungewiß bleibt, denn leider kennt man Hollywoodeske Wendungen zu gut, leider kennt man das Leben zu gut, leider kennt Hollywood (wenn es will) das Leben zu gut, um nicht zu wissen: Die tödlichen Wendungen stehen noch im letzten Moment als Möglichkeit auf. Hollywood ist oft genug unbarmherzig mit dem Zuschauer, und entläßt ihn sehr oft nicht mit der himmlischen Lösung.

Dieses Zurückfallen eines Organismus von Menschen - Familie wie Staat - auf seine tiefsten Grundlagen ist das, worin sich der Film begreifbar macht. Die überraschend in einer Situation steht, in der das nackte Überleben zählt, was alle sonst das Leben nominell ausmachenden Dinge vergessen macht, ja machen muß. Hier gibt es auch keine Intimität mehr, weil viele bis alle jener Kultureinrichtungen, die diese Struktur in Zeiten der Sicherheit mit mehr oder weniger viel Fleisch umgeben, nicht mehr zählen können. 

In dieser nervenaufreibenden Bedrohung wird somit das, was Familie ist, zwar überhöht, auf seine bloßen Strukturen niedergebrannt. Doch wird es damit nur deutlicher, als es im normal fließenden Alltag werden kann. Alltag, der aber eigentlich auf diese Strukturen ausgerichtet ist, nur vergessen das gerade Menschen in wohlgesicherten Lebensumständen. Zeiten, in denen man um den Bestand eines Organismus fürchten muß, lehren eben auch, worauf dieser eigentlich hinzielt und was er eigentlich ist. Manchmal wird es dann sogar bewußt.

Vielleicht wollten die Produzenten mit "No Escape" wirklich jene Geschichte erzählen, die ihr Werbeslogan "Wie weit würden Sie gehen ...?" verkündet. Dann wäre der Film mißlungen. Aber weil die inhaltliche Fülle und Art des Films eine ganz andere Geschichte erzählen, wenn man aufmerksam genug zusieht, ist er als Film (und nicht einfach als Botschaft) so spannend und in seiner (zumindest unbewußten) kathartischen Wirkung sogar sehr empfehlenswert. Denn in dessen Realismus macht er sehr viel vom Wesen der Familie und sogar des Staates überhaupt begreifbar. 

Über das, was einem als Zuschauer in dem Film noch aufgehen könnte - nämlich enorm viel über die Anthropologie von Mann und Frau (über die Identifikation und ihre bei den Geschlechtern unterschiedliche psychische Struktur, aber auch in dem was unteschiedliche Menschen erfahrbaren und offenbaren in dem was man Spannung und Mitleiden nennt, als Ausweis für Sorge als Grundgerichtetheit auf Welt) - sprechen wir ein anderes mal. Genau so wie über die ontologische Tatsache, daß eine Situation (irdischer) Gesichertheit dem Wesen der Welt widerspricht: Kein Ding der Welt ist immanent gesichert.  

Auf das Sein zuschreiten, schöpferisches Leben heißt immer: in die insecuritas schreiten. Nur so kann die Welt ganz um- und untergriffen werden - am heutigen Karfreitag keine unwesentliche Aussage ... denn natürlich zeigt sich im Tod am Kreuz das Urbild aller weltschaffenden Prinzipien, wie sie im Abbildhaften, Typischen als Spannung der Dramaturgie erfahrbar werden.

Übrigens: Wer solch eine Gefährdung einmal erlebt hat muß nicht mehr überlegen, warum und welchen Schutz Grenzen ein Organismus überhaupt benötigt. Und noch etwas fällt auf: Mit welcher fast schon überzogenen Offenheit die Amerikaner ihre eigenen Fragwürdigkeiten aufs Tablett bringen. Was hier schon deshalb überzogen wirkt, weil in dem "Hitman" (Pierce Brosnan) Dinge sichtbar gemacht werden, die für die Amerikaner offenbar Gewißheiten sind, die der durchschnittliche Europäer aber gerne als Verschwörungstheorien klassifiziert. Bleibt die Frage, wer von beiden mehr die Wirklichkeit sieht. Die Existenz und Machinationen von Hitmen** sind jedenfalls keine Legende, zumindest haben vor einigen Jahren haben Bücher mit Selbstbezichtigungen ehemaliger Hitmen für (begrenztes) Aufsehen gesorgt. 

Dennoch kann sich der VdZ des Eindrucks nicht erwehren, daß gerade moralbeflügelte Amerikaner oft schon mal das Kind mit dem Bade ausschützen, und in der Selbstbezichtigung nicht immer realistisch bleiben. Nicht realistischer nämlich als jene es oft tun, die sich zum enthusiastischen Amerikanismus aufschwingen. Beiden wäre Realismus oft die anstehendere Braut. In diesem Film ist es aber nur eine Marginalie, wenn man sich nicht künstlich darauf kaprizieren möchte.







*Wenn bis vor achthundert Jahren in der Rhetorik das Wesen der gesamten Bildung gesehen wurde, so hat das seine tiefgründigen Wurzeln in einer Wesensaussage über die Welt.

**Hitmen sind von Staaten, Organisationen oder/und Privatgesellschaften engagierte Männer, die in meist institutionell schachen oder zu schwächenden Staaten inoffiziell bleiben sollende Interessen betreiben, die sich eher selten mit den Interessen des betroffenen Volkes oder Staates decken. Und dabei in ihrer Methodenwahl nicht gerade wählerisch und von Skrupeln geplagt sind. Dabei geht es fast immer um Entwicklungshilfegelder, die von reicheren Staaten vergeben werden, deren Verwendung dann aber "zum Wohle gewisser Kapitalinteressenten gesteuert" werden soll.





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Donnerstag, 24. März 2016

Filmempfehlung (1)

"No Escape"

Film, ja jede Form der Erzählung ist wie das Leben - eine Metapher, die sich im Traum abspult. Im Kino zu sitzen hat mehr als äußerliche Ähnlichkeiten zum Traum des Schlafes. Film zeigt, wenn er gut ist, ein typisches Geschehen, dem die Ereignisse nur als Maske gelten. Auch darin unterscheidet er sich nicht vom Leben. Das Leben ist ebenso Erzählung, in der das Archetypische, Grundlegende, die Dynamik als Beziehungs-Bild zufälligstes Material heranzieht und vors Gesicht hält, sodaß der Geist dahinter oft schwer und wenn nur über die Handlung erkennbar wird. Während man im realen Leben aber dem Typischen nicht auskommt, weil immer innerhalb einer dramatischen Ausrollung existiert, kann das im Film als menchlichem Werk verfehlt werden.

Oder es wird getroffen. Wie in diesem Film. Der aber aus anderen Gründen als die offizielle Werbelinie fesselt, wie es der VdZ schon lange nicht mehr im Film erlebt hat. "Wie weit würdest Du gehen, um Deine Familie zu schützen?", der offizielle Werbeslogan, greift aber daneben. Darum geht es gar nicht. Und wo der Film doch auf diesen Vorwand zurückgreift, ist er auch am schwächsten und vordergründigsten. Aber er tut es selten, und das Schmalz ist generell dünn - das ja immer dann eben, wenn einem Filmemacher die Hingabe an das Material abreißt, auf einen Film draufgedrückt wird. Als scheinbar kluge Aussage, die es aber dann doch nicht sein dürfte, weil sie eben explizit gemacht werden muß.

Der VdZ sieht eine ganz andere Metapher. Es geht um Grenzen, es geht um die Ganzheit eines Organismus, und das ist hier der Staat, und das ist hier vor allem die Familie. Beide funktionieren ja nach ähnlichen Grundsätzen, so wie jeder Organismus nach selben Grundsätzen funktioniert. Diese Familie siedelt in einen südostasiatischen Staat um. Ganz hintergründig wird bereits nach wenigen Minuten der Ankunft die Bedrohungssituation erkennbar, in die die Proponenten um Owen Wilson geraten sind, aber von diesen nicht sofort erkannt. 

Owen Wilson
Und sehr rasch bricht sie dann aus: Ein Putsch macht den Aufenthalt für (weiße) Ausländer und besonders Amerikaner lebensbedrohlich. Vogelfrei in einem fernen Land, praktisch nur noch von Feinden umgeben, versucht der Mann (Owen Wilson), seine Frau (Lake Bell) und die beiden Töchter zu retten. Und er tut es auf Weisen, in Situationen, die den Zuschauer alle Nerven kosten, weil die Identifikation ausgezeichnet funktioniert: Alle Situationen sind völlig glaubwürdig weil der Realität (oder den Vorstellungen davon, wie die Vorstellung von den Bedingungen in einem solchen fernen Land) entnommen, alles könnte sich so zugetragen haben und sich jederzeit zutragen. Und so ist man dem Drama bald "ausgeliefert" - man leidet alles stellvertretend mit. Was den Figuren passiert, passiert einem selbst, was sie bedroht, erlebt man selbst als Bedrohung.

In dieser allumfassenden Bedrohungssituation, in der kein Quadratmeter mehr Schutz und Sicherheit bringt, niemand mehr vertrauenswürdig ist, jeder Schritt der letzte sein kann, offenbart sich für jeden Organismus die Tragekraft und damit die Sollgestalt des eigentlich tragenden Fundaments. Denn es werden seine Grenzen und damit erst seine Konturen und darin sein inneres Gerüst sichtbar. Nur noch darum geht es dann in einer so umfassenden Notsituation.

Wenn dieses Gerüst - der Bauplan, gewissermaßen - den ersten Grundlagen einer Ehe und Familie (oder eines Staates) entspricht, bleibt das Wesentliche, das Typische, also das Seiend-sein-könnende erhalten. Keine Fassade, kein Außennutzen kann es dauerhaft nachstellen. Das begreift man bald, weil sich zu den äußeren Bedrohungen sehr rasch auch die inneren gesellen. Es steht zu vermuten, daß die Filmemacher das nur aus Instinkt ("Was könnte die Spannung erhöhen? Wir gefährden etwas, das man erhalten haben will!") die Formen ausgereizt und methodisch an diese Wesenseigenschaften der Familie gerührt haben.

Aber das ist in dem Fall gleichgültig. Nicht zum ersten mal war es nur die Form, die aus einer miesen Story eine phantastische Geschichte gemacht hat, ja es ist im letzten immer die Form*. Daß diese Elemente sichtbar werden ist aber im Film selten. Man begreift, daß auch nur ein Funke Ausscheren aus dem alle einen müssenden Ziel alles verloren sein lassen könnte.

Nun, ausgereizt und reduziert auf den bloßen Bestand, muß sich auch diese Struktur bewähren, und wenn man darauf achtet wird einem klar, warum man bald schon deshalb mitzittert, weil keineswegs gesichert ist, daß alle Familienmitglieder sich der Führung des Vaters unterstellen, der aber anders seine Familie nicht retten kann, ja deren Verhalten sogar das Überleben aller übrigen gefährden könnte. Das ist der einzige Weg, wie diese Selbstrettung gelingen kann.


Morgen Teil 2) Nur Unsicherheit kann Strukturen vitalisieren.
+ Von Hitmen. + Der Trailer




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Freitag, 22. Mai 2015

Der Zuschauer will nur das eine (2)

Teil 2) Man spielt sich die Theater leer





Sie werfen biligen Zucker unter die Menschen, und glauben die dadurch erzielte Dankbarkeit hätte einen absoluten Wert. Das ist in der Kirche - Stichtowrt "Niedrigschwelligkeit" - um nichts anders, ja nahm von dort seinen Ausgang.  Und das gehörte den Herren mal um die Ohren gedroschen, denn alles beginnt in der Religion. Das sagen sie aber nur noch in heiligen Seminaren oder hochgelahrten Dissertationen, ohne noch zu glauben, daß das auch Wirklichkeitsrelevanz hätte. Wen zieht man damit an? Dasselbe Niveau, das dann auch noch nach unten bricht. Jeder Geist aber, jeder Mensch somit mit Willen zur Vernunft, scheut doch längst das Theater, und das Theater der katholischen Gottesdienste, die billiges Entertainment wurden. Wer heute noch Vernunft (aber schwachen Glauben, also fast jeder) hat, geht weder ins Theater, noch in die Gottesdienste. Da gehörte allen, am Theater nicht weniger als in der Kirche, vom Papst angefangen (und er scheint ja nur darauf zu warten!), gehörig in den Arsch getreten.

Kunst, Inszenierung muß nicht etwas zeigen, das der Zuschauer noch nie gesehen hatte, sonst wäre sie minderwertig. Und sie muß auch niemanden dort "abgholen, wo er steht". Das kann nur das Stück machen, das ist ja seine Qualität (oder nicht). Wer die Spielpläne so einrichtet, hat schon verloren, weil er sich ums Publikum spielt, oder ein falsches aufbaut, anzieht. Das gar keine Kunst sucht. Sondern virtuellen Dauerplausch, um sich in seiner Scheinwirklichkeit des Manichäischen, Soporanaturalistischen zu halten. Dem deshalb jede Minute langweilig ist, wenn es nicht pausenlos auf einer ganz anderen Ebene als der Kunst, im Entertainment nämlich, aus den Sitzen gerissen und persönlich verblüfft wird.* Man füllt die Lücken mit "Interessantheit", wo der Inhalt angebracht wäre, der nicht im Moent liegt, sondern in der nur aus und mit der Erinnerung möglichen Spannung, weil dort die Handlungsbögen abstrahiert werden - als Wirklichkeit. Als statische, eine Wirklichkeit.

Einem Stück läßt sich nichts hinzufügen, es sei denn, es ist sowieso schlecht, stellt eine dieser Grundwirklichkeiten nicht ausreichend dar. Warum aber führt man es dann auf? Nur Gelangweilte fordern etwas "Neues". Sie erinnern sich? Das sind die, die zu Geist - ein schöpferisches, sich übersteigendes Selbstsein, auch des Zuschauers - gar nicht mehr in der Lage sind.

Deshalb kann man gute Stücke, gute Filme, gute Bücher (!) oder was auch immer, immer wieder ansehen, lesen, genießen, egal aus welcher Epoche, und eigentlich auch egal in welchem Kostüm. (Und - man kann eine konkreten Situation im Gedächtnis bewahren, und damit das Wirkliche rememorierend aktualisieren, immer wieder, dem Außen entwachsen.) Gute Kunst verbraucht sich nicht, und nur gute Kunst ist Kunst. Und der Zuschauer möchte das auch: er will Kult, Kult des - Einen, in Zahl Wenigen, aber alles durchdringenden - Wirklichen, in dem er ja selber lebt. Der größte Kult ist im Äußeren scheinbar immer gleich.

Sieht man es nicht, weil man im Zufälligen (und das psychisch Faktische, also auch das oberflächliche, "stark vom Effekt gefangene" Erleben" ist in diesem Sinn fast immer zufällig) verhangen ist, kann man nicht diese Wirklichkeit erneuern, neu in den Willen stellen weil besitzen, und geht unbefriedigt aus einer Vorstellung.

Und stimmt, während man den Mantel anzieht und die Handschuhe glattstreift, in den Chor der Gewohnheitsplauderanten ein, und münzt die eigene Unzufriedenheit mit ihnen um: "Ach, nichts Neues".

Heute erzieht man regelrecht das Publikum um. Das allmählich in der nominalen "Kunst" gar keine Kunst mehr sucht. Den Kult dann woanders hin verlegt. Kunst wird dann zur Attütüde einer virtuellen Lebenshaltung. Die Kunst aber sucht man schließlich woanders.




*Stücke von Elfriede Jelinek zeigen das exemplarisch: Sie sind nur erträglich, wenn die Regie sich in gewaltigen Kosten- und Einfallsanstrengungen pausenlos selbst in überraschenden Effekten überbietet. Eine Jelinek-Inszenierung läßt sich deshalb nicht nur nicht wiederholen, sondern sie läuft sich mit der Zahl der Inszenierungsversuche tot. Hat man die "Einfälle" gesehen, sind sie das nächste mal automatisch langweilig weil "schon bekannt", haben sich verbraucht. Die Nobelpreisträgerin zeigt nur situatives, faktisches Stückwerk, nie eine Wirklichkeit, die sie gar nicht sieht, weil sie zu sehr in sich verfangen ist, von sich nicht loskommt, und damit im Zufälligen steckenbleibt, das sie nie ins Eine - das außer einem liegt - zusammenführen kann. Ihr Problem ist nicht, daß sie sich "mit sich" befaßt, das tut jeder Schriftsteller, sondern daß sie von sich gefangen ist, das Treibende nicht "isolieren", von sich wegstellen kann. Jelinek-Stücke zeigen deshalb überhaupt nichts, sie hat nichts zu sagen, ihre "Aussagen" sind dazugehängt wie Zuckerstreusel am Sandkuchen. Sie befeuern nur das intellektualistische Dauergequatsche einer Virtualelite. Bei Handke ist es doch anders, wenn auch von sehr sehr fragiler, fast zufälliger Qualität, weil ihm der Geist fehlt, den er immerhin aber ahnt. Jelinek ahnt ihn nicht einmal. Sie ist nützlicher Idiot.




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Donnerstag, 21. Mai 2015

Der Zuschauer will nur das eine (1)

In der Kritik einer Inszenierung eines Stücks von Peter Handke in Hamburg las der VdZ jüngst, daß es nicht gelungen sei, "dem Stück etwas Neues hinzuzufügen". Natürlich war das negativ gemeint.

Darin zeigt sich das ganze Elend der derzeitigen Kunst, insbesonders der Bühne. Denn egal in welchem Kunstwerk, so geht es immer um die Darstellung fundamentaler Wirklichkeit, in der der Mensch steckt. Diese Wirklichkeit beschränkt sich aber auf ganz ganz wenige Grundsituationen. Das heißt, daß es MILLIONEN von Kunstwerken gibt, deren Inhalt sich aber auf eine Handvoll (manche meine 7 oder 8) Situationen beschränkt. Ja, je großartiger, berühmter, historisch unvergänglicher Kunstwerke sind, desto mehr wird genau das erkennbar: Sie haben in großer Vollkommenheit verstanden, eine dieser ganz ganz wenigen Situationen und Wirklichkeiten darzustellen.

Weil aber die Kunst heute auf eine Situation trifft, in der Dummheit in einem nie gekannten Ausmaß herrscht, versucht man die Kunstschaffenden anzutreiben, "Neues" zu erfinden. Was regelmäßig in einen Wettlauf ausartet, Methoden zu finden, Neues VORZUTÄUSCHEN. Durch Verblüffung, durch Überraschung, durch Irreführung, vor allem durch zügellose Vermischung der Ebenen, etwa durch Durchbrechen der persönlichen Schranken, durch oft sehr subtile Mißbräuche der Ebenen der Realität. Die in dem simplen Vergleich ausreichen beschrieben ist, jemanden, der eine Nadel auf der Bühne sieht, mit dem Stich einer wirklichen Nadel, die zuvor (als Teil der "Inszenierung") in seinen Sitz eingebaut wurde, zu verletzen. Das Publikum, ohnehin völlig verwirrt und orientierungslos mittlerweile, kann ohnehin nichts mehr zuordnen. Und fühlt sich "von der Aufführung bewegt", weil ihm von der Decke ein Ziegelstein auf den Kopf geworfen wurde.

Man geht nicht ins Theater, um "Neues" zu sehen. Man geht ins Theater, um das immer Gleiche, diese erwähnten "sieben Situationen", zu erleben. Man schaut nicht einen Film, weil man "Neues" sehen will. Man wählt einen Film nach der Grundsitutation, die man erleben möchte. So, wie man den Gottesdienst besucht, wo man auch immer nur eine - aber die grundlegendste - Situation sehen und erfahren, erleben will. 

Wenn es also Handke in seinem Stück gelungen ist, als Schriftsteller und Dichter, man sieht es also schon im Text, EINE Situation darzustellen, dann ist es völlig Hundspruntz, wo und wie es aufgeführt wird. Wenn es der Inszenierung gelingt, diese Wirklichkeit der Erfahrung, dem Erleben darzustellen. Dann geht man als Zuschauer bereichert aus dem Theater. Man hat eine bestimmte Wirklichkeit in sich gestärkt, die nun zur Bereitschaft wird, zur Fähigkeit, sie wirklich (weil die Kunst nur etwas aufwecken kann, das in einem IST, auf daß man es in Besitz kriege) in die Welt zu stellen, auf daß andere - das ist nämlich Kommunikation - unter dieses Dach schlüpfen. 

Zeitgemäße Inszenierung kann also nur heißen, unter der Wirrnis der Gegenwart diese eine Wirklichkeit, die (in dem Fall) das Stück zum Inhalt hat, zum erkennbaren Inhalt (weil die Details, das Einzelne relativ sind, eigentlich damit: schnurzpiepegal, im Absoluten betrachtet) herauszuarbeiten. An dem der Zuschauer damit, von der Zeitwirrnis befreit - das ist die katharrtische Wirkung des Theaters, der Kunst - teilhaben kann, und in der Fähigkeit zum Leben gestärkt wird. Eine Kritik, die verlangt, daß dieses Ewige, dieses immer Gleiche, in Zeitwirrnis aufgelöst wird (und nur dort gibt es "Neues", "Hinzugefügtes"), ist ... pervers.

Nur im Rahmen dieser einen bereits im Stück dargestellten Wirklichkeit gibt es dann "Ideen", "Einfälle", "Originelles", was auch immer. Als etwas, in dem man die Vorhandenheit dieser einen Grundwirklichkeit, um die es geht, und die man will und suchte, die den Grund des Theaterbesuchs ist, nicht vermutet hätte. Als Zerreißen eines Schleiers, den das zufällige Faktische der Gegenwart, das zufällig Situative über die Grundwirklichkeiten gelegt, hat, aus denen man lebt, und leben will, weil man sonst gar nicht lebt. Daß selbst hinter diesem Kostüm, das man ja kannte, aber nicht durchdrungen hatte, also über dem Vielfältigen des Einzelnen, dieser, jener historischen (also damit auch: zeitgemäßen) Situation, das Eine - wesentlich nämlich Unsichtbare, weil das wirkliche immer unsichtbar ist - nicht sah, diese eine Wirklichkeit steckt.

Genau das Gegenteil aber verlangt man, besonders seitens der Oberschlauen, die "Bildung" mit "Kennen vieler Zufälligkeiten" verwechseln: von der Regie, dem Bühnenbild, den Schauspielern. Unsichtbarmachung des Wirklichen, indem man es im Zufälligen verschüttet. Und alle reißen sich den Arsch auf, um möglichst irgendetwas "Neues", Unvorhergesehenes "hinzuzufügen". Dann gibt es plötzlich einzelne Schauspieler, die "alle überragten", ein Ensemble das "durch seinen Einfallsreichtum überzeugte", ein Bühnenbild das "alles in den Schatten stellte", einen Regieeinfall, der "die Vorstellung machte". Und alle suchen krampfhaft den Effekt, und die besonders "Intellektuellen" deuten irgendeinen Zufallsdreck dann aufs Stück um, und die Kritiker sagen: Wow, man sieht es nicht, aber es ist super, es ist neu, weil es verblüfft. Und verlegen die Vorstellung in Wahrheit in ihre autistischen Vorstellungszirkel. So werden aus Künstlern, Kunstschaffenden, Bluffer, geschickte Zauberkünstler, und vor allem: Blender.


Morgen Teil 2) Man spielt sich die Theater leer



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Dienstag, 31. Dezember 2013

Geheimnis des Neuen

Im dramaturgischen  Moment der Peripetie zeigt sich aber etwas anderes - das Werde-Geheimnis der Welt! Deshalb muß die Peripetie geheimnisvoll, überraschend sein. Sie senkt sich aus der Kraft des Seins herein, das in der Fehlentscheidung im Übergang von 1. bzw. 2. Akt (der die Kräfte ausarbeitet, die wirken) in den Hintergrund gerät.

Daß der Scheinsieg des 3. Aktes in eine Scheinblüte des 4. mündet, ist die Analogie zum Kreuzgeheimnis der Welt. Denn gekreuzigt wird im 3. Akt das Sein, die Wahrheit. Und sie liegt im 4. Akt im Grab. Um dann, über die einsenkende Kraft des Seins, neu gezeugt wird und als Neues im 5. Akt vor Augen steht.





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Sonntag, 16. Dezember 2012

Im Zeigen von Pornographie

Was Peter Nadas in einem längeren Gespräch mit dem Schweizer Fernsehen sagt, ist ein ähnlicher, wenn nicht gleicher Ansatz, den der Verfasser dieser Zeilen für seinen Roman "Helena" gewählt hat. Nadas wurde gefragt, warum die Sex-Szenen in seinem Opus Magnum "Parallelgeschichten" so deutlich ausgeführt wurden. Sodaß ihm sogar Pornographie vorgeworfen wurde - ähnlich wie dem Verfasser dieser Zeilen bei seinem Roman "Helena, oder: Das Gute ist was bleibt".

Nadas meint, daß er wie ein Wissenschaftler daran gegangen sei, eine These zu verifizieren - oder zu falsifizieren. Und seine These war, daß die Liebe in Zeiten der Diktatur immer frei bleibt. Aber er habe zur Kenntnis nehmen müssen, daß je näher er die Liebe untersuchte, dies auch in der Liebe nicht der Fall ist.

Diesen nihilistischen Standpunkt freilich - Nadas sieht sich unter dem starken Einfluß von Hegel - kann der Verfasser dieser Zeilen nicht teilen. Die Explizitheit der Sexualität in manchen Passagen sollte vielmehr zeigen, daß die Sache nur auf sich beschränkt keinen Ausweg kennt. Sie enthält aus sich heraus keine Erlösungskraft, sondern macht sogar unfrei. Bliebe man auf diesem Punkt stehen, würde Nadas zuzustimmen sein. Nádas sieht jede Theologie oder Philosophie, die sich - Nádas bezieht es auf Auschwitz - nicht auf diese Erschütterung bezieht, für nichtig. Das erklärt sich deutlich genug.

Aber es gehört eben zum Humanen, zum Menschen, daß sich das Maß seiner Freiheit nicht aus der Beschränkung auf fleischliche Vorgänge definiert, sondern daß das Leben selbst im Maß seiner Geistigkeit zur Entfaltung kommt. Damit wird jede bloße Leiblichkeit einerseits relativiert, sie bleibt nicht alles, wenn auch der Ort der wesentlichen Auseinandersetzung, also keineswegs ontologisch gesehen gleichgültig - sie ist vom Seelischen, Geistigen nicht zu trennen. Insofern ist die leibliche Erlösung das eigentliche Geschehen des Heils, das der mensch sucht, und er weiß in dieser Suche sogar darum, das kann man in ihr tatsächlich sehen.

Auf bloße körperliche, material-objektive Vorgänge reduziert, bleibt von der Liebe aber tatsächlich nichts, nicht einmal Befriedigung, und eine für sich gesehene Sexualität hört nicht auf, zu suchen. Was ihr die eigentümliche Dynamik verleiht - das immer mehr, immer wilder, immer auslotender, immer grenzenloser, letztlich immer zerstörerischer.

Als Kristallisationspunkt geistig-seelischen Lebens aber gliedert sie sich in ihrer rein fleischlichen Natur nahtlos in das ein, was eigentlich erst Leben zu nennen wäre. Das keineswegs in rein materialistischen Vorgängen erschöpft ist, sondern im Gegenteil, diese zum Ausdruck der geist-seelischen Verfaßtheit des Menschen, von dem seine Sexualität sogar ausgeht, macht.

Das zu zeigen sind Nadas sowie der Autor dieser Zeilen denselben Weg gegangen: sich der puren, gewissermaßen wissenschaftlich objektivierten "Realität" des fleischlichen Aktes zu stellen, ihn ungeschminkt vor Augen zu stellen, gerade unter den Blickpunkten, die dem heutigen Menschen vertraut sind. Nádas bezieht darin ja sogar die Homosexualität mit ein. Mit demselben Ergebnis, das sich aus dieser Betrachtung folgerichtig ergibt: aus sich selbst heraus birgt der körperliche Akt keine Erlösung, keine Gemeinschaft, nicht einmal Befriedigung. Für Nádas leben alle Menschen deshalb in Paralleluniversen - parallel.

Aber während Nadas bei dieser Ernüchterung stehenbleibt, fand der Verfasser dieser Zeilen Ausweg und Sinn. Sodaß die pure leibliche Sexualität ihren Weg aus der Unfreiheit aus sich selbst heraus anbietet - indem ihre Ausweglosigkeit erfahrbar wird. Diese Katharsis herauszuarbeiten war die (häufig mißverstandene) Aufgabe von "Helena", die also auch keine Mißbrauchsgeschichte ist, unter der das Buch ebenfalls gerne summiert wurde. Die nämlichen Stellen (bei weitem freilich nicht so ausführlich wie bei Nádas) SIND also nicht Pornographie, sondern sie ZEIGEN und thematisieren das Wesen der Pornographie. Daß der Leser auch Pornographie daraus entnehmen kann, liegt an ihm. Aber wie in der paradoxen Intention wird gerade in der Vertiefung dieser (verirrten, perspektivelosen) Suche nach Inhalt im bloß Körperlichen seine Ausweglosigkeit gezeigt werden.

Wo der Leser die Wirkungen dieser Explizitheiten erfährt, erfährt er somit auch seine eigene Verfaßtheit, in aller Gefährdung zur Unfreiheit, die ja eine Ich-Spaltung ist. Dies soll ihm damit erkennbar werden, indem er erfährt, daß er sich zu sich selbst verhalten kann. Daß Sexualität nicht einfach für sich steht, in jedem Fall Teil seiner Selbst ist, sondern gerade zum Gegenteil werden kann: Ort der Selbstentfremdung weil Wesensverfehlung. Die vielleicht wesentlichste Erfahrung in der Diskussion um die Rolle der Sexualität. Nádas lehnt ja, als Hegelianer, dieses Wesen als Eidos, als zu Erfüllendes, als allem Menschen Vorausgehendes, ab, es ist ihm (wie heute meist) relativ, bloß historisch definiert. Darin unterscheidet sich seine Sichtweise fundamental von der des Verfassers von "Helena".

Nur geht Nádas nicht über das Faktische hinaus, die Welt ist in ihm ausdefiniert. Ja, er stößt mit der Nase auf etwas, das ihm entgeht: Gerade in diesem In-sich-bleiben der körperlichen Welt, das sich mehr und mehr steigern muß, zeigt sich die deutlichste Parallele zum Judenvernichtungswahn des Hitler-Regimes! Je mehr die Situation Deutschlands gefährdet wurde, je näher die Endkatastrophe rückte, desto exzessiver wurde der Fanatismus der "Endlösung". Die Vernichtung der Körperlichkeit der Juden, die aber das entscheidende Problem des Hitler-Regimes nicht lösen konnte, wurde in dem Maß grenzenlos, als die Kriegslage aussichtslos war. Die Lösung lag also nicht im Körper!

Freilich, in diesem durchaus "brutal-realistischen" Aufzeigen ist dieser Weg beider, Nádas' wie des Verfassers dieser Zeilen, auch höchst aktuell. Er scheidet sich aber am entscheidenden Punkt - dem Horitziont, in den dieses Faktische hineingestellt wird. Nádas zeigt sich darin als Materialist, als Nihilist. Der das Geheimnis des Lebens selbst zwar darstellt, aber nicht enthält. Sodaß auch die nur so definierte Liebe, als momentanes, dabei höchst ambivalentes Gefühl er Hinneigung (mit dem Bereich des Eros), nicht ausreicht. Nicht zufällig ist Nádas ja auch Photograph, und er sagt, daß Erkennen vom Sehen ausgeht.

Nein, gerade darin widerspricht er sich, ohne es zu merken. Wo er im Gespräch mit dem SF sogar holpert, als er den Menschen damit den Tieren erst gleichstellt, um dann dem Tier doch selektive Wahrnehmung beizulegen. Doch also das Licht dem im Sehen Erkannten vorausgehend?

Das was etwas wirklich ist, ist durch seine Haut, seine Kontur nicht bestimmt. Das rein Leibliche weist nur auf etwas Dahinter hin - das Wirkliche. Und das Wirkliche, das ist für das Auge unsichtbar. Deshalb ist auch das, was im sexuellen Akt passiert, etwas anders als der physikalisch-chemische Austausch von Körperflüssigkeiten, und kein technisch hervorgerufener Orgasmus der Welt vermag die Erfülltheit von hingebender Liebe auch nur annähernd zu bieten. Das Fleisch, schreibt Michel Henry einmal sogar, ist unsichtbar. Was wir sehen ist etwas, das wir mit Leib verobjektivieren, zu einem Gegenstand der Physik machen. Aber seine Wirklichkeit ist ganz anders, jede Leiche erzählt das. (Weshalb jede Pornographie, wenn sie nicht durchbrochen wird, immer mehr den Schaden des Objekts sucht.)

Man sieht dieses wirklich Wirkliche aber nur im Maß der Freiheit des Geistes, und dessen Intentionalität - führen wir hier ruhig das Wort "Herz" ein - ist kein Erkenntnisverhinderungsgrund, sondern Tor der Erkenntnis: als Hinneigung und Suche des Einen Wirklichen, in dem alles enthalten ist, als Suche seiner Heimat, seines Ziels - dem Bestand, der Ewigkeit als Wirklichkeit. Wo die Rolle der Wahrheit einsetzt, die sich auf die Verfaßtheit der Welt als Fleischwerdung des Logos, des Sinns selbst bezieht.* Der für Hegel ja auch nur historisch relativ ist.

Denn nur in der Selbstergreifung, im Geist, im Selbstbesitz als Ganzer, in Leib und Seele in einer Ordnung und damit Ganzheit, kann der Mensch dann auch Erlösung (auch und gerade der Körperlichkeit, die in ihrer Dynamik in die Gesamtordnung des Ich eingegliedert, nicht losgelöst, innerweltlich wie abgetrennt vom Ich verselbständigt ist, was ja das Wesen der Unfreiheit ist) weil Gemeinschaft - im Geist der Wirklichkeit, im alles Umfassenden, dem Einen, dem Ort der Ruhe - finden.


Hinweis: Blogeintrag aus 2011: Robert Spaemann, "Nur das Unsichtbare ist sichtbar"



*Das Eigentliche der Dinge ist ja ihr Sinn, das was gesehen wird - es ist ihr Sinn! Sinnlosigkeit sieht buchstäblich nichts. Was soweit geht, daß Menschen, die in ihrem Leben keinen Sinn mehr erkennen, aufhören, wahrzunehmen. Der Verfasser dieser Zeilen kennt sogar jemanden, der organisch erblindete, als er meinte, sein Leben hätte keinen Sinn mehr, nur noch sterben wollte. Er hörte auf zu sehen. Erst kann der Mensch sehen, dann kommt das Auge. Erst kann er hören, dann kommt das Ohr.



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Sonntag, 5. Juni 2011

Suche nach Reinigung

Es besteht ja überhaupt kein Zweifel, daß das Aufsuchen von Unterhaltung, der Konsum aufregender Musiken oder bloß Rhythmen, der Besuche des Theaters, ersetzt durch Fernsehkonsum, die Suche von Reinigung und der ihr einhergehenden Erleichterung dient. Es ist ein tief religiöses Wollen und Erleben, es ist die "simple" Suche nach Erlösung von den Bedrückungen und Dünkeln des Lebens.

Und nur, weil dieses Erleben der Liturgie fehlt, sehen die Menschen keinen Sinn mehr in der katholischen Religion, suchen Ersatzkulte und Ersatzbefreiung. Das zeigt, daß die Hochfeste des Jahres, wo in der Regel noch üppigere Liturgie zelebriert wird, die Katharsis also noch erfahren wird, auch immer noch guten Kirchenbesuch aufweisen.

Von dort her läßt sich jede Liturgie, jeder Gottesdienst aller Zeite und aller Religionen verstehen, der im Pathos Befreiung bringen soll - Entsühnung, Entschuldung, Versöhnung mit dem Urgrund der Welt.



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Donnerstag, 17. Februar 2011

Hochwertiges

Schon aus Tradition - Stella Artois, mit einem nächsten "europäischen Film". Beeindruckend vor allem die schauspielerische Leistung - Katharsis in diesem einen Moment.


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Samstag, 20. November 2010

Zurück zur Weite des Ganzen

Erkennen ist eine Frage des Bergens des längst Entdeckten, nicht des Konstruierens. Deshalb führt die Katharsis nur zur ursprünglichen Haltung des Staunens dem Lebens in seinen Erscheinungen gegenüber.

Der dramatische Konflikt ist immer ein Konflitk der Unfreiheit durch Irrtum, der das Wesen der Rationalität, die Absicherung einer Haltung, sehr einsichtig macht. Und durch diese Neurose (im Sinne von Wilfried Daim: als De-Zentrierung als Lebensform an sich verallgemeinerbar) schließt sich der Mensch, in sich die Spaltung ausformend, von der eigenen Sinneswahrnehmung aus.

Das Geschehen der Handlung treibt diese Beengung, diese mehr oder weniger weit gehende Unfreiheit, zurück in die Wirklichkeit, und schmilzt die rationalistische Engführung in die Weite des Staunens, im poetischen Moment. Zurück, mehr oder weniger, zu einem ganzheitlichen, unbegrenzten Blick, der ein Blick auf unendliche Formen, nicht auf ungeformte Endlosigkeit, ist.

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