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Samstag, 28. Januar 2023

Bodensatz (2)

Was geostrategisch von entscheidender Bedeutung ist. Als direkter Kontrahent von Rußland, der das Land dann direkt bedroht. Weil Rußland zukünftig mit einer US-NATO rechnen muß, die jederzeit so massiv anzugreifen vermag, daß die Streitkräfte Rußlands fortan ihren Schwerpunkt im Westen sehen MÜSSEN. 
Damit wird  der Osten Rußlands, also Asien, nachrangig. Und damit haben die USA in der Scheinfrage um Taiwan, in der es nur um die Dominierung Chinas geht, plötzlich auch militärisch wieder die Oberhand. Denn Rußlands Armee hat, was China nicht (oder bedeutend weniger) hat: Eine hohe Luft- und Atomwaffendominanz, und zwar global.

Ein Gedankenspiel das sogar eines der bisherigen größten Rätsel ausdeuten würde: Daß es fast gleichtültig ist, ob die US-NATO-Ukraine so gut wie jedes Einzelziel regelmäßig verfehlt. Denn darauf kommt es gasr nicht an! Das angerichtete Chaos, die immer gereizte Entzündung alleine reicht, um die eigentliche(re)n Ziele zu erreichen. Das System muß also komplex bleiben, und am besten unlösbar. Deshalb die absurden "Forderungen" des Westens. 

Freitag, 27. Januar 2023

Bodensatz (1)

Legt man an die Ereignisse der letzten Wochen udn Monate die Tnagenten an, dan laufen sie allmählich in einer Konsequenz auf bestimmte Punkte hin, die umso plausibler als Plan offenbar werden, als die Tagesereignisse immer perfekter in dieses Mosaik passen udn ein Bild ergeben. Da sman vielleicht einmal herausgreifen ud aufmalen muß. 

Wo sich ein politisches und militärisches Handeln ablesen läßt, mit dem wir in den nächsten Monaten, zumindest noch mit Ablauf diese Jahres, konfrontiert sein werden. Und das viel perfider ist, als ich selbst es noch angenommen hatte. Auf jeden Fall habe ich aufgehört, an die bloße Chaotik der US-Westens zu glauben.. So sehr das noch vor einem Jahr der Fall gewesen sein mag, so hat man aus den Trümmern nun offenbar Konsequenzen gezogen, und unter unterschiedlichen Einflüssen nun einen Plan aus dem Trüben gefischt, der beeindruckt.
Was sich zeigt, wenn man einmal ein Inventarium anlegt, was derzeit alles im Spiel ist und sich im wilden Wasserglas allmählich am Boden absetzt, würde eine allen Unkenrufe zum Trotz erstaunlich konsistente US-Politik der Neo-Conservatives zeigen.  
Die tatsächlich einem Plan folgt, der gar nicht so unrealistisch ist, auch umgesetzt zu werden. Derzeit spricht viel dafür.
Wenn das so ist, dann wird ein nächster Schritt aber ebenfalls unausbleiblich. Dann werden Rußland und China handeln MÜSSEN. Und das ist es dann, was auch einen wirklichen nächsten Weltkrieg höchst wahrscheinlich macht. 

Montag, 26. Dezember 2022

Transeamus usque Bethlehem! (2)

Die Zeit heilt keine Wunden. Sie läßt sie sogar erst aufbrechen weil sie jeden Versuch, Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit zu schaffen, als das ausblühen läßt, was es ist. - Man sagt, daß die Zeit alle Wunden heile. Als wäre das so einfach wahr! Hier hat sich vieles sogar wieder gedreht, das meinte nicht nur die Glatzerin vom Hotel am alten Preußischen Tor. Das rund um die Brücke eine Bieleumbauung bietet, die mehr an echter Romantik hat, als sich Filmregisseure je vorstellen konnten. Da unten meint man jeden Augenblick die Heidelinde zu sehen, die die Wäsche im Fluß spült, und da drüben den ollen Heinmück, der mit zerfleddertem Hut und löchrigen, hochgekrempelten Hosen einen Weißfisch im Flachwasser zu fangen versucht. Heute jedenfalls hat man denn auch wirklich den Eindruck, daß man sich allmählich wagt, das Deutsche zu hassen, das mit den nun so freizügig möglichen Besuchern (wir kannten aber damals noch nicht Corona; dieser Seitenhieb muß sein) daherkommt, als wäre er hier mehr zu Hause als ... ja, als was, als wer? Das Dumme ist nämlich, daß das tatsächlich so sein könnte. Aber wer würde das noch je zugeben wollen, der nicht in Gefahr geraten wollte, zum Revisionisten und Neo-Nazi gestempelt zu werden?

Die jungen Polen wollen davon aber aus anderen Gründen nichts mehr wissen, ja die kennen es gar nicht mehr. Die sind also an Nazi-Etiketten und den alten Deutschen überhaupt nicht mehr interessiert.

Donnerstag, 2. Juni 2022

Zwischenschrei

Um dem bösen russischen Gas zu entkommen, das irgendwo in der Tundra oder Taiga oder im Kaspischen Meer aus dem Boden gelassen wird, wird nun von den Grünen Politikern (aller Fahnen) ein Umstieg auf das immens teure amerikanische Flüssiggas forciert. Jeder deutsche und europäische Haushalt (die Gasliefernetze hängen längst europaweit zusammen, wie das Stromnetz, da ist keiner mehr Herr im Haus) kann sich ohne jeden Zweifel auf eine Verdoppelung bis Verdreifachung der Gasrechnung einstellen. Beim mittlerweile zur haloben Effizienz - also mit buchstäblich und buchhalterisch doppelten Aufwand hergestellten - Strom ist dieses Ziel grüner Politik ja ohnehin längst erreicht.

Das mit Tankern über den Atlanik nach Kiel, Bremen, Gotenhaven oder sonstwo in der Ostsee (wo man nun eben um Steuermilliarden einen Transfer-Punkt baut) geschippert wird. Eingefroren auf minus 70 Grad, oder sind es 90, und so komprimierbar unter Verbrennung gewaltiger Mengen an Transportöl. Dieses Gas hat die USA deshalb, weil es seit zehn, fünfzehn Jahren einen wahren Boom an Fracking-Gas hat, der es erstmals in seiner Geschichte zum Netto-Exporteur für fossile Brennstoffe macht.

Hier verboten - dort Ausweg aus der politischen Beschränkung der Handlungsfreiheit? Oder nicht eher Symptom einer Geisteskrankheit? Denn für mich sind nicht wenige, wenn icht die allermeisten der Frontgesichter der Politik in unseren Ländern längst Fallbeispiele der Psychopathologie.

Mittwoch, 23. Februar 2022

Allen geht es um die Demokratie (1)

Es ist nicht so schwer, die große Verwirrtheit der Gegenwart (Siehe Anmerkung*, auch ein aktueller Beitrag zur Ukraine-Krise) zu durchschauen. Es ist aber schwer einen Weg zu sehen, der zu Klarheit führen könnte. Denn der einzige Weg klingt wie eine Utopie, wiewohl er die einzige realistische Vision wäre - und das ist die Umkehr zu Gott, der nur die Form einer Umkehr zur Katholischen Kirche sein könnte. Denn deren Blutkreislauf, der der Blutkreislauf ist den der Gehorsam aufrechthält und existentiell zirkulieren läßt, ist auch das einzige Heilmittel, und zwar aller Zeiten.

Aber dieses Wort, Gehorsam, als gewissermaßen Gegenteil des Autonomismus, ist nicht nur völlig unverstanden, sondern zugleich und zu einem Drohmittel aufgebaut. Dabei ist er auch das einzige Mittel, um die Schöpfung "zusammenzuhalten". Und das heißt existent zu halten. 

Wer die Nachrichten aus Kanada hört, wer die Medienberichte zur Ukraine rezipiert, wer sich von Corona noch immer nicht zu Tode gefürchtet hat, der könnte es nun freilich mit Angst zu tun bekommen. 

Oder er bestellt die nächste Portion Pop-Corn, und rückt sich im Polsterstuhl zurecht, um der nächsten sich abzeichnenden 3D-Vorstellung in den Lichtspielen zu folgen. Denn es könnte alles ein nächster Akt in einem symbolischen Theater der Archetypen sein.

Samstag, 4. September 2021

Hält Przemysl? (4)

Der Ausbruch, der ein Zusammenbruch war. Przemysl war der Korken in der Flasche, deren Geist Osteuropa zu einem "bloodland" machen sollte. Die simpelste Erklärung dafür, daß die Russen alles, einfach alles zu wissen schienen, was in der Festung vor sich ging und was an Verteidigungsmaßnahmen geplant war, lag ... im Radiosender. Dessen Code war von russischen Ingenieuren geknackt worden, und jede Meldung von oder an die Festung wurde somit vom Feind mitgelesen. Jede Verlegung von Truppen wurde sofort vom Feind beantwortet, jede geplante Aktion unterbunden, und die russische Artillerie - ohnehin der österreichischen an Feuerkraft, Geschützqualität und Munition weit überlegen - schlug pünktlich und präzise los, sobald sich etwas zu treffen bot. 

Die russische Artillerie war ohnehin das Fallbeil für die österreichischen Armeen in diesem ersten halben Jahr des Krieges gewesen, wo sie von Niederlage zu Niederlage getrieben wurden und nur durch den Mut der Verzweiflung wenigstens halbwegs zurückgehalten werden konnten. Sodaß das Ziel, über die Karpaten Budapest zu erobern, nicht erreicht wurde. Sie konnten anders als die Habsburger Truppen mit den neuen Arten des Kampfes umgehen. Die die Österreicher nicht kannten, und deshalb vorsorglich für untauglich erklärt hatten; leider. Sie mußten nachvollziehen, was die Russen selber im Krieg mit den Japanern 1905 blutig lernen hatten müssen. 

Das Zauberwort hieß "kombinierte Waffengattungen", und bedeutete etwa, daß die Artillerie jeweils das Terrain vor der eigenen vorrückenden Truppe beackerte. Der Beschuß rückte dann jeweils mit weiter, die russischen Geschütze hatten anders als die österreichischen dazu auch die Reichweite. Unter solchen Bedingungen war oft an eine Gegenwahr durch die Österreicher kaum zu denken, man konnte nur fliehen. 

Aber da waren dann die russischen Scharfschützen mit ihren hervorragend geeigneten Gewehren.

Donnerstag, 2. September 2021

Hält Przemysl? (3)

Für den 18. März 1915 hatte der Festungskommandant von Przemysl, Generalleutnant Hermann Kusmanek von Burgneustädten, schließlich einen ultimativen Ausbruchsversuch angesetzt: Kämpfen muß das Ungarnheer, Siegen oder sterben, heißt es in der Operette - Es ging nur noch um die Ehre. 

Die Lage in der seit Oktober belagerten österreichisch-ungarischen Festung war völlig verzweifelt. Jede Hoffnung, daß Generalfeldmarschall Conrad von Hötzendorf von den südlich gelegenen Karpaten her eine Ersatzarmee schicken könnte, mußte endgültig aufgegeben werden. Der Winter war zu hart, und an ein Durchkommen im Schnee gegen die drei russischen Armeen, die Przemysl in weitem Umfeld umschlossen hielten, war nicht zu denken. Denn wie immer hatte Conrad Divisionen "befehligt", die es gar nicht gab. 

Sonntag, 16. Mai 2021

Der Samstag Nachmittag Film - der sich mit der Betrachtungsdauer umstülpt (2)

Teil 2) Wäre da aber nicht auch noch ein anderer Gedanke,
der wie eine Versuchung in die Hosenbeine der
Interpretation gekrochen kommt. Wäre da nicht ...


Nun haben wir also gestern jene Seite des Films "Ein Herz kehrt heim" besprochen, die ihn mehr "für sich stehend" sieht. Aber das ist noch nicht alles, will man ein Ding sehen. Dazu gehört auch beim Kunstwerk der Ort, an dem es steht. Dazu gehört also die Gesamtsituation Deutschlands in jenen Jahren. Das oben schon zitierte Deutschland des Wirtschaftswunders.

QR Doku Nazis und Geld
Soferne das überhaupt eines war - wir wollen das nicht weiter vertiefen. Denn es braucht wohl Engländer als Historiker, um solche Dinge zu erkennen und zu sagen. Und Amerikaner, um sich schließlich gar nix mehr zu scheißen, und gegen Ende der sehr interessanten ARTE-Dokumentation über das Wirtschaftssystem bis 1933 bis 1945 folgendes festzustellen: 

Von einem Wirtschaftswunder in Deutschland kann man nicht sprechen, wenn man nicht die eigentlich desaströse Wirtschaftspolitik des Dritten Reiches zum Verständnis heranzieht, die durch ihre Geldproduktion auf einen Totalkollaps zusteuerte. Deren Geldberge bis 1945 - es gab mehr und mehr Geld (weil alle ja "verdienten"), aber nix mehr zu kaufen, weil die gesamten Rohstoffe in die Rüstung flossen (sogar die Düngemittel wurden für Sprengstoffe herangezogen, was sich fatal für die Ernte NACH Kriegsschluß auswirkte) - man mit der Währungsreform 1949 fast betrügerisch wieder los wurde.

Donnerstag, 1. April 2021

Im Bemühen, den richtigen Nagel zu treffen (3)

 Teil 3) Ungarn sowieso.


Ungarn sowieso. Das gibt halt gerne bei Themen, wie sie Polen der EU an den LGBT-Latz gepatzt hat, seinen rhetorischen Senf dazu. Aber man wird vor allem dort die Praxis abwarten müssen. Weil die in Ungarn gerne einmal dem verlauteten Ziel sogar widerspricht. Wie bei der vielgepriesenen Familienförderung (und, mit Verlaub, katholisierende Personen oder Gemeinschaften im Westen lassen sich meist schon durch Henkel-Begriffe spielend leicht triggern; der Heilige Geist ist leider gerne woanders zu Hause, auch wenn sein Lager noch warm ist.) Ungarn verschüttet als "Politik" bestenfalls jede Menge Geld. Buchstäblich. Aber Geld, das nicht dem Standeswesen entspricht weil dessen Seinsspannung adäquat ist, hat einen für jedes soziale Gefüge auflösenden Effekt. Sodaß Ungarns Politiker in obigem Sinn gerne einmal "schizoid" sind. 

Man denke an die "Familienförderungsmaßnahmen" der letzten Jahre, die Viktor Orban gerne ins Schaufenster stellt, will er bei Konservativen punkten. Damit sollen Frauen angeregt werden, Kinder zu kriegen, Paare, sich das Ja-wort zu geben. Aber damit wird alles andere gemacht als "Familien" gefördert. Weil solche nur solche im eigentlichen Sinne sind, wenn sie auf der Ehe aufbauen. Die zwar in Ungarn per Verfassungsrang als "Gemeinschaft von Mann und Frau" definiert ist, und die sogar - welche perfide Selbsttäuschung! denn Irrtum in der Sache ist immer vor allem das! - auf der "Ehe" gegründet sein solle. Aber ist jedes Paar aus Mann und Frau, das sich vor dem Standesbeamten das Ja-Wort gibt, auch ein Ehepaar!

Herrschaften ... nein. Somit sind auch die ungarischen Verfassungsgesetze nur als präventive Maßnahme gegen allfällige und bei zukünftigen Machtwechseln realistisch zu erwartende Zersetzungsmaßnahmen sehen kann. Denn an sich ist es Unsinn weil Tautologie. 

Aber das reicht noch nicht, um eine Ehe im Wesen zu beschreiben, ja ist weniger als zu wenig. Ehe ist, wenn sie sein will, weit mehr als "Mann und Frau," die es sich dann ausschnapsen. Sie ist auch keineswegs einfach ein "Vertrag" zweier gegengeschlechtlicher Menschen, sagen wir: Mit Rechten und Pflichten (wo es für die Männer übrigens ganz schlecht aussieht, das nur nebenbei.) Sie ist vielmehr der Eintritt in einen Ort mit und unter bestimmten Bedingungen, die dem Wesen der Ehe gemäß sind. 

Und dieses ist (hörthört!) ein hierarchisches Zueinander von Mann (als Haupt) und Frau (als Leib.) Trage man DAS einmal den Menschen vor, Herr Orban, und DANN können wir von Familien sprechen. Vorher - nicht! Vorher ist alles eine Mogelpackung, das verhüllen soll, daß zwar der Berg kreißte, aber ein Mäuslein entsprang. 

Entsprechend ist der Pallerwatsch, der aus diesen Familienförderungsmaßnahmen angerichtet wurde, vorhersehbar und schon heute aussagbar, nur ist hier nicht der Platz dafür. 

Und entsprechend vorsichtig wird man sein müssen bei der Beurteilung des polnischen Vorstoßes, der sich gegen LGBT richtet. In der Praxis wird sich erst das wahre Motiv erweisen: An dem, was wirklich bewirkt wird. Und das zeigt sich (wie bei Impfstoffen) erst nach einer langen Reihe von Jahren.



*Die ersten richtig guten Untersuchungen dazu in den letzten vierzig Jahren, die nach wir vor ihre Gültigkeit haben, finden sich in den Publikationen des Niederländischen Psychiaters Gerard van den Aardweg. Sein "Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen" ist nach wie vor ein großartiges, erhellendes und die Homosexualität substantiell begreifbar machendes Buch. Der durchschnittliche Bildungsstand der Allgemeinheit in diesem Bereich ist immer noch dermaßen niedrig (weil ignorant, von Zeitgeistmoral-Imperativen blockiert) daß diese mittlerweile vierzig Jahre alte Untersuchung kaum bekannt ist. Dabei würde der Hausverstand (der VdZ hat es schon häufig beobachten können) aufatmen, und Menschen mit Hausverstand sind von sich aus häufig bereits auf dieselben Schlüsse gekommen, die ihre eigenen Erfahrungen und Beobachtungen erhellen. 

²Man sieht es an der "Ehe für alle". Bei der es um eine prinzipielle Diskussion geht, die gewiß gewiß sehr wichtig ist, die aber in der Praxis überhaupt keine Bedeutung hat, die der medialen Lautstärke auch nur annähernd entspricht. In Österreich etwa werden heute pro Jahr keine fünf Dutzend "Ehen Homosexueller" abgeführt! Und selbst in dieser Zahl sind noch etliche Scheinpatienten, bei denen es um etwas ganz anderes, viel Praktischeres geht. Etwa um Sozialbetrug durch getürkte Partner-Rentenansprüche.

**Damit sind wir sogar exakt in der "geistigen" Grundlage des Liberalismus. Der von der irrationalen Utopie ausgeht, daß sich in menschlichen Gesellschaften immer ein Bedürfnis-Befriedigungs-Gleichgewicht einstellt, sofern man die Menschen sich selbst überläßt. Ein Staat ist somit lediglich eine posthoc-Servicestelle, die bei nicht von Einzelnen erfüllbaren Bedürfnissen erwünscht ist. Sofern jemand Unrecht erleidet (das lediglich das Unlustempfinden bei Nichterfüllung von Bedürfnissen ist) ist er gewissermaßen selber schuld, weil er seinen Bedürfnissen nicht ausreichend Nachdruck verleiht. Wozu ihn die totale Emanzipation der totalen Aufklärung ermächtigen soll.


*230321*

Mittwoch, 31. März 2021

Im Bemühen, den richtigen Nagel zu treffen (2)

 Teil 2) Kinder sind eben kein "anderes"


Der Gleichgeschlechtliche bleibt gewissermaßen in der Bauchhöhle der Mutter geborgen, die er nicht verlassen will. Deshalb finden sich bei neunzig Prozent der Homosexuellen engste Verbindungen zur Mutter.* Während es bei Lesben, sehr vereinfacht dargestellt, eine Identifikation mit dem Vater gibt, die Mutter aber abgelehnt wird. Im Ablehnen des Eigenen sind diese Gruppen also gleich. ABER diese Ablehnung des Eigenen erfordert einen sehr starken Schutz einer solcherart gelebten Existenz. Die somit sozusagen eher "im Verborgenen" bleibt. 

Darin paßt das wehrlose, identitätslose Kind perfekt. Das über subjektive Gefühle - die entscheidende (angebliche) Urteilsgrundlage, ja Legitimation (und Legitimitätsausweis in einer Kultur des Subjektivismus) des Gleichgeschlechtlichen - zu einem Verhalten geführt, das dieses  "Bedrohungsgefühl durch das (anthropologisch) andere"  (das in der gleichgeschlechtlichen Verbindung eine schwache Form der Polarität imitiert: es gibt in solchen Beziehungen jemanden, der den Vater, jemanden der die Mutter "spielt") zur Persönlichkeitsgrammatik macht. 

Das ist sogar die generelle Legitimitätsepistel der Pädophilie überhaupt! Wir haben es ja schon oft dargelegt, daß in einer Kultur, die meint, das "eigene Gefühl" wäre die entscheidende Grundlage der Weltorientierung das subjektive Wohlgefühl** 

Die Frage erhebt sich aber nun, wie Polen meint, dieses Problem lösen zu wollen. Rein praktisch gesehen erhebt sich die Frage, worauf dieses Einschreiten der Behörde fußen könnte, will sie verhindern, daß diese Umgehung des eigentlichen Zieles der Adoptionsgesetze nicht doch geschieht. Will sich die Behörde nun das Recht nehmen, die Integrität der Familie (das ist die des "Hauses", als hierarchische Struktur) zu durchbrechen, und durch Beamte, die das Recht auf jederzeitigen Besuch haben, beurteilen zu lassen? 

Will sich die Behörde in Polen durch ihre Vertreter nun anmaßen, höchstpersönlich zu beurteilen, ob das Vorhandensein von zwei Männern "Freundschaft" ist, oder eine homosexuelle Beziehung? Daß zwei alleinerziehende Frauen, die es sich so eingerichtet haben, daß sie kosten- und sonstwie -sparend ein Haus gemeinsam bewohnen, lesbisch und damit nicht adoptionsfähig (vielleicht gar unfähig, eigene Kinder zu erziehen?) eingestuft werden? 

Wird damit nicht dieses enorm hohe Gut - Integrität, Unverletzlichkeit der Familie - dem in diesem Fall sicher geringeren Gut (mit Verlaub, beim präventiven Kindesschutz muß man davon sprechen) geopfert? Wäre das so, werte Polen, muß man dann nicht zu Recht davon ausgehen, daß hier nicht das Wohl der Bürger im Zentrum steht, sondern ... ein wie immer gearteter, jede gerechte Moral überziehender Moralismus? Denn dann, werte Polen und werte Leser, bewegen wir uns wirklich gefährlich auf einen Faschismus zu. Und diese "moralische" Form des Freiheitsentzugs wünscht sich niemand. Der VdZ jedenfalls nicht.

Somit wird man abwarten müssen, wie Polen verhindern will, daß die Adoption von Kindern durch Alleinerziehende, die in Wahrheit gleichgeschlechtlich Orientierte sind (die als orientiert-sein-Wollende besser bezeichnet sind) und elegant das Adoptionsverbot, von dem sie sonst betroffen wären, umgangen werden kann. Und ob hier große gesetzliche Maßnahmen festzulegen dann klug sind, weil es etwas viel Wesentlicheres - die substantiellen Freiheitsrechte und -pflichten der Menschen! - zerstört. Gerade das LGBT-Thema aber hat eine besodere Eigenschaft, die so vielen Emanzipationsthemen (als Themen des Loslösens aus einer Ordnung) gemein ist: Sie verträgt nicht viel lautes Gerede. Sie ist ein eher stummes Thema richtigen, ja energischen Handelns.

Nicht zuletzt deshalb muß einer jede Rechtsgemeinschaft - stillschweigend - ertragen, das ist eine der Folgen der Erbsünde: Daß es in der Freiheit, die der Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott entspricht, und die ein Akt viel mehr als ein Zustand äußerer Einrichtungen ist, auch die Möglichkeit eingeschlossen ist, sie zur schlechten Tat zu mißbrauchen, sich gegen das Gut und das Gute zu entscheiden. Diese Risikobereitschaft kennzeichnet nicht nur jede Kultur, die eine solche sein will, zumalen wenn sie christlich zu sein behauptet (wie die polnische), dieses Risiko macht nicht nur ihren besonderen Reiz aus, sondern ist Vorbedingung für das Schöpferische selbst. Ohne das es zu keiner Ausfaltung der Schöpfung zum Lobpreis Gottes kommen kann.

Morgen Teil 3) Ungarn sowieso.


*230321*

Dienstag, 30. März 2021

Im Bemühen, den richtigen Nagel zu treffen (1)

In Polen ist es tatsächlich nun geschehen, die Meldungen aus Ungarn sind nicht ganz klar, weil sie über bloße Zustimmung nicht recht hinausgehen. Die EU schäumt natürlich, denn die LGBT-Pläne gehen nicht so recht auf. Immerhin ist die EU Solidarorgan, das heißt, daß keine Entschlüsse vorgeschrieben und durchgesetzt werden können, die nicht von allen Mitgliedsstaaten mitgetragen werden. Was da genau geplant wurde und wird, ist hier nebensächlich, es ist richtig, schon gegen den Geruch anzugehen. 

Ob das mit den Maßnahmen adäquat geschieht, wollen wir hier auch nicht näher untersuchen - daß nämlich zu viel "gequatscht", zu viel versucht wird, Probleme (im besonderen solche Strebungen, die das Abrutschen der Kultur beschleunigen, ganz verhindern kann das ohnehin keine menschliche Gesellschaft, dafür sorgt schon die Erbsünde, die dafür sorgt, daß der Mensch immer hinter dem Sein zurückbleibt, das zeitlos ist, während der Mensch sich im Hintereinander von Einzelnem, also in der Zeit herumplagen muß) per Diskurs zu summieren, um zu einem rationalen Schluß zu kommen. 

Der sich dann in viel Voluntarismus äußert, in dem man gegen geistige Dinge direkt vorgeht, die aber nur indirekt zu lösen sind. Das betrifft auch die meisten der LGBT-Agenden. Worin sich ja auch die Betreiber dieser Agenda irren. Gottseidank. Wobei wir diese Wahrheit nicht an die größte Glocke hängen wollen, auf daß es sich nicht bei den Falschen herumspreche. Und zum Teil haben die Zerstörer ohnehin bereits reagiert, und sind im Berücksichtigen dieser ontologischen Wahrheit den bewahrenden Kräften schon um Längen voraus. 

Die Katholen haben einfach zu wenig Männlichkeit (auch in Polen), zu aufgeweichte, seins-aparte Begriffe von Liebe, um das zu begreifen. Und die in Polen so hochgelobte "Theologie des Leibes" des "größten Sohnes an der Weichsel, Johannes Paul II., ist ein tragisches Beispiel dafür, wie geistige Wahrheiten zu Dingen gemacht werden und somit die Liebe enteigentlichen weil ent-realisieren, zum Ziel an sich machen. (Sodaß plötzlich "körperliche Lust" zum definitiven Ziel wird. Kapitulation vor dem Zeitgeist? Man könnte es vermuten.)

Interessant weil nicht unproblematisch ist aber ein Teil dieser Meldung, wie sie aus dem Bericht der LifeSiteNews hervorgeht: In Polen war vor einigen Monaten dezidiert die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare verboten worden. Ein Betreiben der LGBT-Community, das ja in unseren Ländern bereits längst durchgewunken ist. 

Nun hat sich Folgendes herausgestellt. Es ist in Polen möglich, daß Einzelpersonen, Alleinerziehende Kinder adoptieren. So weit, so gut, das hat schon seine Berechtigung. 
Aber offenbar sind gleichgeschlechtliche Paare hergegangen, und nur EINER der beiden hat eine Adoption beantragt und offenbar bewilligt bekommen. Ganz schön clever, was? Auch wenn das sicher keine "Massen" sein werden, denn wie immer schon sind das absolute Minderheitenprogramme, und anderes zu behaupten ist lediglich Desinformationsabsicht, das tägliche Brot sämtlicher LGBT-Adressen.²

Es sollte außerdem jene Staaten hellhörig machen, die ihre eigenen Adoptions- und Ehegesetze noch nicht dermaßen aufgeweicht haben, wie es die "woke-EU" tatsächlich zum Standard zu machen fordert. 

Diese Umgehung der eigentlichen Gesetzesabsicht - zu verhindern, daß Kinder in Elternverhältnisse kommen, die naturwidrig (nicht also nur im Rahmen einer unvollkommenen Natur, wie bei Alleinerziehern) sind. Und deshalb auch die humane Prägung in eine falsche, ja gefährliche Richtung schieben. Immerhin muß auch davon ausgegangen werden, daß mit der Übergabe von Kindern an gleichgeschlechtliche Paare nicht nur die Orientierung des Menschen am Menschen als geschlechts-polar verfaßt verhindert und falsch ausrichtet, sondern daß das einer Auslieferung des Kindes an den Mißbrauch gleichkommt. 

Immerhin sind Mißbrauch und Gleichgeschlechtlichkeit vielfach engstens verbunden. Die Angst, sich mit dem eigenen Geschlecht IN Polarität und Transzendenz auf "das wesenhaft andere" zu identifizieren, sich also dem Wind des Wirklichen auszusetzen und in der Selbstüberschreitung ins Nichts des Unbekannten zu steigen.

Das mit einem "Unvorhersehbares macht". Dem Gleichgeschlechtlichen fehlt also der Mut zum Selbst. Sodaß die Gruppe der Gleichgeschlechtlichen" die größte Bedeutung darin hat, eine "Identität" zu konstruieren, die freilich nur "im Wort" hängt: Ohne dichte, undurchlässige Wortwolke ist LGBT sozusagen gar nicht als Existenzform denkbar.

 Morgen Teil 2) Kinder sind eben kein "anderes"


*230321*

Montag, 17. Februar 2020

Neugewichtung historischer Daten

Es ist eine kleine Sensation, die Vladimir Putin hier in einer Pressekonferenz vor zwei Monaten der Öffentlichkeit als Ergebnis der Nachforschungen eines russischen Historiker-Komitees vorstellt. Bei der er gleich ankündigt, in der nächsten Zeit neue, bisher unbekannte Dokumente zu veröffentlichen, die eine neue Deutung des Weges Europas zum Zweiten Weltkrieg notwendig machen.

Die immer noch bestehende Weigerung westlicher Staaten ihre Archive zu öffnen, hat nämlich einen konkreten Grund: Man will die direkte Mitschuld am Zweiten Weltkrieg vertuschen. Man will vertuschen, was 1938 in München wirklich vereinbart, aber nie enthüllt wurde. Nun ist es durch Dokumentenfunde definitiv enthüllt: Chamberlain hat (mit Zustimmung Frankreichs die einige Monate später eingeholt wurde) der Aufteilung der Tschechoslowakei zwischen Deutschland, Polen und Ungarn zugestimmt. Das war bisher unbekannt, ist aber nun eindeutig belegt. Hitler hat ja sogar öffentlich gesagt, daß es nicht so leicht war, England und Frankreich zu dieser (geheimen) Passage im Münchner Abkommen 1938 zu bewegen. Die sich eindeutig nur gegen einen richtete: Gegen die Sowjetunion.

Das war deshalb bedeutend, weil dieser Zustimmung eine Zusage Polens zugrunde lag, einer allfälligen Intervention der Sowjetunion zugunsten der Tschechei nicht zuzustimmen, und eine Passage russischer Truppen mit Militärgewalt zu verhindern. England und Frankreich wollten eben den Einfluß der Sowjetunion aus Europa zurückdrängen. Rußland aber war das einzige Land, das sich für die Tschechoslowakei stark gemacht hatte.

Dem lag also ein Paradigmenwechsel zugrunde: Nicht der Faschismus war nun noch die Gefahr, die man sah, sondern der Bolschewismus. Es war allgemein bekannt, daß Hitler klare Absichten im Osten hatte. Er wollte Lebensraum, er wollte Quellen für Nahrungsmittel für Deutschland. Und damit traf sich Deutschland auffällig mit Polen, das ebenfalls von einem Großpolen träumte, wie es zu Beginn der Neuzeit bestanden hatte, und von "Meer zu Meer", vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer, reichte. Es war auch allen europäischen Führern bekannt, und Hitler machte nie einen Hehl daraus, daß Deutschland aggressive Absichten im Osten hatte. Der "Kriegsgrund Danzig" war vorgeschoben, Hitler hat das offen einbekannt.

Einzig Churchill erkannte bereits früh, daß mit dem Münchner Abkommen die Büchse der Pandora geöffnet worden ist.

Die historische Linie ist dabei klar: Hitler hat sich mit zahlreichen Abkommen mit Frankreich, England UND Polen den Rücken für seine wahren Pläne - der Griff nach dem Osten - freigeschaufelt. Und ein stillschweigendes Auflösen des Versailler Vertrages bewirkt, wo die westlichen Vertrags- bzw. Diktatspartner mit eben diesen Abkommen selber klar gegen die Versailler Bestimmungen verstoßen hat. Noch 1935 hat Hitler mit Piłsudski in völliger Eintracht verhandelt, auch was das Ziel, die Juden aus Europa zu entfernen anbelangt. Hitlers Vorschläge, die Juden nach Afrika auszusiedeln, fand in Polen herzhafte Zustimmung. Das auch in seiner anti-bolschewistischen Haltung mit Hitler übereinstimmte.

Eine Wende (Polens) trat erst nach dem Angriff am 1. September 1939 ein, wo die polnische Armee angewiesen wurde, sowjetischen Truppen keinen Widerstand zu leisten. Aber da war es bereits zu spät. Deutschland lag nun direkt der Sowjetunion gegenüber. Die Hitler mit dem Ribbentrop-Molotow-Abkommen getäuscht hatte.

Wobei Putin deutlich sagt, daß das Versailler Abkommen für Deutschland untragbar war. Man hat nach dem Ersten Weltkrieg Deutschland nicht einfach besiegt, man wollte es dauerhaft demütigen. Das hat zu einer klaren Haltung in Deutschland geführt, die das Aufkommen Hitlers völlig verständlich machte. Immerhin hat Deutschland die damals von den westlichen Alliierten (nicht Rußland!) auferlegte Reparations-Schuld erst 2010 endgültig getilgt. Die nach heutigem Wert gerechnet unfaßbare 100.000 Tonnen Gold betragen hat.

Man muß diese Erkenntnisse bzw. diese Interpretation der Geschichte mit neuer Schwerpunktsetzung - der Westen hat direkte Mitschuld am Zweiten Weltkrieg, weil er die Allianz gegen den Faschismus aufbrach; dem letztlich nur die Sowjetunion/Rußland entgegenstand, das schlichtweg im Stich, schon 1938 verraten gegen Deutschland alleine gelassen wurde - vor dem Hintergrund des im heurigen Jahr stattfindenden 75jährigen Jubiläums des Endes des Zweiten Weltkrieges, des für die Russen "Großen Vaterländischen Krieges", sehen. Der Rußland neueren Schätzungen nach bis zu fünfundzwanzig Millionen Menschenleben gekostet hat. 

Dieses Opfer - jeder fünfte damalige Sowjetbürger verlor 1941 bis 1945 sein Leben - will das Land und will Putin auch entsprechend gewürdigt sehen. Mit der durch diese aktuell enthüllten und zu enthüllenden Dokumente belegbaren Aussage, daß in den 1930er Jahren nur Rußland Hitler entgegen gestanden ist, und es Rußland war, das diesen Kampf heldenhaft geführt und gewonnen hatte. Der Westen hat vielmehr Rußland damals schändlich verraten. Die ganze Welt müßte deshalb Rußland dankbar sein, daß es als einziges Land dem Faschismus so klar entgegengetreten ist. Das diese Gefahr bereits früh erkannte, und als einziges Land seit dem spanischen Bürgerkrieg gegen den europäischen Faschismus gekämpft hat.




Hier zeigt sich natürlich zum einen Glanz und Elend einer Geschichtsforschung, die nur noch auf Dokumente baut. Die mittlerweile überhand nimmt, Neuinterpretation um Neuinterpretation auf den Markt wirft, und dies mit Dokumenten belegt. Zum anderen steht Putin in der Lage, einen riesigen Spagat vollziehen zu müssen, ein modernes, heutiges, gewissermaßen liberales oder sogar traditionszugewandtes Rußland mit der eigenen Geschichte, damit dem Kommunismus zu vereinigen.

Und er trifft damit auf die Linke in Europa, die ihn im Grunde bereitwillig aufnehmen müßte. Denn Putin stellt auch hier den Marxismus als das geringere Übel gegenüber dem Faschismus dar. Immer wieder ist zu beobachten, daß er ihn sogar rechtfertigt. Das wirft auch ein bezeichnendes Licht auf die Geschichtsinterpretationen von Leuten wie Alexander Dugin, die mehr Materialismus und Atheismus zur Basis haben als sie glauben oder eingestehen wollen. Religion wird nur deshalb so hoch geschätzt, weil sie "nützlich", ja für ein Volk essentiell ist. Das haben sie erkannt, deshalb spielen sie im Theater der Religion mit. 

Für uns ist aber wichtig, diese Koinzidenz im Auge zu behalten. Man kann Putin und Rußland zustimmen ob der Realpolitik, gewiß. Aber man muß das mit geschärften Sinnen tun. Als "Freund der Konservativen" kann man sie aber nicht einstufen. Dem Konservativismus kommt das heutige Rußland nur insofern entgegen, als es sich nicht scheut, Kontur - auch als "Feind" - zu zeigen. Und noch um die Interessenspflicht eines Staates weiß, also der allgemeinen Auflösungssehnsucht des Westens, die Kreuzesscheu, Wirklichkeitsflucht ist, entgegensteht. Das ist der wahre und einzige Grund, warum die europäischen Linken "gegen" Putin Front machen. Sie sind nicht "Linke", sie sind zu allererst Wirklichkeitsflüchter und -auflöser.





Samstag, 19. Januar 2019

Die Grundlinien sind klar (2)

Teil 2)




Es ist kein Wunder, daß das postmodernistische Paradigma, demgemäß gesellschaftliche Institutionalisierung, Moralgebote (qua eine neudefinierte Natur), Autorität, mit einem Wort: Das Gebilde der Normalität (die als Gestalt aus der Allgemeinheit abgeleitet wird), nur als zur subjektiven Machtausübung über den anderen dienend gesehen wird, wie es der (homosexuelle) M. Foucault "theoretisch" endgültig herausarbeitete, wie es heute als herrschende Ideologie auftritt. Mißtrauen macht sich breit, jeder wird zum "Offender", zum "Attackierenden". Ja, letztlich wird sogar die eigene Identität zum Diktat erklärt, löst sie sich in der Genderfrage endgültig auf. Aber frei kann nur ein "Etwas" sein.

In dieser Unfreiheit, in dieser Auf-sich-Geworfenheit durch subjektive Anwegungen als Maßstab, die aber jeden Boden verlieren (weil der in der Introspektive verdunstet), wird das Denken zu einem bloßen Rationalisieren, zur sophistischen Sprechgirlande. Deshalb mußten die Revolutionäre aller Zeiten die sittliche Grundlage des Volkes zerstören. Und das taten sie, indem sie die Begierden weckten. In Frankreich durch die Theater, wo nackte Frauen auftraten, was rein technisch nur begrenzte Wirkung entfaltete. Im 20./21. Jahrhundert aber haben sie Möglichkeiten, die bis in den persönlichsten Bereich (Internet, Handy, TV) reichen und enorme Breitenwirksamkeit entwickeln. So wird eine Grundlage der Rebellion geschaffen, denn der Mensch, der solcherart unfrei ist, beginnt gegen das natürliche Sittengesetz zu rebellieren, das gegen ihn steht, weil er unfrei, von seinen Leidenschaften versklavt ist.

Die Bedeutung der äußeren Kultur wird ab dem Moment klar wo man erkennt, daß diese Korrumpierung des eigenen Gewissens direkt mit dem Umstand zusammenhängt, was als "allgemeine Moral" angesehen wird. Und hier kommt die Rolle der Medien ins Spiel. Denn sie setzen Maßstäbe der "Normalität", die dem Einzelnen das Gefühl geben, mit diesen ihren Leidenschaften (die sie spüren) nicht alleine zu sein, sondern im Strom der Masse mitzuschwimmen. 

Deshalb ist die Geschichte der Zerstörung unserer Kultur auch eine Geschichte der Entwicklung der technischen Möglichkeiten von Medien. Die die Rolle des persönlichen, unmittelbaren Umfelds verändern, wenn nicht ganz übernehmen, die die Autoritäten als gewissensbildende Institutionen in Frage stellen, die neue Vorbilder präsentieren, die scheinbar nach neuen Regeln leben (und "glücklich und froh und frei und erfolgreich" etc. sind), und damit neue Maßstäbe der Normalität und damit des Gesollten formen. Die Wirkungen bleiben aber bei weitem nicht im persönlichen Bereich, sondern sie sind in der Zerstörung des politischen Systems, das die Grundlage seines Funktionierens verliert, die öffentliche Moral, direkt ablesbar. 

Ein moralisch destruiertes Volk, wo die Menschen gegen die Natur leben, ist unfrei, ist vernunftlos, und damit extrem leicht beherrschbar. Man muß nur verstehen, seine Leidenschaften zu steuern. Und dazu muß man die Massensituationen bestimmen können. Jene Situationen also, in denen sich das einzelne Subjekt zu sich selbst gegen - oder für - die Allgemeinheit verhält. Denn es ist das Verhalten, nicht der Disput, der die Moralgrundlage formiert. Wo das Verhalten sitten- weil naturwidrig ist, wird der Mensch unfrei und damit unfähig, klar zu denken und zur Vernunft zu kommen.








*141118*

Freitag, 18. Januar 2019

Die Grundlinien sind klar (1)

Erst jetzt im Internet zugängig ist dieser Vortrag von E. Michael Jones, den er 2013 in Polen hielt. In kaum einem anderen Vortrag reißt er so klar und einleuchtend, stringent argumentiert, die Grundfragen um den Kulturkampf der Gegenwart auf. Der ein weltweiter Kampf gegen die Katholische Kirche ist. Den Polen im Gegensatz zum Westen noch nicht ganz verloren hat. Denn dort findet sich noch ein religiös einheitliches, katholisches Volk, und vor allem ist dort die Kirche nicht in sich gespalten. Damit hat sie noch die Möglichkeit, auf die Politik einzuwirken, die mit den anstehenden Fragen völlig überfordert ist. Es paßt zum Jahresausklang, sich diese Grundlinien noch einmal bewußt zu machen, die in diesem Vortrag mit durchaus neuen Aspekten aufwarten.

Es geht um die kulturzerstörende, in seinen Zusammenhängen kaum einzuschränkende Wirkung der "sexuellen Befreiung". Die ja keineswegs eine Befreiung ist, sondern eine Versklavung. Denn der Mensch ist überall dort unfrei, wo er von Leidenschaften getrieben ist. Damit wird die Grundlage jeder staatlichen, gesellschaftlichen Verfassung attackiert, die in der individuellen Moral (als praktischer Vernunft) liegt. Kein Regierungs- und Staatssystem kann nämlich bestehen, wenn es nicht von der Moral des Volkes getragen wird. Überall, wo die praktische Moral, also das Verhalten, der Natur widerspricht, fällt der Mensch in Unfreiheit. Deshalb ist die sogenannte "sexuelle Befreiung" ein Mittel der Kontrolle. Und im historischen Blick wird erkennbar, daß sich die maßgeblichen Revolutionäre der Weltgeschichte dieser Wirkung klar bewußt waren und damit "arbeiteten", um Macht über andere zu gewinnen.

Jones zeigt dies am Einmarsch der Israeli in den Gaza-Streifen auf. Binnen weniger Stunden wurde von den Israeli auf allen Fernsehkanälen Pornographie eingespielt. Um die Palästinenser zu befreien, weil ja Sexualität so frei mache? Sicher nicht. Sondern um die Jugend von der Straße wegzubringen, wo sie gegen Israel protestierte, flutete man gezielt das Land mit Pornographie, Glücksspiel und Drogen. Solcherart mit sich beschäftigt, von seinen geweckten Begierden getrieben, verdunkelt sich die Vernunft. Solche Menschen sind auch keine guten Kämpfer mehr. Und es verdunstet die Religion, damit die Verwurzelung, wie schon Augustinus feststellte.

Wer (als Haltung) sündigt, wer also gegen die praktische Vernunft handelt, wird unfrei und zum Sklaven.

Das wußten auch die Proponenten der Aufklärung, die die Französische Revolution vorbereiteten. Sie wußten, was auch Augustinus 1500 Jahre früher wußte. Daß nur ein moralischer, sittlicher Mensch Ruhe und Freiheit in der Seele hat. Wo hingegen Begierden regieren, gerät der Mensch in seelische Unruhe und gedankliches Chaos, also in Irrationalität. Mit der Folge der Abwendung von Gott und damit der Abwendung von der Ordnung, die zum Gegner und Feind wird. Denn der Mensch der Leidenschaft wird blind. (Vor diesem Hintergrund muß man deshalb sehen, warum die Kirche sagt, daß die Begierde, die Leidenschaft "in die Hölle" führt - weil sie unfähig zur Erkenntnis Gottes macht! Anm.) Der unruhige Mensch ist erst der Mensch, mit dem man Revolution machen kann.

Die Aufklärung wurde zwangsläufig immer mehr zu einer rhetorisch immer perfekter ausgebildeten Form der politischen Kontrolle über Unfreie. Nie ist ihr gelungen, was sie versprach: Einen neuen Menschen zu schaffen. Um aber den Menschen zu verführen, bediente sie sich der alten Rhetorik. Ein Marquis de Sade verwendet teilweise dieselben Wendungen wie Augustinus. Deutet sie aber dann um, indem er einen "neuen Weg" zur "Stadt Gottes" vorstellt, die nun zur ideologischen Utopie wird.

Denn der Mensch gewinnt sich (weil die Welt) erst in der Selbstüberschreitung, in der Selbstlosigkeit und Nächstenliebe, im Dienst am anderen. Will der Mensch aber sich dienen, gibt es in der Welt keine Nächstenliebe. Jones verwendet zur Illustration den Vergleich zwischen Jesus Christus und Dracula: Jesus gab sein Blut, damit wir ewiges Leben gewinnen. Dracula trank das Blut der anderen, um selbst ewiges Leben zu haben.

Aus der fehlenden Selbstherrschaft steigt nämlich direkt und als Folge die nunmehr ungebundene "libido dominandi", sucht nach einem neuen Material der Wirklichung und wird so zur Begierde, den anderen - "die Welt" - zu beherrschen weil an sich zu reißen. (Was sich bis ins Gigantomanische steigert, wie wir es heute erleben: Welt, Klima, Umwelt ... alles muß "gerettet" und verändert und beherrscht werden.) 

Und wer sich die Gegenwart von dieser Sichtweise aus ansieht - das als Anmerkung - wird feststellen, daß wir in rasendem Tempo in eine Situation geraten sind, in der quasi jeder jeden zu manipulieren und zu beherrschen sucht.


Morgen Teil 2)





*141118*

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Zack und wumm, drübergefahren, friss oder geh!

Der VdZ hat es seinen deutschen Freunden immer wieder gesagt: Was Österreich von Deutschland unterscheidet, ist nicht, daß dort alles besser wäre. Sondern daß in Österreich einfach über das meiste gar nicht geredet wird. Es wird einfach verhängt, und niemandem fällt es (erst) auf, und niemand regt sich dann auf. Denn dieses Volk (das eine Gruppe von Völkchen ist) ist es gewöhnt. Seit je.

Anders als Deutschland, das als Kompendium vieler deutscher Stämme und Völker eine ab ovo gewachsene ethnische Struktur hat, war das in Österreich, das als Mark gegründet wurde, nie der Fall. Hier galt - wie in allen Marken (darum der eigentlich undeutsche Sonderfall Preußen, das nur nebenbei) - das Territorialprinzip. Anders als in Deutschland, wo das Recht an der Person festgemacht war, war es in den Marken aufs Territorium bezogen. Das heißt, daß egal war, wer da wohnte, er war in dem Moment dem hiesigen Recht unterworfen, in dem der seinen Fuß auf das Territorium setzte. Anonym, universalistisch. Das erste, was die Habsburger in den Ländern gemacht haben, die in ihre Gewalt kamen, war, die Burgen zu brechen. Möge da nur kein föderaler Geist aufkommen, wo kommen wir denn da hin?

Nur so ist verstehbar, warum sich dieser kleine, unbedeutende Graf Rudolf von der Habichtsburg in der Schweiz, den alle für zu unbedeutend hielten, um ihn als Kaiser zu fürchten, zum Kaiser gekürt worden war. Und es aber verstand, sich (mit seinen Nachkommen) binnen weniger Jahrzehnte und Jahrhunderte eine so gewaltige Hausmacht anzueignen, daß er der Mächtigste unter den deutschen Fürsten werden konnte. Der seinen Anspruch auf Kaiserstellung auch mit Hausmacht (und Geld) durchsetzen konnte.

Freilich bezog sich das nur auf das eigentliche Österreich, die heutigen Bundesländer Ober-, Niederösterreich und dessen Hauptstadt Wien (die heute ein eigenes Bundesland ist). Tirol, Kärnten (das älteste Stammesfürstentum in Österreich, bayrisch wie die übrigen Fürstentümer), Steiermark und die Krain (mit Istrien und Triest) sind eigene Kapitel gewesen, immer gewesen. Salzburg kam ohnehin erst 1815 unter Habsburger Fuchtel, als die Kirche noch weiter enteignet wurde. 

Wen hat es gestört? Niemanden. Wer hat sich aufgeregt? Niemand. Genau so wie im Ersten Weltkrieg. Es gab in Deutschland eine gewaltige Diskussion um die Legalität einer Kriegswirtschaft, also einer von Berlin ausgehenden zentralen Steuerung der Wirtschaft, notwendig durch die Kriegsanstrengungen. 1916 kam das durch, 1917 wurde es nach langer Debatte eingeführt. In Österreich? Herrschaften! Da hat sich 1914 nicht ein Mückserchen gerührt, als die Habsburger mit Kriegsbeginn auch eine zentralistische Kriegswirtschaft eingeführt haben. Es wäre ein interessanter Gegenstand der Historiker zu prüfen, welchen Einfluß diese Zentralplanung (Etatismus) auf die katastrophale Versorgungslage der Armee wie der Bevölkerung (es gab in Österreich mehr Hungertote als in Deutschland) gehabt hat. 

Der Staat war noch nie ein guter Unternehmer. Selbst das dodelsichere (noch dazu mittlerweile per Dekret monopolisierte) Geschäft der Post hat er im 18. Jahrhundert versiebt, als Maria Theresia meinte, sie könne die Einnahmen aus dem Postgeschäft der Thurn und Taxis gut vertragen (86.000 Golddukaten im Jahr), um die desaströsen Kosten aus den Erbfolgekriegen mit Frankreich zu bestreiten. Mit dem Ergebnis, daß binnen weniger Jahre die nunmehr "kameralisierte" (regalisierte) Post defizitär wurde. Neben der Tatsache, daß dem längst gefürsteten Geschlecht aus Oberitalien unzählige Privilegien eingeräumt worden waren, damit die den Mund hielten. Plötzlich waren sie sogar Kurfürsten.

Die Österreicher haben immer einfach hingenommen. Sonst wurden sie hinausexpediert, das war's dann. Was ihnen von oben einfach - ohne jede Diskussion - diktiert wurde, war, zu nehmen wie es ist. Am besten, indem man es gar nie erfuhr. Nur ausbadete. Immer. Seit je. Die Menschen waren eben nie wirklich verwurzelt. Gäste in ihrer neuen Heimat. Der Regierung ausgeliefert. Und das gilt bis heute. Was in Deutschland heftig diskutiert wird, wird in Österreich einfach verhängt. Basta. Friss und arbeite und schwitze und blute und dann stirb. Hunde, wollt ihr ewig leben? In Deutschland wird noch protestiert. In Österreich geschluckt. Seit je.

Dieses Gefühl beschleicht einen nun auch in Anbetracht der Diskussionsergebnisse in der - Gott möge die Zunge des VdZ vor dem bösartigsten Fluch über diese unfaßbare, brutale, dumme und deshalb auch unmenschliche Menschgattung hüten, die dort am Werke ist, aber er hat es schwer damit - oberschlesischen Kohlestadt (NOMEN EST OMEN) Kattowitz, wo sich die sogenannten Gutmenschen wieder einmal treffen, um die Welt vor dem Klima, oder das Klima vor der Welt, wer weiß das noch, zu retten. 

Ob es da ums Klima geht? Herrschaften, wer glaubt denn diesen Unsinn? Ob es da um Schönheit, Welt, Glück, Menschlichkeit, Lebenserfüllung geht? Herrschaften, wer glaubt denn diesen Unsinn. Hier geht es ums Umverteilen. Eines Wohlstandes, den sich diese Herrschaften dort niemals erarbeitet haben, den sie nur aus Dummheit, Neid und Gier verteilen. Denn andere müssen ihn ohnehin erarbeiten. Und andere werden ihn weiter erarbeiten, denn deren Leben hängt an einem seidenen Faden, dem ihrer Leistung. 

Und nun sind wir am ersten Punkt angelangt. Denn der VdZ möchte nur zu gerne wissen, was dort im Namen Österreichs (wo er - nicht wenige - Steuern zahlt) als Zahllast für die Umweltschäden, die Österreich angeblich verursacht, irgendwo auf der Welt verursacht, an Milliarden in den Süden des Globus geschoben werden wird, weil es nun versprochen wurde. Darüber wird auch diese unselige Koalition aus einem Betrüger und einem Feigarsch nichts ändern - erfahren wird es niemand. Der eine, weil er täuschen will, der andere, weil er gar keine Ahnung hat. Denn worum geht es da in Kattowitz? 

Herrschaften, EIKE schreibt es völlig richtig: Mit keinem - keinem! - Wort um Umwelt, Natur, Liebe zur Schöpfung, was auch immer. Nein, das hat man angesichts der Medien-Hegemonie gar nicht mehr notwendig. Es geht ganz offen um das Verschieben von jährlich hunderten Milliarden von Euros in den Süden, zu den "Armen". 

Ach, das ist unchristlich? Was nicht vernünftig ist, ist auch nicht christlich. So einfach ist es. Noch nie, noch nie! hat Geldverschiebung etwas gebracht. Außer der Schwächung desjenigen, der das Geld auf die Bahn brachte. 

Und nur darum geht es sowieso bei der ganzen Klimadebatte. Mit Klima, mit Wissenschaft hat das nichts zu tun. Es ist eine moralische Agenda. Die NICHT darin besteht, die Schwachen zu stärken! Sondern die darin besteht, diese Starken zu schwächen, damit die Schwachen endlich, endlich ans Ruder kommen.

Gott sei dem VdZ gnädig. Jetzt ist ihm doch ein Fluch entschlüpft. Der bleibt aber in seiner stillen ungarischen Kammer.

Nur ein Ruf noch, nach nördlich der Donau: Ihr Deutschländer, ihr glaubt, ihr werdet von Euren Regierungen betrogen? Herrschaften, ihr WISZT es wenigstens meistens noch im Voraus, auch wenn Euch das da und dort wenig bringt. Der Österreicher aber, der erfährt es erst aus seinen Geschichtsbüchern, wenn er betrogen wurde. Und weiß erst nachträglich, warum sein Leben so schwer war.




*101218*

Samstag, 3. November 2018

Der epochale Irrtum

In diesem Interview bringt E. Michael Jones vieles auf einen sehr transparent machenden Punkt. Offenbart gleichzeitig aber auch die Gefahr, die Hegels "Automatismus" der Weltentwicklung birgt, in dem "alles von selbst gut wird, man muß es nur lassen". Hat Jones, der sich so auffällig oft auf Hegel bezieht, wirklich nicht durchgedacht, daß Hegel im Materialismus landet, und damit genau zu dem Materialismus und Relativismus führt, den Jones so effektvoll und großartig kritisiert? Daß Gott aus allem Seienden letztlich Gutes hervorbringt, weil alles Seiende nur ist, weil und insofern es am Sein teilhat, ist nicht über Hegel erklärbar. Hat er Hegel gar nicht gelesen, sondern nur aus gewissen Rückschlüssen "eigenständig interpretiert"?

Wie auch immer. Was Jones zeigt ist, daß sich 1979 ein epochaler Wandel in der Welt vollzog. Und zwar durch zwei Ereignisse, die denselben Hintergrund haben: Der Revolution im Iran, und dem Besuch des Papstes in Warschau. Beide Ereignisse waren insofern gleich, als sie die Revision des Irrtums der Trennung von Staat und Kirche (Religion) bedeutet haben. Und auch kein Mexikaner versteht diese Trennung. Das zeigt sich in der Bedeutung der Kirche, das zeigt sich an der Stellung und Bedeutung für das alltägliche Leben, die die Marienerscheinung von Guadeloupe im Leben der Mexikaner hat.

Die Revolution im Iran unter Ajatollah Khomeini war eine naturrechtlich fundierte Reaktion auf die Irrlehre der Aufklärung, daß Religion und Staat nichts miteinander zu tun hätten. Und die mit dem Amerikanismus verbunden ist. Die Folgen sind gewaltig. 1989 betrug die Geburtenrate im Iran 3,4 Kinder pro Frau. Als Khomeini starb, implementierte sein Nachfolger die Legitimität der Verhütung. Schlagartig sank die Fertilität, heute hat der Iran die selbstmörderische Geburtenrate von 1,7 Kinder pro Frau. Heute steht der Iran - das einzige Land, das sich gegen den Amerikanismus als Kultursurrogat gewehrt, ja in dieser Haltung konstituiert hat - vor der Selbstauslöschung, rechnet man diese Entwicklung nur einhundert Jahre weiter.

Der Türöffner dazu war die "Gleichberechtigung" von Mann und Frau, die Frauen in Ausbildungsgänge brachte, die aus sich heraus einen Anspruch auf Beruf implizieren.  Wo aber die Frau in "den Beruf" geht, glaubt es gäbe ein universalistisches Prinzip der Selbstverwirklichung, demgemäß diese Verwirklichung als nicht mit Ort und Situation zu tun hat, in der man sich findet, bricht unweigerlich die Geburtenrate zusammen. Jones berichtet von einer Predigt in einer persischen Moschee, die zu halten er vor kurzem eingeladen worden war.

Gefragt, wer verheiratet sei, hob (auch im heutigen Persien!) nur ein verschwindend geringer Anteil der Männer die Hand. Weiter gefragt, wieviele Kinder diese Ehen hervorgebracht hätten, kam die erschütternde Antwort: Null! Eine über 2000 Jahre alte Kultur löscht sich also selbst aus. Der universalistische Amerikanismus hat also auch hier bereits seine dämonischen Samen gesät, die Selbstverwirklichung mit "Fähigkeit" (die in sich leer, bedeutungslos ist) und nicht mit Ort, Stelle, Stand als zu transzendierendes telos (Ziel) hat.

Der Sinn der Welt liegt im menschlichen Selbstvollzug, auf Kultur somit, die in sich auf Verwurzelung in den Ort ausgelegt ist. Darauf ist auch die gesamte Schöpfung ausgerichtet. Und dieser Sinn als in allem - allem! - angelegtes "Wollen" als "Sollen" ist deshalb ein Wachsen und Vermehren des Menschen, um die Welt zu beherrschen und DAMIT zu heiligen. Letztlich heißt das: Um sie zur Kirche zu führen. Hier mit theoretisch-statistischen "Weltbevölkerungs-" oder "Überbevölkerungs-"Zahlen zu kommen, ist schlichtweg dumm (so wie die Aufklärung alle Welt verblödet hat) und aus völligem Unverständnis auch von Statistik (weil aus falschem Weltbild) entstanden. Denn es sind genau diese Menschen, in Kultur zur einzig schöpferischen Kraft der Sittlichkeit gebracht, die die Welt zur Frucht bringen. Je mehr Menschen also, desto mehr Frucht.









*091018*

Samstag, 29. September 2018

Die Lage in Polen und Ungarn ist komplizierter

Nun hat also Mercedes mit der ungarischen Regierung einen Pakt geschlossen, in Debrecin im Osten Ungarns ein Werk zu errichten. 150.000 Fahrzeuge sollen dort jährlich die Fließbänder verlassen, die so weit schon automatisiert sein werden, daß insgesamt nur 1.000 Arbeitsplätze entstehen! Und die verlangen hohe Qualifikation. Wie die erreicht werden soll, ist derzeit noch nicht klar. Wie man hört wird nun in aller Eile an der Universität von Debrecen ein Technik-Lehrstuhl eingerichtet, um entsprechendes Personal auszubilden. Und damit in eine Aporie stößt. Denn Mercedes kommt so wie Toyota, Nissan oder Audi wegen der niedrigen Löhne nach Ungarn. Gleichzeitig sind niedrige Löhne ein schweres Problem für den gesamten Raum der ehemaligen Ostblockstaaten. 

Polen - die vielleicht dynamischste Volkswirtschaft in Mittel- und Osteuropa - hat derzeit bereits zwei Millionen Arbeiter im Niedrigstlohnsektor, und man schätzt, daß bis 2030 diese Schichte auf vier Millionen anwachsen wird. Gleichzeitig ist noch niemandem klar, was diese Menschen dann arbeiten sollen. Denn gebraucht, gebraucht werden ganz andere Leute. Aber die gibt es nicht in ausreichender Menge.

Aber Polen hat - und darüber wurde im Westen bislang noch gar nicht berichtet - in den letzten Jahren über 1,5 Millionen Ukrainer ins Land geholt bzw. ins Land gelassen. (Wenn das auch historische Zusammenhänge hat, denn die Polen sehen die noch dazu weitgehend katholischen Westukrainer, die Ruthenen speziell, nach wie vor als "Polen".) Alleine in der ersten Hälfte des Jahres 2018 haben über 130.000 Ukrainer eine Arbeitsbewilligung in Polen erhalten. Diese sollen vor allem den enormen Abwanderungszug gut Ausgebildeter* - die alle in den Westen wollen - auffangen. Mit geringem Erfolg. Die Ukrainer sind eben nicht die dringend benötigten IT- und Technikfachleute, die Polen genauso bräuchte wie Ungarn. Und das Ausbildungsniveau zu heben ist eben doch nicht so einfach.

Polen hat deshalb sogar jüngst einen weiteren Schritt unternommen, der das Problem seiner angeblichen "Ausländerfeindlichkeit" in ein ziemlich anderes Licht taucht. Es hat ein Abkommen mit der Regierung der Philippinen unterzeichnet, demgemäß es Philippinen zukünftig deutlich erleichtert werden wird, nach Polen auszuwandern. Warum das? Denn die Philippinen sind nun auch nicht gerade das Land der Facharbeiter und Unternehmer, die Polen bräuchte. Das Argument ist einfach: Man sagt, daß die Philippinen wie die Polen katholisch sind. Damit ist der kulturelle Rahmen weitgehend gleich. 

Den Philippinen fehlt es damit nur an Ausbildung, und die ist nachholbar. Ihr Wertehorizont, ihre Art zu leben ist aber grundsätzlich denen der Polen weitgehend gleich. Sie können damit relativ problemlos integriert werden. Zumal Polen wie alle übrigen Länder des ehemaligen Ostblocks, ja wie ganz Europa, vor ähnlichen demographischen Problemen steht - nach wie vor gibt es bei weitem zu wenige Geburten, und die längst fehlenden Geburten sind sowieso nicht kurzfristig, auch nicht mittelfristig zu ersetzen. Auch die Abwanderungsbereitschaft wird nicht so hoch sein.**

Wie es bei Einheimischen ist, die oft nur deshalb alles tun, um sich zu qualifizieren, weil sie sich "für den Westen" schmücken wollen. Ungarn kann davon ein trauriges Lied singen. Und erlebt seit Jahren das Phänomen, daß es "sich von Ost nach West" verlagert. Westungarn ziehen nämlich in rekordverdächtiger Zahl nach Österreich und Deutschland. Der VdZ kennt aus seiner Zeit in Sopron selbst nicht wenige junge Leute, die nur mit einem Ziel studieren: Nach dem Abschluß nach Wien oder München oder Berlin zu gehen. Viele sind ständig "am Sprung", ob sie nicht in Österreich Arbeit finden. Und sehr viele arbeiten bereits dort. 

Das läßt im Westen Ungarns einen Arbeitskräftemangel entstehen, den nun Zuzüglinge aus dem Osten auffüllen. Aber nicht nur aus Ostungarn, sondern auch aus der Ukraine, die wiederum in den Osten Ungarns nachströmen. Schon heute stammt ein guter Teil der Handwerker im Westen Ungarns aus Ostungarn. Und dort - aus der Ukraine. Und alle erleben die immer noch geringen Löhne, weshalb letztlich "alle" nach dem westlichen Ausland wollen. Aber insgesamt wirkt diese Sogwirkung auf Ukrainer negativ aufs Lohnniveau. Der Weg "nach oben", von dem alle träumen, wird noch schwieriger. Und es ist besorgniserregend weil es ein Unverständnis von Grundverhältnissen andeutet, wenn eine Regierung - FIDESZ, Organ, die mit den niedrigen Löhnen in Ungarn locken - wie allgemeiner Wohlstand, eine prosperierende Wirtschaft aufgebaut werden soll auf der Grundlage niedriger Löhne! Es sind immer die allgemeinen Löhne, die eine Volkswirtschaft prosperieren lassen. Oder nicht.

Diese eigentümliche Konstellation, in der sich auch ein Unverständnis der Regierung Ungarns zeigt, die von manchen ohnehin als Freundeskreis von Oligarchen angesehen wird, die also genau davon profitieren, treibt die Preise in Westungarn nach oben. Generell, weil die Preise für Importwaren weit über den für dieselben Produkte im Westen liegen, aber vor allem im Immobiliensektor. Denn diese Leute brauchen Wohnungen, wollen aber nicht dort leben, wohin sie ziehen, sondern sehen das als Durchgangsstation. Sie wollen aber keine Wohnungen, sie wollen "Unterkünfte". Das erzeugt eine ähnliche Situation wie sie in Wien in den 1970ern zu beobachten war: Selbst für sanierungsbedürftige Häuser in oft erbärmlichem Zustand wurden immer höhere Mieten verlangt. Waren es in Wien die hunderttausenden "Tschuschen" - Gastarbeiter aus dem Balkan, die nicht in Wien leben, sondern nur möglichst viel verdienen wollten - die Wien noch in den 1970ern zu einer "Vorstadt des Balkan" machten, so passiert 

Ähnlich ist es jetzt in Westungarn. Wo auch neue Bevölkerungsschichten auftreten. Viele Ostungarn, aber nicht zuletzt viele Zigeuner. Die sich hier neue Lebensfelder sehen, also gar nicht so sehr in den Westen wollen, und denen diese Vorläufigkeit offenbar besonders entgegenkommt, in die der Westen Ungarns zunehmend getaucht ist. Was die ansässige Wirtschaft vor gehörige Probleme stellt. Produziert wird nach wie vor sehr wenig in Ungarn, der Anteil an Importware für den Alltag ist enorm.

Oder - getaucht wäre. Würde derzeit nicht mit viel EU-Geld an den Strukturen herumverbessert. Wobei die Hoffnung vor allem im Tourismus liegt. Also im Aufmöbeln von und Spekulieren auf ... geschichtliche Substanz.

Ja, es stimmt, "Migranten" aus Afrika oder der Levante, wie sie Westeuropa zeichnen, sieht man in Ungarn kaum. Aber dennoch hat Ungarn ein gewaltiges Entwurzelungsproblem. Nur hat es andere Faktoren.



*Es ist ja bekannt und Gegenstand zahlreicher Witze: Alleine die zwei Millionen Polen in England stellen heute dort den gesamten Handwerkerbereich. Wer in London einen Installateur oder einen Tischler braucht, findet fast nur Polen.

**Jedenfalls müßte man über die angebliche "Ausländerfeindlichkeit der Polen" anders nachdenken, als das bisher geschah. Als ethnisch-rassischen Vorwurf kann man es jedenfalls nicht gelten lassen. Polen sieht sich aus demographischen Gründen alleine schon lange als Einwanderungsland. Es will nur darauf achten, WER einwandert.





*080818*

Donnerstag, 12. Juli 2018

Stalin wollte ganz Europa unterwerfen (4)

Teil 4)




Als Deutschland den Krieg verloren hatte, wurde der Mißerfolg in Rußland damit begründet, daß die Bedingungen - der harte Winter, die schlechten Straßen, der Schlamm etc. etc. - der Grund gewesen seien. Nur, sagt Suworow, das kann doch niemand ernst meinen? Alle diese Dinge waren doch nicht überraschend!? Man wußte das alles im Voraus! Aber man war einfach nicht darauf vorbereitet, und das ist ein gewaltiges Versäumnis, kein "überraschender Schicksalsschlag". Dennoch unvorbereitet anzugreifen war schlicht ein Versagen. Mit dem Stalin geschickt spekuliert, zu dem er Hitler provoziert hatte. Denn Stalin blieb im Grunde gar keine andere Wahl als Krieg zu suchen, weil es nicht gelungen war, das versprochene Paradies der Arbeiter zu schaffen. Und er hatte dabei die Vordenker des Sozialismus - darunter Chruschtschow - auf seiner Seite, die genau wußten, was sich da abspielte.

Womit hatte man gerechnet? Russen sind doch keine Idioten!? Sie waren die ersten im Weltraum, sie haben die besten Schachspieler, sie fördern am meisten Öl, haben gigantische Rohstoffvorkommen ... Man sollte also Rußland nicht unterschätzen, sondern sich vielmehr fragen, warum es mit diesen Voraussetzungen nicht ganz oben an der Spitze der Welt steht. 

Hitler hat die Russen unterschätzt, und prompt ging er Stalin auf den Leim. Der nun jemanden hatte, den er geschickt benutzen konnte, um seine eigenen Pläne durchzuziehen. Und sie sind ihm auch weitgehend geglückt: Stalin hatte 1945 zwar nicht ganz, aber einen beträchtlichen Teil Europas unter seiner Macht. Etwas anderes hatte er nie vorgehabt. Die Sowjetunion war nach 1945 außerdem Weltmacht, ex aequo mit den USA am ersten Platz, zumindest scheinbar und so lange der Bluff eben ging. Aber die Bösen vor der Weltgeschichte sind trotzdem die Deutschen und ist Hitler. Stalin war weit gerissener, realistischer als Hitler, der sich völlig überschätzte und viele zur gleichen Selbstüberschätzung verführte.

Was Suworow da vorzeigt ist ziemlich interessant. Vor allem, weil er den Blick auf Details lenkt, die überraschen, und auf die man normalerweise nicht schauen würde. Denn Geschichte läßt sich einfach nicht nur durch Dokumente belegen, offizielle Dokumente sind meist nur sehr bedingt aussagekräftig. Also entwirft Suworow einen Thesenbogen, der dem gesamten Geschehen einen Sinn geben soll, und den er durch handfeste Materialien belegt, an die aber niemand denkt. Wer kommt auf die Idee, ein Impressum auf einem Plakat zu suchen, das das Druckdatum enthält? Aber DAS seien Dokumente die weit mehr aussagten, meint er.

Seine Argumentation hat deshalb vor allem "Plausibilitätsfunktion", und die Belege für seine Thesen sind oft verblüffend. Und wirken nicht wenig überzeugend. Außerdem sind sie ziemlich originell und machen Suworow fast zu einem Gestaltseher. Eine Eigenschaft, die man nur schöpferischen Geistern zuschreiben kann.

Nicht verhehlt soll abschließend werden, daß die Ursache für die anfänglich inferiore Rote Armee beim Angriff der Deutschen für die meisten Historiker in den furchtbaren Säuberungen Stalins in den 1930er zu suchen sei. Diese hatte wiederum vor allem höhere, erfahrene Offiziere getroffen. Fieberhaft wurden in Schnellsiedekurse "Offiziere" ausgebildet, die die so entstandenen Lücken füllen sollten. Zusammen mit den enormen Aushebungen an Soldaten, stand im Juni 1941 die Rote Armee in einer Phase eines Neuaufbaus. Es fehlte aber extrem an Offizieren, und die Kampfmoral der Truppen, vor allem der allgemeine Informationsstand, war durch die ständige Drohung, Säuberungen zum Opfer zu fallen, sobald man seine Meinung äußerte, sehr niedrig. Die meisten Historiker sind auch der Ansicht, daß die Sowjetarmee an Waffen zwar zahlenmäßig weit überlegen war, daß aber die meisten Flugzeuge, Panzer, Geschütze veraltet waren. Man hatte sie aber im Dienst gelassen, weil die zusätzlich ausgehobenen Truppen ja irgendwie bewaffnet werden mußten. Der VdZ kennt aber auch keinen Historiker, der der Roten Armee nicht von Anbeginn an eine enorme Mobilität zugeschrieben hätte. Die Ausrüstung mit Lastkraftwagen war also schon 1941 hervorragend. Und selbst deutsche Offiziere konzedierten bereits 1943, daß sie über das Tempo, mit dem die Rote Armee taktisch dazugelernt hatte (und die deutsche Strategie der dynamischen Tiefenverteidigung quasi imitierte), überrascht waren.









*110618*

Mittwoch, 11. Juli 2018

Stalin wollte ganz Europa unterwerfen (3)

Teil 3)


Ebenfalls für die Fortgeschrittenheit der Angriffspläne Stalins spricht der Umstand, daß die Waffensysteme an der Grenze zu Deutschland auf kleinsten Raum konzentriert waren. Im Verteidigungsfall macht man das genaue Gegenteil. Da stellt man nicht (wie geschehen) hundert Panzer Stoßstange an Stoßstange, ohne jede Tarnung, in Reihen dicht nebeneinander. Das tut man wenn man angreifen möchte und mit eigener Luftüberlegenheit rechnet. So, wie es die Amerikaner 1944 in Frankreich taten. So lassen sich die enormen Materialverluste zu Beginn des deutschen Angriffs im Mai 1941 erklären. Während die deutsche Ausrüstung gleich einmal mit riesigen Mengen an Beutewaffen ergänzt wurde.

Die horrenden Zahlen an Gefangenen erklärt Suworow anders. Stalin hatte schon ab 1939 Millionen von Gulag-Häftlingen Freiheit versprochen, wenn sie die Uniform anzogen und Dienst mit der Waffe taten. Ein Gewehr genügte dafür. Und Millionen meldeten sich, was hatten sie zu verlieren?

Daß solche "Truppen" keine Kampfkraft haben liegt auf der Hand. Aber im Falle eines Angriffs auf den Westen bildeten sie eine durchaus sinnvolle Nachhut und Besatzungsmacht, die sich aus dem Land ernähren konnte. Als dann aber doch Deutschland angriff, erfüllten sie einen anderen Zweck, wie sich herausstellte. Denn sie belasteten den Feind, hemmten den Vormarsch, und banden große Kräfte. An Soldaten, logistisch, an Material und Transportmitteln, und vor allem am knappesten Gut der Wehrmacht in Rußland: An Lebensmitteln. Es war tatsächlich der vielleicht entscheidende Faktor, daß der deutsche Vormarsch auf Moskau zu langsam vorankam - daß im Hinterland riesige "Kessel" mit Millionen (an Kampfkraft wertloser) Gefangenen aufgearbeitet werden mußten.

Die Berichte über die deutschen Blitzerfolge haben also gar nicht die deutsche Überlegenheit zur Grundlage, die gab es nicht wirklich. Sie waren zum überwiegenden Teil der Propaganda beider Seiten zuzuschreiben, in je unterschiedlicher Richtung. Hitler war interessiert daran, möglichst erfolgreich dargestellt zu werden. Stalin das Gegenteil: Er stellte die Gefährdung seines Landes möglichst dramatisch dar, weil er so riesige Hilfslieferungen der Amerikaner erhoffte - und bekam. Und er mußte vor allem seine Angriffsabsichten vertuschen. Also mußte er sein Land als militärisch unvorbereitetes Opfer verkaufen.

Der russische Historiker und ehemalige hohe Armeeoffizier mit detektivischem Sinn für Details zeigt sogar Kriegspropaganda-Material, das bereits im März 1941 angefertigt wurde. Und er weist auf sechs Millionen deutsch-russischer Kleinwörterbücher für Soldaten hin. Die schon im Mai 1941 gedruckt waren. Und mit was für Phrasen darin! Interessiert sich ein Rotarmist, der seine Heimat auf Heimatboden verteidigt dafür, wo das Telegraphenamt ist? Das kann er dann doch in Russisch machen? Aber noch mehr. Suworow erzählt daß er lange darüber nachgedacht habe, warum diese Wörterbücher nicht für friedliche Zwecke gedacht sein konnten. Bis er das nötige Detail gefunden hatte: Die Phrasen hatten sämtlich Befehlscharakter. Während das Deutsche sich dadurch auszeichnet, daß es im Frieden für solche Dinge sehr oft "bittet".

Nur einige von vielen Details, die hier präsentiert werden. Und die Frage aufwerfen: Kann man da noch glauben daß Stalin von Hitlers Angriff "überrascht" war?


Morgen Teil 4)





*110618*

Dienstag, 10. Juli 2018

Stalin wollte ganz Europa unterwerfen (2)

Teil 2)







Die Bilder, die Suworow präsentiert, belegen recht eindeutig, daß der Angriff auf Polen "kon-genial" ausgeführt wurde. Beide Armeen verstanden sich als "Brüder", und das nicht ohne Grund. Wer sich aus ideologisch-ethischen Gründen dagegen aussprach, wurde beiseite geschafft. Es kam zu einer nächsten Verfolgungswelle in der Sowjetunion. Das wirkte noch glaubwürdiger. Auf ein paar Menschenleben kam es Stalin nie an, immerhin hatte er ehe er sich in die Politik einschaltete bereits als Bankräuber eine ansehnliche Verbrecherkarriere absolviert.

Und dann lehnte Stalin sich zurück und ließ Hitler einmal machen: Westeuropa angreifen, und dessen Armeen außer Betrieb zu setzen, sei es durch einen Sieg, oder sei es durch eine Materialschlacht (und davon ging man damals noch mehrheitlich aus) wie im Ersten Weltkrieg. DANN war der geeignetste Zeitpunkt Europa anzugreifen, denn dann würde Deutschland bzw. Europa schwach genug sein. Und tatsächlich hatte ja Hitler den Krieg (der im Frühjahr 1941 noch ein rein europäischer Krieg war) gewonnen. Oder - so gut wie. 

Stalin belieferte sogar Hitler-Deutschland mit Rohstoffen, auch das versprach er 1939. Hitler konnte sich also sicher fühlen. Und alles das diente Stalins Hauptziel! Sämtliche Staaten Europas hatten keine funktionierenden Strukturen - Parteien, Gewerkschaften, Regierungen - mehr. Aber mehr noch: Westeuropa würde die Sowjetunion als Befreier begrüßen! Also mußte man Deutschland alle Verbrechen begehen lassen. 

Der Angriffsplan Stalins war eine fast notwendige Folge des wirtschaftlichen Desasters, das sich in der Sowjetunion damals abspielte. Die Konsumgüterproduktion war fast völlig zum Erliegen gekommen. Nur die Rüstungsindustrie funktionierte. Also rüstete Stalin in den 1930er Jahren auf, und zwar in einem Ausmaß, wie es die Welt noch nicht gesehen hatte. Und anders als es heute heißt, waren dabei die sowjetischen Waffen keineswegs unterlegen, sondern im Gegenteil: sie waren hoch modern. 

Und sie mußten eindeutig, so Suworow, mit einer Verkehrsinfrastruktur rechnen, die die Sowjetunion selbst gar nicht hatte! Sie war völlig auf das europäische Straßensystem ausgelegt, sonst hätten die hervorstechendsten Merkmale etwa der Panzer - enorme Geschwindigkeit, enorme Panzerung, präzise Kanonen (Suworow vergleicht etwa die Kanonen auf deutschen Panzern mit denen der Roten Armee, die deutlich überlegen waren) - keinen Sinn ergeben. Das gleiche gilt für die riesige Anzahl russischer Kanonen, die auf russischem Terrain kaum verwendbar waren. Alleine an Flugzeugen standen 4.000 deutsche 20.000 sowjetischen Maschinen gegenüber.

Die Anfangserfolge der Wehrmacht waren auf andere Umstände zurückzuführen. Denn in Wirklichkeit war die Wehrmacht völlig unzulänglich ausgerüstet, schon gar im Vergleich mit der Roten Armee. Da brauchte die Rote Armee nur Zeit, um sich neu aufzustellen. Zudem waren gigantische Mengen Rüstungsmaterial - noch dazu auf Angriffszwecke ausgerichtet - in deutsche Hände gefallen. Manche Flugfelder lagen sogar nur achthundert Meter von der deutsch-sowjetischen Grenze entfernt. Wer macht so etwas, wenn er mit Verteidigung rechnet?

Der Angriff Deutschlands 1941 lief mit unglaublich rückständigen Mitteln ab, auf diesen Seiten findet sich bereits dazu Texte. Sie kamen mit Pferdewagen, oder in Fußmärschen. 750.000 Pferde wurden eingesetzt, wie zur Zeit Napoleons! Während nur knapp 4000 Panzer zur Verfügung standen - ein Fünftel der Roten Armee. 

Der Mobilisierungsgrad der Wehrmacht war verheerend und den deutschen Angriffsplänen gar nicht angepaßt. Daß er dennoch erst erfolgreich war hatte nur damit zu tun, daß die Rote Armee schon viel zu nahe an der Grenze aufmarschiert, und auf Verteidigung gar nicht eingestellt war.



Morgen Teil 3)





*110618*