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Dienstag, 17. September 2019

Zu nichts gut

Es ist Zeugnis eines gewaltigen Scheiterns, schreibt Jordan B. Peterson in einem Gastartikel auf Achgut, wenn wie heute 80 Prozent aller Arbeiten und Studien in der Geisteswissenschaft von NIEMANDEM zitiert oder gelesen werden. Und es ist außerdem sehr teuer. Die Gründe sind rasch aufgezählt. Öffentliche Bibliotheken werden gezwungen, zu überhöhten Preisen publizierte Arbeiten zu kaufen, während die Verlage jedes Maß für Qualität und Sinnhaftigkeit abgelegt haben, weil sie wissen, daß ihre Schriften sowieso Abnehmer finden - die Bibliotheken. 

Peterson schreibt, daß sich auf den Universitäten "Fäulnis" gebildet hat. Wo sich kleine "ideologische Gärten" aufgebaut haben, in denen sich Wissenschaftler herumtreiben, die Wissen produzieren, das weder jemand braucht noch für das sich jemand interessiert, weil es ihm Erkenntniszugewinn verspräche. Die sich dann gegenseitig die "Qualität" im peer review bestätigen, obwohl sie oft genug armselig ist. Die Schwelle, um mit einer geisteswissenschaftlichen Arbeit veröffentlicht zu werden, ist somit äußerst niedrig geworden. Außerdem gleichen sich viele dieser Arbeiten in hohem Maß, und wozu sollte man eine Arbeit zitieren, die nichts Neues zu sagen hat oder etwas erzählt, das man ohnehin selber oder besser weiß?

Damit aber muß man von reiner Geldverschwendung reden. Denn solche Arbeiten sind völlig sinnlos, wenn sie keine Wirkungsgeschichte aufweisen können.




Von der Wahrheitspflicht des Journalisten (2)

Teil 2)




Da stoßen wir vor allem aber erst auf das Problem der (objektiven) Schuld, weil sie die wirksamste Gestaltungskraft ist. Nur wer vor Gott, dem Sein selbst, der Wahrheit selbst offen bleibt, also selbst zurücktritt, kann offen für die Wahrheit sein, und jenes Belegmaterial zitieren, das auf diese Wahrheit verweist. Hier hat die Photographie (und Film ist eine Form der Photographie) schrecklichste Verwüstungen und Irrtümer angerichtet! Man hält sie für "immer wahr". Aber das ist völlig falsch. Gerade die Photographie ist immer ein "Bezug auf eine Wirklichkeit", nie dargestellte Wirklichkeit aus sich selbst. (Womit die Kunstphotographie beziehungsweise der Film schwer kämpft, denn sie werden auch erst durch die Geschichte, die sie erzählen, wahr oder unwahr, also Kunst oder nicht Kunst.)

Was nichts weniger heißen soll, als daß die Wahrheitspflicht des Journalismus ohne eine in der absoluten Wahrheit bestehende Verankerung zur sinnlosen Floskel wird. Die zwar der Welt der Tatsachen verpflichtet ist, aber nur insoweit, als es Tatsachen nicht widersprechen darf. Sollen aber Tatsachen, Daten, zu Nachrichten formuliert werden, braucht es den Gestaltungswillen des Berichtenden. Und damit stehen wir wieder vor der in Gott bestehenden Wahrheitspflicht. Ohne Religiosität hat somit sogar der Journalismus jeden Sinn verloren.  Wir ersticken somit auch hier an jenen Dünsten und Dämpfen, die den Ruinen entsteigen, und uns signalisieren, daß etwas verloren ging, daß etwas zerstört wurde, dem wir nun verzweifelt hinterher hecheln, das es aber so nicht mehr gibt, weil wir die Gebäude ablehnen, die sie enthalten haben.

Guter Journalismus kann also nicht sein, Daten wahllos vor die Menschen zu werfen, auf daß diese "sich ihr eigenes Bild machen" könnten. Das werden sie dann auch nicht, ja erst recht nicht können und auf andere Deutungshorizonte zurückgreifen. Das war auch schon vor zwanzig Jahren, als es aufkam, die rasch aufdämmernde Erkenntnis beim Internet, daß es keineswegs aus sich heraus und durch Datenfülle "mehr Informiertheit" bedeuten wird. Vielmehr - mehr Verwirrung, und was noch kaum erkannt wird: Leichtere Steuerbarkeit. Ja mehr noch: Steuerbarkeit DURCH Datenfülle.

Das hat sich längst bewahrheitet. Schon damals war (zumindest dem VdZ) klar, daß es Institutionen, Menschen brauchen wird, wie im realen Leben, ja aus diesem genommen, die die Datenfülle ordnen, selektieren, und somit Information "gestalten". Nichts im Internet hat deshalb heute dermaßen Hochkonjunktur wie das Handwerk der Weltdeutung. Also der Ordnung von Daten zu Informationen.

Der wahre Grund, warum wir vom Journalismus, den Medien keine Wahrheit mehr erwarten können, liegt nicht in Bildern oder Richtigkeiten. Er liegt in Zahlen wie diesen begründet, wonach an die neunzig Prozent der Journalisten unseres Sprachraumes sich selbst als grün oder links oder sonst wie atheistisch bezeichnen. Und das heißt: Ohne Bezug zur Wahrheit, die es nur in Gott gibt. Die Erwartung, daß die Medien also "wahrhaftig" berichten, ist in jedem - in jedem! - Fall bereits unerfüllbar.



Nachsatz: Der Leser mag sich verwundert die Augen reiben, über das was nun zu sagen ist. Aber ihm wird vielleicht aufgefallen sein, daß der VdZ sich in der Frage um die Internetzensur stets sehr zurückhielt. Warum war das so? Weil er tatsächlich der Meinung ist, daß die Forderung nach einem völlig offenen Internet nicht nur unreflektierter Unsinn ist, sondern vor allem einem dient: Der Subversion. Was unter anderem daran auffällt, daß die Lüge immer erst völlige Offenheit gefordert hat, um sich dann als Beschränkungsinstanz etablieren zu wollen. Siehe Klimawandelwahn. 

Das Problem der Politik ist deshalb ernst zu nehmen, das Annagretel Krampkarrenbauer, diese "nette Cousine vom Plankenfreibad Bad Rumpelstädt an der Leine", tatsächlich richtig (!) nannte, wofür sie natürlich sofort geprügelt wurde, so daß sie damit kleinlaut im Boden verschwand. Aber da ist was Wahres dran, und das würde es tatsächlich brauchen: Eine Beschränkung des Internet. 

Es fehlt nur an der Instanz, die die Wahrheit garantieren, also das Maß der Beschränkung bestimmen kann. Darin ist die Politik nicht nur hilflos, sondern in ihrer derzeitigen Form würde auch der VdZ ihr diese Aufgabe niemals überlassen. Aber man muß das Internet in die Bahnen der Wahrheit lenken, sonst wirkt es zerstörerisch beziehungsweise bietet der Zerstörung jeden Raum.  Aber dazu muß sich die Politik selbst von der Wahrheit des Absoluten durch ein Absolutes korrigieren lassen. Die Parteiendemokratie ist nämlich aus seiner Natur heraus (s. unter anderem Robert Michel in seinen Analysen von vor achtzig Jahren) ein einziger Interessenklüngel im Dienste des Machterhalts und kann gar nicht anders enden als in ungerechter Zensur. Aber es bräuchte eine "Zensur".

Denn das Netz hat bislang extrem subversiv gewirkt, und war darin extrem effektiv. Man denke alleine an die entsetzliche Wucht der Pornographie. Die das perfideste Mittel der Kultur- weil Gesellschaftssteuerung ist, das denkbar ist, eine schwerere Sünde gegen die Menschenwürde, und deshalb von jedem Staat als vorrangige Agenda verboten werden muß. Und die - eiderdautz! - ihre ungehemmte Verbreitung ca. 1964 von den USA ausgehend als "Kampf um Meinungsfreiheit" (man sehe den Film über Larry Flint und seinen Pornokonzern) sowie in der Form von Holocaustfilmen ("Pawn broker" 1965) unter der Forderung nach "Freiheit und Menschenrecht" getarnt hatte. 

Das kann also nicht die Frage sein. Die Frage muß sein, ob die Kirche, die einzige Institution, die das leisten könnte, das faktisch noch leisten kann. Derzeit ist auch das zu verneinen. Nicht prinzipiell, sondern aus Realismus.




Montag, 16. September 2019

Die Wüsten verschwinden

Der deutsche Wüstenforscher Stefan Kröpelin berichtet in einem Podcast über einige Ergebnisse seiner 40jährigen Forschungstätigkeit in den trockensten Bereichen der Sahara, dem Osten. Nicht nur weist er darauf hin, daß die Wüste über die Jahrtausende kam und ging, sondern daß der allgemeine Stand des Wissens in der Öffentlichkeit seinen Befunden widerspricht. 

Denn keineswegs dehnen sich die Wüsten aus, wie es im Zuge des Klimawandelnarrativs gerne heißt, sondern er findet klare Indizien dafür, daß die Wüsten sich verkleinern und ergrünen. Seiner Einschätzung nach wird sich im Laufe der nächsten Jahrhunderte die Sahara um ein Drittel VERKLEINERN, also an Siedlungsfläche für die Afrikaner zur Verfügung stehen. Überall nehmen die Niederschläge zu, und es ist verwunderlich, daß man darüber bei uns nicht oder sogar falsch berichtet.

Es gibt Desertifikation, ja, aber sie hat nie etwas mit Klimawandel zu tun, sondern ist auf die enorm angestiegene Bevölkerungsdichte in manchen Gebieten zurückzuführen. Trinkwasser und Landwirtschaft benötigen dann auch mehr Wasser. Dabei ist es gerade die Erwärmung, die menschlichen Lebensräumen zugute kommt. Überall. Ein kühleres Klima wäre für weite Teile der Welt erst tatsächlich ein schweres Problem.

Was er sieht ist, sollte uns also viel gelassener werden lassen, das ist seine Botschaft. Denn er sieht im Buch der Landschaften und deren Geschichte mit den Menschen, die sich in der Wüste in so reichem Maß studieren läßt, daß sich klimatische Bedingungen immer verschoben und geändert haben. Er hält es für unverantwortlich und außerdem wissenschaftlich nicht geboten, Panik zu schüren. Dafür besteht kein Grund, und es führt zu falschen Entscheidungen. Die Menschen haben immer in einem Dialog mit Umweltveränderungen gelebt, und warum sollte das plötzlich anders sein? Was kümmert uns sogar, sagen wir, ein Meter Meeresspiegelanstieg, bei 4.000 Metern durchschnittlicher Meerestiefe? Bauen wir halt Dämme, wenn es wo notwendig wird.

Sein Fazit aus der überaus reichen Erfahrung in ganz Afrika? Es gibt bis heute keinen einzigen Klimaflüchtling! Davon zu sprechen ist Unsinn. Den Afrikanern ist es schlicht und ergreifend egal, ob es heute 40 oder 40,5 Grad Außentemperatur hat. Das kümmert niemanden. Wenn, dann adaptiert man sich einfach ein wenig, so wie man es seit tausenden von Jahren gemacht hat. Alle Auseinandersetzungen, alle Gründe zu Wanderungen haben politische und wirtschaftliche Gründe. 

Kröpelin wendet sich damit vor allem gegen die panische Berichterstattung. Wo jede Serie von Hitzetagen, jeder Sturm oder jeder Hurricane zur Katastrophe hochgespielt wird. Noch vor vierzig Jahren haben wir das nicht einmal bemerkt, weil das Leben immer einen gewissen Wandel bedeutete, ein solcher einfach "normal" war! Nichts von dem, was wir heute erleben, ist eine Erfindung der Neuzeit, das hat es alles schon immer gegeben. Man könnte da durchaus von der Gelassenheit der Wüstenbewohner, ja überhaupt von deren Haltungen lernen, die Abstand von den Scheinproblemen lehren, mit denen wir uns täglich auseinandersetzen.

Daneben sind seine Schilderungen des afrikanischen Winters interessant. Denn zwar gibt es weniger Niederschläge als bei uns, aber nachts enorme Kälte. Minus 15 Grad, bei starken Winden, werden manchmal zu einem Problem. Aber die Wüste ist halt ein Extremlebensraum, so wie Hochgebirge, in dessen Mächtigkeit man sich sehr aufmerksam verhalten muß, will man überleben. Aber es ist auch ein ungeheurer Freiheitsraum, und die Bewohner dieser Zonen lieben und genießen diese Freiheit, in der sie ohne Steuerbehörden und Autoritäten leben können.






Von der Wahrheitspflicht des Journalisten (1)

Der VdZ hat schon einmal davon berichtet. Als er an einer Filmschule unterrichtete stellte er den Studenten die Frage, wie der Manipulation bei Nachrichten vorzubeugen sei. Die Antwort war aus mehreren Gründen erschütternd: Denn die meisten waren der Meinung, daß ein Aufstellen von Kameras überall und an jedem Ort das verhindern würde. Vom Aspekt der totalen Überwachung wollen wir hier gar nicht reden, der darin enthalten ist und offenbar allseits auf große Zustimmung stieß. 

Vielmehr soll es um einen schweren Grundirrtum gehen, der sich in solch einer Sichtweise verbirgt. Nämlich dem, daß die Empirie aus sich heraus Wahrheit liefern könnte! Daß es also eine Wirklichkeit gebe, die sich im "rein Faktischen" entbirgt. Nichts stimmt weniger.

Der Gedanke spielt eine Rolle, wenn man einen nächsten "Manipulationsfall" durch ein Medium heranzieht, diesmal in den Reihen des RTL. Ähnlich wie im Spiegel Monate zuvor, hat auch dort ein Reporter nachweislich Filmberichte gefälscht, die er in den Nachrichten präsentiert. Das ergab nun eine senderinterne Untersuchung, wie Tichys Einblick berichtet. Der Reporter habe vor allem damit getäuscht, indem er Archivbilder herangezogen hat, die in ganz anderem Zusammenhang entstanden waren, um im Beitrag aufgestellte Behauptungen und Nachrichten zu belegen, so daß diese Bilder als Originalaufnahmen angesehen werden mußten. 

Schon vor vielen Jahren hat der VdZ in einem Projektvorschlag (der aber nie realisiert wurde, der Förderstelle schien das offenbar zu wenig interessant, man wollte "Videokunst" oder weiß der Deibel was) aufzuzeigen versucht, daß sich mit jedem, wirklich mit jedem Bildmaterial nur durch Auswahl der Details, durch Aspekte die man zeigt, so gut wie jede Behauptung "beweisen" läßt. Mit demselben Filmmaterial läßt sich je nach Auswahl damit sowohl eine These wie ihr Gegenteil beweisen. Und Filmmaterial, Bildmaterial muß immer ausgewählt, geordnet werden, sonst hat es eine zufällige Aussage, denn die hat es immer. Ohne Weltbild kein gesehenes Bild!

In der Frage, die nun an die Medienwelt gestellt wird und die laut nach "Wahrheit, nichts als Wahrheit" schreit, weht also bereits etwas wie ein "Reinheitswahn" der Katharer und anderer Sekten mit. Mehr noch, ein "sola scriptura", das demselben Irrtum entspringt. Denn immer noch ist es das Weltbild, die Behauptung also, die erst konstituiert, was der Mensch überhaupt sieht. Der Datenempfänger muß also immer bereits vor-wissen, was an Wissen dann auf ihn eintrifft. Information ist nicht aus sich heraus Information, sondern ihr Adressat muß sie als solche auch erkennen, also vor-kennen. 

Speziell Bilder im Film haben die unselige Verführungsfunktion, sie aber für wichtiger als die Botschaft, als die Behauptung zu nehmen, die sie begleitet. Aber erst diese macht aus dem Gesehenen eine Botschaft, und erst das Gewußte aus dem Gesehenen Beleg oder gar "Beweis". An der Methode, Bilder heranzuziehen, um eine Botschaft zu belegen, ist also gar nichts Verwerfliches. Nicht einmal daran wäre etwas auszusetzen, wenn jemand eine Geschichte "erfindet", wie Relotius und wie so viele andere es beim Spiegel getan haben. Daß das zu kennzeichnen wäre, ist dabei so läßlich (und man hört zudem die Verlegenheit darin), daß es fast gleichgültig ist. (Fast; denn das hängt dann ein wenig von der Information und ihrem Zweck ab.) Das Übel an Relotius et al. war und ist nicht, daß sie ihre Geschichten erfanden oder ausschmückten. Das Übel war, daß sie inhaltlich gelogen waren beuehungsweise mit erfundenen Belegen gelogen werden sollte.

Die Kernfrage ist und bleibt also nicht, ob das Belegmaterial, sondern ob die Aussage, die Behauptung wahr ist! (Darum arbeiten ja PR-Agenturen so verbissen an "Symbolbildern", und die meisten Medien übernehmen sie unhinterfragt.) Das heißt nichts anderes, als daß sich niemand durch "Evidenz von Bildern" (oder Geschichten) darauf hinausreden kann, daß sie seine Weltbilder durch "Tatsächlichkeit" erzwängen. Vielmehr kann sich niemand die Frage ersparen, ob das, was er denkt und damit sieht, der Wahrheit entspricht. Und da stoßen wir auf ganz andere Probleme. 

Morgen Teil 2)





Sonntag, 15. September 2019

Konnotationen zu zwei aktuellen Filmen (2)

Teil 2)



Der zweite Film war "Destroyer" (2018), mit Nicole Kidman. Die den ganzen Film trägt, aber so auf völlig fertig geschminkt worden war, daß man es gar nicht glaubt. Weil es so überzogen wirkt - "Achtung, Aussage!" - daß es offensichtlich eine Drehbuchschwäche kaschieren bzw. direkt eine Drehbuchfunktion erfüllen soll. 
Auch und wieder (wie oft, wenn auch nicht immer, bei Kidman) mit viel method acting, was viele Szenen mit ihr quälend und zäh macht, man möchte ihr am liebsten einen Tritt in den Arsch geben. Diese aufgekochten Gefühle ("viel von nichts", denn etwas ist nur etwas im actu der Beziehung, also in der Geschichte, in der Handlung) sind unerträglich anzuschauen. 

Die die eigentliche Handlung, diesen Träger jeder Geschichte (und Kunst muß erzählen, das hatten wir schon), auch der persönlichen Geschichte der Proponentin, damit ständig das Geschehen unterbrechen, wie in Zeitlupe verzähflüssigen und etwas reinbringen, das man zwar mit "Spannung" verwechseln könnte, aber nur Ärger und Angst ist, daß die Figur über lauter Gefühl das Handeln vergißt. Dem Film hätte also Straffung gutgetan. Das method acting kommt bei Schauspielern freilich auch schon mal dann, wenn die Regie und/oder die Handlung nicht trägt und man "in der Luft hängt", also "irgendwas" spielt. Method acting und die oft sogar schon lächerliche Schwachheit heutiger Drehbücher - das geht irgendwie Hand in Hand.

Aber diese Handlung selbst, die ja immer ein Weg von Punkt A nach Punkt B ist, die sich mit Sinn verbinden, mit sehr vielen Rückblenden, was ich sonst nicht so mag, die diesmal aber in geschickter Verschachtelung mit der Gegenwart dramaturgisch Sinn erfüllen, ist natürlich das Interessante. Nur nicht einfach erkennbar, weil viele Szenen sehr hart sind. Und sogar das wäre typisch für schlechte Drehbücher, oder unsichere Produzenten und Regisseure. 

Auch hier also diese Sünde des Films: Sein Realismus sagt oft zu viel, man vergißt, daß sich Betrachtung im Zuseher ereignen muß, als Eigenleistung, und nur aus Sinn ergibt, der der Boden ist, auf dem alle Bilder in einem aufblühen. Die sind es ja dann, die erzählen. Oder nicht. Aber deshalb ist Andeutung oft viel wirksamer als das Auszelebrieren. 

Ich habe nach einer Stunde überlegt, ob ich mir genau das weiter antue. So viel Häßlichkeit! Häßlichkeit, die keinen dramaturgischen Sinn erfüllt ist überflüssig, genauso wie Sexszenen, die dann gleichfalls häßlich werden. Aber das kann auch mit dem method acting zu tun haben. Dann dazu eben noch die beschriebene szenarische Zähigkeit von Kidmans Spiel, das verlangt Geduld. Die letztendlich dann doch lohnt. Denn am interessantesten ist eben die Gesamtproblematik des Films, auch wenn das in den offiziellen Beschreibungen, die ich im Netz suchte, gar nicht durchkommt und man sie erst langsam erkennt: Schuld. Und die Frage, wie man sie los wird.  

So richtig klar wird das erst gegen Ende der insgesamt 2 Stunden 10 Minuten. Hm, ich kann mich ad hoc gar nicht erinnern, daß auch nur ein Kidman-Film (soweit ich sie gesehen habe) kürzer war. Vielleicht braucht man sie zum Strecken dünner Drehbücher, die auch in eineinhalb Stunden abgedreht wären? Vielleicht hat aber kein Filmkritiker so lange durchgehalten ;-)

Kidmans Figur, eine Polizeibeamtin, versucht nämlich, ihre vergangene Schuld zu bewältigen, und das heißt: los zu werden. Davonlaufen hat auch nichts gebracht. (Nur das kann der Sinn der seltsamen Geschichte sein, den die Tochter am Schluß erzählt, die Geschichte vom sinnlosen Lauf durch den Gebirgswald, einem "Ausflug", ihrer einzigen guten Kindheitserinnerung, was wir natürlich alles andere als ernst nehmen, denn das ist typischer Teenie-Quatsch.) 

Aber das kann man eben nicht ohne ein Absolutes, das vergibt. Der Schluß ist also typisch: Nachdem sie "aufgeräumt" hat, stirbt sie in einer langen Szene im Auto still vor sich hin - angeblich im Frieden, das soll das wohl aussagen, mit ihren gegen den blauen Himmel gerichteten (hellblauen) Augen. 

Wer's glaubt wird selig. So wird man mit Schuld eben nicht fertig, Hollywood, das sehr wohl (und nicht zufällig; im Abspann wird das noch deutlicher: Fast nur jüdische Namen und Produzenten) wieder einmal weiß, worum es in der Gegenwart geht, versucht also auch bei diesem Thema, eine Ersatzlösung anzubieten, die nur im Sentiment besteht, die es jedoch gar nicht gibt. Wie bei so vielen Themen, in den letzten Jahren etwa bei "Lösungen für zerbrochene Herkunfts-Familien", die auf glückliche Patchwork-Konstellation hinauslief. 

Schuld ist DAS Problem der Gegenwart. Seit je, aber heute umso dramatischer, weil jeder Entsühnungsmechanismus der Religion fehlt. Dem Judentum der Opferkult im Tempel, dem Katholizismus das Schuldbewußtsein und die Beichte. So bietet man eine neue Entschuldung an: Tretet der Neuen Moral bei, und schon löst sich die Schuld in Wohlgefühl auf. 

Interessant dabei aber immer wieder diese eine Lösung, die als Vorleistung dazu angeboten wird: Selbstjustiz. Das Fundament dieses Friedens ist also weltimmanent weil psychogen. Wem etwas nicht paßt, wer mit Schuld nicht fertig wird, der soll sich halt selbst, soll seine Maßstäbe und dazu seine Gefühlswelten "verändern". Denn eine objektive Wahrheit, eine objektive Grammatik der Realität gibt es ihnen nicht.





Tage vor einer Bewußtseinsrevolution

Das Argument, daß die Welt sich einem Schöpfer verdankt, daß hinter ihr ein Plan steckt, ist dermaßen vernünftig, daß es nicht nur wissenschaftlich weil anzunehmen, sondern wissenschaftlicher als die Evolutions-Zufalls-Thesen ist. Denn die Wahrscheinlichkeit, daß sich Leben und Lebewesen durch Zufallsmutationen entwickelt haben, ist dermaßen unwahrscheinlich und widerspricht so sehr jeder Beobachtung, daß man es praktisch ausschließen muß. Es gibt kein einziges Beispiel aus der Biologie, daß ein Lebewesen eine Mutation lebend überstanden hat, die eine fundamentale Änderung der Gestalt einerseits, und eine Beibehaltung der biologischen Funktionalität anderseits belegt. Solche Mutationen enden immer tödlich.

Dabei ist es überhaupt nicht notwendig, quasi "von der Bibel" auszugehen. Die rein biologischen Fakten weisen aus sich heraus auf eine intelligente Konstruktion hin, die jeder einzelnen Gestalt vorausgehen mußte. Je komplexer die Lebewesen werden, umso mehr. Denn mit jeder Mutation steigt mit der Komplexität die Zahl der Möglichkeiten exponentiell, sodaß wir rein mathematisch bei so unglaublichen Zahlen anlangen, daß es einfach nicht mehr vernünftig ist, solche Mutationszufallsketten in biologischen Prozessen anzunehmen.

Das soll nicht einmal eine Kritik an Darwins Idee sein, die für gewisse Anpassungsmodalitäten (Felldichte, oder Art des Gefieders) durchaus ihre Erhellungskraft haben. Aber niemals für die großen Formvarianten gelten können. Darwin wußte einfach nicht, wie komplex biologische Vorgänge selbst in kleinsten Zellen sind, er wußte nichts von Proteinen und DNA-Strängen. 

Deshalb ist es umso bitterer zu sehen, daß diese Art der Argumentation, daß diese nahezu aufdringliche Evidenz einer allen biologischen Prozessen vorausgehenden, aber in keinem rein materiellen Prozeß verortbaren Information dermaßen diskreditiert, ja aus jedem wissenschaftlichen Disput ausgeschlossen wird. Das zeigt, daß es sich hier um eine Weltanschauung handelt, nicht um wissenschaftliches Streben. Und das sagen immer mehr Biologen. Die alle dieselbe Erfahrung machen: In dem Moment, wo sie das augenfällig aussprechen, haben sie mit Schwierigkeiten, Angriffen und Versuchen zu tun, ihren Ruf zu zerstören, mit denen sie nie gerechnet hätten. Das ist der Grund, warum sich so verhältnismäßig wenige Wissenschaftler mit einer Meinung an die Öffentlichkeit wagen, die in Wirklichkeit bereits ein großer Teil der Naturwissenschaftler hat.

Aber so beginnt es immer. Das sind immer die ersten Phasen einer Wissenschaftsrevolution, wie Ludwik Fleck oder Thomas Kuhn sie in der Geschichte der Wissenschaft erkennen. Die geprägt ist von psychodynamischen Prozessen, die der Otto Normalverbraucher heute, der von der Wissenschaft als neue Wahrheitsquelle überzeugt ist, gar nicht vorstellen kann. 

In Wahrheit stehen wir also vor einer fundamentalen Bewußtseinsrevolution, die vielen gar noch nicht klar ist. Die drei Säulen des Bewußtseins des 19. und 20. Jahrhunderts sind mittlerweile eingerissen und werden auch an der wissenschaftlichen Lehre nach und nach (von Ausnahmen abgesehen) widerlegt und als überholt angesehen: Freud (der das Schuldproblem "klärte"), Marx (der die sozialen Probleme löste) und Darwin. Der einen "Ursprung der Arten" propagierte gefunden zu haben, den er aber gar nicht gefunden hatte. Denn er hatte nur einleuchtende Gründe für Anpassungsveränderungen gefunden, keinen einzigen Grund aber für den Ursprung komplexer Arten. Der Ort, wo sich der Glaube an diese drei Säulenheiligen der Gegenwart derzeit aber noch hält ist ... das Bewußtsein des kleinen Mannes, der Medien, der Öffentlichkeit. 

Und ... bei zahllosen Wissenschaftlern, die in Maximen großgeworden sind und nichts anderes kennen wollen oder können, die wissenschaftlich einfach nicht zu halten sind. Ist es deshalb ein Wunder, daß sich der Impuls zuletzt zunehmend gegen die Präposition der Vernunft in der Wissenschaft selbst richtet? Hat man dafür nicht schon einen Begriff, den der "postnormalen Wissenschaft"? Die um einer Anschauung, einer Moral, einer Handlungsmaxime willen das Vernunftprinzip aus der Wissenschaft verbannt haben will? Und, hat nicht so der definitive Niedergang der muslimischen Welt begonnen, die seit dieser Entscheidung im 11. Jahrhundert auf das Stadium von konsumistischen Nomaden zurückgefallen ist. 

Was muß also passieren? Die drei prominenten Wissenschaftler und Buchautoren aus England und Amerika im Gespräch sind sich nicht sicher. Es könnte noch lange alles beim Alten bleiben. Es könnte aber auch zu einem plötzlichen Umbruch kommen. In jedem Fall kann man vermuten, daß sie noch lange im Gedächtnis der Menschheit bleiben.







Samstag, 14. September 2019

Konnotationen zu zwei aktuellen Filmen (1)

(Direkter Übertrag aus dem Tagebuch, weil der VdZ nach einer längeren Reise zu erschöpft war, daraus einen formgerechteren Artikel zu machen.)
 
Gestern am Abend noch zwei gute Filme erwischt, wieder: Zufall.
Erst "La Cordillera - Das Komplott" (2019), über südamerikanische Politik und Politiker. Wo sämtliche südamerikanischen Staaten eine gesamt-südamerikanische Öl-Fördergemeinschaft gründen wollen, um aus dem globalen politisch-wirtschaftlichen Öl-Problem auszusteigen. Mit dabei seltsamerweise Mexico. Das ist die einzige Unschlüssigkeit des Films, denn Mexico ist ein mittelamerikanisches Land. Und die Hereinnahme der mittelamerikanischen Länder, die sonst gar nicht auf dem Gipfel der Staatspräsidenten vertreten sind, aber sowieso als amerikanische Vasallen deren Interessen gefügig sind, soll dann eine wichtige Rolle spielen.
Großartig wird der Film, wenn man sieht, wie man es geschafft hat, den Teufel ahnbar und im Ahnen erkennbar zu machen, als sähe man ihn. Weil man ihn in konkreten Dingen sogar aufzuspüren vermag. Um damit zu zeigen, wie politische Korruption in privater Schuld und diabolischer Dynamik gegründet ist. Am Ende dient alles den Amerikanern (die hier wohl als personifizierter Teufel zu verstehen sind) und ihren Konzernen. Das je eigene Volk wird dann nur mit Schein abgespeist - "Vorsitz über die Organisation", Ehrentitel für den Präsidenten ... das läßt sich gut verkaufen. 

Der einzige, der unnachgiebig zu seinem Land steht, im Film der Präsident Brasiliens, wird durch geheime Hintergrundabsprachen ausgetrottelt und man kann erahnen, daß die USA ihn aus dem Amt putschen werden. (Direkt gesagt wird es aber nicht. Der Film beruft sich deutlich erkennbar auf eine Art "weltweite Bewußtheit der Machinationen der USA und des CIA".)

Dabei hat der angebliche Saubermann, der frisch gewählte Präsident Argentiniens, ein Mann wie Du und ich, so trat er zur Wahl an, ohne Geschichte, privat Milliarden kassiert und sein Land verkauft. Langsam wird deutlich, daß er eben genug und buchstäblich sogar Leichen im Keller hat. Nur hat er es geschafft, alles geheim zu halten: Niemand weiß etwas über ihn. Außer auf seltsame, übersinnliche Weise - seine Tochter. Aber auch das bleibt nur angedeutet, wird nie direkt ausgesagt. 

Toll vor allem, wie es geschafft wurde, Symbolik - etwa im Pferd, das den argentinischen Präsidenten ansieht, und das wie eine Konkretisierung seiner dunklen Vergangenheitsgeschichte, die mit einem Pferd zu tun hat, wirkt: als tauchte es aus dem dunklen Hintergrund der bösen Geister auf - in seiner Verschwommenheit mit der konkreten Wirklichkeit und Geschichte zu zeigen. Denn die Welt ist in sich Symbol und es ist Wirklichkeitserhellung, das zu begreifen. Dann kann man es tatsächlich und real sehen. Denn man sieht nur, was man erkannt hat. Aber das ist mehr als bloße Rationalität. Diese gründet vielmehr in einem Vor-Wissen über die Wirklichkeit. 

Diese Verwobenheit will der Film (wie jedes Kunstwerk, denn das ist die Ebene, die die Dingwelt konstituiert) offensichtlich machen. Das Wirkliche ist zwar selbst unsichtbar - auch im Film spielt deshalb der Hintergrund, das Verborgene die eigentliche Hauptrolle - aber es wird im Symbolsehen sehr wohl sichtbar.

Morgen Teil 2)




Roland und Achim

Nicht Dick und Doof, sondern die Österreicher haben die Doppelkonference im Kabarett regelrecht erfunden. Also lieben wir sie auch, wenn sie in Deutschland mal funktioniert. Wie hier bei Roland Tichy und Achim Winter. Anders als mit Sarkasmus und Ironie kann man dem Schwachsinn, den die Klimahysterie ausgelöst hat, nicht mehr begegnen. Sachliche Argumente sind alle vorgebracht, sie haben keine Wirkung gezeigt. Die Darsteller auf den öffentlichen Bühnen sind allesamt zu Figuren einer burlesken Komödie geworden, ihre Politik besteht nur noch darin, das Volk auch auf die Bühne zu kriegen. Also kommt als nächste Generalstufe das Kabarett, um dann von einer kurzen Phase des Dadaismus abgelöst zu werden. Auf dieser Tabula Rasa, die generell im Denken weil in der Sprache keinen Sinn mehr sieht, wird sich dann völlig Neues, diesmal aber ganz Ernstes, Wahres aufbauen ... Das hatten wir in den 1930er-Jahren ja schon.







Freitag, 13. September 2019

Typisch heißt unausweichlich? Wenn man es zuläßt.

Es ist zu typisch, um hier nicht erwähnt zu werden, und wird von einem zarten Applaus begleitet, auch wenn mehr als symbolische Wirkung von der Wortmeldung des US-Finanzministers Steven Mnuchin kaum anzunehmen ist. Denn den Mumm, wirklich etwas zu tun, wird niemand aufbringen.

Mnuchin aber sagt nur die schlichten Worte: Amazon hat den Einzelhandel ruiniert.

Mehr gibt es zum Kapitalismus kaum zu sagen. Einen Markt völlig sich selbst zu überlassen, wie es die angeblich "freiheitsliebenden" Liberalen fordern, ist für einen Staat eine schwere Pflichtenverletzung. Und dient nicht dem Gemeinwohl. Es kennt am Ende nur noch einen Sieger: Den Brutalsten, den Skrupellosesten, den Stärksten.

Die Gegenworte von Amazon? Nein, man habe nichts vernichtet. Man habe nur ... "ersetzt". Geht es noch dümmer? Nein. Heute sind alle schon so dumm.





*250719*

Von Stalin, Hitler, und deutschen Mythen-Verkäufern (3)

Teil 3)



Vieles, was die Geschichtsschreibung der Gegenwart als Versagen der Roten Armee - und damit vor allem Stalins - bezeichnet, ist in Wahrheit also ganz anders zu deuten. Die Zusammenschau heute offenliegender Dokumente von Wehrmacht und Roter Armee zeigen, daß vieles, was traditionell als Versagen der Roten Armee ausgelegt wurde, wie so manche wie eine sinnlose Verzweiflungstat aussehende Konterattacke, in Wahrheit und auf mittlere Frist die deutsche Wehrmacht im Ganzen substantiell und sehr treffend schwächte. Bis sie reif war, gepflückt zu werden. Die Verluste der Wehrmacht in der letzten Kriegsepoche Sommer 1944 bis Mai 1945 waren so hoch, wie in all den Jahren zuvor zusammen. Zufall? Versagen des längst todkranken Führers? Eben nicht. Strategisches Gesamtversagen, vielmehr. Und vor allem: Klugheit Stalins. Den noch 1945 sowohl Churchill als Stalin in privaten (sic!) Briefen an ihre Frauen als äußerst charmanten, klugen, ja liebenswerten Genossen beschrieben haben.

Alleine der Umstand, daß Stalin die Wehrmacht zu ständigen Bewegungen und Umgruppierungen zwang war genial. Denn so schwächte er die Offensivkraft der Angreifer entscheidend. Was man Stalin also als "Vergeudung" und "menschenunwürdige Opfertaktik" vorwarf, ist in Wahrheit (nach den gigantischen Anfangsverlusten) seine einzige und richtige, ja kluge Strategie gewesen.  Ja, selbst eine Armee von einer Million Soldaten (wie in der Ukraine 1941) in die Gefangenschaft zu schicken war in Wahrheit eine kluge, substantielle Schwächung Deutschlands, denn man versorge mal eine Million Kriegsgefangene!* Und genau darin - das so phantastische Groß-Deutschland von 1871 hat sich NIE selbst versorgen können, und kann es bis heute nicht - hat es den Gegner so geschwächt.

Die Wehrmacht im Frühjahr 1942 vor Moskau war nicht mehr dieselbe Wehrmacht, die im Dezember 1941 vor Moskau lag. Sie war entscheidend ausgedünnt, geschwächt, weil logistisch absurd deutlich unversorgbar. Bitte, welcher Idiot schickt eine Armee im Dezember bei erwartbaren minus 20 Grad in Feldblusen in die Schlacht?! In Deutschland hat man als Reaktion die Frauen aufgerufen, Fäustlinge für die Soldaten zu stricken, und ihre Pelzkrägen zu spenden ... klingt das nach Vernunft und Ordnung?

Stalin hat nur den Deutschen nicht den Gefallen einer "Entscheidungsschlacht" geliefert, wie die deutsche "überlegene" Strategie seit Gneisenau und Scharnhorst als Bedingung für einen erfolgreich zu führenden Krieg befand. Und niemand überhaupt je. Kraft der deutschen "überlegenen Strategie und Tüchtigkeit" hat Deutschland seit 1871 jeden Krieg desaströs verloren.  Am Anfang ja, da kostete seine Strategie viele Tote. Aber ab 1944 begann die Rückzahlung. Dann waren die Verluste der deutschen Wehrmacht desaströs. Jede Stunde starben 1944 bereits tausend deutsche Soldaten, Tendenz dramatisch steigend.

Von Anfang an hat die "Operation Barbarossa", also der Angriff auf die Sowjetunion, monatlich drei Divisionen gekostet. Im Durchschnitt. Schon von Anfang an, also ab Juni 1941, war die Wehrmachtsführung nicht mehr in der Lage, die Verluste an Soldaten durch Nachschub auszugleichen. Was wäre also die richtigere Strategie für Stalin gewesen, als die Wehrmacht auszubluten, und auf den geeigneten Moment zu warten, sie zu vernichten? Damit hat er sogar den Krieg entschieden, ja fast im Alleingang geführt. 52 Prozent aller deutschen Verluste an Soldaten entstanden in Rußland.


Ja, sagt Kotkin, die sowjetische Armeeführung hat enorme Fehler gemacht. Aber sie war immer in der Lage, die Verluste auszugleichen, das war die Wehrmacht von Anfang an nicht. Stalin aber war nachweislich von Anfang an in der Lage, den Verlauf des Krieges exakt vorherzusagen.









*Selbst noch im Mittelalter, ja bis ins Barock, hat man genau deshalb die Krankenhäuser VOR die Stadtmauern verlegt. Nicht wegen "Ansteckung", davon wußte man damals ja noch gar nichts. Aber so hat man einen angreifenden Feind über das Mysterium Krankheit, Fluch und Ekel, aber auch über Mitleid und Hoffnung auf milde Behandlung eines selbst bei Verwundung beschwert. Auch deshalb hat man nämlich Verwundete immer sehr barmherzig behandelt. Nicht nur, weil es in den Kriegen früher nur um die Ausschaltung der Kampfeskraft des Gegners ging, dann war der Konflikt beendet.




Donnerstag, 12. September 2019

Täuschungen Täuschungen Täuschungen

Glauben Sie, geneigter Leser, wirklich an ein Internet der frei verfügbaren Information? Wenn man bedenkt, was Information IST, dann sollte man sich diesen Glauben nämlich rasch abschminken. Denn es gibt gar keine Möglichkeit, das Internet so einzuschränken, daß es Wahrheit und nicht bereits vorgeformte Anschauung präsentiert. Denn weil Information immer zweiseitig ist - der Informierte muß wissen, was entsprechende Information ist, BEVOR deren Daten eintreffen, also Information werden - ist sie in der Ebene der Informationsvermittlung immer gestaltet. 

Diese Tatsache machen sich Agenturen wie die Cambridge Analytica Corporation zugute. Sie analysiert aus zahllosen Datenspuren, die wir im Internet hinterlassen, die Kriterien, nach denen wir "ticken", also Information aufnehmen. Und versuchen dann, uns zu einer emotionalen Verfaßtheit zu bringen, in der wir irrational reagieren. Je nachdem, ob ablehnend oder zustimmend, ob aktivierend oder passivierend, je nach gewünschtem Effekt, versuchen so Politik und Wirtschaft, die Menschen weltweit zu "steuern".

Je nach erwünschtem Zweck ist auch der Mitteleinsatz gewählt. Das geht von einfachen Mediennachrichten (die heute fast nur noch über internationale, ja globale Agenturen erstellt werden) über die bekannten social media, oder bleibt überhaupt im Dunklen, wenigstens solange der nunmehr vielleicht Erpreßte tut, was die Erpresser von ihm verlangen.

Das alles wird in diesem Investigationsvideo ganz offen zugegeben, ja Cambridge Analytics brüstet sich sogar damit. Und zeigt eine Fülle von Handlungsebenen und -möglichkeiten auf, die von der Einschaltung von dritten Ebenen (Geheimdienste aller Art, ehemalige Agenten, Subunternehmer usw.) bis zu direkter Erpressung reicht.

So nebenbei: Die geoffenbarten Vorgangsweisen decken sich dermaßen exakt mit den Vorgängen rund um das legendäre "Ibiza-Video" aus Österreichs Politikniederungen, daß man schon ein wenig nachdenklich wird.







Von Stalin, Hitler, und deutschen Mythen-Verkäufern (2)

Teil 2)



Wenn Deutschland den Krieg verloren (nicht Rußland ihn gewonnen) hat, wird aber auch Stalins Rolle gar nicht begreifbar. Sie wird immateriell, gewissermaßen. Und das entspricht so überhaupt nicht der Realität. Man sagt in Zeiten wie diesen, wo Geschichte als materialistischer, mechanistischer Ablauf von Umständen und (auch sozialen) Gegebenheiten gedeutet wird, vielfach, daß Geschichte nicht von Männern, sondern von Umständen gemacht werde, zu denen zufällig Männer dazustoßen. Das ist ein Irrtum.  Ja, es gibt diese Faktoren - Wohlstand, Geld, Demographie, Landschaft, Geographie, Rohstoffe etc. Aber das alles bewegt sich nicht von selbst! Es sind immer noch einzelne Männer, Politiker, die dann mit diesen Umständen umgehen und Geschichte formen.

Ja, Stalin war schlecht auf das Unternehmen Barbarossa im Juni 1941 vorbereitet. Er wußte NICHT, was Hitler vorhatte, der Mythos vom großen Spion ist erfunden, und der Informationsstand der innersten Kreise in Moskau war nicht besser genährt als die Gerüchteküche in Berlin, Bunkelsburg an der Kleinen Fitzel, oder Paris an der Großen Seine. Der für die damalige Zeit fast gigantisch-überlegene Rüstungsstand der Roten Armee, mit grotesk hohen Beständen an Kriegsmaterial - denn Stalin hatte seit den frühen 1930er Jahren Deutschland (und überhaupt dann Hitler) "erwartet", allein die Zahl der Panzer war der der deutschen Wehrmacht um das Achtfache überlegen - waren durch eine inkompetente Führung strategisch so stumpfsinnig postiert, daß sie im echten Angriffsfall wertlos und leichte Beute waren. 

Korrigiert hat das Stalin sofort, und selbst, so schnell es halt ging. Indem er die nächsten Führungsoffiziere austauschte, als er deren desaströses Vorgehen sah, und jene fähigen Männer berief, die dann einen Schritt nach dem anderen die Wehrmacht zertrümmerten, indem aus einer fast schon verlorenen Position heraus die Rote Armee zu der Kampfkraft regenerierte, die sie dann darstellte.

Der schlechte Ruf, den Stalin als oberster Kriegsherr nach dem Krieg bekam, führt sich - wie bei Hitler - auf den Umstand zurück, daß die Memoiren der Offiziere erst nach dem Tod des obersten Despoten erschienen. Neben der Brauchbarkeit dieses Mythos für die späteren Sowjetführer, wie Chruschtschow, die den Rückstand des Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus - gegen alle Vorhersagen des Marxismus - so wunderbar begründeten.

Wo alle russischen Offiziere, die etwas auf sich hielten und noch ein wenig mehr Pension ergattern wollten - genau wie die deutschen zehn Jahre zuvor (bei Siegern wie den West-Alliierten sind es ohnehin immer die Chefs, und, wenn auch etwas zurückgestuft, auch alle ihre Untergebenen, die genial sind) - entdeckten, daß sie in Wahrheit Genies waren, die nur wegen der Unfähigkeit der obersten Führung nie ihre Fähigkeiten ausspielen konnten. Erst mit der Zeit wurde die Einschätzung der Leistung Stalins im Großen Vaterländischen Krieg etwas gnädiger, und zwar dort, wo Offiziere beweisen wollten, daß er "auf ihre Meinung gehört" habe. So wird auch aus einem simplen Brigadeoffizier ein Großgott.*

Der Mythos vom unfähigen Tyrannen Stalin ist gut konstituiert und sehr nützlich, aber er hat ein Problem: Er ist nicht wahr.  Die bisher bekannt gewordenen Dokumente zeigen, daß die Sowjetführung nicht weniger als die in England und Frankreich (in sechs Wochen kapitulationsbereit), mit der von Deutschland initiierten Blitzkriegführung nicht umgehen konnte. Und einige Zeit brauchte, um mit der deutschen Deutung des Krieges - es ging nicht mehr um Herrschaft über ein Land, um abgrenzbare, definierte Ansprüche und strategische Ziele, sondern um die Zerstörung der Lebenskraft von Ländern und Völkern überhaupt - umgehen zu lernen. 

Leider haben alle sehr bald von Deutschland gelernt. Das es selbst von Napoleon gelernt hat. Der hat vorexerziert, nicht zum ersten, aber für Deutschland (siehe die Armeereformen unter Gneisenau und Scharnhorst in Preußen, das daraufhin ganz Deutschland zusammenraubte) zum entscheidenden Mal: Es geht nicht um Armeen, um Kanonen und Panzer, es geht um die umfassende Lebenskraft einer Kultur.

Es gibt viele Kriegsdokumente der sowjetischen Kriegsführung von damals nicht mehr. Es gibt aber bei uns viele Dokumente deutscher Offiziere, die beweisen sollen, daß die Rote Armee unter Stalin inferior war. Aber vieles an Gegendokumenten der sowjetischen Seite wurde durch die ersten Niederlagenereignisse vernichtet, vieles auch gezielt zerstört, weil Realität für die Offiziere, vor allem auch für deren weitere Vorgesetzte, gefährlich werden konnte. 

Das gilt auch im umgekehrten Sinn, speziell bei deutschen Kriegsdokumenten, die die Kompetenz der Führungskräfte belegen sollte, trotz allem. Da ein ausgewogenes Bild zu rekonstruieren ist nicht immer leicht, sagt Kotkin. Aber eines läßt sich mit Sicherheit sagen: Die Rote Armee kämpfte gut, und sie kämpfte mit Heldenmut und enormem Heroismus. Die Verlustzahlen in Gegenüberstellung (man denke an die Panzer-Schlacht bei Kursk im Juli 1943, sicher die entscheidende Schlacht des gesamten Zweiten Weltkriegs, wo die Rote Armee zwar viermal so viele Panzer verlor wie die Wehrmacht, aber die Deutschen zum Rückzug zwang und für die darauffolgende Gegenoffensive fast wehrlos machte) täuschen. 

Denn die Rote Armee hatte einfach eine andere Strategie, wo einfacher aufgestelltes Material taktisch weniger Einzelwert hatte. Ein T34-Panzer kostete nicht den Bruchteil eines deutschen Panzers IV oder gar eines Tigers. Das war einfach anders gedacht! Eisen, Rohstoffe, Öl waren in der Sowjetunion anders als in Deutschland unbeschränkt vorhanden. Letztendlich waren es somit erneut die Deutschen, die den Krieg ihres Zeitalters nicht begriffen haben. Wie zur Zeit Napoleons.


 Morgen Teil 3)



*Ach ja, der VdZ kann davon ein Lied unter anderem aus seiner Zeit als Unternehmer singen. Wo Erfolge in Wahrheit - vergesse der Leser das nicht - das Verdienst von Angestellten und Untergebenen sind. Und zwar ausschließlich. Dann hat etwa der Verkäufer (der sowieso in den allermeisten Fällen) die Firma am Leben gehalten. Alles Fehlgegangene aber ist auf das Versagen des Chefs zurückzuführen. Im Übrigen ist das die einzige "Leistung", die der Liberalismus - "alles nach seiner Kompetenz", also nicht nach dem Sein, nicht erst Sein, Wesensvorgabe, also Ort, dann Handeln - zuwege bringt. Subversion vom Feinsten. Und vom Blödesten außerdem. Liberale sind eben strunzdumme Schwätzer, die auch immer wissen, wer an ihrem Scheitern schuld ist. Sie sind es nämlich sicher nicht.




Mittwoch, 11. September 2019

Zerstörung des Eigentums der anderen

Vereinfacht gesagt, bedeutet Sozialismus stets die Umverteilung der Produktionsmittel, das heißt die Verteilung von Eigentum an Kapital von den diese Besitzenden zu den diese Nicht-Besitzenden auf der Basis eines neu definierten Geburtsrechts, nämlich dem der "Alle sind Gleichen". Alle Produktionsmittel sollen damit an den Staat fallen, der mit ihnen den Wohlstand aller planen und lenken soll. Das aber ist der sicherste Weg, Produktivität zu zerstören.

Ludwig von Mises hat es einmal noch spezifischer definiert: Er nannte den Sozialismus sogar einen Destruktionismus. Dieser, schrieb er, ist das eigentliche Wesen des Sozialismus. Er produziert nichts, sondern konsumiert nur, was eine soziale Ordnung, die auf dem individuellen Privateigentum an den Produktionsmitteln basiert, bereits geschaffen hat. Er bezieht sich also immer auf ein bestehendes Gut, auf bestehenden Wert.

Eine aktuelle Umfrage hat ergeben, daß sich bereits 86 Prozent der Bewohner der westlichen Länder eine sozialistische Staatsführung wünschen. 

Der Fehler des Liberalismus ist nicht prinzipiell, diese Umverteilung zu kritisieren. Sein Fehler ist, daß er meint, daß sich die Produktivität der Menschen am Eigennutz orientiert. Denn damit legitimiert er geradezu den Haß der Menschen auf den, der mehr Eigentum besitzt. Und sich daraus allein eine gerechte Ordnung ergeben würde. Aber er fordert damit nur das Recht des Stärkeren, und das heißt auch des Unmoralischeren, des Skrupelloseren, und NICHT den Produktiveren, Schöpferischeren. Damit legitimiert er groteskerweise gerde jenen Sozialismus, den er kritisiert. 

So daß er nur die ihm im freien Spiel der Kräfte überlegenere Kraft abwehren will, indem er die Freiheit um diese eine Möglichkeit beschränkt wissen möchte, die ihm gefährlich werden könnte.





Von Stalin, Hitler, und deutschen Mythen-Verkäufern (1)

Da wird es so manchen auf seinem Schaukelstuhl Reihe 6 Sitz 5 zusammenstauchen, aber die Thesen des britischen Historikers Stephen Kotkin (im Video am Ende der Konnotationen), der einige Jahre in der Sowjetunion lebte, um nunmehr die Archive zu studieren, soweit sie schon geöffnet sind, zertrümmern manches, was der gesunde Deutsche so vor sich hinglaubt. Der sich auch hier als kaum mehr als gefundenes Propagandafressen für die Amerikaner sehen und begreifen muß, wo diese zur Glorifizierung ihrer Kraft und Stärke auch die Brillanz der Hitler-Deutschen Wehrmacht ins Mystische aufgeblasen hat. Tatsache ist, so Kotkin, daß der zweite Weltkrieg nicht durch deutsche Überlegenheit von der Sowjetunion gewonnen wurde, daß also der Ausgang des Krieges 1945 "nur" den leeren Räumen oder dem schrecklichen russischen Winter oder sonstiger unerwarteter, ja schicksalshafter Unbill zuzuschreiben war, sondern ... der trotz allem Sonstigen, ja Schrecklichen dem Genossen Stalin zuzuschreibenden Schläue und Brillanz zu verdanken ist.

Es ist viel, was Kotkin zurechtrückt, und er tut es sehr plausibel. Das Studium seiner auf drei Bände angelegten Biographie über Josef Stalin (von denen zwei bislang erschienen sind) scheint angebracht, denn in einigen Youtube-Videos läßt sich bereits vorausahnen, daß sich so manche erhellende Tatsache daraus ergeben sollte, die mit anderen Erkenntnissen - auch über Hitler, auch über das Deutschland zu jener Zeit, insbesondere über seine geistige Verfassung unter und im sogenannten "Nationalsozialismus" - recht nahtlos zusammenstimmen könnte.

Ebenso wie mit der in der heutigen Situation immer deutlicher sichtbar gewordenen, also allmählich Gewißheit werdenden Einsicht in die deutsche Verfaßtheit, die etliche Mythen in Luft auflöst. Geordnetheit, Organisation, Korrektheit, Hitler als inkompetenter, ja idiotengleicher Heerführer ... Mythen. Propaganda. Selbsttäuschung. Nichts davon ist wirklich wahr. Deutschlands Soldaten hätten den Krieg nicht gewonnen, wenn man ihnen die Chance dazu gegeben hätte, wie es oft heißt. Und wenn man sich ein wenig tiefer in die Materie einliest kann man das nur bestätigen. Schon den Krieg anzufangen - und das war auch die Ansicht des obersten Chefs der Wehrmacht, Generaloberst Ludwig Beck, der aus diesem Grund 1938 sogar den Dienst quittierte beziehungsweise von Hitler abgelöst wurde - war der vorhersagbare Anfang vom Ende. Aus Vernunftgründen.

Deutschland war aber mehr noch, und das ist wohl wahr, seit seiner "Gründung" 1871 (und König Ludwig II. wird dem VdZ da heftig Beifall klatschend aus seinem bayrischen Grab heraus zustimmen) ein aufgeblasener, sich ins Uferlose selbst überschätzender, übersteigernder, ja in Wilhelm II. überschlagender Mythos, den die Wirklichkeit nie getragen hat. Es war aber noch mehr. Es war seit je ein Land der Desorganisation, des Kompetenzwirrwarrs, des verworrenen, idealistisch überstiegenen, subjektivistischen Denkens, das einen besseren Eindruck nur mit extremer und ineffizienter Kraftaufwendung herbeikünsteln konnte. 

Man denke heute nur an die Energiewende, wo mit Milliarden, ja Billionen Einsatz ein Effekt herbei illusioniert werden soll, den die Wirklichkeit aus dem Ergebnis realen, politischen Handelns gar nicht hergibt. Man denke an die bedrückende Medienlandschaft, die wie ein "betreutes Informieren" daherkommt, als ginge es um die psychische Korrektur von hundert Millionen Menschen, und die Täuschung von sieben Milliarden Nicht-Deutschen, mit den Deutschen hätten sie es mit Heiligen zu tun.

Kotkin zuzuhören kann hier Gutes tun. Es kann aufreißen, erhellen, ernüchtern, es kann von manchem heilendes weil wohltuendes, Spannung nehmendes Gegengewicht gegen einseitig-angespannte Überlastung eines noch mit dem letzten Schnaufer hochgestemmtes, aber gar nicht gedecktes Selbstbild herstellen. Denn das Selbstbild jeder Gegenwart ist auch - ja vor allem - Produkt des Geschichtsbildes. Und das ist bei uns Deutschen alles andere als ausgewogen. (Klagelied Ende.) 

Die Sowjetunion unter Stalin war im Krieg 1941 bis 1945, dem "Großen Vaterländischen Krieg", wie er in Moskau genannt wird, weit tüchtiger, als die meisten Militärhistoriker uns weismachen wollen. Stalins Säuberungen 1936 bis 1938 haben sogar die vormals so dominante Inkompetenz (man lese doch nur Solschenizyn und sein "August 1914") in der russischen Armee korrigieren sollen. Denn Stalin war keineswegs ein Trottel. Er sah viel, wenn er auch viel desinformiert wurde. 

Denn das Übel der Kommunisten war das Übel aller Propagandisten: Sie glaubten, was sie verkündeten. An anderer Stelle weist Kotkin deshalb darauf hin, daß die inoffiziellen, streng geheimen Protokolle und Dokumente, die er fand, zu seiner eigenen Überraschung DENSELBEN Ton hatten, dieselben Inhalte, wie die Propaganda verkündete. Da war kein "für die da draußen sagen wir so - wir wissen es aber anders". Die kommunistischen Kader und Führer haben unter sich genauso geredet, wie sie es in den Rundfunkansprachen, in Zeitungen und auf Plakaten taten.

In einem anderen Buch stellt Kotkin deshalb den Zusammenbruch dieser einst der USA gleich starken Weltmacht auch als Treppenwitz der Geschichte dar: Gorbatschow und seine Umgebung haben es im Gegensatz zu den Vorgängern nur "ehrlicher" gemeint. Und waren damit den Tücken eines verfehlten, irrigen Welt- und Menschenbildes endgültig auf den Leim gegangen. Den weichen, menschlichen Kommunismus GIBT ES NICHT, an den aber Gorbatschow et al. geglaubt haben. Mit anderen Worten: Gorbatschow war so dumm, wie er aussah. Kommunisten sind so verblödet, wie man sie einschätzt. Das war der Grund, warum der Zerfall der UdSSR so überraschend ohne Weltkriege und Kollateralschäden über die Bühne gegangen war. 

Morgen Teil 2)