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Montag, 25. Juni 2018

Hier würde es beginnen

Der Baumarkt Hornbach - bekannt für seine unsäglich schlechte Werbung, aber wen kümmert das? - hat in Österreich für sämtliche Baumarktmitarbeiter eine sechste Urlaubswoche sowie eine Erhöhung des Grundgehalts beschlossen. 

Herrschaften, so würde eine Gesundung einer Wirtschaft beginnen. Was immer von Hornbach zu halten wäre - die Richtung ist bemerkenswert. Und konterkariert all die Allgemeinwissenspruntzer, die ständig auch in den Änderungen nach "Staat!" rufen. 

Nein. Moral und Gerechtigkeit beginnt immer individuell.





*060618*

Repräsentanten von Österreich?

Der VdZ hält jeden Kommentar zum Zustand des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich (ORF) zurück. Es ist hart, so vordrängende Pferde zurückzuzurren, aber es soll gelingen. Dieses ist das Video des Interviews des sogenannten "Anchor-Man", also der angeblich besonders vertrauenswürdigen, erfahrenen Vorbildfunktion in der Funktion des Journalismus in einem TV-Sender. Er sagt auch nichts zu Vladimir Putin, denn er ist völlig klaren Bewußtseins darüber, daß dieser Mann die Interessen Rußlands vertritt, und wie! Nicht die Österreichs, nicht die der EU. DAS ist es, was Respekt verlangt. 

Was von so grotesken Figuren wie Armin Wolf zu halten ist, möge der Leser selber entscheiden. Putin zieht diesen geistlosen ORF-Proponenten aber bis auf die Unterhosen aus. Typisch, daß Pappfiguren das nicht bemerken. Der VdZ sagt der Welt offen: Solche Leute SIND NICHT ÖSTERREICH. Warum das von Relevanz ist? Dazu kommen wir gleich.


Sonntag, 24. Juni 2018

Die schöne Gestalt als Ort der Wahrheit

Es ist die Gestalt, die entscheidend ist, und in der sich letztlich (und auf eine Weise) alles in Ästhetik auflöst. Es ist die Gestalt des (eigenen) Leibes, die sich auch die Sprache wählt und wie in einem großen gemalten Bild zu einem ästhetisch als "gut" empfundenen "Weltbild", zu Sichtweisen, zu Ansichten zusammensetzt. So spricht dann der Mensch, so denkt dann der Mensch. Der durch alle Ebenen durchgeht, vom Vegetativen bis zum Geist. Und über den Willen auf jeder dieser Ebenen deren Entsprechung manifestiert. In der Bewegung ebenso, wie im Denken, weil Sprechen.

Deshalb muß und kann man von der Einheit von Wahrheit - Güte - Schönheit sprechen. Denn sie sind letztlich immer Entsprechungen innerhalb einer in sich geeinten Gestalt.

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Diese Gestalt ist aber zuallervorderst eine "Hinspannung - auf". Ist also zuallervorderst auf ein Außen ausgerichtet, auf das hin sie ausgespannt ist. In dieser Hinsicht ist also Ortega Y Gasset zuzustimmen, der den Menschen als "utopisches Wesen" definiert. Hört diese Hinspannung auf, fällt der (nunmehr invertierte) Mensch in Formlosigkeit. Seine Gestalt beginnt konturlos zu werden und verschwimmt letztlich. Sie kann also nur empfangen werden. Der Tote zeigt es. Nur die Hinspannung - auf läßt also Gestalt überhaupt Form tragen.

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Die Fragmentierung der Gestalt durch Kategorien der Nutzbarkeiten, der Befriedigungseffekte vor allem, wie sie bei der Leiblichkeit zu beobachten ist, ist eines der schlimmsten Übel der Gegenwart. Und selbst hier zeigt sich das Übel der mangelnden Sittlichkeit, denn eine solche überwältigt das Urteil.

Wer noch wissen will, was schön ist, sollte deshalb besonders aufmerksam auf die Wahl der Kinder achten. Wo diese Fragmentierung der wahrgenommenen Gestalten, die im Laufe des Heranwachsens so gut wie immer entsteht (weil umso mehr kulturelle Aspekte eine Rolle spielen), noch nicht oder zumindest weniger ausgeprägt ist. Weil sie noch mehr in Konturen sehen. Und Konturen können nur ein Ganzes zeigen.

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Kinder zeigen sogar noch ein anderes Kriterium, die im Wesen des Bezugs des Menschen zum Schönen hin besteht: Die des Tremendums, des "schönen Schauers", der Furcht vor dem Schönen. Das Schöne verlangt nämlich aus sich heraus die Distanz.

Die Erziehung zur Distanzlosigkeit, ja die Lüge, daß Distanzlosigkeit mit Gutheit in eins falle, ist deshalb immer eine aggressive Verwüstung der Schönheit. Und bewirkt im Schauenden eine Fragmentierung seines Insgesamt.

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Man kann das sogenannte "Psychische" (oder in dem Fall auch: Psychologische) durchaus als ständig aktiven Versuch betrachten, diese Einheit wiederherzustellen. Denn jeder Moment ist Begegnung mit der Welt, und jeder Moment deshalb neuer Anstoß zur inneren Bewegtheit und damit Unausgewogenheit. Es ist somit eine Emanation der Lebendigkeit, und in dieser wiederum eine der Einheit der Gestalt. Weshalb alles stirbt, vergeht, "durchdreht", wo es zu keiner Bewegtheit durch Begegnung mehr kommt.





*180618*

Noch einmal

So clever, so gut ausgedacht so manche Verschwörungen, so manche bösen Absichten auch sein mögen. Sie werden niemals in der Lage sein, ein so konsistentes Ganzes hervorzubringen, daß dieses in der Lage wäre, WIRKLICH eine Gegenordnung gegen Gottes Vorsehung zu schaffen. Das Übel mit allen bösen Absichten ist, ja das Übel des Bösen überhaupt ist, daß es in sich widersprüchlich ist.

Wir machen oft den Fehler (wobei: ist es ein Fehler? Steckt nicht etwas ganz anderes dahinter? Etwas das mit uns, nicht mit der Natur des beurteilten Objekts zu tun hat?) dem Geschehen, das gegen das Sein gerichtet ist, eine Stimmigkeit in sich zuzuschreiben, die dieses niemals hatte, niemals hat, und niemals haben wird. 

DAS ist das Übel mit allen Verschwörungen, und mit allen Verschwörungstheorien. Sie gehen von einer Logizität aus, die nicht real ist. Weil sie niemals real sein kann. Die nur mit "Richtigem" arbeitet, aber niemals mit der Wahrheit.

Deshalb soll und kann und muß man Verschwörungen beachten, keine Frage. Aber es ist erbärmlich falsch, ihnen ein Gewicht beizulegen, das sie NIEMALS haben werden weil haben können. Das Böse hat nämlich keine Substanz. Es "gibt" es nicht. Es ist ein Wille. Es ist die Absicht, die sich gegen das Sein richtet. Und an dessen Rändern spaziert es entlang.

Deshalb, noch einmal: NON TIMETE!





*300518*

Samstag, 23. Juni 2018

Kleine Volkswirtschaftslehre

Heinz Conrads
Von was leben die Leut









*020618*

Ein liebenswerter Orient

Es ist bereichernd, diesem Mann zuzuhören - der Vorsitzende der Deutsch-Arabischen Gesellschaft Michael Lüders deshalb noch einmal. Diesmal in einem langen Gespräch über den Orient, in dem er einen liebevollen Zugang zu einer Region eröffnet, der über das Gerede von "Naher Osten" und seiner politischen Probleme leicht vergessen läßt, daß wir es hier mit Menschen zu tun haben. Die viel zu verlieren hätten, würden sie einfach verwestlicht.

Es ist tatsächlich begeisternd, die Rolle der Poesie auch im alltäglichen Leben des Orients zu betrachten. Die alte romantische Sehnsucht des 19. Jahrhunderts nach dieser Lebensweise wird verstehbar. Lüders offenbart die Weichteile dieser Kulturen und Völker, und zeigt sie in ihrer Liebenswürdigkeit. In einer Lebensweise und Weltauffassung, die europäischen, westlichen Kriterien nicht immer entsprechen mag, die uns aber in vielem gewiß bereichern kann. Zumal sich unter allen politischen Hartbildern einfach das Menschsein zeigt, das im Alltag durchaus noch dominiert. Samt verblüffenden Schilderungen.

Wußte der Leser etwa, daß Lüders den Iran als das am meisten säkularisierte islamische Land der Welt einschätzt? Daß es dort - anders als sonst überall - nicht einmal den Ruf des Muezzin hört? Daß die Jugend des Iran mit Religion herzlich wenig zu tun haben will? Aber das ist doch die "Islamische Republik per excellence"? Naja ... vor allem ist es wohl ein Land von Menschen. Wir kämpfen halt oft viele Schattenkämpfe, nämlich Kämpfe mit Rahmenbedingungen, nicht mit den Menschen. Wieviel Scheintheater unter alle dem, was uns tagtäglich als angebliches Problem vor Augen getanzt wird. Wie selten merken wir die Heuchelei, die uns täglich wie ein Fluidum umhüllt. Wir sollten nicht so leicht vergessen, daß man WAHRHEIT nur sieht, wenn man das zu Sehende LIEBT. Und das heißt durchaus: Wenn man seinen EROS wahrnimmt.

Es ist hingegen lächerlich und banal, wenn der Westen als großer "Vertreter von Werten" auftritt. Wo doch jeder sofort merkt - auch die Araber - daß es in der Außenpolitik nur um Interessen geht. Auch, ja gerade für den Westen, der sich doch pausenlos als Heuchler entlarvt. "Wir reden von westlichen Werten - und meinen westliche Interessen!" Damit verlieren wir doch nur Glaubwürdigkeit.

Wunderbar also, was Lüders über so manche Begegnung mit arabischen Menschen erzählt. Da wollen wir das eine oder andere seiner Aussagen, über das man bei scharfem Messer stolpern würde, nicht so kritisch balbieren, ausnahmsweise. Der Leser bereite sich also einen Kaffee, oder richte sich ein Gläschen Wein, setze sich bequem, und höre einfach zu. Nach allem "Kritischen", in dem wir uns meist bewegen, tut einfach gut, von den Menschen des Orient so lebensvoll erzählt zu hören. Es ist der notwendige Hintergrund, wenn wir über diese Welt reden. Zu sehen, daß wir alle Menschen sind, so gleich im Grunde, überall auf der Welt, und gleich liebenswert, und gleich lebensdurstig. Kein System kann so straff sein, daß es nicht Wege gäbe, auf denen sich das pure Leben seine Bahn bräche. Ist es nicht das, was wir alle in Wahrheit suchen? Was das Leben so unfaßbar lebenswert, ja zu einem einzigen Glücksrausch macht?

Dieses Wunderbare zu sehen fehlt uns ja gemeiniglich. Aber nicht, weil es nicht da wäre, sondern weil wir es nicht mehr sehen wollen, weil wir vom Wesentlichen so schrecklich abgelenkt sind. Wie anders aber wäre unser Leben, wie erfüllend, wenn wir seine wirkliche Wirklichkeit wieder sähen. In der die Welt zu dem wird, was sie in Wirklichkeit ist: Zum Wunder, zum einzigartigen Wunder.









*290518*

Freitag, 22. Juni 2018

Noch ein Wort zu Irland (2)

Teil 2)



Ab da ging der Niedergang der öffentlichen Moral rasch, seit 2008 exponentiell vonstatten. Die vielfach noch stumme Wut, der Zorn der Iren auf das, was mit ihnen in Wahrheit politisch, wirtschaftlich passiert war - an sich ein Archetyp, das immer auf die Benennung (Ordnung) durch die Vernunft wartet, um konkret zu werden, ein Vorgang, der deshalb ausgezeichnet manipulierbar ist, noch dazu wo er (gerade auf sexuellem Gebiet) sehr leicht mit persönlicher Schuld vermengt ist - wurde nach außen exportiert und in der öffentlichen Meinung (der gerade die Jungen noch relativ hilflos gegenübersteht, ja die sogar gewissensbildend wirkt) auf vor allem auf die Kirche umgeleitet. Dasselbe, was mit den Vätern passiert ist und passiert.

Gerade sexuelle Befreiung² als Verstoß gegen die Natur bewirkt Schuldempfinden. Zurecht. Diese Schuld "belastet". Nun wird Moral (personalisiert, im Außen dingfest gemacht in ihrem Vertreter) wird zum Urheber dieser "Last" umgedeutet, die angeblich niemand tragen könne (weil sie ohne Schuldeinsicht ja nicht weggeht, bleibt.)

Und so wird das innere Rechtsempfinden korrumpiert. Der Mund und damit das Denken schweigt, und das stimmungsmäßige Unbehagen sucht Ersatzwege, Scheintheater, in denen sich zwar der gewissermaßen neutrale weil unbestimmte Archetyp zeigt, aber eine andere Bedeutung umgehängt bekommt. Beispiel: Wir sind sofort auf Hundert, wenn es um "Schutz der Kinder" irgendwo in Syrien geht, schweigen aber, wenn wir sie hier gleich abtreiben. Insofern war die gesamte Flüchtlingsdebatte, an der so viele ihr "Gutsein" demonstrierten, ein solches Scheintheater. 

Diese Taktik hat Erfolg, wenn man das öffentliche Narrativ und die Einsetzung moralischer Autorität beherrscht. Der Blick wird immer trüber, ist nur noch nach innen und auf die Scheintheater gewendet. Kein geistig gesunder Mensch (und das ist immer der, der seinen Blick frei nach außen richtet), der also nicht von seinen Leidenschaften getrieben wird, kann "Ehe für alle" und "Abtreibung" für gut heißen. Dazu braucht es einen getrübten Verstand, eine tief gestörte Wahrnehmung. Doch der wahre Vorgang wurde von hellen Geistern schon damals gesehen, als alle dieses Pädophilie-Skandale in Irland aufbrachen: "So wird Irland für den Kapitalismus aufgebrochen."

Die Iren haben ihre wahren Bedrücker zu "Befreiern" erhoben, feiern sie gar, und schließen nun, wie Jones es ausdrückt, jeden Abend gerne ihre eigenen Zellen ab, in die sie sich über die ungezügelte Leidenschaft eingeschlossen haben. Aber man hat ihnen Stroh für Korn gegeben.







*Sexuelle Befreiung (sexual liberation) ist keine Befreiung der Sexualität, sondern ganz einfach eine Aktivierung der sexuellen Bedürfnisse. Damit werden sie aus dem Insgesamt des Menschen - der zuerst ein Vernunftwesen ist! - herausgerissen, bekommen Übergewicht, und bestimmen sein Verhalten, seine Stimmung, sein Selbstfühlen, und damit sein Denken. Es braucht ein völlig neues, anderes Weltbild um zu glauben, daß DAMIT ein Leben steuerbar, zur Erfüllung führbar ist. Die Erfahrung des VdZ spricht da ganz anders. Er kennt NUR Menschen, die durch einen Gehorsam diesen Strebungen gegenüber (so wenig sie "in sich" schlecht sind, sie brauchen nur ihren Platz in der Ordnung, die nur Vernunft mitteilen kann!) ihr Leben verpfuscht haben. Wörtlich, zum Mitschreiben: VERPFUSCHT. 

Daß das heute oft so spät erkannt wird hat nicht zuletzt mit dem "Sozialstaat" zu tun, der mit dem Geld anderer (sic!) im System von "Brot und Spiele" die Folgen des eigenen Lebens vertuscht, um die Täuschung möglichst lang aufrecht zu halten. Getragen von Leuten, die ihr eigenes verpfuschtes, gescheitertes, unfruchtbares Leben hämisch anderen auferlegen wollen. Das ist die ganze Wahrheit um unseren Sozialstaat.





*060518*

Gegen das Völkerrecht

Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel weist in diesem Gespräch mit Russia Today darauf hin, daß das Verhalten der USA im Atomabkommen mit dem Iran völkerrechtlich nicht gedeckt ist. Zumal die USA nur EINER von mehreren Vertragspartnern (darunter China und die EU) ist. Und der Vertrag auf einer Resolution des UN-Sicherheitsrates beruht, so daß es auch für die USA verbindlichen Charakter hat. So einen Vertrag können die USA also gar nicht (einseitig) aufkündigen. Nicht einmal ein bloßes Zurückziehen ist nach internationalem Recht möglich.








*310518*

Donnerstag, 21. Juni 2018

Noch ein Wort zu Irland (1)

Aber es gibt noch einen wichtigen Zusammenhang in Irland, nämlich zwischen dem Referendum und seiner jüngeren Geschichte. Die ihre Dynamik 2008ff. aufnahm, als Irland vor dem wirtschaftlichen Kollaps stand. Und die Regierung sich entschied, die gigantischen Schulden der Banken, die sich einfach verspekuliert hatten und nun auf lauter wertlosen Immobilien saßen (dem Motor für das vormalige "Irische Wirtschaftswunder", das man lange Jahre zuvor behauptet hatte) zu übernehmen, die Banken also aus allen Problemen herauszukaufen. Mit dem Resultat, daß nun die privaten Schulden sozialisiert sind. Die Folgen waren, daß Irland eine strenge Austeritätspolitik einleitete, die den Lebensstandard des Großteils der (unteren, aber mehrheitlichen) Bevölkerung drastisch senkte.

Damit wurde Irland zur Kolonie des Großkapitals, so analysiert es E. Michael Jones in diesem Interview. Das irische Volk ist seither "in einem Gefängnis", aus dem es kein Entkommen mehr gibt. Irland wurde zur Kolonie der Kreditgeber, die dem Staat das Geld zur Verfügung stellten.

In dieser Situation bietet das Großkapital, das die Medien, das Glücksspiel, die Pharmakonzerne besitzt, das vor allem die Pornographie regiert, einen scheinbare Ausweg: Wir geben Euch die schrankenlose Freiheit, was vor allem heißt: die sexuelle Freizügigkeit in jeder Hinsicht, Alkohol, und Drogen, damit ihr Euch rundum "gut" fühlen könnt. Aber dafür mischt ihr Euch nicht in unsere Agenden ein. Denn Glück wird heute ja als "Wohlgefühl" identifiziert, zumindest tut der öffentliche Diskurs so. Was für ein fataler Irrtum, vor allem aber was für eine fatale Täuschung.*

Das Große wird aufgegeben, um sich mit dem "kleinen Glück" irdischer Befriedigungen zufriedenzugeben. Die die Vernunft korrumpieren. Nur über die Vernunft aber kann das Gute erkannt, nur über die Vernunft angestrebt werden. Glück ist aber, wie Thomas von Aquin einmal darstellt, niemals eine Angelegenheit fleischlicher Erfüllung. Das werden auch die Iren eines Tages erkennen, aber dann wird es zu spät sein.

Dazu mußte jede moralische Autorität ausgehebelt werden. Und das fiel bei der Kirche relativ leicht, die speziell in Irland von einer Reihe von publik gewordenen Skandalen handzahm gemacht, von den eigenen Schuldgefühlen korrumpiert wurde, und nicht mehr wagte, ihr Wort gegen den medial aufgekochten Zeitgeist zu erheben. Noch vor dreißig Jahren war ein Drittel der Iren (und vor allem die Jugend) zum Empfang von Papst Johannes Paul II. geströmt und hatte ihn und seine Aussagen begeistert begrüßt. Die eigentlichen moralischen Anliegen der Kirche werden heute ja überhaupt schon "säkularisierten Laienbewegungen" überlassen. Die noch froh sein können, wenn sie von den kirchlichen Autoritäten nicht mit Verachtung gestraft werden.**

Wo aber der König seine Macht verliert, kommen sofort die Geldwechsler und beherrschen das Volk. Wo die institutionalisierte Moral - die Kirche mit einer Autorität, der auch der König verpflichtet ist - hinausgeworfen wird, kommen die, deren Machtentfaltung keine Moral kennt. Beziehungsweise die eine Moral verkünden, die sie selbst implementieren, weil sie ihnen nützt. Das war in der Geschichte noch nie anders.



Morgen Teil 2)


*Wir gut es funktioniert hat, zeigt schon der Umstand, daß heute überall im Westen "linke" Bewegungen und Parteien ihre Programme zu Vorkampfprogrammen für sexuelle Befreiung gemacht haben, aber nirgendwo mehr ihre eigentlichen antikapitalistischen Agenden vertreten. Auch die rudimentären, oft genug halbherzig vorgebrachten Forderungen nach sozialen Goodies - Geldverteilungen - sind bestenfalls noch als "Brot für die Spiele" einzustufen. Es gab eine Zeit, da wollten die sozialistischen Bewegungen nur Beteiligung an den Produktionsmitteln, um sinnvoller arbeiten zu können und einen ausreichenden Familienlohn zu erhalten. Es gab eine Zeit, da waren ihre Forderungen der christlichen Soziallehre sehr sehr nahe.

**Was diese Laienbewegungen - so schätzenswert ihr moralischer Impuls ist - ebenfalls übersehen, ist die prinzipielle Problematik einer "Bewegung von unten" im Rahmen der politischen Prozesse. Schon deshalb sind sie auf dieser Ebene im Grunde wirkungslos. Und glauben noch dazu selber oft an den Unsinn, daß sich Politik "von unten nach oben" aufbaue. Das tut sie nur ganz bedingt, und nicht als politische Bewegung, sondern als politischer Grundsatz von einiger (aber nicht alleine ausschlaggebender) Bedeutung für die eigentlichen Machthabenden. Unsere Demokratien sind deshalb ein ungeheurer Bluff.





*050618* 

Man sollte Deutschland nicht unterschätzen

Will man die kurzfristigen politischen Entscheidungen beurteilen, so muß man zu allererst immer fragen, in welchen großen Rahmen sie eingebettet sind. Das ist geographisch ebenso wie zeitlich zu verstehen. Und es ist nicht ganz verkehrt, die Gesamtpolitik eines Landes im Rahmen seiner geographischen Positionierung zu sehen. Über all die Diskussionen über die geostrategischen Anforderungen an die USA gegenüber Rußland und China wird dabei etwas vergessen, daß auch Deutschland solche Interessen hat. Und - diese in den letzten Jahrzehnten weit mehr schlagend wurden, als uns bewußt sein mag. 

Kurz gesagt: Deutsche Außenpolitik, direkt oder indirekt, spielt eine weit größere Rolle, als wir vor Augen haben. Wer da meint, daß sich die europäische Politik im Vergleich zu den Vorkriegslagen von 1914 oder 1939 vereinfacht habe, der wird, sieht er den größeren Rahmen, ganz rasch eines Besseren belehrt.

Was diesen Vortrag von Jörg Kronauer so interessant macht, ist, daß er genau das ins Blickfeld rückt. Er zeigt, wie stark die deutschen Interessen in den letzten Jahrzehnten in europäischen, aber sogar globalen Fragen in den Vordergrund gerückt sind und an Dringlichkeit zugenommen haben. Und das kann gar nicht wirklich überraschen. Hat es doch mit der wirtschaftlichen Stellung wie auch Zukunft Deutschlands zu tun. 

Ausgangspunkt für die Ausführungen von Kronauer ist dabei das Weißbuch der Deutschen Bundeswehr. Und in diesem wird dargestellt, was überhaupt die strategischen Großüberlegungen für deutsches Militär sind. Und da zeigt sich, daß die sich im Grunde ausschließlich auf Wirtschaftsagenden beziehen. Das ist aber weder neu noch unlogisch.

Der Nomos eines großen Deutschland liegt auch über dem Raum des Ostens.

So ist bedenkenswert, daß selbst der Ukraine-Konflikt stark mit deutschen Interessen (auch im Konflikt mit Rußland) zu tun hat. Daß die USA sich eingemischt haben hat also eher damit zu tun, daß der deutsche Einfluß in Europa, der gerade durch die Osterweiterung enorm wuchs, zurückgedrängt werden soll. Schon heute spielen in den ehemaligen Ostblockländern deutsche Konzerne eine ganz bedeutende Rolle. Und das hat seine politischen und sogar militärischen Implikationen. Die Reaktion Polens (und Polen zeigt Reaktion; durch das Suchen der Nähe zur USA, durch den Versuch einen Ost-Mitteleuropa-Sperr-Riegel zwischen zwei Großmächten zu schaffen) ist damit völlig logisch.

Wir haben hier ja schon öfter geschrieben, daß es entweder Heuchelei oder sträfliche Naivität ist zu meinen, daß Wirtschaftsverflechtungen dem Frieden dienten. Das tun sie nicht, oder nicht so einfach. So gut wie jeder Krieg wird hingegen aus lang- oder kurzfristigen wirtschaftlichen Gründen geführt. Vielmehr schaffen wirtschaftliche Verflechtungen (und bei liberalistischen Ansätzen noch mehr) Interessenskonflikte, speziell bei ungleichen Partnern, die über kurz oder lang auch mit militärischer Macht zu tun haben. Wenn also der Titel des Vortrags "Deutsches Welt-Macht-Streben" ist, so ist das gar nicht so sehr übertrieben. Denn dieser Frage muß sich Deutschland in der Tat - wieder - stellen. Sie hängt mit der gegenwärtigen wirtschaftlichen Kraft zusammen und geht damit einher.

Das zeigt somit, daß sich die großen Fragen deutscher Politik seit hundertfünfzig Jahren gar nicht verändert haben. Sie haben einfach mit der Größe und wirtschaftlichen Macht zu tun, die als Folge der deutschen "Einigung" spätestens 1871 für Europa völlig neue Machtfragen gestellt haben. Man kann nicht glauben, man gründet ein großes Reich, einen großen Staat, und alles rund herum bleibt gleich. Man verändert damit das gesamte Beziehungsgeflecht. Da helfen auch die größten Friedensschwüre nichts. Macht ist immer real oder sie ist gar nicht, dann wird sie von anderen auf einen ausgeübt. Und die realste Macht ist immer noch die der wirtschaftlichen Potenz, die automatisch auf Raumfragen übergreift, weil sie der Ausgangspunkt von Staatsinteressen sind. Wie das Weißbuch der Bundeswehr zeigt, das Militär und Wirtschaft engstens verflochten sieht.

Dem steht in Europa ein stetig schwächer werdender Einfluß Frankreichs gegenüber, dessen wirtschaftliche Probleme der letzten Zeit nicht zuletzt das negative Gegenstück zur deutschen Wirtschafts- und Exportkraft ist. Die EU wuchs zudem in Richtungen, die man als traditionell deutschen Einflußbereich ansehen muß - in den Osten, in den Nord- und Südosten. Während der französische Einfluß eher im Mittelmeerraum gesehen werden muß, aber damit zurückging. Darunter sind die seit vielen Jahrhunderten engen Verbindungen mit der Türkei.

Deutschland mischt also weit mehr in den Konflikten der Gegenwart mit, als man meinen könnte. Und es hat durchaus seine eigenen Bruchlinien in der Auseinandersetzung mit den USA, aber auch mit Rußland. Selbst die Ereignisse in der Ukraine sind in ihrer Komplexheit ohne einen Blick auf traditionelle, deutsche Interessen nicht zu verstehen. Es ist uns zu wenig bewußt, daß deutsche Konzerne an der Modernisierung der russischen Streitkräfte nach 1990/2000 einen nicht unerheblichen Anteil hatten, so daß sich mehr Interessenskonflikte mit den USA ergeben als wir denken mögen.

Selbst militärisch findet das seinen Ausdruck, und das nicht nur in der eigenen Aufrüstung, die beschlossene Sache und auch notwendig scheint. Mittlerweile haben beispielsweise die Niederlande schon zwei Drittel (!) seiner Streitkräfte deutschem Kommando unterstellt. Und die Stationierung von NATO-Truppen im Baltikum dient AUCH spezifisch deutschen Interessen.

Allerdings kann man den Eindruck gewinnen, daß sich die militärische Ausrichtung Deutschlands noch nicht ganz mit den wirklichen, großen politischen Entwicklungen koordiniert hat. Schon gar nicht in Anbetracht eines absehbaren Abstiegs Deutschlands im Konzert der großen Länder, die in den nächsten Jahrzehnten die Weltpolitik bestimmen werden. Und sie tun es aufgrund ihrer wirtschaftlichen Potenz: China, Indien, Mexiko und Brasilien sind hier die kommenden Mächte, während die USA, Rußland und Japan ebenso wie Deutschland an Bedeutung verlieren werden. Das wird aber heißen, daß sich Macht verschiebt.

Und das tut sie schon jetzt. Es ist bei uns kaum bekannt, daß etwa in Afghanistan bereits Friedensverhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und Rußland, China und Indien geführt werden - ohne EU, ohne die USA. Das zeigt, wo es hingehen wird. Ob wir da nicht schon etwas verschlafen haben? Immerhin ist doch die EU nach wie vor weltweit der stärkste Wirtschaftsraum?

Wer dieses große Deutschland will, muß es als Weltmacht bejahen. Und die ihm adäquate Stellung anstreben. Und die Folgen tragen.

Insgesamt kann schon überraschen, wie verflochten tatsächlich deutsche Außenpolitik in die geopolitischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte immer war. Und wie deutlich man sogar Linien erkennen kann, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bereits gedacht und die Politik bestimmt haben. Sodaß etwa die EU nicht zuletzt als "Projekt deutscher Interessen" gesehen werden müßte (was wiederum den Brexit mit beleuchtet.) Wobei man meinen könnte, daß diese großen politischen Linien viel zu wenig ernsthaft verfolgt wurden. Dem Westen, sagt Kronauer, gleiten die Dinge global gesehen allmählich aus der Hand.

Vielleicht, weil so manche Diskursteilnehmer in unseren Landen vergessen haben, daß viel größer gedacht werden MUSZ als das heute der Fall ist. Denn wenn wir das nicht tun, könnten wir recht bald Überraschungen erleben. Weil wir gar nicht wissen, wohin wir ansonsten eigentlich jetzt schon mehr rutschen als gehen, indem wir aufgehört haben, unsere Zukunft zu gestalten, und uns nur mit uns selbst beschäftigen. Selbstverschuldet, weil in Häusern leben, die wir schon lange nicht mehr in Ordnung halten. Dabei ist es gleichfalls naiv so zu tun, als würde es etwas bringen, "imperialistische" Strebungen anderer Länder im Namen eines "Gutseins" zu bekämpfen, indem wir etwa bemäkeln, daß andere Länder realistisch bleiben und ihre Interessen verfolgen. Stattdessen sollten wir genau dasselbe machen.

Natürlich meint der Sozialwissenschaftler (und Marxist) Kronauer das alles etwas anders. Aber Tatsachen und ihre Deutung, Daten und Fakten sind zwei Paar Schuh.









*310518*

Mittwoch, 20. Juni 2018

Europas Rückfall in Barbarei

Dieser Video-Podcast von OnePeterFive ist sehens-/hörenswert. Es handelt von der irischen Entscheidung, die Abtreibung freizugeben, mehrere Iren geben profunde Stellungnahmen dazu ab. Der Grundtenor ist bei allen diesen Stimmen derselbe: Es ist ein Rückschritt ins Heidentum, in die Barbarei. Und das ausgerechnet in einem Land, dem Europa die Re-Katholisierung nach den Wirren der Völkerwanderung - und damit seine Kultur! - verdankt. Ein Land, das noch vor hundert Jahren als die katholischste Nation angesehen wurde.

Wer diese Bilder sieht, kann nur entsetzt sein ... Iren, die jubelnd die Entscheidung begrüßen, daß Kleinkinder nicht mehr geschützt sind. Geht es noch perverser?





Der moralische Abstieg der Iren in den letzten Jahrzehnten ist bemerkenswert und an Zahlen verfolgbar. Über diese letzten Jahrzehnte hat sich das in einem sukzessiven Abweichen von katholischen Positionen ausgedrückt. Deshalb war auch niemand überrascht, daß dieses Plebiszit so ausfiel. Welche Entscheidung ja schon seit Jahren durch die seltsame Regelung, daß Abtreibung "bei Suizid-Gefahr" gestattet sei, sowie durch insgesamt 200.000 Abtreibungen, die in den letzten Jahren in England durchgeführt wurden, vorbereitet wurde. Es begann mit dem Widerstand gegen Humane Vitae 1968, der Ehescheidung 1983, ging über Verhütung (auch auf Krankenschein - heute meinen 85 Prozent der Iren, daß Verhütung "katholisch" sei) und "Ehe für alle", und endete zwangsläufig bei der Freigabe der Abtreibung.

Eckpunkt war freilich auch in Irland der Haß auf die Katholische Kirche, wie er mittlerweile den gesamten Westen befallen hat. Befeuert durch Skandal- und Mißbrauchsfälle durch Ordensleute und Priester, die damit die moralische Autorität der Kirche zu hinterfragen leicht machten, aber auch perfekt inszeniert durch eine Medienlandschaft, die gerade vor der heutigen Abstimmung solche Fälle auf und ab spielte.

Aber die Kirche ist auch selber eingeknickt, ist dadurch in der Frage selbst unglaubwürdig geworden, und hat den Haß, mit dem sie in Irland heute konfrontiert ist, selbst mitbewirkt, weil dieser über weite Strecken tiefe Enttäuschung über die Rückgratlosigkeit ist. Schon lange ist die Katechese in Irland zusammengebrochen. Beim Familien-Synodium in Rom 2014/2015 war kein einziger irischer Bischof anzutreffen, der die traditionelle katholische Ehelehre vertreten hätte. Ganz offen wurde und wird Humane Vitae widersprochen, und diese Sichtweise nicht nur in der katholischen Ehevorbereitung verbreitet, sondern sogar in den Priesterseminaren gelehrt. Die Folgen sind evident. 2018 haben 87 Prozent der ABSOLVENTEN KATHOLISCHER SCHULEN für die Abtreibung gestimmt. Insgesamt stimmten sogar 93 Prozent der 18- bis 25-jährigen dafür.

Selbst 35 Prozent der regelmäßigen, und sogar ein bis zwei Prozent der TÄGLICHEN Meßbesucher geben an, FÜR die Abtreibung gestimmt zu haben. Praktisch alle explizit christlichen Vereinigungen sind heute schon für Abtreibung. Am stärksten politisch engagiert in dieser Richtung sind die christlich-sozialen/demokratischen Parteien. Die ja die "sichere Abtreibung" als ethisch gut (weil angeblich das "geringere Übel") proklamieren. Selbst linke Arbeiterparteien waren da widerständiger. In einem Land, das 2017 einen bekennend homosexuellen Inder zum Premierminister gewählt hat, der plant, bis 2040 eine Million Migranten ins Land zu holen.

Daneben hat sich die Irische Kirche sogar an Abtreibungen beteiligt, direkt oder indirekt. Sei es durch aufgeweichte Positionierung, sei es durch katholische Krankenhäuser (sic!). Die mittlerweile zwar gesetzlich dazu gezwungen werden - aber gerade da wäre Widerstand Pflicht.

Die Kirche hat ihre Glaubwürdigkeit auch durch einen im Vergleich mit der zivilen Welt weit überproportionalen Anteil von Homosexuellen am Klerus verspielt. Der weit überwiegende Anteil an Mißbrauchsfällen ist aber homosexueller Natur, das nur als Hinweis. Wenn Fälle an die Öffentlichkeit kamen, wurden sie auf fahrlässigste Art behandelt. Und nach wie vor hat die Kirche kein Mittel gefunden, konsequent zu handeln, weltweit. Das vor einigen Wochen eigentlich sensationelle Angebot sämtlicher Bischöfe von Chile - das sind 34! - in Zusammenhang mit Mißbrauchsfällen und deren Behandlung durch den Papst, zurückzutreten, ist das entsprechende Signal.

Das Referendum in Irland ist nicht 2018 verloren worden. Es ist 1968, ja schon lange zuvor verloren worden. Oder, wie es ein irischer Journalist im Podcast ausdrückt: Man wünscht sich manchmal, daß der Teufel auf der Seite der Kirche kämpfte. Denn seine Strategie war großartig. Er hat in kleinen Schritten nach und nach ein ganzes Volk moralisch ausgehöhlt. Und Irland ist nur ein Musterbeispiel für das, was sich in der ganzen Welt abspielt.

Hier der OnePeterFive Video-Podcast.










*030618*

Was ist daran auszusetzen?

Wir haben an dieser Stelle noch nie wirklich über einen der Gottseibeiuns der europäischen Politik, über den FPÖ-Politiker H. C. Strache gehandelt. Diesmal machen wir eine Ausnahme. Und zwar weil den VdZ empört, daß man prinzipiell nicht bereit zu sein scheint zu hören, was er in Wirklichkeit sagt. Immer wieder ist er mit saudummen Verleumdungen konfrontiert gewesen, diesmal reicht es. 

Denn was Hans Christian Strache da aufwirft hat durchaus seine Berechtigung, und ist grundvernünftig. Er meint, daß die wahllose Freizügigkeit in der EU Probleme aufwirft, die niemand wollen kann. Nach und nach werden etwa besser bezahlte Arbeitsstellen durch geringer entlohnte Ersatzarbeitskräfte aus dem Osten Europas ersetzt. Als Beispiel. Das kann doch nicht im Sinne der Erfinder sein? So nebenbei zeigt er auf, daß dies einen Brain-Drain für den Osten Europas bedeute. Der VdZ, der in Ungarn lebt, sieht es mit bloßem Auge: Wer immer hier zwei gesunde Beine und einen halbwegs gesunden Kopf hat, geht nach Österreich, oder weiter in den Westen. Dort verdient er das Doppelte. Und immer noch weniger als ein Österreicher. Kann das sinnvoll sein?

Zitat: „Wir müssen offen diskutieren, daß es auch nicht gut ist für die europäische Entwicklung das gesamte intellektuelle, gut ausgebildete Potenzial Osteuropas für Westeuropa abzuziehen“, so Strache. Die EU lehne es allerdings ab, die Personenfreizügigkeit - ein Grundpfeiler der EU - überhaupt zu diskutieren.

„Wenn ich erkenne, daß das den Ländern in Osteuropa zum Teil nicht dienlich ist, zum Teil aber auch bei uns dazu führt, dass ein Verdrängungsprozess stattfindet - wenn Menschen, die gut qualifiziert sind und zu viel verdienen, in die Arbeitslosigkeit gedrängt werden, weil sie von günstigeren Arbeitskräften ersetzt werden -, dann sind das Bereiche, wo man darüber diskutieren muss: Ist das eine g‘scheite Regelung oder sollte man nicht darüber nachdenken, hier zumindest zum Teil regulierende Lösungen zu finden, wie man das im Interesse aller besser macht?“

Kronen Zeitung (alle Rechte) - Der Hetzer H. C. Strache
Was bitte ist daran verdammenswürdig? Was ist es wert ihn nun mit Schmähungen zu überschütten, er würde den "Grundgedanken der EU" in Frage stellen? Denn das tut er mit diesen Äußerungen nicht. Vielmehr regt er an, den an sich grundvernünftigen Gedanken eines in bestimmten Kompetenzringen explizit vereinheitlichten Europa in diesem Punkt zu adaptieren. Es muß Nationalstaaten gestattet sein, sich gegen fatale Auswirkungen der wahllosen Freizügigkeitsregelungen der EU zur Wehr zu setzen. Nämlich genau dann, wenn diese "Freiheiten" die Freiheiten der eigenen Bürger zu beschränken beginnt. 

Natürlich berichtet die seit dem einjährigen US-Aufenthalt seiner Besitzer völlig haltlos gewordene KRONEN ZEITUNG mit einem Ton, mit einem Bild darüber, als würde H. C. Strache wie ein bösartiger Hetzer gegen die Freiheit der Bürger vorgehen. Aber ist es nicht genau das Gegenteil? 

Es wird Zeit, Tacheles zu reden. Das ist kein lustiges PR-Delikt. Und der VdZ ist kein "großer Freund" Straches oder der FPÖ. Aber das ist die Todsünde der Verleumdung, des Mordes also. Was erwartet sich also jemand, der verleumdet? Wenn, kann man nur interessiert sein, einen Sprachraum zu schaffen, den die Wahrheit durchdringt. Nicht einen, den widerliche PR-Interessen (als Kuschelbedürfnis unschöpferischer, nur ans Geld denkender Menschen) durchwirken und zur unverdaulichen, das Denken vernichtenden Brühe versäuert.

An die Kronen-Zeitung-Besitzer gewendet: Wenn Sie Lust haben, die Welt zu verpesten, dann gründen Sie ein Bezirksblatt, das von seinem Erfolg - nicht von der Politik! nicht von Werbeeinschaltungen von politischen Institutionen! - abhängt. Oder gründen Sie etwa eine Bio-Rinderzucht und versuchen Sie einmal ernsthaft, die am Laufen zu halten. Irgendwas Nützliches also. Von dieser Art von Establishment aber haben die Bürger der Welt die Nase mehr als voll.

Herrschaften, unter dem "alten Herrn", dem Gründer der Kronen Zeitung, Hans Dichand, - und der war noch ein Herr - war die Kronen Zeitung stolz darauf, als einzige relevante Tageszeitung Österreichs nicht von staatlicher Presseförderung abhängig zu sein. Sogar die Einbindung in das internationale System der Presseagenturen hat er abgelehnt und ein eigenes Korrespondentennetz erhalten. Und damit, mit einem unglaublich freien Journalismus - die Krone hatte sogar den besten Kulturteil Österreichs, wenn nicht im deutschen Sprachraum - hat er dieses einst unbedeutende Monarchisten-Blättchen zur reichweitenstärksten Tageszeitung DER WELT aufgebaut.

Das hat sich ja mittlerweile gründlich geändert. Geändert, weil erst so auch Nieten reich werden können.

So nebenbei: Die Anhänger einer "freien Wirtschaft" übersehen etwas ganz Wesentliches. Daß nämlich ein Wettbewerb, ein freier Wettbewerb, nicht außerhalb der menschlichen Kategorien denkbar ist. Das heißt, daß es ihn über den ins Einzelne herausgebrochenen Menschen erst gibt, WEIL er einem jeweiligen höhersteigenden Ring an Zugehörigkeiten angehört. Familie, Gemeinde, Landkreis, Land, Staat etc. etc.  

Sodaß sich in Wahrheit bei einer anthropologisch richtige(re)n Wettbewerbssituation auch und zuerst die Situation des Wettbewerbs von Staaten ergeben muß. Das geht aber nur, wenn diese Staaten auch die Bedingungen dafür selbst bestimmen und regulieren können.

Wer nur als Einzelner auftritt, wer aus allen Sozialbezügen herausgelöst ist, ist dem Gesamtgeschehen praktisch hilflos ausgeliefert. Von Freiheit kann nicht einmal mehr mit Lufthauch geredet werden. 

Aber klar, einem puren Ausbeutungsstreben, einer Diminuierung des Menschen zur beliebig manipulierbaren Konsumfigur, ist ein nicht haltlos gemachter Mensch ein schmerzender Dorn im Auge.

War es wirklich das, was ein Schuhmacher oder ein DeGasperi wollten, als sie die EU gründeten?





*300518*

Dienstag, 19. Juni 2018

Wer für Island Fußball spielt

Island hat zur WM in Rußland, wo es wieder einmal eine entzückende Rolle spielt, dreiundzwanzig Fußballer aufgeboten. Ganz offiziell gibt es dort auch nicht mehr, also - kaum. Hundert sind gemeldet. Aber wahrscheinlich haben siebensiebzig sich unter die Zuschauer gemischt oder sich am Vodka zu sehr vergnügt. Denn die Presse bringt nun diese Graphik. Mehr als dreiundzwanzig Fußballer bleiben gar über, rechnet man ab, was sicher nicht spielen kann ...


Graphik: Die Presse




*180618*

Ein nüchterner Gesamtbefund (2)

Teil 2) Die ausgebauten Anmerkungen,
und weitere nüchterne Befunde




*Der VdZ hat ja, wie hier schon früher dargestellt, sowieso den Eindruck, daß die Entstehung des Islam in erster Linie in solchen Fragen wurzelt. In einer Zeit des Umbruchs, in der durch den Rückzug von Byzanz aus diesem Raum ein Machtvakuum entstand, in dem sich in zahlreichen Kriegen Streitparteien nach und nach durchsetzten, und in einer Art synkretistischer, alle Strömungen weitgehend zusammenfassender Religion (als die sich der Islam in den Augen des VdZ am allerbesten begreifen läßt) ein für alle tangierten Völker konsensuales Argument für ihre Legitimation gesucht haben. Die sich nach und nach vom 6.- bis zum 10., endgültig dann im 12./13. Jahrhundert (als auch die Häresien des Westens - Spanien - beseitigt wurden) zu einer kompakten "einheitlichen" Religion entwickelte. Mit dem bislang letzten Formierungsschub gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Der Islam entstand also ursprünglich aus Realpolitik, und er hat diesen Impuls nie abgelegt. Das erst macht ihn auch heute verständlich, und es zeigt im Streit um den "wahren Islam" den Bruch - wie er übrigens in jeder Religion besteht - zwischen Doktrine und einem dogmatisch oft kaum faßbaren, zumindest viel weniger stringenten, sehr erlebens- und gefühlszentrierten Glauben des einfachen Volkes.

Wenn man heute von einer breiten Radikalisierung des Islam sprechen kann, dann hat das also dieselben Wurzeln wie im 5./6. Jahrhundert! Denn der Westen hat in den letzten Jahrzehnten massiv daran gearbeitet, die islamischen/arabischen Staaten zu destabilisieren. Sie fielen oft genug in Chaos und Anarchie, und das heißt: in ein Machtvakuum, in dem neue Kräfte auftreten, die versuchen, Ordnung zu etablieren. Speziell seit Anfang der 2000er Jahre, in Zusammenhang mit dem "Krieg gegen den Terror", hat sich genau deshalb die Zahl der gewaltbereiten, radikalen Islamisten VERVIELFACHT, und die Sympathisanten gehen mittlerweile in die zig-Millionen.

***

Also hat sich auch in Syrien nur diese verarmte - sunnitische! - verarmte Schicht der Zivilisationsverlierer (vor allem die Landbevölkerung) 2011 in Protesten geäußert. Aber es wäre zum einen ein Fehler, dies als "zivilgesellschaftliche Bewegung" zu sehen. Und zum anderen, weil die später aufgetretenen Dschihadisten sich wiederum NICHT aus den armen Bevölkerungen rekrutiert haben, sondern im Grunde aus dem Ausland einsickerten, und von dort finanziert wurden. Revolutionen werden eben NIE von den unteren Schichten getragen und durchgeführt, das sind soziale Romantizismen. Der Grund dafür war das Kalkül des Westens, durch die Stärkung der (von Amerika über Arabien und die Türkei scheinbarer leichter beherrschbaren) Sunniten den Einfluß des schiitischen Iran zu stoppen.

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Das führt zu einem weiteren Vortrag von Michael Lüders. Der in einem beeindruckend dichten Überblick sehr viele Aspekte bringt, die die Vorgänge im arabischen Raum ausgezeichnet erhellen. Sein Fazit: Der Syrien-Konflikt wird uns noch lange erhalten bleiben. Während Europa die Scherben der amerikanischen Politik aufkehren wird.








*290518*