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Montag, 16. Juli 2018

Frauen pflegen, Männer bauen




Graphik: Agenda Austria







*130618*

Über das Schreiben und die Kunst - Interview (1)

Auf besonderen Wunsch von Leser R, welcher den Text im Netz fand, bringen wir hier den Wiederabdruck eines Interviews aus dem Jahre 2000, das der VdZ damals anläßlich der Ersterscheinung seines Romans "Helena oder: Das Gute ist was bleibt" gegeben hat. Weil der VdZ damals mit dessen in mehreren Zeitungen veröffentlichter Endfassung, auf die er keinen Einfluß hatte, nicht zufrieden war, hat er es nachträglich in "reinerer Form" noch einmal niedergeschrieben, was dann von anderer Stelle im Internet veröffentlicht wurde und seither dort zu lesen steht. Nun also auch hier.

Herr Wagner, warum schreiben Sie?
Die Frage ist ungefähr gleich sinnvoll wie die an den Tischler, warum er Bänke baut. Sein Metier ist eben das Tischlern, meines das Wort. Der Unterschied liegt im behandelten Gegenstand und den Voraussetzungen, die sie benötigen.

Also vergleichen Sie sich mit einem Handwerker?
Ja. Insoferne wehre ich mich gegen eine Romantisierung des Künstlers. Dieses unselige Erbe schadet den Künstlern ungemein. Denn sie versuchen häufig ein Bild zu werden und meinen, dann erst schreiben bzw. gut schreiben zu müssen. Aber sie stehen sich damit im Wege, denn wie schon Goethe bemerkte, kommt der entscheidende Kick erst dann, wenn man begreift, daß man schreibt, weil es eines Natur ist, nicht weil man Kunst produzieren möchte - das ist ein immanentes Geschehen.

Kunst also als zufälliges Produkt der Tätigkeit?
In einem gewissen Sinne: Ja. Was nicht heißt, daß jeder der schreibt Kunst produziert. Der es aber tut, weiß es nicht wirklich, für ihn gibt es nur das Kriterium gelungen oder nicht gelungen, seinen Maßstäben gerecht oder nicht. Künstler zu sein ist immer eine Begabung, von der der Begabte am allerletzten erfährt. Die Beurteilung, ob etwas ein Kunstwerk ist oder nicht obliegt dem Kritiker, dem Betrachter. Der Künstler trägt seine Kriterien in sich, ist sich gewissermaßen selbst Maßstab, er hat keine andere Wahl - das ist Krönung wie Crux seiner Zunft. Und so verstanden ist er unendlich frei, unterliegt streng genommen nicht einmal der Moral. Wenn er zu dieser Radikalität nicht findet, bleibt er eine arme Knackwurst.

Somit plädieren Sie für eine Willkür der Formen in der Kunst?
Keineswegs! Die Formen sind eine der Wirklichkeit abgerungene Spiegelung, ihre jeweiligen Eigenarten beziehen sich auf Eigenart und Sinn der Wirklichkeit. Somit wehre ich mich auch gegen den Ästhetizismus. Hier ist es Zeit, das Kriterium der Erzählung als Eigentümlichkeit des Erkennens und damit des Lebens anzusprechen: Jede Kunstform ist eine Form des Erzählens, weil auch die Wirklichkeit sich erzählend preisgibt. Schon die Worte sind ja beschreibende Festhaltungen von den Dingen inhärenten, diese in die Welt hinaustreibenden Eigenschaften. Darin liegt auch der Anspruch auf Wahrheit und Schönheit von Kunst begründet. Keinesfalls darf dabei Schönheit als ästhetisierende Behübschung verstanden werden, sondern dieser Begriff ist nur vor dem Hintergrund verstehbar, daß nichts, was es gibt, nichts, das Sein hat, "schlecht" sein kann! Häßlichkeit ist stets nur ein Mangel an Vollkommenheit im Selbstvollzug, denn alles was etwas ist will seiner Art gemäß wirklich sein.


Morgen Teil 2)




*130618*

Sonntag, 15. Juli 2018

Ein Ereignis des Nominalismus (5)

Teil 5)




Es ist nicht unwichtig zu sehen, daß die von den Juden heute ausgeübte Religion nicht identisch ist mit der der Juden im Alten Testament. Dazwischen steht ein Bruch mit der Tradition, man könnte sagen, daß es nach den Jahren 129/130 (Aufstand von Simon bar Kochbar) mit Sohar und Torah zu einer Neugründung kam. Die originalen Deszendenzen wurden zerstört. (Die exakten Abläufe und Zusammenhänge aus der Sicht von Florian Geyer finden sich am Video rund um min. 57, das am Ende dieser Artikelserie gebracht wird.) 

Auch wenn es heute schwierig ist, über diese Themen zu sprechen - wer immer den Judaismus oder Israel kritisiert muß sich sofort dem Vorwurf des Antisemitismus (mit der Beinote des Holocaust) stellen -  muß doch festgehalten werden, daß die Wahrnehmung jüdischen Einflusses historisch immer mit der Wahrnehmung von subversivem Einfluß auf die Mehrheitsgesellschaft einhergeht. Geyer sieht es freilich nicht so einfach, man unterschätzt, meint er, die Multipolarität innerhalb des Judentums selber.  

Und es würde auch an der Wirklichkeit vorbeigehen, die Juden alleine für den Niedergang der westlichen Kultur verantwortlich zu machen. Gerade bei den einflußreichsten Kräften (die Personen sind) verschwinden diese Aspekte und spielen keine Rolle mehr. Einem Rothschild sind die Juden völlig egal! Vielmehr haben wir es mit einem wirklichen geistigen Kampf zu tun, der im Letzten ein Kampf gegen Satan ist. Man darf deshalb nicht übersehen, daß es im Letzten um uns und unsere Sünden geht, in denen wir selbst verharren! Es liegt also an uns, wir sind nicht einfach Manövriermasse in den Händen anderer. Nur weil wir selbst Sünder sind, können etwa Juden oder Freimaurer Erfolg dabei haben, unsere Gesellschaften zu untergraben. Das Problem ist die menschliche Korrumpiertheit, unsere eigene Korrumpiertheit! 

Der geistige Kampf geht gegen unsere Sünden. Pornographie ist die effektivste Waffe gegen uns, weil wir so anfällig sind. Wirkliche Macht zeigt sich in Informationsmacht, in der Macht über die Daten über den Internetverkehr auf Pornoservern, in der Finanzmacht, die der Alchemie gleich kommt. In diesen Dingen wird uns Aufstieg zu Glück und letztlich Gottgleichheit versprochen. Hier sind sehr klare Analogien zwischen der heidnischen Priesterschaft Babylons und den wirklich Mächtigen der Gegenwart zu finden. Man kann deshalb George Soros durchaus mit einem babylonischen Magier vergleichen. 

Wer das Geld kontrolliert, kontrolliert die Unterhaltungsindustrie und die 'social media', und beeinflußt damit unsere Begierden. Insofern kann man von einer geheimen Regierung sprechen, denn diese Kräfte haben Macht, uns vielfach zu täuschen und zu manipulieren. Aber der wichtigste Kampf dagegen muß unser eigener Kampf um Verantwortung sein, muß die Bereitschaft zu bereuen, der Wille uns zu bessern sein. Ohne zu vergessen, daß wir mit bestens organisierten Mächten zu tun haben, die jede Lücke ausnützen, um uns zu Fall zu bringen.  

Das Gespräch schwenkt bei 1:09:00 zum "social engineering". Denn in der Vergangenheit sind wir immer in homogene Gemeinschaften hineingeboren worden, die uns Halt und Stütze waren, die uns geprägt haben und unser Verhalten in die Sicherheit einer Gemeinschaft mit gemeinsamen Wertvorstellungen eingebettet haben. Es ist reine Propaganda zu behaupten, daß der Mensch immer als Individuum handelt. Vielmehr ist alles was wir tun von sozialen Bezügen durchwirkt, und der Mensch braucht auch diese Eingebettetheit in eine weitgehend mit ihm homogene Gemeinschaft. 

Diese Kommunitäten (mit dem Zentrum der Familie) waren durch ihre Stabilität bis ins 20. Jahrhundert ein Machtblock gegen die westlichen Eliten (Oligarchen). Deshalb waren sie bevorzugtes Ziel ihres Kulturkampfes, der ein Kampf um Macht war und ist.  Das führt zu dem Punkt, warum Putin ein so populäres Ziel der Oligarchie des Westens ist. Denn er ist der wohl einzige ernsthafte Christ an der Spitze eines Staates, weltweit. Und in seiner Weltanschauung ist er der einzige, der der Aufklärung entgegensteht.

Die Zerstörung der Autorität der katholischen Kirche hat jeden höheren moralischen Standard ins Mark getroffen und ausgelöscht. Selbst wenn man ihr gewisse Restriktivität oder Formalismus da und dort vorwerfen könnte, so ist das immer noch die bessere Alternative, denn der Mensch muß sich gewahr bleiben was ihm "blüht", wenn er sündigt: Er verfehlt sich selbst weil seinen Sinn, und er wird, wenn er das tut in der Hölle landen. Selbst die schlechteste Form von Katholizismus ist noch besser als dieser völlige Niedergang der Moral, den wir heute erleben. 



Nächsten Freitag Teil 6)




*140618*

Eines Ablasses würdig

Geneigter Leser, nehmen Sie die Einladung des VdZ an, in seine Kindheit einzutauchen. Er ist heute noch auf den Knien (sic!) dankbar für die letzten Reste einer unschuldigen Welt, die er erleben durfte, die ihn sogar formte. Versteht er, warum er meint, daß die Welt damals hätte stehenbleiben können? Nein, nicht stehenbleiben, sondern was danach kam war qualitativ so unterschiedlich, daß es für ihn ein bis heute nicht verwundener Kulturbruch war. Ach ... eine ganze Welt tut sich hier auf. Nachfahren, jüngere Generationen - wie anders als die heutige Welt!? Was wird Euch vorenthalten. Gerade, weil man es Euch zu geben meint.

Ein wenig nachvollziehbar in einer Sendung, die anläßlich des 100. Geburtstags von Heinz Conrads entstanden ist. Eines Mannes, der die 1960er Jahre als erste Jahre des VdZ nicht nur begleitet, sondern mit gestaltet hat. Deo gratias. Wo wäre heute die Kunst, die eines Dankes gen Gott würdig wäre?

Glaube der Leser dem VdZ - hier sieht er eine Reminiszenz mit zahlreichen Archivaufnahmen, die eines Sonntags, dem Tag der Muße, würdig sind. Und die laut Katholischer Kirche sogar mit einem (zeitlichen) Ablaß bedacht sind.








*100618*

Samstag, 14. Juli 2018

Mal in die Karten der Wirklichkeit schauen

Tja, sie wäre ein gescheitel, ja fast geistvolle und von Lebenserfahrung genährte Frau, die derzeitige Außenministerin von Österreich, Karin Kneissl. Ihre Analyse des arabischen Raumes, des vorderen Orients also, ist ziemlich hörens- und sehenswert. Beides ist ja nicht zu trennen.

So manche sehr erhellende, gerade aus ihrer Eigen- - gar nicht so sehr Kontraposition - erhellende Aussagen. Sanktionen wie gegen den Iran, sagt Kneissl so nebenbei, haben diese Völker immer nur stärker gemacht. Der Vordere Orient war aber seit je ein Konfliktraum zwischen Arabien und den Persern.

Europa, so die österreichische Außenministerin, ist auf beiden Augen blind. Hat von den wirklichen Zusammenhängen keine Ahnung. Nur China hat ein erkennbares Konzept. Europa weiß zwar im Grunde alles, aber es verweigert sich der Wirklichkeit. Und die USA sind den Wirklichkeiten in diesem Raum nicht gewachsen. Die Empörungs-Emphase des Westens ist schlicht und ergreifend infantil.









*130618*

Ein Ereignis des Nominalismus (4)

Teil 4)



Und das führt zu den Kulturkampfaspekten des Zweiten Vatikanums. Die in Nostra Aetate seinen unrühmlichen Höhepunkt fanden. Denn mit einem Mal wurden die Juden von ihrer Verantwortung für den Tod Jesu Christi losgesprochen. Der als ontologische Tatsache, die als allem Judentum zugrundeliegende seinshafte Beziehung verstanden werden muß, also mit Rasse etc. nicht das geringste zu tun hat. Aber nur aus dieser seinshaften Beziehung bzw. Beziehung zum Sein (und der in ihm liegende, aus ihm stammenden Ordnung) läßt sich das Wesen des Judentums begreifen. Und seine Grundausrichtung als ... Rebellen gegen jede Form christlicher bzw. (um an oben anzuknüpfen) "aus der Liturgie gespeister" Ordnung. 

Darin zeigt sich aber noch etwas: Es zeigt sich, daß der Individualismus der Aufklärung, der dieser Erklärung zugrunde liegt (es gibt damit keine "Kollektivschuld" oder ähnliches als Form kollektiver Prägung einer Geisteshaltung oder Religion) demselben Nominalismus entstammt, der im Zweiten Vatikanum Einzug in die Kirche hielt. Der Individualismus aber übersieht, daß der Mensch zutiefst in eine Gemeinschaft eingebunden ist, ja ohne Gemeinschaft würde er nicht einen Tag überleben, hätte keine Sprache. Der Einzelne verdankt sich also in höchstem Maß auch der Gemeinschaft, in die hinein er geboren wurde, und ihre Grundprägungen prägen auch ihn. (Um das zu sehen muß man überhaupt nicht in genetische Faktoren absteigen.) Jeder Einzelne wird VOR jeder Individualisierung also von einer "corporate identity", einer gemeinschaftlichen Identität geprägt, der er aufs Erste alles verdankt. 

Das baut sich in Stufen auf, die sich auch historisch ausprägen. Die erste ist die Familie (die als erweiterte Familie zu verstehen ist, also Generationen und Nebenzweige umfaßt), die in den Stamm ausgreift. Deshalb muß auch Jesus Christus als Teil seines Stammes gesehen werden.  Und genau dieser Stamm wandte sich gegen ihn und verurteilte ihn zu Tode. Deshalb muß - und die Kirche hat das immer getan! - der Tod des Gottmenschen Jesus direkt auf die (konkreten) Juden bezogen werden. Die in einem (weiter vererbten) Schuldverhältnis dem göttlichen Erlöser gegenüber standen und bis heute stehen. Das führte zu den Vorbehalten, die die Kirche gegenüber Juden hatte. Die in "Sicut Iudaeus non" allerdings jede direkte Verfolgung von Juden verbot. Dennoch herrschte Mißtrauen, und Juden waren so lange geduldet, auch in ihrer Religionsausübung, solange sie sich nicht gegenüber der christlichen Mehrheitsgesellschaft subversiv verhielten.  Juden durften nicht verfolgt werden, aber umgekehrt durften Juden die moralischen Prinzipien der Gesellschaft nicht antasten. 

Damit brach das Zweite Vatikanum. Was damit aber passierte war, daß der jüdische Einfluß auf die Kirche quasi legitimiert wurde. Damit wurde auch die Kooperation zwischen der katholischen Hierarchie und dem organisierten Judentum legitimiert. Und damit öffnete man sich dem organisierten (und sehr mächtigen) jüdischen Einfluß. Noch dazu, wo sich die Juden weltweit als Teil einer großen Familie sehen. Aber die Haltung von Juden gegenüber dem Christentum hat sich nicht durch diese einseitige Proklamation der Katholiken geändert. Das zeigt sich im Talmud, der die interpretative Schrift zur Torah ist, dem eigentlichen mosaischen Textkorpus und spätestens seit dem frühen 2. Jahrhundert maßgeblich (und identitätsstiftend) für das Judentum war.

Man muß deshalb als eine der Folgen sehen, daß genau damit die Tore dafür geöffnet wurden, daß christliche Gesellschaften atomisiert wurden. Dieser Effekt ist bei protestantisch geprägten Gesellschaften noch stärker, denn einerseits spielt dort das Alte Testament eine größere (und buchstäblichere) Rolle, und anderseits führt sich ihre Bibelübersetzung (Luther!) auf jüdische Rabbis zurück, ist also von deren Glaubensgewebe geprägt.


Morgen Teil 5)




*130618*

Freitag, 13. Juli 2018

Ein Ereignis des Nominalismus (3)

Teil 3)



Damit ist der Weg frei um zu verstehen, daß es "die Menschen" sind, die die Kirche SIND. Und zwar alle (Getauften; Anm.). Kirche ist nicht "die Hierarchie des Klerus", sie ist nur ein Teil der Kirche. Das heißt zwar nicht, daß Staat und Kirche zusammenfallen, aber es heißt, daß die Nation, der Staat durch die Menschen zur Kirche gehört. Der König wird damit nur zum Träger gewisser Funktionen, zu deren Ausübung er gewisse Hierarchie braucht. Deshalb gibt es - nach orthodoxer Sichtweise - keinen Unterschied in der Gnade vor Gott, ob es sich nun um einen Bauern oder einen Bischof handelt. 

Damit steht die orthodoxe (katholische) Sicht der Sichtweise des liberalen Demokratismus völlig entgegen. Der Staat kann niemals von der Religion getrennt werden. Und nun sind wir an dem Punkt wo wir sagen müssen, daß das 2. Vatikanum den Modernismus in seine Lehre einließ. Deshalb muß man es als häretisch bezeichnen. Darin ist der Grund zu sehen, warum niemand heute noch die Kirche ernst nimmt, nicht einmal der überwiegende Teil der sogenannten "Gläubigen". Das ist das größte Problem der römisch-katholischen Kirche, sagt Geyer. 

Denn seit dem 2. Vatikanum nimmt sich die Kirche nicht einmal mehr selber ernst. Seither sieht es sich als Alchemisten, der aus einfachen Elementen Gold machen kann, selbst.* Was für einen Wert soll Gold dann noch haben? Wenn die Menschen aber eine Kirche erleben, die sich selbst nicht ernst nimmt, der alles gleichgültig zu sein scheint, weil ohnehin aus allem irgendwie Gold wird, warum sollte ein Gläubiger noch in dieser Kirche bleiben? Er geht, das ist nur zu verständlich!

Aber indem die Kirche ihre Tradition entwertet hat, hat sie die Gesellschaft, der Kultur ihre Basis entzogen. Deshalb gibt es eine direkte Verbindung zur Wirtschaft, enorme Parallelen. Das Fiat-Geld entspricht dem Nominalismus der Kirche, wo niemand mehr ernst nimmt, was er sagt. Wucher und Homosexualität sind zwei Seiten derselben Medaille, wo Fruchtbarkeit nur noch behauptet, aber durch keine Realität mehr gedeckt ist. Das Zweite Vatikanum ist exakt dasselbe: Es hat Fiat-Geld erzeugt, nimmt die Tradition, die eigene Sprache nicht mehr ernst. Paul VI. hatte deshalb völlig recht als er sagte, daß der Rauch Satans in die Kirche eingedrungen sei. 

Denn es hat den Nominalismus in die Kirche eingeführt. Es hat eine Sprache eingeführt, die nicht mehr länger meint, was sie sagt. Und Nominalismus ist die Analogie zum Tod, denn er meint, daß nichts real ist. Alles ist nur Rauch. Wenn innerer Wert, Aussage, Sinn keine Basis im Ding selbst hat, nichts also fixiert ist, alles "übertragbar" auf andere Dinge ist, weil jeder Sinn vom Alchemisten "eingesetzt" werden kann, egal wohinein, dann löst sich alles auf. Es ist Nihilismus. Es gibt keine unbewegbaren Dinge mehr, sie zerfließen im Relativen. Und damit zerfließt auch Gott, der in der Liturgie inkarniert ist (oder: wäre).

Das ist die Botschaft der Liturgie seither. Was Sinn hat hängt nur noch vom "Meister" ab, von seinem Wissen, von seiner Weisheit, von dem, womit er Dinge auflädt. Sinn wird zur relativen Vereinbarung. 

Deshalb zeigt sich spätestens seit der protestantischen Reformation dieser Kampf gegen die Kirche und vor allem gegen den Papst. Denn sie ist aus ihrer Natur heraus allen weltlichen Regierungen übergeordnet. Und der Papst hat sich ja tatsächlich als "Super-Imperator" dargestellt.  Deshalb sieht Geyer auch den jahrhundertelangen Konflikt Englands mit dem Papst gar nicht so sehr als religiösen, sondern weit mehr als machtpolitischen Konflikt. Der - in orthodoxer Sichtweise - auf einer häretischen Sicht dessen beruht, was klerikale-kirchliche Hierarchie überhaupt ist. Nämlich eben keine korporale, weltliche Machtorganisation! Der Papst war nicht nur eine religiöse Autorität, sondern auch eine politische Autorität. Und er war das kraft gewisser "Selbstherrlichkeit" (woraus sich dann allmählich die Unfehlbarkeitsdefinition entwickelt hat, so Geyer.) Er war damit jedem Führer im Christentum überlegen. 

Der Protestantismus war deshalb zuallererst eine Rebellion der Fürsten und Könige GEGEN DEN PAPST als Super-Imperator. Also primär weltlich motiviert. Und diese Rebellion mündete - über die Enteignung der Kirche - direkt in den geldbasierten internationalen Kapitalismus und in den Neokonservativismus. 

Was im Zweiten Vatikanum passierte, findet sich aber als Folie über viele Jahrhunderte zurück. Indem die Autorität der Religion gebrochen wurde, verloren ganze geographische Räume ihren inneren Zusammenhalt, weil ihre geistige Einheit. Damit werden sie als Kampfplatz für andere Interessen aufgebrochen, werden letztlich für starke Mächte (wie es das internationale Geld ist) leichte Beute. Das passierte sogar bei der arabischen Welt durch die Jungtürken und vor allem durch Atatürk, der das Kalifat zerstörte und damit die gesamte arabische Welt, die nachhaltig zerstört war, dem westlichen Finanzkapitalismus öffnete. 
Morgen Teil 4)





*130618*

Österreichische Klassiker

Wahrscheinlich ist keinem Volk der Erde die reife Traurigkeit so eigen wie dem Österreicher. Sei es in Vorahnung vor dem Ende der Monarchie, sei es im Nachklang, diesem Trauma der Ohnmacht angesichts einer übermächtigen Welt. Trauer ohne je sentimental zu werden. Gefühlssimulation hat der Österreicher nicht notwendig. Da ist alles echt.

Peter Alexander
"'s ist einmal im Leben so, allen geht es ebenso, was man möcht so gern, liegt so fern."
Aus "Das weiße Rössl" von Ralf Bernatzky









*100618*

Donnerstag, 12. Juli 2018

Ein Ereignis des Nominalismus (2)

Teil 2)




Diese Entwicklung ist in der Geschichte bereits seit dem späteren Mittelalter zu beobachten. Auch hier begann es erst mit dem 11., 12. Jahrhundert, daß man Texte als Wirklichkeit für sich zu sehen begann. Plötzlich tauchen überall Urkunden auf, zum Beispiel, die Realitäten (Herrschaftsansprüche, Besitzverhältnisse etc.) "begründen". Das war zuvor undenkbar! Ohne Tradition, ohne persönlichen Hintergrund war ein Text wertlos, der konnte nie mehr sein als Erinnerung, als Markierung von darüber hinausgehenden Realitäten.

Mit diesem Schritt der Trennung dieser Kommunikationsmomente aber wurde die Kirche in die Medienwelt hinein aufgebrochen, und ihre Aussagen wurden auf dieselbe Ebene eines bloßen Textes gestellt. Erst damit wurde sie offen für Propaganda und mediale Manipulation. Damit wird zugleich aber auch die Rolle von Medien als Werkzeuge politisch-ideologischer Interessensgruppen deutlich relativiert. Denn das eine gründet im anderen, im Nominalismus eben, diese Prozesse lassen sich nicht voneinander trennen.

Aber damit wurde eine ganz neue Entwicklung ausgelöst. Das weitreichendste Beispiel war das neue Meßbuch, der NOVO ORDO MISSAE, der NACH dem Konzil (unter der Federführung von Kardinal Bugnini) ausgearbeitet wurde. Und das ist auch schon das größte Problem des NOVO ORDO: Er entstammt NICHT der Autorität des Konzils, wie dann behauptet wurde. Denn er hätte nur INNERHALB DES KONZILS beschlossen werden können. Einfach eine "Kommission" zu beauftragen, die dieses Heiligste der Kirche festlegt, ist IN SICH UNMÖGLICH. Und wir sprechen hier von einem dogmatischen Faktum, nicht von einem "technischen Detail". Im Gegenteil, wurde ja am Konzil selbst FESTGELEGT, daß DIE LITURGIE NICHT GEÄNDERT WIRD (sieht man von kleinen Änderungen ab.)

Eine neue Liturgie festzusetzen war also nicht einfach ein Akt des Ungehorsams, es war ein DOGMATISCH UNMÖGLICHER AKT. Das neue Missale der Kirche war NICHT Teil des Zweiten Vatikanums, es ist nachher entstanden. Und DAS war der Akt, der die Spiritualität der römischen Kirche völlig, und zwar wirklich völlig zerstörte! Denn damit hat man die Spiritualität sämtlicher Gläubigen der Welt verändert. Denn die Liturgie ist der eigentliche, ja der einzige Akt, AUS DEM HERAUS dann auch das intellektuelle Leben der Menschen geformt wird. Ist die Liturgie aber - wie geschehen - gar nicht aus dem innersten Herz der Kirche entstanden, öffnet man sie bzw. öffnet sich ohne jeden Zweifel für das Wirken des Antichristen, des Teufels. 

Denn dem ist es immer nur um die Liturgie gegangen, sie ist das Herz der Kirche, und damit der Kultur. Es ist die Liturgie, die den Willen, die Ausrichtung der Menschen formt, ohne langen intellektuellen Disput (Gnosis), der für die allermeisten, ja eigentlich für alle ohnehin gar nicht bewältigbar ist, denn Gott ist unendlich. Und die Liturgie ist göttlichen Ursprungs! Sie ist damit ein in seiner Umfänglichkeit gar nie auslotbares Mysterium des Geistes, deshalb kann sie nur über Tradition und als Gestalt weitergegeben, niemals durch intellektuelle Leistung "erdacht" werden.

Der Geist des Westens wurde also mit der Zerschlagung des traditionellen Ritus definitiv zerstört. Deshalb muß das Zweite Vatikanum als Teil eines globalen westlichen Bestrebens gesehen werden, die Grundlagen unserer Kultur zu zerstören. Und dazu mußte man die Quelle dieser Kultur - die Liturgie der Hl. Messe - im Mark treffen. (Wie gesagt: diese Veränderung kann man nicht durch die "Änderung" einzelner Vorgänge erfassen, sie geht, wie oben dargestellt wurde, viel viel tiefer! Sie ist eine Frage des Zugangs zu Gestalt und Inhalt überhaupt!) Und über die Liturgie hat man auch die Weltanschauung des Westens ins Mark getroffen. 

Was dann in den 1968ern (die als "Bewegung" eine Orchestrierung des CIA war; daß er LSD gezielt als Waffe der Auflösung einsetzte, ist mittlerweile von niemandem bestritten) passierte - Auflösung der Autoritäten, Rebellion (in der Liturgie der Musik als realer Quelle), Drogen, sexuelle Befreiung etc. - ist nur als integraler Bestandteil dieser Gesamtbewegung zu sehen, meint Florian Geyer weiter. Man hat gewissermaßen den "Generator unserer Kultur" desintegriert. Desintegriert ist das Stichwort für die Auflösung der sozialen Gestalt der Gesellschaften. Wie die jungen Generationen, die von ihren Eltern isoliert, aus den Familien desintegriert wurden.

Im Zweiten Vatikanum hat man genau dasselbe gemacht. Sein Endresultat war die Desintegration der Tradition. Es war die Auflösung von echtem Gold in Quecksilber (also in Bestandteile, in chemische Elemente), um es im Terminus der Alchemie auszudrücken. Und als einzelne Elemente wurde es dann der Herrschaft des "Hexenmeisters" unterworfen. (Und tatsächlich ist es bis heute ein oft gehörtes Argument, daß die Einzelteile der Liturgie des NOM ja alle noch da wären.) 

In allen anderen Bereichen unserer Kultur erleben wir heute genau dasselbe: Auflösung aller traditionellen Gestalten in seine "chemischen Elemente". Die Folge ist die Auflösung eines in der Natur verankerten Moralgesetze zugunsten neuer, technisch definierter Moralgesetze, die aber eiderdautz eine völlig neue Moral ergeben. Deshalb geht auch die Argumentation der meisten Kritiker des 2. Vatikanums an der eigentlichen Sache völlig vorbei! Sie setzen sich mit Einzelaussagen, mit Textinterpretationen auseinander und sehen nicht, daß das Wesentliche durch die Veränderung der Sprache, durch eine neue Art der Kommunikation geschehen ist.

In der Liturgie - sei es in der des Johannes Chrysostomus wie die Orthodoxie, oder in der des tridentinischen Ritus wie bei den Katholiken - ist einfach alles Symbol und Träger symbolischer Information. Alles. Jede Geste, die Architektur, die Ikonographie, einfach alles gibt "Information" weiter, ist Sprache, ist Kommunikation, ist "Formierung". Alles ist mit Bedeutung und Sinn aufgeladen, und alles verweist über sich hinaus ins Transzendente, ins Ewige, in den Himmel. Die Liturgie ist ein Fenster in den Himmel, der sich hier mit der Erde verbindet! 

Deshalb ist die Liturgie die Manifestation der Herrschaft und des Königtums von Jesus Christus, die damit irdische Realität werden, als Reich Gottes auf Erden (Kirche). Damit gibt die Liturgie auch die Form und die Gnade, die alltäglichsten, kleinsten Verrichtungen - draußen, im Alltagsleben - zu bewältigen. Und zwar sub auspicii aeternitatis, also in einer immanenten Ausrichtung auf das Ewige hin. Damit kann, ja damit muß man sagen, daß die Religion eben die Kultur trägt und formt. So wird die ganze Erde, in der Bearbeitung durch den Menschen, der von der Liturgie geformt ist, in der Kultur ins Reich Gottes hineingezogen.


Morgen Teil 3)





*130618*

Stalin wollte ganz Europa unterwerfen (4)

Teil 4)




Als Deutschland den Krieg verloren hatte, wurde der Mißerfolg in Rußland damit begründet, daß die Bedingungen - der harte Winter, die schlechten Straßen, der Schlamm etc. etc. - der Grund gewesen seien. Nur, sagt Suworow, das kann doch niemand ernst meinen? Alle diese Dinge waren doch nicht überraschend!? Man wußte das alles im Voraus! Aber man war einfach nicht darauf vorbereitet, und das ist ein gewaltiges Versäumnis, kein "überraschender Schicksalsschlag". Dennoch unvorbereitet anzugreifen war schlicht ein Versagen. Mit dem Stalin geschickt spekuliert, zu dem er Hitler provoziert hatte. Denn Stalin blieb im Grunde gar keine andere Wahl als Krieg zu suchen, weil es nicht gelungen war, das versprochene Paradies der Arbeiter zu schaffen. Und er hatte dabei die Vordenker des Sozialismus - darunter Chruschtschow - auf seiner Seite, die genau wußten, was sich da abspielte.

Womit hatte man gerechnet? Russen sind doch keine Idioten!? Sie waren die ersten im Weltraum, sie haben die besten Schachspieler, sie fördern am meisten Öl, haben gigantische Rohstoffvorkommen ... Man sollte also Rußland nicht unterschätzen, sondern sich vielmehr fragen, warum es mit diesen Voraussetzungen nicht ganz oben an der Spitze der Welt steht. 

Hitler hat die Russen unterschätzt, und prompt ging er Stalin auf den Leim. Der nun jemanden hatte, den er geschickt benutzen konnte, um seine eigenen Pläne durchzuziehen. Und sie sind ihm auch weitgehend geglückt: Stalin hatte 1945 zwar nicht ganz, aber einen beträchtlichen Teil Europas unter seiner Macht. Etwas anderes hatte er nie vorgehabt. Die Sowjetunion war nach 1945 außerdem Weltmacht, ex aequo mit den USA am ersten Platz, zumindest scheinbar und so lange der Bluff eben ging. Aber die Bösen vor der Weltgeschichte sind trotzdem die Deutschen und ist Hitler. Stalin war weit gerissener, realistischer als Hitler, der sich völlig überschätzte und viele zur gleichen Selbstüberschätzung verführte.

Was Suworow da vorzeigt ist ziemlich interessant. Vor allem, weil er den Blick auf Details lenkt, die überraschen, und auf die man normalerweise nicht schauen würde. Denn Geschichte läßt sich einfach nicht nur durch Dokumente belegen, offizielle Dokumente sind meist nur sehr bedingt aussagekräftig. Also entwirft Suworow einen Thesenbogen, der dem gesamten Geschehen einen Sinn geben soll, und den er durch handfeste Materialien belegt, an die aber niemand denkt. Wer kommt auf die Idee, ein Impressum auf einem Plakat zu suchen, das das Druckdatum enthält? Aber DAS seien Dokumente die weit mehr aussagten, meint er.

Seine Argumentation hat deshalb vor allem "Plausibilitätsfunktion", und die Belege für seine Thesen sind oft verblüffend. Und wirken nicht wenig überzeugend. Außerdem sind sie ziemlich originell und machen Suworow fast zu einem Gestaltseher. Eine Eigenschaft, die man nur schöpferischen Geistern zuschreiben kann.

Nicht verhehlt soll abschließend werden, daß die Ursache für die anfänglich inferiore Rote Armee beim Angriff der Deutschen für die meisten Historiker in den furchtbaren Säuberungen Stalins in den 1930er zu suchen sei. Diese hatte wiederum vor allem höhere, erfahrene Offiziere getroffen. Fieberhaft wurden in Schnellsiedekurse "Offiziere" ausgebildet, die die so entstandenen Lücken füllen sollten. Zusammen mit den enormen Aushebungen an Soldaten, stand im Juni 1941 die Rote Armee in einer Phase eines Neuaufbaus. Es fehlte aber extrem an Offizieren, und die Kampfmoral der Truppen, vor allem der allgemeine Informationsstand, war durch die ständige Drohung, Säuberungen zum Opfer zu fallen, sobald man seine Meinung äußerte, sehr niedrig. Die meisten Historiker sind auch der Ansicht, daß die Sowjetarmee an Waffen zwar zahlenmäßig weit überlegen war, daß aber die meisten Flugzeuge, Panzer, Geschütze veraltet waren. Man hatte sie aber im Dienst gelassen, weil die zusätzlich ausgehobenen Truppen ja irgendwie bewaffnet werden mußten. Der VdZ kennt aber auch keinen Historiker, der der Roten Armee nicht von Anbeginn an eine enorme Mobilität zugeschrieben hätte. Die Ausrüstung mit Lastkraftwagen war also schon 1941 hervorragend. Und selbst deutsche Offiziere konzedierten bereits 1943, daß sie über das Tempo, mit dem die Rote Armee taktisch dazugelernt hatte (und die deutsche Strategie der dynamischen Tiefenverteidigung quasi imitierte), überrascht waren.









*110618*

Mittwoch, 11. Juli 2018

Ein Ereignis des Nominalismus (1)

Das Entscheidende, sagt Florian Geyer in diesem (unten angefügten, längeren) Radiogespräch aus den USA, das beim Zweiten Vatikanum passiert ist, ist nicht, daß sich irgendeine Lehre explizit geändert hätte. Solche Aussagen hat dieses ökumenische (also: katholische, allumfassende) Konzil tunlichst vermieden. Es ist außerdem zwar richtig, daß seine Rezeption maßgeblich von politischen Einflußgruppen gesteuert wurde, es ist richtig, daß hier besonders in den USA massive Einflußnahme über CIA und jüdische Einrichtungen (im übrigen auch über den Mossad) stattfand, die die Medien in den Händen hatten und so Stück für Stück die katholische Kirche der "amerikanischen Proposition", also dem "Amerika zuerst" (und über der Kirche) unterwarf. Aber dennoch muß man dieses Konzil in einem geistigen Strom sehen, der sich bereits lange zuvor aufgebaut hat und der nun die Kirche überschwemmt und durchdrungen hat - die Rede ist vom Modernismus, vom Nominalismus.

Natürlich ist Geyer orthodoxer Theologe, wenn auch mit katholischem Hintergrund. Das zeigt sich unter anderem in der Sichtweise eines Konzils, in dem er die (orthodoxe) Auffassung vertritt, daß es nur durch die Gemeinschaft der Bischöfe (also "konziliarisch") unfehlbar wird, nicht durch den Papst (wie die katholische Doktrin sagt, die zwar das "depositum fidei" kennt, das sich in der Kirche als Ganzes erhält, aber die Letztentscheidung im Bischof von Rom verankert.) 

Doch gerade als "Stimme von außen" wird das Gespräch interessanter - ja es ist hoch interessant - als so viele Analysen dieses beispiellosen Niedergangs, den die Kirche weltweit seither erlebt hat, die uns allen ja allzu bekannt sind. Und in den ersten Minuten des Gesprächs in etlichen erschütternden Zahlen deutlich gemacht wird. So sagt er, daß in seinen Augen der derzeitige Papst Franziskus gar nicht an die Wahrheit des 2. Vatikanums glaubt, anders als noch seine Vorgänger, besonders dabei Benedict XVI.

Wobei - Änderungen gäbe es schon. So in der seltsamen Lehre, daß Staat und Kirche "getrennt seien". Dazu unten mehr. Aber das Konzil hat in erster Linie auf eine andere Weise alles verändert als durch offizielle Änderung einer Doktrine - es hat durch seine Sprache alles verändert. Dieses Konzil hat kein Dogma formuliert, oder Irrtümer anathematisiert. Es war anders als alle früheren Konzile ein Sprachereignis. Und zwar von der Lehre ausgehend über die Liturgie bis zum Wesen ihrer Heiligkeit und Spiritualität. Alles das wurde zerstört.  

Die Kirche hat ihre gesamte Art sich mitzuteilen verändert. Und ÜBER DIESE NEUE SPRACHE hat sie ihre Lehre geändert. Sie hat darin die "Herrschaft der Verkündigung" aufgegeben. Diese ist aber Voraussetzung jeder Verkündigung, weil die Dominanz, die Autorität des Verkünders jeder Glaubensmitteilung vorausgehen muß.

Geyer spricht damit den entscheidenden Punkt an, das ist keine Frage. Denn seither wird über Glaube und Lehre "diskutiert", als wäre alles ein rationales, quasi dialektisches oder disputorisches Aufrechnen von Argumenten. Wirkliche Mitteilung aber - und das muß und kann die Kirche, wie jede Autorität - geht davon aus, daß die eine Seite sich nach der anderen, der "höheren", ausstrecken muß. Nur so kann der überlegene Inhalt (und das ist bei der Kirche und ihrer Tradition auf jeden Fall Tatsache) vom Verstehen-Wollenden nach und nach begriffen werden, kann also ein Inhalt seine Wirkkraft im Übernehmenden entfalten. 

Hier geht es nicht um eine "moderatere Art", in der jeder Inhalt derselbe bleibt, sondern die Art der Vermittlung, die Art der Kommunikation bestimmt immer bereits auch die Inhalte, und sei es über die Stellung von Aussagen im seelisch-geistigen Gefüge der Hörenden. Geyer verwendet deshalb sehr zutreffend das Wort "Alchemie" - Erkenntnis, Übergang von Inhalten als technisches Ereignis (im Rationalismus), nicht als eines des Sittlichen hier, der Gnade aber vor allem dort. Denn Begriffe, Inhalte sind mehr als ihre rational reduktiven Hüllen, sie sind Wirkeinheiten weil Wirklichkeiten. 

Das bestreitet ja der Nominalismus. Damit aber wird Verkündigung tatsächlich zum bloß rationalen Vorgang einer Rechenmaschine. Nur - so funktioniert das nicht! So funktioniert überhaupt keine Kommunikation, auch nicht unter rationalistischen Bedingungen, das ist ein Irrtum. Sprache ist vom Sprechenden und dem persönlichen Bezug und Verhältnis zum Hörenden NIEMALS ZU TRENNEN.

Das zeigt sich in unseren Tagen noch deutlicher als damals, wo auch der VdZ die Kirche als sich in einem Klima der Interpretation auflösend erfahren hat. Weil die Texte als Wirklichkeit für sich genommen wurden. Aber Sprache kann immer nur verstanden werden, wenn man Interpretation (die im Sprechenden lebendig bzw. als depositum gewissermaßen vorhanden ist) und nomineller Text IN EINEM sieht. Deshalb kann eine Doktrin, eine Lehraussage gar nie von der Gemeinschaft der Bischöfe und ihrer Interpretation gesehen werden, beides fällt zusammen! Man muß also einen Text nehmen, und um ihn zu verstehen muß man die Interpretation des Sprechenden (Schreibenden) ebenso mitsehen und mithören. Sonst kann gar nichts anderes als Mißverständnis (und zahllose Interpretationsvarianten) entstehen.

Morgen Teil 2)






*130618*

Stalin wollte ganz Europa unterwerfen (3)

Teil 3)


Ebenfalls für die Fortgeschrittenheit der Angriffspläne Stalins spricht der Umstand, daß die Waffensysteme an der Grenze zu Deutschland auf kleinsten Raum konzentriert waren. Im Verteidigungsfall macht man das genaue Gegenteil. Da stellt man nicht (wie geschehen) hundert Panzer Stoßstange an Stoßstange, ohne jede Tarnung, in Reihen dicht nebeneinander. Das tut man wenn man angreifen möchte und mit eigener Luftüberlegenheit rechnet. So, wie es die Amerikaner 1944 in Frankreich taten. So lassen sich die enormen Materialverluste zu Beginn des deutschen Angriffs im Mai 1941 erklären. Während die deutsche Ausrüstung gleich einmal mit riesigen Mengen an Beutewaffen ergänzt wurde.

Die horrenden Zahlen an Gefangenen erklärt Suworow anders. Stalin hatte schon ab 1939 Millionen von Gulag-Häftlingen Freiheit versprochen, wenn sie die Uniform anzogen und Dienst mit der Waffe taten. Ein Gewehr genügte dafür. Und Millionen meldeten sich, was hatten sie zu verlieren?

Daß solche "Truppen" keine Kampfkraft haben liegt auf der Hand. Aber im Falle eines Angriffs auf den Westen bildeten sie eine durchaus sinnvolle Nachhut und Besatzungsmacht, die sich aus dem Land ernähren konnte. Als dann aber doch Deutschland angriff, erfüllten sie einen anderen Zweck, wie sich herausstellte. Denn sie belasteten den Feind, hemmten den Vormarsch, und banden große Kräfte. An Soldaten, logistisch, an Material und Transportmitteln, und vor allem am knappesten Gut der Wehrmacht in Rußland: An Lebensmitteln. Es war tatsächlich der vielleicht entscheidende Faktor, daß der deutsche Vormarsch auf Moskau zu langsam vorankam - daß im Hinterland riesige "Kessel" mit Millionen (an Kampfkraft wertloser) Gefangenen aufgearbeitet werden mußten.

Die Berichte über die deutschen Blitzerfolge haben also gar nicht die deutsche Überlegenheit zur Grundlage, die gab es nicht wirklich. Sie waren zum überwiegenden Teil der Propaganda beider Seiten zuzuschreiben, in je unterschiedlicher Richtung. Hitler war interessiert daran, möglichst erfolgreich dargestellt zu werden. Stalin das Gegenteil: Er stellte die Gefährdung seines Landes möglichst dramatisch dar, weil er so riesige Hilfslieferungen der Amerikaner erhoffte - und bekam. Und er mußte vor allem seine Angriffsabsichten vertuschen. Also mußte er sein Land als militärisch unvorbereitetes Opfer verkaufen.

Der russische Historiker und ehemalige hohe Armeeoffizier mit detektivischem Sinn für Details zeigt sogar Kriegspropaganda-Material, das bereits im März 1941 angefertigt wurde. Und er weist auf sechs Millionen deutsch-russischer Kleinwörterbücher für Soldaten hin. Die schon im Mai 1941 gedruckt waren. Und mit was für Phrasen darin! Interessiert sich ein Rotarmist, der seine Heimat auf Heimatboden verteidigt dafür, wo das Telegraphenamt ist? Das kann er dann doch in Russisch machen? Aber noch mehr. Suworow erzählt daß er lange darüber nachgedacht habe, warum diese Wörterbücher nicht für friedliche Zwecke gedacht sein konnten. Bis er das nötige Detail gefunden hatte: Die Phrasen hatten sämtlich Befehlscharakter. Während das Deutsche sich dadurch auszeichnet, daß es im Frieden für solche Dinge sehr oft "bittet".

Nur einige von vielen Details, die hier präsentiert werden. Und die Frage aufwerfen: Kann man da noch glauben daß Stalin von Hitlers Angriff "überrascht" war?


Morgen Teil 4)





*110618*

Dienstag, 10. Juli 2018

Stalin wollte ganz Europa unterwerfen (2)

Teil 2)







Die Bilder, die Suworow präsentiert, belegen recht eindeutig, daß der Angriff auf Polen "kon-genial" ausgeführt wurde. Beide Armeen verstanden sich als "Brüder", und das nicht ohne Grund. Wer sich aus ideologisch-ethischen Gründen dagegen aussprach, wurde beiseite geschafft. Es kam zu einer nächsten Verfolgungswelle in der Sowjetunion. Das wirkte noch glaubwürdiger. Auf ein paar Menschenleben kam es Stalin nie an, immerhin hatte er ehe er sich in die Politik einschaltete bereits als Bankräuber eine ansehnliche Verbrecherkarriere absolviert.

Und dann lehnte Stalin sich zurück und ließ Hitler einmal machen: Westeuropa angreifen, und dessen Armeen außer Betrieb zu setzen, sei es durch einen Sieg, oder sei es durch eine Materialschlacht (und davon ging man damals noch mehrheitlich aus) wie im Ersten Weltkrieg. DANN war der geeignetste Zeitpunkt Europa anzugreifen, denn dann würde Deutschland bzw. Europa schwach genug sein. Und tatsächlich hatte ja Hitler den Krieg (der im Frühjahr 1941 noch ein rein europäischer Krieg war) gewonnen. Oder - so gut wie. 

Stalin belieferte sogar Hitler-Deutschland mit Rohstoffen, auch das versprach er 1939. Hitler konnte sich also sicher fühlen. Und alles das diente Stalins Hauptziel! Sämtliche Staaten Europas hatten keine funktionierenden Strukturen - Parteien, Gewerkschaften, Regierungen - mehr. Aber mehr noch: Westeuropa würde die Sowjetunion als Befreier begrüßen! Also mußte man Deutschland alle Verbrechen begehen lassen. 

Der Angriffsplan Stalins war eine fast notwendige Folge des wirtschaftlichen Desasters, das sich in der Sowjetunion damals abspielte. Die Konsumgüterproduktion war fast völlig zum Erliegen gekommen. Nur die Rüstungsindustrie funktionierte. Also rüstete Stalin in den 1930er Jahren auf, und zwar in einem Ausmaß, wie es die Welt noch nicht gesehen hatte. Und anders als es heute heißt, waren dabei die sowjetischen Waffen keineswegs unterlegen, sondern im Gegenteil: sie waren hoch modern. 

Und sie mußten eindeutig, so Suworow, mit einer Verkehrsinfrastruktur rechnen, die die Sowjetunion selbst gar nicht hatte! Sie war völlig auf das europäische Straßensystem ausgelegt, sonst hätten die hervorstechendsten Merkmale etwa der Panzer - enorme Geschwindigkeit, enorme Panzerung, präzise Kanonen (Suworow vergleicht etwa die Kanonen auf deutschen Panzern mit denen der Roten Armee, die deutlich überlegen waren) - keinen Sinn ergeben. Das gleiche gilt für die riesige Anzahl russischer Kanonen, die auf russischem Terrain kaum verwendbar waren. Alleine an Flugzeugen standen 4.000 deutsche 20.000 sowjetischen Maschinen gegenüber.

Die Anfangserfolge der Wehrmacht waren auf andere Umstände zurückzuführen. Denn in Wirklichkeit war die Wehrmacht völlig unzulänglich ausgerüstet, schon gar im Vergleich mit der Roten Armee. Da brauchte die Rote Armee nur Zeit, um sich neu aufzustellen. Zudem waren gigantische Mengen Rüstungsmaterial - noch dazu auf Angriffszwecke ausgerichtet - in deutsche Hände gefallen. Manche Flugfelder lagen sogar nur achthundert Meter von der deutsch-sowjetischen Grenze entfernt. Wer macht so etwas, wenn er mit Verteidigung rechnet?

Der Angriff Deutschlands 1941 lief mit unglaublich rückständigen Mitteln ab, auf diesen Seiten findet sich bereits dazu Texte. Sie kamen mit Pferdewagen, oder in Fußmärschen. 750.000 Pferde wurden eingesetzt, wie zur Zeit Napoleons! Während nur knapp 4000 Panzer zur Verfügung standen - ein Fünftel der Roten Armee. 

Der Mobilisierungsgrad der Wehrmacht war verheerend und den deutschen Angriffsplänen gar nicht angepaßt. Daß er dennoch erst erfolgreich war hatte nur damit zu tun, daß die Rote Armee schon viel zu nahe an der Grenze aufmarschiert, und auf Verteidigung gar nicht eingestellt war.



Morgen Teil 3)





*110618*

Also dann: Weiter mit österreichischen Klassikern

Auf besonderen Wunsch von Leser R führen wir die Reihe weiter ;-)

Cissy Kraner
Ich wünsch mir zum Geburtstag einen Vorderzahn








*100618*