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Montag, 13. Juli 2020

Ein einziger dramatischer Kernkonflikt

Wenn heute und an folgenden Tagen auf bereits (vor längerer Zeit) erschienene Artikel zurückgegriffen wird, dann hat das gute Gründe. Deren wichtigster eine gewisse Sprachlosigkeit ist, die der VdZ angesichts der aktuell zu beobachtenden Ereignisse rund um uns hat. Die wie jede Sprache aus einem Wirklichkeitsimpuls stammt, der in diesem Fall ... fehlt. Der vielleicht abhanden gekommen ist, dessen Fehlen "zu handeln" viel wahrscheinlicher seine Ursache darin hat, daß manches wohl neu bedacht werden muß. 

Denn ist nicht längst alles gesagt, auch und vor allem sogar an dem, was da Tag für Tag egal in welchen Medien (der VdZ nimmt hier "alternative" Medien ausdrücklich NICHT aus) auftaucht. Und noch dazu meist mit dem "Heureka" des Entdeckers geschmückt wird - obwohl es seit dreißig und viel mehr Jahren klar und erkannt ist? Also ist es oft nicht mehr als eine Selbsttäuschung und dem Nachrücken jüngerer Generationen zu verdanken, die die Fülle des Sprachraumes, der der Raum des Denkens und des Geistes ist, zum einen nicht oder zu wenig kennen, oft nicht einmal kennen wollen, und zum anderen auf jene Weise besoffen vom Begegnenden sind, das dem, der sich beginnt auszustrecken, mit der Erweiterung der Reflexions- und Rezeptionsfläche eben zu bewegen beginnt. Sodaß er aus subjektivem Erleben glaubt, Neues entdeckt zu haben, was aber im Ganzen gesehen "alter Hut" ist. 

Der VdZ ist damit nicht zufrieden. Wenn, so sagt er, alles das, was da als "Aufdeckung" kolportiert wird, alles das, was als "so läuft die Welt in Wahrheit und Wirklichkeit" alles sein soll, was wir zu leisten vermögen, muß man doch darüber nachdenken, was es wert ist. Wenn man sieht, daß unsere Gesellschaften (also unsere Kultur) wie ein vollbeladener Güterzug ohne jede noch so kleine Verhinderung ungebremst in die falsche Richtung rast. Und das mit einem Tempo, mit einer Untrüglichkeit, exakt das nächste Falsche, aber Logische und damit Notwendige zu erreichen, daß man sich doch zwei Fragen stellen muß:

Macht man etwas falsch? Folgt man einem Handlungsimpuls nicht, oder überhört man ihn, aus dem heraus man erst in der Lage wäre, das Richtige(ere) zu tun? Oder fehlt es gar am Willen, ist also diese gesamte Diskussion, die das Netz mit Worten überschwemmt, bloßes Geplaudere beim Tee, wo sich die großen Denker gegenseitig versichern, zu den Guten zu gehören? Und das auf allen Seiten!

Oder denkt man falsch! Denkt man etwas nicht, sieht man also etwas in der Wirlichkeit nicht, das zu denken aber notwendig wäre, um aus der Analyse heraus, also aus dem Erkennen der wirklichen Faktoren, die unsere Realität gestalten und uns somit bewegen, das Richtige tun zu können? 

Und was ist mit dem Richtigen gemeint? Eine Revolution kann es nicht sein, sie wäre eine contradictio in adjectio. Und der Weg des Katholischen kann auch keine Utopie sein, also eine quasi-faschistische Einrichtung des Richtige(re)n. Denn das Moment der Freiheit ist das wesentlichste Moment in der Sinnerfüllung des Menschen. Wir werden also in jedem Fall mit einer geschichtlichen Situation leben müssen, in der die Menschheit nach und nach in den Abgrund rutscht. Der Teufel ist nämlich ein mathematischer Zinsrechner. 
Der Teufel ist der Wucherer, der auf unser Geld Zinsen verlangt, die unerbittlich angerechnet werden, und uns tendenziell gerne unter Wasser drücken. Unsere Rettung ist also (fast) immer eine des letzten Augenblicks, knapp vor dem Moment, in dem wir absaufen.
Denn die Realität des freien Menschen ist nicht und niemals "dicht," ganz in die Gnade, ins Sein Gottes, hineingereicht. Unsere Hände sind wie Siebe, zerbrechliche Gefäße, und unsere Realität ist fehleranfällig und nur durch Schuldeinbekenntnis und -vergebung im Rahmen des göttlichen Vorsehungsspieles zu ihrer maximalen Erfüllung zu bringen. Der Tank, mit dem der Katholische Mensch fährt, ist also immer ein Sack, der aus vielen Stellen seine Energieträger verliert. 

Das ist der Teufel nicht. Er ist immer präsent, und er nützt jedes dieser Lecks in unserem Tank, um es zu nützen, um es zu vergrößern, um uns zu schwächen. Wir werden aber im Aufspüren dieser Lecks eben immer Zweite sein, posthoc tätig sein, reagieren, flicken, wodurch das Sein aber bereits ausläuft, und wer weiß wie lange Zeit ausläuft, was heißt: Uns entglitten ist.
Wenn eine Erzählung nicht "wirkt", muß darüber nachgedacht werden, ob es nicht an ihr liegt.
Dieses Blog hat der VdZ immer als "Addendum" verstanden, also als Ergänzung des Geschreis am Marktplatz. Das tun viele andere Medien, dazu braucht es kein weiteres Blog. Also hat sich der VdZ als Kriterium für Artikel in den ambrosius.konnotationen gesehen nur etwas zu sagen, wenn er etwas Originales, Originäres, Hinzukommendes oder völlig anderes geben zu können meinte. Und das ist auch das Ziel dieser Zeit der Muße, als die der Sommer auch hier gilt. 

Es soll in den kommenden Monaten etwas gefunden werden, das neu ist, weil ... wahrer, richtiger, und damit wirkmächtiger. Denn so wie bisher ... kann es nirgendwo weitergehen, soll das Sein (als inkarnierter logos, als Selbsterzählung Gottes in der Welt) inkarniert (das ist ja erst Welt) und erhalten bleiben. Das ist auch die erste Aufgabe des Menschen. 

(Aus Januar 2009) Es gibt im Grunde nur einen einzigen dramatischen Kern des Weltgeschehens und damit des Menschen: jener des (positiven) Helden, der das Gute will (1. Akt, Exposition und Entschluß), aber von der Welt und dem Guten widerstrebenden Mächten bekämpft wird (Anfang 2. Akt), dennoch seinen Weg geht (2./3. Akt), ja scheinbar siegt (Ende 3. Akt, Palmsonntag) und in der (scheinbaren) Niederlage (4. Akt) endet, dabei aber - siegt (Auferstehung/Peripetie) und erlöst (5. Akt, dramaturgischer Ausgleich).

Dieses vollkommene dramatische/dramaturgische Schema, das eigentliche Schema der gefallenen Welt, findet sich eben schlicht und ergreifend in der katholischen Messe wieder, die somit aufgrund ihres Gegenstands zu Recht als das vollkommenste und höchste Drama betrachtet wird.

Die Wirkweise der Liturgie selbst - wobei so zu sprechen die Gefahr enthält, die Kunst als Urphänomen als der technischen Machbarkeit unterwerfbar darzustellen - ist absolut ident mit jener des Theaters. Die liturgische Diskussion der letzten Jahrzehnte trägt deshalb die haargenau selben Züge und Argumentationslinien. Ja, die liturgische Diskussion wird (Gratia supponit naturam ...) von jener des Theaters (die zugleich eine der Metaphysik, der Anthropologie ist) geprägt (nicht umgekehrt!). Sodaß es keineswegs zufällig ist, daß die Erscheinungsformen von zeitgenössischem Theater und heutiger (landläufig vorzufindender) Liturgie sich so angeähnelt haben. Beide haben und hatten Ende der 60er Jahre dasselbe Problem - die Frage der participatio actuosa, beide leiden übrigens unter Zuschauerschwund, haben "ihre Häuser leergespielt", wie man es nennt. (Und beide versuchen eine Trendwende mit ähnlichen Rezepten ...)


*090720*

Sonntag, 12. Juli 2020

Die traumatisierten Völker

Was ist eine posttraumatische Belastungsstörung? Sie bedeutet, daß jemand ein traumatisch erlebtes Ereignis in eine seelische "Kapsel" einschließt, die er in irgendeine Ecke des Vergessens schiebt. Sie muß dort unangetastet bleiben, weil der Betroffene die Wiederkehr der Erlebten vermeiden möchte, und das geschähe in jedem Fall, in dem er sich daran erinnert. Das führt zur Lahmlegung eines ganzen inneren Bereichs, bei dem einen größer, beim anderen kleiner, der sich natürlich immer mehr ausweitet. 

Warum? Weil im Seelenleben alles mit allem verknüpft ist. Lahmgelegte Bereiche, so klein sie sogar sein mögen, werden deshalb mit der Zeit immer größer. Diese posttraumatische Störung wird so lange bleiben und wachsen, so lange eine Aufarbeitung der Ereignisse nach aller rationalen Maßgabe (die natürlich der subjektiven Einschätzung unterliegt) nicht möglich ist. Das hat in der Regel mit der Aufrechterhaltung der äußeren Umstände zu tun, das heißt: Wenn sich nichts Wesentliches im Beziehungs-, Gesellschafts-, Kultur-, Politikumfeld ändert. 

Natürlich kann so eine Störung auch heilen, was in der Regel aber lange Zeit beansprucht. Weil sich das Innerste des Menschen - die Persona also - langsam wieder an ein Vertrauen an das Begegnende, an die darin enthaltene Wirklichkeit gewöhnen muß. Man kann so einen Heilungsprozeß auch nicht beschleunigen oder direkt anstreben. Geschieht ein Heilungsversuch (von außen, durch "Hilfe" egal welcher Art) zu früh, wird dieser lahmgelegte Bereich nur noch sophistischer, noch eleganter umschifft und durch weitere seelische Konstrukte umbaut. Die im Wesentlichen aber auf ein Abschützen vor dem Begegnenden hinauslaufen. Das macht alleine eine Psychotherapie in der Regel unmöglich.

Nun kommen wir auf das, was eine solche Störung auslöst - das Trauma. Was ist ein Trauma? Wann erlebt man ein solches? Von Trauma spricht man, wenn die Basis des Ichseins in der Welt ins Nichts geschoben wird. Wann passiert das? Wenn das Begegnende, das Erlebte, nicht zu bewältigen (also zu begreifen, dem freien Urteil vorzustellen) ist, aber das eigene Dasein, Handeln, Verhalten bestimmt und zwingt. 

Ein traumatisierter Mensch erlebt eine Gesamt-Umwelt, die totale Macht über ihn hat. In der nichts von dem, was er denkt und will und wünscht möglich ist, sondern im Gegenteil, alles Eigene zum Tod (also der Vernichtung, der Nichtung) führt. Der Betroffene erlebt sich also völlig hilflos einer überwältigen Macht ausgeliefert, und er erlebt, daß es keine, absolut keine Hilfestellung gibt, die auf die Rettung des eigenen Personseins (das ein Sein im Selbststand, also in der Vernunft) ist.

Ein Traumatisierter hat erlebt, daß er nur überleben kann, wenn er sich selbst (oder große Teile seiner Person) nach einer fremden Macht ordnet, sich also bedingungslos fügt und widerspruchsfrei und bedingungslos kapituliert. 

Wer sich somit anschaut, was wir alle in den sogenannten "Corona-Maßnahmen" erlebt haben, was wir im Speziellen durch den Total-Shutdown (Lockdown, oder wie immer man es nennen will) erlebt haben, der kann nur zum Urteil kommen, daß es alle Kriterien eines Traumas erfüllt. Denn es gibt kein Vernunftargument als Argument, das in einem gesamten Sinnhorizont paßt, das das über uns Verhängte rechtfertigt. Es gibt nur politisch verhängte Dogmen, denen wir zu folgen hatten und haben. 

Das zu erkennen beleuchtet ganz speziell, was wir in der Verwirrung erlebt haben, die gleichzeitig herrschte. Ja, die Verwirrung wurde so massiv verursacht, daß man überlegen muß, ob sie nicht ein Ziel hatte, ob bewußt oder unbewußt: Eben diese Traumatisierung zu erreichen, von der hier die Rede ist.

Niemand konnte und kann - bis heute - exakt sagen, was erlaubt und was nicht erlaubt war. Oft nicht einmal jene der Regierenden, die die Erlässe erließen. Keine Vernunft hatte eine Chance, denn das, was es zu befürchten und zu befolgen gab unterlag einer irrationalen Willkür. Die alle Seiten umfaßte - die Bevölkerung ebenso wie die Exekutive, die diese Gesetze durchzusetzen hat.

Keine Information ist noch tragfähig, alles ist irrelevant - jeder erlebt eine permanente Situation einer irrationalen, nie abschätzbaren Bedrohung, in der jeder und alles zur Gefahr werden kann. Deshalb bleibt nur eines: Die totale Fügsamkeit, die Reduktion auf die geringstmöglichen Lebensäußerungen.

In zahlreichen Begegnungen hat der VdZ (und auch an sich, an seinem eigenen Seelenleben) erlebt, daß das zu einem Verhalten führt, das aufgrund der Unabschätzbarkeit, die aus allen diesen Bedingungen entsteht, zu einer kollektiven Aggressivität führt, in der auch noch so absurdes Einzelverhalten zur Pflicht wird, der man zu folgen hat, ohne weiter zu überlegen, ohne die Frage nach dem Sinn noch stellen zu können, zu dürfen, zu sollen vor allem. Denn darum geht es in der Verwirrung, die wir erfahren: Unser Verhalten wird von der Sinndimension gelöst. Das Dogma heißt nur noch: Todesgefahr! 

Alles und jedes, jeder und alle können zur tödlichen Bedrohung werden. Der die Angst gegenübersteht, in jeder, wirklich jeder seiner Lebensäußerungen völlig niedergeschlossen, von allem Leben abgeschnitten zu werden. Was wir im Lockdown erleben und erlebt haben entspricht einer der schlimmsten Foltermethoden - der Isolationshaft.

Wir wollen hier gar nicht (noch) weiter behandeln, wie sich am Corona-Wahnsinn, von dem man immer klarer sprechen muß, wörtlich: Wahnsinn, die Irrationalität der Überrationalität erkennen läßt. In der das Leben selbst ausgeschlossen, in der die Gesamtheit des Lebens verneint wird (und das ist ein Lockdown), und nur noch gelebt werden kann, was wie eine aus einigen oder vielen Einzelteilen zusammengesetzt wird. Damit wird eine Gewichtung nach Sinn unmöglich. Das Leben in seinen alltäglichen Fällen wird aus seiner Gesamtordnung herausgerissen, und jeder seiner Einzelteile muß neu und gesondert bewertet werden. Was aber an sich bereits unmöglich ist, weil das nur bei einem Gesamthorizont - Leben - möglich wäre.  

Das führt auch zu jener Fehl- und Überbewertung des Todes und der Krankheit, die wir derzeit erleben. Wo sogar die Politik die Aufgabe übernommen hat, für die Gesundheit der von ihr beherrschten Bevölkerungen zu gewährleisten. Was eine klare Grenzüberschreitung, ein Verlust ihres eigenen Sinns ist. Und sie stattdessen zu einer Totalitarität ausweitet, die einer Totalmacht über jeden Einzelnen gleichkommt. 

Aus dem Sinngefüge des Lebens als Ganzheit herausgerissen, sieht sich die Person - per-sona, durch sich tönend, also: Selbststand, was nur bei Vernunft auf der Grundlage des sogenannten "eigenen Hausverstandes" möglich ist - einer von ihr selbst nicht mehr bewältigbaren Welt und Lebenswirklichkeit gegenüber. 

Er erfährt die Welt und sein Leben als Trauma. 

Deshalb muß man kein Prophet sein um vorherzusagen, daß wir in irgendwelche Formen (wie die aussehen, ist momentan noch nicht wirklich abschätzbar) von posttraumatischer Störung fallen werden. Und zwar kollektiv! Wie auch immer, werden sich Formen von Gefügigkeit ausbilden. 

Denn im Zuge der "Corona-Maßnahmen" wurden ganze Völker und Länder von der Politik traumatisiert! Und das, werte Leser, ist eine neue und vom Ausmaß her geschichtlich noch nie gesehene Kategorie des politischen Verbrechens. 

Der über die posttraumatische Abkapselung der wirklich betroffenen Bereiche eine nun mehr nicht kanalisierbare Aggression gegenübersteht, die sich ihre Auswege, also ihre Sündenböcke, suchen wird. Und die deshalb unvorhersehbar an Anlässen aufplatzen wird, an die man vielleicht gar nie dachte. Neue Feindbilder werden deshalb entstehen, und vor allem aber neue Restriktionen, neue Verhaltenszwänge, neue Spaltungen der Gesellschaften, um dem Erleben der Welt als Todesgefahr buchstäblich IRGENDWIE - aber konkret, nur so geht es - in einem Ersatztheater zu begegnen. 



*300620*

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (6)

Teil 6) Weiterführendes, 
vor allem die körperlichen und medizinischen Aspekte betreffend


Weiterführender Hinweis: Wer sich mit den Wirkungen der Pornographie aus der Perspektive neuro-biologischer Forschung näher befassen will, dem sei als erster und recht brauchbarer Einstieg in die medizinische Problematik der Pornographie beziehungsweise der Masturbation diese verlinkte Seite "Your Brain on Porn" empfohlen. 

Denn keineswegs ist die Diskussion über die sträflich verschwiegene Schädlichkeit von Pornographie (und Masturbation!) eine Glaubens- oder bloße Moralfrage, als die sie oft abgetan wird. Vielmehr zeigt sich einmal mehr, daß die Moral (gerade in Fragen der Sexualität) auf eine konkrete Konstitution der menschlichen Natur zugreift, gegen die zu verstoßen schwere gesundheitliche und seelische Schäden zur Folge hat. Die wissenschaftlich evident, also meßbar, darstellbar sind. 

Wenn heute gerne darüber gelacht wird, daß noch vor hundert, hundertzwanzig Jahren Meinungen die wissenschaftlich-medizinische Welt durchstreiften, dergemäß die Masturbation Erweichungen bei Rückenmark und Gehirn zur Folge hätten, so muß gesagt werden, daß diese abstrakten Folgerungen aus der ontologischen Struktur des Geschehens bei der Masturbation sehr wahr bezeichnet werden könnten: Persönlichkeit ist das Resultat (wie die Basis) für ein Hinausstrecken in das (immer unsichere, also Mut verlangende) Begegnende, und braucht dazu deshalb eine gewisse "Festigkeit". 

Weil Masturbation genau das Gegenteil bedeutet und bewirkt, ist es keineswegs dumm, von "Erweichung" zu sprechen, spricht man über ihre Folgen. Die sich als geistiges (ontologisches) Geschehen selbstverständlich auch physisch realisieren. Bis hin zu "weichen" Gesichtern bei Invertierten (bei denen man auch von Narzißten sprechen kann, diese Begriffe decken sich über weite Strecken) läßt diese Wirklichkeit erkennen.

Und dieselben Vorgänge lassen sich in jenen Geschehen ausmachen, die wir als AIDS bezeichnen. Sie sind genauso dort wiederzufinden. Weil ein Versagen des Immunsystems gleichbedeutend mit dem Aufweichen und Niederreißen von Grenzen (also dem Verlust der Distinktheit als Wesen der Identität) ist.

Somit haben wir Wirkungen, die sich in denselben Ursachen begründen: Der invertierten sexuellen (als leiblichen, also den Leib formierenden) Betätigung. Zumindest als Sprache der Bildlichkeit wurde seit je die wirkliche Wirklichkeit dieser Art der sexuellen Praxis sehr zutreffend beschrieben. 

Man muß es deshalb auch so formulieren: Die Pornographie, speziell in ihrem Zusammenhang mit den technischen Gegebenheiten (social media, Internet) ist ein Phänomen von enormer gesellschaftlicher (kultureller) Relevanz! Die Masturbation gar an den Schulen zu lehren und zu empfehlen, wie es tatsächlich in unseren Ländern geschieht, ist ein ungeheures Verbrechen an den nachfolgenden Generationen, deren Schäden so immens sind, daß wir uns keinen Tag länger leisten können, diese Praktiken aufrecht zu halten. 

Nicht nur unter lernpädagogischen, sondern unter Gesichtspunkten der seelischen wie körperlichen Volksgesundheit kann deshalb eine politische Forderung nach "digitalisierter Schule", wie sie in Österreich jüngst als politisches Vorhaben vorgestellt wurde, nur als gefährliche Drohung betrachtet werden.



*280620*

Samstag, 11. Juli 2020

Schon die Simmering-Reise gebucht?

Eine der im Herbst 2020 (wirklich!) antretenden Parteien zur Gemeinderatswahl ist die "Bierpartei". Hier deren neuestes Werbevideo, das den typischen Simmeringer mittelständischen Unternehmer im Sektor Fremdenverkehr besonders ansprechen wird. 

Simmering, einer der bevölkerungsreichsten Wiener Bezirke, einst voller Industrie und Arbeiter, heute voller Industrieruinen und Arbeitsloser, einst rot wie das Blut, heute ... ist doch eine Reise wert. Oder?




*300620*

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (5)

Teil 5) Weitere Anmerkungen
über Hörigkeit und über Gehirnerweichung durch Masturbation



*****Umso  berechtigter kann man hier vom Syndrom der Hörigkeit als Generalzustand unserer Gesellschaften sprechen (welch' Ironie, ja welcher Zynismus dahintersteckt; gerade in einer Zeit, wo die Mündigkeit des Bürgers als völlige Unabhängigkeit von solchen Meinungs- und Taktgebern als Ideal reklamiert wird; welch' perfide Lüge und Täuschung!) als die Hörigkeit anders, als vielfach geglaubt, keineswegs ein Phänomen des Gehorsams beziehungsweise dessen Überzogenheit ist! 

Vielmehr ist die Hörigkeit der Versuch des Schwächeren (und das ist der Einzelne heute angesichts der Autoritäten, der Medien, der Politiker, der großen Personen in Kunst, Sport, Mode, Film ..., so sehr wie noch nie: Schwach, klein, völlig entmutigt, sich gegen solche Autoritäten zu stellen) den Stärkeren in eine "Co-Situation" (also einen beide umfassenden Ort) zu ziehen (meist: zu verlocken, zu verführen), in der er die Möglichkeiten des Schwächeren braucht. Und sei es, daß er sich an sie gewöhnt hat. 

Der Hörige spekuliert mit der möglichen Schwäche des Stärkeren, spekuliert damit, ihn durch Schwächung doch beherrschbar zu machen. Deshalb wirft er alles über Bord, was man als "eigenen Willen" bezeichnen könnte. Wobei: Er wirft es gar nicht über Bord, er versteckt es nur, weil er meint, den Stärkeren dadurch zu täuschen. Wir sprechen also meist zumindest sehr unklar, wenn wir manche Phänomene als "Massenphänomene" bewerten. 

Überspitzt, aber sehr wahr formuliert kann man also sagen, daß die extreme Beeinflußbarkeit der Menschen durch die heutigen Medien, daß deren scheinbar blinder Gehorsam (man beachte den "Gehorsam" in der letzten Corona-Krise, die man als "Die große Zustimmung" überschreiben könnte!) eine Reaktion (der Hörigkeit) auf eine (tatsächlich:) traumatisch erfahrene Überlegenheit und Stärke der großen, globalen Figuren ist, in der sich die Massen die Rückgewinnung der Herrschaft über ihr Leben erhoffen. Indem sie der Situation, dem Ort der Herrschenden beitreten. Paradox? Nur für den, der den Menschen genauso wenig kennt wie die gegenwärtige Psychologie.

(6) Eines der auffälligsten Merkmale der "Corona-Krise" ist, daß überall, in allen Ländern, in allen Gesellschaften, völlige Verwirrung weil Unklarheit (und damit vor allem Unplanbarkeit, selbst der allernächsten Zukünftigkeiten!) herrscht, was "erlaubt", was gesollt, was notwendig ist. Das führt zu einer weitverbreiteten Haltung, besser "zu wenig" zu tun, als ein (schwer sanktioniertes!) Gebot zu übertreten. Aber einen Maßstab, was möglich, was erlaubt, was gut, was gesollt ist, kann sich niemand mehr erarbeiten. Er ist in jedem Moment auf das angewiesen, was ihm jeweils in einer Situation gesagt wird. 

Und selbst wenn er einmal gewisse Sicherheit erlangt zu haben meint, was erlaubt ist und was nicht, schwebt über allem die ständig wiederholte, immer wieder aufgebrachte Drohung, daß binnen weniger Stunden ein totaler Shutdown erfolgen könnte, der alles über den Haufen wirft. Der einer Logik folgt, die nicht der dem Normalbürger zugängigen Logik (des "common sense", des Hausverstandes gewissermaßen) entspricht, sondern eigenen, nicht nachvollziehbaren Gesetzen folgt. Hinter denen eines steht: Die totale Macht. 

Wenn wir in der Corona-Krise eines also erfahren haben, dann war es genau das: Das (aus technischen Gründen) historisch einmalige, nie zuvor mögliche, nun aber reale Erleben einer totalen politischen Macht über uns. Die Politik, es darf nicht verschwiegen werden, hat unsere Gesellschaften in den Totalitarismus geführt, daran besteht kein Zweifel. In der das "Soma" seine Wirkung erst so richtig beweisen konnte - als deren wesentliche Säule die Pornographie als Mittel der Volksbeherrschung weil -auflösung gesehen werden muß.

Morgen Teil 6) Weiterführendes, 
vor allem die körperlichen und medizinischen Aspekte betreffend


*280620*

Freitag, 10. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (4)

Teil 4) Und weiter geht's:
Gegen die Zerstörung der Welt durch Anti-Kunst, 
als Plädoyer für Erotik, aber nicht als Plädoyer für "Moralismus"



Eine Welt, die sich in sinnlichen, aber noch uninterpretierten (auch das übrigens ein Irrtum des Liberalismus: Er geht, weil er ein evolutionistisches, materialistisches Menschenbild zur Grundlage hat, von Sinnesdaten aus, die ihre Interpretation bereits beinhalten) präsentiert, und zu der Stellung zu nehmen eigentliche schöpferische Aufgabe und Freiheitsmoment des Menschen ist. 
Und in dieser Berufung zur Freiheit liegt auch die Fähigkeit zum Genuß an der Welt, als Genuß einer Einheit mit der Wahrheit, das heißt einer Nähe zu Gott "in Gott" (also in Jesus Christus). Diese Fähigkeit bedeutet, daß jeder Genuß kein bloßes passives Konsumieren (wie in der Pornoindustrie betrieben beziehungsweise vorausgesetzt) von sinnlichem "Erleben" ist, sondern ein selbst schaffen, gemäß den Gesetzen des Begegnenden. 
DAS ist das Geheimnis der Lebensfreude, des Genusses, ja jeden Genusses an der Schöpfung, als deren Sinn und Erfüllung. Ein ACTU, ein "Selbst-Schöpferisches", das zu betätigen, zu aktivieren ist! Schon deshalb kann also ein Dargestelltes nicht "technisch ausgeführt" sein, sondern (und erst hier respektiert es die Freiheit des "Konsumierenden") wird je nach dem Stand des Erkennenden, Erfassenden, Genießenden auch zu dessen Genuß - als Nachschöpfung, als Schöpfung! 
Wahres Hören, Sehen usw. ist also ein schöpferischer Prozeß! Kein Hinunterschlucken von Geliefertem. Je mehr also ein Gesehenes (ein dargestelltes Geschehen) das Darzustellende ausführt (und das ist das Wesen der Pornographie!), desto weniger Genuß hat es einerseits, und desto mehr aber läßt es diese schöpferische Potenz erschlaffen. Sie wird nicht mehr aktiviert! 
Gegen Pornographie zu sein hat also in erster Linie so gar nichts "Moralisches" als "Moralistisches" an sich, sondern ist ein Berufen auf das Gesetz des Seins, der Schöpfung, auf die Natur des Menschen. Und das ist es, was in erster Linie (für manchen vielleicht zur Überraschung) das Wesen der Pornographie so Unmenschlich macht. Es verschließt die Schönheit der realen, ganzen, damit auch körperlichen Begegnung von Menschen, und zerstört sie somit nach einmaligem "Konsumieren". 
Das ist der Grund, warum Pornographie aus sich selbst heraus nach "immer mehr" und "immer Exzentrischeres", immer Ausgefalleneres, Brutaleres, Expliziteres etc. etc. treibt. Sie ist somit ein technisches, kein erotisches, ja nicht einmal ein sexuelles Procedere, das das Wesen alles Geschaffenen imitiert, indem es seine "Nutzen", seine "Freuung" technisch imitiert, manche Effekte hervorruft (Orgasmus etc.).
Die erotische Darstellung hat ein Bleibendes, weil es nur hinweist, verweist, und das eigentliche Freuen im schöpferischen Vorgang des Sehenden, Hörenden etc. - und noch dazu gemäß seinem Stand, seiner Geistigkeit! - liegt. Das pornographische Zeigen hingegen verbraucht sich in seinem technischen Maß selbst, und auf seinem Boden wartet ein Nichts. Deshalb ist die Pornographie ein Verstoß gegen die Natur der Schöpfung, die in sich ein "künstlerisches Geschehen ist". Und deshalb ist sie sogar als Brücke zum Dämonischen zu verstehen. 
Spricht man von Pornosucht - und glaubt man entsprechenden Erhebungen, sind mehr als ein Achtel der westlichen, jungen Menschen heute pornographiesüchtig! - haben wir es zwar einerseits mit einer Pathologie zu tun, andererseits aber nur mit extrem erschwerten Möglichkeiten, frei zu handeln! Die Hürde zur Freiheit (als Zustimmung zum Richtigen, also "Guten", das heißt wiederum: Zum Sein im Seienden, als Anteilhabe am Sein, weil es sonst ins Nichts fällt: Etwas IST nur ein reales, welthaftes Ding, soweit es also GUT ist) wird beim Süchtigen also sehr hoch. Aber nicht unüberwindbar! Es sei denn, sein Ich wäre bereits so geschädigt, daß man von Geistesgestörtheit im eigentlichen, pathologischen Sinn sprechen muß.


Morgen Teil 5) Weitere Anmerkungen
über Hörigkeit und über Gehirnerweichung durch Masturbation



*280620*

Donnerstag, 9. Juli 2020

Wow!

Beeindruckend ein zweiminütiges Video über eine Konversation zwischen einem jugendlichen weiblichen Protestierer und Polizisten in den USA, das der VdZ kürzlich fand.
"Es ist ein Problem der Sünde, nicht des Rassismus. Wir alle haben ein Sündenproblem, darum geht es," sagt der Officer. Auch der Zorn, die hemmungslose Wut der Protestierer ist Sünde, und ihr Protest, der alles niederreißt, was ihm in den Weg kommt, ist kein Protest, sondern ein Verbrechen.
Genauso wie die neu aufgestellten oder zum Haß geschürten Vorurteile. In denen sämtliche Polizisten (selbst wenn sie wie hier selber schwarz sind) verleumdet, abklassifiziert und zu Rassisten, das heißt zu Feinden der Liebe eingestuft werden. 
Wo und sofern ein Rassismusproblem existiert, ist es aber immer individuell. Es kann deshalb nur über die Nächstenliebe und deshalb über die Wahrheit, die Christus ist, überwunden werden. Liebe aber braucht Freiheit, und das bedeutet auch die Freiheit, sich zum Schlechten zu entscheiden. Mit allem Recht, ja der Pflicht einer Gesellschaft, sich dagegen - posthoc! - zu verwahren. 
Dieses Risiko muß eine Gesellschaft ertragen, will sie nicht generell (!) die Freiheit zerstören. Zumal eben jeder Mensch das Problem der Sünde hat, sodaß jede menschliche Gesellschaft ein brüchiges Gebilde aus Sündern ist. Die wir alle sind. 
Sünder, die nur die Hoffnung haben können, durch Gottes Barmherzigkeit über den Schlüssel - Jesus Christus - doch ins Himmelreich zu gelangen. Das geht nur über ihn, nur über die Identifikation mit ihm und seinem Erlösungsopfer, in dem die Sünde des Menschen vor dem Vater gesühnt wurde und wird, nicht aus eigener Macht und Fähigkeit. Wo immer der Mensch - in der Utopie - versucht, sich aus eigener Möglichkeit zu rechtfertigen, selbst und nicht über Jesus Christus vor Gott gerecht zu werden, wird aus einer Gesellschaft zwangsläufig die Hölle der Gottferne und Vernichtung.
Eine "ideale", eine "menschliche", eine wahrlich humane Gesellschaft kann also nie bedeuten, einen Stand der Vollkommenheit durch Abwesenheit von Sünde einzurichten. Menschlichkeit bedeutet vielmehr, die reale oder potentielle Fehlerhaftigkeit des anderen zu ertragen. In einer Erwachsenheit, die aus dem Wissen um die eigene Fehleranfälligkeit (die ein Seinszustand, nicht ein bloßes Verhaltensproblem ist) und Erlösungsbedürftigkeit auch mit der Sünde des anderen rechnet, ohne sie freilich vorauszusetzen. 
Was nicht heißt, eine böse Tat immer einfach so hinzunehmen, sondern im Gegenteil, die Tat des anderen als das zu nehmen und zu sehen, was sie ist. Um dann zu entscheiden, was ertragen werden soll und kann, und was es (aus Verantwortung) einzuschränken gilt. Aber ein "menschliches" Klima in einer Gesellschaft hat zuallererst mit diesem Sündenrealismus zu tun, und es hat kaum weniger mit dem Kennen und Wahrnehmen der Verantwortungskreise zu tun, in denen man (wirklich, nicht virtuell und eingebildet) steht. 
Und die Umfänge der Kreise, in denen der Normalbürger steht, sind in der Regel viel viel kleiner, als der heutige Mensch glauben will. Gerade die Verwirrung über die wirklichen Belange, die den Einzelnen berühren, ist meist der Grund für das Chaos und diese so gräßliche seelische Verwirrtheit, die nahezu Generalzustand geworden ist. Sie ist auch der eigentliche Grund für die Verwirrtheit, die dieses fiktionale Weiß-Schwarz-Problem treibt, das als Identitätsproblematik eine Problematik des richtigen Ortes ist.
Humanität muß immer heißen zu akzeptieren, daß jeder kraft seines freien Willens für sein Handeln die Verantwortung nur für jenen Ort (in allen seinen Verschränkungen mit der Welt) trägt, an dem er steht. Weil er dort ab dem Augenblick seiner Geschaffenheit weg hineingestellt worden ist. Und dort hat er zu entscheiden, ob er den Nächsten, Gott und das Sein der Welt lieben, das heißt zum Sein befördern will, oder nicht. In diesem je individuellen Moment liegt der einzige Weg einer Annäherung an Gott und damit der Sinn des Lebens in allen Formen, ob gesellschaftlicher oder anderer Art. 
Die Welt steht und entsteht somit in unzähligen individuellen, in aller Regel winzig kleinen Momenten der Freiheit, in denen die Welt in Gott hineingeführt wird - oder nicht. Was das Schicksal der Welt entscheidet ist somit einem Wimpernschlag bei weitem ähnlicher, als jeder großspurigen Weltrettungstat, die meist sogar das Gegenteil ist: Die großsprecherisch kaschierte Verweigerung der eigentlichen Aufgabe des Menschen, und damit ein nächster Schritt zu einer inhumanen Hölle.
Zum Guten darf deshalb nie gezwungen werden, weil der Einzelne nicht dazu gezwungen werden kann, und weil genau das das wesentliche Moment der Geschichte der Welt ist. In ihrem Sein, in ihrem Werden.  
Wird das verfehlt, ist ein Tun (selbst wenn es scheinbar eine "gute Tat" ist, als Konvention, als Imitation des Ausflusses eines guten Seins - Agere sequitur esse - Das Handeln folgt dem Sein!) nicht mehr "gut", sondern die rigide, totalitäre und sich in die Spirale der Hölle auf Erden steigernde Heuchelei einer Utopie. Die immer den Sinn des Lebens völlig verkennt. Als starres, lebensloses, letztlich immer einer Pathologie entspringendes Idealbild nach unseren Vorstellungen.
Die bewegende Szene kann über eines der hier angebotenen Links angesehen werden. Eine Sequenz aus Twitter ins Blog einzubetten überfordert die technischen Fähigkeiten des VdZ. Wenn ein Leser die technische Lösung weiß und für allfällige zukünftige Einbauten durch Anleitung helfen möchte, möge er bitte den VdZ kontaktieren.


*270620*

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (3)

Teil 3) Die Anmerkungen, und so weiter


*Der moderne Sozialstaat, wie wir ihn heute erleben, ist streng von einem christlichen Gesellschaftsbild zu unterscheiden, deren Elemente der Sozialstaat zwar nachahmt, deren Zielsetzungen aber völlig unterschieden sind. Das christliche Gesellschaftsmodell geht von Liebe und Barmherzigkeit aus, und ist deshalb keine strukturelle, also anonymisierte Hilfeleistung, sondern immer eine Liebestat (Caritas) unter sich begegnenden Personen. Auch kann er nie zum verbrieften "Recht" werden, sondern bleibt immer ungeschuldete Zuwendung in Notfällen oder (auch das nämlich) Versagenssituationen. 

Die Caritas geht immer von der Freiheit aus, und muß deshalb immer subsidiär bleiben, kann also nicht präventiv und auf die direkte Veränderung von sozialen, historisch gewachsenen und vor allem der Natur des Menschen gemäßen Strukturen abzielen. Nur insofern besteht eine Pflicht des Gesetzgebers beziehungsweise der gesellschaftlichen Autoritäten zur caritativen (oder prä-caritativen) Tat, als in Fällen, wo ein Stärkerer die Schwäche des Schwachen ausnützt (und das ist übrigens immer der Fall, wo von "Bedarf" gesprochen wird) der Schwächere vor dem Stärkeren geschützt werden muß. 

Spätestens hier muß also klar werden, daß das liberale Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell dem christlichen Modell unvereinbar gegenübersteht. Zumal der Liberalismus (auch wenn er das Wort im Namen führt) keineswegs auf der Freiheit des Menschen aufbaut, sondern die Freiheit als Frucht von Überlegenheit und Stärke sieht. Spätestens wenn man die Auswirkungen dieser Prämissen auf die Hauptsäule des Liberalismus bedenkt, nämlich der Frage um Wert und Preis, was fälschlich als "freier Markt" bezeichnet wird. Denn der Bedürftigere ist immer auch der Gezwungenere, also genau nicht frei. Das berührt direkt die Grundlage einer liberalen Gesellschaft, die auf einer Vorstellung "Vertrag" beruht, der (angeblich) zwischen gleichwertigen Interessensparteien geschlossen wird. Diese Gleichwertigkeit gibt es aber nicht.

**Die Logik - also das logische Denken - ist die Grundcharakteristik eines Geschaffenen, und verweist somit auf die Charakteristik des Hervorbringers, des Schöpfers. Das Vertrauen, daß die Wirklichkeit logisch (und nicht zufällig oder willkürlich) ist, auf dem sämtliche Wissenschaftlichkeit erst aufbauen konnte (denn was hätte es für einen Sinn, die Welt verstehen zu wollen, wenn sie gar nicht verstehbar, sondern bestenfalls in einer Zufälligkeit "hinnehmbar" wäre), beruht also auf dem Gottesverständnis einerseits, und auf dem Erfassen der Welt als geschaffen andererseits. 

Denn nur als geschaffene Welt kann diese auch die Charakteristik Gottes, des Hervorbringers, haben. Und diese sind die Merkmale der Logik, in ihren elementaren Grundsätzen, der "Synderesis": Daß etwas es selbst ist, daß etwas nicht zugleich etwas anderes sein kann, daß etwas nicht sein Gegenteil sein kann, die Welt also widerspruchsfrei (wenn auch nicht in allem verstehbar, weil unsere Fähigkeiten übersteigend) sein muß. 

Wir treffen hier auf den Begriff des "logos" als innerstes Wesenselement der Welt überhaupt, so daß das Bild von Gott entscheidend dabei ist, wie (und ob) wir die Welt überhaupt verstehen. Ob somit auch die Sprache (als Material wie Frucht dessen, was wir mit Vernunft und Vernünftigkeit bezeichnen) sinnvoll ist, oder eben nicht. Damit wird zum Beispiel klar, wie entscheidend die Frage um die Dreifaltigkeit als Schlüssel zum Weltbegreifen ist. 

Das sei nur angeführt um die Tragweite solcher Fragen zu zeigen. Denn damit wird auch klar, WAS für eine Aussage es ist, wenn diese und ähnliche (theologische) Fragen für den Menschen der Gegenwart (angeblich) ohne Bedeutung sind (was sich in einem weit verbreiteten "Ökumenismus" oder "Synkretismus" zeigt). Es ist kein Zufall, daß im Barock das Aufblühen der Wissenschaften mit einer gesellschaftlichen Situation zusammenfiel, in der die Menschen im Alltag über Dreifaltigkeitsprobleme diskutierten. (Das ist den heutigen Menschen unbegreiflich!)

***(=logos als "auf zu": Alles was ist, ist nur, weil es sich "bewegt" beziehungsweise "actu", in Aktivität ist, was nicht aktiv ist, ist tot, also eben nicht mehr Welt, sondern nur noch deren "materia prima"-Baumaterial.) 

****Wir wollen hier vor jenem Fatalismus warnen, wie er dem Behaviorismus entspricht. In dem der Mensch und sein Seelenleben, fürderhin also sein Denken, in einem automatistischen, mechanistischen Verhältnis zur Welt festzulegen ließen. Vergesse der Leser nicht, daß immer (wir verweisen hier auf die Arbeiten von Menyhért (=Melchior) Palágyi, die wir hier vor etlichen Jahren vorgestellt haben, nicht zufällig genau in diesen Aspekten) ein Willensakt notwendig und möglich ist, so schwer der auch fallen möge, um zu einem Urteil über die Welt zu gelangen. 


Morgen Teil 4) Und weiter geht's:
Gegen die Zerstörung der Welt durch Anti-Kunst, 
als Plädoyer für Erotik, aber nicht als Plädoyer für "Moralismus"



*280620*

Mittwoch, 8. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (2)

Teil 2) Die Seele ist das größte Sexualorgan


Im Fall der Masturbation ist es die Illusion von Liebe und Zuwendung durch das Reduzieren der (zwischenmenschlichen) Welt auf den auf die Geschlechtsteile reduzierten Orgasmus. Ein wirkliches, ganzheitliches, umfassendes und gar nie bewußt auszuschöpfendes (also das eigene Vorstellen immer übersteigende) Fremderleben als Eingehen des außenliegenden Wirklichen (und das ist ja der Inhalt aller Begegnungssehnsucht, wie sie als Grundmotiv überhaupt die Sexualität als immanenten (!), also nicht expliziten Teil des Eros bedeutend macht) in die innere Seelenlandschaft, die sich nunmehr in der Imitation der Weltbewegungen*** nicht mehr zu jener schöpferischen Tätigkeit animieren läßt, in der sie das Glück der Welt als Glück "für den Menschen" nicht mehr erfährt. 

Der mit Pornographie versorgte Mensch - und es ist alleine das schon signifikant, daß Pornographie in der virtuellen Landschaft am leichtesten erreichbar und abrufbar ist, viel leichter sogar als "Information" - verliert, um es auf einen einfachen Nenner zu bringen, das Interesse an der Welt. Er verliert das Interesse an den wirklichen gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen, und wird sogar zum Kämpfer für einen Zustand, in dem "Freiheit" die Freiheit meint, sich mit Genußstoff zu versorgen, die ein bei sich bleiben weiterhin und ungefährdet ermöglichen. 

Ausgehend von einem Weltbild, das eine Grundlage (Präformiertheit****) hat, in dem sich die Dinge in Indifferenziertheit auflösen, als deren Wurzel aber stets eines zu sehen ist: Die Begierde, also die Anhänglichkeit an (subjektivistisches, also nur im Subjektiven entspringenden) bestimmte, im Fall der invertierten Sexualität noch dazu von einer tief in der Schuld dem Sein gegenüber verankerten Scham, getriebenen Freuungen an der Welt, wird ein solcher Mensch somit den Vorgaben jener folgen, die ihm eine Erfüllung seiner Begierden versprechen. 

Was Aldous Huxley in seiner "Brave New World" mit "Soma" bezeichnete, also jenen "von oben" verteilten, süchtig machenden Stoff, der alle glücklich macht (wobei tatsächlich und materiell Drogen oder Alkohol solche realen, konkreten, weiteren Stoffe sind), sehen wir in der Pornographie und dem garantierten und extrem leichten Zugang dazu in unseren Gesellschaften realisiert. Nichts macht Menschen so gefügig, so leicht steuerbar und in ihren Meinungen präformierbar, wie die Rückbindung ihrer Interessen an der Welt auf solche "einfachen" Genüsse. 
Die Wirkungen der Pornographie (in ihrem Zusammenhang mit Masturbation) lassen sich vereinfacht in zwei Merkmalen beschreiben: Generell, vor allem aber bei Männern (diesem "erigierten Penis"), bewirken sie ein Nachlassen der "Lust am Handeln an der Welt", also der Libido. Und zwar in jeder Hinsicht, natürlich auch den Frauen gegenüber. Frauen wiederum (deren Anteil am Pornokonsum zwar geringer, aber gar nicht so gering ist) erfahren sich vor allem als ungenügend, meist schon alleine aus körperlichen Hinsichten. 
Was aber ist das größte Sexualorgan? Eben. Das Gehirn. Präziser: Die Seele, die sich auch im Gehirn ausdrückt (aber nicht das Gehirn IST).
Ein in solchen Haltungen des aus sich selbst bezogenen Weltgenusses "beschiedener" (in Wahrheit eingekerkerter, reduzierter) Mensch wird zu allem "ja" sagen, wird allem zustimmen, was den Verwaltern (als Quellen, als Garanten, als Lieferanten) seines Genußstoffes entspricht. Nicht nur nachträglich, sondern vor allem präventiv und in vorauseilendem Gehorsam wird er an einer Welt bauen, die keine wirkliche Wirklichkeit mehr braucht. Und er wird ein politisches Bild gutheißen, die Ersatzbilder von der Welt baut. Die vor allem eines sind: Kontrollier- und beherrschbar. 

Wenn wir von dieser Charakteristik einmal ausgehen werden wir deshalb rasch sehen, daß genau das das Merkmal der großen "Bedrohungsbilder" ist, in denen  wie beim Trojanischen Pferd eine Gefahr enthalten ist und sich entfaltet, sobald ihm zuliebe die Festungsmauern eingerissen sind: Es sind Weltbilder, die unser Handeln "gut machen", also moralisch hervorragend etikettieren, und die sich auf Aufgaben beziehen, in denen wir unsere sinnliche Erlebniswelt gar nicht mehr benötigen. 

Weil die zu lösenden Probleme ganz ganz weit weg und enorm abstrakt sind. Terror. Klima. Weltrettung. Rettung der Welt (!) - moralisch hochklassifiziert, weil wir in ein Possenspiel geführt wurden, mit dem wir in erster Linie "die anderen" vor dem Tod retten, wie in der vorgeblichen Corona-Pandemie. Welt- und Bedrohungsbilder aus Aufgaben und "soziale Forderungen", die allesamt nur noch in der Ratio fundiert sind, also keine natürliche Vernunft (siehe das oben zur Synderesis Gesagte) benötigen, ja im Gegenteil, deren Abwertung weil Irrelevanz betreiben. 

Damit werden die (beherrschten) Menschen ("Meinung") ganz ausschließlich in eine Situation der totalen Abhängigkeit (Hörigkeit*****) von Machern der Meinung getrieben. Denn nichts vermag ihnen noch jenen Selbststand zu erringen, der Voraussetzung beziehungsweise Moment dessen ist, was der Mensch unabdingbar für das braucht, was wir als "Leben" bezeichnen: Freiheit.(6)


Morgen Teil 3) Die Anmerkungen, und so weiter



*280620*

Dienstag, 7. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (1)

Teil 1) Der Sozialstaat als archetypische Pornographie


Pornofilme waren von allem Anfang an jene Geldmaschine Hollywoods (und sind es bis heute), aus denen seine Macht entstehen konnte. Heute wird durchschnittlich alle dreißig Minuten ein neuer Pornofilm hergestellt und vertrieben. Die globalen Umsätze der Internet-Porno-Industrie summieren sich heute auf einen Betrag, der die Umsätze von Google, Amazon und Microsoft ZUSAMMEN überschreitet. 
Alleine die weltweit durch die Internet-Pornographie verbrauchte Menge an elektrischem Strom entspricht dem Verbrauch eines Landes wie Ungarn. Zusammenhänge zwischen der technischen Ausgereiftheit (vor allem was transportierbare Datenmengen, aber auch der von Endgeräten - vor allem der Handys - anbelangt) und einem sich auch in der Art (in der Richtung einer völligen, "alle" Sinne und Vorstellungswelten umfassenden Ersatzwelt, also "Cyber") rasant entwickelnden Pornokonsum sind eindeutig. Das derzeit weltweit im Aufbau befindliche 5G-Netz wird deshalb für die Pornoindustrie einen Quantensprung bedeuten. Ähnlich jenem, der passierte, als das Internet im high speed vor fünf bis zehn Jahren Flügel bekam, was eine Explosion des Konsums von Pornofilmen bewirkte.
Das Portal Pornhub, eines der größten, aber keineswegs das einzige der Porno-Vertriebsstellen, verbraucht heute schon über den durch seine Filme induzierten Internetverkehr eine Strommenge, die der Produktion eines modernen, großen Atommeilers entspricht. Im Shutdown der Corona-Krise hat eben dieses Pornhub eine Umsatzsteigerung von fünfzehn Prozent vermeldet. Ein Drittel der Konsumenten sind weiblich. 
Rund zwölf Prozent der Pornokonsumenten sind als pornosüchtig einzustufen. Neurobiologisch sind die Veränderungen im Gehirn von regelmäßigen Konsumenten jenen gleich, die Drogensucht auslöst. Deshalb muß von Abhängigkeit (also Sucht) gesprochen werden. Weil sich physisch Belohnungsmechanismen ausbilden, die jenen einer Drogensucht entsprechen und für den Konsumenten existentiell werden. Deshalb spielt auch das Alter eine entscheidende Rolle.
Das Alter der heutigen Kinder und Jugendlichen, zu dem sie mit Pornographie (über social media via Handy und Internet) erstmals in Berührung kommen, beträgt heute durchschnittlich bereits elf Jahre. Die Altersgruppe von Teens bis neunzehn stellt nur knapp hinter der Gruppe bis neunundzwanzig Jahren den größten Benutzeranteil. Bis zu diesem Alter haben heute neunzig Prozent der Jungen regelmäßig Kontakt mit Internet-Pornographie. 
Was beim generellen Alter des Internet - das sogenannte Internet gibt es seit kaum fünfundzwanzig, in Österreich seit zwanzig Jahren - bemerkenswerte Einblicke in die Gegenwart und beängstigende Perspektiven für die Zukunft offenbart. Bereits heute, im Jahre 2020, haben dreißig Prozent der Männer im in der Altersgruppe 19-40 Jahre erektile Dysfunktionen (Erektionsstörungen, dysfunktionale Ejakulation, etc.). Noch vor 20 Jahren lag dieser Prozentsatz bei maximal 5 Prozent. Nur wenig erschütternder ist der Anteil von Männern bis 19 Jahren, die bereits regelmäßig Mittel wie Viagra benutzen: Ein Viertel. Pornokonsumenten werden unfähig, mit dem "Stress" realer Begegnung fertigzuwerden.
Denn es sind meßbare Folgen regelmäßigem Pornokonsums: Einerseits Abgestumpftheit ("Ignoranz" für reale erotische Reize), Unfähigkeit zur Empathie, Antriebslosigkeit bei gleichzeitig erhöhter Neigung zu (voluntaristischen, also "gesetzten") Aggressionen. Das bedeutet auch die Unfähigkeit, einem Reiz im Vorstellungsvermögen zu beherrschen, was mit einer Selbstkonditionierung auf "erinnerte", also vorgesteellte Reizsituatioen zu begründen ist. 
Der Pornokonsument bzw. Masturbant konditioniert sich wie einen "Pawlowschen Hund". Die Vorstellungsbilder des Films o. ä. Stimuli funktionieren wie Auslöser automatisierter Reaktionen, und die Bilder wirken auf jene Gehirnbereiche ein, die auch Erinnerungszentren genannt werden können, also bei Erinnerungsvorgängen aktiv sind. 
Die Reaktion wird von einem realen, also in der humanen Begegnung liegenden Reiz unabhängig. Sie muß (und kann) nur noch durch einen Schlüsselreiz aktiviert werden. Dazu genügen bald schon erotische Werbebilder etc. Die Realität verliert gegen die Vorstellungsbilder, wird nur noch "störend". Das ergibt Konzentrationsschwäche, deer Depressionen (wegen des Verlusts der Selbstherrschaft) folgen.  
Und das schon bei 20jährigen, die von früher Jugend an Porno konsumiert haben. Gleichzeitig wird das Wertegefüge massiv verändert, und ein Verhalten als Norm und normal etabliert (etwa Vergewaltigung, S/M-Praktiken), das eigentlich untragbar ist. Aber die realen Reize müssen immer größer werden, um zum Rezipienten durchzudringen, der ja danach reagiert, was ihn "anmacht". Und das ist nicht mehr "normale Erotik", die gar nicht mehr wahrgenommen wird.
Die Liste der Studien (von Cambridge, Yale, dem Max Planck-Institut ...) ist lang, die das belegen.
Es gibt hinlänglich Untersuchungen, daß der masturbierende Mensch, der Pornokonsument (und immer noch stammen sechzig Prozent des Internet- beziehungsweise Social Media-Datenaufkommens aus der Pornographie), sich auch in den Weltbildern klar wiederfindet. Und zwar exakt in einer Hinneigung zu Weltbildern, die die Differenziertheit der Welt ("Diskriminierung") und damit der Begriffe verliert. Pornokonsum und Geschlechter-Indifferenz, Masturbation und Genderfragen, Autosexualität und die (zum Beispiel "tolerante") Haltung zur Homosexualität, aber auch Fragen um Identität und die Haltung zu Kulturen generell, vor allem die Haltung zur Distinktheit und Bedeutung von kulturellen Einrichtungen und Institutionalisierungen und die Art der Sexualität - extro- oder introvertiert - sind also ganz fest verknüpft. 

Damit wird die politische Relevanz der Pornographie klar. Damit wird klar, daß sie zu einer mächtigen Waffe wird. Und genau damit haben wir es auch zu tun: Nicht erst Mao Tse-tung oder Wladimir Iljitsch Lenin haben gewußt, daß sich eine gesellschaftliche Struktur zerstören läßt, wenn man die Sittlichkeit ihrer Teilnehmer aufweicht. Und das geht in erster Linie über die Sexualität. Die unter dem Stichwort der "Freiheit" die christlichen Gesellschaften und Kulturen in ihrer begrifflichen Wurzel trifft (wo sie anhand des Wortes "Freiheit" den Begriff mit einem anderen Inhalt füllt).

Das geht deshalb seit dem 19. und vor allem seit dem 20. Jahrhundert - dem Zeitalter der technischen Explosion der Medien - in erster Linie über die Sexualität, weil sich der Begriff der Freiheit seit der (protestantischen) Reformation weg von einer objektiven Freiheit (als weltgewordene, also inkarnierte, damit geschichtlich relevante und präsente Wahrheit) hin zu einem subjektiven Gottes- und damit Weltbild verändert hat. 

Und dies ist die erste Charakteristik der Pornographie. Ihre "Erlebensqualität" geht weg von einem Genießen der Welt hin zu einem "Genießen" der selbst generierten Vorstellungsbilder und -welten. Dabei wird aber gar nicht der vollinhaltliche Genuß der Welt erreicht (und genau darin täuscht sich der Masturbierende ebenso wie der typische Sozialstaatsklient), sondern bestimmte Effekte aus einem wirklichkeitsbezogenen Handeln herausgegriffen. 


Morgen Teil 2) Die Seele ist das größte Sexualorgan



*280620*

Montag, 6. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (0)

Während die Erotik die sinnliche Wachheit steigert, so wie man Wein trinkt, also als Stimulus hin zur begegnenden Wirklichkeit wirkt, ist der Effekt von Pornographie exakt gegenteilig. In ihrem Zusammenwirken mit der Masturbation, oder einem kosexuellen Verhalten (Geschlechtsaktivität mit einem Partner) das nicht auf das Anderssein des Anderen ausgerichtet, sondern lediglich eine verlagerte Masturbation ist, so daß der seelische Raum auf sich selbst zurückgekrümmt ist (oder wird), verringert sie die natürliche Tendenz des Menschen ("Das Ich liegt im Du") zur Hingabe und Auslieferung an das Begegnende. Salopp formuliert, wendet sich die sinnliche Ausrichtung auf sich selbst und nicht auf ein frui, also einen Fruchtgenuß AN der Welt. Was deren Sinn wäre beziehungsweise ist. Und zwar - wir werden gegen Ende dieser Artikelserie darauf noch näher eingehen - als nachschöpferischer Akt.

Die Freuung an der Welt ist somit ein Vollenden der Gottähnlichkeit (Ähnlichkeit, nicht Gleichheit!) durch das Nachschöpfen, und das ist es, was über die Sinne die eigentliche Freudlichkeitsleistung des Menschen ist, das ist es, woran er sich an der Welt erfreuen kann: Im Nachdenken dessen, was Gott gedacht, im Nachschaffen, was Gott geschaffen hat.

Deshalb hat Freuung an der Welt mit Heiligkeit zu tun, deshalb hat sie mit geistiger Entwicklung und Reife zu tun. Dem Primitiven wird die Welt nie Freude machen - er wird sie ihr aber versuchen, herauszupressen, sie zu würgen ... wie die Pornographie. Wie in der Masturbation. Sie zieht den Menschen in ein Nicht-Menschsein. Durch De-Aktivierung, als Folge von Täuschung, auf dem Wege der Versuchung, die immer eine Täuschung ist.

Damit gehört die Masturbation in eine Reihe von Phänomenen gestellt, die wir grosso modo im "modernen Sozialstaat" als umgreifenderen Horizont* beobachten und erfahren können. Wo die verringerte Abhängigkeit von der Außenwelt zu einer Verringerung deren Bedeutung für das individuelle Seelenleben führt. Denn genau das ist die Funktion des Sozialstaates als geschichtliches Phänomen: Er zerreißt natürliche Ursachen-Wirkungs-Verhältnisse und ersetzt sie durch künstliche, gedachte, vorgestellte Sollensvorstellungen, also Utopien. 

Das wesentliche Merkmal ist somit für alle diese Phänomene gleich, durchzieht sie wie eine (fraktal sich wiederholende) Grundstruktur: Es entläßt den Menschen aus der Spannung, die Persönlichkeit und Persönlichkeitsaufbau (als erlernen des Habitus der Spannungstrage) immer bedeuten, und reduziert ihn somit progressiv, das heißt in einem fortwährenden, sich selbst verstärkenden Prozeß. 

Verliert der Mensch diese Spannung oder lernt er erst gar nicht, sie aufzubauen, verliert sich in seinem Wirklichkeits- und Verhaltensbild auch das Bild der wirklichen Wirklichkeit. Der Mensch wird in seiner Hinrichtung auf die Welt also nicht von deren Charakteristik geprägt (die, so nebenbei, immer "logisch" ist**), sondern von einer egal wie und woher gestalteten willkürlichen Weltcharakteristik. 

Das zeigt sich in der Pornographie überdeutlich. Wo das Interesse des (masturbierenden) Menschen von der Welt weg auf eine innere Bilderwelt gelenkt wird. Wird dies zum Habitus, also zur Gewohnheit, wird dies zum häufigen Verhalten, wird die gesamte Ausrichtung des Menschen der Welt gegenüber "gleichgültig". Denn ihre Früchte sind scheinbar (!) genießbar, ohne daß die Welt und deren Wirklichkeit selbst erkannt und bewegt wird. Damit formt sich eine innere Haltung, die sich fast zwangsläufig auch in der Denkweise wiederfindet. 


Morgen Teil 1) Der Sozialstaat als archetypische Pornographie


*280620*

Von Corona, Freiheit und Sexualität, von Ängsten und Krankheit

Es ist vielleicht manchem der Leser zu abstrakt, wenn von der Rolle der "sexual liberation - sexuellen Befreiung" als Sprengsatz die Rede ist, der unserer Kultur ihre Eingeweide herausschoß, sodaß sie zum immer stinkenderen Leichnam wurde. Aber weder ist es abstrakt noch erfunden. Es ist vielmehr die Beschreibung eines ganz realen Geschehens, das sich wie schleichendes Gift (oder ein trojanisches Pferd) in das allgemeine Meinen und Werteempfinden einschlich. 

Hollywood hat dabei eine ganz besondere Rolle gespielt. Es ist gewiß zu einfach, diese Vorgänge nur auf diese oder jene Person - Eric Eriscon, Wilhelm Reich, oder Albert Kinsey - zurückzuführen. Gewiß, diese haben durch ihre Theorie-Konstrukte das logische Denken korrumpiert. Indem sie Begriffe einschleusten, die in Wahrheit nicht klärten, wie Begriffe es tun sollten, sondern reale Phänomene zusammenpackte und vernebelte, also in einen Deutungshorizont hineinstellten, der nicht der Wahrheit entsprach. 

Aber das Gewissen "entlastete", indem es diesem die Spannungspflicht nahm. Spannung, wie es Wesen der Persönlichkeit ist, die immer im Aufbau ist, also immer Obacht und Anstrengung bedeutet, um dann von Stufe zu Stufe hochzusteigen, wobei die jeweils etablierte Stufe zum gelassenen Habitus (also zum unangestrengten Tun - man muß sich das vorstellen wie einen trainierten Muskel, der erst bei fünfundzwanzig Kilo Gewichtheben schnauft, um nach Training bald fünfzig Kilo ohne "Anstrengung" zu bewältigen) hebt.

Warum sollte das geschehen? Aus demselben Grund, wie es zum Repertoire des alltäglichen Lebens gehört. Wo das Schwache oder Schwächere das Stärkere nicht überwinden kann, ohne das Stärkere bei seinen Schwächen zu packen, und es dann zu schwächen. Nein, das gehört nicht zum natürlichen Repertoire des Menschen, wie die Evolutionsfasler formulieren wollen. Es gehört zu den Möglichkeiten des Bösartigen, als Frucht des freien Willens. 

Und darauf entspricht dieser Kampf um den Ort, den man neidet, den man erreichen möchte, und der vom per Geburt gegebenen abweicht. 

Oh, es kommt mit der Stimme des "Vernünftigen", und das heißt dem Heiligen, und das heißt dem Menschen das Heile, und das heißt ... das Gesunde. Das ist in der aktuellen Corona-Pandämonie, die das Tor zum Bösen öffnen sollte und tut, nicht anders als in den beiden Sturmangriffen, in denen die sexuelle Befreiung im 20. Jahrhundert kam. In den 1930ern unterlag es noch der starken Kirche, die diese Taktik erkannte und mit ihrer Macht, die sie damals noch hatte, zurückwies. Womit sie die Menschen schützte. Aber noch einmal kam es, in den 1950ern und 1960ern, und diesmal war die Kirche bereits zu ausgehöhlt, die Vernunftgrundlagen ihrer Prälaten nach jahrzehntelanger Hintergrundarbeit zu angegriffen, um noch widerstehen zu können. 

Wie konkret das geschah, zeigt dieser Film, den der VdZ zufällig fand. Es ist einer jener Filme, die mit dem Gesundheitsargument und in aller Meinungsbreite, die wir heute so gut kennen, den Sturm auf die je individuellen Gewissen ausführte. Der Leser möge genau schauen, wie sich alle diese Motive auch heute finden. Die Gegner der sexuellen Befreiung sind krank, böse, Triebtäter weil Getriebene, unfreie, dem Leben feindliche Kreaturen (häßlich, so nebenbei, wie jede Kreatur).

Wie strahlend hingegen die Helden des Neuen, des Freien! In den 1960ern wurde die sexuelle Freizügigkeit in den Medien sogar mit dem Argument der Meinungsfreiheit (Larry Flint's Porno- und Sex-Magazine kamen so zu ihrem Siegeszug)!

Hollywood war kein künstlerisches Unterfangen gewesen, nicht von den allermeisten. Es war ein Geschäftsunternehmen, eine Gewinnmaschinerie, eine Machtmaschinerie, wie alles Geschäftemachen aus sehr persönlichen Gründen motiviert, und von allem Anfang an deshalb auf jene Bereiche spezialisiert, die viel Geld brachten. Geld, ungerechtes Geld, wie es ein menschlicher Bereich bringt: Der der Schuld. Der des Verstoßens gegen die eigene Natur. Der der Sünde. 

In den 1930ern war die Angsthürde die Geschlechtskrankheit, der (wie im Film erwähnt, der 1938 entstand) eins aus zehn zum Opfer fiel, wenn er sexuell frei handelte. Aber die Fülle der Argumente überrascht, die hier filmisch ins Treffen kommt: Diese Hürde ist überwunden, und macht die Bahn frei für die Lösung von Sexualität von Ehe und sogar Geschlechtsgrenzen: Der Leser möge sogar die Werbung für lesbische Liebe beachten, die sich in raffinierten Bildern zeigt. 

In den 1960ern war es die Schwangerschaft, die zur zu überwindenden Krankheit erklärt wurde. Gegen die es nun ebenfalls ein Mittel gab - die Empfängnisverhütung, die Pille, die Chemie. In Zeiten des Corona-Virus ist es der soziale Kontakt, der tödlich ist, es sei denn, er werde durch Impfung behandelt.

Und wer hatte vor allem unter der sexuellen "Unterdrückung" zu leiden? Leser, schlucke er tief, schaue er diesen Film: Die blonde Frau, die "Schiggse", die es zu "schdubsen" galt. Während der normale, traditionelle, etablierte, situierte Mann nur eines im Kopf hat - Sex. Hört der Leser da nicht längst Reich? Oder Kinsey?

Noch mehr. Das Gesundheitsargument, schon vergessen? Damals war es Syphilis, die Drohung bei sexueller Befreiung. Aber Herrschaften! Dagegen ist doch nun ein Kraut der Moderne gewachsen - Penicillin! So, wie gegen Corona die Impfung gewachsen ist. Erst dann kann man sich von der Angst befreien, zu erkranken, ja - zu sterben, nach furchtbarem Leiden zuvor. Klingelt's allmählich? Sieht der Leser die Archetype?

Ein Argument der Gemeinnützigkeit, das in Wahrheit dazu benutzt wurde, um eine neue Norm zu setzen. Indem das bei jedem Vorhandene, der Fehltritt, das Nachgeben in der Versuchung (das Mädchen im Film nützt gewissermaßen die "Besetzungscouch") zum Gesollten erhoben wird.**
Entscheidend dabei ist jedoch, daß das Gesundheitsargument nur vorgeschoben ist. Das, was wirklich verbreitet wird (und deshalb wohl werden soll) ist ein anderer Umgang mit Sexualität (in diesem Fall). Es ist die Sprache hinter der Sprache, hinter dem Gesagten, auf das es ankommt. 
In dieser Sprache wird eine neue Normalität so selbstverständlich dargestellt, daß der Unterschied zwischen Allgemeinheit und Natürlichkeit eines Verhaltens die Plätze tauscht. Der Kampf gegen die Krankheit wird also ein Kampf gegen die Natur, und der Kampf gegen diese Natur wird zur wesensgemäßen Aufgabe des Menschen.
Die Sittenlosigkeit, die Schwäche, die zur Norm erklärt wurde, war eine Gelddruckmaschine, wie zu allen Zeiten. Sie versetzte Hollywood in die Lage, gegen die Kunst (die im Grunde kein Geschäftszweck sein kann) zu konkurrieren - Charley Chaplin war unerreichbar, es fehlt dem bloßen "Geschäft" als Geldgewinnungsabsicht eben jedes schöpferische Element - und sie schließlich zuzukaufen. Von wo? Eben. Aus Europa. Und hier vor allem aus unseren Ländern. 

Deutsche Filmfirmen waren ebenso im Portefeuille wie alle die Proponenten, von Billy Wilder oder Fritz Lang über Max Reinhardt (der Anteil der Österreicher darunter, letztlich alle der Theater- und Dramaturgietradition entsprungen, ist auffallend; Wien war sogar noch bis in die 1950er eine der größten Filmproduktionsstätten der Welt) bis zu allen jenen, die Hollywood ab den späten 1930ern erstmals mit Qualitätsfilmen bekannt und als Kassenschlager gewinnträchtig machten, und die mit viel Geld gelockt wurden. Geld, das moralisch als Bestechung zu werten war, und deshalb von den 1930er Jahren an den Landesverrat durch Schuldzuweisung an unsere Länder (und vor allem aber: An die Väter!) als notwendig zu verachtende Herkunftskultur zu rechtfertigen suchte.  

Mit der Erfindung des Starkults - auch Medien waren beliebtes Anlageobjekt, von Anfang an! - besaß man sehr bald sogar die Mechanik, die den Menschen in seinem tiefsten Bedürfnis trifft, den schöpferischen noch mehr vielleicht, weil existentieller.

Diese Geschäftsleute waren aus jenen Bereichen entstanden, die dem normalen Menschen eher abhold weil zu schmutzig, zu abseitig, zu widerlich und damit zu kulturfeindlich waren. Sie kamen aus dem Textilhandel, konkret sogar: Aus dem Lumpenhandel, der noch nicht so feststehenden West- und Mittel-USA, aus den Emporkömmlingen, mit allen Eigenschaften, die diesen anhaften. Erst als die Gewinnmöglichkeiten offensichtlicher wurden, kam das Geld des etablierteren Ostens dazu, das der Wall Street. 

Schaue der Leser, wie modern die Bildsprache, wie freizügig die Darstellungen, wie "offen" das Wort, das geführt wird. Wie stereotypisch gleich der Gegenwart die dramaturgische Sprache. Noch einmal: Der Film stammt aus den 1930er Jahren der USA. Als Hollywood die Erfahrung machte, wie sich ihre eigenen Interessen nach und nach mit denen der politischen Elite deckten.

Lasse der Leser sich selbst von der Zeitgemäßheit des Aussageprinzips in der Bildsprache verblüffen, mit der gekonnt und subtil - man beachte die permanent "schwüle" (erotische) Stimmung im Film! das muß einmal jemand können! - und in einer Sprache, die absolut der Gegenwart gleicht, moralische Konstitution transportiert wird. In der eine "neue Normalität" - ein "Sprung in der Gesellschaftsentwicklung" - dargestellt wird. Die wir erst erreichen, wenn wir den Krieg gegen die Krankheit gewinnen. Und wir werden ihn gewinnen. Mit der Hilfe der Wissenschaft. Nur bei ihr liegt Heil.

Zum Einbetten haben wir leider keine Version gefunden. Der Leser möge aber beruhigt diese Seite besuchen, wo er den Film aus 1938, der wegen seines Alters außerhalb jeder Urheberrechtsansprüche steht, aber wegen der Dateigröße hier nicht aufzuladen ist, ansehen kann.




**Das ist das Fatale am Film in den meisten Ländern in der Gegenwart, vor allem aber in Österreich. Wo das Niedrige zum Gesollten erhoben wird, weil angeblich nur das Niedrige das Echte ist. Wahre, Wahrhaftige sei, es ein Gesolltes, auf das hin es zu transzendieren gilt, also gar nicht gibt. Solche Idealismen sind nur etwas für verschrullte, verklemmte, falsch gebildete Väter (=Sexualstraftäter), aber nichts für freie Junge, die alles aus wissenschaftlichen Gründen besser wissen.



*210620*

Sonntag, 5. Juli 2020

Der immer gleiche Quell


Bescheidet euch mit alten leidensregeln!
Der glanz der war bringt wenn auch späte spende
Die geister kehren stets mit vollen segeln
Zurück ins land des traums und der legende.

Wir erleben es gerade

Das Wissen, daß etwas sinnlich Vorgefundenes in der vorgefundenen Gegebenheit gewußt wird, kommt aus einem jedem wissenschaftlichen Denken vorgelagerten, unableitbaren, aber jedem Menschen gleichermaßen grundlegenden Vorwissen. Dieses begründet erst den Intellekt in seiner Urteilsfähigkeit, und ist nur in einem persönlichen Akt der Entscheidung zu wirklichen. Der wiederum auf einer Empirie, einer Erfahrung beruht, die aber nicht im eigentlichen Sinn rational, sondern die Rationalität erst begründend wirkt. Darin sind sich Aristoteles und Kurt Gödel im Grunde einig, Gödel hat diese aristotelische Entdeckung gewissermaßen noch einmal aufgegriffen und der Zeit vor Augen gestellt. 

Deshalb ist jede Methode der Vernunft feindlich gesinnt, weil sie bereits Vorentscheidungen beinhaltet, die erst zu klären wären, und die erst im eigentlichen Sinn gewußt sind.

Deshalb ist die heutige Wissenschaft in ihrem Versuch, genau diese Grundlegung des von ihr angeblich geschaffenen Wissens zu negieren und fernzuhalten, zu einem tiefen Nicht-Wissen und Nicht-Begreifen verdammt. In dem Maß, in dem sie sich von dieser menschlichen Grundlage der Vernunft entfernt, wird alles, was sie fördert, irrelevant und leer.

Die Methode selbst stellt sich in einen unendlichen Regreß, zeigt P. Dominicus Trojahn in diesem wirklich hörenswerten Beitrag. Damit löst sich jedes Denken, das aus dem Sinn erst zu einem solchen wird, in Unlösbarkeit auf.



Jeder Mensch aber weiß darum! Deshalb ist die Berufung auf Wissenschaft, egal wer und in welcher Position er sie bemüht, niemals die redliche Berufung auf Wahrheit und Wirklichkeitsrelevanz, sondern nie mehr als eine persönliche Vorentscheidung, die Vernunft, die eigene Vernunft, und damit die eigene Sittlichkeit, zu "entschulden". Diese vorgebliche Berufung auf "Gewußtes" ist somit ein höchst taugliches Instrument, die Welt über den inneren sittlichen Zustand zu täuschen. 

Umso mehr, als diese Sittlichkeit, die die Entscheidung zur Vernunft benötigt, eine Leistung der Persönlichkeitswerdung ist. Weil genau diese Persönlichkeitswerdung heute aber durch die Entwertung kultureller Institutionen (also deren Abschaffung, was im Wesentlichen schon alleine von ihrer Entgrenzung - eine Form der Indifferenz - bewirkt wird) und damit der kollektiven, zum Habitus, zur Gewohnheit gewordenen Verweigerung und Gutheißung der Verweigerung der Selbstüberschreitung auf das Begegnende hin, weil damit also die Persönlichkeitswerdung (die ein schöpferischer, ein gewissermaßen sogar eigenschöpferischer Akt ist) nicht mehr stattfindet, ist sie ein Schutzschild über dem eigenen nie Realität und Welt gewordenen Ich.

Diese genuin kindliche Haltung wird durch die (bereits erfolgte) Auflösung der Kultur prolongiert, und zur gesollten Haltung des Erwachsenen hochstilisiert. Damit stehen wir vor der historisch in unserer Kultur einmaligen Situation, daß wir die Agenden der Öffentlichkeit durch den Generationswechsel, der sich derzeit vollzieht, in die Hände von A-Persönlichkeiten legen und legen müssen, die in ihrem Urteilen gar nicht mehr zu relevanten Urteilen gelangen können. 
Jeder Vernunft beraubt wird diese Jugend somit zum Instrument von Geistern und Dämonen.
Somit wird sich der Prozeß beschleunigen (und wir beobachten genau das derzeit, bei der Klimafrage nicht weniger wie jüngst in der Corona-Panik), in dem wir praktisch ständig falsche Entscheidungen treffen bzw. von solchen geprägt werden. Wir werden deshalb binnen weniger Jahre oder Jahrzehnte alles verspielt haben, was wir heute noch "Wohlstand" nennen. Das kann gar nicht anders sein. 




*120620*