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Donnerstag, 28. Mai 2020

Ein Selfie mit Geschichte

Ein Selfie macht Geschichte. Weizsäcker - Reagan - Schmidt auf einer Sighseeing-Fahrt durch Berlin im Juni 1983. Reagan ist am Bild noch mit einer einfachen Kodak-Ektrachrome (hier ohne den beliebten Blitzwürfel) zu sehen, die seine Frau Nancy kurz zuvor am Kiez erstanden hatte. Schmidt, als Mann des Weitblicks bekannt, hatte diese Art des Selbstphotographierens schon damals für lächerlich gehalten. Er machte zwar gute Miene zum bösen Spiel, um das Naheverhältnis der Bundesrepublik mit den USA nicht zu belasten, wollte aber auf keinen Fall mit aufs Bild.

Aber auch sonst hatten die drei Männer in jenem Tag, wie man hört, viel Spaß. Der in einer Kneipe in Alt-Mariendorf beim Skat endete. Reagan soll angeblich bis zum Abschluß der Runden nicht gewußt haben, wie die Regeln lauteten, und in jenen Stunden fünf Gläser Schultheiß getrunken (und acht Mark vierzig verloren) haben, Schmidt konsumierte vier Weiße mit Schuß (sein Gewinn vor Steuern hatte sich, wie gewöhnlich gut unterrichtete Kreise vermelden, auf gut 10 Mark belaufen).

Weizsäckers Getränkekonsum an diesem historischen Abend ist nicht überliefert, man munkelt aber von sage und schreibe zwei Portionen Currywurst, was der Konzentration auf dieses sein Lieblingsspiel nicht so ganz dienlich gewesen sein dürfte. Denn nach Adam Riese (und der im Netz abrufbaren Steuererklrung für jenes Jahr) hat der Herr Bundespräsident rund zwei Mark verloren, die er als "Werbekosten" absetzte.

Wer der vierte Mann im Spiel gewesen war ist jedoch nicht überliefert. Warum? Was es wirkich nur der Chauffeur? Oder der Wirt? Oder nicht doch ein "zufälliger Kneipengast" namens Heini Lehmann? Die Gerüchte, daß es sich dabei um einen Stasiprovokateur gehandelt haben soll, der die deutsche Wirtschaftskraft schwächen sollte, wollten später jedenfalls nicht verstummen. Sein Gewinn kann allerdings nicht sehr hoch gewesen sein.





*150420*

Wenn Motoröl an Corona stirbt gilbt es nicht

Wir mögen sie ja sehr, unsere Freunde aus Afrika. Aber wer in einer Papaya oder im Motoröl Corona testet, und seine Ziege unter Quarantäne stellen will, weil sie ebenfalls von diesem tödlichen Virus befallen ist (und nach wie vor frech am Salzstein leckt, ohne Rücksicht, daß die nächste Ziege ... man wagt gar nicht, sich das vorzustellen), der muß irgendwas an den Corona-Tests nicht verstanden haben. 

Herr Präsident, das gilt doch nur für Lebende! Und auch da nur für Kartoffeln. Wie das geht? Fragen Sie einen Frutarier.

Also - fünf Papayas, elf Ziegen, sieben Kaninchen ... macht 23 Corona-Tote in Tansania.

Na lang wird es das Video nicht auf Youtube geben. Denn die WHO wird nicht sehr erfreut darüber sein. Deshalb hier ein Sicherheitslink, wo man den köstlichen Ausbruch immer noch anschauen kann.





*070520*

Mittwoch, 27. Mai 2020

Da muß wieder was sein

Keine Gegenwart ohne Vergangenheit. "I'm into Something Good" von den Herman's Hermits. Es gibt Momente, die Aspekten gehören, in denen eine Vergangenheitslinie pur, wie einer der Stränge des Leitungsbündels der Gegenwart, nach vorne drängt. 

Das vernünftige Existieren ist nicht die Abwesenheit mancher Stränge. Es ist vielmehr ein Austarieren innerhalb eines Bündels von Strängen, der Objektivität gemäß. In der Wahrheit also, die ein dialogisches, persönliches Geschehen ist. 

Das Schwelgen "egal worin, weil es einfach da ist", ist zwar, für sich gesehen, ein Nachgeben, ein Zurücksinken. Doch auch das muß manchmal sein, um die Kraft zum Austarieren zu finden. Deshalb braucht es die Intimität, die Diskretion, den gesellschaftlichen (also rechtlichen) Schutz des Persönlichen.

Man schaut, man meint, man sei auf der Suche nach etwas, sei es innerhalb eines Themas - da bricht ein Ton auf, der etwas herauszieht, das in diesem Augenblick enthalten war, ohne daß man es ahnte. Der VdZ hat ja immer gemeint, daß er (und jeder) in der Lage sei, ein gesamtes Musikstück aus einem einzigen Ton in dessen Umgebung zu erkennen.

So erging es ihm hier. Die Platte hatte er dereinst in Vinyl. Jugend in den 1960ern und 1970ern. Herman's Hermits. "I'm into something good" Irgendetwas sagt mir, daß es mir ziemlich gut geht. 

Heute sieht er den ganzen Text. Wie eine giftige Schlange hinter süßem Kaktussirup. Die Schlange hinter dem letzten Bühnenbild einer verloren gehenden Zeit. Einer Zeit, die sich selbst in den Abgrund reißt. 

Süße einer Zeit, Süße einer Kultur, der man doch zugehört. Herre, laß es nicht sein. Laß die Süße, die Freude echt sein. Parce nobis, Domine. 






*010520*

Dienstag, 26. Mai 2020

Man muß Barbar sein, um zu denken (2)

Teil 2) Warum Bürger zu sein bedeutet, Sklave zu sein


Nun, in der Neuzeit kam es bei uns, also in den von den Habsburgern beherrschten Ländern, unter (in den Augen des VdZ völlig zu Unrecht) so hochgelobten Frau Kaiser (denn Kaiser war immer noch ihr Mann, der Herzog von Lothringen - DER wurde gewählt, DER wurde in Frankfurt zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt) Maria Theresia zu einer Rechtsreform. Das war in den 1760er, 1770er Jahren. 

Wo mit einem Schlag und per kaiserlicher Verordnung jedes der zahlreichen, historisch gewachsenen, mit dem in einer Region lebenden Volk und seiner Ordnung und Struktur (die sich trotz des hohen Anteils an Zuwanderungsbevölkerung über Jahrhunderte mal mehr, mal weniger gebildet hatte) verwurzelten, regionalen Rechte außer Kraft traten und durch EIN Rechtskonstrukt ersetzt wurden. Über die fatalen Folgen (und noch mehr langfristigen Folgen) für die natürlichen sozialen Ordnungen ließen sich nächste Traktate ausarbeiten.

Damit aber war der römische Rechtsgrundsatz durchgesetzt, der da heißt: Gleichheit. Gleichheit aber (nun sind wir wieder zurück im alten Rom) ist aber eine Eigenschaft, die nur Sklaven eigen ist. Nur Sklaven können und dürfen nicht "für sich" denken, sondern ihr Denkergebnis steht im Wesentlichen bereits im Vorhinein fest. 
Es gibt nur die eine Wahl: Wollen wir gleich sein und nicht denken, oder wollen wir frei sein und denken
Was bedeutet das? Es bedeutet, daß wir ohne es näher zu bemerken in einem Zustand der Versklavung leben! Und zwar deshalb, weil wir Bürger sind und sein wollen. Somit die Ruhe dem wirklichen Denken und seinen nicht immer vorhersagbaren Ergebnissen vorziehen. Seien wir doch ehrlich - ist es nicht das, was wir wirklich wollen und auf jeden Fall vorziehen? Das heißt, daß das Denken von Bürgern IMMER mehr oder weniger dem der Regierung, die es hat (und von der es mit der Zeit eine reine Illusion diesbezüglich pflegt, diese Regierung auch selbst gewollt, neuerdings auch selbst sogar "gewählt" zu haben), gleicht, weil anpaßt, fügt. 

Das können wir drehen und wenden, wie wir es wollen. Es ist so. Nicht nur theoretisch, sondern wir können es jeden Tag beobachten. Und daraus schließen, daß wir auch davon "befallen" sind. Weil wir dazugehören wollen. Weil wir die Bequemlichkeitsvorteile der Anstrengung vorziehen, uns mehr zu individuieren. 

Wenn wir das zusammenfassen, können wir also mit Fug und Recht sagen, daß wirkliches Denken nur von dort kommen KANN, wo der Zustand des Barbarentums herrscht. Nur von dort, wo Menschen im Zustand "des Andersseins" leben. 

So, und nun ziehen wir endlich den Bogen zur Aussage, die ganz am Anfang dieses Versuchs (=Essay) stand. Die da lautete, daß der wahre Untergang Roms nicht, wie das Vorurteil, das in den Schulen seit Jahr und Tag gelehrt wird, dem Einströmen der Barbaren zu verdanken ist. Mitnichten und -neffen! Diese Barbaren waren es sogar, die mit ihrer ganzen Mannes- und Denkkraft das römische Reich erhalten wollten, dafür sogar ihr Leben gaben. 

Warum aber kam es dann doch zum Zerfall dieser Truppen, dieser militärischen Kraft, was Rom schließlich 476 (mit der Absetzung von Romulus Augustulus) nach der verheerenden Niederlage gegen die barbarischen Vandalen den Gnadenschuß gab. Aber das Ende kam nicht, WEIL barbarische Völker, auf ihrer Flucht vor dem Chaos in Massen den Rhein und die Donau überquerten. Die zuvor zu Feinden erklärt wurden. Dabei hatten alle diese Völker immer noch die Ordnung und Lebensweise Roms gesucht. (Erst die Langobarden, einige Jahrzehnte später, waren bewußte Schöpfer einer neuen Ordnung, aber recht sicher auch schon nur deshalb, weil es keine römische Ordnung mehr gab.) 

Diese Hinzukömmlinge (was alles wir "Völkerwanderung" nennen) waren zu Feinden erklärt worden. Dabei waren die gar nicht feindlich gesinnt, nicht wirklich zumindest. Aber einmal zu Feinden erklärt, mußten sie sich so verstehen. Das Ende ist bekannt. Es war das definitive Ende Roms, das Ende der römischen Strukturen.

Ohne Zentralmacht, ohne zentral durchgehaltene, geforderte Ordnung zerfiel die große Ordnung (wie das Militär) in jene Ordnungen und Hierarchieebenen, die noch funktionierten. Und das waren die militärischen Einheiten und Abteilungen. Die von einem Rex (regs) beherrscht wurden. DARAUS hat sich dann ... der König* entwickelt, der ursprünglich das war, was wir neudeutsch mit "warlord" bezeichnen könnten. Ein Kriegsherr, der über eine Ordnung innerhalb einer nicht mehr bestehenden römischen Ganzordnung herrschte. 

Daraus hat sich dann in einem mehr oder weniger komplexen Spiel von Interessen, Persönlichkeiten, Macht und Lebensanforderungen ein enorm facettenreiches Gebilde von Teilordnungen etabliert, die barbarischen Ursprungs und barbarischer Gesinnung waren. (Noch einmal: Barbarisch heißt: Jeder dachte für sich. Und das verträgt sich nicht mit dem Bürgerstatus, der ab einer bestimmten zeitlichen Entwicklung, vor allem ab einer bestimmten Größe, ab der das individuelle Dasein, das individuelle Denken immer mehr kompromittiert wird.) Und voilà - wir haben den Zustand Europas im 5. Jahrhundert.

Ein Zustand, der all diesen Barbaren und Barbarenvölkern mehr oder weniger ZUGEFALLEN war. Zum überwiegenden Teil ohne, daß sie es je so gewollt hätten! Denn nur ein starkes Rom hätte sie so vor den asiatischen Räuber- und Plündervölkern (die nie auf Land aus waren, sondern deren "Reich" nicht größer als der Rücken ihrer Pferde war) beschützt, wie sie sich das gewünscht und erhofft hatten. 

Zugefallen, weil die Dekadenz und das nicht mehr vorhandene Selbstsein, der Wille zur Selbstbehauptung der Römer deren Staat und Ordnung aus sich heraus aufgelöst hatte. Still und heimlich, und über jahrhundertelange Prozesse. Wo sich der Caesar, der Kaiser, aufgelöst hatte, sodaß das in alle möglichen "Parallelgesellschaften" zerfallene Volk mehr oder weniger notgedrungen in "Königreiche" zerfiel. Regiert von den Warlords, den Regis, den Regenten, den Königen. 

Von dieser Warte beleuchtet, ohne jedes neu erfundene oder ge-fundene Detail also, erzählt uns plötzlich das Ende Roms viel mehr über den Zustand unserer Gegenwart und damit über das Stadium, in dem wir uns befinden. Als Punkt auf einem Weg in den Verlust der Ordnung, in der wir leben, und die wir so ungemein stabil halten, daß wir alles daran setzen, sie zu erhalten. Und dabei lieber das Denken aufgeben, weil es den zentralen Mächten überlassen. Von denen wir uns erhoffen (und deshalb übergeben wir ihnen ja unser Denken, das der Ordnung gefährlich werden könnte), daß sie uns vor den Barbaren schützen.




*Etymologisch ist (sehr reduziert) das Wort König aus dem indogermanischen Zusammenhang von Zeuger, Geschlecht (im Sinne von "Haus"; vgl. "(k)-ung/-ing" in der Bedeutung von "stammen von"; vgl. ferner die sprachlichen Zusammenhänge "Kun(g)" - k-un (mächtig, s. "kön-nen") - g-un (von Macht stammend, ihr zugehörig) - g (ch/h, vgl. dazu sprachgeschichtlich bei Grimm der Gebrauch von "g/k/ch" als "mächtig" im Sinne von "von einer Art" - "Rei-k/ch" - "-ring/-rijk/-reik" - "Reg(s)"=Leiter, Anführer, vgl. auch die selbige Wurzel von Reich und Reg), als Herr (Vorsteher), Anführer heraus zu verstehen; vgl. dazu "k" im Sinne von "fran-k"=frei sein/freie, von Freiheit/-en stammend=frei sein, sowie das "k" generell in seinem Zusammenhang mit "-k(c,g)-ko/co", Himmel (Erdgewölbe ebenso wie spirituell; vgl. "caeli" sprich [kö]), aber das führt hier zu weit.

Bleibt noch der Hinweis, daß von der inneren Bedeutung her einer für alle, pars pro toto, also der Stellvertretergedanke (!) mitschwingt. Es hilft mitzudenken, daß sprachgeschichtlich das primus inter pares im Spiel ist, über das sich immer mehr das "Einer für ..." zu "Erster von ..." herausbildete (wie z. B. Kluge schreibt), möglicherweise (wie der VdZ denkt) aber genau im umgekehrten Sinn im Sprachsein des Menschen verankert ist.



*130520*

Alltag als Notstandsgebiet

Eisbärenmangel, obwohl es nicht weniger Eisbären gibt denn zu besten vergangenen Zeiten, und Straßburg beschließt Klimanotstand per Mehrheitsbeschluß, obwohl (oder: weil) das Wetter tut, was es immer getan hat. Normalerweise ist Notstand eingetreten, ehe er ausgerufen wird. Man erkennt ihn posthoc. Er setzt die üblichen, offiziellen Procedere außer Kraft, um einem Übel abzuhelfen. Nachdem die Klimapaniker eine Minderheit sind, überrunden sie so die Demokratie, ja überhaupt unsere Staaten. Und das auf nicht absehbare Zeit. Heutige Notstände aber berufen sich auf ... Projektionen, auf Zukunft, auf Prognosen. Auf Prognosen in Systemen, die nicht prognostizierbar sind. Wie jedes nicht lineare, wechselwirksame, chaotische System. Jede Gestalt ist aber so ein unvorhersagbares System.

Weil wir Gestalten ablehnen, neue nicht finden, weil Gestalten nur empfangen, aber nicht gegeben werden können, wird die Welt zum Notstand. Notstand wird zum üblichen Erscheinungsbild des Alltags. 

Notstand deshalb überall, ob im Bildungssystem, in der Gleichberechtigung, in allen linken Agenden ...

Es ist die Ernte der Versuche, die Welt neu zu begründen. Sie nicht mehr zu empfangen, sondern nach eigenen Vorstellungen zu schaffen. Die Ernte ist schrecklich. Kein Ding scheint mehr zu funktionieren.

Gegen den logos hat eben nichts Aussicht auf Erfolg. 

Der Wechsel müßte radikal sein. Er müßte von einem autonomen Selbstbestimmen zu einem bittenden, also dankerfüllten Empfangen gehen. Das ist die Totalumkehr, die es bräuchte. Nun wissen wir, warum die Welt ist, wie sie heute ist. Sie leidet am Mangel an Sittlichkeit, am Mangel an der rechten Haltung. Und das würde einen radikalen Wechsel der inneren Haltung verlangen. Einer Haltung, die auf einem Vertrauen dem Sein gegenüber beruht. Dieses Vertrauen aber will und kann niemand mehr aufbringen.

Also werden Wege außerhalb des logos gesucht. Revolutionäre Wege, denn genau das tun Revolutionen. Nur in diesem Fall wird das totale Scheitern der Politik, ja der Eliten, des gesamten Vernunft- und Verstandesgebäudes proklamiert, das nicht mehr reicht, um Wünsche und Ziele zu erreichen. Überall in unserem Alltag haben wir deshalb mittlerweile Notstandsmechanismen etabliert. 

Ob in der Gendergerechtigkeit, in der Migrationsfrage, in der Erziehung durch Schulen (statt Familien), in der Ehe, an Universitäten, bei Aufnahmeprüfungen, Kraftfahrzeuge und Antriebsarten, Heizung und Energieverbrauch, an den Arbeitsstätten bei Löhnen, sozialem Umgang (Mobbing oder "offensive Sprache"), Moral (selbst in der Kirche), Essen (nach Gesundheits- oder Klimaaspekten statt nach Geschmack und Tradition) ... die Liste will nicht mehr enden, beginnt man sich ernsthaft mit einer auseinanderzusetzen. Es ist eine Liste der Abwehr von vorausgehend Empfangbarem, als Abwehr einer geschaffenen Welt, die vom Sein selbst, von Gott, im Sein gehalten wird, wenn das Seiende es nicht ablehnt, wenn das Seiende darum bittet, auf daß es vom Sein erfüllt (und damit seiend) ist.

Wo man auch hinsieht, haben wir es deshalb mit ausgerufenen Notständen zu tun. Was früher galt, gilt nicht mehr, die neuen Regeln müssen von allen gelernt werden, und nicht nur das, sie müssen überhaupt erst erfunden werden, und dazu gehört, daß sie ständig angepaßt werden müssen, weil sie seltsamerweise nie so richtig passen.

Wo man auch hinsieht, versagen angeblich alle die normalen Lebensregeln, auf denen wir unsere Gesellschaften aufgebaut haben. Überall wurden und werden neue Regeln implementiert, die dem Einzelnen das Handeln aus der Hand nehmen, und von oben her diktieren. Überall werden neue Regeln erfunden, weil die alten angeblich nicht mehr ausreichen.

Der ganz gewöhnliche Alltag ist zum Notstandsgebiet geworden, darauf läßt sich verkürzen, was sich heute abspielt. Und weil diese Etikette kaum von jemandem noch angezweifelt wird, wird Notstand auch unsere Zukunft prägen. Die Regierungen haben längst darauf reagiert, und dankend neue Möglichkeiten etabliert. Notstand aber heißt immer, es mit der wirklichen Macht in einer Gesellschaft zu tun zu bekommen.



*120320*

Montag, 25. Mai 2020

Man muß Barbar sein, um zu denken (1)

Man soll sich nur nicht über die wahre Ursache des Zerfalls des römischen Imperiums täuschen, schreibt Ianto Watt in seinem großartigen Buch "The Barbarian Bible". 

Das von der simplen Tatsache ausgeht, daß um zu erkennen, in welchem Stadium sich eine (also: unsere) Kultur befindet man betrachten muß, wo sie einmal gewesen ist. Nur aus dieser Zeitlinie läßt sich der gegenwärtige Zustand erkennen. Deshalb befaßt sich sein Buch, in dem er, der Großvater, die Welt seinen Enkeln erklärt, mit Geschichte. Aber nicht, indem es "bisher geheim gehaltene Tatsachen" auf den Tisch legt, wie so manche ähnliche Bestrebungen, sondern indem es einfach nachfragt, und Begriffe klärt. Und dabei einen Aha-Moment nach dem anderen auslöst, auch beim VdZ. Der deshalb die Lektüre jedem nur dringendst ans Herz legen kann. Er selber "fällt" gewissermaßen von einem Absatz zum nächsten in ein regelrechtes Lichtbecken nach dem anderen. 

Um zu illustrieren, wie das gemeint ist, nehmen wir nur ein Beispiel heran, das des Begriffs "König" - Rex, regis usw. Denn dieser Begriff (darum auch der Titel des Buches, dazu später, es ist schon diese Erklärung ein Lesegenuß) Rex/König ist kein Deszendent von "Caesar", Kaiser, also dem Herrscher über ein Imperium. Sondern es war ursprünglich die Bezeichnung für den Befehlshaber einer Kohorte. Diese Kohorten aber waren in der Kaiserzeit zunehmend von "Barbaren" gestellt. 

Weil die Römer immer weniger in der Lage waren, selbst Männer mit Mut und Tugend hervorzubringen, die die Verteidigung des Landes und ihrer Heimat bewerkstelligen hätten können. Sie waren zu verweichlicht, geistig abgehalftert, und schließlich - nach einer jahrhundertelangen Phase des Turbokapitalismus (mit dem heutigen vergleichbar, und auch das ein beständiger Weg nach unten, gerade im Zusammenspiel mit der Politik) - gab es nicht nur zu wenige Männer überhaupt, und zwar durch Empfängnisverhütung und generellen Niedergang des Willens zum Nachwuchs. 

Überraschung: Das war hauptsächlich durch den Zerfall der Ehe bedingt, die schon unter Augustus begonnen hatte; nein, viel früher, durch die faktische, nach heutigem Begriff erstaunlich feministisch-emanzipierte Stellung der Ehefrau, aus der heraus die Ehe und Familie in einer Kettenreaktion ins Chaos versank begonnen hatte, sondern in einem direkten Zusammenhang auch zu wenig Geld. Und deshalb (sic!) irgendwann  zu wenig Kredit. Denn auch das hängt zusammen, und auch das zeigt den Zustand unserer Gegenwart, die sich in immer astronomischer Höhe verschuldet. 

Das hat dazu geführt, daß sich die eigentlichen Römer diese Fremden, die bald ausschließlich übernommen hatten, wozu sich kein Römer mehr bereit fand, auch nicht mehr leisten konnten.

Es gab also nicht nur zu wenige römische Bürger (Civitates - Zivilisation - Citoyens). Die jene Gruppen, der in einem Land lebenden Menschen sind, die sich mit dem Staat identifizieren, die mehr oder weniger kritiklos für diesen stehen, ihn vertreten, also für die Ordnung stehen, die er repräsentiert und ebenso schafft wie erhält. Es gab bald auch keine Barbarentruppen mehr, die sich Roms Bürger leisten konnten. 

Aber auch das war nur eine Folge, ein Puzzlestei, eine einem ganz anderen, unten ausgemalten Bild ... wobei wir vorerst noch einige weitere Denkfundamente durch Begriffsauflüftung neu legen wollen.
Denn in gewissem Maß ist somit auch gesagt ist, daß Bürger jene Menschen sind, die ihr Denken freiwillig und durch Habitus (also übertragen, als Brauch unhinterfragt übernommen und danach geformt) beschränken. 
Weil unter die Maxime stellen, daß ihr Reden (=Denken) die Prämisse trägt, daß sie einem Zweck untergeordnet ist: Den Staat zu erhalten, zu stützen, zu verteidigen. Freies Denken und Bürgerschaft sind also in gewisser Hinsicht ein Widerspruch. Frei können, wenn man es so betrachtet, nur Barbaren sein. Und Barbaren sind keine Idioten, sondern einfach die, die "nicht zum Staat gehören", die Fremde sind, die "anders" sind. 

Sie sehen schon ein wenig, geneigter Leser, was Watt meint, und was der VdZ meint, wenn er sagt, daß der Walliser nichts "Neues" erfindet, sondern die Dinge einfach neu ordnet, zusammensetzt, und einmal in Ruhe für sich nimmt. Mit der für unseren alltäglichen Sprachgebrauch oft so überraschenden Erkenntnis, daß die Dinge, wenn man sie einmal einfach für sich stehen läßt, ein völlig neues Zueinander ergeben. 

Der Bürgerbegriff geht dabei von einer seltsamen Maxime aus. Auch die wird heute unreflektiert übernommen. Sie besagt, daß das Recht nach heutigem Begriff (der römischer Tradition entspringt) als "fortschrittlich" und der Entwicklung des Abendlandes (Europas) so zuträglich gesehen wird.

In Wahrheit war der römische Rechtsbegriff nur praktisch, für den Staatsbegriff römischer Art nützlich. Denn die Römer waren ja überhaupt die größten Pragmaten, die man sich vorstellen kann, deshalb waren sie ja im Aufbau des Reichs, in dessen Erhalt und politischer Stärke so "effizient".

Dieser Rechtsbegriff geht von GLEICHHEIT aus. Deshalb kann ein universales Recht über alle drübergelegt werden. Damit ist das gemeint, was seit der Renaissance und dem sich daraus entwickelnden Zustands absoluter Herrschaft auch bei uns mehr und mehr eingeführt. In Österreich durch die theresianische Rechtsreform. 

Die natürlich Rechtsstudierten ein wahrer Gaumenschmaus ist. Die häufig nur "gelernte Anwender eines technizistischen Gesetzesbegriffs" sind, für die die Gesetze also eine Art Bedienungshandbuch, technische Beschreibung sind, was zwar auf eine Weise auch mitspielen muß, aber absolut genommen absolut tödlich für die jedem Recht zugrundeliegenden Gerechtigkeitsforderung ist. Wir erleben das ja heute. 

Morgen Teil 2) Warum Bürger zu sein bedeutet, Sklave zu sein



*130520*

Kent State - Der Tag, ab dem geschossen wurde

Es wird sich kaum noch jemand daran erinnern, nicht bei uns zumindest. Aber am 4. Mai 1970 eröffnete die US-Nationalgarde das Feuer auf einige Dutzend Studenten, die am Campus der Kent State University gegen den Vietnamkrieg demonstriert hatten. Das war der Anfang vom Ende der "Studentenunruhen", die in immer höherem Tempo ihre Energie nach innen ablenkten, auf Sex und Drogen und Musik, in der sie vom Protest träumten, und sich die Wohlgefühle auf Kosten der Selbstverkonsumierung in einer lächerlich umgedeuteten Freiheit holten.

Auch wenn dem Anschein nach die Proteste fortan eskalierten - es war nur Schein, während sich die Aggression gegen die innere Substanz wendete, mit einem neuen Feind vor Augen. Familie. Kirche. Ehe. Und ... Staat.

Denn das waren die Auswege, die nicht nur großzügig gestattet, sondern die sogar unterstützt wurden. Von eben diesem Staat, den zu okkupieren und dessen Instrumente für ihre Zwecke zu nützen das Ziel der wirklichen Feinde war. Weil sie halfen, den eigentlichen Feind auf dessen innerster Linie zu bekämpfen.

Die Verweigerung ging nach innen, auf die engsten sozialen und verbindlichen Verhältnisse, die damit aufgelöst wurden, die aber alleine einem Staat Stabilität und Freiheit geben, der auf Ernst und Verantwortung der Bürger beruhen muß. Auf Familie, Ehe, Kirche. Nur sie können die nötige Einheit als wahre Grammatik seiner Bürger geben. Der Staat als Tor zur Macht war Beute und Frucht, die reif wurde, wenn ihre Säulen fielen, und der fortan leicht zu kassieren war.

Kent State wirkte fort. In den nächsten zwei Wochen kam es im Mai 1970 folgerichtig zu zwei weiteren Schußübungen auf Studenten, denen auch halbe Kinder und zufällige Zuseher zum Opfer fielen. Insgesamt gab es zehn Tote und Dutzende Verletzte. Die Protestierer waren schockiert. Damit hatte niemand gerechnet.
Aber dieser Schock war beabsichtigt. Allen späteren Diskussionen zum Trotz, wer dafür verantwortlich, ob nicht sogar alles ein großes Mißverständnis einzelner übernervöser Soldaten gewesen sei. Wenn der Staat, der immer über Strukturen wirkt, seine Taten verbergen möchte, sucht er eben Einzeltäter. 
Aber es war die Politik hinter und in der Politik. Die mit einem Markstein - Soldaten schossen auf eigene Bürger - erfolgreich eine mögliche Gefahr im Kampf gegen eine andere mögliche Gefahr bekämpft hatte. Heute ist es die Angst vor dem nächsten Corona-Ausbruch, damals war es die Angst vor dem nächsten Erfolg der Kommunisten,* die in der Auslage standen, mit dem Etikett "Feind" darauf. Mit exakten Bildern, wie dieser Feind aussah, damit sie sich jeder einprägen konnte.

So wurde eine Angst vor einem Feind geschürt, die es damals rechtfertigte (und die es heute rechtfertigt), neben anderen auch eines der bedeutendsten Grundrechte, das die US-Verfassung garantiert, außer Kraft zu setzen. Das Versammlungsrecht, das Recht auf freie Meinungsäußerung. Der Staat hatte gezeigt, daß er bereit war, Krieg auch gegen die eigene Bevölkerung zu führen, sollte er sein oberstes Ziel "Sicherheit" ("Gesundheit") in Gefahr sehen.
Das Beispiel war maßstabsetzend, und die Bürger verstanden die Botschaft. Die Partei der Freiheit fand keine Streiter des Willens mehr.  Die USA aber weiteten den Krieg aus, bezogen nun sogar Kambodscha ein.
Wer aber ist der wahre Feind? Das mußte damals und das muß heute beantwortet werden. Damals fand man die Antwort nicht, damals täuschte man sich, und jede Täuschung wird vom wahren Feind sofort genützt. Der wahre Feind wurde wie die Natter an der Brust weiter genährt, weil er unsichtbar blieb.**

Und heute? Ist es wirklich das Gespenst Corona, das wie ein Geist mal hier, mal dort auftaucht, und den Staat zu Maßnahmen aufstachelt, die eine Gesellschaft strukturieren, die nur noch seelenlos funktioniert, und jederzeit bis in die intimsten Ecken hinein gesteuert und entkernt werden kann? Oder ist es nicht vielmehr alles, was uns diese Intimität, diese Verantwortung weil Freiheit nimmt, und uns somit unserer schöpferischesten Kräfte (weiter) beraubt?
Aber vielleicht haben wir in der Corona-Krise diese Antwort bereits gegeben. Und sie ist auf die entscheidende Weise dieselbe wie damals nach Kent State. Sie bedeutet das Ende der Freiheit in einer Gesellschaft. Deren wahre Herren uns als Entgelt für unsere Freiheit Sex und Drogen und Rock'n Roll gewähren. 
Wie? Ach so, nein. Das nennt man heute anders. Man nennt es Gesundheit. Nan nennt es Weltrettung. Man nennt es Rettung von Leben.

***

Sie deuten Freiheit also um. So läßt sich Illusion "gerechtfertigt" an die Stelle der Wirklichkeit setzen. Heutige Studenten demonstrieren also friedlich und virtuell, weil es um die "Gesundheit" geht, die Staatsmaxime. Gegen letztere niemand mehr zu protestieren wagt, sonst wird er auf die eine oder andere Weise fertiggemacht. Also wird über Facebook und Twitter gestreikt, daß die Erde bebt. Heutige Protestierer sind besser als die Bösen. 

Angeblich sollen sich in einer nächsten Eskalation Dutzende Studenten mit Filzstift "Streik" auf die Stirn gemalt haben. 
Ärzte warnen vor den gesundheitlichen Folgen und Greenpeace vor den Auswirkungen auf das Klima. Woraufhin die Hälfte der Protestierer den virtuellen Streik abbrachen und sich die Stirne sauber rubbelten. 
Nur die Kanzler von Österreich und Deutschland stellten sich auf die Seite der Demonstranten, stellten Waschpaste "koste es was es wolle" zur Verfügung, und wiesen auf das Recht auf freie Meinungsäußerung hin, das immer noch Vorrang habe, solange keine Gefahr für Ansteckung mit Corona-Viren bestünde. 

Im Gegensatz zu Demonstranten in Berlin und Wien, deren Protestaufmärsche gegen die Einschränkungsmaßnahmen der Regierung freilich gar nie "verboten" wurden. Sondern deren Proponenten schlicht deshalb mit Polizeigewalt entfernt worden waren, weil sie sich zu einem nicht unbeträchtlichen Prozentsatz nicht an gesetzlich vorgeschriebene Maßnahmen - Maskentragepflicht und 1,50 Meter Mindestabstand - gehalten hatten. Wogegen die Protestierer protestierten, denn sehr wohl hatten sie sich daran gehalten.

Anfragen der Opposition in fünf Fällen wurden als demokratiegefährdend zurückgewiesen: Auch 1,32 Meter Abstand (wie bei den fünf gemessen) sind zu wenig, um eine mögliche Ansteckung der Bevölkerung mit möglichen Viren zu verhindern.

Remember Kent State!




*Damals hat der Staat die Schlacht gewonnen, aber sie war irrelevant. Denn der Krieg fand woanders statt, und diesen Krieg hat er verloren. Weil der wahre Feind und die wahre Kampfszenerie nicht erkannt worden war. Die gewonnene Schlacht war auch damals vielmehr eine Entblößung des Staates, sodaß man fragen muß, wer diese Schlachten überhaupt geführt hat, ob nämlich nicht schon der wahre Feind. 

Diese Verwirrungsspiele im Hinweis auf einen angeblichen Gegner, während der wahre Gegner bereits die Befehlshierarchien durchdrungen hat, finden aber auch heute statt. Wir "kämpfen gegen Corona", und reißen in Wahrheit alle Barrieren gegen die Unfreiheit ein. In Zukunft kann jeder die nunmehr akzeptierten Instrumente der Knechtung der Bürger benutzen, sie sind etabliert und warten auf ihre nächsten Einsätze.

**Wir nennen ihn hier "das Imperium". Es steht im Fall der USA damals wie heute gegen die Rückbesinnung auf die Nation. Und wenn es jemandem beliebt, die Corona-Krise von heute zu vereinfachen, ist auch dafür diese Gegeneinandersetzung zutreffend. Mit der die National-Kräfte im jederzeitigen Shutdown unwirksam gemacht, umgelenkt, ausgeschaltet werden können.



*070520*

Sonntag, 24. Mai 2020

Aus mancher Beklemmung hilft nur die Flucht ins Absurde

Auch dieser Hinweis auf ein Filmchen stammt von einer Leserin - Dank an Leser R! - und soll hier nicht fehlen. Bodo Wartke zeigt darin jenen Humor, den der VdZ so liebt. Mit einer Absurdität, die auf den ersten Blick nicht so deutlich zu sehen sein mag, sich aber in einem "seltsamen" Gefühl ankündigt. 

Denn ein Loblied auf den Virologen Christian Drosten ist es natürlich nicht. In seiner Aufarbeitung ist das Boogie-Stück sogar zu einer herrlichen Kritik an der gesamten Corona-Panik geworden, wie sie uns erfaßt und niedergezwungen hat.

Wir wurden dabei von einem Gespenst erfaßt. Das macht alles, was sich in den letzten Monaten abgespielt hat, so unheimlich. Auch Wartke deutet an, wie ihn dieser ganze Irrwitz lange gepackt gehalten hatte, sodaß es ihm die Kehle zuschnürte, und er nicht "schöpferisch" damit umgehen konnte.

Aber dieser Befreiungsschlag gelang ihm nun. Wie von ihm gewohnt mit einem Boogie, der auf jeden Fall Ihre Stimmung heben wird, werter Leser. Also - anhören, und mitswingen.





*060520*

Wer Eigentum vernichtet, vernichtet das Ich (2)

Teil 2) Warum Freiheit ein höheres Gut ist als Gesundheit


Wilhelm Schmidt schreibt in seiner Untersuchung "Das Eigentum in den ältesten Stufen der Menschheit": 
"Diese unmittelbare oder mittelbare Verbindung einer Sache mit dem Körper des Besitzers bezeichnet eben, daß er den Besitz seines Ich über seinen Körper hinaus auch auf diese Sache der Außenwelt erstreckt. Die Possessivbezeichnung, womit er dieses Verhältnis benennt, ist genau dieselbe wie diejenige, womit er den Besitz der eigenen Seele und des eigenen Körpers benannte; "mein Bogen", "meine Hand"; beides war jetzt in den Willens- und Tätigkeitsbereich des Ich hineinbezogen worden. Das Eigentum ist in der Tat nichts anderes als die Erweiterung der Willens- und Kraftsphäre über den Bereich der eigenen Seele und des eigenen Körpers hinaus auch in die Außenwelt hinein.
Man muß das Ich vernichten, um das Eigentum zu vernichten. (Was in anderer Weise, aber nicht weniger gravierend, auch umgekehrt stattfindet; Anm.)
In der Tat geht die Vernichtung des Privateigentums immer Hand in Hand mit Theorien kollektivistischer Psychologie, die den Einzelmenschen auslöscht und ihn als bloßes Produkt der Masse hinstellt. Andererseits ist die Entwicklung schrankenlosen und rücksichtslosen Privateigentums immer verbunden mit der ideologischen Atomisierung einer Gesellschaft durch Liberalismus und Individualismus, die nur zusammenhanglose - oder höchstens in der obersten Einheit eines Staates zusammenhängende - Ichs gelten läßt, von denen jedes im unbegrenzten Kampfe aller gegen alle rücksichtslos sich durchzusetzen versuchen kann. Da sowohl die eine wie die andere Auffassung des Menschen mit der Wirklichkeit in Konflikt kommt, so tritt dieser Zusammenstoß auch bei ihren beiderseitigen Eigentumsbegriffen ein."
Vielleicht erkennt der Leser nun endlich den Zusammenhang mit der aktuellen geschichtlichen Situation. Das Be-greifen (auch das ein Eigentumsakt, sic!) vom Eigentum ist einer der Bausteine, die uns klarmachen sollten, was Freiheit bedeutet, und was Beraubung von Freiheit bedeutet: Es ist eine Zerstörung des Ich. Und geht über jede Gesundheitsgefährdung (ob real oder nicht) weit hinaus, geht deshalb immer einer "Gesundheit" vor: 
Freiheit ist ein höheres Gut als Gesundheit! Deshalb haben sich oder wurden in der Geschichte bei Epidemien etwa DIE KRANKEN isoliert, im Sinne von (erst) ausgeschlossen, und isoliert nur bei Zustimmung (etwa in Krankenhäusern) weil dann auch gepflegt. Niemals aber wurden DIE GESUNDEN quarantäniert.
Wer deshalb da meinet, daß die Beschränkungen in der Corona-Krise, die den Menschen auferlegt wurden und werden, einfach so ohne Spuren bleiben, der hat sich um eine wirkliche Dimension getäuscht. Sowohl im Schaden an den Menschen, am Volk, an den Gesellschaften aller Ebenen, als aber auch im Schicksal der Regierenden vor Gott. Der Leser sei an dieser Stelle aufgerufen, das persönliche Schicksal der heute Herrschenden genauer zu verfolgen. Denn die haben sich auch in dieser Sache mit Gott angelegt. 
Weil derjenige, der jemanden anderen der Freiheit beraubt, das Eigentum über diesen im Worte anmeldet.



*270420*

Samstag, 23. Mai 2020

Leben als Prozeß eines Weges nach Hause (3)

Teil 3) 
Unsere Wurzeln liegen nicht in "Deutschland". 
Sie liegen in unserer Verwobenheit in unser jeweiliges Volk



Auch das sollten wir also endlich von anderer Warte zu sehen versuchen. Als Antwort auf die Frage, was es sein könnte, das in diesen und jetzigen Generationen die Ablehnung des Eigenen so massiv gemacht hat. Die meisten Erklärungsversuche, bis hin zur "Gehirnwäsche" nach 1945, reichen viel zu kurz, und sind unzulänglich, um das Phänomen wirklich zu verstehen. Ja, sie sind meist nichts anderes als ein sturköpfiges Festhalten an einem Irrtum. Als der falsche Versuch zu prolongieren, was versagt hat, fundamentales Versagen somit zu rechtfertigen, weil auf andere, aber irrtümlich als solche identifizierte Ursachen zurückzuführen.

Vielleicht kommt also dieser so lange Irrweg unserer Gesellschaften, exemplarisch in dieser Frau sichtbar, eben genau daraus. Aus dem Verleugnen und Ignorieren einer Wurzelkultur, die bei Menschen dieser Generation zumindest noch im Fleisch, sonst nur noch in den Ruinen und Museumslandschaften, die unsere Orte bestenfalls geworden sind, in Erinnerungen und Erzählungen somit noch vorhanden ist.

In jenen Generationen, die bald gehen weil sterben werden. Die aber noch ein Hessisch- oder Fränkisch- oder Rheinländisch- öder Kölnisch- oder Düsseldorfer-sein erfahren haben, das heute schon so verblaßt ist, daß man meinen könnte, es gäbe das gar nicht mehr.

Als wäre alles Wurzelhafte bereits der globalen Amerikanismus-Konsum-Unkultur zum Opfer gefallen, die nach 1945 so endgültig alles überlagert hat. Die damit aber ein Zerstörungswerk vollendet hat, das 1870/71 mit dem Ausrufen eines neuen "Deutsch-seins" begonnen hat. Das in Wahrheit die Verdinglichung eines bloßen Begriffs, keiner ontologischen Wirklichkeit war, die für sich selbst Realität werden könnte. (Wir sind umso mehr deutsch, aber auch erst dann deutsch, wenn wir Kölner, Wiener, Münchner oder Dingelfurther sind. Ja, erst dann sind wir sogar ... Menschen.)

Dieser neue Deutschland-Begriff (übrigens: Das hier Gesagte gilt, bitte, sinngemäß genauso für das, was wir heute Österreich nennen!) hat die realen Verwurzelungen bereits im 19. Jahrhundert aufzulösen begonnen. Hellsichtige Personen wie König Ludwig II. von Bayern, nicht zuletzt, haben das sofort erkannt, und sich deshalb so gut sie es vermochten (und das war nicht viel) dagegen gewehrt.

Ohne Erfolg. Der Wunsch nach liberalistischem Leben und kapitalistisch-gierigen Wohlstand war zu verführerisch, zu phantastisch und vielversprechend, zu mächtig. Es mußte ein Deutschland werden, um diese Gier so vieler in einer Zeit des sich überschlagenden Liberalismus (et) Kapitalismus, zu befriedigen.

Identität "Deutsch" - Bildquelle
So wurde eine künstliche, daherphantasierte, irrationale (als rationalistische) Identität als Wunsch und Ziel in die Welt gesetzt, die sich, wie die Geschichte zeigte, nicht und nicht erfüllt hat. (Man könnte auch sagen: Das war der Endsieg des Lutherismus über den Katholizismus.)

Sodaß die Bereitschaft der jungen Generationen der Gegenwart, sich widerstandslos und sogar bereitwillig Massen an Menschen anderer, fremder Kulturkreise ins Land zu wünschen, auf diese Enttäuschung und Leere, die das Unerfüllbare, diese Karotte vor der Nase, hinterlassen hat, zurückzuführen ist. Daß sich dieses Deutsch-sein als "Kultur", das heißt als reale, gestalthafte Identität der Lebensführung, gar nicht erfüllen läßt. Daß es sogar ein und dasselbe wie der amerikanistische, liberalistische Konsumkult ist.

Die letzten Sequenzen des Films zeigen deshalb etwas, das bedeutend ist. Die Frau ist ruhig geworden. Mit einem deutschen Partner (was im Film aber nicht ausgesprochen wird), der in diesem Alter mehr Freund ist als jener "Partner", wie er heute meist verstanden wird, sitzt sie bei einer Art Volksfest, mit bodenständiger Musik im Hintergrund (die man noch als "hiesig" erkennen kann, warum kann man gar nicht wirklich sagen), und spricht über ihre Vergangenheit aus einer inneren Distanz, als wäre sie endlich endlich zur Ruhe gekommen, die sie so lange gesucht hat.

Und dieser Friede lag vor ihrer Haustür. Sie ist aber jetzt erst, in so hohem Alter, nach langer Suche, draufgekommen. Jetzt erst ist sie heimgekommen. Aber sie ist heimgekommen. Nicht nur sie. Auch nämlich ihr afrikanischer Partner. Was hieß ... sie trennten sich.

O ja, wir können viel aus dem Film lernen. Denn wir sollten nüchtern werden, und endlich aufhören, uns dumme Illusionen zu machen, wie und ob eine "Integration" fremder Kulturen möglich wäre. Das ist nicht der Fall! Worein sollte es integriert werden? In etwas, das es gar nicht gibt?
Die Welt ist stattdessen voll von Wurzellosen, die auf der Suche nach einer Heimat sind, die sie vor Jahrhunderten und Jahrtausenden verlasen haben. 
Wir sollten aber auch keine Illusionen haben, was und wie noch "zu retten" wäre. Dafür - und auch das vermittelt der Film! - dürfen wir vertrauen weil hoffen, daß da tief in uns allen etwas liegt, das wie Dornröschen darauf wartet, wieder wachgeküßt zu werden. Wir sollten aber aufhören zu glauben, der Prinz wäre ein wie auch immer geartetes "Deutschland", das selbst bereits eine finalisierte Entwurzelung war, die uns unserer Identität beraubt hat. Nein. Der Prinz kommt aus dem Unbekannten, wir kennen ihn noch nicht. Aber er kann das Dickicht, das uns umgibt, durchbrechen und uns wachküssen, wenn wir dazu bereit sind, es zuzulassen. Zuzulassen, daß es so ganz anders aussieht, als wir meinten.

Das wird nicht "Deutschland" sein. Jenes magische Bild der Versuchung von Macht, Geld und Geltung, geschaffen von selbst Entwurzelten, die aus ihrer existentiellen Verzweiflung, ohne Aussicht auf Boden und Ort, ein willkürliches, phantastisches Ziel aufgerichtet haben, das im Wahn einer Weltschöpfung unverwirklichbar und unerreichbar so viel Schaden angerichtet hat. (Es ist somit kein Wunder, daß der kategorische Imperativ als angeblicher Weltethik in ... Preußen geboren wurde.) Weil es eine Pseudo-Geschichte schuf, die angeblich "unsere" wäre. Das ist sie nicht.

Die Geschichte Deutschlands seit 1871, die angeglich seither unsere Identitätsgeschichte ist, hat in Wahrheit zwar mit uns und unserer Identität zu tun, aber sie IST es nicht. Sie ist vielmehr die Geschichte eines Irrtums, der unsere Gehirne 150 Jahre vernebelt hat, und der sich nun auflöst. Gegen welches Auflösen aber sich die einen so, die anderen so wehren.

Wenn wir heimkommen wollen, dann müssen wir deshalb jeden Freimut aufbringen zu jener Ehrlichkeit durchzustoßen, in der wir all unseren Gefühlen und Ahnungen Raum geben, und die uns deshalb erst wahrlich befreit. Dann erst erhalten wir die Antwort, wo das liegt und läge, was uns jenen Frieden des Daheimseins zu geben vermöchte, den wir so verzweifelt suchen. Dieser Ort liegt nicht in einer inneren oder geographischen Ferne. Er liegt in jeder Hinsicht vor unseren Füßen. Dort liegt unser Zuhause.






*060520*

Wer Eigentum vernichtet, vernichtet das Ich (1)

Eigentum bedeutet die Integration der äußeren Welt in die eigene Persönlichkeit. Es ist damit kein einfach geistig bleibendes Etwas, sondern eine reale Handlung, und nicht rein mit äußerer Verfügbarkeit legitimiert. Denn dieser Sinn der Welt, die vom Menschen in seinen Besitz genommen werden soll, um ihn zu bereichern, macht Eigentum zu einem tief anthropologischen Wesensbestandteil des Menschseins. 

Etwas muß deshalb (eine gewisse Zeit) wörtlich-real "be-sessen" werden, oder "er-standen", oder jemand "legt seine Hand auf etwas" (was die Handauflegung egal zu welchem Zweck noch weiter ausleuchtet), "er-greift von etwas Besitz" (das Wort Emanzipation kommt von ex-mani-cipere, "aus der Hand geben", zugleich auch der generelle Freilassungsritus in der Antike). In der längeren Verweildauer von Etwas in der persönlichen Sphäre eines Menschen drückt sich der Verweischarakter von Zeitdauer und dem (eigentlich alle Zeit querstehenden, aber zeitlosen, also immer dauernden) Ewigen als geistigem, ontologischen Tatbestand aus. 

Eine Sache muß sohin, soll sie Eigentum sein, soll sie auch als Eigentum von der Mitwelt anerkannt sein, auf eine Art mit dem Körper verbunden sein. Sie wird als Eigentum "kundgetan", jemand legt sein Wort auf etwas.
Siehe den "Vatersname" in vielen Kulturen "Viszarjonno-vitsch/vic" oder "-ovna/icova" in allen Formen; siehe "Josef" oder "Josefi-ne" (im ungarischen direkt "Jozsefne"; nö=die Frau); "Männ-i-n", vom Manne genommen, hieß Adam die "E-va" - hört man da nicht im Laut dasselbe wie in "-vna"?; "Frau" kommt von "Frouwe" kommt von "Fron" kommt von Frow-n = "dem Herrn (zu-gehörig)" (idg., noch in "-row/-ow" im slaw.), somit von "dem Leib des Mannes zugesprochen"), oder "Björns-son" oder "-dottir"; siehe aber auch einfach den gebräuchlichen Familiennamen, der zumindest früher vom Manne oder von einer (auch Ort etc.) Zu-gehörig-keit (Wort/Eigentum/Hören ...) ausging.
Wie sehr der Zusammenhang zwischen Ding und (sprechendem beziehungsweise das Wort darstellenden) Mensch besteht und real ist, zeigt das von jedem Gekannte "stellvertretende Objekt", wo man in einer Gefühlsaufwallung (egal welcher Art) ein Ding "für" den Besitzer setzt. Man denke an das "sich an etwas auslassen". Und wie oft läßt sich die Wut gegen eine Person an deren Besitz aus. Dahinter ist keineswegs das an sich sehr sachliche, nüchterne Motiv der Eigentumsschädigung anzunehmen, sondern weit eher tatsächliche Vernichtungsreaktion gegen das Ich des anderen.

Dieser an sich geistige Zusammenhang wird in der Magie verdinglicht und technisiert. Weshalb an und für sich die Wirkung der Magie (man denke an Voodoo) auf die Bereitschaft des von ihr Betroffenen abhängt. Der Christ, um es vereinfacht zu sagen, muß sich vor der stellvertretenden Schädigung durch einen anderen also keineswegs fürchten, er ist immunisiert.

Vorsicht (aber nicht Angst!) ist aber deshalb angeraten, weil der Mensch gerne einmal Schwächen vielfältigster Art hat, in denen eine Einbindung in die Besitzsphäre des anderen (etwa durch Wünsche, oder durch aufrechte, nicht verziehene Verletztheiten, oder man denke an Neid) rascher entsteht als man denken könnte.

Endgültig Flügel bekommt der Geist, wenn man an die Weiterverflechtung zu den Begriffen "einsetzen" oder noch mehr "sich für jemanden einsetzen" denkt, mit welchen Worten (sic!) man sich sogar unter das Eigentum (Verfügbarkeit) jemandes stellt.

Und man erkennt die Bedeutung des Begriffs "Gabe" - als sich (sic!) einmal unter das Eigentum des Beschenkten stellen, andererseits dessen Sphäre anzugehören, wird die Gabe angenommen.
Es gibt kein vom Menschen (als Idee auf die sich das Ich hinüber ausstreckt, also transzendiert) hervorgegangenes Ding (sogar an Körpergliedern/-organen sieht man es), das nicht zumindest prinzipiell keinen Eigentümer und keinen Träger von Rechten daran hat.
Man kann die Zubehörigkeit von Eigentum zur Sphäre des Ich nach vielen Seiten (und ganz undramatisch) weiterdenken, etwa indem man an die ontologische Stellung von "Rechtsanwalt - Klient" denkt. Oder Auftraggeber - Auftragnehmer generell. Diese bilateralen Angelegenheiten von dieser Seite durchzudenken, erhellt sogar viel an sehr realen Fragestellungen und Problemen darin.

Eine Sache trägt eben (in irgendeiner Form) die Marke (also auch eine Form von Prägung, oder Mitgestaltung) des Besitzers. Was ein Wort sein kann, eine buchstäbliche Marke oder Kennzeichnung (man denke da an die beliebte Form von Initialen als "Name", als "Wort", oder das Symbol in einem "ex libri") in kleinen Gesellschaften natürlich auch die kollektive Erinnerung als Anerkennung sein kann.

Im Recht, das erst ab größeren Gesellschaften eine Explizierung braucht, spielt diese Erinnerung übrigens eine große Rolle. Man denke an das auch in unseren Ländern noch lange, ja manchmal das bis heute gebräuchliche Abschreiten des Besitzes als Zeichen nach außen wie als Vertiefung der Erinnerung. 

Daran wird noch deutlicher, was nur ein geistig Ding ist: Daß nämlich Eigentum ein "gemeinsamer Ort" ist, auf dem die besessene Sache wie der Besitzer sich aufhalten. Anerkennung von Eigentum bedeutet somit immer die Anerkennung eines "Ortes in einer Ordnung", einer Landschaft des Sozialen als Landschaft von Welt. Somit IST Besitz äußere, beziehungsweise eine außenseiende Welt, und zwar im eigentlichsten Sinn. 
Sodaß man Welt als "ge-äußertes", lebendiges und als solches, wirkendes Wort gut verstehen kann.
Doch nie ist es das bloße Äußerliche, das den wahren Kern des Eigentumsbegriffes ausmacht, sondern die innere, seelische, geistige Integration. Man denke an das "Merken" eines Gedichtes (das nun zum Eigentum, zur realen Erweiterung wird), oder an den Eigentumsverlust, wenn eine Sache "vergessen" wird, sich niemand "er-innert", daß ein Ding und ein Besitzer zusammengehören.


Morgen Teil 2) Warum Freiheit ein höheres Gut ist als Gesundheit



*270420*

Freitag, 22. Mai 2020

Leben als Prozeß eines Weges nach Hause (2)

Teil 2) Was man aber wirklich sehen kann


Das Erzählte spricht hier mehr als aller theoretischer Disput, der freilich die wirkliche Wirklichkeit hinter allem längst schon erkannt hat. Wer nun auf diese Weise sehen will, der sehe nun auf diese Weise, was wirklich ist. Auch wenn es die meisten nicht glauben wollen: Wir sehen hier unsere Zukunft. Mit dieser neuen Kulturstufe werden aber auch jene Elemente mit zu uns kommen, die die afrikanische Welt bereits heute kennt, und die sie historisch geprägt haben.

Was sich geistig bereits vorbereitet hat, hat dabei auch längst die kulturellen Einrichtungen geschaffen, die diese geistigen Bedingungen mit realem Leben erfüllt. Man denke dabei an den Sozialstaat in jeder Form, der auf die afrikanischen Verhältnisse (als deren praktische Nahrung) paßt wie der Schlüssel ins Schloß, man denke ans Eherecht und die Entwicklung der Stellung der Ehe in unseren Ländern (wo die Gesetze allerdings das Rechtsempfinden der Menschen umsetzen einerseits, natürlich auch anderseits prägen), man denke an das "Recht auf Familiennachzug" für Migranten, das alles vor dem im Film gezeigten Hintergrund eine ganz neue Deutung zuläßt. Auf diesen Umbau ganz direkt und konkret hinarbeitet, ihn nicht einmal  nur ermöglicht, sondern sogar fördert. Unsere Gesetze haben diesen kulturellen Umbau konkret geschaffen.

Das heißt aber noch mehr. Es heißt, daß in Europa nicht einfach eine neue Kultur entsteht (die bereits enorm weit gediehen ist), sondern es wird ein Nebeneinander zahlreicher Kulturen werden. Denn wenn es hier Nigerianer sind, sind es dort Marokkaner (mit einer völlig anderen Kultur), dort Pakistani oder Türken, und dort Afghanen. Die aber natürlich alle ihre heutigen wie historischen Einbettungen und Beziehungen mitnehmen. Konkret auf den Film bezogen heißt das, daß zum Beispiel das Verhältnis der Nigerianer zur islamischen Kultur (wie zu allen übrigen Kulturen) auch in Europa etabliert wird. Oder das der Türken zu Pakistani.

Wir haben also unseren Raum entleert, indem wir seine historischen Beziehungen eliminiert, aufgelöst haben (DAS bedeutet ja letztlich Identitätsauflösung: Sie ist das Auflösen der Verbindlichkeit von Beziehungen; man sieht auch das ganz konkret im Film). Wir lösen aber nicht nur den Raum auf (von dem nur noch der Boden bleibt), sondern wir stellen den neu ankommenden Kulturen auch noch die Einrichtung (je nach Wunsch) und die Maschinen zur Verfügung.

Und bezahlen das mit jenem Geld, das wir hier am Markt für unser Erbe erhalten, dort aber in alle Zukunft abarbeiten werden: Unsere Kinder, und deren (allerdings ohnehin noch wenigere) Kinder, werden diese Schuld begleichen. Noch dazu, wo wir unsere Möbel und Maschinen oft selbst noch nicht einmal bezahlt haben.

Diese Erkenntnis über den Zustand unserer Kultur war der Frau im Film auf eine Weise Mittelpunkt ihrer Erfahrung. Denn sie hat diese Leere mit neuen Eindrücken und neuen Kulturelementen zu füllen versucht. Sie hat es lange mit großer Anstrengung unternommen.

Das ist das vielleicht Erkenntnisreichste an diesem Film. Denn trotz allen Bemühens ist dieser Versuch, das zu füllen, was unsere Kultur nicht mehr besitzt, gescheitert. Man muß sagen: Auf rätselhafte Weise! Denn was nach fast zwei Jahrzehnten des Versuchs, eine "neue Kultur des Integralismus" zu gründen, passiert ist, bleibt zwar unausgesprochen, wird aber umso deutlicher sichtbar. Die Proponentin im Film ist an etwas gescheitert, das es ihrer ursprünglichen Ansicht nach gar nicht geben konnte - sie ist an einem Kulturkonflikt gescheitert, der Prägungen in der Person hinterlassen hat, die noch nie ein Thema waren. Die sogar verleugnet worden waren.

Nun, nach dem rätselhaften Scheitern an einem nie bewußten und hartnäckig geleugneten Kulturkonflikt fällt sie - gegen Schluß des Videos - auf eine Kultur zurück, die zwar reichlich diffus und verwaschen, aber nichts desto weniger DA ist. Erfahrbarer "letzter" Halt geworden als eine Wurzel, die vielleicht erst DURCH dieses aberwitzige Lebensexperiment, das auf viel Hochmut weil viel Besserwissen und Leugnen beruhte, zum ersten Mal ans Licht gekommen ist.

Wir wollen hier ganz klar aber nicht von "deutsch" sprechen. Diese Verwaschenheit alleine, die die vielen Einzelkulturen in diesem geographischen Raum, der sich Deutschland-Österreich-Schweiz nennt, in eine "deutsche Kultur" auflösen sollen, die es aber gar nicht gibt, die eine reine Behauptung, ein politischer Begriff, ein Sammelsurium von konkret gar nicht in diesem Scheinort enthaltener Eigenschaften und Merkmale ist, sorgt für so viel Verwirrung und verhindert, daß das wirkliche Problem des laufend versuchten Kulturaustauschs verborgen bleibt.

Die Frau ist deshalb zu guter Letzt und am Ende ihres Lebens nicht auf ihr "Deutschsein" zurückgestiegen. Wie im Alter, wenn bei jedem die Kraft nachläßt, sich und die anderen zu belügen, fast unmerklich, wie selbstverständlich. Sodaß alle Illusionen, alle geistigen Konstrukte zerfallen, weil an den Realitäten, an der Empirie, an den Erfahrungen, sohin am Wesen der Welt selbst zerschellten.

Sie ist auf ihr "Hessisch-sein" gekommen. Auf die ursprüngliche und in jedem Fall ihr angemessene Kultur. Der nur eines mittlerweile fehlt, als das, was Kultur überhaupt erst zu einer solchen macht: Die Institutionalisierung des Eigenen. In welchem - fehlenden! - Rahmen sie deshalb auf eine Weise aufgewachsen ist, die aus dem faktischen Zustand der eigenen Kultur eine Sehnsucht nach "anderer Kultur" geweckt hat.


Morgen Teil 3) 
Unsere Wurzeln liegen nicht in "Deutschland". 
Sie liegen in der Verwobenheit in unser jeweiliges Volk



*060520*

Blick in den aufgeschnittenen Leib

Mancher Leser könnte über das hier Besprochene verwundert sein. Mancher könnte zu ganz anderen Schlüssen kommen. Mancher könnte sich sogar darüber freuen, daß die Corona-Krise nun auch Seiten zeigt, an die vermutlich nie jemand gedacht hat.

Und der Leser möge es dem VdZ glauben, solche Seiten sind in dieser Corona-Krise und den Maßnahmen, mit denen diese bekämpft werden soll, in der Mehrheit. Sie sind weit weit in der Mehrheit! Sie werden sich aber manchmal überhaupt nicht offen zeigen, sondern einfach wirken und wirksam sein, und zwar für lange Zeit, oder für immer, beim Tod des Patienten.

Wir erleben derzeit etwas, das einerseits sogar faszinierend ist. Vor uns liegt ein aufgeschnittener Patient, und eine unübersehbare Zahl von Doktoren steht um die Sezierliege herum und beratschlagt, wie manche Organe zu liegen kommen sollen, und staunt über Organe, die sie noch gar nicht kannten. Und verwechselt zwangsläufig die dinglichen Organe mit dem Ganzen der Lebenserscheinung. 

Man kann deshalb bezweifeln, ob der Patient überhaupt eine Überlebenschance hat. Der VdZ glaubt immer mehr: Nein. Zu viel ist zerstört. Das Ganze ist zerstört und kann nicht wieder etabliert werden. Ist die Büchse des Prometheus einmal geöffnet ... 

Da ist zu viel ins Licht des Bewußten gerückt, und unterliegt damit der Unmöglichkeit des Menschen, das Ganze zu denken und nach eigenem Bild zu ordnen. Das kann nur Gott. Und eine Weltordnung gibt es nur in und nach seinem Bildgefüge, den Ideen, geordnet in der Dynamik des logos.

Es ist deshalb doppelt spannend und interessant, wenn sich jetzt auch die ... Prostitutions- und Erotikbranche, nennen wir es so, zu Wort meldet. Denn die steht vor dem völligen Aus. Sie bekommt (natürlich) keine Förderung, sie hat nur Totaleinbrüche. Einbrüche auf Null.

Und sie erlebt nun das, was an diesem Ort schon als "notwendiges Schweigen" dargelegt wurde. Diese Branche steht auf schwankenden Grund. Und ist doch für ein Volk so wichtig. Nur darf (sic!) man darüber nicht sprechen. Dieses Tabu ist existenznotwendig. Ein Volk, jedes Volk, jede Gesellschaft braucht einen Tabubereich. Im Hellen, aber auch im Dunkel.

Das Gesagte ist der Grund, warum ein Staat, eine Gesellschaft nicht auf eine Weise reagieren kann, als handele es sich um normalen Alltag, um ein wirkliches Glied in einer Gesellschaftsordnung. Erst DAMIT würde sie sich sündig und schuldig machen. Sie kann und muß diesen Bereich aber dulden. Und wegschauen. 

Es ist eine Branche der Nacht, und sie muß in dieser Nacht bleiben. Verstößt sie gegen dieses ihr Existenzgebot, wird sie mit Sicherheit auf einen Moralismus, auf einen Puritanismus stoßen, der sich gewaschen hat. Und darin sogar unmenschlich (weil ungöttlich) ist. 

Das darf nicht passieren, über die Gründe schweigen wir hier weiter besser.  Eine puritanische Gesellschaft wird immer eine totalitäre Gesellschaft, wird die Hölle auf Erden. Die durch diese absichtlich geschaffene Hölle verspricht, den Himmel zu erwirken. Damit zwangsläufig das Dunkle ins Perverse schiebt.
Dennoch darf der Staat auch in diesem speziellen Fall nicht die Kontrolle verlieren, wir wiederholen uns. Er erlebt hier, wir haben auch das bereits behandelt, den Fall, wo etwas zwar explizit gegen das Gemeinwohl verstößt, implizit aber geduldet werden muß, weil auch sonst das Gemeinwohl gefährdet ist. Jaja, das Leben ist eben komplex und kompliziert ...*
Das geht nur, wenn man es offiziell ignoriert, wenn der Staat offiziell dazu schweigt. Hilfestellung aus den Corona-Fonds ist da sicher nicht möglich. Dennoch muß er die Branche weiter kontrollieren können, will er nicht zu Brachialgewalt zurückkehren. Auch so hat man das ja manchmal zu lösen versucht. 
Eine solche stillschweigende Kontrolle ist in Österreich ziemlich weitgehend mittlerweile eingerichtet und aufgerichtet worden. Auch wenn das in vielen Fällen zu weit gegangen ist, etwa wenn man bestimmte Berufe zu "Sexualpädagogik" usw. usf., mit festem Sozialversicherungsrahmen und -anspruchsgeflecht umbauen möchte. Davon träumen nur Linke, die ein Gemeinwohl überhaupt nicht kennen, das sich immer nach einer ontologischen Ordnung richten muß. Die Linke kennt das nicht, weil es der Materialismus nicht (offiziell; inoffiziell weil real-pragmatisch sehr wohl) kennt. Genau dieses feine, "heimliche" Band löst sich nun aber auf.
Somit erlebt die Branche, daß ihr eigentliches Geschäft sich jeder Kontrollierbarkeit (für den Staat, aber auch für die Betriebe selbst) zu entziehen beginnt. Speziell die Prostitution verändert sich zu Geheimprostitution, wo Wohnungen, Wohnwagen, Lagerhütten ... zu gelegenheitlichen Bordellen werden. Etliche ganz sicher unerwünschte und strikt zu bekämpfende Nebenerscheinungen (Frauenhandel usw.) sind garantiert.






*Auch Gott duldet viel, ohne es aber "zu wollen". Oder "zu segnen", also zu begnaden. Gnade bedeutet immer das Vergehen, das Ende des über die Gnade ins Gut Umgekehrten.



*260420*

Donnerstag, 21. Mai 2020

Leben als Prozeß eines Weges nach Hause (1)

Leser M - Dank dafür! - sandte dem VdZ das Link zu dem unten angefügten Video. Und fügte nur wenige Worte bei. "Eine bemerkenswert offene und ehrliche Dokumentation, die auf anderthalb Stunden so ziemlich alles zusammenfasst, was Beobachter des kulturellen Niedergangs bewegt."

Der VdZ gesteht ebenso offen, daß er nach diesen eineinhalb Stunden geweint hat. Auch er war zuerst sprachlos. Und er hat auch lange gerungen, ob und was überhaupt sich dazu noch sagen ließe.

Zuerst aber soll gesagt werden, daß der VdZ den Leser insofern vorbereiten möchte, als er, was nun folgt ohne jedes Ressentiment, sondern einfach mit ungeheurer, fast unmenschlicher Nüchternheit sagt. In Aspekten, die er sah, und auf die er hinweisen möchte, um das Gesehene zu ordnen.

M hat schon einmal in einem Punkt recht - so umfassend wird alles gezeigt, worüber hier seit Jahr und Tag geredet wird, daß man die Gedanken als reife Früchte ernten kann. Wer zu sehen vermag, sieht es.

Der Film geht chronologisch vor. Über fast zwanzig Jahre begleitet und erzählt er so den Weg einer Deutschen, die versucht hat, die Leere in ihrem Leben zu füllen.
Diese Leere ist aber eine Leere der Kultur. Erst einmal wird also ein Kulturzusammenbruch wie mit Händen zu fassen, der seit Jahrzehnten in einer sich selbst steigernden, also progressiven Dynamik Realität geworden ist.
Es gibt aber eben kein Vakuum. Menschsein ist Vollzug - also Existenz - und heißt immer und wesensbestimmt ein Dasein in Kultur. Wo keine Kultur, kein Mensch. Die Haltungen, Anschauungen, Reaktionen der Frau sind also völlig verständlich.

Denn der Mensch verschwindet nicht einfach, wenn eine Kultur sich auflöst weil aufgelöst wird (und eine Kultur wird immer aufgelöst, sie löst nicht "sich" wie von Geisterhand getrieben auf), nein. Denn wo keine Kultur ist, schreit die umgebende, ungesättigte Welt, die nun im Potens bleibt, nach einem Füllen dieses Lochs, in das hinein der Raum kollabieren möchte, um ins Nichts zu gehen.

Sofort füllt sich deshalb das Ungesättigte mit neuen Beziehungsorten, um im Sein zu bleiben, und das Zusammengebrochene lockt mit ungeheurem Eros, der in seiner Prostitution keine Scham mehr kennt weil verzweifelt ist, um dieses Begehren, das ein Hoffen auf Sein ist, erfüllt zu bekommen. Dieses Locken wird beantwortet. Ab nun entsteht eine neue Welt. Den Gekommenen steht alles, wirklich alles offen, denn die Hiesigen hoffen mit zitternden Herzen, daß etwas entstehe. Etwas, was auch immer, das Sein hat. Denn sie selbst kennen das Nichts, und es ist schrecklich.

Es kommen Menschen, die die herumstehenden Artefakte des Verwehten - denn die Dinge bleiben, sie sind die Ruinen einer verlassenen Welt - zu benutzen lernen, in ihre neue Kultur integrieren (oder eliminieren). Berührend die Szenen, wo der Vater die gerade aus Afrika eingelangten Kinder das Benützen einer Toilette lehrt. Bewegend, wie sie dann beim Essen am Boden sitzen, ein Tisch wird dieser Kultur wohl zukünftig fehlen.

Dabei sieht man auch, wie die geistigen Entwicklungen in Europa auf einen Zustand hingearbeitet haben, in dem eine wesentlich niedrigere und ärmere Kultur mit einem Male auf Augenhöhe mit der faktischen Kultur in Europa steht. Nichts, das in Afrika scheinbar "anders" ist, widerspricht mehr dem Wirklichkeitsempfinden der Europäer.
Aber dann meldete sich etwas, mit dem beide nicht gerechnet hatten. Eine Prägung, die sie niemals als existent anerkannt hätten. Sie entdeckten, daß sie von einer Kultur geprägt sind, die sie in ihrer Lebensumwelt gar nicht mehr finden. Die Frau beginnt, ihre Wurzeln in ihrem deutschen Geburtsland zu sehen, der Mann möchte nur eines: zurück nach Hause.
Nur die Kinder sind entwurzelt und verwirrt. Gefangen in einer Lebensweise, die im Technizismus, der auf den Vater faszinierend und nützlich gewirkt hatte, zu einer Scheinlebensweise wird. Die sich in Konsum und Oberflächengefühl äußert und praktisch über eine Verhaftung auf eine mediale Existenz abläuft.

Morgen Teil 2) 
Was man aber wirklich sehen kann