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Sonntag, 8. Dezember 2019

Leiblichkeit als Boden der Gnade

Die inneren, seelischen, mythischen, archaischen Strukturen früherer Menschen sind nicht verloren. Sie sind nach wie vor da. Sie sind lediglich verschüttet. Was nur von einem zeugt: Daß wir uns weit weit von einer Lebens- und Denkweise entfernt haben, in der unser Denken unsere eigenen Grundlagen, unsere eigene Matrix (um es wieder so auszudrücken), unsere eigene innerste, tiefste Struktur in Worte und damit in Gedanken zu kleiden. 

Dennoch treiben uns dieselben Kräfte. die mit "uralt" falsch beschrieben wären. Denn sie sind einfach grundlegend, konstitutiv, und deshalb immer neu, immer jung, immer aktuell. Sonst gäbe es längst keine Menschen mehr. Alles war von Anfang an in diesem da, aber die faktische Kultur hat es verboten, verwirrt und verschüttet.

In dieser Tatsache liegt der wahre Grund für Luftgedanken wie der vom "edlen Wilden", die im Ursprünglicheren das Echte sehen, das alle Menschen bewegen soll. In dem, wie wir nun sehen, sogar eine tiefe Wahrheit steckt. Die der Unwahrheit, in die sich eine Kultur entwickeln kann. 

Wir heute leben zwar scheinbar fern dieser Geprägtheit nach wahrer, uralter Matrix. Aber das ist nur ein Schein. Wer genau hinsieht, sieht in unserem heutigen Handeln nur Versuche, innerhalb dieser uralten Schemata und Archetypen zu bleiben - denn sonst wäre Leben gar nicht möglich - denen nur ein anderes Kleid umgehangen wurde und wird.

An diesem heutigen Tag wird in der "Unbefleckten Empfängnis Mariens" etwas in dieser Art gegenwärtig. Die Unbeflecktheit Mariens bedeutet, daß in ihr der ursprüngliche Gedanke, wie der Mensch gedacht und geschaffen war, in der Geschichte nach dem Sündenfall erstmals wieder gegenwärtig wurde. Notwendig, weil sich Gott nicht in einer Materia "unter seinem Stand" gewissermaßen, also unter der Menschhaftigkeit der zweiten Person in Gott, Jesus Christus, wahrer Mensch (und wahrer Gott, als Maria noch einmal unendlich übersteigend), von Anbeginn an gedacht und vorgesehen war. Wir wollen das hier aber nur andeuten.

Um weiteres anzudeuten. Daß die Menschen seit je sich daran - wenn auch immer dunkler - erinnert haben. Sie ahnten zunehmend mehr als sie noch wußten, daß im Menschen auch Gott ansichtig wurde. Nein, mehr noch, daß im Mann Gott selbst gegenwärtig sein sollte. Das wäre der perfekte Zustand. Gott, der zwischen den Bäumen des Paradiesgartens wandelt. 

Es gibt eine uralte Tatsache, die die Archäologie hinreichend belegt hat, die alte Schriften direkt anzeigen, die sogar in unserer Erinnerung lebt: Die, daß im Mann, im Vater (als Vollgestalt des Mannes) die Verbindung zu Gott, dem Vater, somit dem Ursprung und Urheber aller Welt, gegenwärtig ist. Vater aber heißt: König sein. 

Überall auf der Welt zeigt sich diese Ineinssetzung von Vater und Priester als Versöhner mit Gott, dem Vater. Die in Jesus seine Erfüllung fand. Wenn ein Volk, die Kinder und Familie dieses irdisch gewordenen Vaters gewissermaßen, nun zu leiden hatte, mußte an der Verbindung zu Gott etwas nicht stimmen. War das Leben schwer, ja leidvoll, stimmte etwas an dieser Verbindung nicht. Also ... opferte man den König und Vater. Der Tod des Königs, der Tod des Vaters. Er ist uralt, und er ist rituell eine Versöhnung des Menschen mit Gott Vater. Er ist es, der diese Verbindung zwischen der allem zugrundeliegenden geistigen Struktur und dem geschichtlichen Menschen wiederherstellt. Anders, anders geht es nicht.



Hinweis: Dieser Film zeigt Ausgrabungen am Hill of Tara in Irland. Aus denen hervorgeht, daß schon die Kelten vor gut dreitausend Jahren diesen Königsmord kannten.




Gute und schlechte Bischöfe (2)

In freier Übertragung aus dem Amerikanischen, und mit freundlicher Genehmigung des Autors, findet der Leser hier den Beitrag von Ianto Watt aus dem Blog von William M. Briggs, wie er im Oktober d. J. erstmals erschienen ist. Er wird hier jeweils zu den Adventsonntagen (nicht vergessen, Advent ist eine Zeit der Buße und Einkehr) des neuen Kirchenjahres 2019/20 veröffentlicht.

Teil 2)



Wann ging es mit diesem Wahnsinn los in seinem Herkunftsland? Es begann mit Bruder. John Wycliffe. Dem Mann, der die Bibel vom Lateinischen ins Englische übertrug. Ohne offizielle Erlaubnis, und ohne offizielle Aufsicht. Mit einer Vielzahl von Fehlern, wörtlich oder sinngemäßen und anderen, und lange vor dem Auftreten von König Heinrich VIII. Und lange vor dem Erscheinen von Martin Luther, und sogar lange vor Jan Hus. Sie kennen den alten Spruch? "Wycliffe schnitt das Holz, und Hus goß Öl darein. Alles, was Luther noch zu tun hatte war, das Streichholz zu entzünden." Dabei hat Luther nur eines gemacht: Er hat sich am entzündeten Feuer selbst erwärmt. Er, und alle diese "loyalen" Bischöfe.

Uns allen wurde erzählt, daß der Mensch frei sein sollte zu denken, was immer er möchte. Wie sieht das praktisch aus? Völlige Idioten laufen Amok, die nur machen, was sie fühlen. Vielleicht fällt es Ihnen auf: Ich habe nicht gesagt, daß sie "dachten" was sie wollten, denn dieses Wort wurde aus den Gehirnen des Westens gelöscht. Denn es würde davon ausgehen, daß wir nichts wissen. Das stimmt auch wieder nicht, zumindest zum größten Teil.

Halten wir einen Moment inne, um etwas zu klären, und gehen wir zurück zu den Anfängen. Zu den Zeiten vor der offenen Rebellion. Zu den Zeiten, als die Kirche, den großzügigen Zuwendungen der Menschen und einer dienstbereiten Krone zufolge, fabelhaften Wohlstand auf den Inseln genoß. Zu diesen Zeiten gab es so gut wie keine Armut, und zwar weil es die Gesetze des klösterlichen Gemeinguts gab.

In diesen ging es um das unveräußerliche Recht der Menschen, die Ländereien der Kirche zu bearbeiten, die damals ungefähr ein Drittel bis zur Hälfte der gesamten Landfläche ganz Englands ausmachten. Sie hatten das Recht, diese Landflächen zu bearbeiten, und mußten auch keine Steuern bezahlen. Das ganze Reich konnte damit gut leben. Die Druiden waren ausgeschaltet, die Kelten waren ausgenüchtert, und die Sachsen waren gezähmt. Überall im Reich herrschte Frieden. Bis in den späten 1300ern Bruder Wycliffe auftauchte.

Bruder Wycliffe, den in den folgenden beiden Jahrhunderten Bruder Hus und Bruder Luther nachahmten, schrie hinaus, daß die lokalen Herrscher (das waren die Bischöfe) nackt waren. Sie suhlten sich wohlig grunzend im Wohlstand, aber sie taten das auf dem Rücken der einfachen Leute, die sie sonst verachteten. Er klagte sie deshalb laut und öffentlich an, daß sie die Botschaft der Heiligen Schrift aus den Augen verloren hatten. Und er lag damit nicht falsch. Mit dieser Anklage aber kam der Stein ins Rollen, und mit Bruder Wycliffe begann, die Anglische Revolution. Angeblich, um die Menschen zu befreien, zumindest hieß es so.

Aber war es so? Natürlich nicht. Denn es ging darum, den König zu befreien! Um ihn von den Beschränkungen zu befreien, die ihm die Kirche auferlegte, um seinen Appetit zu zügeln. Denn Könige bevorzugen immer die feinen Gustostückerl vom Lamm. Und unter uns gesagt, sind Schafe nicht genau dafür da? Was Wycliffe in England machte, würde später Bruder Hus in Böhmen machen, und Bruder Luther noch später in Deutschland dasselbe. Revolution wird immer im Namen des Volkes gemacht. Aber sie nützt eigenartigerweise immer den Königen.

Nachdem freilich Wycliffe diese gültige und richtige Kritik bestimmter Teile der Hierarchie geäußert hatte machte er dasselbe wie sie. Oder, um präzise zu sein, er nahm sein persönliches Urteil und setzte es an die Stelle des alten und unveränderbaren Gedankenguts der Kirche. Nachdem sich aber die Bischöfe dafür entschieden, ihre gerechte Autorität weiterhin zu mißbrauchen (indem sie den Wohlstand verpraßten, den sie doch nur verwalten sollten), entschied Wycliffe, daß ihre Autorität nicht rechtens war. Und wie machte er das? Er verkündete, daß er der einzige legitime Ausleger des Wortes Gottes sei, wie es die Heilige Schrift verkündet. Immerhin hat er sie ja auch in die Volkssprache übersetzt. Natürlich aus seinem eigenen Blickwinkel. Und mit ein paar Interpretationen hier, ein paar dort, hatte er grünes Licht für das Aufkommen einiger Dinge gegeben, die wir heute als Prädestinationslehre (die Lehre, daß alles, auch das Heil des Menschen, vorherbestimmt ist, man also ohnehin selber nichts mehr dazu beitragen kann; Anm.), Iconoclasmus (vulgo Bildersturm genannt, weil angeblich die Verehrung der Bilder Götzendienst sei; Anm.), und Caesaropapismus (also die Lehre, daß der Cäsar, der Fürst, auch der oberste Hirte der Kirche sei; Anm.).

Mit anderen Worten hat er alles vorbereitet, das die spätere kleine Revolution von Heinrich VIII. brauchte, um erfolgreich zu sein. Oder egal welcher Prinz gut gebrauchen konnte. Sie alle liebten also Wycliffe.

Über ein Jahrhundert, ehe Heinrich VIII. die Bühne betrat, war somit das Kirchenvolk in (und nicht mehr von) England bereits in diese Melange von Dissens und Unruhe gerutscht. Sie waren mehr als bereit für die Ankunft von Heinrich. Das Volk (und noch wichtiger, die Priester) waren bereits aufbereitet, um gegen die Autorität aufzustehen, weil eben diese Autorität bereits überheblich geworden war. Oh verfluchter Stolz gegen den Himmel. Kehren einmal zurück zum ersten Tag der Schöpfung. Fiat Lux. Es werde Licht (Verstand). So wurden die Engel gemacht. Ein Drittel von ihnen rebellierte. Werter Leser, fragen Sie sich einmal selbst: Was hat sich geändert? Nichts. Warum sollte es?

So nebenbei mal gefragt: Wer ist der Heilige John Fisher unserer Tage? Sagen wir außer Erzbischof Viganò, der zählt nicht. Ich werde es Ihnen sagen: Es war Bischof Fabian Bruskewitz aus der Diözese von Lincoln, Nebraska. Er war die einzige Stimme, die sich 2002 erhoben hatte, mitten in einer den damals aufplatzenden Spielarten eines fortwährenden Mißbrauchsskandals durch Homosexuelle, der sich geweigert hatte, dieses Wiseldokument zu unterzeichnen, das sich “Charta für den Schutz von Kindern und Jungen Menschen" nannte.

Dies war jenes Dokument, das angeblich sofort das Problem "klerikaler Pädophilie" stoppen würde. Es gab mit diesem Dokument freilich zwei kleine Probleme. Das erste, daß es sich nicht an die Bischöfe (und ihre Aufsichtspflicht) wandte, was für eine Überraschung. Und das zweite, daß es mit viel Gefühlsüberschwang die eigentliche Wurzel des Problems gerade nicht nannte, und das war die Schädlichkeit der Homosexualität. Das Problem "Pädophilie" zu nennen, war also nichts als eine Verschleierung des wahren Problems.

Bruskewitz sah das glasklar. Und er war der einzige unter 196 amerikanischen Bischöfen, der widerstand. Er forderte sogar die versammelten Bischöfe auf, über die Gründe für diese Verschleierung nachzudenken. Und die sind, wieder einmal, die Schädlichkeit der Homosexualität. Nicht eine einzige Stimme erhob sich, die ihm beipflichtete. Nicht eine einzige. Er stand völlig alleine da. Gott lohne ihm seinen Mut. Merke sich der Leser: Lincoln ist eine der wenigen Diözesen, die nie und bis heute nicht an die Wölfe gefallen sind.

Der ganze übrige Rest ist in den Sündenpfuhl der Gegenwart mit hineingerauscht ist. Indem sie der Idee aufgesessen sind, daß wir mit unseren Feinden einen fruchtbaren Dialog führen können. Daß wir uns so verhalten können, als wären unsere Feinde von einem originären, nur ein wenig fehlgeleiteten Guten Willen motiviert. Daß wir das alles irgendwie aber hinkriegen. Mit anderen Worten, daß wir uns auf unsere Weise aus der Hölle herausreden können. Na dann viel Glück, ihr Volltrottel!

Wir stehen heute am selben Punkt wie damals, als Heinrich VIII. die Bühne betrat. Ein Mann, bewaffnet mit seiner eigenen Macht, dem "Gefolgsmänner" gegenüberstanden, die Bischöfe, die mit ihrem Pomp bewaffnet waren. Sämtlich Männer, die mehr als gewillt waren, den Dialog mit jenen aufrecht zu halten, die die Absicht hatten, die Herde aufzufressen. Sagen Sie mir, werter Leser, welcher Wolf würde dieses großzügige Angebot ablehnen? Kann man es ihm, wieder unter uns gesagt, denn überhaupt leichter machen? Guten Appetit! Und vergessen Sie das Salz nicht.

Was hat zu diesem Problem in der Kirche geführt? Und hat es nur England betroffen? Beantworten wir die zweite Frage zuerst. Nein. Es passiert überall, wo großer Wohlstand sich angesammelt hat, der dann falsch verwendet wird. Es hat schon sehr früh in Frankreich begonnen, so um das Jahr 1000 n. Chr., und nannte sich dort Katharer. Die Reinen. Sie kennen Sie vielleicht unter dem Namen, den sie sich selbst gaben, Albigenser. Ihr wahrer Name geht aber noch weiter zurück. Als man sie Manichäer nannte.  Dualisten, die den Leib verachten und nur die Seele verehren. Auch wenn man freilich über diese exakt gleiche Art von Revolution in Frankreich länger reden müßte, denn es wäre an sich noch schlimmer als das, was in England abgelaufen ist. Ein kleines Plus also für die wahren Briten. Kopf hoch, Engländer!

Man könnte denken, es wäre überflüssig darauf hinzuweisen, daß ein einfühlsamer Klerus (von der Art also, wie wir ihn heute in der gesamten nördlichen Hemisphäre haben) diesen kleinen Bonuseffekt produzieren würde. Aber denken Sie noch einmal darüber nach. Wenn man jemanden verachtet, dann neigt man dazu, auf gegensätzliche Art zu reagieren. Das heißt, daß das Endergebnis auf den spiegelgleichen Effekt hinausläuft, nämlich auf eine Zerstörung der Kirche.

Hier ist ein kleiner Einblick aus der  Catholic Encyclopedia, der das Wesen dessen beschreibt, was damals passiert ist, und wieder und wieder quer durch Europa passierte. Und auch heute wie zu Zeiten von Heinrich und Luther dazu führt, eine breite Bresche in die Mauern unseres Heiligen Rom zu schlagen.  So wird greifbar, was die Menschen angetrieben hat, 
den Katholischen Klerus zu verachten. Und zwar ist es Arroganz, gepaart mit einer weltlichen, allzu häufig sogar skandalösen Lebensweise, in der der Klerus dennoch den Schutz einer überwältigenden Mehrheit der Eliten genießt, weil er es geschickt versteht, ganz verborgen eine regionale Mischung von nationalen Absichten und religiösen Gefühlen zusammen zu rühren.

  Nächsten Sonntag Teil 3)



Samstag, 7. Dezember 2019

Warum die Kirche arm sein muß (2)

Teil 2) Nachtrag. Was Rom per 13. März 2007 zum Thema
"Ist ein Kirchenaustritt zugleich ein zu sanktionierender Glaubensabfall?" schreibt.


Nämlich kurz: Ein Kirchenaustritt nach deutschem und österreichischem Muster ist NICHT AUTOMATISCH ein Akt des Abfalls vom Glauben, somit nicht automatisch ein Ausschließungsgrund aus der Kirche. Sie bestätigt damit die vertretene Auffassung des Autors s.o. und titelt sinnigerweise mit "Freiheit der Kirche".


Libertas Ecclesiae
Von Papst Benedikt XVI. approbiertes Schreiben des Päpstlichen Rats für die Gesetzestexte vom 13. März 2006 zum so genannten "Kirchenaustritt" als Formalakt

Dokumentiert aus:
Communicationes 38 (2006), S. 175-177 [175]
Vatikanstadt, 13. März 2006
Prot. N. 10279/2006


Eminenz,
schon seit längerer Zeit haben Bischöfe, Offiziale und andere Fachleute des Kanonischen Rechtes diesem Päpstlichen Rat Zweifel und Anfragen zur Klärung hinsichtlich des sogenannten actus formalis defectionis ab Ecclesia catholica vorgelegt, auf den in den Canones 1086 ¤ 1, 1117 und 1124 des Codex des Kanonischen Rechtes Bezug genommen wird. In der Tat handelt es sich um einen in der kanonischen Gesetzgebung neuen Begriff, der sich unterscheidet von den anderen, eher „virtuellen“ Modalitäten (die auf dem Verhalten basieren) des „offenkundigen“ oder einfach „öffentlichen“ Glaubensabfalls (vgl. c. 171 ¤ 1, 4¡; 194 ¤ 1, 2¡, 316 ¤ 1, 694 ¤ 1, 1¡; 1071 ¤ 1, 4¡ und ¤ 2), Umstände, in denen die in der katholischen Kirche Getauften oder in sie Aufgenommenen durch rein kirchliche Gesetze verpflichtet sind (vgl. c. 11).

Das Problem wurde von den zuständigen Dikasterien des Heiligen Stuhls sorgfältig untersucht, um vor allem die theologisch-lehrhaften Inhalte dieses actus formalis defectionis ab Ecclesia catholica genau zu fassen, und danach die Erfordernisse oder juristischen Formalitäten zu präzisieren, die notwendig sind, damit dieser sich als ein wirklicher „formaler Akt“ des Abfalls darstellt.
 
Nachdem hinsichtlich des ersten Aspekts die Entscheidung der Kongregation für die Glaubenslehre vorlag und die gesamte Frage in der Vollversammlung untersucht wurde, teilt dieser Päpstliche Rat den Präsidenten der Bischofskonferenzen Folgendes mit:

1. Der Abfall von der katholischen Kirche muss, damit er sich gültig als wirklicher actus formalis defectionis ab Ecclesia darstellen kann, auch hinsichtlich der in den zitierten Canones vorgesehenen Ausnahmen, konkretisiert werden in:

a) einer inneren Entscheidung, die katholische Kirche zu verlassen;
b) der Ausführung und äußeren Bekundung dieser Entscheidung;
c) der Annahme dieser Entscheidung von Seiten der kirchlichen Autorität.


2. Der Inhalt des Willensaktes muss bestehen im Zerbrechen jener Bande der Gemeinschaft - Glaube, Sakramente, Pastorale Leitung -, die [176] es den Gläubigen ermöglichen, in der Kirche das Leben der Gnade zu empfangen. Das bedeutet, dass ein derartiger formaler Akt des Abfalls nicht nur rechtlich-administrativen Charakter hat (das Verlassen der Kirche im meldeamtlichen Sinn mit den entsprechenden zivilrechtlichen Konsequenzen), sondern daß er sich als wirkliche Trennung von den konstitutiven Elementen des Lebens der Kirche darstellt: Er setzt also einen Akt der Apostasie, Häresie oder des Schisma voraus.

3. Der rechtlich-administrative Akt des Abfalls von der Kirche kann aus sich nicht einen formalen Akt des Glaubensabfalls in dem vom CIC verstandenen Sinn konstituieren, weil der Wille zum Verbleiben in der Glaubensgemeinschaft bestehen bleiben könnte. Andererseits konstituieren formelle oder (noch weniger) materielle Häresie, Schisma und Apostasie nicht schon von selbst einen formalen Akt des Abfalls, wenn sie sich nicht im äußeren Bereich konkretisieren und wenn sie nicht der kirchlichen Autorität gegenüber in der gebotenen Weise bekundet werden.

4. Es muss sich demnach um einen rechtlich gültigen Akt handeln, der von einer kanonisch rechtsfähigen Person gesetzt wird, in Übereinstimmung mit der kanonischen Norm, die ihn regelt (vgl. cc. 124-126). Dieser Akt muss persönlich, bewusst und frei getätigt werden.

5. Es wird überdies verlangt, dass der Akt von dem Betroffenen schriftlich vor der zuständigen kirchlich katholischen Autorität bekundet wird: vor dem Ordinarius oder dem eigenen Pfarrer, dem allein das Urteil darüber zusteht, ob wirklich ein Willensakt des in Nr. 2 beschriebenen Inhalts vorliegt oder nicht.

Daher wird der actus formalis defectionis ab Ecclesia catholica mit den entsprechenden kirchenrechtlichen Sanktionen (vgl. c. 1364 ¤ 1) nur vom Vorhandensein der beiden Elemente konstituiert, nämlich vom theologischen Profil des inneren Aktes und von seiner Bekundung in der festgelegten Weise.

6. In diesen Fällen sorgt dieselbe kirchliche Autorität dafür, dass der Eintrag im Taufbuch (vgl. c. 535 ¤ 2) erfolgt mit dem ausdrücklichen Vermerk „defectio ab Ecclesia catholica actu formalis“.

7. In jedem Fall bleibt klar, dass das sakramentale Band der Zugehörigkeit zum Leib Christi, der die Kirche ist, aufgrund des Taufcharakters ein ontologisches Band ist, das fortdauert und wegen des Aktes oder der Tatsache des Abfalls nicht erlischt.

[177]
In der Gewissheit, dass der dortige Episkopat in Anbetracht der Heilsdimension der kirchlichen Gemeinschaft die pastorale Motivation dieser Normen gut verstehen wird, verbleibe ich mit herzlicher Verbundenheit
 
im Herrn
Ihr
JULIËN KARD. HERRANZ
Präsident

+ BRUNO BERTAGNA
Sekretär



Die vorliegende Mitteilung wurde approbiert von Papst Benedikt XVI., der die amtliche Bekanntmachung an alle Präsidenten der Bischofskonferenzen angeordnet hat. 
 
 
 
 
*101019* 



Doch über Monsanto und Bayer geirrt?

Der VdZ wurde kürzlich angesprochen, daß er sich scheinbar doch in der Einschätzung der Realität hinter dem Bayer-Monsanto-Deal geirrt habe. Immerhin hat erst jüngst zum Beispiel Österreich mit anderen europäischen Ländern Glyphosat verboten. In der Artikelreihe des VdZ aber sei angekündigt worden, daß Glyphosat nie wirklich verboten, sondern nur mit vielen gesetzlichen Regelungen auf ein Monopol zugeschnitten werde. 

Nun, der VdZ meint das nicht. Und zwar nicht nur deshalb, weil selbst das die Richtigkeit der These über prinzipielle Strategien nicht widerlegen würde. Sondern weil er die Rolle Europas in diesem Spiel anders sieht. Das ist seinen Gedanken bereits so immanent, daß er es für gar nicht mehr erwähnenswert hielt. Europas Rolle im globalen Geschehen ist vielfach fast spiegelverkehrt und anders.

Europa wird tatsächlich ent-ökonomisiert, und die Rolle des Niedergangs vor dem Hintergrund eines ansonsten "prosperierenden" Globalgeschehens einnehmen. Alles, was produktiv ist, wird aus Europa abgezogen oder völlig marginalisiert, auch die Produktion von Lebensmitteln. Das Glyphosat-Verbot für Europa muß zum Beispiel in Zusammenhang mit dem Mercosur-Abkommen, Globalisierungsabkommen mit Afrika und dem CETA gesehen werden.

Das trifft sich mit dem Umstand, daß sich Europa die Hoch-Subventionierung seiner Landwirtschaft nicht mehr leisten kann und will. Was durch den Austritt Großbritanniens aus der EU noch einmal verschärft wurde. Diese Subventionslandschaft, ohne die kein Bauer mehr überleben kann, die aber immer mehr reguliert und restringiert, sind aber die einzige "Gegenwehr" gegen den Weltmarkt, dem sie durch internationale, globale Abkommen weiterhin offene Scheunentore bieten muß.

Hofft mancher aber heute, daß dies durch Exporte am Markt "höherwertiger" eingeschätzter Produkte kompensiert werden kann, wird sich bald herausstellen, daß das eine Illusion ist. Und das ist bereits mit Händen zu greifen, denn Europa stellt solche Produkte nicht nur immer weniger her, sondern wird sie schon aus demographischen Gründen immer weniger herstellen KÖNNEN. Oder meint der Leser tatsächlich, daß der voll angelaufene Bevölkerungsaustausch der letzten Jahrzehnte - der ein offizielles UN-Programm bedient - der Vision dient, ein Europa zu schaffen, das in der Topliga der Weltmärkte mitspielt?* Mit einem Erziehungs- und Bildungssystem, das bereits voll gegen die Wand gefahren IST**, also die geistige Basis gar nicht mehr bereitstellt, das zu bewältigen?

Wir werden uns in allernächster Zeit hier noch eingehender mit der These befassen, warum Europa in der globalen Ordnung, die zu bilden sich nicht erst anschickt, sondern bereits in die Wege geleitet ist, kulturell wie ökonomisch niedergehen "muß" und wird, denn es ist vermutlich bereits zu spät. Weil zu viele Faktenzwänge schon geschaffen wurden und das europäische "Immunsystem" nicht mehr zu retten ist, um daran noch etwas zu ändern.



*Auch wenn man darüber sehr anders und nicht unbedingt in Kategorien der Begehrlichkeit dieses Zustands denken kann. Dazu müßten wir aber einmal ernsthafte Diskussionen führen, welche Zukunft wir Europäer tatsächlich wollen. Uns ist bis heute nämlich nicht klar, wie sehr die kapitalistisch-globalistische Welt dem christ-katholischen Ethos widerspricht! Stattdessen haben wir uns im Zuge des absurden Kalter-Krieg-Narrativs ("wir gegen den Kommunismus") in der Falle einer Gleichsetzung von Freiheit mit liberalistischem Kapitalismus fangen lassen. Das ist deshalb so tragisch, weil diese Unaufgearbeitetheit und Irrationalität, in der die Thematik steckt, den Jungen (aber vielen weiteren Bürgern), die durchaus Richtiges fühlen, nur die Alternative bietet, sich deklariert dem Sozialismus zuzuwenden, und dessen Totalitarismus regelrecht herbeizuwünschen.

**Während die Erziehungs- und Bildungssysteme Ostasiens - völlig andere - Wege beschritten haben. Wege, die exakt auf diese Situation zugeschnitten waren und sind. Was überhaupt nicht heißt, daß sie "gut" sind. Sie sind aber zweifellos "adäquater" und pragmatisch-realitätsbezogener. Selbst unsere Akademikerlandschaft ist über weite Strecken nur noch "Volksbespaßung" dagegen. Die Greta-Hype ist kein Zufall. Sie soll uns zeigen, daß wir uns kollektiv bereits in einem Kindergarten befinden. Jawohl, der ganze Greta-Rummel ist dämonisch. Aber jeder Exorzist wird bestätigen, daß auf eine Weise jeder Dämon die Wahrheit sagen MUSZ. Wenn Gretas Mund formuliert, daß wir endlich ernsthaft werden sollen, dann hat sie auf diese Weise völlig recht! Nur sieht diese Ernsthaftigkeit ganz anders aus. Denn das Schlechte setzt sich nur durch, soweit das Gute inaktiv ist. Europa krankt an der Schwäche der Guten, nicht an der Stärke der Schwachen. Die in ihrem Mangel an Gut eben ... totalitär werden, um den fundamentalen Mangel an Gut (das in sich stark ist) durch Gewalt zu kompensieren.




Freitag, 6. Dezember 2019

Eine kleine Vorweihnachtsgeschichte

Den Passagieren der U-Bahn in Los Angeles war sie lange schon bekannt. Schließlich filmte sie ein Polizist, der von ihrer Interpretation von "O Mio Babbio Caro" (aus "Gianni Scicchi" von G. Puccini; hier mit der Callas) berührt war, und stellte die Aufnahmen online. Nach und nach wurde die Geschichte der Frau bekannt. Sie heißt Emily Zamourka, ist 52 Jahre alt, und eine Musikerin aus Rußland, die vor dreißig Jahren in den USA angelandet war. Über viele Lebensbrüche hin ist sie schließlich als Obdachlose geendet. Und, als man ihr dann auch noch ihre Geige gestohlen hatte, ihre letzte Grundlage, etwas Geld zu verdienen, blieb ihr nur noch ihre Stimme.

Binnen drei Tagen brachte ein Spendenaufruf genug Geld, um ihr wieder eine Wohnung zu besorgen. Und einige Tage später kam ein Angebot eines Opernhauses, sie zu engagieren.

Was die Geschichte lehrt? Viel. Der VdZ will aber nur einen Gedanken davon herausgreifen. Den nämlich, wie lächerlich es ist zu meinen, daß es (technisch, oder durch irgendwie meßbare) Leistung wäre, die eines Stellung in der Welt bestimmen würde. Es ist umgekehrt.

Die Blindheit der Menschen ist unendlich. So unendlich, wie sie von der Unendlichkeit entfernt sind. Nur wer den Himmel sieht, sieht auch den Menschen. Nur wer Gott kennt, sieht den Platz, den jeder in dessen Ordnung hat.







Unwesentlicher Nachtrag: Wie die Krone berichtet, hat sich die Geschichte nicht ganz so glatt aufgelöst, wie die ursprüngliche Fabel uns meldet. David Hasselhoff hatte ihr über seinen Plattenproduzenten einen Vertrag angeboten, und die angeblich international erfolgreiche Diane Worren schon ein Lied komponiert haben, mit dem sie nach bewährter Businessmethode à la Hasselhoff durchstarten hätte können. Aber Zamourka habe weder den Vertrag unterschrieben, noch PR-Termine wahrgenommen, und das Lied von Warren nicht einmal eines Blickes gewürdigt. Also wurde sie wieder in die Wüste geschickt. 

Wer weiß, vielleicht ist das aber gar nicht der schlechte, sondern der gute Teil der Geschichte, wenn auch als solcher nicht gleich erkennbar. Aber vielleicht folgt er der wirklichen Poesie des Märchens, und nicht der Geschäftslogik eines Mannes, der sich um viel Geld verkauft hat und deshalb als "erfolgreich" gilt. 

Wobei: Warum hängt Hasselhoff dann in Österreich herum, und singt auf Firmenfeiern? Wollte er auch der Zamourka da etwas andrehen, das bei ihm selber so gar nicht funktioniert hat? Oder nur bei Leuten funktioniert, die gar keine Künstler sind, und sich deshalb rückhaltlos allem und jedem verkaufen?

Also, werte Leser, behalten wir die Geschichte ruhig warm im Herzen. Und denken uns das Ende so schön, wie es vielleicht war. Für Zamourka und die Kunst.





Eine unsanierbare Ehe

Diesen Film hat der Südtiroler Schützenbund produzieren lassen. In einer Metapher will sich eine Frau von ihrem ungeliebten Ehemann scheiden lassen. Eine Umfrage einer Südtiroler Zeitung hat erst in diesen Wochen ergeben, daß der Wunsch der Südtiroler, sich von Italien zu trennen, überwältigend groß ist. Aber der Ehemann dieser Zwangsheirat von St. Germain-Trianon 1919 will sie nicht freigeben. Eine Ehe, in der es von Anfang an an Liebe gefehlt hat.

Doch die Südtiroler haben nie aufgegeben. Noch ist das Deutsche dominierende Landessprache, und pflegen die Menschen ihre alten Bräuche und Sitten. Die Italienisierung, wie sie v. a. unter Mussolini brutal vorangetrieben wurde, ist nicht geglückt. Heute leben in Südtirol drei Völker in Parallelgesellschaften mit drei Kulturen. Österreicher - Ladiner - Italiener. Und sie tun es friedlich, stören einander nicht. Aber das reicht allen Seiten nicht. Das Kirchenrecht weiß, daß eine nie gültig geschlossene, erzwungene Ehe nie fruchtbar wird. Sie ist unsanierbar.







Donnerstag, 5. Dezember 2019

Vater sein dagegen sehr (2)

An neun Tagen im Advent, jeweils Dienstag und Donnerstag, findet der Leser eine Kolumne des VdZ für eine Boulevardzeitung, die als Serie im Jahre 1995 geschrieben worden war. Er tut dies auf Bitten von Lesern, die diese Texte ausgegraben haben. Damals lebte der VdZ zwar in ziemlich anderen Umständen als heute, aber die angesprochenen Themen sind abstrakt gesehen ungebrochen aktuell.

VATER SEIN DAGEGEN SEHR ...

Die regelmäßige Kolumne eines ab und an schon mal genervten Familienoberhaupts

II

Schneuz Dich. Sitz gerade, laß dich nicht so gehn. Halt dein Heferl ordentlich. Es nützt einfach nichts, jeden Tag ist es dasselbe. Wir sitzen beim Frühstück, und die älteren Kinder tun, als müßten sie beweisen, daß es durchaus möglich ist, sich das Essen so hineinzuschieben, wie es in Beverly Hills zu sehen ist. Überflüssig. Und ich kann reden, was ich will: Es ändert sich erst, wenn ich etwas sage. Dann erst wird das Heferl ordentlich genommen, der Ellbogen nicht mehr auf den Tisch gelümmelt, und aufgehört, in der Nase zu bohren.

Du keifst schon wie ein altes Weib, wirft meine Frau ein, während sie mit dem Stoß Schmutzwäsche aus den Kinderzimmern kommt und in den Hauswirtschaftsraum eilt. Ja verflixt und zugenäht, hat man in unserem Haus nicht Anspruch auf ein bißchen Kultur? Und bin ich nicht verpflichtet, meine Kinder zu Kulturmenschen zu erziehen, anstatt sie in der Laschheit untergehen zu lassen? Und überhaupt: Laß sie nicht so viel fernsehen. Ich habe natürlich wieder einmal Recht. Und im nächsten Moment ersinne ich all die Gründe, warum es unmöglich ist, inmitten einer barbarischen Welt noch eine gesunde Kinderschar großzuziehen. Dieser ganze Kulturimport aus Amerika, und die Kinder saugen wie Schwämme ganz selbstverständlich diese fremden und falschen Sitten auf.

Ich schaue noch einmal meiner ältesten Tochter zu. Und was ist, wenn sie gar nicht imitiert? Wenn ihre natürliche Art sich zu bewegen tatsächlich dem Verhalten der Beverly Hills Schönen so ähnlich ist? Wenn sich also nicht meine Tochter wie sie bewegt, sondern die wie meine Tochter, das also aus dem Leben abgeschaut ist, so quasi? Mit einem Schlag ist mein Groll weg. Noch einmal vergewissere ich mich, und da ist mir ihr Benehmen gar nicht mehr so unangenehm. Die ist vielleicht wirklich so, denke ich. Die Stirn hellt sich. Da kann es mich nicht mehr so berühren, daß Clemens derweilen den Kakao von Sebastian über den Tisch leert.

5. Oktober 1995



Monopolkapitalismus will die Regierungen beherrschen (2)

Teil 2)



Nun, wir wollen zu Griffins These, so interessant und richtig sie ist, einschränkend einiges sagen. Denn es ist zwar richtig, daß die Monopolisierung zu einem der Ziele des Kapitalismus zählt - immerhin wünscht sich wohl auf einer Ebene jeder Unternehmer, daß er nicht so stark konkurrenziert wird, wie es oft der Fall ist - stimmen Griffin aber nicht darin zu, daß das den Kapitalismus an sich bereits wieder sauber macht. 

Nach dem Motto "Alles wäre gut, WÄRE da nicht ..." Oder: "Alles wäre gut, wenn nur der Staat nicht eingriffe." Das ist naiv und viel zu einfach gedacht. Griffin entschuldigt damit nur, seien wir ehrlich, den Liberalismus, die eigentliche Grundlage der USA. Er sieht nicht, daß der Liberalismus die perfekte Waffe des (auch des Monopol-)Kapitalismus ist, um alle zu entwaffnen, die ihm entgegenstehen könnten.

Der normale, bürgerliche Liberale ist deshalb schlichtweg dumm und hinters Licht geführt, weil er an eine utopisch-magische "alles findet sich wie von selbst"-Blackbox annimmt, und nicht den Menschen realistisch sieht. Als fehleranfällig, als schwach, als oft krank und hilfsbedürftig, doch auch als ... ja, auch das: böse und niedrig. Weil eben frei, auch dazu. Das kann man nie verhindern, weil es um die Freiheit geht, auch zum Bösen. Aber ein Staat muß verhindern, daß das Gemeinwohl darunter leidet.

Deshalb muß ein Staat solche Konzentrationen direkt verhindern. Und im föderalen, subsidiären Prinzip weitestgehend integere, soziale Institutionen und Organisationen anregen, respektieren und fördern, wo soziale Netze und Gesellschaften ihre Lebensabläufe selbst regeln. Vorausgesetzt, die Religion - die Kirche - ist verbindlich verankerter Maßstab für Moralität. Wie es in den Zünften, Kammern, Ständeorganisationen etc. etc. der Fall war. Das behindert in den Augen des Liberalen natürlich eine "freie Wirtschaft", weil sein Menschenverständnis auf einem autonomen Menschen beruht. Ein Irrtum! Auch, wenn man seine Freiheit zum Bösen hernimmt. Und mit Spannungen leben, die auch bei solcher Verfaßtheit auftreten, weil das Leben eben so ist. Aber damit muß eine Gesellschaft leben wollen, sonst wird sie brutal und unmenschlich - und letztlich monopolistisch-oligarchisch beherrscht. Daß das eine ganz andere Art von Politikern fordert, wie sie der Demokratismus hervorbringt, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Es gibt aber noch einige weitere, dem liberalistischen Kapitalismus (der anders als vielfach geglaubt NICHT im FREIEN MARKT aufgeht, also mit diesem ident ist, sondern diesen lediglich BENÜTZT) immanente Eigenschaften, die ihn problematisch machen. 

Deren einer ist, daß der Begriff der Konkurrenz dem evolutionistischen "Überlebenskampf aller gegen alle" als Weltprinzip entspricht. Das ist nicht nur ein Irrtum über die Natur, sondern es ist seine eigentliche und unchristliche Grundlage! Und ohne Verbindlichkeit der Religion (Kirche) als Ordnungsmacht kann eine Wirtschaft, ja überhaupt eine Gesellschaft nicht funktionieren, ohne daß sie zu einem brutalen Kampf aller gegen alle ausartet.

Und deren zweite die Verquickung mit Zins und Kredit betrifft. Denn unabhängig vom Streben großer Unternehmen, Einfluß auf die Politik und so die Herrschaft über den Staat generell (in der Globalisierung also über alle Staaten der Welt) zu gewinnen, worin Griffin zweifellos zuzustimmen ist, ist es das mathematische Prinzip des Zinses, der nicht der Wirklichkeit der Unternehmen und arbeitenden Menschen entspricht. Der im Gegensatz zu Menschen und ihrem Leben keine Fehler, Schwächen und Lebensunbill kennt. 

Zins rechnet sich mit mathematischer Präzision hoch und weiter, und er drückt damit dem Leben eine Logik auf, die dieses NIE erfüllen kann! Deshalb hat die Zinsnahme, die die Kirche bis heute offiziell ablehnt (ganz egal, was Ihnen, werter Leser, mancher erzählen will, so ist die Lehre der Kirche bis heute!), die unausweichliche Folge, daß über kurz oder lang der Einzelne als Kreditnehmer dem Kreditgeber unterliegen muß und in seine Gewalt gerät. Die Zinslogik hat deshalb in sich die unausweichliche (sic!) Folge einer Zentralisierung, eines Zusammenfließens aller Wirtschaft in die Hände von Geldverleihern, und das heißt letztlich: Einer Monopolbildung!







Mittwoch, 4. Dezember 2019

Monopolkapitalismus will die Regierungen beherrschen (1)

Wollen wir doch auch ein wenig exakter an unserem Begriff "Kapitalismus" arbeiten, seine Konturen genauer aus dem rohen Holz herausholen, in dem er steckt, aber noch nicht sichtbar ist. Denn Edward Griffin macht gleich zu Beginn eines seiner Vorträge klar, daß es ein Mythos ist zu meinen, daß Kapitalismus automatisch zu Monopolisierung führe, und daß das ein bloßes Geschehen "am Markt" sei. Vielmehr ist es so, daß jedes große Unternehmen nach und nach versucht, die Macht im Staat zu erlangen. Um Einfluß auf dessen Gesetzgebung zu erlangen, mit der dann die Gesetze seiner wirtschaftlichen Macht - durch Regulierungen, die zufällig nur von ihm erfüllbar sind, etwa - zuarbeiten.

Das erklärt, warum es auch reiche Sozialisten gibt! Warum sogar gerade Reiche und Superreiche oft wirkliche Sozialisten sind. Denn mit einer totalen Staatsmacht kann man, wenn man diese Macht kontrolliert (allerspätestens, wenn sie Kredite braucht, um ihre Macht abzustützen), auch totale Marktmacht ausüben. In der einem die Konsumenten ebenso wie die Produktion gehört und beliebig zu melken ist. Die einen, weil sie gehorchen und leicht manipulierbar sind, die anderen, weil sie keiner Konkurrenz, keinem Preis- und keinem Qualitätsdruck mehr ausgeliefert ist.

Monopolisierung braucht Regierungsmacht, um die Konkurrenz auszuschalten. Während der Monopolist genug Geld und Macht (und sei es, weil er "too big to fail" ist) hat, um sich die Regierung zu kaufen. Mit anderen Worten: Legt man an die Tätigkeiten von Großunternehmen Tangenten an, dann laufen sie imaginär verlängert stets darauf hinaus, einen Staat zu regieren. Und die wirtschaftliche, geldorientierte Logik führt immer zu einer Umbildung einer Gesellschaft in eine sozialistische Gesellschaft, weil diese die perfekte Form einer völligen Beherrschung des Verhaltens von Menschen, unter bestmöglicher Ausschaltung aller Markt-Konkurrenz, ist: Der perfekte Konsument im Kapitalismus ist der Sklave, der unfreie Konsument, der zu festen Preisen und (niedrigen, zentral festgelegten) Löhnen jeder Ausnützung zur Verfügung steht - sogar mit dem Zwang der Staatsmacht. Nur einer ist von diesen Zwängen ausgenommen: Der Herrschende, der Kapitalist. Sozialismus ist deshalb immer die Braut, die sich dem Kapitalismus ins Bett legt.

Das sagt zumindest Ed Griffin. Der sehr interessante Details erzählt. So zitiert er Aussagen von Rockefeller I., der schon Ende des 19. Jahrhunderts nie einen Hehl daraus machte, daß es ihm um die Ausschaltung jeder Konkurrenz - sogar weltweit - ging. Waren schon starke Konkurrenten im Feld, mußte man sie zu Partnern machen. Waren sie klein oder schwach, dann mußte man sie entweder zu Teilhabern an seinem (einen) Unternehmen machen, sodaß sie vom Monopol profitierten, oder sonst ... zerstören. Rockefeller verschwieg auch nie, daß der Einfluß auf die Politik schon deshalb so wichtig war, weil sie Regeln bestimmen konnte, die auf den Markt einwirkten, und ihm zuarbeiteten. Und wer die Geschichte seines Aufstiegs kennt weiß, daß Rockefeller dies in großem Maß betrieb.

Viele seiner Produkte, ja die meisten, wurden deshalb so bestimmend, weil er die Gesetze und Vorschriften bestimmen konnte. So verdrängte er über die Prohibition Alkohol als Treibstoff, verbannte Strom als Energie für öffentlichen Transport, und Naturheilmittel als Medizin, die er durch von ihm hergestellte synthetische Medikamente ersetzte und so einen völlig neuen Pharma-Medizin-Begriff etablierte.

Das ist immer noch sehr aktuell. Wir haben etwa in Zusammenhang mit Bayer-Monsanto vor kurzem darüber gehandelt, als Prinzip einer Branchenbereinigung, die eine Ausschaltung der Konkurrenz war, mit der wir es seit Jahrzehnten zu tun haben: Wo gerade Großunternehmen (was auf den ersten Blick seltsam wirken mag) oft die treibenden Kräfte hinter scheinbar komplizierten, lästigen, ja hinderlichen Markt- und Produktionsregulierungen standen. Warum? Weil sie, wenn sie die Regulierungen mitbestimmen konnten, diese einzig erfüllen und schon damit jede Konkurrenz ausschalten konnten. Mit weitreichenden Folgen für unsere Lebensweise. Man denke nur an die heutige Angewiesenheit auf Automobile, Straßen, Kommunikationseinrichtungen, die direkt mit der Auflösung der kleinstrukturierten Gewerbe- und Soziallandschaft hinein in universalistische, abstrakte "Netze" zu tun hat.

Morgen Teil 2)





Weil man Geld nicht mehr begreift (3)

Teil 3) Wirkungen und Ursachen



Eine der größten Ausblühungen dieser Wirklichkeit sehen wir an der derzeitigen Politik, speziell bei den Politikern der Grünen. Die nicht zufällig zu großen Teilen aus der Generation wohlstandsverwöhnter junger Menschen stammt. Wo Geld auf geheimnisvolle, dem Erleben völlig entzogene Weise (die Eltern verdienten gut, die Konten waren gefüllt) "einfach da" war.  Es ist überhaupt kein Zufall, daß in unseren Ländern (und weltweit, übrigens) die Staaten begannen Schulden zu machen, als in der Politik ein Generationswechsel stattfand. Und überall "neue", frische Politiker ans Werk kamen. 

Die Weltrettungsphantasie heute realitätsferner Generationen hat ihre Wurzeln im Subjektivismus der "Sexuellen Befreiung". Implementiert durch social engineering, das die Menschen entselbstet und steuerbar macht..
FFF Washington - Alles aus einer Bewegung! - Bild aus EIKE
Es führt bis zur Gegenwart, wo in der "NMT - New Money Theory" Schulden wie "nichts Realitätsrelevantes" behandelt und beliebig erhöht werden sollen. Und es ist kein Zufall, daß die Phase der folgenschwersten Verschuldung Deutschlands unter einer Kanzlerin erfolgte, die erstens Pastorentochter ist (also mit Geld nie etwas zu tun hatte), und zweitens in der DDR sozialisiert wurde, wo Geld ebenfalls nur als Produkt der Gelddruckmaschinen im Fünfjahresplan betrachtet wurde, wo aber die Realität, die hinter Geld steckt, niemandem mehr begreiflich wurde.****

Und es führt uns zur Hysterie ums Klima, bis zu deren letztem Höhepunkt, wo Kinder in einer klar von (nicht nur) wirtschafts-sozialistischen Interessen organisierten und gesteuerten Bewegung "Fridays For Future" (siehe auch hier) hüpfend herumschreien, daß noch mehr Schulden (und Steuern) besser seien als Klimawandel.

Dieser Erfahrungsgrundlage der Politik***** steht die weitgehende Umbildung von Unternehmen zu Gewinnmaschinen zugrunde. Mit dem einzigen Ziel, den shareholder-value (also den Ertrag für Aktienbesitzer) zu steigern. Von Managern geführt, die nur noch mit abstrakten Zahlen zu tun haben, deren Verankerung in der Realität ihrem Erleben und Begreifen völlig fremd ist. Auch sie sind meist in jeder Hinsicht "realitätsbefreit". Sie treffen, zieht man Carrolls Experiment mit seinen Kindern als Hinweis wieder heran, ihre Entscheidungen ganz anders. Leichtfertiger. Wie in einem Monopoly-Spiel. Den harten Realitätskern von Geld haben sie aber nie begriffen.

Zusammen mit dem Verhalten großer Teile der Bevölkerung, die den realen, harten Wert von Geld in Kindheit und Jugend nie begriffen haben (und durch den Sozialstaat auch später nie begreifen lernen), ist das der sicherste Weg in eine allgemeine Versklavung. Denn jeder Schuldner ist in der Hand des Gläubigers.







***Auch die Propagierung der Homosexualität als "normal" (etc. etc.) steht ganz exakt in diesem Zusammenhangsfeld. Denn der IDEALE KONSUMENT ist der alleinstehende Homosexuelle, der in sterilen, vorübergehenden, also konsequenzenlosen Beziehungen steht und sein gesamtes Arbeitseinkommen für sich und seine spontanen Wünsche ausgeben kann. Immerhin ist ja Homosexualität an sich nur verstehbar als Befolgung subjektiver Befindlichkeit, also in sich ein bloßer "gefühlter" Impuls, der objektiv-rational nur bei entsprechender Subjektivitätsphilosophie zu rechtfertigen ist.

****Der VdZ sagt aus Erfahrung in Ungarn, wo er seit zwölf Jahren lebt, daß dieses fehlende Begreifen der Relevanz von Geld ganz sicher eine der schlimmsten Folgen des kommunistischen Systems ist, das wenn dann nur über generationenlanges Lernen wieder reparabel sein wird.

*****Übrigens ist das einer der Hauptgründe, warum der VdZ über einen so jungen Kanzler wie Sebastian Kurz in Österreich, der noch nie in der realen Welt gelebt hat, die er nun aber "regieren" soll, entsetzt ist.




Dienstag, 3. Dezember 2019

Vater sein dagegen sehr (1)

An neun Tagen im Advent, jeweils Dienstag und Donnerstag, findet der Leser eine Kolumne des VdZ für eine Boulevardzeitung, die als Serie im Jahre 1995 geschrieben worden war. Er tut dies auf Bitten von Lesern, die diese Texte ausgegraben haben. Damals lebte der VdZ zwar in ziemlich anderen Umständen als heute, aber die angesprochenen Themen sind abstrakt gesehen ungebrochen aktuell.


VATER SEIN DAGEGEN SEHR ...

Die regelmäßige Kolumne eines ab und an schon mal genervten Familienoberhaupts

I

Meine Frau und ich haben jetzt überlegt, doch einen Chauffeur einzustellen. Immerhin ist meine Frau vier Nachmittage in der Woche schon unterwegs, um die Kinder entweder irgendwohin zu bringen oder von irgendwo zu holen. Am Donnerstag ist ihr Programm so dichtgedrängt, daß sich die einzelnen Termine überschneiden, und sie anhand eines richtigen Zeitplanes ein System entwerfen mußte, wie sie die jeweiligen Touren verknüpft: Wenn die Kinder aus der Klosterschule gekommen sind, ist das erste zum Fußballtraining zu fahren. Von dort muß sie gleich Benedict vom Gymnasium holen. Denn noch im Bus, sind die Mädchen zur Jungscharstunde fertig. Schnell die Kleinen eingepackt und mitgenommen, denn nun ist niemand mehr zu Hause, der auf sie aufpassen kann.

Nun bleiben meiner Frau ganze vierzig Minuten, die sie entweder in der Kirche verbringt, was der Pfarrer mit großer Begeisterung quittiert, oder für ein paar Besorgungen in der Stadt nutzen kann. Nach Hause zu fahren zahlt sich nicht mehr aus. Mit den wieder eingeladenen Mädchen muß Sebastian vom Fußballtraining geholt werden, möglichst rasch, denn nun beginnen die Flötenstunden für ihn. Währenddessen ist bereits der Klavierlehrer ins Haus gekommen und Benedict hatte schon seinen nächsten Kulturschub. Nun beginnt der Unterricht für Julia und Angelika, während nun das Fußballtraining für Benedict beginnt, wohin ihn auch meine Frau bringen muß.

Am Abend komme ich dann nach Hause, wenn noch der Klavierlehrer mit seiner Frau seinen Kaffee trinkt, meine Frau sitzt nur halb am Sessel, immer wieder aufgerufen, die kleinen Katastrophen entweder zu verhindern oder zu beseitigen. Es ist grässlich, in einem unaufgeräumten Haus zu wohnen, das sage ich Ihnen. Aber trotzdem habe ich die drei älteren jetzt auch zum Zeichenkurs an der Volkshochschule angemeldet, denn ich glaube, daß sie Talent haben. Und Zeichnen ist gut, um zu lernen, von sich wegzusehen, zu beobachten, zu erkennen. Da wird man dann später nicht so egoistisch.

4. Oktober 1995
 
 
 


Weil man Geld nicht mehr begreift (2)

Teil 2) Ursachen und Wirkungen



Vielleicht ist uns gar nicht klar, wie die Einführung der Kreditkarte zeigt, worauf dieses Virtuelle Geld eigentlich abzielt. Und warum es ab den späten 1960ern so leicht wurde, zu Konsumkrediten zu kommen. Man muß diese Entwicklung in einem direkten Zusammenhang mit der sexuellen Befreiung sehen, die selbst wiederum von der angeblich "wissenschaftlich bewiesenen" Philosophie getragen wurde, daß alles Glück des Menschen von seinen inneren, subjektiven Impulsen herstamme. Also nicht mehr von langfristigen Überlegungen zu tragen sei. Diese würden sogar an der Lebenserfüllung hindern. 

In Zusammenhang mit dem (bewußt von der Politik implementierten) Fallen der sozialen Schranken, die enge soziale Netze durch ihre Konventionen und Maßregeln noch bedeuten, und einer völligen Veränderung der Lebensführung (soziale Entwurzelung) tat sich für den Handel ein neues Wachstumsfeld auf: Das, im Heute die Zukunft zu vernaschen. Damit wurde eine neue Art von Konsumenten geschaffen, die nur noch ihren Impulsen folgen sollten und bald wollten, und denen mit der Kreditkarte oder den Konsumkrediten leicht gemacht wurde, sich diese Wünsche über Schulden zu erfüllen. Für viele Menschen verschwand völlig aus dem Bewußtsein, daß das ernste Konsequenzen haben würde, und zwar in der Zukunft.***

Dabei spielt ein Punkt eine Rolle, den man vielfach übersieht, die Dinge hängen alle sehr eng zusammen (und man erkennt, wie stark der wirtschaftliche Hintergrund dabei ist, der auf Interessen schließen läßt, die über jede ideologische Verortung hinausgehen und vieles recht real und greifbar macht.) Schon Anfang der 1970er Jahre wurde in unseren Ländern die Stellung des Vaters und (bis dahin weitgehend noch alleinigen) Ernährers der Familien in einem Punkt niedergerissen: Er sollte in der Familie weniger (und bald nichts) mehr zu sagen haben. Während er in einem anderen Punkt aber, dem der realen, finanziellen Verantwortung, voll in der Pflicht blieb. Während ein zum selben Zeitpunkt immer uferloser ausgebauter Sozialstaat für Frauen und Kinder alle Zusammenhänge zwischen Geld und Realität ins Dunkel verschwinden ließ. Speziell das hat den Verlust des Begreifens der Realität von Geld bis in die Familie hineingetragen, für die Geld lediglich zu einer "vorhandenen Selbstverständlichkeit" wurde.

Sexuelle Befreiung, die nicht nur bestehende Bindungen auflöst, sondern die Bindungsfähigkeit von Menschen zerstört, bringt noch ein weiteres Benefit für die sozialistisch geprägte Wirtschaft: Sie treibt die Menschen zu Beziehungen, die aus sich nicht auf Dauer, sondern auf "so lange das Gefühl da ist" etc. antreibt. Und verhindert über die propagierte Promiskuität dauerhafte Beziehungen, also die Ehe. Das alles sind beste Voraussetzungen für ein Leben im Konsumismus, der am besten funktioniert, wenn die Menschen nur ans Heute denken und das Morgen vergessen. Dazu muß man sie nur aus dem Gestern lösen. Auch das ist erfolgreich geschehen.

Deshalb ist es alles andere als ein Zufall, daß ZEITGLEICH mit der sexuellen Befreiung die Kreditkarte für alle in Umlauf kam. Sie hat in Amerika eine Schuldspirale in Gang gesetzt, die man als eigentlichen Grund speziell für den Crash 2008 sehen muß, der - man kann es nur so sagen - auf leichtfertigem Schuldenmachen durch virtuelle Werte ("steigende Immobilienpreise") beruhte, die die Illusion vom Spielgeld so ausbaute, daß es von breiten Bevölkerungsschichten, die schon alle kaum noch eine Beziehung zu realem Geld hatten, wie ein perpetuum mobile empfunden wurde.


Morgen Teil 3) Wirkungen und Ursachen





Montag, 2. Dezember 2019

Beziehung vor Einzelung

Man darf sich die Schöpfung nicht so vorstellen, daß Gott "Dinge" (Lebewesen etc.) schuf, und dann traten diese in Beziehung. Es war umgekehrt. Erst war die Art der Beziehung, und dann schuf er ein Wesen, das im Sein blieb und bleibt, INDEM es in dieser Beziehung wesensgemäß antwortet. 

Diese Antwort der bejahenden Beziehung ist wiederum auf die Art und Gattung gerichtet, in der die Idee in Gott besteht, und von der her sie kommt. Das heißt, daß im "Hundsein", im "Menschsein" der Zielort der Selbsttranszendierung liegt, weil von dort her auch die Fülle der Wesensentfaltung (immer in der Geschichte) kommt, als auch die Beziehung zu Gott am vollkommensten erfüllt und bejaht wird. 

Deshalb ist der Mensch auch von der Empfängnis an auf das Umgebende, das Beziehungsganze (Ehe, Familie) gerichtet und nur von dort her zu verstehen. 

Und deshalb ist das Ja-Wort die Stiftung jenes Ganzen, in dem Mann und Frau je zu sich selbst werden. 

Denn das Ganze geht dem Einzelnen nicht nur voraus (wiewohl es aus Einzelnen besteht), sondern es bildet sich nie posthoc oder summarisch aus Einzelnen. Während es sich in dem Maß einzelt, als es den Ort in einer Beziehung in voller Hingabe ausfüllt. Denn es ist der Ort, der als geschichtlichen Ort und Punkt in der endlichen Zeit individualisiert. Wo diese Hingabe fehlt, fällt der Mensch ins Allgemeine, ins Artliche zurück, weil er die Antwort nicht gibt, und damit die Idee Gottes (erst Beziehung, dann Geschaffenes als Ding etc.) ablehnt.

So ist die Antwort Mariens "Mir geschehe nach Deinem Worte" als Antwort der Menschheit zu verstehen, in die hinein Gott im Hl. Geist dann inkarnierte, als Bedingung, weil die Beziehung Mensch-Gott, Natur-Übernatur damit hergestellt war.

Sie ist ein Actu, ein aktives Geschehen, und nur insofern zeitlos in der Zeit, und in der erinnernden Gegenwärtigsetzung als Zeitloses in der Zeit präsent. Im Schaffen schuf Gott die Welt als in der Schöpfung seiender Gegenwärtigkeit seines Liebens und Tuns, nicht identisch mit dem Geschaffenen, aber abbildhaft, und im Maß der Vollkommenheit der Abbildhaftigkeit ihm ähnlich.

Als Gott deshalb die Welt schuf, war das Band das allem vorangehende. In dem ihm dann die Schöpfung ALS Antwortende entgegentrat, weil Gott dieses Hineinholen eines Gegenüber wollte, ohne dessen zu bedürfen. Während das Geschaffene dieser Antwort bedarf, weil es sonst aus der Beziehung und damit in Nichts und Tod fällt.

Ein wenig kann man sich das so vorstellen wie den Körper eines Menschen. Der einem als die und die Persönlichkeit gegenübertritt, die zwar "die" Leber braucht, und jede Zelle an ihrem Ort, aber nicht exakt DIE Zelle (die sich erneuert und ständig neu wird, also auch eine andere sein kann), oder DIE Leber (die binnen weniger Monate ebenfalls aus völlig anderen, neuen Zellen besteht.) Und doch tritt uns immer diese eine Person und Persönlichkeit gegenüber - als Ganzes. Diese ist somit der Zeit enthoben, wenn auch in der Zeit.

Der Unterschied darf natürlich nie übersehen werden, daß Gott nicht wie der menschliche Körper die Organe "braucht", also ohne sie nicht existieren könnte (was dann Pantheismus wäre), sondern aus freiem Willen und unnotwendig dieses Band, dieses Ganze Gott - Schöpfung schuf. Die Zelle ist nicht von den einzelnen Atomen abhängig, diese sind ersetzbar, und sie ist, weil als bereits hervorgegangene Idee geschaffen, also wesentlich von ihrem Schöpfer verschieden.

Gegenwärtigkeit heißt also, daß das Ganze vom konkreten Einzelnen nicht abhängig ist. Aber es heißt auch, das Einzelne sich einzuverleiben, zum Teil zu machen. Damit ist endliche Gegenwärtigkeit die Überlegenheit einer Ganzheit über die Zeit auf Grundlage ihrer Überlegenheit über die Teile, wie Hans-Eduard Hengstenberg es in "Der Leib und die letzten Dinge" ausdrückt. Diese Existenz ist als Hypostase zu verstehen: Zeit und Zeitlosigkeit verschmelzen.

Daß wir diese Idee "von uns" nicht selbst haben, sondern in einer Aktivität (bzw. actu) empfangen müssen (wenn wir sie "haben" wollen, entzieht sie sich sofort), belegt, daß wir geschaffen sind, und uns der uns Schaffende uns an diesem Sein (das uns nie "gehört") teilhaben läßt.




Weil man Geld nicht mehr begreift (1)

Adam Carroll spricht in einem TED-Vortrag sehr Richtiges und Wichtiges an, und liefert damit den Schlüssel für so manches, mit dem wir heute zu tun haben, nicht zuletzt in der Politik. Es ist tatsächlich eine, wenn nicht die Hauptursache für die hohe Verschuldung, unter der wir leiden. (Die Politik ist deshalb sehr damit beschäftigt, uns nicht bewußt werden zu lassen, daß wir das tatsächlich tun.) 

Carroll erzählt zuerst sehr sympathisch von einem Experiment, das er mit seinen drei Kindern durchgeführt hat. Mit denen er regelmäßig und leidenschaftlich Monopoly* gespielt hatte. Jedes hatte so seine Strategie, und Großzügigkeit und ein klein wenig Hasardeurtum spielte immer eine große Rolle bei dieser Strategie. Er hatte sich deshalb die Frage gestellt, wie sich das Verhalten der Kinder ändern würde, wenn es plötzlich um wirkliches Geld gehe.  Also ging er zu seiner Bank, hob zehntausend Dollar ab, ließ die in dem Spielgeld gleiche Einheiten wechseln, und überraschte seine Familie am Wochenende mit dem Stoß echten Geldes, das plötzlich in der Kassa des Spiels lag. Er sagte den Kindern nicht, ob das Spielergebnis am Ende auch behalten werden konnte, ließ das offen, sie konnten es glauben, wenn sie es wollten. (Am Montag trug er alles, sehr zur Erleichterung seiner Frau, wieder zur Bank, das vorweg.)

Erwartungsgemäß änderten zwei der drei Kinder sofort ihre Strategie. Die Tochter, die sich nie recht ums Geld gekümmert hatte, dafür jedem half, auch wenn es gegen die Spielregeln war, blieb dabei, und war auch als erste pleite. Die beiden Söhne änderten aber ihr sonst recht leichtfertiges Verhalten. Und ihre Entscheidungen waren sichtlich überlegter, sorgfältiger und kalkulierter. Anders als sonst, wo man oft sogar Tage damit verbracht hatte, endete das Spiel schon nach zweieinhalb Stunden, mit einem eindeutigen Sieger. (Das Spiel zielt als Lehre wirtschaftlichen Handelns letztlich auf Monopolstellung ab, nur dann ist man "sicher reich", dazu an anderer Stelle später.)

Aber was war die Lehre, die Carroll darin sah? Er erkannte, daß Kinder sehr bald mit dem wirklichen Wert von Geld zu tun haben müssen. Genau das aber wird mit den heutigen elektronischen Mitteln verhindert. Geld ist heute weitestgehend virtuell, eine Illusion, eine Abstraktion, und immer weniger Menschen können mit dem wahren Wert von Geld umgehen. Denn wenn Geld auch eine Illusion ist, weil alles virtuell abläuft, so scheint das nur so, denn es hat ganz reale, praktische und harte Konsequenzen. 

Das zeigt sich in Studien, die die Finanzsituation der amerikanischen Jungen untersucht haben. Ein Viertel der jungen Amerikaner sind heute Mitte Zwanzig so hoch verschuldet, daß sie im Grunde bankrott sind. Ein Fünftel geht auch bald bankrott. Was auch mit den Studienkrediten zu tun hat, denn anders als bei uns gibt es in den USA keine "freie Universität". Man muß dafür bezahlen. Dazu kommen Lebenshaltung etc. etc. Insgesamt ist die US-Bevölkerungsschichte von fünfundzwanzig bis einunddreißig Jahren Alter die am zweithöchsten verschuldete Gruppe weltweit. 

Die Gründe dafür sieht Carroll in der weitestgehenden Digitalisierung des Zahlungsverkehrs, der bei jungen Menschen verhindert, daß sie den Wert und die Konsequenzen von Geld überhaupt je begreifen. Alles sind nur Zahlen am Bildschirm, Bits und Bytes, und es gibt genug Untersuchungen, die belegen, daß virtuelles Geld (das, wie gesagt, aber dann sehr reale, harte Konsequenzen hat) wesentlich leichter ausgegeben wird als die immer begrenzt wirkende Menge Geld, das man in Form von Geldscheinen in der Hand hat. Und mit dem man dann umgehen, das man sich einteilen muß, weil es nicht einfach aus dem Nichts der Internetweiten auftaucht, sondern persönlich erarbeitet werden muß. 

Carroll weist auf weitere Studien hin, in denen Charakterzüge und persönliche Geschichten von erfolgreichen Führungspersönlichkeiten Amerikas untersucht wurden. Die zu dem Ergebnis kamen, daß jene Führungskräfte am erfolgreichsten waren, die schon in jungen Jahren harte, realistische Erfahrungen mit Geld gemacht hatten. Also durchaus auch etwas verloren hatten. Wenn die Erfahrung der realen Konsequenzen von Geld eingeprägt bleibt, bestimmt das auch das spätere Verhalten im Umgang mit Budgets und Geld, das nur noch in Computerdatenbanken liegt, und über Bildschirm und Zahlenkolumnen verwaltet wird. Mit einem abstrakten Geldbegriff kann nur der gut umgehen, dessen Geldbegriff generell mit der beinharten Realität von Geld verknüpft bleibt.

Deshalb plädiert er dafür, jungen Menschen den Zugang zu virtuellem Geld (vor allem über Apps auf Handys heute praktisch jedem erreichbar, die das Ausgeben extrem leicht machen) möglichst zu erschweren oder zu unterbinden. Als Gegenkonzept sollte man Kindern und Heranwachsenden den Umgang mit Geld lehren. Etwa indem man Anschaffungen, die nötig sind, von ihnen selbst entscheiden läßt. Es braucht Kleidung und Schulsachen? Gut, hier sind fünfhundert Dollar, und nun kaufe (natürlich unter sanfter Anleitung der Eltern) Kleidung und Schulsachen. Man wird erleben, daß plötzlich neue Kriterien im Urteil auftauchen.**

Morgen Teil 2) Ursachen und Wirkungen



*In Österreich gab es früher ein sehr ähnliches Spiel, das "DKT - Das Kaufmännische Talent" hieß, und auch in der Familie des VdZ gerne und leidenschaftlich gespielt wurde.

**Der VdZ verweist hier vor allem auf die wichtige Erfahrung, daß der Aspekt der Haltbarkeit und Dauer - Speicher als einzige Form von Vermögen, wir haben darüber hier ausführlich gehandelt - von Gekauftem plötzlich eine neue Rolle spielt. Während bloß Trendiges und Modisches - kurzfristig "Lustiges" - in der Bedeutung deutlich sinkt.