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Donnerstag, 24. März 2022

Wenn alte Nebenwirkung neues Wissen schafft (2)

Russische Phantasie von Hölle. Das nennt man dann in seiner vollen Ausgestaltung "Welt". Eine Welt, in der sich alles in Rauch und Wärme auflöst, um nach oben zu steigen. Bis es im universalen Sein des All(e)s GANZ NAHE BEI DEM EINEN GEWORDEN ist - Erstmals seit Jahrtausenden, wie es aussieht. Denn erst 2018 fand man ein vollständig erhaltenes, schocktiefgefrorenes Fohlen einer längst ausgestorbenen Wildpferdeart.(Siehe Anmerkung**) Es muß also schon einmal ziemlich warm dort gewesen sein, bis es blitzartig durchgefroren ist.

Und das könnte nun wieder passieren. Denn der Permafrostboden beginnt von einem Punkt ausgehend immer weitere Kreise ziehend aufzutauen. Dabei sinken die oberen schwereren Schichten offenbar ab. Und das hat in einem Fall einen riesigen Krater mit mittlerweile einem Kilometer Länge und hundert Metern Tiefe entstehen lassen, den Batagaika-Krater. Der sich jedes Jahr um dreißig Meter weiter in die Tundra frißt. Denn an den Rändern wird es natürlich auch wärmer, der Auftauprozeß setzt sich also fort. Das mittlerweile entstandene Loch im Boden ist so imposant, daß man es "Tor zu Unterwelt" nennt.

Die Russen hatten in solchen Dingen schon immer viel Phantasie. Denn solche Tore hat die auf reiner Wissenschaftlichkeit aufbauende Sowjetunion jede Menge geschaffen, wie man so hört.(Siehe Anmerkung***)

Dienstag, 30. November 2021

Äpfel, Birnen und Rüpelzwetschken (2)

Vom Begriff der Gestalt, der unter den Tisch fällt, auf dem aber viele Blackboxes herumstehen. Und wie alles durch Gestalt aneinander und durch einander zu sich selbst wird. Und was es deshalb mit dem Placeboeffekt auf sich hat.Ein bißchen versöhnt bin ich wieder mit dem Wiener Psychiater Raphael Bonelli. Nicht, weil er plötzlich doch zum kompetenten Seelenklempner wurde. 

QR Bonelli sinnbefreit
Wer sich etwa seinen "Beitrag zum Egoismus" ansieht, kann nur noch den Kopf schütteln, daß sich so ein sinnbefreites Gestammel als Seelenkunde auszugeben wagt. Ein Freudianer (und Bonelli erklärt sich sogar explizit als solcher) kommt eben nicht über den Status eines Clowns und Küchenpsychologen hinaus, der das Preiskomitee für seinen Statuslorbeer gleich selbst in der Tasche mitführen muß, sonst landet er in der Mülltonne, wo er auch hinhgehört. 
 
Wo er aber ab und an interessant ist, ist dort, wo er sich wie zuletzt ab und an auf Beobachtungen und Erfahrungsschilderungen bescheidet. Verstehen tut er freilich nicht, was er da sieht, aber immerhin kann man ihm beim Apperzipieren beobachten. Das ist heutzutage ja auch schon eine Leistung.

Dienstag, 30. Januar 2018

Immer neuer Durchbruch des Lebens

Bote inmitten aller Winterkälte und Fäulnis. In einem Samen läßt sich nichts mehr material messen. Er ist technisch "tot." Dennoch bricht Leben jedes Jahr neu durch. Weil es nicht weltimmanent ist, geht es auch nicht den Lauf der Materia. Diese ist nur Auffangschale. Die sich im Tod - wartend - ganz beiseite räumt, um dem Leben wieder Raum zu geben, das ihre Materia neu durchwest und zur Gestalt führt.

Am Spaziergang in diesen Tagen - die ersten Märzenbecher.


Photo: Elisabeth





*290118*

Sonntag, 29. Oktober 2017

Spekulation über ein Rätsel

Es könnte durchaus sein - der VdZ ist sich dessen sogar sicher - daß die Art, wie wir die Materie denken heillos primitiv und unzureichend ist. Dieser Verdacht wird durch astronomische Tatsachen bestärkt. So entdeckten britische Forscher nunmehr, daß sich die Zusammensetzung der Materie in der Korona der Sonne verändert, und vermutlich periodisch - im Takt des 11jährigen Sonnenzyklus. 

Wobei die Korona der Sonne (sichtbar bei totalen Sonnenfinsternissen) ohnehin ein Rätsel bleibt. Denn sie hat Millionen von Grad - während die Sonnenoberfläche bzw. die Sonne selbst auf rd. 6.000 Grad Celsius geschätzt wird. Es sei, so die Briten, als würde aus einem Eiswürfel eine heiße Flamme aufsteigen - wie aber kann das sein?

Die Rätsel werden also nicht geringer. Und mit herkömmlicher, materialistischer Physik scheinen sie nicht aufzuklären. Es scheint, daß diese Anomalie der Sonne nämlich irgendetwas mit ihrem Magnetfeld zu tun zu haben. Aber wie, aber warum ist ein Rätsel, denn Magnetfelder werden ja der Materie zugeschrieben. Aber da zeigt sich rund um die Sonne ein Feld, das viele hundertmal so heiß ist wie die Sonne selber - wie kann das sein? Woher kommen diese Materialien? Werden sie gar vom Magnetfeld "gebildet"?

Es besteht aber auf jeden Fall schon lange der Verdacht, daß das Magnetfeld der Sonne auf die Atmosphäre der Planeten, die sie umkreisen, und auf deren Temperatur Auswirkungen hat. So auch auf die Atmosphäre und damit das Klima auf der Erde. Daß es auf die Ionisierung des Wasserstoffs in der Atmosphäre - und damit nicht  nur auf den Regen sondern auf die Wolkenbildung und deshalb auf die Erdtemperaturen - größte Auswirkungen hat ist experimentell ja schon lange aufgezeigt. Es scheint aber damit auch so zu sein, daß dieses Magnetfeld materiale, darin wechselnde, ja vielleicht sogar Materie "schaffende", also hervorrufende (woher?) Eigenschaften hat.






*101017*

Donnerstag, 9. April 2015

Gehorsam in den Gesetzen, die im Materialen angelegt sind

Man kann von Kunst (und Künstler) erst dann sprechen, wenn das Material, die Form, der Gegenstand der Bearbeitung jene Welt ist, aus und in der der Bildende, Formende lebt. So wird dieses Material zur Welt der Lebenserfahrung, des Lebens selbst, das geführt wird. Als Ort, in dem sich Hingabe vollzieht.

Dem Schauspieler sind so seine Rollen jene Welt, die sich für den "Normalbürger" im Alltag ergibt. Mehr hat er nicht, er hat wirklich nur die Bretter, die die Welt für ihn bedeuten weil sind. Sein Gesicht zeigt die Rollen, die er gespielt hat. So, wie man einem Fischer an seinem Lebensende die Wellen und das Meer abliest, einem Schneider seine Stoffe und Stiche. 

"Wir spielen immer" titelt deshalb die Autobiographie von Will Quadflieg. Aber nicht, weil er nichts ernst nimmt, wie man das Spiel gerne mißinterpretiert (denn Spiel wird etwas nur dann, wenn man die Regeln absolut ernst nimmt; mischt man Ansprüche aus anderen Bezirken darein, wird jedes Spiel zerstört. Der "Nicht-Verlieren-Könner" ist nicht deshalb unerträglich, weil er die Spielregeln zu ernst nimmt, sondern das Außerhalb hereinspielen läßt.) 

Man ist nicht Künstler, Schauspieler, weil man nichts ernst nimmt, sondern weil eine Rolle das Feld sein muß, in dem sich ein Menschenleben vollzieht, um zum Schauspieler (als Beruf) geeignet zu sein. Das bloße Schauspiel selbst ist ja sonst etwas, das jedem Menschen möglich ist. Das ist es aber nicht, was den Normalbürger vom Künstler unterscheidet. Nahezu jeder Mensch kann schauspielen. Aber er ist deshalb kein Künstler. Und er ist es auch nicht, wenn er etwas "virtuos" beherrscht.

Es ist die Bedeutung, die ausschließliche Bedeutung. Weshalb für den Schauspieler eine Haltung kennzeichnend ist, in der eine Rolle, sobald sie ausgereizt ist, wieder abgeworfen wird, um eine neue zu übernehmen.

Das gilt für jeden anderen Bereich der Kunst nicht weniger. Das gilt auch für Lebensbereiche, die nicht explizit als Kunst anerkannt werden, und doch zur Kunst steigen können - und dann können es wohl alle Lebensbereiche. Dann, aber erst dann! wird der Mediziner, der Tischler, der Politiker, der ... zum Künstler. Als Endpunkt auf einem langen Weg der Hingabe, in der er sein Medium dem alltäglichen Zweckgestreite entrissen hat. Plötzlich gibt es dann auch das "Arztgesicht", das "Tischlergesicht", das "Schneidergesicht", ... es wurde vom Lebensfeld geprägt. 

Leben als Liturgie, als Ritus eines Selbstvollzuges, der sich an einem Bild orientiert, das als Ziel am Ende steht. Denn jeder Schritt darin, jeder Handgriff im Alltag - es formt diesem Bilde zu. Das aber dynamisch verstanden werden muß, denn man kann es nur ahnen, fühlen, man kann es nicht im Voraus definieren, in Details festlegen. Das ist nur ein Übergangsstadium des Jungen, des Kindes, des Jugendlichen, als erstes Hineinsteigen in eine Dynamik, wo er das Material zu besitzen lernt, in das hinein er sich mehr und mehr hingebungsvoll ergießt. Was im Bilde erstarrt, in dieser Weise verstanden, ist bereits tot.

Nur in der sterbenden Hingabe an das Aktuale des Materialen wird das Endbild, das man dereinst präsentieren wird, schöpferisch und offen gehalten - und man selbst wird es erst dann sehen. Denn alle Bilder stammen aus Gott, sie sind aber dynamis, Kraft, je neu und geschenkhaft, nicht fixierte menschliche Vorstellung, die aus dem bereits Bekannten stammt, woher sonst. Man kennt nie das Geheimnis des Werdens, nur die Gründe des Scheiterns.

Nicht vergessend, daß das Materiale selbst, im strengen Sinn, gar nie Form "ist", sondern nur - aus Geist - Form als Gestalt trägt, aus "mater" zu "pater", aus welcher gezeugten, erstandenen Gestalt es seine Zubehörigkeit und Widmung zu einer Formenfamilie (Begriffsfamilie) verrät. Wenn hier also behauptet wird, daß es im Mateialen läge, dann nur wenn man berücksichtigt, daß dieses Materiale bereits einer Gestaltenfamilie und Begriffswelt zugeweiht wurde. Hier ist also nicht die Rede von der Erstursächlichkeit, sondern von der Zweitursächlichkeit "innerhalb des Materialen", und diese Welt ist, für sich betrachtet, eine Welt des Zweitursächlichen, das aus dem Zueinander des bereits Gestalt einnehmenden Materialen stammt.²

Wer aber nicht - zumindest nach und nach, als Ergebnis eines oft langen, in Geduld zu ertragenden Ablösungsprozesses - sein Heil im Material (das also bereits einer gewissen Formenschule unterzogen ist; es handelt sich bei dieserm Begriff also um ein Materiales/materia 2. Stufe, aus bereits zum "Seienden" geformter materia prima) sucht, der ist nicht nur nicht für die Kunst, der ist fürs Leben untauglich. Hier wie dort wird er nur billige, tote Plagiate setzen. Die Nachfolge Christ ist deshalb die Nachfolge auf dem Weg zum größten Künstler, der die Welt jemals betreten hat - Gott selbst. Der Weg des Mystikers, des Heiligen, ist haargenau derselbe, wie ihn der Künstler zu gehen hat. Theresia von Avila's Schriften, die ihres Seelenkumpanen Johannes vom Kreuz, sind Anleitungen von höchstem Wert - für den Künstlerweg. 

Den Weg, wie ihn jeder Mensch zu gehen hat, will er leben, will er immer mehr leben, und das heißt: Als Figur, im Darstellen reine Realität sein. 

Der Entschluß des Künstlers, nur in diesem oder jenem Material - unter dem Diktat jener Form - zu leben, ist lediglich eine kulturell entwickelte Herausformung (Dialektik ist die Herausarbeitung einer Teil-Anti-These aus einer Synthese, ist der Weg zur kulturellen Diversifizierung als Vollzug zur hohen Kultur) der Radikalität zur Heiligkeit. Bestenfalls der Arbeitsteiligkeit vergleichbar, einem Prozeß in derselben Linie, die nur ein immer weiterer Schritt zur Geistigkeit - des Ganzen, von dem man immer mehr Teil wird, weil Teil wird - ist. 

Die Entfaltung des Materialen, was immer es sein möge, ist geistiger Gehorsam, weil er auf jenen Geist, jene Form abzielt, die dem Materialen das aufprägt, was ihm möglich ist - und das ist im letzten: Alles. Denn Materia (Mutter) kann alles sein.*

Und so umgibt jeden Menschen zum Menschsein hin ein Ritus, eine Situation aus Bewegungsgesetzen und -rhythmen, eine Liturgie, die es (in Einübung, in Erneuerung am Archetypischen, Quellhaften allen Lebens) zu vollziehen gilt. In ihren Rhythmen wird jene dynamis wirklich, dem Menschen eingeprägt, zu ihm selbst geworden (denn ohne Ritus gibt es gar kein Menschsein, Menschsein heißt: Darstellung eines Ritus) als Schaffensstruktur die in jedem seiner Werke wiederhallt, ja deren Widerhall seine Werke sind, die die Welt zur Analogie Gottes, zum Ausdruck seiner Ideen macht.** 

Kultur bedeutet: Institutionalisierung von Rhythmen, von materialisierte, damit wirklich gewordenen Bewegungsgesetzen.


²Der Töpfer hat es mit Lehm zu tun, nicht mit materia prima. Der Schauspieler mit realen Personen. Der Maler mit Leinwand und Farbe und dem Baum, der vor ihm steht. Alles bereits in die Zweitursächlichkeit hinein geformte materia prima. Kunst muß sich also immer auf Zweitursächlichkeit - "Welthaftigkeit" - beziehen, die in ihrer Wahrheit die Erstursächlichkeit lediglich (transzendental, also: das Materiale übersteigend) anzeigt, in die ja alles mündet weil in ihr letztlich gründet. (Ohne im Sein zu sein, gibt es kein Seiendes; kein Seiendes, das nicht "ist" - "isset", als Akt.) Das berührt im übrigen das Problem der "sakralen Kunst", der Möglichkeit, Gott überhaupt darstellen zu können, an dem das Abendland in Ost und West erstmals zerbrach ("Bilderstreit"), und wodurch sich Orient und Okzident bis heute maßgeblich unterscheiden. Im Islam ist die Darstellung Gottes sowieso untersagt, im Judentum darf nicht einmal der Name Gottes ausgesprochen werden, er wird umschrieben. Im Christentum gilt aber eine neue Form der Vertrautheit, durch Gott - als Sohn - mit Namen, und seiner stellvertretenden Erlösung, in der wir zu Kindern Gottes erhoben Gott "Vater" nennen dürfen, wenn wir es wollen ("bonae voluntatis"). Und genau deshalb ist der Papst als Stellvertreter Christi nicht in allem Faktischen einfach "hinverweisendes Abbild", sondern nur dort und nur so weit, als er selbst vom bloß Subjektiv-Zufälligen gereinigt Abbild vom Urbild ist. Was im letzten nur noch in der "ex cathedra"-Entscheidung gewährleistet ist. Der Rest kann auch ganz gräßliches Kiki sein. Wie in der Kirchengeschichte gar nicht selten geschehen.

*Deshalb kann jede Frau, so sie nicht bereits verdorben, also ungemäß geprägt ist, in jedem Stand vollkommene Identität darstellen weil übernehmen. Die Frau verfehlt sich und ihr Ziel fundamental, wenn sie selbst meint, ein Identitätsbild zur Ausprägung (Wirklichkeit) bringen zu sollen oder zu müssen, das "aus ihr" stammt. Der Feminismus zielt ins Nichts, nicht in ein Ersatzsein.

**Darin liegt die erste Stellung der Architektur in der Antike begründet: Denn sie ist es zuerst, die menschlichen Rhythmus prägt, und deshalb alle sonstigen Lebensvollzüge vorgeprägt in sich birgt, im weiteren Leben nur noch entfaltet.




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Donnerstag, 5. März 2015

Materie ist empfangend - oder sie ist nicht

Der Materialismus wie der Pantheismus, schreibt Ceslaus M. Schneider einmal, denken einfach nicht konsequent genug. Denn sie gehen von einer materia prima aus, die keineswegs mehr die reine Möglichkeit ist, sondern setzen an einer bereits mit Form bedachten Materie an. Also einer, die aus der reinen Möglichkeit bereits in ein Etwas übergegangen ist, aus dem sich dann alles weitere Weltsein entwickelt.

Aber Materie kann nur als reine Potenz in ihrem Ursprung gedacht werden. Sie ist die reine Empfänglichkeit, die durch die sich eingießende Form zu einem Etwas wird. Nur in diesem prinzipiellen Zueinander, die sich als Eigenschaft über allen weiteren Gestaltstufen gleichermaßen zeigt, kann die Materie als Erstursache der Welt gesehen werden. Denn aus Möglichem kann nur Mögliches herstammen. Es braucht immer ein hinzukommendes Wirkliches, also im letzten (und ersten) die reine Wirklichkeit, Gott, an welcher reinen Wirklichkeit dann alles Wirkliche Anteil hat, so wie alles Materielle an der reinen Materie Anteil hat. Die damit auch nicht aus sich selbst entstanden sein kann, weil auch die materia prima ein Sein hat, das aber nicht aus ihr selbst stammen kann. Ex nihil nihil fit - Aus nichts wird nichts.

Der reine Stoff, schreibt er, kann nur als rein Empfangendes gedacht werden, das sein Sein erhält. So ist seine Natur, und alles kann nur seiner Natur gemäß handeln. Das in seinem Gestaltwerden aber ein Gebendes voraussetzt. Dieses Gestaltsein ist eben das Sein des Seienden selbst, und es ist deshalb ein grundlegend Empfangendes, das nicht aus sich zum Sein kommen kann, sondern nur aus der Ehe von Form + Stoff, von Akt und Potens.  

Denn die Gestaltwerdung ist der Prozeß, sich mehr und mehr im Sein zu befestigen, sich im Sein in diesem Prozeß des Zueinander zu aktualisieren (wirklich zu werden), und nur so ist auch Entwicklung denkbar. Fällt dieser Prozeß des Empfangens (und Aufnehmens) weg, fällt das Seiende, das Etwas, das Ding - ins Nichts, fällt zurück in die reine Möglichkeit, weil es die Form ablehnt.² Was seine Gestalt verliert, verliert sein Sein.* (Das nur möglich Gebliebene hat aber keine Gestalt.)

Denn jede Gestalt ist selbst wieder eine Informiertheit dieser materia prima. Ob im Stein oder im Tier oder im Mensch, immer sind die vorgefundenen Moleküle und Atome keine für sich möglichen Einzelteile, sondern tragen eine aus der Spitze der Gestalt strömende Informiertheit, als Teil eines Ganzen, das von seinem Zentrum her - der Form, der Idee - eine materia prima, einen formlosen Urstoff informiert, der als Gestalt (Ding) dann Anteil am Sein hat.³

Das, was in der Besitzergreifung (=Tugend, Sittlichkeit) gemeint ist, ist auf dieser Ebene nichts anderes als die vollkommene Informierung aller leiblichen Teile durch den Menschen (in diesem Sinne also Eigentümer) selbst, der SO am Sein teilhat bzw. der Materie Sein gibt. Wobei diese Seele, dieses Prinzip, wiederum dieselbe Eigenschaft als materialer Träger - Geist - hat: Sie empfängt ihr Sein vom Geist, in der Erkenntnis, in der Wahrheit, die ihr durch die Leiblichkeit, das Gestaltsein alles Seienden, vermittelt wird.**

Weil aber der Materialismus wie Pantheismus von einer rein stoffimmanenten Entwicklung ausgehen WILL - denn er WILL den Geber allen Seins, das Sein, Gott, ausschließen - muß er auch von einer bereits die Urstufe überschreiten habenden Materie ausgehen, die vom nur Möglichen (der völlig ohne Form gedachten materia prima) bereits ins Aktuelle übergegangen ist.


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Das findet sich ja ganz exakt auch in der Quantenphysik, die ja eine Suche nach der materia prima ist. In der die kleinsten Teile der Materie immer mehr zur uninformierten, gestaltlosen Möglichkeit werden. Interessanterweise scheitern auch alle materialistischen Theorien in der Quantenphysik genau daran: daß sie ein erstmaterielles Teilchen annehmen müssen, das bereits informiert IST weil anderes Erstmateriales informiert. Der Regress materialer Verursachung - siehe Aristoteles' Gottesbeweis - ist eben nicht endlos möglich. Materie läßt sich eben nicht als aus kleinsten Teilen zusammengesetzter Komplex vorstellen. Sie ist zuerst reine Möglichkeit. 

Die sogar schon jeder Meßvorgang in eine Form hineinstellt, also zu einem etwas macht, das aus der Herausforderung der Meßmethode und Versuchskonstellation als Hinzukommendes informiert wird. (Meßvorgänge beeinflussen und präformieren selbst das Gemessene.) Weshalb die Quantenphysik zur Mathematik und Erkenntniskritik werden muß, weil sie in jeder Empirie bereits an dieser verändernden Grundvoraussetzung scheitert. Die Physis, die sie sucht, wird sie niemals empirisch finden. Die gesamte Quantenphysik der letzten Jahrzehnte hat aus dieser Sicht nichts anderes gemacht, als eine metaphysisch "immer" schon klare Aussage über die Materie zu beweisen (oder sie erfolglos zu widerlegen versucht). Die Physik wird also immer nur noch kleinerer und noch kleinere Teile finden, weil meßbar nur ist, was bereits informiert IST. Ihr bliebe nur der Ausweg, sich in Metaphysik zu wandeln. Und damit ... wäre sie dort, wo sie bis ins hohe Mittelalter stand. Damit wäre sie dort, wo das Buch Genesis mehr zur Physik beiträgt, als jedes Labor es je vermochte.

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²Ein Beispiel aus dem Alltag, das das Gesagte illustriert: Wenn ein Schmied ein Stück Eisen mit Hammerschlägen formen möchte, und dieses zerspringt, so sagt er: Das Eisen sträubt sich. Oder: Es ist spröde. Dieses letztere Wort wird (im Sinne von: widerständig, widerwillig) auch für einen Menschen verwendet, der sich nicht fügen will: er will eine Form nicht annehmen und zur Gestalt bringen.

³Gott Vater - und es ist durchaus zulässig, es gleichnishaft auf den physischen Vater in der Zeugung zu übertragen, so wie der Same das Ei informiert, so wie der Sprechende, Nennende, den aufnehmend Hörenden informiert (das Wort Materie kommt von mater/Mutter) - ist also der "Informierende". Jesus sagt selbst deshalb, daß er nur das sage, was er vom Vater gehört habe.

*Diese Grundaussage läßt sich sofort überführen in recht konkrete Probleme der Gegenwart. Wenn etwa die Pädagogik die Menschen durch auflösen ihrer Herkunftsidentität zur reinen Möglichkeit zurückführt, fördert sie auf der einen Seite die Gier nach Informiertheit (der junge Mensch nimmt also wahllos weil urteilsentmündigt auf und läßt sich formen), weil sie auf der anderen Seite den jungen Menschen ins Nichts des "alles ist möglich" zurückwirft. Daß in so einer Grundhaltung der Erziehung natürlich auch Allergien, Autoimmunkrankheiten, seelische Phänomene der Desintegration (wie ADHS) immer stärker auftreten, ist logische Folge. Das, was heute als "Erziehung zur Kritikfähigkeit" schon in jüngsten Jahren angewandt wird, ist deshalb eine perverse Kombination von Indoktrinierung und Desintegration aus allen identitären, mitgebrachten Informationsgeflechten. 

Die Folge ist ohne jeden Zweifel eine innere Spaltung des Menschen, und zwar aus der Unwahrheit der nun erfolgenden Information durch Formeinströmung (weil es somit ja auch den Mythos der Gegenwart, die präfigurierte Person, gibt, in der "jeder Mensch ein Genie" mit für sich stehenden "Talenten" wäre, oder ähnliches, sodaß das durch den Erziehungsprozeß Informierte (Selbst) in Widerspruch zur menschlichen Natur gerät, der nur äußerst schwer vom Betroffenen aufzulösen ist, weil er sehr früh bereits in positivistische Konstrukte wie in eine Zwangsjacke eingesperrt wird. Die heutige Erziehung des Rückgriffs auf das "alles ist möglich" (s. u. a. Rousseau) macht also genau das, was zu verhindern sie vorgibt: Sie lähmt die Freiheit der Menschen, und preßt sie in ideologische Konstrukte, die sie als "Freiheit" etikettiert: der sich so noch "frei" bezeichnende Mensch ist aber nur noch jemand, der das Etikett "Freiheit" als Schlüssel zur Entformung vor sich her zu tragen gelernt hat.

**Was als Hölle zu verstehen ist, ergibt sich also aus dem Verlust der Fähigkeit, zur Gestalt zu kommen beziehungsweise am Sein teilzuhaben (was somit eben auch als "völlige Absenz von Vernunft" verstanden werden kann, wie es der VdZ in einem seiner Theaterstücke darlegt). Der Höllenbewohner bleibt gewissermaßen in der Möglichkeit, weil er mangels Vernunft nicht am Sein (des Selbst als Seiendes) teilhat. Theresia von Avila hat eine ihr zuteilgewordene Höllenerfahrung genauso übrigens beschrieben: Als totale Eingemauertheit. 

Die Klaustrophobie sowie das unsägliche, leicht wahnsinnig machende Gefühl das in einer eng anliegenden Zwangsjacke entsteht oder jenes, wenn man in einem ganz engen Rohr steckt, machen diese ontologische Tatsache erfahrbar. In dieselbe Kategorie, nur methodisch umgekehrt, fällt das Experiment, in dem man (vor etlichen Jahren) Versuchspersonen in Räume eingeschlossen hat, in denen alle sinnliche Erfahrung (außer Tastsinn) fehlte: dunkel, schalldicht etc. Nach etlichen Stunden mußte es abgebrochen werden, weil einige am Rande des Wahnsinns waren. Deshalb ist es eine beliebte Foltermethode, auch des CIA (der, wie bekannt wurde, Terrorverdächtige in enge, dunkle Kisten einsperrte). Wie sich also Menschen im Zustand von eingefrorenen Embryonen fühlen müssen, wie sich das auf ihr späteres Leben auswirkt, wenn sie wieder aufgetaut werden um sich zu entwickeln, mag man sich selber ausmalen, das nur nebenbei.




*050315*