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Sonntag, 6. März 2022

BRANDAKTUELL und vielsagend

QR Kiew aktuell
In all dem hochwichtigen Gerede, das sich derzeit als Information ausgibt, aber nichts als PR-Gewitter ist, das auf unsere Häupter niedergeht, fand ich diesen äußerst vielsagenden Beitrag. 
Er erklärt nicht "alles". Aber er ist der meines Erachtens nach bislang glaubwürdigste Bericht darüber, was in Kiew los ist. (Nach unten scrollen, dann kommt der Twitter-Film. - Im übrigen ist auch der Artikel lesenswert. Was man von diesem Medium ja leider nicht so oft sagen kann. Es bietet meist sogar nicht einmal EINE Sicht, weil allzu häufig Wunsch-Phantasien jeden Sachkern verdrängen.) 
Und danach verlangt uns doch so sehr. Denn es wird geredet geredet geredet, Putin von Personen analysiert, die tun als hätten sie ihn acht Jahre auf der Psychologen-Couch gehabt und nun genau wissen, was er denkt, "der Putin" und "der Kreml" macht und vorhat, die Situation analysiert, als läge ein Sachbericht vor, den Historiker und Kriegstheoretiker nach 50 Jahren anfertigen, der keine Fragen offen läßt.
Ich frage mich in all der Quatscherei, die uns aus Corona heraus so nahtlos umspült hat, und uns in einer Dichte umgibt - nur mit Themenwechsel - die mich immer mißtrauischer werden läßt, ich frage mich also oft nur noch eins: Woher WISSEN diese ganzen "Experten" das alles? Noch dazu, wo so mancher jetzt (weil "enttäuscht") etwas ganz anders sagt als noch vor einem Monat. Haben sie da auch schon so viel gewußt? Und wenn ja - nichts gefolgert? 

Dienstag, 7. September 2021

Der Haß der Schwachen auf die Weißen (2)

Wollen wir unsere Kultur retten, indem wir sie negieren, und uns die Kulturlosigkeit der Schwachen aneignen? Wir sind nicht weiß, weil wir zufällig blasser Hautfarbe sind, sondern es ist ganz anders: Jeder, der stark ist, wird von den Schwachen für "weiß" erklärt. Denn es ist anthropologische Tatsache: Alles Nicht-Weiße ist das Untere. - Wenn Peter Scholl-Latour davon spricht, daß Europa in dieser neu entstehenden globalen Machtkonstellation in die Bedeutungslosigkeit zu fallen droht, unter die Räder kommen wird, diesen Entwicklungen nicht gewachsen sein wird, so sieht der VdZ darin aber keinen Aufruf, sich eines Besseren zu besinnen und schleunigst die Kampfesweise dieser "modernen Moderne" anzunehmen, nein, überhaupt nicht. (Ob Scholl-Latour dies so versteht, geht aus seinen Ausführungen auch andernorts nicht ganz hervor, eher würde der VdZ ihn ebenfalls einer resignativen Auslegung zuordnen.)

Darin besteht auch der entscheidende Unterschied zur aktuellen Gebärde der führenden Politiker unserer Länder. Die manchmal sogar in dramatischen Worten fordern - man denke an den Besuch von Sebastian Kurz in Silicon Valley, von welcher Reise er (zum Fürchten!) mit schockgeweiteten Augen zurückkam um der Öffentlichkeit mitzuteilen, daß er die Zukunft gesehen habe, weshalb sich das Land auch diesen Vorgaben gemäß zu entwickeln habe, und er werde alles tun, um eine Entwicklung dorthin zu fördern! Was der VdZ nur als gefährliche Drohung einstufen kann - daß auch Europa sich dramatisch zu verändern habe. Wolle es in diesem Konzert "überleben".
 

Montag, 6. September 2021

Der Haß der Schwachen auf die Weißen (1)

Peter Scholl-Latour definierte im Jahre 2010, was "Weißsein" überhaupt sein könnte.

QR Peter Scholl-Latour
Und schon in den ersten 10 Minuten des Videos (Siehe die Videoseite) wird klar, daß es eine ethnische Definition nicht gibt. Wenn überhaupt, dann kann sich "der Weiße" als Mitglied der abendländischen Kultur betrachten. Deshalb sind die Feinde diverser Volkschaften und seltsamerweise ethnisch-definierten Bevölkerungsgruppen (wie in den USA, wo die "Schwarzen" in Wahrheit eine zunehmend amorphe Volkschaft aus zahllosen afrikanischen Völkern sind, aus der erst in den letzten Jahrzehnten einige afrikanische Völker - wie aus Nigeria - aus diesem Pool "Angehörige ihres Volkes" (und, was viel gefährlicher weil effizienter ist: ihrer Religion, und das ist der Islam) herauszufischen versucht, um in einem neu aufgewachten Selbstbewußtsein mehr und mehr von Weltbedeutung zu phantasieren, von Macht, zumindest am afrikanischen Kontinent, die sich mit (hörthört!) dem Machtnimbus der (hörthört!) Weißen (also der protestantisch-katholisch-jüdischen Bevölkerung der USA, mittlerweile knapp davor, die Mehrheit an die Gruppen der Latinos und der Schwarzen abzutreten).
 

Mittwoch, 1. September 2021

Deutsche Verwirrung vs. afghanische Tatsachen (2)

Was Stalingrad nicht schaffte, schafft der Hindukusch. Der Wahnsinn greift um sich. Und allen geht es ums Öl. Den Taliban aber um ihre Familien. Und manchen ums Opium. - Daß es einen Grund geben könnte, warum ein so großes Land mit immerhin 30 Millionen Menschen - im europäischen Vergleich entspricht das etwa Polen - wie durch einen Dammbruch innerhalb weniger Tage von maximal 70.000 erklärten Kämpfern erobert, ja überschwemmt werden konnte (nur ein größeres Tal ist derzeit noch nicht erobert, das aber von einem Stamm gehalten wird, der schon früher immer wieder seine Extrawürste zu kochen versuchte, nicht von der ehemaligen Regierung) scheint niemanden zu wundern. Zumal andere Bilder, Bilder von zahlreichen jubelnden Menschen, die die Änderung begrüßten, ohnehin bei uns nicht zu sehen waren.

Aber heute wie seit vielen Jahrzehnten und Jahrhunderten haben die Afghanen eine Gesellschaft, die ländlich dominiert ist, und deren Gepräge von Tradition und Familie ist. Und das wollen die Afghanen nicht aufgeben. Das geben und gaben nur jene gerne auf, die schon universalistisch genug waren, ihre gewünschte Lebensführung sofort in westizistischer Oberflächlichkeit, liberaler Wert- und Wurzellosigkeit und hedonistischer Konsumideologie erfüllt zu sehen. Wie sie sich in den wenigen großen Städten bilden konnte. 
 

Dienstag, 31. August 2021

Deutsche Verwirrung vs. afghanische Tatsachen (1)

QR Afghanistan
Wer sich den insgesamt einstündigen Vortrag von Peter Scholl-Latour ansieht, den er schon im Jahre 2009 gehalten hat, muß sich ernsthaft fragen, von welchem Haufen Verwirrter - allesamt (aber sicher nicht ausschließlich, zumal heute, denn daß wir vor der Situation stehen, in der "Verweiblichung als Schicksal" unabwendbar scheint, hat bereits Gerd-Klaus Kaltenbrunner vor fünfzig Jahren aufgegriffen, denn schon damals war es hellen Geistern erkennbar) weiblichen Geschlechts - diese unsere Völker "geführt" werden. 

Man sieht förmlich, hört man den Schilderungen des wunderbaren Erzählers alter Schule zu, die Bilder aufgescheuchter Frauen vor sich, die in den deutschen Ministerien und Kanzlerämtern herumgeistern, und halblaut irgendwelche Anweisungen geben, die sie aus irgendeinem Zuruf herausgegriffen haben, es hätte auch ein anderer sein können, und verwirrt und mit gestreßtem Blick Berge von Papieren durcheinanderwühlen.
 

Montag, 28. Mai 2018

Die Atombombe ist unislamisch

Es täte gut, öfter auf die (ach, so wenigen) weisen Männer unserer Kultur zu hören. Wie es bis vor wenigen Jahren Peter Scholl-Latour war. Und in seinen Büchern und Filmen nach wie vor ist. Die nichts von ihrer Präzision in der Einschätzung von Wirklichkeiten eingebüßt hat. Der Mann hat sich praktisch nirgendwo geirrt, es kam, wie er es vorhersagte. Hier hat der VdZ ein Video aus 2011/13 ausgegraben, das ab min. 17'00 speziell das Urteil dieses Mannes über die Ambitionen des Iran darstellt. 

"Es gibt eine Fatwah (vergleichbar mit einem dogmatischen Beschluß der römischen Kirche, der definiert, was im Glauben enthalten war, immer, und deshalb nach wie vor ist), die entschieden hat, daß die Atombombe unislamisch ist." Der (schiitische) Iran hat sich trotz technischer Möglichkeit sogar in den 1990er Jahren im unfaßbar blutigen Verteidigungskrieg gegen den auf US-Geheiß und mit US-Rüstung den Iran angreifenden Irak gegen den Bau einer Atombombe entschieden.*

Scholl-Latour kommt sogar zu dem für manche wohl atemberaubenden Schluß, daß im Gesamtumfeld der vorderasiatischen Staaten der Iran ein Ankerpunkt der Berechenbarkeit und Stabilität ist.  Auf den man eines Tages vielleicht sogar wird zurückgreifen müssen, um die gesamte Region zu konsolidieren. "Aber um das zu erkennen ist der Westen noch nicht reif."

Scholl-Latours Fazit angesichts der Weltlage ist tief pessimistisch, was den Westen anbelangt. Er liefert nur noch Rückzugsgefechte. Denn den wirklichen Einfluß auf das Getriebe der Welt haben längst andere, weit mächtigere, nicht zuletzt durch die Demographie fast Naturgewalten gleichgewordene Faktoren. Europa wird mangels schöpferischer, tiefer Lebenskraft mehr und mehr zum "asiatischen Kap". Diesem entkräfteten, der Religion entblößten Europa steht vor allem ein Asien gegenüber, das von religiösen Bewegungen und tief verankerten Mythologien vorangetrieben wird. 

Nicht einmal Rußland hat jene Bedeutung, die ihm von Europa zugemessen wird. Rußland hat selbst enorme Angst vor dem, was sich da in Vorder- und Zentralasien zusammenbraut. Schon gar nicht sind die westeuropäischen Armeen diesen Herausforderungen gewachsen. In denen sie Strategien und Taktiken begegnen, die ihnen von Europa her völlig unbekannt sind. Nicht anders geht es den USA, die zwar kurzfristig durch ihre enorme militärische Macht der unbegrenzten Mittel noch Erfolge erzwingen können, die sich aber regelmäßig mittel- und langfristig in Desaster verwandeln.







*Diese damaligen Papiere, die die technischen Möglichkeiten des Iran darstellten, hat in diesen Wochen der Mossad entwendet und "der Welt enthüllt". Das wird heute als Argument für die Sanktionen gegen den Iran angeführt. - Wie dumm sind wir denn eigentlich schon geworden, daß man meint, man könnte uns diesen Absud der Vergangenheit als Argument für die Gegenwart präsentieren? Der noch dazu FÜR den Iran spricht? Dabei ist der Iran von Atommächten umgeben! Pakistan, Israel, Rußland, USA, Indien, China ... Wer schützt uns etwa vor Israel? Wer schützt uns Europäer vor deren Samson-Plan?





*150518*

Donnerstag, 31. März 2016

Zusammenhänge mit Terrorismus

Ein recht guter Vortrag, der vieles was an dieser Stelle bereits dargelegt wurde bestätigt, aber teilweise von ganz anderer Seite her den Islam in seinen notwendigen Zusammenhängen mit dem Terrorismus beleuchtet. "Die Sicht des Westens auf den Islam ist meist schlichtweg naiv." Den friedliebenden, toleranten Islam gibt es nur dort und so lange, als der Islam als gesellschaftliche Kraft schwach ist. Das schlägt sofort um, sobald er die Chance hat, sich zur beherrschenden Macht aufzuschwingen. Und das ist ein Gesetz der Zahl. 

"Verstellung" ist so lange aber ein islamimmanentes Grundgebot, genauso aber wie der Islam aus seinem Wesen heraus auf die Sharia ausgerichtet ist. Das oft zu hörende Reklamieren einer "Reform" des Islam, auf ein "Zurückführen auf seine eigentlichen Wurzeln", ist eine contradictio in adjectio. Denn man müßte einen neuen Islam erfinden. 

Wenn es in der Geschichte Zeiten eines toleranten, poetischen Islam als historisches Gestalt gab, so war das der Klugheit der jeweiligen Herrscher zuzuschreiben. Die nicht WEGEN des Islam tolerant und kulturbeförderlich waren, sondern TROTZ des Islam. Das legendäre Cordoba war den arabischen Muslimen immer ein Dorn im Auge. Sobald aber der Islam zur herrschenden Kraft wird, folgt historisch belegbar binnen kurzer Zeit ein völliger Kulturniedergang. Wer Muslimen "glaubt" ist also schlichtweg naiv. Oder ... gleichgültig. Daraus ist auch die Idealisierung des Islam verstehbar, in der man ihn "tauft", ihn nach christlichem Selbstverständnis betrachtet, wie es so oft zu finden ist. Aber selbst Muslime (vor allem, solange sie eine schwache gesellschaftliche Position haben) sehen diese Dimension ihrer Religion oft gar nicht.

Übrigens sagte u. a. Peter Scholl-Latour einmal, daß es den Muslimen nicht verständlich ist, warum die Christen ihre Religion und ihre Glaubensbrüder nicht vehementer verteidigen. Wer das nämlich tut, wird von Muslimen durchaus respektiert, auch wenn er Christ ist. Scholl-Latour erzählt von Gesprächen, in denen er immer wieder gefragt wurde: Warum verteidigt ihr Eure Glaubensbrüder nicht? 

Martin Mosebach bestätigt das einmal: Wo immer der Muslim merkt, daß man selber religiös ist, daß man betet, beginnt er das Gemeinsame zu sehen. Dem heutigen Westlichen und Europäer gegenüber hat ein Muslim aber nur Verachtung, denn er sagt - und das ist übrigens auch Teil der christlichen Anthropologie, wenn auch anders aspektiert - daß Menschein nur möglich ist, wenn man religiös ist.








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Dienstag, 10. November 2015

Aber niemand redet darüber

Peter Scholl-Latour in einem erschütternden Bericht über Afrika aus dem Jahre 2002. Wie immer: Grundsatzorientiert. Damit die Gegenwart erhellend. Ein Erbe der Kolonialmächte? So einfach ist es bei weitem nicht.








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Mittwoch, 4. November 2015

Das Übel begann mit der Demokratie

Es war so - die Hutu waren in Ruanda das zweitklassige Volk, die Tutsi (mit 15 % der Bevölkerung) die herrschende Klasse. Bis die Europäer mit der Kolonialmacht Deutschland 1905 auf die glorreiche Idee kamen, eine Demokratie einzuführen. Jene Idee, die dann schlagend wird, wenn die wirklichen Machtverhältnisse nicht mehr bekannt sind, in der Regel: gar nicht interessieren.  (Die 12 in Ruanda anwesenden Deutschen wiesen freilich dringend auf das nunmehr brisant werdende Problem hin!)

Plötzlich waren aber die Hutu - natürlich, weil zahlenmäßig überlegen - die herrschende Macht. Weil aber alle, und vor allem die Hutu, spürten, daß da etwas nicht stimmte, begannen die nun herrschenden Hutu die seit je herrschenden Tutsi zu unterdrücken. Bis diese sich (von Uganda aus, wohin sich viele zurückgezogen hatten) die Zeit gekommen sahen, sich zu rächen, und den ihnen angestammten, tradiitonellen Platz in ihrer Heimat zurückzuerobern. Nach kurzer Zeit überließ die französische Fremdenlegion das Regiment den "örtlichen Verhältnissen". Einer Situation, die von Interessenten an den Diamanten- und Koltan-Lagerstätten lebhaft bis gierig beobachtet war.

Das Ergebnis? Vermutlich 1 Million Tote, und ein bis heute zerrissener, eigentlich unmöglicher Staat, dem jede innere organische Struktur fehlt. Das Land fiel über weite Strecken in die Steinheit zürück.

Hätten die Franzosen, die Amerikaner, die ganz nahe lagerten, nichts verhindern können? Bill Clinton, so Scholl-Latour, weigerte sich die Katastrophe zu benennen. Um nicht Amerika in einen Krieg zu ziehen, es standen Wahlen vor der Tür. Einen Völkermord zu bekennen, hätte aber einen UN-Auftrag bewirkt.

Die Opfer der Demokratie-Totalitarismen weltweit, Produkt der Geistesstörung des Westens, sind unzählbar. Wehe, man spricht darüber. Keine Universität der Welt würde eine entsprechend belichtete Untersuchung gestatten, geschweige denn: finanzieren, kein Beamtenpack eines Bildungsministeriums die Wirklichkeitsauslotung überhaupt nur zulassen.

Dreimal darf man fragen: Wer hatte hier seine entscheidenden Finger im Spiel? Um Gottes willen - Amerika? Und Europa hat geschwiegen? Was will diese halbe Milliarde weichgespülter Meerschweingehirne, blödgesoffen am Wohlfahrtsstaat, denn überhaupt noch? Ach ja. Flüchtlinge aufnehmen, gut sein.

Peter Scholl-Latour in einem Bericht über Afrika aus dem Jahre 2002.








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Donnerstag, 29. Oktober 2015

Was in Deutschland kaum bekannt ist

Deutschland grenzt aber in Afghanistan direkt an China. Und China, so Peter Scholl-Latour in diesem Vortrag, ist im gesamten vorderasiatischen Raum längst spürbar. Glaubte Amerika, Nachläufer wie Nachpuppe (!) des britischen Weltreichs, noch lange, es könne weltweit eine pax americana errichten, muß es sich von diesem Traum der Weltherrschaft verabschieden. Die Herrschaft des weißen Mannes, die fünfhundert Jahre anhielt, ist zu Ende. Sie war eine Episode, die vor allem der temporären Unfähigkeit Chinas zuzuschreiben ist, das einfach für 200 Jahre schwach war. Aber die Angst selbst Rußlands vor den asiatischen Horden ist historisch tief begründet. China hat eine eigene, starke Wertewelt. Und DAS wird sie zur ersten Weltmacht machen. Der menschenleere Osten Rußlands wartet buchstäblich auf die Menschenmassen Chinas.

Noch führt Amerika in militärischer Technik. Aber China macht alle Anstrengungen, das zu überbrücken. Dazu liegt auf den USA ein immer schwerer südamerikanischer Druck. Hier baut sich ein (ethnisch revolutionärer) Bevölkerungsdruck auf, dem Amerika sicher nicht auf Dauer widerstehen kann. Die white anglo-saxon elite ist eindeutig in Rückzugsposition. Amerika ist in einer tiefgreifenden Umgründungssituation: Weg vom weißen Europa. Amerika ist nicht mehr in der Lage, mit Konflikten in kleinen Staaten fertigzuwerden.

Nicht erst durch Vietnam ist das im amerikanischen Bewußtsein so evident, sagt Peter Scholl-Latour. Viel prägender waren Ereignisse wie Somalia, wo Amerika nach wenigen Hubschraubereinsätzen zurückziehen mußte.

Das ist insofern interessant, weil seit Napoleon - Spanien! - der Krieg strategisch auf die Erschöpfung eines Gegners im Ganzen ausgerichtet war. Nur hat sich diese Situation ins Gegenteil gekehrt. Denn nun hat es in Kriegsaggressor nicht mehr mit einem Land zu tun, sondern mit einem Guerilla-Gegner. Und der ist so gut wie NICHT zu erschöpfen, und damit zu besiegen.

Peter Scholl-Latour führt Brasilien als Beispiel an. Ob nämlich nicht die Weltgeschichte auf eine Zukunft von einer rassischen Vermischtheit zuläuft, die wir bisher nicht kannten. In dem seltsamerweise europäische Kolonialmächte in Nachläufern aufstehen.

Europa aber droht in ein "Kap Asiens" zurückzufallen. Kein Land Europas, das nicht einmal ein Imperium hatte. Alle aber haben es verloren. Die Mächte der Zukunft sind stärker. Europa wird dem möglicherweise nicht gewachsen sein. "Im Abgrund der Geschichte ist Platz für alle." (P. Valery)

In einem schönen Schlußwort faßt Scholl-Latour seinen Vortrag zusammen: Es ist nicht notwendig, zu hoffen, um etwas zu erreichen.








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Dienstag, 27. Oktober 2015

Das Leben ist tödlich

Ein wunderbares biographisches Portrait eines beeindruckenden Mannes zu seinem 90. Geburtstag, kurz vor seinem Tod. Der Schlüssel zu jedem wirklichen Leben, das nur ein mutiges Leben sein kann, wird zu Beginn ausgesagt:  

"Ich bin früh mit dem Tod bekannt gewesen."  
Wer mit 20 Jahren vor dem Tod steht, ist auf alles vorbereitet.

Und: "Ich bin nicht besonders fromm. Und man kann viel aushalten, auch Folter. 
Aber wenn es um die Ehre ginge, würde ich mich auch selbst töten. 
Ich hatte in den Nazi-Gefängnissen eine Rasierklinge dabei. 
Ich bin nicht besonders fromm, aber ich halte mich an die katholischen Traditionen, 
in denen ich im Rheinland - dem Kern des Abendlandes - aufgewachsen bin." 

An anderer Stelle sagt er einmal: Der Vordere Orient wird wie Nordafrika entchristlicht werden. 
Es ist eine Schande, daß niemand etwas dagegen tut. 

"Europa hat ausgedient. Und die Vorboten des Barbarismus - der radikale Islamismus - stehen vor der Tür." Und: "Die Verwurzelung der Menschen im Islam geht heuter tiefer als früher." 

Internet war ihm, der überall auf der Welt (er hat buchstäblich jedes Land der Welt bereist) Informationen aus erste Hand suchte und bekam, ein Fremdwort. "Vernetzt bin ich auch so." 

Immer haben ihn die Leistungen großer Persönlichkeiten interessiert. 
"DeGaulle war der letzte König von Frankreich."

"Was soll der Unsinn - Europa am Donbas? Das ist nicht mehr Europa."

Er war der erste, der schon in Vietnam begriff, daß die westliche Macht am Ende war. 

 Peter Scholl-Latour (1924-2014).








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Donnerstag, 15. Oktober 2015

Es geht restfrei auf

Auch dieses Video mit einer eineinhalbstündigen, vom Autor selbst vorgetragenen Zusammenfassung seines Buches "Zwischen den Fronten", zeigt neben interessanten weil überraschenden Sichtweisen durch seine Schlüssigkeit ohne jeden Rest auf. Peter Scholl-Latour spricht über die globalen Situationen, die Positionen der Mächte zueinander und gegeneinander, und bringt wie gewohnt auf sympathisch-selbstvderständliche Weise eine nüchterne Kulturkritik an, die immer hörenswert ist. Wiewohl der Film aus 2008 stammt, ist da kein Wort veraltet oder verstaubt.

Rußland wird überschätzt, es ist trotz seiner Bodenschätze zu klein. Amerika ist tief beleidigt, weil die Milliarden Bloßfüßigen sich seiner technisch überwuchteten Übermacht und schon gar seinem missionarischen Weltrettungsglauben nicht fügen will - ebenfalls. Als Verteidigerin der Menschenrecht hat Amerika sowieso jeden Kredit verspielt. Es weiß es nur noch nicht. Aber es erlebt somit, daß es als Globalmacht weder moralisch noch militärisch den Milliarden aus China und Asien sowie den Muslimen gegenüber keine Chance hat. Wo soll auch das Neue liegen? Wenn die im Sendungsbewußtsein des Gottesauftrags verzückten Amerikander unter "God is great!" in den Krieg ziehen - und die Muslime unter "Alahu Akhbar". Gott ist groß.

Und Europa mit seiner halben Milliarde Menschen? Das verspielt sich sowieso selbst. Mehr als ein verwischter Nebensatz ist dazu gar nicht zu sagen. Europa hat als Weltspieler ausgespielt. Es geht in Heuchelei und verworrenem Demokratiegeschwätz unter. Die entscheidenden Völker der Zukunft haben immer begriffen, daß diese Form der Demokratie einer Selbstschwächung gleichkommt.

Übrigens - Scholl-Latour weist darauf hin, der VdZ hat es gleichfalls schon mehrfach erwähnt: Mao Tse Tung zu lesen ist hilfreich. Es erschließt viel von der Gegenwart. Nicht nur durch seine Schriften zu den Partisanen. Auch und gerade für die Gegenwart Europas und seine "intellektuellen" Kräfte, die nach der Lektüre dieser Schriften wie ferngesteuert wirken.

Amerika hat - aus Ahnungslosigkeit und Ignoranz - diplomatisch im asiatischen Raum jedenfall völlig versagt. Scholl-Latour gibt dem in seinen Fundamenten umgebrochenen Land eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Die der völligen Abschließung nach außen, oder die durch die Veränderung seiner Bevölkerung - als zukünftig nicht mehr europäisches Nachläuferland - zwangsläufig veränderte Sichtweise, die sie als Weltmacht aus dem Spiel nimmt.

Und Rußland? Angesichts der schweren Demütigungen der letzten Jahrzehnte folgt hier eine ganz erstaunliche Rückbesinnung auf seine spirituellen Wurzeln. Begleitet von einem unfaßbaren Wiedererstarken der Orthodoxie - nach sieben Jahrzehnten schwerer Unterdrückung durch den Kommunismus! Putins Stellung ist nicht das Ergebnis einer Manipulation, so Scholl-Latour, sondern sehr real fundiert. Die Apparatschiks der Kommismus, schon gar die (im Westen natürlich hoch gefeierten) "Reformer" nach 1989, haben das Land dem Untergang nahe gebracht. Davon haben die Menschen genug. Über westliche Vorstellungen von Demokratie wird hier eher mild gelächelt.

Die Ineinssetzung von Regierung und Göttlichkeit sei typisch asiatisch? Na, dann möge der westliche Leser doch einmal die Augen seiner eigenen Politik gegenüber öffnen. Die Zusammenhänge liegen nämlich weit tiefer, und sind auch im Westen nicht "überwunden", sondern taumeln in tief archaischen Gestaltenfragen. Nur gehört die Selbsttäuschung längst zum gesollten Repertoire des westlichen Verdummungsmenschen, ein Produkt übelen Zentralismus.

Und Europa? Als Wirtschaftsraum relativ leicht erreichbar. Aber politisch? Wie kann eine deutsche deutsche Kanzlerin sagen, es sei eine "Wertegemeinschaft" - und nicht: "christliche Wertegemeinschaft"? Denn Werte gibt es auch im Konfuzianismus oder im Islam oder ... Das sagt schon alles.

Der Rest ist einfach nur interessant, das Buch sowieso empfehlenswert. Weil es eine nach wie vor präzise und zutreffende Einschätzung der Weltlage liefert. Wer Scholl-Latour zuhört oder liest, könnte man in Abwandlung eines alten Werbespruchs sagen, weiß einfach mehr. 

Die Welt lichtet sich durch ihn. Und wird erst dadurch, übrigens, Welt. Kein zu fürchtender dunkeler Moloch verwirrendster Einzelheiten.

Wenn man zu hören versteht, wird noch etwas anderes klar. Daß das, worin alle Völker, alle Staaten, jede Politik eingespannt ist, weit größere, tiefere, historisch fundamentalere Bewegungen sind, als noch so charismatische oder propagandistisch aufgeblähte Politiker je bewirken könnten. Ja, sie vermitteln uns gern den Eindruck, als wären sie die Weltenschöpfer. Aber jedes Volk, jedes Land, jede Landschaft, ja jede Familie ist in einen jahrhunderte- und jahrtausendelangen Zusammenhang gestellt, dem es nicht nur nicht entfliehen kann, sondern der seine Gegenwart jeden Moment bestimmt. Und zwar umso mehr, als es ihn ignorieren oder korrigieren möchte, oder gar nicht kennt. Vor der Geschichte gibt es nur zwei Möglichkeiten: Sie zu erfüllen weil gestaltend zu erfassen, oder von ihr zernichtet zu werden. 

Wir werden von Archetypen beherrscht, gerade wenn wir sie zu ändern versuchen, wenn wir sie nicht mehr zu besitzen und zu tradieren vermögen. Grundkonstellationen, die weit tiefer reichen, als zum Plumpsklo des Geschwätzes degradierte europäische Dekadenz sich vorzustellen vermag. Als Allgemeines, das das Einzelne prägt. Ungewiß relativ ist nur das Einzelne.*






*Wunderbar im Film dargestellt bzw. erkennbar am Beispiel China, einem der vielen Filetstücke der Ausführungen des immer originär sehenden Scholl-Latour.




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Sonntag, 11. Oktober 2015

Normalzustand Krieg

Ein weiteres Zeugnis für den erstaunlich tiefgeistigen Hintergrund, vor dem Peter Scholl-Latour seine Einschätzungen vornahm, liefert dieses Video aus dem Jahre 2004. So hat es der Mann geschafft, in jedem Einzelnen immer wieder das Bleibende, das Grundsätzliche zu zeigen. Vermutlich ist das sogar sein Erfolgsrezept. Es ist keine Frage: An solchen Männer fehlt es zu allen Zeiten ganz besonders, nach seinem Tod noch mehr. An Leuten, die sich als Nachfolger aufspielen, fehlt es freilich nicht. Aber sie sind nicht annähernd vergleichbar. Weil ihnen eben - der geistige Hintergrund fehlt.

Scholl-Latour hat übrigens immer die Meinung vertreten, daß man den Terror als Weltgefahr deutlich überschätzt und zur Hysterie aufbläht. Niemals kann sie rechtfertigen, die Freiheit so einzuschränken, wie es geschieht. Im übrigen ist es sogar ehrenhaft, wenn bedrückte Menschen sich mit der Waffe zur Wehr setzen. Der Terror ist die Waffe des Schwachen. Es gibt berechtigten Terrorismus. Und gerade der Westen mit seiner Geschichte der Revolutionen müßte das wissen.

Bonmot á la Scholl-Latour zum Schluß: Der Mensch ist nicht gut, er ist böse. Er kann höchstens ein wenig zum Guten erzogen werden. Europa hat nur vergessen, durch 60 Jahre Nicht-Krieg, daß der Normalzustand der Welt Krieg ist!








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Mittwoch, 7. Oktober 2015

Worum es eigentlich geht

Es ist nicht das Verkehrteste, sich die Grundkonstellationen in Afrika und im arabischen Raum wieder einmal vor Augen zu führen, um den Faden durch die aktuellen Geschehnisse nicht zu verlieren, wieder zu finden, oder zu stärken. Und wer wäre da berufener als der verstorbene Peter Scholl-Latour. In diesem Video in einem bemerkenswerten umfänglichen Gespräch aus dem Jahre 2013, das zeigt, mit welcher Kenntnis, vor allem aber mit welcher Einschätzungskraft dieser Mann seine Urteile fällte. Hörenswert, gerade heute. Es zeigt, daß bloße Faktenkenntnis gar nicht reicht. Was es braucht ist das viel tiefergehende geistige Niveau eines Betrachters, der erst dann zum Gewährsmann wird.

Was ihm über die Jahren am meisten auffiel? Die Welt war immer chaotisch. Aber sie hat heute auch im Alltäglichen sehr viel früherer Gesittung verloren ... Die katholische Vorstellung vom "Tal der Tränen" ist sicher realistischer als die amerikanische Vorstellung der "pursuite to happiness".

Aber noch etwas zeigt sich in diesem Gespräch, einmal mehr. Man muß nicht überall gewesen sein, um zu einem richtigen, realistischen Urteil zu kommen. Dazu sind andere, geistig-sittliche Fähigkeiten weit zielführender, ja alleine zielführend. Viele sind durch Details sogar nur verwirrt, verlieren den Boden für ein Urteil, das sich auch in der fähigkeit zur Prognose zeigt. Gut, man kennt die einen oder anderen Details nicht. Aber um ein prinzipielles Urteil für eine Situation zu bilden muß man keineswegs "überall gewesen" sein.  Der Mensch ist überall derselbe. Wer hier den Boden der Wirklichkeit nicht findet, wird ihn auch an den "Brennpunkten" nicht finden. Für Details gibt es dann Bücher, oder solche Filme, mit Fakten, die den "Augenzeugen" meist sowieso fehlen.


Denn der Mensch sieht nicht induktiv, stoppelt sich aus einer Sammlung von Empirie ein Urteil. Nein. Er sieht schauend, ideogenetisch: In jedem Ding, in jeder Gestalt sieht er zuerst das Wesen, die Idee. Erst also das Allgemeine, das nach und nach zum Einzelnen erkannt wird. Sodaß hier gilt: pars pro toto. Es braucht zwar das Einzelne, aber es ist ein Modus des Alles. Ohne allgemeine Idee gibt es gar keine Einzelerkenntnis.


Kleines Nebendetail: Scholl-Latour gesteht in diesem Gespräch, daß er auf Latein bete. So sei er eben aufgewachsen. Er halte es aber für einen schweren Fehler der Kirche, ihre Sakralität, ihren Pomp sogar, so leichtfertig aufgegeben zu haben, um modern zu sein. So habe sie außerdem Kraft, Austrahlung und Renommée für die anderen Völker verloren. Nur dadurch aber, durch diese Sakralität, ja durch diesen sakralen Pomp, hat es z. B. die Orthodoxe Kirche in Rußland zu einer erstaunlichen Wiedererstarkung gebracht.  

Europa steht für die übrige Welt ohne Religion, ohne Jenseitigkeit dar, und davor kann etwa ein Muslim keinen Respekt haben, während weltweit die Mythen wieder aufbrechen, wie Scholl-Latour an anderer Stelle einmal sagt. Womit Europa ziemlich wehrlos, ja erbärmlich dasteht. Das exportierte Gerede von Menschenrechten und Demokratie interessiert in Wahrheit niemanden außer westliche Politiker. Der Moslem, so der ausgewiesene Islam-Kenner Scholl-Latour, nimmt einen Menschen ohne religiöse Überzeugung gar nicht ernst. Der ist für ihn gar kein Mensch. Vielleicht sollte man das einmal gutmenschbewegten Flüchtlingshelfern vom Westbahnhof sagen.









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Freitag, 27. März 2015

Das Ende der weißen Weltherrschaft (2)

Rückzugsgefechte einer Weigerung, die realen Veränderungen zur Kenntnnis zu nehmen - Europa, die USA, der weiße Mann, das Christentum, am Ende seiner Weltmacht. Die kommenden Mächte sind andere. Politik ist halt doch mehr als Propaganda. Peter Scholl-Latour, ein Gewährsmann der Zeitgeschichte, in seinem legendären Portrait. In dem er zu so ganz andren Einschätzungen kommt, als vielfach üblich ist.

Es genügt bei weitem nicht, irgendwo "gewesen zu sein". Und  wenn es 15 Jahre sind. Man muß die Eindrücke substantiell verarbeiten können. Sonst ist man bei allen persönnlichen Eindrücken nicht mehr als nützlicher Idiot.

Die reale Macht des Islam ist völlig unterschätzt, und man kann so manchen europäischen Bestrebungen zur Verharmlosung realer Bewegungen nur milde lächelnd begegnen. Die wirklichen Bewegungen liegen woanders, liegen tiefer, und fundamentaler. In einer Abwandlung einer Bemerkung Scholl-Latours: Welche religiösen Überzeugungen (und Scholl-Latour weiß, das sie es sind, dei die Welt bewegen) können europäische und amerikanische Soldaten und Politiker entgegensetzen?








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Donnerstag, 26. März 2015

Das Ende der weißen Weltherrschaft (1)

Seine Bücher, selbst die älteren, sind immer noch lesenswert, seine Filme immer noch sehenswert, weil das Aktuelle das Bleibende ist, das was hinter allem steckt: Peter Scholl-Latour. Hier mit dem ersten Teil (morgen: zhweiter Teil) seiner filmischen Interpretation "Das Ende der weißen Herrschaft". Veränderung der Weltlandschaft, zu der dieser Gewährsmann - aufgrund seiner in festen Sichten fundierten Sichten - etwas zu sagen hat. "Der Westen ist aber noch nicht bereit, um die globalen Veränderungen zu erkennen." Europa spielt dort keine Rolle mehr. Die USA nicht weniger, nur haben sie es noch nicht bemerkt. Also machen sie aus Fehleinschätzung nur noch Fehler.

Die Ausgewogenheit der Urteile Scholl-Latours, der immer auf die historischen Wurzeln der Gegenwart hinweist und diesen immer nachgeht, ist ungebrochen beeindruckend und vorbildhaft. Seine Redlichkeit, seine charakterliche Grundprägung, hebt ihn über simple "Meinung" praktisch immer hinaus. Man fühlt sich nicht einfach informiert. Man fühlt sich "im Bilde".






Morgen: Teil 2 - Peter Scholl-Latour - Das Ende der weißen Weltherrschaft



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Dienstag, 13. Januar 2015

Eine Linie: Überwachung - Mißbrauch - Folter (2)


Teil 2) Bis sich Amerika in Afghanistan 
sogar mit selbst gelieferten Raketen abschießen ließ




Die Untat, die bei der Folter begangen wird, überschreitet deshalb jeden fiktiven Schaden, wie er durch mögliche weitere Untaten (Attentate etwa) des Gefolterten und seiner Komplizen oder Gesinnungsgenossen entstehen könnte. Denn sie richtet weit tieferen, weitreichenderen Schaden an, der sich eines Tages auch sehr konkret äußern wird. Sie zerbricht das Insgesamt der Welt, damit auch das, was man Frieden nennt, um eines berechenbaren, kurzfristigen Effektes willen. 

Folter unterscheidet sich also auch sehr grundlegend von der bloßen Zufügung von Schmerz, etwa aus Haß, oder sogar aus ungeordneten Neigungen. Hier wird leider viel zu wenig unterschieden, weil der Gegenwart SCHMERZ das Problem scheint. Aber das ist es nicht. Jemanden schlecht zu behandlen, ihn zu schlagen, Gefangenen wenig zu essen zu geben, ihnen ihr Leben zu erschweren, was auch immer - solange es identifizierbar bleibt, die personale Integrität des anderen nicht nur respektiert, sondern genau dadurch respektiert, weil es ohne sie wirkungslos wäre, und sei es, weil der Peiniger etwas "zurückzahlen" will - unterscheidet sich kategorial von Folter, auch wenn sich im Äußeren oft wenig Unterscheid zu zeigen scheint. Folter zielt auf die personale Desintegration eines Menschen ab, und das ist ihr Verbrechen.

Daß deshalb auch der nun an die Öffentlichkeit gelangte Bericht über die Folterpraktiken der amerikanischen Geheimdienste nach 9/11 attestiert, daß die Verhörpraktiken keinerlei brauchbare "Ergebnisse" weil Erkenntnisse brachte, liegt in der Natur der Sache. Folter KANN gar nicht der Wahrheit dienen. Ihre Ergebnisse sind keineswegs sicherer als die bloße logische Deduktion! Denn dem Gefolterten kann gar nicht geglaubt werden. Weshalb es Lüge, wenn nicht Ausweis amerikanischer Dummheit ist, manche angeblich verhinderte Anschläge, oder die Ergreifung von Osama bin Laden (sowieso ein eigenes Kapitel der Fragwürdigkeiten, man sehe dazu den TV-Bericht von Scholl-Latour), die lediglich Propaganda-Element war und ist, den Folterpraktiken zuzuschreiben.






Nicht anders, als dieselbe USA, aber natürlich immer schon auch Deutschland, England, etc., ihren Bürgern angedeihen lassen, die um möglicher Verhinderung von Verbrechen willen alles überwachen, was ihnen unter die Finger kommt. Womit Staaten, Politiker, zu Verbrechern werden, denn die Totalüberwachung IST ein Verbrechen, weil es zumindest Verbrechen vorbereitet. Sodaß schon der Versuch, sich der Überwachung zu entziehen, zum Verdachtsmoment wird, der weitere Maßnahmen der Entwürdigung des anderen - damit: nicht mehr Mensch, er gehört nicht mehr der Gemeinschaft der eigentlichen Freien an, die unter dem Recht stehen - legitimiert.

Daß solche Länder sich tatsächlich noch erdreisten, das Wort vom "Menschrecht", von der "Menschenwürde", von der "Freiheit" noch im Mund zu führen, ist alleine schon eine der lautesten Grotesken der Gegenwart. Sie haben nicht einmal den Mut, sich zu dem zu bekennen, was sie im angerufenen Namen des Guten sind und anrichten. Kein primitiver Stamm im Amazonas wäre zu solch einer Bestialität fähig. Der im Namen der Gottebenbildlichkeit dem Menschen allmählich geboten scheint, sich dagegen zu erheben.

Wer den islamistischen Terror noch nie unter diesem Gesichtspunkt gesehen hat, hat ein sehr reales Wirklichkeitsproblem. Gerade damit der Katholik, der den Islamismus, den Anti-Amerikanismus, ja den Anti-Westen-Effekt weiter Teile der Welt - als tief ontologisch begründete Erscheinung - nicht wenigstens prinzipiell verstehen kann.

Sehen Sie, zur Abrundung des Gesagten, einen Bericht des + Peter Scholl-Latour, über Islamismus und amerikanischem Kampf gegen den Terror.Amerika ließ sich in Afghanistan sogar mit den Taliban selbst gelieferten Raketen abschießen. Im übrigen war fast alles, was offiziell erzählt wurde, eine Lüge, um die Folter zu rechtfertigen. Geneigter Leser, dre Sie mir wieder einmal bis an diesen Punkt gefolgt sind: Können Sie sich vorstellen, was in Menschen, ja einem Volk abgeht, das sich mit solchen Lügen, die jedem eigengefaßten Augenschein widersprechen, konfrontiert sieht? Was sollen diese Länder, diese Völker, diese Menschen über den Westen (und über das Christentum, in dessen Namen die USA sogar zum Kreuzzug ausziehen) denken? Wenn der Hauptfeind der Amerikaner - die "Al Kaida" als Bedrohung - in diesen Ländern, die nun mit bomben und Raketen niedergenagelt wurden, nicht einmal bekannt war? Haben wir es hier nicht mit einem unfaßbaren Spektakel zu tun, mit dem regelrecht Verrückte die Welt überziehen?

Der VdZ hat so manche Menschen der Erde kennengelernt. Aber genau daraus hat er eine tiefe Erfahrung gemacht, die ihm vom Wesen des Menschen so viel erzählt hat: Daß nämlich die Vernunft überall auf der Welt die gleiche ist. NICHT aber der Verstand, die Sprechweise, die Lesart. Aber das Menschsein selbst, das ist gleich, überall, auf allen Erdteilen, in allen Kontinenten und Ländern, und sogar - in allen Religionen, wenn auch genau deshalb alle Religionen ihr Problem haben, weil sie einen Vernunftschaden haben, weil ihnen die personalisierte Vernunft, Jesus Christus, der Boden aller Vernunft, fehlt. So "extrem" manche zu denken scheinen, oder so extrem sie dargestellt werden. Es geht um die Vernunft! Und hier erfährt der VdZ vieles im Westen, in den USA, als Versuch, die Menschheit für dumm zu verkaufen. Nicht mangels Rationalität! Sondern mangels Vernunft. Weil mangels Sittlichkeit.







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Montag, 12. Januar 2015

Der Unterschied ist nur graduell (2)


Teil 2) Anmerkungen & Konnotationen



*Man kennt das ja aus dem Christentum und der Interpretationsvielfalt die entsteht, wenn man die Hl. Schrift zur alleinigen Wahrheitsträgerin verkürzt. Zahlreiche Kirchenabspaltungen und Sekten sind die Folge.

**Man hat traditionell - als Europäer - die Orientalen "verlogen und falsch" genannt. Was es wiederum auch nicht trifft. Der Orientale lügt nicht, weil er lügen will, wie es der Europäer tut bzw. tun kann. Er ist auch nicht "falsch". Er hat nur ein anderes Verhältnis zur Wahrheit im Wort und zur Bedeutung von Verhalten. Das macht den Islam in Europa viel aktueller, als die Europäer übrigens glauben. Denn DIESE Haltung ist heute nahezu allgemein, speziell unter der Jugend. Die nur noch lügt - das aber gar nicht mehr feststellen kann, weil man dazu ein festes Persönlichkeitsfundament bräuchte. Denn auch hier ist es gar nicht "Lüge", es ist vielmehr zum Habitus gewordene Unfähigkeit zur Wahrhaftigkeit, vielfach schlicht in faktischen (unsittlichen bzw. nicht-sittlichen) Lebensgewohnheiten wurzelnd (die das Sein zum unterträglichen Druck macht, von dem es sich zu befreien gilt; ein Faktum, das in der Einschätzung nicht-katholischer Religionen sowieso viel zu wenig Beachtung findet). Die Gegenwehr gegen Muslime ist deshalb in unseren Landen jenem Verhalten vergleichbar, wo man den anderen haßt, weil er einem die Fehler die man selber hat vor Augen führt.

Mit einer recht ampüsanten Pointe: Muslime nehmen jemanden aus anderen Religions- oder Kulturkreisen, der meint, der Muslime Glaubwürdigkeit verteidigen, beweisen zu müssen, selber nicht ernst. Auch wenn sie das Gegenteil -  natürlich, das gehört zum Spiel - tausendmal behaupten. Denn ihr Verhalten beweist permanent, daß sie sich selber nicht ernstnehmen. Sie simulieren diese Ernsthaftigkeit nur, schon das begründet den Fanatismus, mit dem sich der Islam behaupten zu müssen meint. Ein Papst aber gar, der meint, den Muslimen (aus Pragmatismus, wollen wir wohlwollend sein und nicht Häresie unterstellen, obwohl das sehr sehr nahe läge) Honig ums Maul schmieren zu müssen, indem er die Ernsthaftigkeit dieser Religion betont, ja der dies sogar noch als Pflicht christlichre Liebe bezeichnet, desavouiert deshalb die Kirche, den Katholizismus, die Wahrheit selbst, Jesus Christus. Der Irrende weiß nämlich um seine Seinsverfehlung. Darin liegt das Wesen, die Chance der Mission. Das wird schon rein praktisch grotesk unterschätzt.

***Es ist in diesem Zusammenhang nicht uninteressant, daß es keineswegs unbedeutende Stimmen (auch nicht im islamischen Raum unbedeutend, wie Muhammad Iqbal) gibt, die spirituell nahezu einen Tod des Islam prognostizieren, der sich schon vor hunderten von Jahren angebahnt, im 20 Jhd. aber fast definitiv gemacht hat. Die deshalb schon lange Zeit auf eine Re-Spiritualisierung, eine Ent-Ideologisierung, eine Reform drängen. Iqbal und mit ihm andere haben vor 100 Jahren sogar auf eine Neuaufarbeitung seiner Fundamente aus westlicher Philosophie heraus gedrängt. Ohne die Illusion zu nähren, daß er jemals "unpolitsch" sein könne (was ja nicht weniger vom Christentum gilt, aber das ist ein anderes Thema, und doch das selbe). Aber Iqbal beklagte, daß aus dieser Entspiritualisierung heraus der Islam gräßlich als Lebensanweisung mißgedeutet wurde.

Schuld trägt nicht zuletzt die Entwicklung in der Türkei, in der nach dem Zerfall des osmanischen Reichs unter Atatürk ein faschistischer, anti-religiöser Staat gegründet und das Kalifat als spirituelle Leitung des islamischen Raumes ausgelöscht wurde. Ein Staatssystem, das immerhin - man vergißt das meist, wenn man es überhaupt je zur Kenntnis genommen hat - das direkte Vorbild für Mussolini und Hitler war.

Noch mehr aber schuld daran ist ... die Mentalität, die sich etwa in einer nie bzw. nur punktuell in bestimmten Schulen und zu bestimmten Zeiten stabilen, allgemein gültigen Koraninterpretation äußert, und wesentlich mit der seit Jahrtausenden in diesem Raum beobachtbaren, im Vergleich mit dem Abendland ungleich geringeren Individualisierung der Menschen zu tun hat.  Eine nachhaltige Verankerung der Islam-Interpretation, wie es die katholische Kirche bewerkstelligte, ist den Muslimen nie geglückt.

In eine ähnliche Kerbe, wenn er auch viel zu kurz greift und das Problem rein aktuell sieht, schlägt interessanterweise ein weiterer Presse-Artikel, den Ernst Fürlinger, Leiter des Zentrums Religion und Globalisierung an der Donau-Universität Krems und Dozent an der Universität Wien, verfaßt hat. Und der von einer "Krise der Autorität im Islam" als Ursache der entgleisenden islamistischen Terrorgruppen spricht. Wie gesagt - vieles daran ist wohl richtig, greift aber viel zu wenig tief.

In den Augen des VdZ ist es aber genau das - die Angleichung dieser realen Lebenssphären durch die Entwicklung des westlichen Menschen zum persönlichkeitslosen, bloß noch positivistisch der Individualisierung fähigen Massenmenschen - worauf die hohe Zuwanderungsrate in Europa, dessen Anziehungskraft für Muslime beruht. Die kulturelle Basis ist bereits weitflächig gleich! Man denke sich dazu noch die universalistische Lebensweise, die nicht nur für alle verfügbar ist, die ihre Technik beherrschen, also keinerlei geistige Grundlagen mehr benötigt, sondern es gleichgültig macht, ob man in Florida, Paris oder Bagdad lebt.

Das alles wird noch von der simplen Kenntisnahme beleuchtet, daß es weltweit keinen einzigen Staat mit muslimischer Mehrheit gibt, der NICHT in einen Krieg gegen eine interne Minderheit, oder in einen Staatenkrieg verwickelt ist. Peter Scholl-Latour spricht schon vor zehn Jahren von einer Kraftprobe, die der Islam weltweit aufgenommen hat.

²Natürlich bringt der VdZ diesen Artikel ins Archiv dieses Blog, weil er sich zwar gewiß nicht als Islam-Kenner bezeichnen würde, aber dieser Artikel viele Nachdenkergebnisse aus den bisherigen Bekanntschaften mit Muslimen und einiger Beschäftigung mit dem Thema bestätigt. Die offenbar besser zur Einschätzung mancher Fragen taugen, als auch eifrige Besucher islamischer Länder zu Tage fördern, die meinen, viel Einzelnes egal welcher Art wäre auch automatisch viel Wesentliches. Und dabei völlig an der Oberfläche klebenbleiben. Vielleicht hätte es manchem schon geholfen, die theologisch-philosophische Analyse des Koran aus der Feder des Nikolaus von Kues aus dem 16. Jhd. zu lesen, die offenbar sehr wahr ist. Jedenfalls erhellender als all-inclusive-Barbarismen in Antalya.

Aus gegebenem Anlaß: Peter Scholl-Latours fast dreistündige Gesamtdokumentation über Islam &  Terror. Scholl-Latour war nicht nur dort, er hat auch eine Ordnung des Gesehenen versucht.





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Eine Linie: Überwachung - Mißbrauch - Folter (1)

Es gibt kein Argument, das die Folter rechtfertigt, aus der jemand zu einem Geständnis gepreßt werden soll. Auch nicht 9/11, auch nicht die Verhinderung von größeren Untaten. Kein Gut kann (und darf) erreicht werden, indem man etwas Falsches tut. Dies bleibt in sich schlecht, in sich schädigend, und zwar den Täter, kann bestenfalls zur Verhinderung eines größeren Übels dienen. Und dazu gehört nicht die Verhinderung von praesumtiven Terroranschlägen. 

Gaius Mucius Scaevola verbrennt seine Hand
Im übrigen haben die USA durch Folterpraktiken, in denen sie sich über jedes Recht setzten, den Terror zu guten Teilen überhaupt erst verursacht, den Haß auf sich gesteigert, und sich Feinde regelrecht selbst geschaffen. Nicht zum ersten mal, sondern fast als geregelte Praxis einer lächerlichen Außenpolitik, die sie von einer Niederlage zur nächsten, und von einem Todfeind zum nächsten geführt hat. Wer aber ständig das Gegenteil von dem erreicht, was er eigentlich bewirken wollte, beweist seine Unfreiheit. Und das ist in diesem Fall eine besonders nette Konnotation, denn all das behaupten die USA ja aus ihrer Sendung der Freiheit, die sie über die Welt zu bringen hätten. Sie tun genau das Gegenteil, und sie beweisen es - täglich! - an sich selbst. Nur puritanische Verstiegenheit kann das leugnen.

Hier gilt es übrigens auch gleich zu differenzieren, denn die hochnotpeinliche Befragung des Mittelalters bzw. in der Neuzeit hatte nicht das Ziel den der Folter unterworfenen zu einem Geständnis zu zwingen, sondern kam aus der uralten Rechtsauffassung des Gottesurteils, getragen von einer völlig anderen Verfaßtheit der Persönlichkeit: Denn bis in die frühe Neuzeit hinein war den Menschen generell die Wahrheit, die Ehre, die Schönheit, also das Transzendente wichtiger als Schmerz oder Tod. Denn er wußte, daß er nicht nur im Hier und Jetzt, aus dem geschichtslosen Nichts heraus, in ein solches hinein, lebte und wirkte. Wer aber auch unter Schmerz bei der Wahrheit blieb, der bewies, daß er auf Kraftquellen zurückgriff bzw. von einer Kraft erfüllt war, die eben nur die Wahrheit geben konnte. 

Deshalb wurde das Gottesurteil - der Schmerz - oft regelrecht gesucht, ihm wurde höchstes Beweisgewicht zugemessen. Aus dieser Haltung auch begründet sich das Duell, das gleichfalls als Gottesurteil gesehen wurde, als dessen Ausweitung man dann den Krieg, die Schlacht sehen muß. Verlierer unterwarfen sich nicht erst, wenn alles in Grund und Boden gestampft war, sondern wenn diese Überlegenheit zu erkennen war. Das läßt sich in allen Kulturen finden, und wo nicht, sind es keine Kulturen.

Wer die Ehre so hoch stellte, der mochte vieleicht anders denken, aber er war genau deshalb hoch zu respektieren und als Freier zu behandeln. Dessen Wort war auch für ihn bindend, war dem Sakrament sehr sehr nahe. 

Wie sollte aus einem Menschen, der bei Schmerz zu wimmern anfing und bereit war, die Wahrheit zu verleugnen, überhaupt eine gute Tat kommen? Agere sequitur esse. Das Handeln folgt dem Sein. Wen die Erde überwältigt, dessen Kopf gehört nicht dem Himmel.

Eine Sichtweise, eine Praxis, die keineswegs vom Christentum erfunden wurde, oder der Verstiegenheit religiösen Wahns entsprang, sondern die über zahllose Beispiele aus der Antike her hinlänglich bekannt sein sollte: Sich selbst einem Schmerz zu unterziehen, um die Wahrheit seiner Aussage zu demonstrieren, ist nicht nur Fundament des Krieges, oder erst seit der berühmten Tat des Gaius Mucius Scaevola (Linkshand) bekannt. Der seine rechte Hand über einer offenen Flamme verbrennen ließ, ohne sich Schmerz anmerken zu lassen, um zu beweisen, wie sehr er der Wahrheit verpflichtet sei, damit zu einer Handlung verpflichtet sei, die den anderen als Feind sehen MUSZTE. Woraufhin er, hoch geachtet, ALS FEIND frei gelassen wurde. 

Daß die hochnotpeinliche Befragung erst seltener, später immer häufiger in Mißbrauch (aus wachsendem Unverständnis) endete (Doderer, was wenige wissen: auch Historiker, weist sehr dezent und angemessen darauf hin, daß die Folter immer häufiger sehr sexuelle Annotationen hatte), traf sich schließlich nicht nur mit einem völlig anderen Politikverständnis (denn es war die Politik, die die Folter zu mißbrauchen begann), sondern vor allem mit einem völlig anderen Verhältnis zum Körper: Der mit seiner Auflösung ins Spiritualistische, Idealistische der Weltauffassung auch immer weniger Realität erhielt, sodaß alles, was ihn in der Realität verankern könnte - Schmerz - in einer immer niedrigeren Schwelle zum Problem wurde. Menschen, die bereit sind, Schmerz und Tod zu erleiden, sogar um der Wahrheit treu zu bleiben, sind der Gegenwart überhaupt schon unverständlich, ja "unheimlich" geworden. Das können ja gar keine Menschen sein ... so, wie jeder, der nicht dem Land der Weltmission entstammt, der nicht Amerikaner ist, nicht einmal mehr Mensch ist.

Das Wesen der Folter, die oben angedeutete Rahmen der Rolle des Schmerzes prinzipiell verläßt, nicht in der Intensität, sondern in der Haltung und Achtung des Schmerzleidenden, ist nämlich genau das: Sie zerbricht den Menschen, und ihr Ziel ist, dessen Menschein zu zerstören. Der Gefolterte soll nicht mehr in der Lage sein, seine persönliche Integrität aufrecht zu halten. Er soll sein Menschsein aufgeben, um den Schmerz, die Zerstörung zu vermeiden. Denn der, der Böses tut, ist deswegen nicht kein Mensch. Wer Freiheit will weil als grundlegend erkennt, muß auch damit leben, daß sie zur bösen Tat mißbraucht werden kann. Wer Freiheit verhindert, weil er nur gute Taten möchte, verhindert überhaupt Menschsein, und deshalb genau das Gute.

Der Folterer wollte zunehmend den Menschen brechen, das war und wurde ihr Ziel. Nicht Wahrheit, nicht Wiederherstellung einer Ordnung der Ehre. Zerbrechen! Ehrunfähigkeit! Folter ist deshalb eine lediglich graduell höhere Stufe zum Mißbrauch: Sie will, über die initiierte Erlebenskomponente, die ZUSTIMMUNG des Opfers zu dem, was an ihm an Selbstverlust beabsichtigt wird. 

Eine Form des Mordes, durch Zerstörung der Identität, des Selbstes, der Gemeinschaftsfähigkeit. Der VdZ hat vor etlichen Jahren, in seiner Zeit in Berlin 1997, ehemalige DDR-Häftlinge (Bautzen) kennengelernt. Er war tief erschüttert, welche deutlich erkennbare Langzeitschäden "nur" drei Jahre Folterhaft (und das war es, was einen in Bautzen erwartete: die Häftlinge sollten dort gebrochen werden) anrichtete. Aber er war auch tief betroffen von den Parallelen, die er zu Vorkommnissen sah, die mitten unter uns, alltäglich, ablaufen. Übrigens - auch in der Kirche. Und nicht nur am VdZ. Gott wird richten.


 Morgen Teil 2) Bis sich Amerika in Afghanistan 
sogar mit selbst gelieferten Raketen abschießen ließ




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Sonntag, 14. September 2014

Es fehlt dem Journalismus an Bildung

Peter Scholl-Latour in einem Interview auf Bayern Alpha zur Berichterstattung über den Ukraine-konflikt: Sie ist einfach falsch. Die öffentlich-rechtlichen Medien bringen sich so um ihre Existenzberechtigung.






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