Wir haben an dieser Stelle bereits davon berichtet, worin der größte Unterschied der österreichischen Länder (denn das ist Österreich, ein "Reich", also eine Zusammensprechung von Ländern, und damit Völkern) zu den Völkern des heutigen Deutschland besteht. Österreich war durch das Land gegründet, das dann besiedelt wurde. Und so sind auch seine Gesetze zuallererst an das Land gebunden, von dort ausgehend. Den letzten Rest an Volksgebundenheit hat die (völlig fälschlich) hochgelobte Kaiserin Maria Theresie durch ihre Rechtsreformen ausgelöscht. Die über die gesasmte Habsburger-Monarchie ein einziges Gesetz legte, und alle die vielen, immerhin noch bestehenden Regionalgesetze, die noch die ureigenste Struktur der Bindung an Personen, an Landherren, an "Feudalherren"
Übrigens vielfach protestantisch und im geduldeten, quasi heimlich geduldeten Gegensatz zu den katholischen Oberherren) eine ganz eigene Ursachenverkettung, die in Österreichs Ländern etwas behielt, was in den vielen protestantischen Ländern Deutschlands viel früher ausgelöscht worden war.
Erst das Land - dann die Bewohner. Und es waren zuerst die Strukturen der Klostergemeinschaften, die die Grundlage für die Kultivierung bildeten. Die Bewohner waren gewissermaßen zweitrangig, austauschbar. Österreichs Länder waren in ihrer Hauptmasse Durchgangsländer für Völker gewesen, ehe das deutsche Königtum daraus geographisch Strukturen, Ordnungen herausschnitt. In die dann - lustigerweise - dieses Königtum herüberwanderte! 500 Jahre, bis zur völligen Neuordnung, war es dann diese "Aftergründung", das Habsburgerreich, das die Macht und die Kraft und die Idee für das Gesamtreich der deutschen Völker hatte, ja überhaupt so etwas wie Deutschland darüberlegte. Wurde Wien, das so am Rande des Reiches lag, zum Hauptort, dem es tatsächlich gelang, den Großteil der umfaßten Völker kulturell zu prägen und durch ein Gewand zusammenzuhalten.
Diese Tatsache läßt sich nun aus einem anderen Umstand belegen. Nämlich aus dem der NAMEN, der Bestimmungsnamen, die man heute Nach- oder Familiennamen nennt. Und die im Grunde nur spezifizierten, WELCHE eigentlichen Namen (also Personen) gemeint waren. Denn Namen im eigentlichen Sinn waren natürlich nur die VORNAMEN. Und sie sind es überall dort, wo wirkliche menschliche Kultur geschaffen wird. Die Nachnamen waren stets nebensächlich, und niemand hätte daraus eine Person spezifizieren können.
In einem Volk - unter Menschen - wurden (und werden noch immer weitestenteils) Menschen (die immer Personen sind) also an den NAMEN wie an Trageschlaufen umfaßt wie gemeint, und die Zugehörigkeit zu Häusern (was man heute meist Familien nennt) war die Zugehörigkeit zu den Vätern. Also waren die Nachkommen Söhne und Töchter, -son und -dottir/-in, -itsch und -ova, vereinfacht natürlich auch nur die -s oder -n, oder -er und -in, -ne oder -on.
Aber in Österreich sind die häufigsten Namen (und weit mehr als in Deutschland) eben ORTSNAMEN, also an einen Ort gebundene Personen. Die auch viel über die geographischen Gegebenheiten erzählen, die Siedlungsbedingungen. Steiner, Gruber, Ecker, Ebner, Wieser, Holzer, Brandstätter, Eichinger (und -ing ist für den bayrischen Kulturraum ohnehin so überaus typisch), Stadler, Schweiger, Bruckner etc. - also nicht einmal Berufsbezeichnungen, wie in Deutschland! - sind (mit allen Spielformen), oder gar Rechtsbezeichnungen wie Lechner (von "Lehensnehmer" oder "Leihe"), Meierhofer ("Maier" als "der Obere", "Major") oder Reiter (von "roden", nicht von "reiten"), oder Huber (von "huob", auch ein Rechtsbegriff, als "ganz", das heißt "voll abgabenpflichtig"), und schon gar natürlich Hofer. Denn inmitten einer Urwaldlandschaft, der der Ernährungsboden so hart abgerungen werden mußte, war ein Hof ein äußerst wichtiger Ort, ja überhaupt ein Ort. Das sind die häufigsten Nachnamen in Österreich.
Geworden, muß man ja sagen. Denn Nachnamen, die Aussagekraft hatten, wurden erst im späten Mittelalter eingeführt.
Und sie dominieren Österreich noch immer. Noch. Denn was mit den Zuwanderern kommt sind eben genau das, was ein "organisches" Volk kennzeichnet - personenbezogene Namen. Aber das ist ein anderes Kapitel. Wenn auch keineswegs ein neues. Nicht in Österreich. Wo die Verbindung zum Land die erste Gemeinsame war, die die hier ansässigen Menschen als Band der Einigung hatten. Wo kaum ein Ort "wuchs".
Dieses kleine und interessante Video zeigt genau das. Und darum empfehle ich es an dieser Stelle. Es soll uns an uns selbst erinnern.