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Sonntag, 19. April 2026

Ungarische Tänzchen

Habe über einer Lektüre über Marketing gerade einen prickelnden Gedanken. Was wäre, wenn diese ganze Geschichte mit dieser TISZA-Partei, mit der aus dem Nichts entsprungenen Alternative zu ORBAB/FIDESZ namens Peter MAGYAR in Wahrheit ein Produkt aus der Marketingabteilung von … Fidesz&Orban (oder wie immer man diese Hintermänner sonst nennen will) wäre? Ist es nicht das Gelbe des MarketingEis, auch die Konkurrenz zu erschaffen? 

Geht es nicht seit langem im Marketing nicht um Konkurrenz und Wettbewerb, sondern um den Besitz und die Macht über einen gesamten Markt? Und böte nicht Ungarn ideale Voraussetzungen für so eine Kasperliade? Böte nicht dieses ganze Orban- und Rechts-/Konservativ-Theater um diese Figur Orban die perfekte Konstellation dafür? 

Noch sind es erst einige Indizien, die für diese Zhese sprechen, so hart sie auch schon sein mögen. Vor allem aber sollte man darüber nachdenken, ob man es den Akteuren im Theater des Politischen nicht zumindest zutraut, so zu denken und zu handeln. Und ob man selber es nicht so machen würde, stünde man an der Stelle der politischen Partei Akteure.

Oder glauben Sie, werter Leser, wirklich noch an die durchgängige Ernsthaftigkeit politischer Vorgänge in unseren Breiten? Oder sind nicht die Rezeptoren für wirklich Wirkliches bei uns schon dermaßen irritiert, daß wir gar nicht mehr an diese alles tatsächlich tragende Fundament des WIRKLICHEN gelangen? (Zumindest nicht mehr bewußt.) Hat sich nicht das öffentliche Geschehen, der Sprachraum, der Raum der Gestalten und Figuren unserer Psyche(n) bereits so weit von diesem wirklich Wirklichen entfernt, daß wir das Sein, daß wir die Sprache Gottes gar nicht mehr nachbilden können (was dann DENKEN wäre)? 


Mit anderen Worten: Gibt es noch etwas, das wir als Welt vor Augen haben bzw. das sich als Welt geriert, das nicht völlig verrückt, ja - weil es ihm an Humor fehlt, dieser Fähigkeit zur Distanzierung - geistesgestört ist?

Ich jedenfalls kann nichts mehr von dem, das mir täglich und bis ins kleinste Alltägliche hinein begegnet, ernstnehmen. Vielmehr hat sich über alles diese seltsame Decke eines "so tun als ob" gebreitet. 

***

Sonntag, 9. Oktober 2022

Der Traum vom geeinten Volksraum

Wenn auch ich mich zur in Österreich unmittelbar bevorstehenden Wahl des Bundespräsidenten zu Wort melde, so tue ich es in der Form eines frommen Wunsches. Denn was ich als Urbild eines Präsidenten sehe und das sich mit dem Bild vom "idealen König" weitgehend deckt, werde ich nie sehen, dessen bin ich mir gewiß. Das wird auch nie durch eine Volkswahl geschehen können, die in der Art stattfindet, wie sie sich wieder einmal entrollt. Und schon gar nicht in einem Land, das sich durch Parteien strukturiert, die miteinander um die Macht ringen und unter Organgesetzen stehen, die eine Aufsplitterung eines Volkes unvermeidlich machen WEIL SO SIND. 

Wenn man sagt, daß ein Volk "auf einem, alle einenden Fundament" stehen muß, so möchte ich diese Wahrheit aber erweitern oder spezifizieren. Hugo von Hofmannsthal sagte einmal in einer Rede in München, daß der Sprachraum eines Volkes sein geistiger Raum sei. Daß sich also in der Literatur abbilde, was das Volk von innen her trage und bewege. Noch mehr aber, muß sich im Sprachraum auch der Diskurs abspielen, wo ein Volk immer wieder zu seiner Einheit gelangen können muß - in einem Geist der Eiheit, in Worten die diese in sich bergen, 

Denn alles, was als Tagesgeschehen herantritt, stellt eine gewisse Beunruhigung dar. Die muß wieder und wieder in diesem Sprachraum durchgekämmt und auf Wesentiches zurückgeführt werden, das es erst ist, was ein Volk wirklich berühren soll. Denn auch das unterliegt dem Individuum - das was berührt zu beurteilen und gegebenenfalls zuzulassen oder in einem Hygienakt abzulehnen und auszuscheiden. 

Montag, 19. September 2022

Ein Bild sagt mehr

Ungarn hat die bei weitem niedrigsten Gaspreise in Europa. Seine Energieversorgung für kommenden Winter ist durch Verträge mit Rußland und dank der Gas-Pipelines über die Türkei und Serbien gesichert. Noch heuer wird mit dem Bau von zwei Atomkraftwerken begonnen, die die Versorgung mit elektrischem Strom auch für die nächsten Jahrzehnte sichern sollen und mehrheitlich mit russischen Krediten finanziert werden. 

In denen trotz des erwarteten weiteren Rückgangs der Bevölkerung (dzt. ca. 9,9 Mio, jährlicher Abgang ca. 50.000 Menschen durch Abwanderung und demographischen Rückgang) durch die Errichtung großer Inustrieanlagen, die ausländische Konzerne planen (zuletzt: Ein chinesischer Konzern wird die größte Fabrik für Batterien in Europa errichten) eine weitere Ausweitung des Strombedarfs erfolgen wird.


Mittwoch, 7. September 2022

Das Leben zurückholen (2)

Die neue Suche nach unserem gestohlenen Leben. Und wo wir es finden.Wenn man die heutigen Geburtenzahlen in Ungarn ansieht, zeigen sie dasselbe an wie in ganz Westeuropa: Der eklatante Rückgang (bis Mai 2022 waren es angeblich fast 20 Prozent) signalisiert den Verlust von "Leben", in mehrfacher Hinsicht. Auch an den Hochzeiten, die ich früher so häufig beobahten konnte, denn sie werden traditionell nach dem Akt am Standesamt und in der Kirche mit einem hupenden Autokonvoi der Stadtgemeinde angezeigt* wurden. Sie finden deutlich seltener statt, auch wenn ich keine offiziellen Zahlen kenne. Oder nur stiller? Aber sind das dann noch Hochzeiten?

Eben diesen Eindruck, daß alles schwächer, verloren oder zumindest verschwundener ist, habe ich allerorten, ja selbst bei mir: Diese letzten drei Jahren haben alles nahezu ausgelöscht, was vorher "mein Leben" gewesen ist. Kaum eine Gewohnheit hat überlebt, fast alle Alltäglichkeiten und Lebensweisen haben sich zu neuen Gewohnheiten formiert, Früheres müßte völlig neu aufgebaut werden. Und nichts entmutigt mehr als Sisikphos-Arbeiten. Man sieht auch kaum einen genug anregenden Ansatz dazu, also eine Notwendigkeit, Altes wieder aufzunehmen, das Leben also neuerlich umzubrechen, "zurück" zu drücken. 

Dienstag, 6. September 2022

Das Leben zurückholen (1)

Das Konzept, das dem totalen Umbau der Innenstadt von Sopron vor fünf Jahrenzugrunde lag, war auf ein Anhalten und Verstärken des Trends der Jahrte zuvor ausgelegt. Die den allmählichen Umbau der früheren Industrie- und, seit der Öffnung 1990 (aber in rasendem Tempo wieder als solche jede Bedeutung verlierenden) Einkaufsstadt Sopron (Ödenburg) zu einer Stadt des Gesundheitstourismus und der Sightseeing-Besuche vorgesehen hat. 

Mit guten Cafés, Restaurants, Parks, der Umwandlubg des gesamte Altstadtkerns in ein Museum und überhaupt netten Verweilmöglichkeiten wollte sich Sopron als Ausgangs und Stützpunkt für weitere Erkundungsreisen ins Landesinnere neu erfinden. Sogar eine Autobahn nach Györ und weiter dann nach Budapest wurde gebaut, die Hauptstadt ist mit dem Auto nun in unter zwei Stunden erreichbar. 

Unter Neubewertung aller seiner realen, bereits vorhandenen und noch verbliebenen Möglichkeiten sah sich Sopron vor allem auch als ungarischen Zugang zum südlichen Neusiedlersee-Gebiet. Eine entsprechende Neugestaltung des gesamten Uferbereichs des kaum 5 Kilometer entfernten Fertörakos war geplant, und mit dem Bau wurde (unter heftigen Protesten von Naturschützern) auch schon vor drei Jahren begonnen. Denn die Trennung von Österreich und Ungarn ließ den Magyaren nur den (angeblich aus wirtschaftlichen Gründen notwendig nachträglich reklamierten) Schilfgürtels im Süden, der nun zu einem Bade- und Freizeitressort mit offenen Wasserflächen ausgebaut werden sollte, um die längst bewiesene Fremdenverkehrstauglichkeit des österreichischen Teils des Sees nachzuahmen.

Aber das Konzept einer Soproner Zukunft hat eine schwere Delle bekommen.

Mittwoch, 24. August 2022

Der Fisch und der Kopf

   V. Orban - Rede Sommer 2022
Diese Rede Viktor Orbans, gehalten in diesem Juli in Ungarn, kann man nur beeindruckend nennen. Sie zeigt etwas, an das der gemeine Westeuropäer schon aufgehört hat zu glauben: Daß es noch eine Politik geben könnte, die von Vernunft bestimmt ist. 

Selbst wenn man das Salzkorn akzeptieren muß, daß die Ungarn in ihren Haltungen tradtionell seit je (vorsichtig formuliert) "sehr pragmatisch" am eigenen Vorteil orientiert, und deshalb charakterlich "sehr wendig" sind, ist Orbans Analyse der gegenwärtigen Lage Europas vor dem Hintergrund der Ukrainekrise bestechend. Sehr nüchtern bringt er zur Kenntnis, wie es "auf der Welt" aussieht. Erst wenn wir aber dazu bereit sind, kann man eine Perspektive aufbauen, die realistische Handlungsoptionen vorstellt. 

Sonntag, 10. Juli 2022

Weiteres zu Land und Volk der Ungarn

Unser Mitteleuropa
In "Unser Mitteleuropa" fand ich in diesen Tagen einen Artikel über die Ungarn und das Land. Wenngleich mein Urteil über Ungarn in den letzten Jahren wieder deutlich milder und (schon gar im Vergleich zum Westen) günstiger ausfällt, so konnte ich doch nicht umhin, dem Autor Elmar Forster, von dem ich schon recht brauchbare Texte gelesen habe, einen längeren Brief zu schreiben. 

In dem ich einige der in seinem Artikel vertretenen Ansichten als nicht wirklich gerecht oder sogar unzutreffend  kritisiere, auch wenn ich etliche andere seiner Sichtweisen teile. 

Während der Artikel nur im Link aufzurufen ist, bringe ich hier die per Brief versandte Antwort auch als quasi "öffentlichen Brief".

Sonntag, 3. Juli 2022

Gedankensplitter (1414)

Ein interessanter Gedanke, der da in einer Diskussion fiel: Die amerikanische Verfassung garantiert jedem Bürger das Recht auf die eigene Waffe. Das hat übrigens mit dem Willen der Gründergeneration des 18 Jhd. zu tun, sich und sein Land zu verteidige, die ersten Armeen Washingtons waren zivile Bürger, die zur Waffe griffen, und deshabl wurde es ein für alle mal festgeschrieben.

Was aber gemeiniglich übersehen wird ist, daß mit diesem Recht des Bürgers, sich zu bewaffnen um sich (und damit sein Land) zu verteidigen, die Polizei als Ordnungsmacht auch die Vollmacht hat, auf jeden, der eine Waffe trägt, im Verdachtsfall zu schießen.

***
Recht ähnlich verhält es sich bei asymetrischen Kriegen. Das heißt, daß eine angreifende offizielle, staatliche Armee - Uniformen, Rangabzeichen usw. sind ja kultivierende Aspekte des Krieges, sie machen ihn also menschlicher (da soll nichts relativiert oder in Anführungszeichen gesetzt werden, wenn Krieg, dann nur kultiviert, samt unterschiedlicher Rechtsprechung) - von jedem, der sich "verdächtig" verhält, auch annehmen muß, daß er eine Gefahr darstellt, also gewillt ist, die Waffe gegen den staatlichen Feind zu verwenden. 

Mittwoch, 22. Juni 2022

Einfach so fortgeschrieben

Was will uns der ukrainische Präsident Zelensky sagen, wenn er in die Medien bläfft, daß die Ukraine "westliche Werte" vertrete? Selten war er mir so gegen meine österreichische, deutsche, ungarische Welt gestellt wie in dieser Aussage. Sind die Ungarn (zumindest) nicht westlich, obwohl ich hier noch deutliche Unterschiede zur alles überzogen habenden amerikanischen "Wertewelt der Nicht-Werte" feststelle? Deutlich!
Das bringt mich auf die Idee, daß zelensky vielleicht gar nicht weiß, was er da sagt? Daß er also einem Irrtum aufsitzt! Wer von uns wird es ihm aber sagen?
Ich sehe mich nämlich als Abendländer, nicht als "Besitzer westlicher Werte." Und wenn ich das behaupte so ist es natürlich wie jeder Identitätsbegriff ein Sollwert, ein Ziel, um das herum ich immer wieder kreise. Das ich immer nur "mehr oder weniger" bin, aber sein WILL Diese Selbstüberschreitung ist aber erst das Tor für eine Identität. Der Rest wäre lächerliches Posieren. Ob das Zelensky weiß? Oder will er - und mit ihm die westlichen Ukrainischen - eigentlich die Ukraine auf Räder stellen und vor New York abstellen?

Aber was hat das mit mir zu tun wenn ich höre, daß die USA derzeit schon 300.000 sogenannte "Transgender-Kids" in offizieller Geschlechtsverwandlungsprozedur sehe, die noch dazu die unglaubliche Frechheit hat, sich "medizinisch" zu nennen? Wenn sich hier kein Mediziner aufregt - und es regt sich keiner auf - dann sind für mich fürderhin auch alle Mediziner Verbrecher und Kulturschädlinge.

Sonntag, 12. Juni 2022

Eine Kettenreaktion mit immenser Geschichte (2)

Das Jahr 535 als Schlüssel zur Gegenwart? - Aber die Schwächung der Awaren hatte eine weitere vielleicht noch folgenreichere Wirkung, denn diese obgenannten Völker waren zuerst einmal die Turkvölker in den die von den Awaren (dies allen übrigen Völkern in der Pferdezucht und -behandlung damals weit überlegen waren) bewohnten Ebenen umgebenden Gebirgen. Dermalen von den Awaren beherrscht, konnten sie diese nun selbst unterwerfen. Bis sie so stark wurden, sic so ausbreiteten. Die meisten der später auch in Europa anlandenden Völker sind eben Turkvölker, von der zentralasiatischen Steppe des chinseischen Ujguren-Landes über Kazachstans bis nach Ungarn. Also nicht nur die Koreaner (und damit die Japaner), die von den chinesischen Kulturen so enorm profitiert haben.

Was hatte es mit diesen Machtwechseln auf sich? Auch sie gründen in dieser Vulkankatastrophe des Jahres 536, so zumindest die These des Films (der auf dem Buch "Catastrophe" von David Keys beruht.) Im Gegensatz zu den Awaren, hatten diese Turkvölker nämlich eine gemischte Existenzweise, vor allem mehr Viehzucht. Vieh, Rinder zumalen, können aber mit weniger Futter auskommen, weil sie sorgfältiger verdauen als Pferde. Die Awaren hingegen konnten ihre Pferde, auf denen ihre gesamte Existenz wie auch militärisch-politische Macht beruhte, nicht mehr ernähren. 

Mittwoch, 24. November 2021

Die Art und Weise, in den Krieg zu ziehen

Die Auflösung des Sozialen, erfolgt durch die Auflösung der vergangenen Selbstverständlichkeiten, all der normalen, selbstverständlichen Verbindlichkeiten in allem, den Familien, den Ehen, den Arbeitsverhältnissen (wo sich jeder selbstverständlich verpflichtet fühlt, der zur hingebungsvollen Leistung, jener zum gerechten Lohn), den Nachbarschaften und und und (selbst ein Rettungswesen oder die Feuerwehr sind längst teilmonetarisiert, auch wenn es offiziell nicht zugegeben wird) hat zu Gewaltverhältnissen im Sozialen geführt. Wo das Gesetz der Durchsetzung, des Stärkeren, des Skrupelloseren nicht einfach gilt, sondern vor allem als Idealbild. (Allein die faktische Realität ist ja noch oft anders, aber sie wird durch das Ideal bestimmt und ihm gemäß verändert.)

Aber Gewaltverhältnissen ist auch der Umbau der alltäglichen Zustände in Kriege. Und tatsächlich zeigt der Sprachgebrauch, daß wir uns in lauter Kriegen befinden. Krieg gegen den Terror, Krieg gegen das Klima, Krieg gegen Corona, Krieg Krieg Krieg. Krieg bedeutet, daß die selbstverständliche Ganzheit des Lebens aufgegeben wird, und zugunsten des Teilzieles - des Bestehen des Ganzen - der Strategie des Staates alles unterworfen wird. Um von diesem Kriegs- und Kampfgeschehen her das Leben bis ins Kleinste hinein besitzen zu lassen.

Karl Eugen Gass* schreibt einmal in seinem wunderschönen und wie die goldgelbe Abendsonne reifen "Pisaner Tagebuch", daß man die Herrschaftsform eines Staates an der Art erkennen kann, wie der Einzelne in den Krieg geht. 

Donnerstag, 11. November 2021

(Nicht nur) Ungarische Phantasien

Sämtliche dieser Bilder sind von "mitteleuropa" übernommen, dort liegt auch die Urheberschaft. Den Text dazu möge der Leser eben dort nachlesen. Uns sollen die photographischen Eindrücke genügen, die das Thema der "wahren ungarischen Frau" illustrieren. Die die Verbindung mit dem ursprünglichen Ungartum sucht. Und angeblich findet. Davon aber, so der Artikel, hängt die Zukunft Ungarns ab.

Wie auch immer, wir schließen hier an die vor langen Jahren einmal gepflegte Reihe von Bildern über "die Frau" an. Ansonsten kennt der VdZ freilich eher Männer, die in Ungarn zu Pferde die Kunst des Schießens mit dem sehr originären ungarischen Schichleim-Bogen pflegen. 

So nebenbei: Wer an der Effektivität von Pfeilen als Tötungsinstrument zweifelt, den kann der VdZ eines besseren belehren: Auch er hätte nie geglaubt, welche Wucht auf welche Entfernung (dabei mit welcher Präzision abzuschießen) so ein urtümliches Kampf- und Jagdwerkzeug entwickeln, welche Folgen es verursachen kann, hätte er es nicht selbst einmal gesehen. Und zwar bei einem betont nordgermanischen Allgäuer. (Traditionsbewußte gibt es also nicht nur in der Puszta.) 

Freitag, 15. Oktober 2021

Parallelgesellschaft von Verrätern und Betrügern (1)

Sind es fünf, sieben, acht Jahre, die ich bei diesem einen türkischen Fleischhauer auf einem der Wiener Märkte Schaf- und Kalbfleisch kaufe? Auf jeden Fall ist es lang, und das Mißtrauen ist erst allmählich gewachsen. Anders, als man es sonst bei Stammgeschäften erlebt, habe ich bei Angehörigen östlicher, südöstlicher Völker den Eindruck, daß mit der Vertrautheit nicht nur das Bemühen nachläßt, den Kunden von der Qualität her zufriedenzustellen. Sondern mit der Sicherheit, daß dieser "ohnehin wieder kommen wird" wächst auch die Bereitschaft, ihn zu betrügen.

Und was in den letzten Jahren noch ein Verdachtsgefühl war, das sich freilich ständig gesteigert hat, hat sich zuletzt dann nachweislich ereignet: Er hatte mich um fast die Hälfte des Wertes betrogen, das heißt, weniger Fleisch zu einem höheren Gesamtpreis (in den er sämtliche Teilkäufe - Gulyasfleisch, Schlögel, Koteletts, Braten/Bauch usw. - zusammenfaßte) über den Ladentisch gelegt. Und dabei meinen Einwand, er möge doch (es war aber nur ein Detail, ich habe erst zu Hause das Gesamtausmaß des Betruges erkannt) alles separat verpacken, ignorierte.

Und so, wie er alles in einen Gesamtpreis floß, den er - es fielen mir nun immer mehr Details auf - wortreich in eine wie durch ein Lotteriespiel "ermittelte" Summe verpackte, so verstand er es auch hier, den "weggeworfenen weil nutzlosen" Knochen (den ich aber im Gewicht bezahlt hatte) "wegzureden." Es ging einfach alles zu schnell, und auch diese Eile erkannte ich endgültig als Taktik.

Wenn ich zusammenfasse, dann hatte er mich schon jahrelang und in zunehmendem Maß betrogen. Und mein - mein! - wachsendes Vertrauen immer mehr ausgenützt. Bis er nun den Bogen überspannt hatte. Aber er wird auf meine Käufe verzichten können, denke ich, denkt wohl auch er. Hat er sich doch seinen Gewinn für Jahre im Voraus bereits gesichert. 

Montag, 9. August 2021

In wessen Schoß die Macht ruht (1)

In der Frage, wer das wahre Oberhaupt der österreichischen (als Teilmenge der deutschen) Völker ist, zeigt sich eine heiße Spur. (Denn die "demokratisch gewählten" sogenannten Volksvertreter sind es sicher nicht. Sie sind ein fragiles und sich dieser Fragilität bewußtes Scheintheater einer Machtusurpation, der jede absolute Legitimität einer Machtausübung fehlt. 

Allerbestenfalls kann in unvermeidbaren Fällen, die ein subsidiäres und föderalistisches, pseudo-staatliches Handeln (die Bundesländer Österreichs sind 1919 per Zwang zu einem Staat zusammengeschlossen worden) erfordern (etwa im Kriegsfall) von stellvertretender Handlung gesprochen werden, die aber keine dauernde Politikerkaste erforderte. Die österreichische und die deutsche Politik haben also keine Führung im eigentlichen Sinn, die aus sich heraus handeln, gestalten, schon gar verändern könnte.

Aber ein Volk kann sich keine Regierung selbst "geben". Das ist metaphysisch unmöglich. Es kann bestenfalls "so tun als ob", und dann eine groteske Komödie abziehen.

Dienstag, 4. Mai 2021

Vielleicht hat der Leser eine Antwort (2)

 Teil 2) Woher aber kommt das Geld?


Aber das ist noch nicht alles, werte Leserschaft. Es hat sich noch etwas anderes gezeigt, und das ist nun wirklich spannend, und der VdZ kann sich auch keinen so wirklichen Reim daraus machen. In derselben Zeitung vom 13. April dieses Jahres ist nämlich etwas über das Sparverhalten der ungarischen Familien zu lesen. Ausgehend von der Nachricht, daß der ungarische Staat eine nächste Anleihe begeben wird, die in Ungarn "Superanleihe MAP+" heißt. Und nun bei einem Gesamtvolumen von 5.500 Milliarden Forint (rund 15,6 Milliarden Euro) anlangt. 

QR Defizit Ungarn

Diese Anleihe muß man als Teil einer Strategie sehen, die Orban seit Jahren verfolgt. In den mittlerweile zehn Jahren seiner Amtszeit hat sich die Verschuldung des ungarischen Staatshaushaltes immer mehr ins Inland verlegt. Insgesamt, so die Budapester Zeitung, betragen die staatlichen Anleihen, die vorwiegend Familien halten, bereits 9.300 Milliarden Forint (rund 26,5 Milliarden Euro). Seit 2010 hat sich die Verschuldung des ungarischen Staates bei seinen eigenen Bürgern (also: Familien) von 3 Prozent auf stolze 25 Prozent seiner Gesamtverschuldung erhöht. Und das, so die Zeitung, habe in der Corona-Krise wesentlich dazu beigetragen, daß der ungarische Staat so stabil gewesen sei.** Immerhin sind alleine 2020 die gezeichneten Superanleihen um 1.000 Milliarden Forint (rund 2,8 Milliarden Euro) gestiegen. 

Und wenn wir schon bei Zahlen sind: Im ersten Quartal 2021 hat der ungarische Staat (ohne Kommunen) ein Haushaltsdefizit von 1,144 Millliarden Forint (800 Millionen Euro) eingefahren.

QR Inflation Ungarn

Nun nehmen wir noch ein paar Eckdaten her.

Montag, 3. Mai 2021

Vielleicht hat der Leser eine Antwort (1)

Wie war das mit den Hilfen für Familien und erhöhter Fertilität in Ungarn? Da sind Milliarden im Spiel, gewiß, und man merkt es vor allem an den großen, schwarz-metallisé blitzenden SUVs, die das Straßenbild beherrschen. Milliarden, die fast ausschließlich zu den Frauen fließen. Mit welchem Argument? 

Festhalten! Weil die Kinder (bei Scheidungen) ohnehin meist bei den Frauen bleiben. Und weil Frauen die eigentliche Belastung mit den Kindern zu tragen haben. Das sagen die Politiker ganz frei, und niemand denkt sich etwas dabei. Es ist ja auch bald vergessen.

Daß aber nicht einmal das mit der Belastung stimmt, darüber werden wir zu gegebener Zeit hier noch handeln. Denn es ist ein dramatischer Irrtum, der mit der subjektivistischen Wende der letzten 200 Jahre der Weltbegegnung zu tun hat, die die abendländische Kultur auf Verdunstungstemperatur gekocht hat. Davon ist natürlich auch Ungarn nicht ausgenommen, denn Orban hin und Jobbik* her - das genuin Individuelle ist immer in ein übergeordnet Größeres eingebettet. Das heißt, daß ERST das Abendland in seiner Gesamtentwicklung steht, und DANN die Variierung durch "die Magyaren" erfolgt. 

Aber wir greifen heute das Thema auf, weil sich außer den großen Schlitten (achja, SUVs sind "familiengerechte Wagen", das hat der VdZ ganz vergessen, die da als Trostpreis und Spielzeug für die Männer bei der "Familienförderung" rausspringen, und so mancher wird damit sogar zufrieden sein, zumindest bis die Kiste auseinanderfällt) in weiteren Bereichen ein Zuwachs abgezeichnet hat. Der nicht schwer zu prognostizieren war. 

Das ist zum einen der rasante Anstieg der Immobilienpreise im Land. Ausgerechnet in einer Zeit, in der die Einwohnerzahl von Jahr zu Jahr sinkt, weil die Abwanderungsrate einfach zu hoch ist, wirkt das etwas befremdlich. Und in den Gesprächen mit Ungarn hat sich in den letzten zehn Jahren offenbar wenig geändert. Sie sehen nach wie vor das Leben im Westen (mit besonderer Liebe zu Österreich und Deutschland) als Lebensziel. 

Und das ist zum zweiten der dramatische Anstieg der Kosten für Neubauten. Alleine 2020 sind die Kosten für neuerrichtete Wohnhäuser um zehn Prozent

QR Budapester Zeitung

gestiegen, berichtete unlängst die Budapester Zeitung. Wäre interessant auszurechnen, wie hoch nur die Preissteigerung in absoluten Zahlen ist. Darf der VdZ wetten? Sie ist genauso hoch oder höher als der absolute Betrag, den Orban medienwirksam "für Familien" ausgibt.

Genau das, Wohnraum, sollte mit der in manchen rechten und katholischen Kreisen im Kampf gegen die demographische Katastrophe des Abendlandes hoch gepriesene Familienförderung aber gefördert werden. Daß Familien gerne mehr Kinder wollen, weil damit dann auch ein leichter weil großzügig vom Staat geförderter oder gar bezahlter Zugang zu ausreichend und qualitativ schönem (weil neuem) Wohnraum verbunden ist. (Und, natürlich, zu einem Auto, das genug Platz für alle hat.)

Und die Förderungen sind wirklich hoch, wir haben schon berichtet. Da springen schon mal 100.000 Euro und mehr raus, nicht rückzahlbar, wenn sich ein Pärchen vertraglich verpflichtet, zu heiraten und binnen etlicher Jahre drei Kinder in die Welt zu setzen; wobei wie gesagt es explizit die Frau ist, die diese Gelder lukriert. 

Wer in dieser eigentümlichen Vernutzung von Kindern und Menschen (ein Mensch ist immer Selbstzweck; Kinder zu "züchten", weil man sie zum Gesellschaftserhalt braucht und deshalb für sie "bezahlt", ist für einen katholischen Staat nicht zulässig) ein ethisches Problem wittert, sollte das lieber für sich behalten, wenn er in konservative(re)n Kreisen akzeptiert werden sollte.

Die Familienförderung mit der Ungarn (und Polen, übrigens, da ist es angeblich ähnlich, zumindest hat Orban es gerne als Vorbild zitiert**) ist aber gar keine. Und das wollen wir hier sagen und zeigen. Die Statistiken, die voriges Jahr von einem riesigen "Erfolg" zeugten, sind Einmal- und Nachzieheffekten geschuldet. Langfristig hat man NOCH NIE MIT GELD Familien "gefördert." Nirgendwo in Europa. 

Die ungarische Familienförderung ist also ein Schuß ins Ofenrohr. Und zwar aus mehrfachen Gründen, die nicht nur komplex sind, wie sich bereits jetzt zeigt, sondern auch noch ganz andere Fragen aufwerfen. Auf die vielleicht der Leser eine Antwort findet. Denn der VdZ sieht vor allem aufgeworfene Fragen.

Zuerst einmal, weil das Fördergeld vom Markt sofort aufgesogen wird. Der auf höhere Solvenz der Kunden und steigende Nachfrage ganz einfach mit höheren Preisen reagiert.

Wobei wir gar nicht darüber spekulieren wollen - und das plausiblem Hintergrund - daß die Paare mit diesem geschenkten Geld auch etwas "lockerer" umgehen, um es so rasch als möglich loszuwerden. 
Denn immer ist mit willkürlich zugeführtem Geld, das das Niveau übersteigt, das dem sozio-ökonomischen Geflecht entspricht in dem ein Mensch eingewoben ist (und mit dem sein Rechts-, Wert- und Selbstgefühl untrennbar verbunden ist), unmittelbar das Gefühl von Schuld verbunden. Wo im Nebeneffekt der "Geförderte" versucht, dieses ihm nicht "gehörende" Geld rasch wieder loszuwerden.*²*

Damit ist nur eines erfolgt: Eine Umverlagerung. Keine "Förderung". Eine Umverlagerung der Familienordnung. Und das ist die in Wahrheit mittel- und langfristig familienzerstörerische Zeitbombe, von der hier bereits die Rede war. Nicht in Zeiten, wo alles eitel Wonne ist, sondern wenn das Wetter umschlägt, die Sorgen größer werden, der Mann mit dem Rotz kämpft, und das tut jeder immer wieder, der schöpferisch tätig ist. 

Dann stellt sich plötzlich heraus, daß die Frau das existentiell stabile Element ist, die ist, an der das Bestehen der Familie hängt und durch sie gesichert ist. 

Also schauen wir uns an, erste Reihe fußfrei, was mit einem Großteil der Ehen passieren wird. Weil die Ehe nur Ehe ist, wenn sie das hierarchische Zueinander von Mann und Frau berücksichtigt. Das wird mit der Verlagerung der realen weil finanziellen, existentiellen Macht zu den Frauen, die "die Männer gar nicht mehr brauchen", gewaltig erschüttert. 

Weil es eine ontologische Spannung grundlegt, die sich auch immer zum Ausdruck bringt. In der der Mann den Druck fühlt, um die Vorherrschaft zu ringen, während die Frau die Vorherrschaft über den Mann tatsächlich ausübt weil in der Hand hat. Auch wenn sie bei "viel gutem Willen" (vielleicht stammt sie aus einem sehr traditionellen christlichen Umfeld, dort soll es ja Zauberer geben) so tut, als könne sich trotzdem der Gehorsam dem Manne gegenüber ausreichend verwirklichen. Lachhaft. Der Mann kann auf den Ämtern ja nicht einmal alle Verträge "namens seiner Familie" (die unter seinem Namen firmiert) unterschreiben.

Naja, und weil die Kredite auf die Frau gehen, hat der Staat Ungarn unter Viktor Orban (der, werter Leser, seinerzeit mit dem Stipendium einer George-Soros-Stiftung an einer Londoner Wirtschaftsuni studiert hat) seine liberale Modernität unter Beweis gestellt - 

"Leute, der IST doch gar nicht "konservativ-rückständig-rechts!" (denn so gut wie jeder "Rechte", der in Wahrheit liberal ist, hat diesen enormen Druck, sich als "ich bin doch gar nicht so" zu beweisen, was die paradoxe Situation gebracht hat, daß so gut wie überall und immer "rechte" Parteien in unsren Ländern sozialpolitisch am progressivsten und radikalsten waren)

- indem nun die Frau (die die Kinder hat) auch locker eine "neue Ehe" eingehen kann. In der sie es mit einem anderen Mann und Vater probiert. Klingelt es noch immer nicht? Na dann vielleicht morgen.

Morgen Teil 2) Woher aber kommt das Geld?

*²*Damit erklärt sich die Beobachtung von Ludwig von Mises, der genau diesen Effekt beschrieben hat: Geldzufuhr hat eine (Volks-)Wirtschaft noch nie befördert, sondern immer geschädigt. Es hat außer Inflation und beschädigten Preisgefügen (und: Korruption, wie sie sich im Sozialstaat als Sozialbetrug im Nebeneffekt der bald allgemein werdenden "Jagd nach Sozialleistungen als Einkommensquelle" äußert) nie etwas Positives bewirkt. Das gilt für Familien nicht weniger.

QR Demographie Polen
**Die demographische Realität in Polen ist wie in ganz Mittel-Ost-Europa dramatisch, und wird jährlich weiter schlimmer. Die Geburtenraten gehen überall NACH WIE VOR ZURÜCK, obwohl auch Polen viel Geld verschenkt und das "Familienförderung" nennt. Die dafür sorgen soll, daß mehr Kinder geboren werden. Wo immer also Viktor Orban bzw. sogenannte "katholische Medien", die blöd genug sind, um PR-Jubelmeldungen jeder Art zu veröffentlichen, wenn sie nur ihren Phantasien entsprechen, jene "Statistiken" herhaben, die einen angeblichen Erfolg der Familienförderung belegen sollen - es ist Unsinn. Man muß vielmehr zugeben, daß im gesamten ehemaligen Ostblock eine seelische Depressionsdynamik zugange ist, die ganz andere Ursachen haben muß. Und vermutlich, geht man ihr nach, viel Aufschluß über die Lebenskraft von Völkern und Kulturen aufzeigen und belegen könnte. 


Sonntag, 2. Mai 2021

Und wirtschaften im Paradies (2)

 Teil 2) Es hat etwas von Paradies


So hält der VdZ es ja (und seit je) mit praktisch allen Geschäften in seinem unmittelbaren Wohnbereich. Seit je. Und er hat einmal gerechnet (aber sagen Sie das nicht weiter, werter Leser). Er ist damit immer auch pekuniär am besten gefahren. Weil das, was auch der Betrieb dann für einen tut, mit der Zeit zumindest von immer mehr Geschenkhaftem ergänzt wird.

Und dann wird etwas erfahrbar, das der VdZ als Vorgriff, Ahnung und Erinnerung an einen Idealzustand des menschlichen Zu- und Miteinander betrachtet. Wo Wirtschaften nicht zu einem Verhältnis von Produkt und Preis wird, sondern zu einem wechselseitigen Beschenken. Wo einer den anderen an seinem Gut teilhaben läßt. Wo man einen Preis bezahlt, gewiß, und eine definierte Leistung erhält, was sonst, aber wo der Umgang miteinander den Charakter eines durchaus beglückenden Spiels angenommen hat. 

Wer das noch nicht erlebt hat, ist nur zu bedauern. Wer Wirtschaften und geschäftlichen Umgang miteinander nur als todernste Rechnung kennt, der sollte sich Sorgen darum machen, ob er überhaupt noch lebt.

Samstag, 1. Mai 2021

Und wirtschaften im Paradies (1)

Es sagt etwas über den Geist der Ungarn aus, worüber die Budapester Zeitung am 9. April berichtet: Dem Staat gehe, so schreibt die Zeitung, die Geduld aus. Deshalb würden die Strafen für Fahren ohne Führerschein, die bisher bis zu 400 Euro betrugen, nicht einfach erhöht, sondern durch die Drohung von Gefängnis definitiv verschärft. Eine Geldstrafe alleine wirkt nämlich nicht, wie die Statistik zeigt. Alleine in den ersten drei Monaten des Jahres 2021 wurden über 3.000 Ungarn wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis angezeigt. 

Donnerstag, 1. April 2021

Im Bemühen, den richtigen Nagel zu treffen (3)

 Teil 3) Ungarn sowieso.


Ungarn sowieso. Das gibt halt gerne bei Themen, wie sie Polen der EU an den LGBT-Latz gepatzt hat, seinen rhetorischen Senf dazu. Aber man wird vor allem dort die Praxis abwarten müssen. Weil die in Ungarn gerne einmal dem verlauteten Ziel sogar widerspricht. Wie bei der vielgepriesenen Familienförderung (und, mit Verlaub, katholisierende Personen oder Gemeinschaften im Westen lassen sich meist schon durch Henkel-Begriffe spielend leicht triggern; der Heilige Geist ist leider gerne woanders zu Hause, auch wenn sein Lager noch warm ist.) Ungarn verschüttet als "Politik" bestenfalls jede Menge Geld. Buchstäblich. Aber Geld, das nicht dem Standeswesen entspricht weil dessen Seinsspannung adäquat ist, hat einen für jedes soziale Gefüge auflösenden Effekt. Sodaß Ungarns Politiker in obigem Sinn gerne einmal "schizoid" sind. 

Man denke an die "Familienförderungsmaßnahmen" der letzten Jahre, die Viktor Orban gerne ins Schaufenster stellt, will er bei Konservativen punkten. Damit sollen Frauen angeregt werden, Kinder zu kriegen, Paare, sich das Ja-wort zu geben. Aber damit wird alles andere gemacht als "Familien" gefördert. Weil solche nur solche im eigentlichen Sinne sind, wenn sie auf der Ehe aufbauen. Die zwar in Ungarn per Verfassungsrang als "Gemeinschaft von Mann und Frau" definiert ist, und die sogar - welche perfide Selbsttäuschung! denn Irrtum in der Sache ist immer vor allem das! - auf der "Ehe" gegründet sein solle. Aber ist jedes Paar aus Mann und Frau, das sich vor dem Standesbeamten das Ja-Wort gibt, auch ein Ehepaar!

Herrschaften ... nein. Somit sind auch die ungarischen Verfassungsgesetze nur als präventive Maßnahme gegen allfällige und bei zukünftigen Machtwechseln realistisch zu erwartende Zersetzungsmaßnahmen sehen kann. Denn an sich ist es Unsinn weil Tautologie. 

Aber das reicht noch nicht, um eine Ehe im Wesen zu beschreiben, ja ist weniger als zu wenig. Ehe ist, wenn sie sein will, weit mehr als "Mann und Frau," die es sich dann ausschnapsen. Sie ist auch keineswegs einfach ein "Vertrag" zweier gegengeschlechtlicher Menschen, sagen wir: Mit Rechten und Pflichten (wo es für die Männer übrigens ganz schlecht aussieht, das nur nebenbei.) Sie ist vielmehr der Eintritt in einen Ort mit und unter bestimmten Bedingungen, die dem Wesen der Ehe gemäß sind. 

Und dieses ist (hörthört!) ein hierarchisches Zueinander von Mann (als Haupt) und Frau (als Leib.) Trage man DAS einmal den Menschen vor, Herr Orban, und DANN können wir von Familien sprechen. Vorher - nicht! Vorher ist alles eine Mogelpackung, das verhüllen soll, daß zwar der Berg kreißte, aber ein Mäuslein entsprang. 

Entsprechend ist der Pallerwatsch, der aus diesen Familienförderungsmaßnahmen angerichtet wurde, vorhersehbar und schon heute aussagbar, nur ist hier nicht der Platz dafür. 

Und entsprechend vorsichtig wird man sein müssen bei der Beurteilung des polnischen Vorstoßes, der sich gegen LGBT richtet. In der Praxis wird sich erst das wahre Motiv erweisen: An dem, was wirklich bewirkt wird. Und das zeigt sich (wie bei Impfstoffen) erst nach einer langen Reihe von Jahren.



*Die ersten richtig guten Untersuchungen dazu in den letzten vierzig Jahren, die nach wir vor ihre Gültigkeit haben, finden sich in den Publikationen des Niederländischen Psychiaters Gerard van den Aardweg. Sein "Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen" ist nach wie vor ein großartiges, erhellendes und die Homosexualität substantiell begreifbar machendes Buch. Der durchschnittliche Bildungsstand der Allgemeinheit in diesem Bereich ist immer noch dermaßen niedrig (weil ignorant, von Zeitgeistmoral-Imperativen blockiert) daß diese mittlerweile vierzig Jahre alte Untersuchung kaum bekannt ist. Dabei würde der Hausverstand (der VdZ hat es schon häufig beobachten können) aufatmen, und Menschen mit Hausverstand sind von sich aus häufig bereits auf dieselben Schlüsse gekommen, die ihre eigenen Erfahrungen und Beobachtungen erhellen. 

²Man sieht es an der "Ehe für alle". Bei der es um eine prinzipielle Diskussion geht, die gewiß gewiß sehr wichtig ist, die aber in der Praxis überhaupt keine Bedeutung hat, die der medialen Lautstärke auch nur annähernd entspricht. In Österreich etwa werden heute pro Jahr keine fünf Dutzend "Ehen Homosexueller" abgeführt! Und selbst in dieser Zahl sind noch etliche Scheinpatienten, bei denen es um etwas ganz anderes, viel Praktischeres geht. Etwa um Sozialbetrug durch getürkte Partner-Rentenansprüche.

**Damit sind wir sogar exakt in der "geistigen" Grundlage des Liberalismus. Der von der irrationalen Utopie ausgeht, daß sich in menschlichen Gesellschaften immer ein Bedürfnis-Befriedigungs-Gleichgewicht einstellt, sofern man die Menschen sich selbst überläßt. Ein Staat ist somit lediglich eine posthoc-Servicestelle, die bei nicht von Einzelnen erfüllbaren Bedürfnissen erwünscht ist. Sofern jemand Unrecht erleidet (das lediglich das Unlustempfinden bei Nichterfüllung von Bedürfnissen ist) ist er gewissermaßen selber schuld, weil er seinen Bedürfnissen nicht ausreichend Nachdruck verleiht. Wozu ihn die totale Emanzipation der totalen Aufklärung ermächtigen soll.


*230321*

Mittwoch, 31. März 2021

Im Bemühen, den richtigen Nagel zu treffen (2)

 Teil 2) Kinder sind eben kein "anderes"


Der Gleichgeschlechtliche bleibt gewissermaßen in der Bauchhöhle der Mutter geborgen, die er nicht verlassen will. Deshalb finden sich bei neunzig Prozent der Homosexuellen engste Verbindungen zur Mutter.* Während es bei Lesben, sehr vereinfacht dargestellt, eine Identifikation mit dem Vater gibt, die Mutter aber abgelehnt wird. Im Ablehnen des Eigenen sind diese Gruppen also gleich. ABER diese Ablehnung des Eigenen erfordert einen sehr starken Schutz einer solcherart gelebten Existenz. Die somit sozusagen eher "im Verborgenen" bleibt. 

Darin paßt das wehrlose, identitätslose Kind perfekt. Das über subjektive Gefühle - die entscheidende (angebliche) Urteilsgrundlage, ja Legitimation (und Legitimitätsausweis in einer Kultur des Subjektivismus) des Gleichgeschlechtlichen - zu einem Verhalten geführt, das dieses  "Bedrohungsgefühl durch das (anthropologisch) andere"  (das in der gleichgeschlechtlichen Verbindung eine schwache Form der Polarität imitiert: es gibt in solchen Beziehungen jemanden, der den Vater, jemanden der die Mutter "spielt") zur Persönlichkeitsgrammatik macht. 

Das ist sogar die generelle Legitimitätsepistel der Pädophilie überhaupt! Wir haben es ja schon oft dargelegt, daß in einer Kultur, die meint, das "eigene Gefühl" wäre die entscheidende Grundlage der Weltorientierung das subjektive Wohlgefühl** 

Die Frage erhebt sich aber nun, wie Polen meint, dieses Problem lösen zu wollen. Rein praktisch gesehen erhebt sich die Frage, worauf dieses Einschreiten der Behörde fußen könnte, will sie verhindern, daß diese Umgehung des eigentlichen Zieles der Adoptionsgesetze nicht doch geschieht. Will sich die Behörde nun das Recht nehmen, die Integrität der Familie (das ist die des "Hauses", als hierarchische Struktur) zu durchbrechen, und durch Beamte, die das Recht auf jederzeitigen Besuch haben, beurteilen zu lassen? 

Will sich die Behörde in Polen durch ihre Vertreter nun anmaßen, höchstpersönlich zu beurteilen, ob das Vorhandensein von zwei Männern "Freundschaft" ist, oder eine homosexuelle Beziehung? Daß zwei alleinerziehende Frauen, die es sich so eingerichtet haben, daß sie kosten- und sonstwie -sparend ein Haus gemeinsam bewohnen, lesbisch und damit nicht adoptionsfähig (vielleicht gar unfähig, eigene Kinder zu erziehen?) eingestuft werden? 

Wird damit nicht dieses enorm hohe Gut - Integrität, Unverletzlichkeit der Familie - dem in diesem Fall sicher geringeren Gut (mit Verlaub, beim präventiven Kindesschutz muß man davon sprechen) geopfert? Wäre das so, werte Polen, muß man dann nicht zu Recht davon ausgehen, daß hier nicht das Wohl der Bürger im Zentrum steht, sondern ... ein wie immer gearteter, jede gerechte Moral überziehender Moralismus? Denn dann, werte Polen und werte Leser, bewegen wir uns wirklich gefährlich auf einen Faschismus zu. Und diese "moralische" Form des Freiheitsentzugs wünscht sich niemand. Der VdZ jedenfalls nicht.

Somit wird man abwarten müssen, wie Polen verhindern will, daß die Adoption von Kindern durch Alleinerziehende, die in Wahrheit gleichgeschlechtlich Orientierte sind (die als orientiert-sein-Wollende besser bezeichnet sind) und elegant das Adoptionsverbot, von dem sie sonst betroffen wären, umgangen werden kann. Und ob hier große gesetzliche Maßnahmen festzulegen dann klug sind, weil es etwas viel Wesentlicheres - die substantiellen Freiheitsrechte und -pflichten der Menschen! - zerstört. Gerade das LGBT-Thema aber hat eine besodere Eigenschaft, die so vielen Emanzipationsthemen (als Themen des Loslösens aus einer Ordnung) gemein ist: Sie verträgt nicht viel lautes Gerede. Sie ist ein eher stummes Thema richtigen, ja energischen Handelns.

Nicht zuletzt deshalb muß einer jede Rechtsgemeinschaft - stillschweigend - ertragen, das ist eine der Folgen der Erbsünde: Daß es in der Freiheit, die der Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott entspricht, und die ein Akt viel mehr als ein Zustand äußerer Einrichtungen ist, auch die Möglichkeit eingeschlossen ist, sie zur schlechten Tat zu mißbrauchen, sich gegen das Gut und das Gute zu entscheiden. Diese Risikobereitschaft kennzeichnet nicht nur jede Kultur, die eine solche sein will, zumalen wenn sie christlich zu sein behauptet (wie die polnische), dieses Risiko macht nicht nur ihren besonderen Reiz aus, sondern ist Vorbedingung für das Schöpferische selbst. Ohne das es zu keiner Ausfaltung der Schöpfung zum Lobpreis Gottes kommen kann.

Morgen Teil 3) Ungarn sowieso.


*230321*