Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Feuling (Daniel OSB) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Feuling (Daniel OSB) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 24. Juli 2011

Zufrieden mit der Hölle

Wenn Daniel Feuling OSB in seiner "Glaubenslehre" schreibt, daß letztlich wir selbst es sind, unsere Gewissen es sind, die uns Gericht sprechen, nach dem Tode, so weht um diesen Gedanken große Ahnung, wozu denn das menschliche Erkennen - das es nur auf der Basis der Freiheit gibt - dienen soll.

Denn über das Erkennen bildet sich im Erkennenden jener Horizont, in dem er lebt. Und der ihm auch dereinst das Gericht spricht, gewiß, was sonst. Aber so wird auch deutlich, daß die Teilhabe an der Wahrheit das entscheidende Kriterium dafür ist, wo wir einmal landen. Dereinst, nach der Neuschöpfung, wenn unserer Seele wieder ein Leib zugedacht wird, aus der materia prima, wie Thomas von Aquin das beschreibt - aus der ungeformten Materie, die reine Potenz ist. Das macht sogar die Bedeutung der Kunst noch faßbarer, bei deren Betrachtung sich im Betrachter das Gute bilden soll, in dem er sich aufrichtet zum Ewigen, das ihm einmal Heimat sein wird.

Wir leben also auf ewig in jener Welt, die wir uns in diesen Jahrzehnten unseres Erdenlebens im Geiste aufbauen, zu der wir selbst uns - in der Gnade Christi, aber auch in allem Bemühen um Freiheit - erlösen lassen.

Feuling zitiert noch einmal Thomas: denn der habe (ich habe es nicht prüfen können, weil die Stelle nicht gefunden) auch gemeint, daß Gott in seiner Güte die Strafen für jene, die sich kraft ihres Lebens, ihrer Charakterprägung für das Nicht-Sein, für das rein Irdisch-Immanente entschieden haben, also in der Hölle der Gotttrennung enden, nicht in vollem Ausmaß vollziehen wird. Thomas habe gesagt, daß diesen die bloß irdische Glückseligkeit sogar bleiben wird, es fehlt allerdings alle Übernatur, alle paradiesische Seligkeit.

Das wird dem atheistischen, nein: a-religiös banalen Geist der Gegenwart ja genügen. Der ja nicht einmal die Sehnsucht der Heiden der Vorzeit mehr ernstnimmt, die sich nichts mehr gewünscht haben, als die Begrenztheit des Irdischen - wo erst das Menschsein im eigentlichen Sinne anfängt, im Geist! (Gott ist reiner Geist) - zu durchbrechen, um am ewigen Glück teilhaben zu können. Eine Welt ohne Geist ... fast könnte man meinen, wir hätten sie schon erreicht. (Oh nein, ich spreche gewiß nicht von so manchem Wesenhaften, das auch als "Geist" bezeichnet wird, und Dämonie - weltimmanenten, ausweglosen Geist - meint.) Eine Zeit, in der wir nicht einmal mehr über das Paradies nachdenken, eine ewige Glückseligkeit als Sehnsucht, als Traum, keine Rolle mehr spielt.

Und? Ist's so schlimm?

Sehen Sie, das ist das eigentlich Erschreckende: die Antwort, die man darauf erwarten kann. Stell Dir vor, es ist Hölle, und keiner merkt's. Weil keiner mehr weiß, was Schönheit und Glück ist, und auch keiner mehr damit rechnet. Sodaß wir die Rollbalken zum Sein heruntergelassen haben, zunehmend in uns gefangen - uns selbst Horizont, uns selbst Paradies.


***

Sonntag, 17. Juli 2011

So lebt denn Gott in mir

Lieben heißt, das Wesen des Geliebten, sein Wesen und sein Gutes in sich aufzunehmen. So bestimmt das Geliebte den Liebenden, der Besitz vom Wesen des Geliebten ergreift, es sich aneignet, um es so ganz zu erkennen. Liebe ich das Schöne, das ich sehe oder höre, so wird die Schönheit dieses Schönen mein, indem es mein inneres Wesen real bestimmt und weitet. Liebe ich den Freund in der Tugend, so wird das Tugendhafte mir zur Fülle und Kraft des Daseins und des Lebens in realer Weise.

Liebe ich also Gott, so lebe ich durch Gott in mir. Liebe ich die Welt, lebe ich durch die Welt in mir. Liebe ich in Gott den Menschen, so leben Mensch und Gott in mir: sie sind mein Leben.

Aller Sinn des Daseins ist Gutsein, und Gutsein ist die Fülle oder die Entfaltung eines Seienden. Alles Tun im Leben hat sein Ziel in dieser Fülle und Entfaltung eines Seienden in seinem Sein. Nur daraus läßt sich "Gesetz" überhaupt verstehen - sie soll die Tat auf dieses Ziel hin lenken. Nur in der Liebe aber erfüllt sich der Sinn der Schöpfung, sie steht insofern über allem Gesetz, als sie direkt am Gutsein hängt. Ohne daß sie je ein Nichtsein wollen kann - dann würde sie zum Haß, zum Bösen.


***

Sonntag, 8. Mai 2011

An seinen Platz gestellt (Tugend)

Eine schöne Definition von Tugend findet sich in Feuling's "Glaubenslehre": Die Tugend ist die "personal bemessene und bestimmte, wesensgemäße Einordnung in die Welt und in die Menschheit und zu Gott."

Nur der, der am rechten Platz steht, nur der kann auch mit einer rechten, ausgewogenen Entfaltung der Tugend rechnen, während das Anstreben der Tugend ident ist mit dem Suchen und Annehmen des rechten Platzes.

Wobei es gut ist auf den dynamischen "Ich-"Begriff hinzuweisen, wie ihn u. a. Ebner herausgearbeitet hat. Dessen Ich in aller Konkretion eine Frage des "Du" ist, an dem sich erst ein Ich (in seiner Art, aber in antwortendem Inhalt) in die Welt bildet.Um wie Ebner warnend zu rufen: nicht mit Inhalten füllen! Nicht der Falle des Idealismus verfallen, diesen Platz inhaltlich definiert, Tugend gar in gewissem Wohlverhalten ausgedrückt wissen zu meinen! Selbst im "gegen" ist ja dieses "Du" enthalten, und wie erst in der eigentlichen Initiation des "Ich auf ein Du" (das für Ebner nur ein einziges Du ist: Gott) - der Einsamkeit.

Denn wir stehen inmitten einer gefallenen Welt. Und Abwendung von Gott bedeutet immer: Abfall von der Ordnung. Die natürlich die Mitwelt gleichermaßen berührt, ja gar nie trennbar ist. Es gibt sie nicht, die insulare heile Welt, und die gefallene Welt "da draußen". Leid und Qual sind die naturgegebenen Selbstauswirkungen des Sündenseins des gefallenen, von Gott losgerissenen Geschöpfs. (Feuling) Sie betreffen deshalb vor allem den, der dem Du sich geöffnet hat. Die höchste Weihe und Würde ist dem Menschen also genau darin, daß er an der Erlösung der Welt mitwirken darf. Aber damit auch muß, will er sich nicht selbst in seiner höchsten Möglichkeit - und damit: ganz - verfehlen.

Von dieser Warte (einer nicht ausgefüllten Möglichkeit) her muß sehr vieles am Menschen gedacht werden, weil es sonst unverständlich bleibt. Es birgt die mächtigsten Konflikte und Spannungen, obwohl es am stillsten scheint. Umgekehrt liegt dort der Zentralschlüssel zum eigenen Leben.

***

Sonntag, 1. Mai 2011

Entbergen des Gewußten

Das Werk des Künstlers ist vor-gewußt, es ist schon da. Thomas v. Aquin nennt es "habituell gewußt", im Habitus, im leib-seelischen Dasein also vorhanden. Die Aufgabe des Künstlers ist mithin, dieses Ungewußte (über sein Gewußtes) zu heben, zu bergen - die Intuition steigt von dort auf, als Wissen (zuvor: Ahnen) über Gewußtes. Sein Gestaltungsgewissen richtet sich dann gehorsam nach diesen bereits vorhandenen Kriterien. Denn des Menschen Erkenntnis ist wirklich, aber nie erschöpfend beachtet.

Aus dem in der Erfahrung ausgewerteten, in der Reife der Reflektion besessenen Gewußten steigt auch das Vorherwissen. Das sich in künstlerischen Gebilden durchaus als Prophetie äußert.

Jedes Wissen des Menschen steigt ja im Grunde von dort (dem Leibseelischen) auf, und wird im Verstand (im Rahmen sittlicher Fähigkeit - Ebner nennt deshalb jedes Erkennen des Menschen "immer ethisch") zum vollmenschlichen Besitz, also auch im Geist bzw. in den Geist gehoben. Ist des Menschen Bewußtes (bzw. Geist, wenngleich beide Begriffe nicht ident sind!) im Widerspruch dazu, ist es der Mensch als Ganzes. Wahrheit kann nur Einheit dieses Vorgewußten mit dem Wort bedeuten.

(Feuling warnt zu Recht, übrigens, daß es viel zu oft vorkommt, daß Geist und Leib beim Menschen als zwei Dinge gesehen werden. So, als käme der Geist zum Leib dazu, wäre aber auch trennbar. Sie sind aber nur zwei "Modi", zwei Arten des Daseins, der einen einzigen Person, des einen Ich, einander zugeordnet. Von dieser Warte wird auch das Wesen des Gottmenschen verstehbarer, wird verstehbarer, wenn als Ziel aller Mystik das Walten der Dreifaltigkeit im Menschen gelten muß, was man hier nur andeuten kann.

Aber mit diesen Worten wird auch klar, daß der Mensch von Geburt an Wissen mitbekommt, genauso wie habituelle Vorbelastung. Und es wird klar, daß in der Taufe reale Prägung geschieht, mit eingegossenem habituellem Wissen.)

***

Sonntag, 17. April 2011

Außen durch Innen, Innen durch Außen

"Daß die naturgewirkte Geistigkeit des Menschenlebens, daß alle selbstgesetzten Geistesakte, wie begriffliche Erkenntnis, somit auch der Offenbarungsglaube, dann die Regungen des Gemüts in Liebe oder Haß, weiterhin die Willensakte, seien sie frei oder nicht, durch sinnliches Erkennen und sinnlichen Affekt nicht nur begleitet sind, sondern durch die Sinnlichkeit bedingt sind, ist von äußerster Bedeutung, wenn man den Menschen in seinem natürlichen wie übernatürlichen Leben und Sein wirklich verstehen und in diesem Sein und Leben sichern und leiten will. 

Nicht bloß die gesamte Weise des menschlichen Erkennens, Liebens, Wollens, Tuns an sich, sondern auch die innere und äußere Gesetzlichkeit der Offenbarungs- und der Gnadenordnung, besonders das Leben im Glauben und der Kirche und die Bedeutung der Sakramente wie der Kirchlichen Gebräuche hängt damit zusammen.

Diese Bedingtheit des Geisteslebens im leiblich-geistigen Menschen ist aber selbst bedingt durch das letzte Wesen dieses Menschen: durch sein Gebildetsein im Stoffe und aus dem Stoffe vom Geiste her. Das Sinnliche und Körperliche im Menschen ist menschlich Sinnliches und menschlich Körperliches nur, weil das gestaltende, wesen- und seingebende Prinzip im Menschen, die "Wesensform", nichts anderes  als der Geist und nur der Geist ist. 

Dadurch steht alles Sinnliche und Körperliche nicht nur irgendwie und sekundär, sondern wesensmäßig und notwendig im Dienste des Geistes, der es für sich im Stoffe bildet und erhält, bestimt und formt; mehr noch: alles Sinnliche und Körperliche ist unmittelbarer Ausdruck für den Geist - weit über das hinaus, was wir in Spannung der Muskeln oder Nerven, in Bewegungen und Rhythmen, in Haltung und Verhaltung oder in Entspannung und in Ruhe als Geistes- oder Seelenausdruck anzusehen pflegen. Stets spiegelt sich das ganze Innere im ganzen Äußern, stets bedingt das ganze Äußere und Sinnliche das Innere.

Wobei nicht minder wichtig ist, daß die Weisen dieser gegenseitigen Bedingtheiten über diese Ur- und Grundgesetze hinaus von Mensch zu Mensch ihre Besonderheiten haben."

Daniel Feuling, "Glaubenslehre"

***

Sonntag, 10. April 2011

Immer als Ich

"Die Seins- und Lebenseinheit ist dem Menschen wesensmäßig, weil er als Einzelmensch ein Seiender in Selbstand ist. Kraft seiner Geistigkeit ist diese Einheit personal; der Mensch ist Ich. Und alles, was er tut und leidet, nimmt dies bis ins letzte Sein des Tuns und Leidens teil an dieser Personalität. 

Selbst was er nicht will, was ihm angetan wird, was durch Naturgewalt von innen oder außen an ihm geschieht, ist personal: Erleiden oder Tun des Ich, wenn auch nicht stets mit Wissen und mit Freiheit."

(Daniel Feuling, "Glaubenslehre")

***

Dienstag, 5. April 2011

Keine menschliche Kategorie

Sehr viele Probleme, auch in historischen Streitfällen der Theologie, schreibt Daniel Feuling OSB in seiner "Glaubenslehre", entstehen nur dadurch, daß der Mensch immer wieder und unwillkürlich in den Fehler verfällt, sich Gott "menschlich" vorzustellen, quasi wie eine höhere Potenz des Menschen.

"Gott uns ein Wirken ist aber über unseren Begriff. Darum ist zu erwarten, ja darum ist gewiß, daß wie sein Wirken, namentlich in seinem höchsten selbst geheimnisvollen Werke, im freien Akte, zumal im freien Akte aus Gnade, und in der Freiheit solchen Aktes nie voll durchschauen werden."

Erschaffen wir uns aber - um zu "begreifen" - einen Gott nach unserem Bilde, so haben alle jene recht, die Gott als von Menschen gemachtes Geschöpf, und den Glauben als existentielle Krücke bezeichnen.

Es führt zu nichts, und auch zu keiner inneren Ruhe, Dinge wie Gottes Freiheit aufzulichten. Kardinal Cajetan gab dazu folgenden Rat: Immer auszugehen von dem, was durch die Vernunft oder den glauben klar und sicher sei, und dann zu sehen, wie weit man in der Erklärung kommen könne. Es braucht auch ein Wissen um und einen Willen zum Geheimnis, und zwar gerade oft dort, wo es keine evidente Schau einer Sache selbst gibt, die dennoch - aus Offenbarung oder aus "Notwendigkeit" - so sein "muß", nicht anders sein "kann".

***

Sonntag, 3. April 2011

Deutliche Grenzziehungen

Zunächst muß hervorgehoben werden, schreibt Daniel Feuling in seiner Glaubenslehre, die er zu einem geglückten Vernunftaufweis gestaltet hat, was so oft von pantheistischer Metaphysik und selbst Theologie, speziell in pseudomystischen Systemen oder Mutmaßungen, geleugnet oder doch verdunkelt wird: daß der Mensch durchaus sein Eigensein besitzt und daß sein Wesen nicht das Wesen Gottes, sei Dasein nicht das Dasein Gottes ist, daß seine Personalität nicht Gottes Personalität ist, und daß auch die Tätigkeit des Menschen Eigentätigkeit und nicht bloß Gottes Wirken in ihm ist.

Das zweite, was zu sagen ist, betrifft die menschliche Natur. Der Mensch ist so wenig reiner Geist, wie er reiner Körper, bloß materielles Wesen ist. In ihm eint sich der Leib, das Fleisch, dem Geiste zur Verwirklichung der einen menschlichen Natur in einem Seienden im Selbstand, das vom Geiste als solchem her die Artbestimmtheit zum Menschsein hat. Während der Mensch dem leiblichen Dasein nach sterblich ist, ist sein Geist, sofern er Geist ist, unvergänglich und unsterblich.

Der Mensch besitzt, drittens, sein Leben in einer ähnlichen Gestuftheit wie sein substantielles Sein; er lebt in Sinnlichkeit und Geistigkeit zugleich. Kraft seines freien Willens kann er, viertens, im Guten stehen, oder auch vom Guten abfallen und sich zur Sünde wenden. [Die Sünde ist sohin - auch - ein Selbstabfall als Abfall vom Guten; Anm.]

***


Mittwoch, 30. März 2011

Ein großer Zusammenhang

Auch wenn der Mensch auf sein "letztes", höchstes Ziel im Ganzen hingeordnet ist, ist diese Gesamthinordnung nur die Spitze einer großen Ordnung kleinerer, untergeordneter Teilziele. Die sich nicht des großen Zieles wegen aufheben! Sondern im Gegenteil: nur Mensch und Welt zusammen bilden die Gesamtordnung zu Gott, den Kosmos im letzten, tiefsten Sinn, schreibt Daniel Feuling. Der Mensch verfehlt sein Gesamtziel, wenn er meint, die Teilziele - weder in der Natur- wie in der Gnadenordnung - überspringen, ignorieren zu können.

***

Donnerstag, 10. März 2011

Glaube als Gewußtes

Auch das im Grunde ein ausgemachter Unsinn und bestenfalls in gewissen Hinsichten wahr - Feuling zeigt es in seiner wunderbaren "Glaubenslehre": "Glauben heißt, nicht wissen."

Denn selbstverständlich ist Glauben eine Erkenntnisweise derselben Kategorie wie Gewußtes, und der Glaubensinhalt ist in den Rahmen der menschlichen Vernunft unlösbar eingewoben: gewirkt wie fortwirkend. Denn der Mensch hält ja nur für wahr, was er auch für glaubwürdig, was als wahr anzunehmen er für vernünftig hält. Was er also im Grunde als Wissen einreiht. Die Trennung von Glaube und Wissen, passiert sie nicht rein "denktechnisch", hat also einen prinzipiellen Haken, weil sie gar keine wirklichen Gegensätze beschreibt.

Das betrifft auch den Galuben an Geoffenbartes, das menschliches Vermögen ja in jedem Fall übersteigen muß, sonst wäre es ja nicht zu offenbaren. Wird Geoffenbartes aber angenommen - was eine Gnade, kein Vermögen ist - so verwebt es sich mit dem Gewußten im nächsten Augenblick, und hebt so (vorausgesetzt, das Geoffenbarte ist wahr) den gesamten Wissenskomplex auf eine höhere Ebene, indem es auch das bereits Gewußte erweitert und durch neue Deutungshorizonte weiter ausleuchtet.

Sich so immer mehr ausweitet und Wirklichkeit umfaßt, tendentiell in eine Erkenntnis hinein, die alles Sein umfaßt, zumindest sucht.

Damit aber wird auch von dieser Warte her klar, daß Erkenntnis (und Glaubensleben) immer ein personaler Vorgang - kein rationalistisches ja/nein-Spiel, abstrakte Theorie und Lehre - ist. Bei gelungener Persönlichkeit in der dynamischen Harmonie zwischen vernünftig-menschlich und göttlich-gläubig, in den Polen Philosophie (als hinaufsteigende) und Theologie (als herabsteigende Vernunft).

Wo Glaube als Analogie der Vernunft erfahren wird.

***

Donnerstag, 4. November 2010

Erkenntnisentsprechung

"Sooft durch die unmittelbare oder mittelbare Ursächlichkeit der Sinnenwirklichkeit eine sinnliche Erkenntnisform (species sensibilis impressa) im Menschen aufbricht, die als solche diesen Menschen sinnlich erkennend macht: sooft bricht aus den letzten Tiefen und Verursachungen der geistigen Seele, des substanzialen, formalen Seinsprinzips im Menschen, auch die geistig-begriffliche Erkenntnisform (species intellectiva impressa) zum aktuellen Sein empor. 

Warum? Einfach deshalb, weil durch die einbrechende sinnliche Erkenntnisform die EINE Aktualität des konkreten Menschen bis in die Wurzeln oder Seinsprinzipien konkret verändert wird: ganz und gar gemäß dem erfolgten Einbruch in die Seinsprinzipien und in das ganze Sein."

"Gut ist etwas, sofern es Streben nach sich selber, sei es im Geiste oder in den Sinnen, weckt."

Daniel Feuling, in "Hauptfragen der Metaphysik"

***

Dienstag, 2. November 2010

Schlicht gesagt

"... damit will ich das ganz Schlichte sagen, daß das Denken und Erkennen eines Gutes oder eines guten gar nicht sein kann, ohne daß es, das Denken und Erkennen (genauer: der Mensch als Denkender und Erkennender des guten oder Gutes) dieses Gut verlangt und wählt, es als gut bejaht und lebt."

Daniel Feuling, in "Hauptfragen der Metaphysik"

***

Noch schlichter: nur der Gute - der "Mensch guten Willens", des "bonae voluntatis" - kann das Gute, kann die Schönheit, überhaupt erkennen.

***

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Maschine versus Organismus

Die Maschine, schreibt der Daniel Feuling sehr anschaulich, ist die Assemblierung substanzieller Vielheit mit dem Ziele einer Einheit der Funktion. Jedes Zahnrad, jede Schraube könnte sowohl in dieser wie in jener Maschine verwendet werden, die Teile bleiben sie selbst.

Ein lebendiger Organismus hingegen ist eine substanzielle Einheit trotz der Vielheit der verschieden ausgestatteten Organe oder Teile und kraft dieser substanziellen Einheit besteht auch die Einheit des Ursprungs, des Prinzips, der mannigfachen Tätigkeiten dieses Lebewesens. Die Organe eines Organismus sind nicht einfachhin in einem anderen verwendbar, es herrscht selbst innerhalb von Arten das Individualitätsprinzip, selbst bei den Teilen.

Dabei ist klar, daß mit naturwissenschaftlichen Methoden selbstverständlich auch nur die entsprechenden Mechanismen und Chemismen zu beobachten sein werden. Leben selbst geht immer nur von einer über alle diesem stehenden Substanz aus.

***

Anmerkung: Selbst da, wo - wie in der "Klon- und Gen-Technik" und ihren Unterstufen - oder in der Transplantationsmedizin tatsächlich solche Transfers stattfinden, ist dieses Problem das eigentliche und größte Problem, das es zu überwinden gilt. Und es ist umso schwerer zu überwinden, je höherstehend das Lebewesen ist, je mehr sein Individuumsein sein Artsein, und nicht umgekehrt, bestimmt. Mit der Kernfrage: Wo die lebendige Substanz ist, und wie sie zerstört wird bzw. unverletzt bleibt, um Hinzukommendes zu integrieren bzw. zu verwandeln (sic!). Leben zeigt sich lediglich - in einem Grunderregungszustand, übrigens. (Was neueste Gehirnstrom-Untersuchungen über "Stress/Entspannung" bemerkenswert bestätigt haben! Streßfreiheit heißt nämlich nicht: Spannungslosigkeit, im Gegenteil: Es bedeutet nur weitgehend störungsfreie, harmonische Spannung, ja erhöhte Aktivität. Nur das Tote ist spannungslos, Stress ist prinzipiell keine erhöhte Spannung, sondern eine Störung der Harmonie der Abläufe, und die sind wiederum bei jedem Individuum anders gelagert: Was diesem harmonisch ist, kann einem anderen Störfaktor sein.)

***

Leben ist also eine schlichtweg höhere Potenz (Fähigkeit) als es mechanische Abläufe sind.

***

Vielleicht sollte man nicht übersehen, daß dieses Prinzip analog auch für lebendige Organisationen, für Gesellschaften gilt. Selbst ein Staat ist eben kein "contract sociale", dem jeder beliebig beitreten kann, dessen Teile beliebig auswechselbar sind, sondern er ist mehr: ein ganz spezifischer Organismus mit allen Anzeichen des Lebens. Mit nur einem einzig möglichen, der Seele analogen Seinsprinzip, das alle Teile durchdringt, dem sich alle Teile einfügen, aber mehr noch: in dem sie aufgehen.

*131010*

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Nur ein anderer Modus des Seins

Ein weitereichender Fehler, zeigt Daniel Feuling in seiner Metaphysik auf, ist die Rede von "Leid UND Seele". Wenn dies nämlich nicht metaphorisch verstanden wird, täuscht es eine Dualität vor, die so aber gar nicht existiert. Vielmehr sind Leib und Seele, sind alle vier Arten, in denen man ungeteilt von "Ich" spricht (als Indiz), nämlich Leib, Seele, Körper, Geist, nur jeweils ein Modus des menschlichen Seins. Also die Art und Weise, wie wir in jeweiligen Bezüglichkeiten "in der Welt" stehen.

Alle diese Begriffe beziehen sich auf ein identisches Menschsein, das sich nur unter je anderem Gesichtspunkt unterscheidet und entsprechend benannt wird. "Nur wer klar Leib, Seele, Körper, Geist als die modal-realen Daseinsweisen des Menschen faßt: nur der kann einwandfrei von Körper UND Seele, Leib UND Geist sprechen: aber dann eben in zwei sehr verschiedenen metaphysischen Realsinnen."
 
 
*071010*

Samstag, 2. Oktober 2010

Was begründet

Es ist unsinnig und unwissenschaftlich, schreibt Feuling einmal, die Metaphysik von Fachwissenschaften abzuleiten oder sich darauf zu stützen. Denn sämtliche Fachwissenschaften bauen auf einer Metaphysik auf, aus der sie ihre Fragestellungen formen. Auch ist es ein verkehrter Ansatz, die Metaphysik nach einer Einzelwissenschaft aufzubauen, wie es Descartes und Spinoza nach der Mathematik anstellten.

Die Wissenschaftlichkeit der metaphysischen Erkenntnis besteht in nichts anderem als in ihrer schlichten Sach-Vernünftigkeit.

Fachwissenschaften aber sind unentbehrlich für die Lösung und Stellung von Einzelfragen durchaus metaphysischen Gepräges.

***

Auf vier Säulen beruht eine wissenschaftliche Metaphysik:
  1. in der unerbittlichen Gewissenhaftigkeit der Wahrheitsintention
  2. in der Strenge der Begriffsbildung auf Grund sämtlicher Gegebenheiten der Erfahrung in der Außen- und der Innenwelt
  3. in der universalen, radikalen Fragestellung bis zur letzten Fragemöglichkeit des Gegenstandes und aller Gegenstände überhaupt
  4. in der unbedingten Sachlichkeit der Lösungen und daher in der Vorsicht und Geduld im Suchen nach der Beantwortung der gestellten Fragen
***

Fünf Punkte sind es, die den wissenschaftlichen Charakter des Ergebnisses metaphysischer Bemühung bestimmen:
  1. die durchgängige Bestimmtheit aller Begriffe, Fragen, Lösungen rein von der Sache her
  2. das Begründetsein der sämtlichen Ergebnisse in letzten evidenten Sätzen
  3. die Geöffnetheit der gesamten Lehre für die Gesamtheit aller möglichen Probleme, Tatsachen, Begriffe und Methoden
  4. die Ablehnung jeder metaphysischen Behauptung, die nicht mit Evidenz erwiesen ist, sei es als sicher, sei es als wahrscheinlich oder möglich
  5. die durchgreifende Systematik, die alle Erkenntnis unter den schlechthin letzten Gesichtspunkten ordnet und logisch verbindet
 
*021010*

Samstag, 25. September 2010

Raum ist Beziehungsbestimmung (2)

Fortsetzung von Teil 1:

Aber Einsteins Konzeption ist mangelhaft, wie die Quantenphysik belegt. Es fehlen Komponenten, wie die Metaphysik weiß. Feuling nennt einige, und findet sich auch hier in völliger Übereinstimmung mit der aktuellen Quantenphysik, die weiß daß die Einstein'sche Konzeption (genau in diesen Fragen!) zu kurz greift, nicht mehr ausreicht, ja widersprüchlich wäre: Gestaltqualität, sowie "Impuls" (Bewegungsanstoß).

***

Einstein wußte das, wie aus den Gesprächen mit Gödel hervorgeht. Er wußte auch, daß zumindest die Mehrzahl er physikalischen "Gesetze" nur Beschreibungen einer statistischen Häufung sind, also keine Ursachen beschreiben, sondern Wirkungen. (Und hier wird ja Hawkings, gerade jüngst, zum reinen esoterischen Gnostiker! eben: zum habituellen "Dichter".)  

***

Ein Habitus, der von Frauen sehr gut (als körperlich unterlegenes Geschlecht) bekannt ist: Der Mensch, der mangels physischer Möglichkeiten (Behinderung, Krankheit) keine Möglichkeit zur gestalthaften Gottanähnlichung (Vergottung) hat, neigt dazu, sich zu Vergotten, indem er sich selbst zum geistigen Zentrum des Universums stellt. Und das tut er, indem er eine Erklärung setzt, die von ihm - wie es die Vernunft wäre - nicht mehr trennbar ist. So sucht er unbewußt jene Macht zu erhalten, die er andersartig nicht erlangt: Wahrheit, die es nur personal gibt, wird abhängig von der Selbstoffenbarung. So, wie es Gott (in Jesus) gemacht hat.

Das Wesen des Menschen ist: Inkarnation, um ewig da zu sein. Also setzt er Lebendes, von ihm Erzählendes, in die Welt. Körperlich, und damit geschöpflich, in den Kindern, im Werk, in der Welt, die durch ihn verändert ist. Der Glaubenslose, noch dazu körperlich Unbewegliche, Machtlose, dem die Transzendenz, das Kontinuum außerhalb seines Hier und Jetzt, hat hier - begreiflich - nur Kurzschlüsse: seine Existenz gerinnt im Hier und Jetzt, auf ihn selbst.

***

Und also verdammte er die ihm Hörigen zum selben Weltgefühl: ausgeliefert einer sinnlosen, sich selber kraft unausweichlicher Gesetze, den Einzelnen ohnmächtig lassend, abspulenden Maschinerie der Weltseiung ...



*250910*

Freitag, 24. September 2010

Idee der Freiheit

Nehme ich dem Menschen die Idee* der Freiheit, so nehme ich ihm die Idee seiner höchsten Selbstwirklichung seiner Natur wie Berufung, nehme ich ihm seinen Selbststand. Er wird sich in unfreie Mechanismen fügen, sich und die Welt nur noch als Automatismus sehen (können), und nur dumpf eine Unwirklichung spüren, bis er völlig in Dumpfheit verfallen ist - sich im entscheidenden Anfange nicht verwirklicht hat. Seine Selbstbewegung kommt nie in Kraft und Fülle, und was er erkennend besitzt, erlischt, wird erstickt.

Ihm bleiben bestenfalls noch "bewegende Momente", als Anstoß und eigentlich Bewegendes von außen, wie die Massendynamik, die Droge, der Zwang von Umständen, oder - das heute aktuellste Mittel vielleicht - der Zwang der "Systemlogik", in die zu fliehen so verführerisch ist.



*Auch wenn sich natürlich das Wesen der Freiheit nicht in einer "Idee" erschöpft.



*240910*

Raum ist Beziehungsbestimmung (1)

Raum ist der definierte Abstand der Dinge zueinander, der erst in der Auffassung der Universalität des Geschöpflichen, dessen was ETWAS ist, und das es körperlich, gestalthaft ist, "den" Raum ergibt.

Was ETWAS ist, ist räumlich, und es ist durch seinen Abstand, durch seine Lage im Raum dargestellt. Darin drückt sich seine Beziehung aus. Veränderung im Raum bedeutet Relationsveränderung, und damit Veränderung des Seins, in einem riesigen Insgesamt Veränderung von allem.

Daß Bewegung im Raum mehr ist als bloße (wirkungslose) Relationsveränderung zeigt sich schon daraus, daß jede Bewegung relativ zu Gewicht und Maß Bewegungskraft verbraucht.

Und aus dieser Bewegung der Dinge heraus, in der sie sich ändern, und in der sich alles ändert, wird uns Zeit erfaßbar, wenn die Bewegung aus dem Abstraktum "herausfällt". Weil unser Erkennen "zergliedert", grenzt es die erfaßten Ausschnitte ab, im ordnenden beziehungsweise eine Ordnung zuerkennenden Urteil (nur so kann der Mensch geistig sein, erkennen!) "behäbig" ist, nicht fließend wie die Zustände der Dinge selbst. (Weshalb die unendliche Liebe - keine Zeit mehr kennt, unzeitlich ist. Zeit ist also eine Bedingung des Erkenntnisbruchs, der die "Erbsünde" war.)

Zeit ist also die Zahl des früher oder später je nach Lage im Raum, bezogen auf ein die Bewegung gliederndes Maß. So erklärt es übrigens Thomas von Aquin: Zeit ist die "Zahl der Bewegung nach dem Früher oder Später". Die, wie Feuling es weiter spezifiziert, "Bemessenheit der konkreten räumlichen Bewegung relativ zu den Distanzmaßen der Bewegungsbahn."

Weil Raum ohne Zeit, und Zeit ohne Raum also unmöglich ist, spricht die Physik von "Raumzeit", schreibt Feuling weiter, "in der alles Bewegte samt der Bewegung selbstkorrelativ, räumlich und zeitlich bestimmt sein muß, das heißt zugleich." 

***

Und dann kommt noch das individuelle Erleben dazu, als dritter Faktor der "Zeit" - die "Geistzeit" mithin (Bergson).

***

Die Einsteinsche Relativitätstheorie hat also der Metaphysik kein einziges neues Erkenntnismoment hinzugefügt - sie hat metaphysischem Denken (spätestens seit Aristoteles!) nur entsprochen, ja, sie hat das uralte abendländische metaphysische Denken bewiesen.




*240910*

Donnerstag, 23. September 2010

Die sich selbst nicht beim Wort nahmen

"Wer übrigens von all den Idealisten (für die also die Welt nur in ihren Gedanken, nicht als Realität bestand; Anm.) hat denn je im Umgang mit Dingen und Menschen ernstlich an seinen Idealismus geglaubt? Wer unter den Idealisten redet und handelt und kämpft oder arbeitet mit einzelnen Menschen und mit Gemeinschaften jeglicher Stufe als mit bloßen Schöpfungen seiner oder doch irgendeiner Vernunft, die all diese Menschen samt ihren Gedanken, Reden und Taten als bloß Gedachtes hervorbringt?"


Daniel Feuling, in "Hauptfragen der Metaphysik"



*230910*

Sonntag, 19. September 2010

Wie Gott schaut

"Einstens war dieser Mensch nicht, jetzt lebt er, bald wird er als Mensch nicht mehr sein, usw. 

Wer diese verschiedenen Schauweisen des einen und selben Geschehens - auch die Schau ganz nur in die Zukunft des "jetzt"  noch nicht seiend gewesenen Menschen mitnehmend - in einem einzigen komplexen Begriffe metaphysischer Art zu einen verseht, so daß er die dreifach-zeitliche Schau überzeitlich erfaßt, der kann wenigstens ahnen, wie Gott schaut und ist, wenn Er, der Zeitlose, Ewige, das Zeitliche bildet und weiß. 

So versuche man es; und man wisse: Bilder und Gleichnisse helfen hier nichts, weil sie notwendiger noch als Begriffe in die zeitliche Wandlung gestellt sind und stellen."

D. Feuling, in "Hauptfragen der Metaphysik"



*190910*