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Sonntag, 4. September 2016

Als Welt und Natur eins war

Der VdZ war einigermaßen überrascht, als er von Polen kommend in Usti nad Orlici den Anschlußzug nach Ceska Trebova suchte, und vom Schaffner (einer überaus charmanten, blonden Tschechin) auf ein Gleis hingewiesen wurde, wo eine ... schmauchende Dampflok samt angehängten alten Waggons stand. Offenbar als kleines Wochenendzuckerl, hatte die tschechische Bahn diese 8 oder 10 Kilometer auf ganz andere Art zurückzulegen "geschenkt", denn was oft viel Geld kostet, war hier kostenlos und einfach eine nette Überraschung. Denn bei dieser kurzen Strecke war auch der allfällige Zeitverlust für den Anschlußzug in Ceska Trobova kein Problem, der VdZ konnte sich also ganz dem Erlebnis dieser Art der Beförderung hingeben. Was ihm ja noch in der Kindheit in den 1960ern in Österreich recht normales Geschehen war, er erinnert sich gerne an die male, wo mit Plateauwaggons und Damplok die Kaiser Elisabeth-Bahn Richtung Selzthal dampfte, ja einmal weiß er sogar noch von einer Damplokfahrt nach St. Pölten, obwohl die Westbahn damals schon elektrifiziert war. 

Zwei Dinge aber sind ihm aufgefallen, und zwar wirklich auf- weil zu-gefallen, er hat sie an der Wirkung stark und überraschend erlebt. Das eine war, daß die Fahrt mit dieser Dampfbahn so ruhig und beherrscht (dabei gar nicht so viel langsamer) vor sich ging, daß er in Ceska Trebova fast entspannt aus dem Zug stieg, trotz der schwierigen Handhabung der Koffer, denn diese alten Waggons der Marke "Holzklasse" sind doch deutlich enger als heutiger Standard es kennt. Man reiste wohl früher nicht mit so monströsen Koffern wie man es heute tut, oder man hatte Gepäckträger (auch an die kann sich der VdZ noch erinnern), die die Koffer bis ins Abteil trugen (und holten) und solches Umsteigen für den Fahrgast selbst weitgehend streßfrei hielten. Das war auch nicht das Gefühl, etwas "besonderes" zu erleben, es hatte einfach mit der direkt erlebbaren Beförderung zu tun. Dem Beschleunigen, dem Bremsen, irgendetwas ließ einen nie den Kontakt mit dem Boden, dem Raum verlieren. Und das macht sehr sehr ruhig. 

Gleich anschließend im hochmodernen, ja hypermodernen RailJet, der mit 160 Stundenkilometern fast "schwebt", erlebte er den Unterschied: in diesen klimaanlagengeregelten, hydraulische-Türen-hermetisierten Zellen war er wie in einer "Blase", und sie war keineswegs "angenehm", sie war als hätte man mit der Welt nichts zu tun. So ungefähr muß das alles zusammenhängen, den der VdZ achtete nicht darauf, was er "erleben würde", dazu war er viel zu sehr mit den Anschlußterminen und Zeitkalkulationen beschäftigt, sondern das Erleben war so deutlich, daß es von selbst ins Bewußtsein stieg. 

Aber noch etwas erlebte er, genauso beeindruckend, genauso ungesucht: Die Fenster der Waggons waren offen, denn es war ein heißer, ja drückend schwüler Sommertag gewesen, und die Fahrgäste waren meist hinausgelehnt, auch um in Kurven einen Blick von der Dampflok zu erhaschen. Deshalb aber drang auch immer wieder der Rauch aus den Kesselfeuern ins Wageninnere. Und da war der VdZ überrascht. Nicht nur, daß er sich an diesen Rauch so gut erinnerte, der im Winter auch über der Siedlung hing, in der er aufwuchs - Rauch aus Kohlefeuern. Er war überraschte, weil dieser Rauch fast ... angenehm roch. Er war wie ein klar definiertes und definierbares Gegenüber, ein Ding, das man meiden oder suchen konnte. Der Geruch, die Art damit umzugehen, alles an diesem Verbrennungsprodukt war natürlich, normal, und man konnte es fast lieben. Nichts daran war aggressiv oder unsympathisch. Alles war Natur, natürlich, und Teil der Natur. Der VdZ, die Dampflok, der Rauch aus den Kesselfeuern, die Art der Bewegung.*

Und das, dachte er, soll also das sein, was die Welt zerstört? Nein, niemals konnte er das je glauben, und noch weniger nach diesem Samstag in der Tschechei, im Dampfzug von Usti nad Orlici nach Ceska Trebova, welches Fahrerlebnis die tschechische Bahn spendiert hatte. Aber um das zu begreifen muß man wohl noch so handfest und vernunftbereit wie die Tschechen sein, die noch wissen, was schön ist. Und die noch viel besser als wir wissen, daß schön auch gut ist. Und die wissen, wie es sich herstellen läßt, das Schöne. Natur, Welt, Kultur, Mensch, Technik - Welt, Natur, Kultur, Mensch Technik, es war eins an diesem Tag, und es war wohl immer so gemeint.

Tomas Halik mag schon recht haben, wenn er schreibt, daß der offiziell extrem weit verbreitete Atheismus der Tschechen in Wahrheit gar kein Atheismus ist. Er ist vielmehr die aus großer Ernüchterung erwachsene Skepsis als Suche nach dem Vernunftgrund der Welt, und dies ist der eigentliche Boden, auf dem auch Gott wandelt und west. Das ist auch der Grund, und es scheint sehr plausibel, daß Halik nicht glaubt, daß die Tschechei in ihrem Wesengrund atheistisch geworden ist - die Tschechen suchen nur Gott auf eine wahrere, richtigere, wahrhaftigere Art als der Westen, der mitten in Illusionen steckt und fatalerweise meint, er habe ihn bereits gefunden, wenn nicht mehr: er sei Gott.

Das ist auch der Grund, warum die Tschechen (ja, mehr oder weniger der gesamte ehemalige "Ostblock") den Weltrettungswahn des Westens viel weniger mitmachen, warum es dort gar nicht wenige so klare, vernünftige Stimmen gibt, auch aus dem Lager der "Atheisten".  Die Menschen im ehemaligen kommunistischen Osten sind gebrannt von Utopien, sie sind oft sehr sehr realistisch, und das heißt eben wirklich "vernunftbereit". Auch in Schlesien hat der VdZ das wieder erfahren, bei allen Einschränkungen, die nicht unbedingt für Polen sprechen.

Aber auf der ganzen Strecke von Österreich nach Polen (und auch dort im ganzen Südteil) war kein einziges Windrad, keine der unsäglich vertrottelten Solarpaneele zu sehen, nichts. Außer viele hunderte Kilometer unsäglich schöner, kleinstrukturierter Kulturlandschaft zwischen tiefen und üppigsten Wäldern, Feldern, Wegen und schmaler, baumgesäumter Straßen, Seen und Flüssen in Mähren und dann Schlesien. Erst, wenn man diese Landschaften verläßt, und dabei einen regelrechten Kulturbruch - als Sprung in eine rein technische Nicht-Kultur nämlich, eine Lebensweise bloßer Technik und Geschwindigkeit und Gelacktheit - tauchen diese Probleme wieder auf, die uns angeblich so bestimmen müssen weil sie angeblich die Welt bestimmen. Nein. Kaum wo hat der VdZ noch so gute Luft erlebt wie in Schlesiens Städten, mitten in Glatz, Luft von einer Schwere und einem Aroma, wie er es schon lange nicht mehr erlebt hatte. Obwohl die Menschen dort nach wie vor mit Kohle heizen und Fleisch essen bis zum Abwinken und käsegefüllte, süß-milde Teigtaschen in Butter schwenken, daß es von der Gabel tropft, und dazu Wodka Wyborowa trinken. 

Wer in diese Landschaften fährt erfährt buchstäblich, daß das nicht so ist, wie man hier sagt. Daß die Welt anders ist, wirklich anders. Und daß nicht wir sie haben. Sie ist auch WO-ANDERS. Daß in diesem Perspektivewechsel unsere sogenannten Probleme als widerliche und affektierte, ja anstößige, obszöne Plastikgirlanden erkennbar werden, denen alles Wahre, Natürliche und Vernünftige fehlt.

Während an das zu glauben, als im Westen verbreitet wird, schon eine gehörige Portion des wirklichen Atheismus braucht. Jener Haltung, die meint, es gäbe Heil auch durchaus mal ohne Vernunft, und der sich verlogen hinter oft so vielen frommgeschwungelten Unerträglichkeiten versteckt.

Oh ja, das Anfahren und Bremsen der neuen Railjets erlebt man kaum noch, alles geht in einem unterschiedslosen Gleiten unter. Aber wenn man dann, nach acht Stunden Zugfahrt, zuhause aussteigt, ist man ein oder zwei Tage wie in Watte gepackt, und alles dreht sich einem. Weil man erst wieder jenen Boden finden muß, den man gemeiniglich "Leben" nennt. Und auf einmal gefällt einem die gelackte, hygienisch penibelst saubere Stadtlandschaft gar nicht mehr, die man zuvor als normal erlebte, und die von Windrädern am Horizont endgültig zur eigenartigen Kunstlandschaft degradiert wird. Und man sehnt sich nach dem Geruch des Kohlefeuers, das aus dem Schlot der Dampflokomotiven und Häuser stieg. Damals, als man noch Kind war. Damals, als alles noch so normal war.

Der moderne Mensch muß das ja hassen. Denn es ist Ort und Natur und Leben.



*Ach, man komme dem VdZ nun nicht damit, daß man CO2 nicht riechen oder schmecken könne. Das Wesen eines Dings erschließt sich in der Begegnung als überkomplexer Gesamteindruck. Deshalb darf einem solcherart sehr gesamthaften, persönlichen Eindruck sehr wohl getraut werden. Man muß nicht auf die chemische Analyse eines Heidelbeerpuddings aus Omas Geheimküche warten, um zu urteilen, daß er einem hervorragend bekommt. Nicht das Subjektive ist das Problem, sondern der Freiheitsgrad des Menschen als Widerspiegelungsfähigkeit der Wahrheit. Es braucht eine völlig veränderte und materialistische Metaphysik und Anthropologie, um zu heutigen Ansichten zu kommen, die objektive Prozesse von menschlich-ganzheitlichem Urteilen abkoppeln und die Urteilsbasis gewissermaßen "mitwandern" lassen, sodaß nur "alles anders", aber eben nicht anders geworden sein soll. Würde man Menschen aus den unterschiedlichsten Epochen und Regionen der Erde aber nebeneinander stellen würde man staunen, wie gleichlautend die allermeisten Urteile über Eigenschaften von Weltdingen sind. Und - anders wäre auch Wissenschaft gar nicht möglich, die nämlich auch von subjektivem Urteil ausgeht, um überhaupt zu wissen, wonach sie forscht. Womit wir auch hier wieder bei der Wahrheits- und Freiheitsfrage sind.





*250716*

Freitag, 15. Juli 2016

Rache heißt - Schuldannahme der Täter

Aber der größte Völkermord des 20. Jhds. fand ... an den Deutschen statt. Nach (!) 1945, so lauten Schätzungen (genau weiß das niemand mehr), wurden zwischen 12 und 18 Mio Deutsche unter unsagbaren Umständen ermordet. 4-6 Millionen deutsche Frauen wurden gezielt vergewaltigt. Unter den Opfern sind 2-3 Mio. Kriegsgefangene, Soldaten nach der Kapitulation. Die meisten davon - bis heute dezent verschwiegen - wurden von den westlichen Alliierten ermordet. Vor allem von den Franzosen (1 Mio sind sehr realistisch) und den Amerikanern (auch hier sind gut 1 Mio sehr realistisch). Die Ameikaner verweigerten den deutschen Soldaten überhaupt den Status von Kriegsgefangenen, erklärten sie zu "disarmed enemies". So konnten sie die Genfer Konvention umgehen und ihre Rache austoben.

Weitere 12 Mio. Deutsche wurden nach den Siegesplänen der Alliierten aus dem europäisch- deutschen Osten vertrieben. Die Greuel an den seit Jahrhunderten im östlichen Europa angesiedelten, diese Länder maßgeblich aufgebaut habenden Menschen sind kaum zu beschreiben.* Der Film reißt das Thema an, und das reicht schon. Denn es gibt viel Härteres, das aber dem VdZ unerträglich zu sehen ist. Es sind Höllenvisionen. Davon genügt eine Ahnung. Die eigene Familiengeschichte reicht ohnehin. Der Plan war konkret, und er war unverhohlen, und er war wohl schon vor 1939 gefaßt: Die Auslöschung eines Volkes und einer Kultur.

Es erscheint kaum glaublich, daß wir es heute mit einer Nachfahrengeneration zu tun haben, die diese Greuel, diesen Völkermord als gerechtfertigte Rache ansieht, wenn sie überhaupt davon Kenntnis nehmen will oder erhält. Selbst nach absolviertem Geschichtsstudium. Es ist kaum glaublich, daß einem solche Volk auch noch - unter schlimmen geschichtsfälschenden Bildern - nie erlöschendes Schuldgefühl auferlegt wurde.









*Auch der VdZ ist Nachfahre von 1945/46 vertriebenen Schlesiern.





*250516*

Sonntag, 17. Januar 2016

Nicht alle Staaten haben sich aufgegeben

Aus mittlerweile bald neun Jahren weitgehenden Aufenthalts in Ungarn meint der VdZ sagen zu können, daß es im ehemaligen Ostblock übder weite Strecken noch so etwas wie ein "christliches" bzw. "katholisches" Milieu als Öffentlichkeit gibt. Dieses weitgehende Auseinanderfallen einer staatlichen Gemeinschaft, wie man es von Österreich und Deutschland bereits sagen muß, ist hier nicht zu beobachten. Es gibt hier noch so etwas wie eine geschlossene Kulturgemeinschaft, die von einem gemeinsamen Staatswillen getragen ist.*

Von den wenigen Kontakten zur Slowakei hat er einen ähnlichen Eindruck. Und Letztere reagiert nun auch in einer dem entsprechenden richtigen Art, auf die der VdZ vor einiger zeit bereits hingewiesen hat. Als er der Frage nachging, wie man auf die muslimische Zuwanderung reagieren hätte müssen (wozu es mittlerweile aber schon zu spät ist, zumindest in unseren Ländern). Denn das wäre nur das generelle Fernhalten des Islam als zuwandernde Religion.

Das macht nun die Slowakei. Und sie nützt elegant die aktuellen Anlässe in Deutschland und Österreich um zu verkünden, daß sie die Einwanderung von Muslimen generell unterbinden wird. Völlig richtig wird argumentiert, daß man sich damit eine kulturelle Differenz importiere, die man einfach als Volk nicht wolle. Der slowakische Regierungschef Robert Fico sagt dabei bemerkenswerterweise nichts anderes, als Frau Merkel (die aber im Laufe ihrer Karriere(n) wohl schon alles gesagt hat, was überhaupt ein Mündchen formulieren kann) noch vor einigen Jahren verkündete: Der Multikulturalismus ist gescheitert. Zumindest soll für die Slowakei verhindert werden, daß sich zuwandernde kulturfremde Religionen in Größenordnungen organisieren können, die zu Parallelgesellschaften - und damit ähnlichen Entwicklungen wie in Deutschland** - führen können. 

Das ist auch das Motiv dafür, daß sich die Slowakei gegen eine EU-Zwangsquote für Migranten wehrt. Was man zumindest verständlich finden könnte, und auch gut argumentiert ist. Zumal man den Eindruck gewinnen könnte, daß in dieser Frage einige Politiker (man will ja nicht einmal von Ländern sprechen) Ereignisse in Gang gebracht haben, deren Folgen sie überforden, weshalb sie nun an den Gemeinschaftssinn appellieren, indem sie behaupten, daß diese Probleme allgemeiner Natur und deshalb auch "gemeinsam zu lösen" seien.²

Ähnliches hört man auch aus Polen, schon lange aus der Tschechei, aus Ungarn und zum Teil auch aus Rußland, auch wenn dort die Bedingungen natürlich anders sind (denn dort leben in Landesteilen geschlossen über 20 Mio Muslime.) Und man kann dies als Österreicher nur mit gewissen Sehnsuchtsgefühlen zur Kenntnis nehmen. Denn in diesen Ländern wird das Volksein von der Politik tatsächlich noch ernstgenommen. Sodaß man tolerieren kann, daß es sich dort unter den gegenwärtigen Bedingungen hin und wieder zur Kleinbürgerlichkeit verkrampft. Aber sagen Sie jemandem, der mit dem Messer bedroht wird, er solle sich nicht so verkrampft weil verteidigungsbereit hinstellen?³

Keines dieser Länder hat übrigens je gesagt, daß es der puren Christenpflicht, Notleidenden durch Aufnahme zu helfen, nicht folgen wolle. Nur hat man dort nicht das Gehirn abgeschaltet und alles im Sentimentalitätserreger "Flüchtlinge" alles ersäuft - sondern unterscheidet ganz einfach Zuwanderungswillige oder gar im arabischen Frühling zur social-media-Entseelung Geküßte von ... Hilfebedürftigen.***





*Es gibt auch unter Klerikern Aussagen die dahingehend lauten, daß "im ehemaligen Ostblock" rechte Faschismen aufblühten, die man davor bewahren müßte, in den Westen überzuschwappen. Das ist, mit Verlaub gesagt, nicht nur eine Verkennung, sondern eine Verleumdung. Denn man meint damit sehr wohl das, was hier dargestellt wird: Man meint damit den glücklichen umstand, daß es diese Länder zumindest noch über weite Strecken in der Hand haben, ihr Schicksal zu gestalten, UND DAS AUCH TUN. Wer Christentum aber mit der SelbstAUFLÖSUNG gleichsetzt, vergeht sich tatsächlich am Christentum selbst, und verhöhnt seine eigentliche Dimension: Daß ein Mit-Gott-sein nur möglich ist, wenn der Mensch sein Selbstsein in Hingabe auf sich genommen wird. Es ist also das Individuum, das mit Gott ist, nicht der aufgelöste Massenmensch des Westens, der getreu der Aufklärung das Sein durch "moralische Funktion" ersetzt.

Preisliste Bustour nach Ö/D - Bild aus Makedonien
**Wie nach und nach an die Öffentlichkeit drang, gab es ähnliche, wenn auch in der Größenordnung geringere Vorkommnisse nicht nur in Köln und Hamburg, sondern in bald jeder Großstadt Deutschlands, und auch in Österreich - Salzburg, Wien, Steyr ... Wo wie bisher Sylvester feiernde Bürger und Ordnung sichern sollende Polizisten mit jeden Respekt vor dem Rechtsstaat vermissen lassenden, aggressiven Ausbrüchen von Zuwanderern konfrontiert wurden. Mittlerweile nachweislich mit erheblichem Anteil jüngst zugewanderter "Flüchtlinge". Und nur in der Zeit, die zwischen Sylvester und der Veröffentlichung dieses Blog-Eintrags verstrich, sind weitere 40.000 Menschen illegal ins Land gekommen. 

Denn diesem Umstand hat man bis heute nicht nur nichts entgegengesetzt, sondern wird fast offiziell-staatlich die "Balkanroute" so organisiert, daß "der Witterung Rechnung getragen" wird - es gibt glaubwürdige Berichte, daß etwa die Caritas (die Versorgungsstationen eingerichtet hat, sowie Tips für eine gelingende Asylbeantragung gibt) in Zusammenarbeit mit Flüchtlingshilfeorganisationen und Busunternehmern regelrechte Transitrouten eingerichtet hat. Man muß nicht einmal mehr "einwandern", sondern kann "einfahren". Während die UNO sowieso eine eigene Art beweist, mit dem Problem unzugehen. Das ist also die Art, wie man heute international "gemeinsam Probleme löst".


²Die kolportieren Äußerungen von Frau Merkel, daß sie von den jüngsten Ereignissen in deutschen Städten "betroffen sei" und "alle Härte des Rechtsstaatees verspreche", so kann man das nicht mehr anders sehen denn als Ausweis eines nun abgeschlossenen Realitätsverlusts. Will man es nicht als dreist (weil es die Bevölkerung für dumm erklärt, und zwar genau jene Bevölkerung, die fast schon mehr gewußt als geahnt hat, daß es zu solchen Konflikten kommen würde) und sogar politisch dumm qualifizieren. Was es in Wirklichkeit aber wohl ist.

³Eine Bemerkung am Rande: In den meisten dieser Länder (nur die Tschechei ist ausgenommen) ist der Anteil an regelmäßigen Kirchenbesuchern unvergleichlich höher als in unseren Ländern. Mit der unausbleiblichen Verwestlichung der Jugend wird er aber auch dort gewiß abnehmen.

***So ganz nebenbei sei es erwähnt: Ungarn hat 2015 mehr Asylwerber aufgenommen, als Österreich. Nur wollen die meist nicht hier bleiben. Denn Ungarn entspricht so gar nicht dem amazon-zalando-GeldfüralleausdemBankomaten-Rausch, in den sich so viele medial gesoffen haben. Da will (immer noch, trotz permanenter Verwestlichungsattacken) ernsthaft ein Volk leben. Und hier habe noch nicht alle vergessen, daß ein Volk nur aus der Poesie leben kann. 



***

Dienstag, 28. Oktober 2014

Möge doch Gott endlich ... Oder: Beispiel Tschechei.

Tja, möglicherweise feiern so manche Super-(Möchtegern)-Katholiken den nun vorliegenden Entwurf zum "Islam-Gesetz". Den der Maturant, das sich am österreichischen Außenminsteramt herumturnt und fesch aussieht, was in Österreich (und nicht nur dort) letzter Notgriff einer desaströsen Politik ist, da vorschlug. Zusammen mit dem "Kultursekretär" des Bundeskanzlers, welch letzterer gleicher Politikkulturtiefe herstammt. Ein Land der Maturanten, sozusagen. Denn wer um geistige Vertiefung bemüht ist, hat für die Politikkultur dieses Landes weder Herz, Motivation, noch Zeit. 

Es braucht nämlich - der VdZ sagt das aus so manchen Gesprächen seiner Vergangenheit, mit ehemaligen Politikaspiranten, noch mehr Erfahrung aber mit etablierten Politikern, um es so neutral wie möglich auszudrücken - dafür nicht einfach einen breiten Buckel, es braucht dafür eine persönliche Interessenslage, die mit den eigentlichen Inhalten der Politik nichts zu tun hat. die Zwetschken mit Birnen zu vertauschen jederzeit bereit ist. Die sich auf parteiinterne Vorgänge als "Geschäft der Politik" zu konzentrieren nicht entblödet. Wie bei so manchen Studiengängen, die eine Bereitschaft zur Verblödung voraussetzen, die mancher nicht zu leisten bereit ist. (Deshalb - ein Hoch auf die Studienabbrecher! Ein Hoch auf die Nicht-Akademiker! DORT ist - wenn schon - das wahre Erneuerungspotential. Aber sagen Sie Alkoholikern, daß es auch ohne Vierterl geht ... Nur sie prägen. Das heutige Politikerpersonal ist geprägt von Prägsamkeit, hiervon Erneuerung zu erwarten ist wie vom Großglockner zu verlangen, er möge flache Landschaften hervorbringen.) Also auch - ein Hoch den Maturanten! Nichts gegen Maturanten also. Prinzipiell.

Tja, aber da regelt nun dieses Gesetz - oder soll das - etwa Folgendes: Die Religionsgemeinschaft habe dem Staat ihre Lehren vorzulegen. Der prüft dann, ob sie verfassungskonform seien. Sie hätten auch ihre Lehrer mit von inländischen Lehranstalten approbierten Zertifikaten auszustatten. Etc. etc. etc.*

Tja, alles wunderbar für eine hysterisierte Öffentlichkeit, mit derem Appendix, die Politik, die vor allem das Gute möchte, und das heißt: Wehret dem Islamismus, wehret der IS, und so weiter. Regelt etwas, das doch eigentlich schon bisland durch jene Prozeduren geregelt war, die den Islam seit je als Religion, mit allen Freiheiten die einer solchen beigehören, gereglt hat.

Ein geschichtlich einmaliger Fall - nun aber erst einmal etabliert, wagt der VdZ eine recht nüchterne Prognose. Diese Kriterien schließen nämlich auch die Katholische Kirche aus diesem Kreis illustrer Religionsfreiheit aus. 

Und zwar erstmals explizit. Ein Quantensprung, dessen sich wohl niemand bewußt ist. Denn dem Rationalismus der Doofen ist tatsächlich jede Religion gleich. Gleich unwesentlich. Bestenfalls pragmatisch und nützlich. Den Werte- und Demokratiequatschern, die sich da überall schon herumtreiben. 

Und der Katholizismus WIDERSPRICHT österreichischen Gesetzen und österreichischem (offiziellem) "Rechtsempfinden", folgt man zumindest öffentlichen und veröffentlichten Meinungein.

Gut, das wird die geisterneuerten Prediger einer fleischlosen "Geistreligion" wenig berühren. Auch nicht, daß im geplanten Gesetzt eine wahre Umkehr aller Rechtsprinzipien festgeschrieben steht: STAATLICHES RECHT GEHE VOR ALLEM RELIGIÖSEN RECHT.

Welcher Narr hat das festgelegt? Pardon. Da sind ja nur noch Narren am Werk. Mögen sie mit Milde beurteilt werden.

Aber das kommt ja der Feigsüchtelei der Gegenwart nur entgegen. Die in Verbeamtung vollgefressenen Kleriker wagen es ohnehin schon seit ´zwei Jahrhunderten nicht mehr, auch nur irgendetwas an Proprium herauszustreichen, ja versuchen mit allen Mitteln solche Grundtatsachen zu vertuschen. Nur ja nicht gegen den Wind prunzen, das könnte mit gelber Hose ausgehen.

Der Pastoral, ja der Liebe - die hier auch mal keine Wahrheit braucht, wozu auch, Gefühl reicht - wegen. Offiziell. In Wahrheit würden all die Milch- und Butterbübis ihre Pfründe verlieren, auch kirchenintern - bitte, dem jetzigen Papst wird sogar Friedensnobelpreis-Qualität nachgesagt, was disqualifiziert heute mehr für dieses Amt!? Was ist da zu erwarten?

Bis auf ganz ganz ganz wenige Ausnahmen, deren Karrierechancen diese damit ohnehin durch den Schornstein jagen. Die jene Wahrheit zu vertreten wagen, die die Katholische Kirche eigentlich vertritt. Die nicht herumreden wie der Schorschl um den heißen Brei, um nur ja verträglich zu bleiben. Schmerzvermeidung, wußten Sie das nicht, verehrter Leser, ist doch das Grundprinzip der Kulturvernichtung? Dafür ist es demokratisch, oder so.

Da wird dann, jaja, die Ohren klingeln, mit pastoralen Notwendigkeiten argumentiert, und schmiegesanftseidenweich herumgeredet und -gelabert. Sogar noch ästhetisiert, ach und wie. Bis auch die letzten Katholiken die Kirche nicht mehr ernstnehmen, wie es mittlerweile in Wien per offiziellen Zahlen nicht einmal mehr die Hälfte der Bevölkerung tut. Mehr sind nicht einmal mehr getauft. (Das ist alles in einem, dem letzten Jahrhundert, was heißt, den letzten drei, vier Jahrzehnten passiert!)

Bis dorthin wird auch die Politik natürlich so weichgeklopft sein, daß sie angesichts des Desasters, das sie seit Jahrzehnten anrichtet, zwar umso mehr von Religion faseln wird, die doch der Mensch braucht. Weil aber sonst niemand mehr blöd genug ist, Moral und Steuern zu leisten, um die letzten Reste des einstigen Staates noch aufrecht zu halten. Und darauf werden sie bald noch kommen, wie nützlich für diese Fälle die Kirche ist. Das hat sogar die ÖVP geschnallt, deren vormaliger Hochschulminister deklarierter Heide war, der das Christentum auf "archetypische Topoi" reduzierte. Aber für solche Posten reicht es ja schon lange, "gebildet" daherzureden, um dennoch goldene Georgskreuze am weißgelben Vatikanbandel aus heiligen Bischofshänden umgehängt zu bekommen.

Also, sollen sie doch alle weiterjubeln, die so gerne Politikerhände schütteln, und ihre Charakterlosigkeit als Friedensbereitschaft oder gar christliche Haltung und schon gar: demokratisch! deklarieren. 

Gott möge aber tun, was er verheißen hat ... Endlich. Gründlich. Und die Journaille der Volksverblödung gleich mit.

Dabei braucht es nicht den Hinweis darauf, daß seit zehn, zwanzig Jahren jedes zweite in Wien geborene Kind muslimisch ist. Oder längst ein Fünftel der Bevölkerung der Alpenrepublik zumindest islamaffin ist, Tendenz rapide steigend, während der Anteil der Katholiken gerade noch drei Fünftel beträgt, Tendenz rapide fallend. Da wird der Hinweis auf Demokratie zur gefährlichen Drohung der - verfassungsgemäßen! - Gleichberechtigung. Angesichts eines katholischen Bevölkerungsanteils, der betrachtet an die Kirchenbesuchsstatistiken gegen 5 (!) Prozent geht, wobei zur Gewinnung realistischer Ansichten über den Zustand der Kirche ein Gespräch mit einer realistischen schlichten Pfarrsekretärin die wahren Fenster öffnen würde.

Nur, das ist ja kaum zu befürchten. Denn wo gibt es angesichts des Ideologisierungsgrads katholischen Bodenpersonals noch realistische Pfarrsekretärinnen bzw. Kirchenbedienstete? Aber dort würde man Dinge über den Rand des Katholizismus als Gesellschaftsfaktor hören, die jede ohnehin schon desaströse Statistik in Grund und Boden stampfen würde.

Da kommt es also auf solche Gesetze auch nicht mehr an. Ist ja eh schon alles wurscht? Nein. Die Kirche als Physis erlebt ihr Urteil. So schaut's aus. Und sie wünscht endlich ihre Verurteilung. Und tut alles, um sie herbeizuführen, bzw. die Herbeiführung zuzulassen. Was wünscht der Mensche mehr als Gerechtigkeit?




*Der werte Leser meint, das wäre ein Papierzahn? Oh, er gehört auch zu denen, die sich gerne was vormachen? Denn dann gucke Er mal, was sich erst vor wenigen Jahren in der Tschechei abgespielt hat. Der damals vielleicht letzten öffentlichen und wirklich katholischen -  nicht: das von sich behauptenden, sondern: Seienden! - universitären Fakultät in Europa. So ein Gesetz WIRKT. Und wie. Das greift zwangsläufig - alles Mögliche will wirklich werden, drückt einen solchen Willen aus, das ist ein ontologisches Gesetz - direkt in die theologische Linie einer per Konkordat eigentlich autonomen (vom ausländischen VATIKAN GESTEUERTEN) Lehranstalt ein. Und es gibt jederzeit genug kircheninterne Wichselbrünzler, die auf diesen Zug gerne aufspringen, um ihr Süppchen zu kochen. Und den Frieden mit dem Staat wieder herstellen. Schon gar, wenn es gegen den Islam geht, bitte, da grenzen wir uns doch allemal ab!? Wer will denn schon ein an die Religion gebundenes Rechtswesen? Da könnte doch ein Wiener Kardinal nicht mehr so untertänig lächeln?




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Donnerstag, 2. Oktober 2014

Europa muß sich schaffen (3)

 Teil 3) Nur Poesie kann Politik schaffen, 
nur Poesie kann überhaupt ETWAS schaffen,
nur in ETWAS kann der Mensch leben





Es braucht Politiker die wissen, daß Politik die Folge eines schöpferischen, damit poetischen Prozesses ist, weil Staaten überhaupt NUR aus diesem Spiel der Poesie leben, historisch belegbar sonst innerhalb kurzer Zeit zerfallen - wenn diese Poesie fehlt oder verweht. Wo aber ein Staat, der einen Raum bestimmt, zerfällt (und das muß formal noch nicht einmal geschehen sein), entsteht ein Machtvakuum. Jeder Raum aber MUSZ beherrscht werden, das fordert er selber. Das wiederum bewirkt, daß die an diesen entleerten Raum angrenzenden Staaten und Machtgebilde aktiviert werden. Denn nennen wir es beim Wort: Wessen Nachbar nicht berechenbar weil nicht souverän ist, muß Wege suchen, souveräne Nachbarn zu finden, will er nicht selbst zerfallen. Denn das Wesen der Dinge ist, daß sie im Dialog entstehen wie bestehen.

Zwischenruf, klein, leise, so nebenbei: Gibt es ihn also doch, den "Raum an sich"? Ah wa, natürlich nicht. Nicht in diesem bildlichen Zusammenhang. Denn es sind die Dinge, die Raum in sich, mit sich, durch sich bedingen, und in dieser Hinsicht "schaffen". Als Anschauungsform von Beziehungen. Wenn hier also von Anforderungen des Raumes die Rede ist, so nur in dieser Hinsicht, als Dinge Raum schaffen, als sie in ihrer Selbstwerdung (als aktverstandene Identitätssuche zwischen dem Realen und ihrer Idee) somit "schaffen" (als "bedingen".)

Solche Prozesse müssen nämlich einfach einmal begonnen, vorgestellt, angeboten werden. Nur so beginnen Visionen. Nur so beginnen schöpferische Prozesse. Nicht nur der VdZ hat aber den Eindruck, daß es der offiziellen Politik an lebensstarken und wahrhaftigen Visionen eindeutig fehlt. Das spürt die Bevölkerung in ganz Europa, das macht sie so unzufrieden. Schon derzeit ist deshalb das Wachsen einer Kluft bemerkbar, die sich zwischen Bevölkerungen und ihren Führungen auftut. Die geistig Europa auseinanderreißt. Sie liegt darin begründet. Denn der Mensch ist, schreibt Ortega Y Gasset so schön, ein "utopisches Wesen". Er muß sich immer neu konstutuieren, und er muß sich auf einen Sinn, auf ein Ziel hin ausstrecken, sonst bleibt er nicht "stehen", sondern fällt ins Nichts. Gegenwart, Sein als seiende Gestalt, "gibt" es nicht statisch. Sondern nur aus der Spannung des Gestern, das sich nach einem Morgen ausstreckt. Als Tätigkeit.

Die Dimension des Staates - als größte Weite der Person, damit selbst als (analoge) Person - ist dabei keine verzichtbare Zutat. Sie ist jene Errungenschaft, die es möglich macht, den Menschen noch mehr zu sich selbst zu führen. Denn Annäherung ist eine Frage des Abstands - in der Selbstwerdung. Einen "Europäer" aber gibt es nicht. Umgekehrt würden die Menschen kulturell zurückfallen (und was gefährlich ist: sie wissen es nicht, niemand scheint es mehr zu wissen), wenn sich Europa in "Völker" auflöst. Der Spruch de Gaulles - "Europa als Heimat der Völker" - wurde immer mißbräuchlich verwendet. Er sagte wörtlich "STAATSvölker". Was nämlich ist ein Volk? Auch die 20.000 Lavanttaler? Oder erst die 5 Millionen Schotten? Oder 10 Millionen Westukrainer (selbst wieder ein buntes Konglomerat an Völkern)?

Stufen in der Ordnung der Menschen aber können nie übersprungen werden. Was immer einander als Nachbar grüßt, ist gemeinsam nur auf einer nächsten Ebene. Jeder organische, ja jeder chemische Prozeß zeigt das deutlich, und verweist damit (analogisch) auf das Wesen der Welt. Nur so kann ein gemeinsames Europa entstehen, das seine geopolitische Dimension wahrnimmt, zum Wohle aller seiner Völker und Staaten.

Die Aufgabe der EU kann nicht darin liegen, Wärmedämmverordnungen oder Olivenölkännchen oder Antirassismusdoktrinen oder Abtreibungsverordnungen durchzudrücken. Sie kann auch nicht darin liegen, die Einzelstaaten aufzulösen. Darin übernimmt sie sich heillos und unweigerlich, heir ist bereits unendlich viel schiefgelaufen. Sie liegt subsidiär in der Diskussion ("Parla"ment) und Verwirklichung großer politischer Themen, die die Dimension und Verwirklichungsmöglichkeit und Regelbarkeit durch Einzelstaaten eben  übersteigen. Die alle Einzelsubjekte aber - Staaten - in größere Rahmen führen, um so sich selbst besser - und zwar zum Geist hin - in ihrer Eigenart, weil nun gerade eingebettet in einem großen Konzert der Ordnung, entfalten zu können.





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Mittwoch, 1. Oktober 2014

Europa muß sich schaffen (2)

Teil 2) Wer keine Visionen hat, stirbt




Zwei Richtungen müßte also die europäische Politik einschlagen: Auf höherer Ebene den Zusammenschluß mit Rußland suchen, das für Europa eine ideale Ergänzung wäre. Denn es ist keineswegs Zufall, und sehr metaphorisch aufzufassen, daß Rußland jene Rohstoffe und Energien liefert (weil hat), die Europa genau und existentiell fehlen. Die Vorteile, die so ein Bündnis in so vielen Hinsichten hätte, intern wie in einer sich neu formierenden globalen politischen Welt, wären gar nicht aufzuzählen, so zahlreich. Gleichzeitig müßte das Machtgebilde "unter" der EU durch die Schaffung etwa gleichstarker "Reiche" in Gleichgewichte ausgependelt werden. Dies erst würde den vielen Kleinstaaten wirklich nützen, so erst könnte man davon ausgehen, daß auch ihre Interessen genügend im Großkonzert berücksichtigt würden. Vielleicht sogar tatsächlich durch Einbindung der Türkei im Rahmen eines Mittelmeerkonzepts. Damit wäre auch die Position der EU in der Levante, in der Europa einfach viele Interessen hat, warum sollte man das nicht offen sagen, völlig anders, und vor allem: klarer und stärker.

Im aktuellen Fall der Ukraine, die in den Augen des VdZ zerbrechen wird, in einen (vermutlich sogar Kiew noch einschließenden) Rußlandteil, und in einen westlichen Teil, wäre eine Einbindung dieses westlichen Teiles in eine - sagen wir es ruhig - Donauraummonarchie nicht nur die einzige realistische Dauerlösung (denn eine NATO-EU-Einbindung würde das Problem mit den völlig berechtigten Bedürfnissen Rußlands angesichts des Ungleichgewichts der Kräfte nicht nur nicht beheben, sondern in Permanenz aufrechthalten), sondern auch für das Land und seine Kultur im Ringen um Selbststand, und das heißt eben auch: Abgrenzung zum Ostslawischen, der einzige Weg.

Es ist auch für die EU der einzige Weg, behauptet der VdZ. Sie kann nicht zu einem globalen Player weiterschreiten, das zeigt sich immer deutlicher, will sie nicht zu einem Appendix der USA werden. Sie wird aber die politische Einigung des Kontinents nicht schaffen, aus verschiedensten Gründen, und setzt heute - wie in einem Geburtsschaden - im Grunde ungeordnet intern auf vielfach falschen Ebenen an.

Aber selbst Rußland bräuchte dieses Europa, und der VdZ ist gewiß, daß gerade Putin das am besten weiß. Denn ein Pakt mit China ist widernatürlich und für Rußland auf lange Sicht sogar gefährlich. Man betrachte nur die Gestalten - hier ein dünn besiedeltes, riesiges Sibirien, dort ein mit Menschen vollgestopftes China. Räume fordern! China wird Rußland erdrücken. Doch läßt man Moskau derzeit keine Wahl. Und man stärkt damit ... China. Die derzeitige Strategie (soferne man davon überhaupt noch sprechen kann) ist also auch aus Sicht der USA (deren Raum wohl wirklich nur in Amerika liegt, Monroe wußte das) seltsam kontraproduktiv, ja sie hat sich selbst in eine Sackgasse manövriert, wo der nächste Schritt nur noch ein Retourgang sein kann, wie es sich doch seit Jahrzehnten zeigt. Und ist die Situation am Golf, wo der arabische Raum eine Positionierung in der globalen Lage zu schaffen sucht, etwas anderes?

Es schmerzt zu sehen, daß die Haltung der EU Rußland gegenüber so klare Züge haßerfüllten Zynismus' trägt. Eines Zynismus, der einem Charakter entspringt, der in seiner eigenen Verzweiflung lieber alles in den Abgrund reißt, als Scheitern einzugestehen, und sich neu zu orientieren. Selbstverständlich - die Rede ist vom nie übers Kleinkind hinausgekommenen Sprößling Europas, die Rede ist von den USA.

Dazu freilich bräuchte es Größe. Dazu bräuchte es in Europa Minister und Kanzler vom geistigen Format eines Metternich, eines Talleyrand, etc. etc. Woher die kommen sollen? Der VdZ ist der festen Überzeugung, daß sie da SIND. Daß es diese Männer GIBT, auch in Europa, ja mitten unter uns. Nur haben sie sich selbst noch nicht zu dieser Größe entwickelt, die in ihnen noch embryonal ist. Sie konnte sich deshalb nicht ins Licht und an die nötigen Positionen entwickeln, weil die Elitenbildung in Europa einen Fundamentalschaden erlitten hat. "Große Aufgaben bewirken große Männer bewirkt", nicht umgekehrt. Selbst das geistige und politische Leben eines Raumes hat mit seiner Größe zu tun, in der er zur Person, zum Organismus konstituiert ist. Der Leib (zu dem in diesem Sinn der Raum des Menschen wird, den es nur "mit Grenzen" als Leib, als "Etwas", als Gestaltbares gibt) fließt in den Geist zurück, und fordert ihn damit.

"West-Europa" hingegen, ungeeingt, uneinbar, außer mit Gewalt, denkt (schöpferisch) offensichtlich derzeit zumindest nicht in adäquatem Maßstab, bleibt unter seinen Möglichkeiten. Und weil es nach unten - in den Abgrund technischer Starre - blickt, wählt und schafft es seine eigene Zukunft nicht.



Morgen Teil 3) Nur Poesie kann Politik schaffen, 
nur Poesie kann überhaupt etwas schaffen,
nur in ETWAS kann der Mensch leben 




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Dienstag, 30. September 2014

Europa muß sich schaffen (1)

Man muß nicht lange suchen, um die eigentliche Ursache der Probleme, die die Ukraine als "Staat" hat, in der Zerschlagung der Habsburger-Monarchie im zentraleuropäischen Raum zu sehen. Es zeigt sich gerade heute, und wie oft eigentlich schon, der realpolitische Wert, den dieser den anderen europäischen Mächten gleichrangige Staat hatte. Und den er heute hätte. Es wäre zu einer derart zugeschärften Krise mit Rußland gar nie gekommen. Die Ukraine wird dabei nicht nur in zwei, es wird in mehr Teile zerfallen, das wagt der VdZ heute, am 30. August 2014, wo er diese Zeilen schreibt, zu prognostizieren, bzw. werden sich die Linien West-Ost anders ziehen, als man heute meint. Teile, die allesamt eines brauchen: Anschluß an größere Räume und Machtgebilde in Europa, weil sie ihre eigene Souveränität so gar nicht behaupten können, von Staat zu sprechen damit aber zur höflichen Farce wird.

In einer Art Zwischenstufe aber - der dann nur noch, wenn man schon will, eine EU übergeordnet wäre, die als Reichsidee aufgefaßt werden müßte, deshalb auch Rußland einbinden müßte - stünden sich in den EU-Gremien etwa gleichrangige Positionen gegenüber. Selbst eine Willensbildung wäre vereinfacht, an der eine in derartig viele Kleinstaaten aufgespaltene EU nicht nur krankt, sondern an der sie eigentlich zerschellt. Denn die EU vermag den eigentlichen europäischen Gedanken, als wiederum gleichstarker Player im globalen Konzert, nicht zu verwirklichen, ja tendiert genau deshalb dazu, sich auf die Seite der USA zu schlagen, was im Klartext heißt: dorthinein aufzugehen. (In der NATO ist das ja längst der Fall.)

Für diesen Teil Europas würde sich dann neben einer Donauraummonarchie (oder, meinetwegen, -republik) ein Raum Baltikum-Skandinavien-Polen, oder - immerhin ist Polen auf dem besten Weg zu einer europäischen Mittelmacht - nur Baltikum-Skandinavien, neben Polen. Vielleicht wäre das sogar ein Ausweg für Weißrußland, das sich in seiner Angewiesenheit an Rußland, folgt man den Einschätzungen von Peter Scholl-Latour, so gar nicht wohlfühlt. Aber dann stünde Rußland auch nicht mehr die NATO an der Grenze gegenüber, sondern ein etwa gleichrangiger Partner, den man nicht fürchten müßte, weil er sich nicht fürchtet, sodaß ein Neben- und Miteinander in ruhiger Vernunft möglich wird.

Hier wäre die Aufgabe der Außenpolitik der betroffenen "Nachfolgeländer", und das heißt: ganz Mitteleuropas, auf Jahre intensiv beschäftigt. Ein Prozeß würde in Gang kommen, der Herzen und Gehirne der Bevölkerungen ganz neu inspirieren und ihren Willen zur Lebensgestaltung neu entfachen würde. Und sei es durch Überzeugungsarbeit. Denn die meisten dieser Nachfolgestaaten haben genau das getan, was ihnen mit der Monarchie, die viele - kurzsichtig und falsch - selbst nicht mehr wollten: Sie mußten sich sofort einen Anschlußpartner suchen, einen größeren politischen Raum, in den sie eingehen konnten, weil ihr außenpolitisches Gewicht viel zu gering war. Ihre Souveränität - Hauptmerkmal eines Staates - also nicht gegeben bzw. zumindest permanent gefährdet war. Über deren Sinnhaftigkeit man sehr berechtigt streiten kann. Wenn etwa die Tschechen und Polen die USA suchten, oder die Ungarn die EU (was es wohl vielfach bereits bereut). Manche würden gewiß nach wie vor Abneigungen zeigen. Aber so erst entsteht ein Argumente- und Sinngebäude, an dem gearbeitet werden kann.

Darf man träumen? Darf man sich vorstellen, wie alle diese kleinen Länder ihre Spezialisierungen, die auch mit ihren begrenzten und spezifischen geographischen Räumen zu tun hat, in einem größeren Organismus - als Organe - nicht nur beibehalten, sondern zur wahren Stärke entwickeln könnten? Dann muß Ungarn nicht zwanghaft versuchen, ausländische Industrie ins Land zu holen, die Tschechei Lebensmittelachsen aufbauen, Österreich könnte endlich das einzige was es kann, verwalten, müßte nicht seine kleinstrukturierte Wirtschaft ersatzlos auflösen, Slowenien und Kroatien könnten die Seeanbindung bedeuten, die Westukraine (die eine Nähe zu Polen bzw. einem baltisch-polnisch-ukrainischen Gebilde aus historischen Gründen nicht akzeptieren wird) die Kornkammer sein, usw. usf. In einem Dreieck Alpen - Karpaten - Balkan.

Das hat auch die EU versprochen? Ja, aber es ist nicht eingetreten. Denn es gibt Adäquanzen auch und nicht zuletzt in der Größe. Das ist in der freien Natur nicht anders. Es ist auch ein Gesetz menschlicher Kultur, die sich im Staat ihre größte politische Gestalt gefunden hat, die freilich im überstaatlichen Rahmen der Reichsidee bedarf. (Was ist eine UN denn anderes als ein Reichstag?)

Man nehme nur Österreich, das mit dem EU-Beitritt alles, was seine Stärken waren, mit dem man auch die Menschen bei der Abstimmung lockte, ins Nichts aufgelöst bekam. Heute ist das Land so sehr wie noch nie ein lächerlicher Appendix deutscher Politik, und seine Souveränität ist bis zur Unerträglichkeit aufgelöst.




Morgen Teil 2) Wer keine Visionen hat, stirbt




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Mittwoch, 9. Oktober 2013

Seher des Wirklichen

Anders als der Verfasser dieser Zeilen will Vaclav Klaus etwas bewirken, mitmischen. Und so wird er nicht müde, immer wieder dasselbe zu sagen. In dem er völlig recht hat. Denn Klaus scheint einer der ganz ganz wenigen Politiker zu sein, die noch ihren Verstand beisammen haben, wie man so schön sagt. Deren Reden noch nicht zu einem fundamentlosen Sophismus verkommen ist. Und damit in der Lage sind, Wirklichkeit zu sehen und zu benennen. 

Diese Woche erscheint ein nächstes Buch von ihm, in dem er der Tschechei sogar zum Austritt aus der EU rät. Die Presse schreibt: Die EU trägt laut Klaus zu all dem Schlechten bei, was in der tschechischen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft geschieht. Der Ex-Präsident sprach von "Überregulierung, Souveränitätsverlust der nationalen Regierungen, Dispersion von Verantwortung". Die politischen Parteien verlören die Fähigkeit, Grundsätzliches durchzusetzen.

Freilich, ein Beigeschmack bleibt. Denn Klaus gehörte 1996 zu jener Fraktion, die den Beitritt der Tschechen zur EU forcierten, und Klaus hat 2003 den EU-Beitrittsvertrag signiert. Wie es jedem damals erging, der sich dagegen aussprach, davon kann der Verfasser dieser Zeilen ein Lied singen. Sie haben nur das gesagt, was Klaus nun als Altersweisheit von sich gibt. Denn es war vorhersehbar. Und jene, die meinten, es würde anders kommen, weil man es anders gestalten könnte, haben unter mangelndem Realitätssinn, unter fehlender Erfahrung mit der Wirklichkeit der Menschen und unseren Zuständen gelitten. Sodaß sich Klaus gefallen lassen muß daß man ihn in die Riege jener einreiht, die den Mund voll, aber die Hände untätig halten, weil sie in Wahrheit Angst vor der Wirklichkeit haben, und sich deshalb dem oberflächlichen Funktionalismus ausliefern, Ablaufoptimierung betreiben, und dabei die Sinnfrage nicht stellen.

Technokraten, Bürokraten. Menschen, deren Grundstrukturen der Persönlichkeit nie an der wirklichen Wirklichkeit geformt wurden, die als mittlerweile überwältigende Gesellschaftsschicht, die an Wirklichkeitsverlust leidet, ganze Generationen bereits gelehrt hat, daß das was ihnen zustößt nichts mit ihrem Handeln zu tun hat. Daß es eine Separatwirklichkeit gibt, in der sie wie in einem Kunstland ihr Leben verbringen können.

Solche Menschen haben auch Angst, zu handeln. Solche Menschen haben auch Angst vor jeder möglichen Reaktion, die sie sich heftig ausmalen. Weil sie keine Ahnung haben, wie Menschen und Wirklichkeiten wirklich sind. Alltag in Kirche, Politik, staatsabhängigen Wirtschaftssektoren, im Bildungs- und Kunstsektor. Solche Menschen sind unfähig zu handeln. Aber sie sind Meister der Rechtfertigung.

Und sie sind Meister der "späten Einsichten". Beobachtbar etwa an jenen, die heute in den Ruhestand treten, und auf einmal beginnen, "Politik" zu betreiben, die so ganz anders ist als jene, die sie früher betrieben haben, als sie nur versuchten, ihre Schäflein aufs Trockene zu bringen. Die jene Feiglinge und Systemmitschwimmer waren, die das eingebrockt, in erster Linie zugelassen haben, durch Nichthandeln, Wirklichkeitsangst und Kriechertum, worüber sie sich heute in ihren netten Alterssitzen bei edlem Rotwein und Schmankerln aus handverlesenen Bauernbetrieben beschweren. Menschen, die der Welt auch noch das Letzte abbetrügen wollen, um ihr Leben noch ins Trockene zu bringen, so lange das noch geht und dabei nur fortsetzen, was sie je betrieben haben: Ihre Vorteile zu wahren. Um ihre Rente, oder ihre Renditen für Anlagen zu sichern. Die ihnen jene erarbeiten sollen, die sie zuvor im Stich gelassen haben, als sie ihnen noch gleichgültig sein konnten. Eine Generation, die tatsächlich meint, etwas aufgebaut zu haben.

Ja, Traumschlösser. Die sie nie bezahlt haben.



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Montag, 26. August 2013

Schluß mit der Narretei

Ihr Pragmatismus, in den ihr Realismus schon mal umschwenkt ist ja legendär. Die Tschechen hat nun als erstes Land definitiv die Beendigung der Sondereinhebungen für "Erneuerbare Energien" beschlossen. Schon ab 2014 werden die Förderungen für EE werden zwar nominell aufrechtgehalten, um keine Zusagen zu brechen - pacta servanda sunt -, die Zwangsabgaben aber vom Staat übernommen. Das Geld dafür holt sich der Staat von den "Solarbaronen", jenen, die also von Solaranlagen kräftig profitierten. Ihre Sondersteuer wird weiter aufrechterhalten. Das bedeutet die generelle Beendigung der Förderung "Erneuerbarer Energie".

Die Begründung dafür ist einfach: Die finanzielle Belastung der Bevölkerung aus diesem Titel ist nicht länger tragbar. Jaroslav Hanák, Präsident des tschechischen Industrieverbandes und Betrater von Präsident Zeman meint dazu in einem aktuellen Interview in der “Landeszeitung” (einer deutschsprachigen Zeitung, die in Tschechien erscheint: 

Erneuerbare Energien tragen nichts zur Wettbewerbsfähigkeit unserer Firmen bei und komplizieren den Haushalten das Leben in einer Zeit, in der man jede Krone zweimal umdrehen muss. Erlauben Sie mir ein Beispiel. Jedes Jahr wachsen die Zwangsabgaben, die Firmen für erneuerbare Energien entrichten müssen. Das Stahlwerk Arcelor Mittal, einer der größten Arbeitgeber in der Region Ostrava, zahlte 2010 über 160 Millionen Kronen (6,4 Mio. Euro) an Abgaben für EE. Im Jahre 2011 betrugen die Abgaben schon 368 Millionen (knapp 15 Mio. Euro) und letztes Jahr 418 Millionen (knapp 17 Millionen Euro). In diesem Jahr sollen sie auf 580 Millionen anwachsen (23,2 Millionen Euro). (...) Für diese Zwangsgebühren gehen Gelder drauf, die in die Modernisierung des Betriebs oder die Ausbildung neuer Arbeitskräfte gesteckt werden könnten.

Retter der Menschheit, die ihre Heiligkeitsgefühle aus der Trottelei der Windräder und Solarwirtschaft bezogen haben, werden also zukünftig anderswo ihr Recht auf Vergewaltigung der Wirklichkeit beziehen müssen. Wir wär's mit Verschwörungstheorien, oder Dolchstoßlegenden? Die Auswahl an "hätte man" und "würde man" und "man müßte nur" ist schier unerschöpflich. Der Verfasser dieser Zeilen könnte jede Menge davon aus seinen Archiven anbieten. Ihr Schmarotzertum werden sie aber aus anderen Quellen finanzieren müssen. Die gigantischen Umweltzerstörungen - der werte Leser möge sich die wenigen Stunden Zeit nehmen, und die kaum 100 km lange Strecke Pamhagen - Parndorf - Hainburg - Wien abfahren, um annähernd zu ermessen, was uns "umweltgerechte Energiegewinnung" bereits eingebrockt hat - muß ohnehin die Allgemeinheit tragen.

Ein Tip: Sorgen Sie dafür, daß bei solcher Reise kein Vorschlaghammer, keine Motorsäge und schon gar keine Schrotflinte erreichbar sind. Dafür viel Literatur über Kreuz. Und danken Sie für den Erkenntnisgewinn, hier die Auswüchse des Verhaltens jener zu sehen, die ihr "investiertes" Geld nie verdient, nie im Eigentum hatten, sondern in der Sozialstaats-Umverteilungslotterie gewonnen haben, es deshalb umso zeitgeistig "moralischer" loswerden wollten, um sich zu entschulden. Pekunäre Schadloshaltungen durch Haftungsbeschlüsse wird ohnehin die Zukunft bringen. Das wird der nächste Schritt. Beobachten wir die Tschechei. Die ist schon lange Vorreiter in manchem.





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Dienstag, 15. Januar 2013

Europäische Wünsche (2)

Teil 2 - Der Wunsch nach Zerstörung des Bestehenden



Von "Zerschlagung" Deutschlands zu sprechen ist mit Sicherheit verkehrt. Der Schritt muß aus eigener Einsicht kommen. Indem sich die Regionen wieder besinnen, und ihre Wurzeln zur Distinktheit neu suchen und aufgreifen. Wenn Europa zu einer Einigung kommen will, und das braucht es auch, im Interesse aller Bürger, dann braucht es den Mut, sich eine neue Ordnung geben zu wollen, die eigentlich auf alten Grundsätzen aufsetzt. Indem es neue Ebenen durch Verbände heutiger Staaten schafft - hier war schon die Rede von neuen Blöcken, die heutige Kleinstaaten wie z. B. im ehemaligen Raum der Österr.-Ungar. Monarchie wieder oder neu (den Balkan könnte nur so ein Verband befrieden, der entlang seiner religiösen Bruchlinien seine Grenzen findet) verbindet. Indem sich Deutschland wieder teilt.

Daß Großbritannien heute so separatistisch wie schon lange nicht auftritt, sich wie aus Europa verabschiedet, hat genau dort auch seinen Grund. Es fehlt an einer wirklichen europäischen Idee, die tragfähig ist, die den kleinen, aber fundamentalen, ja alles begründenden Kern - das Reich - darstellt.

Wie vital diese Grundwahrheiten immer noch sind, denn sie lassen sich gar nicht auslöschen, zeigt sich in den Diskussionen wie jene über ein "Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten," und das drückt sich auch aus, wenn von "Eurozonen" die Rede ist. Und das drückt sich aus, wenn "seltsamerweise" überall in Europa "Nationalismen" aufbrechen, vom Baskenland über die Lombardei, den Wallonenkonflikt in Belgien, oder Schottland. Dahinter stecken mächtige Grundmentalitäten, Elemente wirklicher Humanität, nicht rationale Konzepte. Die Scheinrationalität, die sich in fast allen heute diskutieren Konzepten offenbart, die sich auf offiziell ganz anders begründete "Fakten" zurückführt, offenbart nur unterdrückte, ignorierte, ganz tief liegende, aber umso mächtigere Antriebe, die man durch Prinzipienuntreue (vulgo "Offenheit" als Strategie, wirkliche Absichten zu verheimlichen, auch indem man sie sic nicht bewußt macht)  zu kaschieren sucht. Diese nicht ihrer Natur nach zu erfassen - häufig durch "Denkverbote", neue Dogmen - bringt mit sich, daß man selbst durch neue Ordnungen erst recht wieder Bruchlinien übertüncht, bis zum nächsten Bruch.

Dazu muß Europa aber seine Seele, seine Idee, vorausgehen, die muß wiederentdeckt, ausgegraben werden. Die kann man nicht "geben", erfinden, das ist grobe Dummheit. Und die kann sich nicht als "Staat" oder "Superstaat" etablieren. Weil solch eine Idee nicht "erfunden" werden kann. Sie kann nur das Bestehende, die vorhandene Substanz, aufgreifen, und sie ihren inneren Gesetzen nach zu einer Ordnung führen. Nur so kann eine Seele sich einen Leib wirken, nur so kann sich aus Einzelseelen ein Gemeinsames derivieren. Umgekehrt muß Europa zu einer Diktatur werden, die seine Vitalität auslöscht. 

Aber das ist auch nicht möglich, indem man nun doch einen anderen Weg einschlägt und alles beim alten läßt. Dazu muß von Grund auf neu angesetzt werden. Mit der Kernfrage beginnen: woraus sich eine Gesamtleitung überhaupt legitimieren kann. Hier ist zuerst die Kirche gefragt.

Weil das alles aber unrealistisch ist, nicht im Horizont der heutigen Politik vorkommt, wird Europa von Kräften gelenkt, die es nicht kennt. Und die darauf abzielen, diese Neuordnung durch Katastrophisches, durch blinde, nur scheinrationale Zerschlagung des Bestehenden herbeizuführen. Ganz so, wie schwache Persönlichkeiten eben agieren. Die hoffen, daß die Umwelt, das "Schicksal" setzt, wozu ihnen Kraft und Mut fehlt. Das steckt hinter den apokalyptischen Bildern, die uns seit Jahrzehnten vor Augen gestellt werden, sich nur je andere Projektionsflächen suchen: Ein mächtiger Wunsch.

Weil aber dieses Wollen so weithin kein Gewand der Vernunft mehr findet, äußert es sich versteckt. Und äußert es sich vor allem in einem starken Wunsch nach Befreiung vom Bestehenden. Genau das steckt sogar hinter der "Energiewende", die ganz Deutschland verwüstet (sic!), und hinter so vielen "Ideen" der Gegenwart lassen sich diese Wünsche erkennen. Dies, vor dem Hintergrund des Abwägens, was "realistisch" ist, läßt für unsere Zukunft Schlimmes ahnen.




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Montag, 14. Januar 2013

Europäische Wünsche (1)

Natürlich ist es klar, daß Berlusconi längst mitten im Wahlkampf steht, wenn er dagegen anschreit, daß Italien unter Monti zu einem Anhängsel deutsch-französischer Politik wurde. Und die Töne werden wieder moderater werden. Wenn er wieder im Palazzo del Grimsci Angela Merkel auf den Po klopft, worauf sie neckisch aufschreit, und Francois Hollande am Gruppenphoto ein Doppelhorn hinterlegt. 

Aber der Sache nach hat er recht. Und deshalb trifft er ganz sicher die Stimmung im eigenen Lande so gut. Neuerlich so gut. Das kann man nur, wenn man die Dinge in Aspekten erfaßt, die real und für sich zumindest wahr sind. Mit Erfindungen kann man das nicht.

Der Verfasser dieser Zeilen macht keinen Hehl daraus, daß er gleichfalls der Ansicht ist, daß Europa unter einer deutsch-französischen Gewaltpolitik leidet, ja ersticken wird. Der Kontinent hat seit 100 Jahren sein Gleichgewicht verloren, das er sich in vielen Jahrhunderten erstritt und erfocht, so fragil das auch war, und das kann ja gar nicht anders sein bei vitalen Völkern, in denen es immer brodelt und gärt und sich sein Rückgrat schon im Generationenwechsel immer neu ausschmelzen muß.

Deutschland - und das hat seine unmittelbaren Auswirkungen auf das Verhalten Frankreichs - ist zu groß für diesen Kontinent, und gleichzeitig fehlt es an ausreichend mächtigen Gegenspielern. Der Kontinent kann nur durch ein Reich zusammengehalten werden, aber ganz sicher nicht durch einen Zentralstaat. In dem sich das bei weitem stärkste Glied, Deutschland, selbst wenn es das nicht wollte - und "böse Absicht" wollen wir schon gar niemandem unterstellen, ja das schließen wir aus - zum Alleinherrscher durchsetzen wird. Das hat mit der inneren Logik von großen Organismen zu tun, die gar nicht anders können als sich um einen Kopf, eine Mitte zu gliedern. Und sie tun das auch, sonst gehen sie auf jeden Fall zugrunde.

Die Reichsidee ist kein Staat. Sie bindet lediglich seine Glieder zu einem Ganzen, bindet sie vor allem aber an eine Herrschaftsidee, die nur im Religiösen ihre Wurzel haben kann. Denn ob unausgesprochen, gewollt, oder nicht - Legitimität ist immer eine religiöse Frage. Ein europäisches Reich braucht aber eine Ordnung, und diese Ordnung muß eine Hierarchie sein. Und in dieser Hierarchie muß sich ein harmonisches Verhältnis der Teile zueinander ausdrücken. Ein Reich kann nicht akzeptieren, daß ein Glied so stark wird, daß es den übrigen seine Charakteristik aufprägt. Alles in einem Organismus muß im Gegenteil seine Eigenart bewahren. Die Niere wird nie Sauerstoff aufnehmen wie die Lunge. Aber die Lunge wird kollabieren, wenn ihr Lebenssaft, der sie ans Ganze anbindet, vergiftet ist, weil die Niere nicht arbeitet. Zugleich kann sich ein Reich nicht mit Organen abfinden, die so stark sind, daß sie das Geschehen des Ganzen (ob still, ob explizit) zwingt.

Auch Deutschland braucht also diese übergeordnete Instanz. Nur ist die EU in heutiger Form eine Perversion des Reichsgedankens.* Das heutige Deutschland ist die zufällige Folge einer Mißgeburt, einer Scheinordnung, wie Egon Rosenstock-Huessy es einmal nennt. Über die historischen Gründe wurde und wird hier immer wieder gehandelt. Es steht nur vor der Wahl, seinen Zusammenhalt zum einen durch Technizismus aufrechtzuhalten, zum anderen, als "geistiges" Pendant, durch Nationalismus, der sich auf diese künstliche Idee bezieht. Es war damit zu einer Politik der Dominanz verdammt, die sich ungebrochen bis heute fortsetzt.**

Ja, die die Politik auch der Gegenwart kennzeichnet, weil die sich gegen diesen Druck, der von "innen heraus" kommt, zur Wehr setzt, und damit erst recht nachgibt weil getrieben ist. So hat sich selbst der deutsche "Helferkomplex" (aus Wiedergutmachungsmentalität heraus) ins Gegenteil pervertiert. So wurde deutsche Finanzhilfe, die die anderen stärken sollte, zum Gegenteil: noch nie war Deutschland so mächtig! Und noch nie war es so getrieben.

Aber diese Macht ist aus ihrer Natur heraus ungeordnet, und das macht sie sogar zur Gefahr. Denn es fehlt ihm der wirkliche Nährboden eines Organismus - die gemeinsame Kultur. Zu der Definitionen wie "Abendland" nicht ausreichen. "Abendland" kann nur ein Reich motivieren, nicht seine Länder.

So verwaschen diese Identifikationsebenen bereits geworden sind. Sie sind dennoch da ,und brechen auch immer wieder (im "Separatismus") auf. Als kleinster gemeinsamer Nenner des Deutschseins heute aber ist nur Technizismus, Wohlstandsideologie auszumachen, und der Wille zum Zusammenbleiben wird mehr durch die Verlockung von Macht und Stärke und von der Angst vor Wohlstandseinbußen und Bequemlichkeitsverlust befeuert, als durch fundamentale Mentalität. 

Die Idee hat man offiziell einfach untersagt. Aber doch flackert sie immer wieder auf, und das wird auch nicht enden, bis sie wieder ihren Drachenschädel erhebt. Denn diesem künstlichen Organismus fehlt die Seele. Deutschland ist im Ganzen gesehen seelenlos, war nie mehr als eine rationalistische Idee. Seele haben nur seine Regionen in sich, für sich, so schwach sie oft noch durchscheint, so sehr sie sich oft verflüchtigt zu haben scheint.

Morgen Teil 2 - Der Wunsch nach Zerstörung des Bestehenden






*Das war in den Augen des Verfassers dieser Zeilen leider der Grundirrtum, die Verkennung, die Otto von Habsburg's politisches Wirken so tragisch gemacht hat. Habsburg ist - das hat er auch immer gesagt - von der Reichsidee ausgegangen. Er hat aber übersehen, daß sie einer europäischen Einigung voraus gehen muß, nicht übergestülpt werden kann. Was ganz sicher im persönlichen Erleben, ja in der Herzensgüte dieses Mannes begründet lag. Dessen Weltbild deshalb ohne Arglist war.

**Die andere Länder sehr richtig ahnen. Die Tschechen zum Beispiel haben sehr hellsichtig seit 1918 ihre Allianz immer woanders gesucht, in den USA, in Frankreich, um dieser Macht nicht ausgeliefert zu sein.





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Dienstag, 4. Dezember 2012

Blind für die Realität

Vaclav Klaus
Er ist hier ein Dauergast, und immer wieder gerne gehört und zitiert - Vaclav Klaus, bis zur nächsten Wahl noch Präsident der Tschechischen Republik. 

Klaus vertritt immer schon ein Europa der Nationen. Den gegenwärtigen, immer energischer eingeschlagenen Weg zu einer EU der Zentralisierung sieht er als gefährlichen Irrtum. "Es gibt ihn nicht, den Europäer," ist einer seiner Standardsätze. Europa ist ein virtueller Begriff, der keine Lebensrealität hat. Es gibt nur Tschechen, Polen, Franzosen oder Italiener. Der Kronen Zeitung gab er unlängst ein nächstes Interview, das seine Klugheit erneut unter Beweis stellt. Auszugsweise sei nur ein Absatz daraus zitiert:


"Krone": Welche Botschaft richten Sie heute an die Europäische Union?
 
Klaus: Es ist nicht möglich, der übernationalen Organisation Europäische Union eine Botschaft zu schicken, denn diese Organisation beziehungsweise Institution hat keine Augen und Ohren. Man kann eine Botschaft an die EU- Politiker richten, aber die haben kein Interesse an einer Botschaft. Soeben kam ich von Laos, von einem zweitägigen Gipfeltreffen EU - Asien zurück, wo alle europäischen Spitzenpolitiker anwesend waren. Mir scheint, sie hören nicht zu und nehmen die Realität nicht wahr. Keine – von wem auch immer geschriebene oder ausgesprochene – Botschaft kann so stark und wirksam sein wie das, was uns allen, die wir in Europa leben, die Realität mitteilt. Die Politiker wollen diese Realität nicht sehen.



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Freitag, 12. Oktober 2012

Nur Not bringt Reformen

Josef Nadler zeigt in seiner Literaturgeschichte - die sich bewußt ist, daß sie eine Deutung zugrunde liegen hat, und man kann über die Deutung streiten, nicht aber über das Deuten selbst, erst Deutung macht überhaupt Ereignis zur Geschichte - daß die deutsche Literatur immer wieder von jenen Gebieten am stärksten geprägt wurde, in denen die Kultur selbst um ihr Leben ringen mußte. 

Historisch aufweisbar, sind somit gerade die geographischen Randzonen der deutschen Völker - dort, wo die Menschen erst zu sich kommen, sich in der Welt als Gestalt festigen mußten - jene gewesen, aus denen jeweils die entscheidenden Anstöße kamen. Und das waren immer auch die Gebiete, die im politisch-historischen Geschehen dann im Brennpunkt standen, in denen sich die Spannungen, längst gefühlt und durchlitten von den Literaten, auch in historischen Umbrüchen entluden. 

Das erklärt das im Verhältnis zur Einwohnerzahl starke Gewicht schlesischer, deutsch-baltischer und ostpreußischer, elsässischer und ... tschechisch-deutscher und generell österreichischer Schriftsteller im Rahmen der deutschen Gesamtliteratur. Das erklärt das Hin- und Herwogen von literarischen Einflüssen und Entwicklungen zwischen oft recht klar abgrenzbaren geographischen Räumen. Und das erklärt das auch enorme Anwachsen höchster geistiger Kräfte in Zeiten eines Einbruchs, so wie es in Deutschland und vor allem Österreich zur Zeit nach dem 1. Weltkrieg der Fall war. Wo regelrecht eine neue Welt geschaffen und rekonstruiert werden mußte, weil die Gebäude abgerissen, im Schutt die Fundamente neu gesucht werden mußten. Eine geistige Atmosphäre, in der leider auch die Blender und Täuscher Hochkonjunktur haben und hatten.

Ein Volksteil oder ein Volk aber, das sicher und satt war, dessen Existenz und Selbstbehauptung nicht (mehr) gefährdet war, ließ auch bald in der Literatur die Dynamik vermissen, sich zu entwickeln. Denn sie verlor wesentliche Aspekte ihrer existentiellen Bedeutung. Was sehr viel über das Wesen der (schriftlichen) Literatur, aber über das Wesen von Sprache überhaupt aussagt.

Aber dieses Gesetz läßt sich nicht nur in der Literatur ablesen. Es herrscht für so gut wie alle Bereiche des Lebens, nicht zuletzt in der Politik. Auch hier kommen die massivsten, drängendsten Anstöße zu Änderungen von den Rändern, in jeder Weise, und in jeder Richtung. Es wäre deshalb verfehlt zu meinen, daß Veränderungen, nach denen heute alle schreien, von etablierten Eliten ausgehen könnten. Das wird nie der Fall sein - warum auch? In ihren Köpfen und Herzen hat sich nie jene Spannung aufgebaut, die existentiell nach Lösungen für Bruchstellen sucht, in denen sie gesamtgesellschaftliche Fehlentwicklungen in ihnen durchlitten haben.

Es waren immer Außenseiter, die zu großen Reformen aufriefen, die Oppositionen, die Verstoßenen, die Leidenden, von denen Anstöße zu Änderungen kamen, und ... auch die Rezepte. Aus dem Mund etablierter Eliten klingt deshalb jeder Aufruf nach Reform wie eine groteske Lüge. Nur wer das, was gut und anstrebenswert, entbehrt, bildet es in sich zu einem Bild, zu einer Sehnsucht aus, und das ist das Bild eines besseren Ganzen. Der Versuch, alles "in die Mitte zu integrieren", wie er selbst bei Migrationsüberlegungen herrscht, ist deshalb eine Reaktion der Bequemlichkeit. Die nur versucht, durch Beteiligung möglichst aller an ihrem fetten, bequemen Leben, in dem sie es sich eingerichtet haben, möglichst NICHTS zu verändern. Nichts nimmt einer Reformkraft so rasch ihr Drängen, als sie ins Gesamte "wohlmeinend" zu integrieren, sie mit Geld zuzuschütten, um sie in Watte zu packen. Der Sozialstaat heutiger Prägung hat deshalb nur ein Ziel: die Macht im Sattel zu halten. Die sich bestens wie eine subkutane Dornwarze ins vitale Fleisch verspreizt hat, sodaß sie nur noch durch großflächige Resektion zu entfernen ist.

Deshalb zeigt sich ein wirklicher Niedergang einer Kultur, eines Staates, vor allem dann an, wenn die Eliten immer ausgefeiltere Beteiligungssysteme einrichten, in denen sie - scheinbar - möglichst viele Menschen "nach oben" ziehen, zu sich. Sodaß ihre Interessen scheinbar zu Interessen möglichst vieler Menschen werden. Solche Organismen verlieren jede Regenerationskraft für Krankheiten. Ihre "Reformen" enthalten nur Rezepte, die die bestehenden Mechanismen "optimieren". Die Krankheit eines Organismus schafft also tatsächlich ihre Gegenmittel selber. Aber sie tut es nur durch wirkliches Leid.

Nicht weniger grotesk, ja geradezu fatal ist es deshalb, Künstler, Literaten, Philosophen, wohlversorgt ihres Außenseitertums zu entheben, indem man sie "fördert" und mit Belobigungen versorgt. Das nimmt ihnen alle Kraft, macht sie zu Ohrenbläsern des Etablissements, zu fetten Hofnarren, als Salz schal und wertlos. Denn ihre reale, existentielle Situation bildet - so wie bei allen Menschen - jene Strukturen, die die Inhalte und Werke hervorbringt. Wer etwas zu verlieren hat, wird bewahren wollen, was er hat. Wer das nicht, wer erst alles zu gewinnen hat, nur der wird versuchen zu verändern. Der entscheidende Punkt in jedem Werdegang eines Künstlers war der, wo er festgestellt hat, daß er nichts mehr im Außen zu verlieren hat. Wenn er erkennt, daß er nur sich selbst hat. Dann ist er allen Etablierten wirklich voraus - weil er sich in seiner Weltentbehrung eine Welt neu schaffen muß. Seine Kraft endet - historisch nachvollziehbar - genau dann, wenn sein Drängen angenommen wird, wenn er "Erfolg" hat.

Reformen ohne existentiellen Kampf gibt es prinzipiell nicht. Außenseiter, die es nicht wirklich sind, denen im Bestehenden kein wirklicher Gegner erwächst, sind nur noch Teil des Establishments, und Außenseitertum wird zur manierierten Attitüde.



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Freitag, 14. September 2012

Priestergehälter

Er sieht klein aus, der Schritt, Aaber seine Auswirkungen werden nicht klein sein. Und es wird meist nur darüber geredet, daß die Religionsgemeinschaften in der Tschechei ihnen unter den Kommunisten enteignete Güter wieder zurückerhalten sollen. Das entsprechende Gesetz liegt bereits auf dem Schreibtisch von Präsident Klaus und wird demnächst ratifiziert werden. Klaus will nur noch von Fürst Schwarzenberg (der, wie es heißt, nicht weiß, wie er dazu kommt) die "persönliche Garantie", daß als nächstes nicht doch noch die 1945 vertriebenen Sudetendeutschen mit Restitutionsforderungen antanzen.

Rund 3 Mrd. Euro Geld, und etwa noch einmal so viel Geldwert an Immobilien wird dabei die Kirche zurückerhalten. Bei kaum noch 27 % Katholiken (bei überhaupt nur noch 2 % Protestanten und Hussiten) in einem Land, in dem schon über 59 % seiner Bewohner von sich sagen, konfessionslos zu sein, sollte das reichen.

Wofür? Der ergänzende Passus fällt in hiesigen Medien meist unter den Tisch. Er besagt nämlich, daß sich der Staat schrittweise aus der Priesierbesoldung zurückziehen werde. Bislang waren die Priester nämlich von Prag bezahlt. Die Kommunisten waren also noch nachsichtiger (oder nur klüger) als Hitler, der auch die Besoldung strich und über die Kirchensteuer meinte, daß das der Todesstoß für die Kirche sei. 

Die Kommunisten hatten aber die gleiche Lösung gewählt, wie Josef II. 170 Jahre zuvor in Österreich, und diese Schritte wurden nie rückgängig gemacht: Enteignung der Kirche, dafür staatliche Besoldung. Weß Brot ich eß, deß Lied ich sing. Kirchen, Pfarren, wurden zu "geistlichen Versorgungseinheiten". Vom solcherart gegründeten "Religionsfonds" versprach sich Josef II. zugleich kräftige Staatseinnahmen. Eine Fehlkalkulation. Von Anfang an mußte der Staat ein Drittel der übernommenen Ausgaben zuschießen. Was die Kirche geschafft hatte - kostendeckend zu wirtschaften - war ihm nicht möglich. Entsprechend "kostengünstig" wurden also auch die zahlreichen Kirchenneubauten errichtet, denn Josef griff zugleich tief in die Organisationsstrukturen der Kirche ein.

So schauen die Bauten aus der Zeit auch aus. Die Ostung wurde sowieso endgültig aufgegeben, die Kirchen wurden nun nach Nützlichkeitsaspekten der Umgebung eingefügt. (Die Geschichte der Stadt zeigt, daß es immer und in allen Völkern umgekehrt war: menschliche Siedlung ging von einem sakralen Zentralpunkt aus.) Sonnenlicht, Einfügung in die großen Weltrhythmen, brauchten diese Kirchen nicht mehr, ab nun herrschte menschliche Vernunft und Imagination. Also wurde auch dieser Aberglaube (Gänsefüßchen) durch viel Kitsch und noch mehr Behauptung und noch mehr Eigensinn ersetzt.

Religionsgemeinschaften zu enteignen hat ja lange Tradition in der Geschichte, nicht nur in Europa, wenn es auch immer kräftige Mithilfe dieser selbst brauchte. So war dieser Punkt einer der wesentlichsten Treibsätze der Reformation, die deshalb von den Fürsten tatkräftigst unterstützt wurde, weil sie ihren wichtigsten Gegenspieler ausschalten konnten. Denn immer schon fühlten sich die Menschen ihrer Religion mehr verpflichtet, als dem Staat. Das änderte sich bekanntermaßen.

Dabei war Selbsterhaltung - und politisches Interesse - der einzige Grund, warum ursprünglich die Kaiser und Könige und Fürsten die Kirche mehr oder weniger großzügig mit Gütern ausstatteten, im Lehen, aber auch zum Eigentum. Gerade im Aufbau Europas seit Karl dem Großen war die Kirche die einzige Institution, die in der Lage war und das Wissen besaß, die Brachen und unzugängigen Wälder in blühende Landschaften zu verwandeln. (Herrenloses Land gehörte ja per se dem obersten Fürsten.) Schulen, Sozialeinrichtungen, Organisation (v. a. der Landwirtschaft, eben durch Lehen, und es ging den Bauern unvergleichlich besser unter kirchlicher Herrschaft, als unter der von weltlichen Herren!), sittliche Formung, und natürlich der Faktor Arbeitskraft - alles ging ganz oder teilweise von der Kirche aus.  Direkte Besoldung von Priestern gab es zwar auch, aber praktisch nur in Einzel- oder Spezialfällen, und sie war meist mit Einflußnahme auf die Seelsorge verbunden.

Fürsten zu etablieren barg hingegen viele Risken, so unvermeidlich es auch war. Aber sehr oft erwuchsen den obersten Herren damit unangenehme Konkurrenten oder nicht zu bändigende Partialkräfte. Gleichzeitig behielt  man oft beträchtlichen Einfluß auf die Organisation der Religion der Menschen selbst, was immer ein Spannungsfeld zur Kirche hin blieb. Im Bedarfsfall war es (bei klugem Taktieren) dennoch relativ leicht, im Zuge des steigenden Landbedarfs - durch zunehmende Bevölkerung, politische Notwendigkeiten, oder als Maßnahme der Bindung durch Lehensvergabe - die Kirche wieder zurückzudrängen. Was in dem  Maß leichter wurde, als (und soweit) die Religiosität der Menschen selbst sich abschwächte, ja Religion als Störfaktor für die Eigeninteressen gesehen wurde.

Nun, selbsterhaltungsfähig, soll die Kirche in der Tschechei auch die Besoldung ihrer Priester also wieder selbst übernehmen. Durch das, was sie erwirtschaftet oder an Spenden erhält. Denn Kirchensteuer gibt es nicht. Der Schritt ist freilich gar nicht so sehr aus Gerechtigkeitsgefühlen motiviert. Vielmehr haben in vielen Orten ungeklärte Eigentumsverhältnisse die Stadtentwicklung oder gar - horrible! - Investitionen blockiert. Denn lange schon hatte die Kirche mit Klage auf Rückgabe gedroht, was unabsehbare Folgen hätte haben können.

So könnte doch auch bei uns ein Weg aussehen, den Sack der Verbeamtung der Kirche schrittweise wieder zu öffnen, an dessen Effekten sie doch definitiv erstickt?



Nachsatz: Natürlich weiß der Verfasser dieser Zeilen, daß damit das Kapitel "Kirchenfinanzierung" noch keineswegs erschöpfend bgehandelt ist. Und natürlich weiß er, daß ein beträchtlicher Teil dieser Finanzierung über öffentliche Dienstleistungen geschieht - Schulen, Krankenhäuser, Altenheime, viele Dienste der Caritas etc. Aber das ist ja bereits eher ein Teil dieses "Auf sich Stellens", der Verdacht besteht lediglich, daß (sieht man von Klöstern ab, in denen das Armutsgelübde der Mönche einen anderen Umgang des Klosters selbst mit diesen Abgeltungen mit sich bringt) das geschilderte Verbeamtungsproblem an der Handhabung der Kirche selbst liegt. Der Verfasser dieser Zeilen weiß aus eigener Anschauung, zu welch erstaunlicher Höhe sich Gehälter einzelner Priester summieren können, die solcherart "mehreren Herren" dienen.



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Samstag, 26. November 2011

Schwere Versäumnisse - II

Teil 2) Gehen wir nicht diesen Weg, wird es Europa mehrfach zerreißen

So hätte zielgerichtete Außenpolitik aussehen müssen, und so müßte sie aussehen. Solange das nicht erkannt wird, wird es alle diese kleinen Staaten in der Spannung zwischen übermächtigem Zentralraum - EU, Weltgemeinschaft - und volkeigenen, "nationalen" Bedürfnissen zerreißen. Denn die Aufgaben sind so nicht lösbar, jeder Staat für sich gestellt stößt immer wieder auf eigentlich unlösbare Schwierigkeiten, weil die Probleme, die er ausgelöst hat, immer die falschen Ebenen betreffen. Ebenen, für die im Lande keine Strukturen da sind, nie waren wie nie sein werden.

Diese Staaten sind auch heute was sie sind, weil sie einen gewissen Weg gegangen sind, den man nicht einfach vergessen, auslöschen kann. Alle diese Länder sind in solchen übergroßen Strukturen aber ständig an den Rand des Abgrunds gedrängt, wo ihnen nur als Lösung bleibt: Überleben, aber totale Unterwerfung.

Zum Gegenbeweis kann die alle diese Länder gleichermaßen betreffende Problematik der jeweiligen Außenpolitik hergenommen werden, wo nur die Tschechei einen "Ausweg" insofern gesucht und gefunden hat, der übrigens historisch fast traditionell ist: durch eine starke Anlehnung an die USA hat dieses Land eine kleine Hintertür der starken zentraleuropäischen, aber damit vor allem deutschen Vorherrschaft geschaffen. An den Wirtschaftszahlen aber läßt sich deutlich absehen, daß eben dieser geographische Raum zu einem Hinterhof Deutschlands heruntergekommen ist. Auch das ist historisch absolut nicht einmalig, sondern nachvollziehbar gewachsen bzw. verursacht. Passiert nichts, wird der Konflikt sich erneut auf dasselbe alte und ungelöste Thema zuspitzen: Deutschland gegen England und Frankreich! Beide Länder können sich seit Jahrhunderten nicht mehr anders helfen, als Europa zu schwächen, um selbst zu überleben, angesichts eines unvermeidlich übermächtigen Deutschland.

Christoph Steding hat es in seiner Studie "Das Reich und die Krankheit der europäischen Kultur" 1937 überzeugend nachgewiesen (wenn auch mit anderen Schlußfolgerungen beendet): Europa pendelt seit vielen Jahrhunderten zwischen dieser Logik, wonach ein starkes Deutschland ein schwaches Westeuropa, und umgekehrt, bewirkt.*

Dafür gibt es nur einen Ausweg, und er ist historisch-politisch so logisch, daß alle Probleme, die diese Länder haben, damit weitgehend erklärbar sind, ob wirtschaftlich, ob kulturell, ob innenpolitisch wie außenpolitisch (so sehr diese beiden Bereiche nämlich zusammenhängen): wenn jeder dieser Staaten begönne, sich erst einmal um die regionalen, zentraleuropäischen Aufgaben und Nachbarn zu kümmern, um so die notwendige und richtige Symbiotik, Verwachsenheit im Nahraum zu erreichen. Um dann die nächsten Schritte anzugehen.


Daß die EU selbst sich in Hinblick auf diese Logik, die ja mehr Staaten und Räume betrifft (man denke da nur an das Baltikum mit Polen und Weißrußland, mit assozieerten Räumen in der Ukraine und in Rußland selbst; man denke an den Balkan, Räume, die allesamt ähnlich gelagerte Probleme haben, die Pleite Griechenlands hat ihre Wurzeln GENAU DORT: im inadäquaten Anspruchspartner), zwar neu adaptieren müßte, zugleich aber in einer Strukturreform weit besser aufgestellt wäre, als sie es derzeit ist, würde ihr en passent einen weiteren Vorteil verschaffen: sie hätte endlich jene Hände (weil den Rücken) frei, der sie die Aufgabe erfüllen ließe, zu der sie einzig - ich betone: einzig! - sinnvoll (und da wäre sie es wirklich) ist: um Europa im weltweiten Konzert seine angestammte und gleichfalls historisch gewachsene Rolle spielen zu lassen.

Denn die Welt leidet am selben Syndrom: es fehlt ihr jede Struktur, weil ihr jener Kopf, der ihr alle diese Ideen gab, die heute ihren Geist bestimmen, aber zu reinen Logizismen verkommen, weil ihr der Repräsentant abhanden gekommen ist. Man denke nur an Afrika! Ideen aber, Geist, lebt nur personal, persönlich, nicht als mathematische Formel und Funktion.



*Mit einer interessanten historischen Tatsache: daß es immer der schweizer-allemannische Raum war - Baseler Raum, Elsaß, Rheingebiet -  der die Stärke Deutschlands von innen her bestimmte, oder aushebelte. In gewisser Hinsicht könnte man die Habsburger (Freiburg!) als Bestätigung dieser These betrachten: die Wahl Rudolfs von Habsburg zum deutschen König und Kaiser des Römischen Reichs 1278 erfolgte ... um einen starken zentraleuropäischen Raum zu vermeiden, der sich in Ottokar von Böhmen längst zu bilden angeschickt hatte, der in Wahrheit jene Mission verfolgte, die ihm die Habsburger dann aus der Hand nahmen, UND um ein starkes Deutschland zu verhindern.

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Freitag, 25. November 2011

Schwere Versäumnisse - I

Allmählich wird immer sichtbarer, was an Außenpolitik im zentraleuropäischen Raum - und ich spreche von jenem Raum, der 1918 zerschlagen worden ist, geographisch also vom Raum der ehemaligen Monarchie - v. a. seit 1945 versäumt worden ist. Und ich meine da vor allem Österreich, aber es betrifft alle übrigen Länder der ehemaligen Donaumonarchie.

Zerschlagen in lauter Kleinstaaten, steht diesen Kleinstaaten nur eine große, übermächtige EU-Ebene gegenüber, und jeder dieser Staaten muß sich politisch nach der Pfeife Brüssels richten, das völlig logisch zu einer Hierarchie wird, an deren Spitze Deutschland steht, auch wenn Frankreich noch so tut, als könne und wolle es mithalten. Damit bauen sich in Europa dieselben Spannungen auf, die bereits im 19. Jahrhundert jene Pulversituation bewirkt haben, an der das Faß ab 1914 bis 1945 auseinanderflog - die Situation eines harmonischen Kräftespiels am Kontinent.

Es geht gar nicht um eine Wiedererrichtung der Monarchie, auch wenn diese als Konzept für alle betroffenen Staaten politisch das einzig Vernünftige wäre - aber reden wir von Österreich, Tschechei, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien, und reden wir von "assoziierten Gebieten", wie der Westukraine und Siebenbürgen, denn als Ganzes wären diese Länder (die Ukraine wäre zu groß, zu inhomogen, Rumänien und Bulgarien wären allerdings überlegenswerte Kandidaten in einem späteren Stadium) und natürlich ... Südtirol und den Triestiner Raum. Hier ist ein historisch und kulturell homogener Lebensraum, in dem seine momentane kulturelle Gestalt historisch so gewachsen ist, daß er auf ein Ganzes hinzielt, bzw. aus diesem herauswuchs.

Das hätte auch anders kommen können, gewiß, aber es ist so gekommen, und in dieser Konstellation ist dieser Raum gewachsen, mit einer wirklich eigenen Kultur, mit ganz realen wirtschaftlichen und persönlichen Symbiosen: unsere momentanen Strukturen sind, ob wir das wollen oder nicht, aufeinander zu gewachsen und NUR miteinander das, geworden, was sie heute sind. Es ist deshalb regelrecht sinnlos so zu tun, als könnte sich für jeden dieser Staaten ein eigenes Profil, ein eigenes Szenario des Weiterlebens entwickeln. Alles das sind Notlösungen, und sie entsprechen nicht den wirklichen Gegebenheiten und Bedürfnissen.

Otto v. Habsburg hat deshalb immer wieder sehr richtig von einer "historischen Mission" Österreichs gesprochen, und er hat genau das damit angesprochen. Diese Rolle hätte Österreich ausfüllen müssen, sie hätte uns Identität gegeben, und es wird uns auch keine andere Rolle Identität geben, so sehr wir uns auch bemühen, "selber" zu einer solche zu kommen - Identität hat mit Außenbeziehungen zu tun. Wenn wir aber dieses "für andere" umlügen wollen, umdeuten wollen, weil uns die wirkliche Baustelle zu mühsam ist, die auch wir mit angerichtet haben - es bedürfte da durchaus einer Aufarbeiten der historischen Schuld der Habsburger, denen Familienpolitik oft genug mehr wert war als Staatspolitik -

Natürlich hat es diese außenpolitischen Ansätze immer gegeben, ich erinnere an Erhard Busek, der gleichfalls immer von diesem zentralen europäischen Raum sprach, und der damit der letzte relevante Politiker Österreichs war, der dies thematisierte. (Wobei Busek sogar - allerdings in unbedeutenden Funktionen - an solchen Assoziationskörperschaften arbeitet, so sehr Busek selbst fragwürdige Gestalt ist.)

Dann, aus diesem geeinten Zentralraum heraus, wo mit Augenmaß und im Nahverhältnis alle jene Probleme gelöst werden können, die nur in jeweils stufenweise sich erweiternden Nahkreisen gelöst werden können, dann erst kann der nächste Schritt getan werden, der Zusammenschluß mit dem nächst weiteren Kreis, und damit erst sind wir bei der EU angelangt. Und aus dieser heraus erst kann es in Weltverbände gehen.

Morgen_ Teil 2) Gehen wir nicht diesen Weg, wird es Europa mehrfach zerreißen


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Freitag, 11. Februar 2011

Der Vorteil im Nachteil

Bis 1949 waren alleine aus der britischen Besatzungszone Deutschlands 598.000 t Maschinen und anderes Material demontiert und als Reparationen verbracht worden. Davon 183.896 t in die UdSSR, 18.618 in die CSSR, 1.798 nach Albanien, und 45.145 nach Jugoslawien.

Schrott, wie viele deutsche Unternehmer befanden - die nun "gezwungen" waren, mit Maschinen eine Produktion aufzubauen, die neuesten technischen Errungenschaften entsprach. Das Wirtschaftswunder war auch hier bereits grundgelegt. Schlauer ging die UdSSR im besetzten Ostteil vor - sie schien erst ein rasches Funktionieren der bestehenden Betriebe sehr zu wünschen, weshalb sich die dortigen Unternehmer sehr um den Wiederaufbau ihrer Unternehmen bekümmerten, um sie DANN, in den 1950er Jahren, abzubauen ...

Und für viele war das westdeutsche Wirtschaftswunder die Groteske der Erfüllung eines Versprechens, dessentwegen sie 1933 wieder an Deutschland geglaubt hatten. Mit kleinbürgerlicher, biedermeierhaft idyllischer Sicherheit und Wohlstand für alle.

Der Staat der Kleinbürger war endgültig durchgesetzt.

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Montag, 25. Oktober 2010

Zu wenige echte Probleme

Fürst Schwarzenberg, 1945 als Bub aus Prag vertrieben, nach der Wende zurückgekehrt (nachdem sein Angebot an politische Parteien in Österreich, mitzuarbeiten, abgelehnt wurde), nunmehriger tschechischer Außenminister, bei den Wahlen in diesem Jahr auf einer beachtlichen Erfolgswelle, im Interview mit der Kleinen Zeitung:


Ängstigt Sie der Vormarsch der Rechten in Europa? 

SCHWARZENBERG: Ich würde eine Partei wie die Freiheitlichen nie als rechts bezeichnen. Nie. Weil rechts basiert für mich auf dem Gedanken des Rechtes. Und das Recht muß die Grundlage jeder konservativen Partei sein. Von Recht ist bei denen da aber nicht die geringste Spur.

Was sagen Sie zur Selbstauslöschung der ÖVP in Wien? 

SCHWARZENBERG: Das tut weh. [...] Aber den Busek, den hat man ja rausexpediert. Dabei wollte der noch was, hatte ungewöhnliche Ideen, eine Vision.

In ganz Europa brechen die Volksparteien ein, die Ränder drückt es nach oben. Warum? 

SCHWARZENBERG: [...] Das sind in Wahrheit alles nur mehr Apparate, die sich selbst verwalten und reproduzieren. Von tragenden Gedanken findet sich da keine Spur mehr. Ab dem Moment, wo eine Partei keine Idee mehr verkörpert, verliert sie aber an Attraktion.

[...] Die Grünen sind ja nur ein Mosaikstein. Man hat das Gefühl, Österreich bewegt sich politisch im Kreis. Teilen Sie den Befund? 

SCHWARZENBERG. [...] Das Problem ist, daß wir uns immer mehr mit uns selber beschäftigen. Politik verkommt zur reinen Innenpolitik. Und das ist entsetzlich. Wir sind Betrachter des eigenen Nabels geworden.

Andere Länder, Großbritannien etwa, bringen sehr wohl die Kraft auf, sich neu zu erfinden. Warum schafft Österreich das nicht? 

SCHWARZENBERG: {...] Wenn es einem zu gut geht, dann wird man faul. Das ist mir ja auch passiert.

Heißt das, dem Land geht es zu gut, als daß es den Antrieb hätte, sich noch einmal zu erneuern? 

SCHWARZENBERG: Ja, nur nix ändern, nur nix ändern. Wo sonst auf der Welt gibt es Autobahnraststätten, die einer Mischung aus kitschigem Schubertfilm und dem "Rosenkavalier“ entsprungen sein könnten? Österreich verkitscht sich selbst. 


*251010*