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Sonntag, 3. Juli 2022

Gedankensplitter (1414)

Ein interessanter Gedanke, der da in einer Diskussion fiel: Die amerikanische Verfassung garantiert jedem Bürger das Recht auf die eigene Waffe. Das hat übrigens mit dem Willen der Gründergeneration des 18 Jhd. zu tun, sich und sein Land zu verteidige, die ersten Armeen Washingtons waren zivile Bürger, die zur Waffe griffen, und deshabl wurde es ein für alle mal festgeschrieben.

Was aber gemeiniglich übersehen wird ist, daß mit diesem Recht des Bürgers, sich zu bewaffnen um sich (und damit sein Land) zu verteidigen, die Polizei als Ordnungsmacht auch die Vollmacht hat, auf jeden, der eine Waffe trägt, im Verdachtsfall zu schießen.

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Recht ähnlich verhält es sich bei asymetrischen Kriegen. Das heißt, daß eine angreifende offizielle, staatliche Armee - Uniformen, Rangabzeichen usw. sind ja kultivierende Aspekte des Krieges, sie machen ihn also menschlicher (da soll nichts relativiert oder in Anführungszeichen gesetzt werden, wenn Krieg, dann nur kultiviert, samt unterschiedlicher Rechtsprechung) - von jedem, der sich "verdächtig" verhält, auch annehmen muß, daß er eine Gefahr darstellt, also gewillt ist, die Waffe gegen den staatlichen Feind zu verwenden. 

Freitag, 18. März 2022

Als die Luft verschwand, zerbrach die Welt

Fällt Ihnen auch auf, werter Leser, daß wir erstaunlich wenige Aufnahmen von Luftbewegungen in der Ukraine sehen? Das hat seinen guten Grund - weil es sie nicht gibt. Militärtaktisch bietet der Ukraine-Konflikt somit einen Einblick in die Kriegsführung der nächsten und mittleren Zukunft. Worüber wir hier schon vor etlichen Jahren aus amerikanischen Militärmagazinen heraus berichtet haben, ist in der Ukraine nun offensichtlich geworden: Die LUFTWAFFE (in der Form von Flugzeugen) spielt als Kampfwaffe nicht mehr die Rolle, die sie seit dem 2. Weltkrieg und noch bis vor zwanzig Jahren hatte. 

Denn Flugzeuge sind stark verwundbar. Die Technik, die bei Abwehrwaffen entwickelt wurde, macht sie zu leicht zu treffenden Zielen. Durch Raketen, durch Lenksystfeme für konventionelle Geschoße, oder sogar durch Waffen, die die Elektronik außer Kraft setzen, wird sich die Rolle der Luftwaffe völlig verändern. War seit dem 2. Weltkrieg die Bedingung für Landstreitkräfte, Erfolg zu haben, die Lufthoheit, so haben vor allem Raketenwaffen diese Rolle übernommen.
Versuchen wir doch, diese Entwicklung symbolisch zu deuten. Denn nun kommen wir zu einer Aussage, die im Herzen zu erwägen lohnen könnte. 
Denn die Vertreibung der Flubzeuge vom Himmel ist keineswegs eine simple "Purifikation". Mit der Rakete wird vielmehr die Luft zu einem generellen Bedrohungsraum, wandelt sich vom Element der Freiheit zur Mauer des irdischen Gefängnisses. 

Montag, 12. Juli 2021

Hält Przemysl? (1)

Als Dr. Jan Stock, der oberste Proviantoffizier und Vizekommandant der Festung Przemysl, es niederschrieb war er nach eigener Aussage selbst erschrocken. Denn er war doch ganz sicher immer liberal und weltoffen gewesen. Der durch zahlreiche Zeugnisse höchst vernünftige, gleichermaßen kühl denkende wie kluge Mann gestand sich nun aber etwas ein, von dem er nie geglaubt hätte daß er es eines Tages so sehen würde - daß nämlich die Vorurteile über Juden zuträfen. 

Denn was sich während der Belagerung dieser k.u.k-Festung, die vom 5./6. Oktober 1914 - mit einer dreiwöchigen Entsatz-Unterbrechung im November - bis zur Kapitulation am 22. März 1915, Schlag sieben Uhr morgens, dauerte und über enorme Härte, Notz und Hunger ging und die längste Belagerung (als wehrhafte Vollumschließung durch einen Feind) des Ersten Weltkrieges war, ließ auch in seinen Augen kein gutes Haar an ihnen. Und das sahen alle Eingeschlossenen so, die in ihrer völkischen und sprachlichen Vielfalt wie eine Widerspiegelung der zahlreichen Völker und Volkschaften der Habsburger Monarchie wirkten. Aber mitten in der zunehmend schneidender werdenden Lebensmittelknappheit aus der Not der Mitmenschen auch noch dermaßen brutal Profit zu schlagen, zeigte einen Grad an moralischem Verfall, den niemand sonst in Przemysl (wo über Jahrhunderte ein hoher Anteil an Juden nie wirklich geliebter Teil des Weichbildes der Stadt war) fassen konnte.  

Donnerstag, 7. November 2019

Waffenverbote sind manchen sehr nützlich

Das Verbot sowie eine strenge, restriktive Regelung privaten Waffenbesitzes haben eine recht bemerkenswerte Tradition.




Aber auch der Waffenbesitz selbst. Er ist die in allen Staaten die Möglichkeit einer ultimo ratio des Bürgers, sich Eingriffe in seine ureigensten Interessen zu verbieten. Nur offen oder verborgen totalitäre Interessen sind gegen privaten, sehr frei zu handhabenden Waffenbesitz. Das bei uns so oft zitierte, angeblich notwendige, uneingeschränkte "staatliche Gewaltmonopol" ist in Wahrheit eine Lüge, die ungeniert nicht nur auf die Wehrlosigkeit der Bürger abzielt, sondern sämtliche soziale Einheiten zerstört. Persönliche Verantwortung zu übernehmen ist nur mit entsprechender Macht und Gewaltlegitimität möglich.







Sonntag, 21. Januar 2018

Blick in die Kunst der Waffentechnik

Photo: Pinterest
Die Entwicklung der Rüstungen für Kämpfer (Ritter) im Mittelalter war bemerkenswert. Man entdeckte bald, daß verbundene, mehrschichtige Materialien ein Vielfaches an Widerstandskraft auch gegen moderne Waffen hatten, im Gesamtgewicht aber leichter bleiben konnten. Und doch waren sie effizienter gegen die aufkommenden Waffen wie Armbrüste oder - asiatische Bögen. 

Die wie bei den Mongolen, Hunnen und Magyaren ebenfalls die Eigenschaften mehrschichtiger Aufbauten nutzten und damit ungeheure Durchschlagskraft für Pfeile erlangten. Ein Bogen der Magyaren wies bis zu 10 Schichten Horn auf, die mit Knochenleim zusammengefügt waren. (Mit einem Nachteil, der sich in Europa erst herausstellte: Sie waren anfällig gegen Regen. In Asien war es ja noch trocken gewesen, aber in Europa ... solche Bögen lösten sich dann auf.) 

Noch auf 600 m war ein aus einem solchen Bogen abgeschossener Pfeil absolut tödlich, denn er riß riesige Wunden mit bis zu 5 cm Durchmesser, je nach Pfeilspitze. Wie bei heutigen (starken) Schußwaffen starb der Getroffene oft schon am "Blutschock", oder verblutete rasch, selbst wenn er nur in Extremitäten getroffen worden war.

Diese im obigen Bild dargestellte polnische Rüstung aus dem 16. Jahrhundert zeigt einen Höhepunkt dieser Rüstungstechnik der Mehrschichtigkeit, die erst später, angesichts der dann aufkommenden Feuerwaffen zu versagen begann. Über 1.000 Einzelteile kombinieren Widerstandsfähigkeit und Beweglichkeit - bei gleichzeitiger Leichtigkeit - auf beeindruckende Weise. 

Nur damit wir keiner Täuschung erliegen: So eine Rüstung war auch im Vergleich damals ungeheuer kostenaufwendig. Der Preis einer guten Körperrüstung entspricht nach heutigem Kaufwert dem eines Einfamilienhauses. Das mußte sich ein Ritter erst einmal leisten können! In einer Zeit, in der er sein "Einkommen" aus Naturalien und Arbeitspflichten bestritt, weil Geld erst allmählich aufkam. Die Ritter verloren ihre Bedeutung eigentlich notgedrungen, die Kampfestechnik mußte sich schon deshalb hin zu (immer unritterlicheren, unsittlicheren, kulturloseren, funktionalistischeren) Massenheeren verändern. Denn so nebenbei mußte ein Ritter auch noch durch ständiges Training selbst am Pferd schlachtentauglich bleiben. Das überstieg in der Entwicklung des Kapitalismus hin zur Geldwirtschaft bald deren Möglichkeiten.

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Ein guter Schmied konnte reich werden. Er war gesucht, und hatte an so einem Werk ein halbes bis ganzes Jahr Arbeit. Während ein gutes Schwert immerhin schon innerhalb eines Monats zu fertigen war. Wenn der Meister gut war und die Technik des Mehrfachverbunds beherrschte, was ein gut gehütetes Geheimnis und Resultat von "viel Gefühl" - letztlich damit eine nicht erlernbare, nicht in bloßer Technik aufgehende Kunst also - war. Sodaß Schmiede im Ansehen neben dem Magier, dem Zauberer zu stehen kamen. Mit derselben Furchtbarkeit und Angstbesetztheit in den Augen der Bevölkerung.

Photo: Pinterest
Als die Ritter zu den ersten Kreuzzügen aufbrachen, hielten sich deshalb vorerst ein gutes Jahr in Gebieten wie der "Eisenfurche" auf. Das ist das Ybbs- und Ennstal, von Steyr bis nach Waidhofen und Weyer, die das Erz des steirischen Erzbergs verarbeiteten. Bei einer der mindestens 250 Werkstätten gaben sie ihre Waffen in Auftrag, und eine ganze Region hatte Brot und Arbeit dadurch, ja wurde wohlhabend. Vom Kaiser durch Abgabenfreiheit, Marktrechte, Gerichtsbarkeiten (als Maßgabe der Selbstregulierung) privilegiert, sodaß die Bauern zu günstigen Preisen Lebensmittel liefern konnten und wollten. 

Etwas, das sich für die Region schicksalshaft auswirkte, denn das niederösterreichische Voralpenland-Ybbstal, von der Enns bis nach Ybbs a. d. Donau, ist bis heute eine der Vieh- und Kornkammern Österreichs. Der VdZ stammt väterlicherseits von dort und seine tüchtigen Vorfahren haben über Generationen Vieh gezüchtet, das ganze Rassen hob und bis heute maßstäblich ist.

Aber nur wenige Schmiede beherrschten die Technik, die, wie wir heute wissen, eine Technik hochkomplexer Stahlbearbeitung war. Man machte kein Hammerwerk (eine Schmiede) auf, weil es "ein Geschäft war" oder weil "Nachfrage herrschte". Man mußte es KÖNNEN, die Muse besitzen, begnadet sein, und das Geheimwissen besitzen, das ein Ablaufwissen war, ohne Gründe - eben: Magie. Wer alles das nicht hatte wurde bestenfalls Hufschmied oder Wagner ... 

Aber der Kern der Schmiede beherrschte eine Verarbeitungskunst, die nur an wenigen Orten überlebte. Wie in Steyr, wo noch 1914 ein Gewehrlauf produziert werden konnte, der eine ganze Millionen-Armee mit einem in der Treffsicherheit überlegenen Gewehr ("Wörndl") ausstattete. Wie es nur noch einige wenige Gewehrmanufakturen in Kärnten beherrschten, das im Mittelalter eine sehr ähnliche Entwicklung durchlaufen und auch dort viel Wohlstand geschaffen hatte. Oder wie in Amstetten bei einem Schmied, den der VdZ persönlich kannte, der noch bis vor 20 Jahren, wo er verstarb, die traditionelle Rüstung für die Schweizer Garde des Vatikan herstellte.

Ein letzter Rest dieser Technik ist wenigstens ahnungsweise in der Kärntner "Glock" erfahrbar, der nach Meinung von Fachleuten besten Handfeuerwaffe der Welt. Mit einem wahren Patriarchen an der Spitze. Wie sonst.

Und in dem "lustigerweise" in dieser Eisenfurche liegenden Stahlwerk der VÖEST, wo in den 1960er Jahren als "LD (Linz-Donawitz)-Stahl" wieder "entdeckt" und zu Weltruhm als Massenprodukt entwickelt wurde. Diesmal aber war es keine Magie, sondern echtes Wissen um materiale Vorgänge. Magie ist eben "kenntnislose Ablauftechnik", als Degenerationsform von wahrer, wissender Religion.

Denn Eisen wird durch Kohle zu Stahl, das in aufwendigen Schmelzverfahren wieder und wieder übereinandergeschichtet wird. Das war notwendig, weil die Araber (Sarazenen) mit den Damaszener-Schwertern eben diese Technik (des Orients) zur Perfektion geführt hatten, weshalb sie waffentechnisch den Kreuzrittern überlegen gewesen wären. Diese Kohle stammte aus den Wäldern des Voralpenlandes, wo der Köhler sein Gewerbe betrieb, was ebenfalls viel Geduld und Sachkenntnis benötigte und ebenso legendenumwoben war.







*301117*