"Klimawandel ist ein Problem mit so vielen Variablen, dass man ein durch und durch unwissenschaftlicher Mensch sein muss, um Gewissheit zu haben."
Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Dienstag, 18. Februar 2020
Das Jahr zusammengefaßt
Donnerstag, 23. Januar 2020
Laßt uns ein wenig kritisch plaudern (2)
Teil 2)
Woraufhin sie die Keule der Moral im Höherstellungsstreit verwendet, sodaß nicht sachliches Urteil), das immer Bezug auf die Grundmatrix der Welt, also den göttlichen logos hat), sondern Sentimentalität und emotional gegründete Urteilsfärbung bedeutender im Streit der Gestalten werden sollen, als sie sind. Wehe dem also, der sich darauf beruft, was die Gestalten aber wirklich aussagen und bedeuten. Die Strategie solcher Gruppen ist also gar nicht, sachlich und objektiv zu werden, denn dann bliebe dem logos sein nötiger Raum, sondern Ersatzkriterien einzuführen. Die am besten, leichtesten über menschliche Schwäche implementiert werden.
Warum aber ist das bedeutend? Worum geht es also im Streit um Ort und Stellung? Es geht darin nicht zuerst um die Stellung des Einzelnen selbst. Es geht darin gar nicht um den Einzelnen, auch wenn das so aussehen könnte. Es geht vielmehr um ... das Insgesamt, um das Ganze, um die Gemeinschaft, in die jeder Einzelne eingebettet ist, und ohne die er nicht denkbar ist. Jenes Ganze also, das dem Einzelnen in gewisser Hinsicht, zumindest aber in der Identitätsbildung vorausgeht.
Die Entwurzelung ist also gar kein "Einzelakt", die die Identität verdunsten läßt, sondern sie ist die Folge eines Nicht-vorhanden-seins der umfassenden Gemeinschaft, in der sich der Mensch gestellt sieht und in der er von Zeugung an einen Platz HAT.
Vieles, sehr vieles sogar, was man "den Deutschen" zuschreibt - etwa der Rang, der moralische Gutheit gegenüber sachlicher Diskursqualität hat - ist somit eine Frage des Ringens um einen Platz DES GANZEN (Deutschland) in der Welt.
Der Kampf gegen dieses (Bismarck-)Deutschland war ja von Anfang an gekennzeichnet von einem Versuch, diesem Deutschland einen Platz in der Welt abzusprechen. (Wohinter man sogar noch manche sehr richtige Reaktion erkennen kann.) Ihm diesen nach zwei Weltkriegsniederlagen "in Schuld" auch endgültig abzusprechen. Und dieses Deutschland kann auch tatsächlich keinen positiven Gründungsmythos vorweisen, der dagegenhalten könnte.
Dementsprechend "heiß" ist das Thema. Denn daran hängt eine künstliche Identität, die zum einen nicht aufrechterhalten werden konnte, und zum anderen auch heute nicht mit Inhalten gefüllt werden kann. Nicht einmal mit Küche. Die Konsequenzen aus solchem Denken scheut so gut wie jeder "Deutsche". Es bleiben nach der Auflösung der deutschen Völker (und nur solche Identitäten könnten die Konsequenzen auffangen) zugunsten eines Kunstbegriffs von "Deutschem Volk", der aber keinen natürlichen Kopf hat, an dem der Leib hängen könnte, nur Merkmale wie die der ... political correctness, der überlegenen, universalen Moral.
Und nur so war "Deutschland" nach 1945 (und noch einmal 1990) für die westliche Allianz brauchbar: Als Universalismus nach dem Typus des Amerikanismus. Das ist der Grund, warum sämtliche Mainstreammedien in die Nordatlantik-Brücke eingebaut und demselben Ziel untergeordnet sind. Als (egal wie vielleicht auch zusammengefaßtes) Ensemble von identitätsstarken deutschen Völkern und Kulturen (und solche letztendlich einzig realistischen, gesunden Pläne gab es, aber sie wurden wieder verworfen) wäre es das nie gewesen. Eine Gesundung "der Deutschen" wollte letztlich niemand stark genug. Also wurde den Deutschen nicht nur der Bismarck-Traum von Größe und Macht belassen, sondern sogar noch verstärkt. Die Gegenreaktionen innerhalb Deutschlands sind evident.
Der definitive Niedergang Deutschlands begann somit - so könnte man es sehen - in dem Augenblick, wo man es wieder auf seinen Universalismus, seine "Größe" zurückwarf. Während sich vor 1990 noch halbwegs regionale Identität halten konnte, war es damit nach der Wiedervereinigung vorbei. Ab da begann seine letzte Substanz zu verdunsten. Was wir heute im Osten Deutschlands beobachten ist deshalb ein Versuch der Gegenwehr gegen das Verdunsten der letzten Reste von Identität. Was wir insgesamt an Gegenwehr gegen die von oben verordnete Massenzuwanderung erleben ist der verzweifelte Versuch, noch einen Rest von Heimat als den Ort, an dem wir selbstverständlich verstanden werden, wo wir selbstverständlich leben können wie immer, zu bewahren.
Dem allem ein immer wilderes, verzweifelteres Bemühen entgegensteht, diese universalistische, wurzellose, ortlose Deutschland-Idee aufrecht zu halten und seine "Feinde" zu bekämpfen. Jene universalistische Blase, in und von der die heutigen faktischen Eliten, das Establishment zur Gänze lebt. Die sich tatsächlich in ihren ideologischen Grundlagen mit den Ideen der Linken, des Marxismus, des Materialismus deckt und deshalb zurecht als "links" bezeichnet wird. Das sich restlos mit den Interessen des Großkapitals deckt.
*131119*
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Mittwoch, 22. Januar 2020
Laßt uns ein wenig kritisch plaudern (1)
Norbert
Bolz hat zweifellos Unterhaltungsfaktor. Aber auch fast nur solchen. Insofern
ist es manchmal durchaus amüsant und entspannend, ihm zuzuhören. Denn innerhalb
gewisser Grenzen sagt er recht trefflich, wo der Schuh drückt. Richtig,
werter Leser dieser Zeilen, das hatten wir ja schon ... als Merkmal des
Liberalen. Bolz ist einer, und er ist Protestant. Beides sind die
schlechtesten Voraussetzungen, um den Problemen, eben dem Stein im
Schuh, ontologisch auf den Grund zu gehen.
Insofern
hilft nicht viel weiter, was er sagt, außer daß es für gewissen
Small-Talk und Geplaudere im Kaffeehaus oder in Talk-Shows präpariert.
Aber das macht er ordentlich, und dafür ist er auch sympathisch genug.
Außerdem sagt er da und dort ja Richtiges, vor allem wo er als
Wissenschafts-Insider spricht, und er ist in seinem Rahmen wahrhaftig,
das ist ihm auf jeden Fall positiv zuzuschreiben. Man sollte nur nicht
den Fehler machen, es sich in der Blase solcher Kritikplaudereien allzu
wohlig einzurichten.
In diesem Vortrag spricht er etwas
an, das freilich nicht nur für den Wissenschafts- und Politikbereich
gilt. Die Blase, in der sich solche Leute befinden, geht nahtlos vom
Schul- auf den Universitätsbetrieb, und von dort auf den Berufsbereich
über. Aber das betrifft heute sehr viele Menschen, auch in früher
alltäglichsten Bereichen. Der Bereich jener, die wirkliche
Wirklichkeitserfahrung haben, die also von ihrem Tun einerseits, und der
Reaktion der Welt anderseits, existentiell abhängig waren und sind,
wird immer kleiner. Was dann die Lücken zwischen Schule, Universität und
Leben betrifft, werden die von permanentem Medienkonsum, vor allem durch
pausenlose Eingebundenheit in social media gefüllt. Damit bleibt die
Membran der Entwirklichung (als Entwurzelung) intakt.
Ein Wort sei herausgegriffen, das Bolz anführt: Das vom "Phantomproblem".
In solchen abgeschlossenen Blasen passiert es allzu leicht, daß sich
Probleme ergeben, die in der Wirklichkeit gar keine sind. Die aber kraft
der Medienmacht dieser Berufsfelder (die bevorzugt entwirklicht sind),
kraft der Autorität, die sich mit ihrer Stellung verbindet, zu
"wirklichen" Problemen hochstilisiert werden und den Diskurs beherrschen.
Der dann zur sinnlosen Quatscherei - zum BULLSHIT - wird, der von völliger Indifferenz, ja Ignoranz der Wahrheit als (auch: gemeinschaftsbildendes) Kriterium getragen ist.
Ganz
am Anfang zitiert Bolz noch etwas, das zu wichtig scheint, als daß es
unterginge, es scheint sogar das Hauptpünktchen auch der political
correctness zu sein: Die Menschen, das Volk läßt sich von Medien gar
nicht beeinflussen. Was tagein-tagaus gehört wird, ist genauso schnell
wieder vergessen und hat oder hätte keine Relevanz. Die hat es nur für opinion leader,
Führungskräfte, Autoritäten, Intellektuelle, Politiker, die den
Medienquatsch ernst nehmen. Und erst im Blick auf diese Autoritäten
folgt dann das Volk in der Einschätzung der Weltdinge.
Man kann deshalb sehr oft beobachten, daß ein alltäglicher Disput über dies oder das gar kein Streit über die Dinge selbst ist. Dazu wissen die Menschen in der Regel viel zu wenig Relevantes zu sagen. Es ist vielmehr ein Streit über den Rang und die Stellung der Autorität, von der sie diese Einschätzung übernommen haben. Die Menschen folgen also gar keinem Urteil, sie folgen Personen, denen sie folgen.
Entsprechend
ist ein Streit unter "Fachleuten" selbst fast immer kein Streit um
sachliche Fragen, sondern einer um die größere Autorität der sich
behauptenden Personen als Gestalt. Es ist ein Streit um den Ort, an dem
man in der Schöpfungsordnung steht, und den man verdient zu haben meint.
In jedem Fall ist dieser "höher" - nach dem Autoritätsschema, das sie
in der Kindheit erfahren haben - als der, an dem sie ursprünglich
standen oder an dem sie sich erfahren haben. Der ihnen aber nicht
gereicht hat. Es ist also ein Streit um den Platz zur Rechten und Linken
Gottes DURCH Leistung.
Das ist zugleich schon der tiefere Sinn der political correctness.
Sie ist eine Erfindung von Minderheiten, gewissermaßen, von Gruppen,
die sich aufgrund der Gruppenidentität, der Stellung dieser Gruppe in
einer größeren, umfassenderen Gruppe untergeordnet erleben.
Morgen Teil 2)
*131119*
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Montag, 5. August 2019
Von Linientreue und Bullshit
Der Mythos "Rechts" ersetzt jedes politische Nachdenken. Im Grunde müßte also die AfD glücklich sein, weil sie das einzige Thema ist, das seit vielen Jahren die Medienöffentlichkeit bestimmt. Die keine anderen Themen mehr findet. Er ist eine Art "nachträglicher Antifaschismus", dem heute jede sachliche Grundlage fehlt, der aber eine posthistorische-historische Distanzierung (und Rationalisierung) ist, wie Odo Marquardt es einmal formuliert.
Und Norbert Bolz formuliert einiges andere recht pointiert, wenn er den drei Säulen der Political Correctness nachgeht. Etwa wenn er als "Insider" warnt: Zu glauben, daß intellektuelle und akademische Personenkreise auch besonders gut denken könnten ist ein totaler Irrtum. Es fehlt ihnen in der Regel an jedem Kontakt mit der Realität. Auch Politiker leiden unter diesem Phänomen, denn sie wechseln in der Regel von einer Realitätsferne (Schule - Universität) in die Politik, ohne je mit der Realität ernsthaft konfrontiert worden zu sein. Die heutigen Sozial- und Bildungssysteme machen es sogar möglich, alt und grau und angesehen (und pensionsberechtigt) zu werden, ohne je mit der Realität konfrontiert worden zu sein.
Aber was für sie gilt, gilt für alle als Gefahrenmoment. Denn alle befinden sich in Echoräumen, sowohl Rechte wie Linke. Denn das ist die Natur der Informationsaufnahme, in der man ja nur als Information erkennt, was dem eigenen Wirklichkeitshorizont entspricht.
Warum ist das bei der Linken so aktuell, die sich doch ursprünglich als Korrektur der Politik aus der Realität heraus verstanden hat? Weil es eine Linke* nicht mehr gibt. Die hängt, wo sie noch Ideen hat, im 19. Jahrhundert, sie hat seither keine einzige neue Idee mehr auf die Wege gebracht. Also sucht sie verzweifelt nach Aufhängern für politischen Einfluß, und da fallen ihr nur vergangene Konflikte und Ideen ein.
Der Berliner Medienwissenschaftler, der wie immer frei von der Leber weg redet und die Geisteswissenschaften für nicht mehr zu retten sieht, weist auf einen weiteren wichtigen Punkt hin, der zweiten Säule der Political Correctness. Denn es trifft gar nicht so sehr zu, daß wir "belogen" werden. Das gibt es, ist aber die Ausnahme. Viel verbreiteter ist eine Haltung, die Harry Frankfurt in seiner bekannten Publikation "Bullshit" nennt: Es ist das Formulieren von leeren Floskeln, ohne noch irgendein Interesse an der Wahrheit zu haben. Das aber bestimmt den heutigen öffentlichen Diskurs.
Was ist deshalb am Fall Relotius so interessant? Gar nicht, daß der Journalist gelogen und seine Geschichten erfunden hat. Sondern daß er damit Erfolg hatte, daß er genau das produzierte, was der Mainstream hören wollte, was die vorgebildete Meinung der Intellektuellen bestätigte, ohne daß die je eine Ahnung hatten, wie es zum Beispiel im amerikanischen Mittelwesten überhaupt wirklich aussieht.
Zutrauen zum eigenen, gesunden Menschenverstand mißt das neue Paradigma des Umgangs mit den Medien. Selbst Bolz meint, daß er sich in den letzten Jahren zunehmend nur noch über Kanäle im Internet informiert, die Mainstream-Medien ignoriert, weil sie nur noch Bullshit produzieren, und man über die moderne Welt nicht mehr hinlänglich informiert wird. Das Internet kann tatsächlich eine Hilfe sein, noch andere Menschen zu finden, die ebenfalls noch einen Rest an Menschenverstand bewahrt haben, aber von den Mainstream-Medien ignoriert und verdeckt werden sollen.
*Und Bolz ist nicht nur Protestant und alter Liberaler, sondern auch
SPD-Mann. Das läßt die Gründe erkennen, warum seine Argumente immer nur
"halbtief", wenn auch in ihrer phänomenologischen Bestimmtheit oft äußerst treffend sind. Wie hier oft schon gesagt: Liberale werden dann zu "rechten Kritikern", wenn ihnen das, was sie selbst angerichtet haben, denn doch eines Tages persönlich zu viel wird und ihnen auf die Zehen fällt.
*250619*
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Donnerstag, 29. März 2018
Nur noch Konformisten
Zu diesem (nur als Audio verfügbaren) Vortrag von Norbert Bolz über die Freiheit des Geistes, die Freiheit der Meinung, muß man nichts mehr sagen. Sie ist sehr präzise, sie ist sehr gut. Bolz, der Universitäts-Dozent ist, prangert ungemein präzise den Verfall der Universitäten an. In der heutigen Form sind sie wertlose Institutionen der Gehirnwäsche geworden.
Wir haben es nicht einmal mehr mit öffentlicher Meinung zu tun, sondern mit dem, was alle meine, daß öffentliche Meinung sei. Alle reden von Diversität und Selberverwirklichung - und alle denken dasselbe. Wir haben es heute mit einem Konformismus zu tun, den es in der Geschichte wohl noch nie gab. Der Druck, so zu sein, wie jeder ist, ist gigantisch, und maskiert sich laufend neu. Dabei gibt es doch nur einen Weg, zu einer eigenen Meinung zu gelangen: Die Tradition zu lieben.
Stattdessen haben wir es mit der "Arroganz der Schwachheit" zu tun. Wo aber Kritik keinen Mut mehr verlangt, ist sie korrupt. Heute werden Störenfriede sogar noch hofiert. Der Mut wäre heute aber dort notwendig, wo es um die Erkenntnis der Tradition als Grundlegung des Denkens überhaupt geht. Stattdessen haben wir es heute nur noch mit Geschwätz zu tun. Gerade weil alle unorthodox sein wollen, auch Kirchenvertreter, wird alles nur noch leeres Geplappere, das vor allem die Vergemeinung sucht, dabei nur noch Kostüme sucht. Das bewirkt den völligen Niedergang einer Kultur, weil ihr der Geist ausgeht: Denn Geist gibt es nur um den Preis der Einsamkeit, Freimut, Eigensinn, Redlichkeit.
Aber wir leben in einem beklemmenden Klima der Repression. Fast nur eine Hoffnung gibt es noch: Die der Frechheit des Alters. Wo die Illusionen und Hoffnung ausreichend enttäuscht sind, nichts mehr zu erwarten ist.
*100318*
Montag, 26. März 2018
Arroganz der Defensive
Wir leben heute in einem Klima, in dem abweichende Meinung - Opposition - zu einem Straftatbestand wird. Und sei es über "Verhetzung". Was ein Volk sich erwartet, das seinen geistigen Raum - und das ist der Sprachraum - derartig vermint, ist nicht mehr ausdenkbar. Es wird in totaler Verdummung und einem Ende seiner Kultur enden.
Das besonders Schockierende dabei ist, so Norbert Bolz, daß es heute die LINKE ist, die diese Beschränkung des Geistes fordert und betreibt, wo doch gerade sie es war, die immer für die Freiheit des Geistes zu kämpfen behauptet hat.
Und die Medien spielen mit. Verstehen sich als Volkspädagogik.
*100318*
Donnerstag, 25. Juni 2015
Nachhaltigkeit ist gar nicht möglich
In jeder Phase hörenswert ist dieses Gespräch des deutschen Philosophen Norbert Bolz in "Philosophie heute" des Schweizer Fernsehen (55 min.). Es sei dem Leser anempfohlen. Es berührt in großer Ruhe weil Besinnung ein großes Spektrum an aktuellen Themen. Manchmal könnte man den Eindruck gewinnen, daß der Besonnene, der Vernunftbereite, einer riesigen, ja gigantischen offenen Wunde gegenübersteht, in der sich unsere Gesellschaft in Schmerzen windet, der sämtliche Lösungsansätze zwischen den Fingern zerrinnen, an denen die sie aber umso verzweifelter und wütender, aggressiver festhalten. Nur in der Vernunft aber, die etwas völlig anderes als bloß intellektueller Diskurs oder gar Meinungsbildung sind, und auch nicht in Moralismen und auch nicht in religiösen ideologisierten Systemen, läßt sich in einer immer relativen, gefährdeten Welt Halt und Ruhe - auch zum (wissenschaftlichen) Diskurs - finden. Diese Ruhe bleibt selbst dann, wenn man nicht oder nicht in allem die Auffassungen des Gegenüber teilt.
Das tut der VdZ auch nicht bei Bolz, der einfach sehr deutlich Liberaler ist und dadurch viele Kernprobleme doch nicht bei der Wurzel zu erfassen vermag. Denn die Welt bezieht sich auf eine ontologische Struktur und Ordnung, die in gewisser Weise "statisch" zu sehen ist (in aller Gefahr, die menschliches Verstehen mit sich bringt, weil sie immer in Bildern arbeitet.) Diese ontische Fundierung liefert erst die Kategorien, in denen sich auch die Welt formiert. Sonst zerrinnt sie letztlich immer. Im Bereich der Phänomene liefert deshalb Bolz sehr gute Analysen und sogar Synthesen, aber es bleibt gefährdet, weil es die Welt nicht ins Absolute einzuankern vermag: das Absolute (Gott, das Sein) bleibt deshalb (beim Liberalen) der Welt außen, es fehlt ihm das Tor in die Welt. Daß Bolz evangelisch ist (übrigens: mit einer katholischen Frau, wie er erzählt) müßte er gar nicht mehr erwähnen. Das Fehlen dieser Verankerung IST der Grunddefekt der Protestanten. Die ihnen fehlende Ernsthaftigkeit den Weltphänomenen gegenüber, die ihnen ja keinerlei absolute Aussage in der Welt möglich macht, macht sie dann, wenn sie sich gegen die (dieses Absolute ersetzen sollende) Ideologisierung in Fideismen und Moralismen wehren, zum Liberalismus geneigt. Damit fehlt dem Liberalen die Legitimation für "absolut wahre Sätze".
Und das erhellt sich noch weiter, wenn Bolz erzählt, daß er bei T. W. Adorno promoviert hat. Dessen "Es gibt kein richtiges Leben im Falschen" genau diese Ausgangslage reflektiert. Aber aus diesem Vernebelungszusammenhang, in dem die Gesellschaften stehen, läßt sich ohne Absolutes nie ein Ausweg finden. Denn auch die Logik der Ursachen (die ja nur aus der Begrifflichkeit stammen kann, nur die läßt ja sehen, womit sie aber immer zeitbedingt ist) ist dann nur noch faktisch-zeitrelativ, und kann in ihrem existentiellen Bezug auf diese Zeitvernebelung gar nie ausbrechen, bleibt notwendig innerhalb dieser Verhängungen, auch wenn sie kritisiert.
Der Mensch bleibt damit immer Gefangener, seine Freiheit ist eine relative, trotzige Freiheit der letzthinnigen Verzweiflung. Die Lösung des Liberalismus, daß deshalb jeder so leben solle, wie er es eben für richtig finde, hat aber ihre Grenzen, die nicht mehr als Ethik zu definieren sind, sondern in ihrem Regulierungsbedarf - solche Systeme steigern sich zu hochkomplexen Systemen, das heißt, daß ihre Zusammenbrüche unausweichlich sind, und dann MUSZ reguliert werden - zufällig "irgendwie pragmatisch" werden. Von einer schöpferischen Gestaltung des Lebens kann deshalb im Liberalismus gar nicht mehr gesprochen werden. Das reduziert sich auf ein in seinen Grenzen aber nicht mehr faßbares "Individuelles", das zum relativ-Autonomen wird.
Alles gründet also in der Anthropologie. Letztlich sänke die Philosophie damit auf die Ebene eines Meinungsaustausches herab. Denn es gibt dann keine Wahrheit mehr, nur noch rationale bzw. pragmatische Übereinkunft. Weil es keine Rationalität, keine "Logik" gibt, die sich aus sich heraus zu wahren (absoluten) Sätzen aufschwingen könnte. Das ist rational (Gödel; Wittgenstein) beweisbar. Deshalb konnte sich der Protestantismus nur noch in der Hl. Schrift (sola scriptura) verankern, und sich darin durch den Glauben auch wider alle Vernunft (sola fidei) absichern. Aber es fehlt dem solcherart auf den Einzelnen zurückgeworfenen Glauben als a priori die Verbindungsbrücke (wie sich in Kant dann explizit zeigt) zum Absoluten, zu Gott.
Bolz bleiben deshalb als Publikum nur noch jene Clacque, die in ihm ihre ohnehin bereits bestehenden Ansichten bestätigt, vielleicht argumentativ aber etwas mehr (in diesem relativen Geflecht der Zeitsprache als Zeitdenken) verankert sieht. Und Bolz sagt es sogar selber: er wolle mit seinen Büchern Argumente für jene liefern, die so leben wollten, wie er es da herausgreift. Er wird zum bloßen sophistischen Stichwortgeber, seine Bücher werden Heuristik (Werkzeuge, im Absicherungsdisput zu bestehen).*
Dennoch, in dieser Vernunftbereitschaft erst, die man Bolz auch weitgehend abnimmt, beginnt Freiheit und Geist, dort liegt der nun erst mögliche Ausstieg aus den Getriebenheiten. Dem Mainstream beizutreten - und gerade die Medienanbindung heute ist ein riesiger Versuch, immer Anbindung zu finden und zu wahren - vermag diese Unruhe nicht zu beseitigen, sie verlagert nur die Grenzen, macht das Individuum aber noch empfindlicher. Wo das nicht gelingt, wird alles als Angriff empfunden, weil gerade die Vernunft die eigene existentielle Angst vor Augen führt.
Aber Vernunft erschließt sich nicht "rational", auch wenn sie auf Rationalität nicht verzichten kann, sondern als menschlich grundlegendste Gesamtausrichtung. Wo immer jemand zu Menschengruppen "dazugehören" möchte, und sei die Gruppe noch so klein, wird dem Geist bereits ein Riegel vorgeschoben. Persönlichkeitsgestalt und Vernunftstruktur, ja sogar und gerade die Logik, sind nur zwei Seiten derselben Medaille.
Das aber unterscheidet sich völlig von dem, was ein Lehrer sein kann. Und Lehrer braucht jeder Mensch! Und seien es die Eltern. Ein gerüttelt Maß der Unruhe der Gegenwart liegt am Fehlen, aber auch am - wenn es prinzipiell ist, ist es noch dazu töricht - Ablehnen von Lehrern.
Ein Gedanke des Gesprächs sei zum Schluß noch hervorgehoben, denn er ist sehr wichtig: Bolz sagt, daß es ein wissenschaftliches Faktum ist, aus der Kybernetik nachweisbar, daß hochkomplexe Systeme (wie unsere Gesellschaften zweifellos sind; nicht, weil sie kompliziert sind, sondern weil sie in ihren Wirkfaktoren die Grenze von einfachen Systemen in JEDER Gesellschaft, jedem Staat überschreiten) NACHHALTIGKEIT (nach gängiger Definition) GAR NICHT MÖGLICH machen. Das, so Bolz, sollte die Wissenschaft der Politik einmal erklären!
Das Warum liefert der VdZ an dieser Stelle ein wenig nach, mit Verlaub: Weil die Aktions- und Reaktionsketten jeweiliger Teilsysteme (die ja aus ihrem Eigenwesen heraus gleichfalls tätig werden) ein theoretisches, linear nur plan- und erfaßbares Ergebnis eines einzelnen Prozessauslösers, der sich aufs Teil- oder/und Ganz-Ganze auswirken soll, mit mathematischer Notwendigkeit ausgelichen, ja mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar weit übertreffen. Also kontraproduktive Prozesse zurückliefern, die zu einem neuen Gesamt-Rückschlageffekt werden. Hochkomplexe Systeme sind prinzipiell nicht steuerbar.** Diese (mathematisch-wissenschaftliche) Erkenntnis alleine macht jeden "Kampf gegen das Weltklima" (so wie jeden Kampf für oder gegen ein Abstraktum) zum puren Narrentum.
Das tut der VdZ auch nicht bei Bolz, der einfach sehr deutlich Liberaler ist und dadurch viele Kernprobleme doch nicht bei der Wurzel zu erfassen vermag. Denn die Welt bezieht sich auf eine ontologische Struktur und Ordnung, die in gewisser Weise "statisch" zu sehen ist (in aller Gefahr, die menschliches Verstehen mit sich bringt, weil sie immer in Bildern arbeitet.) Diese ontische Fundierung liefert erst die Kategorien, in denen sich auch die Welt formiert. Sonst zerrinnt sie letztlich immer. Im Bereich der Phänomene liefert deshalb Bolz sehr gute Analysen und sogar Synthesen, aber es bleibt gefährdet, weil es die Welt nicht ins Absolute einzuankern vermag: das Absolute (Gott, das Sein) bleibt deshalb (beim Liberalen) der Welt außen, es fehlt ihm das Tor in die Welt. Daß Bolz evangelisch ist (übrigens: mit einer katholischen Frau, wie er erzählt) müßte er gar nicht mehr erwähnen. Das Fehlen dieser Verankerung IST der Grunddefekt der Protestanten. Die ihnen fehlende Ernsthaftigkeit den Weltphänomenen gegenüber, die ihnen ja keinerlei absolute Aussage in der Welt möglich macht, macht sie dann, wenn sie sich gegen die (dieses Absolute ersetzen sollende) Ideologisierung in Fideismen und Moralismen wehren, zum Liberalismus geneigt. Damit fehlt dem Liberalen die Legitimation für "absolut wahre Sätze".
Und das erhellt sich noch weiter, wenn Bolz erzählt, daß er bei T. W. Adorno promoviert hat. Dessen "Es gibt kein richtiges Leben im Falschen" genau diese Ausgangslage reflektiert. Aber aus diesem Vernebelungszusammenhang, in dem die Gesellschaften stehen, läßt sich ohne Absolutes nie ein Ausweg finden. Denn auch die Logik der Ursachen (die ja nur aus der Begrifflichkeit stammen kann, nur die läßt ja sehen, womit sie aber immer zeitbedingt ist) ist dann nur noch faktisch-zeitrelativ, und kann in ihrem existentiellen Bezug auf diese Zeitvernebelung gar nie ausbrechen, bleibt notwendig innerhalb dieser Verhängungen, auch wenn sie kritisiert.
Der Mensch bleibt damit immer Gefangener, seine Freiheit ist eine relative, trotzige Freiheit der letzthinnigen Verzweiflung. Die Lösung des Liberalismus, daß deshalb jeder so leben solle, wie er es eben für richtig finde, hat aber ihre Grenzen, die nicht mehr als Ethik zu definieren sind, sondern in ihrem Regulierungsbedarf - solche Systeme steigern sich zu hochkomplexen Systemen, das heißt, daß ihre Zusammenbrüche unausweichlich sind, und dann MUSZ reguliert werden - zufällig "irgendwie pragmatisch" werden. Von einer schöpferischen Gestaltung des Lebens kann deshalb im Liberalismus gar nicht mehr gesprochen werden. Das reduziert sich auf ein in seinen Grenzen aber nicht mehr faßbares "Individuelles", das zum relativ-Autonomen wird.
Alles gründet also in der Anthropologie. Letztlich sänke die Philosophie damit auf die Ebene eines Meinungsaustausches herab. Denn es gibt dann keine Wahrheit mehr, nur noch rationale bzw. pragmatische Übereinkunft. Weil es keine Rationalität, keine "Logik" gibt, die sich aus sich heraus zu wahren (absoluten) Sätzen aufschwingen könnte. Das ist rational (Gödel; Wittgenstein) beweisbar. Deshalb konnte sich der Protestantismus nur noch in der Hl. Schrift (sola scriptura) verankern, und sich darin durch den Glauben auch wider alle Vernunft (sola fidei) absichern. Aber es fehlt dem solcherart auf den Einzelnen zurückgeworfenen Glauben als a priori die Verbindungsbrücke (wie sich in Kant dann explizit zeigt) zum Absoluten, zu Gott.
Bolz bleiben deshalb als Publikum nur noch jene Clacque, die in ihm ihre ohnehin bereits bestehenden Ansichten bestätigt, vielleicht argumentativ aber etwas mehr (in diesem relativen Geflecht der Zeitsprache als Zeitdenken) verankert sieht. Und Bolz sagt es sogar selber: er wolle mit seinen Büchern Argumente für jene liefern, die so leben wollten, wie er es da herausgreift. Er wird zum bloßen sophistischen Stichwortgeber, seine Bücher werden Heuristik (Werkzeuge, im Absicherungsdisput zu bestehen).*
Dennoch, in dieser Vernunftbereitschaft erst, die man Bolz auch weitgehend abnimmt, beginnt Freiheit und Geist, dort liegt der nun erst mögliche Ausstieg aus den Getriebenheiten. Dem Mainstream beizutreten - und gerade die Medienanbindung heute ist ein riesiger Versuch, immer Anbindung zu finden und zu wahren - vermag diese Unruhe nicht zu beseitigen, sie verlagert nur die Grenzen, macht das Individuum aber noch empfindlicher. Wo das nicht gelingt, wird alles als Angriff empfunden, weil gerade die Vernunft die eigene existentielle Angst vor Augen führt.
Aber Vernunft erschließt sich nicht "rational", auch wenn sie auf Rationalität nicht verzichten kann, sondern als menschlich grundlegendste Gesamtausrichtung. Wo immer jemand zu Menschengruppen "dazugehören" möchte, und sei die Gruppe noch so klein, wird dem Geist bereits ein Riegel vorgeschoben. Persönlichkeitsgestalt und Vernunftstruktur, ja sogar und gerade die Logik, sind nur zwei Seiten derselben Medaille.
Das aber unterscheidet sich völlig von dem, was ein Lehrer sein kann. Und Lehrer braucht jeder Mensch! Und seien es die Eltern. Ein gerüttelt Maß der Unruhe der Gegenwart liegt am Fehlen, aber auch am - wenn es prinzipiell ist, ist es noch dazu töricht - Ablehnen von Lehrern.
Ein Gedanke des Gesprächs sei zum Schluß noch hervorgehoben, denn er ist sehr wichtig: Bolz sagt, daß es ein wissenschaftliches Faktum ist, aus der Kybernetik nachweisbar, daß hochkomplexe Systeme (wie unsere Gesellschaften zweifellos sind; nicht, weil sie kompliziert sind, sondern weil sie in ihren Wirkfaktoren die Grenze von einfachen Systemen in JEDER Gesellschaft, jedem Staat überschreiten) NACHHALTIGKEIT (nach gängiger Definition) GAR NICHT MÖGLICH machen. Das, so Bolz, sollte die Wissenschaft der Politik einmal erklären!
Das Warum liefert der VdZ an dieser Stelle ein wenig nach, mit Verlaub: Weil die Aktions- und Reaktionsketten jeweiliger Teilsysteme (die ja aus ihrem Eigenwesen heraus gleichfalls tätig werden) ein theoretisches, linear nur plan- und erfaßbares Ergebnis eines einzelnen Prozessauslösers, der sich aufs Teil- oder/und Ganz-Ganze auswirken soll, mit mathematischer Notwendigkeit ausgelichen, ja mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar weit übertreffen. Also kontraproduktive Prozesse zurückliefern, die zu einem neuen Gesamt-Rückschlageffekt werden. Hochkomplexe Systeme sind prinzipiell nicht steuerbar.** Diese (mathematisch-wissenschaftliche) Erkenntnis alleine macht jeden "Kampf gegen das Weltklima" (so wie jeden Kampf für oder gegen ein Abstraktum) zum puren Narrentum.
*Weil aber alles im letzten in der absoluten Wahrheit gründet, sind seine Bücher natürlich nicht NUR das.
**Deshalb ist der Instinkt der Nachhaltigkeitsfasler gar nicht falsch, wenn auch abzulehnen: Die über Totalitarismus, über Zentrallenkung von allem und jedem, das komplexe System zu einem einfachen linearen flachschlagen wollen. Simplifizieren also, wie es eben jede Utopie macht. Schudl am Scheitern sind aber dann natürlich Einzelne, die gegen die Idee "verstoßen". Also muß man die noch totaler beherrschen - die Logik jedes Totalitarismus. Der Mensch kann die Welt aber prinzipiell nicht beherrschen, und nicht retten! Er kann nur (mehr oder weniger kleine) Teilbereiche steuern. Dort, im nächsten Unmittelbaren, ist auch der Ort der Verantwortung, und jeder Ethik. An der je individuellen Bekehrung, die ein humanes Gesamtgeschehen ist, an der entscheidenden Wichtigkeit je individuellen (aber nie im Ganzen steuerbaren) Handelns, führt also nie ein Weg vorbei. Die Welt "als Ganzes" läßt sich niemals "verbessern" oder "gerechter machen". Jedes Abstraktum ist posthoc (bzw. im Ontischen a priori) feststellbare Kriterienfeststellung, aber niemals dinglich-konkretes Sachziel. Auch dann nicht, wenn es ein Papst fordert. Dann irrt auch der.
**Deshalb ist der Instinkt der Nachhaltigkeitsfasler gar nicht falsch, wenn auch abzulehnen: Die über Totalitarismus, über Zentrallenkung von allem und jedem, das komplexe System zu einem einfachen linearen flachschlagen wollen. Simplifizieren also, wie es eben jede Utopie macht. Schudl am Scheitern sind aber dann natürlich Einzelne, die gegen die Idee "verstoßen". Also muß man die noch totaler beherrschen - die Logik jedes Totalitarismus. Der Mensch kann die Welt aber prinzipiell nicht beherrschen, und nicht retten! Er kann nur (mehr oder weniger kleine) Teilbereiche steuern. Dort, im nächsten Unmittelbaren, ist auch der Ort der Verantwortung, und jeder Ethik. An der je individuellen Bekehrung, die ein humanes Gesamtgeschehen ist, an der entscheidenden Wichtigkeit je individuellen (aber nie im Ganzen steuerbaren) Handelns, führt also nie ein Weg vorbei. Die Welt "als Ganzes" läßt sich niemals "verbessern" oder "gerechter machen". Jedes Abstraktum ist posthoc (bzw. im Ontischen a priori) feststellbare Kriterienfeststellung, aber niemals dinglich-konkretes Sachziel. Auch dann nicht, wenn es ein Papst fordert. Dann irrt auch der.
***
Freitag, 24. Oktober 2014
Perverse Religion der Bioklimamuttererde
Auch wenn das Thema (wie auch das Phänomen Religion) viel tiefer zu analysieren wäre, hier nur publikumswirksam aufgemacht ist - das Flmchen (6 min) von 3Sat hat doch einige zutreffende Aussagen und ist deshalb sehenswert: Klimawandel als Religion. Mit Al Gore als Prophet. Der Klimawandelwahn ist nämlich keine Religion, sondern eine Sublimierung, nein, im psychologischen Sinn eine Perversion von (unerfüllter) Religiosität. (Zur Begriffsvertiefung zu empfehlen: L. Szondi, Schicksalsanalyse) Denn ein aus seinem angestammten Platz im Gefüge des Menschen abgestiegener ontologischer Antrieb sucht andere Formen. Deshalb ist Dogma und Glaube in dem hier verwendeten Sinn pervertiert, etwas anderes als es die Katholische Kirche versteht. Erst daraus läßt sich die Aggressivität des Klimaerwärmungwahns, ja sein Böses (das er nämlich ist) verstehen.
***
Mittwoch, 19. März 2014
Schon aus Denknotwendigkeit unmöglich
In einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen hat Norbert Bolz den Begriff der "Nachhaltigkeit" für glatten Unsinn erklärt. Es sei schon aus systemtheoretischen Überlegungen eine zum Mythos verbrämte Dummheit zu meinen, es gäbe zwischen Mensch und Umwelt so etwas wie ein durch Maßnahmen oder gezieltes, geplantes Verhalten herbeiführbares "harmonisches Gleichgewicht".
Stattdessen haben wir es hier mit jeweils hochkomplexen und hochkritischen Systemen zu tun, deren Aufeinanderwirken absolut unvorhersehbar ist. Schon aus diesem (kybernetischen) Blickwinkel heraus also ist der Glaube, man könnte Klima "ändern" (bzw. Klimawandel verändern, bremsen oder beschleunigen), oder gar gezielt steuern ("Na dann peilen wir mal nur 2,3 Grad Erderwärmung und 0,3 cm Meeresanstieg jährlich an ..."), blanker Unsinn. Und im übrigen unwissenschaftlich. Damit gar noch die Politik zu beauftragen muß zwangsläufig im Chaos enden.
Menschengerechtes Handeln kann eben nicht heißen, die großen Ganzen verändern zu wollen, sondern im Kleinen, Alltäglichen, aus eigener Warte und aus eigenem sittlichen Antrieb dem direkt Begegnenden heraus, das Richtige in der jedem erst damit angemessenen Dimension zu tun.
Im übrigen sagte Bolz etwas anderes ebenfalls sehr Richtiges: Es sei gar nicht die Politik, die political correctness (als Massenpsychose) umsetze oder verlange. Sie selbst sei von dieser zur Macht gewordenen Metaethik getrieben.
Die PC hat sich eben zu einer Dämonie der Gegenwart entwickelt, die alles unfrei und wirklichkeitsblind macht und in einer immer stärkeren Eigendynamik danach strebt, sich über alle und alles zu stülpen.
Menschengerechtes Handeln kann eben nicht heißen, die großen Ganzen verändern zu wollen, sondern im Kleinen, Alltäglichen, aus eigener Warte und aus eigenem sittlichen Antrieb dem direkt Begegnenden heraus, das Richtige in der jedem erst damit angemessenen Dimension zu tun.
Im übrigen sagte Bolz etwas anderes ebenfalls sehr Richtiges: Es sei gar nicht die Politik, die political correctness (als Massenpsychose) umsetze oder verlange. Sie selbst sei von dieser zur Macht gewordenen Metaethik getrieben.
Die PC hat sich eben zu einer Dämonie der Gegenwart entwickelt, die alles unfrei und wirklichkeitsblind macht und in einer immer stärkeren Eigendynamik danach strebt, sich über alle und alles zu stülpen.
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Donnerstag, 11. August 2011
Regiert von einer Parallelgesellschaft
Politiker leben in einer Parallelgesellschaft, sagt hier der deutsche Philosoph Norbert Bolz in einem 2minütigen Statement in einer deutschen Talkshow. Und man könnte es erweitern: Politiker und Presse leben in einer symbiotischen Verbindung (in beide Richtungen!), die die sogenannten Meinungsfelder und Öffentlichkeit zunehmend zu einer Luftblase werden ließ, die mit dem "normalen Leben" der Menschen kaum noch etwas zu tun hat, immer weiter von der "Wirklichkeit" abweicht. Deshalb wird die Politik von immer mehr Problemen überrascht, und wir stehen erst am Anfang dieses Entwicklung.* Schon gar weil man die "Wissenschaft" und leider auch über weite Strecken die "Kunst" in diese Symbiose mit hineinnehmen kann: zwitterhaft befruchtet sich hier eine Scheinwelt zu einer Scheinexistenz, und sie hat mit dem Internet und den social media die idealen Werkzeuge für diese Parallelwelt.
Der einzige Grund, warum solche Scheinwelten dennoch so hartnäckig und zäh existieren und Zuständigkeit vorschützen können, liegt in der sozio-ökonomischen Natur des Sozialstaates, der zwei Drittel der Gesellschaften in Europa bereits tiefgreifend erfaßt und die Menschen entwirklicht hat. Man vergesse dabei aber nicht, daß diese Entfremdung die Entfremdung von jenem Boden ist, auf dem ausnahmslos alle stehen! Die aktuelle Wirtschaftskrise zeigt dies mit einer Deutlichkeit, die frappiert - nur will immer noch keiner die Zeichen an der Wand lesen! Sie ist die Krise einer Gesellschaft, die bereits auf Schein (Schulden) existiert und sich weigert zu begreifen, daß die Zahlungsversprechen leer sind, von niemandem mehr erfüllt werden können und wollen.
Gerade die Konzentration dieser Parallelgesellschaften auf "gesellschaftspolitische Aspekte" (in den Wertegefügen), die Umwandlung aller sachlichen Probleme auf Werteprobleme (als Schlüssel zum Wirklichkeitszugang), zeigt dies mit einer Deutlichkeit, die wunder nimmt, daß sie nicht alle Alarmglocken läuten läßt: Hier kämpft eine abgeschlossene Zellenblase mit aller Kraft und Macht ums Überleben, um (zunehmend aufgezwungene) Akzeptanz durch den Rest des alles nährenden Organismus!
Noch eine Aussage Bolz' ist zu nennen, wenn auch gleich wirkungslos (die Parallelgesellschaft ist aus ihrem Wesen heraus längst erkenntnisverweigernd) einzuordnen: Von Meinungsfreiheit kann man nur sprechen, wenn man die Meinung eines Andersdenkenden auch mit gehörigem Respekt betrachtet, und nicht alle Andersdenkenden nach politisch-mehrheitlichen Gesichtspunkten bekämpft. In diesem Sinn kann man in unseren Ländern schon längst nicht mehr von Meinungsfreiheit sprechen, denn letztlich ist es gleichgültig, aus welchen inhaltlichen "Rechtfertigungen" man Meinungen anderer unterdrückt, oder die anderer durchdrückt. Es fehlt ein Klima des Respekts!
*Das Internet ist ja noch verdammt jung, vergessen wir das nicht! Eine technische Neuerung aber, die sich so rasch durchsetzt - und es ist atemberaubend, wie das beim Internet geschah - ist mit schlafwandlerischer Sicherheit schon deshalb als ebenso massentauglich wie -verderblich zu diagnostizieren, weil so ungehinderte Aufnahme von Insitutionalisierungen nur bei menschlichen Schwächen der Fall ist. Nur der Niedergang geht rasch - Aufbau ist immer mühsam und langsam. Dazu muß man ihre phänomenologischen Implikationen (die hier dazustellen ich mich schon so lange mühe, sie bleiben aber hochkomplex und für nicht mit Terminologie und Denkungsart Vertraute gewißlich schwer verstehbar) gar nicht mehr verstehen, dieses Indiz spricht bereits für sich.
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