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Montag, 28. Mai 2018

Warum sich Deutschland so verändert hat (2)

Teil 2)




Und genau das hat man in Zusammenhang mit der Migrationsentwicklung gesehen, meint Willy Wimmer. Europa (Brüssel) ist völlig ungeeignet, sagt er, etwas zu bewahren, was sich die deutschen Bürger nach 1945 geschaffen haben - das Bewußtsein für den Rechtsstaat. Schon 1989 sei er von den Russen (bei den Verhandlungen zur Wiedervereinigung) darauf hingewiesen worden, daß über den Hindukusch dreihundert Millionen Menschen an Migration zu erwarten seien. Dazu noch Afrika. Zwar habe sich damals in Bonn niemand dafür interessiert, weil alle mit der Wiedervereinigung beschäftigt waren.

Aber man habe an einem Konzept gearbeitet, eine EU-Sicherheitszone in Nordafrika (von Syrien bis Marokko) auszubilden. Warum das gescheitert ist? An den USA, an Israel und an einigen arabischen Staaten.  Hätte man dies aber umgesetzt, wäre Europa viel erspart geblieben. Aber es ist doch sinnlos heute davon zu sprechen, "Fluchtursachen zu bekämpfen", während man - auch Deutschland - einen völkerrechtswidrigen Krieg nach dem anderen führt, und den Menschen von Afghanistan bis Mali die Lebensgrundlage wegnimmt. Wenn man dann noch die Versorgungssituation in den Flüchtlingslagern verschlimmert, indem man die Rationen halbiert, wie es geschehen ist - was erwartet man dann? Wo war da ein Münchner Kardinal, der das Wort dagegen erhoben hätte? Der Kirchensteuerzahler hat doch ein Anrecht darauf, daß die Kirchen die Belange des Glaubens und die Interessen der Gläubigen wahrnehmen? Und welchen Sinn macht ein Staat, wenn er seine Bürger wie im September 2015 geschehen nicht schützt, sondern einfach die Grenzen aufmacht und seine legitimen Mittel nicht nützt? Daß das nicht geschah - die Grenztruppen waren bereits in Einsatzbereitschaft! - ist heute belegt. Es geschah durch persönliche Intervention der Bundeskanzlerin Merkel nicht!

Das Elend aber nahm aber mit dem Krieg gegen Jugoslawien seinen Anfang. Wo erstmals Deutschland einer rechtlosen, aber willkürlich politisch festgelegten Situation beitrat. Und sich von den USA und Großbritannien mißbrauchen ließ. Deutschland nimmt an etwas teil, zu dem das deutsche Volk nie seine Zustimmung gegeben hat. Das Krieg um Krieg bringt. Und das wegen eines NATO-Dokuments von 1999, das in Washington zum 50-Jahr-Jubiläum unterzeichnet wurde. Seither dient Deutschland der Kriegslust mancher NATO-Mächte.

Deutschland hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Wimmer weist dabei auf Eigenartigkeiten in der Politik Merkels hin. Über deren Besuchspolitik man nur rätseln kann, denn kommuniziert wird sie nicht. Warum aber wird die CDU Merkel nicht los? Wimmer begründet es damit, daß die Partei keine Strukturen mehr hat. Fehlen funktionsfähige, vitale Strukturen, ist aber der Körper natürlich noch da, wird er zum Objekt von Karrieristen. Von Leuten, die einfach bleiben. Das Lähmendste dabei ist die Permanenz, in der Deutschland in einer Situation pausenloser Verstöße gegen das Recht verharrt.

Während unser Rechtssystem nach und nach auf angelsächsisches Recht umgebaut wird, wie es bei den Den Haager Prozessen eingeleitet wurde. Auch diese unterschiedliche Rechtsauffassung und ihre Konsequenzen haben sich im Fall Skripal gezeigt und stellt das Rechtssystem Deutschlands auf den Kopf. Und das ist bereits auf Kiel gelegt, mit einer erweiterten europäischen Verteidigungsallianz, wo Deutschland die Kriege ganz Europas wird mitführen müssen.










*160518*

Sonntag, 27. Mai 2018

Warum sich Deutschland so verändert hat (1)

Eine flammende Rede, die Willy Wimmer, seines Zeichens Staatssekretär der CDU im Außenamt unter Helmut Kohl, Ende April 2018 hielt. Und die die fünfzig Minuten wert ist, sie ist sehr gehaltvoll. Wimmer kommt dabei auf einen interessanten Punkt: Daß Deutschland politisch so schwach geführt wird, daß es auf eine Situation zusteuert, die Kriege anderer auszufechten. Die Anzeichen sieht er in den Vorgängen rund um Trump und Macron, die in seinen Augen vierzig Jahre Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich auslöschen. Wimmer spricht von einer "Wiederkehr der Hasardeure", einer Situation ähnlich wie vor 1914.

Dazu noch Großbritannien, das eigentlich nächstes Jahr seine Truppen aus Deutschland abziehen müßte - und das nicht will. Das sei ein Teil des Hintergrunds im Fall Skripal! Heute sind die wirklichen Feinde nicht mehr die Feinde, sondern die Freunde. Es findet derzeit ein Ringen um die deutsche Seele statt - Deutschland zum Kriegsfeld im Kampf der USA gegen Rußland vorbereitet. Vielleicht um es in vierzig Einzelstaaten zu zerschlagen. Denn es fehlt eigentlich nur noch, daß der Westen die Panzermotoren startet.

Während sich Deutschland seinen eigentlichen Verbündeten - Staaten wie Polen oder Ungarn - wie ein Gutsherr in Altbrandenburg begegnet, und sie mit der Knute züchtigt, weil sie sich der Unrechtssituation, die in Deutschland herrscht, nicht fügen wollen. Und sie damit gegen sich aufbringt. Den deutschen Bürgern ist das vielfach nicht klar, weil sie seit langem nicht so sehr falsch, sondern gar nicht informiert werden. Denn das Desaster der Medien ist eines der Weglassungen.

Interessant auch, was er über die USA erzählt. Noch lange vor den letzten Wahlen, die Trump nach oben brachten, habe es Beratungen gegeben, was man tue, weil die Wut unter den Bürgern so groß ist. Die Leute wollten es nicht mehr hinnehmen, daß Massen an Zinksärgen in die Gemeinden gebracht werden, daß Millionen Arbeitsplätze abwandern, daß die Infrastruktur zusammenbricht. Gleichzeitig stieg der Antisemitismus auf neue Höhen. Es roch nach Revolution. Diese Wut hat Trump kanalisiert. Darüber hat sogar vier bis acht Wochen nach der Wahl CNN ganz offen berichtet. Nun steht Trump vor der Situation, völlig umgeben von einem Washingtoner Establishment, gegen das er angetreten war, überhaupt einen Ausweg zu finden. Auf wen soll er sich verlassen? Die ständigen Personalwechsel seines Teams zeigen das.

Und dann hat er noch einen mächtigen Feind: BBC. Die ihn seit er im Amt ist mit Schmutzkübeln überschüttet. In grotesker Umkehrung dessen, was zuvor geschah, wo Putin der Gottseibeiuns war. Dahinter steht die NATO. Und von dort geht direkt die Verbindung zum Kanzleramt in Berlin. Wo wir erleben, so Wimmer, daß sich die USA offensichtlich ganz eigene Vorstellungen von Europa nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gemacht hat. Und zieht es durch.

Die soziale Marktwirtschaft wurde nur so lange geduldet, als es den Eisernen Vorhang und die DDR noch gab. Sie wurde aber ab 1992 durch "shareholder-value" abgelöst. Durch den Verzicht auf Einflußnahme auf Betriebe durch radikale Privatisierungen wurde unser Leben radikal geändert. Es wird heute von den Kuponschneidern (Anm.: Man beanspruchte früher Dividenden durch Kuponbögen, die es pro Aktie gab, und von denen man jährlich einen Kupon abschnitt und einlöste) in New York und Los Angeles. Damit hat sich das Interesse weg vom Gemeinwohl hin zu persönlichen Gewinninteressen verlagert. Mit dem Erklärbüro in Gütersloh (Anm.: Wo der Medienkonzern Bertelsmann mit seiner Bertelsmann-Stiftung sitzt, die den Deutschen erklärt, "was zu denken ist", und warum globaler Kapitalismus gut sei.) Einzig die Wasserwerke halten da noch eine letzte Front. Wer aber vertritt noch nationale Interessen?

Mit dem Übergang von Bonn nach Berlin hat sich das Klima in Deutschland schlagartig geändert. Der entscheidende Punkt war die Unterzeichnung der Maastrichter Verträge 1992. Damit wurden 80 Prozent der nationalen Kompetenzen auf Brüssel übertragen, und 20 Prozent auf Berlin. Sowohl in Brüssel wie auch in Berlin war dasselbe: Ab nun wurde die Politik den Lobbyorganisationen zum Fraß vorgeworfen. Seither braucht man keinen "Staatsbürger" mehr. Denn der Einfluß liegt durch die Umgestaltung auf technische Vorgänge, der mit dem Umzug erfolgt ist, in den Händen von Lobbys und Regierungen. Während in Bonn die Politik noch in gewachsene Strukturen eingebettet und mit dem Volk verbunden war. Bürger sind nur noch technische Faktoren, Momente einer Maschine.


Morgen Teil 2)






*160518*

Samstag, 10. Dezember 2016

Was ist da eigentlich los?

Man kann es kaum besser auf den Punkt bringen, als es Willy Wimmer, der ehemalige CDU-Staatssekretär im Außenamt in Bonn, wieder einmal und in diesen Tagen tat. Wo er in einem Aufwasch anspricht, wo überall es heute brenzelt. Denn plötzlich stehen wir wirklich an einem Punkt, wo sich die Probleme nur mehr so häufen.

Etwa CETA und TTIP: Jeder ist für freien internationalen Handel, warum auch nicht, selbstverständlich. Aber das kann jeder Staat für sich regeln, so weit er das möchte und zu brauchen meint? Warum braucht es dazu schicksalshafte Abkommen, die die staatliche Selbstregulierungsfähigkeit aufheben, indem man die staatliche Rechtsordnung auf internationale Schiedsgerichte und Vertragswerke verlagert, denen dann die Staaten unterworfen sind? 

Systematisch werden staatliche Kompetenzen auf Ebenen ausgelagert, wo alle möglichen Vertragssituationen - auch die NATO - und irgendwelche (moralischen) "Notwendigkeiten" über unsere staatlichen Angelegenheiten bestimmen. Daß dies alles unsere Verfassungen und auch das Völkerrecht obsolet macht, scheint nicht einmal mehr jemanden zu kümmern. Die Auswirkungen der Fremdbestimmung und Instrumentalisierung Deutschlands sehen wir längst. Wir stehen plötzlich in Interessenskriegen anderer Staaten, die uns nicht das geringste angehen, ja die wir gar nicht wollen. Und warum? Weil wir der anderen Seite gar nicht mehr zuhören.

Denn wie kann sonst sein, daß vor vier oder sogar noch vor zwei Jahren die Beziehungen zu Rußland von beiden Seiten und auf allen Ebenen mit größter Freundschaft und Bereitschaft gestaltet wurden, und plötzlich stehen wir in einer Situation wie vor einem Krieg? Wer in Deutschland will denn Krieg mit Rußland?

Wimmer wartet dazu mit sensationellen Informationen auf. Auch zum offensichtlichen Versagen der politischen Führung in unseren Ländern, die die Grundsätze der Entwicklungen in Europa nach 1945 über den Haufen werfen. Beim Wort genommen: Wir haben uns von Amerika in den letzten zwanzig Jahren in eine verhängnisvolle Lage bringen lassen, die sich nun zuspitzt. Denkt sich denn niemand etwas dabei, wenn die NATO heute gegen alle impliziten wie expliziten Absprachen an der russischen Grenze steht?

Wo ist da überall auch die Stimme der Kirche? Wo ist die Friedenswallfahrt nach Altötting? (Die Veranstaltung mit Wimmer ist von der Katholischen Arbeitnehmer Vereinigung (KA) organisiert, die in Bayern offenbar noch etwas mit katholisch zu tun hat, und nicht einfach eine SPÖ-Teilorganisation wie in Österreich ist.)
"Wir sind doch nicht abartig, wenn man auf diese Dinge aufmerksam macht!? Wo sind wir eigentlich hingekommen?"
Besonders interessant als Einblick in die Stimmung der Menschen auch die Diskussion mit dem Publikum (nach circa einer Stunde). Vielleicht reicht das überhaupt schon, um alles zu erhellen: "Wir haben gar kein Parlament mehr, sondern das ist doch eine Notgemeinschaft!" Das Gefühl, daß wir vom Establishment permanent und unter Verstoß gegen die Rechtsordnung in Dinge und Entwicklungen gezwungen werden, die wir komplett ablehnen, ist sehr verbreitet.







*211016*

Dienstag, 20. September 2016

Europa vor einem Krieg

Ein wirklich gutes Gespräch zwischen (im wesentlichen) Daniele Ganser und Willy Wimmer - ab und zu meldet sich auch Albrecht Müller - über die strategische Politik Europas in der Nahtstelle zu Rußland. Das die Bruchstellen der gegenwärtigen Situation hervorragend darstellt.

Besonders gefällt dem VdZ natürlich die Bemerkung von Wimmer, daß die Politik der USA seit 1871 neu zu überlegen wäre: Ob das Bild des guten Onkels, der uns hilft, nicht völlig falsch ist. Ob nicht das Interesse der USA an Europa immer nur das eines Konkurrenzverhältnisses war, das möglichst viel Chaos in Europa anrichten sollte, um sich selbst damit zu stärken. Das also, was an diesem Ort bereits mehrfach als notwendiger Rückschluß zu lesen war. Oder, wie Daniele Ganser es sagt: Die USA führen die Politik eines Imperiums, nur sagen sie es nicht. Und ihr Interesse war seit je, Deutschland und Rußland daran zu hindern, einander näher zu kommen. Denn sie wären der einzige Block, der den Interessen der USA gefährlich werden können.

Müßte man das nicht längst rückfolgern? Selbst bei der NATO? Ganser stellt die Anfrage an die Wahrnehmung: Was hat die NATO in den letzten Jahrzehnten denn anderes geschaffen als Chaos und Verwirrung und Krieg? Die NATO tut auch derzeit alles, um die Gewaltspirale gegen Rußland hochzudrehen. Mit der derzeitigen - von der Linken auch so forcierten - Politik aber wird ein Krieg, der überhaupt nicht im Interesse Europas und Deutschlands steht - nicht verhindern können. Man steuert im Gegenteil direkt darauf zu. Dazu tragen die Medien ihr gerüttelt Maß bei. Wimmer dazu: Was wir heute in den Medien erleben ist einmalig. Selbst gegen Hitler gab es mehr medialen Widerstand als heute. Es fehlt völlig der Mut zur kritischen Betrachtung. Gäbe es keine alternativen Medien, sagt er sogar, wäre längst ein Krieg ausgebrochen.

Erhellend zum intellektuellen Niveau des Veranstalters: KenFM stellt die Frage, was das denn solle, denn "Krieg ist doch rechts". Diesem Klassendenken hängt übrigens auch Daniele Ganser an, wie im zweiten Teil dieses Videos klar wird. Dessen Position oft ja recht fragwürdig sind. Nicht aus den Details, da ist er durchaus zu schätzen, sondern in ihrem Interpretationshorizont.

Wimmer: Wir müssen lernen, nüchtern zu denken. Unser Bild von den guten USA stimmt nicht.









*120816*

Dienstag, 16. August 2016

Er sagt es auch

Willy Wimmer, dem man ganz sicher nicht Mangel an Einblicken vorwerfen kann, sieht die Dinge in der Türkei nicht unähnlich zu den hier vor einer Woche aufgeworfenen These über Zusammenhänge zwischen globalen US-Interessen und den jüngsten Vorfällen in der Türkei.

Nach Wimmer war es ein "Signal" an Erdogan. Denn es ist in der Türkei selbstverständliche Annahme, daß auch dieser jüngste Putsch(versuch) von Amerika gedeckt oder gar ausgelöst war. Wie jene drei Putsche, die schon in den letzten Jahrzehnten jedesmal eine nicht US-konforme Politik "korrigiert" hat. Interessant und allmählich zu einem Gesamtbild erweiternd, was Wimmer, der ehemalige CDU-Staatssekretär im deutschen Außenministerium, über so manche Hintergründe zu sagen hat. Denn dazu muß man die Situation der USA, die vor Wahlen steht, beachten. Wimmer meint sogar, daß der Abschuß der russischen Maschine vom Vorjahr nur mit amerikanischer militärisch-technischer Hilfe möglich war, um die türkische Verbindung mit Putin zu zerstören. Nach Wimmer aber haben sogar die Russen Erdogan in seinem Urlaubsort vor den Putschereignissen in Istanbul gewarnt, und damit gerettet!

Den Grundfehler habe Erdogan begangen, so Wimmer, als er vor ein paar Jahren (gegen Israel) den Gaza-Streifen mit Versorgungsschiffen ansteuerte. Erdogan habe sich dann außenpolitisch mit seiner Syrien-politik der Destabilsierung schlichtweg "verzockt". Auch das wurde hier bereits als Vermutung bzw. Deutungsversuch geäußert. Und tatsächlich, auch Wimmer weist (wie der VdZ) auf die orientalische "Basar-"Mentalität hin, will man die Türkei, ja den gesamten Vorderen Orient verstehen. Europa ist dabei, sich in ein Karussel hineinziehen zu lasse, das "uns umbringen wird". Vor allem das tragisch bereits instrumentalisierte Deutschland ist dabei, sich in einen wahren Strudel hineinreißen zu lassen. Damit ist Europa in Widersprüche verwickelt, die die Bevölkerungen der Länder längst spüren, und damit das Vertrauen in die Politik zurecht verloren haben.

Hörenswerte 24 Minuten!








*120816*

Freitag, 1. Juli 2016

Einschätzung eines Gewährsmanns

Weltdeutung, Politik ist in höchstem Maß eine Frage des Vertrauens. Und das ist eine Vertrauen zu Personen. Eine der Personen, denen der VdZ hohe Vertgrauenswürdigkeit zuschreibt, das heißt: dessen Deutungen er in vielem als "eigene Ansätze, Ahnungen, Gefühle zu als gewußt Geglaubtem (denn das ist: Wissen; es für "gewußt" zu halten) fomierend", ider de ehemalige hochrangige CDU-Politiker Willy Wimmer. Deshalb ist auch interessant zu hören, was Wimmer zum Brexit zu sagen hat.

Daß die Volksabstimmung so "überraschend" ausgefallen ist zeigt, meint Wimmer, daß sich die Politik überhaupt nicht mehr dafür interessiert hat, was das Volk denkt und will. Insgesamt liefert der ehemalige hohe Bemate im Außenministerium eine sehr differenzierte und ungemein umfassende, hoch interesssante Interpretation der Folgen des Brexit. Der die britische Politik im historischen Rahmen als das beurteilt, was sie immer in ihrer Contra-Position zu Europa war. Und zu vielfach überraschenden eigenen Bewertungen kommt. So meint er, daß der Brexit die Kriegsvorbereitungen der NATO gegen Rußland in ihr finales Stadium setzt, der die Briten aus diesem geplanten, vorbereiteten Konflikt ganz einfach vorzeitig herausnimmt.

Prädikat: Hörenswert! Absolut hörenswert. Wimmer stellt alles in einen für viele gewiß überraschenden Gesamtrahmen, der manches anders bewerten lassen könnte.









*270616*

Montag, 20. Juni 2016

Zur Lage der Nation

Die Panik der etablierten Politik vor der Wählerreaktion ist ncith nur berechtigt, sondern sie baut auf dem tiefen Wissen um die eigene Schuld auf. Umso aggressiver reagiert sie auf eine Opposition, die sich ganz bemerkenswert als Grundhaltung eines ganzen Volkes bereits eingestellt hat. Und sie tut es durch eine unglaubliche Verleumgungstaktik. Die Menschen vertrauen aber den offiziellen Erzählungen nicht mehr, weder in den Medien noch in der Politik. Und diesen Vertrauensverlust haben diese sich auch redlich verdient. Willy Wimmer spricht in diesem die Lage gut zusammenfassenden Interview vom 26. Februar 2016, in dem er sehr vieles auf ihren sachlichen Punkt bringt, bei den Medien sogar von "Merkel-Schwadronen".

"Berlin handelt nach wie vor nicht. Es scheint nur darum zu gehen, Zeit zu gewinnen." Zeit, die eine normative Kraft des Faktischen bewirken wird, ein "too big to fail", das eine wirkliche Reparatur der Fehler gar nicht mehr möglich machen wird. Es sei denn man greift zu drastischen Maßnahmen. Für Wimmer führt das sogar zur Frage, wie lange in unseren Ländern überhaupt noch gewählt werden wird dürfen.

Sehr pessimistisch sieht Willy Wimmer die Entwicklungen rund um die Bestrebungen der Kurden einen Staat zu bilden. Denn das würde die Region nachhaltig destabilisieren, und vier Staaten (Türkei, Irak, Iran, Syrien) zerfetzen. Der ehemalige Sekretär im Deutschen Kanzleramt sieht konkrete Interessen Israels damit verbunden. Historisch hat der Vordere Orient aber auch die deutsche Politik maßgeblich tangiert.

Ebenfalls sehr besorgt äußert er sich zu den Entwicklungen NATO&EU-Rußland. Schritt um Schritt wird durch den Westen in eine Richtung gegangen, die in einem neuen Schießkrieg, einem Heißen Krieg enden wird. Das Interessse der führenden (transatlantischen) Mächte in der NATO war aber historisch belegbar noch nie darauf ausgerichtet, das kontinentale Europa stabil zu halten, denn ein stabiles, starkes Europa dient gar nicht ihren Interessen, sondern könnte sie global sogar gefährden. Umso panischer agieren sie, um Fakten zu schaffen, die gleichfalls "too big to fail" sind, und einem Richtungsschwenk Europas (als Annäherung an Rußland) nachhaltig verhindern sollen. Das ist in den Augen des VdZ sogar die wahrscheinlich wesentlichste Funktion des TTIP.

Noch eine kleine Nebenbemerkung: Am Ende dieses Interviews erscheint ein kurzer Spot der Bewegung "Ein Prozent". Sie warnt vor Wahlbetrug. Nun könnte man meinen, das sei paranoid. Daß man so weit geht, das glaubt doch wirklich niemand? Naja ... mittlerweile werden in Österreich bereits 10 % der Stimmen per "Briefwahl" abgegeben. Grüne fordern sowieso schon lange ein Wahlrecht "per Aufenthalt", also nicht einmal mehr an Staatsbürgerschaft gebunden. Die Briefwahl aber - der VdZ hat es nun selbst erfahren - verläuft erstaunlich einfach.

Man kann sie gar nicht wirklich auf die Person absichern. Schon seit längerem wird von manchen deshalb davor gewarnt, daß eine Manipulation über Briefwahl - über das Prozedere der eigentlichen Wahl und Stimmabgabe - sehr leicht möglich ist. Und daß die etablierten als machthabende Parteien es diesbezüglich nicht immer und sehr einvernehmlich so ganz genau nehmen, war schon in der Vergangenheit der Fall. Er war selbst (!) als Wahlbeisitzer Zeuge eines solchen Betrugsversuchs. Den er verhinderte, und der ihm endgültig den Ruf von "Unzuverlässigkeit" (sic!) einbrachte.











*130516*

Freitag, 10. Juli 2015

Was ist normal?

Die Medien unserer Lande haben nichts geändert - außer: Ihre Strategie zu verfeinern. Mit der sie jene Glaubwürdigkeit, die sie verspielt haben, wieder zurückgewinnen wollen. Nicht durch mehr Wahrhaftigkeit, sondern durch Strategien, die die Menschen GLAUBEN machen sollen, daß sie glaubwürdig seien. Die Beobachtungen des VdZ sind erschütternd. Und entmutigend.

Die Sache wird so weit gehen, daß man riskiert, überhaupt die Bevölkerungen in Paranoia zu treiben. Denn im Wahn ist niemand mehr Herr seiner selbst. Und damit williges Opfer des Faktischen, weil er resigniert.

Die Lügen der Medien, die ihren journalistischen Ehrencodex gegen das hochmoralische "die Welt besser machen" eingetauscht haben (in Österreich haben das manche Medien - darunter solche in Kirchenbesitz! - sogar explizit angekündigt), sind nicht weniger geworden. Sie sind nur subtiler geworden. Da schadet es nicht, solche Gespräche zu hören, die daran erinnern, daß die einzige Anhalte des Menschen ... die Vernunft ist. Die persönliche Vernunft. Eine sittliche Aufgabe, die über jede Detailinformation weit, weit hinausgeht.

Denn darum geht es immer: Um die Suche nach dem Maßstab der Vernünftigkeit. Um die Frage: WAS IST NORMAL?

Wir erleben derzeit ein unfaßbares Fiasko der Eliten, in denen sich dieser Maßstab der Normalität abbilden sollte. Die hauptsächliche Stoßrichtung der Ideologien seit zweihundert Jahren, ja seit der Reformation, ist aber, genau die Elitenbildung auf den Kopf zu stellen. Wo aber der Kopf krank ist, wird es der Leib. Das Interessanteste an diesem (langen ... zweieinhalb stündigen Gespräch) Gespräch ist vielleicht die Beobachtung, daß seine Grundfrage über große Strecken dieselbe ist, die die jüngste Enzyklika Laudato Si stellt. Wer mehr dilettantisch vorgeht, mag dem Leser zu beantworten vorbehalten bleiben. Auch darin - bestenfalls: je anders - unterscheiden sich die Stellungnahmen wenig. Was "normal" ist, weiß offenbar bald keiner mehr. Praktischer Hausverstand, vor allem Realismus, Realitätskenntnis, scheint in dieser Gesprächsrunde jedenfalls mehr vorhanden zu sein. Die Naivität über "Lösungen" freilich ein Streitfall ... und in beiden Fällen frustrierend.

Trotz ein paar weittragender Sätze: Die USA sind die Pest, die zu heilen sie vorgeben. Oder: Das Gute ist das Tun des Guten. Die Amerikaner sagen: Was wir tun, das IST das Gute. Eine Entwicklung, die seit dem 19. Jahrhundert explizit wurde, in Hegel nur noch seinen definitiven Ausdruck fand: Die Heiligung des Faktischen. Ein ontologischer Fehlschluß, dazu noch mehr. Als Grundhaltung ist sein Siegeszug in der gesamten Welt erfolgt, es ist die Matrix des 20./21. Jahrhunderts. Und das geht bis zur Kirche, in dieser seltsamen Dichotomie der Verkündigung (!) des Dogmas der Unfehlbarkeit des Papstes. Newman hatte VÖLLIG recht, als er davor warnte. Die Kirche ist das Urbild der Welt. Oder ist die Forderung nach Begeisterung durch Ganser vielleicht doch dieselbe wie die von Papst Franziskus?

Jedenfalls ist der "Lösungsansatz" dieser Gruppe auch für ... die Würscht. Rückgrat? Nein. Das haben diese Herrschaften auch nicht. Sie wissen es nur nicht. Sie haben nur ein Rollenfach entwickelt, das "Rückgrat" heißt. Zu verlockend ist dieses Rollenfach in jenem theatrum, das sie kritisieren.






*100715*

Samstag, 2. August 2014

Übelste Hetze der Staatsmedien

Hören Sie den ehem. CDU-Staatsminister Willy Wimmer. Mehr gibt es zur aktuellen Entwicklung USA-EU-Ukraine-Putin kaum noch zu sagen. Der einzige Zweck? Instrumentalisierung gegen Rußland, im Interesse der US, die mit einem Doppelschlag sogar schafft, den Konkurrenten Europa dazu zu bringen, sich über aberwitzige, völkerrrechtlich nicht zu rechtfertigende Saktionen, die schnurstracks auf eine Kriegserklärung zustreben, selbst aus dem Feld zu räumen. Angesichts einer amerikanischen Staatslage, die es kaum noch schafft, die Gehälter seines Militärs zu zahlen, mit Zeitdruck angesichts einer Ukraine, die sich selbst regelrecht auflöst. "Seit Mitte der 90iger Jahre wurde von Westeuropa konsequent - aber mühelos nachvollziehbar - der Weg des Völkerrechts verlassen, der Weg geht direkt zu einem Krieg. Die Amerikaner bieten nur noch Kriegsperspektiven."







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Samstag, 5. Juli 2014

Vorsicht vor diesem Video!

Durch Hinweis des Lesers L erhielt der VdZ dieses Videolink. Und - es ist sehenswert. Ein mehr als einstündiges Interview mit dem langjährigen CDU-Abgeordneten - der sich als "rheinischen Christdemokraten" bezeichnet - und OSZE-Delegierten Willy Wimmer. Der offenbar weiß, wovon er spricht, und zu erstaunlichen Urteilen auch über Rußland kommt. Aber vielleicht ist auch er putingesteuert und rechtsextrem. "Die Reaktionen Rußlands gegenüber Europa im kalten Krieg waren nichts anderes als die Umsetzung der Erfahrung mit Napoleon und Hitler." Oder: "Amerika hat Mitte der 90iger Jahre seine Politik umgestellt: von Kooperation zur Aggression.

Und: "England hatte nie ein Interesse an einem ausgewogenen Kontinent. Das lag nicht in ihrem Interesse. Und Amerika hat einfach die britischen Begriffe übernommen. Die Briten haben ein strategisches Interesse, die Vertiefung der Integration in der EU zu verwässern. Deshalb wollen sie nicht nur die Türkei in die EU bekommen, sondern auch die Ukraine. Das alles - ohne gemeinsamen Nenner, außer dem einer möglichst großen Freihandelszone. Die Briten haben kein Interesse an einem europäisch geeinten politischen Willen. Sie orientieren sich vor allem an einer Einigung mit den USA, auch um den Preis eines Krieges in Europa. Sie waren in allen Kriegen der letzten Zeit bei den Anstiftern. Der Jugoslawien- oder Irakkrieg waren ein reiner Angriffskrieg."

Und da wird es wirklich hochinterssant: "Der Zusammenbruch von Lehman Brothers hatte direkt damit zu tun, daß die Amerikaner ihre Kriege mit europäischem Geld finanziert hatten. Der Hintergrund war, den Euro als Konkurrenzwährung zum Dollar zu eliminieren. Nur Merkel hat eine eigenständige europäische Währungspolitik verfolgt. Auch wenn es mehr als angebracht gewesen wäre, im Falle der Ukraine bei den Massakern am Majdan-Platz eine sofortige Untersuchung zu fordern. Es kann nicht angehen, das nur von China zu verlangen, weil es weit weg ist."

Oder: "Ja, man kann keiner internationalen Organisation mehr trauen, dem Roten Kreuz, wem auch immer. Die Amerikaner haben sie gekapert, sie dienen amerikanischen Interessen."

"Rußland ist doch nicht dämlich! Gorbatschow wurde signalisiert, daß Deutschland nicht an einer konfrontativen Situation interessiert sei, das heißt: keine Nato im ehemaligen Ostblock. Was aber passiert ist ist das Gegenteil. Die Russen haben bei der Ukraine einfach einen Stop gesetzt! Der Ansatz der Amerikaner war eben, daß sie meinten, den dritten Weltkrieg, den Kalten Krieg, gewonnen zu haben, während ihn die Russen verloren hätten. Und so haben sie sich benommen. Die Russen ware nicht mehr Partner, sondern sie meinten: wir machen uns über die her. Die Rusen haben lange zugewartet, aber sie haben erkannt: aus dem Westen kam keine Kooperation."

Aber damit setzt man Rußland, das von seinen Bodenschätzen lebt, das Messer an die Brust.

"Sanktionen sind der direkte Weg zum Konflikt. Wer Saktionen setzt, will die legitime Basis für einen militärischen Konflikt. Eine traditionelle Politik der Briten. Man hat schon damals Japan dadurch in den Krieg gezwungen."

"Der Westen legt es darauf an, die russische Gesellschaft zu spalten. Es gibt in Rußland gut 600 NGOs! Und die sind höchst abhängig von den USA."

"Die Amerikaner haben klar und bekennend ein Konzept, das eine eigenständige europäische Politik gegen amerikanische (Wirtschafts-)Interessen gerichtet wäre. Die amerikanische Politik ist aber nur durchsetzbar durch Gewalt und Unterdrückung seiner Freunde. Die amerikanischen Maßnahmen dazu zerstören unsere Gesellschaft."

"Wenn das, was die USA mit Deutschland machen - flächendeckende Überwachung - passiert, verliert eine Nation jede Würde. Alle Politiker und Verantwortlichen müssen davon ausgehen, daß sie nicht mehr Herr ihres Handelns sind."

"Um zu wissen, was in der Welt vorgeht, brauche ich deutsche Nachrichtensender nicht. Man erfährt über ausländische - chinesische, russische, arabische, französische - viel mehr, ihre Qualität ist viel höher."

Bitte: das waren bis vor kurzem deutsche Politiker, mit solchem  - eigenständigen - Rundumblick. Hochinteressante Einblicke eines höchst glaubwürdigen Zeugen, selbst in die Erdgaspolitik Rußlands.

Vorsicht, es könnte Ihre Sicht mancher Dinge erschüttern.







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