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Sonntag, 18. November 2012

Mitten im Totalitarismus (III)


3. Teil - Sprache steigt aus dem Schweigen



Noch bis ins 12., 13. Jahrhundert war es unüblich, einzelne Worte "zu trennen", man schrieb - so wie man sprach - immer in Sinneinheiten, Gesamtaussagen. Der Leerraum zwischen den Worten war nur eine (Vor-)Lesehilfe, die aber dann dramatische Auswirkungen auf das Denken, eben auf die Sicht der Sprache hatte: Als wäre die gesamte (denkbare) Wirklichkeit nur die Summe von Bausteinen, die in sich Eigenschaften hätten, die auch ohne das Ganze, ihre reale Situation, sie selbst bleiben, wie es dann (und: auch deshalb) die galiläische Naturwissenschaft auffaßte. (Als Beispiel, wie ein Medium, eine Technik, sich auf das Weltbild der Menschen auswirkt.)*

Denn: SO WEIT WOLLEN WIR im Umkehrschluß NICHT GEHEN, und vielleicht eine "positive Wesensbeschreibung" (von Frau, von Mann) erstellen, die nämlich AUCH zum ideologischen Problem werden kann. Das Wort alleine erzählt uns über das Wesen der Dinge, es ist selbst, bildhaft, ganz, was es (nie zureichend) rational erklärt. Entscheidend ist, daß über eine dekretierte "Sprachregelung" das je individuelle Erfahren (!) der Wesenheit im Erfahren des Übereinstehens der Affiziertheiten beeinträchtigt und verhindert wird. Nur von dort, individuell, kann Sprache gesättigt werden, soll sie mehr sein als leeres, hilfloses, rationales Geplappere, deren eigentliche Botschaft ganz woanders steckt als in ihren Inhalten. WAS also eine Frau ist, ist nur in der Begegnung erfahrbar, und aus dem Erfahrenen im ureigensten Reagieren (immer ungenügend) abbildbar, darstellbar - es ist nicht dekretierbar. Im Letzten ist Sprache also dem Schweigen entstiegen wie entnommen, und endet dort, im Logos, dem unsere Ratio niemals genügen kann, in der letzthinnigen Ungewißheit, die menschliche Weltkonstitution eben bedeutet. Und doch haben wir nur schöpferische Darstellung in der Sprache, um das Sein selbst zu erfahren. Begriffe rational herunterbrechen zu wollen, ist also immer und zuerst banal immanentistisch, ja lächerlich ungenügend und dumm.

Die Inklusivsprache soll (wie jede totalitär verordnete Sprache, entstammt sie damit auch der Angst vor dem Wirklichen) aber genau das: den Mut zum eigenen zutiefst eigenen Rezipieren und Wahrnehmen brechen, ja sogar verbieten. Darin sehen die Feministen nämlich die Gefahr - im Lösen des ideologischen Bandes, mit dem sie alles umschlingen wollen. Um das immer nur subjektiv Mögliche - auf die tradierte Sprache (Muttersprache!) HINFÜHREN soll - durch eine vermeintlich "bessere Objektivierung" zu ersetzen.** Gezielter kann man Sprache - und damit das Denken - nicht töten.

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"Der flüssige Strahl des kommenden Atems erweckt einen späten Geist. Die tiefe der Kehle verleiht ihm, unter vibrierendem Zittern eines schwächlichen Atems, einen weltlichen Leib, eine Ortschaft. Ein mich durchziehendes, lauschendes Bewegen schenkt ihm leibhaftige Kraft: Ich bin nur der Sinn eines schweigenden 'motorischen Echos', das selbst zu mir spricht - in mir, in einem die Weile eröffnenden Schweigen. Durch mich als widerhallendes Vermögen spricht es erbend als schenkende Geste den Sinn jeder Welt, indem diese wird. [...] Es wird eine Tradition gestiftet worden sein, in der die Verwirklichung des Logos im Menschen nicht dessen Eigentum ist." (M. Staudigl, in einer "Annäherung an das Spätwerk Merleau-Pontys")

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*Frau kommt übrigens von "Fron", dann "Fron-a/e/Frouwe" etc., als dem Herrn (Fron) zugegebenes/von ihm genommenes Weib; "Männin". Wie es als Endung "-in/-ne" ("Josefi-ne") in allen indogermanischen Sprachen (z. B. im Slawischen ("-na", "sche-na"=Frau, "schith", Leben; siehe auch: Eva=Lebensspenderin) existiert, wahrscheinlich überhaupt auf das "a" zurückgeht. Selbst in einer nicht-indogermanischen Sprache wie dem Ungarischen, wo "-ne" diese Bedeutung hat, "nö"=Frau heißt (wo übrigens auch das Jahr "eve" heißt, das ganze Leben umfaßt.) Die vom Mann Genommene ... Mann = Idee, Frau = Lebensboden.

**Die zunehmend feststellbare Unfähigkeit der Jugend, "sinnerfassend" zu lesen, hängt genau damit zusammen.

***Logos - innertrinitarisch der Sohn, der das Wort IST. Entsprechend ist der Zugang zum Erkennen der Welt nur als personaler Akt der Begegnung möglich.



*181112*

Sonntag, 11. November 2012

Mitten im Totalitarismus (II)

2. Teil - Sprache und Erkenntnis


Natürlich kann es also Sprache nur intentional geben, so wie es Wesen nur als Sinn gibt. Weil das Wesen der Welt Beziehung, Bezüglichkeiten sind, ist auch die Sprache, die dieses Dingsein in die Sphäre des Logos*** hebt - damit der Urangst des Chaos entreißt (und in den ewigen Sinn des Logos eint) - abbildhaft intentional. Als Synthese eines unendlich kleinen Punkts ursprünglichen Affizierens, das sich im Konkreten des jeweiligen Menschseins, und in seinem Maß, in die Affektionalität des Sprechens (gleichermaßen) hebt. Wie es im menschlichen Selbst sich zeigt, das in der Sprache zu sich kommt.

Diese Synthese heißt aber auch: Untrennbarkeit von Intention von Begegnung, die nur als Wesensdefinition und -erfassung möglich ist. Ohne Sprache würde es keine Welt geben - die Sprache ist das Pendent zum Weltsein. Deshalb ist sie untrennbar mit dem Hören verbunden, dem Empfinden, dem - je subjektiven, in der Gesamtheit aber objektiven - Empfangen. Wobei der jeweils, in jedem Menschen ORIGINÄR vorhandene Lebenspathos selbst der Garant dafür ist, daß die Sprache auch im Heranwachsenden nach und nach dem originären Wesenskern einer Sache entspricht.

Solange also die Kräfte einer Kultur sich steigern, wird deshalb auch die (allgemeine) Sprache immer präziser, differenzierter. Sie verludert, wenn die kulturellen Formen zur Lebensverminderung werden. Im Absteigen einer Kultur verfügt das Individuum also immer noch über mehr Kraft, als die "Kultur" ihm abfordert - Lebenssteigerung zieht sich aufs Privatime, und letztlich Solitäre zurück.

Zerreißt man dieses unlösbare Band der Sprache durch eine vermeintliche "Objektivierung" des Sprechens (in gegebenen, diktierten Worten), schreibt man einen Gebrauch vor, verliert die Sprache ihre Kommunikationsfähigkeit weil Aussagefähigkeit. Die Angst bleibt unberuhigt, und sucht sich andere Wege der Objektwerdung für das bzw. im Selbst. Der Mensch aber wird in die Isoliertheit geworfen, seine Sprache verliert ihre weltbildende Kraft, verweist ihn nur noch auf a-sprachliche Formen sich als Selbst zu halten (vorwiegend im Kollektivismus): durch ein Gruppenselbst, das das eigene Selbst substituiert.

Die Ordnung der Welt aber wird zerstört. Und darauf zielt die Genderisierung ja ab. Sie will eine neue Ordnung schaffen. Nicht: die Ordnung der Welt darstellen. Hybris.

Sprache kann also an sich niemals von oben diktiert werden - ein Unding, an dem die deutsche Sprache - in der heutigen Form eine synthetische Kunstsprache - ohnehin seit 500 Jahren leidet. Sodaß Mark Twain sie sogar als größte "lebende TOTE Sprache" bezeichnete, die in genau solchen objektivierten Regelungen (Stichwort "Duden", und sein Gebrauch) erstickt. Jacob Grimm wußte (Mitte des 19. Jahrhunderts) noch, warum seine Grammatik (auf die alle heutigen Grammatiken zurückgehen) eigentlich nur eine beschreibende, rückführende Bestandsaufnahme des lebendigen Sprachgebrauchs war. Niemals wäre ihm eingefallen, eine Grammatik, eine Sprache, oder Worte zu "erfinden", weil es so und so praktischer wäre. Erst so gibt Sprache wirklich Identität - in ihren überlieferten Inhalten und Gestalten, in denen übrigens niemals ein Wort einfach für sich steht, sondern immer in ein Sinnganzes eingebettet ist.



*111112*