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Freitag, 23. September 2022

Über den Gewaltsinn der Rhetorik (2)

Die höchste Kunst. Die Inkarnation der Wahrheit selbst. Die Antwort der Freiheit. - In einer rhetorisch guten Rede wird also wenn dann nur beiläufig "überzeugt", aber schon gar nciht "überredet." Sondern es wird die Gestalt der Wahrheit sichtbar gemacht. Durch den Rhetor, der in dieser Wahrheitssuche erfahrne und weit vorangeschritten ist - also: Gebildet . weil dem Sein nach geformt.) Seine Rede endet in einem Bild des Seins, das nun für alle sichtbar ist. 

Was nicht heißt, daß es alle Hörenden ergreifen müssen, das bleibt ein Akt der jeweiligen urteilenden Person überlassen, die zur Freiheit berufen ist, auch wenn sie sie mißbraucht. Aber dem Willigen, dem "guten Wilens" (siehe den Chor der Engel bei de rGeburt des Sohne sgotes. "Friede den Menschen guten Willens ...")  

Eben so wenig, wie Gott zwingt, zuwingt also auch die Wahrheit. Sie FORDERT, ja sie hat in sich auffordernden Charakter (wie jeder weiß, wie sehr die Logik "zwingt", man muß sich förmlich überwinden, gegen sie zu handeln, ABER man kann es, weil man frei ist) Sie ist nichtimmerleicht zu erkennen, weil jeder Mensch in einem unendlich komplexen Gemisch von Interessen, Schwächen, Verletzheiten, Vorlieben, Tugenden oder Lastern steckt, aus dem heraus es nicht immer leicht ist, so frei zu sein, das Wirken des Seins an sich (im Erkennen, das s. o. ein Nachformen - Mimesis! - ist) zuzulassen, zu bejahen ("Guter Wille") und dann auch als Kleid überzusteifen, also in Treue zu vertreten. 

Donnerstag, 22. September 2022

Über den Gewaltsinn der Rhetorik (1)

Eine Sache, die mir schon lange unter den Nägeln brennt, ist die sachgerechte Darstellung dessen, was Rhetorik überhaupt ist. Denn auch diesen Begriff umschwebt ein Nebel, unter dem der wahre Gehalt dessen, was Rhetorik ist und was erst verstehen läßt, warum in der Antike die Rheotik überhaupt als umfassender Raum der Bildung verstanden wurde, fast verschwunden ist. Dadurch konnten sich Mißbraäcueh, wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben, wie Wesensmerkmals selbst an diesem Begriff festsetzen, die aber den Blick soigar auf das verhindert, was wirkliche Bildung überhaupt ist.

Wo immer heute von Rhetorik gesprochen wird, tun sich die Redner schwer, ihn von Propaganda, Überredung (die sie von "Überzeugung" ununterscheidbar machen) und illegitimen Machtaspekten zu scheiden. Das hat seinen Grund in zwei Bereichen. Deren einer ist die allmähliche Degradation unserer Kultur seit dem Hochmittelalte,r die man ohne jeden Abstrich als sittlichen VErfall sehen kann. Der dann durch religiöse Begriffe genau als solcher, nur aufeine andree Ebene transponiert, verstanden werden kann. 

Samstag, 17. September 2022

Gedankensplitter (1436)

Nichts auf dieser Welt, das nicht in jedem einzelnen Menchen auch da wäre. Ob das Schillern der Kobra, das Zupacken des Greif, die Quirligkeit der Kellerassel, die Majestät des Leu, alles in jedem einzelnen der Menschen auch.

***

Das Teil ist aber nichts, und die Individuation, die aus allem etwas macht, als der unendlichen Poetnz eine beschränkte Eigenschaft eines einzelnen Menschen, ist keine Frage eines "vorhandenseins" eines Teils oder einer Zelle. Sondern die des Hingestelltseins auf einen bestimmten Ort.


***

Der Geiger, der aus Wien nach Tokyo fährt, ist wie eine Pflanze, die man in einem Blumentopf durch die Welt fährt., auf daß sie woanders ihre Blühe zeige.

Mittwoch, 20. Juli 2022

Was aber ist es wirklich - das Geld? (2)

Angst, nicht zum Ganzen zu gehören, Angst dem Markt nicht beitreten zu können - das ist also die wahre Ursche der Geldangst die zur Vergötzung des Geldes führt - Leider ist das wahre Wesen des Wuchers und der Zinsnahme nicht wirklich oder zumindst sehr mangelhaft verstanden. Nicht dieser Selbstzweck ist seine Sündhaftigkeit, sondern ein reales moralisches Faktum, wir hben bereits darüber berichtet. Und das ist mit "Schmarotzerdasein" ebenfalls ur ungenügend beschrieben. 

Der Zinsnehmer ist unmenschlich und wider die Natur, weil er eine Logik anwendet (den mathematischen ZIns), wie er in der Lebensrealität des Schuldners nicht vorkommt. Im christentum kam dann dazu, daß es nur zwei Schuldenformen gibt, die gerechtferitigt (und nicht schon Kind der Sünde ist) sind, und deren erste, die Not, würde eigentlich das Geschenk erfordern, die Gabe des Geldbesitzers, um zu helfen 

Die andere, die sinnvolle Investition, in eine Erweiterung des individuellen Handelns aus bestimmten sinnvollen Gründen heraus, verlangte vom Geldleiher wiederum eine Risikobeteiligung, weil das Leben immer riskant ist. 
Das aber berücksichtigt der Zins nicht. Und deshalb ist er unmoralisch und schwer sündhaft, weil er somit IMMER und UNWEIGERLICH in eine Versklavung des Kreditnehmers führt, der mit der Zeit ruiniert wird. Denn die Natur ist NICHT (wesenhaft) mathematisch. Galileo et al. haben sich geirrt.

Dienstag, 19. Juli 2022

Was aber ist es wirklich - das Geld? (1)

Bei Karl-Heinz Brodbeck ist der VdZ endlich fündig(er) geworden. Denn er befaßot sich damit, WAS DENN GELD SEI. An diesem Punkt können wir deshalb schon einen Versuch starten, einige Gedanken zusammenführen. 

Brodbeck sagt dabei, daß Geld eine Denkform ist. Der VdZ glaubt, daß man aber noch einen Schritt tiefer gehen muß - denn Geld IST nicht einfach eine Denkgestalt! Sondern ALS Genkdgestalt gewordne, aber aus einer realen Kategorie.

Die sich (so wie das "Ich") allmählich - und zwar notwendig, über die menschliche Gefallenheit, die nachudn nach das "unschuldige Ganze" der Menschheit aufzulösen begonnen hat - gebildet hat. Das dann als "werten, gelten, gültig sein" den ursprünglich und in sich rein geistigen, zwischenmenschlichen Wert der "Leistung in der Welt" (Bedeutung, Wichtigkeit usw.) als Moment der Persönlichkeit meint. 

Donnerstag, 7. Juli 2022

Reposte - Spiel ersetzt Realität

Die Implikationen dieser naturkundlichen Tatsache sind so immens, daß wir erinnerlich bereits zum dritten mal darüber schreiben. Denn was heißt das? Es heißt, daß sich Fähigkeiten ZUERST im Inneren bilden, zumindest: das Könne, und zwar als eine zuerst geistig- oder psycho(!)forme, auf jeden Fall dem physischen Apparat VORAUSGEHENDE Weise als Gestalt bilden, um dann durch die Muskulatur, Sehnen etc. bei Notwendigkeit abgerufen zu werden. 

Wir stellen solche in uns angelegten Fähigkeiten ja auch im Alltag fest. Wer hat noch nie erlebt, daß er einen Bewegungsablauf (auch im Rahmen eines Organisationsablaufs, der über mehrere Stationen geht) im Geiste gut durchgehen kann. 

Man denke etwa an Slalom-Ski-Fahrer oder Formel 1-Rennfahrer, wie man sie in Fernsehbildern sieht, wo sie den gleich zu absolvierenden Kurs mit geschlossenen Augen durchgehen, alle Bewegungsabläufe vorstellend durchspielen, usw. Um dann unter zeitlich knappen Bedingungen, unter denen nicht jeder Schritt noch einmal durchgedacht werden kann, diesen Durchlauf in immenser Präzision und Schnelligkeit vornehmen zu können. 

Dienstag, 5. Juli 2022

Unmoral als Mangel der Bindung ans Sein

Es führt zu niuhts, das Verhalten des Menschen zuvorderst in seiner "Moral" zu begründen, soferne diese als willentlichen Versuch gewertet wird, das Vderhaltn zu dressieren, um "gut" zu sein. 
Agere sequitur esse
Man muß vom Sein ausgehen, und darin wiederum von der Ontologie. Also jenen Wesenswürfen, die allem Seienden, und damit auch dem Menschen, seine Verbindung mit dem Alleinen bedeutet. Von der er gar nicht zu trennen ist, sondern die sein Schicksal auch für den Verbleib nach dem Tode ist. 

Das sich daran ermißt, wieweit er es als Auftrag und Sendung erfaßt und erfüllt hat. Sich also selbst auf dieses Wesen hin überschritten hat, WORIN dann das entsteht, und zr notwendig entsteht, weil kein Ding am selben Platz wie ein anderes sein kann, kein Ding auch identisch mit einem anderen sein kann, und jedes Ding sohin ist, also existiert um zu sein (also issend zu sein.)

Donnerstag, 30. Juni 2022

Die Herrschaft der Grundlage der Freiheit

Diskussion bei Tichy
Es ist bemerkenswert (und noch tiefer wahr), daß eine Diskussion unter Tichy's Ausblicke, die den Titel "Wie geschwächt ist unsere Demokratie" trägt, nicht nur zwei Schriftsteller unter den vier Diskutanten (incl. Tichy selbst) hat, sondern sich zu größten Teilen über den Schriftsteller selbst handeln. 

Und damit beim Ringen, diesem elendigen liberalen Gefasel doch ein paar substantielle Gedanken abzuschwitzen. Nein, erst damit, dieser Substanz, die aus dem Material und nicht aus der "Überlegenheit" der Handelnden  kommt, Nahrhaftes abzuschwitzen, sind wir schon beim Thema.

Während sich schon dazau viel sagen ließe, weil an der Freiheit des Künstlers die Natürlichkeit und sohin Gerechtigkeit einer Kultur (und Gesellschaft tritt auch als Zustandbeschreibung einer Kultur auf) einzig und direkt ablesbar ist, sollen nur zwei Punkte kurz herausgegriffen werden.

Freitag, 27. Mai 2022

Weitere Bausteine

Wenn wir uns zu einer bestimmten Tat entscheiden, zu Handlungen, in denen wir uns einem zu Tuenden hingeben (und diese Hingabe ist das Entscheidende, weil erst dann eine Handlung überhaupt gegenwärtig sein kann, und also aktiv zum Persönlichkeitswerden beitragen, was von der überhaupt dann entscheidenden Bedeutung ist, geht es um die Sinnfrage von Mensch und Schöpfung), handeln wir zwar im Kleinen, Detailhaften (und wo es daran mangelt, hat die Handlung ihren fundamentalsten Mangel, womit wir die eigentliche Bedeutung der Wissenschaft für das Menschsein ansprechen) Aber das WIRKLICHE HANDELN, das unserem Detailtun anhaftet, diesem eingeschrieben ist, liegt auf einer ganz anderen Ebene. Wir treten nämlich ZUVOR einer personalen Identifikationsform bei - einem Ort.
 
Agere sequitur esse - Das Sein ist zuerst, dem erst entsteigt dann das Handeln, ja das Sein gibt dem Handeln sogar seine Grenzen, sein Maß vor. Nun gibt es aber keinen Ort, der nicht - als Welt, als Erde, als Schöpfung, in aller Verschränkung bis hinein ins Himmlische - genuin ein menschlicher Ort ist. Nicht zu einem solchen "gemacht" sogar, sondern Welt und Schöpfung ist ZU ALLER ERST ein Manifestieren eines Persönlichen. 

Sonntag, 23. Januar 2022

Als die Gottesmutter den 3. Weltkrieg verhinderte (4)

In den Abendstunden des 13. Mai 1984 aber, dem traditionellen Fatima-Tag, zerriß eine gigantische Explosion alle diese Pläne. Binnen eineinhalb Stunden änderte sich der Kurs der Welt. Die Umstände die zu dieser Katastrophe geführt haben, von der - ich wiederhole es - keine westliche Zeitung so berichtet hat, daß ich mich daran erinnerte - sind bis heute nicht geklärt. Man weiß nicht, warum innerhalb eineinhalb Stunden das größten Atom- und Marine Waffenlager der UdSSR in Severomorsk (="Die am Nordmeer Gelegene"), einer Hafenstadt an der nördlichen Pazifikküste im Osten Sibiriens, mit über 1000 Raketen und Atomsprengköpfen, mit einem Viertel des Sprengstoffarsenals (in jeder Weise) der Sowjetunion.

Das war vor allem ein Großteil jenes Waffenlagers, das für den bereits im Herbst geplanten Angriff auf Westeuropa das strategische Rückgrat, wie es die Marine für die Landstreitkräfte bilden hätte müssen.

Eineinhalb Stunden lang flogen Augenzeugenberichten nach die Raketen wiein einem Sylvesterfeuerwerk durch die Luft, schlugen irgendwo im Binnenland ein, oder zerschellten nach kurzer Flugbahn in der Stadt, platzten in der Luft. Gewaltige Explosionen aus unterirdischen Lagern von Bomben, Minen und Torpedos erschütterten die Erde, bis ein einem Atompilz ähnliche Rauchwolke aufstieg, der endgültig Panik auslöste. Denn zahllose Atomwaffen und -träger wurden mit verbrannt, oder durch Explosionen zerstört. Riesige Felsbrocken in der Größe von Häusern wurden kilometerweit geschleudert. Die Behörden begannen schon, die Evakuation des 40 Kilometer entfernten Murmansk vorzubereiten.

Samstag, 22. Januar 2022

Als die Gottesmutter den 3. Weltkrieg verhinderte (3)

Die Änderung der Militärdoktrine um 180 Grad. Der 7. Februar 1981, das Vorspiel zum 13. Mai 1984. Gottes Eingreifen hat den 3. Weltkrieg verhindert.

Die aggressive Außen- und Militärpolitik von Ronald Reagan hatte eine dramatische Veränderung der Lage provoziert. Reagan hatte durch ständige Provokation der Sowjetunion durch "Manöverangriffe" bewirkt, sodaß die Rote Armee pausenlos in Alarmbereitschaft bleiben mußte und Rußland sich nie sicher fühlen konnte. Dazu kamen die Ankündigungen von Verteidigungsprogrammen, die die sowjetische Gegenwehr über Landraketen ausgeschaltet hätte, sodaß nicht einmal noch die U-Boote geblieben wären, weil auc hderen Raketen abgefangen werden konnten. Zumindest mußte man das befürchten! (Ob es je funktioniert hätte ist ein anderes Thema. Die Möglichkeit zhählte. 

Reagan, der noch von Otto von Habsburg als "Sieger des kalten Krieges" gefeiert wurde, löste in der Sowjetunion militärstrategisch ein gefährliches Umdenken aus. Nun spielte Zeit eine Rolle, und rasches Reagieren. 

Aber es kam anders, und es kam so, daß sich die Lsge zuerst einmal noch gefährlicher zuspitzte. Denn am 7. Feruar löschte ein bis heute ungeklärter Flugzeugabsturz praktisch die gesaamte Marine-Generalität der Sowjetunion auf einen Schlag aus

Freitag, 21. Januar 2022

Als die Gottesmutter den 3. Weltkrieg verhinderte (2)

Das Leben ein Traum. Im Zwielicht der Welten bereitete sich die Apokalypse vor. - Aber selbst für Sonderformen der menschlichen Existenz wie der Form des Dichters, in der die welthaften Konsequenzen von Taten nicht ins existentielle Gewicht fallen (sollten), ist es nicht leicht, mit dieser Gesamtheit, in der das eigene Leben zum Traumgeschehen wird, umzugehen. Denn irgendwie muß man ja auch als Dichter seine Brötchen verdienen, seine Wäsche waschen, den Boden wischen, einkaufen (und dabei mit dem Geld auskommen), und sein tägliches Pörkölt bzw. Gulyas kochen, um zu essen. Und dabei nicht krank werden.

Selbst für diese Existenzformen ist es also nicht leicht, alles zuzulassen. Aber in diesem Sinne möchte ich für die Jahre ab er Matura 1980, speziell aber dann die intensiven Jahre von 1983 bis Frühsommer 1985 eine Stimmung erwähnen, die sich vor allem 1984 immer mehr verdichtete, um dann, bereits 1985, auf seltsame Weise wieder zu verwehen. Jenem Jahr, in dem ich, losgelassen von dieser Stimmung, auf eine Art ausgespuckt wurde. Und schließlich - auch, um die innere Spannung dieses Zwischenzsutands zu beenden - in einer Momentsentscheidung den Entschluß faßte, eine Baufirma zu gründen, den ich dann energisch umsetzte, all diesen erwähnten Unwägbarkeiten eines höchst fragilen Lebens also den Laufpaß gab, und "in Übernahme der Verantwortung" zum Weltmenschen wurde. 

Aber diese Gestimmtheit war ohnehin schwer durchzutragen. Denn sie war von einem ungemein dichten und immer dichter werdenden Gefühl einer nahenden Apokalypse geprägt. So bin ich einer religiösen Gemeinschaft beigetreten, die nicht zuletzt dafür den Rosenkranz betete, um die Gottesmutter zu bestürmen, sie möge auf Ihren Sohn, den Weltenrichter, einwirken, um den Schrecken der Apokalypse als Ende der Welt abzuwehren, den Menschen somit (allem Übel zum Trotz) noch Zeit zu geben.

Es ist aber etwas Seltsames mit solchen Gebetsanliegen.

Donnerstag, 20. Januar 2022

Als die Gottesmutter den 3. Weltkrieg verhinderte (1)

Eines der interessantesten Konstruktionselemente in Heimito von Doderers Jahrhundertroman "Die Dämonen" ist die Totalität der Geschehnisse. Das macht den Roman wirklich zu einem Roman, der als Form ein Versuch ist, die Universalität der Welt darzustellen. Und dazu gehört in der menschlichen Gesellschaft eine dichte Verwobenheit sämtlicher Geschehnisse udn Handlungen. Geschehnisse, die auf den ersten Blick so rein gar nichts miteinander zu tun haben. Die sich aber in einem unsichtbaren Netz engster Knotensetzungen mit allem verbunden befinden. 

Das ist aber kein okkultes Weltprojekt, sondern es ist dem Fraktale ähnlich. In dem eine Zeit auf ihren Ebenen - und hier ist es nicht nur die österreichische Gesellschaft, sondern die Gestimmtheit ganz Europas, jeweils mit ihren Verbindungen: Doderer sah etwa die britische Kultur zusammen mit der Wiener Kultur bis in die 1950er Jahre als die einzigen Kulturen in Europa, die diesen Namen überhaupt noch verdienten. Die somit einander in gewisser grammatikalischer Hinsicht ähnelten. 

Und deshalb auch im Roman (über den Handlungsstrang der Erbschaft einer der Proponentinnen, auch diese Zeichnung von höchster Einprägsamkeit kraft der in ihnen erkennbaren menschlichen Eigenschaften, die ich hier zusammenfassend und kurz mit 
"ein befreiendes Ereignis verändert einen Menschen schlagartig zu sich selbst, sodaß er nun wirkt, als wäre er vorher nur eine Scheinkonstruktion gewesen, deren Gestalt davon bestimmt war, sich nur irgendwie im Leben zu halten zu versuchen, sodaß das Zustoßende - diese bestimmte Erbschaft - die Ergänzung dessen Lebens war, das sich jetzt erst in seiner wahren Gestalt zeigen konnte, das aber auf das nun Geschehene hatte warten müssen"
beschreiben möchte. 

Montag, 20. Dezember 2021

Gedankensplitter (1404)

Alles was heute geglaubt wird, ist falsch - Seit Jahren stehen wir in Verbindung, und ich kann auf ihn anwenden, was nur auf wenige anzuwenden gilt. Daß, was er sagt, der Wahrheit entspricht, sich ihr anfügt und von ihr in jenen Rhythmus versetzen läßt, der an der Individualität der Weltdinge zur Gestalt der Wahrheit in der Welt zerstiebt. Was William M. Briggs sagt, hat deshalb einen höchsten Rang an Vertrauenswürdigkeit, das kann ich dem Leser versichern.

Und schon im Titel nimmt er vorweg, was ich seit langem mit Erschrecken und Hilflosigkeit - nach menschlichem Ermessen ist der Gegner zu groß - erkennen muß: So gut wie alles, was der heutige Mensch glaubt und sagt ist FALSCH. So gut wie alle Gewißheiten, von denen der moderne Mensch ausgeht, sind IRRTÜMER. So gut wie alle Aussagen, die den öffentlichen Sprachraum als geistigen Raum bestimmen, sind UNRICHTIG. Wenn nicht direkt und expressis verbis, das sind die wenigsten, dann indirekt und durch das, was sie implizieren. 

Dienstag, 30. November 2021

Äpfel, Birnen und Rüpelzwetschken (2)

Vom Begriff der Gestalt, der unter den Tisch fällt, auf dem aber viele Blackboxes herumstehen. Und wie alles durch Gestalt aneinander und durch einander zu sich selbst wird. Und was es deshalb mit dem Placeboeffekt auf sich hat.Ein bißchen versöhnt bin ich wieder mit dem Wiener Psychiater Raphael Bonelli. Nicht, weil er plötzlich doch zum kompetenten Seelenklempner wurde. 

QR Bonelli sinnbefreit
Wer sich etwa seinen "Beitrag zum Egoismus" ansieht, kann nur noch den Kopf schütteln, daß sich so ein sinnbefreites Gestammel als Seelenkunde auszugeben wagt. Ein Freudianer (und Bonelli erklärt sich sogar explizit als solcher) kommt eben nicht über den Status eines Clowns und Küchenpsychologen hinaus, der das Preiskomitee für seinen Statuslorbeer gleich selbst in der Tasche mitführen muß, sonst landet er in der Mülltonne, wo er auch hinhgehört. 
 
Wo er aber ab und an interessant ist, ist dort, wo er sich wie zuletzt ab und an auf Beobachtungen und Erfahrungsschilderungen bescheidet. Verstehen tut er freilich nicht, was er da sieht, aber immerhin kann man ihm beim Apperzipieren beobachten. Das ist heutzutage ja auch schon eine Leistung.

Sonntag, 18. Juli 2021

Nie unterbrochenes Handwerk

Der VdZ hat sich aus der Erfahrung mit sich selbst heraus mit einem manischen Handwerker vergleichen gelernt, der Hammer und Meißel nie aus der Hand legt, und ununterbrochen an einem riesigen Granitblock arbeitet. An dem jene Gestalten (durch Entfernen des Unwesentlichen, der Schlacke, dem tauben Gestein) zu entwirken, die in diesem (noch nicht realisiert, also unsichtbar, nur dem Geiste sichtbar) vorhanden sind. 

Aus diesem Arbeitsfluß, der auf Müdigkeit, Erschöpfung, Stimmungen, was auch immer, keine Rücksicht nimmt, der mit diesen Zuständen also gar nichts zu tun hat, gibt es kein Heraussteigen. 

Donnerstag, 8. Juli 2021

Maschine der Läuterung

Die dramatischen Formen sind "Erkenntnis- und Reifungsmaschinen". Maschinen, um aus bestimmten Lebenssituationen die Hintergründe herauszukeltern, zu destillieren. Wie in einen Experimentierkolben füllt man eine Situation in eine Eprouvette, und hält diese dann über den Bunsenbrenner. Und schaut zu, was am Ende herauskommt, wenn das Wasser verdunstet ist, was am Boden der Eprouvette übrigbleibt. Das, was in der Flüssigkeit aufgelöst, das hat ihr diesen eigenartigen Geschmack gegeben, man erinnert sich nun.

Deshalb muß man, will man sie verstehen, bei dramatischen Formen (als überhaupt alle Formen in der Kunst) immer schauen, wie eine Zeit ist. Darin kann man dann deren Mechanismen erkennen, nach denen als Stein der Weisen gesucht wird. Denn muß man nicht auch danach suchen, ob eine Zeit dieselben Mechanismen anwendet, um den Menschen im Leben zu läutern? Ist nicht das Leben selbst diese Läuterungsmaschine, die am Ende das Reine, Pure herausbringen soll?

Montag, 5. Juli 2021

Die Welt als Regal von Wachsmodeln

"Am meisten offenbaren wir von uns dort, wo wir etwas am verbissensten verbergen."

Thomas Merton

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Das die Welt Prägende ist der negative Abdruck, den alles Lebendige, alles Welthafte (das als solches Gestalthaft ist) im anderen hinterläßt. Deshalb müssen wir uns im anderen suchen. Und das einzig Lohnende am Leben ist, den Blick hinaus zu richten, und sich in das Begegnende zu vergeben.

Die Welt ist ein Arsenal von Models, in das wir fließen, um "etwas" zu werden, um überhaupt zu sein: Als einem Wachsmodel eingeprägtes Antlitz. 

Das in uns und in jedem Betrachter kraft des Heiligen Geistes Realität wird. Und so über uns aus uns Initial für diese Welt wird. Die also im Bilde Gottes wurzelt, aus diesem lebt, aus diesem geschaffen ist.

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Das ist das Geheimnis des "Schweißtuches der Veronika". Das ist das Geheimnis des Tuches von Manopello.

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Das Sein im Abdruck (negative Theologie), in der Spur, die es hinterläßt, ohne selbst sichtbar zu sein. Die Welt wird so zur Antwort, und darin erkennen wir die Frage.

Die Frau ist am meisten sie selbst, wenn in ihr das Bild der schönsten aller Frauen, der Frau an sich - der Gottesmutter - erkennbar wird. Sie wird so zum Negativ, zum indirekten Abbild des göttlichen Herren, sodaß jeder, der sich in ihren Mantel schmiegt, in Wahrheit von jenem Model Jesus Christus umflort wird, das einem im Ausmaß der Fügbarkeit (also des Gestorbenseins allen Eigenwillens, der also nicht Wille deshalb ist, weil er aus dem absoluten und absolut freien Willen Gottes stammt) selbst das Antlitz Christi aufprägt.

Montag, 22. Juni 2020

Bonelli, der Psychiater in der Unterwäsche

Aber wollen wir doch, zum Nachstreuen sozusagen, noch etwas aufgreifen, was bei Raphael Bonelli fast zum Markenzeichen in der Corona-Krise wurde. Wo er in sehr kurzen Abständen Videos ins Netz zur Veröffentlichung über Youtube stellte, in denen er - typisch Liberaler - über den Corona-Wahnsinn zu jammern begann, sobald er davon selbst gestört wurde. 

Denn auch er, wie die allermeisten, haben sich erst als Kritiker gemeldet, als der Urwald bereits gerodet, das Feld weit und übersichtlich, und die Kritiker sich unter zahlreichen ihresgleichen wußten. Daß das, was sie nun als so "offen erkennbare" Schrecklichkeit vorfanden, einige Wochen oder Monate zuvor zum einen (dem Sehenden) erkennbar, aber da noch zu verhindern gewesen wäre, spielt dann keine Rolle mehr.

Aber wir wollen hier nicht weiter des Psychiaters und Arztes Thesen und Sichtweisen zerlegen, sondern wir wollen nur das T-Shirt heranziehen. Denn eigentlich, eigentlich erklärt es selbst schon alles. Wie immer eben: Die Wahrheit steckt in der Gestalt. Die Tiefe liegt, wie Albert P. Gütersloh es einmal elegant formulierte (und was jeder Psychologe sofort bestreitet, ja angreift), die Tiefe liegt außen

Wenn also als Merkmal der Psychologie, die sich im 20. Jahrhundert auf der Grundlage von Sigmund Freud vor allem so rasant zur Welt- und Menschenerklärungsmaschinerie entwickelte, die in Wahrheit alle auflöst und verwirrt und zerstreut, weil total relativ macht (was mit wissenschaftlicher "Neutralität", Wertungslosigkeit begründet wird), wenn also das Merkmal der Psychologie das Innen nach außen zu stülpen ist, so passiert das genau bei dem, der ein T-Shirt als gültige Letztbekleidung verwendet. 

Denn das T-Shirt ist ein Unterleibchen. Es ist auch dann noch ein Unterleibchen, wenn es wie seit fünfzig Jahren (und heute endgültig allgemein) als Außenbekleidung getragen wird. Und es bleibt ein Unterleibchen, wenn es selbst bei nobelsten Anlässen für modisch und tragbar erklärt wird. Das zeigt nicht, daß es "salonfähig" wurde, sondern es zeigt, daß das Tragen von Unterwäsche allgemein als ausreichend gesehen wird. 

Daß es sich von der Mundl-Ästhetik des Rippchenleibchenträgers, der am Küchentisch sitzt, eine Flirt raucht, und ab und zu an seiner Bierflasche nippt, während der Fernseher läuft, unterscheidet, liegt an dem simplen Umstand, daß es in dieser Form ein Unterwäscheteil amerikanischer Soldaten war. Also in den USA geboren wurde. Aber interessanterweise ging es nicht zu jenem Zeitpunkt in unseren Kulturschatz über, als diese Soldaten tatsächlich unsere Länder besetzt hielten, sondern kam mit den Hollywood-Filmen, und einigen der von Hollywood gemachten (man kann das wörtlich nehmen) Ikonen der Gegenwart. 

Man kann und sollte übrigens - nicht nur hier - sich wieder angewöhnen, jedes Wort wörtlich nehmen. Wir haben in der Sprache ein sehr analoges Problem, zu dem bei T-Shirts, Dinge, Gestalten sind eben "Fraktale", so könnte man es sehen. Sie sind in allen Größen, Bereichen, auf allen Ebenen von derselben Grammatik gestaltet und geprägt. Wer die Grammatik des Seins - die Trinität! - kennt, sich bemüht sie zu erkennen, wird deshalb die gesamte Welt einordnen können. 

Soviel sei damit auch zur Überlegenheit von Experten gesagt. Die nur dort überlegen sein können, können!, wo und weil sie quantitativ dem Laien überlegen sind. Und weil die Intensität der Beschäftigung damit, mit der Quantität, vielleicht noch geholfen hat, die innere Charakteristik der Dinge durch allen Momentschein hindurch schneller und schneller klar zu erfassen. Umgekehrt hat jeder Laie den immensen Vorteil, sich nicht von Details geplagt und verwirrt über den Gesamteindruck (der meist ein instantaner, also der erste Eindruck ist) sofort der Gestalt zuzuwenden, denn die begegnet ihm zuerst. 

Und von dort aus die Charakteristik des Ganzen (das sich im Detail nur als Fraktale fortsetzt, wie gesagt) zu erkennen. Dieser Charakteristik muß dann auch alles sonst folgen, was an Detail noch ins Spiel kommt. Und es ist von großer Bedeutung, über die Details nicht diese Gesamtcharakteristik aus den Augen zu verlieren. Genau deswegen fällt ja heute auch auf, daß die sogenannten Wissenschaftler sehr oft ihre Autorität über Details unterstreichen wollen, in denen sie natürlich dem Laien überlegen sind. 

Aber sie wollen damit in den allermeisten Fällen nur die Autorität behaupten, indem sie den Laien verwirren wollen. Dem sie einreden, es wäre wissenschaftlich, wenn man bereit sei, sich über das Detail die Gesamtcharakteristik als unzutreffend aus der Hand schlagen zu lassen. Dazu zählt auch der Bezug auf berühmte Namen. Was Bonelli gerne mal tut, indem er Freud oder Jung oder irgendeinen anderen Autor in die Runde wirft.

Aber Details, Einzeldinge, Teile eines Ganzen unterscheiden sich voneinander nur durch den Wirkbereich, der ihrem Wesen, ihrer Art, ihrem Ort in der Ordnung der Schöpfung entspricht. Die Grammatik, die Charakteristik (so könnte man auch sagen, aber der Begriff hält nicht immer) des Selbstseins eines Dings - und weil etwas nur es selbst ist, wenn es tätig ist, sonst zerfällt es ins Nichts, bedeutet auch das ein aktives Tun und Wirken - ist immer von ein und derselben Charakteristik geprägt. Im Ganzen wie in allen Teilen.

Je integrierter ein Teil ist, zu je umfassender Eingliederung das Prinzip des Ganzen ist, desto mehr. Das heißt also, daß auch ein T-Shirt, dieses Unterwäscheteil, zu einer handfesten Aussage über die Gesamtheit einer Person heranzuziehen ist. Schon gar, wenn es nicht als Einblick in ein intimes privates Geschehen gelten soll, sondern als Bekleidung bei einem Auftritt vor einer Öffentlichkeit, die in die Zehntausende geht.

Bei Bonelli ist (wie bei praktisch bei jedem seiner Branche) der Formverzicht also grundsätzlich und charakteristisch. Wobei man bei Psychologen eigentlich sagen müßte: Die Unfähigkeit zur Form. Form widerspricht nämlich dem Wesen der Psychotherapie, wie sie heute verstanden wird. Sie würde definieren, den Patienten festlegen, in einer Beziehung Formelles fordern, und das würde der Universalität des Herumstocherns in den Seelen widersprechen. (Na und wie erst dem Wissenschaftsgebot, eh schon wissen.) 

Die Psychologie des 20. und erst kürzlich begonnenen 21. Jahrhunderts ist eine Rhetorik des Formverlusts. Das ist ihr Merkmal, das auf ein Menschenbild zurückgeht. Wobei man eigentlich sagen müßte, daß diese Gestaltlosigkeit das Menschenbild selbst geformt hat. Es war also zuerst (!) der Abbau der Formen in dieser Kultur, der DANN die Thesen formte, nach denen gedacht wird. Denn diese Formbarkeit nach einer Kultur, also nach den Formen, nimmt im selben Maß zu, wie die Abnabelung von der Vergangenheit, die Mißachtung der Tradition, also der Aktualismus zunimmt.

Also trägt auch Bonelli die Standes- und Zeittracht - das T-Shirt. Also tritt er in Unterwäsche an die Öffentlichkeit. 

Schön von einem Hintergrund untermalt, in dem ab und an auch ein Kind (jünger an Jahren als sein Erzeuger) auftritt (wie menschenfreundlich, wie kinderfreundlich sind wir doch heute! Das gehört zu einer lieben, guten Person heute doch dazu!? Schon gar mit katholischem Unbedenklichkeitsausweis?) 

Inmitten einer Wohnumgebung, die der VdZ nur zu gut kennt ... Häuser, die "individuell" gestaltet, "ganz nach den Wünschen" der Häuselbauer errichtet wurden, mit Schrägen und in Dachböden eingepaßten Regalen mit (richtig!) Taschenbüchern. Praktisch ist das neue Paradigma, auch in der Ästhetik, diesem Zeitstil, der gar kein Stil mehr ist, denn dazu müßte er von Formbedürfnissen ausgehen, nicht von Funktionen. Man denkt aber heute nicht mehr von den Gestalten her, und deren Anwägung. So sehen dann auch die Häuser aus. In der Psychologie wie in der Architektur. Fraktale, auch hier!

Und so wird vor allem gelebt, so ist die Lebensweise: Das Funktionale ersetzt die Form und ist Ausgangspunkt der sich dann ergebenden Form. Man baut heute die Häuser von innen nach außen. Angeblich. Man setzt sich zuerst mit den technischen Anforderungen auseinander, und diese beantwortet man. Das alleine ergibt dann die Form. Was in der Architektur mehr und mehr zur Verwendung von Glas geführt hat, mit Innenwänden, die jederzeit änderbar sind, mit Außenhüllen, die sich irgendwelchen Formvorstellungen einfügen, mit der Gestalt der späteren Bewohner aber nur noch technisch, nicht in der Beziehung als Gestalt eines Ganzen zu tun hat. Diese wird bestenfalls "erklärt". 

Wobei viele Bücher in der Psychologie tatsächlich nur in Broschur erhältlich sind. Auch hier also Formverzicht als Prinzip. Das Argument des "leistbaren Preises für notwendige Literatur" ist jedoch ein (oft gehörtes, aber nie zutreffendes) Scheinargument, auf das wir nicht weiter eingehen wollen. In Wahrheit ist nämlich auch der Preis, ja gerade der Preis, eine Aussage der kulturgeformten, kulturimmanenten Beziehung von einem Ort beziehungsweise zu einem Ort, aber lassen wir das jetzt.

Die Psychologie des 20. Jahrhunderts hat sich auf dieselbe Art entwickelt. Sie ist ein Etikettenschwindel, das heißt, sie erklärt ein und dasselbe Phänomen (Ding) zu "etwas anderem", gibt nämlich vor, daß das, was ein Ding ist, von einem selbst und beliebig definiert werden könne. Was die gesamte Welt unendlich reduziert.

Was sich heute als Seelenkunde offenbart, ist der Regress auf die Auflösung aller Formen. Diese werden als "starr" und die Freiheit "be-/verhindernd" angesehen. Will man zur wirklichen Seele (Schluß mit den Anführungszeichen, es würde nur so wimmeln davon) vordringen, muß man somit wie ein Kind werden. Denn auch das Kind hat noch keine von sich aus geprägten, und nur wenige von außen auferlegten Formen (als ausgeprägte, gehaltene, gestaltete Beziehung). 

Und einem Kind verzeiht man schon mal, wenn es in der Unterwäsche herumläuft. Denn es hat das Schamgefühl noch erst nur auf den eigenen Leib bezogen.  Noch nicht auf die weiteren, immer mehr kulturbezogenen Kreise, zu denen Bekleidung dann gehört. Wer Welt und in der Welt ist, ist das nur in der einen oder snderen Form "bekleidet". 

Und hier entwickeln sich Normen aus der bloßen Leibgrenze hinaus zum Sollensgebot - Gebot, weil es auf die Selbstüberschreitung ankommt, nicht aufs "wie ich mich fühle" o. ä. - auch in der Kleidung. Ohne bloß relativ zu sein. Auch in der Kleidung steckt jene archetypische Wesensbewegung, die von Grundformen ausgeht und diese in je nach Kulturhöhe in immer subtileren, feineren, quantitativ wie qualitativ diffizileren Formen (wie im Fraktale) weitertreibt.

Also bleibt Unterwäsche immer Unterwäsche, wo die Grenze zur Außenwelt noch gar nicht ausdifferenziert ist! Wie es der Massenmensch etwa zeigt.

Der Priester tritt deshalb nur im Talar auf. Der VdZ hat einige Beispiele dazu im Netz gesucht und gefunden. Selbst für Liberale gilt da: Sogar sie tragen meist Talar, wenn sie sich direkt an ein Publikum richten, also die Gestalt Priester bedeutend ist. Zumindest haben sie Priesterkleidung, schwarzer Anzug und römischer Kragen trifft da ebenfalls den Dresscode. 

Was es im Vergleich damit über einen Psychiater sagt, dessen Beruf es (wie der des Priesters) ist, seelisch Kranken oder Bedürftigen zu helfen, wenn er in der Unterwäsche als Kind vor die Menge (und in welcher Größe, in welcher Unkontrollierbarkeit, also Bedeutungsgestaltung der Begegnung, die immer eine Begegnung "als" ist: Youtube!) tritt, mag nun dem Leser überlassen bleiben. 

Denn wie gesagt: Die Tiefe liegt außen. Jeder kann die Grammatik des anderen sehen, die sich als Fraktale entfaltet. Die Verwirrung dieser Zeit liegt deshalb in der Schizoidität als Grundströmung, in der nichts mehr sein soll, was es ist. Und als was man es untrüglich erfaßt. Im Anfang. Ehe die begriffszerstörerische Sophisterei der Psychologie beginnt.



*290520*

Sonntag, 21. Juni 2020

Als alle Männer noch Ministranten gewesen waren

Natürlich wird man dieses witzige Video kaum witzig finden können, wenn man nichts über die Liturgie des "Alten Ritus" weiß, und die Rolle der Ministranten darin nicht kennt. Und natürlich wird man den vollen Witz dieses köstlichen Videos erst erfassen, wenn man wie der VdZ (und praktisch jeder Mann seiner Generation, der bis in die frühen 1960er Jahre Geborenen) selber Ministrant war. Und es schadet nicht, wenn der Leser auch "Rocky" kennt, diesen herrlich stereotypen Hollywood-Heldenepos rund um Sylvester Stallone als Boxchampion.

Es hilft auf jeden Fall, wenn der Leser weiß, was es heißt, unbeweglich und ewig lange stehen zu müssen, jederzeit bereit, auf den Priester zu reagieren und zu respondieren; der weiß wie es ist, das kunstvoll verzierte Rauchfaß aus massivem, schwerem Silber lange lange und mit enorm viel Gefühl für Harmonie und Rhythmus (weshalb diesen Dienst, so wie andere, nicht jeder übernehmen durfte) schwenken zu müssen, seine Bewegung nur durch Bewegungen in den Handgelenken zu bändigen, und elegant in das kurze Schwenken des Inzensierens abzulenken; das Lektionar hin- und hertragen zu müssen, Kniebeuge auf und ab und auf und ab ... 

Wie es ist, das Vortragekreuz bei Begräbnissen bei minus zehn Grad, oder ewig langen Fronleichnamsprozessionen bei heftigem Wind voranzutragen, oder lange lange sitzen zu müssen, obwohl der Stuhl so marode ist (und seit Jahren, nie hat ihn aber jemand repariert, denn es ist ja nur der Ministrantenstuhl), daß er jeden Augenblick einzustürzen droht, sodaß man sich lieber in den Schenkeln selbst trägt und zur Wand gepreßt "sitzt", dabei aber angespannt wie ein Hochleistungssportler aushält; wo es Ewigkeiten dauert, in denen man bewegungs- und regungslos knieen muß, sodaß man sich eine ganz bestimmte Position sucht, wo die Kante der Stufen ganz exakt zwischen Kniescheibe und Knochen platziert wird. Und das alles gilt es mit mit stoischem Gesicht, unbewegter Miene, fester Körperhaltung, wachem Geist und wachen Sinnen zu bewältigen. 

Jeder falsche Schritt war eine Katastrophe, die das Ganze gefährdete, man fühlte es krachen. Jede nicht fließend genug gesetzte Bewegung war ein unverzeihlicher Verstoß gegen die Gesetze der Schönheit, jedes fehlende Gefühl für Rhythmus und Takt war eine Disqualifikation fürs Leben. Die Versager im Leben waren auch die schlechtesten Ministranten. Die besten Ministranten waren hingegen die ernstesten, die ihr Handwerk am Formvollendetsten vollzogen, und dabei doch so leicht und selbstverständlich wirkten. 

Es war schön, es war sehr schön zu ministrieren. Es war ein ganzes, wichtiges Stück des Lebens so vieler Männer, die heute schon in Pension sind oder kurz davorstehen, die abtreten und einer Generation Platz machen, die diese Schule aller Formgesetze, und zwar wirklich aller Formgesetze, meistens gar nicht mehr kennt. Der VdZ geht sogar so weit zu sagen: Das Ministrieren, der Dienst als Akolyth (in Wahrheit bereits eine Vorstufe der Priesterweihe*), war als Schule der Form die bedeutendste Schule des Lebens, die er seine ganze Kindheit durch erlebt hat.

Eine Generation tritt nun ab, die lange - leider zu lange - brauchte, um das, was über sie hinweggebraust war, wenigstens so weit von sich lösen und vor sich hinstellen zu können, als sie langsam zur Besinnung kamen. So viele ließen sich in den 1970ern mit forttreiben. Aber viele wachten eines Tages auf. Und die, die aufwachten, waren meistens die Ministranten. Die irgendwann doch Mut faßten: Die Zeit hatte so geprahlt, aber sie hatte nur geblufft. Sie erlaubte Mut. Mut zu dem, was man selbst noch erlebt hatte. Und das allem, was seither passierte, alles auf den Kopf stellte, und uns heute in seinen Früchten vor Augen steht, so überlegen ist, daß man manchmal nur noch flüchten, zurück in diese Kindheit und Jugend möchte. Als alle Männer noch Ministranten gewesen waren.

Wie auch immer. Jedenfalls hat der VdZ herzlich gelacht, als er diese Bilder sah. Denn noch nie hat er darüber gesprochen, nicht einmal daran gedachte darüber zu sprechen (und um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: Auch jetzt natürlich nicht zu klagen, so wäre der Ausflug in seine jungen Jahre nie gemeint).

Bei diesen Bildern hat er verblüfft und mit spontaner Fröhlichkeit Erinnerungen aufsteigen sehen, und die Worte formten sich: Genau, so ist es gewesen! Genauso wie das, worauf sich dieser junge Mann hier zur euphorisierenden Musik von "Rocky", dem Box-Hochleistungssportler, vorbereitet. Köstlich!

Dank an Steve Skojac, der dieses Filmchen auf OnePeterFive veröffentlichte, von wo wir es frech übernehmen.




*Der ganze Zirkus um die "Priesterweihe von Frauen" hat genau deshalb bzw. zu großen Teilen seine Ursache in der dem Ungehorsam entstammenden, aus nicht nachvollziehbarem offiziellem Zugeständnis legalisierten "Ministrantinnen-Erlaß" von PP sanct. +Johannes Paul II. aus dem Jahre 1993. Schon lange zuvor, aber nun posthoc auch noch legalisiert, wurden Mädchen in eine Prägung hineingenommen, die contra naturam, contra legem, und contra traditionae stand, in den Dienst am Altar

Der VdZ geht sogar so weit zu sagen: Mädchen als Ministranten zuzulassen war einer der katastrophalsten Fehler seines Pontifikats. Er hat das Wesen des Priestertums, er hat das Wesen des Altardienstes als Opfer vor Gott, er hat das Wesen des gesamten Gottesdienstes in seiner Gnadenökonomie, er hat den Gottesdienst selbst schwerstens verdunkelt, und er hatte wegen dieser Schwere und Bedeutung verheerende Folgewirkungen - bis zur aufgekommenen Verwirrung um das Wesen der Priesterweihe, die nun bei Frauen schon deshalb so normal schien, weil es erstens viele Frauen gab, die als Ministrantinnen bereits in diesen Männerdienst hineingenommen waren, und weil zweitens das Volk an Frauen im Raum des Heiligen Heiligsten gewöhnt worden war. 

Der Anteil dieses Fehlers an der Verstörung des Glaubenssinns der Menschen ist kaum zu überschätzen. Die Verwüstungen im Selbstwert-Erfassen der Mädchen, die Ministrantendienste in ihrer Jugend erledigt hatten, die durch fehlgeleitete Selbsteinschätzung fast zwangsläufig erfolgte Pervertierung und Verwirrung dieser in allen Fragen nach dem angemessenen Ort im Leben, sind ohnehin kaum noch zu fassen. 

Mit einfachen Worten: Vermutlich hat keine Fehlentscheidung wie die, Mädchen zum Ministrantendienst zuzulassen, so viel Anteil am heutigen Generalzustand hochmütiger, verstiegener und verdrehter Frauen hervorgebracht.

Der VdZ kann sich aber leider auch gut erinnern, von wie vielen - auch ach so "Frommen", oh ja, die meisten "Frommen" waren eben stummschlutzstarr fromm, wenn es um den Papst und "Papsttreue" ging (sie sind angesichts des heutigen Papstes wohl von dieser Idolatrie kuriert, manche freilich schwerwiegend irritiert) - solch ein Protest als "Haarspalterei" oder "Fanatismus" beschimpft oder belächelt wurde.  

Wie wenige gab es deshalb, die wie der VdZ sofort erfaßt hatten, worum es ging. Der sogar eine Unterschriftenaktion (mit letztendlich zwölf oder zwanzig Unterschriften ...) gestartet hatte, um dann mit einer Petition (bei deren Formulierung er leider auf einen Priester gehört hatte, der selber das Problem nicht an der Wurzel erfaßt hatte) an den Papst heranzutreten, diesen furchtbaren Erlaß zurückzunehmen. Mit einer erschütternden Antwort vom Papst. Und einer genüßlich zelebrierten Verhöhnung der Abfuhr durch den fettsabbernden Generalvikar der Diözese St. Pölten. 


*090520*