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Sonntag, 21. Juni 2020

Als alle Männer noch Ministranten gewesen waren

Natürlich wird man dieses witzige Video kaum witzig finden können, wenn man nichts über die Liturgie des "Alten Ritus" weiß, und die Rolle der Ministranten darin nicht kennt. Und natürlich wird man den vollen Witz dieses köstlichen Videos erst erfassen, wenn man wie der VdZ (und praktisch jeder Mann seiner Generation, der bis in die frühen 1960er Jahre Geborenen) selber Ministrant war. Und es schadet nicht, wenn der Leser auch "Rocky" kennt, diesen herrlich stereotypen Hollywood-Heldenepos rund um Sylvester Stallone als Boxchampion.

Es hilft auf jeden Fall, wenn der Leser weiß, was es heißt, unbeweglich und ewig lange stehen zu müssen, jederzeit bereit, auf den Priester zu reagieren und zu respondieren; der weiß wie es ist, das kunstvoll verzierte Rauchfaß aus massivem, schwerem Silber lange lange und mit enorm viel Gefühl für Harmonie und Rhythmus (weshalb diesen Dienst, so wie andere, nicht jeder übernehmen durfte) schwenken zu müssen, seine Bewegung nur durch Bewegungen in den Handgelenken zu bändigen, und elegant in das kurze Schwenken des Inzensierens abzulenken; das Lektionar hin- und hertragen zu müssen, Kniebeuge auf und ab und auf und ab ... 

Wie es ist, das Vortragekreuz bei Begräbnissen bei minus zehn Grad, oder ewig langen Fronleichnamsprozessionen bei heftigem Wind voranzutragen, oder lange lange sitzen zu müssen, obwohl der Stuhl so marode ist (und seit Jahren, nie hat ihn aber jemand repariert, denn es ist ja nur der Ministrantenstuhl), daß er jeden Augenblick einzustürzen droht, sodaß man sich lieber in den Schenkeln selbst trägt und zur Wand gepreßt "sitzt", dabei aber angespannt wie ein Hochleistungssportler aushält; wo es Ewigkeiten dauert, in denen man bewegungs- und regungslos knieen muß, sodaß man sich eine ganz bestimmte Position sucht, wo die Kante der Stufen ganz exakt zwischen Kniescheibe und Knochen platziert wird. Und das alles gilt es mit mit stoischem Gesicht, unbewegter Miene, fester Körperhaltung, wachem Geist und wachen Sinnen zu bewältigen. 

Jeder falsche Schritt war eine Katastrophe, die das Ganze gefährdete, man fühlte es krachen. Jede nicht fließend genug gesetzte Bewegung war ein unverzeihlicher Verstoß gegen die Gesetze der Schönheit, jedes fehlende Gefühl für Rhythmus und Takt war eine Disqualifikation fürs Leben. Die Versager im Leben waren auch die schlechtesten Ministranten. Die besten Ministranten waren hingegen die ernstesten, die ihr Handwerk am Formvollendetsten vollzogen, und dabei doch so leicht und selbstverständlich wirkten. 

Es war schön, es war sehr schön zu ministrieren. Es war ein ganzes, wichtiges Stück des Lebens so vieler Männer, die heute schon in Pension sind oder kurz davorstehen, die abtreten und einer Generation Platz machen, die diese Schule aller Formgesetze, und zwar wirklich aller Formgesetze, meistens gar nicht mehr kennt. Der VdZ geht sogar so weit zu sagen: Das Ministrieren, der Dienst als Akolyth (in Wahrheit bereits eine Vorstufe der Priesterweihe*), war als Schule der Form die bedeutendste Schule des Lebens, die er seine ganze Kindheit durch erlebt hat.

Eine Generation tritt nun ab, die lange - leider zu lange - brauchte, um das, was über sie hinweggebraust war, wenigstens so weit von sich lösen und vor sich hinstellen zu können, als sie langsam zur Besinnung kamen. So viele ließen sich in den 1970ern mit forttreiben. Aber viele wachten eines Tages auf. Und die, die aufwachten, waren meistens die Ministranten. Die irgendwann doch Mut faßten: Die Zeit hatte so geprahlt, aber sie hatte nur geblufft. Sie erlaubte Mut. Mut zu dem, was man selbst noch erlebt hatte. Und das allem, was seither passierte, alles auf den Kopf stellte, und uns heute in seinen Früchten vor Augen steht, so überlegen ist, daß man manchmal nur noch flüchten, zurück in diese Kindheit und Jugend möchte. Als alle Männer noch Ministranten gewesen waren.

Wie auch immer. Jedenfalls hat der VdZ herzlich gelacht, als er diese Bilder sah. Denn noch nie hat er darüber gesprochen, nicht einmal daran gedachte darüber zu sprechen (und um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: Auch jetzt natürlich nicht zu klagen, so wäre der Ausflug in seine jungen Jahre nie gemeint).

Bei diesen Bildern hat er verblüfft und mit spontaner Fröhlichkeit Erinnerungen aufsteigen sehen, und die Worte formten sich: Genau, so ist es gewesen! Genauso wie das, worauf sich dieser junge Mann hier zur euphorisierenden Musik von "Rocky", dem Box-Hochleistungssportler, vorbereitet. Köstlich!

Dank an Steve Skojac, der dieses Filmchen auf OnePeterFive veröffentlichte, von wo wir es frech übernehmen.




*Der ganze Zirkus um die "Priesterweihe von Frauen" hat genau deshalb bzw. zu großen Teilen seine Ursache in der dem Ungehorsam entstammenden, aus nicht nachvollziehbarem offiziellem Zugeständnis legalisierten "Ministrantinnen-Erlaß" von PP sanct. +Johannes Paul II. aus dem Jahre 1993. Schon lange zuvor, aber nun posthoc auch noch legalisiert, wurden Mädchen in eine Prägung hineingenommen, die contra naturam, contra legem, und contra traditionae stand, in den Dienst am Altar

Der VdZ geht sogar so weit zu sagen: Mädchen als Ministranten zuzulassen war einer der katastrophalsten Fehler seines Pontifikats. Er hat das Wesen des Priestertums, er hat das Wesen des Altardienstes als Opfer vor Gott, er hat das Wesen des gesamten Gottesdienstes in seiner Gnadenökonomie, er hat den Gottesdienst selbst schwerstens verdunkelt, und er hatte wegen dieser Schwere und Bedeutung verheerende Folgewirkungen - bis zur aufgekommenen Verwirrung um das Wesen der Priesterweihe, die nun bei Frauen schon deshalb so normal schien, weil es erstens viele Frauen gab, die als Ministrantinnen bereits in diesen Männerdienst hineingenommen waren, und weil zweitens das Volk an Frauen im Raum des Heiligen Heiligsten gewöhnt worden war. 

Der Anteil dieses Fehlers an der Verstörung des Glaubenssinns der Menschen ist kaum zu überschätzen. Die Verwüstungen im Selbstwert-Erfassen der Mädchen, die Ministrantendienste in ihrer Jugend erledigt hatten, die durch fehlgeleitete Selbsteinschätzung fast zwangsläufig erfolgte Pervertierung und Verwirrung dieser in allen Fragen nach dem angemessenen Ort im Leben, sind ohnehin kaum noch zu fassen. 

Mit einfachen Worten: Vermutlich hat keine Fehlentscheidung wie die, Mädchen zum Ministrantendienst zuzulassen, so viel Anteil am heutigen Generalzustand hochmütiger, verstiegener und verdrehter Frauen hervorgebracht.

Der VdZ kann sich aber leider auch gut erinnern, von wie vielen - auch ach so "Frommen", oh ja, die meisten "Frommen" waren eben stummschlutzstarr fromm, wenn es um den Papst und "Papsttreue" ging (sie sind angesichts des heutigen Papstes wohl von dieser Idolatrie kuriert, manche freilich schwerwiegend irritiert) - solch ein Protest als "Haarspalterei" oder "Fanatismus" beschimpft oder belächelt wurde.  

Wie wenige gab es deshalb, die wie der VdZ sofort erfaßt hatten, worum es ging. Der sogar eine Unterschriftenaktion (mit letztendlich zwölf oder zwanzig Unterschriften ...) gestartet hatte, um dann mit einer Petition (bei deren Formulierung er leider auf einen Priester gehört hatte, der selber das Problem nicht an der Wurzel erfaßt hatte) an den Papst heranzutreten, diesen furchtbaren Erlaß zurückzunehmen. Mit einer erschütternden Antwort vom Papst. Und einer genüßlich zelebrierten Verhöhnung der Abfuhr durch den fettsabbernden Generalvikar der Diözese St. Pölten. 




*090520*