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Samstag, 20. Juni 2020

Not und Elend (2)

Teil 2) Zumindest tendenziell hätte der Standard Recht.
Wäre Bonelli tatsächlich das, was man ihm hier vorwirft.
Aber damit kokettiert Bonelli ja nur, das ist das Problem.



Wenn wie bei Bonelli (und leider so vielen heutigen "Katholiken") die philosophischen, metaphysischen Fundamente für eine liberale Schießbude gebaut wurden, kann nicht der cleverste Identitätsschuster einen "Dom" draufsetzen. Er wird deshalb eine Schießbude bauen, der außen aber potemkinsch bemalte Domleinwände übergezogen werden. 

Man muß hier deshalb die Kritik bei "katholischen" Institutionen anbringen, die diesen Mann mit einer Autorität ausstatten, weil sie ihn in einen Anerkennungsrahmen stellen, der zwar dem Normalzustand heutiger "katholischer Universität" entspricht - eben einem Trojanischen Pferd, dem um Mitternacht die linken, materialistischen und atheistischen Krieger entsteigen, die handstreichartig die Herrschaft übernehmen - mit katholisch und wahr jedoch nichts zu tun hat. 

Denn die in der Wahrheitstradition des christlichen Abendlandes aufgebaute Psychologie unterscheidet sich dermaßen fundamental von Psychologieschustern wie Bonelli, daß man bei dem, was Letzterer betreibt, gar nicht mehr von Psychologie sprechen kann. Es ist eloquent und sophistisch verkleidete Vernebelungs- und Verwirrungstaktik, die - man muß es so brutal formulieren - simple Geschäftsinteressen verfolgen. An der sich aber jeder Mensch guten Willens zum geistigen Tode verschluckt.

Sodaß man hier sagen muß: Tendenziell hat der Standard natürlich Recht! Aber Bonelli gebührt nicht die Ehre, von linken Atheisten als "Gegner", und schon gar als "katholischer Gegner" an den Pranger gestellt zu werden. Daß das geschieht beweist lediglich und einmal mehr, wie dumm Linke sind.

Daß der oberösterreichische Schmuddel-T-Shirt-Psychiater, der in der Corona-Krise durch (für Liberale so typische) nanednana-Videos "Furore" machte und gerade in katholisch titulierten Kreisen wie ein Retter des Vaterlandes gefeiert wurde (samt der immer wieder aufflackernden Aufforderung, eine "Partei" zu gründen), sich nun verteidigt, indem er nachweist, daß er "nichts gegen Homosexuelle habe", und außerdem und überhaupt sei ihm das alles egal, muß dann gar nicht weiter kommentiert werden. 

Es ist erbärmlich, wenn und wie der Mann sich nun "eh als Liberaler" darstellen möchte, und deshalb eine Verteidigung für notwendig erachtet. Denn wie und was jemand glaubt, ist ja doch bloße Privatsache und natürlich verschweigt, wie sehr Homosexualität einen Menschen zerstört, und es schon deshalb problematisch ist, das zu verschweigen (wobei Bonelli die wirkliche Problematik darum vermutlich gar nicht kennt).

"Ich habe nie gesagt, Homosexualität sei veränderbar," heißt das dann. Statt den Mut zu besitzen zu sagen, was wirklich fundierte Sicht der Seelenlandschaften des Menschen notwendig machte. Notwendig, gerade für einen "Arzt", als den sich Bonelli eigenen Aussagen nach sieht. Und die muß (!) Homosexualität als das bezeichnen, was sie ist: Eine mehr oder weniger schwere Charakterneurose, die höchstens in fortgeschrittenem Zustand, also einer Psychose, nicht oder nur noch schwer heilbar (und insofern "veränderbar") ist. 

Sie ist aber letztlich (beziehungsweise erstlich) aus der Sünde, also der Seins- weil Selbstverfehlung entstanden, die sich sexuell ausdrückt und darin die leibliche Konstitution schwer schädigt, so schwer, daß es sogar typische "körperliche" Krankheitsbilder gibt, die praktisch immer mit dem Bereich von Immunschwächen und -problemen zu tun haben. Gut, jemanden zu verurteilen", also in einen Zustand "fest-sprechen" (was von der psychologischen Charakteristik auf eine Art Fluch hinausläuft) darf - beziehungsweise soll - nicht sein. 

Aber gerade bei Freunden (und Bonelli rühmt sich hier seiner homosexuellen Freunde) darf die feste Haltung nicht fehlen, in der diese wissen, daß sie sich in einem objektiv ungeordneten Zustand befinden, der eine wahrhaftige Begegnung fortschreitend unmöglich macht. Als Arzt aber muß diese Haltung klaren Ausdruck finden. Denn man sagt ja jemandem, der mit Masernpusteln kommt, auch nicht, daß eine Therapie mit Schmierseife gegen Fußpilz ausreicht.

Nein, nicht wird hier verlangt, Bonelli aus katholischen Bildungseinrichtungen und Seelsorgekreisen hinauszuwerfen, weil er liberal ist. Es wird verlangt, weil Bonellis Theorien und Thesen außer Schlagwortwahrheiten (die dann bloße Richtigkeiten sind) erzählen, die mit katholischer Aura zu umhüllen ein Verbrechen gegen jene Wahrheitspflicht ist, die solchen Institutionen (und Hochschulen sowieso) wesentlich sein muß. 

Und - vor allem! - diesen Mann mit einer "Psychologie" auftreten und reüssieren läßt, die eine Verhöhnung der Weisheit abendländischer Seelenkunde bedeutet. Das ist als würden sich Baumeister, die über viele Jahrhunderte Dome bauten, von einem Wanderzeltbauer nicht nur erklären lassen, wie Häuser zu bauen seien, sondern dazu auch noch zustimmend nicken, als wäre ihnen nun endlich erklärt worden, wie die Welt der Architektur in Wirklichkeit aussieht. Von Leuten, noch dazu, die es wirklich besser wissen müßten. 

Denn in diesem (natürlich nicht nur in diesem) hat auch E. Michael Jones Recht. Wenn er sagt, daß Wissenschaftlern mit hoher Reputation in der Öffentlichkeit und in der Wissenschaftswelt (am Beispiel Heisenberg gegenüber dem Einbrechen von primitiven Scharlatanen wie Kinsey in die deutsche Bildungs- und damit Medienwelt darstellbar) eine hohe Verantwortung in der öffentlichen Diskussion (also in der Bildung des allgemeinen Narrativs) zukommt. 

Nicht, weil sie Wächter der öffentlichen Moral sind. Sondern weil sie Wächter ihrer Geistessphäre (in dem Fall: Der Wissenschaft) sein MÜSSEN, um diese vor jenem Schaden zu bewahren, den sie erleiden werden, wenn unter dem Ansehen, das in der Vergangenheit erworben wurde, und dem sie die höchste Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit errungen hat, Piratenschiffe eindringen, die Kohle statt Gold verteilen, aber den selben Preis verlangen.

In diesem Sinne wäre an Ruf und Wirkungsmöglichkeiten Bonellis enorm viel zu korrigieren. Nicht, daß man ihn zum Verstummen bringen sollte oder das auch nur dürfte. Aber dafür ist das Forum einer hermetischen, diskreten Hochschulentfaltung (als "närrischer Raum") zuständig, deren Membranartige Grenzen zur Außenwelt aber die kathartische Ära strenger Wahrheitsfindung ist. Ihr Raum ist sicher nicht die Bühne. Und schon gar nicht die Bühne Katholischer Einrichtungen. 

Denn auch wenn es manchen schockieren muß: Raphael Bonelli ist Psychiater und Psychoanalytiker der Gegenwart. Diese Leute sind Abbilder jenes Vorbildes, in wessen Fußstapfen sie wandeln, und das ist Sigmund Freud. Sie sind wie er unredliche Scharlatane und Betrüger, die sich mit dieser Art Psychologie, die sie als "neue Wissenschaft" deklariert haben und deklarieren, einen Weg gebaut haben, trotz der Unfähigkeit, sich zur Welt hin als Persönlichkeit zu bewähren und damit im Geheimnis des Seins sich in empfangender Haltung über dem Nichts gehalten zu wissen, einen hohen, ja überlegenen Stand zu sichern. Der dadurch erzielt wird, indem man die Konkurrenz, also die starke, wahre, wahrhaftige Persönlichkeit verleumdet und auflöst. Was so nebenbei höchst lukrativ sein kann. 






*290520*