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Montag, 28. März 2022

Man denkt sich, weil man gedacht wurde (Aktualisierte Fassung)

Sie finden hier die Überarbeitung und Erweiterung eines Beitrags aus 2015. Dessen Gedanken ich für recht aktuell und von hoher Wichtigkeit einschätze, sodaß ich mir erlaube, ihn in neuer Form noch einmal vorzusetzen.

Wenn es Leute gibt, schreibt Franz von Baader einmal, die behaupten, sie wüßten vom Absoluten nichts, so ist die Frage, ob man ihnen trauen und glauben darf, sei es daß sie bewußt die Unwahrheit reden, sei es daß sie ihre eigenen Gedanken nicht verstehen, sei es daß sie bis zum Zustande der Verwilderung entartet sind. Denn die Grade der Klarheit des Beuwßtseins sind unendlich und es kann in einem Ich ein so geringer Grad vorhanden sein, daß der Gedanke des Unendlichen nur noch als dumpfe Ahnung vorhanden ist.

In irgendeiner Form aber ist der Gedanke des Unendlichen im Ich immer vorhanden, und verschwände der letzte Rest  der Ahnung desselben, so müßte das Bewußtsein selbst verschwinden.

Denn das Ich kann sich seiner selbst nur bewußt werden, wenn es sich als begrenzt erfährt. Es kann sich aber nur als begrenzt erfahren, wenn es (in logischer Folge, in der die Weltdinge wie eine Rampe vorzustellen sind) zuvor das Unbegrenzte erfährt. So, wie es aber auch das Unbegrenzte nur weiß, weil es das Begrenzte weiß. Zeitlich gleichzeitig, logisch aber in Hierarchie, weil ein sich selbst erfassendes Ich nur in der Struktur eines überhaupt sich damit absoluten selbsterfassenden Ich möglich ist.

Sonntag, 29. Mai 2016

Alles steht im Streit

Erst im Gegeneinander des "anderen", dem jedes Ding (Geschaffene) permanent begegnet wie den Fisch das Wasser umgibt, wird auch der eigene Wille, das eigene Streben zu sich (aus dem Seinsfunken heraus, der Beziehentlichkeit enthält, ja in gewisser Weise und analog "ist") angeregt und darin "aktiv" manifestiert, "zur Welt" substantiiert. Denn die Welt besteht als unendliches Mosaik eines "In-einander" der Dinge, wo eines sich im anderen abbildet ("Erkenntnis"), und alles sich im Ganzen erhält bzw. erhalten soll. 

In dieser Welthaftigkeit der Substantiierung steht alles (primär) im Streit miteinander,* der über die gehorsame Unterordnung in den Kampf ("Zorn") und zum Sieg ("Freude") führt - der Ordnung der Dinge als Welt in der Welt zur Welt, in der jedes Etwas sein Nicht-es-selbst in sich trägt. Dem muß aber zuvor sein eigener Seinsfunke vorausgehen - die Schöpfung aus dem Nichts ins Sein, aus Gott, dem alles entstammt, und nur in dem (im Sein eben) alles (seiend) sein kann.**

In diesem Streit erst scheidet sich das Einzelne aus dem Allgemeinen, dem Einen, auch in Gott, dem sehr wohl eben auch Zürnenden, Gewaltigen wie Gewaltsamen. Um sich so (im Gehorsam einerseits, in Begierde und Lust anderseits, als Reaktion auf die Bilder aus "dem anderen") zur Komposition der Ideen der Gesamtordnung des Seins zu fügen.


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"In obiger Hinsicht könnte man sagen, daß das Weib über dem Manne ist, insofern selbes die Trägerin der Lust (des Bildes) ist, welche seine Begierde erregt, daß sie aber eben darum, weil sie nur vorerst bewußtlose Trägerin dieses Bildes, unterm Manne ist, indem sie selbst zum Bewußtsein dieses Bildes erst durch Hilfe der erweckenden Kraft des Mannes gelangt. - Dieses gilt von der guten wie von der bösen Lust, vom Weibes- wie vom Schlangensamen. Denn jedes Weib ist eine Eva und eine Ave (Maria) zugleich, und es ist größtentheils das Werk des Manne, ob die eine, oder ob die andere dieser zwei Gestalten in ihr sich herauskehrt."   (J. Böhme)

Man müßte den Feminismus deshalb nicht als Bewegung der Frauen sehen, sondern es ist das sieghafte Ergebnis eines Machtkampfes der Männer. Deshalb ist seine vornehmste Wirkung nicht, die Frauen vom Manne freigeeist zu haben - im Gegenteile, bzw. nichts weniger - sondern eine Depotenzierung, eine Kastration eines großen Teiles der Männer.

Der Ideenstreit um oder innerhalb der Rolle der Frau wird deshalb niemals durch Diskurs innerhalb der Frauen entschieden, ja nicht einmal beeinflußt. Dort wird er sogar in erster Linie verhärtet. Denn dort ist er ein Streit des Epigonalen, der jeweils Gehorsamen bzw. Geprägten, die mit einem Ideenumschwung ihr Weltsein verlieren würden, gewissermaßén ins Nichts fielen weil ihre erhaltende geistige Kraft verlören. Er muß (prinzipiell) unter Männern ausgefochten werden.


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*So beschreibt es Jakob Böhme, der so oft Zitierte, aber kaum je Verstandene, dessen Werke deshalb fast nie anders als an ihren Haaren zu einem unseligen Nutzen und in Mißbrauch und ungemäßer Verdinglichung in Simplifizierung heruntergezogen werden.

**Der große Irrtum ist, das Nichts "als Etwas" zu sehen (wie Hegel es tat, und wie es die gnostischen Strömungen in Unverständnis tun), und es damit in Gott gleichermaßen hineinzuverlegen. In den zugleich damit das Böse verlegt wird. Aber das Böse ist nicht ein Wille zum Sein, sondern eben genau ein Wille zum Nicht-Sein, zum Nichts. Das Nichts ist nicht nur tatsächlich "nichts", sondern es ist damit auch nicht in Gott, dem Sein, weil es eben das Nicht-Sein - aber damit ein tatsächliches Nichts als Abwesenheit allen Seins - ist. Es ist damit ein reines Gedankending, aber kein Ding das existiert, und steht damit auch nicht "Gott gegenüber" als ein "Etwas". Geist west nur in und innerhalb wie aus Geist, nicht "außerhalb". Hier versagt gegenständliches Denken notwendig, weil es eben - siehe oben - als Geschaffenes, (irgendwie, der Anschaulichkeit halber so genanntes) Dinghaftes nur im anderen Seinshabenden wesen kann. Der Mensch kann sich nur ein Etwas vorstellen, und somit gerinnt ihm auch rasch ein Gedanke wie "das Nichts" zu einem Etwas sinnlicher Welt, so wie "der Geist".




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Samstag, 28. Mai 2016

Ehre dem Hervorbringer

Jedes Aussprechen - damit jedes Denken - ist ein Abscheiden, ein Unterscheiden, ein Hervorgehen des Zweiten aus dem Einen Ersten, aber ununterschiedenen (und damit nicht-welthaften) Allen/Einen. Es wird somit im Werk des Menschen nicht nur ein Teil von ihm herausgestellt, von ihm abgestellt, als die Zwei vom Einen zeugend, sondern es stellt dem Einen/Hervorbringer sich selbst vor Augen, verobjektiviert sich, wird damit zur "Persönlichkeit".

Alles Hervorgebrachte, Geschiedene also will wirken, weil sich an der Wirkung Aussage über den Hervorbringer zum Seienden erhebt. Damit ist alles Werkhafte ein Lobpreis (oder natrürlich auch: die Verdammnis) des Hervorbringers. Es dient zur Ehre, zur Verherrlichung des Hervorbringenden.

Gedacht kann also nur das Hervorgebrachte, Ausgesprochene werden, indem es darin erst distinkt weil zu einem Etwas wird, und darin wird das Selbstwerden des Menschen als Persönlichkeit.




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Dienstag, 3. November 2015

Propaganda

Nie, schreibt Franz von Baader einmal, verliert eine Gestalt VÖLLIG ihren Bezug zu ihrem ursprünglichen Innen, aus dem sie stammt. Sie behält zumindest einen kleinen Rest von Wahrheit, hört dabei aber nie auf, nach jenem Inhalt zu drängen, aus dem sie herkommt. Das liegt im Wesen der Schöpfung, die zum Sein in Selbststand berufen ist und dazu immer eine Öffnung hin zu seiner Quelle (der dynamischen idea) braucht. Wenn also jemand sagt, etwas "sehe nur so aus wie - sei aber völlig anders gemeint", so ist das immer eine Lüge.


Bild: OnePeterFive


Bild vom Besuch des Papstes Franziskus in den USA 2015 - Photo: OnePeterFive





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Dienstag, 9. Juni 2015

Von Sinn, Autorität, Hörigkeit und Gehorsam

Werden die Dinge nur auf sich selbst reduziert betrachtet, so bleibt nur der Bereich des Zwecks. Aber diese vermag etwas nicht im Bestand zu halten, und im Bestand halten heißt, über es hinauszugreifen - in den Sinn. Im Sinn wird ein Ding von einem Höheren um- und einbegriffen, sodaß alles Geschöpfliche der Welt nur ist, weil es in ein je Höheres einbegriffen IST. Reißt sich etwas aus dem Sinn los, fällt es ins Nichts, es zerfällt, auch physisch/physikalisch (1. thermodynamisches Grundgesez der Entropie). 

Das gilt von den Wesensstufen der Welt - Anorganisches, Pflanze, Tier, Mensch - genauso in ihrem kategorialen Übergängen (also: Anorganisches erfüllt sich zu dem ihm selbst Mglichen, also als Erfüllung angelegten, in der Höhe des Pflanzlichen), also auch innerhalb dieser Seinsstufen, durch die Hierarchien. Denn es gibt nichts, das nicht in einen Ort innerhalb einer Hierarchie eingefügt ist. 

Das betrifft natürlich genau auch den Menschen, der immer in einem Verhältnis zu einer Autorität steht - immer! - und deshalb von dem belebt wird, woran er durch diese Autorität in einem Übergreifenden teilnimmt, beim Menschen: nicht ohne die Zustimmung (die sich im Gehorsam quasi fleischlicht*). Das je Niedere befindet sich also dem Sinn, dem Höheren in einer Position der zu befruchtenden Materia, und empfängt (im Eros) die Befähigung zur Wiederspiegelung des Bildes des Höheren. Autoritätsverhältnisse sind sui generis Zeugungsverhältnisse! In denen sich sogar die unfruchtbare Natur (des Anorganischen) in die Befruchtung zum Höchsten hin (erst über die Pflanze etc.) hineinhebt. Im letzten - im Bild der Sonne, als das alles ab ovo belebende Prinzip. (Christus - das Licht, das vom Vater ausgeht, und in der Leiblichkeit in ihn zurückgeht!)

Und damit ist es das Leben selbst, das in solchem Autoritätsverhältnis einströmt. Der Tod korreliert direkt mit der Unfähigkeit, sich durch ein Oberes (Lebens-/Seinsvermittelndes)*** beleben zu lassen (Entropie!) Oder - wenn alles Entfaltbare entfaltet ist, die mögliche Vollkommenheit (deren Grenzen die materia vorgibt) erschöpft ist.

Leben hat also etwas mit der Fähigkeit "zur Infektion" zu tun. Der Vernunftprozeß des Menschen als Selbstbesitz ist deshalb kein Abschotten gegen Infektion - dann wäre er das, was man etwa mit "Kleinbürgerlichkeit" und Rationalismus bezeichnen könnte. Sondern er ist das genaue Gegenteil: Er ist die sichere (gattliche) Wahl des Befruchtenden als Willensbeschluß, der durch die Treue (im Beschluß) zum Wesen wird.****

Aber diese Wahl ist eine Wahl zu sterben, eine Wahl des Todes (siehe: Intitiationsriten!). Das neue Leben tritt erst ein, wenn das vorangegangene gestorben ist. Das jeweils "Untere" ist das, was des Todes ist - das, was der Schlangenzertreter zertritt, weil es sonst kein neues, und das ist nur höheres Leben gibt.

Mehr noch: Es ist das von oben Kommende, das (in diesen Sinn hinein - aus diesem heraus) organisiert. Schon bei der Sonne in allem Anorganischen und Pflanzlichen am deutlichsten sichtbar. (Alles was es gibt "ist" in gewisser Weise, physikalisch, Licht. Es muß also das einströmende, belebende Prinzip als Eigensein wiederspiegeln, je nach seinem Vermögen, dann IST es.) Deshalb wird es im Menschen personifizierend - das Wort, die Geiststufe des Lichts, ruft zur Person. Darin liegt auch die wahre Bedeutung der Taufe - als definitive Einbindung in die Übernatur, erst so zur Vollgestalt des Menschen. Das KANN nur von Gott kommen - und muß REAL (Ritus!) sein weil das Fleisch real prägen.***** Keine "gute Meinung" kann das mangels Dimension ersetzen.



*Rosmini definiert den Gehorsam als die freiwillige Einstimmung in eine Führerschaft durch einen anderen, auch wenn dessen Entscheidungen falsch sein sollten - im Verzicht, das zu prüfen; sonst wäre es ja kein Gehorsam, sondern man würde immer nur sich selbst folgen. Ohne Gehorsam gibt es aber keine Höherführung, ja, nicht einmal die Erhaltung des eigenen Bestandes, ja diese schon gar nicht. Das Wesen aber, an dem ich teilhabe, in dem ich gehorsam bin, ist nicht in die faktische Daseinsqualität hineingebunden, sondern ergibt sich aus dem SINN dieser Beziehung. Im Gehorsam stimme ich also dem Sinn zu, nicht der faktischen Person, die immer auswechselbar ist. Und dessen Schwächen und Fehler im Untergebenen jene Läuterung bewirken, sie ihn von sich noch freier zum Sinn hin macht. Die Welt ist ein Sinngefüge - logos! - und nur daraus lebt und besteht sie. Den faktischen Träger dieser Autorität muß ich aber deshalb lieben (wenn auch nicht: mögen), weil sich NUR IN IHM und DURCH IHN (in seiner realen Faktizität) dieser Sinn zugängig macht, das ist nicht zu trennen.

Gehorsam ist deshalb auch etwas völlig anderes als Hörigkeit. Denn in der Hörigkeit belade ich das Faktische des anderen mit einer vermeintlichen Verantwortlichkeit (die eine Selbstentschlagung von Eigenverantworgung ist), die sich nicht auf den Sinn des Autoritätsverhältnisses bezieht, ja sogar diesen in seinen Besitz bringen will, weil der andere bewegt werden soll, davon zu lassen. Hörigkeit ist deshalb auch keine "überzogene Form des Gehorsams", sondern das genaue Gegenteil: sie stammt aus Ungehorsam. Wer reale Erfahrung mit Hörigkeit hat wird deshalb bestätigen, daß Hörige die nur scheinbar widersprüchliche Seltsamkeit zeigen, "im Namen der Autorität" (die ihnen gar nicht zubehört!) als diese nicht nur ersetzend, sondern deren faktischen Träger (!) verdrängend (nihilierend) zu sprechen, und zwar in einer durchaus "eigenen" Interpretation. 

Vom Hörigen hört man also nie, was die Autorität (der Sinn) eigentlich sagt. Sondern eine ganz eigene Variante und Interpretation. Deshalb bleibt die Fruchtbarkeit des Sinns (der sich dem Gehorsamen erschlösse) dem Hörigen immer vorenthalten, er zerfällt. Und fühlt sich aber dem Träger, "dem er hörig ist", überlegen, weil er diesem Gehorsam vortäuscht - um ihn aber aus dem Sattel zu stoßen, nur auf unmerkliche Art. Die Grundhaltung der Hörigkeit ist also - Hochmut, Überlegenheitsgefühl, weshalb der Hörige immer die Schwäche des "Gehörten" fördert um ihn in Sicherheit zu wiegen.

Wer etwa quasi als prototypisch bekannte Hörigkeitsverhältnisse hernimmt - man denke an die Verhältnisse am "Friedrichshof" der Kommune des Otto Mühl - und ehemalige Betroffene kennt wird deshalb feststellen, daß diese sich HEUTE NOCH als ... "Otto Mühl" verstehen, und zumindest heimlich, aber prinzipiell gutheißen, was da passiert ist, den Kern der Anschauungen, die zu diesem perversen Experiment geführt haben, noch heute vertreten. (Da lasse man sich von symbolischen Abstandserklärungen über sexuellen Mißbrauch, Gewalt etc. an jenem Friedrichshof nicht täuschen; die liefern hier sogar bequeme Distanzierungsrituale.) Das war auch der Kitt, warum dieses absurde "Experiment" so lange "funktionierte", und es funktionierte nicht zufällig vor allem über die Frauen.

**Nicht wenige Naturwissenschaftler haben auf die verblüffenden Parallelen zwischen Zeugungs- und Infektionsprozessen hingewiesen.

***Darin gründen die verwirrenden - weil falschen - Denkfolgen des mechanistischen Atomismus, der in Zersetzungs- wie Auferbauungsprozessen lineare Entwicklungen ansetzt. Solche Prozesse haben aber immer progressiven und sogar sprungprogressiven Verlauf. Das macht heute übliche "Zeitangaben" über kosmische Gegebenheiten weitgehend irrelevant, weil Zeitläufte prinzipiell niemals absehbar sein KÖNNEN - sie sind im Einzelnen immer chaotische Verhältnisse, weil wir es bei der Welt immer mit unsteuerbaren komplexen Systemen zu tun haben. Die ernstzunehmende Kritik an Einsteins "'Relativitätsgesetzen" setzt genau übrigens dort an - sie "stimmen" in gewissen Beobachtungsbereichen, aber dann nicht mehr. Darüber half man sich dann mathematisch mit der Einführung von immer mehr "Dimensionen" hinweg, die kategoriale Seinssprünge simulieren und berechenbar machen sollen.

****Irrtum ist immer ein persönliches Defektgeschehen. Und er ist die Empfängnis durch einen "falschen" Zeugenden. Das ist das Problem der heutigen Erziehungs- und Bildungskatastrophe, die eine Katastrophe der Autorität (und Identität) ist.

*****Wie tief diese Wahrheit im Menschen (d. h. in jedem Menschen, konstitutiv weil ontologisch) verankert ist zeigt das Bedürfnis der heutigen Generation, die Taufe (an die zu glauben es fehlt) wenigstens durch die immer häufiger werdenden "Begrüßungsfeiern" zu simulieren. Auch dem VdZ begegnen sie immer häufiger. Aber das Höhere, der Name, kann nur in und damit von Gott dem "ganz anderen" (und damit nicht menschenverfügbaren) in den Geist heben. Gnade bricht immer herein, sie kann nie weltimmanent sein. Die Proponenten solcher Feiern erheben sich also selbst buchstäblich zu Göttern/Gott, und sie müssen sich so sehen, sonst würden sie sich diese Handlungsvollmacht (an deren Ausreichendheit sie ja glauben müssen) gar nicht zugestehen. Das macht die Blasphemie solcher Feiern aus.


(dat. Christi Himmelfahrt 2015)





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Mittwoch, 22. April 2015

Der dreifaltige Vertrag

Jedes Seiende trägt in sich die Nachbildung der Dreifaltigkeit. Denn da ist immer ein Enthaltendes, dann ein Erfüllendes, und eines, das als Geist beide - im Geist - verbindet, aber von beiden ausgehen muß.*

Man nehme einen simplen Vertrag, um das zu verdeutlichen. Einer hat etwas (in sich; als Eigentum etc.). Ein anderer erfüllt es aber, "tut" mit ihm (auch wenn das in einem konkreten, gegenständlichen Vertrag wechselseitig sein mag). Aber den Vertrag zu einem Ganzen macht erst der eine Geist, der beide umfassen muß.

Kein Vertrag hält, wenn er nicht vom selben Geist getragen ist. (Um im simplen, veranschaulichenden Beispiel zu bleiben: Wenn beide anderes "meinen", als schriftlich niedergelegt ist, wird kein Vertrag der Welt je seinen Sinn erfüllen. Streitigkeiten vor Gericht sind eigentlich immer Differenzen im Geist, Bruch der Trinität - und nur in dieser Trinität ist etwas geeint, eins.)

Auch bei einem Ding, egal welcher Art, einem Seienden, ist es so, daß es eine Idee gibt, die alles enthält, dann die Ausführung, und dann ein Geist, in dem es real besteht, in dem eine Seite die andere "anhaucht" bzw. "atmet" - hier erfüllt, was es von dort erhält, aber nur dann im Bestand bleibt, so lange es das auch tut, in diesem Geist also besteht. Wollte die Idee nicht geben, bliebe die Ausführung aus. Verweigert die Ausführung die Idee, bleibt ebenfalls nichts. Dieser Geist des "In-für-einander" ist also zum Bestand notwendig.

Jede der Seiten ist damit aber auch aktiv, um den einen Leib - das eigentliche Vertragsverhältnis - im Geist zu erhalten. (Tod heißt ja: Aufhören, im Geist zu bauen!)




*Der Kern der Differenz zur orthodoxen Kirche, der vielen unverständliche Streit ums "filioque", ist darin beschrieben. Das Ausführende wird in der Ostkirche als rein Empfangendes des nur vom Enthaltenden ausgehenden Geistes gesehen. Die weitgehenden, bis ins Praktische gehenden Auswirkungen liegen auf der Hand. Weil sich darin natürlich die Bedeutung der Kirche, ihres obersten Hirten (Papst), der Sakramente, aber sogar des menschlichen Denkens (Philosophie) verändert (weil das Leibliche in seiner Wirkkraft abschwächt; letztlich liegt damit der Protestantismus exakt auf dieser Linie, ist nur noch einige Schritte weiter gegangen).




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Sonntag, 19. April 2015

Vom Selbstbesitz als Wirklichung

Jedes Wesen muß sich, um es selbst (wirklich) zu werden, das heißt: sich wahrzumachen, sich zu substantiieren, selbst auch erfassen (und damit nach Selbstsitz streben) - und dann in der Vollendung sich selbst im Leben (als in der Welt am Leben teilhaben) halten. Dazu aber muß es Widerstand erfahren, Versuchung, gar nicht selbst zu sein, sonst kommt es gar nie zu dieser Selbstbesitzung.

In gleichem Sinn braucht deshalb die Freiheit die Bindung, weil sie nur an der Bindung wirklich werden kann. Wer Freiheit mit Bindungslosigkeit - oder dem Abstreifen von Bindung - versteht, lehnt die Freiheit ab. Er vollzieht sie nicht. Nur im Vollzug aber wird sie wirklich. 

Erst das Wirklich-Gewordene ist dann von der Versuchung befreit.

Deshalb ist auch nur der vernunftbegabte Mensch dazu in der Lage, und es ist ihm Aufgabe, sich selbst zu besitzen. Nur er kann alles Einzelne auf einen zentralen Sinn ausrichten. Das läßt ihn über alle sonstigen irdisch-leiblichen Wesen hinausragen.

Jedes Hinausstreben, jedes Streben nach Wirklichung - am Begegnenden, am Widerstand je neu entfacht - ist deshalb als Suche nach der Ruhe zu verstehen. Denn alles "neu Herantretende" macht erst einmal Unruhe. Es muß sohin in die Vernunft(ruhr) integriert werden, und das ist nur in der Wahrheit möglich.

Denn am vollkommensten ist etwas dann wirklich, wenn es in dieser Ruhe zu bleiben vermag, aus der heraus es "alles" aus sich herausstellen kann. Wobei diese Ruhe immer ein Prozeß ist, in dem auf das begegnende Objekt geantwortet wird.

Darin lassen sich übrigens am besten die Lebensalter als Phasen charakterisieren. Als jedem Lebensalter eigenen Phase der Integration der aus Expansionskräften - als Weg zur Wirklichung - entstehenden Begegnungen in ihren einen Sinn

So hält sich der Mensch (in der Fähigkeit die Gnade aufzunehmen, der er das Lebendigsein verdankt) mehr und mehr über dem Nichts (als: dem Chaos), das seinem (im Anfang seienden) Dasein widerspricht. Und das er in der Vernunft in die Ordnung des Sinns (= logos) einbettet. Die Welt wird erst damit vom Feind - zum Freund.

Das Leben des Kindes zeigt am deutlichsten dieses ständige Spazieren am Abgrund des Nichts, als Bedrohung der Existenz. Aus der nahezu differenzlosen Eingliederung in die Welt der Mutter aber wird allmählich - durch Überwinden der Differenz der nicht-mütterlichen äußeren Welt - das Aufstehen zur eigenen Vernunft, wie sie ihm im Vater erst fern, dann immer näher steht. Denn im Vater (seinem Namen) steht Geist über dem Nichts, als Pol zur Mutter.

Es passiert - und nur so passiert es - als Beleibung. Als und in der Leibwerdung.




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Samstag, 18. April 2015

Entfaltungsgesetz aller Wesen

Der Akt der Begründung oder Beleibung für jedes Wesen löst sich in letzter Zergliederung in zwei Akte auf, nämlich in den einer Unterordnung und in jenen der Erhebung, weil ein Wesen sich insoferne nur begründet finden kann, als es die Herrschaft über sein Natürliches, welches an ihm ist und von ihm befaßt ist, sich erworben hat. 

Das Wesen, welches von dieser ihm seit seinem Ursprunge angebotenen Kraft nicht den gesetzmäßigen Gebrauch gemacht hat, um in seinem Innern das inne zu halten, was inne gehalten sein und bleiben soll, hat also das geöffnet, was für es geschlossen bleiben sollte, und sich das verschlossen, was für es geöffnet bleiben sollte. [=die Erbsünde; Anm.] Einem solchen Wesen würde der Imperativ vergeblich sagen, daß es sich selbst inne zu halten habe, wenn die Liebe nicht selbst käme und ihr von neuem diese zur Selbstbeherrschung notwendige, durch den Fall verlorene Kraft liehe. 

Übrigens ist wesentlich zu bemerken, daß diese Verschließung oder Vertiefung sukzessiv in der sukzessiven Entfaltung des Lebens eines Wesens geschieht (eine Entfaltung, welche seine Geschichte ausmacht), sodaß das, was in einer vorhergehenden Epoche das Obere (den Gipfel) dieses Wesens ausmachte, in einer folgenden Epoche das Untere oder die Grundlage ausmachen muß.

Alle jene in der Geschichte der Wesen bemerklichen Revolutionen sind also, wie der Ausdruck sagt, nur eine Umkehrung der Ordnung oder eine neue Erhebung dessen, was sich nicht mehr erheben sollte. Z. B. die bildenden Kräfte der Erde, wenn sie sich in einer folgenden Epoche von neuem über und gegen die Organisationen erheben, von denen sie nichts als die Grundlage ausmachen sollten: oder die tierischen Kräfte im Menschen, sie sie sich über den Geist erheben. 


Franz von Baader, in "Über den Begriff der Zeit"




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Freitag, 3. April 2015

Warum denn etwas schwer wird

Aus dem Imago, dem Bildnis Gottes heraus, in das Äußere hinein, ist der Weg alles Geschaffenen, in seinem Selbstsein, und am vollkommensten im Lebendigen, das sich in je höherer Weise bereits selbst erhält, bis es im Menschen aus der Freiheit (in Gott) heraus sich selbst erhält. Deshalb hat alles Dingliche, Geschaffene, die dem Wesen Gottes analoge (ähnliche) Tendenz, es selbst zu sein.

In diesem Selbstsein vertieft es sich zugleich wieder in sein Inneres, das in seinem Wirklichwerden äußerlich ist. Sodaß ein Ding dem anderen (im Maß seiner Vervollkommnung im Selbstsein) wiederum ein Gleichnis Gottes, des Ursprungs, des Seins selbst, mitteilt.

Das macht die Schwere der Dinge einerseits aus, anderseits ihre Anziehung. Denn alles trägt in sich die Polarität des Nichts, in das es in dem Moment fällt, in dem es es selbst wird, und ZUGLEICH und genau darin, im Selbstsein, sich in den Ausgleich des Getragenseins durch das "Hinaus" des Imago (Strebens) hebt.*

Denn so, wie die Luft auf alles drückt, was nicht mit ihr erfüllt ist, so wie das Wasser auf jene Dinge und Lebewesen drückt, die nicht mit ihm ganz erfüllt sind (weshalb auch im tiefsten Meer Lebewesen bestehen können), so drückt auch der Geist auf jene, die nicht von ihm - also von innen heraus - erfüllt sind.

Dem Gottfernen muß deshalb Gott, das Sein, Last sein, die ihn bedrückt. Und nur, weil und soweit er ist, wird er davon nicht erdrückt. Und so fällt jeder Mensch zu Staub, als er stets nur mangelhaft den Geist in sich leben läßt, und aus selbem Grund fällt er zu Tode.

Indem aber alles es selbst ist, soweit es aus sich herausstrebt (von innen heraus bewegt und geformt weil vom Ursprung her "informiert", mit dem er verwurzelt ist, sofern er sich dem nicht widersetzt), sich also auf etwas zu überschreitet, ist es dieser Tod der Ich-Verkrümmung (die sich selbst erhalten will), der es im gleichen Moment (ontologisch nachgereiht, aber nicht zeitlich) vom Ursprung her leben (weil durchpulst sein) läßt. Das uns durchpulst sein läßt aus der Liebe des Hervorgangs.**


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Eine sehr erhellende Analogie bildet Franz von Baader zwischen der Zeit und dem Raum: So wie bei allem, das vom Ursprung (als der alles umklammernden Ewigkeit) getrennt ist, im Nacheinander (des menschlichen Bewußtseins) auseinanderfällt, zur Schein-Zeit, so fallen im Raum die Dinge auseinander.***


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*Deshalb ist es nicht die Sonne, die "anzieht", sondern das Selbstsein der von ihr herausgeschleuderten Planeten, das sie vom Sonnenlicht erfüllt (innerlich ausgefüllt) sie selbst sein, und DESHALB nicht in die Sonne zurückstürzen läßt, schreibt Franz von Baader.

**Nicht also aus einer Mechanik heraus, die notwendig so verlaufen würde, sondern aus freiem ungeschuldeten Akt und Willen des Ursprungs - des Seins.

***Wie sehr deshalb die Idee des Internet, die mit der Idee der Überwindung von Zeit und Raum verbunden, von einem metaphysischen Konzept getragen ist, wird gleicherweise damit illustriert. Das Internet ist deshalb nur in einer Epoche möglich, in der eine Welt (als Gefüge der Dinge) aus dem Ursprung herausfällt, und "schwer geworden", inmitten der Bewegung ins Nichts, Bestand (in dder quasi "irdisch-schweren" Scheingeistigkeit der "Information", in der "Geist" in Daten auseinanderfällt) sucht.  




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Sonntag, 15. Februar 2015

Man denkt sich, weil man gedacht wurde

Wenn es Leute gibt, schreibt Franz von Baader einmal, die behaupten, sie wüßten vom Absoluten nichts, so ist die Frage, ob man ihnen trauen und glauben darf, sei es daß sie bewußt die Unwahrheit reden, sei es daß sie ihre eigenen Gedanken nicht verstehen, sei es daß sie bis zum Zustande der Verwilderung entartet sind. Denn die Grade der Klarheit des Beuwßtseins sind unendlich und es kann in einem Ich ein so geringer Grad vorhanden sein, daß der Gedanke des Unendlichen nur noch als dumpfe Ahnung vorhanden ist. 

In irgendeiner Form aber ist der Gedanke des Unendlichen im Ich immer vorhanden, und verschwände der letzte Rest  der Ahnung desselben, so müßte das Bewußtsein selbst verschwinden.

Denn das Ich kann sich seiner selbst nur bewußt werden, wenn es sich als begrenzt erfährt. Es kann sich aber nur als begrenzt erfahren, wenn es (in logischer Folge, in der die Weltdinge wie eine Rampe vorzustellen sind) zuvor das Unbegrenzte erfährt. So, wie es aber auch das Unbegrenzte nur weiß, weil es das Begrenzte weiß. Zeitlich gleichzeitig, logisch aber in Hierarchie, weil ein sich selbst erfassendes Ich nur in der Struktur eines überhaupt sich damit absoluten selbsterfassenden Ich möglich ist.

Deckungsgleich ist dieser Gedanke mit jenem, daß jemand, der Gott leugnet, erst recht sein Wissen um ihn zugibt. Denn es läßt sich nicht leugnen, was zuvor gewußt wird.  (Dem Agnostiker fehlt also "lediglich" der Wille, sein Denken in strenger Logik fortzuführen.)

Das Schwinden der Identitäten, das heute zweifellos zu beobachten ist (begleitet von einer Gegenbewegung: dem  willentlichen Konstruieren einer Identität), verläuft (auf einer anderen, bereits konkreteren, ausgefleischlichteren Ebene) in Korelation zum Ausdämmern des Bewußtseins des Unendlichen. 

Wo das Bewußtsein des Unendlichen aber wirklich schwinden sollte, löste sich auch das eigene Bewußtsein, das Selbst auf. Der Mensch fiele in den Irrsinn, er könnte sich nicht mehr festigen und würde zerfließen. 

Und er vermöchte es auch dort nicht mehr, wo er sich nicht im Glauben - dessen Wortdeckung mit "Ge-loben", sich also anverloben, sich zueignen, auf die Wurzel des Glaubens im Willen, also als Akt, hinweist - an das Unendliche, Gott, zu verankern vermag. Dieser Akt selbst allerdings ist nicht eigene Setzung! ("Gott gibt das Wollen und das Vollbringen") sondern ist nur dann möglich, wenn das Ich sich als gewollt begreift, der Willensakt also seiner Natur folgt. In der er das Einfügen in einen vorausliegenden Willensakt ist. So, wie ja das Befolgen eines Gesetzes (und darauf beruht jedes Erkennen der Welt) nur das Einfügen in ein vorausliegendes Sein (und Wesen) ist. Wo das Denken nicht gehorsam und welt-/dingkonform sein wollte, bliebe die Welt vollkommen unverständlich, und der Mensch könnte rein gar nichts mehr tun. 

Im selben Sinne ist auch das Sich-selbst-Denken, das Bewußtsein seiner, nur möglich, weil diesem Akt ein bereits Gedacht-werden (im Unendlichen) vorausliegt. Ohne den Gehorsam diesem göttlichen Denken gegenüber, wäre dieser Akt des Sich-selbst-Denken gar nicht möglich.

Im "cogito ergo sum" des Descartes weiß also zwar der Mensch von sich und seiner Existenz, aber er weiß von sich nur, weil er (in logischer, nicht zeitlicher Folge) bereits vom Unendlichen weiß. Und er weiß dies nur wenn er davon ausgeht, daß er geschaffen wurde, also ihm selbst vorausliegenden, zu erfüllenden Sinn hat. Und das ist nur möglich, wo es einem absoluten, unendlichen Sinn (=Vernunft) gleicht - also gott-ebenbildlich sein will. Damit wird es Analogie zu Gott, freilich aber nicht zu Gott selbst. Und er weiß auch um diese Differenz, sonst wüßte er nicht von sich. 

Wüßte somit der Mensch nicht um seine prinzipielle Vernünftigkeit (als Sinnhaftigkeit, das heißt als Ausgerichtetheit auf ein zu Erfüllendes, das FÜR IHN in der Welt ist, soll heißen: der Welt hinzuzufügen ist), könnte er auch die Welt nicht in Sinnverhältnissen stehend wissen, also denkend zur Vernunft ordnen, also erkennen. Sein Denken würde sich auflösen. (Wessen Ich sich also in obigem Sinn auflöst, kann auch nicht vernünftig denken - etwas, das bei Geisteskranken ja zu beobachten ist.)

Deshalb ist der allergewisseste Gedanke der Gedanke von Gott. In dem Sinn muß er gar nicht gefaßt werden, weil er der Denkbewegung ohnehin bereits vorausliegt. 

Von dem zwar (vom Menschen aus betrachtet) kein direkter Beweis zu führen ist. Denn wenn ein Gott ist (und wie gesagt, davon geht jeder Mensch und also DIE MENSCHHEIT, das Wesen des Menschseins immanent aus), dann übersteigt er selbst alles, was das nur geschöpflich denkbare Menschsein ist, unendlich. Weil aber alles nur auf eine Art gedacht werden kann, die seinem Wesen entspricht, müßte sohin der Mensch tatsächlich selbst Gott sein. Nur Gott kann sich selbst denken. Wohl aber kann er das "unter ihm" denken, also den Menschen. Wo dieser Gott direkt zu denken wähnt, steht er im Widersinn, und damit in einer Aporie. Schon der Begriff Gott ist ja das Denken von etwas, das des Menschen denken übersteigt. Sich für Gott zu halten ist deshalb nie mehr als ein Wahn, der auf einem Nicht-gewahr-Sein seiner selbst beruht.

Aber sehr wohl ist ein indirekte Beweisführung möglich, als ein "notwendiges Schließen auf". Oder, wie Viktor Frankl es einmal sagt: Durst ist der Beweis dafür, daß es Wasser gibt.  Selbst wenn es nicht da bzw. sichtbar da ist müßten wir deshalb davon ausgehen, daß es Wasser GIBT.

Auf diesem jedem Menschen gewissesten aller Gedanken ruht jede weitere Gewißheit, nur so kann er überhaupt leben, und sein Leben entfalten.* Dies alles nun betrachtend können wir nun verstehen wenn davon gesprochen wird, daß Gott selbst das Licht der Welt(erkenntnis) ist. So wie die Wahrheit dieses Licht in seiner Weltrealität ist, ohne das bzw. ohne die alles zerfallen würde. Alles was ist ist in sie eingebettet. Und im selben Maß ist das Licht das, in dem alles ist, und aus dem alles ist.²

Im selben Sinn ENTSPRINGT die Erkenntnis bzw. Gewißheit Gottes nicht aus der in sich verbleibenden Natur- oder Weltbetrachtung, also quasi "von unten heraus", sondern diese kann eine in jedem Menschen bereits vorhandene Gewißheit nur ERWECKEN, zum Gedanken anstoßen, und so zur Welt führen, ja in gewisser Weise "gebären" - in (weil aus) der Gestalt der Wahrheit.** Genau so, wie umgekehrt eine Lüge, ein Irrtum (der somit - fast - immer aus einer Unsittlichkeit stammt³), diese Gewißheit verdecken, verdrängen, und schließlich sogar final erwürgen. Und damit entweder zum Irrsinn führen, oder zur entselbsteten Scheme, zum Handschuh gewissermaßen, den ein anderer, fremder Wille ausfüllt und bewegt als wäre es ein für sich stehender, integerer Mensch.***



*Wird im weiteren, konkreteren Denken deshalb die Gewißheit von Gott aufgelöst, so muß nicht nur ein logischer Fehler vorliegen, sondern es lösen sich auch, je spezifischer die Gedanken werden progressiv mehr, alle weiteren Gewißheiten auf. Etwas, das sich im Relativismus bestens beobachten läßt.

²Man beachte dabei die Analogie, die die Quantenphysik kennt: alles ist im letzten ... Licht, heißt es da. Ein Gleichnis (bereits in Gestalthaftigkeit, wobei: aus Wirkungen erschlossen) für die geistige Wirklichkeit, die sich im Denken erschließen kann, weil das Denken selbst ja aus dieser Wirklichkeit stammt, wenn es denn Nach-Denken ist. "Denn im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort WAR Gott." (Beginn des Johannesevangeliums)

**Grundwirklichkeiten, denen der Rationalist durch (die Welterfahrung ausgrenzen sollende) Konstruktion eines Ich - und der Welt als Folge - zu entgehen sucht. Er ist also auf der Flucht zum einen vor sich selbst, zum anderen vor dem Unendlichen, um das er weiß, weshalb er ja darauf reagiert, und zugleich vor der Welt ALS Wirklichkeit, in der er zweifellos das ihm selbst Bewußte vorfände.

³Wir verweisen damit auf die Diskussion, ob es eine "in sich schlechte Tat" gibt, die auszuführen also immer Sünde ist. Von jenen, die dies bestreiten, wird meist angeführt, daß es den Irrtum gäbe, und daß somit der irrende Mensch gar nicht zu sündigen vermöge. Aber das übersieht diesen Zusammenhang, wie Josef Seifert in seiner Untersuchunt über "Die Wahrheit" auseinanderlegt: Weil der Irrtum eben immer (bis auf einige wenige Fälle eines "gewaltsam implementierten Irrtums", der aber im speziellen für die Leibessünden, um die es hier meist geht, nicht gelten kann, denn der Leib bleibt dem Menschen quasi immer) auf einer Unsittlichkeit, also auf einer vorauliegenden moralisch qualifizierten Entscheidung beruht. Wer "irrt" (sagen wir in Bezug auf Sexualität, auf den Ehebruch) hat sich bereits zuvor FÜR DIE ABWEICHUNG VOM WISSEN GOTTES (wie wir es hier auseinandergelegt haben) entschieden. 

***Hier ist die Rede von jener Erfülltheit mit dem Geist des Bösen, die in der Erfahrung zeigt, daß der "wirklich Böse" eiskalt, nüchtern und scheinbar emotions- und bewegungslos das Gute zerstört.



*150215*
Leicht überarbeitet *140322*

Sonntag, 18. Januar 2015

Durchklingen des Übergeordneten

Es ist ein schöner Vergleich, in dem Franz von Baader die Differenz zwischen menschlichem Denken (und Geist) und Gottes Denken (und Geist) darstellt. Er zieht das Verhältnis des Menschen zu einem Tier heran.

Denn das Tier - nehmen wir noch konkreter illustriert: einen Hund - wird vom  Menschen gedacht. Nur insofern kann es auch dieses menschliche Denken "denken". Und insofern kann es, im Gehorsam, das Denken seines Herrn "nachdenken", nach-darstellen. Das Untergeordnete ist also je im Übergeordneten gedacht bzw. erkannt.

Es kann sich aber nicht aus eigenem Ich heraus dazu verhalten, so wie es der Mensch kann.

Im Tier aber steht etwas anderes in einem Verhältnis zum rein menschlichen Denken: Das Von-Gott-Gedachtsein des Tieres* nämlich, das bei ihm bzw. seinem Verhalten ursprünglich differenzlos mit seiner Natur (im Instinkt) zusammenfällt. Fällt das menschliche Denken also nicht - im "Nach-"Denken - mit dem Gottes zusammen, gerät das Tier im Gehorsam in Widerspruch mit sich selbst, und fällt ins Nichts, in den Tod.

Das trifft natürlich auch auf den Menschen zu, wenn er nämlich nicht in der Wahrheit denkt. Welcher Wahrheitsbegriff sich auf dieses Gedacht-sein der Welt selbst bezieht, und es im Geist (spritus kommt von atmen) zur Gestalt macht und darin hält. 

Aber so wie ein Tier nunmehr seines Herren Geist präsentiert und daraus atmet und lebt, so lebt der Mensch, in der Wahrheit, aus dem Geist Gottes. Das liegt aber beim Menschen in seiner Leistung. Nicht, sich zu erhalten "aus sich selbst", sondern seine Erhaltung liegt an seiner eigenen (sittlichen) Leistung.

Doch das untergeordnete Geschöpft - das Tier - ist eben vom Herrn durchdrungen. NICHT der Herr vom Tier. Und so ist das Verhältnis des Menschen zu Gott. (Baader sagt das gegen Hegel und Spinoza.)

Man muß nun diesen Gedanken nur weiterführen, um auf das Wesen der Hierarchie, den Sinn von Autorität etc. zu stoßen, welch alles sich dadurch auf noch klarere Weise erschließt.

Zugleich kann das Tier den Menschen erst suchen, wenn es auch von seinem Geist durchdrungen ist, bzw. diesem folgt. Das läßt sich in jedem Umgang mit dem - bleiben wir beim Beispiel: - Hund erkennen. Der ausreißt, wenn er nicht dem Geist des Menschen, lediglich seinem In-sich-selbst-sein (Instinkt) folgt.

Denn der Geist kann nur suchen, was er bereits hat. Und in diesem Sinn kann der Mensch Gott erst suchen und finden, wenn er sich bereits aus dem Geist Gottes heraus, diesem nachfolgend, sich diesem fügend, sucht.

Weil aber nun alles Geschöpfliche nur erkennbar ist, weil es von Gott (dem Sein) zuvor gedacht wurde, kann der Mensch auch sich selbst nur erkennen, wenn er sich ... in Gott sucht. Bliebe er nämlich nur in sich, in abgeschlossener Welt sozusagen, so würde er sich nicht finden, sondern sein Erkennen fiele ins Nichts, sein (rein menschlicher Geist) würde nichts erkennen (bzw. könnte Erkenntnis bestenfalls - aus der Erinnerung an Erkenntnis - simulieren).

Weil sohin Gott nur in einem Aus-sich-Heraussteigen des Menschen (Ekstasis) direkt erkennbar wäre,  der Mensch aber nicht aus sich heraussteigen KANN (er bleibt zwangsläufig immer in sich), ist auch klar, daß diese Ekstasis nicht vom Menschen MACHBAR sein kann.

Alles andere Erkennen Gottes aber bleibt das indirekte Erkennen durch Rückfolgerung, weil alles Geschöpfliche die Signatur seines Hervorbringers trägt, von ihm erzählt. Und das ist (der Kreis schließt sich also) der, der alles gedacht hat, in dessen Denken alles ist - Gott.

Die Sprache ist keine Erfindung des Menschen! Nur ihre aktuelle Gestalt hat mit ihm (und seinem Geist bzw. Ungeist) zu tun.**




*Ohne ein Von-Gott-Gedachtsein gibt es überhaupt kein Erkennen. Das ist keine religiöse Aussage, sondern eine Folgerung der Philosophie.

**Weshalb auch jede Diskussion über Genderismus nicht in irgendwelchen Pragmatismen etc. ergehen kann, sondern nur über eine metaphysische Klärung überhaupt sinnvoll, weil von dort her vernünftig ist."Die Sprache", schreibt Wilhelm von Humboldt einmal, "entspringt aus einer Tiefe der Menschheit, welche überall verbietet, sie als ein eigentliches Werk und als eine Schöpfung der Völker zu betrachten." Denn in der Sprache kommt, folgt man dem oben Gesagten, gar nicht des Menschen Geist "zur Sprache" - der menschliche Einfluß ist lediglich im Bereich der Sittlichkeit von Bedeutung, die seine Sprache berührt.




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Sonntag, 21. Dezember 2014

Wo kein Glaube, da kein Wissen

Keineswegs ist Glauben und Wissen ein sich Widersprechendes. Vielmehr ist es untrennbar ineinander verschränkt. Es gibt kein Wissen ohne Glauben, so wie es aber auch kein Glauben ohne Wissen gibt. Franz von Baader vergleicht den Glauben mit der Motivation, die hinter jedem Willen steht. Und nur aus solchem Willen heraus wird auch Glaube und Geglaubtes real und zum Bestand des Verstandes (in der Vernunft).

Glauben ist aber nur als persönlicher Akt des Übernehmens (tradierens; Tradition) von Personen möglich. Als Haltung, als Motivans, das mit der Welt der Erscheinungen umgeht. Ein Sehen gibt es also nur im Lichte des jeweiligen Glaubens. Deshalb steht der Wissensstand einer Gesellschaft, die Wissenschaftlichkeit einer Kultur (treibt man es weiter), in direktem Zusammenhang mit dem, was eine Gesellschaft glaubt. Ein Irrtum im Glauben führt unweigerlich zu einem Irrtum im (quasi: natürlichen) Wissen.

Somit ist es selbst bereits ein Irrtum, ein falsches "Gewußtes", eine Vorentscheidung im Geglaubten, wenn man heute meint, es sei gleichgültig, welcher Religion sich ein Mensch befleißigt, denn das Einigende, das Gemeinsame, ließe sich dennoch über das Gewußte, über das Wissen finden, und so an der Welt in einem Sinn arbeiten. Selbst, wo das Gewußte nominell übereinstimmt, und das kann es dann nur in Einzelpunkten, wird es im Ganzen, in der Gesamtrichtung des Wirkens eines Menschen, in die Richtung der Religion geführt, und damit zu einem völlig anderen Ziel.*

Was Baader in dem äußerst luziden Satz zusammenfaßt: Wenn man ein Schwinden des Glaubens feststellt, so nicht, weil zu viel gewußt wird im Verhältnis zum Geglaubten, sondern IM GEGENTEIL: Wo der Glaube schwindet zeigt das an, daß ES MIT DEM WISSEN IM ARGEN LIEGT.

Das eine Kultur einende Band kann also auch nur EINE Religion sein. Nur so auch findet sich jene Basis, auf der Wissensinhalte (wie in der Wissenschaft) überhaupt "diskutiert" und weiter entwickelt werden können. Gleichzeitig kann es zu einer völligen Erblindung einer Kultur, eines Volkes (etc.), einer Subkultur/Gesellschaft in allen möglichen Formen, kommen. Genau so, wie es zu einer kulturellen Blüte kommen kann, wenn das Geglaubte wahr ist bzw. die Haltung der Menschen einer solchen Societät wahrhaftig ist.

Aber nun kommt es zum entscheidenden Punkt: Man glaubt nur demjenigen, VON DEM MAN SICH GEWUSZT weiß. Das macht alles Wissen (und Glauben) zu einer Teilhabe am Glauben und Wissen EINES ANDEREN**. Keineswegs bildet der Mensch also quasi autochthon seine Auffassungen und Überzeugungen, er führt sie höchstens weiter, im Sinne einer stabilitas, eines Selbststandes.*** Denn nur so kann sich Wissen und Glauben (in ihrer zusammenhängenden Natur) als wahr erweisen, und fließt mit der Selbsterfahrung der Wirklichkeit zusammen. Ein langer, lebenslanger Prozeß, im übrigen. Auch Glauben und Wissen sind deshalb fragile Gebilde, die sich nur im Fortlauf der Zeit (dem Hintereinander der Erscheinungen der Welt und Wirklichkeit) allmählich fester und fester bilden. (Hier zeigt sich somit auch der Zusammenhang von Glaube, Wissen und - Bildung, letzterer wirklich als Persönlichkeitsprozeß.)

Hier schließen sich weite Kreise - hin zur Bedeutung des Namens, im wahrsten Sinn. Ja, der Stand des Wissens einer Gesellschaft läßt sich am direktesten an der Rolle ablesen, den die "Ehre" in ihr spielt. Wissens- und Glaubenskreise schließen sich nur in Kreisen dieser Glaubwürdigkeit, nur dort, wo an der Spitze der Glaubwürdigkeit Personen stehen, VON DENEN MAN SICH GEWUSZT WEISZ.



*Man übersieht heute gerne, daß der Begriff der Wissenschaft, wie er immer noch weithin anerkannt wird, wenn er auch schon schwer kränkelt, in einem genuin christlich-katholischen Wahrhaftigkeitsbegriff gründet, der sowohl von einer objektiv vorauseilenden Wirklichkeit ausgeht, an dem man anderseits nur durch Teilhabe teilhaftig wird - durch Gleichförmigkeit des Denkens mit einer objektiven Welt, die aber nur ausschnitthaft offenbar wird, aber auch durch Übernahme von Begrifflichkeit. Interessanterweise steckt gerade darin auch die (aus der Angst vor der sich auftuenden Unsicherheit geborene) heute zu beobachtende Verabsolutierung und Dogmatisierung der Wissenschaft, der genau deshalb auch größter Irrationalismus und Ideologismus gegenübersteht. Nicht alles, was "Wissenschaftler" tun, ist dabei Wissenschaft, aber nur wenn ein Wissenschaftler Wissenschaft in diesem Sinne treibt, ist er Wissenschaftler. Nur eine Welt aber, die GEDACHT ist, ist auch den Menschen - in dem Akt der Teilhabe - denkbar. (Weshalb Gehorsam - "hören" - der Grund allen wahren Denkens ist.) führt man diese Gedanken konsequent und logisch weiter, so steht und fällt die Wissenschaft mit dem Begreifen der Welt als Schöpfung. Anders wird sie zur phantastischen Mythologie, die jedes (auch: logische) Denken mit der Zeit auflöst.



**Hier übrigens liegt die Abzweigung zu dem fatal irrtümlichen Rückschluß, daß alles, was der Mensch denke, deshalb auch Gedanke Gottes sein müsse. Es ist jener, ja ganz genau jener Fehlschluß, der die gesamte Entwicklung des Denkens und Sehens des Abendlandes seit der Renaissance, über manche explizite Eckpunkte wie Luther - Descartes - Hegel, in jene Sackgasse geführt hat, in der wir heute in so hohem Maße stecken. 

***In allen sonstigen Verschränktheiten, drückt sich diese innere Logik, ja Gesetzmäßigkeit des Wissens als Teilhabe in der Diebstahlsmentalität im Internet ganz deutlich aus: Man plündert regelrecht, um sich zusammenzusetzen, was als dichtes Bild einer Weltanschauung dienen soll. Wo kein Glaube, wo keine Wahrheit als Person, da eben Denkschwäche.




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Non progressio est degressio

Wo es zur Revolution (in der Religion) kommt, schreibt Franz von Baader, zeigt dies unzweifelhaft an, daß aus den Kreisen der Orthodoxie heraus gegen das einzige wahre Element der Entwicklung verstoßen wurde: Auf die Zeit zu hören, zu reagieren, indem auf deren Veränderung ("non progressio est degressio") nicht durch entsprechenden Widerstand, durch entsprechende Leitung und Lenkung reagiert wurde. 

Jedes Dogma ist ja nur die Darstellung eines Prinzips, und nur innerhalb dieses Prinzips wahr. Und das gewährleistet wie verlangt die ständige Evolution in die Geschichte hinein. Was sich natürlich niemals gegen das Prinzip wenden kann.

Deshalb ist es Unsinn zu meinen, Dogmen könnten veralten, oder die Kirche könnte irgendwann nicht mehr zeitgemäß sein. Ein Prinzip der Wahrheit kann niemals veralten. Es kann nur darunter leiden, daß es in der Darstellung nicht mehr ausreichend zum Ausdruck kommt bzw. auch im Denken, im Wort vermittelt wird.

Wo sich eine Zeit gegen ein Dogma der Kirche - was für jede Revolution gilt - auflehnt zeigt sie an, daß sie ein gestörtes Verhältnis zum Wissen - nämlich ein Nicht-Wissen - in allen Ebenen der möglichen menschlichen Erkenntnis hat.




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Sonntag, 19. Oktober 2014

Logik als Deckung mit der Hervorbringung

Es gibt in der Kunst den Grundsatz, der zugleich Erfahrungssatz ist, daß sich kein Werk beurteilen läßt, dessen Hervorbringung der Betrachter nicht nachvollziehen kann, also kennt. Unabhängig von seinen sonstigen Wirkungen auf einen allfälligen Betrachter. 

Bei Franz von Baader liest sich dies analog zum Erkennen überhaupt. Reales ist nur dann erkennbar, wenn der Erkennende es ideal formieren kann. Weil aber Logik nicht die Lehre von Formen, sondern von der Formierung eines Dings durch den Geist des Logos - der als Formator dient - bedeutet, so ist die Logik eine Formationslehre, und damit Denk- und Sprechlehre. Denn Denken heißt "leise sprechen", so wie sprechen "laut denken'" heißt. Sie ist Vermittlungslehre des ungeschiedenen Inhalts mit dem bereits unterschiedenen und formierten.

Wir können aber überhaupt nur von einem möglichen gedanklichen Erkennen der Welt ausgehen, wenn wir davon ausgehen, daß derselbe Geist des Logos, daß derselbe Formationsprozeß der unsere Gedanken (Sprache) formiert, auch die Dinge als Erkenntnisobjekte hervorgebracht hat.

Logik geht also nach Sinn. Und damit nach dem Wesen des zu Erkennenden, denn dieses enthält den Sinn. Zugleich ist das Wesen das, was ein Ding als Ding begrenzt, es damit in gewisser Weise zum Ding "macht".

Alle Seienden (alle "Dinge", alle "Etwasse") sind also eine Synthese des Alles/Einen mit einer Materia, die erst durch die Form zum Einzelnen (bzw. zum "Vielen"), zum "Ding" (...) wird. Aber das Einzelne ist damit nicht "Alles", sondern es weist nur auf dieses hin. Zugleich ist ein Zerlegen dieses Einzelnen keine Aussage über das Ganze dieses Teils. Es ist selbst ein ganzes "Partiiertes", eher wie ein Organ im Körper vorstellbar, in den Grenzen seines Wesens, und doch auf alles hinweisend. Die Form vermittelt also das Viele mit dem Einen, ist aber nicht dieses Eine in toto, weshalb sie als "Idee" vielleicht besser vorstellbar ist. Form und Materia sind also zwar logisch hierarchisch, Form geht auch der materia voraus, zeitlich sind sie aber simultan. Und sie brauchen eines: einen Akt, der diese Synthese hervorbringt, selbst aber nicht mit ihnen identisch ist.*

Das logische Tun, so Baader, ist also kein leeres formales Tun, sondern es ist das Zentrale und Kreative selbst, und das Nachsprechen ist ein Nachtun. Wahres zu sagen ist also nur möglich, wenn der Sprechende auch im Gestus des Geistes Gottes spricht, also IM Geist Gottes spricht. Denn dieser Geist entzieht sich menschlicher Machbarkeit.

Nur Form aber kann das Viele der Materie zum synthetischen Einen - der realen Gestalt - machen. Logik ist also in ihrer Zielrichtung auf den Logos hingerichtet, dem Einen, in dem alles ist - Gott. Ohne das Einende des Logos aber ist kein Vieles (Materielles) ein Eines (in einer Gestalt als Synthese von Form und Inhalt), und damit - überhaupt. Denn ein Materielles ohne Form gibt es nicht. Logik (Form) hinwiederum ist nur als synthetisierender Akt denkbar. Nur im Nachgehen dieser Akthaftigkeit ist damit Logik überhaupt möglich.

Soll Logik mehr sein als leere Formel, setzt logisches Denken (und Sprechen) entsprechend formierte Sittlichkeit voraus. Weil sie den unbedingten Willen zur (absoluten) Wahrheit voraussetzt, und dieser Wille ist wiederum nur dort gegeben, wo auch der Wille dieser Wahrheit gehorsam zu sein gegeben ist. Während die Angst, diese Wahrheit könnte Konsequenzen haben, die man nicht zu ziehen bereit ist, dieselbe Wahrheit zu verhindern trachtet. Und sei es unbewußt.

Die Logik eines Menschen leidet also exakt dort Not, wo seine Sittlichkeit notleidet, denn Sittlichkeit bedeutet den Willen zum wahren Tun. Und im selben Maß leidet deshalb eines Menschen Schaffenskraft bzw. sein Werk.

Was den Gedanken nahelegt bzw. belegt, daß die Entwicklung der Philosophie (bzw. Metaphysik) mit der sittlichen Gestalt der Denkenden, und damit "allgemeine Auffassung" mit der Gestalt und Kraft einer Kultur direkt zusammenhängt. Man kann an dem, was eine Philosophie einer Zeit zu synthetisieren sucht, in den Logos zurückzuführen sucht, also direkt oder indirekt den sittlichen Gestus einer Zeit erkennen. Was sich in der Philosophiegeschichte hinlänglich belegen läßt.

Während der Versuch, diese Zusammenhänge zu verschleiern oder "formal-logisch" zu zerreißen, durchaus als Versuch gewertet werden muß, von der eigenen Sittlichkeit abzulenken und sich zu rechtfertigen. Es ist der Versuch, sich mit Gebüsch zu tarnen. Wie Doderer es einmal formulierte: So vieler Menschen Reden und Tun ist wie das Erzeugen von Pulverrauch, der verhindern soll daß man sieht, aus welcher Richtung das Geschoß kommt.




*Jede Metaphysik greift zu kurz, die diesen Akt-Charakter des Seins nicht in seiner (ungeschuldeten) Notwendigkeit sieht.




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Montag, 1. September 2014

Es gibt kein Denken

Jedes Denken, schreibt Husserl einmal, ist kein "Denken", sondern es ist immer ein "von/an etwas Denken". Es läßt sich aber nicht loslösen von einem zuvorgehenden Prozeß, der das eigentliche Wesen des "Denkens" ausmacht - nonverbal, symbolisch, und intersubjektiv: immer einem Du gegenüber.  Aus der Symbolisierung in Sprache ergeben sich die intentionalen ("funktionalen") Schichten des Sprechens.

Wann immer wir von einem Denkvorgang sprechen, von einem Nachdenken, sind jene Prozesse gemeint, die aus den Ereignissen und Zustoßungen, in Verbindung mit Haltungen, Sinn abstrahieren, Gefühle etc. ordnen und in ihrer Bedeutung abstimmen. 

Ein Denken im Sinne des Rationalismus, der aus den sprachlichen Denkbewegungen alleine Welt rekonstruieren möchte, ja meint, daß diese "Denkbewegungen" selbst Welt abbildeten, man müsse sie nur von Welt lösen, gibt es also gar nicht. Selbst die sprachliche Logik bezieht sich auf ein vorausgehendes Sinnahnen und -bestimmen. Welch letzteres bereits aus einer Selbstsetzung des Menschen herstammt, in dem er Sinn ergreift und sich so zur Basis seines Selbstseins macht.

Dieser Sinnsetzungsvorgang ist aber keineswegs willkürlich, auch das ist ein Mythos, und ein Irrtum noch dazu. Denn zwar kann der Mensch Akte setzen, die positivistisch und willkürlich gesetzt aussehen, aber hinter ihnen verbergen sich weit andere Vorgänge. Vielmehr sind diese Selbstfundierungsakte posthoc gesetzt. Denn der eigentliche Akt geht aus dem Gehorsam einer Autorität gegenüber hervor, der vertrauend geglaubt wird. 

Ohne die Autorität einer vorausgehenden Wahrheit gibt es auch keine Vernunft (die sich des Denkens bedient bzw. dadurch äußert). Jeder Akt der Vernunft bewegt sich aber immer innerhalb eines absoluten Wahrheitsrahmens (siehe die Untersuchungen von Y Gasset). Auch und gerade dort, wo das Gegenteil behauptet wird - mit einer Aussage, die für sich Wahrheit beansprucht und schon durch ihre Aussage selbst (etwa wie: "Die Wirklichkeit ist nicht erkennbar") zu erkennen gibt, daß der Aussagende auf eine vorausgehende Wirklichkeit Bezug nimmt, sonst könnte er über ihre Eigenschaft gar nichts sagen. (Sodaß eine Aussage wie jene einen Selbstwiderspruch in sich darstellt.) Diese Wirklichkeit (als das, was wirklich wirkt) geht uns voraus, und sie verlangt Gehorsam, weil der Mensch unmittelbar erlebt, daß sich nicht die Wirklichkeit nach ihm richtet, sondern er mit ihr zu kommunizieren hat, sie ihm despotisch vorausgeht.

Nur auf diesen Bezug einer unmittelbaren Wirklichkeitsbegegnung hin - und damit konkret: auf Autorität - kann überhaupt von Vernunft gesprochen werden, schreibt Franz von Baader einmal. Und dieses "in der Wirklichkeit stehen" ist das erste Begegnungselement des Menschen. Denn Vernunft ist der Bezug auf eine solche Autorität hin, die auch zuweilen Treue und Behauptung gegen Widerstände verlangt. Sie kann als Mensch nur einer Person gegenüber entstehen, und das sind in der Regel die ersten Bezugspersonen, also die Eltern.* Auch wenn ihre ontologische Dimension als logisch erstes eine Begegnung dem Sein selbst gegenüber darstellt. 

Aus dieser autoritativen Begegnung heraus erwächst - mit dieser als erste Grundlage - jener Persönlichkeitsgrund, auch im Wort (Sprache, Begriffe als zuerst "Übernommenes") der zur Haltung gegenüber der Welt befähigt.



*Werden dem Kind die Eltern genommen, oder wird es ihrem Einfluß entzogen, so ist die Frage nicht, ob sie nun ohne Autorität aufwachsen, sondern sie begegnen sofort und unmittelbar nächsten Autoritäten - der Antiautoritarismus der Gegenwart ist also nicht "autoritätslos", sondern ersetzt die verantwortliche Autorität der Eltern durch eine andere.




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Samstag, 16. August 2014

Totalerblindung (2)

Teil 2) Man kann sich seine Religion gar nicht aussuchen




Das hat natürlich weitreichende Implikationen. Wenn nämlich in einer Kultur die Selbstautonomie als Grundgefühl vorherrscht, als Ethos gewissermaßen, beginnt diese Kultur ohne jeden Zweifel an sich selbst auszutrocknen. Ihre Basis wird immer schmäler, ihre Erkenntnis immer dürftiger, bestenfalls in sich noch ausgefeilter und rational wortreicher (weil eigentlich: verzweifelter). Diese Stimmung aber entsteht nicht durch Gedankenarbeit, durch (s.o.) formalistisches Herumgedrechsele am Wortsalat, sondern sie entsteht durch die reale Lebensweise. Stimmen die Hierarchien nicht mehr, weil sie von ihrem herkommen abgeschnitten wurden (das heißt nichts simpler als: Anti-Traditionslismus), so sind damit die Erkenntnisgrundlagen einer Gesellschaft ruiniert. (Hierarchien haben und implementieren selbstverständlich auch die Anti-Hierarchischen, revolutionären Strömungen, es ist ja lediglich der Wahnsinn ihrer Methode, das zu verschleiern: Aus dem Bild der Hierarchie, das also eine aufgeklärte Gesellschaft wie die unsere darstellt, läßt sich das Erkenntnisprinzip ablesen - simpel: der Gott, in dem alles gründet.)

Hier greifen fatale Mechanismen, die nicht auf den Einzelnen beschränkt bleiben können. Wenn sich im Handeln der Menschen zeigt, daß sie aus sich heraus nicht höherkommen, und das heißt: real, konkret, durch ihre reale sittliche Verfaßtheit, die für jede Moral ja erst die Basis bildet, dann beginnt sie ohne jeden Zweifel das Höhere zu hassen. Die Wahrheit, die real ist, wird zum Feind - zum Feind wird die wirkliche Wirklichkeit der Dinge. Selbsteinschätzung wird damit unmöglich, und damit Einschätzung des Begegnenden. 

Denn dem Begegnenden wird nicht getraut, es enthält keine Botschaft mehr, oder man wählt es ersatzweise (weil dem menschlichen Wesen ja notwendig, als Grundstruktur gewissermaßen), mit allen Folgen, bis zur Hörigkeit, bis zum Fanatismus, der ja ein Fetischismus ist. Eine Kultur, ein Volk wird damit als Ganzes blind. Über die Lebensweise, die sie über jeden verhängt, und der sich gar niemand wirklich entziehen kann.

Zugleich müßte nun klar sein, daß auch dasjenige, AN DEM jemand teilhaben will, nicht aus seinem eigenen Urteil erwachsen KANN. Er ist gar nicht fähig, es zu beurteilen, weil zu erkennen. Von Religion kann man deshalb überhaupt nur dann sprechen, wenn es sich um eine Überlieferung handelt. Sie braucht konkrete Personen, die die Offenbarung Gottes weitergeben. Man KANN also gar nicht "seine Religion" wählen.

(Jedes Konvertitentum zeigt ja dieselben Krankheiten der Pseudologie, oder ist überhaupt eine solche, wenn es im "Konfessionellen", also bei der "Überzeugung" bleibt. Sodaß die heutige Religionslosigkeit zwangsläufig Religion gar nicht mehr anders fassen kann denn als "Überzeugung", die sie aber gar nie ist.)

Hinter solchen Aussagen, die heute also nicht zufällig so verbreitet sind - Auswuchs bereits der Verzerrtheit, ja der Wahnverfallenheit des heutigen Menschen - verbirgt sich etwas ganz anders. Man kann nur folgerungsweise auf die Plausibilität gewisser Aussagen vertrauen, und sich daraufhin entschließen, AN DIESER (oder jener) Offenbarung teilhaben zu wollen. 

Und genauso wenig kann man DIREKT, ohne menschliche Vermittlung also, an Gott teilhaben, quasi als autonomistische Direktreligion, als Privatmystik, um die man sich nur zu mühen bräuchte, die quasi außergeistig in bloßen physischen Methodiken oder Vorgehen äußern könnte. Ja, selbst wenn dem so wäre, so wäre es wertlos, weil der Mensch in der Verfaßtheit als geistseelisch-physisches Wesen, er selbst nur über die Vernunft ist. 

Dieser quasi "höchstpersönliche spezielle Draht" zu Gott würde nämlich voraussetzen, daß man selbst bereits Gott (zumindest aber heilig) ist, und das hat einen bereits aufgelösten Gottesbegriff (und eine absurde, jedes Kabarett unendlich übertreffende Selbsttäuschung und Blindheit den eignen Zustand betreffend) zur Voraussetzung, und damit Nihilismus. Nicht mehr und nicht weniger ist aber der Wahn, in dem heute so viele Menschen befangen sind. Den sie nicht zufällig so wortreich und nicht selten durch viel Religionsgequatsche, immer aber gestützt durch formalistischen Mißbrauch formal (teil-)wahrer Aussagen zu verschleiern suchen. Denn die Wahrheit ist eben kein formales Rechenexempel "logischer Aussagen". Sie ist lebendig (und erst darin überhaupt möglich vernünftig) und lebt in personalem Dialog, oder sie ist einfach Dummheit, die folgenotwendig zur Bosheit wird bzw. sich daraus nährt.




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Freitag, 15. August 2014

Totalerblindung (1)

Niemand wird ernsthaft bestreiten, daß das Heranwachsen eines Menschen in der Geschichte mit einem Heranwachsen seines Erkennens direkt zusammenhängt. Das heißt, daß dem Menschen notwendig immer Neues begegnet, sonst wächst er nicht in der Erkenntnis. Denn das Durchdringen der Welt zur Gewinnung von Kriterien ihres Handelns hängt mit der Zeit zusammen - nur im Nacheinander läßt sich die Eigenschaft eines Etwas, eines Objekts, ablösen.

Also ist die Grundhaltung des Erkennens die Haltung, die dem Neuen als "Oberen" begegnet. Und das heißt, daß nur die Ehrfurcht dem Oberen gegenüber an diesem Neuen, Übersteigenden teilhaben läßt. Denn nur durch Teilhabe ist es möglich, an dem Oberen insofern teilzunehmen, als es den eigenen Erkenntnisstand erweitert.

Teilhabe aber heißt, daß ich einer Wesenseigenschaft teilhaftig bin, die zu beurteilen ... ich NICHT vermag. Deshalb ist Vertrauen, deshalb ist Glaube (als "GELOBEN", von dort stammt es ja) die Grundvoraussetzung für Wachstum in der Erkenntnis.

Soferne diese Erkenntnis lebendig sein soll. Denn es gibt ein Erkennen, das im bloßen Formalen steckenbleibt und tot ist: In der Übernahme von Formalismen, in der Übernahme von auch logischem Vorgehen, das immer am Stande des Jetzt freilich stehenbleibt. Das nur der Glaube zur Wesentlichkeit im Wortsinn überschreiten könnte.

Aus dieser Verknüpfung wird klar, daß Erkennen zuerst im Glauben ankert, und dort als "jemandem glauben" bestimmt ist, weil es das Vertrauen braucht. Ein rein formales, quasi "intellektives" Erkennen bleibt tot, kann bestenfalls ein Ausscheiden von bereits Vernommenem sein.

Denn damit ist auch klar, daß es ohne eine Offenbarung des Höheren gar kein Wachstum gibt. Weder im Leben, noch im Erkennen der Vernunft. Aus sich selbst heraus vermag der Mensch nicht weiterzugehen. Daß es scheinbar doch jeder Mensch tut, auch in Zeiten des Autonomismus wie heute, hat lediglich mit der für jeden Menschen unvermeidlichen Gegebenheit zu tun, daß jeder einmal Kind war. Und dort, dort nimmt jeder Mensch ständig - im Glauben, im Vertrauen - am Höheren teil.

So begründet sich auch, daß jede Religion, egal welche, an einem "Jemandem glauben" hängt. Nur wenn man glaubt, daß über die Teilhabe an diesem Menschen, der etwas offenbart, das Höhere habbar wird, durch Teilhabe, kann man ja überhaupt von Religion sprechen. Die Frage für den Menschen ist also in jedem Fall nicht, OB jemand glaubt, sondern WEM er glaubt. Denn sie gründet immer in einer Frage nach einem Menschen, einer Person, der man glauben kann.

Damit ist auch klar, daß die Gretchenfrage des Christentums in der Person Jesu Christi liegt. Denn das Glauben an eine Person äfft auch jede Sekte, jedes Sektierertum nach. (Oder man denke an diverseste esoterische Methodiken und Heilslehren, wie etwa Reiki, die diese Personenanbindung sogar zentral stehen haben, und die Zentraltätigkeit der daran teilhabenden Personen dezitiert als "Medialisierung" gesehen wird.)

Aber nicht einfach an einem quasi "spirituellen" Christus, sondern dieser Christus muß real gegenwärtig sein. Nur so ist Heil überhaupt denkbar.

Das des Erfassens der Bedürftigkeit bedarf.

Wenn - wie heute sogar zum Erziehungsziel erklärt wird! - der Mensch nur in sich verankert sein soll, dann freilich setzt das (und auf die Ausrede, daß es gedanklich nicht so formuliert sei, pfeifen wir, denn das Denkgeräusch der heutigen Menschen ist meist die Luft nicht wert, die es trägt) auch voraus, daß er sich selbst zum Gott macht. Denn anders würde sich jeder Begriff von Gott auflösen, sinnlos werden. 

Erst wenn der Mensch sich seiner Bedürftigkeit bewußt wird, erst wenn er diese mit seinem Gemüt (!) erfaßt hat (und nicht nur "denkt"), als wirkliche Hinneigung zum Höheren, erst dann vermag er also in seiner Erkenntnis wirklich zu wachsen, weil sich damit auch seine Basis vergrößert, um es mit diesen banalen Begriffen vielleicht begreiflicher zu machen. Aber vor allem: Von  Religion läßt sich überhaupt nicht sprechen, wenn der Mensch nicht mit dem realen und freien Eingreifen (eines) Gottes rechnet - wirklich ist nur, was wirkt! Ein Gott der nicht wirkt, ist nicht wirklich, sondern bleibt ein Hirngespinst. Religion ist wesentlich Gnadenvermittlung, Heilsanstalt. Es gibt also keine individuelle Höherentwicklung - ohne Religion, und ohne geschenkhafte Gnade. (Es gibt nur eine höhere Stufe rationalistischer Verworrenheit.)

Der Unterschied zwischen dem Katholizismus und den anderen Religionen ist nicht dieses Prinzip, sondern ... die Realität. Nur der Katholizismus (den es ohne Kirche nicht gibt) muß (ja: darf das gar nicht, genau das ist ja sein Prinzip!) nicht die Wirklichkeit ausblenden, um "wirksam" zu sein, nur er sucht direkt die Wirklichkeit. In ausnahmslos JEDER anderen Religion, so sehr sie hier und dort und oft sogar viele Teilwahrheiten haben mögen, sind aber solche Wirklichkeitsausschließungen, Autonomismen und Selbstevokationen notwendig und tätig.

Und genau diese oft groteske Verfallenheit einzelner Kirchenglieder ist regelrecht wesensnotwendig - denn nur so ist klar, daß es Gott ist, der wirkt, der sich über die Sakramente sogar garantiert. Der fünftägige Achselhöhlenschweiß des Pfäffleins, oder die eitle Vertrotteltheit eines Mönchs ist genau der Verweis darauf. Denn darauf kommt es nicht an, ja im Gegenteil, die oft so verquälte Schiefgestalt der realen Kirche ist der Schlüssel zum Heilsgeheimnis selbst, in dem Gott in jede Zeit real und historisch spricht - und bei Verfallenheit der Kirche umso mehr die einzig mögliche Pforte zum Heil verlangt: Das Kreuz. Das auch und immer real ist, und genau deshalb umso mehr Frucht bringen kann, wenn es die Prüfung in Treue und Glauben - als Verdienstlichkeit! - so anspannt wie heute oft. Daß gerade heute, wo alles von der Welt Perfektion verlangt, sich alles auch politische Streben danach richtet, der Verfaßtheit der Menschen gemäß, die Welt immer perfekter zu machen, sich die Kirche dieser Perfektion so entzieht und den Menschen fordert indem sie ihn in seinem Autonomiestreben beim Wort nimmt, ihn gerade dadurch auf seine weltimmanente Impotenz verweist ... das zu deuten ist nicht mehr schwer. 

Wer sich im Dschungel verirrt hat, muß durch den Dschungel wieder hinaus, auch wenn es noch so mühsam ist. Es gibt keinen anderen Weg. Der Charakter der Gegenwart - träge bis ins Mark, ohnmächtig angesichts der eigenen Schwächen, der Kräfte deren man nicht Herr wird - ist freilich, sich aus diesem Dschungel wegzaubern, wegdenken oder durch Selbstmanipulation wegträumen und wegenthusiasmieren zu wollen.



Morgen Teil 2) Man kann sich seine Religion gar nicht aussuchen




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Samstag, 2. August 2014

Vom Gewußten, das gar keines ist

Wenn nun also klar ist, daß alles Gewußte im Geglaubten fundiert - selbst das Gewisse, das das Gewußte konstituiert, ist ja ein als wahr Geglaubtes: eine Wahrheit wird nur geglaubt, nie "errechnet" - so ist auch klar, daß die Haltung dem Sein selbst gegenüber, Gott gegenüber, die Struktur auch des sogenannten "irdischen Gewußten" bestimmt. Deshalb gibt es auch etwas wie einen Gesamtstand einer Kultur in ihrer Fähigkeit, überhaupt zu "wissen". So, wie es eine Befähigung einer Religion gibt, Wissen(schaft) zu generieren.

Spätestens hier ist es an der Zeit daran zu erinnern, daß der Glaube, Wissenschaft ließe sich vom Glauben, von der Religion trennen, noch sehr jung ist. Selbst im 19. Jhd. bestand noch gewisse Scheu, auch wenn sich dieses Denken bereits Bahn gebrochen hatte. Aber es ist ein fataler Irrtum: es gibt überhaupt, betrachtet man es genauer, kein "rein irdisches Wissen", so wie es keine "rein irdische Logik" gibt. Wo immer davon gesprochen wrid, sind es lediglich Hilfsbegriffe, die notdürfig abzugrenzen versuchen, und dabei nur eine Tendenz bezeichnen. Denn es gibt ja nur zwei Richtungen - zu Gott, oder von ihm weg.

Um die nötige Richtung des Verstehens anzudeuten (aber um Gottes willen: nicht sie erschöpfend zu "erklären") kann gesagt werden, daß der eigentliche Akt des Wissens der eines Festhaltens an der Wahrheit einem Geglaubten ist. Während das Geglaubte aus dem Geist der Wirklichkeitsbewegung selbst, in der er weht, entsteht, dessen Art sich an der Sittlichkeit scheidet, die der Atmende hat, und in der Reaktion auf die Welt zur Wahrheit (oder zum Irrtum) nicht zuletzt kraft der Phantasie aus vom Geist Geoffenbartem*, Aufgegriffenem gestaltet. Um es in der Sprache zurückzuhauchen.²

Wenn sich die Wissenschaft in Europa seit der Renaissance in diesem einen Irrweg verfing, so konnte sie das groteskerweise nur auf der Basis der bisherigen Geschichte: sie hat sich an der christlichen Wahrheit so berauscht, daß sie meinte auf sie verzichten zu können. Möglich geworden, weil das Grundbewußtsein, der Zustand der Kultur, ihre Weltdurchdringungsfähigkeit zutiefst von der Wahrheit geprägt war. Mit der fatalen Folge, daß das Werk dieser (noch ganzheitlichen) Kulturhaltung dann zum Fetisch selbst wurde: Aus der technischen Mächtigkeit erwuchs der (im Sittlichen entstandene - die Renaissance zeigt einen Wandel der sittlichen Haltung an -) Glaube an eine technische Konstituiertheit der Welt, die durchaus ohne Gott zu denken wäre. Und verwechselte das Beschreibende von "Gesetzen", die als Tätigkeitsausfluß des Seins selbst verstanden wurden, als Analogien zu Gott also (insofern kann natürliches Wissen in einer Linie mit Erkenntnis Gottes gesehen werden) - mit dem Ursprung.

Wissenschaft blieb nur insofern und dort noch produktiv, als sie sich immer wieder der Strenge der ihr zugrundeligenden Gesetze bewußt wurde, auch wenn ihr Erhellungsvermögen zwangsläufig damit immer beschränkter wird. Wo sie diese Frage aber zugunsten der Weltimmanenz zu lösen versucht und gelöst zu wissen vermeint, löst sie sich zwangsläufig zum bloßen Gerede, das höchstens noch logizistisch (weil in gewisser ahnender Scheu) Schlußelemente verwendet, auf. Wissenschaft "weiß" dann immer mehr - von immer weniger.

Denken wird selbst beim Studium der Geschichte zum Heraussuchen von gerade passenden Elementen, die nur noch äquivok, zum wesenlosen Sprechgleichklang entblättert, verwendet werden, "gleiches Denken" zur Anpassung von "Meinungen". Schon deshalb, weil auch das Geglaubte, das wie gesagt erst das Gewußte konstituiert, nicht machbar ist, und doch in der Sittlichkeit des Menschen gründet, ja, eben genau in der Sittlichkeit gründet. Die im Denken also offenbar wird! Das heutige Denken und Weltanschauen ist alsohäufig nur noch direkt dem Feigenblatt zu vergleichen, das sich Adam und Eva umbanden, weil sie sich in ihrer Sünde zu verbergen suchten.

(Es gründet eben wirklich alles - auch alles was eine Kultur zu leisten vermag - in der Möglichkeit zur Schuldvergebung, die nur von außen, vom Sein her möglich ist, und der realen, fleischlichen Erlösung von der Sünde, also in der sakramentalen Gnade. Hier möge man doch genau jede, wirklich jede Religion der Menschheit betrachten, und die Rolle, die die Reinigung in ihr spielt.)

Das was also in der Wissenschaft passiert ist und heute in Selbstfortzeugung immer ungezügelter passiert ist mit Recht als Revolution zu bezeichnen, die Franz von Baader so definiert, daß sie eine Bewegung ist, die sich von ihren eigenen Quellen abschließt, ihren eigenen Fundierungen entgegensteht, und deshalb zwangsläufig im Chaos endet, weil den Ast absägt, auf dem selbst sie (noch) sitzt.  (Man muß deshalb sehr genau beachten, was an dem, was heute so rasch "Revolution" genannt wird, nicht bereits auf einem revolutionären Zustand reagiert, also im eigentlichsten Sinn gar keine Revolution ist, sondern damit Reform genannt werden müßte. Die ja die Neuerschließung der Quellen beabsichtigt. Umgekehrt ist manche Reform kein solche, sondern Revolution - solchen Bestrebungen gehen deshalb auch Neudefinitionen des Ursprünglichen einher, und dort steckt dann die Revolution.)

Deshalb kann auch eine gesamte Wissenschaft irren, auf Holzwege gehen, die sie ins fruchtlose Niemandsland führt. Und das Verwunderlichste ist manchmal zu beobachten, daß diese Möglichkeit für die (jeweilige) Gegenwart als so unmöglich gesehen wird - während die Geschichte der letzten Jahrhunderte das Gegenteil doch nahelegen müßte: Denn solche totalen Paradigmenwechsel kamen häufiger vor, als man erinnert. Nach wie vor kaum ins Bewußtsein der Bevölkerungen gedrungen ist ja etwa der dramatische Wechsel, der vor etwa 80 Jahren stattfand. Was sich heute als "Gewußtes" offenbart und von den Menschen meist als "Wissen" geglaubt wird,  ist in den allermeisten Fällen Abraum aus einer längst überwundenen "Wissenschaft" des 19. Jahrhunderts! Meist aus mangelhafter Rezeption der Entwicklungen der Philosophie folgend, die nämlich vor 100 Jahren begriff, daß sie die Grundlagen des Erkennens neu zu denken habe und deshalb vor allem Erkentnniskritik wurde. (Wenn man heute oft den Ruf nach "Ganzheitlichkeit" hört, so mischen sich hier Schlagworte aus eben dieser Entwicklung mit dem ganzen Sack an überholtem "Wissen", der am Rücken noch mitgetragen wird, sodaß altes Wissen auf neue Schlagworte anzuwenden versucht wird.) Was sich immerhin noch so stark in der Physik ausdrückte, die als erste Naturwissenschaft an diese Erkenntnisgrenzen stieß und um die Relativität ihres "Gewußten", also die Abhängigkeit von Erkenntnisvoraussetzungen zu wissen begann.

Aber damit ist auch klar, daß nichts die Menschen so konkrete und real trennt - wie die Religion. (Die aber für die Form realen - nicht nur dahergeredeten - Gottesbezugs und damit auch der Struktur des "Gewußten" wesentlich ist.) Sie macht selbst den natürlichen, scheinbar weltimmanent möglichen Lebensvollzug als Einenedes, also eine Kultur als Gestalt des Lebensvollzuges eines Volkes, einer Ansammlung von Menschen "seiendes", unmöglich.** Eine Annäherung über sogenannte "Fakten", über "Gewußtes", ist nämlich genau NICHT möglich. Einher geht also eine sogenannte "Bildung", die auf diesem nunmehr bestenfalls notwendigen schemenhaften Nachfollzug gewisser "Denkfiguren" beruht. Wo "Einfall" den Geist ersetzt und der Selbstwahrnehmung vorgaukelt, zu "denken", während nur tote Sprache umgestellt, und das Element des Neuen durch Irrationales (man schaue auf die Kunst, aber eben auch auf den ganzen Bereich der Esoterik) zu ersetzen versucht wird. Mit dem fatalen Ergebnis, daß das heute "Neue" praktisch immer die Wiederholung eines alten Sprachgebrauchs ist, Epigonentum, weil das Alte, das ja auch nur aus dem Gesamtzustand der jeweiligen historischen Epoche einer Kultur verstehbar wäre, noch dazu gar nicht mehr verstanden und zur bloßen Anwendung wird.



²Wo immer der Mensch deshalb auf den Geist reagiert, selbst wenn es der eine Einzige Gottes wäre, so ist sein Ausatmen gewissermaßen "gefiltert" von seinem sittlichen So-Sein. Genau so, wie der Mensch nur das einatmet, was ihm sein sittlicher Zustand - als Anruf an den (welchen?) Geist - gestattet weil vorwählt. (Worin sich begründet findet, daß das Einatmen eines Geistes, der dem eigenen Zustand widerspricht, der ihn fordert, der ihm seine Deformiertheit klarmacht, entweder in Zerknirschtheit und sittlichem Höherstreben - oder im Haß und Beharren, das damit Abstieg und Gegenwehr ist, beantwortet wird. 

Denn dabei ist die Frage des Einatmens des Geistes nur die eine Hälfte der Wahrheit - die andere ist ja die des Ausatmens, in dem der Mensch seiner Haltung zur Welt Gestalt gibt. In jedem Fall also findet sich in dem Ausgehauchten, im Gesprochenen, Getanen, auch der sittliche Charakter und Freiheitsgrad eines Menschen. Jeder Irrtum gründet in Sittlichkeit, die im Tun und Reden zum Wirkfaktor wird. Die heute so häufige Aussage, daß alle Weltsichten (und Religionen) gleichermaßen ihr Recht und gleichrangig Wahrheit hätten, ist im Grunde der simple und geistlose Versuch, den eigenen Zustand zu verschleiern, die Schuld und das schlechte Gewissen zu verbergen. Gleiches gibt es vom Versuch zu sagen, Beurteilung des Anderen auf formelle "Qualität" (wozu auch gewisse moralische und moralistische Aussagen zählen) zu verlegen: weg vom Sein, hin zum Schein.

*Und das wurde in der Geschichte des abendländischen Denkens nie anders gesehen - schon in der Antike angefangen, deren Rolle, die sie den "Musen" zuschrieben, damit verständlich wird.

**Leider wird in manchen Bestrebungen, die von einer "Aussöhnung von Wissenschaft und Religion" sprechen, diese Grundbestimmung des Erkennens oft viel zu wenig beachtet. Meist, indem der Wissenschaft eine Autonomie bei Aussagen "über die Welt" zugesprochen wird, die sie gar nicht hat. Und nicht selten beginnen dann Religionsvertreter, ihre Religion zu ändern - WEIL die Welt angeblich so und so "ist". Dabei sind sie es, die der Wissenschaft sagen (bzw. gesagt haben und sagen müßten), wie die Welt IST, sonst sind Wissenschaft und Logik überhaupt nicht möglich.






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Donnerstag, 24. Juli 2014

Was tut, wer an einen Gott glaubt?

Die Frage nach Gott ist, schreibt Ortega Y Gasset einmal sinngemäß, die Frage "Womit rechne ich?" Sie ist deshalb eine Frage nach der Realität jenes Du, das ich als Gott bezeichne. Aber sie ist schon noch mehr. 

Denn was Gott überhaupt ist - nicht einfach nur für jemanden einer bestimmten Religion oder Theologie, sondern von der reinen Begrifflichkeit her, soll sprechen nicht überhaupt sinnlos werden - unterliegt nicht irgendwelchen Gedankenkonstrukten - es unterliegt dem Bezug des Begriffes, den er symbolisiert. 

Was also ist mit Gott gemeint? Was ist es, was die Menschen zu allen Zeiten als "Gott" bezeichneten? Es ist der reine Gute, es ist der Urheber von allem, es ist der Lenker und Herr über Welt und Schicksal, dem alles zu verdanken ist, der Eine, der Wahre, der die Wahrheit selbst ist, das Sein das das Sein selbst ist. Das von ihm ausgeht, und das deshalb von ihm erbeten werden muß. Nicht nur von mir, sondern von allem. Hierin gründet das, was man Heidentum nennt. 

Denn das Heidentum kannte diesen Gott nicht, die Religionsgeschichte (P. Wilhelm Schmidt zeigt das so großartig in seinem gigantischen Werk "Der Ursprung der Gottesidee", in dem er die Religionen des gesamten Erdkreises durch Feld- wie Quellenforschung und Einarbeitung der gesamten ethnologischen Erkenntnisse bis dato kennengelernt und analysiert hat*) ist eine Entwicklung von dieser Unfaßlichkeit des Einen Gottes hin zu "Subgöttern" der Mythen, bis zur Entartung in der Magie, zur Technisierung des Religiösen und damit zur Immanentisierung, zum Nihilismus. Wo immer aber Gott zum Begriff wird, ist er gegeben, so wie Sprache und Begriffe überhaupt gegeben sind. Es ist ein Irrtum zu meinen, der Mensch würde die Welt seines Denkens, seiner Sprache je neu erfinden (können). 

Nein. Er empfängt sie. Und er empfängt, WAS er glaubt, ob er das für wahr halten will oder nicht. Deshalb übermittelt sich Religiosität nie direkt, sondern immer indirekt, auf dem Weg über Menschen, und hier zuerst über die Eltern (man beachte die erhellenden Analysen von C. G. Jung), und über sie über den Kult. (Denn es gibt keine Religion, es gibt keine Religiosität ohne Kult.) 

Das, und auf eine Weise "nichts anderes", ist die Kirche: der Hort der Präsenz Gottes, des Ungreifbaren, der in Greifbarkeit herabgestiegen ist. Und selbst wenn man diesen Begriff neutralisiert auf  "Religionsgemeinschaft" (die alle ja um die Frage der Be-/Greifbarkeit Gottes kreisen), so läßt sich dasselbe anthropologische Prinzip darunter erkennen: Wer diesem Gott also gegenübersteht, kann gar keine andere Wahrheit neben ihm anerkennen. Denn dann wäre es ja gar nicht "Gott".

Was wahr ist, schreibt Y Gasset an anderer Stelle, ist nicht nur "für mich" wahr, sondern in dem Moment wo ich etwas für wahr halte, ist es das absolut. Und - es ist (immer!) das, was ich glaube. Denn an die Wahrheit selbst so scheinbar simpler Sätze wie 2+2=4 läßt sich nur glauben. Und was ich glaube, ist nicht das was ich gleich mal sage, sondern das, was ich als Seiender wirklich, gestalthaft, durch meine gesamten Lebensvollzüge vollziehe.

Wenn jemand also an Gott glaubt, an "einen" Gott (noch einmal: lassen wir die Frage "welchen?" der Gedankenführung halber einfach weg) glaubt, so ist die Frage, wie verhält er sich dann also diesem Absoluten, diesem Einen gegenüber, dem er und die Welt alles verdankt? Es erhebt sich die Frage der Angemessenheit des eigenen Verhaltens. Und darin gründet die Religiosität zu allen Zeiten und bei allen Völkern - im Kult, und in der Durchdringung des Alltags durch die Gestalten und Formen des Kultes.

Deshalb läßt sich aus dem realen Verhalten läßt eines Menschen erkennen, woran man auch selber glaubt. Alles konzentriert sich auf die Gretchenfrage - welchem Kult gehört er an? Wie sieht sein Kult aus, in dem er sich seinem Gott gegenübersieht, und wie drückt er sich im Alltäglichsten aus? NICHT als Moral (als die man Sittlichkeit gerne mißversteht), die ist nur der Wachsabdruck der Sittlichkeit selber. Dort nämlich liegt die Religiosität, so gerne diese Frage viele heute vernebeln wollen. Und darüber zu urteilen ist keine Frage von Überzeugung, sondern sie ist denknotwendig. 

Und dort liegt, was der Apostel Paulus einmal auf den Punkt bringt, und was alle Heidenvölker so bewegt hat, und was überhaupt erst den Siegeszug des Christentums ermöglicht hat, und von dem das Alte Testament im übrigen so bildhaft aus der Geschichte erzählt: Wie historisch wirksam ist dieser Gott? Daran nämlich sind alle übrigen "Weltregligionen" gescheitert, oder scheitern. Oder - werden eben zum Nihilismus oder zur bloßen praktischen Gesellschaftslehre (wie etwa der Konfutianismus). Oder zum Kantianismus (den Franz von Baader auf überzeugend klare Weise als Form des Nihilismus entlarvt). Oder zum Synkretismus oder Pantheismus, allesamt Formen des Nihilismus.

Der, wie derselbe Franz von Baader glasklar erkennt, in der menschlichen Trägheit (Acedia) - also in der Lebensführung, die zum Habitus wurde - begründet liegt. Womit wir bei der geistigen Struktur der im Sozialstaat heutiger Prägung (als Frucht jahrzehntelanger Einwirkung realer Lebensstrukturen) aufgewachsenen Generationen sind.




*Es gab in den 1920ern - erwähnt sei etwa noch der brillante Pater Paul Schebesta, oder Rolf Bernatzik - eine weltweit richtunggebende "Schule der Wiener Ethnologie". Nur einer der unüberbietbaren Geistessterne, die Österreich damals der Welt geschenkt hat, aus dessen Grab damals wirklich so etwas wie der geistige Leitstern der Welt stieg. Man denke an die Physik, an die Philosophie, an die Theologie, an die Kunst ... vielfach getragen (oder in Reaktion damit) von der Katholischen Kirche.




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Donnerstag, 17. Juli 2014

Wie man Zeit schafft

Handeln aber, schreibt Sorel an einer Stelle, ist nur aus dem Mythos heraus möglich. Nur von dort aus ist die Freiheit möglich, die Geschichtlichkeit überhaupt erst ermöglicht. Niemand, der nur vollzieht, der nur raisonniert, kann überhaupt handeln. Erst der Mythos versetzt den Menschen in die Lage, die Weltimmanenz zu durchbrechen. Geschichtliches Handeln beginnt, wo der Mensch aufhört, wo er sich selbst übersteigt. 

Der Mythos ist es damit, der Zeit schafft: die nie als Gegenwart vorhanden ist - denn Gegenwart ist immer nur eine Zusammenfassung aus Vergangenheit und Zukunft: aus dem Woher zum Wohin. Das Moment der Gegenwart (s. u. a. F. v. Baader) ist das Ewige, und das ist das Wahre, die Wahrheit, die über der Zeit steht, Zeit aus sich heraustreibt.

Nur das Volk hat deshalb Zukunft, das aus einem Mythos heraus handelt. Denn es schafft Zeit, es gestaltet seinen Weg.




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