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Sonntag, 26. Juni 2022

Der kommende König ist nur noch nicht sichbar

Der Magnetstab der Geschichte, um den herum sich das Karussel des (vermeintlichen, weil so lauten) Geschehens abspielt und dreht, ist der eine und einzige Herr und Herrscher, der Regent des Alls - Jesus Christus, Rex Indelebilis und Rex Infinitum, ab primae et ad finitum. Und nur um diesen einen König, die Form allen Inhalts, kann sich deshalb auch ein irdisches Imperium bewegen. Geht es ganz von ihm weg, oder startet es von woanders, um sich als Kostüm und irdische Gestalt ins Spiel zu schmuggeln, geht es schief.

Viel Verwirrung ist entstanden, als Kaiser Franz II. sich zum österreichischen Kaiser Franz I. (1804) ausrief, um zwei Jahre später als Franz II., letzter Kaiser des Römischen Imperiums, abzudanken. Nie wurde seine Krone seither aus der Vitrine der Schatzkammern geholt, und was sich seither in besonders brutalen und blutigen Kriegen, die sich im 20. Jhd. ins Infernalische stiegerten, abspielte, waren nichts als Versuche, diese scheinbar "verschwundene" Krone des Imperiums auf das Haupt der jeweiligen Mächte zu täuschen und zu zaubern. 

Viele trugen dieses Hologramm, alle um zu täuschen, und noch heute wird das natürliche Empfinden der Menschen, nicht wissend, daß es letztlich untrüglich ist, durch ein und dasselbe Hologramm getäuscht, geht es in "Wahl" um die Stühle der Staatsmacht. Wo ein Instrumentarium der Bedienung harrt, das von Jahr zu Jahr weniger beherrscht und gekannt wird. Die Macht der unsichtbaren Krone ist so unermeßlich größer, weiter, als unserem vertrockneten Verstand noch erreichbar ist.

Samstag, 10. April 2021

Gedankensplitter (1122)

Wenn wir aber sagen, daß alles in einem Wort gründet, so muß noch mehr gesagt werden (und wir haben die Ableitung hier bereits einmal unternommen), daß dieses Wort ein Name ist. Der Name für jene Person, die dieser Name ist, sodaß die Teilhabe an diesem Namen auch die Teilhabe an der Person selbst bedeutet. Wenn es denn in der rechten Haltung geschieht, ungeschuldet und nur im Bitten und Flehen. Nicht als Herrschaft, also keineswegs als Namensmagie. Wie die Kabbalah (glaubt man Gustav Meyrink in seinem "Golem") es technisiert zum Weltenschlüssel in der Sprechformel machen möchte.

Sagen wir nicht "Im Namen des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes", weil wir eine Handlung als von diesen kommend bezeichnen? Sodaß in dieser gesagten Teilhabe eine ganz reale stattfindet, und nur im Sagen dieses "im Namen"?

***

Aber nun wird der Weg kurz, von dem aus diese Teilhabe an dem einen, alles begründenden und tragenden, im Sein erhaltenden Namen auch in einem anderen Punkte zur Weltensäule wird. Denn in der Öffnung, die dem Herzen eigen wird, wenn es in dieser rechten Haltung actu wird, öffnet sich das Tor der Welt hin zum Göttlichen. Das aus dem Universalen, das dem Namen Jesu so eigen ist, daß beides in eins fällt, und nur ihm.

Und zwar vorstellbar wie Abspaltungen, wo aus einem riesigen Pool von Möglichkeiten an Menschen alle Menschen hervorgehen. Wo somit aus dem Namen, in dem alle Namen enthalten sein müssen, alle Namen hervorgehen, in denen sich eine Seele zum Menschsein konzentriert. 

Ob nun im Johannes oder Agnes oder Herbert, ob in Birger oder Michael oder Dragobert, sind die Namen die Pflanzschalen, in denen sich ein Allgemeines zu einem Spezifischen, ein Universales zu einem begrenzt Individuellen, auf einen bestimmten Ort konzentrierten Individuum - denn es ist der Ort, der individualisiert! es ist der Ort, der somit das ist, wodurch etwas und jemand "wird" - konstituiert. Konstituiert durch die Selbsttranszendierung. Und die ist ein Selbstüberschreiten auf ein Bild hin, auf eine Person hin, die der "Ur-Birger,", der "Ur-Sebastian", der "Ur-Johannes" war. 

***

Jeder später Kommende, dessen Teil als Ablaufmenetekel der Welt, in dem das Grundgesetz der Thermodynamik in einer eigenen Charakteristik erkennbar wird: Als Weg vom Allgemeinen zum je Spezielleren, das zugleich aber auch das Ärmere ist. Bis sich das Geflecht der Menschen so stark ausdifferenziert hat, bis auf dem schmalen Ort, an dem er zu stehen kommt, eines Tages gar kein Platz mehr ist, auf dem noch ein Mensch zu stehen kommt. Spätestens dann ist er da, der Tag des Endes, der Tag der Abrechnung, der Tag an dem die Welt aufhört. 

Aber jeder dieser Kurt und Fritz und Gerlinde und Rattaboimine, jeder ist nur ein später Folgender dieses einen Ur-Fritz und -Gustav. Und er ist überhaupt nur er selbst, wenn er sich als Repräsentant dieser einen Art Mensch zu sein begreift. Dessen Individualität nicht darin besteht, daß er eine andere Kappe oder ein anderes Wamst oder ein anderes Güpfelchen am Schnubbel trägt, sondern daß er eine andere Art der Repräsentanz hat. 

Die sich freiich im Rahmen der Grundgesetztheiten des Gustav-Seins bewegen muß, die aber dadurch "eigen", "individuell" ist, und NUR dadurch, das sie an diesem Ur-Gustave teilhat. In der rechten Haltung. Sonst fällt er ins Nichts. Nicht ganz, aber graduell, und mehr oder weniger, und irgendwann zu viel. Dann ist er tot. Und dann ist er vergessen.

So existiert nur, was im kleinen Plätzchen, dem Ort als Wesenskomposit, als Einzelnes einem großen oder riesigen Allgemeinen zugehört, in dem der kleine Name am äußersten Vorposten der Fronten und Begegnungen am großen ganzen Namen teilhat. Und diesem Namen alle Ehre verschaffen will, wie aus dieser Ehre selber lebt und den ihm gehörigen Grad der Autorität hat, weil ein Name auch eine bestimmte Position impliziert.

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So wie wir "Cappi" zum Orangensaft, "Keli" zur Limonade, Cola zum (egal welchem) Schwarzgebräu sagen, "Flotte Lotte" zum Passiergestell, und "Rüstiger Hansganz" zum Sauschlägel, die alle einmal und zum ersten Male unter diesem Ur-Namen an unsere Ohren gedrungen sind. Sodaß fortan im Namen eine Gattung des Existierens die Weltbühne betreten hat. Und alles Dingelchen, das fortan die Nutzanwendung fortführt, die nun im Weltengefüge ihren Platz, Anspruch und Pflicht weil Erwartungshaltung in so unzähligen anderen erweckt hat - denn eine Nachtbar ohne Cola ist nicht mehr möglich, die Nachtbar ist darauf ausgerichtet. 

Ein Caesar ist ein Kaiser, eine Art, ein Ding, das einer Person entstammt. Ein Name wurde zum Ding, zum Titel! Mit dem sich mancher gerne schmückt, und noch mancherer alles daran setzt, daß ihm dieser Titel zugesprochen würde. Von jemandem, der diesen Namen in der Hand hält, um ihn vergeben zu dürfen. Dessen eigene Position in der Welt sich sogar (mit) daraus ableitet, daß er diesen Kaiser/Caesar zu vergeben, jemandem auf den Kopf zu drücken hat. Auf daß dieser unter dem höchlichsten Hut verschwinde, der Kaiser/Caesar ihn absorbiert.

Was sich im großen Weltenspiel so nachvollziehbar abrollt, hat dort nur seine große Musterrolle für jeden Einzelnen. Nur die Ebene ist anders. Die Art ist dieselbe. Und der Schweizer (der Melkknecht) ist nicht weniger KaiserSchweizer, wie der DreiPhasenhobler der KaiserDreiPhasenhobler, und wie der KonnotationenAmbrosius ein KaiserKonnotationenAmbrosius ist.

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Haben wir es denn heute aber anders? Sollten wir uns nicht (wenigstens hier) jeden Jammerton ausnahmsweisig versagen? Nennen wir unsere Kinder nicht nach Vorbildern, an denen wir Eigenschaften bewundern, die wir selber gerne hätten? Oder wir, indem wir sie in unserem Nachwuchs (endlich) finden? Hat sich also in der Teilhabe an den Eigenschaften eines Ur-... durch und mit der Namensgebung je etwas geändert?

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DAS ist der Grund, warum wir als alte Katholen, die wir nun mal sind, nicht den Geburtstag feiern, wie es die Heiden tun und getan haben, und damit die Welt und die leiblicher Abstammung hochpriesen als wäre sie der Umstand, daß es von diesem oder jenen in die Welt gebumst wurde auch ist, was ein Ding zu einem Ding macht, nein: Ein Ding wird zu einem Ding, weil es seinem Begriffe zustrebt, und ein Heinrich ist ein Heinrich, weil er seinem Väteli und Müateli ein herzlich Pfiatgott jodelt, wenn er aufbricht, um dem ersten Heinrich der Weltgeschichte zu- und nachzustreben. 

Sodaß dieser Heinrich der Stammvater einer ganzen Pyramide, ja eines Pyramidengebäumsels wurde, das er stolz dereinst vor den himmlischen Vater trägt, der sie dann an den großen großen Knopf, diesen einen Namen anhängt, an dem alle Pyramiden hängen, große, kleine, alle, sodaß am Beginn wie Schlußstein der Kathedrale der Schöpfung auch hoffentlich ein kleines Ambrosius "sein-wollen" hängt. Siehst Du's nicht, werter Leser? 

*260321*

Sonntag, 2. Oktober 2016

Ohne persönliches Eigentum keine Kirche (2)

Teil 2) Friede mit der Nationalkirche Chinas?
- Warum aus demselben Grund die gesamte Ehepastoral der Kirche
für Arsch und Friedrich ist.





Denn so wie die gesamte Welt - als Welt der Dinge, wie Welt DURCH Dinge - durch das dynamische Zueinander der Dreifaltigkeit (Drei Personen in Einem Gott) dieses "Schema" als inneren Wesensgrund widerspiegelt und "hat" (bzw. ist), so kennzeichnet sich jede menschliche Organizität durch dieselbe personale Prinzipialität wie es die Kirche tut. Und sie ist damit im Eigentum als Bedingung weil Lebensgrund verhängt. Wo immer dieses Eigentumsprinzhip aufgegeben oder schwer verletzt wird, fällt ein Organismus ins Nichts, er vergeht oder wird bestenfals zur leeren Hülle.

Dieser Punkt scheint heute vielen gar nicht mehr vorhanden weil irrelevant, ja "falsch". Aber genau dieser Punkt ist der Schlüssel, in dem auch das liegt, was man als "Verantwortung" bezeichnet.* Denn dem Zugehören-zu steht nur so die Sorge-für gegenüber, umfaßt von der persönlichen, im Konkreten weil nur auf Konkretes ausgreifend wurzelnden Liebe.

In diesem Abkommen nun soll - noch einmal: angeblich, noch ist nichts offiziell, aber es gab unter Franziskus tatsächlich bereits erste Schritte einer Anerkennung, die er wie üblich beschönramschte und "Aussöhnung" nannte - der Vatikan diese Nationalkirche ANERKENNEN, unter der Voraussetzung, daß ihm "unter Begründung" ein Vetorecht bei der "demokratischen Bischofswahl" eingeräumt bleibt, das allerdings von den Bischöfen wiederum nicht akzeptiert werden muß. An diesem Tag, wo Rom dieses Abkommen unterzeichnet, wird zwar Frieden Freude Eierkuchen mit China herrschen, schreibt dazu Kardinal Zen, aber er wird dieser Kirche nicht angehören, teilt mit ihr nicht die Gemeinschaft und damit die sakramentale Einheit. 

Würde der VdZ hierin aber nicht ein Grundsätzliches Problem der Moderne sehen, würde er es wohl gar nicht aufgreifen. Denn schon zur Zeit des Kalten Krieges, mit der offenen Auseinandersetzung mit dem Kommunismus, soweit er nämlich das Lebensprinzip der Menschen (weil deren Natur damit) verletzt oder bedrängt hat, stand er in direktem Konflikt, ja im tödlichen Kampf mit dieser Ideologie. Beide können nicht nebeneinander bestehen, und das weiß der Marxismus am allerbesten. Die Kirche hat also nicht einfach "gegen einen Irrtum" gekämpft, was man ja auch an einer Universität oder im Fernsehen hätte machen können. Darum ging es gar nicht primär, da war jede noch so notwendige Apologetik und Kritik nur Hilfmittel. Sondern ihre Dimension der Liebe, der Präsenz Christi war immer der Kampf darum, daß Menschen durch ihre konkrete Lebensführung zum Heil gelangen können, daß dieses ihnen nicht vorenthalten oder der Weg dazu erschwert oder gar verunmöglicht wird. 

Und das ... hängt an der persönlichen Anhänglichkeit an Christus, der in der Kirche unter uns weilt. Konkret, direkt, fleischlich präsent. Es ging und geht also immer um diese persönliche Präsenz, um diese persönliche Anhänglichkeit. WEIL der Getaufte Eigentum Christi ist. Weil Gott der Eigentümer der Schöpfung ist, und weil menschsein in Freiheit heißt, Gottes Eigentum zu werden! Weil Gott ähnlich zu sein auch und vor allem heißt: FREI zu sein. Frei in der Wahrheit, die ein persönliches Geschehen ist, frei im Selbststand - Gott ähnlich. Es gibt keinen anderen Weg. Denn es ist der Weg des Menschen. JEDES Menschen. Ob getauft oder nicht. Nur kann der Nicht-Getaufte oder der, der die Taufe hat aber ablehnt, also nicht realisiert, diese reale, konkrete Anähnlichung mit Gott gar nciht erreichen. So sehr er es über Methoden etc. versucht.

Seit Jahrzehnten aber wird immer allgemeiner, daß das konkrete das Unwichtige sei. Es wird mit einem Begriff von Frieden, Heil und Gelingen operiert - und zwar bis hinein ins kleinste Zwischenmenschliche, in Familien, an die Arbeitsstätten, etc. etc. - der Konfliktvermeidung als Wesentliches daran sieht. Damit verbunden ist auch das Aufgeben eines Höheren Zieles, eines Wesensbildes (so dynamisch, nicht erstarrt man sich das denken darf), denn alle Konflikte kommen ja nur aus Konflikten um ZIELerreichungen. Gibt man Ziele auf, verschwindet natürlich der Maßstab - warum also noch Konflikte andes sehen d3enn als rein subjektive "Ungereimtheiten", auf die man ja durchaus verzichten könnte?

Wie oft hat auch der VdZ von allen möglichen Hosenschnöseln gehört, die sich sogar noch ihres "realistischeren" Weltbildes rühmten, weil sie weniger Konflikte in ihrem Leben hätten? Eigentlich müßte man diese Leute in die tiefsten Schlammhöhlen stecken, damit sie sich dort wesensgemäß abarbeiten. Klar, wer nichts will - wer kein Eigentum kennt - der hat auch kein Wesensproblem, der hat auch keine Konflikte! Der kann gut "Frieden halten" mit seinem Nachbarn, und gar erst die eigenen Kinder werden ihm kaum je böse sein, er muß sie auch nie korrigieren. Sie sind ja selbst verantwortlich. Ist nicht das die Rede, die man immer deutlicher hinter so vielen Äußerungen vom Petersplatz durchklingen hört? Als Hintergrund auch einer sogenannten (aber fehlinterpretierten) "Dezentralisierung", die in Wahrheit die Aufgabe des Konkretionsprinzips - und damit der Inkarnation, das steht nämlich dahinter - ist? Da ist dem VdZ noch ein fast zum Gott erhobener Kaiser lieber. In dem wenigstens das Wesen der Welt und der Erlösung präsent ist, wenn auch falsch umgewichtet. Das ist noch menschlicher, humaner, als so vieles andere, was sich heute "human" schimpft.

Rom scheint nun auch in China aber diesen Weg gehen zu wollen. Den schon seinerzeit manche gingen, die das Martyrium etwa eines Minszentyi als eigentlich "verzichtbar" sahen. Denn eigentlich standen sie einer "friedlichen Aussöhnung" nur im Weg. Und genau das, so Kardinal Zen, droht nun auch in China als Resultat derselben "Ostblock"-Politik des Vatikan: Denn er verweist auf Bemerkungen aus Rom die davon sprechen, zukünftig Bischöfe zu ernennen, die es ... nicht auf Konflikte anlegen. Wie Kardinal Casaroli es jüngst formulierte: “In choosing candidates for the episcopate, we choose shepherds and not people who systematically oppose the regime, people who behave like gladiators, people who love to grandstand on the political stage.

Wen aber, so Kardinal Zen, kann er damit gemeint haben? Wenn nicht die Katholische Kirche in China, die sich bisher geweigert hat, die Nationalkirche anzuerkennen - woraufhin ja tatsächlich prompt und flugs ... Frieden und Freude eingekehrt wäre. Aber dafür hätte die Kirche Jesus Christus verraten müssen. Will sie dies heute aber gar programmatisch tun?





*Der entscheidene Punkt in der Auflösung der Familie in Österreich - als Intention politischer (linker) Ideologie - geschah also 1975, als in Österreich die Väterliche Vorherrschaft über die Familie aus dem Gesetzestext strich. Das wird bis heute von niemandem ausreichend rezipiert, und dabei ist DAS der Kern aller späteren Tragödien, wie wir erleben. Wenn das nicht behoben wird, kann sich die Kirche mit Pastoralprogramm etc. etc. den Arsch aufreißen. Sie riecht zum Wesen der Ehe nicht einmal mehr hin, solange sie das nicht begreift. Und es ist hervorragend argumentierbar!



*220816*

Samstag, 1. Oktober 2016

Ohne persönliches Eigentum keine Kirche (1)

Der Bericht von OnePeterFive war Anlaß, das Thema aufzugreifen, es soll zu einem späteren Zeitpunkt noch umfassender aufgearbeitet werden, braucht noch einige Gedankenarbeit um diese Räume weiter auszuleuchten.  Aber OnePeterFive bringt die Stellungnahme des chinesischen Kardinals Zen, der vor einem angeblich bereits weit gediehenen Einigungspapier zwischen Peking und dem Vatikan berichtet. 

Kurz: In China kam es schon unter Mao zur Gründung einer Nationalen Volkskirche", die die Katholische Kirche insofern aushebelte, als sie ihr in China "freie Religiosausübung" versprach, wenn udn soweit sich ihre Leitung, also ihre Bischöfe, der chinesische Staatsdoktrine unterwürfe. Das heißt - nach wie vor! - auch, daß die Politik auch die Bischöfe aussucht. Offiziell geschieht dies in einem "demokratischen Prozeß", in dem die Bischöfe selbst ihre Nachfolge bzw. weitere Bischöfe "wählen". Der erste Effekt davon ist, daß sich die Chinesische Nationalkirche von Rom unabhängig gemacht hat. Bisher hat der Vatikan auch diese Bischöfe nicht anerkannt. 

Sondern hielt jener Kirche die Treue, die diese Nationalisierung ablehnte. Die ihr Vorbild bereits bei Napoleon hat, der genau dasselbe verlangte, mit genau denselben Konsequenzen, die in ihrem Grundkonflikt aber schon im 11. Jhd. aufbrach, als die Kirche den weltlichen Herrschern genau diese Rechte wieder entzog, die eine lange, äußerst lange Geschichte haben, die im Zusammenfluß von Herrschaft überhaupt mit sakraler Gewalt haben. So ganz auf die Simple Tour darf man das also nicht nehmen, es ist ein nicht ganz einfaches Problem. Und es wäre verkürzt, ja falsch, dies als schllichte "Vergöttlichung" des Herrschers zu sehen, auch wenn es in manchen Kulturen ähnliche Formen annahm oder das für die einfachen Menschen sogar war. 

Zumindest in Europa, zumindest in vielen Teilen der Welt, ist dies eine aus Urzeit hergeleitete Konstellation. Dieser Ineinsfall gilt in Japan sogar noch bis heute. Muß aber im kommunistischen China, das ja Religion prinzipiell ablehnt SOWEIT sie nicht nützlch sein kann, anders gesehen werden. Wo die politische Macht diesen uralten und mythisch verflochtenen Punkt der Menschheitsgeschichte einfach für sich nützen wollte und die Ähnlichkeit der Form, wie sie in den Haltungen des Volkes gewissermaßen Stein geworden ist, brutal benützte. Denn nichts durfte über die ideologische Staatsdoktrine, die totale und religiöse Macht der Partei und des Vorsitzenden gehen. Gerade in China, wo dieser Ineinsfall von Kaisertum und oberstem Priestertum noch bis zum Ende der Monarchie 1912 defintiv gültig blieb, ein interessanter Punkt. 

Es gibt eine tragische, blutreiche Geschichte der dem Papst treu gebliebenen chinesischen Katholischen Kirche. So, wie im gesamten Ostblock, mit Märtyrern wie Kard. Mindszenty oder kämpferischen naturen wie Kard. Wyscinsky. Auch die damalige Tschechoslowakei hatte ja so eine Offizielle Nationalkriche, der die übrige, die eigentliche Katholische Kirche, die auch in der Tschechoslowakei (wie im gesamten Ostblock) verfolgt wurde, gegenüberstand. 

Zur Erinnerung: Der Kardinalspurpur ist ja Verweis auf die Bereitschaft seiner Träger, auch ihr Blut für die Kirche zu geben. Wie im gesamten "Ostblock", war es auch in China die Geschichte einer blutreichen Verfolgung aller Katholiken. Die genauen Opfer sind nur zu schätzen, sie gehen aber in die Hunderttausende. Ihr Merkmal aber war: Einheit mit Rom.

Denn dafür sind diese gestorben, dafür haben sie in den Lagern gelitten, dafür wurden sie gefoltert und gequält. Dafür, daß sie die Einheit der Kirche als Prinzip ihres Glaubens weil der Wahrheit sahen. Weil sie begriffen haben, daß diese Einheit aufzugeben auch die Wahrheit aufzugeben hieße, also Jesus Christus. Denn der Glaube hängt, wurzelt und entspringt PERSONAL, NICHT FUNKTIONAL. Der Katholizismus hängt DIREKT UND AUSSCHLIESZLICH AN DER PERSON JESUS CHRISTUS. 

Er würde SONST TATSÄCHLICH zu einer bloßen "Religion" herabsinken, zu der ihn u. a. die Aufkärung (der auch der Kommunismus entsprang) machte. Denn ihm fehlte jene letzte, abe rentscheidende Dimension der Verhangenheit in einer Person, in der konkreten Person Jesu Christi, die im Papst zur Weltdarstellung kommt. Die ganze Kirche, das Seelenheil aller einzelnen Katholiken hängt an der existentiellen Verhangenheit mit diesem einen Papsts. (Darin liegt ja das Heikle an jeder Papstkritik, die an sich keineswegs "unerlaubt" ist, aber einen gewissen Punkt nie überschreiten darf.)

Es liegt aber noch etwas drin, und darüber soll noch ausführlicher gehandelt werden, hier sei es nur angedeutet: Es liegt in der Gegenbewegung das Herabneigen der Gnade Gottes verankert. Diese Gegenbewegung islt ein MOment dessen, was heute icht zufällig so in Frage zu stehen scheint, und zwar gerade von Linken (also auch von den Kommunisten Chinas): Es ist die Frage des Eigentums. 

Denn die Kernfrage ALLER Organismen dieser Welt, ja des Verhältnisses von Bräutigam zu Braut, von christus zur Kirche, von Chef zur Firma, von Vater zur Familie, ist die ... des Eigentums. Eigentum ist die Konstituierende Größe allen Lebens! Jeder und alles GEHÖRT JEMANDEM, gehört ZU etwas, und wird im Umkehrschluß von diesem EIGENTÜMER väterlich-liebend versorgt. Es ist damit sogar der Schlüsselpunkt zum Verhältnis von Mann und Frau, das im Väterlichen Verhältnis des Mannes gründet. 



Morgen Teil 2) Friede mit der Nationalkirche Chinas?
- Warum aus demselben Grund die gesamte Ehepastoral der Kirche
für Arsch und Friedrich ist.




*220816*

Donnerstag, 8. September 2016

Persönlich ein Märtyrer, als Zar am falschen Ort

Zar Nikolaus II. mit Frau Alexandra im Krönungsornat
Die Historiker geben zu, schreibt Robert K. Massie in "Nikolaus und Alexandra", daß Nikolaus ein guter Mensch war. Er war milde, hatte persönlichen Charme, war gütig, liebte seine Familie und war tief religiös. Er war ausgeprägt patriotisch, und sah sich als Vater des einfachen Volkes. Insbesonders seine (hessische) Frau hatte größte Probleme mit der feudalen Elite, und auch sie sah sich als Mutter des Volkes. Doch heißt es, schreibt Massie, diese Dinge zählen hier nicht. Es komme allein darauf an, ein guter Zar gewesen zu sein. (Selbst wenn Nikolaus II. im Jahre 2000 von der russisch-orthodoxen Kirche heiliggesprochen wurde. Österrreich hat mit Karl I. ein ähnliches Problem.)

Dabei kann man das nie abstrakt oder technisch alleine sehen. Mit seinen Eigenschaften wäre Zar Nikolaus II. ein sogar hervorragender König Englands gewesen. (Zu dessen Königshaus er ja ohnehin engste verwandtschaftliche Beziehungen hatte, und dem englischen König George, seinem Cousin, sah er derartig ähnlich, daß man die beiden auf Photographien kaum auseinanderhalten kann.)

Private und religiöse Tugenden zählen hier nicht. Man muß auch der richtige Herrscher zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Und das war Nikolaus offenbar nicht für das Rußland der Wende vom 19. zum 20. Jhd. Er war kein großer Zar. Auch wenn das Krönungszeremoniell von den Byzantinern übernommen unverändert geblieben war.

Historisch waren das Peter der Große, Iwan der Schreckliche, Lenin und Stalin. Sie hatten durch bloße Macht und Terror die zivilisatorisch rückständige Nation mit der Peitsche vorwärtsgetrieben. Bis vielleicht in die Gegenwart hinein haben die Russen in ehrfürchtigem Schrecken zu dem skrupellosen Mann aufgesehen, der die Peitsche schwingt und sie vorantrieb. Peter der Große, der seine Feinde auf der Folterbank zerbrechen und am Roten Platz aufhängen ließ, der seinen eigenen Sohn dem Foltertod auslieferte, ist den Russen dennoch "Peter der Große".

Nikolaus, der mit weit milderer Hand regierte als irgendein Zar vor ihm, ist den Russen aber als "der blutige Nikolaus" in Erinnerung. Eine wirkliche Ironie, die dem Westen Europas aber mehr verständlich ist, als er sich eingestehen will. Der russische Zar war eben eine für das Europa des auslaufenden 19. und beginnenden 20. Jhds. typische Gestalt. Es gab eine Menge wie ihn. Ludwig II: von Bayern etwa, oder Franz Joseph I. und Karl I. von Österreich. Ihnen stand ein entfesseltes, losgerissenes, verwirrtes, entortetes und fehlgeleitetes Volk gegenüber, in dem ganz neue Mechanismen wirkten. Diese Könige wurden zu Köpfen ohne Leib.

Herrscher, die von einem großen Pflicht- und Hingabeethos getragen waren. Die ihre Arbeit taten und sich für nichts zu schade waren. Man denke alleine an den österreichischen Kaiser Franz Josef, einem Ausbund an Pflichtbewußtsein und Prinzipientreue. Es berührt, in Schönbrunn den Ohrenstuhl vor seinem Schreibtisch zu sehen, an dem die rechte Stütze dunkel ist, weil er so oft bis zur völligen Erschöpfung arbeitete, bis er einschlief. Oder gar an den sogar bereits seliggesprochenen letzten Habsburger Kaiser und König von Ungarn, Karl, der schon völlig hilflos noch sein Bestes versuchte, aber den Mut nicht mehr aufbrachte, sich auch mit Gewalt gegen den Zerfall zu stemmen. Ihre Mittel reichten aber nicht mehr für diese Zeit, und um sich zu modernen Despoten aufzuschwingen, wie sie als Politiker-Massenerscheinung bis heute kamen, fehlte ihnen die Niedrigkeit.

Der Zar nahm die Krone zwar aus der Hand der Kirche, setzte sie aber selbst auf
Denn die politischen Kräfte hatten sich im 19. Jhd. geändert. Sie waren technisch geworden. Zuvor war das Schicksal eines Landes noch in höchstem Ausmaß von Erfolg oder Versagen seiner Herrscher ganz persönlich und direkt abhängig. Nun traten aber abstrakte Kräfte auf, die das Persönliche unwesentlich machten. Und sie rissen die europäischen Staaten in völlig neue Wirbel, die sich der Kontrolle durch einzelne Personen entzogen. Und die auch über diese persönlich so vorbildlichen, integeren Herrscher brutal hinwegbrausten. Was zum 1. Weltkrieg führte war bereits neuzeitlich bestimmte "Politik".

Die Monarchien, aus denen Europa damals mehrheitlich noch bestand, waren solche fast nur noch einem Anspruch (logos) nach, der kaum noch sichtbar und immer schwächlicher betrieben wurde - überlagert von einem neuen Schein. Nur noch darum ging es nun.

Es ist eine der so häufigen Ironien - dabei: so gerecht! - der Geschichte, daß die Romanows ausgerechnet von jenen Kräften, die sie in ihren größten "Erfolgen" so energisch ins Land holten und weckten, dann zum Opfer fallen sollten.

(Franz Josef hat zeitlebens keinen  Fuß ins Parlament gesetzt.) Das Martyrium der beiden eng-persönlich wohl größten Herrscher des 20. Jhds. - Karl von Habsburg und Nikolaus II. von Rußland - war ein Martyrium am Abendland überhaupt. An seinem logos, seiner konstituierenden wie einzig organischen Form, die durch den Technizismus bereits unwiederbringlich zersetzt waren.

Denn die gesellschaftlich bestimmenden Kräfte waren nicht mehr an die eigentliche, einzig lebendige Achse angebunden: die des Persönlichen. Politik kann nur persönliches Stehen vor Gott, nicht eine Resultante von Ablaufoptimierungen und "Fähigkeiten" sein. Sie ist deshalb eine Frage des Ortes. Und nur mit Abscheu kann man die Politiker der Gegenwart - sämtlich illegitime (wenn auch "legale") Emporkömmlinge und Charakterwüsten - betrachten, die um diese Notsituation, in der sie in den Demokratien stehen, gar nicht mehr erkennen. Volk und Herrschaft stehen in einer organischen, persönlichen Schicksalsgemeinschaft zueinander, wo sich das Persönliche aus dem Ort definiert, dem logos, dem Wesen, nicht aus "Fähigkeiten". Oder sie fallen. Beide.

Deshalb starb Nikolaus II. mit seiner gesamten Familie wirklich als Märtyrer. So wird er auch von der orthodoxen Kirche - deren Priester er war, denn der Zar war auch Priester* - gesehen und verehrt. Denn er WAR ein außergewöhnlicher Mensch, und er bewies spätestens am Ende sein Herkommen aus heiliger Größe.





*Darüber, wieweit die Königswürde auch eine priesterliche, religiöse, also sakramentale Würde zugleich war, gab es im Westen einen jahrhundertelangen Disput. Ursprünglich und aus der im Volk bestehenden selbstverständlichen Auffassung war es so. Definitiv getrennt wurde diese Union aber im Zuge des Investiturstreits, spätestens ab dem 11. Jhd., wo das Königtum offiziell (inoffiziell etwa in Frankreich noch bis ins 19. Jhd., wo der Volksglaube dem König noch wundertätige weil sakramentale Kräfte zuschrieb) nicht mehr im sakramentalen Sinn und auch als Priesterwürde aufgefaßt wurde. Denn hier gab es für die religiöse höchste Weihe - den Papst. Welt und Reich Gottes fiel definitorisch sogar auseinander, und zu weit auseinander: Ins Falsche der "absoluten Trennung von Kirche und Staat". Beides hat in der orthodoxen Kirche - aus dem byzyntinischen Erbe heraus, wo es ja so war - bis heute aber eine äußerste enge, ja gar nicht zu trennende Verbindung. Wer das nicht sieht, begreift nicht nur das Rußland von heute nicht. Er begreift auch nicht, warum sich die Demokratie im Westen überhaupt hält. NICHT wegen der Demokratie! Sondern wegen der alten, tiefen, tiefstens verwurzelten weil ontologisch begründeten Bindungskräfte in den Menschen. Nur so ist die Akzeptanz von so abstoßend widerlichen Figuren wie Angela Merkel (etc. etc.) überhaupt erklärbar. Weil die Demokratíe, wie deMaistre so richtig feststellte, eine einzige Lüge ist, die den Niedrigen von Nutzen ist, die das Wahre und Echte in den Völkern für ihre Zwecke benützen.





*300716*

Freitag, 1. Juli 2016

Die Stunde ist gekommen

Es gibt nur einen Weg für ein geeintes, starkes Europa: Der Papst muß einen Kaiser salben, und damit das Reich re-installieren. Dazu gibt es einige ganz wenige aus uralten, ja heiligen Zeiten legitimierte Königshäuser. Einem davon muß in einem neuerlichen Akt durch Salbung zur Erneuerung des Reichs beauftragen - so, wie es Papast Leo III. tat, der damit definitiv die abendländische Kultur begründete, indem er mit dem Reich unter einem Kaiser die Ordnung und Einigkeit Europas restaurierte. 

Denn es ist der Moment, auf den Europa seit Jahrhunderten wartet: Der  Moment der Widerkunft des Kaisers. Erst damit wird Herrschaft iin allen Völkern und Staaten wieder legitim. Erst damit wird Friede möglich.





*270616*

Freitag, 6. Mai 2016

Was dem Staat noch alles einfallen wird (2)

Teil 2) Was also Rom so alles einfiel 




Von Zwangsgenossenschaften, die im Kollektiv für Abgaben haften, über zwingende Bodenverbundenheit, über Auslagerung der Steuerpflicht auf Assoziationen, die wiederum mit ihren Mitgliedern haften, also den Staatsdruck übernehmen, über Ortswechselverbot für Arbeitende, Umstellung der Steuerlast auf Naturalleistung in Ware oder Arbeit mit anschließender Staats-Monopolisierung des Handels damit (der natürlich vom Marktpreis profitiert), samt Leerverkaufsregelungen (denn das gab es längst im Alten Rom, ist also keine Erfindung der heutigen Börsen) für zukünftige Kauf- und Leistungszwänge. Aufenthaltszwang in Städten war üblich, denen einerseits die Steuerabgaben bei Sanktionen diktiert wurden, denen anderseits das umgebende Land, ihrer Jurisdiktion unterstellte weitere Städte und vor allem die Erwerbskraft ihrer Bürger praktisch "gehörte". Ein heftiges Lavieren mit Erträglichkeiten setzte sein. Manchmal durften Bürger oder Gewerbetreibende die Stadt gar nicht mehr verlassen, Erblichkeiten waren mit Berufswechselverboten auch für kommende Generationen verbunden, Bauern wurden mehr und mehr zu Leibeigenen von Land-Großbesitzern, denen selbst bestimmte Leistungen abgepreßt wurden, die sie von ihren Pächtern oder Bauern ebenfalls abpreßten. Oder man wurde Soldat, mit im Erbgang übergebener Dienstpflicht auch für Nachkommen, um wenigstens überleben zu können. In jedem Fall ist es eine enorme Vielfalt, die Bücher füllt, mit der der römische Zentralstaat zu überleben suchte.

Nicht unerwähnt soll auch der Kinderhandel bleiben, der frohe Urstände trieb. Denn ein seltsamer Gedanke stieg den VdZ bei der Lektüre einer Zusammenfassung dieser Aspekte aus der Feder von Ignaz Seipel - Kanzler und Prälat - an, einem der Gottseibeiunse der Linken, dessen wirtschaftliche Kompetenz aber unbestritten ist. Dem es immerhin gelang, aus einer ausichtsslosen Lage eines Restefetzens namens Republik Österreich nach 1918 die Wege zu einer der weltweit stabilsten und stärksten Volkswirtschaften der Zeit vor Hitler 1938 vorzugeben - mit einem sprichwörtlichen "Alpendollar". Denn Kinder bedeuten eben Leistung, nicht Geld. Also wurde gut für sie bezahlt. So konnten sich auch Menschen über Wasser halten, die keine Arbeit, kein Auskommen fanden. Und wer produziert bei uns Kinder? Ein Hinweis: Die angestammten Bürger sind es nicht.

Die einzigen die sich durch alle diese Zwänge halbwegs elegant durchschleusen konnten, waren - Geldbesitzer. Bürger, die es verstanden hatten, Erträge zu lukrieren, die andere erwirtschafteten. Und Geld stand in hohem Ansehen, und mündete auch in gesellschaftlich bedeutenden Positionen. 

Noch dazu wo das Christentum und speziell ab dem 4. Jhd. allmählich bewirkt hatte, daß auch Sklaven als "Menschen" respektiert wurden. Gar heiraten, Besitz erwerben etc. duften. Aber selbst, ja gerade diese Reichen brauchte so ein Zwangssystem in Wirklichkeit, denn irgendjemand mußte ja noch ein freies Ende der Fahnenstange aufgreifen, sonst wäre der staatliche Coup, der sich immer bewußter auf Leistung und nicht auf das von ihm selbst herausgegebene Geld stützte, nie aufgegangen: Leistung behält nur dann Wert, wenn es auch Nachfrager gibt. Die Vermögensunterschiede zwischen Reichen und dem Gros der Bevölkerung waren übrigens unglaublich größer als heute. Gegen das private Vermögen alleine eines Augustus wäre ein Bill Gates ein armer Schlucker gewesen. Wobei beide verbindet, daß sie mit ihrem Geld "soziale Großtaten" begehen. Es war aber damals noch ziemlich üblich, daß Reiche öffentliche Ämter und dessen Aufwand aus ihrem Privatgeld bestritten, und selbst der römische Sozial- und Alimentierungsstaat (in Spitzenzeiten war fast halb Rom rein auf Sozialhilfeempfang angewiesen; es wurde kaum noch etwas prudziert in der Stadt) war großenteils privat finanziert. Was oft zum Ruin der Reichen führte, das nur nebenbei.

Jedes etatistische System, das Leistung kumuliert um sie dann andernorts in der Hoffnung anzubieten, davon zu profitieren (denn auch die Münzverschlechterung funktionert nur eine gewisse Zeit), funktioniert also nur dann, wenn es nicht global ist und alles umfaßt, sondern freie Restbereiche, "Wildnis" vor den Toren hat. Und sei es, daß man einen Bückmarkt, einen gesetzlich bewußt nicht geregelten Parallelmarkt toleriert, in dem also nur das Gesetz des Stärkeren, Schnelleren, Skrupelloseren gilt.

Die Folge dieser Vorgänge war eine völlige Entsittlichung der römischen Wirtschaft. Anstand, Ehre gab es nicht mehr, und kein Gesetz konnte auf Dauer Wucher - das Ausnützen der Notlage eines anderen - eindämmen.

Der VdZ glaubt zwar nicht, daß sich diese Vorgänge bei uns buchstäblich wiederholen. Aber er hat längst nachzudenken begonnen, wo sich exakt dieselben Vorgänge, die in der Logik des heutigen Zentral- und Versorgungsstaates liegen, also in derselben Linie wie der des Rom der Kaiserzeit seit Caesar, in lediglich anderer Kostümierung wiederfinden. Oder anbahnen. Denn daß es auf die selben Ergebnisse hinauslaufen wird, daran hat er keinen Zweifel. Zumal wir es in den ehemaligen Ostblock-Staaten ja erst kürzlich hatten, und in China nach wie vor nicht weit davon entfernt sind.





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Donnerstag, 5. Mai 2016

Was dem Staat noch alles einfallen wird (1)

Wie die Rente der Schildbürger aussieht? Sie nehmen ihren Lohn und stecken ihn in die rechte Hosentasche. Dann gehen sie in die Kneipe und erzählen, wieviel Geld sie in der rechten Tasche hätten. "5000!" Wow, pfeifen die Freunde Beifall. Was machste damit? na das brauch ich, für Miete und Essen und so. Aha, aber später einmal, sagen sie dann, haste nix mehr? Steck doch was in die linke Tasche, die für später! Da nimmt der Schildbürger das Geld aus der rechten, und steckt es in die linke - Siehste! Auch 5000! Wow, pfeifen die Freunde wieder. Damit wirste für später echt was haben. Es geht ans Zahlen. Der Schildbürger greift in die rechte Tasche - da ist aber nix. Oh, sagt er, da ist aber bald wieder was, sagt er, ich  muß nur arbeiten! Und er unterschreibt einen Schuldschein. Den lös ich ein, wenn ich den nächsten Lohn kriege, sagt er den Freunden. Und die nicken begeistert. Aber, sagen sie dann, wovon lebste dann nächsten Monat? Hm, unser Mann überlegt, dann hat er die Lösung: Ich arbeite einfach doppelt! Jetzt sind wirklich alle zufrieden, und der Abend dauert noch lang.

Naja, eine schwache Metapher, aber man fühlt doch die Sinnlosigkeit, die dahinter steckt. Eine Sinnlosigkeit, die der VdZ seit eh und je angeprangert hat, als er von "privater Säule des Rentensystems" hörte, von Geldanlage für später, von Riester-Rente und wie das alles hieß. Was sich in Österreich ohnehin nie wirklich durchgesetzt hat, als die superklugen Wirtschaftsexperten von der Notwendigkeit predigten, sich durch private Vorsorge die Altersrente zu sichern. "Lassen Sie ihr Geld für sich arbeiten," warb sogar eine Bank. Erstaunlich.

Nun steht Deutschlands Staat vor einer schwierigen Aufgabe: Er muß sich entscheiden, ob er diese Form der "Vorsorge" im ihrem Realwert garantiert und stützt, oder den Wirren der Zeit ausliefert. Es ist eine Entscheidung um viele Milliarden, die auf den deutschen Fiskus zukommen. Und ohnehin nur eine Entscheidung über die Sozialisierung von Verlusten, die über Stueern wieder ausgeglichen werden muß. Aber immerhin hat die Politik es den Bürgern eingeredet!

Aber was niemand berücksichtigte ist, daß man mit dieser Art von Vorsorge den Druck auf seine eigene Arbeitsleistung erhöht. Und wenn man es selbst nicht tut, dann auf die Arbeitsleistung der Nachkommen. Denn Geld "erwirtschaftet" nichts. Buchstäblich. Es sind immer Menschen, die jenen Wert erwirtschaften, den Geld als Tauschmittel repräsentiert, in allen Schwankungen und Relativitäten, vor allem an den Rändern, aber grosso modo. Jedes angelegte Geld "erwirtschaftet" nämlich nur dann "Rendite", wenn diese Rendite auch erwirtschaftet wird. Aber was tun, wenn sich der reale Leistungswert einer Volkswirtschaft kaum erhöht, eher sogar schrumpft?

Denn auch die Rechnungen eines BIP sind ja zu großen Teilen ein Wettbewerb im Selbst- und Volkbelügen - alleine die Sozialleistungen etwa (man denke nur an die Kosten der Zuwanderung) sind zwar für den Einzelnen "Einkommen", aber in Summe pure Belastung für ein Staatsvolk. Gleiches gilt - wenn auch mit anderen Aspekten - für Beamte, Sozialpädagogen, und weiß der Deibel was noch an staatsöffentlichkeitsbezahlter Tätigkeit. Wenn also "Experten" im Fernsehen auftauchen, die von "wirtschaftsbelebenden Effekten" solcher Ausgaben faseln, sollte man sie sofort in die nächste Waschstraße oder zur Bautruppe am nächsten Hochhaus in Frankfurt schicken, die noch Bedarf an adäquatem Personal hat.

Machen wir es an einem weitern Beispiel fest, vielleicht diesmal einleuchtender: Jemand investiert 100 Euro in Betriebsaktien "Superprodukt". Das ist zufällig das Unternehmen, in dem er arbeitet. Nun werden ihm 4 % Rendite versprochen, heutzutage viel. Was freilich niemand dazusagte: Diese 4 % Rendite sind vom Gewinn dieser Firma abzuleiten. Das heißt: Der Mann muß auch um 4 % (wozu noch Reibungsverluste kommen, denn jeder Vorgang zusätzlich kostet auch zusätzlich Energie, also Geld, Arbeitskraft etc.) "besser" arbeiten. Etwa um 4 % mehr Superprodukte herstellen, oder um den Betrag dieser 4 % mehr arbeiten, ohne mehr Lohn zu erhalten. Er bezahlt sich also in jedem Fall diese "Rendite" selbst.

Was im Einzelfall verschwimmt und nicht nachvollziehbar ist, ist es in der Summe einer Volkswirtschaft auf jeden Fall. Den Beweis dafür hat nun die sogenannte Riester-Rente angetreten. Von der sich nun herausstellt, daß man zwar Jahrzehnte die Arbeitnehmer in eine angebliche "Privatvorsorge" getrieben hat, daß diese nun aber - mangels Produktivitätssteigerungen, die das Gegenteil ergäben, durch um überhaupt die Währung zu erhalten niedrigste oder überhaupt ausbleibende Zinsen - als ertragslos herausstellt. Und das heißt in Wirklichkeit: an Wert verliert, weil ja da noch die Inflation ist. 

Das heißt: Es wird nix mit der erhofften Altersvorsorge. Genauso gut hätte der Deutsche sein Geld unters Kopfkissen schieben oder in der Kneipe in seinen Bauch investieren können, um einmal vom Hüftspeck zehren zu können. Ja, dieses Geld ist sogar noch ernsthafter bedroht, als man öffentlich zugibt. Denn die gigatnische vermehrung des Geldumlaufs durch die Europäische Zentralbank hat in Wahrheit der europäischen Währung ein Entwertungspotential von knapp der Hälfte eingeschrieben, das nur noch nicht realisiert ist, aber eines Tages ohne Zweifel realisiert sein wird. Es sei denn ... die staatliche Garantie wird realisiert, und das heißt dann: Die nächste Generation wird diese Zusagen einhalten müssen. Also wird die nächste Generation entweder weniger haben weil mehr Steuern bezahlen, oder sie wird noch mehr arbeiten müssen.

Wer da nun glaubt, daß der Staat bei uns bereits das Maximum seiner Zwangsmöglichkeiten ausgeschöpft hat, sollte sich einmal die Zeit der römischen Kaiser ansehen, beginnend also etwa ab Caesar bzw. seinem Stiefsohn Augustus. Was sich in den kommenden Jahrhunderten in Rom abspielte, erweitert unsere Phantasie für die Gegenwart und Zukunft, die uns selbst bevorsteht. Denn die Kaiser haben es natürlich auch "gut gemeint", und ohne Zweifel "fürs Gemeinwohl" gearbeitet. Die Form der möglichen Zwänge reicht enorm weit. 


Morgen Teil 2) Was also Rom so alles einfiel





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Mittwoch, 8. Oktober 2014

Tanz um den Funken Wahrheit

Was den VdZ mißtrauisch macht ist, daß die Gegenwehr gegen kollektive Schuldzuweisungen für Holocaust und Kriegsschuld (1914 wie 1939) dazu neigt, einen Schuldigen zu verteidigen, der sich von so manchem Mitgemeinten deutlich unterscheidet. Denn was hier anzuklagen wäre - und hier hätte auch tatsächlich so manche Schuldzuweisung ihren tieferen Sinn - wäre eine Auffassung von Staat, die doch tatsächlich abzulehnen ist. Selbst wenn sie nur eines der Gewächse europäischer Staatsentwicklung ist.

Aber der positivistische Staat - aus Hegel und Preußen gemixt - hat keine Verteidigung verdient. Er ist der Totengräber wirklichen Volkstums, das er aus seiner Verwurzeltheit in Sphären pseudologischer, zweitwirklicher Rationalismen drückt, bis es entschwunden ist, weil man danach handelt. Er ist ein Produkt der zentralistischen Propaganda, einer Ebene des Menschen, wo er sein Wahrnehmen und seinen Dialog mit dem Wirklichen durch Worthülsen überlagern läßt, um es salopp zu formulieren. Auf daß er sich selbst entfremdet wird.

Also verteidigt so mancher Gutmeinende, dessen Heimatliebe gar nicht an Abrede gestellt werden soll, ein Deutschland, das in Wahrheit bereits die Selbstentfremdung der deutschen Menschen mit sich selbst war. Und das begann mit Bismarck, dem Kaiserreich der Hohenzollern (und in hinkendem Gleischritt dazu dem österreichischen Kaiserreich), wenn nicht als Folge des 30jährigen Krieges. 

Der Verdacht drängt sich auf, daß dahinter ein Wunsch und verführerischer Traum von Größe steckt, der selbst keineswegs ein wünschenswertes Ziel ist, sondern bestenfalls Folge eines starken Selbstseins der Deutschen ALS jeweilige Teile eines Umfeldes oder als Summe von Teilvölkern, die sich zu Staaten formieren, sein kann. Der aber das Eigensein, und nur dort gäbe es die erwünschte Stärke, überfliegt.

Das erklärt nach Auffassung des VdZ sogar vieles an der deutschen Politik, besonders in der Gegenwart. Die in ihrer Halbherzigkeit egal in welcher Richtung wirkt, als würde man einfach zu keinem Entschluß kommen können, einerseits ein totes Pferd zu reiten, anderseits dieses tote Pferd zu neuem Scheinleben aufzublasen, etwa um "der realen Bedeutung Deutschlands in Europa ihre Gestalt zu verleihen", ohne einen schöpferischen Umgang mit dem Deutschsein überhaupt zu kennen oder zu wagen. So baut man, im Dunkelen herumtappend, unbewußt weiter an einem zentralistischen Deutschland, dessen Schatten an der Wand man aber wieder auszutreten sucht. Und zwar sogar durchaus mit Recht.

Nur dort aber, in für viele neuartiger, aber notwendiger Differenzierung, könnte ein Weg zu einem für alle Seiten überraschenden Konsens auch in der historischen Aufarbeitung zu finden sein. Der sowohl den sogenannten "Nestbeschmutzern" wie den "Verteidigern" den Wind aus den Segeln nimmt, aber diesen berühmten Funken Wahrheit aufgreift, um den beide Seiten herumtanzen, ohne ihn aber zu sehen. Dessen nie artikulierte Stellvertreterfunktion sie hier nicht loswerden, dort aber nicht überwinden - weil er der wahre Kern in den geschichtlichen Ereignissen, der damit in der Gegenwart fortwirkt.

Denn der Irrtum, der Fehler war nicht "der Holocaust" oder "der Nationalsozialismus", sondern diese (preußische, im wahrsten Sinn: moderne) "Idee von Deutschland", die tatsächlich von so vielen politischen Entwicklungen nicht zu trennen ist. Und nur deshalb hielt, weil das wahre Deutschland - das zumindest aus zwei Kulturkreisen und Volkswesen und damit Staaten besteht (Stichwort "Weißwurstäquator") - von einer Ideendecke ins Vergessen abgedrängt und künstlich zu einem "neuen Deutschland" gemacht wurde. Das tatsächlich "neu" war. Und der sich im Nationalsozialismus (was an dieser Stelle schon hinlänglich begründet wurde) als Prototyp des heutigen modernen Staates nur auf die Spitze brachte, in Wahrheit aber nicht aufhörte, auch nicht 1945.

Gelingt es nicht, diesen gewissermaßen "dritten Weg" zu beschreiten, droht Deutschland in den nächsten Jahren neuerlich in bloße dialektische Gegenreaktion zu verfallen, um sich - notwendigerweise! - einen Platz in der Welt zu sichern. Denn das derzeitige Vokabular, das auch in sogenannten rechten Kreisen auftaucht, ist völlig ungeeignet und voller Widersprüche. Damit wenig geeignet, das Mißtrauen, das man dabei unwillkürlich empfindet, zu überwinden.*




*Nicht unähnlich der Reaktion vieler, die gegen den Islam wettern, und mit den neblichten Schlagworten Demokratie und Stellung der Frau als zu verteidigende Werte argumentieren. Und sich damit auf derselben Wesensebene wie der Islamismus bewegen, nur die eine Blüte gegen eine andere austauschen wollen, "weil sie halt recht haben".




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Freitag, 3. Januar 2014

Koalition der Wurzellosen

Die Analyse der Situation Europas zu Beginn der Renaissance von Henri Pirenne endet mit einem verblüffenden Fazit. Denn die einzelnen Wege, die sich mit einem male zusammenführen und die Neuzeit des Kontinents einleiten, sind sämtlich stringent, aber von verschiedensten Richtungen aufgebaut worden: Es sind die Monarchen gewesen, die von den drei mächtigen Neuerungswegen, die zwischen 1450 und 1550 das ganze Abendland auf den Kopf stellten, am meisten profitiert haben, und ohne die sie sich nie hätten durchsetzen können. Als Allianz von vier schwachen gesellschaftlichen Kräften, die einander brauchten: Den Königen und Kaisern, den Bürgen und Kapitalisten, dem Bildungsadel und bürgerlichen Beamtenstand, und den religiösen Eiferern und Neuerern.

Nur in dieser Symbiose konnten sich diese Kräfte gegen den alten, mit dem Volk verwachsenen Adel, gegen das gewachsene Gewerbe und das reaktionäre Zunftwesen, sowie gegen die traditionelle Stellung des Klerus, der das geistige Monopol hielt, durchsetzen. 

Alle diese Emporkömmlinge und Neuerer brauchten die Legitimation und rechtliche Absicherung. Der Kaiser, die Könige und Fürsten verschafften sie ihnen. Und erhielten als Gegenleistung endlich eine ihnen treu ergebene weil von ihnen abhängige Bevölkerungsschichte, die vor allem aber eines hatte: GELD. Erst damit konnten die Monarchen Politik machen, Heere ausrüsten, Einfluß kaufen. Und so schuf sich in diesem einen Jahrhundert mit einem male eine zuvor noch nie gesehen Machtstellung der Fürsten, die die Entwicklung zum Absolutismus bedeutete.

Sie mußten² nicht mehr die Absetzung durch die Völker fürchten, mußten sich nicht mehr den lästigen Kontrollen in den ständischen Räten stellen, mußten sich nicht mehr der Gängelung durch die Kirche unterwerfen, mußten nicht mehr mühsame Bündnisse mit ihren Teilfürsten suchen, um Außenpolitik zu machen, und konnten einen Hof führen, eine Lebensart pflegen, die es in dieser Pracht und Machtfülle noch nie in Europa gegeben hatte. 

Und ihren Verbündeten schufen sie dieselbe Freiheit - die Studierten trennten sich vom Glauben, das Wissen von der Theologie, der Kapitalismus überrundete die streng reglementierten Gewerbebetriebe und begann sich über die ganze Welt - buchstäblich - auszubreiten (es war die Krone, die das Geld zur Entdeckung Amerikas gab). Neue Geschäftsfelder, die die ersten Schrecken des Kapitalismus bereits vorwegnahmen, wie die rücksichtslose Ausbeutung von Bodenschätzen.*

Und die reformierten bzw. protestantischen Kirchen konnten sich von Rom lösen und ihre eigenen respektierten Kirchen gründen, und ungehindert ihre Ansichten im Volk verbreiten. Es waren die Monarchen, die die Renaissance förderten, die so völlig neue Lebensannehmlichkeiten brachte, das Denken völlig auf den Kopf stellte.** Welch innere Dynamik sie trugen zeigt u. a. der Calvinismus, der wenn man ihn ließ, wie in Genf, eine totalitäre Struktur zeitigte, wie wir sie erstmals wieder rein technisch mit dem Internet, der Kontrollmöglichkeit bis in den letzten Lebensbereich hinein, erreicht haben.***

Und die Fürsten, die in der Huld der Monarchen standen, oder wie in Deutschland allerspätestens seit Friedrich II. dem Staufer ihnen im Streben nach Macht und Pracht nacheifern wollten, weil sie scheinbar ohnehin von einem Oberherren emanzipiert waren? Sie konnten mit den Kirchengütern gelockt werden, die es zu requirieren galt, und nach denen sie ohnehin immer schon geschielt hatten. Sie übersahen, wie in Deutschland, daß diese Partialmacht einen großen Verlierer hatte - die gewachsene, natürliche Struktur ihrer Völker, der Gedanke des Föderalen, ja genau genommen: der der Subsidiarität. Ersetzt wurde das durch den Zentralismus, wie er mit der Aufklärung, die endgültig das geistige Futter für diesen Umsturz lieferte, das geistige Ziehbett erhielt. 

Kapitalismus, Aufklärung, Reformation und fürstlicher Absolutismus und Zentralismus, dessen Nähe zum orientalisch definierten Despotismus eines gottähnlichen Monarchen alles andere als zufällig waren, und dem die deutschen Fürsten, als letzte in Europa, mit der Gründung des Kaiserreichs 1871 zum Opfer fielen, waren also je aufeinander gestützte Schwestern. Eine Koalition der WURZELLOSEN. Denn genau das waren sie. Alle.****



²Was in dem heutigen historisch-sachlich (prinzipiell auf jeden Fall) falschen Haß auf die Kirche völlig übersehen wird ist, daß die Katholische Kirche die einzige gesellschaftliche Kraft geblieben war, in all den Jahrhunderten und Jahrtausenden, die den Herrschen in ihrer Tendenz, ihre Macht zu verabsolutieren, Widerstand geboten hatte, nachdem das gemeine Volk zunehmend ausgeschaltet war. Auch heute noch kommt der Haß auf die Kirche nicht aus dem einfachen Volk. Er kommt nach wie vor von den Emporkömmlingen, die Allianzen mit der Macht suchen (siehe u. a. "Marsch durch die Institutionen"). Ihre Berufung auf das Volk ist eine glatte Lüge. Linke ebenso wie Linksgrüne sind Bewegungen des bürgerlichen Kapitalismus. Und so waren es so gut wie alle sogenannten Revolutionen (darüber wurde an dieser Stelle bereits ausführlich berichtet; siehe Stichwort "Jacques Ellul"), die  man mit völlig anders gearteten (selteneren) Notaufständen nicht in einen Topf schmeißen darf. Wenn heute gerade linke Parteien deshalb mit der Angst vor "sozialen Unruhen" argumentieren, so dient dies ausschließlich der Erhaltung ihrer Machtsysteme. Der Leser möge darauf einmal genau achten.

*Kaiser Maximilian mußte bereits zu Beginn des 16. Jhds. Gesetze zur Wiederaufforstung im Unterland von Tirol erlassen, weil der durch die Pächter (wie die Fugger, Welser etc. - alles Emporkömmlinge, sie alle kamen aus dem Nichts, und doch stützte sich die kaiserliche Macht fast zur Gänze auf sie) Salz-, Kupfer- und Silberbergbau, der sich ausschließlich durch SEINE bzw. kaiserliche Initiative entfaltet hatte, die Wälder rücksichtslos abgeholzt und Mondlandschaften hinterlassen hatte.

**Eines von vielen Details: Erstmals taucht in der Innenausstattung, dem Möbelbau, etwas auf, das zuvor völlig bedeutungslos gewesen war - Bequemlichkeit. Ja, erstmals tauchten überhaupt feste Möbel auf. (S. u. a. Siegfried Giedions erhellende Geschichte der Alltagskultur, die er als Weg zur "Herrschaft der Mechanisierung" zeigt)

***Die Parallelen sind überzufällig, und sie zeigen genau das, was sie zeigen - eine Staatskirche, einen Klerikerstaat: Wenn heute Menschen ihrer angeblichen oder vermeinten Einstellungen wegen ruiniert, aus ihren Positionen entfernt werden. Wer heute eine gesellschaftlich relevante Stellung einnimmt, muß längst achtgeben, daß er nichts Falsches, nichts gegen die herrschende Doktrine sagt! Es kostet ihn die Existenz. Genau, wie es im Genf des 16. Jhds. war, um nur ein Beispiel zu nennen. Die Strukturen decken sich aufs Haar.

****Auch der Begriff des Monarchen ist ja ohne Bezug zum Boden, ohne feste Verankerung. Und bis in die neueste Neuzeit hinein war ihr Herrschaftsbereich nicht auf Land und Boden bezogen, sondern lediglich an ihre Person und persönliche Bindung. Mit dem Volk verwurzelt waren immer  nur die kleinen Vögte und Grafen und Herzöge, die aus den Besten des Volkes jeweils hervorgingen bzw. sogar gewählt wurden. Adel im besten, ja im eigentlichen und patriarchalen Sinne, als mit dem Volk zur Familie verbundener Landadel, wie es ihn sehr wohl gab. (Eine sehr lesenswerte Geschichte, die glaubhaft die Entstehung solcher gesunder Volksstrukturen beschreibt, ist "Witiko" von Stifter.) Die Entartung der Herrschaft zur Unterdrückung ihrer Untergebenen, wie sie etwa auch in der selben Zeit ihre Auswüchse zeitigte, wo die Untertanen im eigentlichen Sinn entstanden, willenloses Material in den Händen herrscherlicher Willkür, geht bereits auf einen neuen, wurzellosen Kunstadel zurück, der sich aus königlichen, monarchischen Dienstnehmern - wieder allesamt Emporkömmlinge - rekrutierte.





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Samstag, 14. Dezember 2013

Die Sache des Volkes

Es wäre aber, schreibt Henri Pirenne, völlig falsch gedacht, die Auseinandersetzungen zwischen Papst und Kaisertum, die sich das ganze 12. und 13. Jhd. hinzogen und mit wesentlich für den Aufstieg Frankreichs war, als einzige verbliebene Schutzmacht der Kirche. Wer so denkt, schreibt der Belgier, trägt heutiges Denken in eine Zeit hinein, die völlig anders dachte, und folgt nicht einmal den greifbaren Tatsachen. Keineswegs waren nämlich die Kaiser die Verteidiger der Freiheit der Menschen, die die Kirche zu beschneiden dachte - es war nachgerade umgekehrt, auch wenn es die Geschichtsschreibung der Neuzeit gerne anders darstellt.

Wenn sich die Päpste gegen das Kaisertum stemmten, so keineswegs aus Machtversessenheit, sondern weil sie tatsächlich die Freiheit der Religion - und damit des gesamten Lebens, denn der Mensch des Mittelalters war tief religiös - gegen weltiche Absolutheitsansprüche verteidigten. Denn was sich in Friedrich Barbarossa, was sich in Heinrich VI., und dann vor allem in dessen Sohn Friedrich II., aber nicht weniger bei deren Kontrahenten wie Otto IV., eindeutig ablesen läßt war deren Tendenz, eine Machvollkommenheit und Kaiserherrlichkeit aufzubauen, die sich am Zentralismus der Kaiserzeit des antiken Rom, noch mehr aber fast am orientalischen, der Vergötterung nahen oder gar mit ihr in eins fallenden Despoten orientierte. Mit denen sie durch die Kreuzzüge in direkten Kontakt kamen. Diesen Herrschaftsanspruch wollten die Kaiser damit auch auf die Kirche und die Religion ausdehnen, wie es im Orient der Fall war.

Die Päpste dieser Zeit vertraten also die Sache des Volkes, und das wurde auch vom Volk so gesehen. Die Verbündeten des Kaisers waren entsprechend gerade nicht jene, die ums Volkswohl bemüht waren, sondern wie bei den Städten jene, die nur ihre persönlichen Vorteile sahen.

Aber mehr noch: Der Streit um den Rang des Kaisers und den des Papstes, um die Investitur von Bischöfen und deren Rang im Reichsgefüge, muß sogar als Streit innerhalb der Kirche aufgefaßt werden. 

Aber es war letztlich die politische Sache Frankreichs, ihr Sieg bei Bouvines 1214, der die Freiheit der Kirche UND die Freiheit der europäischen Staaten (durchaus im heutigen Sinn: die Niederlage Englands und Otto IV, des Welfen, stärkte in England Volk und Adel, was die Magna Charta brachte) sicherte. Eine Entwicklung, die schließlich in Napoleon endete, der das Ende des Kaisertums universaler Prägung brachte. Dessen Todesstoß damit bereits im 13. Jhd. erfolgte. Wo das Reich zum "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation" herabsank. Die einzige universale Macht, die übrigblieb, war das Papsttum.

Und mit ihm ... stieg das internationale Geldwesen auf.




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Freitag, 6. Dezember 2013

Ins Gegenteil umgeschlagen

Es wäre verfehlt zu meinen, daß der von der Kirche und Religion völlig getrennte weltliche, säkulare Staat ein Erfingung weltlicher Politik wäre, schreibt Henri Pirenne. Und macht auch hier eine Linie der Entwicklung sichtbar. Denn vielmehr ist der säkulare Staat eine direkte Folge kirchlicher Entscheidungen.

Die Entwicklung ist freilich komplex. Und sie drückte sich im Investiturstreit im 11./12. Jhd., der in jeder Hinsicht gegenteilig ausging, als Kirche und Kaisertum gewollt hatten, erstmals prägnant aus. An dessen Ende die regionalen Fürsten und das sich in dieser Zeit erstmals entwickelnde Bürgertum als Sieger dastanden.

Im 10. Jhd. war das Papsttum völlig den Ränken und Begierlichkeiten römischer Adeliger und italischer Fürsten unterworfen. Es gab bis zu drei Päpste gleichzeitig, die von je einer Machtgruppierung eingesetzt worden waren. Bis Otto III. die päpstliche Macht getreu seinem (sehr hohen, idealen) Selbstverständnis als Protektor der Kirche wiederherstellte, ordnete und schützte, was für die Kaiser vorerst zu einer Daueraufgabe wurde. Weil es zu einer Einsetzung der Päpste durch den Kaiser führte. Aber damit wußte sich die Kirche immer mehr eingeschnürt und abhängig. Der Kaiser hatte sie sich selbst zum Gegner gezüchtet, denn in der Kirche selbst regte sich ein neues Selbstverständnis, ausgelöst über Reformbewegungen, die auf mönchisches Potential zurückgriffen. Mit der bedeutendsten Bewegung - jener von Cluny.

Sehr rasch wuchs der Kirche eine ungeheure Reputation und geistliche Macht im Volk selbst zu. Während der Kaiser fast zwangsläufig zunehmend Mönche aus dieser Erneuerungsbewegung wählte, um sie zu Päpsten einzusetzen.

Doch diese aus ihrer Natur heraus weltabgewandte, mönchische Reformbewegung bedeutete einen völligen Rückzug der Kirche aus der Welt, eine völlige Entflechtung, bis hin zum definitiven Verbot der bis dahin oft tolerierten Priesterehe im Jahre 1022. Sie wurde in ihrer Selbstdefinition zu einer heiligen, unantastbaren, reinen göttlichen Einrichtung, in die kein Mensch einzugreifen hatte. Und dieselben Päpste, die ihre Investitur dem Kaiser verdankten, ergriffen bald Maßnahmen, um sich aus dieser Macht zu lösen. Und sie stießen gleichzeitig den weltlichen Staat der Fürsten auf sich selbst zurück. Während das Reich des Kaisers (das nicht als Staat aufzufassen war und ist) zu einer Institution wurde, die sich völlig der göttlichen Salbung verdankte, damit vom Papst abhängig war. So sah es im 11. Jhd. auch das Volk. Nicht zuletzt auf dieses neu entfachte Selbstbewußtsein ist auch die Kirchenspaltung mit Byzanz 1054 zurückzuführen.

Was alles für das Bürgertum, das durch den aufkommenden Handel im Norden Italiens zuerst sich regte, ein willkommener Anlaß war, sich aus kaiserlichen Verpflichtungen loszusagen. Erstmals entwickelte sich also ein bürgerlich-politisches Selbstbewußtsein, das sich von der übergeordneten Macht emanzipierte. Während sich das Kaisertum selbst in seiner realen Macht ohnehin nur noch auf Deutschland bezog, weil sich der überwiegende Rest Europas - die slawischen Länder, oder Frankreich - schon zuvor emanzipiert hatte.

Wenn gleichzeitig, wie es schließlich Gregor VII. 1076 festlegte, der Kaiser keine Bischöfe mehr einzusetzen hatte, so nahm er diesem aber die Säulen seiner (weltlichen) Macht. Die die schon von Beginn unter Karl dem Großen an machtlosen Kaiser durch Einsetzung und Belehnung von Bischöfen mit Ländern mühsam aufgebaut hatten. Denn aus der Entwicklung des Kaisertums seit Karl dem Großen heraus, waren die Bischöfe, war die Kirche die bewußte und entscheidende Säule des Kaisertums überhaupt. Nahm man dem Kaiser den Einfluß darauf, schwächte man ihn politisch - und mit ihm zugleich den Schutzherren der Kirche. Die Kirche mußte sich also andere Allianzen, eigene Machtpolitik suchen, und tat es auch, wie etwa in der Allianz mit den Normannen - gegen den Kaiser, oder der späteren Anlehnung an Frankreich.

Nun waren aber in Deutschland die (meisten) Bischöfe mit Lehen belehnt, waren zugleich Landesherren. Ihnen diese Lehen zu entziehen, was einzige Möglichkeit des Kaisers gewesen wäre, hätte ihn nun in offenen Konflikt mit der Kirche gebracht. Kaiser Heinrich V., der Sohn Heinrich IV. (Canossagang ...), wagte bereits nicht mehr, Bischöfe zu investieren. 

Gleichzeitig war den Landesfürsten diese Regionalisierung der Kirche ja sehr recht, denn so konnten sie direkteren Einfluß auf die jeweiligen Bischofswahlen nehmen und damit ihre eigene Macht vergrößern - die regionalen Konsistorien, die die Bischöfe wählten, bestanden zudem vorwiegend aus adeligen Söhnen. Auch hier also war das Ziel einer Straffung der Kirche, vor allem auch in ihrer sittlichen Kraft, ins Gegenteil umgeschlagen: Noch nie waren die Bischöfe derartig unter der Fuchtel der Landesfürsten gestanden, wie im 11./12. Jhd., wenn auch in einer seltsam erscheinenden Doppelgestalt. Einesteils wurde mit der Kirche politisch gewillfahrt, anderseits wurde sie von denselben Fürsten (und vom tief religiösen Volk) mit Schenkungen überhäuft - in dieser Zeit entstanden erstmals wirkliche kirchliche Reichtümer, entstanden erstmals die prächtigen Dome und Klosteranlagen.

Aber der Einfluß des seiner Macht völlig entkleideten Kaisers auf diese Fürsten war noch nie so gering gewesen, was nicht zuletzt durch den Umstand möglich wurde, daß es zu dieser Zeit keinen größeren Angriff ausländischer Völker (im Osten) gab, der eine kaiserliche Zentralmacht ins Interesse aller Fürsten gestellt hätte. 

Gleichzeitig hatte die Kirche selbst die Entwicklung rein säkularer, von der Religion getrennter Staaten provoziert.* Und das war historisch ein Novum. Denn nie und nirgendwo in der Geschichte, weltweit, hat sich weltliche Macht auch und vor allem in den Augen der Menschen völlig von göttlichem Auftrag getrennt. Nur in Friedrich II., dem Stauferkaiser, hat sich dieser Konflikt noch einmal ausgetragen. Er endete mit der Niederlage des Kaisertums, und der Entwicklung autonomistischer, später nationaler säkulärer europäischer Staaten, die sich aus dem Bürgertum nährten.

Ein deutscher Reststaat - denn es waren bereits die Separatgründungen Schweiz, Niederlande, Luxemburg, Österreich, oder etwa die Franzisierung Lothringens bzw. des Burgund zuvorgegangen - hat sich aus dieser Entwicklung heraus ... erst im 19. Jhd. entwickelt.




*Die Idee des Reichs und Kaisers ist aber die einer "mystische Ehe", unauflöslich und in einem wechselseitigen Rhythmus mit der Kirche gekoppelt, weil sie nur so die Doppelnatur der weltlichen Macht (geistlich und politisch) in der Inkarnation des Reiches Gottes, der Kirche also, verkörpert. Die spätere Entwicklung des Kaisertums läßt sich als notbedingtes Ringen um weltlich-politische Macht, zu deren Faktor sie reduziert wurde, definieren, wo die Kaiser dieser reinen Idee in der Suche um ihr zweites Bein sogar oft treuer blieben, als die Kirche, die nicht selten ihre Rolle verweigerte, selbst jenes Bein, das sie selbst sich abschlug, zu ersetzen suchte. Und ihr "Bündnis mit dem Thron" immer wieder neu zu gründen suchte. Die Milch war aber bereits damals verschüttet.  





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Mittwoch, 30. Oktober 2013

Ein neues Reich

Der Übergang von den Merowingern zu den Karolingern ist keineswegs die einfache Fortsetzung einer Staatsgeschichte, schreibt Henri Pirenne, auch wenn beide Staatsgebilde sich "Fränkisches Reich" nannten.

Die Merowinger waren wie Rom, ein Laienstaat, ihr König ein "rex francorum". Die Karolinger aber verdanken ihr Mandat der Kirche, sie waren deshalb "Dei gratia rex Francorum" - Könige von Gottes Gnade. Auch ihr Reichsgebiet hat sich dramatisch geändert. Nun sind gleich viele Germanen wie Romanen "Franken", während die merowingische Herrschaft ein quasi romanisches Volk hatte, und die Antike weiterführte. Erst hier ihnen endet die Antike, beginnt das Mittelalter.

Die Hausmeier, die Verwalter der Merowinger, sind nur scheinbar die Erben eines im 7. bis 8. Jahrhundert unter dem Ansturm wie Anlaß der Araber zu Dekadenz und Chaos heruntergekommenen Reichs. Sie gründen es in Wahrheit neu, verdrängen die Merowinger. Der Königs- und dann Kaiserbegriff, unter den Karl der Große fällt, unterscheidet sich grundlegend von dem eines römischen Kaisers - jener war Imperator. Karl und die von ihm begründete Kaisertradition ist hingegen auf ihrer Eigenschaft als Oberhaupt der Ecclesia, der Kirche, als Haupt der Christenheit als Vollbild der menschlichen Gesellschaft auf Erden, begründet. Eine Entwicklung, die ihre Entstehung - dem Einbruch des Islam in die Welt des Mittelmeeres verdankt, der das römische Reich, die antike Welt zerstört.

Nun bekommt auch die Salbung eine völlig neue Qualität, und schließt an die alttestamentliche Königssalbung an. Wo sich im König Priester- und Herrschergewalt ("Zwei Schwerter") vereinen. Die Königssalbung ist von der Priesterweihe nur wenig zu unterscheiden.* Ein Verständnis also als "Amt", nicht mythischer Abstammung eines fleischlichen Menschen. Freilich mit neuen Spannungsfeldern, die sich dann im Investiturstreit definitiv entladen, aber bis in die Gegenwart virulent bleiben in der Frage: Was ist der König? Was ist die Kirche? Welche Stellung hat die Kirche zur weltlichen Macht?

Denn mit den Karolingern sind die Könige/Kaiser der Kirche unterstellt. Ihr verdanken sie ihre Legitimität. Mit der Renaissance freilich lebt der alte Herrscherbegriff wieder auf, und spitzt sich im Absolutismus zu. Noch Ludwig II. (der Bayernkönig) wird sich im 19. Jahrhundert auf dieses alte Herrscherverständnis berufen.



*Man betrachte nur den Fall der Anglikanischen Kirche - deren Oberhaupt der König ist. Auch der Protestantismus in Deutschland wird später aus vielen Quellen dieser Richtung gespeist. Denn eigentlich lebt in Luther diese Einheit des Amtes - im Landesherren, in der staatlichen Obrigkeit - wieder auf, die der Papst Gregor VII. auseinandergerissen hat. Während bei Luther die Kirche als Institution überhaupt verschwindet.




*301013*

Dienstag, 9. Juli 2013

Teufelskreise

Man darf zwar nicht den Fehler machen, diese Vorgänge für eine Volkswirtschaft selbst zu halten, aber war die Graphik recht gut darstellt sind die für sich betrachtbaren Regelkreise, in die Finanzpolitik in den drei Faktoren Banken - Nationalbanken (Währungsstabilität) - Staat (Steuern) zusammengespannt sind.

Quelle: FAZ

Mehrere Faktoren bestimmen diese Regelkreise, betrachtet man sie für sich: Steuern, Schulden, Geldmenge, Zinsniveau, Inflation/Deflation (Geldwert). Sie bestimmen das Vertrauen in eine Währung, die unter einem gewissen Blickwinkel als Verpflichtungen des Staates gesehen werden können. 

Wesentlichster Faktor ist deshalb die Rückzahlkraft eines Staates, die den Wert der Staatssschuld bestimmt, und sich wesentlich aus der Einschätzung der zukünftigen Steuereinnahmen speist. In diesem Lavieren befindet sich ein Staat in zwei Teufelskreisen. Denn steigt der Wert seiner Schulden (Staatspapiere), erhöht sich die Geldmenge über Kredite der Banken. Damit aber wird Inflation wahrscheinlich, die diesen selben Wert wieder senkt. Die Wirtschaft geht zurück, die zukünftigen Steuereinnahmen sinken. Und umgekehrt. 

Dazu kommt die Geldwertpolitik, die diese beiden Faktoren auszugleichen versuchen muß. Der Staat steckt deshalb in einer Zwickmühle. Betreibt er Inflationsbekämpfung durch Senkung der Staatsausnahmen, gefährdet er das Wirtchaftswachstum, und er gefährdet den Wert seiner Schulden. Wenn er Politik betreibt, die Wirtschaftswachstum durch Geldmengenwachstum hervorreizen soll, geht das Spiel mit umgekehrten Vorzeichen, und er kann sich nur durch Inflation entschulden, weil die Steuerbelastung dämpfende Wirkung hat. Damit sinkt der Wert seiner zukünftigen Steuereinnahmen.

Diese Regelkreise überlagern sich wechselseitig, und das kann zu einem Punkt führen, daß sich überhaupt keine Fiskal- und Währungs- und Zinspolitik noch berechenbar verhält.  Nur so aber kann Vertrauen in eine Währung aufrecht bleiben.

Derzeit wird diese Sichtweise von Geld/Währung unter Ökonomen heftig diskutiert. Zumal die Realität tatsächlich zeigt, daß sich die diesen Systemen unterlegte Voraussetzung (Vertrauen in das Geld bzw. eine Währung) sprunghaft und auf den Staat selbst bezogen verhält. Man merkt aber lange Zeit gar nicht, ob das Vertrauen in das Geld sinkt oder stabil bleibt, es drückt sich aufgrund dieser Regelkreise nicht aus. Sodaß sich eine eventuelle allmählich vorgegangene Erosion des Vertrauens blitzartig und überraschend auswirkt. Wie es sich in Argentinien im Jahre 2000 abgespielt hat. Dann "springt die Inflation aus der Kiste.

Gleichzeitig steht die These im Raum, daß sich ein Staat mit so hohen Schulden, wie es derzeit der Fall ist, gar nicht anders denn über Inflation entschulden kann. Das heißt, daß er sich in einem Interessenskonflikt befindet. Denn Deflation erhöht den Wert seiner Schulden, er verliert damit (und mit den zu erwartenden Steuermindereinnahmen) Rückzahlpotenz, und steuert auf einen Staatsbankrott zu. Erhöht er stattdessen die Steuern, drückt er erneut die Wirtschaftsleistung - der nächste Teufelskreis setzt ein. 

Damit kann ein Staat in die Lage kommen, daß gar nichts mehr regelbar wird, er nichts mehr tun kann, außer sich möglichst wenig zu bewegen.

Auf den Euro betrachtet, bleibt, wenn man mit ihm Währungspolitik machen will, aber damit gar keine andere Wahl, als die jeweilige Nationale Wirtschafts- und Geldpolitik gleichzuschalten, um überhaupt Regelmöglichkeit, Handlungsfähigkeit zu bewahren. Unabhängig von der Charakteristik der jeweiligen Volkswirtschaften. Damit aber gefährdet man die Grundlage des Euro, die Stabilität und damit Steuertragekraft einer Volkswirtschaft selbst. Denn es sind immer die Volkswirtschaften, die eine Währung, und damit auch den Euro tragen müssen. In dieser Zwickmühle befindet sich Europa ja derzeit.

Denn was all diese Überlegungen zugrundeliegt ist das absolute Ziel, einen staatlichen Apparat "so wie er ist" aufrechtzuhalten. Nur so kann der gegebene Wohlstand* überhaupt gesichert werden. Dieses System ist also aus sich heraus gezwungen, sich in allen Faktoren unverändert zu halten. Wie bei einem Turm, der aus Bausteinen aufgebaut ist, und aus dem nach und nach Klötze herausgezogen werden. In der Hoffnung, daß es nicht dieser eine Klotz ist, der den Turm zum Einsturz bringt. Denn dann ist nichts mehr berechenbar.




*Ein zum Dogma erhobener Begriff, der mit dem eigentlichen Staatsziel - Gemeinwohl - nur noch am Rande zu tun hat. Aber er wird von der These gestützt, daß die politischen Systeme durch "soziale Unruhen" gefährdet werden können - so, wie man die Vorgänge 1933ff deutet. Damit wird Stabilitätspolitik mit Friedenspolitik gleichgesetzt. Man verkennt dabei aber etwas Wesentliches: Ist das System erdrückend, und dazu tendiert diese Stabilitätspolitik, erhöht sich erst recht das Rebellionspotential. Denn nimmt man den Menschen die Freiheit, engt man ihr Tun zu sehr auf "Alternativlosigkeit" ein, bricht sich die menschliche Natur in einem Befreiungsschlag bahn. Die nicht "im Wohlstand" leben will, sondern in der Freiheit des Lebensvollzugs, auch wenn sie vor der daraus erwachsenden Eigenverantwortung Angst hat.

Staaten und Völker müssen sich deshalb in einer Art dialektischem Pendeln verhalten und verhalten können. Kein System, kein Zustand, kein politisches System kann dogmatisiert und verewigt werden. Wenn man dieses Ausschlagen des Pendels, dieses Hin- und Herwechseln nicht akzeptieren will, steuert man auf eine umso schwerwiegendere Katastrophe zu, weil dazu notwendig ist, sämtliche Vorgänge in einem Volk und seinem Wirtschaften als Ausdruck des Lebensvollzugs zu paralysieren. Nur wenn man dieses Pendeln akzeptiert, wozu es ein Abgehen vom verabsolutierten Staatsverständnis braucht, kann sich ein Volk in einem gewissen Rahmen der Stabilität halten. Kurz gesagt: Ein Volk, ein Staatsgefüge braucht die Möglichkeit, sich durch laufende Krisen (und Reformen) in seiner Mitte zu halten, die die Resultante des Pendelns ist. Und dabei ist das Staatssystem nebensächlich. Auch die Regierungsform muß sich ändern können, denn jede Zeit hat - schon gar im Wechselspiel der Interaktion eines Staates im Rahmen eines überstaatlichen Gefüges - ihre je anderen Aufgabenstellungen. Anders geht das gar nicht. 

Wobei Stabilität - aber in dieser Form betrachtet - tatsächlich eines der vorrangigsten, wenn nicht DAS vorrangigste Ziel eines Staates ist. Nachdem wir aber dieses demokratische Gefüge verabsolutiert haben, steuern wir unweigerlich auf eine wirklich fundamentale Krise zu. Das Studium der Geschichte der Revolutionen zeigt dabei (es wurde an dieser Stelle bereits eingehend besprochen), daß es nicht die "Armen" sind, die solche Umstürze auslösen oder bewirken (es ist also nicht das "Wohlstandsgefälle", das "Unruhen" auslöst), sondern jene, die Wohlstand und Ansprüche HABEN - und diese Ansprüche ans Leben bedroht sehen.

Dabei stellt sich heraus, daß ein Staatsvolk, ein Volk, einen stabilisierenden Faktor als Mittelpunkt ihrer Kreise will und braucht. So, wie ihn der Fürst, der König, der Kaiser als Prinzip darstellt, und wie es in den europäischen Republiken der Präsident darzustellen versucht. Die Geschichte zeigt, daß sich ein Volk diesen Faktor, wenn er ausfällt - man betrachte zur Illustration die Geschichte der französischen Revolution - sogar SUCHT. Personal, denn ein Ideen- und Funktionssystem kann das niemals ersetzen. Menschliche Gemeinschaften brauchen Menschen als reale Anker dieser Gemeinschaftsgestalt, Idee kann das niemals ersetzen. Das ist keine "bedauerliche Konzession an Schwäche", sondern das ist Wesen des Menschlichen. Napoleon hat es als erster (damals) begriffen. 

Und auch die Entwicklung der Demokratien Europas zeigt diese unausweichliche Tendenz zur Personalität. Ja, das läßt sich selbst aus der Entwicklung der EU herauslesen, die im selben Atemzug als sie um personales Prinzip ringt, ihre Verankerung im Absoluten (durch Dogmatisierung und Totalisierung ihrer selbst) zu betreiben versucht. Denn weil diesem Prinzip heute die absolute Fundierung fehlt, darf man gespannt sein, was sich ent-wickeln wird. Gefährlich im Sinne des Gemeinwohls der Völker, der Politik ist nicht, das zu betreiben, sondern es nicht zu sehen. Denn damit entwickelt sich Ungesehenes, Unverantwortetes, wird das Sichtbare zum bloßen Schein. Es ist sinnlos, gegen das Sein handeln zu wollen.





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Donnerstag, 28. März 2013

Niedergang eines Standes - Adel (2)

2. Teil) Nur noch ein Zerrbild kam auf uns




Aus einer Gesellschaftsschichte, einem Stand der Edelen, der sittlichen Vorbilder, die die gesamte Gesellschaft durchformten, die unverzichtbare Zwischenglieder in der Gesamthierarchie waren, in Rechtsprechung oder Verwaltung, engstens existentiell selbst verbunden mit dem Schicksal des Landes, dem sie vorstanden, sodaß das Wohl ihrer Untertanen auch ihr eigenes war,
wurde eine Klasse, ein Rang der einfach Bevorrechteten, die ihre Rechte höchstherrlicher Willkür und Fügsamkeit, dem Zufall, der Cleverness verdankten. Mehr und mehr wurde so ihre Stellung zum Objekt des Neides, im besonderen der Bürgerschichte, wobei in Wahrheit niemand mehr wußte, wozu sie gut sein sollte.  Für sie selbst aber zum angsterfüllt zu hütenden Schatz, auf den es gar nie ein Recht gab - außer obrigkeitliche Willkür. Denn das wahre "Recht" des Adels lag stets nur in seiner Familie.

Das Ansehen schwand außerordentlich, und es schwand mit vollem Recht! Insbesonders am französischen Vorbild verdorben, wurde auch in Deutschland, etwas weniger in Österreich, der Adel zum gelangweilten funktionslosen Selbstzweck. Der nicht mehr "vom" Land lebte, das er selbst bebaute und bewohnte, sondern der es als Pfründe, als Geldquelle, als bloßes Vermögensteil aussaugte, in den meisten Fällen ohne jede persönliche Bindung - außer: Interessen - zu ihm. 

Der Adel spaltete sich längst, in den ursprünglichen und verwurzelten Landadel, der um seine Stellung betrogen wurde oder in ständiger Gefahr dazu stand, über den die Politik hinwegrauschte, oft genug mit brachialer Gewalt (im Brechen seiner Burgen), und in den bloßen Hofadel der höchstfürstlichen bzw. kaiserlichen Lakaien und Schranzen, ohne entsprechende charakterliche, sittliche Formung. Schon im Frankreich Richelieus läßt sich gut studieren, wie der defunktionalisierte Adel in militärische Aufgaben als Offiziere flüchtete, um wenigstens noch einen Rest des ursprünglichen Sinnes zu wahren, um überhaupt noch "für etwas gut" zu sein. Wo noch ein letzter Rest des mythischen Herkommens der Patriarchen (Adeligen) aus den Helden der Vorzeit "lebte", zumindest in der Phantasie.

Als Europa ins 19. und 20. Jhd. schritt, war diese Entwicklung bereits zu einem Endpunkt gelangt. Mit einer Aristokratie, die nur noch ein Schatten ihrer selbst war, leer und sinnlos, unwürdig und ohne jede Aufgabe, in der sich ursprünglicher und bester Landadel, wie er in Spurenelementen noch vorhanden war, mit dem aufgeblähten Hof- und Kaiseradel, der sich seit dem Mittelalter breitgemacht hatte, zu einer dekadenten Brühe vermischt hatte.

Gerade in Österreich ist aber damit vielfach in einer irrationalen Kaisernostalgie, in nebuloser Sehnsucht nach Monarchie, die viel lebendiger ist, als zugegeben wird, ein grotesk verzerrtes, oft genug regelrecht falsches und abzulehnendes Bild zum Zielpunkt der Sehnsüchte geworden. Gerade das, was oft als "Hochzeit" Österreichs gepriesen wird - in der Regentschaft Maria Theresias und Josefs II., deren Aufklärertum konsequent wie nie zuvor das Zerstörungswerk vollendete - zeigt sich bereits der pervertierte Gedanke einer ständischen, zur bloßen Rangordnung umgebogenen, vollends zentralisierten Gesellschaft, die dem Adel die letzte Funktion raubte.*

Geprägt, in den Köpfen der Menschen verankert in Jahrhunderten des Verfalls, wo schon der Gedanke des Adels durch Verleumdung und höchstherrliches Interesse verloren gegangen ist, weil seine Realität nur noch vereinzelt und in Resten rein erfahren werden konnte. Opfer des Kampfes der Zentralmacht gegen ihren gesellschaftlichen Mittelbau, der ihr im Wege war. Übrig blieb ein Adel, der in seinem Selbstgefühl, aus dieser gewußten Leere heraus, die Selbstbehauptung und Überheblichkeit der Angst (!) nach außen kehrte, das ihn vom Volk trennte, anstatt ihn zu verbinden. Gerade in den Kanzleibeamten und Hofschranzen lebt eindrucksvoll ein "Standes-"bewußtsein, das nur als bedauernswerte Neurose einzuschätzen ist, weil er sich in Wahrheit nie aus anderen Ständen wegbewegt, sich deshalb von ihnen in einem stets nur künstlichen Selbsterheben bloßen Ranges gefährdet weiß.

Hier wäre große Ernüchterung, vor allem aber klare Differenzierung am Platz. Wer über eine Erneuerung der Gesellschaft, unserer Kultur nachdenken will, muß vor allem darüber nachdenken, woher jene Eliten kommen sollen, die über den proletarisierten Massen, die nahezu sämtliche Schichten und Klassierungen heute darstellen, eine funktionierende gesellschaftliche Hierarchie aufbauen könnten. Aus dem, was sich - heimlich oder offen tradiert - als Adel darstellt, kommen sie jedenfalls nicht so einfach. Denn was sich als Adel darstellt bzw. darstellte, ist bzw. war nur noch ein Zerrbild des wahren Adels**. 

In dem seine ursprüngliche Aufgabe nur noch als schwacher Faden, als Erinnerung gar durchscheint. Die ältesten, der Ursprungskraft des Adels am nächsten stehenden Adelsgeschlechter und -familien sind mit dem Mittelalter fast restlos ausgestorben, und wurden durch den Adel, der bereits seiner ersten Umdefinition entsprang, ersetzt. Und selbst von diesen Nachfolgegeschlechtern, die noch mit den Besitztümern und Ländern der ältesten, ursprünglichsten Adelsfamilien her die uralten Pflichten und Rechten übernommen hatten, sind mit dem 18. Jhd. auffallend viele zumindest in ihren Hauptstämmen erloschen. Eine persönliche Erneuerung im tiefsten Sinne - weil eben Familien und -verbände nach dem Vollbringen ihres Wirkens erlöschen - gab es seit dem Mittelalter nicht mehr. Der seither hinzukommende Adel folgt bereits einer sinnwidrigen, verzerrten Idee.

Wenn, dann kann Adel aber nur aus Quellen kommen, in denen die wahre Geschichte des Volkes, dem sie als Gesellschaft eingefügt sind, gegenwärtig, und tragfähig, also sittlich lebendig und im Volk, im Boden verwurzelt ist. Dazu genügt Kaisernostalgie also sicher nicht. Und ganz sicher nicht das Wollen, zentralistische Deformation, ja Perversion der Reichsidee durchzusetzen.





*Man beachte alleine die maria-theresianische "Rechtsreform", die als staatsmännische Großtat zu sehen bereits anzeigt, welche Stunde für das Abendland, dessen Grundgedanke der organismische Föderalismus ist, geschlagen hat. In ihr hat die Kaiserin (sic! aus dynastischen Interessen wurde sogar diese Unmöglichkeit eines grundpatriarchalen Gedankens installiert, damit der monarchische Gedanke an sich sinnentleert!) die letzten Reste von Partikularismus mit eisernem Besen im Dienste des Zentralismus entsorgt. Gerade in Österreich wird vielfach mit nostalgischer Verklärung umgeben, was längst pure Dekadenz war, das Ende einleitete, anstatt im besten Sinn zu "reformieren". Selbst wenn man Maria Theresia zugute halten muß, daß sie vieles in Notwehr angesichts erdrückender - mit Preußen und Frankreich, aber selbst Rußland über Iwan den Schrecklichen und Peter den Großen in der Zentralisierung weit fortgeschrittener - Feinde tat, also "nachzog", indem sie Österreich ähnlich schlagfertig machte, was ihr bis zum 3. Schlesischen Krieg definitiv gelungen war. Aber der Preis war enorm.

**All das ist an der Epoche Friedrich II. des Staufers wunderbar erkennbar, wurde dort direkt eingeleitet, im Zentralstaat Friedrichs. Als einer Schlüsselepoche, die direkt in die Renaissance und in den endgültigen geistig-sittlichen Niedergang des Abendlandes führte. Es ist kein Wunder, daß Verehrer Friedrich II., der auf seine Weise ganz gewiß imponierend war, Verehrer eines abstrakt-objektivierten Beamtenstaates sind, die sich an Gedanken hoher nationaler Macht berauschen - wie von einem zentralen, großen Deutschland träumten, das sie ja auch durchsetzten - in dem zudem Adel nur Dekor ist.




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