Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Sonntag, 26. Juni 2022
Der kommende König ist nur noch nicht sichbar
Samstag, 10. April 2021
Gedankensplitter (1122)
Wenn wir aber sagen, daß alles in einem Wort gründet, so muß noch mehr gesagt werden (und wir haben die Ableitung hier bereits einmal unternommen), daß dieses Wort ein Name ist. Der Name für jene Person, die dieser Name ist, sodaß die Teilhabe an diesem Namen auch die Teilhabe an der Person selbst bedeutet. Wenn es denn in der rechten Haltung geschieht, ungeschuldet und nur im Bitten und Flehen. Nicht als Herrschaft, also keineswegs als Namensmagie. Wie die Kabbalah (glaubt man Gustav Meyrink in seinem "Golem") es technisiert zum Weltenschlüssel in der Sprechformel machen möchte.
Sagen wir nicht "Im Namen des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes", weil wir eine Handlung als von diesen kommend bezeichnen? Sodaß in dieser gesagten Teilhabe eine ganz reale stattfindet, und nur im Sagen dieses "im Namen"?
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Aber nun wird der Weg kurz, von dem aus diese Teilhabe an dem einen, alles begründenden und tragenden, im Sein erhaltenden Namen auch in einem anderen Punkte zur Weltensäule wird. Denn in der Öffnung, die dem Herzen eigen wird, wenn es in dieser rechten Haltung actu wird, öffnet sich das Tor der Welt hin zum Göttlichen. Das aus dem Universalen, das dem Namen Jesu so eigen ist, daß beides in eins fällt, und nur ihm.
Und zwar vorstellbar wie Abspaltungen, wo aus einem riesigen Pool von Möglichkeiten an Menschen alle Menschen hervorgehen. Wo somit aus dem Namen, in dem alle Namen enthalten sein müssen, alle Namen hervorgehen, in denen sich eine Seele zum Menschsein konzentriert.
Ob nun im Johannes oder Agnes oder Herbert, ob in Birger oder Michael oder Dragobert, sind die Namen die Pflanzschalen, in denen sich ein Allgemeines zu einem Spezifischen, ein Universales zu einem begrenzt Individuellen, auf einen bestimmten Ort konzentrierten Individuum - denn es ist der Ort, der individualisiert! es ist der Ort, der somit das ist, wodurch etwas und jemand "wird" - konstituiert. Konstituiert durch die Selbsttranszendierung. Und die ist ein Selbstüberschreiten auf ein Bild hin, auf eine Person hin, die der "Ur-Birger,", der "Ur-Sebastian", der "Ur-Johannes" war.
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Jeder später Kommende, dessen Teil als Ablaufmenetekel der Welt, in dem das Grundgesetz der Thermodynamik in einer eigenen Charakteristik erkennbar wird: Als Weg vom Allgemeinen zum je Spezielleren, das zugleich aber auch das Ärmere ist. Bis sich das Geflecht der Menschen so stark ausdifferenziert hat, bis auf dem schmalen Ort, an dem er zu stehen kommt, eines Tages gar kein Platz mehr ist, auf dem noch ein Mensch zu stehen kommt. Spätestens dann ist er da, der Tag des Endes, der Tag der Abrechnung, der Tag an dem die Welt aufhört.
Aber jeder dieser Kurt und Fritz und Gerlinde und Rattaboimine, jeder ist nur ein später Folgender dieses einen Ur-Fritz und -Gustav. Und er ist überhaupt nur er selbst, wenn er sich als Repräsentant dieser einen Art Mensch zu sein begreift. Dessen Individualität nicht darin besteht, daß er eine andere Kappe oder ein anderes Wamst oder ein anderes Güpfelchen am Schnubbel trägt, sondern daß er eine andere Art der Repräsentanz hat.
Die sich freiich im Rahmen der Grundgesetztheiten des Gustav-Seins bewegen muß, die aber dadurch "eigen", "individuell" ist, und NUR dadurch, das sie an diesem Ur-Gustave teilhat. In der rechten Haltung. Sonst fällt er ins Nichts. Nicht ganz, aber graduell, und mehr oder weniger, und irgendwann zu viel. Dann ist er tot. Und dann ist er vergessen.
So existiert nur, was im kleinen Plätzchen, dem Ort als Wesenskomposit, als Einzelnes einem großen oder riesigen Allgemeinen zugehört, in dem der kleine Name am äußersten Vorposten der Fronten und Begegnungen am großen ganzen Namen teilhat. Und diesem Namen alle Ehre verschaffen will, wie aus dieser Ehre selber lebt und den ihm gehörigen Grad der Autorität hat, weil ein Name auch eine bestimmte Position impliziert.
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So wie wir "Cappi" zum Orangensaft, "Keli" zur Limonade, Cola zum (egal welchem) Schwarzgebräu sagen, "Flotte Lotte" zum Passiergestell, und "Rüstiger Hansganz" zum Sauschlägel, die alle einmal und zum ersten Male unter diesem Ur-Namen an unsere Ohren gedrungen sind. Sodaß fortan im Namen eine Gattung des Existierens die Weltbühne betreten hat. Und alles Dingelchen, das fortan die Nutzanwendung fortführt, die nun im Weltengefüge ihren Platz, Anspruch und Pflicht weil Erwartungshaltung in so unzähligen anderen erweckt hat - denn eine Nachtbar ohne Cola ist nicht mehr möglich, die Nachtbar ist darauf ausgerichtet.
Ein Caesar ist ein Kaiser, eine Art, ein Ding, das einer Person entstammt. Ein Name wurde zum Ding, zum Titel! Mit dem sich mancher gerne schmückt, und noch mancherer alles daran setzt, daß ihm dieser Titel zugesprochen würde. Von jemandem, der diesen Namen in der Hand hält, um ihn vergeben zu dürfen. Dessen eigene Position in der Welt sich sogar (mit) daraus ableitet, daß er diesen Kaiser/Caesar zu vergeben, jemandem auf den Kopf zu drücken hat. Auf daß dieser unter dem höchlichsten Hut verschwinde, der Kaiser/Caesar ihn absorbiert.
Was sich im großen Weltenspiel so nachvollziehbar abrollt, hat dort nur seine große Musterrolle für jeden Einzelnen. Nur die Ebene ist anders. Die Art ist dieselbe. Und der Schweizer (der Melkknecht) ist nicht weniger KaiserSchweizer, wie der DreiPhasenhobler der KaiserDreiPhasenhobler, und wie der KonnotationenAmbrosius ein KaiserKonnotationenAmbrosius ist.
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Haben wir es denn heute aber anders? Sollten wir uns nicht (wenigstens hier) jeden Jammerton ausnahmsweisig versagen? Nennen wir unsere Kinder nicht nach Vorbildern, an denen wir Eigenschaften bewundern, die wir selber gerne hätten? Oder wir, indem wir sie in unserem Nachwuchs (endlich) finden? Hat sich also in der Teilhabe an den Eigenschaften eines Ur-... durch und mit der Namensgebung je etwas geändert?
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DAS ist der Grund, warum wir als alte Katholen, die wir nun mal sind, nicht den Geburtstag feiern, wie es die Heiden tun und getan haben, und damit die Welt und die leiblicher Abstammung hochpriesen als wäre sie der Umstand, daß es von diesem oder jenen in die Welt gebumst wurde auch ist, was ein Ding zu einem Ding macht, nein: Ein Ding wird zu einem Ding, weil es seinem Begriffe zustrebt, und ein Heinrich ist ein Heinrich, weil er seinem Väteli und Müateli ein herzlich Pfiatgott jodelt, wenn er aufbricht, um dem ersten Heinrich der Weltgeschichte zu- und nachzustreben.
Sodaß dieser Heinrich der Stammvater einer ganzen Pyramide, ja eines Pyramidengebäumsels wurde, das er stolz dereinst vor den himmlischen Vater trägt, der sie dann an den großen großen Knopf, diesen einen Namen anhängt, an dem alle Pyramiden hängen, große, kleine, alle, sodaß am Beginn wie Schlußstein der Kathedrale der Schöpfung auch hoffentlich ein kleines Ambrosius "sein-wollen" hängt. Siehst Du's nicht, werter Leser?
Sonntag, 2. Oktober 2016
Ohne persönliches Eigentum keine Kirche (2)
Samstag, 1. Oktober 2016
Ohne persönliches Eigentum keine Kirche (1)
Donnerstag, 8. September 2016
Persönlich ein Märtyrer, als Zar am falschen Ort
| Zar Nikolaus II. mit Frau Alexandra im Krönungsornat |
Private und religiöse Tugenden zählen hier nicht. Man muß auch der richtige Herrscher zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Und das war Nikolaus offenbar nicht für das Rußland der Wende vom 19. zum 20. Jhd. Er war kein großer Zar. Auch wenn das Krönungszeremoniell von den Byzantinern übernommen unverändert geblieben war.
Herrscher, die von einem großen Pflicht- und Hingabeethos getragen waren. Die ihre Arbeit taten und sich für nichts zu schade waren. Man denke alleine an den österreichischen Kaiser Franz Josef, einem Ausbund an Pflichtbewußtsein und Prinzipientreue. Es berührt, in Schönbrunn den Ohrenstuhl vor seinem Schreibtisch zu sehen, an dem die rechte Stütze dunkel ist, weil er so oft bis zur völligen Erschöpfung arbeitete, bis er einschlief. Oder gar an den sogar bereits seliggesprochenen letzten Habsburger Kaiser und König von Ungarn, Karl, der schon völlig hilflos noch sein Bestes versuchte, aber den Mut nicht mehr aufbrachte, sich auch mit Gewalt gegen den Zerfall zu stemmen. Ihre Mittel reichten aber nicht mehr für diese Zeit, und um sich zu modernen Despoten aufzuschwingen, wie sie als Politiker-Massenerscheinung bis heute kamen, fehlte ihnen die Niedrigkeit.
| Der Zar nahm die Krone zwar aus der Hand der Kirche, setzte sie aber selbst auf |
Die Monarchien, aus denen Europa damals mehrheitlich noch bestand, waren solche fast nur noch einem Anspruch (logos) nach, der kaum noch sichtbar und immer schwächlicher betrieben wurde - überlagert von einem neuen Schein. Nur noch darum ging es nun.
Es ist eine der so häufigen Ironien - dabei: so gerecht! - der Geschichte, daß die Romanows ausgerechnet von jenen Kräften, die sie in ihren größten "Erfolgen" so energisch ins Land holten und weckten, dann zum Opfer fallen sollten.
(Franz Josef hat zeitlebens keinen Fuß ins Parlament gesetzt.) Das Martyrium der beiden eng-persönlich wohl größten Herrscher des 20. Jhds. - Karl von Habsburg und Nikolaus II. von Rußland - war ein Martyrium am Abendland überhaupt. An seinem logos, seiner konstituierenden wie einzig organischen Form, die durch den Technizismus bereits unwiederbringlich zersetzt waren.
Denn die gesellschaftlich bestimmenden Kräfte waren nicht mehr an die eigentliche, einzig lebendige Achse angebunden: die des Persönlichen. Politik kann nur persönliches Stehen vor Gott, nicht eine Resultante von Ablaufoptimierungen und "Fähigkeiten" sein. Sie ist deshalb eine Frage des Ortes. Und nur mit Abscheu kann man die Politiker der Gegenwart - sämtlich illegitime (wenn auch "legale") Emporkömmlinge und Charakterwüsten - betrachten, die um diese Notsituation, in der sie in den Demokratien stehen, gar nicht mehr erkennen. Volk und Herrschaft stehen in einer organischen, persönlichen Schicksalsgemeinschaft zueinander, wo sich das Persönliche aus dem Ort definiert, dem logos, dem Wesen, nicht aus "Fähigkeiten". Oder sie fallen. Beide.
Freitag, 1. Juli 2016
Die Stunde ist gekommen
Freitag, 6. Mai 2016
Was dem Staat noch alles einfallen wird (2)
Der VdZ glaubt zwar nicht, daß sich diese Vorgänge bei uns buchstäblich wiederholen. Aber er hat längst nachzudenken begonnen, wo sich exakt dieselben Vorgänge, die in der Logik des heutigen Zentral- und Versorgungsstaates liegen, also in derselben Linie wie der des Rom der Kaiserzeit seit Caesar, in lediglich anderer Kostümierung wiederfinden. Oder anbahnen. Denn daß es auf die selben Ergebnisse hinauslaufen wird, daran hat er keinen Zweifel. Zumal wir es in den ehemaligen Ostblock-Staaten ja erst kürzlich hatten, und in China nach wie vor nicht weit davon entfernt sind.
Donnerstag, 5. Mai 2016
Was dem Staat noch alles einfallen wird (1)
Nun steht Deutschlands Staat vor einer schwierigen Aufgabe: Er muß sich entscheiden, ob er diese Form der "Vorsorge" im ihrem Realwert garantiert und stützt, oder den Wirren der Zeit ausliefert. Es ist eine Entscheidung um viele Milliarden, die auf den deutschen Fiskus zukommen. Und ohnehin nur eine Entscheidung über die Sozialisierung von Verlusten, die über Stueern wieder ausgeglichen werden muß. Aber immerhin hat die Politik es den Bürgern eingeredet!
Denn auch die Rechnungen eines BIP sind ja zu großen Teilen ein Wettbewerb im Selbst- und Volkbelügen - alleine die Sozialleistungen etwa (man denke nur an die Kosten der Zuwanderung) sind zwar für den Einzelnen "Einkommen", aber in Summe pure Belastung für ein Staatsvolk. Gleiches gilt - wenn auch mit anderen Aspekten - für Beamte, Sozialpädagogen, und weiß der Deibel was noch an staatsöffentlichkeitsbezahlter Tätigkeit. Wenn also "Experten" im Fernsehen auftauchen, die von "wirtschaftsbelebenden Effekten" solcher Ausgaben faseln, sollte man sie sofort in die nächste Waschstraße oder zur Bautruppe am nächsten Hochhaus in Frankfurt schicken, die noch Bedarf an adäquatem Personal hat.
Machen wir es an einem weitern Beispiel fest, vielleicht diesmal einleuchtender: Jemand investiert 100 Euro in Betriebsaktien "Superprodukt". Das ist zufällig das Unternehmen, in dem er arbeitet. Nun werden ihm 4 % Rendite versprochen, heutzutage viel. Was freilich niemand dazusagte: Diese 4 % Rendite sind vom Gewinn dieser Firma abzuleiten. Das heißt: Der Mann muß auch um 4 % (wozu noch Reibungsverluste kommen, denn jeder Vorgang zusätzlich kostet auch zusätzlich Energie, also Geld, Arbeitskraft etc.) "besser" arbeiten. Etwa um 4 % mehr Superprodukte herstellen, oder um den Betrag dieser 4 % mehr arbeiten, ohne mehr Lohn zu erhalten. Er bezahlt sich also in jedem Fall diese "Rendite" selbst.
Mittwoch, 8. Oktober 2014
Tanz um den Funken Wahrheit
Denn der Irrtum, der Fehler war nicht "der Holocaust" oder "der Nationalsozialismus", sondern diese (preußische, im wahrsten Sinn: moderne) "Idee von Deutschland", die tatsächlich von so vielen politischen Entwicklungen nicht zu trennen ist. Und nur deshalb hielt, weil das wahre Deutschland - das zumindest aus zwei Kulturkreisen und Volkswesen und damit Staaten besteht (Stichwort "Weißwurstäquator") - von einer Ideendecke ins Vergessen abgedrängt und künstlich zu einem "neuen Deutschland" gemacht wurde. Das tatsächlich "neu" war. Und der sich im Nationalsozialismus (was an dieser Stelle schon hinlänglich begründet wurde) als Prototyp des heutigen modernen Staates nur auf die Spitze brachte, in Wahrheit aber nicht aufhörte, auch nicht 1945.
Gelingt es nicht, diesen gewissermaßen "dritten Weg" zu beschreiten, droht Deutschland in den nächsten Jahren neuerlich in bloße dialektische Gegenreaktion zu verfallen, um sich - notwendigerweise! - einen Platz in der Welt zu sichern. Denn das derzeitige Vokabular, das auch in sogenannten rechten Kreisen auftaucht, ist völlig ungeeignet und voller Widersprüche. Damit wenig geeignet, das Mißtrauen, das man dabei unwillkürlich empfindet, zu überwinden.*
*Nicht unähnlich der Reaktion vieler, die gegen den Islam wettern, und mit den neblichten Schlagworten Demokratie und Stellung der Frau als zu verteidigende Werte argumentieren. Und sich damit auf derselben Wesensebene wie der Islamismus bewegen, nur die eine Blüte gegen eine andere austauschen wollen, "weil sie halt recht haben".
Freitag, 3. Januar 2014
Koalition der Wurzellosen
*Kaiser Maximilian mußte bereits zu Beginn des 16. Jhds. Gesetze zur Wiederaufforstung im Unterland von Tirol erlassen, weil der durch die Pächter (wie die Fugger, Welser etc. - alles Emporkömmlinge, sie alle kamen aus dem Nichts, und doch stützte sich die kaiserliche Macht fast zur Gänze auf sie) Salz-, Kupfer- und Silberbergbau, der sich ausschließlich durch SEINE bzw. kaiserliche Initiative entfaltet hatte, die Wälder rücksichtslos abgeholzt und Mondlandschaften hinterlassen hatte.
****Auch der Begriff des Monarchen ist ja ohne Bezug zum Boden, ohne feste Verankerung. Und bis in die neueste Neuzeit hinein war ihr Herrschaftsbereich nicht auf Land und Boden bezogen, sondern lediglich an ihre Person und persönliche Bindung. Mit dem Volk verwurzelt waren immer nur die kleinen Vögte und Grafen und Herzöge, die aus den Besten des Volkes jeweils hervorgingen bzw. sogar gewählt wurden. Adel im besten, ja im eigentlichen und patriarchalen Sinne, als mit dem Volk zur Familie verbundener Landadel, wie es ihn sehr wohl gab. (Eine sehr lesenswerte Geschichte, die glaubhaft die Entstehung solcher gesunder Volksstrukturen beschreibt, ist "Witiko" von Stifter.) Die Entartung der Herrschaft zur Unterdrückung ihrer Untergebenen, wie sie etwa auch in der selben Zeit ihre Auswüchse zeitigte, wo die Untertanen im eigentlichen Sinn entstanden, willenloses Material in den Händen herrscherlicher Willkür, geht bereits auf einen neuen, wurzellosen Kunstadel zurück, der sich aus königlichen, monarchischen Dienstnehmern - wieder allesamt Emporkömmlinge - rekrutierte.
Samstag, 14. Dezember 2013
Die Sache des Volkes
Freitag, 6. Dezember 2013
Ins Gegenteil umgeschlagen
*Die Idee des Reichs und Kaisers ist aber die einer "mystische Ehe", unauflöslich und in einem wechselseitigen Rhythmus mit der Kirche gekoppelt, weil sie nur so die Doppelnatur der weltlichen Macht (geistlich und politisch) in der Inkarnation des Reiches Gottes, der Kirche also, verkörpert. Die spätere Entwicklung des Kaisertums läßt sich als notbedingtes Ringen um weltlich-politische Macht, zu deren Faktor sie reduziert wurde, definieren, wo die Kaiser dieser reinen Idee in der Suche um ihr zweites Bein sogar oft treuer blieben, als die Kirche, die nicht selten ihre Rolle verweigerte, selbst jenes Bein, das sie selbst sich abschlug, zu ersetzen suchte. Und ihr "Bündnis mit dem Thron" immer wieder neu zu gründen suchte. Die Milch war aber bereits damals verschüttet.
Mittwoch, 30. Oktober 2013
Ein neues Reich
Denn mit den Karolingern sind die Könige/Kaiser der Kirche unterstellt. Ihr verdanken sie ihre Legitimität. Mit der Renaissance freilich lebt der alte Herrscherbegriff wieder auf, und spitzt sich im Absolutismus zu. Noch Ludwig II. (der Bayernkönig) wird sich im 19. Jahrhundert auf dieses alte Herrscherverständnis berufen.
*Man betrachte nur den Fall der Anglikanischen Kirche - deren Oberhaupt der König ist. Auch der Protestantismus in Deutschland wird später aus vielen Quellen dieser Richtung gespeist. Denn eigentlich lebt in Luther diese Einheit des Amtes - im Landesherren, in der staatlichen Obrigkeit - wieder auf, die der Papst Gregor VII. auseinandergerissen hat. Während bei Luther die Kirche als Institution überhaupt verschwindet.
*301013*
Dienstag, 9. Juli 2013
Teufelskreise
| Quelle: FAZ |
Donnerstag, 28. März 2013
Niedergang eines Standes - Adel (2)
Geprägt, in den Köpfen der Menschen verankert in Jahrhunderten des Verfalls, wo schon der Gedanke des Adels durch Verleumdung und höchstherrliches Interesse verloren gegangen ist, weil seine Realität nur noch vereinzelt und in Resten rein erfahren werden konnte. Opfer des Kampfes der Zentralmacht gegen ihren gesellschaftlichen Mittelbau, der ihr im Wege war. Übrig blieb ein Adel, der in seinem Selbstgefühl, aus dieser gewußten Leere heraus, die Selbstbehauptung und Überheblichkeit der Angst (!) nach außen kehrte, das ihn vom Volk trennte, anstatt ihn zu verbinden. Gerade in den Kanzleibeamten und Hofschranzen lebt eindrucksvoll ein "Standes-"bewußtsein, das nur als bedauernswerte Neurose einzuschätzen ist, weil er sich in Wahrheit nie aus anderen Ständen wegbewegt, sich deshalb von ihnen in einem stets nur künstlichen Selbsterheben bloßen Ranges gefährdet weiß.
In dem seine ursprüngliche Aufgabe nur noch als schwacher Faden, als Erinnerung gar durchscheint. Die ältesten, der Ursprungskraft des Adels am nächsten stehenden Adelsgeschlechter und -familien sind mit dem Mittelalter fast restlos ausgestorben, und wurden durch den Adel, der bereits seiner ersten Umdefinition entsprang, ersetzt. Und selbst von diesen Nachfolgegeschlechtern, die noch mit den Besitztümern und Ländern der ältesten, ursprünglichsten Adelsfamilien her die uralten Pflichten und Rechten übernommen hatten, sind mit dem 18. Jhd. auffallend viele zumindest in ihren Hauptstämmen erloschen. Eine persönliche Erneuerung im tiefsten Sinne - weil eben Familien und -verbände nach dem Vollbringen ihres Wirkens erlöschen - gab es seit dem Mittelalter nicht mehr. Der seither hinzukommende Adel folgt bereits einer sinnwidrigen, verzerrten Idee.
Wenn, dann kann Adel aber nur aus Quellen kommen, in denen die wahre Geschichte des Volkes, dem sie als Gesellschaft eingefügt sind, gegenwärtig, und tragfähig, also sittlich lebendig und im Volk, im Boden verwurzelt ist. Dazu genügt Kaisernostalgie also sicher nicht. Und ganz sicher nicht das Wollen, zentralistische Deformation, ja Perversion der Reichsidee durchzusetzen.
*Man beachte alleine die maria-theresianische "Rechtsreform", die als staatsmännische Großtat zu sehen bereits anzeigt, welche Stunde für das Abendland, dessen Grundgedanke der organismische Föderalismus ist, geschlagen hat. In ihr hat die Kaiserin (sic! aus dynastischen Interessen wurde sogar diese Unmöglichkeit eines grundpatriarchalen Gedankens installiert, damit der monarchische Gedanke an sich sinnentleert!) die letzten Reste von Partikularismus mit eisernem Besen im Dienste des Zentralismus entsorgt. Gerade in Österreich wird vielfach mit nostalgischer Verklärung umgeben, was längst pure Dekadenz war, das Ende einleitete, anstatt im besten Sinn zu "reformieren". Selbst wenn man Maria Theresia zugute halten muß, daß sie vieles in Notwehr angesichts erdrückender - mit Preußen und Frankreich, aber selbst Rußland über Iwan den Schrecklichen und Peter den Großen in der Zentralisierung weit fortgeschrittener - Feinde tat, also "nachzog", indem sie Österreich ähnlich schlagfertig machte, was ihr bis zum 3. Schlesischen Krieg definitiv gelungen war. Aber der Preis war enorm.
